Prolog 1: Namibiareise zu Corona-Zeiten… Die Entscheidung, nach Namibia zu reisen, wurde uns durch die Corona-Einschränkungen vorgegeben: Als der Plan entstand, war Namibia fast einziges Nicht-Risikogebiet in Afrika. Das änderte sich ca 2 Wochen vor Abreise, so daß wir letztlich 3 Tage vor Abflug immer noch unsicher waren, ob wir nun tatsächlich fliegen wollen/sollen angesichts der damit verbundenen Unsicherheiten im Land und bei Rückreise…Die Reaktionen aus dem Freundeskreis machten es uns nicht leichter, sie reichten von „oh, wie wir euch beneiden, daß ihr das machen könnt- fahrt!“ über „ihr seid aber leichtsinnig - wenn da was passiert - das würde ich nie tun!“ bis „so ein egoistisches, unverantwortbares Verhalten geht garnicht, ich kündige die Freundschaft!“(was in die Tat umgesetzt wurde -naja, "Freundschaft"...) … Das mit hohem Reisefieber verbundene Afrikavirus überwand alle Hindernisse (wie Viren nun mal sind, die lassen sich kaum aufhalten, notfalls mutieren sie halt schnell und sind dann nicht mehr kontrollierbar…) Und, um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ich bin soooo froh, daß wir den Abflug geschafft haben! Wir hätten nichts Besseres tun können, als dem Coronawahn in die weite Einsamkeit (oder die einsame Weite?) Namibias zu entfliehen! Wir haben uns nie eingeschränkt und immer willkommen gefühlt. Ok, Städte haben wir bewußt vermieden und manche Lodges waren dicht. Aber wir wollten eh nicht in Lodges übernachten oder in Restaurants essen, und wenn wir gelegentlich auf der Campsite einer ( in „Normalzeiten“ völlig überfüllten) Lodge nächtigten, hatten wir meist die ganze Infrastruktur für uns ganz allein… herrlich… Selten habe ich es so bewußt genossen, auch Dankbarkeit gespürt, diese Möglichkeit zu haben… Erst beim Rückflugzwischenstop in Frankfurt wurde uns „der Ernst der Lage“ wieder richtig bewußt: Just an dem Tag wurde Namibia völlig unvermittelt als Hochrisikogebiet eingestuft (mit daraus folgender Testpflicht schon vor dem Einstieg in den Flieger in Windhoek); wir waren im letzten Flieger ohne diese Verpflichtung (= wir konnten Testung nach Ankunft nachholen, was in München am Flughafen innerhalb von 5 Min neben dem Gepäckband kostenlos erledigt war…). Also auch da: alles richtig gemacht…
Prolog 2: Überblick: Es war unsre 6. Namibiareise, also kein neues Terrain. Aber den äußersten NO (Khaudom, Caprivi) und den äußersten NW (nördlichstes Kaokofeld) kannten wir noch nicht. Entweder da oder dort wollten wir auf jeden Fall hin, danach gen Süden am Namib-Naukluft entlang, je nachdem, was die Zeit noch hergeben sollte. Wir hatten gebuchten Flug und gebuchten Camper (Hilux double Cab von Kwenda bzw. Bushlore, die kannten wir vom Vorjahr als sehr zuverlässig und sehr gut ausgerüstet). Außerdem hatte ich Plan A (Caprivi) und Plan B (Kaokofeld), aber nichts fixiert. Entschieden hat letztlich das Wetter: Fast überall war Regen angesagt, ganz besonders im Osten. Daß das nicht nur so angekündigt war, sondern tatsächlich gemeint, bekamen wir gleich am 2. Abend - schon in Richtung Caprivi unterwegs - zu spüren….Nein, wir wollten nicht jeden Abend auf der Flucht sein vor Regen und Moskitos ins Dachzelt, ganz abgesehen von evtl. schwierigen Bodenverhältnissen. Also wurde schweren Herzens Plan A verworfen und die Richtung geändert. Und wieder: Alles richtig gemacht! Während wir im Laufe der Tour immer wieder hörten, es sei gerade „Jahrhundertregenzeit“, alle Stauseen am Überlaufen, die „Wasserversorgung Windhoek endlich mal für die nächsten 3 Jahre gesichert“, viele Straßen durch heftigste Regengüsse zerstört usw. - fuhren wir durch die einzige trockene Gegend, das Kaokofeld, und bekamen vom Jahrhundertregen kaum etwas mit (fast…aber das im Reisebericht) . Die Gründe für die etwas chaotische Tourführung erklären sich im Bericht
