seit Freitag sind wir zurück von einer wunderschönen Namibia-Tour. Wie ihr euch denken könnt, war es eine besondere Reise – aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation und auch, weil wir letztes Jahr nicht fliegen konnten. Während dieser Zeit merkten wir schon, dass uns etwas fehlte, aber vor Ort wurde uns noch deutlicher bewusst, wie sehr wir Namibia und alles, was mit so einer Reise zusammenhängt, vermisst hatten. Ein kleines Fazit vorab: Wir haben keine Sekunde bereut, diese Reise gemacht zu haben. Für uns war es traumhaft schön und für den Seelenhaushalt dringend nötig. Nun möchten wir ausnahmsweise mal ganz zeitnah von unseren Erlebnissen berichten und wie immer auch ein paar Fotos einstreuen. Denn neben der ganzen Sentimentalität und Wiedersehensfreude gab es auch wieder den geliebten Safari-Alltag, den wir mit mal weniger, mal mehr Erfolg der Suche nach Säugetieren und Vögeln gewidmet haben. Wir freuen uns auf eure Begleitung.
Ruth & Uwe
Hier ist unsere Route, aus der sich die Reihenfolge der Destinationen nicht erschließt. Die müsst ihr dem folgenden Bericht entnehmen.
Wer den Reisebericht ohne Kommentare lesen möchte, klickt auf die Sonne oben rechts.
Prolog
Dieses Mal ist alles irgendwie anders. Die Planung der Reise zielt nicht darauf ab, wie wir für die Route am besten unsere Wunschziele miteinander verbinden oder wie wir unsere Ausrüstung weiter optimieren können. Wir tauschen kein Teil unserer Fotoausrüstung, im Gegenteil – wir lassen Dinge zu Hause. Wir überlegen nicht, wo wir was in welcher Reihenfolge einkaufen, damit der Start in die Tour perfekt ist. Und wir beginnen diesen Reisebericht nicht am ersten Abend in Namibia, sondern bereits ein paar Tage vor Abflug zu Hause. Wir sind nicht heiß auf die optimale Route, geschweige denn auf bestimmte Destinationen. Es ist ganz simpel: Wir wollen einfach nur wieder in Namibia sein, wenn es sein muss, auch nur ein paar Wochen irgendwo im Staub sitzen. Bis zuletzt waren unsere Gefühle im Vorfeld dieser Reise sehr gemischt: Nach und nach hatten viele Mitglieder unserer Afrika-Familie ihre Reisen storniert. Mehrfach hatten uns Freunde mit steigenden Inzidenzzahlen, mit schlechten Nachrichten aus dem Forum, die wir schließlich gar nicht mehr lasen und schlussendlich mit der Hochstufung als Virusvariantengebiet gefragt, ob wir diese Reise tatsächlich ausgerechnet jetzt durchziehen wollen. Ja, wir wollten. Es war der einfache, egoistische Grund, dass wir Namibia ganz schrecklich vermissten. Seit knapp zwei Jahren waren wir nicht dort. Das hört sich vielleicht nach einer nicht allzu langen Wartezeit an, aber für uns, die wir seit 2004 jedes Jahr in Namibia waren, konnten wir dieser Zwangspause wirklich nichts abgewinnen. Für 2020 hatten wir sogar zwei Reisen ins südliche Afrika geplant, eine größere Runde im Sommer durch Sambia und eine kleinere im Herbst nach Botswana. Uwe hatte jeweils bis zuletzt geglaubt – naja, zumindest gehofft –, dass es noch irgendwie klappen könnte. Aber aller Optimismus half nichts, und mit jeder Absage wurde die Laune schlechter. Natürlich beklagen wir uns nicht. Uns geht es verglichen mit vielen unglaublich gut. Uwe kann seit dem Frühjahr 2020 von zu Hause arbeiten. Ruth hatte mit Distanz- und Wechselunterricht für ihre erste Klasse schon einige Hürden bei der Digitalisierung zu nehmen, was am Ende besser funktioniert hat als erwartet. Trotzdem taten wir uns selbst ein wenig Leid, als wir unsere Reisepläne wiederholt in die Tonne werfen mussten. Aber andere hatten selbstverständlich ganz andere Sorgen, und daher blieben wir brav zu Hause, trafen keine Freunde, konnten nicht mehr zum Fußball und kauften nur noch einmal pro Woche ein – unser wöchentliches Highlight. Ansonsten gab es alle paar Wochen einen Video-Chat mit Freunden. Nun wollen wir euch aber nicht weiter mit Wie-haben-wir-den-Lockdown-und-die-Pandemie-überhaupt-verbracht langweilen, denn das kennt ihr sicherlich schon zur Genüge von Freunden, Kollegen oder von euch selbst. Auf geht’s!
Teil 202. Aug. 2021
Tag 0 – Freitag, 2. Juli – Abflug
Uwes erster Urlaubstag, Ruth musste nochmal in die Schule. Während sie ihre Erstklässler in deren erste Sommerferien entließ, packte Uwe die Taschen und schaute nach, ob es nicht in letzter Minute noch neue Bestimmungen oder Regelungen zur Einreise nach Namibia gab. Das allerletzte Amtsblatt, das gegen Mittag erschien, erlaubte es Touristen, sich frei im Land zu bewegen, wenn sie denn im Auto eine Maske tragen. Wir werden sehen. Knapp zwei Wochen vor unserem Abflug war Namibia vom RKI zum Virusvariantengebiet erklärt worden. Da das für uns zwei Wochen Quarantäne nach Rückkehr bedeutete, mussten wir die Reise, die ursprünglich für die gesamten Sommerferien geplant war, auf knapp vier Wochen kürzen, damit Ruth nach Ende der Absonderungszeit pünktlich zum Unterrichtsbeginn erscheinen kann. Um auf gar keinen Fall zu spät am Flughafen zu sein, machten wir uns besonders früh auf den Weg. Mit negativem PCR-Testergebnis, doppelt geimpft und mit sämtlichen ausgefüllten Gesundheitsformularen für die Einreise nach Namibia im Gepäck starteten wir schon um kurz nach 14 Uhr. Ruths Eltern hatten sich bereit erklärt, uns bis nach Frankfurt zum Flughafen zu bringen. Die Autobahn war gut gefüllt, aber einen richtigen Stau gab es nicht. Durch den Online-Checkin am Vorabend mussten wir am Flughafen nur noch unsere zwei Gepäckstücke abgeben und hatten dann noch etwa viereinhalb Stunden bis zum Abflug. Zunächst setzten wir uns zu McDonalds und stärkten uns nach Angabe unserer Namen und mehrfachem Händedesinfizieren. Dann wollten wir eigentlich auf unsere Freunde Cora und Gert warten, die am selben Abend nach Johannesburg flogen. Wir waren uns sicher, dass ihr Flug an einem der benachbarten Gates abhob, und so marschierten wir bereits durch die Handgepäckkontrolle. Uwe musste sich dabei etwas genauer abtasten lassen. Dann stellten wir jedoch fest, dass sich unsere Gates doch in unterschiedlichen Bereichen befanden, und so konnten wir uns leider doch nicht mehr treffen.
Wir verbrachten die Stunden mit Telefonieren und Dösen. Als sich die Boarding-Zeit näherte, merkten wir bereits, dass nur wenige Plätze im Flieger belegt sein würden, wir schätzten höchstens ein Drittel. Glücklicherweise hatten wir Sitze am Notausgang mit mehr Beinfreiheit reservieren können. Diese hätten wir gar nicht benötigt, denn jeder konnte sich seinen Sitzplatz ohnehin frei wählen. So saßen wir zwar einigermaßen bequem, dennoch war der Nachtflug wie immer lang und alles andere als gemütlich.
Teil 303. Aug. 2021
Tag 1 – Samstag, 3. Juli – Ankommen
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Durch die lange Wartezeit schon in Frankfurt fühlte sich der Flug dieses Mal noch länger an als sonst. So lange wie heute hatten wir noch nie eine Maske getragen, und uns schmerzten bald die Bänder hinter den Ohren. Eine Wohltat, als wir sie für kurze Zeit während des Abendessens und Frühstücks abnehmen durften.
Vor der Landung betrachteten wir die Landschaft unter uns und fanden viele kleine Seen und Wasserstellen – offensichtliche Überreste der guten Regenzeit. Bereits während des Landeanflugs kullerten bei Ruth die ersten Tränen. Die Vorfreude war riesig.
Am Flughafen Windhoek war im letzten Jahr offensichtlich die Ankunftshalle vergrößert worden. Bei allen Passagieren wurde die Temperatur kontrolliert, dann ging es zur üblichen Einreise mit Pass und Formular. Danach drehten bereits unsere Taschen ihre Runden auf dem Gepäckband.
Bei einem weiteren Schalter kontrollierte man unsere negativen PCR-Tests und sammelte das Gesundheitsformular ein. Nach einer unmotivierten Durchleuchtung des Gepäcks waren wir fertig. Der Fahrer von Savanna wartete noch auf weitere Gäste, und so nutzten wir die Zeit, um uns am Geldautomaten die Taschen zu füllen. Als das junge schweizer Pärchen, welches mit uns zur Autovermietung fuhr, ebenfalls alle Kontrollen durchlaufen hatte, ging es los. Die Sonne schien, und es war schon angenehm warm. Auf dem Weg in die Stadt entdeckte Ruth die erste Giraffe. Bei der Autovermietung huschte kurz vor uns ein amerikanisches Pärchen ins Büro und war daher zuerst an der Reihe. Da sie zum ersten Mal in Namibia waren, dauerte ihre Einweisung entsprechend lange. Wie schaltet man den Allrad zu, ist eine Versicherung gewünscht, was ist auf Namibias Straßen alles zu beachten, … Typisch deutsch fingen wir bereits an, auf unsere Uhren zu schauen.
Nachdem wir anschließend die Formalitäten erledigt hatten, gingen wir in die Fahrzeughalle und konnten uns schon unser Auto anschauen, während die Amerikaner noch ihren Wagen übernahmen. Wir stellten fest, dass der Kühlschrank noch nicht fest montiert war und dass im Canopy auch nicht wirklich gut sauber gemacht worden war. Außerdem fehlte unsere Ausrüstungskiste. Wir wurden ein wenig unentspannt. Das waren nicht die besten Voraussetzungen für eine schnelle Abfahrt nach Swakopmund, denn wir wollten Windhoek diesmal schnell hinter uns lassen. Als der Mitarbeiter von Savanna dann Zeit für uns hatte, mussten wir ihn leider ganz schön herumscheuchen. Wir brauchten noch Kissen und Decken, eine zusätzliche Kiste und noch ein paar Kleinigkeiten. Schließlich trug er mit Uwe unsere schwere Kiste aus dem Büro zum Auto, und wir begannen parallel zur Wagenübernahme mit dem Aus- und Einräumen unserer Taschen und Ausrüstung. Wofür wir uns sonst (wenn wir die erste Nacht in Windhoek verbringen) einen ganzen Nachmittag Zeit nehmen, musste nun in kurzer Zeit erledigt werden. Entsprechend gestresst fühlten wir uns. Bis alles provisorisch einen Platz gefunden hatte, verging mehr Zeit als geplant, und wir verließen erst gegen 12 Uhr die Autovermietung. Nun mussten wir noch tanken, und der Einfachheit halber kaufte Uwe unmittelbar im Tankstellenshop ein paar Snacks und Getränke für die Fahrt. Eigentlich war es nun bereits so spät, dass wir anstelle der landschaftlich schönen C28 vernünftigerweise die Teerstraße nach Swakopmund nehmen sollten. Doch als wir die Stadt nach Westen verließen, entschieden wir uns spontan doch für die südlichere Strecke durch das Khomas Hochland und später durch den Namib-Naukluft-Park. Wir konnten zwar keine längeren Pausen mehr machen, aber dafür war die Fahrt wunderschön einsam. Wir begegneten auf dem gesamten Weg bis Swakopmund weniger als fünf anderen Autos. Touristen waren keine darunter. An der Stadtgrenze gab es zwar einen Polizeiposten, dieser war jedoch nicht besetzt. Und wir hatten schon unsere ersten Tierbegegnungen: Mehrere Steinböckchen sprangen vor uns über die Straße, ein paar Giraffen fraßen an einem Busch, und eine Familie Kudus kreuzte den Weg. Leider sahen wir noch keine Springböcke, Strauße oder Oryx, mit denen wir eigentlich im Namib-Naukluft-Park gerechnet hatten.
Bei Abfahrt in Windhoek hatten wir unsere Fahrtzeit überschlagen und damit gerechnet, in die Dunkelheit zu kommen. Zum Glück hatte es in Namibia vor ein paar Jahren einen Verzicht auf die Sommerzeit gegeben. So ging um 17:30 Uhr noch lange nicht die Sonne unter, wie wir befürchtet hatten. Daher freuten wir uns, noch mit dem letzten Tageslicht in Swakopmund anzukommen. Dreißig Kilometer vor der Stadt hielten wir an und machten einen Schnelltest, damit wir Meike und Klaus guten Gewissens in den Arm nehmen konnten.
Und so erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang die Pension und begrüßten uns herzlich. Nach zwei Jahren, die wir uns nicht gesehen hatten und so vielen Unsicherheiten in der Zwischenzeit freuten wir uns so, dass schon wieder ein paar Tränchen flossen. Natürlich gab es unendlich viel zu erzählen. Den gemeinsamen Abend unterbrachen wir lediglich, um unsere Sachen ins Zimmer zu räumen und um zu duschen. Meike hatte leckeres Lamm gekocht, und wir saßen so lange beisammen, bis uns vor Erschöpfung fast die Augen zufielen. Nach zwei sehr anstrengenden Tagen sanken wir todmüde ins weiche Bett und waren nach wenigen Augenblicken eingeschlafen.
Kilometer: 329
Teil 404. Aug. 2021
Tag 2 – Sonntag, 4. Juli – Relaxen
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Wir schliefen bis kurz vor neun wie Steine. Dann duschten wir nochmal und gingen zum Frühstück. Leider sind wir aufgrund der aktuellen Situation die einzigen Gäste in der Pension. Für Meike und Klaus tut uns das schrecklich leid. Das einzig Gute daran ist, dass wir viel Zeit miteinander verbringen können. So frühstückten wir ausgiebig und unterhielten uns lange. Danach werkelten wir ein wenig am Auto. Ruth machte den Innenraum und den Aufbau noch sauberer, bezog das Bett und spülte das Geschirr. Uwe half dabei und verstaute Dinge am richtigen Platz.
Schon gestern hatten wir bei einem kurzen Stopp am Bosua Pass bemerkt, dass aus dem Seitenfach, in dem sich die zweite Batterie befindet und in dem ein paar elektrische Regelungen montiert sind, ein permanentes und nervtötendes Piepsen kam. Da alle Anzeigen hohe Spannung meldeten, konnte es sich eigentlich nicht um ein Warnsignal handeln. Für einen Zustand bester Ordnung war dieses Geräusch jedoch nicht akzeptabel. Kurz überlegten wir noch, ob wir wohl die einzigen Mieter waren, die die Frequenz des Pieptons unerträglich fanden, aber es soll ja auch Leute geben, die Selbstmordgedanken wegen eine Tinnitus hegen. So weit wollten wir es nicht kommen lassen, setzten eine entsprechende Anfrage bei Savanna ab und hofften auf eine baldige Lösung. Am Nachmittag lichtete sich der Himmel, und wir versuchten, ein paar Vögel im Garten zu fotografieren.
Wellenastrild
Ein paar kleinere Geflügelte, die gar nicht mal so sehr klein waren, summten auch noch um uns herum, aber hiermit kennen wir uns leider nicht so gut aus.
In der Sonne sitzend aßen wir Salamibrote und genossen es einfach, hier zu sein.
Die kleinen Cafés in der Stadt waren ja leider noch geschlossen. Bisher kam es in unseren Urlauben nicht oft vor, dass wir keinen Plan hatten. Aber für Ruth war es nach der ganzen Hektik der letzten Wochen in der Schule genau richtig, um ein wenig runterzukommen. Auf Kuchen mussten wir trotzdem nicht verzichten, denn später gab es bei unserer lieben Freundin Meike noch leckeren Zitronenkuchen mit Kaffee. Dabei überreichte Meike uns auch die gebastelten Drahteulen, die wir einige Wochen zuvor bei ihr in Auftrag gegeben hatten. Ruth hat im Moment in der Schule die Eulenklasse und sah diese Geburtstagsgeschenke für ihre Kinder als gute Möglichkeit, einen Perlentier-Bastler auch in einer Zeit mit nur wenigen Touristen etwas zu unterstützen.
Vor Sonnenuntergang fuhren wir zur geschlossenen Tiger Reef Bar ans Meer und spazierten an der Wasserkante entlang zur Swakopmündung. Die Flut war recht hoch, und wir mussten aufpassen, keine nassen Füße zu bekommen. Dort fanden wir ein paar kleine Wasservögel: Enten, einen Reiher und eine Kiebitzmutter mit ihren schon recht großen Küken, die sich immer wieder unter ihre Flügel kuschelten. Auf den ersten Blick sah sie dann unnatürlich aufgeplustert aus und hatte irgendwie zu viele Beine.
Fahlregenpfeifer
Waffenkiebitz
Die Sonne versank im Dunst hinter dem Meer, und wir gingen langsam zurück, da es nun auch schon bald kühler wurde.
Auf dem Rückweg fuhren wir durch eine fast ausgestorbene Stadt. Zum Abendessen saßen wir wieder bei Meike. Da zurzeit alle Restaurants in Namibia aufgrund des Lockdowns geschlossen waren, konnten wir nicht essen gehen. Umso mehr freuten wir uns, im Wohnzimmer am Ofen zu sitzen. So langsam entwickelten wir Ideen für die weitere Route. Mal schauen, wohin sie uns führte.
Kilometer: 2
Teil 506. Aug. 2021
Tag 3 – Montag, 5. Juli – Erster Einkauf
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Unser zweiter richtiger Urlaubstag. Wir schliefen aus, frühstückten gut und fuhren dann zum Superspar. Mit zwei Einkaufswagen nahmen wir jeden Gang und kauften alle Sachen, die wir für die nächsten Wochen unterwegs brauchten und diejenigen Lebensmittel, die sich etwas länger halten. Es dauerte erwartungsgemäß lange, machte uns aber auch wieder viel Spaß. Anschließend schauten wir noch im Bottlestore und gegenüber beim Metzger vorbei. Dort bekamen wir gefrorenes Oryx, auf das wir uns schon sehr freuten.
Zurück in der Pension verstauten wir alles im Auto.
Inzwischen hatten wir auch eine Rückmeldung zum Dauerpiepsen im Aufbau erhalten. Zum einen könnte man einen grünen Knopf drücken, der das piepsende Relais schaltet und die beiden Batterien miteinander koppelt. Und tatsächlich, oh große Freude: Das Relais gab für genau 20 Sekunden Ruhe, bevor der Piepston wieder einsetzte. Großartig! Die andere Möglichkeit, diesen auszuschalten, war, eine Klemme am Relais zu lösen. Dies hätte dann jedoch zur Folge, dass die Zweitbatterie nicht mehr geladen würde. Der Vorschlag war also, abends und nachts – wenn es uns stört – die Klemme zu lösen und morgens vor der Weiterfahrt wieder zu verbinden, damit die Batterie laden kann. Aha. Das ist natürlich ein Workaround, aber auch nicht sehr praktisch. Wir fragten uns, ob es bei der elektrischen Verkabelung des Autos keine andere Möglichkeit gebe, die eine Batterie laden kann und ohne dieses Geräusch auskommt. Fragen über Fragen.
Am Nachmittag belegte Uwe Meikes Küche und backte einen Apfelkuchen. Wir wollten uns für ihre unendliche Gastfreundschaft ein ganz klein wenig revanchieren. Während er rührte, schälte Ruth Äpfel wie ein Weltmeister. Wir hatten im Supermarkt nur sehr kleine Exemplare bekommen, und so entstand genauso viel Abfall wie Apfelschnitten. Entweder lag es an der Apfelsorte oder an zuviel Zitronensaft oder einfach an Uwes Backkünsten – nach dem Abkühlen und Schneiden entstand eher ein Applecrumble denn ein ansehnlicher Kuchen. Glücklicherweise tat dies dem Geschmack keinen Abbruch. Die warmen Haufen auf den Tellern schmeckten sehr gut mit geschlagener Sahne. Während der Kuchen noch im Ofen war, versuchte Ruth zum wiederholten Male, die hübschen Astrilde, Brillen- und Nektarvögel im Innenhof mit der Kamera zu erwischen. Leider war unser Beleuchter auf Urlaub.
Gegen Abend begleiteten wir Meike und ihre Hündin Meta zum Spaziergang in die Dünen. Wir finden es immer sehr schön, ein wenig mit ihr zwischen den Tamarisken, den Kamelkötteln und Dolllarbüschen auf den Trampelpfaden herumzutapsen. Es war sehr diesig, aber zum Glück nicht windig oder kalt. Wir entdeckten ein paar Bülbüls und einen Namib-Schmätzer. Der erhoffte Sonnenuntergang blieb uns diesmal verwehrt. Von Sonne war weit und breit nichts zu sehen. Zum Abendessen bestellten wir Pizzen zum Abholen. Die waren lecker, und wir verbrachten einen weiteren gemütlichen Abend.
Kilometer: ganz wenige
Teil 606. Aug. 2021
Tag 4 – Dienstag, 6. Juli – Ausflug in den Swakop
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Heute Morgen erfuhren wir aus der Presse, dass u. a. England und Indien aus Sicht des RKI bald keine Virusvarianten-Gebiete mehr sind. Nun hofften wir, dass auch die Staaten im südlichen Afrika bald so eingestuft würden. Wir standen etwas früher auf und frühstückten auch nicht ganz so lange, weil wir uns heute bei Namib Campers ein paar Fahrzeugausbauten ansehen und uns außerdem mal ernsthaft um unser Gepiepse im Auto kümmern wollten. Dort war der Besitzer Stefan Bauer so nett, einen Blick auf unser Piepsemodul zu werfen. Sein Elektriker telefonierte mit dem Hersteller in Windhoek und versprach uns für morgen eine Lösung. Dann fuhren wir zu Foodlovers und kauften Obst, Gemüse und Dinge, mit denen wir die Staufächer und den Kühlschrank im Auto weiter füllten. Viel fehlte nun wirklich nicht mehr. Wir sind übrigens absolute Fans von Knoblauch in Flaschen. Als wir die Knoblauchpaste vor Jahren das erste Mal im Kühlregal erblickten, fanden wir sie eigentlich ein bisschen fies. Wer aber je bei Temperaturen unter 10 Grad mit eiskalten Fingern Knoblauchhäutchen von den Zehen gepult und diese später mit stumpfem Messer mühevoll kleingehackt hat, weiß die gebrauchsfertige Pampe im Topf zu schätzen. Nachteil der kleinen Töpfchen ist aber, dass diese eigentlich allesamt undicht sind und sich der ölige Knoblauch, zumindest aber sein Geruch, im Kühlschrank verteilen. Um uns bei allen folgenden Mietern unseres Autos nicht unbeliebt zu machen, kauften wir in jedem Urlaub ein zusätzliches, möglichst luftdicht verschließbares Plastikgefäß. Alles nicht mehr nötig. Tadaaa, der Knoblauch in der Flasche ist da! Und wir können uns auch in diesem Jahr sicher sein, dass uns kein Vampir anfallen wird.
Zurück bei Meike konnte Ruth wieder mal nicht einfach an den Rußnektarvögeln vorbeilaufen.
In unserem Zimmer planten wir die weitere Route. Wollten wir auf Grund von Corona eigentlich nur einen Großeinkauf machen, danach Hotspots meiden und nur noch sehr einsame Campingplätze ansteuern, erkannten wir nun die Chance für uns. Was eine Katastrophe für das Land war, bedeutete Exklusivität und Einsamkeit für uns, wie wir sie in den letzten Jahren nicht mehr erlebt hatten und wohl auch nicht mehr so schnell erleben werden. Schnell wurde in eine völlig neue Richtung überlegt. Unsere Lieblingsorte, an welchen wir auch zu einer anderen Zeit für uns alleine sein konnten, wurden gestrichen. Stattdessen waren Soussousvlei und Etosha wieder interessant, bei denen wir uns bereits mehrfach geschworen hatten: nie wieder, weil zu viele Touristen. So ganz konnten wir unsere Gewohnheit aber doch nicht ablegen und machten per E-Mail eine Reservierung für den Namib Rand Family Hideout in ein paar Tagen. Hier wollten wir ganz sicher gehen. Um es vorwegzunehmen: Diese – wie auch unsere einzige von Deutschland aus getätigte Reservierung bei Nambwa – wären nicht nötig gewesen. Gegen 14 Uhr starteten wir mit Meike, Klaus (und natürlich Meta) zu einer Fahrt durch den Swakop. Klaus fuhr, und wir durften schauen. Es blieb dem armen auch nichts anderes übrig, denn statt einer Rückbank hatten wir ja einen Kühlschrank im Auto. Einen ersten kleinen Stopp machten wir bei den klingenden Steinen. Wir liefen auf den Hügel und schlugen mal auf den einen, mal auf den anderen Felsklotz, um die verschiedenen Töne zu erhalten. Von einer erkennbaren Melodie, wie sie Giel im Mesosaurus Camp zustande bringt, waren wir allerdings sehr, sehr weit entfernt. Spaß beim Klopfen hatten wir aber auch so.
Ein Stück weiter hielt Klaus an einer Stelle, an der einige Tsamma-Melonen herumlagen. So viele wie in diesem Jahr hatten wir noch nie gesehen. Außerdem waren die kleinen Flüssigkeitsspeicher noch schön glatt und rund und lagen inmitten ihrer dicken, krüsseligen Blätter. Sonst finden wir sie meist von Kleintieren angenagt, gelb, schrumpelig oder nur noch ihre trockene Schale. Wenn das grüne Kraut um sie herum mit der Zeit verschwand, hatten wir uns schon oft gefragt, wer die Melonen wohl an dieser Stelle abgelegt hatte.
Wir sahen uns Aloen, Flechten und Lithops aus der Nähe an.
Besonders über die lebenden Steine freuten wir uns sehr. Jemand hatte einen Steinkranz als Markierung um sie herum gelegt. Das war auch gut so, denn wir mussten ganz genau hinsehen, obwohl uns Meike die ungefähre Stelle gezeigt hatte, an der sie wuchsen.
In Farbe und Form ähnelten sie doch sehr ihrer Umgebung. Als wir von dem Hügelchen hinunterkletterten, wagten wir kaum noch, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Wer weiß, ob sich nicht ein vorwitziges Lithops-Kindlein außerhalb des Steinkreises verirrt hatte. Wir wollten es auf keinen Fall zertreten. Weiter ging es durch die karge Landschaft. Wir genossen den Anblick der staubigen Flächen und schroffen Berghänge. Es fällt uns immer schwer, diese Faszination Freunden zu erklären, die verständnislos den Kopf schütteln: „Aber da ist ja gar nichts, ihr fotografiert ja nur Steine?!“ Ja, so ist es. Man ist ganz bei sich, hört nichts, und das Auge wird nicht ständig von etwas anderem abgelenkt. Man darf einfach nur sein. Sich nur ein paar Stunden in einer solchen Landschaft zu bewegen, lässt uns ganz enorm zur Ruhe kommen. Ruth spricht nicht umsonst von ihrer jährlichen Psychotherapie in Afrika.
In einem Seitenarm des Swakop hielten wir neben einer Felswand und machten Pause. Klaus stellte Tisch und Stühle auf, und Meike zauberte mit einer fröhlichen Tischdecke, heißem Kaffee und leckerem Kuchen Gemütlichkeit auf unseren Picknickplatz. So konnte man es aushalten, und wir ließen es uns gutgehen. Es war wunderschön, in dieser herrlichen Landschaft zu sitzen und Stille, Sonne und Freundschaft zu genießen.
Als die Sonne tiefer sank, wanderte auch der Schatten der Felswände langsam weiter ins Flussbett hinein. Wir verlegten einige Male unseren Sitzplatz und folgten mit den Stühlen der Sonne weiter in die Mitte des Reviers. Ruth konnte nicht still sitzen und kletterte auf die Felsen.
Als wir alles wieder im Auto verstaut hatten, chauffierte uns Klaus sicher zurück ins Guesthouse. Vielen Dank, Meike und Klaus, für diesen tollen Ausflug! Zum Abendessen gab es Lauchsuppe und gute Gespräche.
Kilometer: kaum selbstgefahrene
Teil 707. Aug. 2021
Tag 5 – Mittwoch, 7. Juli – Autoproblemchen
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Der Tag begann wie gestern. Wir frühstückten, und dann fuhr Uwe zu Namib Campers, damit das Piepsen hoffentlich abgestellt werden konnte. Leider war das nicht so einfach. Das Piepsen im Relais wurde nicht durch ein dafür vorgesehenes Bauteil erzeugt, sondern durch eine Spule. Daher konnte es nur abgestellt werden, wenn man das Relais abklemmte. Zuvor wurde ohne großen Erfolg versucht, das Bauteil schalldicht zu isolieren. Schließlich entschieden wir, einen Schalter einzubauen, damit wir das Relais nicht jeden Tag umständlich durch Abklemmen außer Betrieb setzen müssten. Dieser Schalter sollte besorgt werden, und nach der Mittagspause konnte Uwe erneut in die Werkstatt kommen. Blöd, denn so war heute an einen etwas weiteren Ausflug in die Mondlandschaft nicht zu denken. Swakopmund zeigte sich nun den vierten Tag von seiner unfreundlichen, nebelig-grauen Seite. Meist klarte es zum Mittag hin auf, aber von Sonnenstrahlen war weit und breit nichts zu sehen. Aus dem Gemütlich-im-Garten-in-der-Sonne-Sitzen wurde ein Mit-klammen-Fingern-auf-Uwe-Warten. Das hatte sich Ruth ein bisschen anders vorgestellt.
