Die Eulenmuckels zwischen Löwen, Walen und Blumen

Reisebericht 72 Antworten · 6’834 Aufrufe · gestartet 06. Sept. 2026 von Eulenmuckel
464 Beiträge · seit 201227. Sept. 2026 ·


Eulenmuckel schrieb:Lannerfalke

Oh mein Gott! Was habt ihr gemacht?! Dem armen Vogel stehen ja die Federn zu Berge! 🤣


Ansonsten würde mich interessieren, wie nah der Schakal der Hyäne wirklich kam. Auf Teleaufnahmen kann man ja die Distanz sehr schnell falsch einschätzen. Aber bei dem Foto sieht es ja so aus, als ob der Schakal im Schatten der Hyäne steht! 😮

Mit "Safari" auf Safari (Namibia Mai 2014) "Safari" pur! Mit Löwin auf Tour! (Namibia April 2024) "Safari" am Ende der Welt (Australien Dez 2024) "Safari" , Löwinnen überall! (Namibia+KTP März 2026)
107 Beiträge · seit 202427. Sept. 2026 ·
¡Hola!  Meine Güte - was für eine Sichtung…! Ich habe die Zeilen und Foto‘s beim ersten Mal Lesen nur überflogen… ich konnte nkaum glauben, dies zu lesen und zu sehen. Ein zweites Mal gelesen, langsamer und die Fotos geguckt… da floss schon das ein oder andere Tränchen… (Tut‘ s immer noch). Auch wenn‘s dazugehört…

Hut ab vor Euch, dies in Wort und Bild festzuhalten!

Liebe Grüße, Dorie

Themenstarter2’124 Beiträge · seit 200629. Sept. 2026 ·
@Black Lion: Der Schakal stand unmittelbar neben der Hyäne, vielleicht einen Meter entfernt. Offensichtlich fühlte er sich nicht bedroht oder in unmittelbarer Gefahr.

@Dorie: Es tut uns leid, dass dich die Geschichte so mitgenommen hat. Aber man müsste schon sehr abgebrüht sein, wenn einen das Geschehen in der Löwenfamilie nicht beschäftigt.

Vielen Dank und viele Grüße
Uwe
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107 Beiträge · seit 202429. Sept. 2026 ·
Hallo ihr Zwei,

Nein nein, dass muss euch nicht leidtun (ich bin halt eher von der Fraktion Warmduscher und nah am Wasser gebaut…).  Afrika ist ja kein Ponyhof, und selbst wenn eure Story sehr aufwühlend war, so ist es euch aber sehr gut gelungen, diesen Teil der rauhen und  auch brutal anmutenden Natur sehr eindrucksvoll darzustellen.

Es stimmt natürlich, dass man sehr abgebrüht sein müssste, dass einen eine solche Geschichte nicht kalt lässt…


Liebe Grüße, Dorie

783 Beiträge · seit 201729. Sept. 2026 ·
Hallo Zusammen, wie schön, dass es wieder einen Bericht von euch gibt! Ich lese sie immer sehr gerne und auch die Fotos sind grossartig.

Zu der Löwengeschichte ist schon alles gesagt… ich bin froh, dass ich sowas nicht erleben musste. Klar ist es Natur, aber trotzdem unfassbar. Ich freue mich auf die Fortsetzung! Liebe Grüsse 

Caroline 

2016: Südafrika mit Gardenroute 2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius 2020: Kapstadt und Gardenroute 2022: Namibia 2024: Namibia und Südafrika 2026: Namibia und Botswana
Themenstarter2’124 Beiträge · seit 200630. Sept. 2026 ·

Mittwoch, 29. Juli 2026 – Löwenmorgen

Rooiputs, KTP

Das Löwenbrüllen am Morgen ist genau das gleiche wie gestern. Es kommt wieder aus derselben Richtung und hört sich ähnlich weit entfernt an. Wir vermuten schon, dass es der Weckton eines Nachbarcampers ist. Egal, bei uns hat es jedenfalls funktioniert.

Wir stehen ein bisschen früher auf, um etwas mehr Zeit zu haben. Es gibt nämlich schon sehr viele Handgriffe zu erledigen. Die Wildkamera muss ausgeschaltet, gesichtet und eingepackt werden – wieder nur Schakale. Die Fotokamera mit Stativ muss eingepackt werden – die ganze Nacht über ist der Vollmond über den Himmel gewandert, dazu sind viele kleine Wölkchen gezogen. Im Auto muss alles Mögliche verpackt, verräumt und festgezurrt werden. Währenddessen kochen wir Wasser für alle und trinken Kaffee und Tee.

