THEMA: Reisebericht Kenya/Tanzania im Februar/März 2010
30 Mai 2010 11:57 #141330
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Hallo zusammen!

Endlich ist der Reisebericht unser letzten Safari in Kenya und Tanzania vom 25.2. - 15.3.2010 fertig (bis auf die letzten 3-4 Tage, die aber nicht mehr mit großen Ereignissen ins Gewicht fallen ).

Lasst euch ein auf eine ereignisreiche, teils abenteuerliche, Reise in Ostafrika. Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen und beim Betrachten der Bilder und hoffen natürlich, dass euch unser Bericht gefällt. Natürlich freuen wir uns auch über eure Rückmeldungen!



Abflug auf den schwarzen Kontinent
Donnerstag, den 25.2.2010

Heute ist es endlich wieder soweit. Einen langen und strengen, für Deutschland ungewöhnlich schneereichen Winter hinter uns lassend, machen wir uns um 5.30 Uhr auf den Weg zum Flughafen Düsseldorf. Von dort startet ein Zubringer der British Airways um 7.15 Uhr nach London und um 10.05 Uhr geht es dann nonstop mit der Boing 777 weiter nach Nairobi. Der Non-Stopp-Flug überzeugt uns ja nicht wirklich – lieber fliegen wir mit einer Unterbrechung nach etwa der Hälfte der Strecke, z.B. mit Turkish Airlines in Istanbul oder mit Egypt Air in Kairo. Doch wie immer ist auch bei unserer 7. Kenyareise der Flugpreis ein entscheidendes Kriterium für oder gegen eine Fluggesellschaft. Und so haben wir uns im November letzten Jahres bei einem Preis von 480€ p.P. online für British Airways entschieden.
Beim Einchecken stellt die Dame am Schalter sich ein bisschen sehr pingelig an. Die Waage zeigt bei Joachims Rucksack 1,5 kg zu viel Gewicht an, während ich mit meinem Gepäck deutlich unter der Freigrenze bleibe (- 4kg!!!). Wir müssen nun tatsächlich unsere Rucksäcke noch so umpacken, dass beide Gepäckstücke unter die Freigrenze fallen. Nachdem die Rucksäcke gecheckt sind, bekommen wir sie wieder zurück, denn in Düsseldorf müssen wir sie am Sondergepäckschalter aufgeben. Also entfernen wir uns erst mal ein Stück vom Check-in-Schalter und packen eine Kiste mit Schrauben und eine weitere mit Schlauchklemmen wieder zurück, denn ich befürchte, dass der Reißverschluss an meinem Trekkingrucksack dem Druck sonst nicht stand hält. Danach geben wir beide Rucksäcke am Sondergepäckschalter ab und machen uns nun auf den Weg zur Sicherheits- und zur Zollkontrolle. Wir sind erleichtert, dass niemand unser reichhaltiges Handgepäck, besonders den großen Fotorucksack reklamiert.
Die Maschinen nach London und nach Nairobi sind ausgebucht und da wir wegen eines Fehlers im System nicht von zu Hause schon online einchecken und eine Platzreservierung vornehmen konnten, haben wir weder auf dem kurzen innereuropäischen Flug noch auf dem Flug nach Nairobi unsere Sitze nebeneinander. Das ist sicher nicht ganz so schön, aber durchaus zu verkraften.
Der Aufenthalt in London Heathrow ist kurzweilig. Wie auf jedem internationalen Flughafen gibt es auch hier viele Shops, die zum Bummeln einladen. Unser Kaufrausch liegt allerdings angesichts der Preise bei Null!
Im Flieger London-Nairobi können wir dann kurz vor dem Start der Maschine doch noch nebeneinander Platz nehmen, da andere Fluggäste ihre Plätze getauscht haben. So sitzen wir nun zum ersten Mal im Mittelgang. Auch da fliegt es sich nicht anders als auf einem Fensterplatz.
Der Flug verläuft ohne Turbulenzen, der Service ist gut, die Sitzreihen haben einen erträglichen Abstand und die Mahlzeiten schmecken nicht besser oder schlechter als bei anderen Fluggesellschaften auch.
Als wir um 21.30 Uhr in Nairobi landen, sind wir einfach nur froh, endlich den Flieger verlassen zu können. Wie immer scheint es auch dieses Mal ein Problem zu geben, die Passagierbrücke an die vordere Türe anzubringen. So wird nach einiger Zeit die hintere Türe geöffnet. Wir verlassen das Flugzeug über die Treppe und laufen den schon bekannten Weg quer über das Flugfeld ins Flughafengebäude hinein bis zum Einreiseschalter. Unsere Papiere haben wir wie immer zu Hause ausgefüllt. Auch dieses Mal benötigen wir lediglich unsere Pässe, die blaue „Entry Declaration“-Karte, den Visa-Antrag und 25 US$ Visa-Gebühr. Nach dem Schweinegrippen und Zollformular fragt kein Mensch. Innerhalb von 5 Minuten haben wir unseren Einreisestempel im Pass und nach kurzer Zeit am Gepäckband rollen auch schon unsere Rucksäcke an. Vor dem Ausgang müssen wir noch durch eine letzte Pass- und evt. Gepäckkontrolle durchlaufen. Doch noch nie wollte jemand unser Gepäck durchsuchen und auch dieses Mal wünscht uns der Beamte nach einem kurzen Blick auf unsere Visa „Enjoy your safari“.
Draußen wartet schon Daniel, der uns mit seinem Taxi zu Elvira bringt. Es ist erst kurz nach 22.00 Uhr. Für uns von der Kälte gequälten Europäer ist es draußen noch angenehm warm, doch Daniel ist mit einer warmen Jacke und Mütze schon wieder winterlich verpackt. Wie mag er sich wohl in unserem kalten Heimatland fühlen?
Eine halbe Stunde später begrüßt uns Elvira und ihre vier Hunde sind völlig aus dem Häuschen. Besuch wird hier immer mit einem großen (Bell)Konzert empfangen. Nachdem sich die Vierbeiner etwas beruhigt haben, traut sich auch Daniel aus dem Auto und holt das Gepäck aus dem Kofferraum. Wir bezahlen die Fahrt, verabschieden uns von ihm und tragen unsere Klamotten mit Elviras Hilfe ins Haus.
Ziemlich müde und gerädert vom stundenlangen Sitzen im Flieger holen wir nur noch Käse und Wurst aus dem Rucksack und packen beides in den Kühlschrank. Ganz kurz besprechen wir mit Elvira den Tagesplan für morgen bevor wir gegen 23.30 Uhr schlafen gehen.


