THEMA: #safaribrothers on Tour Vol. VII - «Kalahari»
18 Apr 2020 16:04 #586644
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Kapitel 3
Durch das Auobtal und die «sighting of a lifetime»


Freitag, 11. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Mata Mata Restcamp - Rooiputs Campsite)

Es ist Transfertag und eigentlich haben wir keine Eile, trotzdem sind wir wieder mit Beginn der Dämmerung auf und fangen gemütlich an, unser Lager abzubauen. Nebenher schlürfen wir eine Tasse Kaffee und wie ich grad so zu einem Schluck ansetze, gewahre ich im Augenwinkel, dass sich einige der Camp-Nachbarn aufgeregt zum Wasserloch drüben am Zaun begeben. Beenie merkt es gleichzeitig, wir gucken hin und es präsentiert sich uns eine schöne Braune Hyäne. Ich fische meine Kamera aus dem Auto, aber es ist schon zu spät. Sie zottelt gerade wieder ab und ist schon zu weit weg, trinkt nochmals vom zweiten Wasserloch etwas weiter weg und ist dann bald in den Dünen verschwunden.

Gegen 7 Uhr fahren wir los und natürlich nehmen wir die lange Fahrt dem ganzen Auobtal entlang als ausgedehnten Gamedrive. Wir lassen uns Zeit und halten, wo es etwas zu sehen oder auch nur vermeintlich zu sehen gibt, bestimmen ein paar Vögel und versichern uns gegenseitig, wie ausgesprochen «leergefegt» die Gegend heuer ist.

So kommen wir am Wasserloch «Veertiende Boorgat» vorbei, wo ein paar Gnus und Oryx gerade ihren Durst stillen. Im abgestorbenen Geäst eines Kameldornbaumes entdecke ich einen Perlkauz (Pearl-spotted Owlet), welchen wir länger beobachten und ein paar Fotos und ein Video aus bester Position schiessen können.


Pearl-spotted Owlet / Perlkauz - was ein schöner, kleiner Vogel! Kann man sich die auch als Haustier halten? ;)



Wir wollen gerade weiter fahren, als uns der Fahrer eines aus unserer Richtung kommenden Wagens bedeutet, anzuhalten. Die drei netten Südafrikaner melden uns die Sichtung zweier Geparde, nur ein paar hundert Meter weiter hinten, wo wir sie vorher grad überholt hätten. Das lassen wir uns natürlich nicht nehmen und fahren zurück. Zwei andere Autos stehen schon dort und bald darauf sehen wir die zwei Katzen auch schon links von uns langsam durchs Gebüsch streifen.



Die sind also in Bewegung, das ist schon mal ein gutes Zeichen. Zuerst entfernen sie sich etwas, laufen über eine Düne und sind dann kurzzeitig aus unserem Blickfeld verschwunden. Wir nehmen natürlich an, dass sie zum Wasserloch wollen und wir wollen grad in die Richtung vorfahren, als sie auch schon wieder auftauchen, über eine Fläche marschieren und dann wenige Meter vor dem Auto vor uns die Piste queren.



Nun merke ich, dass sich ihr Verhalten verändert. Sie werden angespannter und schauen immerzu über die weite Ebene des ausgetrockneten Flussbetts. Da stehen tatsächlich zwei- oder dreihundert Meter weiter weg ein paar Springböcke rum. Aber die Geparde stehen auf der offenen Fläche und sind von weit her sichtbar, machen noch ein paar Schritte und setzen sich dann hin. Sie schauen zwar weiterhin konzentriert in die Richtung der Springböcke, aber ich denke nicht mal daran, dass die etwa gleich… Und ob sie das tun! Die vordere der beiden Katzen steht auf, geht ein paar Schritte, setzt zum Trab und dann wie aus dem Nichts zum Vollsprint an und ist in wenigen Sekunden über die ganze Ebene gezischt, Staub wirbelt auf und während ich nur «Boaaah» abzusondern vermag, ruft Beenie ganz aufgeregt; «der hat einen, der hat einen!». Meine Kamera lag die ganze Zeit auf meinem Schoss, es ging so unfassbar schnell, dass ich gar nicht erst reagieren konnte. Wir haben gerade Geparde bei der (erfolgreichen!) Jagd beobachtet!

Das Adrenalin pumpt, wir gucken uns an, grinsen breit und jubeln richtiggehend, so schön und faszinierend war das. Erwischt haben sie das Kitz gerade neben einer Gruppe von Büschen, so dass wir nicht allzu viel davon sehen, wie sie es mit einem Kehlbiss erlegen. Sie beginnen aber noch nicht zu fressen, sondern legen sich erst hin, kommen zu Atem. Wir reden gerade darüber, dann langsam weiter zu fahren, weil eben, viel sehen können wir nicht, es ist ziemlich weit entfernt und so lohnt sich auch ein Foto nicht wirklich.

Aber was ist denn das? Plötzlich kommt wieder Bewegung in die Sache und das Springbockkitz lebt tatsächlich noch! Es scheint, als hätte es sich aus den Fängen der Raubkatze befreien können und versucht mit letzter Kraft, davon zu springen.



Nach ein paar Metern bleibt es aber erschöpft und paralysiert stehen, einer der Geparde fängt nun an, dem Böckchen hinterherzujagen. Noch einmal kommt es davon, doch dann wird es endgültig geschnappt und zu Boden gedrückt. Dieses Mal rattert aber meine Kamera im Schnellfeuer und der Chip glüht (leider sitzt der Fokus nicht immer so ganz...).


Der junge Gepard setzt dem Kitz nach...


... das mit Zickzacklaufen zuerst noch davon kommt.


Eine schnelle Kehrtwende...


... und wieder hinterher


Zum Sprung ansetzen ...


... und dann sollte es endlich klappen, Mama eilt schon zu Hilfe.


Schau, hier musst du feste zubeissen!


Geschafft!


Jetzt noch die Beute in Sicherheit bringen und dann können wir essen.

Wir haben es hier wohl mit einer Unterrichtslektion in Jagdtechnik einer Mutter mit ihrem Jungen zu tun gehabt. Die erste Jagd wurde von der Mutter gemacht, das Kitz aber ganz bewusst nicht getötet, damit nachher das Junge «üben» konnte.

