THEMA: Reisebericht - Selbstfahrertour durch Tansania
07 Dez 2012 21:29 #266133
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  • beate am 07 Dez 2012 21:29
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Hallo,

seit Donnerstag sind wir von unserer Tansania-Reise zurück.

Als ersten muss ich mich nochmal für die viele Unterstützung und das Mut-Machen hier im Forum bedanken. Ich hatte es wirklich nötig. Nachdem ich das Buch "Kulturschock Tansania" gelesen hatte, hätte ich am liebsten die ganze Reise wieder abgesagt.

Ich möchte hier keinen grossen Reisebericht schreiben, aber trotzdem so einige Informationen weitergeben. Also fange ich einfach mal zum erzählen an:

Der Flug mit KLM kam pünktlich um 21.00 an. Die Visa-Ausstellung am Airport funktionierte für afrikanische Verhältnisse unproblematisch und schnell. Und unser vorbestellter Fahrer für den Transit wartete auch bereits um uns in die vorgebuchte Lodge "The Outpost" zu bringen. Diese Lodge war wohl einmal das Wohnhaus von Bernhard Grzimek.

Gleich hier muss ich nochmal viele Unterstützung erwähnen, wie wir von unserem Autovermieter, Tanzanien Pioneers, erhielten. Wie wir erst vor Ort erfuhren, ist der Besitzer, Daniel Staub, ein Schweizer, der gerade seine Firma aufbaut. Und da er momentan nur 1 Auto hat, aber für die Zulassung als Autovermieter 10 Autos braucht, hat er sich mit Serengeti Select zusammengeschlossen, da diese Firma eine Menge (wieviele weiss ich nicht) hat. Und Nathan, von Serengeti Select, ist genauso hilfsbereit, wie wir feststellen konnten.

Die Auto-Übernahme am nächsten Tag erfolge penibel genau mit Nathan, der uns auch gleich noch ein paar Tipps mitgab. Dann kam der grosse Einkauf bei Shoprite. Wir wollten zuerst in den Arusha NP und konnten deshalb erstmal "Probekaufen", da wir auf dem Rückweg ja nochmal vorbeikamen.

Als sehr wertvoll erwies sich der grosse und gutgehende Kühlschrank im Auto. Diesen hatten wir wirklich nötig. Und das Dachzelt war nullkommanichts aufgebaut.

Also ging es erstmal in den Arusha NP. Um Parkgebühren zu sparen, übernachteten wir erstmal am Campground am Lake Doluti. Wir waren auf diesem schön am See gelegenen Campingplatz die einzigen Gäste und konnten in Ruhe unser Gepäck aus- und umpacken.

Gleich hier im Arusha NP sahen wir die ersten Tiere: Giraffen, Paviane, die sehr schönen Colobo-Affen, Büffel, Zebras, Warzenschweine.

Wr haben uns alle Campingplätze angeschaut und entschieden, dass Nr. 2 der schönste sei. Nur waren wir etwas erstaunt, dass Toiletten, Duschen und Küchenhaus zugesperrt waren. Wir waren in dieser Nacht die einzigen Gäste dort! Am nächsten Tag fragten wir am Momela Gate nach, warum hier alles abgesperrt war und erfuhren, dass wir uns den Schlüssel hätten holen sollen. Also haben wir für diese Nacht die Schlüssel abgeholt. Und wieder waren wir die einzigen Gäste dort und freuten uns schon auf eine zweite einsame Nacht, als um 18.00 h der Parkrancher kam und einen Kollegen ablud, mit einem Gewehr grösser als der ganze Kerl. Der sollte unsere Security sein. (Ich hatte den Eindruck, im Ernstfall hätte der mit dem Gewehr die Situation nur noch explosiver gemacht). Alle unsere Einwände halfen nichts, unsere Security blieb da und übernachtete anscheinend im Küchenhaus. Es sei Tanapa-Regel wurde uns erklärt. Aber anscheinend galt diese Regel nur für den Arusha NP, denn sonst bekamen wir nie eine Security.

Nach diesen 2 Nächten ging es zurück nach Arusha zum Grosseinkauf. Und diesmal war dieser Einkauf wirklich gross, denn wir mussten ja für ca. 2 Wochen ohne Einkaufsmöglichkeiten vorsorgen. Also hatten wir letztendlich das Auto voll mit ca. 100 Flaschen Wasser (im Auto selbst gabs noch einen Wassertank), 30 Flaschen Wein, 20 Dosen Bier, und jede Menge "Dosenfutter!". Auch ein bischen Fleisch für die ersten Tage gabs. Und Brot hatten wir uns zum Glück von zuhause mitgebracht, sowie auch einige Brotaufstriche in Dosen. Denn da hätten wir in Arusha wirklich nichts vergleichbares gefunden.

Hier nochmal ein Dankeschön für den Tipp für den Sakina-Supermarkt. Der ist wirklich gut sortiert und hat günstige und gute Weine. Aber auch einige andere Sachen kauften wir da noch ein, die wir beim Shoprite nicht gefunden hatten.