An einem kalten Morgen taugt der Topf nach dem Wasserkochen auch gleich noch als Handwärmer.

Wieder fahren wir nach Norden. Auf dem Weg nach Kij Kij sehen wir einige Sekretäre – so viele wie heute und in den letzten Tagen haben wir noch nie entdeckt.

Steppenfalke junger Singhabicht (Danke an Konni)

Katrin und Martin fahren schon ein Stück vor und melden per Funk Löwen beim Wasserloch. Wir hoffen, dass das Erlebnis diesmal freundlicher sein wird und wir nicht nur noch EIN ganz besonders dickes Jungtier vorfinden werden. Als wir uns nähern, sind wir beruhigt, denn wir sehen schon von Weitem die Löwenmutter mit ihren zwei Kleinen. Wir kommen als zweites Auto dazu und haben die kleine Katzenfamilie im schönsten Morgenlicht für uns.

Die Kinder spielen, verstecken sich, ducken sich in Gras, pirschen sich an und verbeißen sich im Schwanz ihrer Mutter. Es wird gerangelt, gebalgt und getobt.

Die Löwin muss mit, egal ob sie will oder nicht. Wenn es ihr gar zu wild zugeht, erhebt sie sich und wandert ein paar Schritte weiter. Doch auch an der neuen Stelle wird sie rasch ins Spiel eingebunden und besprungen. Geduldig lässt sie das Geturne über sich ergehen und beobachtet ihre Jungen. Die Löwenkinder maunzen und quietschen, und die Löwin ruft auch hin und wieder.

Nach einer halben Stunde steht sie auf und spaziert gefolgt von ihrem Nachwuchs quer über die Straße und die Hügel davon. Schon bald können wir in der dichten Vegetation nur noch ihren Kopf und ab und zu ein hopsendes Kätzchen erblicken.

Wir sind glücklich. So ein Erlebnis ist uns doch deutlich lieber. Wir schauen kurz noch über die Dünenstraße, doch von dem restlichen Rudel ist weit und breit nichts zu sehen, und so biegen wir wieder nordwärts ins Nossobtal ein.

SchnurrbärtchenAn der kleinen Erhöhung, von der aus man ins Tal blicken kann, steht ein Auto. Der Fahrer macht uns auf eine Wildkatze aufmerksam, die hier in den Bäumen herumstrolchen soll. Wir strengen uns sehr an und suchen und suchen. Als wir gerade aufgeben und weiterfahren wollen, nehmen wir eine Bewegung in einem ganz anderen Gebüsch wahr. Wie ist die Katze denn auf einmal hier hingekommen? Sie ist zwischen den Schatten der Äste sehr gut getarnt und duckt sich in ihr Versteck. Nach einer Weile verlässt sie ihre Deckung und läuft zielstrebig in Richtung der Dünen. Immer wieder hält sie inne und lauscht mit gespitzten Ohren.

Auf dem weiteren Weg nach Melkvlei laufen wieder Sekretäre neben der Straße.

Wir frühstücken wie gestern in der Sonne. Die restlichen Roesterkoek gibt es mit Marmelade, Nocciolata und Käse. Wir lassen uns Zeit und fahren dann gemütlich zurück nach Rooiputs. Der Sand neben der Straße ist stellenweise so durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Unzählige Mäuse und Ratten leben hier. Auch heute entdecken wir Gleitaare, Falken und Bussarde, die gerade ihre Beute verspeisen.

RostschwanzschmätzerLannerfalke

Schwalbenschwanz-Spint

Auf unserem Stellplatz machen wir Mittagspause und ruhen uns im Camper aus. Ruth schläft, Uwe bearbeitet Fotos. So starten wir gut ausgeruht am frühen Nachmittag wieder in den Park.

Katrin und Martin bleiben noch ein wenig länger im Camp. Wir fahren nach Twee Rivieren, duschen und kaufen Brot. Auf dem Rückweg kommen uns unsere Freunde entgegen. Sie wollen auch noch kurz ins Camp. Wir fahren gemütlich nach Norden. Eigentlich wollen wir noch einmal nach Kij Kij, aber bei Leeuwdril sitzt ein Raubadler auf seinem Nest und füttert sein Küken. Dort bleiben wir lange stehen.

