THEMA: Selbst gefahren, nicht bereut!
05 Apr 2017 10:47 #470209
  • GinaChris
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  • GinaChris am 05 Apr 2017 10:47
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Guten Morgen allen!

Trotz sämtlicher, im Vorfeld gelesener Horrorberichte über den angeblich so komplizierten und teuren Grenzübertritt,
trotz angeblich schikanöser Polizeikontrollen an jeder Ecke samt korrupten Beamten,
sind wir mit unserem Mietwagen selbst von Kasane nach Vic Falls gefahren, und haben es nicht bereut!

Mit Hilfe eines (kostenlosen!) Grenzübertrittshelfers, war das Procedere in etwa 15 Min problemlos über die Bühne.
Offene Freundlichkeit das Erste was uns hier aufgefallen ist. Stolz und strahlend erzählt uns der Beamte am Schalter,
dass er Österreich kenne, weil ja Arnold Schwarzenegger dort geboren ist. Nebenbei füllt der Helfer ein paar Formulare für uns aus.
Kosten:
carbon tax U$ 15,00
single entry vehicle U$ 10,00
3rd party U$ 30,00
vehicle guarantee U$ 50,00
2x visa für uns a U$ 30,00
Exakt 2km nach der Grenze die erste Polizeikontrolle. Das fängt ja gut an, dachten wir! Der Anfangs mürrisch blickende Beamte,
setzte doch glatt nach einem freundlichen: "Good morning, how are you Sir?", von unserer Seite, ein Lächeln auf.
Möchte den Führerschein sehen, wissen ob die Warnblinkanlage und die Scheibenwischer funktionieren, und wissen wie viele Warndreiecke wird dabei haben. Dauer 3 Minuten. Fertig. Und es sollte nebst der ersten, die letzte Polizeikontrolle bleiben.

Unser Ziel ist neben den Fällen, den Sambesi Nat. Park zu besuchen und dort zu campen.
Am Einfahrtstor westlich des Ortes Vic Falls bezahlen wir für 2 Campingübernachtungen, 2 Tage conservation fee, und die Einfahrtsgebühr für das Auto insgesamt U$ 110,00. Falls uns Kandahar nicht gefällt, könnten wir auch an einem der 25 Picknick-spots campen; kein Problem!
Kandahar war wirklich zugewachsen, und hat keine gute Aussicht auf den Fluss geboten, weshalb wir bis zum Picknickplatz Nr. 5 weitergefahren sind. Wie herrlich es hier war! Uneingeschränkte Aussicht auf den Sambesi, und keine Menschenseele.
Es war bereits stockdunkel, wir hatten gegrillt und abgewaschen, als plötzlich Stimmen aus dem Busch zu hören waren.
Anfangs etwas erschrocken, ob der ja vorhanden Berichte von nächtlichen Überfällen auf einsame Camper,
leuchtete Chris in 5 Gesichter, die sich uns mit lautem "We are good, we are not bad!" näherten.
Die Gruppe bot einen skurrilen Anblick...4 Männer in Zivilkleidung, 2 davon ohne Schuhe, und eine Frau in Militäruniform,
schwer bewaffnet, aber auch ohne Schuhe. Es stellte sich heraus, dass die 4 Männer der simbabwischen Wasserbehörde angehörten,
und den Auftrag hatten die Wasserstand in der Region zu kontrollieren; die bewaffnete Frau war zu ihren Schutz gegen Wildtiere mit dabei. Die Armen waren mit ihrem Wagen etliche km entfernt im Schlamm steckengeblieben. Sie konnten zwar telefonisch Hilfe anfordern, hatten aber keine Ahnung wann diese eintreffen würde. Da sie weder Wasser noch Essen bei sich hatten,
beschlossen sie, sich zu Fuß auf den langen Weg zum Gate zu machen. Und das auch noch ohne Taschenlampen...
Also legten wir nochmal ordentlich Holz aufs Feuer, und servierten Sandwiches und Wasser.
Nach etwa 2 Std traf ein Traktor ein. Die Frau und 2 der Männer fuhren mit um ihren Wagen zu bergen, die anderen blieben bei uns am Feuer. Es entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch über das Alltagsleben in Simbabwe, die widrigen Lebensumstände, ihre vom Staat seit Monaten nicht bezahlten Gehälter, und welche Ängste sie hätten, sich gegen das System aufzulehnen.
Nach weiteren 2 Std kam der Traktor mit der bewaffneten Frau retour. Sie hätten den Wagen frei bekommen, und die beiden Männer würden nun versuchen, es über die westliche Strecke aus dem Park zu fahren. Die Frau und die beiden Männer die bei uns am Feuer geblieben waren, fuhren mit dem Traktor retour zum Gate. Nach unzähligen Dankesworten und Umarmungen blieben Chris und ich noch eine Weile sehr nachdenklich am Feuer sitzen.
Am zweiten Tag fuhren wir nach dem Besuch der Fälle zurück in den Park. Er besteht hauptsächlich aus dichtem Busch mit einigen kleinen Wasserläufen. Immer wieder mussten wir eine andere Route wählen, da viele Strecken unter Wasser standen, oder der Matsch einfach zu tief war. Ein wirklich schöner Flecken Erde der da zwischen Kasane und Vic Falls am Sambesi liegt!
Am Abend, wir waren gerade mit dem Abwasch beschäftigt, hinter unseren Rücken ein tiefes Grollen, fast ein Knurren.
Trotz Stirnlampen konnten wir erst nichts erkennen, und hechteten ins Auto.
Was war das? Löwen? Wir leuchteten die Umgebung ab. Erst nichts, dann war in einiger Entfernung ein Tierrücken zu erkennen.
Durch das hohe Gras wussten wir aber immer noch nicht wer da so bedrohliche Laute von sich gegeben hat.
Nach weiteren bangen Minuten teilten sich die Büsche, und eine ganze Elefantenherde nahm einen kleinen Umweg um unseren Wagen. Vermutlich hatten wir ihren üblichen Weg vom Fluss zurück in den Busch mit unserem Auto blockiert.
Unser Fazit:
Um nichts in der Welt möchten wir diese Erlebnisse im wunderschönen Sambesi Nat. Park missen,
und allen Campern raten, die Vic Falls und den Park auf eigene Faust zu bereisen.
Gruß Gina






