JUKoehlerThemenstarter415 Beiträge · seit 201004. Nov. 2012 · #1
Ach, was habe ich hier in den letzten Monaten für schöne Reiseberichte gelesen. Gerade in Zeiten eigener Reiseplanung sind sie besonders anregend, tröstend, informativ und auch ein bisschen quälend, weil sie die eigene Ungeduld verstärken können. Gerade diese Phase der Ungeduld mit Rückwärtszählen der Tage die mit dem wieder und immer wieder Ein- und Ausräumen der Reisetasche wegen Übergewicht einhergehen und schließlich mit der Fahrt zum Abflughafen enden, sind es, in denen ich Eure Reiseberichte so gerne lese.
Nun bin ich seit genau zwei Wochen wieder in meinem Alltag angekommen, die Fotos sind gesichtet, sortiert und in einer kleinen Galerie zusammengestellt. Die Reise war wieder wunderbar, aber gerade diese Nacharbeit genieße ich besonders, weil nun auch die Ruhe und Gelassenheit da ist, mit der Du dir nochmal Vieles durch den Kopf gehen lassen kannst. Und siehe da, es ergeben sich Fragen, die auf einer nächsten Reise beantwortet werden wollen. Ha, da biste auf einmal wieder vor der der nächsten Reise… Aber ehe es damit konkret wird, will ich Euch noch von der Oktoberreise berichten und den Leser, der gerade seine eigene Reise plant ein bisschen von den Qualen zurückgeben, die ich noch vor einigen Wochen selber ertragen musste.
Einige von Euch wissen, dass mich der südliche Sternenhimmel schon eine ganze Weile tief in seinen Bann gezogen hat. So kam es, dass ich mir vor 3 Jahren auf der Farm Kanaan im Süden Namibias ein Teleskop für die so genannte Deep-Sky-Fotografie fest installiert habe. Wegen des Tag-Nachtrhythmus kann man zu einem Zeitpunkt des Jahres allenfalls 50% aller Sternbilder sehen. Will man auch die anderen 50% beobachten, muss man 6 Monate später nochmal an den Standort. So kommt es, dass ich bereits Anfang Mai 2012 einmal dort war und jetzt Ende Oktober den zweiten Teil meiner Beobachtungen machen wollte. Da Namibia aber viel mehr als diese extrem guten astronomischen Highlights zu bieten hat, reise ich immer in der Woche vor Neumond quer durch´s Land ehe ich am Teleskop bin. Auf der letzten Reise begleitete mich mein Schwager Burkhart aus Berlin. Für ihn ist das seine erste Afrikareise. Seine letzte große Aktion war eine 6-monatige Reise von Berlin nach Kleinasien – mit einem Tretroller! ( LINK ). Unsere Route, die dieses mal kaum vorgeplant war und sich oft aus der Situation heraus entwickelte: Windhoek – Tsaobis – Wüstenquelle – Swakopmund – Tsondab Valley – Farm Kanaan – Lüderitz / Diaz Point – Klein Aus – Helmeringhausen – Bagatelle – Etango Ranch. Wir trafen zufällig mehrere Fomis, was immer sehr schön war! Über die Begegnung mit RODRIGO werde ich etwas ausführlicher berichten, weil "wir überhaupt nicht so aussehen" 🤩
Im Mai 2012 stieß ich zufällig auf den 4 Stunden westlich von Windhoek gelegenen, aber offiziell geschlossenen Tsaobis Leopard Nature Park. Dort fand mich zu meiner Schande mein Freund Ralf P. mit dem ich eigentlich einen Tag zuvor auf einer benachbarten Farm verabredet war. (Aber das ist eine andere Geschichte). Von ihm erfuhr ich dann, dass Tsaobis Leopard Nature Park verstaatlicht und gerade neu aufgebaut wird. Ralf würde das Management übernehmen und am 01.09.2012 soll der Park offiziell eröffnet werden. Na, das wollte ich mir natürlich nichtg entgehen lassen und so sollte das unser erstes Etappenziel sein.