Grandios! Wir freuen uns natürlich riesig und sind uns der absoluten Einmaligkeit eines solchen Ereignisses bewusst - wahrhaftig eine «sighting of a lifetime».

Nun fahren wir weiter und treffen, weil sie gerade bei einer Vogelsichtung halten, nach ein paar Kilometern wieder auf die netten Südafrikaner. Als sie uns fragen, ob wir die Geparde gesehen hätten, trauen wir uns fast nicht zu erzählen, was wir gerade erlebt haben. Sie finden das aber riesig und gratulieren uns, man merkt, dass es ehrlich gemeint ist. Wir lassen sie wieder vor und nur wenig später stehen sie schon wieder am Rand der Piste. Aber dieses Mal mit einem Plattfuss, zum Glück nur zwei, drei Kilometer vom «Kamqua»-Picknickplatz entfernt. Wir vereinbaren, uns dort zu treffen, damit wir Ihnen mit unserem Kompressor aushelfen können.

Sie schaffen es dann auch und so können wir den Reifen wieder aufpumpen, damit sie mit dem Wagenheber ihr Auto anheben und dann das Rad wechseln können. Die beiden Rentner aus Hermanus sind mit ihrem Sohn aus Kapstadt unterwegs, die Mama kocht, während die Männer am Auto fuhrwerken, Frühstück, und wir quasseln ein bisschen. Sie sind uns unendlich dankbar und als wir ihnen erklären, dass das für absolut selbstverständlich sei, weil schliesslich helfe man sich im Busch ja gegenseitig, sind sie glaub ich richtiggehend beeindruckt. Es ist eine Haltung, die von den Südafrikanern (und Namibiern) vorgelebt wird und es freut die drei wohl ehrlich, dass auch wir Touristen das so handhaben.


Ein kleiner Erdmännchen-Clan ist sehr beschäftigt auf Futtersuche

Um die Mittagszeit erreichen wir dann Twee Rivieren, erledigen im Nu die Grenzformalitäten für Botswana, checken beim Wildlife Department für unsere Campsites auf der botswanischen Seite ein, füllen den Tank auf und gehen dann im Shop noch ein paar Kleinigkeiten besorgen. Nun nehmen wir noch die letzten 24km bis zur Rooiputs Campsite unter die Räder, um dann, bei Ankunft kurz nach halb 3 Uhr, unseren gebuchten Stellplatz Nr. 1 schon besetzt vorzufinden. Kaum auf einer botswanischen Campsite angekommen, geht das schon wieder los, ist man geneigt zu sagen… Wie uns versichert wird, haben die Südafrikaner tatsächlich auch die Nr. 1 gebucht bekommen. Ihre mitreisenden Freunde seien auf der Nr. 2 gebucht, würden dann, wenn sie nachher nachkommen, aber mit ihnen auf der 1 campen. Diese hätten die Buchung auch gemacht und darum könne sie das grad leider auch nicht beweisen. Aha. Wir sollen uns doch einfach auf die Nr. 2 stellen, sie bleiben zwei Nächte und von daher passe das ja. Ich habe keinen Bock auf Diskussionen und stimme etwas in das Klagelied über das Buchungschaos beim DWNP ein, bin aber nicht so sicher, ob die sich nicht einfach die Campsite geschnappt haben, die ihnen am besten gefallen hat. Egal, die Nr. 2 ist in unseren Augen noch etwas schöner und so richten wir uns dort häuslich ein.

Am Abend geht es noch auf eine kleine Runde zum Wasserloch mit dem gleichen Namen wie das Camp gleich unten im Tal und nordwärts hoch bis «Kji Kji». Es ist aber ziemlich tote Hose, auch der kleine Tümpel, der sich grad beim Wasserloch dort in der Regenzeit meistens bildet, ist dieses Jahr komplett ausgetrocknet.


Eine weitere, gut versteckte Spotted Eagle-Owl finden wir in einem Kameldornbaum.


Und ein PCG präsentiert sich, leider ebenfalls im Schatten, für einmal auf guter Höhe für ein Foto.

Wir fahren auf dem für Gäste von Rooiputs reservierten 4x4-Piste zurück und erspähen immerhin noch zwei Kapfüchse.


Einer davon muss grad mal :cheer:


Und zurück auf der Campsite dürfen wir die herrliche Abendstimmung geniessen.

So, wie üblich noch zum letzten Punkt auf der Tagesordnung, dem Abendessen: heute kommt ein butterzartes, herrvorragend schmeckendes Kudulendensteak auf den Grill, dazu backen wir in Alufolie einen grandiosen Kartoffelgratin* und es gibt gedünstete Grüne Bohnen.

Tipps aus dem Camperleben für zwischendurch:
* Rezept Kartoffelgratin:
Alufolie auslegen und mit Butter einfetten, fein geschnittene Kartoffelscheiben als erste Schicht darüber verteilen zusammen mit Zwiebelringen und geraffeltem Käse (wer keine Raffel dabei hat wie wir, kann einen Block Cheddar oder Gouda, wie man ihn im südlichen Afrika ja überall bekommt, einfach in kleine Würfelchen schneiden), mit Salz, und Pfeffer (und wer hat, auch Muskatnuss!) würzen und dann die nächste Schicht «bauen». Zwei, drei Schichten gehen gut und am Schluss noch einmal etwas Butter obendrauf legen und die Alufolie dann zu einem Packet verschliessen. 30 - 40 Minuten in die Glut legen. Baie Lekker!


Tageshöchsttemperatur: 39° C
Etappe: 145,1km
Gamedrive #5: 28,6km
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19 Apr 2020 14:33 #586760
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Kapitel 4
Chillout auf Rooiputs und die Katzen von Leeuwdril


Samstag, 12. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Rooiputs Campsite)

Die Stille, die hier draussen in der Nacht herrschte, war total unwirklich. Keine Grille, kein Bellgecko, kein Kauz, geschweige denn eine Hyäne oder Löwen waren zu hören. Der Campnachbar sollte uns später erzählen, dass den Spuren nach ein Leopard durchs Camp marschiert sein muss. Aber diese Gesellen sind bekanntlich auf sehr leisen Sohlen unterwegs, das bekommt man sowieso nicht mit (es sei denn, man muss gerade mal und hat ein eher unpassendes Timing, gell Beenie :woohoo: ;) ).

