Neuling im Forum - Uganda der nächste Sehnsuchtsort

Reisebericht 18 Antworten · 717 Aufrufe · gestartet 09. Sept. 2026 von MaryAfrica
Themenstarter13 Beiträge · seit 202109. Sept. 2026 ·



Hallo Forum,

seitdem das Forum jetzt aktualisiert wurde, habe ich mich etwas damit beschäftigt und beschlossen, auch einmal einen  Reisebericht zu schreiben. Im Moment arbeite ich mich hier ein wenig durch, wird aber. Natürlich auf diesem Wege mal ein dickes Dankeschön an Chrigu für die enorme Arbeit. Wahnsinn.

Nun aber eine kurze Vorstellung, wer wir sind.

Wir, Thomas und Marion, sind 66 Jahre und kommen aus dem Münsterland. Wir lieben das südliche Afrika. Aber, wem sagen wir das.

Wie kamen wir dazu? Unsere Tochter machte 2008 für ein halbes Jahr in einem Aids-Kinderheim in Kimberley, Südafrika, ein Voluntariat. Afrika stand eigentlich so gar nicht auf unserer Agenda, obwohl wir sehr naturverbunden sind und vor allem ich Tiere sehr liebe und gerne beobachte.

Wir haben uns dann dafür entschieden, sie bis Kapstadt zu begleiten, um vorher einen zweiwöchigen Urlaub mit unserer Familie (wir beide, unsere Tochter und unser Sohn) entlang der Gartenroute zu verbringen. Voll mit positiven Eindrücken kehrten wir zurück. Nach dem Voluntariat unserer Tochter lag sie mir ständig in den Ohren, dass sie unbedingt wieder zurück zu "ihren Kindern" nach Südafrika möchte. Also habe in nach vielem hin und her ein Jahr später mit ihr die Reise geplant, allerdings unter der Voraussetzung, dass wir auch eine einwöchige Walkingsafari durch den Krüger Nationalpark machen. Ab dem Zeitpunkt war mein Afrikafieber ausgebrochen.

Wieder zuhause sagte ich meinem Mann, die einzige Alternative zu einer direkten Auswanderung sei, unsere Urlaube ab sofort nur noch im südlichen Afrika zu verbringen. Das Ergebnis: Wir waren jetzt ein paarmal in Südafrika, einmal in Botswana und seit Corona ein paarmal in Namibia. Letzten Januar verbrachten wir zwei Wochen in Uganda. Davon später, da ich gerne meinen ersten Reisebericht über diese Reise ins Forum stellen möchte. Ich hoffe, dass Thomas mir ein paar Fotos hierfür überläßt. 

Hier aber einmal ein großes Dankeschön an euch alle. Als leise Mitleserin habe ich in den letzten Jahren so viele Tipps aus dem Forum gezogen und die Urlaube waren immer toll. Das Forum gehört übrigens mittlerweile zu meiner Abendlektüre. Bei den Reiseberichten habe ich immer das Gefühl, ich wäre dabei gewesen. Da meine Sehnsucht nach Afrika sehr groß ist, sind die Reiseberichte für mich ein Trost. Nun aber demnächst hier auch etwas von uns.


Uganda der nächste Sehnsuchtsort


Liebe Formis,


hier kommt nun endlich der Reisebericht unserer letzten Tour durch Uganda. Eines vorweg: Uganda trägt den Beinamen „Perle Afrikas“ völlig zu Recht. Das Land hat uns begeistert, überrascht und verzaubert- und wir können es jedem nur ans Herz legen.


Auf unserer persönlichen Bucket-List standen schon seit Jahren die Berggorillas. Allerdings haben wir das Abenteuer immer wieder vor uns hergeschoben. Irgendetwas war schließlich immer: mal fehlte die Zeit, mal machten uns unsere zu pflegenden Eltern ein Strich durch die Rechnung und dazu kam, wir waren uns nicht ganz sicher, wie es um die Sicherheit in den entsprechenden Regionen bestellt ist. Doch dann kam Bettis Reisebericht daher – und traf uns genau zum richtigen Zeitpunkt. Danach war ich Feuer und Flamme. Dafür ein dickes Dankeschön an Betti.


Thomas ist in Ruhestand gegangen und wie man so schön sagt: Die Berge laufen nicht weg, aber wir werden schließlich nicht jünger. Also Schluss mit dem Aufschieben – jetzt oder nie!

Schnell nahmen wir Kontakt mit Uganda-Safari auf, und ebenso schnell stand unsere Route für Ende Dezember 2025 bis Anfang Januar 2026 fest. Als Guide wurde uns Peter (auf Anfrage) angekündigt. Dass das ein echter Glücksgriff ist, wussten wir ja seit Bettis Bericht, was sich dann auch bewahrheitet hat. Peter hat die Reise mit seiner Kompetenz, seiner Gelassenheit und seinem Humor zu etwas Besonderem gemacht. Wenn alles klappt, werden wir im nächsten Jahr sogar noch einmal mit ihm unterwegs sein.

Doch nun genug der Vorrede – schließlich wollt ihr nicht unsere Planungsgeschichte lesen, sondern Uganda erleben.


Unsere Reiseroute/Unterkünfte:


27.12.25 Flug mit Turkish Airlines von Düsseldorf über Istanbul, Kigali nach Entebbe

28.12.25 Ziwa Rhino Wildlife Ranche 1 Nacht

29.12.25 Pakuba Safari Lodge (Murchison NP) 3 Nächte

01.01.26 Turaco Treetops Lodge (Kibale Forest NP) 2 Nächte

03.01.26 Twin Safari Lodge (Queen Elisabeth NP) 2 Nächte

05.01.26 Embogo Lodge (Queen Elisabeth NP/Ishasha)1 Nacht

06.01.26 Gorilla Mist Camp (Bwindi NP/Ruhija) 2 Nächte

08.01.26 Arcadia Lodge (Lake Bunyoni) 1 Nacht

09.01.26 Mihingo Lodge (Lake Mburo NP) 2 Nächte

11.01.26 Via Via Guesthouse (Entebbe) 3 Nächte


Am 26.12.25 geht es für uns bereits los nach Düsseldorf. Wir reisen grundsätzlich schon einen Tag vor dem Abflug an – schließlich soll der Urlaub nicht erst am Gate beginnen, sondern schon mit der entspannten Fahrt zum Flughafen.


Außerdem ist es unglaublich praktisch, ein Hotel in Flughafennähe mit Parkmöglichkeit für die gesamte Reisedauer zu buchen. So spart man sich am Abflugtag Stress und kann ganz gelassen in den Urlaub starten. Unsere erste Wahl ist dabei das Maritim Hotel – gerade einmal zwei Gehminuten vom Terminal entfernt. Das Beste daran: Man kann morgens nach dem Einchecken ganz gemütlich ins Hotel zurückschlendern, um in aller Ruhe zu frühstücken. Besser kann ein Urlaub kaum beginnen!