Aber Stop! Erst kommt da ja die Geschichte mit dem Auto. Schon seit einigen Jahren miete ich meine Autos bei Berti Ham von Savanna Car Hire Windhoek. Das hat sich seinerzeit so ergeben, weil ich für meine astronomischen Geräte im Feld immer ein paar kleine elektronische Veränderungen am Auto zur Stromversorgung brauche, die ich hier völlig problemlos bekomme. Wie immer, habe ich mir einen Toyota Hilux Doppelkabiner mit Dachzelt gemietet. Nach Erledigung der Formalitäten staunte ich aber nicht schlecht, dass ich ein nagelneues Modell mit Alu-Aufbauten bekommen habe. Ich hatte vor einiger Zeit davon gelesen und nun steht er mit hochgeklapptem Dachzelt und offenen Seitenklappen vor mir… Berti konnte seinen Stolz kaum verbergen. Bereits jetzt erahne ich, dass dieses Fahrzeug von Funktionalität, Komfort und Erlebnis bestimmt zwischen Wohnmobil und 4x4 mit rooftent einzuordnen ist. Diese Ahnung wird im Laufe der folgenden 14 Tage immer und immer wieder bestätigt.
Klein Aus (Campsite #3)
Burkhart macht Kaffee
Das Dach lässt sich nach Lösen von zwei Schellen mit einem leichten Schubs spielend leicht nach oben ausklappen und durch einfaches Ziehen an einer Lasche ebenso einfach wieder einklappen. Das dauert allenfalls 2-3 Sekunden und ist völlig staubfrei erledigt. Alle Fächer sind hervorragend staubdicht gebaut. Über eine leichte Leiter kannst Du im Innenraum stehen, der üppige Stauraum schluckt klaglos unsere zwei vollen Reisetascheninhalte. Die trotzdem immer noch gähnende Leere in den vielen anderen Fächern wird später mit unserem Proviant gefüllt werden. In den drei beleuchteten Aussenfächern befinden sich zwei weitere Proviantkisten, die die sehr übersichtlich und sicher verstauten Küchenuntensilien sowie alles Braai-Zubehör einschließlich das später gekaufte Feuerholz aufnehmen. Ein stabiler Alutisch ist clever zwischen Autodach und Alkove angebracht, mit einem Handgriff entnommen und aufgebaut. Der eingebaute 80-Liter Wassertank wird durch einen Zulauf in einem Außenfach befüllt und mündet in einem Wasserhahn, der neben der Einstiegsluke angebracht ist. Der Innenraum ist mit mehreren LED-Lampen ausreichend ausgeleuchtet, ein an einem zweiten Akku angeschlossener Wandler liefert 220 Volt mit konstanter Leistung zum Aufladen von Akkus für Handy, Kamera, Laptop usw. Selbst mein Schwager Burkhart mit seinen guten 185 cm Körperlänge hatte keine Mühe in seine Koje zu kommen. Abgesehen von einer stürmischen Nacht, in der kleine Kieselsteine horizontal durch die Luft flogen und das ganze Auto längsseits trafen (Camping auf Klein Aus) haben wir immer bestens geschlafen. Eine weitere Besonderheit ist der hintere Bereich des Fahrgastraumes. Die hintere Sitzbank ist ausgebaut. Dafür steht hinter dem Fahrer der übliche Kühlschrank, der vom Beifahrer (bitte nur von dem) auch während der Fahrt bequem erreicht werden kann. Ich liebe kühles Zitronenwasser während der Fahrt auf staubiger Pad… Ansonsten ist dort jetzt viel Platz für das Tagesgepäck, Fotorucksack usw. Obwohl dieses Auto etwas schwerer, als das bisherige Auto mit rooftent sein dürfte, habe ich einen durchschnittlichen Verbrauch von ca. 12 Litern/100km gemessen (80% Pad, 15% Asphalt, 5% offroad). Möglicherweise ist der Luftwiederstand durch die steife Bauweise des Daches günstiger als bei einem flatternden rooftent.