Fortsetzung folgt
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30 Mai 2010 12:05 #141333
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Catching the Logbook
Freitag, den 26.2.2010

Wir schlafen wieder wunderbar in Elviras Gästezimmer. Lediglich eine einzelne Mücke treibt in der Nacht ihr Unwesen. Im Halbschlaf merke ich, dass Joachim aufsteht, erst sich selbst und schließlich meine unbedeckten Körperteile mit Autan besprüht.
Trotz des ekligen Autan-Gestanks schlafe ich schnell wieder ein, wozu sicher auch das einlullende Gequake der zahlreichen Kröten in Elviras Garten beiträgt. Nicht dass es übermäßig nass in Nairobi ist. Dennoch haben die Kröten im Garten ein wahres Paradies gefunden. Eine städtische Wasserleitung ist defekt und trägt nun zu einem hübschen Fließ-Wassergraben im Garten bei. Tausende Kaulquappen tummeln sich im Wasser und finden hier ideale Lebensbedingungen.
Wir stehen nicht allzu spät auf und bewundern erst einmal bei Tageslicht unseren nun grünen Landrover. Joseph hat die Lackier- und Dichtungsarbeiten am Auto gut überwacht.
Ein guter und zuverlässiger Begleiter in Kenya...
... unser Landi, nun in sattem safarigrün

Nach einem ordentlichen Frühstück machen wir uns um 10.00 Uhr auf den Weg zum Times Tower. Dort soll unser Logbook liegen. Da Elvira sich Ende letzten Jahres schon um eine Versicherung für unser Auto gekümmert hat, müssen wir nicht mit dem Matatu fahren.
Wir nehmen Joseph mit, der auch noch etwas in der Stadt zu erledigen hat. Fünfundvierzig Minuten quälen wir uns mal wieder durch den dichten Straßenverkehr Nairobis – nur um innerhalb von 5 Minuten (kaum zu glauben, aber wahr!!!) im Customers Care Desk zu erfahren, dass unser Logbook am 24.11.2009 an die von uns angegebene POBox geschickt wurde. Mehr ist dem PC dort nicht zu entlocken. Na, das ist ja erst mal nichts Neues für uns. Wir hegen nun die große Hoffnung dass sich unser Fahrzeugbrief tatsächlich noch im Postoffice befindet.
Der ganz normale Alltag - traffic-jam in Nairobi

Also warten wir auf Joseph, der heute seine Aufträge auch schnell erledigt hat und fahren ans andere Ende der Stadt – nach Karen zur POBox.
Unterwegs wechseln wir noch schnell in einer Wechselstube ein paar Euro. Wir zeigen uns sehr betrübt angesichts des schlechten Kurses von 102,50 und feilschen um einen besseren, weil wir je nach Angebot gleich 500 oder sogar 1000 € in großen Scheinen umtauschen wollen. Wir erhalten 103,40. Auch nicht wirklich gut, aber wir brauchen die Kenia-Schillinge!
Im Postoffice in Karen erfahre wir, dass unser Logbook am 8.2.2010 zum GPO – dem General Post Office geschickt wurde. Wir erhalten einen kleinen Zettel mit einer Bearbeitungsnummer. Anhand dieser müssten sie unseren Brief im GPO finden.
Wir quälen uns zurück in die Stadt – einmal quer durch den Nairobi-Traffic. Das GPO liegt gegenüber dem Nyuyali-House. Das Gebäude ist unverkennbar, ragt doch DER Johhny Walker überlebensgroß an der Außenfassade weithin über die Stadt. Na, da sind wir doch heute Morgen schon mal ganz nah dran gewesen!
General Post Office

Im GPO braucht die freundliche Dame eine gute halbe Stunde, um die Records – die Rücksendungen – anhand der Nummer, die wir ihr geben, zu überprüfen und uns dann mitzuteilen, dass unsere Post am 19.2.2010 zum Times Tower zurück gesendet wurde. Das gibt’s doch nicht! Wir sind nur eine Woche zu spät und spielen jetzt fangen mit unserem Fahrzeugpapier!
Also stapfen wir um 13.20 Uhr mit strammem Schritt wieder mal zum Times Tower und stellen uns erneut in die Schlange am Customer Help Desk. Joachim wird wohl in der Zwischenzeit irgendwo einen Parkplatz gefunden haben. Den kann ich später noch anrufen und ihm sagen wo er uns aufpicken soll. Wer weiß denn jetzt schon, wohin man uns noch treibt?
Erst einmal warten wir natürlich vor der Türe, weil ja gerade Lunchtime und dadurch das Office nicht besetzt ist.
Um 14.15 Uhr kommt endlich Bewegung in die Menschenschlange vor dem Büro. Lunch-Time ist over! Das Büro wird geöffnet!
Als 9. stehen wir noch relativ weit vorne in der Reihe und erhalten beriets nach 10 Minuten die Auskunft, dass heute doch erst der 26. Februar und demzufolge das Logbook noch nicht im PC gelistet ist. Sie brauchen noch 5 weitere Arbeitstage – also bis nächste Woche Freitag – aber dann sei es ganz sicher, dass unser Fahrzeugbrief für mich im Times Towerzur Abholung beriet liegt.
Ich erkläre der Dame, dass wir in 5 Tagen schon wieder zurück nach Deutschland fliegen (stimmt zwar nicht – aber vielleicht hilft es ja!). Na gut – es hilft nicht – No chance, to get it today! Das Mädel am Schreibtisch scheint es tatsächlich zu bedauern. Ob es uns wesentlich vorwärts bringt, dass wir sie auf kommenden Dienstag als Abholtag herunter handeln, bezweifle ich sehr.
Aber während der Diskussion reift ja schon ein neuer Plan in meinem Hirn: Wir fahren erst einmal eine Woche nach Samburu, kommen zurück nach Nairobi, holen Freitag das Logbook ab und fahren dann weiter nach Tanzania. Wir ordern per Handy Joachim mit dem Landrover zum Times Tower und fahren endlich um 14.40 Uhr zurück zu Elvira.
Bei einem heißen Cappucchino besprechen wir meine Idee. Joachim ist einverstanden und so schreiben wir unsere Einkaufliste, z.B. Lebensmittel und Diverses für die kommenden Tage. Unser Einkauf im Lavington Green Center ist schnell erledigt. In den Slums fahren wir eine kleine Metallwerkstatt an und geben noch einen Grill in Auftrag, den wir morgen früh um 9.00 Uhr abholen können. Anschließend sichten wir unsere Ausrüstung und packen das Auto safarifertig. Leider ist unser Spannungswandler unauffindbar. Da wir aber reichlich Akkus für unsere Kameras im Gepäck haben, machen wir uns erst einmal nicht allzu große Sorgen um das fehlende Gerät. Lediglich die Luftmatratzen müssen wir nun mit eigener Puste statt mit dem elektrischen Gebläse füllen.
Es ist schon spät, als Joachim schnell noch ein warmes Abendessen zaubert. Doch das Rindersteak, das wir heute Mittag beim Fleischer gekauft haben, erweist sich als zähes, ledernes Fleischstück, auf dem wir lange kauen müssen. Rindfleisch in Kenya stammt halt von etwas älteren Tieren als bei uns daheim.
Wir recken und strecken unsere müden Glieder, als wir endlich im Bett liegen und schlafen schnell ein.