Für die Pirschfahrt am Morgen entscheiden wir uns für die südliche Richtung bis zum «Leeuwdril»-Wasserloch, weil wir beim Hochfahren gestern dort in der Gegend noch am meisten Wild ausgemacht haben. Wir stellen uns hin und harren einfach mal der Dinge, die da kommen. Es ist eine herrlich schöne, ruhige Morgenstimmung ...



... und wir beobachten zwei Lannerfalken bei der Jagd auf Kapturteltauben:



Immer wieder kommen Schakale vorbeigewuselt zum Trinken.



So nach einer Stunde hat Beenie, ohne es zu erwähnen, gesehen, dass ein anderes Auto ein paar Meter weiter vorne angehalten hat. Ich stelle praktisch gleichzeitig fest, dass sich etwas verändert hat und einer der Schakale plötzlich anfängt zu rufen. Wir schauen nach hinten und sehen eine Bewegung, sehr katzenartig. Ich: «Oh, ein Löwe? Ah nein, müsste ein Gepard sein!». Durch den schlechten Blickwinkel sehen wir es nicht genau, Beenie fährt rückwärts näher und dann erst begreifen wir, dass es ein Leopard ist! Der Schakal keckert die ganze Zeit und versucht tatsächlich, die Katze zu «verscheuchen». Dabei hält er zwar einen Sicherheitsabstand, rückt ihr aber ständig auf die Pelle und schimpft lauthals mit ihr. Unfassbar!


Die Fleckenkatze geht seelenruhig ihren Geschäften nach, während im Hintergrund der mutige Schakal ihr dicht auf den Fersen bleibt.

Der Leopard aber zieht völlig unbeeindruckt seiner Wege und durchschreitet das Nossobtal von West nach Ost, überquert dabei die Piste und wackelt dann ganz entspannt die Böschung der nächsten Düne hinauf. Es stehen jetzt fünf oder sechs Fahrzeuge an der Szene, der Leopard ist sogar noch in Sichtweite und die ersten fahren schon wieder weg.







Wir stellen uns nochmals ans Wasserloch und warten weiter, Lesen in unseren Büchern und prüfen immer wieder die Lage. Ein paar Gnus kommen zum trinken und stehen dann noch eine Weile weiter neben der Pfütze.



Am Verhalten der Beutetiere kann man immer gut erkennen, wenn sich etwas verändert. Ich merke, wie sie plötzlich nervös werden, angestrengt anfangen in eine Richtung zu starren und mit den Hufen zu scharren. Und schon stieben sie davon, im selben Moment sieht Beenie im Rückspiegel auf meiner Seite und ich gleichzeitig, indem ich mich nach links gedreht habe, einen jungen Löwenkuder hinter unserem Auto auftauchen. Er ist alleine unterwegs, geht schnurstracks zum Trinken und tut dies lange und ausgiebig.




Auf einem Gebüsch neben dem Wasserloch sind ganz typisch wieder Spatzen und andere kleinere Vögel versammelt, welche in Schwärmen zum Wasser fliegen, kurz trinken, und dann sich dann wieder auf dem Busch niederlassen. Der Löwe lässt sich dadurch natürlich nicht aus der Ruhe bringen.

Sicher zehn Minuten schlürft er das Wasser, erhebt sich dann wieder und schlendert gemütlich zum erstbesten Schattenbaum ein paar Meter weiter, wo er sich müde hinfallen lässt.




Beim nochmaligen Nachschlagen bin ich unsicher geworden. Impulsiv hätte ich ganz klar auf Namaqua Flughühner getippt und in unserer Bestimmungsliste findet sich diese auch von diesem Tag. Stimmt aber schon, oder?


Groundscraper Thrush

Nach einer Viertelstunde fahren wir dann langsam zurück zu unserer Campsite und entdecken unterwegs noch einen Clan Schlankmangusten am Fusse eines grossen, knorrigen Kameldornbaumes. Eine Erstsichtung für uns.

Wir machen ein kleines Feuer zur Herstellung von leckerem Toast und Beenie brät das restliche Kudufleisch von gestern als feine Plätzchen. Zusammen mit Käse, Chilis und Rührei geniessen wir so einen deftigen Zmorgen.

Es folgt der gemütliche Teil des Tages, wir spannen unsere Hängematten zwischen die Pfosten vom Schattendach, lesen, dösen oder schreiben Tagebuch. Am Himmel ist nicht eine Wolke zu sehen, wie immer in den letzten Tagen und in der Backofenhitze des Nachmittags vermag man ja ohnehin nicht viel mehr zu unternehmen als zu faulenzen. Für uns die perfekteste aller möglichen Arten, einen Urlaub zu verbringen.

Am frühen Abend fahren wir nochmals nach Twee Rivieren runter, um ein Permit für den «Leeuwdril 4x4-Trail» für morgen zu besorgen, eine Dusche zu nehmen und frisches Eis für die Kühlbox zu holen. Auf dem Rückweg finden wir denselben Löwen von heute Morgen nochmals, nur etwa 200m vom Wasserloch entfernt. Der bewegt sich aber gar nicht und so fahren wir bald weiter, um die Lage am Wasserloch selber auszukundschaften. Ausser der für dieses Mal ersten Kuhantilope und einer ersten Schildkröte tut sich dort nicht wirklich viel.




Sehr typische Landschaft im südlichen Nossobtal zwischen «Leeuwdril» und «Rooiputs»


Und nochmals etwas Kalaharikitsch mit Oryx auf Düne

Jeden Tag Steak geht ja dann irgendwie auch nicht und so entscheiden wir uns heute für ein Curry mit, nun ja, Sirloin-Geschnetzeltem. Zuhause würde uns ja nicht im Traum einfallen, ein so edles Stück Fleisch in ein Curry einzukochen… Und: es schmeckt wirklich vorzüglich.

Wir sind ausnahmsweise auch mal etwas früher fertig mit Essen und sitzen so noch eine Weile am Lagerfeuer und geniessen die grandiose Abendstimmung.


Tageshöchsttemperatur: 39° C
Gamedrive #6: 18,4km
Gamedrive #7: 48,0km
Letzte Änderung: 19 Apr 2020 15:17 von kalachee.
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20 Apr 2020 22:38 #586900
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Sonntag, 13. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Rooiputs Campsite)


«Yo Bro!», raunzte es aus dem Zelt nebenan.
«Mmmh?», machte es aus meinem.
«Gamedrive!»

