Wer vor der Reise nach Namibia die Hochglanz-Prospekte und perfekt inszenierten Instagram-Feeds studiert, erwartet ein magisches afrikanisches Abenteuer. Die Realität sieht jedoch oft ganz anders aus. Nach unserer Rundreise können wir den aktuellen Hype um dieses Land absolut nicht nachvollziehen. Namibia ist vor allem eines: gähnende Leere, verpackt in endlosen, lebensgefährlichen Autofahrten und unerwartetem Massentourismus-Frust.
Hier sind die Hauptgründe, warum das Land den Erwartungen absolut nicht gerecht wird:
Stundenlang Nichts auf brutalen, gefährlichen Schotterpisten: Die Distanzen werden komplett unterschätzt. Man verbringt 80 Prozent des Urlaubs im Auto und starrt auf monotone Landschaften. Die Pisten sind mörderisch: Durch die extreme Wellenstruktur der Straßen sieht man Gegenverkehr oft erst im letzten Moment. Es wird rücksichtslos gerast – viele Einheimische und Touristen brettern auf engen Wegen mit 120 km/h statt der erlaubten 60-80 km/h an einem vorbei.
Blindflug im Staub und Wildunfall-Gefahr: Wenn man überholt wird oder Gegenverkehr hat, steht man sekundenlang in einer massiven Staubwand. Man sieht absolut nichts mehr. Wenn genau in diesem Moment Wildtiere auf die Straße springen, hat man keine Chance zu reagieren. Die Unfallgefahr ist permanent riesig.
Materialschäden trotz gutem Fahrzeug: Wir hatten eigentlich einen guten Toyota Hilux, aber selbst solche robusten Geländewagen stoßen auf diesen extremen Schotterpisten an ihre absoluten Grenzen. Die ständige, brutale Holperei auf dem Wellblech zerstört einfach alles. Bei unserem Wagen haben sich durch die heftigen Erschütterungen die Schrauben des Dachzeltes gelöst und sind während der Fahrt abgefallen! Wir können von purem Glück sprechen, dass uns das schwere Dachzelt nicht mitten auf der Piste runtergekracht oder dem Hintermann in die Frontscheibe geflogen ist.
Unterirdischer Service in staatlichen Camps: Zu den ohnehin schon völlig überzogenen Preisen kommt eine absolute Servicewüste in den staatlichen Unterkünften (NWR). Das Personal in den staatlichen Camps ist mega gelangweilt und überhaupt nicht serviceorientiert. Man fühlt sich als zahlender Gast eher wie ein störender Bittsteller als willkommen.
Der "Aldi-Effekt" am Spitzkoppe Rock Arch: Wer glaubt, an der berühmten Steinbrücke in der Spitzkoppe einsame Naturromantik zu finden, irrt gewaltig. Die Brücke ist ein absoluter Massentouristenmagnet. Kurz vor Sonnenuntergang bildet sich am Bogen eine Schlange wie beim Aldi am Wochenende. Einige Touristen nehmen absolut keine Rücksicht und blockieren die Location ewig: Erst werden unzählige Fotos mit dem Handy geschossen, danach das Ganze noch mal mit der "richtigen" Kamera. Spricht man sie darauf an, damit es schneller geht, lassen sie einen zwar vor, lassen aber ihren ganzen Krempel, Rucksäcke und Taschen mitten im Bild liegen. Das ist dort leider keine Ausnahme, sondern die Regel!
Stressfaktor Straßenverkehr: Zu der ohnehin schon anstrengenden Umstellung auf den Linksverkehr kommt hinzu, dass sich vor allem Einheimische kaum an Regeln halten. Im Sossusvlei wird weit über dem Limit gerast und in Städten wie Swakopmund ignorieren Fußgänger regelmäßig rote Ampeln. Das erfordert permanente, extrem ermüdende Zusatzkonzentration.
Massentourismus und rücksichtslose Touristen in Sossusvlei: Sossusvlei ist eine riesige Sandkiste. Wer um fünf Uhr morgens aufsteht, um im Kolonnenverkehr zum Parktor zu hetzen, verliert jegliches Gefühl von "unberührter Natur". Besonders nervig: Touristenkolonnen (in unserem Fall große Gruppen aus China), die dann 15 bis 20 Minuten vor der Öffnung der Gates mit laufenden Motoren in der Schlange stehen und die Wüstenluft verpesten.
Katzen-Enttäuschung im Etosha-Nationalpark: Wer die epische Wildnis aus Dokumentationen sucht, wird bitter enttäuscht. Raubkatzen wie Leoparden, Geparden oder Löwen sieht man extrem selten. Wir haben erst an unserem fünften (!) Tag im Park ein Löwenrudel entdeckt. Viele Touristen, die nur für zwei oder drei Tage in den Etosha kommen, verlassen den Park, ohne eine einzige Katze gesehen zu haben. Man fährt im Grunde nur von einem künstlichen Wasserloch zum nächsten – das fühlt sich eher wie ein staubiger Safaripark an.
Swakopmund – Kulinarisch gut, aber sonst tote Hose: Die Stadt wirkt wie ein bizarres, deutsches Kolonial-Freilichtmuseum im Nebel, das sonntags komplett ausstirbt. Man muss fairerweise sagen: Kulinarisch wird einiges geboten, es gibt viele Restaurants mit qualitativ sehr gutem und leckerem Essen. Abgesehen von ein paar soliden Ausflügen wird hier aber extrem wenig geboten. Nach einem Tag hat man alles gesehen.
Fazit:
Namibia wird als das ultimative Individualisten-Paradies vermarktet, ist aber letztlich eine staubige, überteuerte und durch den rücksichtslosen Tourismus, den schlechten staatlichen Service sowie die materialschädigenden Straßenverhältnisse schlichtweg nervige und gefährliche Angelegenheit. Wer endlose Leere und das Risiko sucht, wird es vielleicht mögen – für alle anderen ist der Hype reine Marketing-Illusion.