Teil 222. März 2021
3.1. Ankunft in Windhoek , Der Urlaub kann beginnen! Für den Nachtflug von Fra nach Windhoek hatten wir (das sind mein Mann und ich, beide seit kurzem aus dem Arbeitsleben raus) uns erstmalig einen LH-Businessflug gegönnt. Ich fand das dekadent, liebe ich doch die Einfachheit, die Wildnis, die Improvisation (eben:Afrika…). Aber wir fanden gute Begründungen: es ist in Coronazeiten sicherer, da größerer garantierter Abstand. Wir werden schließlich älter. Es ist natürlich viel besser, ausgeruht anzukommen. Man muß es doch mal ausprobiert haben…. Kurz: es war herrlich! Endlich mal gut im Flieger geschlafen, genießbar gegessen, den Flug genossen und tatsächlich ausgeruht und voller Tatendrang den Urlaub in Windhoek begonnen! ( auf dem Eco-Rückflug erlebten wir das krasse Gegenteil, aber da war es uns dann egal…) Dazu kam: Nirgends Schlangenstehen, überall freundliche Leute mit Zeit für Schwätzchen- da merkt man erst, wie sehr „Zeitdruck“ sonst zu unsrem Leben gehört.. Der Abholdienst von Bushlore stand am Gate, wir kannten uns schon vom letzten Jahr. Auch im Büro wurden wir herzlich wie Freunde begrüßt- 1. kannte man uns schon, 2. waren wir die einzigen Gäste seit Tagen… Wir bekamen einen nagelneuen Hilux und das Navi umsonst. Mehr noch: Mein vor einem Jahr bei der letzten Botswana-Namibia-Tour verlorenes Iphone, das eine eigene Reise hinter sich gebracht und sich schließlich aus Windhoek bei mir gemeldet hatte, hatte schließlich den Weg hier ins Büro gefunden und freute sich aufs Wiedersehen (eine eigene, tolle story, aber das führt jetzt vom Weg ab..). Die Autoübergabe ging schnell, dennoch kamen wir erst gegen Mittag los. Wir wollten nach Norden, dann nach Osten Richtung Khaudom + Caprivi. Auf dem Weg dahin wollten wir ein befreundetes, derzeit in SA lebendes Paar treffen, die wir vor 1 Jahr im Mabuasehube-Teil des KTP kennengelernt hatten. Die 2 waren vor Weihnachten im eigenen Landcruiser aufgebrochen - sie wollten einfach aus dem Coronanest SA weg und „warteten“ im Etosha auf uns. Mit ihnen wollten wir den 1. Teil der Tour gemeinsam fahren - unklar, wie lange, wir freuten uns einfach auf ein Wiedersehen, und die 2 hatten „unendlich“ viel Zeit (nein, das Visum gilt max. 3 Mon.) (..Corona - Nachtrag: Inzwischen sieht es ganz anders aus: in SA ist Corona derzeit kaum Thema, in Deutschland bestimmt es das Leben mehr denn je.…) Ich hatte als 1. Nacht Omatozu (100 km ab WH) eingeplant, aber wir waren so ausgeruht, daß uns das viel zu früh erschien. Also fuhren wir auf der extrem langweiligen, z.T. LKW-verstopften B1 bis Okahandja ( 2 1/2 Std.), versorgten uns dort im gut sortierten Sparmarkt mit Vorräten für die nächsten Tage und peilten als 1. Bleibe die Campsite der Frans-Indongo-Lodge an, die wir passend um 17.00 erreichten - um dort zu erfahren, daß die CS coronabedingt geschlossen sei, daß überhaupt viele Campsites geschlossen seien und wir besser alles vorreservieren sollten. Eine ziemliche Ernüchterung. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Das (nicht wirklich einladend wirkende) Angebot, wir könnten aber gern für 2500 ND in der Lodge nächtigen , lehnten wir dankend ab. Schließlich freuten wir uns aufs Dachzelt und hatten noch Hoffnung. Noch. Nach etlichen vergeblichen Telefonaten mit Campsites in der näheren Umgebung ( geschlossen oder nicht erreichbar) gaben wir auf . Ich erinnerte mich, daß ich schon immer mal die ca 1 Std. entfernte Kambaku-Lodge kennenlernen wollte. (Erklärung: Dort werden Reitsafaris angeboten; ich bin passionierte Reiterin mit schon mehreren Reitsafaris im nördlichen und südlichen Afrika in meinem Erinnerungsrucksack und immer auf der Suche nach lohnende neuen Erfahrungen). Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir dort an. Meine Hoffnung, evtl.“irgendwo in der Ecke“ campieren zu dürfen, wurde zwar nicht erfüllt, ab er wir bekamen das einzige noch freie Zimmer. (Dies war übrigens die einzige Lodge oder überhaupt die einzige Lokalität, die fully booked war ; überall später waren wir die einzigen oder fast die einzigen Gäste/Camper). Und, once again: alles richtig gemacht! Die Nacht wurde zwar deutlich teurer als geplant, und wir mußten auf unsre 1. Nacht im Dachzelt noch warten, aber die Lodge hat uns sehr gut gefallen: Zimmer groß, Betten bequem, Essen ausgezeichnet, Garten und Pool sehr gepflegt mit schöner Aussicht, sehr freundliche Betreiber (deutsch) und Crew. Und, last not least: Alles Reiter und eine nette Runde mit sehr interessanten Gesprächen und Bekanntschaften beim Abendessen…Da konnte ich das Angebot, am nächsten Vormittag in kleinster Runde eine 2 1/2 stündige Reitsafari mitzureiten, nicht ausschlagen, zumal mein nichtreitender Mann gleichzeitig an einer Jeepsafari teilnehmen konnte. Außerdem hatten wir ja Zeit, wir waren weiter gefahren als geplant und hatten uns mit unsren Freunden erst für den kommenden Abend in Roys Restcamp verabredet (3 Std. Fahrt). Also ein völlig anders als geplant gelaufener gelungener 1 Urlaubstag und -abend…
Teil 324. März 2021
4.1. Kambaku Lodge - Roys Restcamp Einziger Wermutstropfen an diesem schönen Urlaubsbeginn: Ich mußte morgens um 6.30 fit und fertig bei den Pferden sein. Ja, ich weiß, so eine Reitsafari muß früh beginnen, auch ein Gamedrive ist morgens am ergiebigsten, und auf dem Pferd wird es verdammt schnell zu warm. Aber es war so garnicht eingeplant…. (Exkurs für Reiter: Die ca. 25 Pferde leben auf dem ca 80 qkm riesigen eigenen Farmgelände völlig frei und kommen zu den ihnen sehr gut bekannten Fütterzeiten von selbst an den Stall; es gibt keine Wildkatzen oder Elefanten hier, so daß auch die Gäste problemlos über die Farm spazieren können. Damit nicht dauernd nach verirrten Urlaubern gesucht werden muß, sind einzelne Wanderwege markiert.) Die frühe Std. ist schnell vergessen. Putzen, satteln, Helm aussuchen (hier herrschen deutsche Regeln!), und schon sind wir 4 von der „advanced group“ mit der jungen, sehr erfahrenen, englisch sprechenden Guid-in (ich habe gendern gelernt!!) unterwegs. Der Ritt ist ein wunderbarer Einstieg ins feeling der Weite Afrikas. Der deutlich weitere Blick in die Ferne, warmer Wind um die Nase beim Galopp neben Gnus oder Zebras, Giraffen, deren Gesicht man nicht nur mit Tele einfangen kann, sondern deren Atem man über sich vom Pferderücken aus beinahe zu spüren scheint (ängstlich war in diesem Fall mein Pferd, nicht die Giraffe) - das gibt mir immer wieder ein Gefühl von Freiheit, von Verbundenheit mit der Natur… Immer wieder kann ich mich dafür begeistern, auch ohne spektakuläre Begegnungen. Schön, daß es sich rein zufällig so ergab! Die 2 1/2 Stunden waren schnell rum - es reichte dann auch, in der schnell aufkommenden Hitze ist es kein Spaß mehr.
