← Zurück zum Bericht

Reisebericht · namibia-forum.ch

Die Badgers bei Tag und Nacht im Kruger

von H.Badger · Selbstfahrer · 29 Teile

Über diesen Reisebericht

Wir sind zu viert unterwegs, zwei Wochen im Oktober 2023 im Kruger Nationalpark – unsere vierte reine Kruger-Reise als Selbstfahrer-Familie im gemieteten Kleinbus. Tagsüber zeigt der Park sein gewohntes Programm: Löwenrisse mit Geiern und Hyänen als Zaungäste, ein Rudel Wildhunde, eine Gepardin mit zwei Jungen, mehrere Leoparden – mal aus wenigen Metern, mal nur als Schatten im hohen Gras.

Ebenso viel Raum nimmt diesmal die Nacht ein. Kostenlos und zu Fuß, mit eigenen Taschenlampen am Zaun der Camps entlang, entdecken wir Buschbabys, Ginsterkatzen, Stachelschweine, Zwergohreulen und einen Honigdachs mitten im Camp – für uns die eigentlichen Höhepunkte, weil sie Tiere zeigen, die tagsüber verborgen bleiben. Dazu buchen wir mehrfach offizielle Sunset- und Night-Drives, je nach Camp im offenen Neunsitzer oder im großen Truck, mit Guide und Suchscheinwerfer für etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang. Vorausbuchen müssen wir sie trotz voller Camps in den südafrikanischen Ferien nicht. Der Ertrag schwankt dabei stark: Ein aufmerksamer Guide zeigt uns an einem Abend drei Chamäleons und eine Puffotter, ein anderer bringt uns mit einem vollen, unmotivierten Truck durch eigentlich gutes Nachtsichtungsgelände fast ohne Ausbeute zurück.

Zwischen kleinen Bushveld-Camps und großen Rastlagern liegt als einzige Abwechslung vom Autositzen ein früher, geführter Buschspaziergang.

Teil 118. Okt. 2023

Prolog

Nach zwei Wochen im Kruger Nationalpark sind wir seit drei Tagen wieder in heimischen Gefilden. Und wie war es doch wieder schön! Ich könnte direkt zurück in den Busch. So sehr hat Hemingway diesbezüglich doch recht: „Ich wollte nur zurück nach Afrika. Wir hatten es noch nicht verlassen, aber wenn ich in der Nacht aufwachte, lag ich da und lauschte und hatte bereits Heimweh danach.“

6B9A4575.jpg


Bereits ein knappes Jahr im Voraus hatten wir diese nun schon traditionelle Familientour gebucht – es sollte unsere vierte „Ausschließlich-Kruger-Reise“ im Oktober werden. Nach schnell vorgenommenen Buchungen und konstant schwelender Vorfreude kam es dann aber leider nach einiger Zeit zu Turbulenzen… 😈

Unsere Flüge hatten wir dieses Mal mit Discover gebucht – zu einem wirklich guten Preis auf der neu eingeführten Strecke FRA-WDH-KMIA. Ohne umsteigen zu müssen, in den Kruger zu kommen, erschien uns allzu attraktiv. Nur leider war diese Strecke (große Überraschung!!! 😗 ) wohl nicht rentabel genug und so wurde sie alsbald wieder eingestellt und die Airline stornierte einseitig (und mit Verzicht auf jede Zeile des Bedauerns…) unsere Flüge – ohne eine Umbuchung anzubieten. Nach ernsthaftem und sicher ungesundem Anstieg des heimischen Stresslevels (eine Neubuchung von Flügen mit LH würde für uns vier nun weit über 7000 Euro kosten… 🤢 ) und das europäische Fluggastrecht im Rücken wurden dann einige Telefonate mit dem Mutterkonzern Lufthansa geführt. Wenn man zu nachtschlafender Zeit dort anruft, bekommt man glücklicherweise recht schnell jemanden an die Strippe. Und diese Jemande sind im Erstkontakt erstaunlich gut auf das Abwimmeln unliebsamer Kunden trainiert, die die nächtliche Callcenter-Ruhe mit ihren unverschämten Bedürfnisäußerungen stören. Einheitlicher Tenor: Man könne da nichts für uns tun. Sorry. Ciao.
Was hat es da doch für einen erstaunlichen Effekt, wenn man Paragrafen zitieren kann, die man sich in Vorbereitung auf die Konfrontation mit dem Kunden“service“ laienhaft angeeignet hat. LH bucht uns nach einiger Starrsinnigkeit meinerseits kurzerhand (zum alten günstigen Discover-Preis) auf den von ihnen durchgeführten Flug gen Johannesburg mit Airlink-Weiterflug gen Nelspruit um. Warum nicht gleich so? Zu unserer Freude können wir nun bereits am ersten Feriensamstag starten und gewinnen so zwei Nächte zu unserer Ursprungsplanung hinzu.

Und dann kommt es einige Zeit später zu den Unruhen in Niger – der Luftraum ist gesperrt. LH teilt uns mit, dass durch den nun längeren Flug unser Anschluss in Johannesburg nicht zu erreichen sein wird. Und wie handelt die Airline? Sie möchte die gesamte Reise stornieren und bietet in der Email, die uns erreicht, auch keine Alternative an! 😣 Und so wird wieder telefoniert, nachdem ich recherchiert hatte, dass es noch freie Airlink-Plätze zu einem späteren Zeitpunkt des gleichen Tages gibt. Und so werden wir nach einem Austausch mit einer (zum Glück freundlich-kompetenten) LH-Callcenter-Dame auf einen Weiterflug um 15.20 Uhr gebucht. Nichts da Komplettstornierung!

Die Aktion zieht aber einen Schwanz weiterer Konsequenzen nach sich. Eigentlich wollten wir die erste Nacht in Berg-en-Dal im Kruger verbringen. Dies erscheint uns bei einer Ankunftszeit am Flughafen nach 16 Uhr nicht realistisch. Und so stornieren wir unsere Nacht dort und suchen uns zuerst ein Guesthouse am Malelane Gate. Als wir jedoch mit den Besitzern über unsere Ankunftszeit zu Sonnenuntergang kommunizieren, werden Sicherheitsbedenken laut und wir stornieren auch dort wieder. Schließlich landen wir bei der White House Lodge, die nur zehn Autominuten vom Flughafen KMIA entfernt ist. Eine rückblickend gute Wahl, die den Anfang der Reise sehr angenehm entspannen wird.

Als dann der Flugraum über Niger wieder geöffnet wird und sich damit die Flugzeiten in ihre ursprüngliche Form zurückverwandeln, ruft das nur noch ein gequältes Lächeln unserseits hervor. Wir bleiben in der White House Lodge und bei unserem geänderten Airlink-Flug. Wegen der parallel zu unserer Reise liegenden südafrikanischen Frühlingsferien ist unser Häuschen in Berg-en-Dal sowieso schnell anderweitig gebucht worden. Und erreichbare Alternativen im Park gibt es nicht.

Nach diesem ganzen Hin und Her muss die Reise ja schließlich gut werden. Oder? 😛

Das durchaus zweifelhafte Vergnügen, dass gefühlt halb Südafrika mit uns gemeinsam im Kruger unterwegs ist, hatten wir in der Vergangenheit noch nie. Überall waren Kinder, die Camps bis zum Rand ausgebucht. Das zeigte sich auch auf den Hauptpisten des Parks, die wir zu „Stoßzeiten“ eher gemieden haben – dadurch hatten wir trotz der Parallel-Ferien am Ende auch nur einen echten Kruger-Stau zu bewältigen und oftmals in Krugermaßen echtes Bushfeeling.

Aber genug der Vorrede: Ich lade euch ein, ein weiteres Mal mitzukommen auf eine Reise in den Kruger. Anders als in meinen Berichten der letzten Jahre werde ich dieses Mal nicht jeden Gamedrive einzeln in chronologischer Weise nacherzählen. Vielmehr wird es jeweils Kapitel zu den Regionen rund um die Camps geben, in denen wir unsere Zeit verbracht haben. Dabei geht es natürlich auch um Gamedrives. Denn damit verbringt man ja große Teile seiner Tage. Dieses Mal aber haben wir in sehr intensiver Weise auch abends im Schein unserer Taschenlampen die Camps erkundet – was schließlich zu einigen der schönsten Sichtungen der Reise geführt hat.

Die folgenden Orte erwarten euch:

1) White House Lodge nahe White River (1 Nacht)
2) Berg-en-Dal (1 Nacht)
3) Crocodile Bridge (2 Nächte)
4) Skukuza (1 Nacht)
5) Lower Sabie (3 Nächte)
6) Satara (3 Nächte)
7) Biyamiti (1 Nacht)
8) Berg-en-Dal (1 Nacht)

Ich freue mich auf eure Begleitung!

Ganz herzlich
Sascha

Teil 223. Okt. 2023

1. Kapitel: Endlich zurück

Nach dem turbulent-ärgerlichen Vorlauf verläuft der tatsächliche Flug zum Glück planmäßig. Pünktlich um 22.05 Uhr hebt die Lufthansa-Maschine in Frankfurt ab und macht sich auf den Weg nach Johannesburg. Wir sitzen wie immer in einer Viererreihe in der Mitte – wir sind ja allesamt nicht die Größten und damit ist auch die Economy für uns gut zu ertragen. Das vielfältige Entertainmentprogramm ist wie immer ein großer Quell der Freude für den Nachwuchs. Ich bekomme – auch das ist wie immer – wenig davon mit, denn es schläft sich an Bord erstaunlich gut. Bis dann irgendwann in der Nacht heftige Turbulenzen auftreten und ich unserer Großen die angstfeuchte Hand halten muss. 😵

Gut durchgeschüttelt landen wir schließlich um 8.30 Uhr pünktlich in Johannesburg. Die Einreise verläuft erstaunlich schnell, genauso flott sind wir wieder im Besitz unseres Gepäcks. Und haben nun reichlich Zeit, denn unser umgebuchter Airlink-Flug wird erst um 15.40 Uhr abheben.

Wir kommen also in aller Ruhe an und prüfen, ob wir den Flug noch vor Ort auf die ursprünglich geplante Zeit umbuchen können. Klappt leider nicht – auch wenn noch Plätze frei wären… 😏

Also richten wir uns darauf ein, etwas Zeit am O.R.Tambo-Airport zu verbringen. Wir decken uns mit Bargeld ein und kommen alsbald auf die Idee, ein Tageszimmer in der City Lodge zu buchen. Gedacht – getan. Nachdem wir unsere Koffer am Airlink-Schalter aufgegeben haben, machen wir uns also mit kleinem Gepäck auf in Richtung Hotel und mieten uns dort für einige Stunden ein. Eine wirklich gute Sache: Wir können ein Nickerchen machen, warm duschen, ein wenig am Pool abhängen und bei strahlendem Sonnenschein Kaltgetränke und Sandwiches genießen. So beginnt die Reise angenehm entspannt.

6B9A1424.jpg


Und so geht es Stunden später erholt und guter Dinge in Richtung Check-In. Der Flug gen Kruger verläuft Airlink-typisch entspannt und dauert dabei keine Stunde. Sind wir in Johannesburg bei sommerlicher Hitze gestartet, landen wir am Mpumalanga Kruger International Airport in tristestem Grau in Grau. Hier ist es gut 15 Grad kälter als in Joburg. Willkommen zurück. 😛

Während ich mit den Kindern auf die Koffer warte, kümmert sich meine Frau bereits um die Mietwagenübernahme. Wie oft haben wir hier schon ewig auf die Abwicklung warten müssen… Und heute haben wir ja ein wenig die Zeit im Nacken. Zum Glück ist nichts los und im Nullkommanichts sind wir stolze Mieter eines noch ziemlich neuen Hyundai Staria. Der Kleinbus begeistert uns auf den ersten Blick. Er bietet eine Menge Platz für Kind und Kegel und hat dabei rundherum enorm große Fenster – ideal zum Beobachten und Fotografieren.
Bald rollen wir vom Gelände und navigieren uns mit maps.me zur White House Lodge, die nur etwa zehn Minuten Fahrzeit vom Flughafen entfernt ist.

104A8946.jpg


Wir erreichen die Lodge ohne Probleme und werden von Susann, der Besitzerin, sehr freundlich in Empfang genommen. Wir beziehen ein großes Viererzimmer und erkunden den schönen Garten, in dem sich das Haupthaus und ein paar kleinere Chalets befinden. Die Handvoll Zimmer und das gepflegte Anwesen lassen die Lodge zu einem Quell der Ruhe werden. Die Kinder freuen sich über die ansässigen Hunde und probieren trotz der kühlen Witterung der Pool aus. Nicht hineinzuspringen wäre einfach keine Alternative. Vogelfotografie fällt wegen des kaum existenten Lichts heute weitgehend aus – auch wenn hier einiges an Federvieh unterwegs ist. Und auch weitere Fotos entstehen wegen des Wetters heute kaum.

6B9A1432.jpg


Das Abendessen wird von Susann bereitet und in einem schönen kleinen Speisezimmer mit Gartenblick serviert – ein sehr schmackhaftes Dinner, in dessen Rahmen wir auch ihren Mann Detlev kennenlernen. Dass hier Deutsch gesprochen wird, macht es auch den Kindern leicht anzukommen.

Nach einer ruhigen Nacht wachen wir ausgeruht auf und genießen ein gutes Frühstück. Unser Gepäck bleibt noch etwas in der Lodge, während wir gen White River fahren, um dort im noch ziemlich neuen Checkers einzukaufen. Die gesamte Mall ist wunderbar sortiert und ermöglicht ein entspanntes und sicheres Einkaufen. Eine absolute Weiterempfehlung!

Zurück in der White House Lodge verladen wir das Gepäck und verabschieden uns von Susann. Sie gibt uns noch einen heißen Tipp für unseren Aufenthalt in Crocodile Bridge – dazu später mehr… 😉

Auf uns wohlbekannten Pfaden geht es nun in Richtung Malelane Gate. Wir kommen gut voran, einzig die omnipräsenten Kohlelaster sind mit ihrer selbstmörderischen Fahrweise eine Herausforderung. Hier ist stete Aufmerksamkeit gefragt. 😵

Wir atmen durch, als wir das Gate erreichen. Der Anmeldeprozess geht schnell über die Bühne und schon sind wir im Kruger – ein Endorphinschub. 😁

Da es noch immer ziemlich bewölkt ist, verharrt die Temperatur bei rund 20 Grad. Das spielt uns heute in die Karten, denn bei wolkenlosem Himmel würde das Thermometer bereits auf mindestens 35 Grad geklettert sein. Mensch und Tier wären dann vor allem im Schatten dösend anzutreffen. Heute aber herrscht noch mehr Aktivität, denn zum Chillen lädt das Wetter beim besten Willen nicht wirklich ein…

Unsere erste Nacht werden wir nicht weit vom Gate entfernt in Berg-en-Dal verbringen. Und so bleiben wir auf der geteerten Straße und steuern erstmal direkt das Camp an. Doch wir werden nicht so schnell dort ankommen, denn wenige Kilometer vor den Toren des Rastlagers können wir einige Autos am Straßenrand ausmachen. Was uns wohl hier als erste Sichtung (abgesehen von den omnipräsenten Impalas) erwarten wird?

Als wir sehen, was der Grund des kleinen Autoauflaufs ist, sind wir begeistert. Direkt neben der Straße hat ein siebenköpfiges Löwenrudel einen Büffel gerissen und ist nun damit beschäftigt, sich die zum Zeitpunkt unseres Eintreffens bereits prallen Bäuche weiter zu füllen.

104A8999.jpg


104A9022.jpg


Wir suchen uns einen guten Platz und beobachten begeistert. Was für ein schöner Safari-Beginn! Nur wenige Meter trennen uns von den schlemmenden Katzen. Ihre Kaugeräusche beeindrucken uns sehr.

6B9A1450.jpg


6B9A1463.jpg


6B9A1454.jpg


6B9A1521.jpg


104A8995.jpg


104A9019.jpg


6B9A1519.jpg


6B9A1489.jpg


6B9A1539.jpg


Als wir uns sattgesehen haben und auch die Löwen mehr oder weniger satt zu sein scheinen, fahren wir weiter in Richtung Berg-en-Dal.
Weit kommen wir aber auch jetzt nicht. Neben der Straße wälzen sich in einem Schlammloch vier halbwüchsige Elefanten. Sie rangeln miteinander, klettern übereinander und haben augenscheinlich eine gute Zeit. Die haben wir bei ihrer Beobachtung auch: So eine nette Elefantenbegegnung hatten wir lange nicht mehr.

104A9036.jpg


104A9045.jpg


Zufrieden mit diesem ersten Kurz-Gamedrive erreichen wir bald darauf Berg-en-Dal. Wie es uns dort ergangen ist, berichte ich im nächsten Kapitel.

Teil 330. Okt. 2023

Fortsetzung

Nach diesen wirklich schönen Begegnungen mit Büffelriss-Löwenrudel und Matsch-Elefanten treffen wir bald im Rastlager Berg-en-Dal ein. Normalerweise enden hier wegen der Flughafennähe unsere Kruger-Touren und wir beginnen in Crocodile Bridge. Wegen der Airline-Kapriolen im Vorfeld der Reise ist dieses recht große Restcamp, zu dem wir eine ambivalente Beziehung pflegen, aber unsere erste Station.
Wir mögen an dem Camp den dichten und schönen Baumbestand und die Möglichkeiten, für lange Strecken an den Umzäunungen entlangzuwandern – hier haben wir in den vergangenen Jahren schon Hyänen, Civets und Genets entdecken können. Und auch im ansässigen Restaurant kann man gut essen und vor allem auf der Terrasse sehr nett mit (mehr oder weniger) Blick auf den Damm sitzen.
Wir mögen an dem Camp nicht die verwinkelt-düstere Bauart der großen Familienchalets und immer wieder auch nicht deren Zustand. So auch bei diesem Aufenthalt. Unser großes Haus mit sechs Betten liegt zwar sehr schön direkt am Perimeter Fence. Es ist jedoch Berg-en-Dal-typisch wahnsinnig düster – Backsteinoptik innen wie außen, kleine Fenster in den meisten Räumen. Dazu kommt noch, dass das uns zugeteilte Chalet in einem ziemlich miesen Zustand ist. Irgendwann gab es wohl mal einen größeren Wasserschaden, der nur höchst lieblos behoben worden ist. Daher finden wir im Bad eine aufgebrochene Wand und an den Decken der Bäder herabblätternde Farbe vor. Hier würde man sich ein wenig mehr Mühe bei der Instandhaltung wünschen. Die Betten jedoch sind wie immer sehr sauber.
Vor allem die ruhige Lage der Hütte entschädigt uns für den bestenfalls mittelprächtigen ersten Eindruck. Am Ende einer Sackgasse gelegen, kommt hier kaum jemand vorbei. Jedenfalls kein Mensch. Denn (welch Freude!) von unserer Terrasse aus lassen sich direkt nach unserer Ankunft zwei Glanzhaubenturakos beobachten. Berg-en-Dal ist erfahrungsgemäß ein guter Ort zur Beobachtung dieser so scheuen wie schönen Vögel.

6B9A1561.jpg


Und so können wir einen unserer Birding-Wünsche direkt abhaken. 🙂 Ob uns das auch mit unserem zweiten Wunschkandidaten im Camp gelingen wird? In Berg-en-Dal hoffen wir nämlich stets auf eine Begegnung mit Kapkäuzen.

Auf weiteren Streifzügen durch das Camp lassen sich Buschböcke in großer Zahl beobachten. Wir haben den Eindruck, dass in allen Restcamps deren Population in den letzten Jahren stark zugenommen hat.

6B9A1550.jpg


Und auch erste Grünmeerkatzen stellen sich ein. Von der Pavianplage, die das Camp vor Jahren heimgesucht hat, fehlt aber auch dieses Mal zum Glück jede Spur.

6B9A1548.jpg


Ein Glanzstar bietet sich als Fotomotiv an.

6B9A1557-2.jpg


Und eine Gruppe Zwergmangusten wuselt durch die Laubdecke vor unseren Füßen – will dabei aber so gar nicht für ein gutes Foto stillhalten.