Zuhause, im Alltag, schaffe ich es manchmal, eine Stunde lang alle neun Minuten die «Snooze»-Taste meines Weckers zu drücken, bis ich mich aus dem Bett quäle. Hier aber, und das um 5 Uhr morgens, bin ich immer sofort putzmunter. Doch wer will schon solche Morgen, wie sie nur Afrika zu bieten hat, verpassen?

Mit wohlduftendem, frisch gebrühtem Kaffee machen wir uns auf den Weg, fahren von der Campsite die Düne runter und biegen nach links ab und fahren zum «Leeuwdril»-Wasserloch, wo schon ein Schwarzmähnenlöwe am Trinken ist. Ein stattlicher Kuder, der sich, nachdem er seinen Durst gelöscht hat, auf den Boden legt und anfängt zu brüllen.



Sehr eindrücklich! Man kann sogar den Bass im Auto spüren.


Und so schaut das im unbewegten Bild aus...


Was ein Pfundskerl! Von solchen Pranken will man auch nicht unbedingt «gestreichelt» werden...

Der Abzweig zum «Leeuwdril 4x4-Trail» liegt nur ein paar hundert Meter weiter nördlich. Es geht direkt raus aus dem Tal und über die Dünen, im Prinzip ist es eine Verbindung zwischen Nossob- und Auobtal und nur von Ost nach West zu befahren. Auf und ab geht es, von Dünental zu Dünental durch wunderschöne, ganz typische Kalaharilandschaft mit gelbgrünem Gras, rotem Sand, stahlblauem Himmel und zu dieser frühen Stunde noch äusserst schönem Licht.



Schon nach der zweiten oder dritten Düne treffen wir auf sieben Eland Antilopen. Wir können sie von ziemlich nah beobachten, wie sie gemächlich durch die Senke und über die Dünen ziehen.


Eines der letzten Bilder übrigens aus meiner Nikon D750... Im rechten Bildrand kann man so einen dunkleren Schlieren erkennen. Später, zurück auf der Campsite, hat sie dann ganz ihren Geist aufgegeben. Keine Ahnung, aber das muss eine Fügung gewesen sein; erst kurz vor dieser Reise hat es sich ergeben, dass ein Arbeitskollege von mir seine D800E loswerden wollte. Ich hatte mir schon nach der vorgegangenen Reise angefangen Gedanken zu machen, mir einen zweiten Body zuzulegen. Der Preis stimmte, die D800 noch in super Zustand und nur recht wenig gebraucht. Also hatte ich zugeschlagen. Das sollte sich somit jetzt für den Rest der Reise als goldwert erweisen... :blink:


Und trotz der grossen Trockenheit vermögen sogar einzelne Blumen zu blühen.

Ein paar Kuhantilopen sehen wir, einen Schlangenadler (Black-chested Snake Eagle) und immer wieder die allgegenwärtigen Riesentrappen (Kori Bustard).


Black-chested Snake Eagle

Es gefällt uns ausnehmend gut, das fahren auf der Piste ist mit unserem starken Gefährt überhaupt kein Problem und macht riesigen Spass. Immer wieder halten wir an, stellen den Motor ab, lauschen in die Stille und bestaunen die faszinierende, endlos weite Landschaft.



Der Trail endet bei einem Aussichtspunkt oben auf den Dünen, wo man einen schönen Blick über das Auobtal hat.



Dieses fahren wir hoch bis zum «Auchterlonie»-Picknickplatz, machen eine kurze Pause und werfen einen Blick in das kleine Museum. Dieses besteht im Prinzip aus einer nach- respektive wiederaufgebauten Hütte eines Farmers, der hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt hat, bevor das Gebiet später zum Nationalpark erklärt wurde. Fast nicht vorzustellen, wie sich das Leben hier draussen damals gestaltet haben muss. Was aber interessant ist: die ganzen Wasserlöcher, die entlang der beiden Täler heute den Tieren als Tränke dienen, waren ursprünglich für die Versorgung der südafrikansichen/ englischen Truppen im ersten Weltkrieg gegen die Deutschen gebohrt worden.

Von Auchterlonie aus nehmen wir die etwa 36km lange Stichstrasse, die bei «Kij Kij» wieder ins Nossobtal mündet. Dort ist aber nix los, nur eine Gruppe Oryx verlustiert sich gerade am Leben spendenden Wasser.

Zurück im Camp läuten wir einen ausgedehnten Faulenzertag in der Hängematte ein. Ich selber schreibe auch viel Tagebuch, gibt es doch einiges nachzuholen und die vielen Notizen in Text zu verwandeln. Den ganzen Tag über kommen ganze Schwärme von Vögeln, meistens Great Sparrow, zum Trinken am Ablauf beim Wasserhahn der Campsite. Eine Zeit lang jagt ein Lannerfalke die Spatzen und Tauben, ständig flattert der Schwarm mit lautem Flügelrauschen davon.


Unser Lager auf Rooiputs, die Campsite Nr. 2.

Wir haben entschieden, heute Abend mal keine Pirschfahrt zu unternehmen und ausnahmsweise etwas früher zu kochen. Es ist aber so friedlich und gemütlich, dass wir dieses Vorhaben irgendwie trotzdem total vertrödeln. Aber macht ja nichts, wir haben Ferien und alle Zeit der Welt.

Es gibt unser legendäres Beef Stew, was dann auch sehr lecker schmeckt - bis auf das Fleisch, das zäh wie eine Schuhsohle ist und absolut nicht geniessbar.

So begeben wir uns auch heute wieder früh in die Horizontale, lesen noch ein bisschen und schlafen schon bald ein.

Tipps aus dem Camperleben für zwischendurch:

Nehmt euren Scheissabfall wieder mit!

Tageshöchsttemperatur: 38° C
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25 Apr 2020 12:59 #587308
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Kapitel 5
Die Bewahrheitung einer Voraussagung, ein Blutbad und eine Planänderung


Montag, 14. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Rooiputs Campsite - Polentswa Campsite - Nossob Restcamp)

«Make a plan, change the plan» - dieses Motto begleitet uns auf allen unseren bisherigen gemeinsamen Touren und es sollte auch dieses Mal wieder dazu kommen. War es letztes Jahr eine vergessen gegangene Zeltstange, sollten es jetzt etwas grauslige Umstände sein, die uns zu einer ungewollten Verlängerung unserer Zeit im Nossob Restcamp bewegen werden.