Rußnektarvogel
Als Uwe wieder zurück war, nutzten wir die Zeit, um zu Fuß ein wenig durch die Stadt zu laufen. Wir schlenderten an einigen bekannten Geschäften vorbei, und Ruth kaufte sich eine Hose. In den Souvenirläden waren wir alleine und begegneten so gut wie keinen anderen Touristen. Wir waren im Vorfeld immer wieder gefragt worden, ob wir denn keine Angst hätten, dass die Kriminalität während Corona stark zugenommen hat. Klar hatten wir uns Gedanken gemacht. Noch ein wenig mehr, als uns die Autovermietung – eindringlicher als in den letzten Jahren ohnehin schon – darauf hinwies, nur ja nicht an einem Rastplatz am Straßenrand halt zu machen. Auf unsere Nachfrage nach dem Grund verwies man uns auf „die wilden Tiere“. Unsere Sorge blieb unbegründet. Wir bewegten uns wie sonst auch zu Fuß in Swakop, hatten zu keiner Zeit ein unangenehmes Gefühl und wurden auch nicht vehementer angebettelt. Der Bitte, eine Nuss zu kaufen, kamen wir gerne nach. Viele andere Umsatzmöglichkeiten würde es im Moment für die fleißigen Nuss-Schnitzer ja auch nicht geben. Und so erwarben wir unsere 65. Makalaninuss. Irgendwem werden wir sie schon als Mitbringsel aufschwatzen können. Allerdings verzichteten wir darauf, ein Schwätzchen mit den Leuten zu halten, da wir längeren Kontakt vermeiden wollten. Das war eigentlich ein wenig schade. Auf dem Rückweg hatte ein etwas intensiverer Blick von Ruth auf die aushängende Speisekarte am Eingang des Fish-Deli einer besonders pfiffigen und charmanten Bedienung genügt, um sie zu überzeugen und in den Laden hineinzusaugen. Dort nahm sie gerne noch eine Portion Sushi mit, die liebevoll frisch zubereitet wurde.
Zurück in der Pension stürzte sich Ruth sogleich heißhungrig auf den „fischigen Klebepamp“. Uwe konnte dabei nur verständnislos den Kopf schütteln. Dankend lehnte er ab und holte sich lieber einen kleinen Snack in Form von Brot mit Wildschinken oder Frischkäse.
Danach fuhr er wieder zur Werkstatt. Jetzt wurde leider festgestellt, dass das Relais nur dann aufhörte zu piepsen, wenn beide Klemmen getrennt wurden. Das lag vermutlich an der Sonne, die zusätzlichen Ladestrom über das Solarpanel lieferte. Zwei Schalter wollten wir jedoch nicht einbauen – abgesehen davon, dass nur einer vorhanden war. Also entschied Uwe, täglich das Relais manuell von einer oder eben beiden Klemmen zu lösen. Darin wird er ja bestimmt auch immer geschickter werden. Er bedankte sich herzlich für die Unterstützung und fuhr wieder zurück, um Ruth abzuholen. Die hatte es in seiner Abwesenheit tatsächlich fertig gebracht, überhaupt gar nichts zu tun. Das hört sich nicht so besonders an, ist es aber. Während zu Hause zig Dinge in der Warteschleife hängen, gerne parallel angefangen werden und einfach keine Zeit für 5 Minuten auf dem Sofa bleiben, hatte sie wieder den Vögeln in Meikes Garten zugeschaut und die Zeit verträumt. Was für ein Luxus!
Weißrücken-Mausvogel
Rußnektarvogel
Junger Oranjebrillenvogel
Gemeinsam ging es am Meer entlang nach Walvis Bay. Wie immer wollten wir südlich der Stadt nach Wasservögeln Ausschau halten. Diesen Ausflug hätten wir uns wirklich sparen können. Die Sonne war hinter Wolken verborgen und das Licht zum Fotografieren mehr als schlecht. So wirkten die vielen Flamingos in der Lagune lediglich grau und dunkel.
Rosaflamingo
Ein paar Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Kapenten und Regenpfeifer liefen oder schwammen bei den Salzfeldern umher.
Weißstirnregenpfeifer
Fahlregenpfeifer
Leider klarte der Himmel aber auch hier nicht auf, und die Sonne war zwar da, aber nicht dort, wo wir waren.
Beim Fotografieren mit dem großen Objektiv zeigte sich außerdem ein neues Problem. Hinter dem Kühlschrank war in unserem Auto ja schon immer der Kompressor montiert. Bei unserem Wagen nun befand er sich jedoch zusätzlich in einer grünen Metallbox, die viel Platz benötigte. Dadurch stand der große Doppelkühlschrank deutlich weiter vorne als früher. Und das schränkte den Platz hinter den Vordersitzen extrem ein. Schon bei der Autoübernahme hatte sich Ruth ein wenig geärgert, weil sie ihre Rückenlehne so kaum nach hinten bewegen konnte, um während der Fahrt auf einer längeren Strecke ein wenig zu dösen. Wir hatten uns aber entschieden, dies zu akzeptieren. Typisch deutsch erschien uns da noch, alles perfekt und wie gewohnt vorfinden zu müssen. Wir würden uns schon im Auto einrichten und ein wenig improvisieren können. Falsch gedacht! Uwe konnte den großen Fotoapparat hinter den Sitzen nur sehr umständlich herauszirkeln, weil einfach kein Platz zwischen Sitzlehne und Kühlschrank blieb. Spätestens im Etosha würde das ein großes Problem werden. Etwas frustriert fuhren wir wieder zurück nach Swakopmund, und Ruth wurde ein wenig nölig. Da müssen wir wohl doch noch mal nach einer anderen Lösung Ausschau halten. Meikes Abendessen entschädigte uns jedoch schnell wieder. Sie hatte einen ganz hervorragenden Oryxbraten mit Kartoffel-Kürbis-Auflauf gekocht. Einen letzten Abend saßen wir in ihrem Wohnzimmer am warmen Feuer und fühlten uns wie Daheim. Es ist sehr schön, einen solchen Lieblingsort bei so lieben Freunden zu haben.
Der letzte Morgen in Swakopmund und bei Meike ist immer etwas wehmütig. Nach fünf Tagen in der Pension freuen wir uns einerseits, nun durch Namibia zu fahren und zu campen. Andererseits fällt uns der Abschied immer schwer. Hoffentlich können wir uns bald, spätestens im kommenden Jahr wieder sehen.
Wir mussten mehrmals laufen, um unseren Krempel ins Auto zu bringen. Nachdem wir uns von Meike und Klaus verabschiedet hatten, fuhren wir zur Tankstelle, und während der Diesel in den Tank lief, lud Uwe zwei große Pakete Feuerholz in den Camper. Anschließend kauften wir noch Körnerbrot und Brötchen, und als wir die Stadt verließen, war es schon fast halb 12. Entlang der Küste fuhren wir wie gestern nach Walvis Bay und bogen dort auf die C14 ins Landesinnere ab. Anfangs war die Straße geteert, und als sie zu einer guten Lehmpad wurde, passierten wir eine Polizeikontrolle. Der Polizist fragte uns nach dem Woher und Wohin und wünschte uns eine gute Fahrt. Für einen festgelegten Reiseverlauf oder irgendwelche Buchungsunterlagen interessierte er sich nicht.
Bis zum Vogelfederberg begegneten wir keinem anderen Auto. Später waren es doch ein paar, aber der Verkehr auf der C14 hatte nichts mit den Massen von vor zwei Jahren gemeinsam. Die Straße war in recht gutem Zustand, und wir kamen zügig voran. Das war auch gut so, denn wir mussten ein bisschen Zeit gutmachen. So blieb es bei wenigen Pausen oder Fotostopps.
Durch den Kuiseb und über den Wendekreis des Steinbocks ging es immer weiter Richtung Südosten.
In Solitaire standen außer uns noch zwei Autos. Die separate Bäckerei war geschlossen, und der Apfelkuchen wurde wie vor 15 Jahren im Shop an der Tankstelle verkauft. Wir verzichteten heute mal ausnahmsweise auf den Kuchen und nahmen stattdessen noch ein helles Brot mit. Dann ging es auch schon weiter nach Süden.
Wir freuten uns sehr, wieder durch die wunderschöne Landschaft fahren zu können. Die Nachmittagssonne ließ das kurze Gras golden leuchten. Dann liefen die ersten Springböcke dieses Urlaubs über die Straße. Neugierig blieben sie sogar stehen und schauten in unsere Richtung.
Die letzten 10 Kilometer vor Sesriem waren inzwischen geteert. An der Rezeption kauften wir das Permit für den Namib-Naukluft-Park.
Dann schauten wir uns die Stellplätze des neuen Oshana-Camps an. Keiner davon war belegt. Jeder besaß ein eigenes kleines Duschhäuschen. Aber die Plätze unter den großen Kameldornbäumen, die zu den NWR-Campsites gehören, gefielen uns besser, und so checkten wir dort ein. Zum Sonnenuntergang fuhren wir zur Elim-Düne. Dort waren noch ein paar andere Leute, meist kleine Gruppen. Wir versuchten, die Düne zu erklimmen, aber hinter jeder Kuppe befanden sich weitere. Die Aussicht wurde natürlich immer besser, je höher wir stiegen. Da die Schatten schon recht lang waren, beeilten wir uns, denn wir wollten eigentlich auf die der Sonne zugewandte Rückseite gelangen. Aber es war wie verhext. Immer, wenn wir uns sicher waren, den höchsten Punkt gleich erreicht zu haben, ging es wieder hinab und gleich darauf wieder aufwärts zum nächsten Dünenkamm. Und so liefen wir weiter und weiter. Es war ganz schön anstrengend, und irgendwann gaben wir auf. Wir drehten um und liefen im Dämmerlicht zurück zum Auto. Besonders schön war, dass wir vom Rufen einiger Bellgeckos begleitet wurden.
An der Campsite parkten wir unter einem schönen Baum, klappten das Zelt auf und machten Feuer. Während Ruth duschte, suchte Uwe alle Zutaten für das Abendessen zusammen. Wir machten Eisbergsalat mit Tomate und Feta. Auf den Grill kam eine Boerewors, und dazu gab es Grillbrote mit Knoblauchbutter. Alles schmeckte hervorragend. Aus der Dunkelheit ertönte der langgezogene Ruf eines Schakals, und gleich darauf antworteten ein paar weitere von der anderen Seite des Platzes. Wir freuten uns sehr und lauschten ihrer Unterhaltung. Später sahen wir die munteren Gesellen eifrig über die Campsite huschen und die Grillstellen nach Resten absuchen.
Nach dem Spülen packten wir schon weitestgehend zusammen und gingen bald ins Zelt, damit wir morgen früh noch im Dunkeln Richtung Sossousvlei starten können. Soweit wir uns erinnern, waren wir schon seit acht Jahren nicht mehr hier. Das Thermometer sank auf 10 Grad.
Kilometer: 348
Teil 912. Aug. 2021
Tag 7 – Freitag, 9. Juli – Jede Menge roter Sand
NWR Campsite, Sesriem – Namib Rand Family Hideout
Der Wecker holte uns um viertel vor sechs aus dem Schlaf. Die Luft war frisch, aber mit fünf Grad nicht allzu kalt. Uwe kochte Wasser für Kaffee und Tee, und wir machten uns in aller Ruhe fertig. Im Dunkeln packten wir alle Sachen zusammen, schlürften unsere Getränke und brachen gegen zehn vor sieben auf. Uwe hatte noch ein wenig Luft aus den Reifen gelassen. Das Tor war wie am Abend zuvor nicht besetzt, so dass wir einfach hindurchfahren konnten. Es waren bereits ein paar andere Autos vor uns gestartet, aber sonst war es sehr ruhig. Keine lange Autoschlange, keine Überholmanöver und auch kein illegales Autorennen ins Vlei.
Als wir Düne 45 erreichten, standen dort trotzdem drei Autos. Aber wir wollten ja eh weiter. So fuhren wir bis ans Ende der Teerstraße. Dort warteten zwei Shuttlebusse auf Kunden. Doch wir mussten sie leider enttäuschen, weil sich Uwe schon auf seine erste kleinere 4x4-Strecke freute. In Schlangenlinien und mit viel Geschaukel nahm er mal die eine, mal die andere Spur, und wir kamen wohlbehalten am Parkplatz für das Deadvlei an. Es war immer noch ziemlich kühl. Während die Sonne über die Dünen schaute, brachen wir auf, folgten den weißen Pflöcken und waren mutterseelenallein unterwegs.
Obwohl der Boden trocken und die Lehmkruste rissig und aufgesprungen war, wuchs überall ein wenig Grün.
Dann trennten sich unsere Wege. Während Ruth auf die Düne stieg, lief Uwe unmittelbar ins Vlei.
Ihm kam ein Parkangestellter entgegen, der die Wegmarkierungen kontrolliert hatte und verkündete, dass wir heute die ersten Touristen seien. Wir waren ja tatsächlich schon einige Jahre nicht mehr hier, vor allem, weil uns der Rummel etwas zu viel geworden war. Der Grund für den Rummel war uns schnell wieder klar: Die geschwungenen Wellen der Dünenkämme, die Spuren im Sand, die wandernden Schatten, die Farbnuancen der Sandkörner, die vielen Linien und Farben und die Präsenz der alten Kameldornbäume. Man weiß gar nicht, wohin man als erstes schauen soll. Heute morgen waren wir für lange Zeit die einzigen Besucher. Welch ein Privileg! Die Magie des Deadvleis war selten so greifbar.
Uwe konnte frei herumspazieren und sich mit jedem Baum persönlich anfreunden, was er auch tat. Er probierte mal diese, mal jene Perspektive, lief um die Bäume herum und fotografierte, was die Kamera hergab.
Ruth genoss derweil die Aussicht von Big Daddy. Sie war wirklich froh, als sie endlich den Dünenkamm erreicht hatte, denn zuvor hatte sie die gar nicht mal so gute Idee gehabt, eine Abkürzung zu nehmen und direkt die Dünenflanke hinaufzulaufen. Das klappte wirklich super. Drei Schritte aufwärts und zwei ging es mit dem nachrutschenden Sand wieder hinunter. Sie war mehrfach kurz davor, einfach aufzugeben, aber dann wäre die bisherige Arbeit ja umsonst gewesen. Also Zähne zusammengebissen und die nächsten 80 Schritte in Angriff genommen, kleine Verschnaufpause und weiter. So kämpfte sie sich mühsam vorwärts, noch von zusätzlichem Ehrgeiz gepackt, weil mittlerweile zwei Franzosen ebenfalls die Düne erklommen. Die Blöße konnte sie sich ja nun nicht geben. Als sie endlich den Kamm erreicht hatte, kam ihr der weitere Aufstieg wie ein Spaziergang vor.
Nach einigem Suchen fand sie auch Uwe, der klein wie eine Ameise zwischen den Bäumen herumtanzte.
Sie setzte sich auf den höchsten Punkt der Düne, genoss die warmen Sonnenstrahlen, die absolute Ruhe und die Freude darüber hier sein zu dürfen, bevor es in großen Sprüngen wieder abwärts in Richtung der Lehmpfanne ging. Selbst das Hinunterhopsen dauerte recht lange, war aber deutlich weniger anstrengend und sehr spaßig.
Teil 1012. Aug. 2021
Gemeinsam wanderten wir noch ein wenig durch die Pfanne. Ruth musste die Bäume schließlich auch noch kennen lernen.
Inzwischen war die Sonne bis im Vlei angekommen und wärmte uns. Als die ersten Leute eintrafen und die italienische Lady im Wüstenoutfit begann, einen Baum zu erklimmen und sich nach Anweisung ihres Liebsten in Pose zu räkeln, war es Zeit für uns zu gehen. Allerdings konnten wir es uns nicht verkneifen, sie auf das verblasste Schild hinzuweisen, nach dem man die Bäume nicht einmal berühren darf.
Sehr zufrieden mit den gesammelten Eindrücken stapften wir zurück zu unserem Auto, welches mittlerweile nicht mehr ganz so einsam auf seinem Parkplatz stand.
Nach einer kurzen Toilettenpause fuhren wir das kleine Stückchen weiter bis zum eigentlichen Sossousvlei. Dort stand seit der letzten Regenzeit noch etwas Wasser unterhalb der Big Mama.
Wir liefen über den harten Lehmboden bis nah an die Wasserkante, wo der Untergrund noch matschiger und weich war. Ein paar Säbelschnäbler und Kapenten ruhten auf einem Inselchen, und zwei Flamingos staksten herum.
Der Boden war übersät mit stacheligem Grün und schönen gelben Blüten.
Wir suchten uns einen Weg durch das Stachelgemüse und mieden die matschigen Stellen am Ufer, bevor wir auf dem Kamm von Big Mama langsam um den kleinen See herumstiegen.
Auf dem höchsten Punkt machten wir Halt und wurden wieder einmal mit einer sehr schönen Aussicht belohnt.
Eine Zeit lang beobachteten wir ein anderes Auto, welches sich im lockeren Sand festgefahren hatte. Die Versuche des Fahrers, sich mit viel Gas möglichst schnell aus der unangenehmen Lage zu befreien, scheiterten wie erwartet.
Wir machten uns wieder an den Abstieg, bekamen aber noch mit, dass unsere Hilfe nach Luftablassen und ein wenig Schaufelei nicht mehr benötigt wurde.
Zurück am Auto waren wir mit der Wahl unseres Picknickplatzes im Schatten sehr zufrieden, denn es war mittlerweile schon ordentlich warm geworden. Sobald wir Brötchen, Marmelade, Nutella und Wildschinken auspackten, hatten wir viele neue Freunde. Einige Sperlinge und Bartvögel leisteten uns Gesellschaft, und Bülbüls pickten bereits an der Brötchentüte. So bewachte Ruth den Tisch, während Uwe Kaffee und Tee kochte. Das Frühstück unter dem großen Baum war herrlich.
Hier fielen uns zum wiederholten Mal die Mengen an großen Heuschrecken auf, die in den Ästen und Steinen umherkrabbelten oder beim Näherkommen eilig davon flatterten.
Nach dem Frühstück war Ruth schon wieder auf Vogelpirsch. Leider war der Rotstirnbartvogel nur wenig kooperativ. Er hatte sich eine der Heuschrecken geschnappt, verschwand mit ihr aber ins dichteste Geäst. Vielleicht hatte er Angst, Ruth wollte ihm seine Beute streitig machen, denn als er wieder auftauchte, war schon nicht mehr allzu viel davon übrig.
Rotkopfamadine: Er
und Sie
Ruth wäre gerne noch länger geblieben, aber der Zeitwächter blies bereits zum Aufbruch.
Er hatte auch nicht Unrecht, da Mittag bereits vorbei war, als wir durch den Tiefsand zurück zum Parkplatz der Shuttlebusse schaukelten. Dort beobachteten wir, dass Heuschrecken wohl nicht nur für Bartvögel, sondern auch für Schildraben eine Delikatesse zu sein schienen.
Auf dem weiteren Weg nach Sesriem sahen wir ein paar Oryx, hielten aber nicht mehr für Fotos, da das Licht grell war und die Luft flimmerte. Im Office besorgten wir uns ein Permit zur Übernachtung an der Blutkuppe für morgen. Dann tankten wir und kauften Feuerholz.
Teil 1115. Aug. 2021
Tag 7 – Freitag, 9. Juli – Jede Menge roter Sand (Fortsetzung)
Von Sesriem ging es weiter nach Süden zum Namib Rand.
Auf einem Zaunpfosten neben der Straße saß ein Steppenfalke,
und wir sahen viele Grasfresser, die die leuchtend gelben Halme abweideten. Waren wir am Anfang unserer Tour noch enttäuscht gewesen, so wenige Zebras, Oryx und Springböcke gesehen zu haben, fanden wir hier kleinere Gruppen über die Ebene bis zu den Bergmassiven verteilt und manchmal auch größere Herden.
Zum Glück war unsere verbliebene Strecke nicht mehr weit, so dass wir uns viel Zeit lassen konnten. Wir beobachteten ein paar Zebras, die nicht zimperlich miteinander umgingen und sich immer wieder bissen und traten. Bei diesem Halt fiel uns auf der anderen Seite des Autos zufällig eine Schar Rostrennvögel auf, die wir ansonsten sicherlich übersehen hätten. Da machten es uns die beiden Rüppelltrappen deutlich leichter. Ihr weithin hörbarer, quakender Gesang verriet sie schnell, und sie taten uns auch noch den Gefallen, langsam näherzukommen und sich in Pose zu setzen.
Beim Namib Rand Familiy Hideout mussten wir ein Tor öffnen, um dann die letzten 15 Kilometer zurückzulegen.
Die Sandpad führte zwischen zwei Zäunen entlang, und ein Hinweisschild besagte, dass man Tiere, die zwischen diese beiden Zaunreihen gelangt waren, bitte nicht mit dem Auto hetzen solle. Wir waren sehr froh, dass wir hier kein Tier erblickten, denn sonst hätte der Weg recht lange dauern können. Erst später, als die Zäune verschwunden waren, sahen wir eine Straußenfamilie mit noch recht kleinen Küken (die aber fast völlig im hohen Gras verschwanden) und immer wieder Springböcke.
Bei einer neuen Rezeption checkten wir ein und erfuhren, dass wir heute die einzigen Gäste waren. Wie vor zwei Jahren bekamen wir die Campsite Venus.
Wir richteten uns ein, duschten und spazierten noch ein wenig durch die Dünen hinter der Campsite.
Das feine Reliefmuster des Windes war im Sand noch völlig unberührt.
Wie schon in Sesriem und im Vlei waren auch hier viele Heuschrecken unterwegs, die sofort reißaus nahmen, wenn wir uns näherten. Da aber keine größeren Vögel unterwegs waren, lebten sie hier deutlich ruhiger.
Das Nachmittagslicht war wunderschön, und wir freuten uns mal wieder über die Einsamkeit und Ruhe. Während wir auf einer kleinen Düne saßen, wurden die Schatten länger und länger, und es verging nicht viel Zeit bis die Sonne im Dunst hinter den Bergen verschwand.
Wir machten uns auf den Rückweg und entdeckten noch zwei Oryx, denen es aber nicht mehr ganz so gut ging. Das wird wohl nix mehr! 🙁
Im Camp machten wir uns an die Vorbereitung des Abendessens. Während das Feuer herunterbrannte, kümmerte sich Ruth um den Salat, Knoblauchbutter und Oryxsteaks. Es war ein toller Abend mit hervorragendem Essen unter einem sehr beeindruckenden Sternenhimmel.
Nach dem Abwasch malte Ruth noch ein wenig mit der Taschenlampe. Positiver Nebeneffekt bei der ganzen Mal-Hopserei war, dass sie nicht merkte, dass es langsam kühler wurde. Und anstatt sich in die dickste Jacke eingemummelt nicht mehr als zwei Schritte vom Feuer weg zu bewegen, sprang sie motiviert auf dem Weg herum. Dabei entstanden die kleinen Licht-Krickelzeichnungen, bei denen Uwe immer ganz gespannt ist, was diesmal dabei herauskommen wird.
Der Sternenhimmel ist an diesem Ort aber auch ohne Taschenlampenmalerei unübertroffen. Während Uwe die Einstellungen der Kamera für eine Serienaufnahme überprüfte, entdeckte Ruth am Himmel eine sehr kräftige Sternschnuppe, die gleich einem Feuerwerkskörper einen grünen Schweif hinter sich herzog und danach sehr schnell verglühte.
Bei etwa 13 Grad krabbelten wir schließlich ins Zelt.
Kilometer: 249
Teil 1219. Aug. 2021
Tag 8 – Samstag, 10. Juli – Hinter dem Kuiseb rechts
Namib Rand Family Hideout – Blutkuppe
Der Morgen war zumindest draußen recht kalt. Aber in unseren Daunenschlafsäcken war es die ganze Zeit mollig warm. Als Uwe aufstand, zeigte das Thermometer knapp zwei Grad. Die Sonne leuchtete bereits über den Horizont.
Bei einer ersten Tasse Kaffee kramte er schon ein wenig herum. Ruth war auch bald fertig, und wir beschlossen, die kleine Runde durch das Namib Rand Nature Reserve zu fahren, die für Selbstfahrer erlaubt ist. In einem großen Bogen ging es um das Camp herum, zunächst über eine Fläche mit einzelnen gelben Graspuschelchen. Die Dünen leuchteten rot-braun, und in der Ferne erhob sich das dunkle Bergmassiv. Die Landschaften, in denen Gras, Sand und Fels zusammentreffen, empfinden wir immer als besonders schön. Deswegen sind wir hier wohl auch bereits zum zweiten Mal gelandet.
An einigen trockenen Kameldornbäumen vorbei ging es in Richtung der Dünen.
An der als etwas tiefsandig und schwieriger angekündigten kleinen Dünenauffahrt verhungerten wir dann auch prompt kurz vor dem höchsten Punkt, und Uwe musste noch einmal zurückrollen und ein bisschen mehr Schwung nehmen. Bevor es wieder abwärts ging, machten wir Halt und bestaunten die Aussicht in alle Richtungen, jedes Hügelchen und jeden Baum.
Danach fuhren wir langsam hinunter auf die gold-gelbe Grasebene. Überall flogen Nonnenlerchen und andere kleine Vögel auf, wenn wir uns näherten. Sie begleiteten uns ein Stück des Weges, bevor sie sich wieder niederließen und im Gras verschwanden.
Zurück am Camp frühstückten wir in der Sonne. Uwe probierte das Müsli mit einer frischen Maracuja. Aus Swakopmund hatten wir noch ein Körnerbrot dabei, das von außen schon recht hart, aber innen herrlich frisch war und sehr lecker schmeckte. Vor der Abfahrt wurde noch schnell geduscht, und auch die Vögel, die sich in den umliegenden Bäumen sammelten, um an der kleinen Vogeltränke zu nippen, wollten noch beachtet werden.
Rotkopfamadine
noch mehr davon
Kapsperling
Rotschwanzschmätzer
Gegen halb elf brachen wir auf. Das wurde auch höchste Zeit, denn heute hatten wir eine ziemlich lange Etappe eingeplant. Das Namib Rand Familiy Hideout ist wirklich ein ganz besonders schöner Ort.
Zunächst fuhren wir denselben Weg zurück, den wir gestern gekommen waren. Wieder war viel Wild unterwegs. Zebras hatten wir schon auf dem Hinweg einige gesehen. Vielleicht war es dieselbe Herde oder einfach nur ein paar Freunde oder Verwandte.
Auf der C19 passierten wir Sesriem, und bei Solitaire hielten wir, um Wasser und ein Stück Apfelkuchen zu kaufen. Erneut waren die sonst so rummelige Tankstelle und der Platz drumherum wie ausgestorben.
Auf der C14 ging es weiter zum Kuiseb. Über weite Strecken war die Pad frisch geschoben, und so kamen wir schnell voran. Im Vergleich zu vorgestern sahen wir noch deutlich mehr Strauße, Oryx und einige Springböcke, sogar ein paar Kuhantilopen. Rüppell-Trappen und Rennvögel liefen neben der Straße.
Am Kuiseb fuhren wir zum Gramadula-Aussichtspunkt, für den man ein Permit benötigt. Da wir das ja hatten und in der Vergangenheit dort immer nur vorbeigefahren waren, freuten wir uns, nun an diesem tollen Platz ein Picknick machen zu können. Wir aßen Brot mit Käse und Wildschinken und teilten uns den Apfelkuchen. Es war absolut still, nur der Wind wehte ein wenig.
Die Pause tat gut, und danach begaben wir uns auf die letzte Etappe zur Blutkuppe. Die zog sich nochmal sehr – das Thermometer zeigte zwischenzeitlich sogar 30 Grad – und wir erreichten erst kurz vor Sonnenuntergang unser Tagesziel.
Steppenfalke
Wir waren uns sicher, dort wieder völlig alleine zu stehen, hatten jedoch nicht auf den Kalender geachtet. Es war Samstag, also Wochenende. Und was macht man als Einheimischer, wenn man seinen Distrikt nicht verlassen darf? Richtig, zur Blutkuppe fahren, um dort eine schöne Zeit zu verbringen. Wir hätten ebenso gehandelt. Das dämmerte uns aber erst jetzt, und so waren wir ziemlich überrascht, als wir fast alle Stellplätze hinter der Blutkuppe besetzt fanden. Nach einigem Suchen entdeckten wir zum Glück doch noch einen und klappten das Zelt auf. Zum Sonnenuntergang kletterten wir auf den Berg, der wie immer rot leuchtete. Pünktlich mit dem letzten Licht kamen wir oben an.