Daher kommen wir am Ende nicht weiter als bis Rooiputs. Zwei Autos stehen auf der Straße, und ein Mädchen zeigt zur Seite, hält die Tinkers Map aus dem Fenster und deutet auf das Bild der Hyäne. Leider sehen wir von unserer Position überhaupt nichts. Erst als wir ein Stück weiterfahren können, entdecken wir oben auf einem Hügel den Rücken einer Tüpfelhyäne. Es sind sogar drei erwachsene Tiere, die dort platt auf dem Kamm liegen. Manchmal wuselt auch ein kleines, braunes Fellknäuel im Gebüsch herum. Meist ist es von Büschen oder Gras verdeckt, aber wir haben ja noch etwas Zeit. So bleiben wir bis sechs Uhr dort und freuen uns jedes Mal, wenn wir das Hyänenkind ein wenig besser sehen können. Gut möglich und sogar wahrscheinlich, dass dies die Familie ist, die uns schon angekündigt wurde. Manchmal sind nur ein paar Meter ausschlaggebend, ob man ein Tier zwischen der Vegetation ausmachen kann, oder nicht.

Als wir schon aufbrechen wollen, entdecken unsere Freunde, die mittlerweile auch eingetroffen sind, noch einen Kapfuchs, der sich ganz in der Nähe der Straße zusammengekuschelt hat. Was für ein schöner Abschluss eines erfolgreichen Safaritages.


Wir fahren ins Camp und kochen Abendessen. Es gibt Nudeln mit Hackfleischsoße. Während wir noch herumwuseln und das Essen vorbereiten, hört Ruth ein Rascheln im Gras. An der Intonation und Dringlichkeit ihres Alarmcalls „Was ist das?“ kann Uwe mittlerweile schon erkennen, wann es sich um eine Maus und wann eher um ein größeres Tier handeln muss. Dieses scheint also größer zu sein. Wir erheben uns von unseren Stühlen im A-Frame, schauen vorsichtig aus dem Häuschen und blicken direkt in ein rundes Hyänengesicht – und das gleich dreimal. Die drei Tiere haben sich bis an unser Auto herangepirscht und schauen nun, ob etwas zu Essen für sie abfällt. Puh! Zum Glück sind es keine Löwen, denn dann wären wir nicht so gut darin, uns unseren Respekt nicht anmerken zu lassen. Wir klatschen in die Hände und machen ein paar energische Schritte auf sie zu, so dass die ungebetenen Gäste sich auch gleich wieder vom Acker machen. Nur gut, dass sie anscheinend nicht wissen, dass ihre Zähne den unsrigen ziemlich überlegen sind. Wir leuchten ihnen mit unseren Taschenlampen hinterher, bis wir sicher sind, dass sie nicht gleich wieder an unserm Tisch stehen.

Unsere Nudeln schmecken prima, und die Portion ist ziemlich groß. Trotzdem lassen wir nichts übrig, denn wir wollen morgen ja wieder schönes Wetter haben. Im Baum in unserem Camp ruft eine Weißgesicht-Eule. Ruth hat sie schnell gefunden.
Auch heute bleiben wir nach dem Spülen nicht mehr lange sitzen. Wir empfinden die Tage mit dem frühen Aufstehen, den vielen Gamedrives und dem ganzen Geschaue doch als recht anstrengend.

 

Tageskilometer: 105
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zuletzt bearbeitet 13. Okt. 2026
330 Beiträge · seit 202001. Okt. 2026 ·
Hallo Ihr Beide,,

zwischendurch schon einmal ein großes Dankeschön für euren tollen Bericht. Gerade als ich von Rooiputs Nr 6 las, musste ich an unsere Begegnung auf dieser Campsite denken. Ich glaube unser Schlafplatz unter dem Baum war nicht so gut gewählt 🤔.
Liebe Grüße
Peter




Meine Reiseberichte https://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/306452-meine-reiseberichte.html
5’069 Beiträge · seit 201402. Okt. 2026 ·
Hallo ihr Zwei,

auch von mir wird es langsam mal Zeit für ein "Zwischen  Danke"! Eure Sichtungen sind wirklich der Hammer - eure Ausbeute von einem Safaritag reicht eigentlich für einen ganzen Urlaub! Bei den tollen Bildern bekomme ich direkt Heimweh, aber zum Glück hat das Warten bei uns ja bald ein Ende! Wenn wir dann nur halb soviel sehen wie ihr an einem Tag, bin ich mehr als zufrieden! 

