leser schrieb:PS: Ich persönlich halte einige Deiner Vorhaben, wegen mangelnder Erfahrung mit den dortigen Verhältnissen und bei (nach Selbsteinschätzung) mäßiger physischer Leistungsfähigkeit für keine gute Idee.
... als jemand, der so "komische Sachen" ja schon gemacht hat, möchte ich gerne ergänzen, dass die nötige physische Leistungsfähigkeit oft überschätzt und die psychische meist unterschätzt wird. Natürlich ist es einfacher, wenn man körperlich fit ist, aber die tatsächliche Grenze setzt oft die Psyche und das meist, bevor die körperlichen Möglichkeiten auch nur annähernd ausgeschöpft sind.
Jemand, der körperlich 100% fit ist, aber Zweifel an seinem Vorhaben hat, der wird weniger schaffen als jemand, der halb so fit ist, aber an sein Ziel glaubt.
Ich habe diese Erkenntnis durch ein Erlebnis in Alaska gewonnen. Dort traf ich auf dem Alaska Highway einen anderen Radler aus Deutschland. Er war Triathlet und topfit. Am nächsten Tag sind wir mit MTBs und Stollenreifen mit Gepäck 90 km in 3,5 Stunden gefahren. Zieht man die Fotostopps und die kurze Mittagspause ab, war das ungefähr ein Schnitt von 30 km/h (schaffe ich heute nicht mal annähernd mehr, ist aber auch nicht nötig). Er fuhr die ganze Zeit im Wind und ich hatte Mühe, im Windschatten zu folgen. Es war ja auch nicht immer eben.
Als wir uns am Folgetag am Vormittag trennten und ich Richtung Polarmeer auf eine Piste abbog, sagte er, das würde er sich niemals zutrauen. In diesem Moment habe ich erkannt, dass die körperliche Fitness nicht die alleinige Grenze darstellt. Es gibt ein psychisches Limit als zweite Grenze. Diejenige, die man zuerst erreicht, bestimmt die Möglichkeiten.
Ich denke, das ist auch eine Art Schutzfunktion. Erreicht man die körperliche Grenze zuerst, liegt man womöglich verdurstet nutzlos in der Wüste rum. 😉
Ist schon gut, wenn man rechtzeitig die Reißleine zieht, aber Viele tun es unnötig früh. Jedem, der in der Wüste unterwegs ist, sollte aber der Begriff und die Bedeutung vom "Point of no Return" bekannt sein.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...