Sehr dankbar nahmen wir diese Überraschung an, bekamen das von Carsten Möhle besorgte und hier hinterlegte Permit für die Blutkoppe (Carsten, nochmals herzlichen Dank für diesen tollen Service) und starteten unseren 14-tages Einkauf in der nahen Maerua Mall, tauschten dort in der Wechselstube ziemlich günstig (dieser Tage gab es für einen Euro 11,57 N$) und waren dann auch schon auf Pad. Über die C28, und Bosua Pass kamen wir gut nach Westen und schwenkten dann auf der C32 nach Norden. Kurz bevor wir den Swakop River kreuzten, fuhren wir nach Westen auf die Farmpad des gerade neu eröffneten und umbenannten Tsaobis Nature Park Restcamp mit neuer Leitung.
Wow, hier hatte sich seit meinem zufälligen Besuch vor 6 Monaten einiges getan. Mehrere einfache Chalets, ein großer Pool und eine große reetgedeckte Terasse empfangen den Besucher. Wenig abseits der unter üppigem Grün herrlich schattige Camapground mit ca. sechs Stellplätzen. Die Sanitäreinrichtung ist einfach und sehr sauber. Ralf zaubert mit seinem charmanten Personal ein leckeres Abendessen (Zebra) nach Hausmannsart. Bei einem kühlen Bier plaudern wir lange und genießen die Geräusche der Nacht. Na und wo sind die Sterne? Oh, es ist bewölkt. Wolken, die uns am nächsten Morgen sogar mit einer kurzen, aber kräftigen Dusche begrüßen. Der Duft, der anschließend in meine Nase kriecht ist so intensiv und wunderbar, das ich noch lange daran denke. Ralf holt uns zu einer großen und mehrstündigen Farmrundfahrt ab. Wir haben uns vor eingen Jahren auf der Zebra River Lodge kennengelernt. Damals zeigte er mir oberflächliche Stromatolithe – biogene Sandgesteine, die auf Zebra River Lodge besonders häufig vorkommen. Daher weiß er auch, dass mich derartige Dinge sehr interessieren. Das Tsaobis Nature Park Restcamp ist ein Wander- und 4x4 Paradies mit vielen geologischen Besonderheiten. Viele an der Oberfläche liegende Gesteine und Formationen gehören zu der bis 650 Mio. Jahre alten Damara-Formation. Neben vielen Mineralien hat mich ein verstecktes Tal besonders fasziniert: das Python Valley. Als ich dann vor der etwa 8 Meter hohen Wand stand, war mir die Namensgebung klar.
Ralf P. Schneider zeigt uns das Pyton Valley
Carsten Möhle beschreibt diese Region mit „Ein Muss und Fest für Hobbygeologen und solche, die gerne Hobbygeologen werden wollen“ Recht hat er!
Ralf nennt das Tal "jurassic park" - passt wirklich !
Am Abend wandern wir lange durch das Swakop River, beobachten nicht ganz friedliche Paviane, die ihr Revier lautstark und mit kurzen Angriffen verteidigen und wir sind wirklich in Namibia angekommen.
Morgen besuchen wir den Arch Rock und die Farm Wüstenquell... bleib dran!
Champagner8'706 Beiträge · seit 201004. Nov. 2012 · #2
Na, das scheint ja ein höchst interessanter Reisebericht zu werden (und erinnert mich daran, dass ich ja auch mal ein bissle Geologie studiert habe)! Entweder hat Ralf mir beim Chatten auf FB mal davon erzählt, was diesbezüglich alles auf seiner Farm zu finden ist oder ich habs auf der HP gelesen. Egal - ich spüre wie es in mir kribbelt und dass ich Soni schon jetzt um ihren Urlaub dort beneide!
Morgen besuchen wir den Arch Rock und die Farm Wüstenquell... bleib dran!