Fortsetzung folgt
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30 Mai 2010 12:21 #141337
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Heißes, trockenes Land im Norden - Samburu
Samstag, den 27.2.2010


Um 7.30 Uhr werden wir erst wach – viel zu spät, denn wir müssen doch noch einiges zusammenpacken und im Auto verstauen. Ich sammle all unsere Handys und Kameraakkus ein, die überall verteilt an den Steckdosen hängen. So gerüstet müssen wir eigentlich gut eine Woche überstehen, ohne zwischendurch aufladen zu müssen.
Wir starten unsere Safari mit einem kleinen Abstecher um die Ecke in die Slums. Hoffentlich ist die Kochstelle, die wir gestern Abend in Auftrag gegeben haben, auch fertig. Als wir um die Ecke biegen und unser Auto auf dem Platz vor der kleinen Werkstatt abstellen, nimmt der Worker schnell seine Eisen und eine Säge zur Hand und beginnt mit der Auftragsarbeit. War ja eigentlich klar – schließlich sind wir in Kenya. Die Jungs hatten wohl Sorge, dass wir sie auf dem fertigen Grill sitzenlassen. Aber die fundis beeilen sich, das Ding schnell zurecht zu sägen und zu schweißen. Sie erlauben uns sogar ein paar Fotos machen.

Nach einer halben Stunde sind wir endlich startklar für Samburu! Wir fahren in Nairobi auf die A2 Richtung Thika – Maragua – Nyeri. Kurz vor Thika tanken wir noch einmal voll und lassen wieder einmal die Getriebepipe reparieren. Das ist ja hier in Kenya immer ganz easy: ein bisschen Silikon, warten bis es trocken ist und fertig. Am Ende verlangt der fundi doch tatsächlich 1500 Kshs. Uns bleibt die Spucke weg. Das kleine Tübchen Silikon soll 400 Kshs kosten, was auch durchaus ok ist, aber 1100 Kshs Arbeitslohn für 5 Minuten Arbeit und 30 Minuten small talk ist schon ziemlich dreist. Joachim gibt dem Worker 1000Kshs und erwähnt dabei: „We never pay the mzungu-price!“ Der Arbeiter steckt den Schein ein, grinst und versucht nicht mal zu protestieren. Wahrscheinlich hat er sogar mit dem Tausender noch ein gutes Geschäft gemacht.
Um 11.30 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Wir kommen zügig voran. Die A2 ist zwar nicht herausragend – Joachim muss immer wieder auf Schlaglöcher achten – aber trotzdem ist die Straße so gut, dass wir immerhin mit 80 km/h fahren können.

Eine Stunde später lassen wir Makuyu hinter uns. Noch ist alles grün, die Flüsse führen Wasser und rechts und links entlang der Straße stehen immer wieder Stände, die ihr Obst kunstvoll aufgebaut präsentieren.

Wir fahren um 13.15 Uhr durch Karatina. Seit einiger Zeit baut sich vor uns eine dunkle Regenfront auf. Auch über uns weicht der strahlend blaue Himmel einer immer größer werdenden schwarzen Wolke. Kur vor Nanyuki beginnt es um 14.15 Uhr heftig zu regnen. In Nanyuki entdecken wir einen Nakumatt, an dem wir halten, um wenigstens für unsere großen Matratzen noch eine Handpumpe zu kaufen. Doch der Markt eröffnet leider erst im nächsten Monat. Da wir gut in der Zeit liegen und bis Samburu nur noch etwa 160 km zurückzulegen sind, machen wir eine kleine Pause und mixen uns im Auto einen Cappucchino. Als wir um 14.45 Uhr weiterfahren, nieselt es nur noch ein wenig, jedoch zeigt sich der Himmel weiterhin grau. Dafür bringt der Fahrtwind nun durch das geöffnete Fenster eine frische, kühle Brise und trocknet schnell den Schweiß auf unserer Haut.
Nachdem wir Nanyuki hinter uns gelassen haben, wird die Straße extrem schlecht. Unsere bisherigen 80 km/h muss Joachim nun immer wieder zwangsweise drosseln auf 50 km/h. Trotzdem erreichen wir schon nach genau einer Stunde einen Abzweig, der uns links über Isiolo nach Buffalo Springs und Samburu führt. Geradeaus geht es weiter nach Meru. Wir richten uns schon einmal seelisch auf mindestens 50 km „Road under construction“ ein, also rote Staub- und Buckelpiste (wobei der Staub durch den Regen etwas weniger wirbeln dürfte). Umso überraschter sind wir, dass die Straße schon 15 km feinste Asphalt-Rennstrecke ist. Dabei ist es doch erst ein halbes Jahr her, seit wir hier entlang geholpert sind.
Auch der Regen ist endlich ganz vorüber. Am Himmel sind schon wieder blaue Flecken zu sehen und die Sonne knallt gleich wieder erbarmungslos. Plötzlich steigt Joachim heftig in die Bremse. Unsere Kisten und Körbe hinten im Auto knallen durcheinander.