Liebe Grüße

Konni

PS: Bei eurem Steppenfalken würde ich gerne ein Veto einlegen🔍️

Link zu Reiseberichten: http://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/286619-reiseberichte-linksammlung-daxiang.html https://www.tickerfactory.com/ezt/d/4;10402;80/st/20261020/e/Namibia+%26+KTP+2026/dt/6/k/0145/event.png
107 Beiträge · seit 202503. Okt. 2026 ·
Mir gefallen diese Löwenbilder schon viel besser 😀

Das war bestimmt sehr schön den beiden beim Spielen zuzuschauen und auch zu hören.

Weiterhin vielen Dank und viele Grüße Andrea 

Themenstarter2’124 Beiträge · seit 200612. Okt. 2026 ·

@Konni: Vielen Dank. Das mit der Safariausbeute sieht man selbst nicht immer so. Da ist man an Tagen ohne besondere Sichtungen eher enttäuscht. Was wäre dein Vorschlag für den "Falken": ein junger Singhabicht?

@Secret: Uns war dieser Morgen mit den jungen Löwen auch viel lieber.

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Themenstarter2’124 Beiträge · seit 200612. Okt. 2026 ·

Donnerstag, 30. Juli 2026 – Letzter Tag im KTP

Rooiputs, KTP – Twee Rivieren, KTP

Am letzten Morgen in Rooiputs machen wir alles so, wie es sich eingespielt hat. Bei knapp vier Grad stehen wir auf, machen uns fertig, trinken Kaffee und Tee und packen alles zusammen und nehmen auch Tisch, Stühle und unseren Müll mit, denn wir werden nicht mehr zurückkommen.

Wir fahren nach Norden Richtung Kij Kij. Die zwei Autos vom Nachbarstellplatz sind bereits über eine halbe Stunde vor der erlaubten Zeit aufgebrochen und stehen schon am Wasserloch, als wir eintreffen. Tiere sind jedoch keine zu sehen.

Wir schauen uns um und fahren dann auf die Dünenstraße Richtung Auobtal. Unter einem Busch entdeckt Ruth ein paar Mäuse. Immer mehr kommen aus dem Gebüsch und setzen sich zum Aufwärmen in die Sonne. Zu unserer großen Freude sind auch einige Elefantenspitzmäuse darunter. Diese finden wir mit ihrer verlängerten Rüsselnase besonders niedlich. Wir strapazieren die Geduld unserer Freunde ganz schön. Wer hält schon bei Mäusen? Wir! Und zwar ziemlich lange. Katrin und Martin fahren schon voraus.

Außer einem Steinböckchen und ein paar wenig kooperativen Gelbbauchgirlitzen ist die Gegend wie ausgestorben. Die große Tierparty findet heute wohl irgendwo anders statt. Am Aussichtshügel treffen wir unsere Freunde nach einiger Zeit wieder. Auch von hier oben ist keine Tierseele zu erblicken, und so fahren wir schon bald weiter. Wieder geht es kurvig hügelauf und -ab. Das einzige, was wir aufspüren können, sind ein paar Flughuhnfamilien, die neben oder auf der Straße rasten.

Schon um kurz nach zehn Uhr erreichen wir das Auobtal und machen bei Auchterlonie eine Frühstückspause.

Dann geht es weiter Richtung Twee Rivieren. Auf diesem Abschnitt durch die Dünen haben wir noch nie besonders viele Tiere gesehen, und so ist es auch heute. Wir sind gerade losgefahren, als uns ein Fahrzeug entgegenkommt und der Fahrer von einem Löwenrudel bei Samevloing erzählt. Da waren wir wohl heute Morgen in die völlig falsche Richtung unterwegs! Ohne große Erwartungen und ohne weitere Stopps fahren wir zügig zu der von ihm beschriebenen Stelle.