Kein Problem - dein Schreibstil gefällt mir sehr (mal ganz abgesehen von den tollen Bildern) und lässt sich prima lesen - ich freue mich schon auf die Fortsetzungen!
Hallo daheim, ja da gibt es endlich wieder tolle Sternenbilder-wobei ich schon gespannt bin, ob in Zeiten der Veldbrände sich das auswirkt. Aber dazu wirst du dich schon noch äußern. Grüße Mutsel
KarstenB2'398 Beiträge · seit 201104. Nov. 2012 · #4
Hallo Jens-Uwe (erinnere ich Deinen Namen noch richtig?),
schöne Fotos und ein interessanter Bericht über eine scheint's ungewöhnliche Reise, ein großes Dankeschön dafür. Dein Bericht ist abonniert!
Und danke, dass Du gleich berichtest. Das geht schon gut los. Das Auto ist ja interessant. Vielleicht probieren wir mal diese Variante und werden doch noch Camper 😉 Bin schon gespannt auf Wüstenquell und natürlich Kanaan (und dann bestimmt wieder tollen Fotos vom Sternenhimmel).
gern warte ich auf die Fortsetzung und bin neugierig dabei. Hast Du auch noch ein paar Fotos von den Innereien des Alu-Canobys ? Gibt es für uns noch ein paar Tipps zur Umsetzung im eigenen Auto?
ich hab diesen aufsatz vor kurzem an der windhoek show gesehen und mir einen prospekt mitgenommen. hab ihn dir mal als pdf file angehängt 🙂 die haben an der show das auf- und abbauen gezeigt, wahnsinn... und was alles drin war.. super 🙂
grüsse aus dem endlich verregneten windhoek 🙂 susanne
JUKoehlerThemenstarter415 Beiträge · seit 201004. Nov. 2012 · #12
Danke für die vielen Kommentare!
#Bele, gut zu wissen, dass Du Bruchkanten lesen kannst... #Soni, kannst Dich wirklich schief freuen. Du wirst eine tolle Zeit haben und vergiss mir ja nicht meine Grüße an Ralf auszurichten! #Ina, Du bist mir mit Deinen Berichten ein echter Ansporn! #Wolfgang, Innerei-Fotos kommen später. #Reinhard, Du spielst in diesem Kapitel 2 eine Rolle.
Schon vor einigen Monaten habe ich über Farm Wüstenquell gelesen. Ich sah ein Foto von eigenartigen wabenartigen Felsformationen und stellte mir die Frage, warum heißt eine Farm im Namib Naukluft Park wohl „-Quell“? Und was hat es mit der alten Bahnstation "Jakkalswater" auf sich? Das sind diese Fragen, die ich manchmal erst nach einer beendeten Reise habe – gut so, denn damit habe ich ja wieder eine Überleitung zu nächsten Reise. Herrjeh, dieses Leiden wird wohl nicht kleiner....
Vor einigen Monaten schrieb ich also mit Oliver & Verena Rust von Farm Wüstenquell einige interessante E-Mails. Oliver berichtete stolz von den Besonderheiten seiner Farm, dem Leben der jungen Familie und auch davon, dass er gerade zwei neue Chalets in den Bergen baut. Es ergab sich so, dass mein schweizer Freund und Privatpilot Hanspeter Baumeler (von ihm sind sehr viele Luftfotos von Namibia auf Google Earth zu sehen) im Juli 2012 zwischen Omaruru und Walvis Bay unterwegs war. Ich bat Hanspeter, auf seinem Flug ein paar Runden über Tsaobis und Wüstenquell zu drehen und ein paar hochauflösende Fotos von der Region für mich zu machen. Das hat so toll geklappt, dass ich aus diesen Aufnahmen kleine Plakate machte, die nun auf Wüstenquell erwartet wurden. Für die beiden Kinder der Rust´s hatte ich einen Drachen mit an Bord.