Die schöne Straße ist in langen Reihen mit dicken Steinen gesperrt. Vorbei ist es mit der neuen Pracht und unsere rote Stein- und Staubpiste beginnt wieder. Es ist jedoch wenig Verkehr und auch die Straßenbauarbeiten finden am heutigen Samstagnachmittag nicht in vollem Umfang statt. So erreichen wir schon um 16.15 Uhr Isiolo, wo wir gleich noch mal den Tank mit Diesel füllen. Hinter Isiolo ist die Straße wieder recht gut, so dass wir rechts und links während der Fahrt ein bisschen die Landschaft genießen können. Samburuland zeigt sich uns heute von einer ganz anderen Seite als im August des vergangenen Jahres. Zwar sind die Auswirkungen der Dürre vom letzten Jahr immer noch sichtbar, aber die Natur scheint sich zunehmend zu erholen. Viele Büsche und Bäume tragen wieder grünes Laub, am Straßenrand stehen niedrige Pflänzchen mit kleinen weißen Blüten und zu beiden Seiten machen große Pfützen deutlich, dass die ausgehärtete Erde all das Regenwasser von oben gar nicht so schnell aufnehmen kann.
Endlich erreichen wir um 16.45 Uhr den Abzweig, der links über eine Schotterstraße zum Ngare Mara Gate des Buffalo Springs Reserves führt.
Give me sweets! Give me money! Give! Give! Give!

Eine viertel Stunde später erreichen wir das Gate und zahlen dort unsere Parkfees, bevor wir zur Butterfly Public Campsite direkt am Ewaso Ngiro im Samburu National Reserve weiterfahren.

Während Joachim sich ins Buch einträgt und mit den Rangern unterhält, warte ich am Auto. Schnell kommen auch zwei kleine Kinder angelaufen und betteln erst um Geld, dann um Sweets und schließlich um Kekse. Wir wollen die Bettelei einfach nicht unterstützen und so lehne ich ganz konsequent alles ab, was die Kinder sich von mir erhoffen. Schließlich fragen die beiden kleinen mich doch tatsächlich, ob ich sie mal fotografieren möchte. Ganz schön clever die beiden! Ich bin sicher, dass ich unmittelbar nach dem Betätigen des Auslösers die Eltern der Kinder parat stehen hätte, die mir für das Foto gutes Geld abknöpfen würden. Ich lehne das Fotografieren der Kinder also auch ab und sage den beiden, dass ichsicher erst einmal ihre Eltern um Erlaubnis fragen müsste. Die Kinder schauen mich mit großen Augen an und nicken schließlich. Sicher erleben sie häufiger, dass Touristen ihnen alles Mögliche zuwerfen oder zustecken – daher ist meine Reaktion für sie sehr ungewöhnlich. Als wir schließlich weiterfahren, gebe ich jedem aber doch noch einen Schokoladenkeks „because you don’t beg the whole time while I was waiting here!“.
Wir nehmen noch einen der Ranger mit, der sich gerade auf den Weg zur Nachtwache im Ashnil Samburu Camp machen will.
Gleich hinter dem Gate sitzen – sicher zu unserer persönlichen Begrüßung – zwei Steppendler auf einem Baum – leider bleibt nur einer von ihnen für ein Fotoshooting ruhig sitzen. In der Ferne marschieren 3 Elefanten und vor uns flattern immer wieder jede Menge Webervögel und ein Toko.
Steppenadler

Nachdem wir den Ranger in der Nähe des Camps abgesetzt haben, versuchen wir eine Abkürzung zur Brücke über den Ewaso Ngiro zu finden, was uns aber kläglich misslingt. Wir landen immer wieder irgendwo in den Swamps, wo sich die befahrbaren Wege im Nichts auflösen.
So fahren wir schließlich auf die holperige Mainroad zurück und erreichen kurz nach 18.00 Uhr die Campsite. Wir haben die freie Platzwahl – niemand außer uns nächtigt auf der Campsite und so wird es auch bis zu unserer Abreise bleiben. Mit dem Blick auf den Fluss stellen wir unser Zelt auf, entzünden ein Lagerfeuer und weihen unsere neue Kochstelle ein. Pavianbesuch erhalten wir erst einmal nicht, aber bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit erkunden jede Menge Meerkatzen neugierig, ob es nicht schon mal etwas bei uns abzustauben gibt.

Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange vor dem Zelt und genießen die friedliche Ruhe, das Rauschen des Flusses und den wunderbar klaren Sternenhimmel.
Lagerfeuer "3in1": Kochen - Wärmen - Träumen

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30 Mai 2010 13:14 #141342
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Oooh, Neid!
Sehnsucht.
Ich auch haben will.

Eines Tages ist es soweit ...
dann geben wir Laut.

Vielen Dank dass Ihr schreibt!

Gruß lilytrotter
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30 Mai 2010 13:59 #141346
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Im Land des Schokoladenfluss
Sonntag, den 28.2.2010

Heute starten wir um 8.00 Uhr zu unserem ersten Game Drive im Samburu Nationalreserve. In der Luft schwirren viele Webervögel geschäftig hin und her. Viele halten Gräser und Zweige im Schnabel. Es scheint, als wären sie sehr mit ihrem Nestbau beschäftigt. Die leuchtend bunten Männchen - besonders in Szene setzt sich hier der Dorfweber, der während der Brutzeit durch sein leuchtend gelbes Federkleid auffällt - sind bei den Webervögeln für den Bau der kompliziert gewebten Nester zuständig. Diese werden vor der Balz gebaut -meist baut ein Männchen sogar mehrere Nester – um sicher zu stellen, dass das Weibchen eines der Nester auch annimmt. Das Weibchen sorgt dann für den Innenausbau des Nestes. Überall in den Baumkronen begegnen wir den baumelnden Hängenestern der Webervögel.