Von weit her ist Löwengebrüll zu vernehmen, als wir unser Camp im Morgengrauen abbauen. Schon kurz nach 7 Uhr sind wir abfahrbereit und machen uns auf den langen Weg zur Polentswa Campsite oben im Norden des Parks. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist 50km/h und da wir bei Sichtungen natürlich immer anhalten, es ohnehin gemütlich nehmen, braucht man für die 200km dementsprechend so seine Zeit.


Oryx mit Jungem im gelben Gras - einfach für das Motiv auch mit falsch gesetztem Fokus.

Kurz nach «Kij Kij» sehen wir vor uns etwas kleines über die Strasse huschen - wenn auch nur für weniger als zwei Sekunden. Aber das sah uns definitiv nicht nach einem Schakal aus und weil sich das Tier in das Geäst eines grossen, zum Teil umgestürzten Baum verkrochen hat, kann es eigentlich nur eine Wildkatze gewesen sein. Trotz angestrengtem Suchen gelingt es uns nicht, sie im Dickicht auszumachen. Nur ein paar hundert Meter das genau gleiche Spiel - dieses Mal finden wir die Katze aber.

Nach einigen Minuten bewegt sie sich schliesslich und legt sich am Boden ins Totholz, wo wir die Ahnin unserer Hauskatzen etwas besser beobachten können:





Danach ist längere Zeit nicht viel zu sehen, bei den Picknickplätzen «Melkvlei» und «Dikbaardskolk» machen wir jeweils kurz Pause.


Bei diesen Picknickplätzen hat es ja immer - oh, wie komisch! - ganz «zutrauliche» Vögel. Woher das wohl kommen mag... :dry: Aus Versehen verschüttetes Wasser lockt eine Horde Siedelweber und Glanzstare an und man kann mit dem Weitwinkel ganz nah ran.


Cape Glossy Starling / Glanzstar (genauer Name auf Deutsch?)



African Red-eyed Bulbul / Maskenbülbül

Etwas weiter dann entdecken wir zwei Löwenweibchen, die nahe der Piste im Schatten liegen. Eine der beiden hält Ausschau, hat den Kopf aber von uns abgewendet, die andere liegt völlig regungslos flach ausgestreckt am Boden.

Kurz vor Nossob, beim «Rooikop»-Wasserloch, liegen zwei weitere Löwendamen natürlich ebenfalls im Schatten. Es ist noch etwas heisser hier oben, schon um die Mittagszeit hat es um die 40° C. Von den Löwen ist also erstmal gar keine Aktion zu erwarten.

Dann erreichen wir das Nossob Camp, wo wir kurz Pause machen, auftanken und im Shop ein paar Kleinigkeiten und ein Kaltgetränk erstehen. Frisch gestärkt nehmen wir die letzten 61km unter die Räder und grad kurz nach dem Nordtor liegt ein jüngerer Mähnenlöwe.


Löwe am helllichten Tag im Schatten - immer ein schwieriges Motiv und drum lasse ich meistens auch grad wieder.

Am Wasserloch «Cubitjie Quab», dem ersten in nördlicher Richtung nach dem Camp, treffen wir auf eine ganze Ansammlung von Gaukler (Bateleur). So viele auf einem Haufen von diesen farbenprächtigen Adlern haben wir auch noch nie gesehen. Leider fliegen die meisten grad davon, als wir heranrollen.



Ein Wasserloch weiter, «Kwang» nennt sich dieses, das wir verlassen vorfinden, meint Beenie: «He, wo sind denn all die Löwen hin? Hier hat es doch sonst auch immer welche!». Wir gucken noch etwas weiter in die Ebene - und tatsächlich liegt ein prächtiger Schwarzmähnenlöwe unter einem Baum.

Als wir den Abzweig zur Campsite Polentswa erreichen, schauen wir zuerst beim Wasserloch vorbei. Wieder sind einige Bateleur da und in der Pfütze neben dem Bohrloch suhlen sich drei Tüphelhyänen. Endlich! Somit hat sich die von Beenie gestern - natürlich mehr im Spass - Voraussage bewahrheitet: «morgen sehen wir Tüpfelhyänen!».


Diese drei sind in der Gegend rund um Polentswa ansässig und man kann sie tagsüber offenbar immer mal wieder so im Wasser badend vorfinden (Tüpfelhyänen machen das generell sehr gerne, aber hier ist die Chance, sie dort anzutreffen, wirklich recht gut).


Ein Sekretär ist auch da und löscht seinen Durst.

Langsam muss ich dringend auf Toilette, deshalb bleiben wir nur ganz kurz stehen und fahren dann rüber auf die botswanische Seite zur so wunderschön gelegenen Polentswa Campsite. Beim Heranfahren sind wir zuerst noch etwas enttäuscht, dass wir nicht wieder wie im letzten Jahr die Nr. 1 gebucht bekommen haben, als wir aber auf die Nr. 2 einbiegen, sind wir auch sehr zufrieden. Es gibt einen tollen Schattenbaum und einen ebenso fantastischen Überblick über die Polentswa Pfanne. Ich entschwinde kurz, derweil mein Bruder die Campsite inspiziert. «Hier ist überall Blut!», höre ich ihn rufen. Auf dem Zementboden des Schattendachs sind tatsächlich die unübersehbaren Hinweise auf ein Blutbad auszumachen. Es sind wirklich nicht nur ein paar Tropfen und ich erspare es euch jetzt, Bilder davon zu zeigen. Überreste eines Tieres wie Knochen, Schädel oder Innereien sind keine zu sehen und so kann es fast nur von einem Menschen sein, denken wir als erstes. Hatte jemand ein Unfall? Hat hier gar jemand geschlafen und wurde von einem Leopa… Ach, nein, das wollen wir gar nicht wissen. Die Gedanken daran… Nein, so können wir hier nicht bleiben.

Natürlich können wir nicht wissen, wie lange das schon her ist und Kriminaltechniker sind wir auch nicht, aber allzu alt sehen diese Spuren nicht aus. Wir sind uns auch bewusst, dass hier draussen nicht ständig jemand vorbei kommt und sich um die Campsites kümmert, aber dass die Spuren des Massakers nicht beseitigt wurden, irritiert uns dann doch ziemlich. Und es ist uns auch klar, dass das hier die freie, ungebändigte Natur ist und es sehr wohl auch einfach von einem Tierriss sein kann. Wir sind hart im nehmen, ertragen so einiges, aber das hier geht für uns nicht. Wie sollen wir uns hier für drei Tage gemütlich einrichten mit dem ständigen Blick auf die Blutlachen und die Gedanken daran, was wohl passiert sein möge.