Da wir erst am Nachmittag etwas gegessen hatten, hielt sich unser Hunger in Grenzen. Trotzdem machten wir ein Feuer und grillten „nur“ das schon aufgetaute Fleisch. Dazu aßen wir eine Gurke und Grillbrote.
Obwohl es so voll war, bekamen wir von unseren Nachbarn nicht viel mit. Alle waren rücksichtsvoll, und mit der Zeit war auch die laute Musik aus verschiedenen Autoradios verstummt. Wir verzichteten auf weitere Lichtmalereien, da man sich mit dem hektischen Taschenlampengefuchtel sicherlich keine Freunde gemacht hätte. Stattdessen startete Uwe eine Sternen-Serienaufnahme.
14 mm – f 4.0 – 25 s – ISO 6400 – Startrail aus 100 Einzelbildern
Heute hatte er Glück, denn er sah so eine grüne Sternschnuppe wie Ruth sie ihm gestern beschrieben hatte. So etwas hatten wir selten gesehen, und nun direkt an zwei Tagen hintereinander. Mit unseren Wünschen ging es also gerecht zu. 1:1! Es hatte immer noch warme 18 Grad, als wir die Leiter zum Zelt hinaufstiegen.
Kilometer: 395
Teil 1324. Aug. 2021
Tag 9 – Sonntag, 11. Juli – Treffen mit Freundinnen
Blutkuppe – Farm Ombu
Auch am Morgen war es an der Blutkuppe noch angenehm warm. Wir standen recht früh auf und tranken lediglich eine Tasse Tee bzw. Kaffee. Uwe tunkte noch schnell einen Rusk in seinen Kaffee, weiteres Frühstück verschoben wir auf später. So fiel für die herbeigeeilten Bergstare leider kein Krümelchen ab.
Unser Stellplatz bestand komplett aus dem groben Sand, in dem wir es 2005 tatsächlich geschafft hatten, uns festzufahren. Zu unserer Ehrenrettung müssen wir allerdings erwähnen, dass wir damals keinen Allrad hatten und der Sand sehr locker und außerdem noch etwas tiefer als an dieser Stelle war. In Gedanken an das damalige Abenteuer schalteten wir einfach den Allrad ein und rangierten nun problemlos auf den Rückweg.
Mit den ersten Sonnenstrahlen fuhren wir zurück zur C28, vorbei an dem kleinen Köcherbaum, den wir schon so oft fotografiert haben und bogen nach Osten auf die Strecke ab, die wir vor einer Woche in die entgegengesetzte Richtung gefahren waren.
Den ganzen Morgen begegneten wir keinem anderen Fahrzeug. Sobald wir anhielten, schallte der vertraute Ruf der Rüppells Trappen herüber. Meist fanden wir sie nach einigem Suchen zu zweit oder zu dritt auf Futtersuche neben der Straße. Um in Richtung Norden zu kommen, bogen wir auf die C32 ab. Vorbei am Tsaobis Nature Reserve ging es einsam weiter. Vor uns rannte ein etwas größeres Tier über die Straße. Schnell fuhren wir zu der Stelle und spähten in die Richtung, in der es verschwunden war. Aber so sehr wir auch starrten, die Vegetation war einfach zu dicht. Zu viele Büsche, Graspuschel und Gehölz, außerdem jede Menge kleinerer Felsbrocken. Den Löffel-Erd-Schakal-Hyänen-Wolf hatten wir leider verpasst. Dafür saß auf einem Zaunpfahl ein Weißbürzel-Singhabicht und rupfte die Reste eines Perlhuhnes zum Frühstück.
Als wir keinen richtigen Rastplatz oder geeigneten Baum fanden, hielten wir einfach am Straßenrand, stellten den Tisch hinter das Auto und machten ein Picknick. Ein paar Scheiben Körnerbrot, Wildschinken, Brie und Frischkäse – mehr Luxus brauchten wir nicht, um es uns gutgehen zu lassen.
Dann machten wir uns auf den Weg nach Karibib, denn dort hatten wir eine Verabredung. In Swakopmund war es uns ja nicht gelungen, das unangenehme Piepsen im Batterierelais abzustellen. Zusammen mit dem für den Fotoapparat nicht ausreichenden Platz zwischen Vordersitzen und Kühlschrank waren wir zu dem Entschluss gelangt, den Mietwagen gegen einen anderen zu tauschen. Savanna war so nett gewesen, Mitarbeiter Kai mit unserem Austauschwagen auf den Weg zu schicken. Den riefen wir nun an, um uns anzukündigen. Er war bereits in Karibib und wartete. Daher beeilten wir uns und erreichten den ausgestorbenen Ort. Wie freuten wir uns, als wir den beigen Landcruiser erkannten, mit dem wir vor zwei Jahren bereits unterwegs gewesen waren. Mit dem waren wir ja schon per Du. Ein erster Blick zeigte uns, wie viel mehr Platz hinter den Vordersitzen war. Und nichts piepste. So einfach sind die kleinen Freuden. Kai wartete sehr geduldig, während wir den Inhalt sämtlicher Fächer von dem einen ins andere Auto trugen. Zum Glück war der Ersatzwagen komplett leer. Alles in allem benötigten wir eine gute Stunde für den Tausch.
Vor der Weiterfahrt telefonierten wir noch mit Meike (wir hofften insgeheim auf Neuigkeiten vom RKI) und tankten den Wagen voll. Über die C33 ging es weiter nach Omaruru.
Kurz vor der Stadt bogen wir auf die D2315 ab, um in das Gebiet der Erongo Mountains zu kommen. Zuerst war die Straße noch sehr gut zu fahren. Nach einem Tor mit Wachmann, der kontrollierte, dass wir keine Wilderer waren, ging es bald wieder nach Süden auf die D2316. Schnell wurde die Pad schlechter und steiniger. Es ging immer langsamer vorwärts. Die Farm Ombu war die letzte in einer Reihe und am Ende der Sackgasse. Nach mehreren Farmtoren mit unterschiedlichsten Öffnungsösen und Verschlüssen erreichten wir das Hauptgebäude und wurden bereits erwartet.
Zur Campsite Okondeka, wo wir mit unseren Freundinnen Anita und Anette verabredet waren und die schon auf uns warteten, waren es nochmal ein paar Kilometer durch mehrere Flussbetten. Der exklusive Campingplatz lag auf einem Hügel und war gut ausgestattet. Wir wurden herzlich begrüßt, und erwartungsgemäß gab es viel zu erzählen. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir bei toller Aussicht klönenderweise mit Keksen und Appletizer faul an einem kleinen gemauerten Tisch mit Steinbänkchen. Zum Abendessen grillten wir Oryx-Steaks. Dazu machte Ruth einen Salat mit Gurke, Tomaten, Möhren und Feta. Anita hatte zu Hause einen leckeren Brokkoli-Salat vorbereitet. Mit Rotwein und vielen Lagerfeuergeschichten verging der Abend, und es war sehr gemütlich. Wir hätten gut noch ein wenig länger mit den beiden verbringen können, und so war es schon halb zwölf, bis wir in unseren Zelten verschwanden.
Kilometer: 288
Teil 1429. Aug. 2021
Tag 10 – Montag, 12. Juli – Etosha zum Ersten
Farm Ombu – Okaukuejo
Uwe wachte mit einem geschwollenen linken Auge auf. Das war zwar nicht hübsch, aber auch kein Grund zur Beunruhigung, zumindest nicht für Uwe. Während er sich sicher war, dass die Schwellung nach ein paar Tagen wohl wieder verschwinden würde, machte sich Ruth schon Gedanken, wo im Etosha denn ein guter Augenarzt zu finden sei. Trotzdem beschlossen wir, erst einmal abzuwarten und das Auge weiter zu beobachten. Zusammen mit Anita und Anette frühstückten wir in der Sonne und freuten uns über die Ruhe rundherum.
Obwohl Ruth sich sehr bemühte, ein paar Rosenpapageien zu erwischen, die quietschend vorbeiflogen, gelang es ihr nicht. Einfacher war es mit den Felsenschwalben. Sie saßen auf einem trockenen Ast und ließen sie ganz nah herankommen.
Erst nach 10 Uhr gelang es uns aufzubrechen. Uwe ließ noch Luft aus den Reifen, die mit weit über drei Bar etwas zu prall gefüllt waren. Zunächst rumpelten wir zurück zur Farm. Dort bezahlten wir unsere Rechnung und kauften noch etwas Zebrafilet, Rauchfleisch und Landjäger. In der Küche liefen ein paar knuffige Hundewelpen herum, die erst ein paar Wochen alt waren. Ruth nahm einen von ihnen auf den Arm, und es dauerte nicht lange, bis er auf ihr T-Shirt pieselte. Überrascht war sie nicht, denn irgendwie passierte ihr das nicht zum ersten Mal. Der Rückweg zur D2315 war wie gestern etwas beschwerlich, aber landschaftlich wieder sehr reizvoll. Mit weniger Druck in den Reifen fuhren wir heute etwas sanfter über die Steine. Besonders freuten wir uns über drei Dikdiks. Die kleinen Antilopen fraßen direkt neben dem Weg. Mit ihrem kleinen Haarschopf, den großen Augen und der kleinen Rüsselnase sehen sie sehr putzig aus.
Ab Omaruru konnten wir dann wieder schneller auf Teer nach Nordosten fahren. An einer Polizeikontrolle wurden wir nach dem Woher und Wohin gefragt. Für eine genaue Routenplanung, die man angeblich bei sich haben sollte, interessierte er sich (wie auch alle anderen Polizisten später) aber nicht. Der Officer warnte uns, nicht bei Unbekannten anzuhalten und wünschte uns eine gute Fahrt. Hinter Kalkfeld bogen wir auf die M63 ab, auf der wir wieder mal keinem Auto begegneten. Wie gestern hielten wir einfach am Straßenrand, um zu picknicken. Diese spontanen Stopps irgendwo im Nirgendwo schätzen wir sehr. Die Brotzeit schmeckte mit Blick auf die wogenden gelben Grashalme gleich doppelt so gut.
Dennoch ließen wir uns nicht allzu viel Zeit, denn wir hatten noch ein gutes Stück Strecke zu machen. Der ursprüngliche Plan – Etosha von West nach Ost – wurde verworfen, da es bis Okaukuejo deutlich näher war. Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten, als wir Outjo erreichten. Zunächst wurde getankt. Dann wollten wir gegenüber der Tankstelle in der berühmten Outjo Bakery ein Brot kaufen, es gab nur leider kein einziges mehr. Wie kann man auch davon ausgehen, dass es in einer Bäckerei Brot zu kaufen gibt! 😉 Also versuchten wir unser Glück im Tankstellenshop, auch dort hatten wir keinen Erfolg. Dem emsigen Makalaninuss-Verkäufer und Autoaufpasser kauften wir dennoch eine Nuss ab. Schließlich konnte er ja nichts dafür, dass wir kein Brot bekommen hatten, und eine Nuss mit der Autonummer unseres Mietwagens wollten wir auch schon immer haben. Danach ging es noch schnell um die Ecke zum Superspar. Dort bekamen wir endlich das Brot und ein paar Brötchen und konnten weiter. Das Anderson’s Gate des Etosha hatten wir schnell passiert
und steuerten direkt das erste Wasserloch Ombika an. Dort fanden wir Impalas, Kuhantilopen, eine Höhlenweihe und einen Schakal, der es sich auf einem trockenen Elefantenhaufen bequem gemacht hatte.
Als die Kuhantilopen abgezogen waren, erschien noch eine Giraffe. Sehr zögerlich näherte sie sich und spähte nach allen Seiten. Wir warteten aber nicht, bis sie die Wasserstelle erreicht hatte, sondern fuhren weiter und checkten für fünf Nächte im Park im Büro in Okaukuejo ein. Dann suchten wir uns einen schönen Stellplatz auf der Campsite. Die Auswahl war groß. Es waren nur einige wenige Sites meist ganz vorne in der Nähe des Wasserlochs und bei den Ablutions belegt. Wir entschieden uns für einen Platz etwas abseits neben einem großen Webervogelnest. Nachdem wir unsere Stühle, den Tisch und das Feuerholz deponiert hatten, blieb uns noch eine Stunde für einen ersten Gamedrive im Park. Wir nahmen die kleine Runde über Nebrownii und Gemsbokvlakte. Viele Springböcke standen im Gras oder direkt neben der Straße.
Beim ersten Wasserloch war nichts zu entdecken, also fuhren wir schnell weiter. Bevor wir Gemsbokvlakte erreichten, war der sandige Boden mit mehreren Höhleneingängen zerwühlt und durchlöchert. Zahlreiche Hörnchen wuselten herum, knabberten frisches Grün und balgten mit ihren Spielgefährten. Auch ein Trupp Fuchsmangusten hatte sich unter die Hörnchen gemischt und teilte sich mit ihnen die Wohnhöhlen.
Noch mehr begeisterte uns aber ein großes Spitzmaulnashorn, welches ein Stück weiter direkt neben dem Weg lief und auf das Wasser zusteuerte. Wir waren sehr zufrieden mit unserer ersten Pirschfahrt, denn ein Nashorn am Tage hatten wir so frei nur selten erblickt. Trotz gekürztem Horn war das Tier eine imposante Erscheinung.
Es schaute ein wenig irritiert zu uns herüber und wollte schon abdrehen. Deswegen fuhren wir noch das kleine Stück bis Gemsbokvlakte.
Weißflügeltrappe
Beim Wasserloch selbst flogen nur Tauben umher. Außerdem war es schon nach 18 Uhr, und wir wollten nicht zu spät am Tor sein. Im schönsten Gegenlicht der untergehenden Sonne machten wir uns auf den Rückweg, natürlich nicht, ohne noch kurz bei unserem Rhino zu stoppen.
Ein paar Minuten mussten wir dann auch noch bei einem Zebraroadblock warten, da wir die Tiere nicht von der Straße schubsen wollten.
Nun wurde es aber wirklich höchste Zeit. Vorbei ging es an den Zebras, und wir kamen genau bis zur übernächsten Kurve. Was lag denn da vorne direkt vor uns auf der Straße? Nur noch ein paar Kilometer von Okaukuejo entfernt hatten es sich zwei große Mähnenlöwen gemütlich gemacht. Wir trauten unseren Augen nicht. Der hintere Kater stand schon bald auf und verschwand nach links ins Gebüsch, woraufhin ihm sein Kumpel folgte.
Gerne hätten wir die beiden noch weiter beobachtet, aber nun drängte die Zeit wirklich sehr. Wir verabschiedeten uns von den Löwen und erreichten kurz vor Torschluss das Camp. Nach einer erfrischenden Dusche machten wir Feuer und grillten unglaublich leckeres Zebrafilet von Ombu. Dazu dünsteten wir im Potije Blumenkohl und Möhren. Grillbrote mit Knoblauchbutter rundeten das leckere Abendessen ab. Anschließend spülten wir und setzten uns danach noch etwas ans Wasserloch. Dort mussten wir nicht auf die Inszenierung warten, denn das Stück war bereits in vollem Gange. Acht Spitzmaulnashörner tranken und badeten. Eine Mutter mit Kalb verscheuchte alle Artgenossen, die dem Kleinen zu nahe kamen. Es wurde geschnaubt und getrampelt. Mal entfernte sich ein Tier, dann kam es wieder zurück. Auch ein Elefant kam zum Trinken. Respektvoll machten ihm die Rhinos Platz, und er marschierte zielstrebig zum Wassereinlauf, an dem es wohl am besten schmeckt. Wer will schon das Wasser trinken, in dem die anderen gebadet haben?! Da wir schon ziemlich müde waren, blieben wir nicht sehr lange und kuschelten uns in unseren Camper. In der Ferne riefen ein paar Schakale, eine Hyäne jaulte, und direkt neben uns zwitscherte immer mal wieder ein Webervogel im Traum.
Kilometer: 375
Teil 1509. Sept. 2021
Tag 11 – Dienstag, 13. Juli – Gamedrive ohne Ende
Okaukuejo – Olifantsrus
Wie in Okaukuejo üblich standen wir früh auf. In der Nacht hatten immer wieder die Webervögel im Traum gezwitschert – also in ihrem eigenen, nicht in unserem. Während das Camp ganz langsam erwachte, setzte Uwe Wasser auf, ging zur Toilette, und Ruth richtete das Zelt. Unsere Morgenroutine war schon wieder gut eingespielt, und so waren wir pünktlich zur Toröffnung um halb acht fertig.
Mit Sonnenaufgang machten wir uns auf zur Löwenjagd, denn wir wollten schauen, ob wir die beiden Kater vom Vorabend wieder aufspüren konnten.
Daher fuhren wir die Runde vom gestrigen Abend zunächst in umgekehrter Richtung, also nach Gemsbokvlakte und dann über Nebrownii zurück. Leider hatten wir kein Glück, denn die Löwen waren nicht mehr zu finden. Davon waren wir auch ausgegangen, aber wir wollten uns nicht nachsagen lassen, es nicht versucht zu haben. Stattdessen entdeckten wir ein einzelnes Eland, einige Schakale und natürlich Unmengen an Springböcken.
Der Morgen war relativ ruhig, und so hielten wir mal wieder auch für die kleinen Braunen. Mit dieser Aufnahme von hinten tun wir uns etwas schwer. Auch die Größe ist im Nachhinein nur schlecht zu schätzen. Vielleicht ist es ein Marico Flycatcher?
Drosselschnäpper (Chat Flycatcher) (Danke an maddy)
Weißflügeltrappe
Nach einem kleinen Stopp in Okaukuejo ging es von dort weiter nach Okondeka. Entlang des Weges sahen wir Springböcke und Gnus, die aber nur wenig kooperativ waren. Völlig gelangweilt von uns hoben sie meist nicht einmal den Kopf. Auch die Landschaft gab nicht allzu viel her.
Ein bisschen gelbes Gras und kurzes, graues Gewächs. Trotzdem freuten wir uns, einfach hier sein zu dürfen. Uwes Ankündigung, sich notfalls auch für drei Wochen irgendwo in den Staub zu setzen, wenn er nur bloß wieder nach Namibia käme, war gar nicht so falsch. Die Ansprüche waren geringer und die Momente bewusster. Von einfach nur im Staub sitzen waren wir ja auch ohne besondere Sichtung weit entfernt. Vielleicht sind eben auch die kleinen Dinge besonders.
Aufgeregte Weißflügeltrappe
Termitenschmätzer
Schnell kamen wir nicht voran, denn die häufigen Vogelstopps hielten auf. Ihre Bestimmung noch viel mehr. Lerchen können wir einfach gar nicht.
Zirp-Lerche (Spike-heeled Lark) Sabotalerche ohne weißen Augenstreif 😛 😗
Ach, keine Ahnung! Irgendwas passt einfach immer nicht. Entweder ist es der helle Kranz ums Auge, der dunkle Streifen, der vom Schnabel ausgeht, die bräunliche Brust oder das Verbreitungsgebiet. Wir behaupten einfach, eine neue Art entdeckt zu haben. Fertig!
Zirp-Lerche (Spike-heeled Lark) (Danke an Matthias)
Rostschwanzschmätzer (Familiar Chat) (Danke an maddy)
Steppenfalke
Bei Okondeka standen Oryx und Strauße herum. In der Ferne zogen ein paar Gnus vorbei. Von Löwen war weit und breit keine Schwanzspitze zu erblicken, und so fuhren wir über Adamax und vorbei am Märchenwald immer weiter nach Westen. Eine einzelne Giraffe war in die entgegengesetzte Richtung unterwegs.
Am Picknickplatz hinter dem Wald machten wir eine kleine Frühstückspause und aßen Brötchen mit Nutella und Marmelade. Auch hier war es sehr still. Außer ein paar Webervögeln, die fleißig kleine Ästchen im Schnabel davontrugen, konnten wir keine Vögel entdecken.
So blieben wir nicht sehr lange und fuhren schon bald weiter. Dabei stellte das Öffnen des Tors Ruth vor eine Herausforderung. Das alte Ding hing nur noch schräg in den Angeln, und sie musste es mehr tragen als schieben. Unter grauem Himmel ging es weiter Richtung Nordwest. Die Strecke zog sich, und wir waren dankbar für jede kleine Abwechslung.
Bei Ozonjuitji m’Bari tobte dafür das Leben. Alles, was Beine und Flügel hatte und sich mehr oder weniger gut vertrug, war hier vertreten: unzählige Strauße, Oryx, Zebras und Springböcke. In weiter Entfernung entdeckten wir ein paar Elands und dazwischen viele viele Tauben.
Kaptäubchen
Es ging zu wie auf dem Schulhof. Während die einen sich brav anstellten, abwarteten und alles aus der Ferne betrachteten, wurde anderswo gedrängelt, gerempelt und gepöbelt.
Besonders arg trieben es die Zebras. Ihre langgezogenen Rufe schallten aus allen Richtungen, während sie kopfnickend Richtung Wasser liefen. Dort angekommen schubsten sie sich herum, traten, bissen und wirbelten mächtig Staub auf.
Wir blieben eine ganze Weile und sahen dem Schauspiel zu. Leider sichteten wir hier und auch später keine Elefanten. Auf der weiteren Strecke sprang ab und an ein Steinböckchen davon, und auch die Zebras blieben uns treu. Trotzdem wollte die Strecke nach Olifantsrus nicht kürzer werden. Wir begannen ein wenig zu bereuen, den Westen des Etosha dieses Mal nicht ausgelassen zu haben. Ein Highlight war das Picknick bei Sonderkop. Während wir Brote mit Avocado und Rauchfleisch aßen, unterhielten sich an den beiden Nebentischen zwei Schildraben. Sie machten merkwürdige Geräusche und hörten sich an wie eine losgelassene Sprungfeder aus Metall: brrrimmm, brrrrimmm. Es machte wirklich Spaß, den beiden zuzuhören. Obwohl wir schon viele dieser Vögel gesehen hatten, war diese Sprache neu für uns.
Kalahariheckensänger
Schnurrbärtchen
Die letzten 50 Kilometer bis Olifantsrus unterbrachen wir nur noch für einige Doppelbandrennvögel direkt neben der Straße und zwei Steinböckchen.
Die auf dem Weg liegenden Wasserlöcher waren vollkommen verwaist. Alle Tiere hatten sich verkrochen oder waren abgewandert. Wie verzweifelt wir nach einem Lebewesen Ausschau hielten, beweist dieser Waffenkiebitz, der bei schlechtem Licht neben einem Elefantenköttel als lohnendes Motiv herhalten musste.
In Olifantsrus checkten wir ein und suchten uns aus den vielen Campsites eine freie aus. Außer uns standen am Ende des Tages noch vier weitere Parteien hier. Wir hatten genug von der langen Fahrerei und dem anstrengenden Gegucke. Daher ruhten wir uns aus, duschten und setzten uns kurz in den Hide.
Leider war auch an diesem Wasserloch außer ein paar Tauben kein Tier zu sehen.
Das stimmte so nicht ganz. Im Tümpel unter uns regte sich etwas, und eine Schildkröte grinste zu uns herauf.
Außerdem stand eine Herde Gnus weit entfernt, machte aber keine Anstalten, näher zu kommen. Mit Sonnenuntergang spazierten wir über den hölzernen Steg zurück zur Campsite.
Zum Abendessen wollten wir Boerewors grillen. Ruth machten einen Salat mit Gurke, Tomaten, Paprika, Oliven und Feta. Uwe entzündete das Feuer und checkte noch einmal die Lage am Wasserloch, da wir den Ruf einer Hyäne gehört hatten. Seine Mühe blieb aber umsonst.
Der Abend blieb eher ungemütlich. Zum einen wurde es recht kalt, außerdem qualmte das Feuerholz sehr, und es dauerte ewig, bis wir eine nennenswerte Glut erhielten. Natürlich zog der Qualm immer in unsere Richtung. Egal, ob wir uns vor, hinter oder neben die Feuerstelle setzten, wir wurden eingeräuchert. So zogen wir mehrfach mit unserem Tisch um, bis wir schließlich kapitulierten. Manche Dinge gehören eben dazu. So zum Beispiel nach Rauch stinkende Klamotten und Haare. Als die Wurst endlich fertig war, schmeckte sie zum Glück hervorragend, so dass sich das lange Warten gelohnt hatte. Bei der Camp-Rezeption gab es WLAN, und so erfuhren wir, dass Lufthansa nur noch dreimal pro Woche von Windhoek nach Frankfurt fliegt. Unser Rückflug wurde daher um einen Tag nach vorne verschoben. Überraschung! Auf Grund der niedrigen Temperaturen dauerte es nicht lange, bis wir bald nach dem Abwasch ins Zelt kletterten und uns auch das stundenlange Starren auf ein schwach angeleuchtetes Wasserloch nicht mehr locken konnte.
Kilometer: 200
Teil 1617. Sept. 2021
Tag 12 – Mittwoch, 14. Juli – Etosha West
Olifantsrus – Okaukuejo
Noch beim Einschlafen hörten wir Hyänen rufen, und in der Nacht weckte uns mehrfach Löwengebrüll. Wir waren aber zu faul, uns anzuziehen und am Wasserloch nachzusehen. So lauschten wir in unsere Schlafsäcke gekuschelt dem nächtlichen Konzert und standen um viertel vor sieben mit großen Erwartungen auf. Die Luft war kühl, und wie jeden Morgen waren alle Sachen schnell eingepackt. Mit einem heißen Getränk liefen wir zum Hide und sahen zu, wie sich die Sonne langsam über den Horizont schob. Das Wasserloch lag immer noch völlig still, nur ein paar vereinzelte Tauben landeten und flogen gleich darauf wieder auf.
Daher blieben wir nicht allzu lange und fuhren zunächst ein Stück nach Westen zum ersten Wasserloch Nomab. Dort stand ein einzelnes kleines Oryx verloren im Gras und hielt Ausschau nach seiner Mutter.
Wir halfen ihm ein wenig bei der Suche, konnten aber nur Gnus, Kuhantilopen und Zebras entdecken.
Wir hofften, dass die Geschichte des kleinen Oryx noch ein glückliches Ende nehmen würde und seine Mutter in der Nacht nicht als Mitternachts-Imbiss geendet hatte. Auf dem Weg fanden sich nämlich frische Löwen- oder Leopardenspuren in beachtlicher Größe.
Weiter nach Westen wollten wir nicht, denn wir hatten ja wieder den ganzen Weg bis Okaukuejo vor uns. Daher drehten wir um. An Olifantsrus vorbei machten wir heute Morgen viele Kilometer ohne nennenswerte Sichtungen. Ein Sekretär flog leider direkt davon, als wir neben ihm anhielten. Kurz vor der Wasserstelle Sonderkop hielten wir am Picknickplatz und holten uns Brötchen, Nutella und Marmelade nach vorne. Der Plan war, an der Wasserstelle mit tollen Sichtungen zu frühstücken. Und er schien aufzugehen, denn dort stand bereits ein anderes Auto, aus welchem ein Objektiv herausragte. Zuerst sahen wir Gnus, Zebras und Springböcke, entdeckten aber schon bald eine Löwin, die am vorderen Rand des Parkplatzes müde herumlag. Das Fell unter ihrem Kinn hatte noch einen roten Schimmer, und wir vermuteten, dass sie diese Nacht Beute gemacht hatte. Sie war intensiv mit der Fellpflege beschäftigt und hielt nur ab und zu inne, um zu schauen, ob wir noch da waren.
Das waren wir natürlich, denn ein Frühstück mit Löwenaussicht schmeckt gleich noch viel besser. Sehr zufrieden ließen wir uns die Brötchen schmecken und entdeckten erst viel später eine zweite Katze, die es sich ein Stück entfernt auf einem Haufen Elefantendung bequem gemacht hatte.
Wir konnten beide nicht glauben, dass wir sie so lange übersehen hatten und scannten die Gegend nach weiteren Mitgliedern ihres Rudels ab. Diesmal waren wir uns ziemlich sicher, dass wir kein weiteres Tier verpasst hatten. Aber zwei Löwinnen sind ja auch nicht schlecht. Während wir frühstückten und darauf warteten, dass sich eine der Katzen bewegte, erschien zwischen den Gräsern und Bäumen auf der gegenüberliegenden Seite des Wasserlochs eine zottelige, dunkle Gestalt, die sich rasch näherte.
Sie steuerte zunächst zielstrebig auf das Wasser zu, drehte ein wenig ab, um einen weiteren Haken zu schlagen und sich dann doch dafür zu entscheiden, ihren Durst zu stillen. Leider lag das Wasserloch im Gegenlicht. Trotzdem freuten wir und sehr über die braune Hyäne, die sich von unseren beiden Löwen nur wenig beeindruckt zeigte. Vielleicht war sie aber nur ebenso blind wie wir vorhin.
Die Löwin, die nahe bei unserem Auto lag, erhob sich und lief zu ihrer Freundin.
Gemeinsam ließen die beiden die trinkende Hyäne nicht aus den Augen, machten aber auch keine Anstalten, sie zu verjagen. Man kann auch friedlich miteinander sein. Als das braune Zotteltier seinen Durst gelöscht hatte, machte es sich fünf Minuten später schon wieder davon – bloß nicht rennend, denn man will ja nicht den Jagdtrieb wecken, aber doch dem wachsamen Blick entkommen, schließlich weiß man nie …
Als der Hyäne der Abstand zu den Löwen groß genug erschien, wurde sie auch gleich ein wenig mutiger und streckte ihnen zum Abschied noch schnell die Zunge heraus.