6B9A1566.jpg


Nachdem der Pool von unseren Töchter fachmännisch erkundet wurde, fahren wir zu einer kleinen Nachmittagsrunde aus dem Camp heraus. Diese wird aber leider recht ruhig und ohne vorzeigbare Fotoausbeute verlaufen. Trotzdem können wir in weiter Entfernung und/oder sehr verbuscht zweimal jeweils drei BN entdecken. Das freut uns vor dem Hintergrund der anhaltenden Wilderei sehr. (Wobei uns ein Ranger berichtete, dass, seit im südlichen Kruger Schalldetektoren und Kameraüberwachung installiert wurde, die Wilderei stark zurückgegangen sei. Ein Hoffnungsschimmer?) Und auch die Löwen sind natürlich noch vor Ort: Jedoch liegen sie löwenlike faul im hohen Gras herum. Das hatten wir vor einigen Stunden schon schöner. 😉

Nach Sonnenuntergang geht es nochmal kurz in den Pool – diese Tagesordnungspunkte sind für unsere Töchter total wichtig – und ein zentraler Punkt im Bereich der Motivation für weitere NP-Aufenthalte im südlichen Afrika. 😛

Und bald ist es dann auch schon stockfinster. Mit unseren Taschenlampen bewaffnet wandern wir am Zaun entlang zum Camprestaurant. Ein Buschbaby huscht im Geäst vorbei – mal wieder keine Chance auf ein Foto.
Dafür ruft aber bald der Kapkauz. Wir folgen seinem regelmäßigen „Hu“, das uns sicher zum Verursacher führt. Dieser sitzt auch noch erfreulich frei in einem noch kahlen Baum und lässt sich bei seinem lautstarken Auftritt nicht stören. Lange bleiben wir stehen, beobachten und lauschen dem kleinen Kerl. Zweiter Birding-Wunsch: Erfüllt!

6B9A1606-2.jpg


6B9A1611-2.jpg


Wir folgen dem Weg am Perimeter Fence weiter – bis er sich plötzlich im Geröll verliert. Das Hochwasser zu Jahresbeginn hat hier deutlich seine Spuren hinterlassen. Also schlagen wir uns ein wenig durch die Böschung zurück zu den Hütten und finden dort einen gangbaren Weg zum Restaurant.

Wir werden freundlich begrüßt, bekommen gutes Essen serviert und die Kinder freuen sich über eine Sportinterviewübertragung im TV, bei der sie sich den Spaß machen, die ausgeschaltete Audiospur durch Simultandolmetschen zu ersetzen. Immer wieder machen wir im Verlauf des Abends eine Stippvisite am nahegelegenen Damm. Dabei huschen ein paar Buschbabies an uns vorbei. Immer wieder schön.

Zurück zur Hütte folgen wir gepflasterten Wegen. Und dann: Ab in die Betten und gute Nacht! Denn am morgigen Tag geht’s früh schon weiter gen Crocodile Bridge. Ob sich wohl die Sonne zeigen wird? Und ob die Löwen noch an ihrem Riss liegen werden? Und was wird der Busch darüber hinaus zu bieten haben? Wir sind gespannt.

Teil 403. Nov. 2023

2. Kapitel: Das Beste kommt (heute) zum Schluss

Um kurz vor fünf wird es so langsam hell und siehe da: Die Wolken haben sich verzogen, es wird ein sonniger und damit auch heißer Tag.
Im Oktober öffnen die Camptore um 5.30 Uhr. Als wir uns in dieser Herrgottsfrühe zum Morgendrive aufmachen, stehen bereits ein paar Autos in der Schlange vor dem noch geschlossenen Tor. Pünktlich wird es geöffnet und wir fahren als Wagen Nummer vier in den Park hinaus. Das Ziel aller Frühaufsteher ist natürlich das Löwenrudel, das sich gestern nur wenige Kilometer von Berg-en-Dal aufgehalten hat. Und tatsächlich: Es ist noch an Ort und Stelle. 🙂 Den Sonnenaufgang verbringen wir also mit der Großkatzenansammlung – es könnte schlechtere Auftakte für einen Safaritag geben. Den Riss haben die Löwen leider in eine verbuschtere Ecke gezogen, auf die wir von unserer Position aus nur mit Gestrüpp im Blick sehen können. Immer wieder kommt zu dieser frühen Stunde aber Bewegung in das Rudel. Es werden Überbleibsel des Büffels herumgetragen, um in Ruhe daran nagen zu können. Es wird die Morgentoilette betrieben – immer in respektvollem Abstand zum Rudelrest. Da ist der Löwe gut erzogen.

104A9088.jpg


6B9A1619-2.jpg


104A9095.jpg


Die Sonne lässt die Tiere in einem immer schöneren Licht erscheinen.

104A9098.jpg


6B9A1626.jpg


Und hier mein Lieblingsbild des noch jungen Tages:

6B9A1624.jpg


Als sich nach und nach mehr Autos einfinden (das dauert trotz der Campnähe tatsächlich erstaunlich lange), fahren wir weiter.

Einige der nahen Dirtroads sind auf Basis unserer Erfahrungen aus den letzten Jahren gute Orte, um BN zu entdecken. Zuerst freuen wir uns aber über einen Trumpeter Hornbill, der sich jedoch schnell abfliegend einem Foto entzieht. Das ist etwas schade, ist es doch ganze zehn Jahre her, seit wir diesen Vogel zuletzt beobachten konnten.
Nach diesem Intermezzo wird der Loop dann glücklicherweise auch in diesem Jahr seinem Ruf gerecht. Zuerst können wir zwei BN entdecken, die auf der Gegenlichtseite dösen und grasen.

6B9A1629.jpg


Einige hundert Meter weiter stehen zwei weitere BN direkt an der Pad und zum Glück dieses Mal auf der „richtigen“ Seite im schönen Licht der Morgensonne. Wir verbringen eine lange Zeit mit diesen gutmütigen Kolossen, um deren Zukunft es so ungewiss bestellt ist. Das macht immer wieder traurig – aber gleichsam dankbar dafür, dass wir sie heute noch im Schutzgebiet beobachten dürfen. Schön an den vielen kleinen Byways des Kruger ist es, dass sie im Vergleich zu den Hauptpisten nur ganz sporadisch befahren werden und so müssen wir heute früh die BN-Sichtungen trotz südafrikanischer Frühlingsferien kaum mit anderen Fahrzeugen teilen.

6B9A1645.jpg


6B9A1652.jpg


Nachdem wir den Dickhäutern alles Gute gewünscht haben, fahren wir gen Süden zum Crocodile River. Zuerst geht es durch dichten Busch, dann über schön offene Ebenen, auf denen bereits frisches Gras grünt.

6B9A1663.jpg


Der erste große Regen ist in diesem Jahr bereits Ende September gefallen und so erleben wir den Kruger so grün wie noch niemals zuvor. Das gefällt uns ausgesprochen gut und ist ein wohltuender Kontrast zu den Dürrejahren (im Extrem 2016), in denen wir den Park auch schon zur gleichen Jahreszeit besucht haben und in denen der Park sich vor allem in grau-braunen Tönen präsentiert hat.

Wir kehren zurück nach Berg-en-Dal. Vorher wird selbstverständlich ein kleiner Stopp bei den nun bereits faul in der schnell aufkommenden Tageshitze dösenden Löwen eingelegt. Die meisten Rudelmitglieder präsentieren bereits die Seitenlage, die dem safarierprobten Auge signalisiert, dass hier in nächster Zeit nicht unbedingt mit Action zu rechnen ist. Da freut man sich schon über einen intensiven Blick in unsere Richtung.

6B9A1668.jpg


Da der Büffel so langsam bis auf seine Knochen abgenagt ist, machen sich die bereits seit einiger Zeit wartenden Geier vielleicht bereits Hoffnung auf eine baldige Riss-Übernahme. Aber wie gesagt: Wenn ein Löwe erstmal auf der Seite liegt, dann liegt er auf der Seite. Da bleibt den Kappengeiern nichts Anderes übrig, als sich weiter in Geduld zu üben.

6B9A1674.jpg


Wir sagen Löwen und Geiern Adieu und kehren zurück ins Camp. Es ist Zeit für ein Frühstück und dann wird dem Pool ein Besuch abgestattet. Heute ist es schließlich heiß und die Kinder benötigen unbedingt Abkühlung und Bewegung.

Nach dieser Pause räumen wir unsere Gammel-Hütte und empfinden dabei wenig Abschiedsschmerz. Hoffentlich haben wir am Ende der Reise mehr Glück mit der uns zugewiesenen Unterkunft in Berg-en-Dal…

Kurz vor zehn sind wir „on the road“ – die Crocodile River Road liegt vor uns. Und die hat es seit den Überschwemmungen des Jahresbeginns leider in sich… 😵

Teil 506. Nov. 2023

Fortsetzung 2. Kapitel

Eigentlich mögen wir die Crocodile River Road ja ganz gerne. Aber dieses Mal ist der Wurm drin. Und das hat zwei Gründe. Erstens: Es ist bereits fortgeschrittener Vormittag, als wir die Dirtroad am Flussufer befahren. Die Sonne brennt vom Himmel – und das wirkt sich deutlich auf die Sichtungsdichte aus. Diese tendiert nämlich gegen null. Zweitens: Noch ärgerlicher ist aber der Zustand der Straße. Die Überflutungen zu Jahresbeginn haben hier deutliche Spuren hinterlassen. Die Fahrbahn ist eine Melange aus üblem Wellblech gespickt mit enormen Schlaglöchern und größeren Auswaschungen. Der Fahrer kann hier nicht konzentriert in den Busch schauen. Tut er es doch, so folgt Reue auf dem Fuße. Nicht nur einmal gestaltet sich die Fahrt dadurch äußerst „bumpy“. Das schlägt sich auf die Laune aller Insassen nieder – irgendwann ist die ganze Familie äußerst dünnhäutig und genervt. Die Strecke zieht sich ewig in die Länge – das einzige Tier, das es auf ein Foto schafft – ich weiß nicht mehr, ob es tatsächlich das einzige war, das wir entdecken konnten – ist (Trommelwirbel 🤪 ) diese Giraffe, die ähnlich bedröppelt wie wir dreinblickt.

6B9A1682.jpg


Als sich die Straße ihrem Ende nähert, kommen uns zwei Sekretäre entgegen. Das wiederum ist eine Sichtung, über die wir uns freuen. Es ist eine ganze Zeit her, dass wir diese Vögel so schön beobachten konnten.

6B9A1705.jpg


Während wir am Straßenrand stehen, kommt ein Südafrikaner vorbei, hält an und fragt uns, ob wir Warthogs sehen wollten? „Warthogs?“, frage ich etwas ungläubig. Er feixt: „No! Wilddogs!“. Yippee - das löst natürlich Freude aus und wir lassen uns gespannt den Weg zu der Sichtung weisen: Nördlich von uns auf der S 108 lägen die Hunde, derzeit würden sie schlafen. Wir hoffen, dass dieser Zustand noch etwas andauert und verabschieden uns von dem freundlichen Südafrikaner und dem Plan, direkt ins Camp zu fahren.

Wir beeilen uns, die Wildhunde zu erreichen. Und auch jetzt gilt noch: Die Strecke zieht sich. Aber wir haben tatsächlich Glück. Als wir um eine Biegung der engen S 108 fahren, sehen wir zwei Autos am Wegesrand stehen. Wenig später sehen wir auch die Wildhunde. 🤩 Sieben an der Zahl ruhen unweit des Weges unter einem Baum. Ich bin im Safarihimmel: Eine schöne Wildhundsichtung hatte ich mir so sehr gewünscht. Und jetzt hat es bereits am ersten vollen Tag im Kruger geklappt. Ohne den Tipp des Südafrikaners wären wir hier niemals vorbeigekommen.

6B9A1750-2.jpg


6B9A1815.jpg


Wir suchen uns einen guten Platz, schalten den Motor aus und beginnen damit, die Hunde anzustarren, bis tatsächlich irgendwann Bewegung in den trägen Haufen kommt. Das ist u.a. das Schöne an Wildhunden: Wenn sie herumliegen, tun sie das in der Regel nicht so ausdauernd bewegungsarm wie Löwen.

6B9A1765.jpg


6B9A1769.jpg


6B9A1773.jpg


6B9A1777-2.jpg


Unsere Kameras klacken emsig vor sich hin. Die Kinder verlieren über kurz oder lang das Interesse an der Sichtung, sie spielen und lesen. Aber ich kann gar nicht genug von den Hunden bekommen und bin total dankbar, dass die ganze Familie bestimmt eine Stunde in der brütenden Hitze gemeinsam mit mir bei den Wilddogs aushält. Dabei teilen wir die Sichtung nur mit ganz wenigen anderen Autos – zwischen den Hauptrouten und den Byways des Kruger liegen Welten.

6B9A1832.jpg


Irgendwann wird es doch zu heiß und wir verabschieden uns von den Wilddogs. Jetzt geht es schnurstracks nach Crocodile Bridge. Wir haben schließlich schon viel länger als beabsichtigt im Auto gesessen.

Den Rest des Tages verbringen wir – nur unterbrochen von einer kurzen und leider recht ereignislosen Spätnachmittagsausfahrt, auf der es nur Giraffen auf ein Foto schaffen – in dem kleinen Camp, das wir sehr mögen. Hier ist alles so schön unaufgeregt und übersichtlich.

6B9A1838.jpg


Und nun sei kurz an den Titel dieses Kapitels erinnert: Das Beste kommt (heute) zu Schluss. 😎

Teil 609. Nov. 2023

Fortsetzung

Crocodile Bridge ist ein kleines Camp, das nicht unbedingt zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt. Die Hütten und Safarizelte bilden einen Kreis zwischen Umzäunung und einer baumbestandenen Wiese. Etwas abseits davon liegen Campground, Tankstelle und der kleine Shop. That’s it.
Wegen der geringen Größe des Camps ist man hier - auch wenn das Camp so wie heute ausgebucht ist – ziemlich unter sich. Wie immer streifen auch hier Buschböcke und Grünmeerkatzen herum und auch der ein oder andere Vogel lässt sich blicken. Hier stellvertretend ein Bearded Srub-Robin (Streifenkopf-Heckensänger).

6B9A1843.jpg


Kurz vor Sonnenuntergang steuern wir zielsicher einen Punkt des Camps an, den uns Susann beim Abschied von der White House Lodge ans Herz gelegt hat. Dort soll nämlich jemand sehr Possierliches seine Tage verbringen. Und wir sehen schon bei unserer Ankunft, dass wir heute Abend nicht enttäuscht werden, denn das „Zielobjekt“ schaut uns bereits mit seinen charakteristischen Riesenaugen aus seinem Unterschlupf entgegen: Wir stehen wieder vor einem Bushbaby! Und sind wie im letzten Oktober sofort schockverliebt. 🙂

6B9A2050-Verbessert-RR.jpg


Vorsichtig äugt das kleine Nachtäffchen aus seinem Tagesversteck zu uns herüber, zieht sich dann immer wieder kurz zurück, um dann wenige Augenblicke wieder sein Köpfchen hinauszustrecken und die Umgebung zu beobachten.

denoise_6B9A1869.jpg


denoise_6B9A1875.jpg


Als wenn das nicht schon Attraktion genug wäre, bekommt es bald Gesellschaft. Der Kopf eines zweiten Galagos wird sichtbar. Wir lächeln selig.

denoise_6B9A1884.jpg


Sobald es ganz finster geworden ist, springen die Bushbabies aus ihrem Zuhause in die umstehenden Bäume. Das geht so schnell, dass man den Absprung verpasst, wenn man nur eine Sekunde nicht genau hingesehen hat.
Das waren ganz wunderbare Minuten – wir sind so dankbar für diesen tollen Tipp! Und das besonders Schöne: Morgen Abend werden wir wieder vor Ort sein. Die Galagos auch?

Zufrieden kochen wir uns in der Außenküche auf unserer Terrasse ein einfaches Abendessen und lassen diesen doch ziemlich gelungenen ersten vollen Safaritag gemütlich gemeinsam ausklingen.
Im Schein der Taschenlampen spazieren wir Erwachsenen, als die Kinder bereits im Bett sind, nochmal über die Wiesen des Camps und leuchten die Bäume ab. Und auch jetzt können wir die nagapies entdecken. Mehr oder weniger hoch über unseren Köpfen stillen sie ihren Hunger. Das geht wie immer sehr quirlig vonstatten. In schnellem Tempo wird immer wieder von Ast zu Ast und von Baum zu Baum gewechselt. Da kommt man mit der Kamera kaum hinterher.

denoise_6B9A1949.jpg


Müde und zufrieden kuscheln wir uns schließlich zu den Kindern. Goeie nag!

Teil 713. Nov. 2023

3. Kapitel: „Today it’s a quiet day“

Zu Sonnenaufgang machen wir uns fertig zum Aufbruch. Ein strahlend schöner Tag erwartet uns und wir sind gespannt auf unsere erste Familien-Ausfahrt auf einer unserer Lieblingsstraßen im Park - der S28. Dieser Byway hat uns durch die offene Landschaft, die er durchschneidet, in den letzten Jahren verlässlich mit Löwen, vor allem aber mit Geparden versorgt. Und so klettert die Erwartung, dass dies auch in diesem Jahr so sein wird, mit uns in unseren Bus. Ein großer Fehler, flüstert der erfahrene Gamedriver, denn es ist nie gut, mit allzu festen Erwartungshaltungen in den Busch aufzubrechen. 😏

Wir sind auf der S28 noch nicht weit gekommen und schon kreuzen in kurzem Abstand zwei einzelne Tüpfelhyänen unseren Weg. Das fängt ja gut an, denken wir uns, und freuen uns über diese nahen Begegnungen. Auch für Hyänensichtungen ist die S28 erfahrungsgemäß ein guter Ort – so auch heute. Die Tiere ziehen zielstrebig ihres Weges, wir begleiten sie, bis sie irgendwann in den Busch abbiegen und sich schließlich unseren Blicken entziehen. Die Hyänen haben wir dabei ganz für uns allein – auch ein schöner Nebeneffekt eines frühen Aufbruchs auf einer Nebenstraße des Nationalparks.

6B9A1956.jpg


6B9A1961.jpg


Und dann passiert lange Zeit leider nichts mehr. Die Landschaft ist wie immer schön offen und wirklich hübsch – aber heute Morgen ist sie wie leergefegt. Kein Zebra, kein Gnu – und von Löwen oder Geparden wollen wir gar nicht erst reden. 😵
Da freuen wir uns nach längerer Durststrecke auch über einen Giraffenbullen, der parallel zur Straße läuft.

6B9A1965.jpg


Wenn uns Fahrzeuge entgegenkommen, sprechen wir immer wieder mit den Insassen und kommen stets zu dem gleichen Urteil: „Today it’s a quiet morning…“ 😣

Als wir zur Abzweigung in Richtung Duke’s Waterhole kommen, begegnen wir dann zum Glück unserem Tageshighlight: Zwei BN grasen unweit der Straße in schönem Morgenlicht und lassen sich dabei eine längere Zeit von uns beobachten. Wir stellen den Motor ab und lauschen den grasenden Riesen. Wie schön ist es doch, diesen wunderbar friedlichen Kolossen so nah sein zu dürfen.

104A9169.jpg


6B9A1972.jpg


6B9A1975.jpg


Am Duke’s Waterhole herrscht dann wieder gähnende Leere. Einzig ein einsamer Three-banded Plover stolziert am Saum des Wassers herum.

6B9A1977.jpg


Nicht weit entfernt sitzt ein wunderschöner Kampfadler in einem toten Baum. Es ist lange her, dass wir diesen stolzen Vogel aus so geringer Entfernung gesehen haben. Und so freuen wir uns über diese Begegnung.

6B9A1986.jpg


Wir beschließen, die S28 zurück zum Camp zu fahren – vielleicht hat sich ja der letzten Zeit etwas aus dem Busch gewagt.
Aber bis auf einige Zwergmangusten und die interessante Beobachtung einiger unermüdlicher Pillendreher verläuft auch die Rückfahrt „quiet“.

6B9A1987.jpg


6B9A1997.jpg


Im Camp stromern wir herum und statten den Flughunden einen Besuch ab, die sich in großer Zahl unter dem Dach des Fahrzeugunterstands neben der Tankstelle aufhalten. Hier hängen bestimmt einige Dutzend dieser Tiere und verdösen den Tag.

6B9A2006.jpg


Nach einem gemeinsamen Frühstück und etwas Freizeit fahren wir nochmal gen Lower Sabie, um dort eine längere Mittagspause zu machen.
Es ist nun schon richtig heiß geworden und so verläuft die Fahrt wenig überraschend einmal mehr „quiet“.
Bezeichnenderweise ist es allein dieses Gnu-Portrait, das seinen Weg in unsere Fotoauswahl gefunden hat.

6B9A2013.jpg


Der Rest der Sichtungen auf dieser Fahrt ist entweder weit weg und/oder verbuscht (Elefanten, Kudus…) oder schlicht nicht existent (alles Andere).

In Lower Sabie besuchen wir das „Mugg and Bean“ mit seiner schönen Aussichtsterrasse – darauf haben wir uns gefreut. Mit dem hier angebotenen Essen kommen wir sehr gut klar. Alles ist schmackhaft und reichhaltig. Man sitzt nett bei schöner Aussicht auf den Fluss und die Bedienung ist aufmerksam. Alles prima also.