Also fahren wir rüber zur wenige Kilometer entfernten Lodge und sprechen dort mal vor. Diese haben mit dem Betrieb der Campsite aber angeblich nichts zu tun und können uns somit auch nicht sagen, ob die zum Zeitpunkt unserer Ankunft noch nicht belegte Campsite Nr. 1 verfügbar wäre. Im Wissen, dass die drei Stellplätze so oder so fast immer ausgebucht sind und man teilweise bis zu einem Jahr im voraus reservieren muss, gehen wir davon aus, dass sowieso noch jemand kommen wird. Und einfach einen Stellplatz belegen ist absolut nicht unsere Art, also bleibt uns nichts anderes übrig, als nach Nossob zurück zu fahren. *

Zwei Stunden später kommen wir dort total erschlagen an. Freie Stellplätze hat es genug und so verlängern wir einfach unseren geplanten Aufenthalt um die drei Nächte. Wir mobilisieren unsere letzten Kräfte, bauen das Lager auf und bereiten uns dann zum Abendessen Hamburger in Toastbrot und in Alufolie gebackene Kartoffel-Wedges.

Mehr oder weniger direkt nach dem Essen geht es ins Bett, ich schaffe noch genau zwei oder drei Absätze von meinem Buch, ehe ich im Nu eingepennt bin.


Tageshöchsttemperatur: 44° C
Etappe: 270,8km
Fahrtdauer: 10h 40min



* Nachtrag: ich weiss nicht, wie mein Bruder das heute sieht, aber im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Heute würde ich wohl nicht mehr so überstürzt wieder abreisen und versuchen, mit der Situation klar zu kommen. Eine Idee, die mir erst grad kürzlich gekommen ist, als wir im Reisebericht von den Eulenmuckels darüber gesprochen haben, wäre zum Beispiel gewesen, die Blutlachen mit Sand zu überdecken. Hat ja ein bisschen was davon in der Kalahari... Rein Tiersichtungstechnisch hätten wir aber wohl eh nicht viel verpasst in der Zeit da oben. Eine Auflösung, wie es zu dem Blutbad gekommen ist, folgt dann ein paar Tage später.
Letzte Änderung: 25 Apr 2020 13:02 von kalachee.
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26 Apr 2020 13:00 #587395
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Kapitel 6
Ferientage im Nossob Restcamp oder: Von Tauben und Schakalen


Dienstag, 15. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Nossob Restcamp)

Die ganze Nacht über war immer wieder Löwengebrüll zu hören, zum Teil auch in unmittelbarer Nähe zum Camp. So zumindest haben es alle anderen gehört, ich für meinen Teil habe offenbar derart tief und fest geschlafen, dass ich von alldem rein gar nichts mitbekommen habe. So was passiert mir ja eigentlich auch nie… Nur am ganz frühen Morgen, als wir aufstehen und uns für die Pirschfahrt fertig machen, höre ich sie auch.

Einer der Löwen zieht in südlicher Richtung durchs Tal, da wollen wir doch mal schauen gehen, ob wir ihn finden. Spoiler alert: haben wir nicht.

Ohne nennenswerte Sichtungen fahren wir den Loop bis zum Wasserloch «Marie se gat». Gerade, als wir darauf zusteuern, entfernt sich eine Braune Hyäne und zieht gemessenen Schrittes über die Ebene, bis sie im Gestrüpp verschwindet.


Zum Wasserloch hin...


... hmmm, aber wer ist das da im Auto? Die #safaribrothers etwa? Nicht geheuer irgendwie...


... ich verzieh mich mal lieber wieder.

Wir bleiben eine Weile stehen und beobachten kleinere Vögel wie Spatzen, Finken und Kanarienvögel, wie sie sich wie jeden Morgen und jeden Abend in Scharen sammeln an den Wasserlöchern, sich auf einem Busch oder Baum möglichst nahe am Wasser niederlassen und unablässig zum Trinken hin und unter grossem Getöse schnell wieder weg flattern.

Wir haben Glück und die Hyäne kommt noch einmal zurück. Wohl haben wir sie beim Heranfahren etwas erschreckt.


Aus derselben Richtung kommt sie nun wieder über die Ebene gezogen...


... direkt auf uns zu, also das Wasserloch natürlich.

Aber der Durst obsiegt, sie muss einfach irgendwann mal trinken. In der Morgensonne steht sie da, die Fellhaare glänzen im Gegenlicht und lange schlabbert sie Wasser in sich hinein, hebt immer wieder den Kopf und prüft die Umgebung.



Danach zottelt sie wieder davon - eine schöne Sichtung. Interessanterweise, wie wir später erfahren, stellen die Braunen Hyänen die grösste Population an grossen Raubtieren im Gebiet des KTP, nur sind sie gar nicht so präsent wie zum Beispiel ihre Verwandten, die Tüpfelhyänen oder die Löwen und anderen Raubkatzen. Sie sind Einzelgänger und tagsüber, wenn wir Touristen unterwegs sein dürfen, oft nur in den ganz frühen Morgen- oder Abendstunden zu sehen. Da sie praktisch immer in Bewegung sind und an einem Tag auch mal bis zu 40 oder 50km zurücklegen, erspäht man sie einfach nicht so oft.


Wo es Wasser hat, sind am frühen Morgen und späten Nachmittag garantiert auch immer Tauben, insbesondere die stark vertretene Cape Turtle Dove / Kapturteltaube anzutreffen. Dazu mehr in den nächsten Tagen...


Und wo es Wasser und Tauben hat, sind meist Schabrackenschakale nicht sehr weit...


African Red-eyed Bulbul / Maskenbülbül


Das grosse Flattern im Busch neben dem Wasserloch. Hier sind vor allem Finken, Spatzen, Bülbüls und Kanarienvögel zugange. Ein herrliches Gezwitschere und Schauspiel am frühen Morgen.


Blick über die Ebene auf dem Loop zum «Marie se gat»-Wasserloch.

