THEMA: Zwischen Daisies und Dassies
19 Okt 2016 12:57 #448753
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13. September: Wir lernen den Mesosaurus kennen

Morgens nach dem Aufstehen fällt schon wieder die eisige Kälte der Kalahari über uns her. Wir verzichten auf unser Frühstück, nehmen im Stehen einen Happen Kornflocken in Milch zu uns und fahren zu unserer Verabredung mit Will, der uns seine Fossilien zeigen will.

Abdrücke auf Schieferplatten

Der Mesosaurus lebte vor 320 Mio Jahren in seichtem Gewässer, wo er mit seinen Zähnen Nahrung aus dem Wasser siebte, wie die Versteinerung eines Unterkiefers mit einem spitzen langen Zahn beweisen soll.

Unterkiefer eines Mesosaurus mit spitzem Zahn

Die meisten Fundstücke zeigen nur die Hohlräume im Gestein, die der Körper des Reptils hinterließ. Einige wenige Versteinerungen wie z. B. der Unterkiefer, Rückenmark und „Kacka ;) “ blieben erhalten.



Pfui Kacka!

Besonders stolz ist Will auf jene Schieferplatten, die sein Sohn vor fünfundzwanzig Jahren zufällig fand und der Anlass waren, sich für Paläontologie zu interessieren.

Das erste Fundstück: Ein Abdruck im Schiefer

Ein verwandter Wissenschaftler bestätigte damals, dass es sich um großartige wissenschaftliche Funde handelt, auch wenn kein Fundstück einen vollständigen Abdruck eines Mesosaurus zeigt. Laut Will hat er Anfragen von Wissenschaftlern aus Brasilien und Deutschland, die mit ihren Studenten gerne Grabungen vornehmen würden.

Will fährt voraus, wir in seiner Staubfahne hinterher, bis wir vor dem Grab des Unteroffiziers J. Splittgerber stehen, der 1904 an dieser Stelle erschossen wurde. Es war damals üblich, die getöteten Soldaten an Ort und Stelle zu begraben.

Ein Soldatengrab

Wir fahren zu einigen Funden weiter, die ungeschützt in der Landschaft liegen, und die wir sogar anfassen dürfen. Erstaunlich, bei uns würde man ein Museum drumherum bauen und alles hinter Glas sichern. Eine kurze Einführung in die Biologie der Köcherbäume und in Gesteinskunde schließen sich an. Will spielt uns an einem Stapel Doleriten „Bruder Jakob“ vor, indem er mit einem weiteren Stein gegen die Felsen schlägt.

Will spielt uns "Bruder Jakob" vor

Dann fährt er von dannen und lässt uns allein, damit wir in aller Ruhe fotografieren können. Will ist überzeugt – und wird von Iwanowski, dem Verleger für gleichnamige Reiseführer, darin bestärkt – dass er den schönsten Köcherbaumwald der Welt sein eigen nennt :) .

Erstaunliche Landschaft

Über uns dunkelblauer Himmel

Die früheren Bewohner der Gegend haben aus den hohlen Ästen Köcher gemacht und Pfeile darin transportiert.

Hohler Köcherbaumast

Der Saft dieser Aloe dichotoma soll eine heilsame Wirkung haben. Mit seinen 5000 Exemplaren macht Wills Wald etwas her, und er ist mächtig stolz darauf.

Kameldornblüten

Köcherbaumrinde

Nach der Tour ist unser Frühstück dran, danach gehe ich duschen. Gut so, denn wenig später treffen weitere Camper ein, ein Ehepaar mit Sohn, Schwiegertochter und Enkel sowie ein weiteres Ehepaar. Deutschnamibier mit ihren Freunden.
Der Nachmittag vergeht mit Dösen und dem Fotografieren der Siedelweber, die so zutraulich wie flink sind. Ich sitze mit der 7D und ausgefahrenem Tele im Anschlag unter ihrem mächtigen Nest und versuche, den ultimativen Moment für ein preisverdächtiges Foto zu erwischen.

Im Siedelwebernest auf unserer Campsite herrscht emsige Bautätigkeit

Transport von Baumaterial

Siedelwebermeeting

Später entfacht Herbert ein zünftiges Grillfeuer und ich richte Grillstücke und Salat her. Bei unserem Verdauungsspaziergang schießen wir im rötlichen Licht der untergehenden Sonne eine Reihe Fotos von der Landschaft. Die hält wenigstens still!

Abendstimmung

Unser Ausblick beim Sundowner

Scherenschnitt
Anhang:
Letzte Änderung: 19 Okt 2016 13:10 von freshy.
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20 Okt 2016 10:33 #448871
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14. – 16. September: Zum Abschluss etwas Luxus auf der Bagatelle Game Ranch

Als wir vor fünf Jahren spontan hier übernachten wollten, wurden wir an der Rezeption abgewiesen, weil alle Campsites belegt waren, und mit Voranmeldung weiter in die Kalahari geschickt. Der Ersatzplatz war damals noch im Aufbau, doch ich erinnere mich an eine schöne Campsite. Am nächsten Morgen kam damals das typische Kalahari-Erwachen: Die Temperaturen lagen nahe dem Gefrierpunkt.