Ein Hagedasch, ein afrikanischer Vogel aus der Familie der Ibisse, der in Ostafrika recht häufig vorkommt, kreuzt unseren Weg. Eigentlich gilt er ja – wie die meisten Ibisse – als geselliger Vogel, der in Gruppen von 5 – 30 Einzelwesen lebt. Aber dieser hier ist ganz allein auf dem Weg.
Hagedasch - Hadada Ibis - Bostrychia hagedash

Ein kleiner Vogel spaziert über das Gras. Es ist eine Brillendrossel (engl. African Bare-eyed Trush, lat. Turdus tephronotus), die in Kenya, Tanzania, Somalia und Äthiopien beheimatet ist. Ihr Lebensraum sind die trockene Savanne und das subtropische oder tropische trockene Buschland.
Brillendrossel - African-Bare-eyed Trush - Turdus tephronotus

Unweit des Tracks weidet eine Impala-Herde. Als wir anhalten, um die anmutigen Schwarzfersenantilopen zu beobachten, schauen einige der Tiere sehr aufmerksam in alle Richtungen, während andere unbeeindruckt weiter grasen. Ein Impalamännchen mit seinen leierartig gebogenen Hörnern bewacht seine Gruppe von 14 Weibchen. Das lässt darauf schließen, dass gerade Paarungszeit ist.
Impalas - auch Schwarzfersenantilope genannt

Wir fahren zum Fluss und betrachten die Landschaft, die im letzten Jahr völlig verdorrt und ausgetrocknet war. Auch hier haben sich mittlerweile viele Pflanzen erholt, aber es ragen auch noch einige vertrocknete tote Bäume entlang der Flussauen hervor. An manchen Stellen ist das Flussbett gut mit Wasser gefüllt,…

…an anderen Standorten ragen weit die Sandbänke in den Fluss hinein.
Unter uns liegt träge in der Sonne ein einzelnes Krokodil …

… und am gegenüberliegenden Ufer taucht aus einem kleinen Wäldchen eine Elefantenherde auf. Wir zählen 20 Tiere unterschiedlichen Alters, die alle zum Trinken an das Wasser wollen…

… und schließlich auch den Fluss überqueren. Es ist wieder ganz spannend zu beobachten, wie die jüngsten Tiere der Herde von den Älteren gut beschützt in die Mitte genommen werden und die Leitkuh die Flussüberquerung absichert, bis auch das letzte Tier der Herde, das andere Ufer erreicht hat.
Riesendurst
Ups, kurz vor dem Ziel noch mal schnell abgetaucht

Eine gute halbe Stunde dauert es, bis alle Tiere getrunken, sich teilweise im Wasser genüsslich gewälzt und schließlich die Flussseite gewechselt haben. Nun verteilen sie sich in nicht allzu großer Distanz voneinander im vor uns liegenden Wäldchen und setzen ihre Nahrungsaufnahme in dem lichten Grün fort.
Maximale Wassertiefe = 100cm?

Auch wir fahren weiter und landen vor einem vertrockneten quer liegenden Baumstamm. Hier geht der Weg nicht weiter. Wir wollen gerade drehen, als wir auf dem alten Holz eine Bewegung wahrnehmen. Eine Siedleragame – natürlich das auffällig bunte Männchen mit seinem orangenen Kopf und dem stahlblauen bis türkisfarbenen Körper – liegt auf dem Stamm und wärmt sich in der Sonne.

Doch die Agame bewegt sich auf ein Weibchen zu, das am Ende des Stammes liegt. Hätte die Agamendame nicht einige auffällige rote und weiße Flecken auf ihrem Körper, wäre sie wohl so gut getarnt, dass wir sie wahrscheinlich übersehen hätten.

Die farbige Zeichnung des Agamenweibchens könnte auf eine Schwangerschaft hindeuten, denn in Wikipedia ist folgendes nachzulesen: „Bei dem Weibchen zeigen sich während der Schwangerschaft an den Flanken gelbe bis orange Flecken und auf dem Kopf türkise Punkte.“ (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Siedleragame)

Und so kommen die beiden trotz der scheinbar intensiven Werbung des Männchens nicht zusammen. Das Weibchen wendet sich von ihm ab und schlägt genau die entgegengesetzte Richtung auf dem Baumstamm ein.

„Na gut,“ scheint das Männchen zu denken, „dann tanke ich eben noch ein paar Sonnenstrahlen und becirce mit meinem leuchtend bunten Echsenkleid halt das nächste Mädel.“

Auch das Weibchen streckt noch eine ganze Weile ihren Kopf dem warmen Sonnenlicht entgegen, bevor es plötzlich blitzschnell hinter dem Baumstamm verschwindet.

Nachdem wir uns an dem Pärchen eine Weile erfreut haben, fahren wir weiter und machen Platz für ein hinter uns stehendes Auto, das sicher auch schauen will, was wir da fesselndes beobachten. Ob die 4 jungen Leute aber das Siedleragamenpaar entdecken, bleibt für uns ungewiss. Vielleicht finden sie es auch nur nicht so interessant, denn sie tauchen recht schnell hinter uns wieder auf.
Überall auf unserem Weg durch Samburu begleiten uns mit einem lauten und fortlaufenden „tuok-tuok-tuok“ die lustigen Tokos, die mich im letzten Jahr schon so begeistert haben. Während wir 6 Monate vorher fast nur dem Östlichen Gelbschnabeltoko begegnet sind, überwiegt nun der Rotschnabeltoko. Mit seinen 42-50 cm Länge gehört er zu den kleineren Tokos. Natürlich hat auch diese kleinere Art einen langen Schwanz und einen langen, gebogenen Schnabel, der allerdings rot und ohne Horn ist. Die Unterseite ist weiß, der Oberkörper ist braunschwarz mit einem weißen Streifen auf Schulterhöhe. Gut erkennbar sind seine graubraunen Flügel mit den auffälligen weißen Flecken und die roten Augenringe um die Augen.
Rotschnabeltoko - Red-billed Hornbill - Tockus erythrorhynchus

Als wir nach ausgiebiger Toko-Beobachtung weiterfahren, treffen wir auf vier Italiener, die sich auf einem schlammigen Weg hoffnungslos festgefahren haben. Wir überlegen, ob wir ihnen helfen können und wie wir am besten unseren schweren Landrover vor den der Italiener setzen können. Dabei wollen wir natürlich nicht riskieren, selbst in der Schlammwüste stecken zu bleiben. Joachim prüft erst mal das Gelände rund um den Modder und fährt dann weiträumig drum herum. So kommen wir ohne große Probleme vor den kleinen Landrover. Beim Aussteigen rutschen wir wie auf Eis und legen uns dabei fast auf die Nase. Da wir immer noch ohne Abschleppseil durch die Gegend fahren, hoffen wir, dass die Italiener in ihrem Auto fündig werden. Der Fahrer zaubert sogar 2 hervor und immer wieder schliddernd du strauchelnd befestigen wir eines der Seile zwischen den Autos.