Aber nun wieder der Reihe nach: Unser Plan war es, gegen Mittag den Rock Arch und einige umliegende Hügel zu besuchen. Ursprünglich wollte ich von Tsaobis nach Wüstenquell über den Swakop River fahren (daher auch die Luftaufnahmen der Region). Aber sowohl Ralf P. von Tsaobis, als auch Oliver von Wüstenquell sagten mir, dass das wegen einiger Stromschnellen mit Geröll nur schwer möglich sei. Daher fahren wir auf der C32 zurück und biegen nach Erreichen der C28 nach Westen ab. Entlang der rechter Hand liegenden Witwatersberge ist die Erde schwarz. Großflächige Brände haben auch hier noch vor 1-2 Wochen mächtig gewütet.
C28 nach Westen
Knapp 40 Kilometer später erreichen wir die Einfahrt zum Rock Arch. Die Landschaft ist nun schnell flacher geworden und wird durch die spärliche Vegetation der Halbwüste bestimmt. Wir kreuzen den Tinkas River und schauen in die Oase der Big Tinkas Campsites. Ein prächtiges und vielfältiges Grün umgibt uns und der Schatten eines ausladenden Kameldornbaumes gebietet uns eine Rast zu machen.
Auch hier finden wir in einigen offen liegenden Graniten interessante Quarzadern mit allerlei bunten Einschlüssen. Zu schade, dass ich das alles nicht richtig interpretieren kann…
Gestärkt und ausgeruht geht es noch einige Minuten weiter und da ist er plötzlich – der Rock Arch. Weiß nicht genau warum, aber ich bin von derartigen Gebilden total fasziniert. Irgendwie erkenne ich bei all der Masse eine Eleganz, die etwas mit Leichtigkeit zu tun hat. Ähnlich, wie bei Elefanten… Egal, ein toller Bogen. Für mich hat sich der Abstecher und ein Besuch der nächsten Hügel mit Campsites sehr gelohnt. Bei schöner Weitsicht genießen wir von hier aus unseren Kaffee.
Weiter geht unsere Fahrt in Richtung Wüstenquell. Dazu müssen wir noch ein paar Stunden an der Blutkoppe vorbei und über den Welwitschia Drive fahren. Burkhart ist an der Geschichte des Landes besonders interessiert. Klar, dass wir auf dem Wege auch die beiden Gräber der Schutzruppler Robert Kirchgatter und Ferdinand Zarp in den Tinkas Plains besuchen. Während Burkhart fotografiert und mit seinem Metalldetektor in der Umgebung sucht, schätze ich, dass die Sonne allenfalls noch 30 Grad über dem Westhorizont steht. Oh, das wird knapp. Und während ich da so kalkuliere, fährt der weiße Nissan aus Swakopmund vor. Drei reife Damen an Bord freuen sich, uns zu sehen. „Äh ja, freue mich auch“, sage ich und versteh nicht ganz. „da vorne, direkt an der Blutkoppe steht ein älteres Pärchen mit Motorproblemen“. Alle Mädels schauen so lieb und erzählen: „Die stehen schon seit 7 Stunden dort und bekommen den Motor nicht an. Schaut mal vorbei, vielleicht könnt ihr helfen“ winken, geben Gas und lassen uns in einer Staubwolke stehen. „Burkhart, pack ein, wir müssen heute unsere gute Tat vollbringen“ und weiter geht es.
Aus einiger Entfernung sehen wir einen dieser seltenen Land Rover mit Koffer – gut betagt. Als wir näher kommen haben wir nicht den Eindruck, als ob hier jemand Hilfe braucht. Ein Pärchen sitzt etwas Abseits, macht nicht auf sich aufmerksam. Erst als wir unmissverständlich auf den Land Rover zuhalten erhebt sich der Herr. Ich erkläre kurz, dass wir von den drei Damen aus Swakopmund gebeten wurden und lese am Auto einen Namen, den ich doch irgendwo her kenne: „RODRIGO“
Mein Nachdenken wird aber jäh von der Dame unterbrochen (Sorry, ich habe den Namen vergessen), die statt einer Begrüßung zu uns gerichtet sagt „Na, Sie sehen aber nicht so aus, als ob Sie uns helfen können“. Auf meine Frage, WIE wir denn aussehen würden, habe ich leider keine Antwort bekommen. Das ist blöd, weil mir diese Feststellung bis heute nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Rodrigo, wenn Du das hier liest, erlöse mich bitte von dieser Grübelei ! BITTE !!