Bei Streifzügen durch das Camp kann ich in geringer Höhe einen männlichen Bearded Woodpecker (Namaspecht) entdecken. Darüber freue ich mich: Beim letzten Besuch im Kruger sahen wir das Weibchen. Jetzt nun auch das etwas prächtigere Männchen. Schön.

6B9A2023.jpg


Unter dem Vordach der Rezeption hat sich – das ist neu für uns – eine große Anzahl Flughunde aufgehängt. Haben wir hier in den letzten Jahren nie nach oben geblickt?

6B9A2028.jpg


Außerdem finden sich in den Bäumen und Sträuchern des Camps die üblichen Verdächtigen der Rastlager-Avifauna. Hier stellvertretend ein Dark-capped Bulbul.

6B9A2030.jpg


Den Kindern gönnen wir in diesen überaus heißen Stunden des Tages eine Abkühlung im Pool und nach ein paar Stunden Aufenthalt im Restcamp fahren wir im weicher werdenden Licht des Nachmittags zurück nach Crocodile Bridge.

Und diese Rückfahrt verläuft weitestgehend – dreimal dürft ihr raten – „quiet“.
Immerhin entdecken wir – wieder auf kurze Distanz – einen Kampfadler. Anscheinend ersetzen die riesigen Greife in diesem Jahr die sonst immer so präsenten Tawnys.

6B9A2038.jpg


Das Licht wird immer schöner – nur die Sichtungen bleiben leider aus. Da freut sich der Fotograf auch schonmal über einen kapitalen Kudubullen in spätnachmittäglichem Buschambiente.

6B9A2047.jpg


Insgesamt sind wir aber doch etwas enttäuscht von der Ausbeute des heutigen Tages. Aber so ist es eben, wenn man ungeführt und außerhalb von privaten Game-Reserves im Busch unterwegs ist. Manchmal fährt man einfach stundenlang durch mehr oder weniger schöne Landschaft, ohne dass einem etwas Bemerkenswertes vor die Linse läuft. Das ist ein Aspekt, der meines Erachtens in Reiseberichten oft nicht so richtig deutlich wird, wenn dort in schneller Folge die unterschiedlichsten Tiersichtungen präsentiert werden. Und auch ich vergesse diese Phasen der (manchmal schon aufreibenden) Ereignislosigkeit zwischen unseren Reisen immer wieder gern und muss mich dann stets daran erinnern, dass solche eher leeren Tagen auch zum Alltagsgeschäft eines Selfdrivers gehören und auch schon fester Bestandteil vergangener Safaris waren. Aber zum Glück gibt es ja auch noch die anderen Tage. 😉

Nach unserer Rückkehr ins heimische Crocodile Bridge hoffen wir natürlich auch heute auf das „Galago-Theater“. Ob es zu einer erneuten Aufführung kommt, erzähle ich im folgenden Kapitel.

Teil 815. Nov. 2023

Bushbabies zum Zweiten

Kurz vor Sonnenuntergang finden wir uns wieder am Versteck der Galagos ein. Heute aber zeigt sich bei unserer Ankunft noch kein Bushbaby. Und so warten und hoffen wir einige Minuten. Als es bereits zu dunkeln beginnt, steckt aber zum Glück eines der Nachtäffchen seinen Kopf heraus. Puh – Glück gehabt!

6B9A2067-Verbessert-RR.jpg


Wir sind genauso verzückt wie gestern. Dem Blick aus den großen Augen des Bushbabys kann man sich einfach nicht entziehen. 😁
Wenig später erscheint ein zweites Köpfchen.

6B9A2081-Verbessert-RR-3.jpg


6B9A2089-Verbessert-RR-3.jpg


Und als die Nacht schließlich hereingebrochen ist und wir die Szenerie vorsichtig mit der Taschenlampe erhellen, gesellt sich Nummer Drei dazu. Eine richtige Bushbaby-WG ist das hier! 🤩

6B9A2105-Verbessert-RR.jpg


Nach und nach verlassen die Galagos nun ihr versteckt. Ganz plötzlich und fast unbemerkt das erste. Und so bleiben noch zwei, die aufmerksam ihre Umgebung prüfen.

6B9A2108-Verbessert-RR.jpg


Bald macht sich Nummer Zwei zum Sprung in die Nacht bereit. (Der Sprung selbst ist als Schliere auf einem Foto zu erkennen – leider nicht vorzeigbar…)

6B9A2112-Verbessert-RR.jpg


Und schließlich verabschiedet sich auch Galago Nummer 3 in die Finsternis.
Wir kehren zufrieden zurück in unsere Hütte und lassen den Tag gemeinsam in aller Ruhe ausklingen. Mochten wir das Camp vorher schon immer sehr gern, so ist sein Besuch nach diesen wunderbaren Begegnungen noch einmal ein ganzes Stück attraktiver geworden.

Morgen geht es dann für eine Nacht nach Skukuza – weil in Lower Sabie auch elf Monate im Voraus keine passende Unterkunft mehr frei war. Bevor uns unser Weg aber dorthin führen wird, werden wir in den ersten Stunden des Tages der S28 nochmal eine Chance geben.

Teil 918. Nov. 2023

4. Kapitel
1. Teil: Tüpfel und Flecken


Einmal mehr begrüßt uns im Morgengrauen ein wolkenloser Himmel. Die ersten – und zum Glück noch nicht so heißen – Stunden des Tages werden wir wieder auf der S28 und den angrenzenden Dirtroads verbringen. Mal sehen, ob das mit den Sichtungen heute besser klappen wird… 😗

Der Gamedrive beginnt wie der gestrige: Eine Tüpfelhyäne am Straßenrand ist das erste Tier, dem wir auf der Ausfahrt begegnen. Dieses Exemplar ist nach einer anscheinend intensiven Nacht aber ausgesprochen schlapp und so ernten wir höchstens einmal einen müden Blick. Aufstehen mag die Hyäne aber auf keinen Fall und so lassen wir sie bald allein in ihrem Schlummer.

6B9A2123.jpg


104A9184.jpg


Der weitere Weg gen Norden ist dann mehr oder weniger sichtungsfrei. 😵 Es ist schon zum Verzweifeln: Schönes Licht und kein Tier. Einzig ein Burchell’s Coucal sorgt für etwas Abwechslung.

6B9A2126.jpg


Auf der Straße gen Duke’s Waterhole hat die Sichtungsfee dann endlich ein Einsehen. Auf einem dürren Bäumchen am Wegesrand sitzt ein gut faustgroßer Knubbel. Welch Freude: Das ist ein Perlkauz! 🙂 Eine schöne Sichtung dieser kleinen Eule, die ich so sehr mag, hatte ich mir im Vorfeld der Reise gewünscht. Und nun sitzt sie direkt neben uns. Das kleine Kerlchen scheint dabei hochkonzentriert zu sein. Unablässig prüft es seine Umgebung auf verräterische Geräusche und Bewegungen. Augenscheinlich ist der Perlkauz auf der Jagd. Immer wieder wechselt er dabei seinen Ansitz. Zum Glück entfernt er sich nicht allzu weit von der Straße, sodass wir ihn eine ganze Weile beobachten können.

6B9A2132.jpg


6B9A2138.jpg


Nur ein weiteres Auto befindet sich in der Nähe, dessen Insassen irgendwann winkend auf sich aufmerksam machen. Sie haben wohl etwas entdeckt und möchten ihre Sichtung netterweise mit uns teilen. Und so verabschieden wir uns schnell vom Perlkauz und fahren vielleicht fünfzig Meter weiter. Und dort sitzt dann tatsächlich ein Leopard im schönen Morgenlicht. 😁 Leise bedanken wir uns bei den Tippgebern und beobachten gespannt.

6B9A2144.jpg


So richtig mag die schöne Katze sich leider nicht aus dem sie umgebenden Gebüsch herausbewegen – welch ein Glück ist es aber, dass sie überhaupt in einem kleinen Durchlass sitzt. Sonst wäre sie trotz der recht geringen Distanz unsichtbar.

6B9A2149.jpg


Eine längere Zeit blickt sie sich um, bis sie dann irgendwann hinter dem Buschwerk verschwindet. Wir rangieren eine Weile hin und her und schauen, ob sich der Leopard noch einmal zeigen wird. Leider bleibt er verschwunden. Aber trotzdem: Einmal mehr „Right time, right place“. Ein schöner Safari-Moment. 🙂

Wir fahren zurück und entdecken kurze Zeit später erneut unseren Perlkauz. Welch ein Glück! Während wir den Leoparden beobachtet haben, war der kleine Jäger augenscheinlich erfolgreich. Eine Maus hängt reglos in einem seiner Fänge. Bis er mit seiner Beute davonfliegt, ermöglicht er uns einige schöne Aufnahmen, die zu meinen Lieblingsfotos dieser Reise gehören. Welch ein grimmig-selbstbewusster Blick dieses kleinen Kobolds!

6B9A2158.jpg


Unser Weg führt uns nun zurück nach Süden. Plötzlich rennt etwas mit hoher Geschwindigkeit auf die Straße und uns entgegen. Es ist eine Tüpfelhyäne, die ein großes Stück Aas in ihrem Maul transportiert. Ein irrer Anblick ist es, der sich hier bietet, denn das Tier hat in seiner Eile wirklich gut zu tun. Beim genauen Hinsehen glauben wir erkennen zu können, dass es sich bei dem Überrest um Teile eines Löwen handelt – jedenfalls wirkt die Pranke, die links herunterbaumelt, sehr löwenhaft.

6B9A2167.jpg


Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, als wir den Tipp bekommen, dass kurz hinter der Einmündung der Crocodile River Road in die Tarroad unweit unseres Rastlagers ein Löwenrudel liegen würde. Natürlich fahren wir den kleinen Umweg und erkennen den Standort der Löwen bereits daran, dass hier eine Handvoll Fahrzeuge kreuz und quer auf der Straße steht. Die Raubkatzen selbst – es sind wohl etwa sieben – befinden sich nur wenige Meter von der Straße entfernt inmitten dichten Buschwerks und liegen tageszeitgemäß bereits mehrheitlich flach. Das Gestrüpp und auch die schon jetzt aufkommende Hitze verhindern schöne Fotos – ein Problem, dass sich im Kruger leider mit wenig schöner Regelmäßigkeit einstellt. Und so ist es ein einzelner Löwe, den wir im Rahmen dieser Sichtung auf unseren Speicherkarten verewigen können.

6B9A2192.jpg


Weil hier in den nächsten Stunden nicht mit viel Bewegung zu rechnen ist, bleiben wir nicht sehr lange bei den Löwen und kehren zurück nach Crocodile Bridge, wo wir eine längere Pause machen, uns stärken, Bewegungsdrang stillen, Eis essen, packen…

Am späteren Vormittag ist es bereits richtig heiß. Unser Weg führt uns nun über die großen Teerstraßen nach Skukuza. Wegen der Hitze rechnen wir nicht mit weltbewegenden Sichtungen und wählen daher den schnellsten Weg ins nächste Camp. Und unsere Erwartung erfüllt sich: Das Wild hat sich in den Schatten des dichten Buschs zurückgezogen. Wir sehen auf der Fahrt mehr Autos als Tiere. Ein paar Büffel sorgen für einen kurzen Stopp und etwas Abwechslung.

6B9A2195.jpg


Kurz vor Lower Sabie entdecken wir einen juvenilen Kampfadler in einem Baum nahe der Straße. Martial Eagle Nummer Drei! Nur ist dieses Mal das Licht deutlich schlechter… Das zeigt nochmal, wie wichtig es ist, die frühen und späten Stunden des Tages gut auszunutzen.

6B9A2215.jpg


Am Sunset Dam halten wir naturgemäß für einen kleinen Blick auf Wasservögel, Krokodile und Flusspferde. Wobei uns vor allem die letztgenannten gut unterhalten.

6B9A2225.jpg


Die Tarroad entlang des Sabie ist wie immer gut befahren sowie links und rechts dicht verbuscht. Sichtungen wollen sich hier heute nicht einstellen. Die Straße selbst ist an einigen Stellen von den Überschwemmungen des Jahresbeginns weggeschwemmt. Es sind provisorische Umfahrungen eingerichtet, ein schöner Loop am Flussufer ist nach wie vor gesperrt – vielleicht ist die Dirtroad dort kaum noch vorhanden…

Irgendwo auf der Strecke treffen wir auf eine enorme Automasse. Hier wurde wohl ein Leopard gesichtet, erzählt man uns. Er habe sich aber nun in den Busch zurückgezogen. Wir sehen ihn nicht und sind froh, als wir dem Autoknäuel entkommen sind. Solche Erlebnisse gehören zu den Schattenseiten der Hauptpisten des Parks. 😵 Zum Glück waren wir aber trotz der südafrikanischen Ferien nur selten Teil solcher Blechlawinen.

Gegen 14 Uhr erreichen wir ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle schließlich Skukuza und nehmen den Schlüssel unseres River-View-Chalets entgegen. Diese Hütten mögen wir sehr, denn durch ihre ausgesprochen ruhige Lage am Fluss hat man den Eindruck, gar nicht in einem so großen Camp zu sein.

Über den Nachmittag und vor allem den Abend des Tages soll aber erst das folgende Kapitel berichten.

Teil 1022. Nov. 2023

4. Kapitel 2. Teil: Das beste kommt mal wieder zum Schluss…

Die Mittagszeit und den frühen Nachmittag genießen wir in Skukuza. Ja: Das ist tatsächlich möglich. Bewohnt man eines der Riverview-Chalets, bekommt man von dem Trubel des größten Kruger-Camps gar nichts mit. Eine ganz andere Welt im Vergleich zu den Tagesbesucherarealen rund um Shop und Hauptrestaurant. Und dazu ist das Chalet für Sanparks-Verhältnisse sogar ziemlich schick: Ein offener Wohn- und Küchenbereich, zwei abgeschlossene Schlafzimmer. Alles nur wenig abgewohnt.
Wir brutzeln uns ein einfaches Mittagessen – im südlichen Afrika sind wir noch weniger gute Köche als in heimischen Gefilden 😛 – und lassen dann die Seele auf unserer Veranda baumeln. Der Blick auf den Sabie und die alte Eisenbahnbrücke (seit einiger Zeit bereits mit Luxushotel-Zug) ist immer wieder schön. Hier kommt kein zufälliger Spaziergänger vorbei, alles ist ruhig. Und ganz wunderbar.

104A9205.jpg


In geringer Entfernung zu unserer Behausung findet sich außerdem einer der Camp-Pools. Von dem Trubel dort – es sind ja immerhin Frühlingsferien – bekommt man an der Hütte glücklicherweise nichts mit. Schön ist aber, dass das kühle Nass auch in der größten Tageshitze bequem zu Fuß zu erreichen ist. Die Kinder lieben es.

Derweil geht der Vater auf Vogelsuche und ist dabei weitgehend erfolglos. Es ist einfach zu heiß. Es finden sich zwar einige Sunbirds; diese sind aber tief im Blattwerk unterwegs und damit nicht zu fotografieren – eher Shadebirds. 😉 Schließlich gelingt immerhin ein Foto eines Brillenwebers. Ich glaube, den hatten wir bisher noch nie.

6B9A2247.jpg


So vergehen die heißen Stunden und nach 16 Uhr machen wir uns auf zu einem kurzen Afternoon-Drive. Dieser soll uns mal wieder zum Transport Dam führen. Seit wir 2016 hier ganz wunderbare Wildhundsichtungen hatten, hat sich dieser Ort irgendwie als Pflichttermin in unseren Köpfen festgesetzt. Auch wenn wir seitdem nie etwas Nennenswertes dort entdeckt haben. Und der heutige Besuch wird sich leider in die Reihe dieser ereignislosen Besuche einreihen. Die Fahrt führt weitgehend durch dichten und trockenen Busch. Irgendwann kommt man dabei an malerischen Felsformationen vorbei. Wir wechseln ins konzentrierte Spotting-Schritttempo und suchen angestrengt nach Klippspringern, Fleckenuhus oder gar Leoparden. Am Ende finden wir aber nur Felsen. 😄 Und auch der Sunset Dam präsentiert sich weitgehend verwaist. Einige Gnus hier, ein Krokodil dort. Nothing to write home about. Und so schaffen es nur zwei Fotos, die auf dieser Ausfahrt entstehen, in unsere Auswahl: Ein Gleitaar und ein Steinböckchen. So ergiebig der Morgen, so ereignisarm der Nachmittag.

6B9A2251.jpg


6B9A2266.jpg


Als wir uns Skukuza nähern, geht die Sonne im Afrika-Style unter. Zeit für ein Foto.

104A9216.jpg


Wir verbringen den Abend im „Eisenbahnrestaurant“ Selati, das sich auch ganz in der Nähe unseres Riverfront-Chalets befindet. Das Etablissement ist gut besucht, entsprechend lange müssen wir auf unser Abendessen warten. Als es dann aber irgendwann doch auf unserem Tisch steht, stellt es sich als rundum schmackhaft heraus. (Trotzdem gibt es hier keine Fotos. 😉 ) Für uns ist das Restaurant eine wirklich gute Alternative zum Cattle Baron oder gar zum Selberkochen.

Während die Kinder wohlgesättigt im Häuschen bleiben, spazieren die zwei Erwachsenen mal wieder durch das nächtliche Camp. Und erneut wird der kleine Ausflug belohnt. Am perimeter fence entdecken wir zwei Stachelschweine! 😁 Eines entzieht sich schnell dem Schein unserer Lampe. Das andere aber lässt sich durch das Licht überhaupt nicht stören. Es geht ungerührt seiner Nahrungssuche nach und wir beobachten es dabei aus kurzer Distanz.

6B9A2328.jpg


Plötzlich wendet es sich blitzartig um und stellt die Stacheln auf. Und einen Sekundenbruchteil später springt auch schon eine Ginsterkatze in unmittelbarer Stachelschweinnähe an den Zaun und klettert geschwind und mühelos auf die andere Seite des Drahtgeflechts. Nach einem kurzen Erschrecker unserseits halten wir die Kamera drauf und tatsächlich können wir die Schleichkatze ablichten, bevor sie in der Nacht verschwindet.

104A9267.jpg


Wir bleiben noch eine ganze Weile bei dem Stachelschwein, das sich schnell wieder beruhigt und weiter vor sich hin schnüffelt. Dieser Tagesabschluss macht uns rundum zufrieden. So schön haben wir ein Porcupine schon seit Jahren nicht mehr beobachten können.

6B9A2319.jpg


Morgen geht’s gen Lower Sabie – zum Glück für drei Nächte.

Teil 1125. Nov. 2023

5. Kapitel 1. Teil: Am Sabie kaum Neues

Kurz vor Tagesanbruch wache ich auf und stelle erfreut fest, dass heute wieder ein wolkenlos blauer Himmel unsere Safari überspannen wird – keine Selbstverständlichkeit im Oktober. Meine Familie bleibt in den ersten Stunden des noch jungen Tages noch tief schlummernd im Camp. Aus zwei Gründen ist das gut. Erstens: Auf meiner Fahrt entlang Sabie und Sand – dem viel gerühmten Leopardengebiet – begegnet mir kaum ein Tier. Heute früh erlebe ich einmal mehr einen extrem ruhigen Gamedrive. 😵 Erholsamer Schlaf mag da wirklich die bessere Alternative sein. Erst als ich die Brücke über den Sabie gequert habe, entdecke ich irgendwann einen Ducker, der mir den gefallen tut, für einige Aufnahmen stillzuhalten, bevor er sich arttypisch in den dichten Busch zurückzieht. Immerhin kehre ich jetzt schonmal nicht mehr mit ganz leeren Händen ins Camp zurück.

6B9A2330.jpg


Wenig später treffe ich auf eine große Pavianrotte. Und hier kommt der zweite Grund ins Spiel, aus dem ich froh bin, heute früh allein unterwegs zu sein. Direkt am Straßenrand und etwas abseits der Affenhorde ist ein großes Pavianmännchen recht schamlos mit sich selbst beschäftigt. Amüsiert halte ich an: Der Pavian lässt sich nicht stören und ich bin erleichtert, dass ich hier kein spontanes Aufklärungsgespräch führen muss. 😗

6B9A2335.jpg


Bald setzt der Pavian noch einen drauf. Ohne Worte.

6B9A2336.jpg


Der weitere Weg beschert mir immerhin noch ein paar schöne Vogelsichtungen - eine (bewusste) Erstsichtung inklusive.