So toll hatten wir uns unser Frühstück gar nicht vorgestellt. Schnell packten wir zusammen, verabschiedeten uns ebenfalls von den Löwen und fuhren los, um die Hyäne noch einmal auf der Straße zu erwischen. Sie lief einige Zeit parallel zu uns, aber irgendwann verloren wir sie aus den Augen.
Wir folgten der Pad bis Ozonjuitji m‘Bari, wo heute deutlich weniger Tiere als gestern waren. Es war mittlerweile nach 11 Uhr, und alle hatten sich in den Schatten verkrochen oder lagen wiederkäuend im Gras. So blieben wir dort nicht lange und fuhren bald weiter.
Den nächsten Picknickplatz ließen wir links liegen, um möglichst schnell nach Okaukuejo zu kommen. Dort wollten wir eine längere Mittagspause machen. Ein paar Kilometer vor dem Restcamp stand ein Spitzmaulnashorn mitten in einem Gebüsch und fraß. Man konnte es nur entdecken, weil der komplette Busch wackelte. Mal sah man ein Ohr, mal den Schwanz, manchmal auch nur graue Haut, während es die Blättchen um die dornigen Äste herum zupfte. Seine Futtersuche war wirklich mühsam, und es dauerte eine ganze Weile, bis es sich endlich zeigte.
Im Büro in Okaukuejo bezahlten wir die Campsite für eine Nacht und kauften im Shop wieder ein Paket Holz. Unseren Stellplatz suchten wir ganz am hinteren Rand des Campingareals und machten es uns gemütlich.
Wir freuten uns an den kleinen Besuchern, die neugierig herbeikamen, um zu schauen, ob vielleicht etwas Leckeres vom Tisch fallen würde.
Rotschnabelfrankolin
Ruth spazierte zum Nest der Siedelweber, die schon wieder eifrig damit beschäftigt waren, ihre Wohnung zu vergrößern. Dabei wurden zwitschernd die spannesten Neuigkeiten ausgetauscht.
Zum Essen machten wir einen Avocado-Thunfisch-Salat mit Mais, und es gab Rauchfleisch, Butterbrote und Brie. Anschließend ging Ruth duschen, und Uwe trank Kaffee und verputzte den letzten Schokomuffin. Dann wurde gespült, und während Uwe duschte, legte Ruth das Fleisch für das Abendessen ein. Man könnte meinen, wir haben nur gegessen. (Haben wir wohl auch!)
Teil 1717. Sept. 2021
Bevor wir gegen 15:30 Uhr aufbrachen, schauten wir kurz beim Wasserloch vorbei. Dort tranken drei Elefanten. Wir sahen ihnen dabei zu, bis sie genug hatten und den Platz wieder verließen, denn es waren dieses Jahr die ersten Elefanten, die wir im Etosha sahen.
Dann wollten wir eine kleine Runde beginnend bei Nebrownii fahren. Weiter kamen wir auch nicht, denn dort lag ein Löwe im Gras zwischen Straße und Wasserstelle. Ein zweiter lag noch weniger sichtbar im hohen Gras, dafür aber fast neben der Straße.
Viel tat sich hier nicht. Mal wurde eine Vordertatze, mal ein Hinterbein in die Luft gestreckt. Man räkelte sich links- und rechtsherum und ließ sich von der Sonne bescheinen. Wir stellten uns auf eine lange Wartezeit ein, und das taten mit uns mittlerweile fünf weitere Autos. Als sich der eine Löwe nach einer Viertelstunde erhob, wurde es hektisch. Die Fotoapparate klickten, und es wurde wild rangiert.
Sicherlich würden die beiden früher oder später zur Wasserstelle laufen. Daher verließen wir die Autoansammlung und parkten um. Mit einem guten Blick auf das Wasser warteten wir und wurden nicht enttäuscht. Die beiden Löwen trotteten langsam in unsere Richtung, blieben aber immer wieder stehen, legten sich nieder, erhoben sich und taten die nächsten paar Schritte. Sie hatten wirklich keine Eile.
Die Schildraben und Krähen waren da deutlich flotter unterwegs. Sie kamen schnell herbeigeflogen, tranken ein paar Schlückchen und flatterten dann zur Seite, als der erste Kater vorbeischritt.
Er trank lange und legte sich dann für alle anderen Tiere weithin sichtbar direkt oberhalb des Wassers in Position.
Ein einsamer Springbock umrundete in großem Abstand das Wasserloch und stieß respektvolle Alarmrufe aus. Die Anwesenheit der Löwen hatte sich wohl herumgesprochen, denn mit Erscheinen des zweiten hatte sich auch der Parkplatz gefüllt. Wir waren froh, so früh dort gewesen zu sein, denn mittlerweile waren gefühlt alle Autos, die hier unterwegs waren, bei Nebrownii versammelt, und im Laufe der nächsten zwei Stunden wurden es immer mehr. Wir fuhren noch einmal ein wenig zur Seite, um etwas Platz zu machen und konnten dem Rangieren um die besten Plätze gelassen zusehen.
Es passierte nicht wirklich viel. Ab und zu erhob sich einer der Löwen, schaute sich um und legte sich wieder hin.
Irgendwann erschienen nacheinander von der anderen Seite noch zwei weitere Löwen.
Alle vier begrüßten und beschnüffelten sich, bevor sie sich nebeneinander – wie heute Morgen schon die Löwendame – auf den Elefantenbollern niederlegten. Dort scheint es wirklich besonders schön kuschelig und weich zu sein. Die vier schienen noch junge Brüder zu sein und betrachteten sich augenscheinlich als die Stars der Wasserstelle.
Solange sie dort lagen, trauten sich nur wenige Springböcke und viele Schildraben etwas näher heran. Erst gegen viertel nach sechs lichteten sich die Reihen der Zuschauer, als immer mehr Leute den Rückweg nach Okaukuejo antraten. Auch wir machten uns auf und kamen passend zum Sonnenuntergang zum großen Wasserloch im Camp an. Dort kamen gerade zwei Elefanten zum Trinken.
Ruth entdeckte eine Schleiereule im Baum über uns.
Auf unserer Campsite machten wir Feuer und zogen uns warme Sachen an, denn nach Sonnenuntergang wurde es schnell kühl. Wir machten Salat mit Tomaten, Paprika, Feta, Oliven und Gurke. Das neue Holz war nicht ganz trocken, und so brauchten wir wieder lange, bis genügend Glut zum Grillen vorhanden war. Dieses Problem hätten die Campangestellten, die ein wenig außerhalb von Okaukuejo wohnten, sicherlich gerne gehabt, denn während unser Feuer nicht brennen wollte, stand das Staff-Camp plötzlich lichterloh in Flammen. Wir hörten aufgeregtes Geschrei und sahen den roten Feuerschein zu uns herüberleuchten. Am Tonfall der Leute meinten wir zu erkennen, dass die Lage ernst war und hofften, dass niemand verletzt würde. Ein aufkommender Wind fachte die Flammen immer wieder an, wenn wir gerade dachten, dass es nun bald geschafft und das Feuer gelöscht wäre. Langsam machten wir uns Sorgen. Was, wenn der Wind die Flammen zu uns herübertreiben würde? Die armen Menschen, die gerade mit den Flammen kämpften. Mehrere Autos fuhren zum Camp, und nach einer ganzen Weile war der Brand zum Glück unter Kontrolle.
Nach der ganzen Aufregung grillten wir endlich unser Zebra und konnten jeden Löwen verstehen, denn es schmeckte ganz hervorragend. Ruth kuschelte sich in eine warme Decke, während Uwe zum Spülen ging. Anschließend setzten wir uns mit unseren Wolldecken und Mützen noch ein bisschen ans Wasserloch, beobachteten die sechs Nashörner und die Schleiereule, die noch immer im Baum saß.
Als es spät und uns zu kalt wurde, liefen wir zum Auto und starteten noch eine Serienaufnahme des Sternenhimmels. Hoffentlich stehen morgen früh nicht zwei Kameras auf dem Platz.
Kilometer: 176
Teil 1827. Sept. 2021
Tag 13 – Donnerstag, 15. Juli – Etosha Mitte-Ost
Okaukuejo – Namutoni
Heute Morgen stand Uwe noch ein wenig früher auf als sonst. So ganz geheuer war ihm bei der Vorstellung, dass der Fotoapparat so ganz alleine mitten auf dem Platz stand, dann doch nicht. Da es aber noch sehr kühl war, lockte ihn ein Frühstück in der eisigen Luft wenig, und er beschloss sich für ein weiteres Stündchen in den warmen Schlafsack zu kuscheln. Die Morgenroutine verlief dann zügig, und pünktlich um halb acht waren wir bereit. Heute war der Campingplatz in Okaukuejo deutlich voller als vorgestern. Wir fuhren auf direktem Weg nach Nebrownii, um nach den Löwen zu schauen.
Sie waren tatsächlich noch vor Ort und lagen in einiger Entfernung im Gras. Aktiv war zunächst nur eine Tüpfelhyäne, die unbeeindruckt von den Löwen zum Trinken an das Wasserloch kam.
Zwei der Löwen lagen nahe der Straße, standen bald auf und liefen parallel zum Fahrweg. Ein paar Autos hatten bereits die Verfolgung aufgenommen. Wir reihten uns ein und fuhren so, dass wir die zwei Katzen gut beobachten konnten.
Alle Fahrer verhielten sich sehr rücksichtsvoll. Es wurde weder gedrängelt noch blockiert. Jeder konnte in Ruhe schauen und ein paar Fotos machen. Mal war das eine, mal das andere Auto vorn, und alle warteten, um die Tiere nicht zu bedrängen. Das hatten wir im Etosha schon ganz anders erlebt und freuten uns über das positive Verhalten der Leute. Die Löwen balgten ein wenig miteinander und legten sich danach wieder ins hohe Gras, während sie die Umgebung neugierig beobachteten.
Als ein paar Springböcke näher kamen, duckten sie sich ganz flach auf den Boden und visierten ihre mögliche Beute.
Zum Glück für die Böcke waren die beiden Katzen viel zu ungeduldig, und ein Angriffsversuch blieb mehr als halbherzig. Der eine Löwe hob den Kopf und stand wenig entschlossen auf, so dass er sogleich bemerkt wurde und die Springböcke auf und davon waren.
Wir blieben noch eine Weile und sahen den Löwen beim Faulenzen zu. Aneinander gekuschelt ließen sie sich den Wind um die Ohren wehen.
Bald fuhren wir weiter nach Gemsbokvlakte. An der Haustür der Fuchsmangusten-Hörnchen-WG machten wir einen kurzen Halt. Die Familien hatten ihren Bau verlassen und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Dabei achteten sie auf jede kleinste Bewegung und waren sofort wieder in ihrem Loch verschwunden, sobald wir im Auto eine zu schnelle Bewegung machten.
Am Wasserloch gab es außer ein paar Flughühnern nichts zu entdecken, und so fuhren wir nach Olifantsbad.
Namaflughuhn
Gleitaar
Ein junger Weißbürzel mühte sich, das Nest in einem dornigen Geäst anzufliegen. Als wir anhielten, ließ er von seinem Vorhaben ab und schaute verärgert. Ob das Nest noch bewohnt war, konnten wir nicht erkennen, für den Fall, dass dies aber so war, hatten die Nestlinge sicher einen gehörigen Schrecken davongetragen.
Teil 1927. Sept. 2021
Kurz vor dem Rastplatz entdeckten wir ein Impala, dem etwas Langes aus dem Hals ragte. Wir konnten zunächst nicht erkennen, um was es sich handelte, waren uns mit Hilfe des Fernglases aber schnell sicher, dass es das abgebrochene Horn eines Kollegen sein musste. Das Horn schlenkerte bei jedem Schritt hin und her, schien das Impala aber nicht weiter zu beeinträchtigen. Wir gingen zur Toilette, wollten aber nicht hier auf dem Rastplatz, sondern am Wasserloch frühstücken und holten ein paar leckere Sachen nach vorne. In der Gesellschaft einer kleinen Kuduherde, Zebras und ein paar Perlhühnern schmeckte es gleich viel besser.
Nach einer Weile traf auch der unglückliche Impalabulle ein. Das Horn des Rivalen in seinem Hals sah schaurig aus. Der arme Kerl konnte einem wirklich leid tun. Am liebsten hätten wir das Horn herausgezogen und sogleich einen Druckverband angelegt.
Nach Nutellabrot und Müsli ging es auf sehr holperiger, schlechter Straße weiter nach Aus. Dort war alles wie ausgestorben, und so fuhren wir zur Hauptverbindungsstraße nach Halali und zu den Wasserstellen Sueda und Salvadora. Außer sehr vielen Zebras und Springböcken begegneten wir keinen größeren Tieren. Ab und zu hielten wir für einen Vogel, freuten uns aber auch einfach an der kargen Landschaft und den hohen, gelben Gräsern.
Eine Gruppe Oryx war mit ihrem Nachwuchs unterwegs, und ein Kalb schaute interessiert zu uns herüber, bevor es davonlief.
Auffallend war, dass immer mehr Gabelracken und Gleitaare zu entdecken waren, je weiter wir nach Osten kamen. Den nächsten Halt machten wir am Etosha Lookout, bis zu dem wir ein Stück in die Etosha Pfanne hineinfuhren. Hier vertreten wir uns gerne etwas die Beine. Natürlich mussten wir auch wieder ein bisschen herumhopsen. Wir haben mittlerweile schon eine ganze Reihe von Aufnahmen an diesem Ort gesammelt.
Uwe musste es mit einem doppelten Salto natürlich gleich übertreiben und verlor dabei seinen Schuh. 😉
Wir entschieden spontan, nicht in Halali, sondern bereits heute in Namutoni zu übernachten. Daher hatten wir noch viele Kilometer vor uns. Langsam fuhren wir am Pfannenrand weiter nach Osten und hatten es trotzdem nicht eilig. Wir begegneten lediglich einer Handvoll anderer Autos und wurden auch nicht überholt. Vermutlich standen alle anderen noch an der Löwenschranke bei Nebrownii. Gut für uns, so hatten wir den restlichen Park für uns.
Doppelbandrennvogel
Bei den natürlichen Quellen Springbokfontein und Batia fanden wir noch etwas Wasser. In lockeren Grüppchen standen Gnus und Springböcke über die Ebenen verteilt.
Bei Kalkheuvel waren wir jedoch enttäuscht, da es viel weniger Wasser als früher und entsprechend kaum Tiere oder gar Vögel gab. Was hatten wir hier schon Stunden verbracht und Papageien, Spatzen und Graulärmvögeln aus nächster Nähe beim Baden zugesehen. Nun war alles trocken und steinig, und wir vermuteten nur noch etwas Wasser in weiter Entfernung. So kann sich das Bild ändern, wenn man einige Jahre nicht vor Ort war. Auch bei Chudop herrschte nicht viel Betrieb. Lediglich ein paar Giraffen standen herum, entfernten sich bis auf eine aber schon bald. Dieser schauten wir bei ihrem aufwändigen Trinkvorgang zu. Es dauerte ewig, bis sie Beine und Hals in die richtige Position gebracht hatte und sich endlich mit ein paar Schlucken belohnen konnte, bevor sie aufschreckte und sich prüfend in alle Richtungen umsah. Danach ging es wieder in den leichten Spagat, und sie trank hastig. Dieses Spielchen wiederholte sie einige Male, bis ihr Durst gelöscht war und sie zufrieden davonschritt.
Wir machten uns ebenfalls auf und checkten für zwei Nächte auf der Campsite in Namutoni ein. Insgesamt standen dort vielleicht fünf Autos. Es war sehr ruhig, und alle Angestellten waren besonders zuvorkommend, freundlich und zu einem Schwätzchen aufgelegt. Wir suchten uns einen schönen Platz am Rand, machten uns breit und ruhten ein wenig aus. Nicht nur wir, sondern auch die Tokos um uns herum suchten sich einen kleinen Snack. Dabei kamen wir uns allerdings nicht in die Quere. Während wir die Landjäger von der Ombu-Farm verspeisten, bevorzugten die Vögel die großen Heuschrecken, von denen es auch hier sehr viele gab.
Gelbschnabeltoko
Rotschnabeltoko
Unsere Nachbarn waren ein Ehepaar mit einem wirklich beeindruckenden Gefährt. Auf einem separaten Anhänger zogen sie zur einfacheren Fortbewegung im Park einen kleinen Suzuki hinter sich her. Nebendran standen ein paar Fahrräder, und im LKW lief die ganze Zeit über der Fernseher. Unsere Theorie war, dass er gerne zu Hause fern guckte, sie hingegen verreisen wollte. Das hier war nun der Kompromiss der beiden. Wir hätten uns gerne ein wenig unterhalten und unsere Vermutung überprüft, können uns aber vorstellen, dass man mit einem solchen Auto Aufmerksamkeit erregt und vielleicht auch ganz froh ist, wenn man nicht ständig angequatscht wird. Vielleicht ergibt sich ja später noch die Gelegenheit.
Nachdem wir geduscht hatten, fuhren wir noch eine kleine Runde. Bei der Anmeldung im Office hatte Ruth einen Blick ins Sichtungsbuch geworfen und nicht anders gekonnt, als die letzten Einträge zu fotografieren. Ja sicher: Der Eintrag vom 3.7. ließ uns völlig unbeeindruckt. Dort stand um 7:50 Uhr lucky: zwei Leoparden. Natürlich gleich zwei, eine Mutter und ein Jungtier. Und keine Stunde später very lucky: drei Karakals, oder heißt es Karakale? Und gibt’s die überhaupt im Plural? Wie viele Flaschen von Daxiangs großartigem Sichtung-Fee-Bestechungswilli hatten die denn bitte schön getrunken? Wir beschlossen, das als Fake abzutun. Kein Mensch konnte ein solch unverschämtes Glück haben, bei einem einzigen Gamedrive sowohl Leos als auch Karakale zu sichten. Der ganze Quatsch sollte uns natürlich dennoch nicht daran hindern, ab sofort die Strecke nach Twee Palms mehrfach abzufahren. Und gleich heute Abend würden wir den Willi auspacken. Das wäre doch gelacht! Wir könnten auch einfach (very very lucky) vier Erdferkel mit einem Pangolin auf dem Rücken im Buch notieren. Frechheit!
Das Ziel stand also fest, und wir machten uns auf den kurzen Weg bis Twee Palms. Die 12 Kilometer dauerten trotzdem lange, schließlich wollten die Leoparden und Karakals ja in ihrem Versteck aufgespürt werden, nachdem sie nun über 10 Tage lang auf uns gewartet hatten. Das einzige, was wir entdecken konnten, waren allerdings ein paar Gnus und Oryx und die Behausungen der Maskenweber.
Am Wasserloch stand eine große Herde Giraffen, ein paar Enten zogen ihre Bahnen, und wir entdeckten sogar zwei Marabus.
Während die Sonne unterging, fuhren wir zurück ins Camp.
Dort machten wir Feuer und wunderten uns schon nicht mehr, dass das Holz, das wir im Park gekauft hatten, auch heute Abend zuverlässig qualmte und sehr lange brauchte, bis es endlich brannte. Wir grillten Oryx und aßen dazu Grillbrote und Bohnensalat. Es wurde wieder kühl, aber wir saßen noch etwas am Feuer. Ruth trank Tee, und Uwe sicherte Fotos. Währenddessen fing in der Ferne ein Löwe an zu brüllen, Hyänen jaulten und Schakale riefen. Herrlich! Ach ja, da war ja noch was: Her mit dem Willi! Prost und eine gute Nacht mit Träumen voller Karakale …
Kilometer: 224
Teil 2001. Okt. 2021
Tag 14 – Freitag, 16. Juli – Vom richtigen Zeitpunkt
Namutoni
Um es vorwegzunehmen: Wir haben heute weder ein Karakalbaby, noch seine Mutter erblickt, und auf den Leoparden im Etosha warten wir noch immer. Kann ja auch nix werden, der wird ja von allen anderen Leuten hier im Forum schon immer weggeguckt – falls es ihn überhaupt gibt! Heute Morgen mussten wir mal nicht das komplette Lager abbrechen. Die Leine durfte hängen bleiben, denn wir wollten ja noch eine zweite Nacht bleiben.
Kurz nach Toröffnung starteten wir in den Park. Chudop enttäuschte mit gähnender Leere, Koinachas ebenso, Klein und Groß Okevi waren auch verwaist. Dort gab es nicht nur nichts, sondern gar nichts zu sehen. Was war denn nur los? Wir hatten heute keine Geduld, stundenlang auf ein leeres Wasserloch zu starren. (Auch diese Taktik hatten wir schon mehrfach ausprobiert. So richtig gelohnt hat sie sich bisher aber noch nicht. Daher setzen wir mehr auf den Zufall, zur richtigen Zeit am rechten Ort zu sein, oder uns die Spuren – falls sie denn vorhanden sind – genauer anzuschauen.) Heute war mehr als ein flüchtiger Blick mit dem Fernglas in die angrenzenden Büsche nicht drin, dann ging es weiter. Wahrscheinlich krochen alle Tiere hämisch grinsend aus der Deckung, sobald wir wieder davon fuhren. Von wegen richtiger Zeitpunkt und so … Anschließend fuhren wir nach Klein Namutoni. Schon auf der Zufahrt sahen wir in einem Baum einen Trupp Weißrücken-Geier sitzen. Nun ja, es waren fast alles Weißrückengeier.
Ein paar junge Gaukler hatten sich im Tarnmatel darunter gemischt.
Bloß nicht zu früh freuen. Nachdem uns Fotomatte vor Jahren sämtliche Hoffnungen mit einem knappen „Das muss jetzt gar nix heißen, das ist vielleicht nur ihr Schlafbaum“ genommen hatte, sind wir vorsichtiger geworden. Trotzdem freuten wir uns über einen zweiten und einen dritten Schlafbaum und beschlossen, dass das jetzt doch etwas heißen sollte. Und siehe da: Ein wenig abseits der Straße lag der bereits aufgerissene Körper einer Giraffe.
Ein wahrer Leckerbissen für die Geierschar, die sich allerdings noch gedulden musste, denn der Festschmaus wurde gut bewacht. So gerade eben konnten wir noch ein Stückchen Mähne eines Löwenkaters erkennen, der direkt daneben lag. Früher oder später würde er wahrscheinlich Durst bekommen und zum Wasserloch laufen oder noch ein wenig an der Giraffe nagen. In unserem Fall wahrscheinlich später. Soviel mal wieder zum richtigen Zeitpunkt. Als sich nach 10 Minuten immer noch nichts getan hatte – noch nicht einmal eine Schwanzspitze hatte gezuckt, und wenn doch, dann hatten wir sie zumindest nicht gesehen – fuhren wir weiter zum Wasserloch. Dort schimpften und krakeelten ein paar Perlhühner, die sich von uns genötigt fühlten, ihren Lauf zu beschleunigen. Aufgeregt liefen sie im Zickzack vor uns her, bis sie endlich neben die Straße auswichen.
Wir ließen sie in Ruhe und machten uns auf den Weg nach Twee Palms. Aus bekanntem Grund dauerte der Weg wieder deutlich länger als andere Strecken im Park. Wir sahen mehrere Schakale und viele, viele Gabelracken und Gleitaare. Letztere hatten aber keine Lust auf ein Fotoshooting.
Außerdem entdeckten wir eine Menge Riesentrappen, und die Ebene war übersät mit Springböcken, Gnus und Oryx. Die meisten von ihnen zogen Richtung Wasser.
Marabu und Stelzenläufer
Wir beschlossen, die lange Runde quer über und entlang der Pfanne zu nehmen. Es wehte ein ganz schöner Wind, und nach einem kurzen Öffnen des Fensters war der komplette Innenraum unseres Autos mit einer dünnen, weißen, salzigen Staubschicht bedeckt.
Die trockene Quelle Aroe gab wie erwartet nicht viel her. Ein paar Lerchen hopsten herum, und wir setzten unseren Weg fort. Treue Begleiter waren die vielen Gabelracken. Bevor wir den Loop beendet hatten, begegneten uns zwei Hyänen. Wir stellten den Motor ab, und die beiden liefen unmittelbar auf uns zu.
Die kleinere von ihnen war noch ganz fluffig, und bei Tageslicht schauen sie ja doch ganz nett aus.
Wer braucht schon die Big Five? Wir hatten nun um kurz nach 10 Uhr bereits die „Ugly Five“, denn eine Familie Warzenschweine hatten wir auch schon davonflitzen sehen. Danach fuhren wir wieder über Klein und Groß Okevi weiter nach Norden. Das Nichts von heute Morgen hatte sich hier in einen Weißbürzel-Singhabicht und drei Honigdachse verwandelt, die aber gerade die Bühne verließen.
Zum ersten Mal nahmen wir den Weg weiter nördlich von Tsumcor bis zum Wasserloch Andoni, das mitten auf einer riesigen Ebene liegt. Wir fühlten uns an die Liuwa Plains in Sambia erinnert. Dort hatten wir auch eine endlose, gelbe Grasebene ohne Tiere gehabt.
Das war hier nicht ganz richtig. Ein paar Vierbeiner gab es auch.
Wir kehrten wieder um und machten eine schöne Pause auf dem kleinen Picknicksite unterhalb der Plains. In der Sonne vertraten wir uns ein wenig die Beine, machten es uns auf den niedrigen Steinhöckerchen so gut es ging bequem und ließen uns ein spätes Frühstück mit Avocado-Brot, Käse, Rauchfleisch und dem restlichen Bohnensalat schmecken. Dabei machten wir uns bewusst, wie schön es war, hier zu sein und beglückwünschten uns zum wiederholten Male, trotz aller Widrigkeiten nach Namibia geflogen zu sein.
Auf dem Rückweg über das trockene Wasserloch Stinkwater (was wir schon gut können: den richtigen Zeitpunkt für genau gar nichts abzupassen) hielten wir nochmal länger bei Tsumcor.
Uwe döste ein wenig vor sich hin, während Ruth eine Familie Giraffen und ein paar Kudus beobachtete.
Am späten Mittag waren wir wieder zurück in Namutoni. Auf der Campsite gab es eine Pause mit Duschen, Kaffee, Tee und Ausruhen. Der gesamte Campingplatz war heute noch weniger belegt als gestern. Außer dem großen Truck waren wir die einzigen Gäste.
Wir genossen die Ruhe und sahen den Tokos beim Aufräumen der Campsite zu. Ein paar große Heuschrecken weniger finden wir jetzt nicht so schade. Zielsicher porkelten sie die Krabbeltiere zwischen den Dornen aus den Ästen
und wendeten sie dann durch mehrfaches In-die-Luft-Werfen so lange, bis sie in der passenden Position lagen.
Teil 2101. Okt. 2021
Erst gegen 16.20 Uhr starteten wir zu einer kleinen Nachmittagsrunde. Twee Palms mit seinen ganzen Karakalen wollten wir ignorieren. Stattdessen beschlossen wir, nach dem Löwen zu schauen. Vor Klein Namutoni begegnete uns die übrig gebliebene Giraffenfamilie. Ohne Eile stelzte sie auf uns zu, ein Mitglied hatte sich ja bereits geopfert, und so war erst mal nichts weiter zu befürchten.
Einige Graulärmvögel turnten in den Ästen und zupften ein paar frische Triebe oder Blüten, und auch die Geierschar geierte noch von den Schlafbäumen. An den Giraffenkadaver traute sie sich aber immer noch nicht.
Während unserer Abwesenheit hatte sich das Löwenmännchen tatsächlich bewegt, denn wir konnten nun immerhin ein wenig mehr als nur ein paar Mähnenbüschel erkennen. Der Kater döste von uns abgewandt im Schatten.
Als wir gerade das Wasserloch erreichten, sahen wir von rechts ein Spitzmaulnashorn herbeilaufen.
Außerdem war das Wasser von vielen Geiern besucht, denen es wohl den ganzen Tag in der Sonne zu warm geworden war. Sie tranken und badeten und trockneten anschließend ihre Schwingen.
Kurz bevor das Nashorn das Wasser erreichte, parkten wir wegen der Sonne noch einmal um. Wir ärgerten uns schon über uns selbst, weil der graue Koloss uns dies übel nahm und sogleich abdrehte. Zum Glück änderte er seine Meinung aber noch einmal und kam dann doch zum Trinken.
Nach seinem Abgang dauerte es nicht lange, und die Wasserstelle war fest im Huf von mehreren Giraffen. Immer neue kamen aus allen Richtungen und trafen sich hier wie zu einem vereinbarten Zeitpunkt. Und wir waren dabei. Na bitte, es geht also doch!
Unter einem mit weißen Wölkchen bestreuten Himmel fuhren wir den Dikdik-Drive. Wolken sind zu unserer Reisezeit schon etwas Besonderes und machen sich gut.
Wir fanden ein noch ganz junges Giraffenkalb mit seiner Mutter.
Swainsonfrankolin
Als wir den Loop gerade zu Ende gefahren waren und schon dachten, er habe seinen Namen zu Unrecht, entdeckten wir sie doch noch. Zwei der kleinsten Antilopen standen beieinander und schnüffelten mit ihren Rüsselnäschen prüfend in alle Richtungen.
Von uns schien keine Gefahr auszugehen, und so konnten wir die beiden Dikdiks in aller Ruhe beobachten, während sie Blätter von den Sträuchern fraßen.