Zurück im Camp beschränken wir unsere Aktivitäten auf das allernötigste. :P Es wird wieder ein sehr heisser Tag, schon um 11 Uhr morgens klettert das Thermometer auf 38 - 39° C. Wir machen einen ausgesprochen ausgedehnten Faulenzertag, liegen in der Hängematte oder im Zelt, machen ein spätes Frühstück aus Omeletten, plaudern mit den Nachbarn («What did you see this morning?» - «A Brown Hyena, down at Marie se gat» - «Oh, beautiful! But we did better - we saw two of them!»), lassen es uns gut gehen.

Bevor wir auf die Abendrunde gehen, buchen wir an der Rezeption noch einen geführten Night Drive. Wir sind eher spät dran und fahren daher nur bis «Cubitjie Quab». Es ist es auch eher mau, was die Sichtungen betrifft. Ein Sekretär ist da und steht im Wasser, ein Lannerfalke kommt auch vorbei zum trinken.


Secretary Bird / Sekretär




Lanner Falcon / Lannerfalke

Ein älterer, sehr schwach aussehender, ausgemergelter Schakal unternimmt einen sehr zaghaften Versuch, den Falken zu schnappen. Wie es scheint, muss er dieses Vorhaben aber völlig entkräftet auch gleich wieder aufgeben.

Das war es dann auch schon und wir fahren wieder zurück. Zur Abwechslung kochen wir uns heute mal Spaghetti an einer Tomatensauce und Erbsen. Müssen uns auch etwas ranhalten, denn um 21:30 Uhr sollen wir uns vorne an der Rezeption einfinden.

Der Drive wird von einer Guide durchgeführt, neben uns ist nur noch ein weiterer Gast aus Südafrika mit an Bord. Beenie und ich erhalten die ehrenvolle Aufgabe, die Spots zu bedienen und leuchten damit während der ganzen Fahrt die Umgebung ab auf der Suche nach reflektierenden Augen. Das klappt dann auch ganz hervorragend und wir entdecken viele Löffelhunde, zwei Kapfüchse, Springhare allüberall, eine Schleiereule (Western Barn Owl), eine Spotted Eagle Owl, Schakale natürlich, eine Baumratte, eine Wildkatze, weit weg vier Tüpfelhyänen und an «Marie se gat» zwei (!) Braune Hyänen. Sehr spannend und lehrreich, unsere Guide weiss und erklärt viel zu den verschiedenen Tieren und ihrem Verhalten *. Um 23:30 Uhr sind wir wieder im Camp.


Tageshöchsttemperatur: 42° C
Gamedrive #9: 24,8km
Gamedrive #10: 20,0km



* So erfahren wir zum Beispiel, dass die Nahrung der Löwen im KTP zu etwa 50% (!) aus Stachelschwein bestehen soll. :ohmy: Kann das jemand bestätigen? Das hat uns sehr erstaunt, hatten wir davon doch noch nie gehört. Es würde aber erklären, warum sich die Löwen trotz der Abwesenheit der meisten Huftiere weiterhin in den beiden Trockenflusstälern aufhalten - einerseits natürlich auch wegen dem nur hier verfügbaren Wasser und andererseits eben der permanenten Verfügbarkeit von Stachelschweinen als Beute.
Letzte Änderung: 26 Apr 2020 13:04 von kalachee.
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Mittwoch, 16. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Nossob Restcamp)

Ein erstes Mal seit langem zeigen sich wieder etwas Wolken am Himmel, als wir, für einmal «ausgeschlafen», um 06:15 Uhr aus unseren Zelten kriechen. Nachdem es gestern so spät geworden ist, hatten wir entschieden, heute Morgen mal nicht rauszufahren und es uns stattdessen mit unseren Kaffees am Hide hier im Camp gemütlich zu machen. Dort ist aber nicht gerade besonders viel los, nur die üblichen Kapturteltauben flattern und gurren um die Wasserstelle und wenn die da sind, sind natürlich auch die Schakale nie weit. Zwei von ihnen unternehmen eine Zeit lang halbherzige Versuche, nach den Tauben zu jagen.


Erst wird die Lage ausgecheckt...


... angeschlichen...


... ordentlich Chaos gestiftet...


... um dann doch etwas konsterniert aus der Wäsche zu gucken, weil es wieder nicht geklappt hat.

Aber das gehört wohl zur Taktik, denn wie aus dem Nichts wird einer plötzlich sehr konkret und schnappt sich äusserst geschickt und blitzschnell einen der Vögel.


Lanner Falcon / Lannerfalke Red-necked Falcon / Rotkopffalke

Schon um 08:30 Uhr sind wir zurück in unserer temporären Heimat und verbummeln den Tag wie gewöhnlich. Es wird wieder fürchterlich heiss heute. Aber wir haben spannende Bücher, dösen, nehmen unsere Partie Rommée wieder auf, haben einfach eine gute Zeit. Den anderen Touristen scheint es nicht anders zu gehen, den ganzen Tag über ist es herrlich ruhig auf der ganzen Campsite, niemand bewegt sich mehr als nötig. Es gibt keinen Fernseher hier, keine Telefone und schon gar kein Internet. Wir sind so richtig angekommen, komplett eingetaucht in das Safarileben und sind tiefenentspannt.


Tipps aus dem Camperleben für zwischendurch:
Wenn für die Hängematte nicht zwei in idealem Abstand auseinanderliegende Bäume vorhanden sind (oder falls doch, halt schon von der Hängematte des Bruders okkupiert), tut es auch die Bullbar von einem Bakkie. Für das einfache Aufhängen haben wir uns Kletterseile mitgebracht und je zwei Karabiner.

Dafür machen wir uns früh auf zur Abendrunde, welche uns noch einmal zu «Marie se gat» führt. Wir stellen uns einfach hin mit dem Auto und warten ab, plaudern und albern rum, schauen, ob sich etwas tut. Ganz beschaulich ist das hier, zwei Oryx kommen zum trinken, die allabendliche Vogelschar findet sich wieder ein. Nur gibt es praktisch keinen Schatten hier, so dass wir fast eingehen vor Hitze und deswegen auch einige Zeit vor Toresschluss wieder zurück fahren.