Wir fuhren an diesem Tag zum Tangarire NP und übernachteten auf dem Zion CG kurz vor dem Parkeingang. Am nächsten Tag gings in den Park, und wir waren total erschlagen: so viele Elefanten hatten wir auf allen unseren Afrika-Reisen zusammen noch nie gesehen. Ich schätze mal, an diesem Tag sahen wir ca. 2000 Elefanten. Auch alle anderen erwarteten Tiere waren zuhauf da. Unter anderem eine Löwenfamilie gleich neben der Strasse unter einem Busch und drei Löwen-Weibchen, die sich vom Canyon-Rim aus die Speisekarte ansahen!

Also der Einstieg war schon mal sehr gelungen. Obwohl: es gab tausende von Tsetse-Fliegen. Und dies erwies sich im gesamten Urlaub als der einzige Nachteil. Ich war teilweise so weit, dass ich diesen Biestern eine Intelligenz zusprach. Denn wenn man sie erschlagen wollte, liessen sie sich einfach fallen und waren verschwunden. Nach ein paar Minuten kamen sie dann heimlich wieder raus und bissen in die Knöchel!

Ich hatte nach 2 Tagen ca. 50 Bisse, und jeder einzelne hat sich entzündet. Erstmal tats fürchterlich weh, dann kam der Juckreiz. Dann schwoll die Bissstelle ca. 7-8 cm im Durchmesser dick an. Dann erschien in der Mitte eine grosse Wasserblase, die beim nächsten Duschen aufplatzte. Und dann blutete es erstmal 2 Tage lang.

Und ich hatte Bisse an den unmöglichsten Stellen. Also auch an Stellen, die bestimmt nie ohne Bekleidung sind. Die Biester müssen durch die Hosen, Socken und T-Shirt durchgebissen haben. Jetzt muss ich mich erstmal schlau machen, wie es mit der Schlafkrankheit aussieht.

Übernachtet haben wir an diesem Tag am Panorama Campground, mit Blick auf den Lake Manyara. Dieser NP, den wir am nächsten Tag besuchten, war allerdings eine Enttäuschung. Es gab praktisch keine Tiere, nur ein paar Vögel zu sehen.

Und dann kam die Strecke, die mir vorab am meisten Kopfzerbrechen gemacht hatte. Die Strasse zum Lake Natron sollte ja eine sehr einsame Strasse durch exotische Landschaften (so ein Münchner Reiseveranstalter) sein. Naja, einsam waren nur Teile und exotische Landschaften habe ich schon schönere gesehen. Die Strasse selbst war eine einzige Wellblech-Piste, die man nur sehr langsam (oder sehr schnell) fahren kann. Wir entschieden uns für die langsame Variante, was zwar mehr Rütteln erzeugt, uns aber sicherer schien, als irgendwann mal ein fliegendes Auto zu haben. So dauerte die Fahrt zum Lake Natron dann 6 Stunden.

Auf der Fahrt wurden wir auch ganz schön von den Massai abgezockt: Obwohl das Ministerium eine Verfügung herausgegeben hatte, dass diese Strassensperren nicht rechtmässig seien und man nicht zahlen solle, führte kein Weg vorbei und jede Diskussion verlief sinnlos: wir mussten insgesamt dreimal pro Person je 10 Dollar zahlen, um überhaupt weiterfahren zu dürfen.

Überhaupt: die Massai!!! Ich habe auf sämtlichen Afrika-Reisen noch nie eine solch aggresive Bettelei erlebt, wie im Massai-Gebiet. Wirklich jedes Kind und ca. die Hälfte der Erwachsenen, an denen wir vorbeifuhren, hielt die Hand auf. Ganz extrem war es auf der Zufahrt zum Tarangire NP. Da standen die 4-Jährigen, die eine Hand offen, in der anderen Hand Steine, die dann auf die Autos geworfen wurden. Zum Glück haben solch kleine Kinder noch nicht die Kraft, die Steine wirklich weit zu werfen. Aber für uns galt:
Wie erkenne ich einen Massai??? Am roten Umhang und an der aufgehaltenen Hand!!

Ich weiss nicht, wer das Wort vom "Stolzen Massai" geprägt hat, aber wenn ich das nocheinmal höre, bekomme ich einen Lachkrampf. Ich habe noch selten ein Volk mit so wenig Stolz gesehen.

Am Lake Natron wollten wir eigentlich auf dem Campingplatz am Wasserfall übernachten. Dieser war auch überall mit Wegweiser angeschrieben, aber es gab ihn nicht! So übernachteten wir auf dem sehr schon gelegenen World View Campground. Dort hatten wir auch die besten und neuesten Duschen unserer gesamten Reise.

Am nächsten Tag kam dann das Teilstück, über das wir am wenigsten Informationen sammeln konnten: die Strecke zum Kleins Gate. Ich hatte vor allem etwas Angst vor der Fahrt das Escarpment hoch. Ein paar Kilometer nach Lake Natron dachten wir dann, entweder unser GPS spinnt oder wir: das GPS zeigte einen Strassenverlauf nach Nordwesten, während die gut ausgebaute Strasse direkt nach Norden weiterging. Nachdem wir keine andere Möglichkeit hatten, fuhren wir weiter. Nach ca. 45 km macht diese Strasse dann eine Kurve nach Westen und man kommt bei Sonjo wieder auf die alte Strasse. Das heisst, man muss das Escarpment nicht mehr fahren! Diese Strasse ist auf der Strassenkarte von Reise Know How als Track eingezeichnet.