Der Flug mit Turkish Airlines geht am Samstag (27.12.25) pünktlich los und landet mit Zwischenstop in Istanbul und Kigali um 5.00 Uhr morgens in Entebbe.


Ein turbulenter Start in Uganda (Sonntag 28.12.25)


Nach den Einreiseformalitäten und nachdem wir unser Gepäck eingesammelt hatten, wollten wir nur noch zwei klitzekleine Dinge erledigen: schnell ugandische Schillinge am Geldautomaten (ATM) holen und eine Prepaid-Sim-Karte kaufen. Schließlich wartete zu Hause eine 92-jährige Mutter sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen von uns.


Tja … und dann passierte es.

Wir waren noch keine 30 Minuten in Uganda.


Am Geldautomaten lief zunächst alles wie am Schnürchen. PIN eingegeben – akzeptiert. Der Automat ratterte, summte und machte den Eindruck, als würde er gleich einen ordentlichen Stapel Geld ausspucken. Doch stattdessen herrschte plötzlich Funkstille. Kein Geld. Keine EC-Karte. Gar nichts. Der Automat hatten offenbar beschlossen, Thomas' Karte als Souvenir zu behalten.


„Das musste ja unbedingt noch am Flughafen sein!“, schimpfte Thomas, weil ich darauf gedrängt hatte. Und ganz ehrlich – in dem Moment konnte ich ihm nicht einmal widersprechen.


Da es ausgerechnet Sonntag und das auch noch zwischen den Feiertagen war, hatten natürlich sämtliche Bankschalter geschlossen. An die Karte war vor Montag nicht mehr heranzukommen. Ein perfekter Start in den Urlaub !?


Während Thomas die SIM-Karte besorgte, suchte ich erst einmal Peter. Doch auch unser Reiseleiter schaute etwas ratlos. Das eigentliche Problem war nämlich: Wir hatten in Entebbe gar keine Übernachtung gebucht, sondern wollten direkt nach Ziwa weiterfahren.


Peter blieb trotzdem erstaunlich gelassen. „Dann holen wir die Karte eben am Ende der Reise wieder ab“, meinte er. Klingt einfach – wenn man nicht gerade seine Bankkarte in einem fremden Land verloren hat.


Zum Glück hatte ich noch meine zweite EC-Karte und Mastercard dabei und Thomas zusätzlich seine Mastercard. Peter fuhr mit uns zu einer anderen Bank, wo wir ohne Drama Geld abheben konnten. Anschließend lotste er uns noch in eine kleine Wechselstube, die wir alleine wahrscheinlich niemals betreten hätten.


Wenig später standen wir mit einem dicken Bündel ugandische Schillinge da. So viele Geldscheine hatte ich noch nie gleichzeitig in der Hand. Man fühlte sich für einen kurzen Moment unglaublich reich – bis man feststellt, dass es umgerechnet doch gar nicht so viel ist.


Während der Fahrt versuchten wir, die verschluckte Karte sperren zu lassen. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Meine EC-Karte musste zwangsweise gleich mitgesperrt werden.

Zum Glück hatten wir ja noch unsere Mastercards als Rettungsanker. Erst in Ziwa gelang es Thomas schließlich, beide EC-Karten korrekt sperren zu lassen. Ganz wohl war uns trotzdem nicht.


Peter gestand uns später, was ihm in den ersten Minuten durch den Kopf gegangen war: „Das kann ja heiter werden mit uns.“ ,

Im Nachhinein müssen wir sagen: Er sollte recht behalten. Unsere Reise mit Peter war im positiven Sinne wirklich heiter.


Gegen 12 Uhr erreichten wir Ziwa, doch unser Chalet war leider noch nicht bezugsfertig. Also stärkten wir uns zunächst beim Lunch – kulinarisch eher durchschnittlich, aber ausreichend, um die Wartezeit zu überbrücken. Anschließend konnten wir endlich unser wunderschönes Chalet beziehen, das direkt am Pool lag. Von unserer Terrasse aus hatten wir einen herrlichen Blick auf mehrere Marabus und sogar auf Ugandas Nationalvogel, den eleganten Graukronenkranich. Schon dieser erste Eindruck machte Lust auf alles, was uns noch erwarten würde.




Am Nachmittag stand dann das erste Highlight auf dem Programm: die Walkingtour zu den Nashörnern. Nach einem kurzen Briefing ging es zunächst mit dem Safariauto los. Peter blieb allerdings zurück – vermutlich hatte er beschlossen, den Pool auf Nashornsicherheit zu überprüfen ;-)


Nachdem wir das Fahrzeug verlassen hatten, wurde es ernst. Plötzlich standen wir den Nashörnern erstaunlich nahe. Erstaunlich nahe bedeutet; so nah, dass man sich fragte, ob die wohl auch unsere Sonnencreme riechen konnten. Das war wirklich beeindruckend und ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.


Thomas war im siebten Fotografenhimmel. Endlich Motive, die nicht weglaufen – zumindest nicht besonders schnell. Ich dagegen war anfangs noch etwas vorsichtig. Doch unser Guide strahlte eine solche Ruhe aus, dass mein Vertrauen mit jedem Schritt wuchs und wir uns immer weiter heranwagten. Boah, was für eine fantastische Tour! Spätestens jetzt war unsere kleine EC-Karten-Misere komplett vergessen.


Am Abend machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Restaurant. Doch kurz vor dem Ziel wartete die nächste Überraschung: Direkt neben dem Restaurant standen zwei Nashörner und ignorierten uns völlig. Wahrscheinlich dachten sie sich: „Ach schon wieder Touristen“. Wir hingegen fanden die Situation deutlich aufregender als sie.





Das Abendessen konnten mit den Nashörnern allerdings nicht mithalten. Es war eher unter der Kategorie „essbar und schnell vergessen“ einzuordnen. Aber mal ehrlich: Wir waren schließlich nicht wegen der Sternenküche nach Ziwa gekommen. Dafür stimmte einfach alles andere – und wann bekommt man schon Nashörner als Restaurantnachbarn serviert?

zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2026
402 Beiträge · seit 202110. Sept. 2026 ·
Hallo Marion,

bei einem Reisebericht über Uganda bin ich definitiv dabei und freue mich auf deine Eindrücke von diesem großartigen Land. 

Viele Grüße 

Elke

www.fotognu.de Haustierfotografie gegen eine Spende für den Tierschutz
Themenstarter13 Beiträge · seit 202110. Sept. 2026 ·
Hallo Elke,

schön, dass du dabei bist. Das freut mich. Uganda ist wirklich toll. Soviele unterschiedliche Eindrücke. Viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße

Marion

95 Beiträge · seit 202410. Sept. 2026 ·
Hallo Marion,


Uganda ist bei mir schon eine Weile her … tatsächlich 17 Jahre… ich bin neugierig auf eure Tour … und gespannt, ob ich etwas wiedererkenne…


Liebe Grüße, Dorie

402 Beiträge · seit 202111. Sept. 2026 ·
Da muss ich mich ja gleich noch einmal zu Wort melden, nachdem du nun den Beginn eurer Reise ergänzt hast. Genau wie euch hatte uns auch Bettis Reisebericht den letzten Schubs gegeben, nach Uganda zu reisen und auch wir waren mit Peter unterwegs. Sogar einige eurer Stationen sind die selben wie bei uns - damit ist die Vorfreude auf deinen Bericht gerade noch mal viel größer geworden. Ich bin sehr gespannt auf Parallelen und Unterschiede! 
www.fotognu.de Haustierfotografie gegen eine Spende für den Tierschutz
Themenstarter13 Beiträge · seit 202111. Sept. 2026 ·
Hallo Dorie

herzlich Willkommen.

schade, daß du schon so lange nicht mehr in Uganda warst, vielleicht kommst du ja wieder auf den Geschmack. Viel Spaß beim lesen.