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06 Apr 2017 15:48 #470356
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  • Max Power am 06 Apr 2017 15:48
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Danke für den tollen Zambesi NP Bericht!!!

Freut mich mal etwas darüber zu lesen. Habe schon viel im Internet gegoogelt und noch kaum was gefunden. Schon gar nichts aktuelles.
Wir wollen im August hin, deswegen noch ein paar Fragen:

Wann wart ihr vor Ort? In der Regenzeit oder schon ein paar Tage her?
Gibt es tatsächlich aktuelle Berichte von Überfällen? :blink: :S
Wir haben nur eine Nacht vor: Was sollten wir auf keinen Fall verpassen? Schönste Flecken Erde/Campsite? B)

LG
Amos
5 Wochen Namibia - Caprivi und Zurück

www.namibia-forum.ch...back-again.html?rb=0
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06 Apr 2017 16:50 #470370
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  • GinaChris am 05 Apr 2017 10:47
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Hallo Amos,

wir waren kurz nach dem der große Regen aufgehört hat, genau am 13.+14.März 2017 dort.
Nein, aktuelle Berichte zu Überfällen hätte ich persönlich nicht gefunden, aber so etwas bleibt einfach im Gehirn haften,
selbst wenn es nicht zeitnah passiert ist. Darüber hinaus, wenn du dich in absoluter Einsamkeit wähnst,
und plötzlich hörst du Stimmen aus dem Busch...
Fahrt doch einfach entlang des Flusses Richtung Westen, und macht ein paar "Schlenker" in den Süden.
So könnt ihr weder etwas von der Tierwelt, noch etwas von der unterschiedlichen Vegetation verpassen.
Nachmittags ziehen die Elefantenherden aus dem Süden an den Sambesi.
Bei Picknickspot 5 solltet ihr unsere (genehmigte) Feuerstelle vielleicht noch finden.
Man ist dort bereits außer Sichtweite des gegenüber liegenden Livingstone, dessen Lichter uns Nachts gestört hätten.
Ich wünsch euch eine tolle Reise!
Gruß Gina
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