Am Eingang der Lodge

Gegen die Bagatelle Ranch lässt sich objektiv nichts sagen. Für uns ist sie nach den Tagen auf spartanischen Campsites im KTP und dem urigen Buschcamp Mesosaurus Fossils ein Kulturschock. Wir werden mit einem Glas Fruchtsaft willkommen geheißen, das uns auf einem "silbernen ;) " Tablett kredenzt wird. An der Rezeption lächeln die Angestellten mit weißblitzenden Zähnen und erläutern uns die Vorzüge und Angebote der Ranch. In Gedanken gehe ich meine sauberen Kleidungsstücke durch, die in diese Umgebung passen könnten – mit frustrierendem Ergebnis. Die Lodge liegt wunderschön, ist erstklassig im Service, es gibt freies Wifi, und in das Sanitärgebäude unserer Campsite passt der Buschcamper zweimal hinein. Der Weg zum Hauptgebäude allerdings ist weit, zu weit für zwei, die nur noch relaxen wollen. Wir nutzen das Internet, trinken dazu je ein Glas erstklassigen Hauswein aus Stellenbosch und verziehen uns auf unsere Campsite.

Ungewöhnliches Haustier

Den nächsten Tag verdösen wir, bis uns einfällt, dass der Kühlschrank an den Strom muss, was auf umständliche Weise nur mit Kabel von der Rezeption aus möglich ist. Wir machen es uns am Pool gemütlich, Herbert springt hinein und verjagt damit ein Pärchen, das die Liegen genießen und nicht etwa nass werden wollte. Ich entdecke eine Familie Erdmännchen, die in einem eingezäunten Areal ihre Höhle haben. Meine ersten Erdmännchen! Sie lassen mich nahe herankommen, beachten mich und die Kamera gar nicht, denn die Bauarbeiten in der Nähe sind viel interessanter. Ich fotografiere mir vor lauter Begeisterung den rechten Zeigefinger wund, um später feststellen zu müssen, dass ich das falsche Programm eingestellt habe. Shit happens!



























Kaum zurück am Pool wird es ungemütlich, da der Wind erst sanft, dann immer heftiger zu wehen beginnt und sich zu einem ordentlichen Sandsturm entwickelt.

Sandsturm im Anmarsch; Kommentar eines Lodgeangestellten: "That's the Kalahari"

Wir haben das Dach des Campers zum Lüften offen gelassen und dürfen zum wiederholten Mal einen Teil der Kalahari aus der Kabine schaufeln. Auf der Campsite leistet der Wind ebenfalls ganze Arbeit, denn auch die Fenster der Hütte stehen offen.

Drosselschnäpper (?)

Kalahariheckensänger

Braun geäderter Weißling

Das gebuchte Dinner ist vorzüglich, obwohl die Küchenfenster dem Sandsturm nicht standgehalten haben. Zwischen unseren Zähnen knirscht noch am nächsten Tag feiner roter Kalaharisand.
Letzte Änderung: 21 Okt 2016 09:58 von freshy.
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21 Okt 2016 10:16 #448961
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Liebe Fomis,
leider geht unsere Reise hiermit zu Ende. Herzlichen Dank an alle, die uns begleitet haben. Vor allem aber bedanke ich mich bei jenen Fachleuten im Forum, die mit ihrem Wissen dafür gesorgt haben, dass Vögel und Pflanzen die richtigen Bezeichnungen bekamen.

Auf Wiedersehen in anderen Threads,
freshy

17. und 18. September: Ankunft in Windhoek und Abschied

Wir verabschieden uns von den Blechstraußen vor dem Eingang der Bagatelle Ranch

Kurzer Halt am verunstalteten Schild am Wendekreis des Steinbocks

Die Fahrt nach Windhoek ist öde, denn die Trockenheit hinterlässt überall ihre Spuren. Einzig ein Golfplatz kurz vor Windhoek erstrahlt in kräftigem Grün. Es weht ein kräftiger Wind und legt eine staubbraune Dunstglocke über die Stadt. Wir fahren im Büro von Bwana Tucke Tucke vorbei, wo Herbert einen Geocache loggt, und begrüßen kurz Herrn Möhle und seine Mitarbeiterinnen.

Eingang zur "Schlangenfarm" von Karsten Möhle

Am frühen Nachmittag erreichen wir das Guesthouse Tamboti und werden wie alte Bekannte begrüßt. Ich habe einen blumenreichen Garten in Erinnerung, doch auch hier herrscht deprimierende Trockenheit. Garten gießen, Auto waschen, Pool füllen, seien nicht erlaubt, berichtet Frau Pack und regt sich über den bewässerten Golfplatz auf. Dafür würde das Grundwasser so stark abgesenkt, dass auf der benachbarten Farm die dreihundert Jahre alten Kameldornbäume vertrocknen würden.

Das große Ausräumen beginnt. In unserem Zimmer türmen sich Kleider und alles andere, was in die Reisetaschen muss. Die Klappbox füllt sich mit Dingen, die uns während der Reise nützlich waren, die wir aber nicht mitnehmen können. Wir hoffen, die fleißigen Hausgeister freuen sich darüber.

Abends gehen wir nach unseren guten Erfahrungen vor zwei Jahren zum Ausklang ins Corner 62nd essen. Ein schöner Abschluss, denn Essen, Wein und das Ambiente sind wirklich empfehlenswert. Leider will der Besitzer mit seinem Lokal umziehen. (Nachtrag: Inzwischen hat das Lokal leider geschlossen.)

Adé Afrika! Es war wieder eine ereignisreiche Reise, die uns neue Seiten des südlichen Afrikas zeigte und nicht zuletzt dank eines zuverlässigen Fahrzeugs und last but not least eines erfahrenen Offroadfahrers ohne Pannen verlief.
Letzte Änderung: 21 Okt 2016 10:19 von freshy.
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