Dann kommt der spannende Moment. Joachim gibt vorsichtig Gas, zieht langsam das Seil straff, legt den Turbogang ein und versucht den kleinen Landi – Bruder aus dem Matsch zu ziehen. Mehrere Versuche misslingen leider. Zuerst reißt das Seil, beim nächsten Durchgang sprengt der metallene Keil des Reserverads, an dem wir das nächste Tau befestigen und schließlichlöst sich der Knoten des Seils.

Die Männer lassen nicht locker und überlegen sich immer wieder neue Varianten, das Seil zu befestigen. Endlich – ich weiß nicht mehr nach wie vielen Versuchen – bewegt sich der kleine Landrover und es macht sich eine unendliche Erleichterung und Freude in den Gesichtern der Italiener breit. Sie wollen uns für unsere Hilfe bezahlen. Doch das lehnen wir selbstverständlich ab. Solche Hilfe beruht immer auf Gegenseitigkeit und wer weiß schon, in welche misslichen Situationen wir noch geraten, wo wir dann für schnelle Unterstützung auch dankbar sind. Den gesprengten Keil für das Reserverad klopft Joachim mit einem Hammer wieder zurecht. Bis Nairobi wird das wohl halten. Bevor wir weiterfahren, versuchen wir den Schlamm an unseren Schuhen etwas abzuklopfen. Doch die nasse Pampe muss wohl erst trocknen, bevor die schwarzen Brocken dann von alleine abfallen.

Wir verabschieden uns, wünschen den Vieren noch „Safari njema!“ und suchen für uns ein einigermaßen schattiges Picknickplätzchen. Diese Rettungsaktion war doch eine schweißtreibende Angelegenheit und deshalb sind wir der Meinung, dass wir uns nun um kurz vor zehn Uhr ein spätes Frühstück wohl verdient haben.
Wir finden ein nettes Plätzchen und stellen unter einem ausladenden Baum unsere Stühle auf. Heißes Wasser für den Kaffee bereiten wir am Abend vorher immer schon auf Vorrat zu und füllen es in unsere Thermosflaschen. Unsere Dachluke decken wir sicherheitshalber mit Decken ab, denn natürlich sind auch hier gleich ein paar Paviane zur Stelle, die sicher darauf hoffen bei uns leichte Beute zu machen. Doch die Affen stören uns nicht lange. Nachdem wir sie mehrmals mit unserem Stock verjagt haben, können wir in Ruhe unser Frühstück inmitten dieser wunderbaren Natur genießen.

Jetzt fehlt doch nur noch ein Cheetah, der ans uns vorbei stolziert und für ein paar Fotos modelt. Bei einem Leoparden würden wir uns allerdings schnell ins Auto zurückziehen. Natürlich bleibt beides nur ein schöner Tagtraum. Dafür haben wir hier reichlich Gelegenheit überaus quirlige Vögel und natürlich immer wieder Tokos zu beobachten. Mit der Kamera versuche ich mich immer wieder möglichst nah an die gefiederten Gesellen heranzuschleichen und mich in Vogelfotografie zu üben.

Die wenigsten Bilder sind verwertbar, wie ich zu Hause feststelle, aber ein paar Aufnahmen von den kleinen, nur etwa 15 cm langen Zwergspinten aus der Familie der Bienenfresser, finde ich für den Anfang durchaus gelungen. Der Zwergspint ernährt sich hauptsächlich von Insekten, vorzugsweise Bienen, Wespen und Hornissen, die er im Flug von seiner Ansitzwarte aus fängt und vor dem Verzehr mehrmals hart aufschlägt, damit sie nicht mehr stechen können.
Zwergspint - Little Bee-eater - Merops pusillus

Eine ganze Stunde halten wir es an diesem friedlichen Ort aus, bevor wir noch einmal zum Fluss hinunter fahren. Dort entdecken wir große Spuren am Boden – von einem Hippo?

Wir folgen dem Weg immer am Fluss entlang. Mal führt er direkt am Wasser vorbei, dann macht er eine Biegung und führt durch kleine Waldgebiete. In einem solchen entdecken wir zwei prächtige Netztgiraffenbullen. Sie zupfen friedlich frisches Grün von den Bäumen und während sie wieder und wieder auf ihrer Nahrung herum kauen, wenden sie keine Minute den Blick von uns. „Tja, wer beobachtet hier wohl wen?“, fragen wir uns grinsend.

Nur 200 m weiter treffen wir wieder auf eine Elefantenherde, die gerade den Fluss überquert – dieses Mal von „unserer“ Seite auf die gegenüberliegende. Nach der großen Dürre 2009 scheint es ein wahres Vergnügen für die Wasser liebenden Dickhäuter zu sein, während der Überquerung des Schokoladenfluss nicht nur zu trinken, sondern auch ständig mit dem Rüssel das Wasser aufzunehmen und sich damit zu bespritzen oder sich im flachen River zu wälzen.

Eine Elefantenkuh stellt sich dicht vor uns auf als wolle sie signalisieren:“ Ich habe euch gesehen! Bleibt wo ihr seid und kommt uns nicht zu nahe!“ Natürlich akzeptieren wir die den nötigen Raum den die großen und mächtigen Tiere fordern, zumal wir ja nur wenige Meter von ihnen entfernt sind.
Nachdem die Herde vollzählig die andere Flussseite erreicht hat, tauchen auch noch drei junge Elefantenbullen auf. Sie müssen noch im Teenageralter sein, also mit Sicherheit älter als 8 Jahre. Etwa ab diesem Alter werden die jungen Elefantenbullen von den älteren Weibchen aus der Herde vertrieben und schließen sich dann meist zu einem eigenen Junggesellenverband zusammen. Nur während der Musht – einer Zeit der erhöhten Testosteron-Produktion und gesteigerter sexueller Aktivität, die etwa ab dem 25. Lebensjahr einsetzt – leben sie als Einzelgänger.

Unsere jungen Dickhäuter bleiben diesseits des Rivers. Zwei von ihnen liefern sich ein kleines Schaukämpfchen, das aber keinen ernst zu nehmenden Charakter hat, sondern eher nach spielerischem Kräftemessen aussieht.

