THEMA: Don't be afraid of the lion
17 Dez 2017 13:39 #501876
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Zebrastreifen rund um Dolomite

Die etwas blödsinnige Anfahrt zum Etosha überspringen wir hier mal großzügig, es ging schneller als befürchtet, um 13 Uhr stehen wir tatsächlich am Galton Gate und freuen uns total auf ein paar Tage im Nationalpark.




Mit vielen Erinnerungen an 2012 und unsere erste gemeinsame Afrika-Reise sind wir gespannt, wer uns hier begrüßen würde und sind ganz zufrieden.






Damals waren wir so beeindruckt von den großen Zebraherden, die an die Wasserlöcher zogen, und erstaunt von der scheinbaren Disziplin in der Frage wer wann ans Wasser geht. Wir hatten uns für Etosha also vor allem Zebras gewünscht – und was soll ich sagen: wir haben vor allem Zebras bekommen! Miteinander, einzeln, mal im Streit und wieder versöhnt, zärtlich, fröhlich und immer mit Streifen ... Ich liebe Zebras!
















Allzu sehr dürfen wir uns aber nicht vertrödeln. Um 15.30 biegen wir auf den Parkplatz von Dolomite ein und sind sehr gespannt. Im April 2012 waren wir auch hier, damals war das Camp noch fast neu, inzwischen liest man nicht nur Gutes. Doch wir haben großes Glück: Der Empfang ist sehr nett, wir bekommen tatsächlich das gewünschte Chalet und die Plätze in der ersten Reihe stehen für uns bereit.








Der erste Blick von unserer Terrasse haut uns förmlich um.








Aber so schön es hier ist – wir können nicht bleiben. Am Wasserloch Renostervlei hatte ich doch das Gefühl, da liegt was unterm Busch. Also zurück und tatsächlich weit weg unsere ersten Löwen, 3 Mädels für eine Springböckchen-Jagd viel zu faul.










Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, happy bin ich einverstanden als der Ranger zurück ins Camp drängt. Dort gibt es nach einem spektakulären Sonnenuntergang ein völlig OK-Dinner, serviert von einer jungen Frau, die sich reichlich Mühe gibt und wirklich alle Hände voll zu tun hat.

Letzte Änderung: 17 Dez 2017 13:43 von franzicke.
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17 Dez 2017 16:58 #501898
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Dolomite am Morgen

Geschlafen haben wir ganz wunderbar, gleich morgens geht’s noch mal raus, die Löwen waren nicht mehr da, die anderen dafür sehr viel entspannter.
























Bei der Rückkehr können wir für den Check-out noch ein Extra-Stündchen aushandeln und so genießen wir zwischen Dusche und Packen zusammen mit ein paar Dauergästen noch einmal die großartige Aussicht von unserem Deck.












Dann gibt es kein Vertun mehr, der Shuttle kommt wie bestellt






Doch erst mal bleiben wir an unserem Wasserloch hängen.
Noch ein Blick aufs Camp und unser Chalet,







Papa Strauß mit Kinderschar, Erdhörnchen, Oryx und Zebrapferde machen uns den Abschied schwer.
















Trotzdem, wir reißen uns los – es soll ja eine ganz entspannte Fahrt nach Okaukuejo werden.
Letzte Änderung: 17 Dez 2017 17:07 von franzicke.
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18 Dez 2017 18:43 #502003
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Machtspiele am Wasserloch

Allerbester Dinge fahren wir um ca. 11 Uhr schließlich von Dolomite los, wir freuen uns an Zebras, Giraffen – für mich die afrikanischsten aller Tiere – und auch Vogelvieh.


























Endlich komme ich auf die Idee, Helmut nach den langen Fahrtagen mal zu entlasten: Fahrerwechsel in Olifantrus. Um ca. 14.30 Uhr kommen wir am Wasserloch Ozonjuitji m’Bari an und sind ganz aus dem Häuschen über da hohe Tieraufkommen, aber irgendwie merkwürdig. Richtig große Herden und Gruppen stehen hier an, so recht geht aber keiner ans Wasser, außer dem grauen Riesen, der mit auffälligem Imponiergehabe mitten drin steht. Sein Kumpel ist schon ein Stück weiter.






Dann erst sehen wir den Grund für die angespannte Situation.




Zwei Löwen liegen ein Stück oberhalb, an einer weiteren Wasserstelle, sie machen auf ganz gechillt, wenn der Elefant in ihre Richtung kommt, gehen sie aber doch stiften. Nun beobachten wir ein großartiges Schauspiel.








Die beiden Halbstarken lümmeln an der oberen Wasserstelle, vom Elefanten bedrängt, verschwinden sie kurz um anschließend wieder genau ihre Position einzunehmen. Der Dicke steht im unteren Wasserloch und demonstriert statt dessen, wer der eigentliche Chef ist.




Unmengen von anderen Tieren in jeweils großen Gruppen scheinen sich durch die Anwesenheit der Elefanten sicher zu fühlen und suchen regelrecht ihre Nähe. Nur meine ängstlichen Zebras springen immer wieder auseinander und wirbeln Staub auf. Viel mutiger die Springböckchen, die sich ein Herz fassen und sich mit sehr geringer Distanz zu den Löwen ans Wasser trauen. Da nehmen auch die Zebras all ihren Mut zusammen und trauen sich endlich zu trinken.














Nach einer ganzen Weile verschwinden die Elefanten, die Löwen verlagern sich ans untere Wasserloch und haben die volle Kontrolle, meine Zebras sind ratlos und ziemlich sauer.