Wir erreichen das Nossobtal und sehen schnell, wo die Löwen liegen müssen. Mehrere Autos stehen am Straßenrand. Die Tiere liegen jedoch sehr weit entfernt im Schatten unter einem Baum. Es sind zwei Löwinnen und fünf Löwenkinder. Da sie sich kaum bewegen und auch nicht gut zu sehen sind, beschließen wir, ins Camp nach Twee Rivieren zu fahren.


Gleitaar

Dort checken wir für den Campingplatz ein und kaufen eine Marke für die Waschmaschine. Wir fragen bei den südafrikanischen Grenzbeamten nach dem Prozedere für die Einreise nach Südafrika, da wir vorbereitet sein wollen, falls es aufwändig wird. Wir befürchten nämlich Schlimmes. Mit dem benötigten Zollformular sind wir nämlich immer noch nicht weitergekommen. Unser letzter Stand ist eine Auskunft von Freunden, die Stunden an der Grenze zugebracht haben, da sie alles vor Ort ausfüllen mussten. Und „alles“ war viel, unangenehm viel: sämtliche Wertgegenstände, wie zum Beispiel Fotoapparate, mussten mit Seriennummer und Wert sowie allen möglichen Details angeben und aufgelistet werden.

Wir rechnen daher mit einem ziemlichen Desaster und sind positiv überrascht, als bei uns anscheinend nichts dergleichen nötig ist. Eine Beamtin stempelt bereits unsere Pässe, und ein sehr netter Polizist prüft die Fahrzeugpapiere und scannt die Lizenzinformationen hinter der Windschutzscheibe. Nun sei alles erledigt, und wir könnten morgen ohne Weiteres nach Südafrika einreisen. Wenn das stimmt, war das einer der entspanntesten Grenzübertritte in Afrika. Von einem Zollformular ist zu keiner Zeit die Rede, und wir fragen auch nicht danach. Bloß keine schlafenden Hunde wecken …

Wir suchen uns einen Stellplatz auf dem Campingplatz und starten eine Maschine Wäsche. Dann gehen wir duschen und machen Pause. Die Waschmaschine ist schnell fertig, und wir können unsere Kleidung aufhängen. Dann wollen wir noch einmal in den Park starten. Katrin und Martin fahren vor. Ein paar hundert Meter hinter dem Tor meldet sich der Reifendrucksensor vorne links mit nur noch 1,2 Bar. Überraschung! Hat doch bislang der Reifen hinten links Mucken gemacht. Wir fahren sofort zurück ins Camp und kontrollieren. Tatsächlich ist der Reifen fast platt. An der Tankstelle hilft uns ein netter Angestellter, die undichte Stelle zu finden. Es ist ein kleiner Riss seitlich an der Lauffläche. Wir sind uns nicht sicher, ob dies repariert werden kann. Zunächst ersetzen wir das Rad durch ein Ersatzrad. Katrin und Martin sind netterweise ebenfalls zurückgekommen, und Martin hilft Uwe dabei, das Rad zu wechseln. Die beiden Männer schwitzen ganz schön in der prallen Sonne, aber zu zweit klappt das sehr schnell, und nach einer guten halben Stunde können wir wieder starten.

Doch unser Gamedrive steht wieder unter keinem günstigen Stern. Wir haben vor, zu der Stelle zu fahren, an welcher die Löwen am Mittag gelegen haben. Soweit der Plan, den wohl alle anderen, die hier herumfahren, auch haben. Schon bald erwartet uns ein Stau, wie wir ihn im KTP noch nie erlebt haben. Erinnerungen an Autokolonnen in der Serengeti kommen auf. Mal rollen wir ein kurzes Stück im Schritttempo, dann stehen wir wieder auf der Stelle. Die ersten werden ungeduldig und wollen überholen. Doch wie soll das funktionieren? Immer mal wieder kommt ein Auto entgegen. Dann geht gar nichts mehr, und die Drängler müssen sich wohl oder übel wieder einordnen. Wenn wir etwas über eine Autolänge Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten, werden wir sogleich überholt. Kein Problem! Wir wollen ja auch gar nicht sehen, was vor uns los ist. Wir schleichen nur zum Spaß hier rum. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als an der Stoßstange des Vorderfahrzeugs zu kleben. Das nervt uns ziemlich. Schon bald haben wir die Nase voll, aber hinter uns ist bereits auch schon alles verstopft. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Spiel mitzuspielen.