Mittlerweile ist es 12.30 Uhr und die vielen weißen Schäfchenwolken ziehen sich allmählich zu einer großen, dunkelgrauen Wolke zusammen. Schon eine viertel Stunde später fallen die ersten dicken Regentropfen – aber nur für 5 Minuten, denn wir fahren dem drohenden Nass davon und halten die Wolke weit im Rücken. Und wieder treffen wir auf eine größere Elefantenherde mit einigen sehr jungen Dickhäutern. Ein kleiner Eli sieht besonders niedlich aus und wir haben große Freude ihn mit seinem lustigen Gehabe zu beobachten.
Junger Elefant...
... mit großem Forscherdrang
Doch das Futter gibt’s bei Mutter
Aber Mama will nun weiterziehen...
...was dem Kleinen mit halb vollem Bauch…
…so gar nicht passt. Er motzt und trotzt…
… und fordert seinen Mittagsschlaf…
… doch nach einigen zärtlichen Stupsern mit Mamas Rüssel kämpft sich der kleine Eli doch noch auf die wackeligen Beine und zieht mit seiner Herde weiter.

Neben uns im Gras hüpft ein Rotschnabeltoko hin und her. Da halten wir doch gerne noch einmal an und schauen zu, was er da unten macht. Nun, auch ein Toko braucht seine Mittagsmahlzeit. Schnell und geschickt fängt er Heuschrecken aus dem Gras und vertilgt sie direkt an Ort du Stelle, bevor er sich das nächste hüpfende Insekt fängt.

Irgendwann ist auch der hungrigste Toko satt und fliegt davon. Auch wir setzen unseren Weg fort und fahren zum Leopard Rock. Natürlich wissen wir, dass wir um diese Tageszeit wohl kaum einen Leoparden entdecken werden, aber wir wollen uns das Gelände, wo wir am sehr frühen Morgen oder gegen Abend Glück mit der Sichtung eines Chui haben könnten, schon mal erkunden. Auf dem Weg dorthin liegt das Gerippe einer wahrscheinlich verdursteten oder verhungerten Giraffe und nicht weit davon entdecken wir auch den möglicherweise dazugehörigen Schädel. Ein Tribut an die letzte Dürrezeit, die wir in Samburu besonders schlimm empfunden haben.

Nachdem wir in der prallen Mittagshitze schon mal die Felsformation abgefahren sind, lechzen wir nach einem kühlen Schattenplätzchen. Wir fühlen uns wie gebraten und geschmort und fahren um 14.00 Uhr runter zum Ewaso Ngiro über dem immer noch eine dunkle Wolke hängt. Dort legen wir eine längere Rast ein und lassen unsere Seelen baumeln. Wir genießen die spärlichen aber kühlenden Regentropfen bei einem lauwarmen Cappuccino. Erst als der Regen stärker wird, packen wir ein und fahren langsam zurück zum Leopard Rock. Schon als wir oben auf dem Hauptweg sind, regnet es nicht mehr.

Kurz vor den Rocks entdecken wir an einem Busch 2 Löwinnen mit 2 Jungen, die erst etwa 8-10 Wochen alt sind. Unter dem Busch liegt ein Kill. Wir können eine ganze Zeit nicht ausmachen, welches Tier die Löwinnen gerissen haben.

Eins der Jungen wird gesäugt, während das andere in sicherer Nähe zu den erwachsenen Tieren in der Gegend herum tapst und sich auch schon mal an dem Fleisch zu schaffen macht.
Als Mama Lion sich zu der Beute begibt und sie kraftvoll ein Stück aus dem Busch herauszieht, sehen wir, dass es sich um ein größeres Warzenschwein handelt.

Nach einer knappen Stunde verlassen wir die kleine Idylle und fahren weiter.
Wir sehen noch ein Warzenschwein und ein einzelnes Gerenuk. Auch eine einsame Oryxantilope begegnet uns auf dem Rückweg.

Mittlerweile regnet es so heftig, dass sich auf den Tracks schnell riesige Pfützen bilden. Wir sind froh, als wir endlich trocken unter unserem Vorzelt sitzen. Der Baboon-Guard hat genügend Feuerholz gesammelt und sogar schon das Feuer entzündet. Wir entlohnen ihn wie vereinbart für seine Dienstleistung mit 900 Kshs (300 Kshs für das Holz und 600 Kshs für die Wache), machen es uns erst einmal am Feuer gemütlich und trinken ein Alster.

Nacheinander stellen wir uns unter die Dusche und schrubben den Dreck des Tages von uns ab. Die Showers sind wirklich gut (für kenyanische Verhältnisse versteht sich), ausgestattet mit nagelneuen großen Duschköpfen aus denen klares, kaltes Wasser fließt.

Anschließend koche ich ein paar Nudeln und mische sie unter die restliche Thunfisch-Tomatensauce von gestern. Für den guten Geschmack streue ich großzügig noch Paprikapulver über unsere schnelle Mahlzeit. Doch nach dem ersten Bissen und einem Blick auf die Gewürzpackung wird schnell deutlich, dass ich reichlich Chilipulver untergerührt habe. Dieses Essen ist absolut ungenießbar – selbst ein Stück Brot lindert nicht das Feuer in unserem Hals. Also schlage ich ein paar Eier in Pfanne, hole dazu Brot und Käse und so werden wir doch noch satt.

Bei einem Gläschen Wein sitzen wir noch mit Dominik dem Ranger, der heute mit der Nachtwache an den verschiedenen Campsites betraut ist, am Lagerfeuer, und reden über Tiere, Fußball, Sitten und Gebräuche in Kenya und Deutschland. Dabei regnet es ohne Unterlass und sicher würde Dominik gerne noch länger unter unserem Vorzelt im Trockenen verbringen, doch um 22.00 Uhr sagen wir „Lalasalama, Dominik“, ziehen uns ins Zelt zurück und schlafen auch recht schnell ein.