Eine Schlankmanguste wuselte auch noch schnell vorbei.
Und dann kam der große Auftritt des alten Recken. Eigentlich hatten wir für heute schon nichts mehr erwartet. Aber als wir auf dem Rückweg wieder an der bedauernswerten Giraffe vorbeikamen, hätte der Zeitpunkt nicht besser sein können. Der alte Herr Löwe hatte sich gerade erhoben und steuerte auf uns zu. Er sah schon ein wenig abgekämpft und müde aus, war aber noch immer eine stattliche Erscheinung.
Er reckte und streckte die müden Glieder und gähnte, als er sich in Richtung der Wasserstelle bewegte.
Schnell wendeten wir den Wagen und warteten dort auf ihn. Er ließ sich viel Zeit beim Trinken, bevor er wieder zu seinem Abendessen zurückstolzierte.
Das letzte Stück trabte er sogar. Wegen uns hätte er sich allerdings keine Sorgen machen müssen. Wir hatten nicht vor, ihm seine bereits sehr gut abgehangene Giraffenkeule streitig zu machen.
Er schnüffelte an verschiedenen Stellen seines Bratens und hatte offensichtlich Mühe, das Fell weiter vom Fleisch abzuziehen. Immer wieder zog und zerrte, biss und riss er an der zähen Decke und schaute dann ziemlich traurig und frustriert, wenn er nicht sonderlich viel erreicht hatte.
Wir ließen ihn alleine und drückten die Daumen, dass er noch ein paar saftige Happen erwischen würde. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang wollten wir den Baum südwestlich von Namutoni fotografieren. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir eine Herde mit einem kleinen Zebra, welches ganz übermütig herumsprang.
Der Plan war eigentlich, mit einem Sundowner neben dem Baum zu stehen und das Farbenspiel der untergehenden Sonne zu bestaunen. Die Sonne stand aber noch ziemlich hoch, und die gewichtigsten Argumente näherten sich von Norden. Nur einen knappen Kilometer weiter erschienen drei große Elefantenbullen.
Unser Entschluss stand fest: Wir hatten bisher kaum Elefanten gesehen, und diese wollten wir uns nicht entgehen lassen. Glücklicherweise führte ein Stückchen weiter eine kleine Pad zum Doringdraai. Diese fuhren wir nun und stellten den Motor ab. Ganz langsam zogen die riesigen Tiere an uns vorüber. Wir hielten den Atem an. Außer dem Rascheln ihrer Schritte im Gras waren sie völlig lautlos.
Wir waren wieder einmal tief beeindruckt und freuten uns sehr über die tolle Begegnung. Für unseren Baum war es auch noch nicht zu spät. Pünktlich waren wir wieder zurück, um zu bezeugen, wie seine untersten Äste versuchten, die Sonne am Abtauchen zu hindern.
Sehr zufrieden fuhren wir an einem Tag voller Eindrücke zurück ins Camp. Dort grillten wir ein sehr leckeres Oryx Fillet und kochten dazu Kartoffeln. Für unsere zunächst achtlos neben die Feuerstelle geworfenen Kartoffelschalen fand sich schließlich auch noch ein dankbarer Abnehmer.
Obwohl wir natürlich wissen, dass man keine wilden Tiere füttern soll und wir da sehr eisern sind, brachten wir es diesmal nicht über’s Herz, der putzigen Maus die Schalen zu entreißen.
Lange saßen wir nach dem Essen am Feuer und lauschten dem unvergleichlichen Konzert von Löwenbrüllen, Schakal-Geheule und Hyänen-Rufen. Wir halten es da mit der Maus Frederick und nehmen uns vor, genau diese Momente für zu Hause in unserem Gedächtnis zu bewahren. Und das Fazit des Tages: Der Sichtungs-Willi hat uns mal wieder nicht enttäuscht! Von ganz groß bis ganz klein war auch ohne Karakal alles dabei.
Kilometer: 183
Teil 2201. Okt. 2021
Tag 15 – Samstag, 17. Juli – Weiter nach Osten
Namutoni – Camp Maori, Grootfontein
Der Morgen begann sehr entspannt. Das lag an den vergleichsweise hohen Temperaturen von 13 Grad und an dem fast leeren Campingplatz, auf dem wir uns sehr wohl fühlten. Wir packten rasch alle Sachen zusammen und brachen auf.
Zuerst fuhren wir nach Chudop, konnten aber leider keine Tiere entdecken.
Wir drehten um, und es ging weiter nach Klein Namutoni. Der Löwe lag noch immer gut versteckt neben den Resten seiner Giraffe, die Geier warteten geduldig auf dem Baum nebenan, und am Wasserloch schwammen nur ein paar Enten.
Erfolgreich fuhren wir allen Vierbeinern aus dem Weg. Dafür entdeckten wir eine Rotschopftrappe, dich sich nicht schnell genug vor uns in ein besseres Versteck hatte flüchten können.
Auch ohne das ganz große Sichtungsglück genossen wir die Fahrt durch den morgendlichen, sonnigen Etosha sehr. Wie gestern waren freundlicherweise wieder ein paar Wölkchen auf den Himmel getupft. Die Laune war bestens.
Dann begaben wir uns auf eine letzte Runde über Twee Palms und sahen viele Riesentrappen. Meist waren sie in Paaren unterwegs, und noch nicht alle hatten sich ordentlich gekämmt.
Gleitaare und viele Raubadler saßen in den Baumkronen, waren aber meist zu weit weg für ein gescheites Foto. Selten haben wir so viele Gabelracken gesehen. Auf fast jedem größeren Busch hockten sie auf ihrem Ausguck und schaukelten im Wind. Außerdem waren sie deutlich kooperativer vor der Kamera.
Nun ja, nicht alle!
Bei Klein und Groß Okevi war ebenfalls nichts Nennenswertes zu sehen. Kurz vor Namutoni querte eine große Herde Gnus vor uns die Straße. Wie auf einer Perlenschnur aufgereiht lief ein Tier hinter dem anderen her. Klein folgte auf Groß oder umgekehrt, und auch die Verkehrserziehung funktionierte gut. Brav wurde am Straßenrand angehalten, nach links und rechts geschaut und kontrolliert, ob wir den Vortritt gewähren. Das taten wir natürlich gerne.
Es dauerte ein wenig, bis auch das letzte wilde Biest die Straße überquert hatte. Dann konnte es weiter gehen, aber Halt! Fast hätte ein Nachzügler den Anschluss verpasst. Nun aber schnell hinterhergesprungen.
Nach einem kurzen Toilettenbesuch verabschiedeten wir uns von Namutoni und fuhren noch ein letztes Mal nach Klein Namutoni, um den Giraffenkadaver sowie den schlafenden Löwen zu besichtigen. Am Wasserloch frühstückten wir Nutellabrote und Müsli. Dann war es aber wirklich Zeit, den Etosha zu verlassen, und wir steuerten das Van Lindequist Gate im Osten an. Drei Kudubullen grüßten zum Abschied, und wir waren glücklich über die vielen schönen Tiersichtungen im Park in den letzten Tagen. Außerdem waren wir uns bewusst, dass wir den Park wahrscheinlich nie wieder so exklusiv für uns haben werden.
Auf der Teerstraße ging es zunächst nach Tsumeb.
Dort tankten wir uns holten uns im benachbarten Wimpy eine Portion Pommes, die wir während der Fahrt verspeisten. Die Sonne schien, und wir waren guter Dinge, als wir kurz nach Mittag das Camp Maori in Grootfontein erreichten. Peter nahm uns im Empfang und hatte viel zu erzählen. In Windeseile erfuhren wir die Neuigkeiten aus den letzten zwei Jahren. Als er davon berichtete, wie Conni zur Regenzeit mit dem Schlauchboot über den Platz gepaddelt war, wussten wir nicht, was wir davon halten sollten. Wer Peter kennt, weiß, wie schwierig es ist, seine nur teilweise ernst gemeinten, meistens jedoch ironischen oder fantasievollen Geschichten richtig einzuordnen. Er wechselt so schnell zwischen den verschiedenen Ebenen hin und her, dass es ein Leichtes ist, den richtigen Abzweig zu verpassen und sich plötzlich nicht mehr zu Recht zu finden. Irgendwann nutzten wir eine Gesprächspause (vielleicht gab es die aber auch gar nicht und wir mussten einfach nur auf die Toilette), um für das Auto einen Stellplatz auf der sonst leeren Campsite zu suchen. Dann wuschen wir Wäsche und unterhielten uns noch mit Conni, die inzwischen auch eingetroffen war. Dabei leistete uns ihr erst wenige Wochen alter Welpe Lola Gesellschaft. Die Kleine war ganz schön munter und wurde viel gehätschelt und bespielt. Auch Conni erzählte die Geschichte mit dem Schlauchboot. Aha, falsche Verdächtigung! Da hatte uns ihr Spaßvogel vorhin also doch kein Lügenmärchen aufgetischt. Natürlich bestaunten wir auch die anderen Vögel im Garten. Viele der putzigen Rosenköpfchen quietschten in den Bäumen. Ruth mag diese kleinen Papageien sehr und gab keine Ruhe, bis sie sie aufgespürt hatte. Da sie sich so laut miteinander unterhielten, war es nicht schwierig, ihre Sonnenschaukeln zu finden.
Vielleicht war es noch ein wenig früh, den Weihnachtsbaum zu schmücken. Eine einzige rote Kugel saß trotzdem schon dekorativ bereit und trällerte, was das Zeug hielt.
Rotbauchwürger
Strichelracke
Sichelhopf
Elsterdrossling
So verging der Nachmittag, bis wir fast ein bisschen zu spät zum Sonnenuntergang auf den Turm stiegen.
Zum Abendessen gab es zur Abwechslung mal kein Fleisch, sondern eine Pizza im Potije. Das war zwar erwartungsgemäß etwas aufwändig, aber die beiden Pizzen gelangen gut und schmeckten sehr lecker.
Bis wir alles gespült und weggeräumt hatten und geduscht waren, zeigte die Uhr halb elf und das Thermometer nur noch 12 Grad. Morgen fahren wir weiter in den Caprivi. Uwe hatte am Nachmittag noch telefonisch zwei Reservierungen für die nächsten drei Tage gemacht.
Kilometer: 238
Teil 2304. Nov. 2021
Tag 16 – Sonntag, 18. Juli – Ab in den Caprivi
Camp Maori, Grootfontein – Kaisosi River Lodge, Rundu
Heute ist nicht allzu viel passiert. Im Gegensatz zu den letzten Tagen im Etosha blieben wir etwas länger in den Schlafsäcken liegen. Da kein Wind wehte, war es auch nicht sehr kalt. Uwe stand mit Sonnenaufgang auf, kochte die erste Tasse Kaffee, setzte sich in die Sonne und sichtete ein paar Fotos. Peter war auch schon wach und schaute vorbei. Als es dann etwas wärmer war, stand auch Ruth auf, und wir frühstückten in der Sonne Müsli. Dann spülten wir, räumten schon ein bisschen zusammen, und Ruth nahm die inzwischen trockene Wäsche ab, legte sie zusammen und verstaute sie wieder im Auto. Danach schlenderte sie auf der Suche nach ein paar Vögeln, von denen es hier reichlich gibt, über das Gelände.
Angola-Schmetterlingsfink
Maskenbülbül
Gelbbauchammer
Lappenstare
Der Vogel war schneller, aber die grünen Schoten sind auch nicht schlecht.
Uwe klemmte sich mit dem Notebook an das WLAN und kommunizierte etwas mit der Heimat. Eine Zeit lang saßen wir auch noch mit Conni und Peter zusammen und unterhielten uns über alles Mögliche. Wir spielten noch ein bisschen mit Lola. Besonders schön war es, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich abmühte, einen Fußball zu bekämpfen, der ihr an Größe noch deutlich überlegen war.
Schließlich kauften wir noch gefrorenes Wild-Filet und machten uns auf den Weg. Es war bereits Mittag. Die Verabschiedung fiel kurz aus, weil wir in gut einer Woche auf dem Rückweg aus dem Caprivi nochmal bei den beiden vorbeikommen werden. In Grootfontein fuhren wir zu der relativ neuen Mall und kauften im Pick ‘n Pay Lebensmittel für die kommende Woche ein. Nachdem wir alles im Auto verstaut hatten, genehmigten wir uns noch eine Portion Pommes bei Hungry Lion. Ruth registrierte wohlwollend, dass die Grootfonteiner ihre Prioritäten richtig setzten. Neben den Trikots von MU und Liverpool fand sich im Schaufenster das aktuelle Schmuckstück des BVB. Rote Läppchen mit blau-weißem Rauten-Schnickschnack und fürchterlich vielen Sternen waren glücklicherweise nicht zu entdecken. Nette Menschen, die Ahnung von Fußball haben, gibt es tatsächlich überall auf der Welt!
Nun wurde es aber höchste Zeit aufzubrechen. Auf der B8 ging es nach Rundu. Es herrschte kaum Verkehr. Am Vet-Fence bei Mururani wurden wir durchgewunken. Im wie immer quirlig-wuseligen Rundu tankten wir nochmal voll
und fuhren dann die letzten Kilometer zur Kaisosi River Lodge. Auf der Campsite waren wir die einzigen Gäste, außerdem waren noch zwei Chalets belegt. In der späten Nachmittagssonne spazierten wir nur noch ein bisschen über das Lodgegelände und suchten nach Vögeln. Viele waren nicht zu entdecken, außerdem war es recht kühl, denn die hohen Bäume spendeten reichlich Schatten.
Eine Schar Drosslinge hüpfte lärmend über den Rasen. Die geselligen Vögel zeterten und keckerten um die Wette, während sie ihr Abendessen pickten.
Rotschnabeldrossel
Rotscheitel-Zistensänger
Zwischen den einzelnen Häusern stolzierte ein Pfau umher. Wir sahen uns den recht hübsch angelegten Minigolfplatz an, verzichteten aber auf ein Spiel. Jede einzelne Minute in Afrika ist uns zu wertvoll, um sie mit Dingen zu verbringen, die man auch zu Hause machen kann, obwohl eine Runde Minigolf bestimmt lustig gewesen wäre. Stattdessen liefen wir zum Okavango hinunter und sahen einem Otter bei seinen Schwimmübungen zu. Der flinke Kerl schraubte sich gewandt durch die Wellen, tauchte unter und wieder auf und behielt uns dabei ebenfalls im Auge.
Außerdem entdeckten wir die ersten Jacanas in diesem Urlaub. Zum Abendessen wollten wir heute mal nicht kochen und setzten uns draußen ins Restaurant der Lodge. Während die Sonne unterging, verspeisten wir ein leider recht zähes Stück Rindfleisch.
Da kann man sich doch gleich wieder darauf freuen, wenn man selbst grillt. Anschließend duschte Uwe in dem zu unserem Stellplatz gehörenden Waschhäuschen. Da es ziemlich kühl war, verzogen wir uns schon bald ins Zelt. Uwe tippte noch die Erlebnisse des Tages, während Ruth schon die Augen zufielen. Als der Ruf der Weißgesichtseule aus dem Baum unmittelbar nebenan erklang, war sie aber mit einem Schlag wieder hellwach. Uwe schaute ungläubig. Da wurde keine Sekunde gezögert und keine Anstrengung gescheut: Schnell in die Hose gestiegen, die Jacke übergeworfen und nach der Brille getastet. Die Taschenlampe hatte sie schon gepackt, und Uwe sollte sie gefälligst begleiten, denn mit Leuchten und gleichzeitig Fotografieren war Madame überfordert. Hat Mann da eine Wahl? Mit der Aussicht auf ein Herumstolpern zwischen Büschen und Hüttchen schlüpfte auch Uwe vollmotiviert wieder in seine Anziehsachen. Wie schade, dass die verständnisvolle Eule genau in dem Moment, als er die Campertüre öffnete, das Weite suchte und davonflog. Puh, da waren beide nochmal davongekommen!
Kilometer: 288
Teil 2407. Nov. 2021
Tag 17 – Montag, 19. Juli – Mahangu-Park
Kaisosi River Lodge, Rundu – Shametu Lodge, Divundu
Die Nacht endete gegen kurz vor halb fünf, als wir von seltsamem, jammerndem auf- und abschwellendem Gegacker, welches sich fast wie hysterische Lachen anhörte, geweckt wurden. Nun haben wir ja nichts gegen Vogelstimmen. Wir mögen das sanfte Gurren der Tauben, das Geschwätz der Drosslinge oder den Ruf des Kuckucks sehr. Diesmal handelte es sich aber um zwei Trut- bzw. Streithähne, die vor unserem Auto einen kleinen Revierkampf ausfochten und sich heftig angifteten. Das war dann ein kurzes, gleichzeitiges Geschnatter in fortissimo, das sich etwa alle dreißig Sekunden wiederholte. Es hörte sich wirklich gruselig an. Als in weiter Entfernung dann noch ein Hahn anfing zu krähen, meinte das lokale Exemplar, es ihm gleichtun zu müssen. Unserer sprach aber mit irgendeinem Akzent, der sich anhörte, als wären die Akkus fast leer. An Schlaf war jedenfalls nicht mehr zu denken. Und irgendwie fanden wir die Geräuschkulisse auch ganz lustig. Entgegen unserer Hoffnung, dass es im Caprivi – weil nördlicher – deutlich wärmer sei, hatten wir beim Aufstehen gerade mal gut fünf Grad auf dem Thermometer.
Uwe kochte Kaffee, und als zumindest die Sonne hoch genug stand, krabbelte auch Ruth aus dem Zelt. Als wir feststellten, dass es sogar heißes Wasser gab, duschte sie und setzte sich dann topfit an den Frühstückstisch. Eine Denksportaufgabe lag auch schon bereit: Auf dem Aufkleber unserer Brötchentüte waren sechs Teile für insgesamt 10 Dollar vermerkt. In der Tüte befanden sich 11 Brötchen, die wir gestern in Grootfontein gekauft hatten Nach dem Abwasch packten wir zusammen, freuten uns über ein Alpaka, das neben uns auf der Wiese fraß, bezahlten unsere Rechnung und verabschiedeten uns von den Hühnern, die überall auf dem Gelände herumliefen. Diese machten zwar keine merkwürdigen Geräusche, sahen aber zumindest interessant aus.
Am Tor winkte uns der Pförtner mit einem strahlenden und freundlichen Lächeln. Nun ging es zurück auf die B8, der wir weiter nach Osten folgten. Die Strecke ging kerzengeradeaus an unzähligen Dörfern vorbei. Es gab ein paar Baustellen, an denen die Schlaglöcher ausgebessert wurden. Anstelle der europäischen Baustellenampeln werden hier Schilder manuell von „Stop“ auf „Go“ und am anderen Ende der einspurigen Baustelle hoffentlich synchron umgekehrt gewechselt. Bisher hat das trotz manchmal kilometerlanger Baustellen einwandfrei geklappt. Entlang der Straße war viel los. Frauen schleppten große Holzbündel auf dem Kopf, Kinder trugen Wasserkanister oder rollten kleine Fässer vor sich her. Manchmal trabte ein Esel mit Karren neben der Teerstraße, immer wieder querten Rinder oder Ziegen die Fahrbahn, zuweilen unter der Aufsicht eines Hirten, meistens aber ohne sichtbare Kontrolle. Obwohl wir nur zweihundert Kilometer zu fahren hatten, zog sich die Strecke, bis wir in Divundu nach Süden abbogen und noch ein kurzes Stück am Okavango entlang fuhren. Dann erreichten wir die Shametu-Lodge, die wir in früheren Jahren schon mehrfach besucht hatten. Augenscheinlich waren wir die einzigen Gäste und bekamen einen schönen Campingplatz mit eigener Dusche, Toilette, Lapa und Grillstelle, Strom und Wasser. Wir machten zum Mittagessen einen Käse-Wurstsalat und ruhten uns ein wenig aus.
Dann erkundeten wir das Lodge-Gelände.
Common Grass Yellow (Danke, lieber Matthias!)
Ashy Flycatcher (Danke an Matthias)
Am Fluss stehen inzwischen einige Zelt-Chalets auf Stelzen, in zweiter Reihe weitere große Gästehäuser. Es gibt einen eigenen Obst- und Gemüsegarten. Der Besitzer zeigte uns stolz seine Pflanzen und schenkte uns Tomaten und Erdbeeren aus eigenem Anbau.
Wir pirschten noch ein paar Vögeln hinterher und brachen dann am Nachmittag in den Mahangu-Park auf, der nur wenige Kilometer entfernt liegt. Laut Register waren wir das dritte Fahrzeug am heutigen Tag. Wir bezahlten den Eintritt gleich für morgen mit und fuhren auf der östlichen Route parallel zum Fluss weiter nach Süden.
Dabei entdeckten wir immer wieder Kuduherden, einige Giraffen, Impalas, Zebras, ein paar Pferdeantilopen, ein Steinböckchen, Gnus und am Wasser und im hohen Gras versteckt eine Büffelherde. Über die freuten wir uns besonders.
Weiter entfernt standen Letschwe-Antilopen auf der Flutebene. Viele Wasservögel tummelten sich am Fluss: Witwenenten, Reiher, Jacanas, ein Ibis und viele kleine Finken.
Einige Zwergspinte schaukelten auf herabhängenden Ästen, spähten nach einem kleinen Imbiss und kehrten in langgezogenen Schleifen nach einem kurzen Fangflug wieder auf ihren Ausguck zurück.
Hin und wieder kreuzte eine Familie Warzenschweine unseren Weg. Aufmerksam schätzte sie unsere Gefährlichkeit ab, bevor sie mit aufgestelltem Antennenschwanz hintereinander das Weite suchten.
Wir versuchten möglichst lange mit Blick auf das Wasser zu fahren. Das war aber nicht immer möglich. Beim ehemaligen großen Baobab hielten wir und betrachteten die Überreste des etwa 2000 Jahre alten Baumes, den im letzten Oktober ein Blitz zerstört hatte. Wir hatten es gar nicht glauben wollen, als wir im Forum von seinem Ende gelesen hatten. Einige Male hatten wir schon hier gestanden und den Riesen bewundert. Nun lagen nur noch Bruchstücke des einst so mächtigen Stammes herum. Noch immer war es kaum vorstellbar, dass dieses Trümmerfeld vor einem Jahr noch weithin sichtbar als besonders lohnenswert anzusehender Baum mit einem extra Wegpunkt auf einer Karte markiert war. Ruth war besonders traurig, da sie diesen Platz im Park besonders geliebt hatte. Das ist so schade!
Bald darauf kehrten wir wieder um und fuhren auf dem Hauptweg zurück zum Gate. Ein Weißbrauen-Coucal und ein paar Büffel waren die Ausbeute des Rückwegs.
Kurz vor 18:00 Uhr und mit dem Torschluss erreichten wir die Parkgrenze und kehrten zur Shametu-Lodge zurück. Den Sonnenuntergang am Fluss verpassten wir dort um ein paar Minuten.
Zum Abendessen grillten wir Boerewors und dünsteten Blumenkohl und Möhren im Potije. Das ganze zog sich ein wenig, und am Ende war die Temperatur schon wieder auf 11 Grad gefallen. Mit glühenden Kohlen unter dem Hintern, in eine Wolldecke gehüllt und mit einer heißen Tasse Tee in der Hand weigerte sich Ruth schon bald, das wärmende Feuer zu verlassen. So hatten wir auch schon lange nicht mehr auf der Campsite gehockt. Uwe ging noch schnell duschen, bevor wir gegen halb zehn ins Zelt krochen.
Kilometer: 258
Teil 2510. Nov. 2021
Tag 18 – Dienstag, 20. Juli – Ein ganzer Tag bei Shametu
Shametu Lodge, Divundu
Der Mahangu-Park öffnete offiziell um sieben Uhr seine Tore. Die Damen im Park-Office hatten uns gestern gesagt, wir könnten auch bereits eine halbe Stunde früher mit Sonnenaufgang kommen. Als wir aufstanden, war es jedoch noch ziemlich dunkel, und so beeilten wir uns nicht.
Nach dem üblichen Kaffee, Tee und einem Rusk brachen wir bei vier Grad auf. Das Tor der Lodge mussten wir selbst öffnen und schließen. Bis wir dann kurz vor halb acht im Park waren, stand die Sonne aber doch schon deutlich über dem Horizont. Wie gestern fuhren wir zunächst die Runde entlang des Flusses und sahen eine Herde Büffel. Sie schauten in bekannter Büffelmanier morgenmuffelig und finster drein und ließen uns keinen Moment aus den Augen, während sie ihr Frühstück verspeisten.
Die Warzenschweine waren deutlich freundlicher. Eines lächelte uns sogar einen fröhlichen „Guten Morgen“ zu.
Die Vögel und Letschwe auf der Schwemmfläche rund um den ersten Loop waren viel zu weit entfernt, um sie genauer beobachten zu können. Wir drehten und entdeckten in einem Baum ein riesiges Nest. Herr und Frau Hammerkopf waren fleißig damit beschäftigt, die letzten Ausbesserungsarbeiten auszuführen und schafften Äste, Stöckchen und Hälmchen herbei, die sie an der ein oder anderen Stelle einschoben. Es wurde ein bisschen gezupft, gestochert und getrampelt, bis alles am richtigen Fleck saß.
Danach fuhren wir zurück, überquerten die Hauptstraße und steuerten das Wasserloch in der Westseite des Parks an. Die Straße war deutlich angenehmer zu fahren, weil sie nicht steinig, sondern sandig und damit viel weicher war. Ein Ducker lief vor uns weg, hielt nochmal und schaute zurück. Darüber freuten wir uns sehr, denn Ducker hatten wir bislang nur sehr wenige gesehen.
Ein Stück weiter entdeckten wir eine Familie Kudus.
Überall waren die Schweine bereits auf Futtersuche. Sie raschelten und wühlten, liefen aber oft davon, sobald wir anhielten. Diese Mutter (oder war‘s der Papa? – Keine Ahnung, wer bei den Warzenschweinen die Kinder hütet) mit ihrem (seinem) Nachwuchs war zum Glück deutlich entspannter. Sie schauten genauso neugierig wie wir. Vielleicht wollten sie auch nur ihre leuchtend weißen Bärtchen bestaunen lassen.
Kurz vor der Wasserstelle saßen ein paar Geier in einem Baum.
Bei der Wasserstelle selbst wurden wir enttäuscht, denn sie war trocken. Darüber hinaus liefen dort ein paar Ranger mit Gewehren herum. Tiere waren dementsprechend keine zu sehen. Schade. Wir hatten uns gefreut, dort gemütlich zu frühstücken, während wir vielleicht ein paar Vögel oder sogar Elefanten beobachten könnten. Nix war es mit unserem schönen Plan. So drehten wir auch dort wieder um und fuhren die Strecke zurück zur Hauptstraße, auf welcher wir noch einen Strauß und eine scheue Pferdeantilope erblickten.
Hier gab es nichts weiter zu entdecken, wenn wir auch fanden, dass dies doch der ideale Leopardenbaum hätte sein können. Direkt über der Straße mit baumelndem Schwanz, ein wenig von der Morgensonne angestrahlt … Wie viele dieser Wunsch-Bäume haben wir schon gesehen, komischerweise scheinen sie nicht mit den Lieblingsplätzen der Leos – einer würde uns schon genügen – überein zu stimmen.
An der Hauptstraße bogen wir nach Süden ab und fuhren auf der Transitstraße bis zum unteren Eingang in den Mahangu. Nach ein paar Kilometern sahen wir eine kleine Herde Elefanten, die die Straße überquerten. Es waren ein paar Jungtiere unter ihnen, und so liefen sie in raschem Schritt an uns vorbei und versteckten sich wieder im Gebüsch.
Auf dem Weg zum Fluss kamen wir wieder an einem Baum voller Geier vorbei.
Ein paar hoben ab, die anderen blieben noch in der Sonne sitzen. Später flogen auch sie davon, und die ganze Schar kreiste auf der Suche nach der besten Thermik und einem bedauernswerten, knochigen Snack.
Auch wir hatten langsam Hunger und steuerten die Kwetche Picnic-Site an. Dort aßen wir Nutella- und Marmeladenbrote. Am anderen Flussufer sahen wir ein großes Krokodil im Schilf liegen, und ein paar Glanzstare leisteten uns Gesellschaft. Langsam machten wir uns auf den Rückweg zur Campsite, denn die Fahrerei und im Auto-Herumhockerei wurde uns langsam anstrengend. Einige Zeit standen wir bei einer Familie Meerkatzen, die in den Büschen herumturnten, sich zankten oder interessiert unser Auto musterten. Ganz geheuer waren sie uns nicht, denn sie kamen uns so nah, dass Ruth dachte, sie sprängen ihr gleich auf den Schoß. Sicherheitshalber fuhr sie schnell die Scheibe nach oben. Auf eine Meerkatzenumarmung wollte sie doch lieber verzichten.
Zwergspint
Auf unserem Campingplatz klappten wir das Dachzelt auf und lüfteten durch.
Gelbbrustbülbül
Wir aßen den Rest vom Wurstsalat, und Uwe sicherte Fotos. Anschließend meldeten wir uns zum Abendessen in der Lodge an. Ruth entdeckte vor der Rezeption ein paar Waldnektarvögel, die sehr lange an den Aloen herumhüpften und sich bereitwillig fotografieren ließen.