6B9A2338.jpg

Black-crowned Tchagra (Senegaltschagra)

6B9A2344.jpg

Rattling Cisticola (Rotscheitel Zistensänger) - Erstsichtung

6B9A2347.jpg

Speckled Mousebird (Braunflügel-Mausvogel)

Ich steuere bald wieder Skukuza an und hole meine Familie ab. Noch einmal fahren wir am Sabie entlang. Ob jetzt wohl mehr los ist? Leider ist die Antwort in klares Nein. 😣
Immerhin können wir einen Long-crested eagle in einiger Entfernung entdecken und daher leider nur dokumentarisch ablichten. Diesen Vogel haben wir bisher nur ganz selten gesehen.

6B9A2351.jpg


Und schließlich treffen wir auf eine liegende Giraffe und finden das recht spannend, denn in dieser Position haben wir ein solches Tier wohl noch nie zuvor gesehen. Die Giraffe ist so entspannt – hier ist sicher kein Jäger in der Nähe.

6B9A2355.jpg


Recht flott sind wir wieder zurück im Camp und gönnen uns ein gutes Frühstück im Eisenbahnwaggon. Hier sitzt man ausgesprochen nett und vor allem für die Kinder ist das Ambiente etwas Besonderes. Und die Auswahl ist auch überzeugend.

104A9283.jpg


Während meine Frau und die Kinder nach gemeinsamem Frühstück und Kofferpacken den nahen Pool unsicher machen, fahre ich zu einem meiner Lieblingsorte in der Skukuza-Region: Dem Lake Panic Bird Hide. Ein Besuch dieses Verstecks enttäuscht eigentlich nie. Und auch heute kann ich hier eine wunderbare Stunde verbringen.
Im Wasser ruhen Krokodile und Flusspferde, die hier aber nicht in meinem Fokus stehen – daher auch kein Foto. Ich bin wegen der Vögel hier.
Der Lake Panic ist ein echtes Birding-Paradies.
Am Ufer jagt hochkonzentriert ein Squacco Heron (Rallenreiher). Es ist großartig, ihn beim Lauern zu beobachten. Blitzschnell schießt irgendwann sein Kopf nach vorn. Und wiie ein Speer durchstößt der spitze Schnabel die Wasseroberfläche.

6B9A2374.jpg


Nicht weit entfernt sucht ein Water thick-knee (Wassertriel) Schutz vor der bereits sengenden Sonne. Hier ist naturgemäß weit weniger Action zu beobachten.

6B9A2383.jpg


Zwei Mangrovenreiher setzen sich recht fotogen in Positur.

6B9A2391-2.jpg


6B9A2393.jpg


Auch Familie Black Crake ist unterwegs.

6B9A2396.jpg


Und ein Pied Kingfisher lauert nicht weit entfernt auf Beute.

6B9A2440.jpg


Mein Star des heutigen Besuchs ist aber unangefochten einmal mehr der Malachite Kingfisher. An diesem kleinen Kerl kann ich mich einfach nicht sattsehen. Zuerst sitzt er etwas weiter entfernt im Schilf.

6B9A2403.jpg


Als er sich wenig später ganz serviceorientiert auf einem Ast direkt vor meiner Nase niederlässt, bin ich sehr zufrieden. So schön! 🙂

6B9A2435.jpg


Neben der Vogelschar freue ich mich noch über zwei Nyalas, die am Lake Panic ihren Durst stillen. Die schönen Antilopen, die wir im Rahmen dieser Tour gar nicht mal so oft gesehen haben, möchte ich hier nicht unterschlagen.

104A9292.jpg


Im Bird Hide vergeht die Zeit wie im Flug 😛 . Guter Laune breche ich irgendwann auf, kehre nach Skukuza zurück und finde meine Familie am Pool wieder. Dort bleiben wir noch eine Weile, genießen das kühle Wasser und den wohltuenden Schatten, bis es langsam endgültig Zeit wird, das Camp zu verlassen und gemeinsam gen Lower Sabie – einem unserer Lieblingscamps im südlichen Kruger – weiterzuziehen.
Darüber mehr im nächsten Teilkapitel.

Teil 1228. Nov. 2023

5. Kapitel 2. Teil: Von Autos und Katzen

Gegen Mittag verlassen wir Skukuza endgültig und machen uns auf den Weg in Richtung Lower Sabie. Einmal mehr werden wir dabei dem Fluss gen Osten folgen – auf der von uns eher wenig geschätzten Teerstraße H4-1.
Um die Mittagszeit scheint hier verkehrstechnisch nicht ganz so viel los zu sein wie zu attraktiveren Zeiten. Viele Tagesgäste und auch die Gamedrive-Fahrzeuge machen aktuell Rast in einem der Camps oder an den Picknickplätzen des Parks. Das lässt sich auf unserer Fahrt gut beobachten: Was ist z.B. nur aus der Nkhulu Picnic Site am Sabie geworden? Vor ein paar Jahren sind hier Shop und Imbiss eröffnet worden. Seitdem ist der Parkplatz stets gut gefüllt. 😏 Kein sehr attraktiver Ort für uns. Wir lassen ihn links liegen.

Sichtungstechnisch beginnt die Fahrt mittagshitzetypisch eher ruhig. Ein Schreiseeadler hier, ein Gleitaar dort.

6B9A2466.jpg


6B9A2479.jpg


Und auch Giraffen gibt es unter anderem zu bewundern.

6B9A2483-2.jpg


Und dann folgt der Stau. Waren bisher eher weniger Autos unterwegs, so finden sich hier plötzlich gefühlte Massen. Die Straße am Sabie gehört zu den gut ausgebauten Hauptwegen im Nationalpark. Aber auch hier ist Schluss, wenn aus zwei Fahrspuren spontan vier gebildet werden. Kreuz und quer stehen die Wagen, deren Insassen allesamt einen Blick zu erhaschen versuchen. Ja, auf was denn eigentlich? 🤨 Es dauert eine Weile, bis wir erfahren, dass wohl in Richtung Fluss ein Leopard liegt. Die Menschen, mit denen wir sprechen, haben ihn selbst allesamt nicht gesehen und schauen mehr oder weniger ratlos drein. Und so versuchen wir, uns langsam unseren Weg durch das Metallknäuel zu bahnen. Immer wieder kommt es zu mehr oder weniger aggressiver und/oder fahrlässiger Rangiererei – hier muss man wirklich aufpassen. 😵 Irgendwann gelangen wir schließlich zu einem Punkt, von dem aus man die Katze wohl sehen müsste. Ein sehr netter Guide, neben dem wir zu einem Halt kommen, versucht uns den Aufenthaltsort des Leoparden möglichst exakt zu beschreiben – Wegmarker sind dabei diverse Buschformationen und Elefantenhäufchen, an denen es in unserem Blickfeld naturgemäß nicht mangelt. Man kennt das ja. 😉 Irgendwann entdeckt meine Frau den Leo schließlich tatsächlich, die Kinder und ich sehen ihn nicht. Fotos sind nur durch den Busch und von schräg oben aus möglich – keines davon schafft es nur annähernd in unsere Auswahl. Alles in allem ist die Sichtung kaum der Rede wert und der Autoansammlung nicht angemessen, die sich bei stationären Katzensichtungen auf dieser Straße über kurz oder lang fast zwangsläufig einstellt. Wir sind froh, als wir hier durch sind. Da verzichten wir auch gern auf Leoparden.

Zumal wir nicht weit fahren müssen, um Leopard Nummer Zwei zu begegnen. Als wir eine Brücke über ein Trockenflussbett queren, marschiert ein Leopardenkater parallel zu uns in einiger Entfernung durch den Sand. Hier können wir weit stressfreier halten und teilen die kurze Sichtung – denn der Leopard folgt schnurstracks seinem Weg ans nächste Ufer – nur mit wenigen anderen Autos. Mehr als Dokumentationsaufnahmen sind hier aber nicht möglich – zu weit entfernt ist die Katze und zu ungünstig ist der Winkel ihres Wegs. Aber immerhin wird die Gegend ihrem Ruf als gutes Leopardengebiet heute gerecht.

6B9A2486.jpg


Als wir uns schließlich Lower Sabie näher, kommen wir erneut an den weggespülten Straßenteilen vorbei und holpern die Umfahrungen hinunter und wieder hinauf.

104A9306.jpg


Ohne weitere nennenswerte Sichtungen (natürlich sind immer wieder Büffel und Elefanten im Flussbett auszumachen) kommen wir an unserem Zielort an und holen die Schlüssel zu unserer Hütte ab. Für die kommenden drei Nächte bewohnen wir ein Familienchalet mit Blick auf den Sabie. Das ist eine Premiere für uns, nachdem wir in den vergangenen Jahren in Ermangelung von Alternativen stets eine einfache Ein-Raum-Hütte mit öffentlicher Küche und geteilten Waschräumen gebucht hatten. Unser diesjähriges Domizil gefällt uns im Vergleich mit der „Hut“ wirklich gut. Es gibt zwei Schlafzimmer und einen Wohn/Essbereich. Vor dessen Glasfront befindet sich eine großzügige Terrasse mit Feuerstelle, die auf eine Wiese hinausweist, an deren Ende der Perimeter Fence das Camp vom Flussufer abgrenzt. Hier hat man einen schönen Ausblick und auch viel Ruhe, denn das Häuschen liegt fast ganz am Rand des Rastlagers. An einem solchen Ort kann man guten Gewissens drei Nächte verbringen. (Leider haben wir es irgendwie verpasst, Fotos von der Unterkunft zu machen.)

Die heißen Stunden des Nachmittags verbringen wir mal wieder am Pool und bei Mugg and Bean. So vergeht die Zeit vergnügt.

Ein kurzer Spätnachmittags-Gamedrive führt uns gen Duke’s Wasserloch. Vom Sabieufer und neuerlichen Autoansammlungen haben wir erstmal genug. 😈

Als wir an der Wasserstelle ankommen, steht die Sonne schon recht tief. Ein Gamedrive-Fahrzeug fährt gerade ab, der Fahrer lächelt uns entgegen und sagt: „There are ten lions near the waterhole. Enjoy!“ 🤩 Wie schön! Schnell entdecken wir die Katzen, die ganz löwenlike einfach nur faul herumliegen.
Leider sind sie genau zwischen uns und der niedrigstehenden Sonne platziert. Daher können wir die Löwen nur mit zusammengekniffenen Augen im schönsten Gegenlicht beobachten. Entsprechend kontrastarm fällt die Fotoausbeute dieser Sichtung aus.

6B9A2525.jpg


6B9A2533.jpg


6B9A2547.jpg


Trotzdem genießen wir die Anwesenheit der zehn Tiere sehr. Vielleicht zwei weitere Fahrzeuge sind außer uns noch vor Ort. Alles ist ganz still und friedlich: Auch das ist der Kruger – ein schöner Kontrast zum Leopardenstau.

Als die Zeit so langsam drängt, verabschieden wir uns von dem Rudel und kehren nach Lower Sabie zurück. Taschenlampengänge durch das Camp bleiben heute weitgehend ereignislos, zumal die früher dort ansässige Schleiereule vor einiger Zeit von einer Schlange gefressen worden ist. Auf der anderen Seite des Zauns jedoch zeigen sich in kurzer Distanz Hyäne, Flusspferd und Büffel. Fotos machen wir hier keine – der Maschendraht des Zauns lässt das wenig attraktiv erscheinen. Aber trotzdem haben wir diese undokumentierten Momente noch in sehr lebendiger Erinnerung. Vor allem die Geräusche – das schnaufende Atmen des Büffels und das rupfende Schmatzen des Hippos – sind für uns sehr eindrücklich. Müde geht es bald ins Bett. Denn morgen soll in aller Frühe ein neuer Safaritag für uns anbrechen – vielleicht einer der schönsten dieser Reise. 🙂

Teil 1330. Nov. 2023

Ein Nachtrag:
Da beim letzten Mal nachgefragt wurde, wo die schönen Häuschen stehen.
In Lower Sabie finden wir es hier am schönsten (gelb markiert):

Screenshot2023-11-30104143.png


Man hat einen schönen Blick auf den Fluss, wohnt direkt an einer schönen Wiese mit Baumbestand, ist weit ab vom Trubel der Tagesgäste... Und trotzdem hat man den Pool in kurzer Distanz und ist auch fußläufig (immer schön über die Wiese) in wenigen Minuten im Shop oder Restaurant.
Wie haben auch die Huts "überlebt", aber hier wohnt es sich definitiv schöner. Von den Safarizelten habe ich auch Gutes gehört - leider gibt es die aber nicht für Familien.

Herzlich Sascha

Teil 1401. Dez. 2023

Kapitel 6: Ein ziemlich perfekter Kruger-Tag
Teil 1: Der Morgen


Im Morgengrauen stehe ich – wie immer, wenn ich im südlichen Afrika unterwegs bin – voller Energie auf. Warum gestaltet sich das in heimischen Gefilden nur immer so schwierig, mit ähnlichem Elan in den Tag zu starten? 😛

Ein Schritt aus der Tür offenbart eine Landschaft, die noch im Zwielicht liegt. In morgendunstigem Rot und Schwarz liegt friedlich der Sabie. Und auch im Camp herrscht noch herrliche Ruhe. Ich setze mich auf eine Bank und sauge die Atmosphäre auf – die reine Luft, das blasser werdende Rot. Solche Momente genieße ich sehr.

104A9314.jpg


104A9315.jpg


Meine Familie wird heute früh im Camp bleiben – so früh mögen die Kinder nicht jeden Tag aufstehen und meine Frau bleibt an diesem Morgen dankenswerterweise bei ihnen. 😘
Kurz vor Toresöffnung um 5.30 Uhr reihe ich mich in die kleine Schlange am Gate ein. Als sich der Park schließlich für seine Besucher öffnet, fahre ich nach Osten in Richtung S28 und Duke’s Wasserloch – in der Hoffnung, heute früh dort ein Date zu haben. Ich bin der einzige aus Lower Sabie, der diesen Weg einschlägt, die anderen Wagen fahren entweder am Sabie entlang gen Skukuza oder queren alsbald den Fluss in Richtung Norden.

Und so habe ich die Landschaft ganz für mich allein. Kurz nachdem ich die Tarroad verlasse, tauche ich ziemlich unvermittelt in dichten Morgennebel ein. Links und rechts kann man nur wenige Meter in den Busch schauen: Na das kann ja was werden! 😣
Zum Glück befindet sich (die sichtbare) Sichtung Nummer Eins direkt am Weg: Einmal mehr eröffnet eine Tüpfelhyäne den Safaritag. Das Foto zeigt recht deutlich, mit welcher Suppe ich es heute früh zu tun habe.

6B9A2552.jpg


Nur kurz bleibe ich bei der Hyäne und setze bald meinen Weg in Richtung Duke’s fort.

Weit komme ich aber nicht. Je weiter man sich vom Fluss entfernt, desto lichter wird zum Glück der Nebel und so kann ich in einiger Entfernung eine Bewegung im Busch ausmachen. Ein stattlicher Löwe bewegt sich genau auf mich zu! Ich halte an und versuche die schöne Katze auf Fotos zu bannen. Durch den dichten Bewuchs und den noch immer präsenten Dunst fällt das leider gar nicht so leicht.

6B9A2555.jpg


Bald ist der Löwe so nah, dass die montierte Brennweite mir keine Chance mehr für weitere Aufnahmen gibt. Nur zwei Meter entfernt kreuzt das Tier die Piste und würdigt mich dabei keines Blickes. Ich sitze und genieße (und versuche dabei den Ärger zu verdrängen, nur einen Kamerabody mitgenommen zu haben…). Schon bald ist der Löwenkater im Busch verschwunden. Eine Begegnung, die einmal mehr deutlich macht, wie sehr manche Sichtungen dem puren Zufall geschuldet sind.

Es geht weiter in Richtung Duke’s Wasserloch – und nun wird mich nichts mehr aufhalten. 😉
Als ich dort ankomme, genügt ein kurzer scannender Blick, um Endorphine freizusetzen. Meine Hoffnung hat sich erfüllt: Die zehn Löwen von gestern Abend sind noch vor Ort. Und heute Morgen steht die Sonne auf der richtigen Seite. 😎
Ich suche mir einen guten Spot und nehme eine entspannte „Löwenbeobachtungshaltung“ ein. Die Katzen liegen faul herum. Mehr als einige Umlagerungen halten sie nicht für mich parat. Und so vergeht eine halbe Stunde. Ich allein mit zehn Löwen. Im vielbesuchten Kruger. Das ist schon eine tolle Sache.

6B9A2589.jpg


6B9A2559.jpg


6B9A2591.jpg


6B9A2613.jpg


Irgendwann bilden die Katzen einen richtigen Löwenhaufen. Über dieses Motiv freue ich mich sehr.

6B9A2616-2.jpg


6B9A2618.jpg


Schließlich trifft ein zweites Fahrzeug ein. Leider verhalten sich dessen Insassen gar nicht gut. Aus einem Dachfenster heraus recken sie ihre Oberkörper, was den Löwen gar nicht gefällt – das wird in ihrem Verhalten ganz klar deutlich. 😈 Ich versuche den Neuankömmlingen zu signalisieren, dass sie durch ihr idiotisches Tun das Rudel stören, habe aber leider wenig Erfolg damit. Nicht lange dauert es und die Löwen stehen auf, sehen sich kurz um, sortieren sich und ziehen von dannen.

6B9A2621.jpg


6B9A2630.jpg


6B9A2638.jpg


6B9A2640.jpg


Nach kurzer Zeit sind zehn Löwen unsichtbar geworden.
Ich bin sauer und kann es mir nicht verkneifen, meinen Mitbeobachtern ein paar Takte zu erzählen. Diese üben sich im stoisch-verständnislosen Dreinblicken.

Als ich schließlich wieder allein in Richtung Osten fahre, muss ich mich anstrengen, damit diese wunderschöne Sichtung mir nicht durch das Verhalten der anderen völlig verdorben wird. Noch während ich dies schreibe, merke ich, dass ich wieder ein wenig sauer werde… Also schnell weiter!

Mir kommt ein Gamedrive-Fahrzeug entgegen: Ich erzähle von dem Löwen-Exodus bei Duke’s, der Fahrer schüttelt fassungslos den Kopf und berichtet mir wiederum von einem weiteren Rudel, das weiter südlich an der S28 liegt.
Eigentlich wollte ich ja zurück ins Camp – hole mir aber übers Mobiltelefon die Erlaubnis ein, auch diese Löwen noch mitnehmen zu können. 😘 Es geht also nach Süden.
Da es schon etwas später ist, erkennt man die Löwensichtung natürlich an einigen Autos, die bereits am Wegesrand stehen. Die Löwen selbst – es mindestens sechs an der Zahl – sind weit weg, liegen aber recht offen auf einer Grasebene. Mit dem Fernglas kann man ihr Herumliegen ganz gut verfolgen. Es bleibt hier aber bei einem Landschaftsfoto mit Löwensprengseln.

6B9A2655.jpg


Entsprechend kurz bleibe ich vor Ort, denn unlängst habe ich von einem anderen hier Anwesenden den Tipp bekommen, dass wiederum weiter südlich eine Gepardin mit zwei Jungen unterwegs sein soll. Eine Chance, die drei zu sehen, möchte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. 🙂
Auch hier markieren wenige Fahrzeuge den Aufenthaltsort der Katzen. Als ich dort ankomme, ist es bereits wieder ziemlich heiß und die Geparden haben sich in den schattenspendenden Busch zurückgezogen. Ich muss eine ganze Zeit suchen, bis ich sie gefunden habe. Einen Winkel zu finden, aus dem sich die Katzen mehr oder weniger frei beobachten lassen, dauert bestimmt ebenso lange. Zuerst sehe ich nur Mutter Gepard, die hinter einem Busch hervorlugt.

6B9A2686-2.jpg


Bald darauf taucht hinter ihr ein Köpfchen auf. Ein kleines Gepardenkind schaut aufmerksam zu mir herüber. Nummer zwei kann ich nur erahnen.

6B9A2694-2.jpg


Bald legt sich die Geparden flach auf den Boden und wird unsichtbar. Eines der kleinen setzt sich aber zum Glück recht nett in Positur und schaut grummelig-niedlich in meine Richtung. Trotz der eingeschränkten Sicht bin ich über die Begegnung ungemein glücklich.

6B9A2707.jpg


Ich bleibe noch eine ganze Weile und hoffe, dass sich hier noch etwas tut. Leider machen die Geparden aber keine Anstalten, ihren Schattenplatz zu räumen. Wer will es ihnen verübeln?

Da der Morgen bereits weit fortgeschritten ist, nehme ich die Teerstraße zurück nach Lower Sabie und freue mich auf meine Familie, die den Tag bisher ganz entspannt im Camp verbracht hat – mit Büchern, Spielen, Pool und ganz viel Spaß. Letzteren hatte ich heute Morgen zum Glück auch.