Hallo Elke,

ich hatte euren interessanten Reisebericht auch gelesen. Ihr habt ja den Elisabeth Nationalpark und Murchison NP ausgelassen. Beide Parks sind sehenswert. Vielleicht kann ich neue Anregungen geben. 

Gruß Marion

54 Beiträge · seit 202412. Sept. 2026 ·
Hallo Marion, 

bei einem Bericht über Uganda, komme ich doch gerne mit. Unsere Reise ist zwar noch nicht lange her, aber die Sehnsucht nach Afrika und tollen Erinnerungen an Uganda können schon wieder eine Auffrischung vertragen… Ich freue mich auf die Tour mit euch. 

Marc

zuletzt bearbeitet 12. Sept. 2026
Themenstarter13 Beiträge · seit 202112. Sept. 2026 ·



2. Teil - Murchison Falls Nationalpark (Montag 29.12.25)


An diesem Tag durften wir ausschlafen, ein echter Luxus auf unserer Reise. Erst um 8.00 Uhr ging es zum Frühstück, bevor wir um 10.00 Uhr gut gestärkt Richtung Murchison NP aufbrachen.


Während der Fahrt wurde es keineswegs langweilig. Peter versorgte uns mit Informationen über Uganda, von der Geschichte des Landes und über die Tierwelt bis hin zu kleinen Geschichten aus dem Alltag. Ganz nebenbei beantwortete er geduldig unsere neugierigen Fragen. So lernten wir Uganda mit jedem Kilometer ein bisschen besser kennen.


Unser erstes Etappenziel war Masindi. Dort legten wir im traditionsreichen Masindi Hotel eine wohlverdiente Kaffeepause ein. Nach der Fahrt schmeckte der Kaffee gleich doppelt so gut, und natürlich nutzten wir die Gelegenheit, uns ein wenig die Beine zu vertreten.


Peter hatte eine Überraschung parat: Er fragte, ob wir Interesse an der Geschichte des Hotels hätten und organisierte dann kurzerhand eine Führung. Das Masindi Hotel ist das älteste Hotel Ugandas und kann auf über 100 Jahre Geschichte zuückblicken. Es wurde im charmanten Kolonialstil erhalten und versprüht mit seiner stilvollen Einrichtung den Charme vergangener Zeiten. Kein Wunder also, dass hier schon berühmte Gäste wie Ernest Hemingway, Humphrey Bogart und Katharine Hepburn übernachtet haben. Wer möchte, kann hier selbst ein Zimmer beziehen oder auf der Campingwiese sein Zelt aufschlagen. Ein Pool und eine sonnige Terrasse laden zum Entspannen ein, und von hier aus lassen sich verschiedene Ausflüge unternehmen. Für Reisende auf dem Weg in den Murchison-NP ist das Hotel der perfekte Zwischenstopp und der Kaffee schmeckte im Masindi Hotel ausgezeichnet. Peter entschied sich statt Kaffee für seinen geliebten African-Tea, einen Rooibos-Tee mit einer ordentlichen Portion Milch. Anfangs war ich etwas skeptisch. Tee mit so viel Milch? Doch durch die Milch wird er wunderbar mild, cremig und bekommt eine leicht süssliche Note. Neugierig nahm ich einen Schluck und musste meine Zweifel sofort zurücknehmen. Der Tee war überraschend lecker! Nachdem waren Peter und ich uns einig und wo auch immer Kaffeezeit war, tranken wir unseren African-Tea.


Nach unserer kleinen Zeitreise ging es weiter. Der Murchison Falls Nationalpark lag nur noch etwa 20 km entfernt. Am Parkeingang, dem Kichumbanyobo Gate, kümmerte sich Peter um unsere Permits, während wir uns regestrierten. Nach einer letzten Toilettenpause, schließlich weiß man nie, wann sich die nächste Gelegenheit bietet, konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Unser Ziel im Park waren die beeindruckenden Murchison-Falls. Wir fuhren auf asphaltierter Straße durch den Kaniyo Pabidi Wald an großen Mahagonibäumen vorbei. Nachdem wir den Wald verlassen hatten, bogen wir ostwärts ab zu den Fällen. Diese erreichten wir nach ungefähr 45 Minuten.


Dann standen wir endlich vor den Murchison-Falls und eines war sofort klar: Fotos können einfach nicht vermitteln, was einem hier erwartet. Der gesamte Victoria-Nil zwängt sich mit unglaublicher Wucht durch eine gerade einmal sieben Meter breite Felsspalte und stürzt anschließend rund 43 Meter in die Tiefe. Kein Wunder, dass die Murchison-Falls als die gewaltigsten Wasserfälle der Welt gelten. Es donnert, rauscht und spritzt aus allen Richtungen.


Peter erzählte uns, dass im Moment besonders viel Wasser den Wasserfall hinunterstürzte. Er habe aber auch schon Jahre erlebt, in denen der Wasserstand deutlich niedriger war und man die Felsen am Rand viel besser sehen konnte. Davon war diesmal allerdings nichts zu erkennen. Heute hatte eindeutig das Wasser das Sagen!

Je näher wir kamen, desto feuchter wurde es. Aus dem feinen Sprühnebel wurde schnell eine kostenlose Dusche. Es war aber bei den Temperaturen eine herrliche erfrischende Abkühlung. Wir genossen jede Minute.


Überhaupt meinte es das Wetter auf unserer Reise ausgesprochen gut mit uns. Wir wurden jeden Tag mit strahlendem Sonnenschein um die 30 Grad verwöhnt. Da kam die kleine Dusche am Wasserfall genau richtig, ganz ohne Aufpreis und definitiv spektakulärer als jeder Hotelpool.


Nach einem kleinen Mittagslunch, es gab Ananas, fuhren wir weiter über die 2018 eröffnete Paara Bridge, die den Victoria-Nil überspannt. Peter erzählte uns, dass früher alle Fahrzeuge mit der Fähre den Victoria-Nil überqueren mussten. Heute gibt es zwar die moderne Paraa Bridge, die die beiden Parkhälften verbindet, doch die Fähre fährt weiterhin. Zum Glück, denn eine Nilüberquerung mit Blick auf Flusspferde, Krokodile und Wasservögel gehört einfach zu einer Safari dazu. Manche Wege sollten ruhig etwas länger dauern. Leider hatten wir dafür am heutigen Tage keine Zeit mehr.