Was die beiden natürlich nicht wussten ist, dass Burkhart KFZ-Schlosser ist und sich besonders gut mit alten Autos gut auskennt – warum hat sie das nur nicht gesehen ???
Ich räume ein, dass mich mein Schwager sehr beeindruckt hat. Ähnlich wie ich es mit meinen Patienten auch mache, hat Burkhart das Problem durch wenige gezielte Fragen sehr stark eingrenzen können. Und schon verschwand er irgendwo im Motorraum. Ich kroch hinterher und nahm die vielen Einzelteile in Empfang, reichte Werzeug und assistierte auf Kommando.
Schnell fanden wir die Einspritzdüse des Vergasers, die aus deren Fassung gefallen war. Eine völlig verrottete Dichtung konnten wir mit dem Leder der Federtasche der Dame improvisieren. Alleine dieser Ersatz sollte gut 20% Sprit einsparen und 20 km/h mehr auf der Pad ermöglichen.
JUKoehlerThemenstarter415 Beiträge · seit 201004. Nov. 2012 · #13
... hier geht es weiter (irgendwie ist die Menge der eingebundenen Bilder begrenzt?)
Burkhart bastelt aus einer Lederfedertasche eine doppelte Dichtung
Nach knapp 30 Minuten schnurrte der Motor wieder und Rodrigo – der sich bald als DER Rodrigo aus diesem Forum outete – strahlte. Erst jetzt fällt mir bei ihm eine frische, horizontal über seine hohe Stirn verlaufende Wunde auf. Einen Tag später weiß ich, woher er sie hatte, da ich sie in identischer Form mit meinem Kopf kopieren sollte.
Gerne hätten wir jetzt mit einem verdienten Bier angestoßen, was wir aber wegen Negativbescheid aus der Bordküche des Land Rovers nicht bekamen. Dafür erhielten wir je ein großes Marzipanei. Lach nicht! Das war total nett, hat unterwegs lecker geschmeckt und erinnerte uns immer wieder an den Satz „Sie sehen aber nicht so aus, als ob Sie uns helfen können“. Kannst Dir denken, dass dieser Satz ab sofort bei jeder Gelegenheit herhalten musste…
Noch 18 Grad über Horizont. Strecke Deinen rechten Arm aus, spreize Daumen und Kleinfinger weit ab und peile damit den Abstand zwischen Horizont und Sonne an. Der Kleine Finge berührt den Horizont und die Sonne hat schon den halben Daumen geschafft (an der Daumenspitze sind es 20 Grad – die Sonne „wandert in einer Stunde genau 15 Grad). Oh, das wird knapp mit Wüstenquell.
Dafür sehen wir aber die Welwitschia mirabilis in der tiefen Abendsonne – ein prächtiges Bild.
Die Zeit wird knapp... aber die Farben sind wundervoll!
Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir die Farm Wüstenquell. Wir melden uns nur kurz an, bekommen eine Waschschüssel geschenkt (fehlte in der Campingausrüstung) und fahren rasch zum vereinbarten Campground „Aussicht“. Von „piscator“ aus diesem Forum hatte ich vorab schon einen Farmplan bekommen, der jetzt bei völliger Dunkelheit sehr hilfreich ist. Nach nur einmal verfahren finden wir die Campsite "Aussicht" (Danke Dir „piscator“ – Deine Tipps waren goldwert!)