Ein entgegenkommender Fahrer erklärt uns, dass die Löwen mitten auf der Straße laufen und nicht überholt werden können. So quälen wir uns eine knappe Stunde im Schneckentempo vorwärts. Als sich der Stau auflöst, sind die Löwen bereits von der Straße in Richtung einer Düne verschwunden. Wir sehen sie zwar noch im Gras, aber sie sind bereits ähnlich weit weg wie am Mittag und entfernen sich auch immer weiter.

Wir fahren ein letztes Mal zum Wasserloch Rooiputs. An derselben Stelle wie gestern liegen wieder die Hyänen, die wir gestern Abend beobachtet haben. Heute sind sie leider noch weniger aktiv. So kehren wir nach einiger Zeit um und halten nur noch einmal beim jungen Adler, welcher gerade ein paar Flatterversuche unternimmt.

Pünktlich zum Torschluss sind wir in Twee Rivieren. Da wir uns morgen um unseren kaputten Reifen kümmern wollen und der erledigten Grenzgeschichte noch nicht so ganz über den Weg trauen, entscheiden wir, am Morgen keinen letzten Gamedrive mehr zu machen.

Wir parken das Auto, und Ruth macht im Camper sauber und faltet die trockene Wäsche, während Uwe die Reifen wieder auf höheren Straßendruck aufpumpt. Mit Katrin und Martin gehen wir ins Restaurant zum Abendessen. Wir sind dort die einzigen Gäste und bekommen riesige Portionen. Uwe bestellt eine Pizza, Ruth ein Steak mit Pommes und Gemüse. Wir sind so satt, dass wir uns mal wieder vornehmen, morgen nichts mehr zu essen.

Auf dem Rückweg spazieren wir kurz beim Wasserloch vorbei, wo aber nichts zu sehen ist. So verschwinden wir schon bald bei nur noch knapp acht Grad im Camper.

 

Tageskilometer: 145
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5’069 Beiträge · seit 201412. Okt. 2026 ·
 Was wäre dein Vorschlag für den "Falken": ein junger Singhabicht?


Hallo ihr Zwei,

ein junger Singhabicht wäre auch mein Vorschlag gewesen.


Wer hält schon bei Mäusen? 


Willkommen im Klub! Gerade für Elefantenspitzmäuse würde ich so manche Katze links liegen lassen!


Liebe Grüße

Konni 




Link zu Reiseberichten: http://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/286619-reiseberichte-linksammlung-daxiang.html https://www.tickerfactory.com/ezt/d/4;10402;80/st/20261020/e/Namibia+%26+KTP+2026/dt/6/k/0145/event.png
Themenstarter2’124 Beiträge · seit 200614. Okt. 2026 ·

Freitag, 31. Juli 2026 – Auto gesund pflegen mit viel Geduld

Twee Rivieren, KTP – Ikaia River Lodge, Keimoes

Heute hat Katrin Geburtstag. Bei knapp unter null Grad hat sie ihren Geburtstag noch nie begonnen. Wir zünden eine kleine Kerze an, singen und überreichen ihr ein paar Kleinigkeiten.

Dann starten wir um halb sieben mit Tee und Kaffee in den Tag. Auch wenn wir heute keinen Gamedrive mehr machen werden, wollen wir früh unterwegs sein, da wir uns in Upington um einiges kümmern wollen, insbesondere um unseren kaputten Reifen.

Wir fahren zur Rezeption, holen das Permit und lassen es ausstempeln. Da wir alle Grenzformalitäten bereits gestern erledigt haben, lässt uns der Mitarbeiter an der Schranke ohne Weiteres nach Südafrika fahren. Nun können wir es tatsächlich glauben. Kein Zolldokument war notwendig, kein besonderes Prozedere. Wir sind froh, dass alles so reibungslos geklappt hat und fahren gemütlich Richtung Süden.

Die Sonne scheint, und wir durchqueren ein endlos erscheinendes Meer aus roten Kalahari-Dünen, die mit grünen Grasbüscheln bewachsen sind. Immer weiter geht es durch diese schöne Landschaft. An einer großen Salzpfanne machen wir eine Frühstückspause und essen die letzten Roesterkoek aus Twee Rivieren.

Bis Upington sind es 250 Kilometer, und wir erreichen die Stadt gegen halb zwölf.