Die Brücke wurde von einem chinesischen Bauunternehmen errichtet und mit chinesischer Finanzierung unterstützt. Das leider nicht ohne Grund. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Erschließung der Erdölvorkommen im Albertine Graben. Der Murchison NP liegt mittendrin. Offiziell wurde der Bau als Infrastrukturprojekt für Tourismus, Wirtschaft, Versorgung und Verkehr begründet. Aber mal ehrlich, ohne Öl wohl auch keine Brücke. Die Vibrationen und der Lärm der riesigen Bohranlagen vertreiben Wildtiere und vor allem Elefanten fliehen aus dem Park in die angrenzenden Dörfer, was zu Konflikten führt. Ein Ölunfall könnte für Mensch und Tier alles zerstören. Sorry für die Ausführlichkeit. Aber das regt mich einfach auf. Der Park hat uns wirklich sehr gut gefallen und es ist eine Schande, wie mit solchen Naturjuwelen umgegangen wird.


So, jetzt aber genug davon, es geht weiter mit unserem Reisebericht.


Von der Brücke bis zur Pakuba Lodge lag noch etwa eine Stunde Fahrt vor uns. Natürlich wurde die nicht mit aus-dem-Fenster-starren verschwendet, sondern mit ausgiebiger Wildbeobachtung. Unterwegs entdeckten wir verschiedene Antilopenarten, Affen, Giraffen , ein Päärchen Hornraaben und zum krönenden Abschlus eine große Elefantenherde. Welche Antilopen genau das waren? Tja... mein Vergangenheits-Ich war leider der Meinung, dass Notizen völlig überbewertet sind.  Aber keine Sorge: In den nächsten Tagen hatte ich viel gefilmt und werde ausführlich berichten.


An der Pakuba Lodge angekommen, konnten wir überraschend schnell unser Zimmer beziehen. Von dort hatten wir einen wunderschönen Blick bis zum Fluss und auf die gepflegte Anlage. Etwas weiter rechts befanden sich der Pool, die Bar und das Restaurant. Also alles, was man nach einer staubigen Safari-Fahrt so braucht. Links befindet sich auf der großen Wiese eine Holzterrasse mit gemütlichen Hängematten, Hängesesseln, Korbstühlen etc.


Nachdem wir unser Gepäck etwas verteilt (man muss schließlich erst einmal so tun, als würde man länger bleiben), den Safari-Staub unter der Dusche zurückgelassen und uns etwas ausgeruht hatten, ging es zum Abendessen. Wir bekamen einen tollen Platz auf der Außenterrasse und konnten den Tag entspannt ausklingen lassen. Was genau es zu essen gab? Ehrlich gesagt: keine Ahnung mehr.? Ich weiß nur noch, dass es ausgesprochen lecker war und definitiv niemand hungrig ins Bett gehen musste.


Die erste Nacht in der Lodge war herrlich ruhig. Keine Autos, kein Stadtlärm, nur die Geräusche der Natur. Entsprechend haben wir tief und fest geschlafen und waren bereit für den nächsten Safaritag.

zuletzt bearbeitet 12. Sept. 2026
Themenstarter13 Beiträge · seit 202112. Sept. 2026 ·
Hallo Marc

es freut mich, daß auch du dabei bist. Mir hilft es auch immer, wenn ich Sehnsucht nach Afrika habe, die Reiseberichte hier im Forum zu lesen.

Ich fotografiere im Urlaub nicht. Thomas ist für das Fotografieren zuständig und ich fürs Filmen. Deswegen werde ich auch ein paar Videos hier veröffentlichen.

Liebe Grüße 

Marion

681 Beiträge · seit 202312. Sept. 2026 ·
Hallo Marion,

Uganda ist auf meiner Afrika-Liste eigentlich gar nicht so weit oben, aber dein bisheriger Bericht, die Bilder und Videos wecken sofort großes Interesse und ich freue mich über den Bericht. Da ich mich noch gar nicht mit Uganda beschäftigt habe, werde ich die Orte und Parks auf Google Maps suchen, um mich zu orientieren. Man lernt schließlich nie aus und ein bisschen möchte ich schon wissen, wo ich mit euch rumfahre 😁


Lg, Melanie 

Themenstarter13 Beiträge · seit 202113. Sept. 2026 ·
Hallo Melanie,

gut, dass du dabei bist. Vielleicht kommt Uganda dann auch auf deine Liste, denn ich kann Uganda nur empfehlen.

Werde gleich auch die nächsten Teil ins Forum stellen.

Gruß Marion


Themenstarter13 Beiträge · seit 202113. Sept. 2026 ·



Teil 3 -  Safari im Murchison National Park (Dienstag, 30.12.25)


Um 5.45 Uhr hieß es: Frühstück! Peter hatte für uns einen straffen Zeitplan. Er wollte pünktlich um 6.15 Uhr zum Game Drive aufbrechen und um 11.00 Uhr war eine Bootsfahrt zu den Murchison-Falls geplant. Das englische Frühstück war sehr gut – alles, was das Herz begehrt: Eier, Speck, Würstchen, Bohnen Toast, Obst,.... Leider war unser Appetit um diese Uhrzeit noch irgendwo tief unter der Bettdecke verschwunden.

Draußen war es noch nicht hell, aber irgendwie kündigte der Himmel einen wunderschönen Morgen an. Wenig später folgte allerdings ein ziemlicher Stimmungskiller. Mitten im Nationalpark kamen wir an einer großen Baustelle vorbei, wo künftig Öl gefördert werden soll. Zwischen all der unberührten Natur wirkte das wie ein Fremdkörper – ein wirklich trauriger Anblick.

Ganz in der Nähe entdeckten wir auf einer kleinen Anhöhe tatsächlich eine Gruppe Löwen. Schon aus der Ferne zeichneten sich ihre Silhouetten deutlich gegen den Horizont ab – ein vielversprechender Anblick. Doch ausgerechnet zwischen uns und den Tieren verlief die Baustelle, die uns den Weg versperrte. Näher heranzukommen war unmöglich.

Thomas gelang mit seinem Teleobjektiv immerhin noch ein Foto, aber das war nur ein kleiner Trost.


Ich hätte die Löwen viel lieber aus nächster Nähe beobachtet und gefilmt. So blieb uns nichts anderes übrig, als weiterzufahren. Entsprechend war meine Stimmung etwas im Keller: Erst diese Baustelle und dann saßen die Löwen auch noch unerreichbar vor unserer Nase mittendrin.

Zum Glück wartete bald schon die nächste Entdeckung. Wir sahen unsere erste Kuhantilope (Hartebeest). Zugegeben: Einen Schönheitswettbewerb würde sie vermutlich nicht gewinnen. Mit ihren langgezogenen Gesichtern, den langen Beinen und abstehenden Ohren sehen die Tiere aus, als hätte die Evolution beim Design ein wenig experimentiert. Aber genau das macht sie so sympathisch. Irgendwie erinnerte sie mich sofort an ein Fabelwesen oder an eine Figur aus einem Fantasyfilm.