Teil 1505. Dez. 2023

Teil 2: Nachmittag und Abend

Nach meiner Rückkehr genießen wir ein spätes Frühstück bei „Mugg and Bean“. Um diese Tageszeit ist hier nicht viel los und der Aufenthalt entsprechend angenehm. Danach wird „gechillt“. Die Mittagshitze lädt Teile der Familie in den Pool ein, andere Familienmitglieder ziehen ein Nickerchen vor. Kurz fahren zwei von uns raus und stellen sich ein wenig an den Sunset Dam. U.a. Dreibandregenpfeifer leisten uns dabei Gesellschaft.

6B9A2728.jpg


Im Camp finden sich wie immer fotogene Baumagamen.

6B9A2726.jpg


Für den heutigen Nachmittag haben wir einen Sunset Drive gebucht. An den Touren mögen wir, dass keiner von uns fahren muss und dass man sich im offenen Fahrzeug den Wind um die Nase wehen lassen kann. Wir mögen aber nicht so sehr, dass die Ausflüge mit großen Trucks durchgeführt werden und man so nicht unbedingt immer den besten Platz hat… Als wir unseren heutigen Guide sehen, freue ich mich. Es handelt sich um K.O., eine der wenigen weiblichen Guides des Parks. Ich habe sie bei unserem letzten Besuch als sehr kluge, engagierte und konzentrierte Führerin kennengelernt. Das lässt die Vorfreude noch ein wenig wachsen. Pünktlich um 16.30 Uhr geht es los.
K.O. steuert den Truck in Richtung S28 – also in eine unserer Lieblingsgegenden und ein Gebiet, das heute Morgen bereits schöne Sichtungen bereitgehalten hat.
Wo heute früh die Hyäne war, lässt sich nun ein Sattelstorch beobachten.

104A9336.jpg


Bald darauf kommen wir an einigen Elefanten vorbei. Sie haben recht frischen Nachwuchs dabei. Nicht nur unsere Kinder sind entzückt.

104A9359.jpg


6B9A2736.jpg


Weiter geht es die S28 nach Süden entlang. Duke’s Waterhole lassen wir rechts liegen und überhaupt legt K.O. ein Tempo an den Tag, das uns für einen Gamedrive etwas sportlich erscheint. Uns schwant, dass sie einen Plan hat.
Und tatsächlich kommen wir nach einer Weile bei meinen „Weit, weit weg Löwen“ vom Morgen an. Nur hat sich das Rudel im Laufe der Zeit bewegt und ruht nun wenige Meter von der Piste entfernt. Die meisten Katzen liegen flach. Nur ein junger Kater hat ein Einsehen mit uns und präsentiert sich für einige Augenblicke fotogener als seine faulen Familienmitglieder.

6B9A2742.jpg


Lange bleiben wir hier nicht, denn K.O. hat anderes im Sinn als die Löwen und wir ahnen schon, wohin uns die Ausfahrt führen wird.
Einige Autos am Straßenrand markieren unser Ziel: Die Gepardenmama mit ihren zwei Sprösslingen. Wir halten in einiger Entfernung, denn es ist kein Platz für unser Riesengefährt. Hier spielt uns nun in die Karten, dass wir auf einem geführten Drive unterwegs sind, denn bald müssen alle anderen Autos den Ort des Geschehens verlassen, um noch pünktlich zu Toresschluss ihr Ziel zu erreichen. Und so haben wir die drei Katzen für uns allein – wenn man diesen Ausdruck als Insasse eines gut besetzten LKWs verwenden möchte. 😉
Die Geparden sind glücklicherweise längst aus dem dichten Busch herausgetreten, der sie heute Morgen beschattet hatte. Und Mutter Gepard war zwischenzeitig nicht untätig: Ein Impalabock musste sein Leben lassen und dient nun als Abendessen der drei Katzen.

denoise_6B9A2790.jpg


denoise_6B9A2797.jpg


Ganz begeistert beobachten wir Mutter und Nachwuchs bei der Mahlzeit. So eine schöne Geparden-Risssichtung mit Baby-Bonus hatten wir in all den Jahren noch nie erleben dürfen.
Während die Mutter emsig frisst, scheinen die kleinen Kerlchen weit weniger Hunger zu haben. Sie streunen lebhaft herum und verzaubern uns mit ihren wuscheligen Silbermähnen.

denoise_6B9A2821.jpg


denoise_6B9A2808.jpg


denoise_6B9A2848.jpg


6B9A2855-Verbessert-RR.jpg


6B9A2866-Verbessert-RR.jpg


Irgendwann ist auch die Mama fürs erste satt. Während eines der Gepardenkinder sich zu einem Nickerchen niederlegt, setzt sich das andere zu seiner Mutter. Und so entsteht eines meiner Lieblingsfotos dieser Tour.

6B9A2870-Verbessert-RR.jpg


Als die zwei dann damit beginnen, Zärtlichkeiten auszutauschen, ist klar, dass dies eine unserer Top-Ten-Sichtungen ist.

6B9A2883-Verbessert-RR.jpg


6B9A2891-Verbessert-RR.jpg


Das Licht wird immer schwächer und die anbrechende Dunkelheit lässt uns schließlich von der Gepardenfamilie Abschied nehmen. Wir drücken den Kleinen und ihrer Mutter die Daumen, dass ihr Familienleben noch lange erfolgreich verlaufen wird.

Auf der Rückfahrt gen Norden werden die Lampen ausgepackt. Nun beginnt der Night-Drive-Teil des Ausflugs. Und auch in dieser Kategorie hat der Kruger heute noch etwas zu bieten. Wir müssen gar nicht lange fahren und leuchten, bis ich in einiger Entfernung das Leuchten von Augen in einem Baum ausmachen kann. Schnell kann ich den dazugehörigen Körper identifizieren und ein erfreutes „There’s a leopard in the tree!“ erschallen lassen. Dieser Satz gehört übrigens zu meinen Lieblingssätzen auf einer Safari, den man leider viel zu selten benutzen kann. 😛

6B9A2914-Verbessert-RR.jpg


Einige Zeit später haben wir das Glück, dass wir den Weg eines Civets kreuzen. Dieses Mal hat meine Frau die Entdeckung gemacht. Da das Gras an dieser Stelle nicht so hoch ist, können wir das Tier eine ganze Weile bei seinem nächtlichen Streifzug beobachten. Für wenige Augenblicke hält es sogar inne, sodass wir seine Anwesenheit in zufriedenstellender Weise dokumentieren können.

6B9A2938-Verbessert-RR.jpg


Gegen 19.30 Uhr sind wir zurück im Camp und hochzufrieden mit der Ausfahrt. Bei „Mugg and Bean“ essen wir zu Abend und bekommen noch immer keinen Stammkunden-Bonus. 😉 Auch wenn das Personal uns jetzt schon kennt.

Auf dem Weg zurück macht unsere Große eine besondere Entdeckung. Wir brauchen eine ganze Zeit, bis wir entschieden haben, ob es sich hier um ein Blatt oder ein Tier handelt. Die Diagnose ist schließlich, dass es sich um den irrsten Nachtfalter handelt, den wir je gesehen haben.

6B9A2940.jpg


6B9A2944.jpg


Nach unserer Rückkehr ergeben Recherchen, dass es eine Mondmotte (Actias luna) ist. Hier sind wir wirklich schwer begeistert, was Mutter Natur so alles zu bieten hat. 🤩

Auch ein Buschbaby ist unterwegs, möchte sich aber nicht fotografieren lassen.

Sehr viel fotofreundlicher präsentiert sich der folgende Geselle, der am Rand einer Stufe zu einer Hütte ruht und uns mal wieder deutlich ins Gedächtnis ruft, dass stets unbedingt an festes Schuhwerk zu denken ist.

6B9A2964-Verbessert-RR.jpg


Gutsortierte Shops und Restaurants täuschen schnell darüber hinweg, dass man sich auch in den umzäunten Kruger-Camps durchaus in der Wildnis befindet. Und so tauschen Mutter und Vater sorgenvolle Blicke im Angesicht unserer bisherigen Schuh-Policy.

Im Laufe des Abends frischt der Wind immer stärker auf. Auf der Grundlage unserer bisherigen Oktober-Aufenthalte wissen wir, was das bedeutet: Ein Wetterumschwung steht bevor. Morgen werden wir die Sonne wahrscheinlich nicht zu Gesicht bekommen.

Liebe Grüße in die Runde!
Sascha

Teil 1611. Dez. 2023

Kapitel 7
Teil 1: Zum ersten Mal auf Bush-Wanderung im Kruger


Der heutige Tag hält etwas Besonderes für mich bereit: Nach der ausgedehnten Autositzerei der Vortage (und Vorjahre…) unternehme ich zum ersten Mal einen geführten Bush-Walk im Kruger – die Kinder dürfen (wegen des Alters) oder wollen (aus anderen Gründen) nicht teilnehmen. Meine Frau bleibt bei ihnen und ist darüber gar nicht so unglücklich. Damit die Kinder mich überhaupt gehen lassen, musste ich am Vorabend viel über die Erfahrung der Guides und über Gewehre sprechen und vor allem ausgeprägte Vorsicht geloben: Auf Löwen-Selfies sei doch bitte zu verzichten. 😛

Zu noch nachtschlafender Zeit trotte ich zum Treffpunkt und finde dort ein israelisches Paar, eine junge Amerikanerin und eine deutsche Familie vor. Smalltalk um 4:30 Uhr. Mein Paradies. 😈

Der Wind hat sich weitgehend gelegt. Sterne sehe ich keine. Es ist also wie erwartet: Die abendlichen Böen haben eine dichte Wolkendecke über den Kruger gebreitet.
Wenig später kommen unsere zwei Guides dazu. Es gibt ein Wiedersehen mit K.O. Das freut mich sehr. Den Namen des zweiten Guides habe ich leider vergessen. Er ist ein recht ruhiger Mann, der sich mit einer starken Erkältung abmüht und wohl auch daher eher im Hintergrund bleibt.
Wir besteigen einen Neunsitzer und los geht die Fahrt durch die Dunkelheit, die uns über die nahe Sabiebrücke gen Norden führt. Nach nicht allzu langer Zeit biegen wir auf einen gesperrten Weg ein und lassen das Auto wenig später stehen. Es folgt eine Sicherheitseinweisung im Morgengrauen. Dabei liegt die Betonung heute eindeutig auf „grau“, denn das wird heute konkurrenzlos die „colour of the day“ sein. Nachdem ich einmal mehr über die Unzulänglichkeiten der menschlichen Physis informiert worden bin („You can’t outrun anything in the bush“) und die Waffen vor den Augen des Publikums geladen worden sind, bilden wir eine Gänsemarsch-Reihe und marschieren los.

104A9683.jpg


Im ersten Moment wundere ich mich darüber, dass wir einem so klar erkennbaren Pfad folgen. Dann wird klar, dass dieser Weg nicht für und von Menschen gemacht worden ist. Es ist ein Hippo-Trail. Zum Glück wandern wir nur auf den Spuren der Flusspferde und begegnen im hohen Gras keinem Exemplar auf seiner frühmorgendlichen Rückkehr zum kühlenden Nass.

In regelmäßigen Abständen wird die Reihung unserer Gruppe durchgetauscht – so ist jeder von uns einmal der letzte, den zum Glück heute aber nicht die (Wild-)Hunde (oder Löwen oder …) beißen… 😉
Überhaupt begegnet uns auf der kleinen Wanderung wenig Wild. Mir war von Anfang an klar, dass solch ein Walk kein besonders geeigneter Rahmen für Tierbeobachtung aus nächster Nähe ist. Und diese Annahme stellt sich heute als richtig heraus. Gut, dass ich das schwere Tele im Camp gelassen habe.
Weit entfernt können wir irgendwann eine Tüpfelhyäne entdecken und schließlich zeigen sich uns einige Büffel, die an uns mindestens ebenso interessiert sind wie wir an ihnen. Immer wieder sehen und wittern sie in unsere Richtung und verlieren erst das Interesse, wenn wir über längere Zeit bewegungslos verharren und so für den Büffel laut Guide zum Baum geworden sind.

104A9659.jpg


Unser (nicht sehr anstrengender) Weg führt durch hohes Gras und recht dichtes Buschland. Immer wieder halten wir an, um Hinterlassenschaften und Knochen verschiedenen Tieren zuzuordnen. Auch über diverse Pflanzen kann ich Interessantes erfahren – vergesse es aber leider auch wieder sehr schnell…

104A9677.jpg


An einem Netz von Communal Spiders bleiben wir stehen. Wegen des Windes mögen sich die Spinnen aber (trotz professionellen Stockgestochers) nicht zeigen.

104A9665.jpg


Spannend wird es, als wir auf zivilisatorische Überreste stoßen. Im Busch verstreut finden sich Reste von Gebrauchsgegenständen wie Tellern und Töpfen. Diese wurden – so erfahren wir – in der Gründungszeit des Parks von den ehemaligen Bewohnern des Landes zurückgelassen, als sie aus dem Gebiet gedrängt worden sind, um Raum für das Wildschutzgebiet zu schaffen. Ein Mosaikstein der Krugerhistorie, mit dem ich mich bei bisherigen Besuchen stets viel zu wenig beschäftigt habe (und der auch dieses Mal nur eine Randnotiz bleiben wird…).

Auf dem weiteren Weg werden wir plötzlich auf eine Nightjar hingewiesen, die unter einem Busch ihren Tag verbringt. Kein Ahnung, wie unser Guide diesen so gut getarnten Vogel entdecken konnte, denn ich kann ihn erst nach genauem Zeigen und Erläutern irgendwann entdecken. Dann aber bin ich selig: Eine Tagessichtung eines solchen Vogels war mir bisher nicht vergönnt. Bald wird es der Nachtschwalbe aber zu bunt und sie fliegt auf (und davon). Von der Größe her mag es eine Welwitschnachtschwalbe gewesen sein – meint der Guide.

104A9668.jpg


Wenig später erreichen wir einen felsigen Platz am Flussufer, an dem wir eine Rast einlegen. Dabei leistet uns ein Flusspferd Gesellschaft, während Wasser, Biltong, Cracker und Käse verteilt werden.

104A9672.jpg


Auf dem anschließenden Weg zurück zum Auto – immer schön auf Hippo-Pfaden und den bewaffneten Menschen hinterher – sehen wir kein weiteres Tier und auch die kurze Rückfahrt nach Lower Sabie bleibt ziemlich sichtungsfrei.
Bald darauf sind wir wieder im Camp und ich um eine Erfahrung reicher. Abgesehen von der (wirklich schönen) Nightjar war der Ausflug sichtungstechnisch keine große Nummer. Aber durch die Unmittelbarkeit des Buscherlebnisses, die so viele Sinne direkter anspricht als es ein Gamedrive tun kann, möchte ich den Ausflug nicht missen. Außerdem ist solch eine kleine Wanderung tatsächlich eine willkommene Abwechslung zum ständigen Autofahren.

Teil 1714. Dez. 2023

Teil 2: Weitgehende Sichtungspause

Nach meiner Rückkehr vom Morning Walk dauert es nicht lange, bis wir zu viert in unser Auto steigen und einen gemeinsamen Gamedrive gen Crocodile Bridge unternehmen. Aber heute ist es wie verhext: Bei anhaltend grauem Wetter und auffrischendem Wind zeigt sich das Wild nicht an exponierten Stellen, sondern verbirgt sich im dichten Busch. Dort ist es wahrscheinlich wesentlich angenehmer auszuhalten. Daher gibt es heute leider nicht mehr allzu viel zu berichten. Unser Morning Drive ist der Prototyp des Unspektakulären. Wenig Tier in schlechtem Licht.

104A9711(2).jpg


Und die maue Morgen-Runde bekommt heute tatsächlich noch Konkurrenz: Denn auch unsere kleine Nachmittagsausfahrt führt unterm Strich zu nichts Besonderem – und ehrlich gesagt auch zu beinahe nichts Gewöhnlichem. Der Erlebniswert dieser Autostunden am Morgen und Nachmittag pendelt sich gegen Null ein. Das spektakulärste ist da noch die weggewaschene Straße am Sabie. Schade um den Diesel und die Zeit. Auch so kann Safari sein.

104A9754(2).jpg


6B9A3019(2).jpg


6B9A3053(2).jpg


Etwas unbefriedigt buchen wir zum Ausgleich einen Nightdrive – irgendwas muss heute doch noch gehen…

Unsere Stunden im Camp sind im Vergleich mit den heutigen Familienausfahrten viel schöner. Die hartgesottenen Kinder nutzen den mehr oder minder verwaisten Pool, wir essen mal wieder nett bei Mugg and Bean. Und auch die Vogelwelt lässt uns nicht gänzlich im Stich. Vor unserem Häuschen statten uns zweierlei Barbets, Wiedehopf, Braunkopfpapagei und Weißbrauenrötel einen Besuch ab.

6B9A2979(2).jpg


6B9A2986(2)-2.jpg


6B9A2965(2).jpg


6B9A2993(2).jpg


6B9A2998(2)-2.jpg


Und auch eine Grünmeerkatze ist dabei.

6B9A3004(2).jpg


Als die Nacht hereinbricht, zünden wir ein Lagerfeuer in der Grillstelle unserer Hütte an. In Decken gekuschelt verbringen wir so eine gute Zeit. Wir rösten Marshmallows, lauschen dem Knistern der Flammen und blicken in die Finsternis.
Dann geht’s zum Abschluss für zwei Stunden auf Nachtfahrt. Auch hier halten sich die Begegnungen doch sehr in Grenzen. Heute ist einfach der Wurm drin.
Aber immerhin: Eine schöne Genet-Sichtung auf Augenhöhe

6B9A3061-Verbessert-RR(2).jpg


und eine neben der Straße kauernde Falbkatze lassen das Safari-Herz ein wenig hüpfen.

6B9A3069-Verbessert-RR(2).jpg


Zwei Stachelschweinen begegnen wir außerdem – die unscharfen Popo-Fotos dieses Aufeinandertreffens erspare ich euch aber lieber.
Bald rufen dann auch schon die Betten und wir drücken die Daumen, dass sich der morgige Tag, der uns nach Satara führen wird, nach der heutigen Sichtungsflaute in besserer Safari-Form zeigen wird. Drückt doch gerne mit! 😉

Teil 1819. Dez. 2023

Kapitel 8: Schlag auf Schlag – ein Katzentag

Heute stehen wir einmal mehr gemeinsam ganz früh auf, um uns auf den Weg nach Norden zu machen. Der Morgen begrüßt uns in etwas sanfteren Grautönen. Es ist kühl und feucht, die Sonne wird es wohl auch heute schwer haben.
Nachdem wir in eingespielter Manier unser Geraffel ins Auto verfrachtet und einige Snacks für unterwegs bereitet haben, verabschieden wir uns von Lower Sabie. Schön war es hier.
Im matten Zwielicht kreuzen wir den Fluss und fahren bald durch eine immer offener werdende (aber dabei sehr diesige) Landschaft – das ist wohltuend, wenn man die letzten Tage im teilweise dichten Busch des Südkrugers verbracht hat. Leider lassen sich zu früher Stunde keine Tiere sehen. Ist es heute gar wieder zu ungemütlich und damit eine weitere Sichtungsflaute vorprogrammiert? 😵
Nach einiger Zeit stoßen wir aber zum Glück auf eine gigantische Büffelherde. Mehrere hundert Tiere grasen links und rechts des Wegs, die montierten Objektive können das Ausmaß gar nicht erfassen und zum Ummontieren haben wir keine Lust. Hier verweilen wir eine Weile und betrachten Büffel unterschiedlichen Alters bei ihrer frühmorgendlichen Beschäftigung im trüben Licht.

6B9A3082.jpg


6B9A3087.jpg


Besonders beeindruckt uns der Kampf zweier Haudegen, der sich nicht weit von unseren Fenstern abspielt. Hier wird mit enormer Vehemenz gedrückt und gerangelt. Was für Kraftpakete diese Büffel doch sind!

6B9A3096.jpg


Als wir weiterfahren wollen, beginnen die Büffel damit, die Straße zu queren. Naja, dann bleiben wir eben noch eine Weile hier und verpassen die Löwen, Leoparden und Wildhunde, die bestimmt gerade wenige hundert Meter vor uns die Straße bevölkern… 😗
Irgendwann können wir unseren Weg dann schließlich fortsetzen.

Die Fahrt führt durch schöne Landschaft. Die Bühne gehört auf der folgenden Etappe dabei einmal mehr den gefiederten Bewohnern des Nationalparks.
Sowohl dem recht fotogen posierenden Swainsonfrankolin

6B9A3107.jpg


als auch dem Burchell’s Coucal sieht man die feuchtkühle Witterung der frühen Morgenstunden durchaus an. In dieser Gegend gibt es am Straßenrand in sehr schöner Regelmäßigkeit Sichtungen dieser Vögel. In einer solchen Dichte haben wir Coucals noch nie zuvor gesehen.