Wir schauten in dem kleinen Laden auf dem Lodgegelände vorbei. Dabei handelte es sich nicht um ein Souvenirgeschäft, sondern um einen Lebensmittel- und Haushaltswarenladen für die Angestellten und Einheimische. Außerdem gab es dort jede Menge Altkleider in allen Farben und Größen. Wir erstanden eine Papaya, von der wir sofort die Hälfte aßen und den Rest für das morgige Frühstück in den Kühlschrank packten.
Weißbrauenrötel
Danach gab es noch Kaffee bzw. Tee, und dann brachen wir erneut in den Mahangu auf. Am Tor bestätigte man uns, dass das Wasserloch trocken sei, und so beschränkten wir unsere Fahrt wieder auf die Flussseite. Wieder sahen wir viele Gnus und Kudus, freuten uns aber noch mehr über ein paar Pferde- und eine große Herde Rappenantilopen.
Wir beobachteten verschiedene Vögel im Geäst, meist wollte uns aber keine gute Aufnahme gelingen.
Rotscheitel-Zistensänger?
Grünschwanz-Glanzstar
Etwas Sorgen machte uns eine einsame, kleine Leierantilope, die mutterseelenallein am Wasser stand und nicht so genau wusste, wo sie hingehörte. Hoffentlich hat sie irgendwo Anschluss oder ihre Familie wiederfinden können.
Heute kamen wir etwas früher zurück zur Lodge, da wir zum Sonnenuntergang am Wasser sein wollten. Gerade dort angekommen landete plötzlich ein Rieseneisvogel keine zwei Meter neben uns auf einer Laterne. Wir schauten ebenso überrascht wie der Vogel. Doch ehe wir unseren Fotoapparat bereit hatten, hatte der Kingfisher wohl gemerkt, dass er uns etwas nah war und war wieder davongeflogen.
Danach duschten wir und gingen zum Abendessen. Außer uns waren noch ein paar Einheimische anwesend. Eine Frau fiel uns besonders auf, da sie einen gepunkteten Ganzkörper-Frottee-Overall trug. Nun musste sich Ruth auch keine Sorgen mehr machen, ob sie als verlotterte Camperin wohl mit ihrer staubigen Jacke auffallen könnte. Ihr Selbstbewusstsein nehme sich ein Beispiel am grau-weißen Konfetti-Einteiler mit rosa Kapuze. Wir bestellten uns jeweils einen Shametu-Burger mit Pommes. Das war eine Riesenportion, und gemeinsam schafften wir sie nicht ganz. Pappsatt bezahlten wir die Rechnung an der Rezeption. Der größte Posten war die Reinigung unserer Wäsche, die wir gestern abgegeben hatten. Hier hatten wir einen Bock geschossen. Pro Wäschestück (T-Shirt, Shirt oder Hose) wurden 35 Dollar berechnet, und da wir einfach ohne darüber nachzudenken unsere gesamte Schmutzwäsche abgegeben hatten, kostete uns der Spaß umgerechnet fast 35 Euro. Da waren Ruths Trägerhemdchen im Einkauf ja fast günstiger gewesen. Egal, nicht ärgern, da nicht zu ändern! Selbst schuld, wenn man fälschlicherweise von einer Maschine Wäsche anstatt von Stückpreisen ausgeht.
Kilometer: 157
Teil 2625. Nov. 2021
Tag 19 – Mittwoch, 21. Juli – Ab in die Wildnis
Shametu Lodge, Divundu – Nambwa Campsite, Kwando Area
Noch einmal wollten wir in den Mahango-Park fahren und den Sonnenaufgang am Fluss erleben. Daher standen wir besonders früh auf, packten unser Zelt zusammen und starteten noch im Dunkeln. Den schon gut bekannten Weg fuhren wir etwas langsamer und sahen den Horizont orange werden. Als die rote Sonne am Horizont erschien, standen wir etwas erhöht und blickten über die Flussebene. Das Thermometer im Auto zeigte gerade mal -2 Grad.
Bei schönem Morgenlicht streiften wir durch den Park und aßen beim großen Baobab im Auto ein Brötchen auf der Hand. Die Tierwelt war noch ziemlich verschlafen, und es war sehr ruhig im Park. Der erste Vierbeiner, der sich uns von Nahem zeigte, war ein Riedbock. Er war beschäftigt und wahrscheinlich nicht besonders erfreut, dass wir ihn störten.
Maricoschnäpper
Es war ein sehr friedvoller Morgen. In den Schwemmauen grasten die Letschwes, und Ibisse und Waffenkiebitze stocherten nach Nahrung.
In einem Baum fand gerade die Konferenz der Klaffschnäbel statt. Einige starteten, andere kamen hinzu. Es war eine große Aufregung und viel Flügelgeschlage.
Wir schauten den Vögeln ein wenig zu und entdeckten weiter unten in den Ästen eine Schar Mausvögel. Mit ihren langen Schwänzen balancierend schaukelten sie in den dünnen Ästen.
Rotzügelmausvogel
Uwe drängte so langsam zum Aufbruch. Schließlich wollten wir heute auch noch bei Nambwa genügend Zeit haben. Gerade als wir uns aus dem Mahango verabschieden wollten, hörten wir das Gebrüll eines Löwen. Dieser schien gar nicht so weit von uns entfernt zu sein. Der soeben gefasste Plan wurde also sogleich wieder über den Haufen geworfen. Wir drehten und fuhren nicht aus, sondern weiter in den Park. Immer wieder hielten wir an und lauschten angestrengt. Aber so sehr wir uns auch bemühten, es war kein einziges Löwenhaar zu erspähen. Außerdem tat uns die Katze nicht mehr den Gefallen zu brüllen. Ein wenig enttäuscht brachen wir die Suche ab und kehrten nach einiger Zeit wieder um. Doch was war das? Wie aus dem Nichts trabten plötzlich unten am Fluss in einiger Entfernung, aber parallel zu unserer Fahrtrichtung ein paar Wildhunde im Gegenlicht. Wo kamen die denn auf einmal her? Eben noch enttäuscht waren wir jetzt sofort hellwach. So schnell kann sich die Situation ändern. Uns hatte das Jagdfieber gepackt, die Hunde ebenso. Zwischen den ganzen Büschen und Sträuchern versuchten wir, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Immer mal wieder erspähten wir einen Hundekörper zwischen den Ästen. Genau konnten wir sie aber nicht sehen. Plötzlich beschleunigten sie ihren Trab, senkten die Köpfe und liefen geduckt. Hatten sie ein Beutetier anvisiert? Aufgrund der dichten Vegetation verloren wir die Hunde aus den Augen. Wie ärgerlich! Gerade jetzt, wo es spannend wurde. Auf gut Glück fuhren wir langsam weiter. Die Sicht war immer noch verdeckt, und dann ging auf einmal alles ganz schnell: Ein kleiner Impalabock kam mit riesigen Sätzen aus dem Gestrüpp direkt auf unser Auto zugerannt. Ihm dicht auf den Fersen jagten zwei Hunde. Der Bock schlug knapp vor unserem Auto einen Haken und war mit den Hunden im Schlepp auch schon verschwunden. Zwei weitere Hunde folgten etwas später. Wir saßen wie vom Donner gerührt und schauten mit großen Augen hinterher. Das alles war so schnell gegangen, dass wir noch nicht einmal daran gedacht hatten, zur Kamera zu greifen, die wir doch eigentlich die ganze Zeit über sowieso in den Händen hielten. Erneut wendeten wir und versuchten, die Jagd zu verfolgen. Immer mal wieder sahen wir einen Hundekopf aus dem hohen Gras herausschauen, bald hatten wir sie aber verloren. Die Möglichkeiten im Park, die Fahrwege zu variieren, sind begrenzt. Sollten die Hunde auf ihrer Hatz die Richtung beibehalten, würden sie vielleicht einen guten Kilometer weiter die Querpad kreuzen. Für den Impalabock würde ein rascher Richtungswechsel wahrscheinlich sinnvoller sein. Soviel wir den Hunden auch hinterher oder mittlerweile vielleicht wieder entgegen (wer weiß das schon so genau) starrten, sie blieben verschwunden. Also kehrten wir ein weiteres Mal um. Spätestens jetzt waren wir uns sicher, dass wir für heute alle Verfolger abgehängt hatten. Dem armen Bock war das leider nicht gelungen. Wieder an der Stelle angelangt, an der wir die Hunde vorhin zum ersten Mal erblickt hatten, machten sie sich gerade über die letzten Reste her. Es musste alles wahnsinnig schnell gegangen sein, und Ruth war überhaupt nicht traurig, das Ende des bedauernswerten Impala nicht live mitbekommen zu haben. Viel war nicht mehr von ihm übrig. Ein letztes Bein wurde davongeschleppt, und ein junger Gaukler erbeutete auch noch ein paar Brocken. Wegen des Gegenlichts konnten wir die Szene nicht sehr gut beobachten.
Vielleicht war der friedvolle Morgen mittlerweile auch nicht mehr ganz so harmonisch wie noch vor einer Stunde. Als die Hunde fertig waren, liefen sie am Fluss entlang davon und bogen dann landeinwärts ab. Wir kombinierten ihre Richtung erneut und versuchten, ihnen den Weg abzuschneiden. Und tatsächlich, diesmal hatten wir mehr Glück und fanden sie vor uns auf der Straße. Aufmerksam spähten sie in unsere Richtung, als hätten sie uns schon erwartet.
Es waren sogar insgesamt fünf von ihnen.
Eine ganze Zeit lang liefen sie vor uns auf der Pad, und wir folgten ihnen in einigem Abstand. Mehrmals machten sie eine kleine Rast und warfen einen kurzen Blick nach hinten, um zu schauen, ob wir noch da waren. So hatten wir die Möglichkeit, sie ein wenig genauer anzusehen und sie anhand ihres Fleckenmusters zu unterscheiden.
Schließlich waren sie so weit gelaufen, dass sie die Hauptstraße durch den Park überquerten und wir ihnen nicht mehr folgen konnten. Wir entdeckten zwar noch eine Sandstrecke am südlichen Ende des Parks, auf welcher wir sie vielleicht nochmals hätten erwischen können, aber nach wenigen Metern wurde es so tiefsandig, dass wir Angst bekamen, auch nur zu wenden. So ließen wir Hunde Hunde sein ließen und fuhren in der Spur schleunigst wieder rückwärts. Das war doch mal eine unverhoffte Begegnung.
Zunächst wollten wir auf der Transitstraße den Park verlassen, aber die gefährlichen Zebras versperrten den Weg.
Ein weiteres Mal wurden alle möglichen Verfolger gelinkt, und wir fuhren doch noch einmal von Süden nach Norden entlang des Flusses. Dabei entdeckten wir einen jungen Gaukler. Vielleicht war es ja der mit dem Impalafrühstück von vorhin.
Auch die Kudus blieben uns treu. So viele kleine Gruppen wie hier haben wir selten von ihnen gesehen.
Direkt hinter dem Parktor hielten wir an, setzten uns an die Picknicktische und aßen Müsli mit der restlichen Papaya, das sehr lecker war.
Teil 2725. Nov. 2021
Nun waren wir frisch gestärkt, und es konnte endlich losgehen. Ohne weitere Unterbrechung fuhren wir nach Divundu und tankten an der neuen Shell-Tankstelle. Nun ja, fast ohne Unterbrechung. Ein paar Ziegen oder Rinder querten schon ab und an unseren Weg.
Im zugehörigen Shop kauften wir Wasser und frisches Brot. Dann machten wir uns auf den Weg weiter nach Osten. Die knapp 200 Kilometer bis kurz vor Kongola waren wieder recht eintönig, aber sehr gut zu fahren.
Dann bogen wir zur Rezeption des Bwabwata Nationalparks ab und bezahlten den Eintritt für drei Tage. Der Officer war sehr freundlich und schwätzte ein wenig mit uns. Ein paar Infos, die wir im Nachhinein gerne von ihm gehabt hätten, schienen für ihn jedoch nicht wichtig zu sein. Und so ließen wir noch etwas Luft aus den Reifen, schalteten den Allrad ein und begaben uns auf die Sandpiste nach Nambwa, wo unsere Freunde Cora und Gert schon auf uns warten wollten.
Wir stoppten bei Fort Doppies und fernglasten ein wenig über die Schwemmebenen, bevor wir uns für den zweiten River-Loop entschieden.
Hier sahen wir Ried- und Wasserböcke. Ein Letschwe-Bock hinkte mit dem linken Hinterlauf und hatte Mühe sich aufzurappeln, um vor uns davonzukommen. Wir beschlossen, ihn ziehen zu lassen und besser nicht an ihm vorbei zu fahren.
Schon bald hätten wir uns einen ersten Hinweis vom Officer am Eingang gewünscht, denn je näher wir dem Camp kamen, umso dichter wurde der Qualm. Bereits aus der Ferne hatten wir Rauchschwaden aufsteigen sehen. Nun kamen wir näher und erkannten Buschfeuer, zuerst verkohlten Boden und vereinzelte kleine Rauchfädchen und schließlich teils meterhohe Flammen direkt neben der Pad.
Wir fuhren an brennenden Sträuchern und Gräsern vorbei und spürten die enorme Hitze durch die geschlossene Scheibe. Schnell vorbei und bloß nicht anhalten. An einen Reifenwechsel wollten wir hier lieber nicht denken. Vermutlich wären wir auch auf der Felge weitergefahren. In unmittelbarer Nähe zu den Flammen flogen Drongos ihre Jagdschleifen, und in den Bäumen und Büschen saßen unzählige Gabelracken, Glanzstare und Tokos, die auf die Insekten lauerten, die vom Feuer aufgeschreckt wurden. Gerne hätten wir angehalten und das Spektakel fotografiert, verzichteten aber wegen Hitze und Qualm darauf. Ruth kann auch ab und zu vernünftig. Ein Stück weiter kamen uns drei Fahrzeuge mit Südafrikanern entgegen, die uns den Tipp gaben, dass kurz vor dem Horseshoe ein paar Wildhunde neben der Straße lägen. Also ließen wir die Nambwa-Campsite zunächst links liegen und fuhren auf dem Umgehungsweg weiter Richtung Süden, wie sie uns in etwa beschrieben hatten. Tatsächlich entdeckten wir die Wildhunde, die müde hinter Büschen im Schatten lagen.
Die hatten wir heute schon besser. Man wird anspruchsvoll! Trotzdem freuten wir uns über die zweite Wilddog-Sichtung an einem Tag. Lange blieben wir also nicht und fuhren weiter zum Kwando. Nun aber ab auf die Campsite! Cora und Gert sollten nicht länger warten müssen. Mit Schwung bogen wir auf die Tiefsandpiste und waren sofort Mitglied einer großen Elefantenherde, die gerade vom Wasser kam. Ups! An ein Umkehren war nicht mehr zu denken. Elefanten direkt vor uns auf der Pad, neben uns, links und rechts und – ach wie schön! – hinten gleich auch noch welche. Große und kleine, alte und junge, gelassene und dummerweise auch solche mit ganz kleinen Kälbern. Und Wichtigtuer und solche mit schlechter Laune gab es natürlich auch noch. Nun gut, jemand, der so ungeladen und unerwartet wie wir in ein Familientreffen stolpert, muss vielleicht auch nicht ganz freundlich empfangen werden. Das einzige, was wir tun konnten, war, den Motor auszumachen und möglichst harmlos dreinzuschauen. Ruth rutschte zudem noch immer tiefer in ihren Sitz, registrierte die skeptischen Blicke der Dickhäuter aber trotzdem. Während die Elefanten langsam an uns vorbeizogen, schüttelte immer mal wieder einer in unsere Richtung gewandt mit den Ohren oder deutlich missbilligend gleich den ganzen Kopf. Ist ja schon gut, wir hatten verstanden und versuchten, uns unsichtbar zu machen, den weg kamen wir nicht. Nach einer scheinbaren Ewigkeit war die ganze Herde mit all ihren „Krawallis“ an unserem Auto vorübergezogen (Ruth war vom vielen Atem anhalten schon ganz blau angelaufen), und wir trauten uns, uns wieder zu mucksen. Sehr mutig wurden noch schnell zwei Fotos im Weggehen gemacht. Sonst hätte man sich die Begegnung auch glatt eingebildet haben können. Aber Puls und Zitterknie gab es ja auch noch.
Wir fuhren weiter nach Nambwa, um dort einzuchecken. Kurz vor dem Platz befand sich jedoch eine etwas längere Wasserdurchfahrt, deren Tiefe wir nicht abschätzen konnten. Na super! Das lief ja wie am Schnürchen: Feuer, Elefantenherdenmittelpunkt und nun Wasser! Wir hatten ja Abenteuer gewollt. Trotzdem waren wir schissig. Was würde uns wohl die Autovermietung sagen, wenn wir die Karre im Tümpel versenkt oder festbetoniert hätten, wenn es gleich nebenan doch eine Umfahrung gäbe? Leider fanden wir keine solche. Wer zum Camp wollte, musste durchs Wasser. Vielen Dank an den netten Officer auch für den zweiten nicht gegebenen Hinweis in der Art von: Ach übrigens, vor dem Camp ist eine harmlose, kleine Wasserdurchfahrt, haltet euch wo auch immer und nur Mut, die Füße bleiben trocken! Wir schauten ratlos und beschlossen, das Problem zu vertagen. Daher fuhren wir erst einmal zum Horseshoe, der wunderschönen Flussschleife des Kwandos und hofften insgeheim, Cora und Gert dort anzutreffen.
Auch auf dem Weg dorthin brannte es immer wieder lichterloh.
Egal, wir mussten jetzt da durch. Feuer oder Wasser? Das Feuer war zumindest nur neben und nicht unter dem Auto. Am Horseshoe hatten wir Glück. Schon von weitem sahen wir das Auto unserer Freunde neben dem Hide stehen. Die beiden hatten es sich dort gemütlich gemacht, und wir stiegen zu ihnen die Leiter hinauf. Das Hallo und die Freude waren groß. Bei dem Pärchen, welches ebenfalls auf dem Hide saß, wahrscheinlich weniger, denn sie verließen zeitgleich mit unserer Ankunft ihren Ausguck. Wir können das total verstehen. Sobald man als Gruppe aufeinandertrifft, ist es gleich deutlich lauter. Uns hätte das auch nicht gefallen, obwohl wir uns wirklich Mühe gaben, nicht allzusehr auszuflippen. Nach der ersten Wiedersehensfreude waren wir dann auch ganz brav und genossen zusammen die Aussicht auf den Fluss.
Elefanten schauten heute Nachmittag nicht mehr vorbei, die Stimmung war trotzdem toll.
Gemeinsam kehrten wir etwas später nach Nambwa zurück, Cora und Gerd fuhren vor, und wir durchquerten hinter ihnen ohne Schwierigkeiten das Wasser. Es war überhaupt nicht tief, außerdem waren an den matschigsten Stellen bereits ein paar Sandsäcke untergelegt worden. Alle Aufregung umsonst!
Eigentlich hatten wir ganz außen die Campsite Nummer 1 gebucht. Wir mögen sie sehr, da sie einen guten Blick auf das Umland gibt. Im Vorfeld war uns aber schon angekündigt worden, dass wir sie evtl. zu Gunsten einer größeren Gruppe tauschen müssten. Die große Gruppe bestand ebenfalls aus nur einem Auto mit Dachzelten, aber es waren immerhin große drei Personen. Eigentlich nur eine große, denn ein Vater war mit seinen beiden Kindern unterwegs. Egal, wir hatten ja insgesamt drei Nächte und morgen vielleicht mehr Glück. So fuhren wir auf die uns zugeteilte Campsite Nummer 4. Nee, die wollten wir nicht! So zugewachsen, total eng und kaum Blick auf den Fluss. - Warum wir nicht Nummer 2 haben könnten? - Da käme ja vielleicht noch jemand. - Vielleicht auch nicht … Gut, dann eben so. Wir waren endlich zufrieden. Wir merken schon, dass mit der Planung auch die Ansprüche steigen. Früher einfach genommen, was ging, sind die Vorstellungen jetzt schon deutlich differenzierter. Gemeinsam mit Cora und Gert liefen wir zur Lodge, wo wir auf dem Deck den Sonnenuntergang feierten. Da zurzeit keine anderen Gäste in der Lodge waren, wurde uns dies gestattet. Zusammen mit dem rauchgeschwängerten Himmel und vereinzelten Buschfeuern am Horizont bildete der Sonnenuntergang ein besonderes Schauspiel.
Zum Abendessen grillten wir Rinderfilet und machten Salat mit Tomaten, Gurke und Feta. Das Fleisch brieten wir in einer gusseisernen Pfanne von Gert auf dem Feuer. Dann saßen wir lange zusammen und hatten sehr viel zu erzählen. Es war ein schöner Abend mit unseren Freunden. Zu Besuch kam eine zutrauliche Ginsterkatze und später noch zwei Hyänen, die aber wieder verschwanden.
Wir hörten ihre Rufe noch den ganzen Abend zusammen mit dem Konzert der Klinker-Klonker-Frösche, dem Grollen und Trompeten der Elefanten, die durch das Wasser zogen, dem Grunzen der Hippos, dem anhaltenden Zirpen eines Nightjars und den geliebten Rufen einer Scops Owl – was für eine herrliche Geräuschkulisse! Der Abwasch wurde lange hinausgezögert, und es war schon sehr spät, als wir danach ins Zelt krochen.
Kilometer: 317
Teil 2801. Dez. 2021
Tag 20 – Donnerstag, 22. Juli – Elefantentag
Nambwa Campsite, Kwando Area
Heute schliefen wir etwas länger und standen erst mit Sonnenaufgang auf. Cora und Gert fuhren bereits zu einer ersten Morgenrunde los. Wir klappten auch das Zelt ein, tranken noch Kaffee und starteten dann ebenfalls. Im ersten Morgenlicht saß ein stattlicher Pavian auf einem Baumstamm und wärmte sich. Auch er war noch ziemlich müde.
Auch heute qualmte und loderte es noch an verschiedenen Stellen. Je nachdem, wie heftig der leichte Wind blies, züngelten wieder ein paar Flammen empor. An einer Stelle musste Uwe einen noch schwelenden Baumstamm von der Spur räumen. Wie gut, dass er seine Feuerhandschuhe hatte.
Kurz vor dem Horseshoe hielten wir am Wasser und beobachteten ein paar Zwerggänse, die auf den ersten Blick inmitten der Waterlilies leicht zu übersehen waren. Mit ihrem grün-weiß-braunen Gefieder waren sie perfekt getarnt, und ihr gelber Schnabel fiel zwischen den weiß-gelben Seerosen auch nicht auf. Sie glitten zwischen den großen Blättern der Wasserpflanzen hindurch und zupften ab und zu an den Halmen und Wurzeln. Diese hübschen kleinen Gänse gefallen uns sehr, und so blieben wir eine ganze Weile hier und sahen zu, wie sie ihre Runden drehten.
Außerdem kam ein Kupferschwanzkuckuck vorbeispaziert, der direkt vor unserem Auto auf und ab lief, trank und ein Bad nahm. Normalerweise haben wir keine so freie Sicht auf diesen schönen Vogel, so dass wir uns auch über diese Sichtung sehr freuten.
Es ist gar nicht so schlecht, für längere Zeit an einem Ort zu verweilen. Wir finden es immer wieder faszinierend, wie schnell man beim Beobachten verschiedener Tiere – und sie müssen gar nicht besonders groß oder auffallend sein – oder beim Schauen auf ganz viel Nichts (was unsere Freunde immer sagen) runter und zur Ruhe kommt. Eh man sich versieht, hat man eine halbe Stunde oder länger an einem Fleckchen gestanden und einfach nur geguckt und sich wohl gefühlt. Wir hörten den Rufen der Pfeifenten zu, die in kleineren Gruppen ihre Schleifen zogen und ein Stück weiter wieder landeten, versuchten ein Blaustirnblatthühnchen zu erwischen und vergaßen mal wieder völlig die Zeit. Machte aber nichts. Wir hatten heute ja keine weitere Verabredung.
Pfeifenten
Ein Stück weiter saß ein Trauerdrongo auf seinem Ausguck.
Und ein paar Weber hüpften in den Ästen.
Auch hier fuhren wir wieder an brennenden Baumstümpfen vorüber. Die Bäume, die diese Prozedur ständig überstehen, müssen ganz schön hart im Nehmen sein.
Am Horseshoe war heute Morgen noch nichts los. Keine Elefanten, noch nicht einmal Paviane schauten vorbei. Das Wasser lag mit all seinen Seerosen sehr still.
Wir fuhren noch ein Stück nach Süden in Richtung der botswanischen Grenze, sahen aber auch hier nicht viele Tiere. Trotzdem freuten wir uns über die schöne Umgebung.
Vor einer etwas längeren Wasserdurchfahrt kehrten wir wieder um, denn wir hatten keine Lust, uns an der matschigen Stelle festzufahren.
Swainsonfrankolin
Gelbschnabeltoko
Als wir kurz nach zehn Uhr wieder im Nambwa-Camp ankamen, warteten Cora und Gert bereits mit frischem Kaffee auf uns. Was für eine liebe Überraschung!
Wir saßen zusammen auf der Holzplattform am Fluss und frühstückten mit einer genialen Aussicht über die Kwando-Ebene. Ein Hippo schnaufte, und verschiedene Vögel turnten um uns herum in den Büschen. Wir aßen Omelett und Brötchen und unterhielten uns lange.
Grünschwanz-Glanzstar
Rahmbrustprinie
Dann spülten wir und duschten. Zwischendurch wechselten wir noch die Campsite und zogen gemeinsam mit unseren Freunden auf die Nummer 1, die wir auch ursprünglich gebucht hatten. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass keine größere Gruppe mehr Anspruch erheben würde. Das kennen wir ja schon, und außerdem sind wir ja nun auch zwei Autos. Den restlichen Mittag vertrödelten wir mit Nichtstun und saßen auf dem Holzdeck oder im Schatten des großen Jackalberrytrees.
Am Nachmittag fuhren wir erneut zum Horseshoe.
Blaustrirnblatthühnchen
Bepackt mit Fotoapparaten, Fernglas und Getränken stiegen wir die Leiter zum Hide hinauf und machten es uns gemütlich. Uwe hatte sich Elefanten gewünscht, und die sollte er jetzt reichlich bekommen. Aus allen Richtungen trabten nacheinander mehrere Herden zum Wasser, um ihren Durst zu stillen. Zuerst erschien noch in einiger Entfernung links hinter der Flussbiegung eine größere Gruppe, dann folgte eine zweite ein Stück weiter vorne.
Schließlich liefen auch rechts vom Hide mehrere Herden zum Wasser. Staubenden Schrittes und mit wackelnden Ohren kamen sie die letzten Schritte auf den Fluss zugerannt, und man konnte besonders den Jungtieren anmerken, wie sehr sie sich freuten. Dann wurden die Rüssel lang gemacht und ausgiebig getrunken und geschlürft.
Wie auf ein Zeichen brach die ganze Herde bald darauf wieder auf. Zeit zum Baden blieb da nicht. Sie war jedoch noch nicht ganz verschwunden, da kamen schon die nächsten Elefanten. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, man gab sich quasi den Horseshoe in den Rüssel. Überall im angrenzenden Wald bewegten sich schemenhaft die großen Gestalten und wedelten mit ihren Ohren.
Über mehrere Stunden saßen wir staunend auf dem Hide und sahen sicherlich an die zweihundert Elefanten. Nachdem wir im Etosha ja nicht so viele entdeckt hatten, war Uwe nun versöhnt.
Eine Nilpferdmama mit ihrem Kalb kam auch herbeigelaufen. Die beiden hielten sich aber immer in großem Abstand zu den Elefanten.
Bevor wir uns auf den Weg zurück zum Camp machten, verabschiedeten wir uns von den Elefanten und mussten bei dem regen Betrieb darauf achten, eine Lücke abzupassen. Wir freuten uns über eine kleinere Gruppe, die direkt unterhalb des Hides am Wasser an uns vorbeilief.
Auch auf der Heimfahrt sahen wir noch mehrere Grüppchen von Elefanten in der näheren Umgebung des Wassers und direkt beim Camp ein paar Kudus.
Zum Sonnenuntergang gingen wir wieder auf das Aussichtsdeck der Lodge. Heute Abend waren wir nicht nur die einzigen Gäste in Nambwa, sondern hatten auch den gesamten Nationalpark für uns alleine – welch ein Luxus. Nicht nur wir wussten das zu schätzen. Gemeinsam mit uns schaute noch ein anderer Gast der Sonne beim Versinken zu.
Nachdem die Sonne untergegangen war und der Horizont rot aufglühte, gingen wir zu den Autos zurück. Es war schon ganz schön dunkel, und wir hatten keine richtige Taschenlampe dabei. Anfängerfehler!
So starrten wir noch ein wenig genauer als sonst in die Dunkelheit und hofften, dass Leoparden, Löwen und alle anderen Tiere, die gerade über unsere Campsite huschten, genauso laut sein würden wie der Elefant, der sich ganz in der Nähe über ein paar Zweige hermachte. Was genau wir bei einer solchen Begegnung tun würden, wussten wir allerdings auch nicht so genau. Gert machte Feuer, Ruth schnippelte Salat, wir grillten Kudu-Filet, und Cora kochte Auberginen-Auflauf im Potjie. Für einen kurzen Augenblick bekamen wir Besuch. Ein anhaltendes Platschen und Rascheln sowie ein hin und her wedelndes Schwänzchen beim Dungverteilen und Markieren des Reviers hatte ihn angekündigt. Nach erledigter Arbeit machte er sich aber auch sogleich wieder davon.