Natürlich begegneten uns auch viele der Klassiker der afrikanischen Savanne: Büffel, Uganda-Grasantilopen, Wasserböcke und Buschböcke – teilweise sogar gemeinsam mit den stark bedrohten Rothschild-Giraffen, die mit ihren dunklen Flecken sehr aufällig sind.


Am Ende meinte es der Morgen besonders gut mit uns. Auf dem Weg zum Delta entdeckte Peter plötzlich einen Leoparden, gemütlich auf einem Baum liegend. Ehrlich gesagt: Wir wären vermutlich noch dreimal daran vorbeigefahren, ohne ihm zu bemerken. Es bleibt mir bis heute ein Rätsel, wie Guides selbst während der Fahrt jedes noch so gut getarnte Tier aufspüren. Die scheinen einen eingebauten Safari-Radar zu besitzen.



Wir beobachteten den Leoparden eine ganze Weile, machten Fotos und filmten ihn. Dann sagte Peter ganz gelassen: „Der schaut ständig nach links und rechts. Der kommt gleich runter.“

Ich dachte noch: Na klar... Doch kaum gedacht, erhob sich der Leopard tatsächlich, kletterte elegant den Stamm hinunter und verschwand mit einem einzigen Satz im dichten Gebüsch. Weg war er. Peter zuckte nur mit den Schultern, grinste und meinte trocken: „Show is over“.Und genauso fühlte es sich an – als hätten wir gerade eine perfekt inszenierte Vorstellung erlebt, deren Hauptdarsteller genau wusste, wann sein großer Abgang gekommen war.


Am Delta gönnten wir uns eine kurze Pause. Glücklicherweise war auch eine Toilette vorhanden. Die Aussicht war zauberhaft: sattes Grün, ein Ufer wie aus dem Bilderbuch, Papyrusgras, Gräser und Schilf. Am Ufer tummelten sich Kormorane, manche trockneten ihr Gefieder mit weit ausgebreiteten Flügeln. Weiße Reiher hoben sich perfekt vom üppigen Grün ab – diese Farben – wunderschön.

Warzenschweine zogen ohne Scheu an den Safarifahrzeugen vorbei. Sie schnüffelten nach etwas Essbarem, das die Touristen vielleicht vergessen oder liegen gelassen hatten. Ich konnte mich gar nicht daran satt sehen. Die Bilder habe ich heute noch vor Augen.


Leider mußten wir weiter zur Anlegestelle für unsere Bootstour zu den Murchison-Falls. Pünktlich um 11.00 Uhr legten wir mit einem kleineren Boot und ca. 12 Gästen ab. Unterwegs, entlang des Ufers, reihten sich ganze Gruppen von Flusspferden aneinander, die neugierig ihre Ohren und Augen aus dem Wasser streckten. Ein Schlangenhalsvogel, kaum sichtbar, schwamm nicht weit von unserem Boot im Wasser. Ab und zu flogen Graufischer am Boot vorbei, Kingfisher landeten auf den über das Wasser rankenden Ästen. Dazu gesellten sich ein eleganter Silberreiher und auch ein paar Antilopen kamen zum Trinken ans Ufer. Hier hatten wir das erste Mal Gelegenheit, ein Krokodil zu sehen, dass mit hoch erhobenem Kopf und hoch aufgerichteten Beinen am Ufer entlangstapfte. Bisher hatten wir auf unseren Reisen Krokodile nur faul liegend bzw. schlafend oder im Wasser gesehen.





Etwa 300 Meter vor den Murchison-Fällen war jedoch Schluss. Der Bootsführer nahm das Tempo heraus und erklärte, dass ein Näherkommen viel zu gefährlich wäre. Die Strömung wurde immer wilder, das Wasser brodelte und die gewaltigen Wassermassen stürzten mit Getöse in die Tiefe, wobei eine dichte Gischt aufstieg.

Wir ließen diesen beeindruckenden Anblick eine Weile auf uns wirken, bevor das Boot wendete und mit deutlich höherem Tempo zurück zur Anlegestelle fuhr. Dort wartete Peter bereits auf uns. Bevor wir von Bord gingen, bedankten wir uns bei unserem Bootsführer mit einem wohlverdienten Trinkgeld.

Auch Peter drückte auf der Rückfahrt ordentlich aufs Gaspendal – schließlich wollten wir noch pünktlich zum Lunch um 14.00 Uhr wieder in der Lodge sein. Zum Glück ging der Plan auf, und wir erreichten unser Ziel rechtszeitig. Nach der aufregenden Fahrt ließen wir uns das leckere Essen schmecken und genossen die wohlverdiente Mittagspause. Viel Zeit zum Ausruhen blieb allerdings nicht, denn um 17.00 Uhr stand bereits der nächste Gamedrive auf dem Programm.

Um 17.00 Uhr wartete Peter schon auf uns. Wir fuhren an einer Elefantenmama mit ihrem Kalb vorbei. Das Kälbchen hatten einen Teil seines Rüssels verloren, kam damit aber scheinbar gut zurecht. Trotzdem tat mir der Kleine Leid.


Später querte eine größere Gruppe Elefanten vor uns die Straße. Einer von ihnen stellte sich quer, damit die restliche Familie ungehindert vorbeiziehen konnte – als wollte er aufpassen, dass niemand an ihnen vorbeifährt.

Unterwegs erkundigte sich Peter bei den vorbeifahrenden Guides nach besonderen Sichtungen und schließlich hieß es, dass sich nicht weit von uns eine Löwin mit ihrem Jungen sehen ließ. Peter steuerte direkt dorthin. Von weitem waren die Autos schon zu erkennen – die Löwen waren also noch da. Peter suchte eine gute Lücke, damit wir die Tiere besser beobachten konnten. Die Mama wirkte sichtlich müde und satt, direkt neben der Piste liegend. Der Kleine war unruhig, lief hin und her, setzte sich schließlich aber zu seiner Mutter, um seinen Hunger zu stillen. Es ist so entzückend  kleine Löwen zu beobachten. Das war ein schöner Abschluß für diesen Tag (so dachten wir) und was für ein Tag!!!!




Als wir zurückfuhren und die Pakuba Lodge erreichten, erwartete uns doch noch ein Highlight: Auf der großen Wiese unter den schattigen Bäumen grasten ein gutes Dutzend Elefanten. Ganz ruhig zogen sie gemächlich umher, während wir ihnen fasziniert zusahen.


Inzwischen war es dunkel geworden, sodass wir direkt zum Abendessen schlenderten. Nach dem guten Essen (Buffet) waren wir so müde, dass wir anschließend zufrieden ins Bett fielen. Ich freute mich schon auf den nächsten Tag.  

Themenstarter13 Beiträge · seit 202115. Sept. 2026 ·

Teil 4 - Süße Affen, Büffel, Leopard und noch mehr Elefanten (Mittwoch 31.12.25).