Unser Dachzelt war in wenigen Sekunden aufgebaut, der Kocher summte vor sich hin und versprach etwas Leckeres. Der Rotwein war bereits geöffnet als ich endlich Zeit und Muße hatte, mir das faszinierende Spektakel am Himmel anzuschauen. Ich kann mich kaum erinnern, dass ich je eine so klare Nacht sah. Hell spannte sich die Milchstraße in einem flachen Bogen von Süd kommend, ihr Zentrum über West liegend bis nach Nord. Genau 1 ½ Stunde nach Sonnenuntergang erstrahlt das Zodiakallicht im Westen – stützt quasi das Zentrum unserer Galaxie (auf dieser Aufnahme leider nicht mehr so gut zu erkennen - Fotos folgen aber noch). In besonders dunklen und klaren Nächten kann es etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang und eine Stunde vor Sonnenaufgang gesehen werden. Es entsteht durch Lichtreflektionen an Staub in der Erdumlaufbahn um die Sonne. Leider haben wir in Europa wegen der schaurigen Lichtverschmutzung kaum eine Chance, das zu sehen.
Mitten drin richtet Skorpion seinen Stachel drohend über uns, wird aber vom rötlichen Planeten Mars (in der griechischen Mythologie wird der Gott des Krieges auch Ares genannt) und Ant-Ares an einem Übergriff gehindert. Mars (Ares) und Antares stehen dieser Tage ganz eng beieinander - ein sehr seltenes Bild! Der Stern Antares ist der hellste und damit Hauptstern des Sternbildes Skorpion. Weil er dem Mars (Ares) so ähnelt, brachte es ihm auch den Namen Ant-Ares (Gegenspieler / Konkurrent des Ares) ein. Für alle Fälle wacht knapp über Horizont noch für einige Minuten der Schutzpatron der Händler, Wegelagerer und Diebe – der rastlose und nur in der Dämmerung sichtbare Planet Merkur. Nun, Händler bin ich nicht, ein Dieb bin ich m.W. nie gewesen, aber Wegelagerer… Jo, das gefällt mir! Magst Du noch ein paar Erklärungen zum Sternenhimmel sehen? Dann klick HIER - eine ähnliche Aufnahme wie die gerade beschriebene Szene, die ich zwei Tage später aufgenommen habe.
Das Seitenteil des Dachzeltes lässt sich weit öffnen und so blinkern meine Augen den Sternen gleich noch eine Weile in den Himmel, ehe sich auch bei mir das schwarze Band des Schlafes über meine Gedanken legt.
Morgen kannst Du etwas über Tafoni-Erosion, 4000 Liter Wasser je Stunde und einen alten Bahnhof in der Wüste lesen an dem keine Züge mehr abfahren.
piscator1'483 Beiträge · seit 200905. Nov. 2012 · #14
Moin Jens-Uwe, diese Aussicht bei Aussicht ist wirklich eine supertolle Aussicht. Und dann den Sternenhimmel noch dazu! Ich finde, dass der auf dem Foto noch beeindruckender ist, als in der Realität. Und die ist für einen Nordhalbkugler schon überwältigend.
Hallo Jens-Uwe, geniale Bilder - genialer Bericht. Morgens ist immer meine Lesestunde - was all die tollen Berichte - jeder auf seine Weise super geschrieben - hergeben. Wenn das so weitergeht, komme ich morgens gar nicht mehr weg vom Computer. Dein Bericht kommt nun gerade noch zur rechten Zeit, denn heute Nacht - ich konnte nicht schlafen - habe ich mich entschlossen, mich doch mal mit dem Mond und den Sternen bei unserer kommenden Reise zu befassen. Da macht Dein letztes Bild mit den Erklärungen doch richtig Spaß und Lust darauf:) Bin auf die Fortsetzung schon sehr gespannt. Gruß von Edith
franzicke2'085 Beiträge · seit 201205. Nov. 2012 · #16
... was kümmert mich jetzt noch das Wetter da draußen - und wieso sollte ich überhaupt noch was einkaufen gehen? Ich versuch jetzt einfach, mich an deinen Bildern satt zu sehen! Ganz groß!!! Grüße Franzicke
JUKoehlerThemenstarter415 Beiträge · seit 201005. Nov. 2012 · #18
Danke für Eure Kommentare!
