GesamtfazitNach in Summe 143 Tagen und über 2.200 geposteten Bildern ist es nochmal Zeit für ein Gesamtfazit.
AllgemeinZunächst einmal fällt einem im Rückblick auf, wie viel man bei vermeintlich großzügigem Zeitbudget dennoch auslassen muss oder nicht in der gewünschten Tiefe bereisen kann. Es wäre natürlich spannend zu erleben, wie eine solche Tour aussehen würde, wenn man sie tatsächlich “Open End” bestreiten würde. Das wäre allerdings allenfalls als Camper mit eigenem Fahrzeug oder nach einem Lotto-Gewinn/Erbe irgendwie finanziell darstellbar. Auch wenn man in Südafrika (noch) verhältnismäßig günstig reisen kann, ist es von den Kosten her bei vergleichbarem Standard in anderen Teilen der Welt nochmal deutlich günstiger, lange zu reisen. Zu unseren Kosten hatte ich bereits im Eingangspost zu Teil II und Teil I (Links s. unten) einiges geschrieben.
Eine vergleichbare Reise nach Südafrika wird es daher aller Voraussicht nach nicht mehr geben. Falls sich nochmal eine längere Auszeit ausgehen würde, würden wir diese (mit dann größeren Kindern) voraussichtlich anderswo (ggf. auch in Afrika) verbringen, die Auswahl reicht ja leider nicht für ein Menschenleben aus.
Kinder und SüdafrikaEingangs hatte ich ja bereits auch einiges zur Frage der Sinnhaftigkeit von Fernreisen mit Kindern geschrieben. Daher vielleicht noch ein paar Zeilen an andere (ggf. künftige) Eltern mit ähnlichen Wünschen, ohne mich zu viel zu wiederholen. Die Vorstellungen von “Urlaub” gehen bekanntlich sehr weit auseinander. Ich bin mir sicher, nicht wenig von dem, was wir gemacht haben, würden manche nicht als Urlaub oder Erholung ansehen. Aber manch einer kann sich ja schon nicht einmal einen Selbstversorger-Urlaub vorstellen (ob mit oder ohne Kind). Dennoch ist zu konstatieren, dass der Aufwand an Dingen, die man unterwegs berücksichtigen und erledigen muss, doch extrem steigt, sobald kleine Kinder im Spiel sind. Wie man hoffentlich gesehen hat, kann man so durchaus eine sehr schöne Zeit verbringen. Ob einem das dann jeweils den Aufwand wert ist und man ein ausreichendes Maß an Gelassenheit (oder Afrikavirus) mitbringt, muss jeder für sich entscheiden.
Man ist gerade im Vergleich zu vielen anderen Reisen, die hier in Berichten beschrieben werden, in mancherlei Hinsicht doch deutlich stärker eingeschränkt. Das muss man in seinen Erwartungen berücksichtigen. Vor allem solange Mittagsschlaf noch ein Thema ist, kollidiert dieser leider immer wieder mit möglichen Stops, Aktivitäten oder Ähnlichem. Auch was das (abendliche) Essengehen angeht, tut man sich bisweilen schwerer. Wieviel Zeit am Tag man nur sitzend im Auto verbringen will, ist mit Kindern vermutlich auch anders zu beantworten als ohne. Unseres Erachtens heißt Urlaub mit Kindern aber nicht zwingend, dass man von Morgens bis Abends am Strand, Pool oder Spielplatz sitzen muss. Man kann unseres Erachtens auch sehr gut versuchen, einen Kompromiss aus klassischen Rundreisen mit vielen Stationen und Kilometern und für Kinder interessanten Dingen zu finden.
Für die Frage, ob man Vergleichbares selbst unternehmen sollte, hilft es vor allem in psychischer Hinsicht enorm, wenn man bereits ohne Kinder Vorerfahrungen im südlichen Afrika (oder sonstigen Fernreisen) hat. Dadurch ist für die Eltern einiges bereits bekannt, was ansonsten ggf. noch mehr Stress/Überlegungen verursachen würde. Natürlich geht es auch ohne Vorerfahrungen - wir hätten die beiden Reisen jedoch ohne Vorerfahrungen vor Ort (und Infektion mit dem Afrika-Virus) wohl nicht gewagt (erst recht nicht zur Corona-Zeit). Aber auch hier ist die Risikoeinschätzung natürlich sehr individuell und das Internet ist voll von begeisterten Eltern mit Baby in Südafrika.