Nach dem Frühstück ging es um 7.00 Uhr nochmal Richtung Delta. Wir fuhren durch ein lockeres Akazienwäldchen, als direkt neben dem Trail  Weißnasen-Husarenaffen auftauchten – inklusive einer ganzen Kindergartengruppe. Die kleinen Affen waren einfach zum Verlieben: Sie tobten, balgten sich, jagten sich gegenseitig, kuschelten mit Mama und stillten ihren Hunger. Ich hätte noch stundenlang zuschauen können. Nur die beiden Männer wollten dann irgendwann weiter.

Zum zweiten Mal hatten wir das große Glück einen Leoparden, diesmal abseits der Straße, in einem Baum zu entdecken. Ruhig verweilte er dort, den Blick aufmerksam über die Savanne wandernd, als wolle er prüfen, ob sich in der Umgebung etwas Unerwartetes regte. Er rührte sich nicht und wir ließen den Moment auf uns wirken. Das sind Momente, die Afrika so besonders machen. 


Weiter fuhren wir durch die schöne Savannenlandschaft. Es waren wieder viele Antilopen mit ihrem Nachwuchs unterwegs. Kein Wunder, daß es hier in der Nähe Leoparden gibt. Am Delta entlang erblickten wir eine große Büffelherde, die am Ufer graste, eingerahmt von ihren Begleitern (Kuhreihern). Aus dem Albertsee ragten hier und da die Köpfe der Hippos heraus und Reiher versuchten ihr Glück am Uferrand, um ihren Hunger zu stillen. Die strahlenden Farben der Umgebung im Hintergrund (genau wie gestern) vervollständigten das Bild.

Kurze Zeit später sahen wir Elefanten im Wasser, wie sie das hohe Gras abknabberten. Bald setzten sie sich gemächlich in Bewegung, wie eine stille Parade, die sich langsam zu uns schob. Die Farben schienen zu lachen, alles strahlte, als hätte der Himmel sich selbst ein Lächeln aufgesetzt. Dieses friedliche Bild berührte mich tief. Für mich eines der schönsten Momente in Afrika. Mir kamen die Tränen vor Freude, einfach überwältigend, dieses Wunder der Welt.


Auf dem Rückweg zur Lodge sahen wir erneut eine Elefantenherde, auf deren Rücken sich auffällig viele Vögel niedergelassen hatten – vermutlich Piapiacs.

Eine Elefantenmutter aus der Herde mit ihrem Kalb zog unsere volle Aufmerksamkeit auf sich. Das Kalb wollte dem Muttertier nicht folgen. Die Mutter wanderte unruhig hin und her. Endlich setzten sie beide zusammen ihren Weg fort  und wir atmeten auf. Selbst Peter war sichtlich erleichtert. Er war auch unsicher gewesen, ob alles in Ordnung war. Wie der Tag sonst verlaufen wäre, weiß ich nicht. Wahrscheinlich hätte ich Mühe gehabt, die beiden ihrem Schicksal zu überlassen. Mir würde das schwer auf dem Magen liegen, auch wenn ich weiß, dass in der Natur nicht alle Elefantenkälber überleben.

Mittags während unseres Lunches näherte sich eine Horde Paviane mit ihren Babies auf dem Rücken der Lodge. So schnell, wie sie gekommen waren, waren sie auch schon wieder verschwunden. Es gab immer etwas zu beobachten, verschiedene Vögel, auch die großen Marabus, Eidechsen und Uganda-Kobs, die übrigens hier immer die Nacht verbrachten. Wahrscheinlich fühlten sie sich hier auf dem Geländer sicher und waren das wohl auch. Nachmittags war relaxen angesagt. Wir nutzten die Zeit endlich mal in den Pool zu springen, mit Familie sowie Freunden zu chatten und mit unserer alten Mutter zu telefonieren, um allen einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.

Abends trafen wir uns mit Peter zum Abendessen. In der Bar verbrachten wir anschließend eine schönen , aber leider zu kurzen Abend, ließen uns ein paar Drinks schmecken (ich persönlich liebe Amarula oder Springbock) und lachten über Erlebnisse der letzten Tage oder erzählten von unserer Heimat, was Peter sehr interessierte. Aber auch Peters Lebensgeschichten waren spannend. Trotz Silvester gingen wir zeitig zu Bett, da uns morgen eine lange Wegstrecke bevorstand. 


213 Beiträge · seit 202316. Sept. 2026 ·
Hallo Marion,

einen Reisebericht aus Uganda lasse ich mir natürlich nicht entgehen und steige noch schnell ins Auto 😊

2023 mussten wir unsere Uganda Reise leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Seitdem steht Uganda weiterhin auf unserer Bucket List. 

Dein Schreibstil gefällt mir sehr gut und macht richtig Lust auf die Reise. 

Viele Grüße, Sabine 


Themenstarter13 Beiträge · seit 202117. Sept. 2026 ·
Hallo Picco, 

freu mich das auch du dabei bist. Du hast den Kontinent schon weit bereist. Das werden wir so nicht mehr schaffen. Habe noch nicht alle deine Reiseberichte gelesen. Werde ich auf jeden Fall noch nachholen. 

Gruß Marion


Hallo Sabine,

Gerne nehme ich dich mit. Ich hoffe, es geht euch gesundheitlich wieder besser. Ihr solltet auf jeden Fall diese Reise machen. Es lohnt sich. 

Gruß Marion



Themenstarter13 Beiträge · seit 202118. Sept. 2026 ·

Teil 5 - Neujahr in Uganda 01.01.26

Unser Tag begann um 6. Uhr. Neujahr im Morgengrauen in Afrika. Uns könnte es wirklich schlechter gehen. Die Koffer waren zum Glück schon so gut wie gepackt, sodass nach einer flotten Dusche und einem gemütlichen Frühstück eigentlich nur noch eines auf dem Programm stand, Abschied nehmen.

Wenn wir zur nächsten Unterkunft weiterziehen, stellen wir uns den Wecker grundsätzlich lieber etwas früher. Wir mögen es nämlich, den Morgen ganz entspannt anzugehen, mit genügend Zeit für Dusche, Frühstück, Koffer und die vermeidliche Frage: "Haben wir auch wirklich nichts vergessen?" Hektik gehört schließlich nicht in unseren Reiselan. Und schon gar nicht an Neujahr. 

Besonders schwer fiel der Abschied von  unserem Lieblingskellner. Seine freundliche Art, seine Aufmerksamkeit und seine lockeren Sprüche haben unseren Aufenthalt wirklich bereichert. Vor allem Thomas lieferte sich mit ihm immer wieder kleine Scherze. Beide hatten ihren Spaß und wir lachten viel.

Um 7.30 Uhr waren die Taschen verstaut, das Fahrzeug startklar, Peter putzmunter und wie immer gut gelaunt. Also ab nach Kibale. 


Als uns ein schöner Sonnenaufgang begrüßte, hielten wir kurz an. 