Wir steuern die Kalahari Mall an, weil wir dort letztes Jahr gut einkaufen konnten. Um einen Reifenhändler wollen wir uns eigentlich erst nach dem Einkauf kümmern, aber schon bei der Einfahrt entdecken wir „Tiger Wheel & Tyre“. Wenn das kein Wink des Schicksals ist! Sobald wir halten, kommt uns schon ein Verkäufer entgegen und bietet seine Hilfe an. Es ist Dion Frederick, ein netter Kerl und ein ebenso talentierter Verkäufer. Während er und seine Mitarbeiter sich unsere Reifen vornehmen, gehen Katrin und Martin nach nebenan zu McDonalds, wo es freies Internet gibt.

Nun wird es kompliziert. Der kaputte Reifen wird inspiziert und für nicht mehr reparierbar erklärt. Auch der linke Hinterreifen, der schon seit geraumer Zeit langsam Luft verliert, wird untersucht. Es steckt eine Schraube in der Lauffläche. Das allein wäre kein großes Problem, aber auch die Flanken haben viele Risse. Man empfiehlt uns, auch diesen Reifen bestenfalls noch als Ersatzrad zu verwenden. Das ist ärgerlich, weil die Hinterreifen erst 10000 Kilometer gefahren wurden. Aber auch die beiden Vorderräder – wovon das eine ja bis gestern noch ein Ersatzrad war – haben 30000 Kilometer gelaufen und tragen viele Risse an den Flanken und Schnitte im Profil. In einem entdeckt Dion auch noch einen Nagel. Offensichtlich ist er nicht nur ein talentierter und eifriger, sondern zusätzlich noch ein sehr überzeugender Verkäufer, denn wir bekommen den Eindruck, mit ziemlich fertigen Reifen unterwegs zu sein. Dions Argumentation ist leider nicht vom Tisch zu wischen. Die Macken und Einkerbungen in den Reifen hat er sich nicht ausgedacht, und sie sind auch für unser laienhaftes Auge nicht zu übersehen. Wir sind verunsichert.

Das nächste Problem ist, dass genau unser Reifen-Modell nicht vorrätig ist und auf die Schnelle (heute ist natürlich Freitag) auch nicht bestellt werden kann. Dion erklärt, dass wir in Kapstadt die Mud-Terrain Reifen mit Sicherheit an jeder Straßenecke bekommen werden, aber bis dahin sind es noch weitere 1000 Kilometer durch teils sehr einsame Gegend. Auch wenn wir nicht alleine unterwegs sind, möchten wir am Wochenende nicht ohne Reifen in der Karoo feststecken. Dion kann uns alternativ die All-Terrain Reifen der gleichen Marke und Größe anbieten. Die passen dann zwar nicht mehr zu unseren Ersatzreifen, haben aber den Vorteil, dass sie sich nicht so schnell abfahren und auf Teerstraße auch besser zu fahren sind. Was tun? Das hatten wir uns gründlich anders vorgestellt. Schließlich beißen wir in den sauren Apfel und lassen und vier neue AT-Reifen aufziehen. Richtig glücklich sind wir mit dieser Entscheidung nicht. Der einzige noch gute MT-Reifen muss als Reserverad herhalten, bei einem zweiten fällt uns auch nach reiflicher Überlegung die Auswahl schwer. Zu viele Mängel wurden an jedem einzelnen markiert. Zum Schluss gibt uns Dion noch den Tipp mit auf den Weg, bei neuen Reifen immer auf das Herstellungsdatum zu achten, was ja auch logisch ist. Das hatten wir bei den letzten Reifen leider versäumt.

Während an unserem Auto gearbeitet wird, gehen wir mit Katrin und Martin in die Mall zum Einkaufen. Zunächst besorgt Uwe eine lokale SIM-Karte mit Datenvolumen bei Telecom. Der Mitarbeiter versichert uns, dass wir mit der Netzabdeckung keinerlei Probleme haben werden. Wie sich später noch herausstellt, wird das Gegenteil der Fall sein. In ländlichen Gegenden wären wir mit Vodacom deutlich besser unterwegs gewesen. Dann gehen wir in den Spar-Supermarkt und kaufen ein paar Kleinigkeiten. Bei den Lebensmitteln halten wir uns sehr zurück, weil wir einerseits noch Einiges im Kühlschrank haben, und andererseits in Südafrika die meiste Zeit nicht mehr selbst kochen werden. Für die Wasserkanister müssen wir noch in einen anderen Supermarkt, weil nur eine ganz bestimmte Kanisterform in unsere Schublade passt. Zwischendurch zickt das Internet-Handy, und wir lassen im Telecom-Laden noch etwas an den Einstellungen anpassen.