Wenn man sich mit den bestehenden Problemen Südafrikas (Sicherheit, Strom- und Wasserversorgung) arrangieren kann, ist Südafrika sicher DAS perfekte Land, um mit kleinen Kindern den Afrika-Virus zu behandeln (oder zu bekommen). Es ist auch das perfekte Land für Safari in jedweder Form für Familien (es sei denn der Geldbeutel ist unbegrenzt). Man kann auch mit kleinen Kindern tolle Wildlife-Erlebnisse und Sichtungen haben und genießen, ohne jeden professionellen Guide o.ä. Namibia ist da, wie im Fazit zu Teil III bereits geschrieben, etwas spezieller aufgrund der schlechteren/dünneren Infrastruktur und der begrenzten Verteilung von Orten mit Tiersichtungs-Möglichkeiten (jenseits von Farmen etc.). Daher wäre mein Rat: Südafrika für Kinder jeden Alters, Namibia vielleicht erst, wenn sie auch Freude an Wüste etc. haben und man sie mit Camping gut begeistern kann.
Man sollte dabei auch bitte keinerlei Angst vor Game Drives mit Kindern haben und diese nach Möglichkeit im eigenen Fahrzeug und Tempo machen. Natürlich kann man nicht mehr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang rumfahren, aber man kann die Strecke und Dauer frei einteilen nach den Bedürfnissen der Kinder. Hier bietet es sich auch sehr an, immer im Park zu übernachten. Auch wenn das Preisleistungsverhältnis bei Unterkünften außerhalb manchmal besser sein mag, fährt man i.d.R. nicht wegen der Unterkünfte, sondern wegen der Natur und Tierwelt nach Südafrika. Die lassen sich oft bereits im Camp erleben und man spart sich je nach Park und Unterkunft bei jedem Game Drive 30-60 Minuten An- und Abfahrt sondern ist gleich im Geschehen. Der Standard bei Sanparks (und auch ezemvolo) ist dabei stets mindestens Jugendherbergsniveau, oft aber auch deutlich besser und eine einzigartige Lage.
Ob die Kinder so viel davon “haben”, ist bei vielen Arten von Urlaub, die über Strand und Bauernhof-Urlaub hinausgehen, fraglich. K2 wird sich an nichts erinnern können, bei K1 ist es glücklicherweise etwas anders, auch wenn wir hier natürlich trotzdem versuchen, aktiv die Erinnerung aufrechtzuerhalten. Es ist daher natürlich keine Reise, um den Kindern “Afrika” zu zeigen, sondern eine Reise, die hoffentlich gemeinsame Familien-Erinnerungen (wenn auch nur über Bilder) schafft und als Familie zusammenschweißt. Ob man dafür extra nach Südafrika fliegen will, muss jeder für sich selbst beantworten.
HighlightsNachdem wir sehr viele Ecken des südlichen Afrikas auf unserer Runde besucht haben, stellt sich natürlich mit etwas zeitlichem Abstand ein wenig die Frage nach den “Overall-Highlights”. Hier ist die Auswahl natürlich schwer, ich kann nur sagen, dass es einige Ecken gibt, die unsere Erwartungen / Erfahrungen aus vorherigen Reisen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen haben und nachhaltige Begeisterung ausgelöst haben, mit der wir vorher nicht zwingend gerechnet hatten (neben unseren All-Time Favourites KNP u. KTP). Dies sind:
Tsitsikamma NP
Mountain Zebra NP
Drakensberge in jeglicher Form/Gegend
Namibrand NR
Swakopmund
Lüderitz
Cederberge
De Hoop
Kogelberg
Winelands
Kapstadt/Kaphalbinsel
Mehr allgemeine Infos finden sich in den jeweiligen Eingangsposts der einzelnen Teile des Berichts. Diese finden sich - auch für alle späteren Leser - hier:
Teil I 2022: 2 Monate von Kapstadt bis zum KNP über Garden Route, Addo, MZNP, Wild Coast, Oribi, Hluhluwe-Imfolozi, St. LuciaTeil II 2024: 1 Monat von Johannesburg nach Windhoek über Pilanesberg, Drakensberge, Mokala NP und KTP Teil III 2024: 3 Wochen mit Bushcamper durch Namibia Einen Gesamtüberblick über die gefahrene Strecke sieht man hier:

Ansonsten geht es für uns nun in wenigen Wochen wieder los. Wir konnten es leider nicht lassen und haben die Chance ergriffen, für einen Monat durch das östliche Südafrika zu fahren, diesmal im Winter und mit nochmals älteren (2+4) und anstrengenderen Kindern. Hier merkt man übrigens durchaus (neben den absurden Flugpreisen allgemein und v.a. in den Ferien) auch bei den Unterkünften in Südafrika eine deutliche Preissteigerung von 10-20% im Vergleich zu unseren Reisen 2022 und 2024, so dass es ziemlich sicher nichts mehr mit einem jährlichen Afrika-Urlaub wird..
Ich bedanke mich bei allen Lesern, die bis hierher durchgehalten haben und hoffe, dass manch einer vielleicht etwas davon mitnehmen oder profitieren konnte.