Ab Sonyo ist dann die Strasse wieder sehr schlecht und wird hinter Wasso erstmal noch schlechter. Aber die Landschaft hätten wir so nie erwartet: Wir fuhren durch richtige Urwälder und ich hatte eigentlich nur Steppe erwartet.

Bis zum Kleins Gate brauchten wir bei sehr langsamer Fahrweise 6 Stunden. Dann nochmal 2 Stunden bis zum Public Campsite in Lobo.

Morgen gehts weiter.

Beate
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07 Dez 2012 23:40 #266149
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beate schrieb:
Ich weiss nicht, wer das Wort vom "Stolzen Massai" geprägt hat, aber wenn ich das nocheinmal höre, bekomme ich einen Lachkrampf. Ich habe noch selten ein Volk mit so wenig Stolz gesehen.
... das liegt am Zusammentreffen von zunehmendem Tourismus in Regionen mit traditionell lebenden Völkern und kannst Du z.B. auch bei den Himbas beobachten. Unter den zahlreichen Touristen ist ein geringer Prozentsatz, der wahllos irgendwelches Zeug verschenkt und die Menschen lernen daraus, dass jeder was zu verschenken haben muss. Irgendwann beginnt es, dass sie es einfordern.

Wenn man die Himbas oder Massai (müsste es nicht Maasai heißen, da ihre Sprache Maa heißt?) wirklich mal abseits der automobil frequentierten Wege antrifft, dann ist ihr Verhalten nämlich in der Regel völlig anders.

Gruß
Wolfgang
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Hoi zämä

Da kann ich Wolfgang mur zustimmen!

Als wir vom Ngorongoro-Hochland zum Lake Natron wanderten waren die Massai zwar immer zur Stelle um ihre Ware zu verkaufen, Bettlerei haben wir aber erst am Lake Natron erlebt, dort aber so heftig dass ich sogar drohen musste um überhaupt ins Auto einsteigen zu können...echt mühsam!!!
Wenige Kilometer daneben, in der Nähe unserer Campsite, keinerlei Bettlerei und keine aufdringlichen Leute, im Gegenteil!!!
Wir durften sogar fotografieren ohne dass auch nur ein mal Geld dafür verlangt wurde.BikeAfrica schrieb:
...müsste es nicht Maasai heißen, da ihre Sprache Maa heißt?
Das schreiben sogar die Massai auf unterschiedliche weise...
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08 Dez 2012 10:41 #266178
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picco schrieb:
BikeAfrica schrieb:
...müsste es nicht Maasai heißen, da ihre Sprache Maa heißt?
Das schreiben sogar die Massai auf unterschiedliche weise...
Danke für die Info!
Das finde ich interessant ...

Gruß
Wolfgang
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08 Dez 2012 11:08 #266181
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  • beate am 07 Dez 2012 21:29
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Hallo Ihr Beiden,

das das mit dem zunehmenden Tourismus zusammenhängt, da habt Ihr schon Recht. Auch bei den Himbas haben wir diese Bettelei erlebt, allerdings längst nicht so aggressiv.

Trotzdem: auch anderswo auf der Welt gibt es zunehmenden Tourismus. Wir sind z.B. auch sehr viel in Südamerika unterwegs. Und die Indianervölker dort leben bestimmt auch nicht besser als die Massai. Aber die kämen überhaupt nicht auf die Idee, die Touristen anzubetteln oder gar zu bedrängen. Klar, wenn sie Dir geholfen haben und Du bietest ihnen ein Cola oder auch mal eine Dose Bier an, die nehmen sie gerne. Aber Bettelei gibts nur in den Grosstädten, und das gilt ja überall auf der Welt.

Gruss Beate
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08 Dez 2012 11:53 #266185
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beate schrieb:
das das mit dem zunehmenden Tourismus zusammenhängt, da habt Ihr schon Recht. Auch bei den Himbas haben wir diese Bettelei erlebt, allerdings längst nicht so aggressiv.

Trotzdem: auch anderswo auf der Welt gibt es zunehmenden Tourismus. Wir sind z.B. auch sehr viel in Südamerika unterwegs. Und die Indianervölker dort leben bestimmt auch nicht besser als die Massai.

... aber die Art des Tourismus unterscheidet sich. Gerade Kenya/Tanzania im Bereich der bekannten Nationalparks wird häufig als Pauschalreise sehr günstig angeboten und es fahren einfach sehr viele Leute dort hin, die sich vorher nicht damit beschäftigen. Die lesen irgendwo (auch manchmal hier im Forum), dass man irgendwelche "Geschenke" verteilen soll und damit fängt der ganze Kram an.

In Südamerika wird das in 20 Jahren vermutlich ähnlich aussehen. Ich würde mich freuen, wenn ich mich irre.

Gruß
Wolfgang
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