Nach dem Essen saßen wir noch lange beisammen und waren uns der Exklusivität dieses Erlebnisses bewusst. Wie könnte es uns besser gehen, als gemeinsam mit Freunden alleine in einem wunderschönen, wilden Nationalpark in Afrika zu sitzen und dem Hippo-Grunzen und den Klinker-Fröschen zuzuhören? Eine Frage konnten wir allerdings nicht mehr klären: Als wir nach dem Spülen zur Campsite zurückkehrten, fehlte ein Stück Käse, das Cora auf dem Tisch in einem Bienenwachstuch liegen gelassen und vergessen hatte. Wer hatte das wohl geklaut? Wir tippten auf die Ginsterkatze, die sich (vor lauter schlechtem Gewissen) heute gar nicht mehr hatte sehen lassen.
Kilometer: 45
Teil 2903. Dez. 2021
Tag 21 – Freitag, 23. Juli – Planänderung?
Nambwa Campsite, Kwando Area
Schon bevor wir morgens aufstanden, lauschten wir im Halbschlaf den verschiedenen Vögeln und anderen Geräuschen. Je mehr wir davon kennen bzw. bestimmen können, desto wohler fühlen wir uns. Einen für uns besonders schönen Ruf hat der Coucal. Seine dumpfe, absteigende Tonfolge ist sehr beruhigend und passt perfekt zum frühen Morgen. Mit Sonnenaufgang waren wir auf den Beinen.
Uwe kochte Wasser für Tee und Kaffee, Cora und Gert fuhren ebenfalls ihr Dachzelt ein. Gemeinsam starteten wir zur Morgenpirsch. Wir kamen an einer großen Horde Paviane vorbei, die gerade von ihren Schlafbäumen herunterrutschte und uns nicht aus den Augen ließ. Viele Muttertiere hatten ein Affenkind im Arm.
Ein einzelner Büffel schreckte hoch, als wir an dem Gebüsch vorbeifuhren, hinter dem er lag. Er sah uns mit dem für Büffel typischen, missmutigen Blick an, bevor er sich davonmachte. Wir entdeckten noch ein paar Impalas und Letschwes, aber insgesamt war der Morgen einigermaßen ruhig.
Senegalkiebitz
Jugendliches Blaustirn-Blatthühnchen
An einer Stelle lag ein verkohlter Baum quer über dem Weg, der vorgestern noch nicht dort gelegen hatte. Mit etwas Aufwand hätten wir zwar eine Umfahrung durchs Gebüsch nehmen können, aber wir drehten wieder um.
Während Cora und Gert schon zurück zum Frühstücken fuhren, nahmen wir noch einen anderen Weg zu einem Hide ein Stück nördlich von Nambwa. Obwohl dieser erst vor ein paar Jahren gebaut worden war, fehlte bereits ein Teil des Netzes auf dem Dach, so dass der Boden darunter voller Vogelkot war. Alles machte einen mehr als schmutzigen und kaputten Eindruck. Die Unmengen an Toilettenpapier vor dem Hide trugen auch nicht dazu bei, dass wir uns hier wohler fühlten. Es ist nur schwer verständlich, wie man völlig gedankenlos seinen Müll an einem so schönen Platz zurücklassen kann. So kletterten wir nur einmal kurz auf das Aussichtsdeck und blickten auf den Fluss.
Auf dem Rückweg kamen wir an einer Herde Impalas vorbei. Ein Bock jagte den Weibchen hinterher und verbreitete große Unruhe.
Im Gras standen ein paar Senegal-Kiebitze. Überall im Bwabwata Nationalpark begleiteten uns Kaptauben, verschiedene Tokos und Graulärmvögel. Am Ufer sahen wir Wasserböcke – einen mit einem lädierten Ohr und einen, der sich mehr oder weniger erfolgreich zu verstecken versuchte.
Im Camp machten wir Apfelpfannkuchen für alle. Obwohl Cora und Gert bereits gefrühstückt hatten, mussten sie jeder noch einen kleinen Pfannkuchen essen, weil Uwe es recht gut mit der Teigmenge gemeint hatte. Sie schmeckten aber auch ganz lecker, und anschließend verputzten wir noch eine Schale Müsli.
Dann kam Cora ganz aufgeregt von der Lodge zurück. Sie hatte dort über das WLAN eine Nachricht erhalten, dass die Quarantäne-Pflicht bei Rückkehr aus einem Virusvarianten-Gebiet für vollständig Geimpfte entfallen soll. Das würde für uns alle bedeuten, dass wir evtl. noch weitere Tage in Afrika bleiben könnten. Wir waren begeistert über diese Neuigkeit, und spontan entschlossen sich die beiden, noch eine weitere Nacht bei uns in Nambwa zu bleiben. Leider brach die Internet-Verbindung ab, und so konnten wir keine weiteren Informationen oder Details zu den Neuigkeiten erhalten. Wir blieben vorsichtig optimistisch. Danach spazierten wir ein wenig über das Lodgegelände. Vom Holzdeck aus ließ sich ein Pärchen Steppenbaumhopfe bei der gegenseitigen Gefiederpflege beobachten.
Einzelne Letschwes zogen an uns vorbei.
Über den knarrenden Holzpfad liefen wir weiter von Zelt zu Zelt. Die einzelnen Unterkünfte liegen jeweils etwas voneinander getrennt, meist am Ende eines Holzplanken-Gangs und haben eine schöne Aussicht über die Ebene. Vorsichtig spinksten wir in ein Zelt hinein. Alles war sauber und die Einrichtung schön. Mit dem Wissen über den Preis für eine Übernachtung waren wir jedoch wenig überzeugt. Der Mehrwert an Badewanne, Spiegel und Staubfreiheit konnte für uns nicht mit dem Erlebnis, auf der Campsite unmittelbar mittendrin zu sein, konkurrieren.
Riesen-Coronavirus 😉
So verging der restliche Vormittag. Uwe sicherte Fotos und lud einen Akku an der Steckdose bei den Ablutions. Wir duschten und saßen ein wenig auf dem Deck am Wasser.
Schwarzkielralle
Später aßen wir noch ein paar Brote mit Käse und Salami. Leider war unser Weißbrot ganz leicht angeschimmelt, so dass wir auf das Vollkornbrot ausweichen mussten. Challenge verloren: Wenn es irgendwie geht, versuchen wir es zu vermeiden, in Afrika Lebensmittel in den Müll zu werfen. Gegen 15:00 Uhr brachen wir wieder zum Horseshoe auf. Ein Zwergspint hatte einen großen Fang gemacht. Er musste die Libelle mehrfach in die Luft werfen, bis sie endlich in der richtigen Position lag, um sie zu verschlucken.
Ein Impalabock bewachte seinen ganz beachtlichen Harem, und die Damen taten uns den Gefallen, freundlich herüberzuschauen. Ruth wäre begeistert, wenn in ihrer Klasse nur die Hälfte der Kinder so fokussiert auf das Unterrichtsgeschehen wäre.
Im Hide warteten wir auf die Elefanten und mussten dabei ziemlich geduldig sein. Zuerst liefen nur die Paviane an uns vorbei.
Leider kamen heute deutlich weniger Dickhäuter zum Trinken ans Wasser als gestern. Ein paar kleinere Herden ließen sich aber dennoch blicken.
Es wehte ein kühler Wind durch den Hide, und so fuhren wir noch ein wenig durch die schöne Nambwa-Region, ohne jedoch etwas Spannendes zu entdecken.
Nachtflughuhn-Weibchen
Dann eben ein bisschen Landschaft ohne was.
Zum Sonnenuntergang waren wir zurück im Camp. Da wir bei unserer Einfahrt ein paar Elefanten in der Nähe gesehen hatten, stellten wir das Auto ab und liefen noch einmal zu Fuß nach draußen. Völlig lautlos zog die kleine Herde an uns vorüber.
Danach machten wir Feuer und bereiteten das Abendessen vor. Da wir heute das letzte gefrorene Fleisch aus dem Tiefkühler genommen hatten, konnten wir die Temperatur des zweiten Faches hochregeln und hatten nun deutlich mehr Platz für gekühlte Getränke. Ruth schnitt das große Stück Kudufilet in kleinere Steaks, die wir in Gerts gusseiserner Pfanne auf dem Feuer brieten. Dazu kochten wir Kartoffeln und aßen Rote-Beete-Salat. Danach spülten wir und versuchten nochmal erfolglos etwas Neues über das Internet zu erfahren. Während wir gestern noch völlig alleine auf der Campsite standen, waren heute alle Plätze belegt. Die Mitcamper waren alle sehr ruhig, nur von irgendwoher schallte Dudelmusik, auch noch, als wir bereits im Zelt lagen.
Kilometer: 43
Teil 3012. Dez. 2021
Tag 22 – Samstag, 24. Juli – Abschied
Nambwa Campsite, Kwando Area – Mukolo Camp, Kongola
Heute standen wir noch ein bisschen früher auf und beobachteten den Sonnenaufgang von unserer Campsite aus mit abwechselnd einem heißen Getränk oder Fotoapparat in der Hand.
Dann drehten wir noch eine letzte kleine Runde über den Horseshoe. Auf dem Weg sahen wir ein paar Löwenspuren auf der Pad, die uns entgegen kamen. Also kehrten wir um und fuhren einen recht zugewachsenen Parallelweg hinauf zur Hauptverbindung. Aber von Raubkatzen war auch hier nichts zu sehen. Durch den Wald ging es im Bogen wieder hinunter zum Horseshoe und von dort ein Stück nach Süden. Ein Graufischer hatte einen Fisch erbeutet und schlug diesen immer wieder gegen den Ast, auf dem er saß, um ihn so weich zu klopfen, dass er ihn schlucken konnte.
Ansonsten fuhren wir allen Tieren erfolgreich aus dem Weg. Es ließen sich weder Elefanten, noch Paviane oder Impalas blicken. Vor lauter Tier-Nicht-Vorhandensein stoppten wir sogar bei einem Riesenglanzstar. In Ermangelung eines anderen Motivs musste nun schon dieser häufig gesehene Kerl herhalten. Ruth schob das große, schwere Objektiv aus dem Fenster, um es auf der aufgeschnittenen Schwimmnudel abzulegen, die wir während Gamedrives immer auf die offene Fensterscheibe stecken und staunte nicht schlecht, als es vom Kameragehäuse ab und aus dem Auto fiel. Das war ein ganz schöner Schrecken. Während der Fahrt hatte sich wohl die Verriegelung am Kamerabody gelöst, und nun lag das große Objektiv neben dem Wagen. Zum Glück war es in den weichen Sand gefallen. Wir holten das wertvolle Stück wieder herein und pusteten mit dem Blasebalg so gut es ging Staub und Sand von ihm ab. Gegen neun waren wir zurück an der Campsite und frühstückten mit Cora und Gert. Cora hatte am Vorabend leckeres Brot gebacken und gab uns ein paar Scheiben ab. Außerdem aßen wir Müsli mit Maracuja. Es gab Kaffee und ein letztes Zusammensitzen mit unseren Freunden. Auf einer anderen Campsite erkannten wir ein Auto mit einem südafrikanischen Pärchen, das wir bereits in Okaukuejo gesehen hatten und wechselten noch ein paar Wörter. Dann verabschiedeten wir uns von Cora und Gert, die heute nach Westen weiterfahren und nahmen die Schleife am Fluss entlang. Bei einem Hammerkopf blieben wir länger stehen und beobachteten, wie er kleine Fische oder Frösche aus dem seichten Wasser fischte und verspeiste.
Weißrückengeier
Auch an dem Hide hielten wir nochmal kurz, aber der Wind war zu kalt, um dort länger zu bleiben.
Durch den Wald ging es dann zum Parkausgang.
Webervogel
Dort trafen wir erneut Cora und Gert, die für das Aufpumpen ihrer Reifen nun fast eine Stunde benötigt hatten, weil der Schlauch ihres Kompressors kaputt war und sie mit einer Handpumpe des Park-Officers gearbeitet hatten. Wir füllten mit unserem Kompressor ihre und unsere Reifen auf Normaldruck auf und sagten noch einmal tschüss. Ruth nutzte die Zeit, um einen Drongo und seine Beute zu fotografieren.
Nur wenige Kilometer fuhren wir nach Osten bis Kongola, kauften dort im Shop ein noch warmes Weißbrot und legten die letzten paar Minuten nach Süden bis zum Mukolo-Camp zurück, welches wir schon mittags erreichten.
Außer einem Paar aus Österreich, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, waren wir die einzigen Gäste und konnten uns auf einer riesigen Campsite ausbreiten.
Außerdem durften wir das WLAN benutzen, um uns über die möglichen neuen Einreisebestimmungen für Deutschland zu informieren. Leider gab es noch nichts Konkretes, auf das wir uns verlassen konnten. Daher blieben wir erstmal bei unserem ursprünglichen Plan, und Uwe entspannte sich ein wenig auf den bequemen Liegestühlen.
Da Ruth ja nicht so gut im Stillsitzen ist, entspannte sie sich beim Entdecken der Camp-Vögel.
Schneeball-Würger
Terrestrial Bulbul
Ein Gelbbrustbülbül stibitzte uns eine Scheibe Brot vom Teller.
Braunkopf-Liest
Teil 3112. Dez. 2021
Um 15:00 Uhr starteten wir mit dem Besitzer Hennie auf eine Bootstour durch die Kwando-Schwemmebene. Da es dieses Jahr sehr viel Wasser gab, fuhren wir meist auf breiten Wegen und Flächen zwischen Papyrus- und Schilfwäldern. Es war wunderschön.
Wir sahen zahlreiche Vögel, am häufigsten die flinken Zwergspinte, die auf den Halmen schaukelten.
Graufischer
Schwarzkielralle
Auf den Inseln grasten Letschwe-Antilopen. Wenn sie sich gestört fühlten, sprangen sie in großen Sätzen ins Wasser und machten, dass sie davon kamen.
Weißstirnspint
Manchmal erblickten wir auch die winzigen Malachiteisvögel. So sehr Hennie sich auch bemühte, ihnen vorsichtig näher zu kommen und das Boot für uns in die richtige Position zu bringen, waren sie meist entweder davongeflogen oder durch die Schaukelei des Bootes und störende Halme nicht richtig scharf zu erwischen.
Immer wieder kamen wir an kleinen oder auch größeren Hippo-Gruppen vorbei. Meist beobachteten sie uns aus der Distanz, manchmal tauchten sie aber auch ab und versuchten, uns nachzukommen. Ruth beobachtete angestrengt die Blasen im Wasser. Es fällt ihr nie so ganz leicht, entspannt zu bleiben, wenn sie sich mit den grauen Kolossen ein Schwimmbad teilen muss. Da hilft auch die Tatsache nichts, dass sie in einem Boot sitzt, welches in solchen Momenten sowieso immer zu klein, zu leicht und zu langsam erscheint.
So viele Nilpferde haben wir wirklich selten gesehen. Häufig spazierten sie auch an Land herum oder ließen sich mit lautem Platschen ins Wasser fallen, um uns dann wieder genau zu beobachten, was wir andersrum genauso taten.
An einer etwas schmaleren Stelle hielt Hennie das Boot dann auch prompt an und meinte, dass wir an dieser Engstelle ein wenig warten und einen günstigen Moment abpassen müssten. Er zeigte auf mehrere an unterschiedlichen Stellen verteilte Hippogruppen und erklärte, dass das dominante Männchen oft schlechte Laune habe. Na doll! Sowas hatten wir doch schon mal. Erzählen alle Bootsfahrer solche Geschichten, nur um die Fahrt ein wenig spannender zu gestalten, oder gibt es wirklich so viele missgelaunte Hippos? Wegen Ruth braucht‘s das nicht. Dahindümpeln zwischen Halmen mit Vögeln genügt ihr völlig. So warteten wir bestimmt 10 Minuten an dieser Stelle. Hennie lenkte das Boot mal ein wenig vor, mal wieder zurück und suchte das Wasser ab. Ruth orientierte sich mehr in die andere Richtung. Würde sie das Inselchen wohl mit einem großen Sprung erreichen, wenn das wilde Hippo gleich das ganze Boot zum Kentern bringen würde? Uwe beschloss noch ein letztes Abschiedfoto zu machen.
Bei allen Witzen war Ruth aber wirklich nicht ganz wohl, und sie war heilfroh, als der Fluss endlich wieder breiter wurde, die Hippos hinter uns lagen und sie endlich wieder Augen für die Vögel haben konnte.
Kupferschwanzkuckuck
Purpurreiher
Ein alter Büffel schaute von der Uferkante argwöhnisch zu uns hinunter, drehte ab, überlegte es sich dann noch einmal anders und startete einen Scheinangriff, bei welchem er direkt über uns abbremste. Okay, okay, den wollten wir jetzt auch nicht mit im Boot haben.
Ein besonderes Highlight war der Sonnenuntergang. Wir hatten ein paar Wolken am Himmel, und die Sonne fiel zwischen mehreren Schichten hindurch, ging also sozusagen mehrfach unter. Jedesmal wurde das Licht roter und intensiver.
Auf der Rückfahrt wurde es etwas kühler, und viele kleine Mückchen flogen uns um die Ohren und ins Gesicht. Auch wenn diese Fahrt kein Feuerwerk an Sichtungen bereitgehalten hatte, fanden wir sie toll und waren Hennie sehr dankbar, der uns viel Interessantes zur Natur erzählt hatte. Mit dem letzten Licht erreichten wir unsere Campsite.
Zum Abendessen kochten wir Nudeln und machten eine leckere Soße aus Tomaten, Möhren, Paprika, Knoblauch und roten Bohnen im Potjie. Die Abwechslung zum Grillfleisch war uns sehr willkommen, und es schmeckte hervorragend. Gemütlich saßen wir zusammen und lauschten den abendlichen Geräuschen.
Kilometer: 56
Teil 3224. Dez. 2021
Tag 23 – Sonntag, 25. Juli – Zurück nach Westen
Mukolo Camp, Kongola – Riverdance Lodge
Heute schliefen wir ein bisschen länger, weil kein früher Gamedrive auf uns wartete. Während Ruth noch ein wenig liegen blieb, hantierte Uwe schon mit dem Gaskocher, sicherte Fotos und fing an, ein paar Dinge zu räumen. Irgendwas findet sich ja immer, das man erledigen kann. Als es etwas wärmer war, frühstückten wir zusammen Nutella- und Marmeladen-Brote und Müsli.
Ruth hatte ständig die Kamera bereit, weil auch die kleinen Vögel schon wach waren und uns besuchten. Auch nach dem Essen lief sie durch das Gebüsch und stellte den vielen verschiedenen Vögeln nach. Entdecken und Bestimmen war eines, aber auch ein brauchbares Foto zu bekommen – das war heute nicht so leicht.
Rotschnabeldrossel
Gelbbrustbülbül
Gelbsteißbülbül
Kapturteltaube
Braunkopfliest
Wir ließen uns etwas Zeit, bezahlten unsere Rechnung bei der Besitzerin Veronica und unterhielten uns noch ein wenig. In der Regel kommen die meisten Gäste bei Mukolo aus Deutschland. Nun haben sie einige Besucher aus Südafrika, sonst kommt kaum jemand. Wir hoffen, dass dies bald wieder besser wird. Gegen halb elf brachen wir auf und fuhren bis Kongola und von dort zurück nach Westen.
Die Strecke bis Divundu waren wir ja vor ein paar Tagen erst gekommen. An den beiden Polizeiposten wurden wir durchgewunken. In Divundu tankten wir wieder an der Shell-Tankstelle und kauften im Shop Milch. Eine verlorene Reifenventil-Kappe konnten wir dort leider nicht ersetzen. Nach Divundu waren es nur noch ein paar Kilometer bis zur Riverdance-Lodge.
Dort waren wir 2015 bereits einmal gewesen. Auch hier war nur eine weitere Campsite mit einer schweizer Familie belegt, sonst war alles frei. Wir bekamen Nummer 3 und richteten uns ein. Jede Campsite verfügt über ein eigenes Häuschen mit Dusche und Toilette. Außerdem gibt es eine Feuerstelle und einen Tisch mit Bänken. Wir fanden es etwas schade, dass der Blick auf den Fluss recht zugewachsen war und auch nur wenig Sonne durch die hohen Bäume schien. Auch hier waren wieder viele Vögel unterwegs, die im dichten Gestrüpp aber nur schwer zu finden waren. Lediglich die zutraulichen Gelbbrustbülbüls kamen ein wenig näher und beobachteten uns genau.
Außerdem leisteten uns die beiden Camphunde Gesellschaft. Da es noch früh war, machten wir ein Picknick mit Avocado-Thunfisch-Mais-Salat.
Später schnappten wir uns die Fotoapparate und liefen etwas über das Gelände der Lodge. Über eine Sandpad führte eine Ameisenstraße. Hier war einiges los. Nicht nur die Ameisen wuselten über den Weg, sondern die verschiedensten Vögel pickten ihnen hinterher. Wie auf dem Sushiband musste man sich nur geduldig anstellen und warten, bis ein besonders appetitlicher Happen vorbeispaziert kam. Tokos, Drongos und Schnäpper verputzten hier die eine oder andere Ameise.
Trauerdrongo
aufgespießt 😉
Grautoko
Weißflankenschnäpper
und das Weibchen dazu
Grauschnäpper
Schneeball-Würger
Überall flatterte es im Geäst. Leider waren Buntastrilde und Nektarvögel meist durch irgendwelche Äste verdeckt.
Bronzefleckentaube
Vor dem Abend legte sich Ruth noch ein wenig hin, und Uwe sichtete ein paar Fotos dieser Reise. Zum Abendessen machten wir uns den Rest der Nudeln mit Soße von gestern warm.
Da es frisch wurde, legten wir heute etwas mehr Holz ins Feuer. Unter uns rauschte der Kavango-Fluss. Morgen werden wir den Caprivi wieder verlassen. Als wir bereits im Zelt waren – Ruth lag schon im Bett – hörten wir einen Waldkauz rufen. Er war gar nicht weit weg, sondern saß scheinbar gleich neben dem Auto. Da das Rufen recht regelmäßig wiederholt wurde, stand der Entschluss bald fest: Schnell wieder angezogen, Taschenlampe und Fotoapparat geschnappt und raus aus dem Auto. Doch die Eule war nicht dumm. Sobald wir ein paar Schritte gemacht hatten, hörte ihr Rufen auf. Ohne sie akustisch genau orten zu können, leuchteten wir mit der Taschenlampe ein paar Bäume ab, aber der Kauz blieb verborgen. Kleines Déjà-vu wie bei der Kaisosi River Lodge. Wir stolperten im Dunklen ein wenig über den Platz, hatten aber keinen Erfolg. Kaum waren wir zurück im Auto, fing sie natürlich wieder an zu rufen, und wir versuchten unser Glück erneut. Aber die Eule hielt uns zum Narren. Schadenfroh hielt sie ihren Schnabel und stimmte erst dann wieder ihr Huhu an, als wir entschieden hatten, nicht weiter über die Campsite zu geistern.
Kilometer: 245
Teil 3322. Jan. 2022
Tag 24 – Montag, 26. Juli – Birding-Morgen und Kilometer machen
Riverdance Lodge – Camp Maori, Grootfontein
Der heutige Morgen fühlte sich richtig kalt an. Das Außenthermometer zeigte zwar 5,6 Grad, aber irgendwie war die Luft eisig. Uwe stand kurz nach Sonnenaufgang auf und bereitete das Frühstück vor. Zur zweiten Tasse Kaffee kam auch Ruth aus den Federn und aß im Stehen zwei Nutella-Brote. Zum Sitzen war es ihr noch zu kalt. In der heißen Jahreszeit ist diese schattige Campsite wahrscheinlich genau richtig.
Es dauerte zwar nicht lange, bis wir fertig gegessen und alles zusammengepackt hatten, aber dann mussten wir ja noch zur Lodge laufen, um die Campsite zu bezahlen. Dort wollten wir auch noch kurz eine Internet-Verbindung nutzen, und auf dem Weg nahmen wir die Fotoapparate mit. Das stellte sich als Segen und Fluch zugleich heraus. Auf den wenigen Metern von Campsite drei bis zur Lodge tummelten sich wie schon gestern Abend zahlreiche kleine Vögel im Gebüsch und auf den Bäumen. Wir schauten, liefen und fotografierten ohne Pause.
Silberreiher
Swamp oder Tropical Boubou
African Yellow White-eye beim Baden
Yellow-breasted Apalis, Gelbbrust-Feinsänger?
Holub's Golden Weaver
Gelbbrustbülbül
Buntastrild
Weißbrauen-Heckensänger
Graurücken-Camaroptera
Irgendwann schafften wir es dann doch bis zur Lodge, bezahlten unsere Rechnung und schauten, ob es in der Welt etwas Neues für uns gab. Der Rückweg gestaltete sich wie der Hinweg als Birding-Walk. Besonders Ruth konnte sich kaum losreißen.
Brillenwürger
Weißflankenschnäpper
Halsband-Bartvogel
Irgendwann startete Uwe den Motor und sammelte sie einfach entlang des Weges ein. Wir hatten nur ein kurzes Stück zur B8, dann ging es wieder weiter nach Westen Richtung Rundu. Fleißig sammelten wir bunte Eindrücke und Straßenszenen.
Teil 3422. Jan. 2022
Die Stadt selbst scheint immer weiter zu wachsen. Auch hier gab es entlang der Hauptstraße viel zu sehen: Shebeens in bunten Farben mit spannenden Namen, Fleisch, das unter Bäumen hängt und zum Kauf angeboten wird, Jungen, die Drahtautos vor sich herschieben, Mädchen und Frauen mit Wasserkanistern oder Fässern, die vor sich her gerollt werden, Eselkarren, die mit schweren Waren beladen sind oder Esel, die mit zusammengebundenen Vorderbeinen hüpfend und humpelnd versuchen, die Straße zu überqueren. Meist bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die vorbeirauschenden Autos zu ignorieren und darauf zu vertrauen, dass sie schnell genug ausweichen werden. Wir sehen Rinder, Ziegen und Hunde, kleine Verkaufsstände mit Holzmokoros oder Mobiles für Touristen, Autowerkstätten, die eher wie Schrottplätze aussehen, Feuerstellen, in denen Müll verbrannt wird, Musik und viele Leute, die entweder zu Fuß unterwegs sind oder einfach nur am Straßenrand sitzen.
An einem Rastplatz fernab einer Siedlung machten wir am Nachmittag ein Picknick. Alle Rastplätze waren auffällig sauber und gepflegt. Die Sonne schien von einem blauen Himmel, und ein paar Vögelchen landeten in den Büschen, darunter ein Granat-Astrild.
Anschließend fuhren wir auf schnurgerader Straße
noch eine Stunde bis Grootfontein und freuten uns, wieder bei Conni und Peter auf Maori zu sein. Wir waren erneut die einzigen Gäste auf dem Campingplatz, denn Cora und Gert waren heute abgereist. Ruth spielte etwas mit Lola. Das kleine Hundemädchen ist aber auch zu niedlich.
Wir unterhielten uns mit Conni, und die Zeit verging wie im Flug. Dann parkten wir das Auto, klappten das Zelt auf und schauten ein wenig nach Vögeln.
Strichelracke
Graulärmvogel
Viel rascher als erwartet war es Zeit, sich vom Turm aus den Sonnenuntergang anzusehen.
Später erschien Peter und verkündete uns, dass er zaubern könne. Als Beweis zog der verrückte Kerl ein winziges weißes Kaninchen aus der Hosentasche. Es muss noch ganz jung gewesen sein, denn es passte in eine Hand. Dazu war es so leicht wie eine Tafel Schokolade.
Danach ließ Peter es wieder in seiner Hosentasche verschwinden. Er ist wirklich ein Zauberer. 😄 Ruth hatte ein wenig Angst, dass es in seiner Tasche in Vergessenheit geraten könnte und drängte darauf, es möglichst bald wieder frei zu lassen. Da unser Picknick noch nicht lange zurück lag, hatten wir beide keinen großen Hunger. Uwe aß noch zwei Schwarzbrote, Ruth verzichtete auf ein Abendessen. Nach dem Duschen gingen wir früh ins Zelt, da es auch schon wieder recht kühl wurde.
Kilometer: 438
Teil 3520. Feb. 2022
Tag 25 – Dienstag, 27. Juli – Der perfekte Platten
Camp Maori, Grootfontein – Namutoni
Nicht nur der Abend, auch der Morgen war kalt. Bevor die Sonne sichtbar wurde, standen wir auf, machten Frühstück und unterhielten uns mit Peter, der ebenfalls bereits auf den Beinen war. D. h., die meiste Zeit hörten wir seinen Geschichten zu. Dabei ließen wir uns Tee, Kaffee, Brote und Müsli schmecken. Es wurde gespült, zusammengepackt, und schließlich schauten wir noch im Souvenirgeschäft im Turm vorbei. Dort wird es zurzeit auch nicht leerer. Wir kauften noch eine schöne Tischdecke für unsere Sammlung. Ruth ließ ihre alten Schuhe bei Conni, wir bezahlten, und dann verabschiedeten wir uns von den beiden.