Fortsetzung folgt
Letzte Änderung: 30 Mai 2010 14:01 von bilo.
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30 Mai 2010 14:17 #141348
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Wasser Marsch!
Montag, den 1.3.2010

Vom lauten Rauschen des Flusses und dem Pladdern des Regens werde ich in der Nacht immer wieder wach. Jedesmal schaue ich durch das Gazefenster nach draußen und nehme den stark fließenden Fluss schemenhaft wahr. Er ist bis zur Oberkante gefüllt und mir schießt der Gedanke durch den Kopf, dass er ja auch mal über die Ufer treten könnte. Mittlerweile habe ich Joachim mit meinem Gezappel und Hin und Her im Zelt auch geweckt und teile ihm meine Gedanken mit. Doch er meint nur, dass dies unmöglich sei, dreht sich wieder um und schläft weiter. Na gut, dann will ich mich ihm mal anschließen – doch der Fluss macht so einen tosenden Lärm, dass ich nicht wirklich zur Ruhe komme.
So lausche ich dann auch noch um 1.30 Uhr in der Nacht den hoch schlagenden Wellen des Schokoladenflusses und plötzlich höre ich ganz deutlich ein nahes Plätschern.
Letzeres ist ganz neu in der Geräuschkulisse und deshalb stehe ich doch noch einmal auf und schaue nach draußen. Uuups, wir müssen wohl dringend raus hier. Das, was laut Joachim sicher nicht passieren kann, ist nun doch eingetreten. Der Fluss ist mindestens noch um weitere 3m gestiegen und steigt deutlich noch mehr. Das Wasser steht schon kurz vor dem Vorzelt. Joachim schläft weiter tief und fest. Ich muss ihn ein paar Mal rütteln und rufen, bis er reagiert und ungläubig ausruft: Oh, Mist, das gibt’s doch nicht!“ Schnell schlüpfen wir in unsere Klamotten und öffnen den hinteren Zelteingang. Dort ist noch alles trocken. Vom Nachbarcamp kommt Esmit zu uns rüber und will uns gerade wecken. Doch als wir ihm signalisieren, dass wir bereits auf sind und klar kommen, geht er zurück, um im eigenen Camp alles unter Kontrolle zu halten. Schnell räumen wir unser Zelt leer: zuerst die Reisepapiere und Geld, dann die Kameraausrüstung und schließlich den Rest (Rucksäcke mit Kleidung, Kochgeschirr, Bettzeug, Luftmatratzen). Joachim fährt das Auto auf einen etwas höher gelegenen Platz der Campsite. Dort stopfen wir alles erst mal völlig unsortiert in den Wagen. Dann holen wir noch Tische und Stühle unter dem Vorzelt hervor. Unser schöner neuer Kochrost schwimmt mittlerweile schon im braunen Flusswasser. Kurzentschlossen zieht Joachim die Schuhe und Strümpfe aus, krempelt die Hosenbeine hoch und watet in die schokoladenbraune Brühe. Na, die Kroks haben sich hoffentlich auch schon längst irgendwo an Land gerettet, weil die Strömung viel zu stark sein dürfte. Unversehrt kehrt Joachim dann auch aus der Dunkelheit mit der Kochstelle zurück.
Da wir keine Lust haben, die Nacht im Auto zu verbringen, kramen wir unsere Stühle wieder hervor und stellen sie an eine Stelle, die das Wasser noch nicht erreicht hat. Im fahlen Mondlicht beobachten wir, wie das Wasser zunächst immer höher steigt. Das Zelt können wir nicht versetzen. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass der Wasserspiegel irgendwann stehen bleibt, möglichst bevor die Brühe in unser Zelt fließt (immerhin haben wir ja auch noch 20 cm Wassersäule und die gilt es erst mal zu überwinden). Als unverbesserliche Optimisten stellen wir irgendwann fest, dass es ja wenigstens nicht mehr regnet. Ein hoffnungsvolles Zeichen?

Um 2.45 Uhr hat das Wasser direkt vor unserem Zelteingang seinen Höchststand erreicht und eine viertel Stunde später haben wir den Eindruck, dass es langsam zurück weicht.

Wir warten noch eine halbe Stunde und beobachten den Rückgang des Wassers, bevor wir um 3.30 Uhr beschließen, unser Zelt wieder einzuräumen und noch ein paar Stunden zu schlafen. Joachim gelingt es natürlich ganz schnell wieder, in seinen Tiefschlaf zurück zu finden. Ich ziehe es dagegen vor, Wache zu schieben, auf das Rauschen des Rivers zu horchen und immer wieder seinen Wasserstand zu kontrollieren. Erst als es schon hell ist, der Fluss wieder relativ ruhig in seinem gewohnten Bett fließt und Joachim wach wird, komme ich endlich zur Ruhe und schlafe noch 2 Stunden bis 10.00 Uhr tief und fest.

So kommen wir erst um 11.00 Uhr heute zum Game Drive. Doch um diese Uhrzeit sehen wir nichts Außergewöhnliches. Viele kleine Gruppen Warzenschweine fallen uns heute auf. Immer wieder erfüllen verschiedene Tokos und Webervögel die Luft mit ihren Rufen und ein paar Geier sitzen in den Bäumen und warten scheinbar auf warme Aufwinde.
Östlicher Gelbschnabeltoko - Eastern Yellow-billed Hornbill - Tockus flavorostris

Die Mahaliweber sind gerade mit dem Nestbau beschäftigt. Sie wirken sehr geschäftig, fliegen hin und her, sammeln Gräser, die sie dann ihre Nester einweben. Diese sehen allerdings immer etwas lieblos und eilig gefertigt aus – keine ordentliche Kugel, wie man sie von anderen Webervogelnestern kennt, sondern ein Durcheinander verschiedener ineinander gewebter und gestopfter Grashalme.
Mahaliweber - White-Browed Sparrow weaver - Plocepasser mahali

Eine Oryxantilope flüchtet vor uns. Doch als wir eine Zeitlang stehen bleiben, läuft sie auf uns zu. So gelingen uns endlich einmal ein paar Aufnahmen von diesen scheuen Tieren.

Auf dem Rückweg zum Camp halten wir noch einmal an. Über Samburu spannt sich ein wunderschöner Regenbogen. Ein seltenes Bild in dieser Gegend, das wir noch lange betrachten und natürlich mit der Kamera einfangen.

Unseren Abend lassen wir gemütlich am Lagerfeuer ausklingen und sind schon vor 10 im Zelt verschwunden. Schließlich haben wir noch ein paar Stunden Schlaf nachzuholen und wollen morgen früh raus.

Fortsetzung folgt
Letzte Änderung: 30 Mai 2010 14:20 von bilo.
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