Die 2 - 3 anderen Fahrzeuge sind bereits weg, so langsam wollen wir auch weiter. Auch wenn es schwer fällt, sich hier loszureißen – ready to go. Ich dreh den Zündschlüssel, nichts tut sich.
Ausmachen, nochmal, nix! 10 Minuten warten, noch ein Versuch – gar nix. Helmut war mit Licht gefahren, darauf hatte ich überhaupt nicht geachtet, die Batterie war wohl schwach gewesen, jetzt ist sie definitiv leer. Und auch kein Telefonnetz, zum Glück ist das Sat-Phone geladen! Ein Anruf in Okaukuejo, schlechte Verbindung, ich wiederhole mehrmals den unaussprechlichen Namen des Wasserlochs, die Dame am anderen Ende scheint mich ansatzweise zu verstehen, sie will jemanden schicken, wir sind nicht überzeugt. Ein weiterer Versuch, das Fahrzeug zu starten bleibt erfolglos, aber nicht still. Plötzlich piepst und blinkt es, wir drücken wie wild alle Knöpfe, es piepst und blinkt weiter.

Mittelmäßig verzweifelt bleiben wir sitzen, öffnen ab und zu einen Türspalt für Durchzug. Von rechts kommt eine Elefantengruppe mit Jungtieren aufs Wasserloch zugestürmt. Hoffentlich stören sie sich nicht an dem Gepiepse, mir rutscht das Herz mal wieder einen Stock tiefer.





Und dann betritt der König die Bühne – zuerst schemenhaft bewegt er sich auf uns zu, geht direkt an uns vorbei, es ist wohl der Vater der beiden Halbstarken, über dessen Erscheinen so gar keine Freude aufkommt. Nach kurzem Gezänk drehte er wieder ab und machte es sich in unserer Nähe gemütlich. Immer noch piepst und blinkt es unaufhörlich. Und wir reichlich fassungslos.





















Wir hatten uns seit dem Anruf in Okaukuejo eine Wartezeit von ca. 1/1.5 Stunden ausgerechnet – genau in diesem Zeitfenster, es ist 17.20 Uhr biegt ein Auto zum Wasserloch ein – es sind zwei Männer vom Ministry of Environment & Tourisms. Sie springen aus dem Auto, peilen die Lage, wir steigen ebenfalls aus, einer stellt sein Gewehr auf den Boden, sieht meinen erschrockenen Blick, lacht mich an mit den Worten:
„Don’t be afraid oft he lion.“






Dann öffnen wir die Kühlerhaube und fangen an zu fachsimpeln.

Letzte Änderung: 18 Dez 2017 18:55 von franzicke.
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19 Dez 2017 12:17 #502088
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Die Rettung

Schon nach wenigen Minuten bewegen wir uns recht frei um die Fahrzeuge herum, ein Überbrückungskabel haben die beiden nicht dabei, also muss unseres rausgekramt werden. Beim ersten Versuch ein Hoffnungsschimmer, nach ca. 5 Sekunden ist’s wieder vorbei. Sämtliche Wiederholungen mit dem gleichen Ende.

Dazwischen mal ein bisschen Action am Wasserloch: die Elefanten verjagen einen Schakal, der kommt den Löwen zu nahe und die machen kurzen Prozess: Sie killen und fressen ihn wenige Meter von uns entfernt. Die Kommentare unserer Retter „they got it“ gefolgt von „that’s nature.“
OK, sie sind also nicht ins Koma gefallen. Der Alte hat sich inzwischen verdrückt – wir sehen ihn nicht mehr, wissen aber, dass er irgendwo in der Nähe rumlungert. Das macht uns nicht wirklich ruhiger.

Die Jungs bauen ihre Batterie aus und bei uns ein – dasselbe Spiel. Der Ranger hat eine Erklärung: Bei unseren Startversuchen hab ich wohl Gas gegeben, so dass jetzt Luftblasen in der Dieselleitung sind. Nach einer Stunde brechen wir erfolglos ab, unser Landcruiser kommt ans Abschleppseil und piepsend und blinkend werden wir bei zunehmender Dunkelheit ca. 60 km bis zu unserem Chalet in Okaukuejo geschleppt.




Im Camp werden wir übrigens super nett empfangen, sogar ein Dinner wird noch für uns organisiert. Nach einem kurzen Guck am Wasserloch plumpsen wir reichlich bedient und zumindest ich auch ziemlich besorgt ins Bett. Am nächsten Morgen ist unsere Batterie so empty, dass sogar das Piepsen und Blinken über Nacht aufgehört hat.




Dann kommt Johanna, eine Mechanikerin, und macht unser Auto wieder flott! Wir denken, dass sich die Bubbles auf der langen Ruckelei beim Abschleppen aufgelöst haben. Sie baut unsere Batterie aus, eine andere ein, startet das Auto, schließt es kurz, unsere Batterie wieder rein, Probefahrt und: alles gut!






Uns fällt ein ganzes Gebirge vom Herzen und so starten wir mit reichlich Verspätung, aber mit einem funktionierenden Fahrzeug in den Ostteil von Etosha.
Davon werde ich jetzt nicht mehr berichten – nur so viel: Im April sah es noch ganz so aus, als sei der Elefanten-Kalender quasi alternativlos. Nach unseren paar Tagen im Etosha NP könnte durchaus auch ein Zebra-Projekt draus werden B)

















Für den zweiten Teil unserer Reise musste ich jetzt doch ziemlich auf die Tube drücken. Das hatte gute Gründe, denn heute Abend starten wir in unsere kleine Auszeit ans Kap.
Ich danke allen Mitreisenden für die ausgesprochen nette Gesellschaft und ich glaube, ich müsste es jetzt am Ende gar nicht mehr schreiben: Es war eine großartige Reise!!!

Bis bald, viele sehr verzückte Grüße
Ingrid und der Ranger
Letzte Änderung: 19 Dez 2017 12:21 von franzicke.
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