Auf dem Weg aus dem Park begegneten uns Antilopen, Giraffen und ein paar Warzenschweine, die mit hochgestelltem Schwanz davonliefen. Ein einsamer Elefant kreuzte unseren Weg, vielleicht um "Auf Wiedersehen" zu sagen.


Die Fahrt bis Kibale zog sich über ungefähr 7 Stunden – eine abwechslungsreiche Szenerie, offene Savannen, Dörfer, winkende Kinder, riesige Teeplantagen und glitzernde Seen, bis der Regenwald vor uns auftauchte. Peter hielt an jeder Stelle an, die einen tollen Ausblick versprachen.


Hier einmal ein Video, wie es in Ugandas kleinen Städtchen aussieht. Für die, die noch nicht in Uganda waren.



In Hoima tankten wir auf und kauften mit Peters Hilfe (die nette Dame am Tresen hätte uns sonst nicht verstanden) einen zweiten Adapterstecker.  In Fort Portal machten wir eine Pause. Peter wollte zur Bank. Danach kehrten wir im Gardens Restaurant ein und bestellten African-Tea , natürlich, was sonst. Gegessen hatten wir nichts, da Peter rechtzeitig zum Mittag in der Turaco Treetops Lodge sein wollte. Das war auch gut so, denn wir hatten ohnehin nicht allzu großen Hunger.



Wir aßen später unterwegs ein bisschen Obst und ein paar Nüsse. Ach ja, da ich gerade von Nüssen spreche. Aus Deutschland hatten wir Knoppers, Studentenfutter, Nussmischungen und Müsliriegel mitgebracht. Peters Favoriten waren die Knoppers und die Nussmischung, die wir ihm zum größten Teil gern überließen – es gab ja genug anderes. Bevor es weiterging, empfahl Peter uns, die neben dem Restaurant gelegene Art Gallery zu besuchen. Und tatsächlich konnten wir ohne Mitbringsel den Ort nicht verlassen.

Als wir aus der Galerie kamen, bot sich ein faszinierendes Bild. Große Menschengruppen zogen singend und tanzend in den Farben Weiß und Gelb durch die Straßen der Stadt. Begleitet von rhytmischer, traditioneller Trommelmusik feierten die Einheimischen auch am Straßenrand den Beginn des neuen Jahres.



Die Turaco Treetops Lodge erreichten wir verspätet. Um 14.30 Uhr war Lunchtime vorbei. Wir hatten unterwegs einfach zu oft angehalten, um die Aussicht zu genießen. Egal, wir hatten ja noch unsere Lunchpakete von der Pakuba-Lodge. Die Turaco Treetops Lodge ist wirklich etwas besonderes, so wie Betti es in ihrem Reisebericht beschrieben hat. Die Lage mitten im Regenwald ist einfach traumhaft. Danke Betti, dein Bericht hat uns hierher geführt.


Nach der endlosen Fahrt durfte Peter sich endlich in seine wohlverdienten Feierabend verabschieden, während wir uns häuslich einrichteten. Danach hielt uns nichts mehr drinnen. Der Regenwald zog uns magisch an und wir liefen zum Bird Hide der Lodge. Schon auf dem Weg dorthin wurden wir lautstark begrüßt. Ein kreischender Turako flog über unsere Köpfe hinweg, während sein Partner hoch oben im Blätterdach thronte.


Am Versteck angekommen, faszinierten uns die Nektarvögel, die unruhig von Blüte zu Blüte huschten. Zurück im Zimmer gab es für mich nur ein Ziel, das gemütliche Sofa auf dem Balkon, das ich bis zum Abendessen erfolgreich belagerte. Die Sichtungen waren eher überschaubar. Der Regenwald war einfach zu dicht und gab selten den Blick frei. Dafür war die Geräuschkulisse umso beeindruckender. es raschelte, zwitscherte und zirpte.


Wir fühlten uns sauwohl hier. Einer meiner Lieblingsorte, ganz klar, genauso wie die Arcadia Lodge und die Mihingo Lodge. Das anschließende Dinner war sehr gut, aber die Portionen waren schlichtweg zu groß. Oder lag es an der bleiernen Müdigkeit? Völlig erschöpft zog es uns früh ins Bett. Vorher brachten wir nur noch schnell Ordnung in unser Chaos und packten die Rücksäcke. Die Vorfreude auf das morgige Schimpansen-Trekking im Gepäck.  

zuletzt bearbeitet gestern 14:33
Themenstarter13 Beiträge · seit 2021gestern 14:35 ·

 Teil 6 - Schimpansen-Trekking 02.01.26


Nach dem Frühstück brachen wir um 7.30 Uhr zum Kanyanchu Visitor Center auf – mein Puls schlug vor Aufregung schneller. Wir mussten nicht weit fahren, doch vor dem Center war schon einiges los. Nach der Registrierung an der offenen Theke versammelten wir uns zu einem Briefing nebenan in einem größeren Raum. Es ging um die Schimpansengruppen, die Verhaltensregeln, wie Abstand, Ruhe, kein Essen oder Trinken im Gelände, Toilettenetikette etc. Dann rief ein Ranger alle Personen zu den dazugehörigen Gruppen nacheinander auf. Wir liehen uns Wanderstöcke aus und starteten mit einer kurzen Vorstellungsrunde in unserer Gruppe. Die Vorfreude wuchs von Minute zu Minute. Endlich ging es los. Wir stiegen in unser Auto und Peter stieg mit einem bewaffneten Rancher dazu. Wir mussten mit dem Auto tiefer in den Wald fahren, da sich die Schimpansen etwas abseits befanden. Aber nicht lange und wir konnten wieder aussteigen. Die anderen unserer Gruppe folgten. Unsere Fahrer blieben am Auto zurück, während wir (8 plus Führer und Ranger) uns auf einen schmalen Dschungelpfad wagten. Das Dickicht zog sich enger, und wir stiefelten hindurch, begleitet vom Rascheln der Blätter und dem fernen Ruf der Tiere.


Bosco, unser Führer hielt kurz inne und lauschte. Wir verhielten uns still. Von weitem hörten wir immer wieder die Schreie der Schimpansen – mal auf der Seite, mal an einer ganz anderen Seite. Die Gruppen waren verstreut und offenbar im Streit, so dass die Anweisungen der Tracker sich ständig änderten.

Nach anderthalb Stunden folgten wir immer noch den Schreien und Anweisungen der Tracker. Doch plötzlich standen wir wieder vor unseren Autos. Mein erster Gedanke: Mist, haben wir die Schimpansen verpasst? Dann zeigte Bosco an den Fahrzeugen vorbei, und plötzlich waren die Schreie nah. Das waren sie, direkt vor uns, als hätten wir hier an den Autos nur warten müssen. Bosco steuerte auf zwei Schimpansen zu, die keine Scheu zeigten und uns neugierig heranließen. Jetzt hieß es, Masken anziehen, um sie vor menschlichen Krankheiten zu schützen.


 Dann verschwanden sie im Dickicht und wir folgten den beiden die immer wieder pausierten und lauchten. Der Lärm brach wieder los: Schreie, Getrappel und ein so lautes Trommeln mit den Füßen gegen die Bäume, wie ich es mir niemals hätte vorstellen können. Was müssen die Schimpansen für eine Kraft haben.