#Edith, wenn ich recht sehe, wirst Du zur Neumondzeit Anfang-Mitte Dezember in Namibia sein. Schön, dass Du Dir die Sterne etwas genauer ansehen willst - kann Dir schon jetzt sagen, dass es sich lohnen wird. Am 15.12. wirst Du gegen 19:45 im Westen noch die schöne schmale Mondsichel erkennen. Das Erdlicht beleuchtet ein bisschen die Schattenseite des Mondes. Je nach Beschaffenheit der Erdatmosphäre am Horizont (Wasserdampf an dem Meer, Rauch, Staub...) sind so nah am Horizont schöne rötliche Farben auf dem Trabanten erkennbar. Rötlich ist an diesem Abend auch der Mars, kaum 10 Grad weiter südlich und beinahe mit gleichem Horizontabstand zu erkennen. Beide verlassen im Duett um 20:30 die Bühne.
Du wirst die Milchstraße vermissen.... Schaue an den südlichen Horizont und Du erkennst die Magellanwolken. Genau im Süden die Kleine, weiter im Osten die Große. Und da ganz unten am Horizont ist alles ein bisschen heller. Da lungert die Milchstraße und wartet auf ihren späten Einsatz. Diese Nacht ist ab jetzt ziemlich dunkel.
Im Osten geht der bekannte Orion auf - die alten Griechen nannten ihn "Jäger". Schau genau hin, er steht auf dem Kopf ! Gegen Mitternacht hat sich der schwächere (vom Galaxiezentrum fernere) Teil der Milchstraße endlich aufgebäumt und schlägt eine Brücke von Süd nach Nord.
Spannend wird es nun für den frühen Vogel. Gegen 4 Uhr erkennst Du im Osten drei Planeten wie auf einer Perlenkette: Saturn, Venus und Merkur (erinnerst Du Dich an meinen Bericht über Merkur? Acht Wochen zuvor habe ich ihn am Abendhimmel fotografiert - flinker Bursche). Möglicherweise siehst Du nun auch das Zodiakallich am Osthorizont.
Sollte ich noch andere spannende Dinge finden, schreibe ich Dir dazu nochmal! LG
Champagner8'706 Beiträge · seit 201005. Nov. 2012 · #19
Hallo Jens-Uwe,
weiterhin ist dein Bericht für mich ein sprachliches Highlight - und die Fotos sprechen für sich! Ich gestehe, dass ich, die ja selber (leider) recht verschwenderisch mit Smileys umgeht, jeden bewundert, der alleine durch die Sprache sich anschaulich auszudrücken vermag!
Danke für die Einführung in die Astronomie - das macht Lust auf mehr! Zur Geologie: Bruchkanten lesen, nein, dazu ist das alles zu lange her! Auch wenn ich ein Kind des südwestdeutschen Schichtstufenlandes und quasi im Schieferbruch aufgewachsen bin, habe ich das Thema nach dem Studium (leider) nicht ernsthaft weiterverfolgt.
Zu den Quarzeinschlüssen: es gibt dazu ein Buch, aber ob das was für Namibia taugt? Eher nicht vermutlich....
Hallo Jens-Uwe! Vielen, vielen Dank für die ausführliche Erläuterung und die Tipps. Natürlich hast Du Recht - wir sind bei Neumondzeit in Namibia u.z. ganz genau Bagatelle/Campsite und fahren danach für eine Woche in den KTP. Ich freue mich schon sehr auf den Sternenhimmel!!! Gib mir doch bitte noch einen Tipp, welche Bücher ich anschaffen sollte. Nochmals Danke und LG Edith