Interessant finden wir auch die Kinder-Tausch-Station in der Mall. Einfach hingehen, eins abgeben und ein anderes wieder mitnehmen. Wie praktisch!

Zurück am Auto haben wir vier neue Reifen. Die zwei besten unserer alten Reifen sind nun die Ersatzreifen. Wir denken, dass wir nun fertig sind, entdecken aber leider ein neues Problem. Uwe öffnet die Außenklappe für die Wasserpumpe, weil es unter dem Fach immer wieder kleine Wasserflecken gab. So auch jetzt. Sofort kommt uns ein guter Liter Wasser entgegen, weil das Fach bereits zur Hälfte vollgelaufen ist. Wir schauen uns die Schlauchverbindungen an und sehen, dass sich ein Schlauch an einer scharfen Metallschelle aufgerieben hat und leckt. Da reichlich Material verwendet wurde, können wir den Schlauch vor der undichten Stelle abschneiden und neu festmachen. Wieder denken wir optimistisch, das Problem gut gelöst zu haben. Aber an dem Eckverbinder zur Pumpe, den wir gelöst und dann wieder festgeschraubt haben, fallen nun Tropfen, sobald wir die Wasserpumpe einschalten. Es ist zum Verrücktwerden. Wir lösen und verbinden den Schraubverschluss mehrfach, Martin versucht es zusätzlich mit Dichtungsband. Nichts hilft. Nach einigen Versuchen geben wir uns geschlagen und müssen erstmal mit einer nicht ganz dichten Schlauchverbindung leben. Vielleicht ergibt sich in den nächsten Tagen oder Wochen eine Gelegenheit, bei der wir das reparieren (lassen) können.

Leicht inkontinent wollen wir uns auf den Weg machen, doch unsere neuen Reifen werden mit etwas höherem Luftdruck gefahren. Dies führt dazu, dass der Überdruckalarm unseres Reifenmonitors ständig anspringt. Außerdem stimmt die Anordnung der Reifen im Monitor nicht mehr. Noch einmal muss ein Werkstattmitarbeiter ran und den Monitor umkonfigurieren. Hier fällt einem auf die Füße, womit wir uns bisher zu wenig beschäftigt haben. Schließlich will Uwe die Rechnung bezahlen, aber beide Kreditkarten werden wegen Verdacht auf Betrug abgelehnt. Es läuft einfach nicht rund. Da hat Ruth den rettenden Einfall. Wir bezahlen die Rechnung in zwei Hälften. Nun klappt die Kreditkartenzahlung, und wir können endlich abfahren. Nachdem wir noch den Ölstand kontrolliert und getankt haben, sind vier Stunden in Upington vergangen. Vielen Dank an unsere Mitreisenden für ihre Geduld.

Wir verlassen die Stadt nach Südwesten und fahren die letzten 50 Kilometer bis Keimoes. Bei der Ikaia River Lodge checken wir ein. Das Gelände liegt unmittelbar am Oranje und hat einen schönen Campingplatz.

Wir richten uns ein und essen mit Katrin und Martin ein Stück Geburtstagskuchen. Dann duschen wir und laufen ein wenig zum Fluss. Dort entdecken wir einen Malachit-Kingfisher, der in der schönsten Nachmittagssonne auf seinem Ausguck sitzt. Bis Ruth im Eilschritt den Fotoapparat geholt hat, sitzt der Vogel allerdings nicht mehr in der Sonne. Er fliegt von Ansitz zu Ansitz, leider nur im Schatten und am gegenüberliegenden Ufer des kleinen Seitenarms. Schade!

Später gehen wir ins Lodgerestaurant zum Abendessen. Katrin lädt uns ein. Bobotie, Pizza und Steak auf uns alle, nicht auf jeden einzelnen verteilt, schmecken prima. Bevor wir schlafen gehen, sichert Uwe noch die bisher gefahrene Strecke aus dem GPS.

 

Tageskilometer: 299
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zuletzt bearbeitet 14. Okt. 2026