 Wir eilten hinterher, durch dichtes Gebüsch und von den Affen ausgetreten Wegen, bis wir wenige Meter vor einem der Kandidaten standen. Ich zückte die Kamera, filmte drauflos. Zuerst saß er friedlich da, schaute abwechselnd hin und her. Doch plötzlich fing er immer leise an zu rufen. Er wurde immer lauter bis wieder das Geschrei losging, er lief direkt auf mich zu. Vor Schreck filmte ich versteinert einfach weiter. Kurz vor mir bog er rechts ab.

Mir war das Herz in die Hose gerutscht. Schwein gehabt. Ich war sowas von erleichter. Anschließend wurde es wieder ruhiger und wir konnten sie in sicherem Abstand wunderbar beobachten. Nicht weit entfernt saß eine Mama im Gebüsch, deren Nachwuchs auf einem Baum rumturnte. Wie niedlich doch die Kleinen sind.


Ständig liefen wir von einem Ort zum Anderen. Überall verteilten sich die Schimpansen.





Dann rief Bosco zum Rückzug. Die Stunde ging viel zu schnell vorbei und wir waren so voller Eindrücke, dass wir schweigend den Rückweg antraten, um das Erlebte erst einmal zu verarbeiten.

Am Nachmittag relaxten wir am Pool bis kurz vor dem Abendessen. Meine Gedanken waren immer noch bei den Schimpansen. So langsam registrierten wir, was wir am Morgen erlebt hatten. Einfach fantastisch. Das Abendessen war wieder sehr gut und auch wieder zu viel. Wir können die Turaco Treetops wirklich empfehlen.  

Themenstarter13 Beiträge · seit 2021gestern 21:26 ·

Teil 7 - Community Walk 03.01.26 u. Weiterfahrt zum QENP


Morgens wurden wir von den Vögeln früh geweckt. Ich stand auf und ging auf den Balkon. Da es noch nicht ganz hell war, eher ziemlich dämmrig, konnte ich nichts sehen. Also ließ ich die Tür auf und flüchtete nochmals ins Bett. Herrlich dieses Stimmengewirr der Vögel. So würde ich mich gerne jeden Tag wecken lassen. Aber leider war es unser letzter Morgen hier in der Turaco Treetops Lodge.

Hier mal eine Hörprobe:


Peter hatte für uns kurzfristig den Bigodi Swamp Walk inklusive Cultural Village Walk organisiert. Um 8.30 Uhr, nach dem Frühstück, holte er uns wie immer pünktlich ab. Am Visitor Center wurde uns ein Guide zugeteilt. Nach der Begrüßung bekamen wir Gummistiefel, damit wir die schlammigen Wege bequem bewältigen konnten. Kaum waren wir ein paar Meter unterwegs, entdeckten wir die ersten Primaten. Besonders die niedlichen Rotschwanzmeerkatzen mit ihren weißen Stupsnasen hatten es mir angetan.


Kurz darauf ließen sich auch die Roten Colobusaffen und die Schwarz-Weißen Colobusaffen blicken.



Ich wußte gar nicht, wo ich zuerst meine Filmkamera hin lenken sollte. Kleine Papageien flogen krächtzend über unser Köpfe. Leider haben wir sie nicht auf unsere Kamera bekommen und so kann ich sie nicht bestimmen. Über wacklige Holzstege führte der Weg duch den Sumpf. Trotz einiger morscher Bretter (man mußte aufpassen, wo man hintrat) konnten wir den beeidruckenden blauen Riesenturacco entdecken, ein echtes Highlight.


Unterwegs zeigte uns der Guide einige besondere Pflanzen und Bäume. Darunter der Prunus africana (Afrikanischer Stinkholz). Deren Rinde soll gegen Malaria und Fieber helfen. Außerdem ist die Rinde des Baumes in Europa gegen Prostataleiden extrem gefragt. 

Es waren auch viele Vögel zu hören, aber wir bekamen sie selten zu Gesicht. Schade, aber wir waren nicht gerade die Vogelfanantiker. Wir waren!!!..., denn  Peter macht uns auf unserer Reise auf so viele hübsche Vögel mit so vielen bunten Farben aufmerksam, dass wir uns mittlerweile auch für dies kleinen Geschöpfe interessieren. 



Der Community-Walk in Bigodi war voller spannender Begegnungen. Zuerst besuchten wir den Bananenmann, der uns zeigte, wie aus Bananen Saft, Bier und sogar Gin hergestellt werden. Erstaunlich was alles in einer Banane steckt! Anschließend gingen wir zu einer Kaffeebäuerin, die uns zeigte wie man aus den getrockneten Kaffeekirschen Kaffeepulver produziert. Ich durfte mithelfen, vor allem beim Mahlen mit einem großen Holzmörser – und so schmeckte der Kaffee anschließend noch viel besser.

Danach besuchten wir eine Gruppe Frauen, die wunderschöne Untersetzer, Wandteller und Körbe aus Naturmaterialien flechten. Auch hier durfte ich das Handwerk ausprobieren. Als krönender Abschluß führten die Fauen einen mitreißenden traditionellen Tanz auf. Ehe ich mich versah, wurde ich kurzerhand an die Hand genommen und eingeladen mitzumachen und bekam dafür sogar ein buntes Röckchen aus Bast umgebunden. Das sorgte für viele Lacher und machte die Tour zu einem besonderen Erlebnis. Peter amüsierte sich köstlich, denn er hatte nicht gedacht, dass ich tatsächlich bei dem Tanz mitmachen würde. Das Video möchte ich euch aber nicht zeigen, zu peinlich!



Das wir einige Mitbringsel mitnahmen war selbstverständlich.

Jackfrucht


Von der Turaco Treetops Lodge hatten wir uns schon am morgen verabschiedet und so ging die Fahrt weiter zu Twin Lakes Safari Lodge.


Sogar ein ganzes Bett läst sich auf einem Boda Boda transportieren.
Lake Nkuruba

Die Twin Lakes Safari Lodge ist eine Lodge mit Blick in den Queen Elizabeth National Park. Die Häuser liegen terassenförmig verteilt in einem gepflegten Garten und haben alle einen tollen Ausblick auf den Nationalpark. Und der Infinity-Pool verführte uns sofort zum Entspannen. Das Wetter war zwar bedeckt aber warm und wir hatten den Pool für uns ganz allein. Die übrigen Gäste waren noch unterwegs und erschienen erst zum Abendessen. Das Essen war, wie fast immer hier in Afrika, sehr gut und auch das Frühstück war einfach nur super. Für meinen Geschmack das beste Frühstück auf unserer Reise, reichhaltig und lecker. 


Der Plan für den nächsten Morgen stand schon fest. Um 7.00 Uhr Gamedrive in den Queen Elizabeth Nationalpark.
Unser erster Regen in Uganda. Dann ist das Bett doch doppelt so gemütlich.