6B9A3111.jpg


Eine Rotschopftrappe (mal wieder mit unsichtbarem roten Schopf…) macht ausdauernd rufend auf sich aufmerksam.

6B9A3125.jpg


Und als Erstsichtung reiht sich zu unserer Freude eine Knob-billed duck in den Vogelreigen ein.

6B9A3132.jpg


Säugetiere bleiben dagegen erstmal Mangelware – wir sehen zwar Kudus, Zebras und Elefanten, mögen diese aber wegen der Distanz und/oder das miesen Lichts nicht fotografieren. Überhaupt haben wir durch die montierten Telelinsen immer wieder ein Problem mit schönen Elefantenfotos. Brennweite und Motivgröße mögen hier oft nicht zusammenpassen. Diesbezüglich müssen wir uns mal eine Lösung überlegen…
Eine Ausnahme in Bezug auf die Säugetier-Fotoflaute macht ein Warzenschwein, das sich nah der Piste einfach zu sehr als Motiv anbietet, um an ihm achtlos vorbeifahren zu können.

6B9A3119.jpg


Und auch zwei Hyänen kreuzen kurz vor uns die Fahrbahn, sind aber so flott im dichten Busch verschwunden, dass unsere Fotos nur zu erahnende getüpfelte Hinterteile im Gestrüpp abbilden. Nicht sehr vorzeigbar.

Zur besten Frühstückszeit erreichen wir den Picknickplatz Tshokwane. Es sind noch nicht viele andere Menschen hier und so genießen wir in Ruhe ein kleines Frühstück.

Bald geht es weiter nach Norden. Und es dauert gar nicht lange und wir können im etwas entfernten Flussbett, an dem die Straße entlangführt, ein Löwenrudel ausmachen. Weit verstreut liegen hier rund sieben Katzen, die unlängst ein Zebra gerissen haben. Den Kill und die fressenden Löwen kann man nur erahnen – nicht sehr serviceorientiert haben sie ihr Gelage hinter einen großen Busch verlegt. Und sowieso findet das Geschehen für eine wirklich intensive Beobachtung (von schönen Fotos gar nicht zu reden) in zu großer Distanz statt. Und so bleiben wir nicht lange vor Ort, freuen uns aber schonmal darüber, dass wir heute immerhin schon eine Löwensichtung verbuchen konnten.

6B9A3145.jpg


Nur wenige Minuten weiter nördlich treffen wir auf zwei weitere Löwinnen, die weitaus näher an der Straße liegen. Eine der beiden mag sich nicht aus ihrer Seitenlage herausbewegen. Die andere wirft uns immerhin einige desinteressierte Blicke zu. Mit mehr kann man hier wohl nicht rechnen und so verlassen wir auch Löwensighting Nummer Zwei nach wenigen Minuten wieder.

6B9A3169.jpg


Und das ist unser Glück, denn gar nicht viel später stoßen wir auf zwei Autos am Straßenrand und erfahren, dass ein Leopard unlängst den Weg gequert hat. 🤩 Leider ist er gerade nicht mehr zu sehen und überhaupt steht hier das Gras sehr hoch und bietet einer Raubkatze perfekte Bedingungen zum Unsichtbarwerden. Etwas enttäuscht möchte ich schon weiterfahren, aber zum Glück setzt sich meine Frau durch, die meint, dass wir unbedingt noch etwas verharren sollten, immerhin wüssten wir, dass ein Leopard in der Nähe ist. Und die kurze Geduld wird belohnt: Schon bald können wir eine Leopardendame unweit der Straße ausmachen. Wie gesagt – das Gras ist hoch und so ist es fast unmöglich, die Katze zufriedenstellend zu fotografieren. Von den zahlreichen Bildern sind nur ganz wenige scharf oder weitgehend grasfrei. Hier ist eines von ihnen. In einem so frischen Grün hatten wir selten einen Leoparden.

6B9A3185.jpg


Wir fahren eine Weile im Schritttempo parallel zur Katze, aber es will sich keine wirkliche Lichtung ergeben. Das ist schon etwas frustrierend. 😣 Dann ändert sich die Situation aber plötzlich grundlegend. Der Leopard springt ganz unvermittelt (daher auch kein Foto…) auf einen Baum, der direkt neben uns am Rand der Straße steht. Vielleicht fünf Meter trennen uns nun von der schönen Raubkatze, die abwechselnd in die Ferne und zu uns herüberschaut.

104A9963-2.jpg


6B9A3205.jpg


Schließlich beginnt sie sich ausgiebig zu putzen und verlässt dann den Baum so unvermittelt und schnell, wie sie ihn bestiegen hat (daher auch hier kein scharfes Foto…), um nun endgültig im hohen Gras zu verschwinden.

6B9A3211.jpg


Nun sind wir mit dem Morgen wirklich rundum zufrieden – eine schönere Leopardensichtung werden wir auf der Tour nicht mehr haben.

Und weiter geht es gen Norden. Aber wieder kommen wir nicht sehr weit, denn direkt am Straßenrand tummeln sich drei Hyänenkinder, deren Bau sich wohl unter der Fahrbahn befindet. Eine adulte Hyäne liegt nahebei. Unsere Aufmerksamkeit wird aber gänzlich von den Kleinen beansprucht, die durchaus ruppig miteinander balgen. Hier werden Ohren und Schwänze tüchtig in die Länge gezogen. Ein munterer Ringelreihen.

104A0106.jpg


104A0300.jpg


104A0317.jpg


Glücklich beobachten wir das wilde Spiel – eine solche Sichtung ist auch für unsere Kinder eine tolle Sache und so bleiben wir eine ganze Weile bei den Hyänen, die uns beste Unterhaltung bieten.

6B9A3230.jpg


6B9A3242-2.jpg


In diesem Alter sind Tüpfelhyänen einfach zuckersüß.
Irgendwann reißen wir uns los, denn während der Hyänenbetrachtung haben wir von einem entgegenkommenden Fahrer erfahren, dass etwas nördlich von Satara eine besondere Sichtung sein soll.

Wir queren den Sweni, lassen das Rastlager links liegen und fahren noch etwa acht Kilometer nach Norden, wo wir schon eine Ansammlung von Fahrzeugen erkennen können. Direkt an der Straße hat ein Löwenrudel einen Büffel gerissen. Das tote Tier liegt vielleicht zwei Meter neben der Fahrbahn.
Zuerst haben wir keine gute Sicht auf den Kern des Geschehens und begnügen uns mit der Beobachtung der Rudelmitglieder, die bereits ihren ersten Hunger gestillt haben und etwas entfernt unter einigen Bäumen ruhen. Tatsächlich ist die Wolkendecke im Lauf des Morgens immer dünner und die Wärme entsprechend spürbarer geworden.

6B9A3258.jpg


Beim Schritttempo-Fahren am Riss vorbei entsteht der ein oder andere Schnappschuss aus unmittelbarer Nähe.

6B9A3264.jpg


Wir halten aber schließlich etwas entfernt von dem Autoknäuel, das direkt neben dem Riss in Handy-Foto-Distanz verharrt und können den Riss und das Rudel ganz entspannt und ohne Platzgerangel beobachten und mit unseren Teleobjektiven fotografieren. Dass hier auch einige Jungtiere dabei sind, freut uns besonders.

6B9A3281.jpg


6B9A3288.jpg


6B9A3305.jpg


6B9A3313.jpg


6B9A3322-2.jpg


Nach einer ganzen Weile können wir uns schließlich einen näheren Spot sichern und haben nun einen guten Blick auf den Büffelriss – Geruchskino inklusive.

104A0658-2.jpg


104A0673-2.jpg


104A0676-2.jpg


104A0687-2.jpg


Zur Mittagszeit verabschieden wir uns in höchstem Grad zufrieden von dem Löwenrudel und fahren nach Satara zurück. Es ist im Laufe der Zeit wieder richtig warm geworden und auch die Sonne scheint hier und da durch Lücken in der Wolkendecke hindurch. Die Kinder reklamieren Zeit für Pool, Bewegung und Entspannung. Dem kommen wir nach einem solchen Morgen nur allzu gern nach.

Teil 1902. Jan. 2024

Fortsetzung (endlich... 😉 )

Satara ist bekanntlich eines der großen Camps des Kruger, das mit seiner Ringstruktur durchaus verwirrend aufgebaut ist. Abgesehen von einem recht gering frequentierten Wasserloch, das nach Einbruch der Dunkelheit sogar beleuchtet wird, bietet das Rastlager eher wenig fürs Auge. Wegen der wunderbaren Lage inmitten offener Savanne mit reichem Wildbestand ist Satara aber für uns bei jedem Kruger-Aufenthalt stets für einige Nächte gesetzt. Und auch im Camp selbst kann man die ein oder andere schöne Entdeckung machen.
Wir beziehen unser Family-Chalet im D-Circle. Witzigerweise ist es genau die gleiche Behausung, die wir bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren bewohnt haben. Hier hat sich nichts verändert. Das Haus bietet einen Wohn-Essbereich, von dem zwei riesige Schlafzimmer mit jeweils drei Betten abgehen. Alles ist Sanparks-typisch einfach und rustikal gestaltet – für uns völlig in Ordnung. Hier zählt Lage, Lage, Lage.

Während die Kinder im Pool bleiben, versuche ich die berühmten Zwergohreulen des Camps ausfindig zu machen, die ihre Schlafplätze gewöhnlich vor der Rezeption oder in einem der Bäume neben der Restaurantterrasse haben. Leider will mir das trotz akribischer Suche nicht gelingen. 🙁 Das ist unerwartet, bin ich doch davon ausgegangen, dass die Scops-Owls hier eine garantierte Sichtung sind. Und auch in den nächsten Tagen werde ich trotz regelmäßiger und wirklich hartnäckiger Versuche keine der kleinen Eulen auf ihren angestammten Schlafplätzen antreffen. Sooo schade. 😕

Unser gegen 16 Uhr beginnender Nachmittags-Gamedrive führt uns wenig überraschend zurück zum Löwenrudel. Warum soll man auch ereignisloses Buschstarren riskieren, wenn die Löwen so nahe liegen. Die Raubkatzen sind erwartungsgemäß noch vor Ort. Sie haben aber Gesellschaft bekommen: Rund um den Riss liegen und stehen in respektvollem Abstand einige Tüpfelhyänen herum und warten darauf, dass die Löwenmehrheit irgendwann abziehen möge.

6B9A3335.jpg


Und auch Kappengeier sind unterwegs – wohl wissend, dass ihre Stunde noch schlagen wird.

6B9A3380.jpg


Bei Löwens ist nachmittägliches Chillen angesagt. Zum Glück erbarmt sich bald einer der zwei anwesenden Kater und bewegt sich aus der stabilen Seitenlage hinaus.

6B9A3344.jpg


Am Riss angekommen, beginnt er zu ausdauernd zu gnaulen.

104A8722-2.jpg


104A8740-2-2.jpg


Die Löwinnen haben sich derweil in weitere Entfernung zurückgezogen. Nur die Jungtiere spazieren immer wieder durch das Gras und bieten uns schöne Motive.

6B9A3346.jpg


Am meisten wird unsere Aufmerksamkeit aber natürlich durch die Aktivitäten am Riss gebunden. Der Löwenkater ruht sich in unmittelbarer Buffetnähe vom anstrengenden Fressgeschäft aus, während sich bald sein Mähnengenosse hinzugesellt.

6B9A3403.jpg


Nun ist es an ihm, seinen Appetit zu stillen. Wir beobachten lange und interessiert das Geschehen. Es ist ein sehr intensives Erlebnis für viele Sinne, das sich uns bietet: Das Zerren der Pranken und Mäuler, das Knacken von Knochen, das Reißen von Haut. Dazu die ganze Duftpalette, die ein aufgebrochener Büffel zu bieten hat.

6B9A3487.jpg


6B9A3491.jpg


6B9A3546.jpg


6B9A3551.jpg


104A8803-2.jpg


Als sich die Sonne schließlich dem Horizont nähert und sich die Hyänen noch immer in Geduld üben müssen, denn zwei Löwenkater in der Blüte ihrer Jahre belästigt man wohl besser nicht zu sehr, fahren wir zurück nach Satara. Wir haben Glück, im Cattle-Baron noch einen Platz ergattern zu können – das Camp ist bis zum Rand ausgebucht und das Restaurant daher mehr als gut besucht… Auch das ist Kruger. 😉

Vor und nach dem Abendessen spazieren wir mit unseren Lampen bewaffnet durch das Camp. Zuerst können wir dabei einen der tagsüber in den Bäumen nahe der Rezeption ruhenden Flughunde dabei beobachten, wie er eine Frucht verputzt. Es macht Spaß, das Tier zur Abwechslung mal in Aktion zu erleben.

6B9A3568.jpg


Und dann folgt alsbald ein weiterer Höhepunkt dieses reichhaltigen Tages, wenn nicht sogar der gesamten Tour: Nahe der Rezeption nimmt meine Frau eine gemächliche Bewegung in einem der niedrigen Bäume wahr. Zuerst denken wir an eine Ginsterkatze – aber die Bewegungen und Proportionen wollen irgendwie nicht so recht stimmen. Behutsames Leuchten offenbart dann schnell, dass wir einem Riesengalago gegenüberstehen. 🙂

6B9A3586.jpg


Wechselseitig tauschen wir lange Blicke. Und wir sind voller Freude: Eine solche (nicht flüchtige) Sichtung hatten wir uns schon lange gewünscht. Ganz anders als sein kleiner und nie stillhaltender Verwandter strahlt das Riesenbushbaby eine enorme Gemütsruhe aus. Der kleine Teddybär bewegt sich mit wohlbemessenen Schritten durch das Geäst des Baumes und meidet große Sprünge.

6B9A3606-Verbessert-RR.jpg


Später am Abend hören wir in der Nähe des beleuchteten Wasserlochs hoch oben in den Bäumen uns fremde Geräusche. Es stellt sich heraus, dass hier drei weitere Riesengalagos unterwegs sind, die munter miteinander kommunizieren.

6B9A3621-Verbessert-RR.jpg


Es ist einfach eine großartige Sache, an den Abenden durch die Camps zu streifen. Man ist dabei in der Regel völlig allein unterwegs und immer wieder ergeben sich ganz wunderbare Sichtungen, die den Gamedrives am Tage in nichts nachstehen. Teilweise sind solche Streifzüge auf dieser Tour die eigentlichen Highlights und das „Salz in der Suppe“.

6B9A3661-Verbessert-RR.jpg


Bis wir Nackenschmerzen bekommen, beobachten wir das Treiben in den Bäumen und sind ganz selig: Was für ein schöner Safaritag geht hier zu Ende!

Teil 2008. Jan. 2024

Kapitel 9: Rund um Satara

Obwohl wir früh dran sind, hat sich vor dem noch verschlossenen Tor bereits eine kleine Autoschlange gebildet. Als der Zugang zum Park pünktlich um 5:30 Uhr geöffnet wird, verteilen sich die Fahrzeuge jedoch zum Glück recht schnell. Erwartungsgemäß fahren die meisten in Richtung Süden – die S100 hat ja einen legendären Ruf für Raubtiersichtungen. Wir können dies aber leider kaum bestätigen… 😏
Daher orientieren wir uns lieber nach Norden und statten dem Büffelriss einen frühmorgendlichen Besuch ab. Der Morgendunst hat den heutigen Tag fest in seinem Griff und so finden wir einen ziemlich abgefressenen Kadaver und immerhin noch drei Löwen in gedämpften Farbtönen vor.

6B9A3672.jpg


6B9A3674.jpg


Während einer der Löwenkater gemeinsam mit einer Gefährtin ruht, knuspert der andere emsig an den verbliebenen Fleischresten herum.

6B9A3711.jpg


Hier bleiben wir eine ganze Weile stehen. Eine Löwensichtung am frühen Morgen wirkt sich so angenehm entspannend auf die Erwartungen an den gerade anbrechenden Tag aus. 😉

Als sich auch der zweite Löwenkater gesättigt niederlegt, drehen wir um und fahren zurück nach Süden, um der S100 eine neue Chance zu geben. Aber es ist wie immer: Auf dieser Straße wollen uns nur in sehr eingeschränktem Maße Sichtungen gelingen.
Immerhin schafft es ein Yellow-throated longclaw (Gelbkehlpieper) zum ersten Mal auf ein Foto.

6B9A3725-2.jpg


Erst auf der H6 haben wir wieder ein paar schöne Sichtungen. Denn hier befindet sich unweit der Einbiegung von der S41 seit Jahr und Tag ein Tüpfelhyänenbau. Und auch heute ist hier einiges los. Einige erwachsene Hyänen stehen und liegen herum, während ein paar Teenager mit einem Giraffenschädel herumspielen.

6B9A3739-2.jpg


6B9A3736.jpg


Fast noch mehr freuen wir uns aber über die Sichtung eines African Hawk-Eagles unweit der Straße. Leider ist das Licht noch immer nicht in Bestform und wird es auch heute nicht mehr werden…

6B9A3746.jpg


Dann gehört die Bühne einer Elefantenherde, bei der vor allem ein Jungtier durch seine quirlige Art unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ganz neugierig rüsselt es durch die Gegend.

6B9A3754.jpg


6B9A3752.jpg


Und auch ein paar Hornraben sind in der Gegend unterwegs und werden dokumentiert.

6B9A3761.jpg


Schließlich fahren wir die H1-4 noch ein wenig auf und ab.
Es kommt zu einer nicht ganz jugendfreien Giraffensichtung. Für uns eine Premiere in der Kategorie „sich paarende Tiere“.

104A8934.jpg


Außerdem zeigen sich Kronenkiebitz, Büffel und Wasserbock in Nahdistanz.

6B9A3767.jpg


6B9A3770.jpg


104A8949.jpg


Unser Highlight folgt aber auf dem erneuten Weg zum Büffelriss. Auf einer Grasebene neben der Straße können wir plötzlich einen emsig herumlaufenden Honigdachs erblicken.

6B9A3781.jpg


Das ist natürlich eine ganz spezielle Freude für uns und am fortgeschrittenen Morgen eine ziemliche Überraschung! Ganz umtriebig ist der schwarzweiße Geselle unterwegs. Immer wieder hält er inne, gräbt ein wenig und setzt dann seinen Weg fort. Hier hat jemand offensichtlich großen Appetit. Wir sind ganz allein mit dem Honeybadger und können ihn so eine ganze Weile entspannt begleiten. Bei seinem Streifzug kommt er uns dabei glücklicherweise immer näher.

6B9A3844.jpg


6B9A3855.jpg


Ein entgegenkommendes Gamedrive-Fahrzeug macht uns auf eine wenige hundert Meter weiter nördlich liegende Löwin aufmerksam. Uns aber interessiert der Honigdachs weitaus mehr. Auch wenn das der Guide gar nicht zu verstehen scheint und gleich weiterfährt. Wir bleiben, bis der Honigdachs irgendwann in einem Bau verschwindet und auch nach einigen Minuten nicht mehr auftauchen will.

Zufrieden geht es weiter nach Norden, vorbei an der angekündigten Löwin, die wenig fotogen im Schilf verborgen herumliegt.

Als wir den Büffelriss erreichen, hat hier zwischenzeitlich ein Schichtwechsel stattgefunden. Alle Löwen sind fort. Die Geier haben den Kadaver übernommen und bieten ein nicht minder interessantes Schauspiel.

6B9A3872.jpg


Da wartet der Schabrackenschakal lieber in respektvollem Abstand.

6B9A3877.jpg


Auf der Rückfahrt zum Camp fotografieren wir schließlich endlich mal einen Elsterwürger. Diese Vögel sind im Kruger omnipräsent. Daher verschiebt man ein Foto gern auf später und vergisst es dann irgendwie immer…

6B9A3881.jpg


Einmal mehr fahren wir zufrieden ins Camp zurück. Trotz der geschlossenen Wolkendecke ist es warm. Es beginnt das Kinderprogramm.

Teil 2113. Jan. 2024

Fortsetzung

Der Rest des Tages ist recht schnell erzählt. Einen Mittagssnack gibt’s bei Cattle Baron, ausgiebig wird von Teilen der Familie der Pool genossen und ich versuche einmal mehr beharrlich eine der Zwergohreulen des Camps zu finden.
Während die Sonne immer stärker durch die Wolken bricht und es einmal mehr richtig heiß wird, scanne ich in den bekannten Bäumen sorgfältig Ast für Ast. Heute wird die Hartnäckigkeit aber leider nicht belohnt. 🙁
Abseits von den verschwundenen Eulen kann ich so aber eine Reihe anderer Vertreter der Vogelwelt ablichten. Nichts Spektakuläres – aber insgesamt schöne Sichtungen der typischen gefiederten Camp-Mitbewohner.