Dummerweise haben wir vergessen, Fleisch aus dem Gefrierer zu nehmen. So wird das auch nix mit einem früheren Abendessen, also habe ich noch Zeit, mal meine Laufschuhe zu schnüren und eine kleine Runde über das Areal zu Laufen. Es hat immer noch 34° C und dementsprechend hoch ist der Puls, aber es tut gut, sich mal wieder etwas zu bewegen nach all der Rumfahrerei und all dem Müssiggang.

Irgendwann sind dann auch die Kudulendensteaks aufgetaut, so lange dauert das bei diesen Temperaturen logischerweise auch wieder nicht. Es gibt in Folie gebackene Butternut-Kürbis und Erbsen mit Möhren aus der Dose.

Für einen weiteren Gang zum Hide sind wir zu müde. Hätte sich lohnen können, denn grad, als wir uns Bettfein machen, ist aus nächster Nähe Löwengebrüll zu hören. Zum Einschlafen aber doch auch ganz nett, oder?


Tageshöchsttemperatur: 42° C
Gamedrive #11: 25,0km



Donnerstag, 17. Januar 2019
Kalahari Transfrontier Park (Nossob Restcamp)

Für heute haben wir uns einen etwas längeren Ausflug vorgenommen in den Norden. Den Sonnenaufgang bestaunen wir vom Aussichtspunkt, auf den man 4km nach dem Nordtor vom Camp rauffahren kann und einen schönen Ausblick über das hier breite Nossobtal hat.



Danach tuckern wir gemütlich von Wasserloch zu Wasserloch.


Springbock am «Kwang»-Wasserloch.

Etwa einen Kilometer weiter entdecken wir einen prächtigen Schwarzmähnenlöwen, an dem wir zuerst noch fast vorbeigerauscht wären.



Hätte er nicht gerade den Kopf gehoben, hätten wir ihn wohl verpasst. Er liegt bei einem Gebüsch in der Sonne und leckt sich sein Fell, dann steht er auf und wir sehen, dass er ziemlich stark humpelt. Wie es zunächst scheint, will er in Richtung Wasserloch, weshalb wir natürlich wenden. Doch er geht nur zu seinem Bruder, der zwei, drei Dutzend Meter weiter hinten im Schatten liegt. Ob es wohl die beiden Brüder sind, die wir vor drei Jahren hier in ihrer vollen Kraft als gemeinsame Chefs des Nossob-Rudels mehrmals gesichtet haben?


Das Breite Nossob-Flussbett in der Gegend um «Kwang» - es sind auch Strausse und Schakale zu sehen auf dem Bild.


In den Bäumen am «Parkplatz» vor dem Wasserloch finden wir diesen Prachtskerl - Martial Eagle / Kampfadler.

An den folgenden Wasserstellen ist nichts los. Bei «Polentswa» halten wir an und gucken uns ein wenig um. Da hält ein Wagen neben uns und der Fahrer fragt uns, ob wir die beiden Typen wären, die letzthin die Campsite Nr. 2 hier wegen des Bluts verlassen hätten? Es stellt sich heraus, dass die beiden aus Kapstadt kurz vor uns dort waren und die Ursache für das Blutbad live und in Farbe mitbekommen haben; ein verwundetes Gnu - wohl durch Rangkämpfe mit einem anderen Bullen verursacht - sei von den drei hier ansässigen Tüpfelhyänen verfolgt worden. Entkräftet habe sich die Antilope gegen 2:30 Uhr unter dem A-Frame auf dem Zementboden niedergelegt, eine der Hyänen sei zeitweise auf dem Gnu obendrauf gelegen. Irgendwie hat es sich noch befreien können und in den näheren Busch geschlagen, wo es dann endgültig getötet und gefressen wurde. Jedenfalls seien die Hyänen am nächsten Tag mit äusserst dicken Bäuchen am Wasserloch unten gelegen.

Während er so seine Story zum besten gibt, taucht in unserem Rückspiegel eine Braune Hyäne auf. Zuerst will sie zum Wasser, überlegt es sich dann aber anders und legt sich erstmal in der Nähe in den Schatten.

Wir fahren noch knapp 20km weiter bis zum «Lijersdraai»-Picknickplatz, wo wir eine ausgiebige Frühstückspause machen. Es gibt Baked Beans an Zwiebeln und Peri Peri-Sauce und in kleinen Streifen gebratene Reste vom Kudu.


En Guete! :)


Hier zeichnet sich eindeutig ein Wetterumschwung ab, wenn man sich diese «dunklen» Wolken mal so anschaut... :P

Auf der Rückfahrt treffen wir am «Polentswa»-Wasserloch wieder auf die drei Tüpfelhyänen. Zudem sind etliche Geier gerade am Trinken, neben den üblichen Weissrückengeiern zum ersten Mal auch ein Lappet-faced Vulture.


White-backed Vulture / Weissrückengeier, der Lappet-faced hat es offenbar leider nicht aufs Bild geschafft.


Und hier noch ein schönes Portrait von einem der drei Verursacher unserer überstürzten Flucht von der Polentswa Campsite. Übrigens: heute, am 27. April ist International Hyena Day (kein Witz!), also sollen diese interessanten Tiere auch mal eine entsprechende Würdigung erhalten.

Die beiden Löwen von «Kwang» liegen immer noch unter dem selben Baum und bewegen sich natürlich keinen Millimeter.

Zurück im Camp sprechen wir, als ich gerade die Sichtungen am Brett markiere, kurz mit einer Familie und erzählen von den Löwen. Einer liege auch gleich hier beim Camp, sagen sie. Und tatsächlich, unter einem Baum hat es sich ein Löwenmann gemütlich gemacht.

Das tun wir dann auch und nach einem gemütlichen Trödeltag mache ich mich noch einmal auf eine 8km-Laufrunde über das Camp, während Beenie den Grill bereit macht. Heute ist mal wieder ein T-Bone Steak mit Folienkartoffeln an der Reihe. Dazu gibt es einen einen Tomaten-Zwiebel Salat.

Nach dem Essen setzen wir uns noch eine Weile in den Hide. Viel los ist nicht gerade, ein Haufen Schakale sind natürlich da und - aber natürlich ganz toll - mindestens sieben, wenn nicht acht Schleiereulen, die im Wasser stehen und trinken. Bald aber müssen wir uns der aufkommenden Müdigkeit geschlagen geben.


Tageshöchsttemperatur: 42 °C
Gamedrive #12: 150,7km
Letzte Änderung: 29 Apr 2020 14:15 von kalachee.
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