Blutschnabelweber
Angolaschmetterlingsfink
Guineataube
Wir hatten lange überlegt, wo wir unseren Puffertag verbringen sollten. Ursprünglich standen zwei Nächte bei Maori in unserem Plan. Das erschien uns dann aber doch ein bisschen lang, und wir wollten noch etwas erleben. Daher hatten wir uns am Abend entschieden, für eine Nacht nochmal nach Namutoni zu fahren und ein paar Tiere zu entdecken. Zunächst fuhren wir zur Mall außerhalb der Stadt. Für ein besonderes Mitbringsel suchte Uwe eine geeignete Verpackung. Schon lange hatte er es auf einen trockenen Blütenstängel ähnlich einer Distel abgesehen. Während Ruth sich gar nicht so sicher war, ob man ein solches Gewächs einfach so mir nichts dir nichts aus dem Land schaffen durfte, wollte Uwe es zumindest versuchen. Hierfür hätte er ein Plastikrohr, ähnlich einem dünnen Regenrohr benötigt, um das fragile Stück heil nach Deutschland zu transportieren. So etwas war auf die Schnelle aber nicht aufzutreiben. Egal, es würde sich schon noch ein Weg finden. Uwe war wild entschlossen, die Challenge nicht so schnell verloren zu geben. Das Gestrüpp fuhr also weiter unverpackt bei uns mit. Im Supermarkt nahmen wir lediglich noch drei Brötchen und eine Paprika mit. Es ist immer schade, wenn wir am Ende des Urlaubs nicht mehr richtig einkaufen können. Gerade dann haben wir immer besondere Lust, das Auto voll zu laden und noch einmal von vorne zu starten. Dem Jungen, der auf unser Auto aufgepasst hatte, gaben wir zwei Tüten mit Lebensmitteln, die wir übrig hatten und nun nicht mehr benötigten. Mit einer großen Tüte Pommes von Hungry Lion verließen wir Grootfontein. Auf dem Weg nach Nordwesten hielten wir nochmal kurz an einem Rastplatz, um etwas zu trinken.
Auf den nächsten Kilometern merkte Uwe, dass der Wagen deutlich nach links zog. Wir hielten kurz hinter Tsumeb in einer Haltebucht am Straßenrand und erkannten schnell, dass der Reifen hinten rechts kaum noch Luft hatte. Wir versuchten es zuerst einmal mit Aufpumpen. Das laute Zischen ließ aber vermuten, dass wir mit dieser Lösung nicht weit kommen würden. Also mussten wir wohl oder übel den Reifen wechseln. Ruth fand die Idee plötzlich gar nicht mehr so gut. Sie hatte sich ein wenig umgeschaut und festgestellt, dass wir unmittelbar gegenüber der Einfahrt zu einer Müllabladestation gehalten hatten. Dort war gerade ein Kleintransporter angekommen, der allerhand Tüten mit Unrat ablud. Sofort kamen ein paar arme Gestalten in zerschlissenen Anziehsachen herbeigelaufen, um die Tüten aufzureißen und nach etwas Verwertbarem Ausschau zu halten. Die Leute waren uns zuvor zwischen den Müllbergen gar nicht aufgefallen. Nun hatten wir Mitleid mit ihnen, fanden die Vorstellung, wegen eines Reifenwechsels nicht jederzeit weiterfahren zu können aber auch ein wenig unheimlich. Noch während wir überlegten, was am besten zu tun sei, hielt hinter uns ein Polizeiwagen mit drei Beamten. Sie erkundigten sich sehr freundlich, ob alles in Ordnung sei und besahen sich unseren Schaden. Dann rieten sie uns, noch ein paar Kilometer weiter zur nächsten Tankstelle zu fahren. Welch Glück für uns! Wir hatten gar nicht gewusst, dass es hier eine solche gab. Die Jungs von der Polizei blieben noch so lange bei uns, bis genügend Luft im Reifen war und wir wieder im Auto saßen. Dann fuhren wir das kurze Stück bis zur Puma-Tankstelle. Während des Tankens sahen wir, dass der Reifen erneut fast platt war. Also höchste Zeit, ihn zu wechseln. Wenige Meter hinter der Zapfsäule war der Tankwart so nett, Uwe beim Reifenwechsel zu helfen.
In weniger als 15 Minuten hatten wir einen unserer Ersatzreifen montiert. Einen „besseren“ Platten kann man eigentlich nicht haben: Schnell bemerkt, kein Schaden entstanden, die Polizei sichert, und zwei Kilometer weiter gibt es eine Tankstelle mit weiterer Unterstützung – noch dazu erst am Ende der Reise. Noch eine Stunde fuhren wir bis zum Etosha. Dort ging es mit einem kleinen Abstecher über Klein Namutoni direkt ins Camp.
Gabelracke
Höhlenweihe (imm.)
Wir checkten ein und fanden den Campingplatz von Namutoni wie erwartet kaum besetzt vor. Wieder wählten wir den Platz ganz hinten am Rand neben dem Waschhäuschen. Dann machten wir erst mal eine Pause, aßen gemütlich eine Kleinigkeit, und Ruth duschte.
Gegen 15:40 Uhr war es Zeit für unseren Nachmittags-Gamedrive. Auf dem Weg nach Westen bemerkte Ruth ein Spitzmaulnashorn mit Jungtier im Gebüsch.
Zwischen den Dornen hindurch beäugten uns die beiden neugierig, drehten aber leider ab und verschwanden nach hinten. Wie wir dieses kleine Flugobjekt gesichtet haben, wissen wir im Nachhinein auch nicht mehr so genau. Vermutlich nicht während der Fahrt, sondern eher, weil wir wegen des weißen Blömsche oder irgendetwas anderem ohnehin schon gestanden hatten.
Bei Kalkheuvel stand lediglich ein Gaukler am Wasser, sonst war alles wie leer gefegt.
Entlang des Weges und vor allem auf freier Fläche sahen wir am Abend sehr viele Giraffen, immer wieder Gnus und Impalas.
Bei Chudop entfernten sich gerade zwei große Elefantenbullen, als wir eintrafen. Sie blieben aber noch ein Weilchen stehen und umschmusten sich etwas mit ihren Rüsseln, wobei sie sich liebevoll ein wenig hin und her schoben.
Zwei Riesentrappen spazierten vor unserem Auto herum, und eine Höhlenweihe kam herbeigeflogen, um ihren Durst zu löschen.
Wir beschlossen, nicht weiter zu fahren und umzudrehen, da wir uns nicht mehr so weit vom Camp entfernen wollten. Lieber wollten wir den Wasserlöchern in unmittelbarer Umgebung noch einen Besuch abstatten.
Gabelracke
Teil 3620. Feb. 2022
In der Nähe von Koinachas stand ein einzelner Elefantenbulle neben der Straße im Gebüsch und fraß.
Wir hielten und beobachteten ihn, während er langsam Äste kauend an uns vorbei lief. Dann drehte er aber plötzlich ab und kam direkt auf uns zu.
Unmittelbar vor unserem Auto trat er auf die Straße, was zumindest Ruth einen kurzen Schreckmoment bescherte. Wir haben uns schon oft überlegt, was bei Elefantenbegegnungen wohl am besten sei. Motor laufen lassen, um sich schnell davon zu machen, Motor abstellen, um die Tiere nicht zu stören… Meist machen wir den Motor aus. Dann bleibt also nur totstellen und sich unsichtbar machen. Sicherheitshalber hatten wir noch schnell das Fenster geschlossen, uns auch nicht mehr bewegt und das Atmen eingestellt, was das Totstellen ja auch viel glaubwürdiger macht, so dass es leider kein Foto von der großen grauen Wand neben unserem Fenster gibt. Der Elefant kaufte uns unsere Vorstellung wohl ab, drehte sich um und setzte seinen Weg unbeeindruckt hinter unserem Auto fort. Puh, nochmal davongekommen!
Weiter ging es nach Klein Okevi. Eine Giraffe war im Anmarsch, ansonsten herrschte bis auf eine einsame Schildkröte gähnende Leere.
Nicht besser sah es ein kleines Stück weiter bei Groß Okevi aus. Auch hier lag das Wasserloch völlig verwaist. Wir drehten erneut. Sehr erfolgreich waren wir ja nicht. Was nun? Zurück ins Camp oder doch noch schnell bei Klein Namutoni vorbeischauen? Die Entscheidung wurde uns abgenommen. An der Einfahrt zu Klein Okevi sahen wir eine einzelne Tüpfelhyäne, die in Richtung Wasser lief. Als wir hielten, kehrte sie leider direkt wieder um und verschwand in den Büschen. Wir warteten noch ein Weilchen, aber sie tauchte nicht mehr auf. In entgegengesetzter Richtung näherte sich jedoch plötzlich eine Elefantenherde.
Kronenkiebitz
Wir ließen sie auf uns zu kommen und zur Wasserstelle passieren.
Dann fuhren wir hinter ihnen her. Wo sich vor ein paar Minuten die kleine Schildkröte noch auf ihrem Stein gelangweilt hatte, war nun eine Menge los. Elefanten plantschten, spritzten und schlürften das Wasser. Es wurde freundschaftlich gedrängelt und gerempelt, und die kleineren Tiere waren mittendrin.
Außer den vielen Elefanten entdeckten wir auf einmal auch noch ein Spitzmaulnashorn. Wo war das denn plötzlich hergekommen?
In Gesellschaft der vielen Elefanten schien es sich aber nicht besonders wohl zu fühlen und setzte seinen Weg in Richtung Namutoni fort.
Auch die Elefanten blieben nicht mehr lange. Schnell wurde noch der letzte Durst gelöscht, und dann zogen die ersten Tiere auch schon weiter. Ein halbstarkes Exemplar versuchte sich uns gegenüber noch etwas Respekt zu verschaffen, indem es mit erhobenem Rüssel und aufgestellten Ohren in unsere Richtung lief.
Bevor die ganze Herde verschwand, genoss sie noch ein ausgiebiges Staubbad und wirbelte mächtig weißen Schmutz auf.
Das ganze Spektakel hatte keine 10 Minuten gedauert. Wie schnell kann aus einer leeren Wasserstelle ein Spielplatz und ein Treffpunkt für einen ganzen Haufen Elefanten und ein Nashorn werden? Und einen kurzen Moment später ist alles wieder verlassen, und man hat das Gefühl, das Erlebte nur geträumt zu haben. Sehr zufrieden fuhren wir zurück ins Camp.
An unserem letzten Campingabend sollte es noch einmal Pizza geben. Dazu machten wir ein großes Feuer, in das wir auch die restlichen Kohlen legten. Die beiden Pizzen gelangen und schmeckten sehr gut.
Weil dieses Abendessen etwas aufwändiger war, dauerte es wieder recht lange, bis alles gebacken, gegessen, gespült und aufgeräumt war. Dazu riefen immer wieder Schakale und Hyänen. Glücklich mit unserer Entscheidung, auch nur noch für eine Nacht in den Etosha zu kommen, verschwanden wir im Zelt und sahen einen großen, roten Mond aufgehen.
Kilometer: 245
Teil 3730. Juni 2022
Tag 26 – Mittwoch, 28. Juli – Zurück nach Windhoek
Namutoni – Casa Piccolo, Windhoek
Der letzte Morgen im Camper begann sehr früh. Schon etwa eine Stunde, bevor das Tor zum Park öffnete, standen wir auf.
Nach unserem bewährten Morgen-Prozedere hatten wir nach Kaffee, Tee und einem Rusk noch ein wenig Zeit, waren aber etwa zehn Minuten vor offizieller Toröffnung startklar am Gate. Ein Parkangestellter versicherte uns, dass wir trotzdem schon fahren dürften.
Zuerst ging es nach Klein Namutoni. Das Wasserloch lag verwaist, und auch auf der Zufahrtsstraße fanden sich keine Tiere. Wir kehrten um und schaukelten gemütlich bis Twee Palms. Entlang des Weges sahen wir Gnus und Zebras.
In den Bäumen entlang der Strecke saßen zahlreiche Gleitaare, Raubadler, Tokos und Gabelracken. Riesentrappen durchwanderten meist in Paaren das hohe Gras, ansonsten entdeckten wir nichts Spektakuläres.
Gleitaar
Gelbschnabeltoko
Raubadler
Auch die Abstecher über Klein und Groß Okevi sowie über Chudop blieben weitestgehend ergebnislos. Lediglich ein paar Täubchen stillten ihren Durst, und ein einzelner Zwergtaucher zog einsam seine Bahnen. Um an diesem verschlafenen Morgen doch noch etwas Lebendiges zu entdecken, mussten wir schon ganz genau hinschauen.
Sabotalerche
Sekretär
Wir beendeten unsere Morgenpirsch, wie wir sie begonnen hatten, in Klein Namutoni. Hier wärmten sich ein paar Weißrückengeier ihr Gefieder und warteten auf die geeignete Thermik, um ihre Spähflüge zu starten.
Auch ein junger Raubadler hatte sich unter die Geier gemischt.
Unser Highlight war ein Spitzmaulnashorn am Wasser bei Klein Namutoni, welches sich zwar zielstrebig, aber doch vorsichtig näherte.
Blutschnabelweber
Zurück in Namutoni hielten wir am Rande des Campingplatzes im Picknick-Bereich. Dort tummelte sich eine Horde Zebramangusten. Die hatten wir hier schon vermisst. Allerdings nicht allzu lange. Während Uwe die Toilette besuchte, bereitete Ruth das Frühstück vor. Es dauerte nicht lange, und die wilde Horde versuchte von allen Seiten gleichzeitig den Platz zu entern. Alles andere als scheu kamen sie schnurstracks herbeigelaufen, kletterten von unten in unser Auto und versuchten, an unserem Picknick Teil zu haben. Ruth schloss schnell die Autotüren, überlegte sich noch, ob Mangusten wie Marder bei uns daheim irgendwelche Kabel durchbeißen, als die ersten schon auf die Hocker sprangen und den Tisch erkletterten.
Ruth fegte um den Tisch herum und raffte Müsli, Brot und Käse wieder an sich. Gegen Meerkatzen hatte sie schon öfter alles in Windeseile wieder eingepackt. Ein Überfall von Zebramangusten war ihr neu. Ein besonders dreistes Exemplar versuchte gleich, die ganze Tischdecke herunterzuzerren.
So wurde das Frühstück noch ein wenig vertagt, bis die diebische Bande von dannen zog und den Platz bei unseren Nachbarn unsicher machte.
In der Sonne aßen wir leckere Brötchen und Müsli und hatten nur noch ein paar Glanzstare als Besucher, die uns unser Frühstück aber nicht streitig machten.
Gegen 11:00 Uhr machten wir uns dann endlich auf den Weg nach Windhoek. Das heißt, wir wollten uns auf den Weg machen, aber der Motor sprang nicht mehr an. Vom Anlasser war nur ein müdes Klicken zu hören. Ruth hatte sofort die Zebramangusten im Verdacht. Na großartig! Welches Kabel hatte das kriminelle Pack durchgekaut und wie lange würde es dauern, um den Schaden zu beheben? Uwe war gelassener. Er hatte eine andere Vermutung. Offensichtlich hatten wir mit vielen Starts beim Gamedrive die Batterie zu sehr belastet. Zum Glück besaß das Auto ja noch eine Zweitbatterie, und nachdem wir die beiden per Knopfdruck verbunden hatten, konnten wir den Motor starten. Während der Fahrt nun sollte sich die Batterie wieder genügend aufladen. Da musste sich Ruth wohl bei den Mangusten entschuldigen. Wir begaben uns auf die längste Etappe dieser Reise mit etwa 540 Kilometern. Dafür starteten wir diese aber auch erst gegen halb zwölf. Da es sich aber ausschließlich um Teerstraßen handelte, war die Strecke gut kalkulierbar. Wer weiß, was für ein Schloss hier gebaut wird?
Vor Otjiwarongo erheiterte uns dieses Verbotsschild, welches doch eindeutig nur die männlichen Rastplatzbesucher ansprechen sollte, oder?
Wir machten lediglich eine Pause hinter Otijwarongo und picknickten leckere Brote am Straßenrand.
Ansonsten sahen wir zu, Strecke zu machen. Diese zog sich erwartungsgemäß lange hin. Die ausgebaute Straße vor Windhoek heißt nun A1 und ist zweispurig wie eine Autobahn. Wir erreichten die Stadt und das Casa Piccolo in Klein-Windhoek gegen halb sechs.
Claudia war nicht da, aber ein netter Gast öffnete uns das Tor, und kurz darauf erschien auch die Angestellte, die uns den Schlüssel aushändigte. Außer einer Familie aus der Schweiz waren wir die einzigen Gäste. Wir räumten den gesamten Inhalt des Autos in unser Zimmer, was erfahrungsgemäß immer etwas dauert. Dann unterhielten wir uns mit der Familie, die ebenfalls am Ende ihrer Reise war. Sie waren sieben Wochen lang und zum ersten Mal in Namibia unterwegs gewesen. So gab es vieles zu erzählen. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir ins Zimmer, und Uwe nahm eine heiße Dusche. Dann sortierten wir noch unsere Sachen ein wenig und sicherten unsere Fotos. Morgen früh gehen wir als erstes zum PCR-Test für den Rückflug.
Kilometer: 621
Teil 3830. Juni 2022
Tag 27 – Donnerstag, 29. Juli – Erledigungen
Casa Piccolo, Windhoek
Auch heute schliefen wir nicht aus, sondern waren früh auf den Beinen. Denn um acht Uhr wollten wir beim PCR-Test beim Diagnolab an der Independence Avenue sein.
Das schafften wir auch sehr pünktlich. Von 8:00 bis 9:00 Uhr konnte man dort ohne Anmeldung einen PCR-Test machen. Claudia war so lieb gewesen und hatte alle benötigten Formulare bereits für uns ausgefüllt. So mussten wir lediglich auf ein paar andere Leute warten, die ebenfalls in der Reihe standen. Wir bezahlten einen PCR-Test mit Übersendung der Ergebnisse nach spätestens 12 Stunden für 1200 Dollar pro Person. Eine junge Frau, die einen sehr kompetenten Eindruck machte, ließ uns zwischen Nasen- und Rachenabstrich wählen. Dann war schon alles erledigt.
Anschließend fuhren wir zu Savanna, holten unsere Reisetaschen ab und unterhielten uns ein wenig mit Bianca. Zurück im Casa Piccolo gab es dann ein leckeres Frühstück zusammen mit der schweizer Familie. Danach hatten wir Zeit, unsere Ausrüstungskiste zu packen und auch schon mit den Reisetaschen zu beginnen. Der Camper musste noch einmal aufgeklappt werden, um die Schlafsäcke herauszuholen. Alle Ausrüstungsgegenstände, die vor Ort bleiben, wurden inventarisiert, damit wir immer wissen, was wir nicht von zu Hause mitbringen müssen. So verging der Vormittag, und als wir fast alles gepackt hatten, fuhren wir wie stets zum Craft Center in die Stadt und bummelten einmal durch alle Stände. Das Cafe hatte leider geschlossen, daher gab es weder Quiche noch Applecrumble. Stattdessen kauften wir ein paar kleine Souvenirs und fanden noch weitere Tischdecken, die wir nicht dort lassen konnten. Zurück in der Pension lagen bereits unsere negativen Testergebnisse vor. Wir packten die Kiste fertig und wuchteten sie ins Auto. Dann brachten wir den Wagen zurück zu Savanna. Die Rückgabe verlief schnell. Wir meldeten den gewechselten Reifen, eine verlorene Schraube am Hecktürschloss und die schwache Starterbatterie. An diesem Auto hatten wir wie vor zwei Jahren im Grunde nichts auszusetzen. Ein Fahrer brachte uns zurück in die Pension. Wir ließen den Nachmittag ruhig in der Pension ausklingen.
Uwe bastelte sich aus einem alten Weinkarton, den wir aus dem Abfall eines Restaurants gezogen hatten, eine Schutzhülle für den trockenen Pflanzenstängel mit den drei Puschelchen. Schon seit Jahren will er sich einen solchen Halm, der aussieht wie eine vertrocknete Distel (und den man überall in Botswana oder im Caprivi entlang der Straße findet), zu Dekozwecken ins Wohnzimmer in eine Vase stellen. Ansonsten waren wir in diesem Urlaub ja relativ zurückhaltend, was ausladende Mitbringsel angeht.
Uwe erledigte die Einreiseanmeldung, die uns nach aktuellem Stand zu 14 Tagen Quarantäne zu Hause verpflichtete. Die aktuellen Entwicklungen zur Einreiseverordnung, die auch im Namibia-Forum diskutiert wurden, verfolgten wir zwar, konnten für uns aber erstmal zweifelsfrei keine Befreiung ableiten. Vielleicht ergibt sich ja etwas, wenn wir wieder zu Hause sind, und wir müssen uns nicht die ganze Zeit absondern. Claudia hatte eine gute Nachricht für uns: Joe’s Beerhouse bot einen Lieferservice an. Zusammen mit den Schweizern bestellten wir uns Oryx-Filet. Claudia brachte uns Besteck, Stoffservietten und sogar gewärmte Teller dazu. Gemeinsam saßen wir im Garten der Pension und ließen uns das Essen schmecken. Es war ein schöner Abend mit den dreien, und wir hatten gute Gespräche.
Schon relativ früh lösten wir die Runde auf, da wir morgen bereits um 4:20 Uhr zum Flughafen abgeholt werden.
Kilometer: wenige
Teil 3930. Juni 2022
Tag 28 – Freitag, 30. Juli – Rückflug
In aller Herrgottsfrühe klingte der Wecker, um genau zu sein um viertel nach drei. Wir duschten und packten alle restlichen Sachen in die zweite Reisetasche, deren Reißverschluss sich gerade noch so schließen ließ. Pünktlich um zwanzig nach Vier holte uns der Fahrer von Savanna ab. Im Wagen saßen noch zwei weitere Gäste, junge Leute aus einer anderen Pension.
In völliger Dunkelheit verließen wir Windhoek und erreichten bei sehr wenig Verkehr den Hosea Kutako International Airport. Nicht nur der Ankunftsbereich, auch der Check-In für den Abflug waren seit zwei Jahren umgebaut worden. Die erste Kontrolle bestand aus einer Temperaturmessung und einer Überprüfung des Namens und des negativen Covid-Tests an einem Tisch. Uwe zeigte seinen Pass sowie das Ergebnis. Anschließend kam die Frage: „Ist das Ruth?“ – „Ja“. „Gut, dann können wir weiter“. Bei Ruth reichte es demnach aus, dass sie einfach nur sie selbst war. Wir waren recht weit vorne in der Warteschlange, aber bei einem Mann am Check-In schien es ewig zu dauern. Nein, es schien nicht nur so, es ging nichts voran, bis die Schlange bis nach draußen angewachsen war. Schließlich erbarmten sich die Damen von den Nachbarschaltern für Business-Kunden und fertigen ebenfalls Fluggäste aus unserer Schlange ab. Als wir an die Reihe kamen, legten wir unsere Pässe und erneut die negativen Testergebnisse vor. Der Mann am Schalter wollte nun unsere Lufthansa-Bestätigungsnummer wissen. Die hatten wir nicht parat. Uwe schaute im Handy nach und fand unseren Buchungscode. Der war aber nun nicht gefragt. Als wir auf die Schnelle nichts finden konnten, gab der Mann einem Kollegen unsere Pässe und bat uns, diesem zu folgen. Man würde mit Frankfurt telefonieren, um unsere Bestätigungsnummern (beginnend mit 22) zu erfragen. Anschließend sollten wir dann unmittelbar wieder zu ihm kommen, ohne uns noch einmal anzustellen. Bis wir mit unserem ganzen Gepäck die anderen Reihen gekreuzt hatten, war der Mann mit unseren Pässen verschwunden. Da kam plötzlich ein bisschen Panik bei uns auf, denn auch die negativen Testergebnisse waren nicht mehr bei uns. Das Ganze war einfach zu schnell gegangen. Ein paar hektische Blicke in alle Richtungen und einige unschlüssige Drehungen um sich selbst später entdeckten wir den Mann wieder, und er erklärte uns, dass er unsere Pässe an einen Kollegen weitergereicht habe, der sich nun um unser Problem kümmern würde. Unser Sorge war jedoch in erster Linie, dass wir keine Ahnung hatten, wo unsere Pässe nun waren. Uwe bestand darauf, dass er uns zu diesem Kollegen brachte. Der saß hinter Glas beim Passenger Service und fertigte andere Problemfälle ab, unter anderem den Mann, der zuvor schon den ganzen Betrieb aufgehalten hatte. Das konnte ja dauern. Uwe durchforstete weiter sein Handy nach E-Mails von Lufthansa und fand schließlich die gesuchten Bestätigungsnummern. Als er versuchte, dies dem Mann hinter dem Schalter zu erklären, wurde er zurechtgewiesen, dass dieser bereits telefoniere und die Nummern erfrage. Na gut, dann warten wir das eben ab. Nach ein paar Minuten erhielt Uwe unsere Pässe zurück und begab sich wieder zum Check-In. Wir machten uns einige Freunde und ernteten ein paar verständnislose Blicke, als wir uns seitwärts nach vorne in die Reihe an den Schalter schoben. Dort waren die fehlenden Nummern nun entweder bereits bekannt, denn sie wurden nicht mehr abgefragt, oder inzwischen nicht mehr vonnöten. Wir konnten unser Gepäck abgeben und erhielten auch die verschollenen Testergebnisse und die Ausreiseformulare zurück, die zuvor in unseren Pässen gelegen hatten. Nun war alles wieder gut. Bei der Handgepäckkontrolle musste Uwe erklären, was sich in dem länglichen Karton befand. Zum Glück genügte die Erklärung, dass es sich um eine Pflanze zur Dekoration handelte. Ein Auspacken hätte die fragile Konstruktion wohl nicht überlebt. Nachdem auch noch die Ausreiseformalitäten erledigt waren, setzten wir uns in den Wartebereich, und Uwe aß ein wenig aus den Frühstückspaketen, die wir aus der Pension mitgebracht hatten. Während dessen bauten die Flughafen-Mitarbeiter ein paar Tische auf, sperrten einen Bereich mit Trennband ab, und eine Ansage forderte alle Fluggäste zu einem weiteren Sicherheitscheck auf. Dabei mussten sich Frauen und Männer getrennt anstellen, die Taschen leeren, und es wurden Teile des Handgepäcks kontrolliert sowie alle Personen per Metalldetektor überprüft. Ruth beobachtete, wie bei einem Mann ein großes Klappmesser aus dem Rucksack gezogen wurde. Wie war das denn durch die Durchleuchtung bis hierher gelangt? So wurde es heute Morgen keine Sekunde langweilig, denn schon begann das Boarding. Anstatt wie üblich die hundert Meter bis zum Flugzeug zu laufen, wurden die Passagiere nun mit Bussen gefahren. Das Einsteigen, Warten, bis sich der Bus gefüllt hatte und das Aussteigen dauerten zusammen sicherlich länger als die Variante ohne Bus. Der A340 war nach unserer Schätzung nicht einmal zur Hälfte besetzt. So hatten wir vier Sitze in der Mittelreihe für uns alleine, und Ruth konnte sich nach dem Start und einem Frühstück etwas hinlegen. Uwe bearbeitete derweil ein paar Fotos.
Der Rest ist schnell erzählt: Nach dem ruhigen Tagflug landeten wir pünktlich in Frankfurt und erfuhren, dass just seit heute Namibia (und die benachbarten Länder) aus deutscher Sicht keine Virusvarianten-Gebiete mehr sind. Am liebsten wären wir gleich sitzen geblieben und hätten für eine weitere Runde noch einen Fahrchip abgegeben. Aber traurig oder enttäuscht waren wir nicht, sondern glücklich darüber, diese tollen vier Wochen in Namibia verbringen zu dürfen. Der zuvor komplett leere Erlebnistank war nun wieder gut gefüllt (so zirka zur Hälfte). Mit dem ICE ging es vom Fernbahnhof zurück nach Siegburg, wo uns Uwes Eltern abholten und nach Hause brachten. Dort erwartete uns nun keine Quarantäne, sondern noch zwei Wochen Sommerferien.
Fazit Diese Reise war insofern besonders für uns, weil wir sie gefühlt unendlich lange herbeisehnen mussten. Und auch zum Abreisezeitpunkt standen die Zeichen noch nicht einwandfrei auf Start. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht, ob es klug war, zu diesem Zeitpunkt nach Namibia zu fliegen. Sobald wir unterwegs waren, haben wir diese Entscheidung jedoch keine Sekunde lang bereut. So konnten wir wieder unsere geliebten Landschaften in uns aufsaugen, Tiere und Vögel entdecken und unter dem einmaligen Sternenhimmel am Lagerfeuer sitzen. In jedem Augenblick wissen wir dies zu schätzen. Kein Sonnenuntergang wurde missachtet. Alles hat geklappt, insbesondere auch ohne engmaschige Vorbuchungen, wie wir sie sonst zu dieser Hauptreisezeit bevorzugen. Durch die noch wenigen Touristen im Land konnten wir einige Attraktionen wie das Sossousvlei oder den Etosha relativ leer erleben wie schon seit 15 Jahren nicht mehr. Dafür sind wir sehr dankbar.