6B9A3893.jpg

Arrow-marked Babbler (Weißstrichel-Drosselhäherling)

6B9A3896.jpg

Burchell’s Starling (Riesenglanzstar)


6B9A3903.jpg

Red billed Hornbill (Rotschnabeltoko)

6B9A3905-2.jpg

Blue Waxbill (Blauastrild)

6B9A3913.jpg

Yellow billed Hornbill (Gelbschnabeltoko)

Und auch die Reptilien- und Säugetierwelt ist in Sataras Bäumen vertreten.

6B9A3916.jpg

Buschhörnchen – immer wieder niedlich

6B9A3908.jpg

Baumagame – immer wieder schön

Um 16 Uhr raffen wir uns trotz großer Hitze zu einer kleinen Nachmittagsrunde auf. Das Licht ist nun bedeutend besser als am Vortag. Die Sichtungen halten sich aber heute etwas in Grenzen.
Es sind Elefanten unterwegs und wir freuen uns über einige unverbuschte und entspannte Sichtungen.

104A8973.jpg


Und auch Büffel und Zebras zeigen sich uns. Letztere übrigens in enormer Zahl. Noch nie haben wir im Kruger solche Zebra-Massen gesehen, wie in diesem Jahr rund um Satara.

6B9A3925.jpg


104A8988.jpg


Schön ist die Beobachtung einer Sattelstorchfamilie, die sich in unmittelbarer Nähe der noch immer anwesenden Schilf-Löwin aufhalten, von der wir auch jetzt kein vorzeigbares Foto bekommen.

6B9A3938.jpg


6B9A3942.jpg


Dann gibt es wieder Elefanten.

6B9A3950.jpg


Und schließlich kommen wir erneut am Büffelriss an. Das Besondere am diesjährigen Aufenthalt in Satara ist, dass wir bei der Verwertung des Büffels über mehrere Tage dabei sein können. Zuerst durch die Löwen, dann durch die Geier und nun ist der knochige Rest fest im Besitz der Tüpfelhyänen, die immer wieder aufgeregt fiepend die Überreste mit ihren leistungsstarken Kiefern zum Bersten bringen.

6B9A3982-2.jpg


6B9A3987.jpg


104A9009.jpg


104A8997.jpg


Zurück in Satara bleibt gar nicht so viel Zeit für Entspannung, denn für den heutigen Abend haben wir bereits im Vorfeld der Reise einen Nightdrive gebucht, da wir Sorge hatten, dass beliebte Aktivitäten wegen der südafrikanischen Ferien ausgebucht sein könnten. Das war rückblickend eine absolute Fehlannahme. Wie fast immer, so wären auch in diesem Jahr keine Vorausbuchungen notwendig gewesen. Und eigentlich haben wir heute gar nicht so viel Lust auf eine weitere Ausfahrt… 😗
Trotzdem finden wir uns pünktlich auf der Ladefläche des LKWs ein und werden von einem mäßig motivierten Guide eingewiesen, der heute eine Aktivität nach Schema F durchführen wird. Ganz anders als wir es hier teilweise in den letzten Jahren erleben durften. Mit uns an Bord sind viele leuchtunwillige und -unerfahrene Touristen, so dass Sichtungen in den kommenden zwei Stunden eher schwierig werden. Entweder entdecken die irrlichternden Lichtkegel keine Tiere abseits von Gnus und Zebras oder es sind einfach gerade keine da. Dabei ist Satara mit der offenen Savannenlandschaft eigentlich ein guter Ort für Nachtausfahrten, da man hier auch in eine relativ große Ferne leuchten kann.
Und so ist die Ausbeute an Nachtkreaturen am Ende der Fahrt recht übersichtlich. Einzig ein Milchuhu sitzt neben der Straße und lässt sich aus Nahdistanz beobachten, bis er sich auf mächtigen Schwingen in die Dunkelheit verabschiedet. Neu gelernt habe ich, dass der Milchuhu nun (?) zu den Fisch-Uhus (Ketupa) gezählt wird und kein Bubo mehr (?) ist. Nach der Pleite in Bezug auf das Auffinden der Zwergohreulen kann die Milchuhu-Sichtung den Eulenfreund etwas trösten.

6B9A4018-Verbessert-RR.jpg


Und dann lässt sich – wie so oft auf Nachtfahrten – eine Ginsterkatze blicken, bei deren Entdeckung ich den Guide erst überreden muss, den Truck zu stoppen, denn er meint, dass hier – wie die meiste Zeit der Ausfahrt – nichts zu sehen wäre.

6B9A4031-Verbessert-RR.jpg


Kurz vor Satara finden wir noch eine dösende Wildkatze, die jedoch für vorzeigbare Bilder zu weit entfernt ruht.
Insgesamt sind wir am Ende ganz froh, als wir wieder in unserer Hütte sind, denn wir sind von den letzten Tagen allesamt doch ganz schön müde – das muss sogar ich zugeben. Entsprechend schnell geht es in die Betten, denn mit Sonnenaufgang soll es morgen (jedenfalls für mich) weitergehen. Die anderen möchten nach der Nachtfahrt ein paar Stunden länger schlafen.

Teil 2217. Jan. 2024

Kapitel 10: Noch immer Satara

Heute fahre ich allein auf eine frühe Pirsch. Wie immer geht es zu Gateöffnung los und ich steuere das Auto erstmal gen Norden, um dem Riss einen erneuten Besuch abzustatten. Auf der Fahrt dorthin herrscht Sichtungsflaute und auch vor Ort kann ich nur noch einen einsamen Büffelschädel im Gras entdecken. Die Vorstellung ist hier endgültig vorbei. Toll war’s!

Ich kehre um und fahre nun die H1-3 gen Süden. Knapp verpasse ich einige Löwen, die die Straße gequert haben und leider bereits im Busch verschwinden. Es ist immer blöd, dann anzukommen, wenn sich zwei gerade noch stehende Fahrzeuge gerade wieder in Bewegung setzen… 😵
In Ermangelung von Alternativen ist dann ein Steinböckchen das erste Motiv des Tages. Immerhin: Endlich gibt es wieder schönes Morgenlicht!

6B9A4042(2).jpg


Bis zum Kumana Dam fahre ich und sehe dort – leider in fiesem Gegenlicht – eine Büffelherde gigantischen Ausmaßes. Am gesamten Seeufer und auf der es umgebenden Ebene steht Büffel an Büffel. Beeindruckend!

104A9035(2).jpg


Ich kehre um und sehe auf der Rückfahrt einige Elefanten. Mehr scheint der Morgen nicht zu bieten zu haben.

104A9037(2).jpg


Ein kurzer Abstecher zum Nsemani Dam führt dann immerhin zu einer Löwensichtung in weiter Entfernung. Ein stattlicher Kater stillt hier ausdauernd seinen Durst.

6B9A4044(2).jpg


Recht früh kehre ich ins Camp zurück und wir frühstücken gemeinsam in aller Ruhe. Dabei erfreuen wir uns an dem frischen Grün des Camps. Baobabs mit Laub sind für uns immer noch eine besondere „Sichtung“.

104A9039(2).jpg


104A9040(2).jpg


Am späteren Morgen fahren wir nochmal gemeinsam raus. Wir möchten die S90 ausprobieren, die wir bisher nie gefahren sind. Die Dirtroad stellt sich als sehr angenehme Wahl heraus. Sie führt über eine weite Ebene, die gute Sichtungen ermöglichen würde, wenn denn Tiere anwesend wären. Das ist heute aber leider erstmal nicht der Fall. Nur ein Strauß zeigt sich gnädig.

6B9A4056(2).jpg


Irgendwann stoßen wir aber zum dritten Mal auf dieser Tour auf einige Löwen, die – dieses Mal in weiter Entfernung – einen Büffel erlegt haben. Wir können einige der Katzen im Gras nur erahnen. An gute Fotos ist hier aber sowieso nicht zu denken. Die große Distanz und die immense Hitze verhindern klare Aufnahmen. Hier ein Flimmerlöwe als Beispiel.

6B9A4063(2).jpg


Das macht deutlich, wie wertvoll die Randstunden des Tages zu dieser Jahreszeit für Fotografen sind.

Auf der Rückfahrt steht die Vogelwelt des Kruger im Mittelpunkt. Es ergeben sich auf der S90 plötzlich recht schöne Sichtungen am Straßenrand.

6B9A4078(2).jpg

Chestnut-backed Sparrow-Lark (Weißwangenlerche) – konnten wir bisher noch nicht auf einem Foto festhalten

6B9A4091(2).jpg

Temminck’s Courser (Temminckrennvogel)

6B9A4100(2).jpg


6B9A4101(2)-2.jpg

Namaqua Dove (Kaptäubchen) - weiblich und männlich

Am späten Vormittag sind wir wieder „zuhause“. Jetzt steht in der Gluthitze des Tages eine ausgedehnte Siesta an.

Teil 2318. Jan. 2024

Hallo zusammen,
ein kleiner Zwischenbeitrag zu Satara, um dem Interesse nach guten Häuschen dort nachzukommen:
Wir finden die Häuser im D-Circle prima, obwohl man hier keinen wirklich schönen Blick hat. Man ist aber am Rand des Camps und hier stehen eben auch die Unterkünfte, die für unsere Familiengröße sehr gut geeignet sind (gelb markiert). Ein positiver Nebeneffekt der Häusergröße ist, dass der D-Circle im Vergleich zu den anderen Kreisen viel weniger dicht bebaut ist. Nur verlaufe ich mich im Dunkeln auf dem Weg vom D-Circle zur Rezeption immer, weil es in Satara kaum gerade Wege gibt...
Wenn wir zu zweit unterwegs wären (oder wenn die Kinder mal ihr eigens Häuschen bewohnen möchten), würde ich aber die in der Abbildung rot markierten Häuser bevorzugen. Sie liegen (wie man unschwer sieht...) nicht in der typischen Ringstruktur, sondern sehr ruhig an der Umzäunung - u.a. mit guten Chancen auf nächtliche Hyänenbeobachtung.

satara-map.png


Lieber Gruß
Sascha

Teil 2422. Jan. 2024

Fortsetzung

Der frühe Nachmittag bietet einen erneuten Versuch, die Zwergohreulen in Satara zu finden. Wie bereits erwähnt, wird auch dieser leider erfolglos bleiben. Auch die Unterstützung von Restaurantmitarbeitenden hilft nichts – die Eulen bleiben verschwunden. 😐
Die Suche produziert jedoch einiges an „Beifang“ – in den Bäumen und Sträuchern Sataras ist jede Menge los.

6B9A4123.jpg

White-throated Robin-Chat (Weißkehlrötel)

6B9A4127.jpg

Speckled Mousebird (Braunflügel-Mausvogel)

6B9A4136.jpg

Crested Barbed (Haubenbartvogel)

6B9A4151.jpg

Green-backed Camaroptera (Grünmantel Bogenflügel)

6B9A4152.jpg

Red-billed Firefinch (Senegalamarant)

6B9A4134.jpg

Grey-headed Sparrow

Ein kurzer Nachmittagsgamedrive beginnt für uns um 16 Uhr. Leider führen die zwei Stunden auf den Wegen des Parks zu kaum nennenswerten Sichtungen. Fast alles scheint sich heute vor uns zu verstecken. Vielleicht liegt es an der noch immer sehr ausgeprägten Hitze.
Einzig eine Rotschopftrappe verrät sich durch ihren ausdauernden Ruf.

6B9A4167.jpg


In Ermangelung von Alternativen muss schließlich ein Gnu als Fotomodell herhalten. Das Licht ist einfach zu schön, um fotolos ins Camp zurückzukehren.

6B9A4159.jpg


Nach Sonnenuntergang kochen wir in unserer Hütte und machen in der Grillstelle ein kleines Lagerfeuer. Die Blicke in die tänzelnden Flammen gerichtet, lassen wir einen weiteren Afrika-Tag gemeinsam ausklingen.
Während die Kinder in der Hütte bleiben, streifen die Eltern noch ein wenig mit ihren Leuchten durch das Camp. In der Nähe des Restaurants sind tatsächlich verräterische Rufe zu hören: Eine African Scops Owl offenbart ihren Aufenthaltsort. Hoch oben im Geäst eines Baumes sitzt sie – und damit leider so gut wie unfotografierbar. Aber immerhin haben wir endlich (!) eine der kleinen Eulen wenigstens sehen können.
Wir streifen noch ein wenig durch die Ringe des Camps und begegnen dabei ganz plötzlich einem Honigdachs, der uns kurz anblickt, sich dann aber schnell vor uns zurückzieht.
Wenig später hören wir erneut die charakteristischen Rufe von Zwergohreulen. Wir folgen dem hohen Tönen zu einem der Bäume inmitten eines der Häuserringe und siehe da: Völlig exponiert sitzt dort eine Scops Owl und blickt aus geringer Höhe zu uns herunter. Auch von der Seite ertönen weitere Rufe – eine zweite Eule sitzt im Nebenbaum. Wie schön: Wir freuen uns sehr darüber, dass wir auf den letzten Drücker noch eine wirklich schöne Zwergohreulensichtung erleben dürfen.

6B9A4193-Verbessert-RR.jpg


6B9A4218-Verbessert-RR.jpg


Der weitere Spaziergang führt uns bald darauf zu einer Wildkatze, die ausgiebig gähnend auf einer der Wiesen herumliegt. Hier macht sich jemand fertig für die Nacht.

6B9A4234-Verbessert-RR.jpg


Bald darauf treffen wir auf eine weitere Wildkatze. Diese ist bereits im Jagdmodus und schleicht um ein Vogelnest, das sich in einem Masten befindet, ausdauernd herum. Unermüdlich blickt sie zum Einflugloch hinauf – kommt jedoch zum Glück der Bewohner nicht heran und muss irgendwann schließlich doch aufgeben.

6B9A4286-Verbessert-RR.jpg


Und auch wir suchen unseren Weg zurück zur Hütte und sind einmal mehr zufrieden mit dem, was der Kruger-Tag am Ende wieder für uns bereitgehalten hat.

Morgen geht es nach Biyamiti - und damit so langsam dem Ende der Reise entgegen.

Teil 2525. Jan. 2024

Kapitel 11: Auf nach Biyamiti!

Mit dem Sonnenaufgang über den weiten Ebenen, die Satara umgeben, stehen wir heute alle vier auf.

6B9A4295.jpg


Schnell sind unsere Habseligkeiten verladen, gefrühstückt wird im Auto. Bei Toresöffnung verabschieden wir uns von Satara und schlagen den Weg gen Süden ein.
Nach einigen mehr oder weniger wolkenverhangenen Tagen scheint die Sonne erneut von einem Himmel in ungetrübtem Blau herab. In schöner Morgenausleuchtung begegnen uns bereits kurz nach der Abfahrt einige Braunkopfpapageien.

6B9A4300.jpg


Bald darauf kommt es schon zur ersten Katzensichtung des Tages. Gestern war es am Nachmittag heiß und so hat sich die Asphaltdecke der Hauptstraßen gut aufheizen können. Derartig vorgewärmte Straßen sind beliebte Ruhestätten der Kruger-Löwen. Und so treffen wir ein paar Kilometer südlich des Sweni auf einen Löwenkater, der mitten auf der Straße sein Morgennickerchen abhält.

104A9078.jpg


104A9079.jpg


Wir bleiben ein wenig am Straßenrand stehen und werden nach einer knappen Viertelstunde, im Laufe derer ungeduldigere Fahrer bereits ihren Weg fortgesetzt haben, belohnt. Wir sind allein mit dem Löwen, als er sich erhebt, uns ein paar Portraits gestattet und alsbald seine Krallen an einem nahen Baum wetzt.

104A9087.jpg


104A9091.jpg


104A9097.jpg


Ein wenig können wir ihn noch auf seinem Weg parallel zur Straße begleiten, bis er schließlich „abbiegt“ und schnell unseren Blicken entzogen wird. Was für ein schönes Tier!

104A9104.jpg


An der Marheya-Wasserstelle erfolgt unser nächster nennenswerter Halt. Hier liegen sechs (!) Löwenkater im Schatten eines Busches dicht beieinander. 🙂 Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals so viele ausschließlich männliche Löwen auf einem Haufen gesehen haben. Leider ruhen die Tiere für uns in ungünstigem Morgen-Gegenlicht, sodass keine wirklich schönen Bilder dieser wunderbaren Sichtung entstehen.

104A9135.jpg


Wir wechseln mehrmals den Winkel – aber was wir auch machen: Die Sonne ist hier nicht unser Freund. Und die Löwen machen arttypisch wenig Anstalten ihre Position zu verändern. Als sie schließlich alle sechs flachliegen, fahren wir weiter.
Ein Raubadler bei der Morgengymnastik sitzt wenige Kilometer weiter südlich in einem Baum an der Straße. Zum Glück dieses Mal auf der richtigen Lichtseite.

6B9A4334.jpg


Und selbstverständlich sind auch die üblichen Verdächtigen am Morgen unterwegs. Hier stellvertretend ein weiblicher Kudu.

6B9A4339.jpg


Es folgen nun zahlreiche Kilometer mit viel Landschaft und wenig Tier.
Kurz nachdem wir den Sabie überquert haben, tritt plötzlich ein Leopard aus der Uferböschung und kommt am Straßenrand auf uns zu. 🤩 Nicht weit von unserem Auto entfernt kreuzt die Katze die Fahrbahn, verharrt wenige Augenblicke am anderen Straßenrand und verschwindet schließlich so schnell, wie sie aufgetaucht war, wieder im dichten Busch, der den Weg säumt.

6B9A4398-2.jpg


Hier waren wir mal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort, wie uns nach dem Verschwinden des Leoparden auch der Fahrer des einzigen anderen anwesenden Autos erfreut zuruft.

Unser Weg führt uns nach Lower Sabie, wo wir ein spätes Frühstück bzw. frühes Lunch einnehmen wollen. Als wir am Sunset Dam ankommen, ist es schon wieder richtig heiß. Und so bleiben wir nicht lange.

6B9A4377-2-3.jpg

Wood Sandpiper (Bruchwasserläufer)

6B9A4388.jpg

Sattelstorch an Graureiher

6B9A4408.jpg

Stelzenläufer

Nach einer entspannten Zeit auf der heute viel zu vollen Terrasse Lower Sabies (wir müssen für einen freien Tisch eine ganze Weile anstehen!) und einer zum Glück erfolgreichen Taschenmesser-ad-hoc-Reparatur unseres Teleobjektivs, an dem sich einige Schrauben gelöst hatten und das damit immer wieder einiges an Streulicht hineingelassen hat, setzen wir unsere Fahrt gen Biyamiti fort.
Kurz nach Verlassen des Rastlagers stehen bereits einige Autos am Straßenrand. Hinter einer hohen Böschung liegen hier einige Löwen unter einem Busch. Sie sind nur schwer zu sehen: Es gibt wenige Winkel, aus denen die Katzen überhaupt sichtbar sind und auch dann muss man durch schütteres Gestrüpp hindurch fotografieren. Auch so können Sichtungen im Kruger aussehen. Da es aber die letzten Löwen sein werden, die wir auf dieser Reise sehen, findet ein Dokumentationsbild trotzdem seinen Weg in den Bericht.

6B9A4406.jpg


Wenig später treffen wir erneut auf ein paar stehende Fahrzeuge. Wieder wird der Weg hier von dichtem Busch umrahmt. Und so können wir nur einige flüchtige Blicke auf einen dauerhaft verbuschten Leoparden werfen, der unweit der Straße seines Weges zieht. An Fotos ist hier leider nicht zu denken.

Der weitere Weg nach Biyamiti verläuft nach dieser letzten Katzensichtung mehr oder weniger ereignislos. Die Hitze des Tages ist enorm, der Busch ist ziemlich blickdicht. Zwei Rahmenbedingungen, die dem Gamedriver nicht gerade in die Karten spielen. Aber wir wollen uns im Angesicht der hinter uns liegenden Sichtungen nicht beschweren. 😉 Und so kommen wir schließlich am frühen Nachmittag in einem unserer Lieblingscamps an. In diesem Jahr können wir hier leider nur eine Nacht verbringen. Das ist auf jeden Fall zu wenig für dieses wunderbar ruhige Camp… Für den heutigen Nachmittag haben wir traditionsgemäß einen Sunset-Drive gebucht. Das machen wir gern in den Wilderness-Camps, denn dort wird die Ausfahrt mit einem „kleinen“ Landcruiser durchgeführt. Darüber soll aber erst im nächsten Kapitel erzählt werden.

Teil 2629. Jan. 2024

Fortsetzung

Am frühen Nachmittag erreichen wir Biyamiti, eines der kleinen Bushveld-Camps. Dieses Jahr haben wir mal wieder ein Häuschen mit „view“ ergattert. Aber eigentlich ist das hier ziemlich egal, denn die wirklich schöne Aussicht hat man von den Bänken, die auf der Wiese am Zaun zu finden sind. Und der Weg dorthin ist in diesem kleinen Camp von keinem der Chalets weit. Die Kinder freuen sich auf jeden Fall sehr darüber, auch hier wieder ein eigenes Zimmer zu haben, das sie sogleich in Beschlag nehmen. Die Eltern stromern ein wenig durch das Camp, das in den vergangenen Jahren ein schöner Ort für Vogelbeobachtungen war. Und auch auf der anderen Zaunseite haben sich bei den letzten Besuchen immer viele Tiere gezeigt. Letzteres ist in diesem Jahr leider anders. Als wir ankommen, ziehen sich einige Elefanten gerade auf der gegenüberliegenden (Trocken-)Flussseite in den Busch zurück. Und nach ihrem Abzug wird sich kaum mehr etwas in Zaunsichtweite zeigen. Innerhalb der Umfriedung wird Biyamiti aber einmal mehr der Erwartung gerecht, dass es ein wirklich guter Ort ist, um Orange-breasted Bushshrikes zu beobachten. Ein Pärchen ist über eine lange Zeit in den Wipfeln über unseren Köpfen unterwegs – will sich aber nicht so leicht dabei fotografieren lassen.

6B9A4435.jpg


Baumhopf und Maskenweber können wir außerdem vorzeigbar ablichten.

6B9A4449.jpg


6B9A4450.jpg


Unter dem Vordach unseres Häuschens hängt außerdem ein Flughund ab, während unser Töchter drinnen chillen.

6B9A4437.jpg


Und so vergeht die Zeit bei der Suche nach Vögeln und dem Genießen der Ruhe des Camps recht schnell.
Für den heutigen Spät-Nachmittag haben wir einen Sunset-Drive gebucht. Das machen wir gern in Biyamiti, weil die geführte Ausfahrt in einem Neunsitzer angeboten wird und damit eine andere Qualität hat als die Truckausfahrten der großen Camps. Beim letzten Besuch hatten wir hier sogar eine Privattour, heute begleitet uns eine vierköpfige Familie aus Deutschland, die zum ersten Mal im Kruger unterwegs ist.

Kaum sind wir aus dem Camp heraus, kommt es zur vielleicht schönsten Sichtung der Ausfahrt. Der Guide weiß genau, in welchem der großen Bäume neben dem Weg sich derzeit ein Milchuhu niedergelassen hat. Die Ortstreue begründet sich wohl auch damit, dass hier Nachwuchs großgezogen wird. Und so entdecken wir zuerst einen schon recht großen Ästling im Dunenkleid, der neugierig zu uns herüberblickt und dabei immer wieder Kontaktrufe ausstößt, die kurze Zeit später aus kurzer Entfernung beantwortet werden.

6B9A4490.jpg


Denn hier sitzt Mama Milchuhu dösend auf einem dicken Ast. In regelmäßigen Abständen kommunizieren Mutter und Nachwuchs lautstark miteinander.

6B9A4494-2.jpg


Das ist für uns Eulenfreunde wirklich interessant zu beobachten. Eine rundum schöne Sichtung, die wir ohne Guide wahrscheinlich nicht gehabt hätten.

Den weiteren Verlauf der Fahrt bei Tageslicht kann man euphemistisch als ruhig bezeichnen. Interessant sind in erster Linie die unlängst an strategisch günstigen Orten aufgestellten Kameras und Schalldetektoren, die (glaubt man dem Guide) bereits durchaus erfolgreich die Nashorn-Wilderei zurückdrängen konnten.

Im schönen Licht des späten Nachmittags bietet sich immerhin eine Giraffe für Portraitaufnahmen an.

6B9A4509.jpg


6B9A4510.jpg


Und als das Licht schon weitgehend weg ist, zeigt sich ein junger Gaukler nicht sehr weit entfernt.

6B9A4512.jpg


Der Guide spricht von Löwen und Leoparden, die er unlängst in der Gegend gesichtet habe – solche Kommentare finde ich im Angesicht einer so ruhig verlaufenden Ausfahrt immer etwas ungünstig… 😵

Als nach Einbruch der Dunkelheit der Nightdrive-Teil beginnt, stoßen wir aber recht schnell auf einen zweiten Höhepunkt des Gamedrives, der für uns spektakulärer ist, als es ein Löwe sein würde. Mitten auf dem Weg liegt eine Puffotter.

6B9A4525-Verbessert-RR.jpg


Eine Erstsichtung für uns! Entsprechend freuen wir uns über die Begegnung. Zuerst bleibt die Schlange ruhig an ihrem Platz, um sich dann doch züngelnd in die nahe Böschung zu bewegen. Sobald sie unsichtbar geworden ist, fahren wir weiter.

Bald darauf folgt die schon fast obligatorische Genet-Begegnung. Ginsterkatzen entdecken kann ich anscheinend ganz gut.

6B9A4552-Verbessert-RR.jpg


Und zum Schluss erfüllt sich schließlich für unsere jüngere Tochter ihr großer Sichtungstraum. Derzeit zählen Chamäleons zu ihren absoluten Lieblingstieren und daher ist sie vollends begeistert, als uns der Guide in schneller Folge gleich drei dieser Tiere – es handelt sich um Lappenchamäleons, die einzige im Kruger anwesende Art – am Straßenrand präsentieren kann. Und auch der Rest der Familie freut sich sehr über diese Neuzugänge auf der diesjährigen Sichtungsliste und auch für unsere kleine Tochter. Besonders der minutiös aufgerollte Schwanz weiß mit seiner Perfektion zu beeindrucken.

104A9285.jpg


104A9299(2).jpg


Zurück im Camp bereiten wir ein einfaches Abendessen, zünden ein Lagerfeuer an und lassen den Tag gemeinsam ausklingen. Taschenlampen-Spaziergänge durch das Camp bleiben in diesem Jahr leider ziemlich sichtungsarm – das sind wir anders gewohnt. Einzig eine Kröte können wir entdecken.

6B9A4565-Verbessert-RR.jpg


Und – während ich gerade zum Feuer gehen möchte, um es zu schüren – diesen Skorpion direkt an unserer Terrassenstufe, der mich erschrocken zurückhüpfen lässt, bevor ich mit der Kamera bewaffnet vorsichtig seine Nähe suche.

104A9316.jpg


Die Nacht in Biyamiti verläuft erwartungsgemäß ruhig. Schade, dass wir dieses Mal nur diese eine hier verbringen. Morgen geht es weiter nach Berg-en-Dal. Unser letzter voller Tag im Kruger steht vor der Tür.

Teil 2702. Feb. 2024

Kapitel 12: Antiklimax

Kurz nach dem Aufwachen beschert uns der heutige Tag bereits seinen eigentlichen Höhepunkt. Ein absolut wundervoller Sonnenaufgang entfaltet sich über dem Flussbett des Biyamiti.

6B9A4571.jpg


6B9A4576.jpg


In solchen Momenten am Zaun zu stehen, die vereinzelten Vogelrufe wahrzunehmen, das sich verändernde Farbenspiel zu genießen. Das ist einfach unbezahlbar.

Kaum hat jedoch die Sonne den Himmel etwas weiter erklommen, verschwindet sie hinter einer undefinierten Dunstwand und bleibt dahinter für die erste Tageshälfte verborgen. Der Morgen wird warm und fahl.
Noch vor dem Frühstück streifen wir ein wenig durchs Camp. Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen und wollen Biyamiti noch ein wenig genießen. Leider lässt sich im Flussbett kein Lebewesen sehen und auch die Vogelbeobachtung im Camp möchte nicht so recht gelingen. Immerhin einige Maskenpirole können wir in geringer Höhe fotografieren. Die hatten wir vordem eher von schräg unten.

6B9A4588.jpg


6B9A4594.jpg


Beim Frühstück brauchen wir Reste unserer Lebensmittel auf und lassen einige unangebrochene Vorräte in der Hütte zurück. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich unsere Reise gnadenlos ihrem Ende nähert.
Für unsere Verhältnisse recht spät steigen wir gegen 8 Uhr ins Auto und machen uns auf unseren Weg durch den südlichsten Teil des Kruger.

Gleich zu Beginn unserer Fahrt haben wir das erwartbar schöne Sighting der zwei Milchuhus. Im selben Baum wie gestern sitzen beide Vögel noch immer, sie haben aber andere Äste gewählt, sodass vor allem von Mutter Milchuhu recht schöne Aufnahmen entstehen können.

6B9A4608.jpg


Es wird noch immer regelmäßig kommuniziert.

6B9A4612.jpg


Dabei interessiert sich der Ästling wesentlich mehr für unsere Anwesenheit als seine Mutter.

6B9A4620.jpg


6B9A4623.jpg


Der weitere Verlauf der Fahrt ist nicht gerade von Sichtungsglück geprägt. Da wir nicht allzu weit von Crocodile Bridge entfernt sind, entschließen wir uns dazu, nachzusehen, ob wir die Gepardenmutter mit ihren Kindern noch einmal entdecken können. Leider wird uns dies nicht gelingen. Und auch Löwen, von deren Sichtung wir hören, zeigen sich uns heute nicht. So sind die Stunden bis zum Erreichen des Rastlagers Berg-en-Dal vor allem mit unergiebigem Busch-Starren gefüllt. Abgesehen von einigen dösenden Warzenschweinen und wenigen Elefanten will uns heute kaum ein Tier begegnen.

6B9A4631.jpg


104A9325.jpg


Daher nutzen wir irgendwann die wenig befahrenen Nebenwege, um den Kindern eine lange versprochene Aktion zu ermöglichen und es damit diversen Südafrikanern gleichzutun, die uns in den vergangenen Jahren im Park entgegengekommen sind. Nacheinander dürfen die Töchter in der Einsamkeit der kleinen Dirtroads auf dem Schoß des Fahrers Platz nehmen und für eine Weile das Steuer unseres Wagens übernehmen. Das machen die beiden schnell erstaunlich gut und vor allem mit großer Freude. Immer wieder kommt es zu ungläubigen Ausrufen: „ICH FAHRE AUTO!!!“ Und so wird die Fahrt zwar wildlife-technisch wahrlich zu keinem Highlight, aber durch diese Fahr-Aktion dann doch zu etwas Besonderem. Ein Warnschild an der Einfahrt Berg-en-Dals mag hier in seiner Missverständlichkeit als Erinnerung dienen. 😉

6B9A4717-2.jpg


Gegen Mittag erreichen wir schließlich unser letztes Camp und beziehen ein typisch düsteres Berg-en-Dal-Family-Chalet, das baulich glücklicherweise in einem etwas besseren Zustand ist als unsere Unterkunft vom Anfang der Reise.
Noch eine Nachmittagsausfahrt, noch ein gemeinsamer Morgen im Park. Dann ist Schluss.

Teil 2806. Feb. 2024

Fortsetzung

In Berg-en-Dal genießen wir ausgiebig die Annehmlichkeiten der heißen Nachmittagsstunden. Unser Häuschen ist von schattenspendenden Bäumen umgeben, der Pool lädt die Mädchen zum Schwimmen und Herumtoben ein und die wirklich schöne Terrasse des Tindlovu-Restaurants lockt mit Kaltgetränken.

104A9373.jpg


Wie bei jedem Aufenthalt im Kruger seit 2013, machen wir auch jetzt unser Sprung-Foto-Ritual im kleinen Freiluftkino. Unsere Töchter hüpfen von Bank zu Bank, wir dokumentieren das derweil. So ist in den letzten zehn Jahren eine schöne Fotostrecke entstanden. Der Ort sich nicht verändert, die Hüpfenden dafür umso mehr. 🙂

Gegen 16 Uhr brechen wir zu unserer letzten Nachmittagsausfahrt auf. Heute bleiben wir weitestgehend auf den großen Straßen, fahren in Richtung Malelane Gate, dann ein Stück nach Norden und Retour.
Die Fahrt beginnt ähnlich ruhig, wie es die heutige Morgentour war. Hier und da die üblichen Verdächtigen. Mal mehr und mal weniger verbuscht.

104A9375.jpg


Auf der Fahrt nach Norden bekommen wir zum Glück aber noch einen kleinen Sichtungshöhepunkt serviert. Direkt neben der Straße hat sich eine Tüpfelhyäne mit Nachwuchs niedergelassen. Die Kleinen tollen tollpatschig herum. Ganz besonders schön finden wir aber, dass wir die Kleinen beim Trinken beobachten können. Das konnten wir vorher noch nie. Damit hat sich die Ausfahrt schon gelohnt. Kleine Tüpfelhyänen sind so niedlich!

104A9381.jpg


104A9383.jpg


104A9392.jpg


104A9400.jpg


104A9405.jpg


Wir fahren weiter und sehen noch einige Elefanten im Flussbett stehen.

104A9412.jpg


Mit einem Blick auf die Uhr wenden wir und halten erneut kurz bei den Hyänen, die sich nun neugierig den anwesenden Fahrzeugen widmen.

104A9433.jpg


104A9440.jpg


Die Sonne sinkt immer weiter und wir müssen nun wirklich los. Wenige hundert Meter hinter den Hyänen kommen wir aber nicht umhin, nochmal zu stoppen. Wir entdecken nämlich drei B.N. nicht weit von der Straße entfernt im recht dichten Busch. Nach kurzer Wartezeit treten zwei der drei Dickhäuter auf eine kleine Lichtung und erlauben uns so eine schöne letzte Beobachtung für diesen Tag. Über Begegnungen mit B.N., die vor wenigen Jahren im Kruger noch in weit größerem Umfang an der Tagesordnung waren, freuen wir uns immer sehr. Und eine Mutter mit Jungtier zu sehen, ist dabei besonders schön. Wir drücken beiden fest die Daumen und hoffen, dass Kameras und Schalldetektoren tatsächlich ihre Wirkung entfalten.

104A9448.jpg


In Berg-en-Dal gehen wir zum Abschied bei Tindlovu essen. Die Karte hält das ein oder andere schmackhafte Gericht für uns bereit, die Bedienung ist heute aufmerksam und so wird es ein schöner letzter Abend. Das geplante Abschiedslagerfeuer vor unsere Hütte fällt dann leider weitestgehend aus, denn das heute im Camp-Shop gekaufte Feuerholz ist mal wieder zu feucht.

Während die Kinder spielen, packen die Erwachsenen schonmal das Gepäck zusammen, damit der morgige Tag möglichst stressfrei beginnen kann. Dann sitzen wir noch ein wenig in der Dunkelheit vor der Hütte, lauschen den Geräuschen des Busches, beobachten eine vorbeiziehende Hyäne und lassen die letzten Tage ein wenig Revue passieren.

Noch ein früher Gamedrive und dann wartet das Flugzeug. So schade.

Teil 2908. Feb. 2024

Kapitel 13: Abschied

Das Wetter im Oktober zeigt sich erfahrungsgemäß von seiner abwechslungsreichen Seite – so auch heute. Im Unterschied zum Vortag erwartet uns heute ein wolkenfreier Himmel in strahlendem Blau. Noch eine frühe Ausfahrt gönnen wir uns heute, bevor die Abreise unweigerlich ins Haus stehen wird.

Kurz nach Toresöffnung biegen wir auf die Dirtroad zum Matjulu Wasserloch. Hier haben wir in den vergangenen Jahren so schöne Sichtungen gehabt – angeführt von einer Dreier-Leopardenpaarung im Jahr 2016. Ein solches Spektakel wird uns heute früh erwartungsgemäß nicht geboten. Aber immerhin treffen wir in der Nähe der Wasserstelle auf vier BN, denen unsere Anwesenheit aber gar nicht so recht zu sein scheint und die sich daher recht schnell aus unserem Blickfeld bewegen.

6B9A4645.jpg


Nach dieser Sichtung kehren wir zur Teerstraße zurück und genießen während der Fahrt den Anblick der weit verbreiteten Tiere des Kruger: Impala, Giraffe, Elefant und Co.
Nicht weit vom Malelane Gate entdecken wir in einiger Entfernung unser diesjähriges Abschiedshighlight. Ein stattlicher Leopard ruht in der Gabel eines Baums. Während wir ihn dabei durch Fernglas und Teleobjektiv beobachten und unterschiedliche Positionen einnehmen, wird das noch junge Licht des Tages immer schöner. Was für ein Glück!

6B9A4671.jpg


6B9A4693-Verbessert-SR.jpg


6B9A4707-Verbessert-SR.jpg


Die Vogelwelt des Kruger verabschiedet sich von uns mit einer schönen Sichtung eines Schwarzstorchs. Der hat uns in diesem Jahr noch gefehlt.

6B9A4713.jpg


Nun müssen wir aber zurück ins Camp. Die bereits weitgehend gepackten Koffer landen im Auto, ein letztes und recht karges Frühstück wird verputzt. Und schon geht es zum Malelane Gate, das wir ohne Zwischenhalt erreichen. Die Ausreise aus dem Nationalpark erfolgt erwartungsgemäß schnell und schon hat uns am frühen Vormittag die Zivilisation wieder. Das ist immer ein mittelgroßer Kulturschock, wenn man viele Tage im Nationalpark unterwegs war. Adieu Wildlife! Willkommen Kohle-Trucks!

Die Fahrt zum Airport erledigen wir trotzdem routiniert. Die Autoabgabe erfolgt problemlos – obschon ich unterschreiben muss, dass wir das Auto in einem schmutzigen Zustand abgeben. Überraschung.

Am kleinen KMIA hängen wir noch ein wenig rum und dann geht auch schon unser Flug nach Kapstadt – eine der Nebenwirkungen des Buchungschaos im Vorfeld der Reise. Der Inlandsflug ist also ungewohnt lang, aber dafür entschädigen uns schöne Blicke auf den Tafelberg, den wir vor zehn Jahren das letzte Mal gesehen haben. Die weitere Rückreise ist dann nicht mehr der Rede wert: (zum Glück) business as usual.

Und das war es nun.

Es liegen zwei schöne Wochen hinter uns – angefüllt mit enorm abwechslungsreichen und „besonderen“ Wildlife-Begegnungen bei Tag und in der Nacht. Diese Vielfalt ist es, die wir am Kruger besonders lieben. Und auch das Familienleben in den Camps kam nicht zu kurz. Insgesamt also eine wirklich gute Mischung, die wir so immer wieder machen würden.

Allein – zum heutigen Tag ist noch keine Wiederholung geplant. 2024 wird für uns ein afrikafreies Jahr werden. Einerseits kann ich das als „Bush-Addict“ gar nicht so recht fassen, andererseits ist es vielleicht mal ganz gut, etwas Abstand zu gewinnen, damit die Latte nicht immer höher gelegt wird und das sich unweigerlich einstellende Gefühl des „Das haben wir schon gesehen – wo ist das Besondere?“ uns nicht zu sehr überfällt.

Im Frühjahr gibt es für uns einen Kultur/Natur-Mix in Spanien. Neben den großen Metropolen Barcelona und Madrid steht ein Besuch des Nationalparks Monfragüe an. Wir freuen uns auf die großen Gänse- und Mönchsgeierkolonien, die dort neben anderen Greifvögeln, Schwarzstörchen und Uhus brüten. Monfragüe – so hört und liest man – ist einer der Birding-Hotspots in Europa.

Im Sommer geht es dann in den hohen Norden. Im letzten Jahr waren wir bereits in Norwegen unterwegs – jedoch nur im Süden des Landes. Dieses Mal wollen wir mit viel Zeit die Lofoten kennenlernen, die Vogelinsel Runde besuchen und erneut einen längeren Stopp im Dovrefjell einlegen und hoffen, ähnlich wie im letzten Jahr, neben tollen Landschaften auch wieder einiges an Wildlife vor die Linse zu bekommen:

6B9A8267-Verbessert-RR.jpg


6B9A8243-Verbessert-RR.jpg


6B9A8163-Verbessert-RR.jpg


6B9A8464.jpg


104A8229(2).jpg


104A8246(2).jpg


6B9A9383-Verbessert-RR(2).jpg


6B9A9389-Verbessert-RR.jpg


6B9A0710-Verbessert-RR(2).jpg


104A8262-Verbessert-RR(2).jpg


Ich bedanke mich für euer Interesse an unserem Trip in den Kruger und vor allem für eure Kommentare, die mir beim Schreiben große Freude bereitet haben. Ab jetzt bin ich auf unabsehbare Zeit wieder ein mehr oder weniger stiller Mitleser dieses Forums.

Totsiens.

Die Badgers bei Tag und Nacht im Kruger von H.Badger

Quelle: www.namibia-forum.ch/forum/thema/304001-die-badgers-bei-tag-und-nacht-im-kruger

Stand: letzter Berichtsteil vom 08. Feb. 2024

Die Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor. Ausdruck für den eigenen Gebrauch.