Teil 424. März 2021
Zurück in der Lodge wartete nach erfrischender Dusche ein super Frühstücksbüffet mit allem, was das Herz begehrt, incl. schöner Aussicht und nochmals interessanten Begegnungen und Gesprächen. So ungeplant dieser Aufenthalt war: besser hätte der Urlaub nicht anfangen können! Mittags brachen wir auf. Über Otavi und Grootfontein waren wir 3 Std. später in Roys Restcamp. Unsre Freunde hatten sich schon auf dem besten Platz niedergelassen (auf dem Overlander Platz mit Sitzgelegenheit unter Regendach, falls es naß werden sollte), wir stellten uns auf den Platz daneben. (Außer uns in größerer Entfernung nur noch 3 Autos einer deutschen Gruppe und ein einzelner Camper). Wir freuten uns riesig über das Wiedersehen, der Rest des Tages verging viel zu schnell mit Erinnerungen, Erzählungen, Planungen, später bei Risotto und Wein….Über den weiteren gemeinsamen Verlauf der Tour waren wir uns schnell einig: angesichts der zu erwartenden Regenfälle wollten wir zunächst am Kavango entlang bis zum Mudumu NP (dem erklärten Lieblingsplatz unsrer Freunde- uns noch unbekannt), dann erst je nach Wetter über die weitere Tour bzw. bzgl. Fahrt durch den Khaudom NP entscheiden. Soweit zumindest der Plan, den wir mit in den Schlafsack nahmen….
Teil 527. März 2021
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Teil 627. März 2021
5.1. Planänderung - lets go west! Nachts gingen die Schleusen auf; mit den Wassermassen kamen die Mücken, und der 1. Schritt morgens aus dem Dachzelt führte ins Nasse. Die weiteren Schritte auch… Inzwischen kam zwar nichts mehr von oben, aber in den Nachrichten wurden weitere ergiebige Regenfällen im Osten und Süden angekündigt. Beim Frühstücken überlegten wir den weiteren Routenverlauf erneut. Bei aller Neugier auf den Caprivi und den Khaudom NP, v.a. auch auf den „Lieblingsplatz“ unsrer weitgereisten Freunde, den Mudumu NP: Unsre Priorität war vorerst, schöne gemeinsame Abende in freier Natur genießen zu können (schließlich wohnten wir nicht Haus an Haus, sondern einen Erdteil voneinander entfernt…). Wir wollten nicht jeden Abend vor dem Regen und Moskitoschwärmen ins Zelt fliehen und auch nicht jeden Morgen Mühe haben müssen, ein nasses Zelt einzupacken. (Nicht, daß wir einzelne Moskitos nicht eingeplant hätten: Unsre Freunde hatten Moskitoschnelltests im Gepäck, die in SA offenbar billig problemlos zu bekommen sind, ich hatte Malarone als Stand by dabei, die mit Medikamenten - NW unempfindlicheren Männer hatten bereits begonnen, Doxicyclin zu nehmen … dennoch, auf Moskitomassen hatten wir keine Lust…). Also wurde der am Vorabend ausgeheckte Tourenplan wieder verworfen. Wir hatten ja noch Plan B - und im NW war noch am wenigsten Regen zu erwarten. Also: lets go west! D.h., zunächst durch den Etosha NP (den unsre Freunde vorher ja schon ergiebigst durchfahren hatten), wo wir 2 Nächte einplanten, dann im W durchs Galton Gate wieder raus und nach NW. An der Rezeption von Roys Restcamp nutzten wir nochmals ausführlich die rel. gute WLAN-Verbindung, dann fuhren wir los -jedes Auto für sich, nächster Treffpunkt Halali, wo wir die 1. Nacht verbringen wollten. Zum Mittagspicknick waren wir in Namutoni. Sooo leer, völlig ungewöhnlich, dazu noch überall frisches Gras auf den leeren Plätzen von Regen, der hier offenbar runtergekommen war, von dem aber momentan nichts mehr zu spüren war. Jetzt war es heiß und sonnig (Wie die ganzen nächsten 14 Tage lang, trotz dauernder Regenmeldungen für den Rest des Landes!) Es wirkte richtig ungewohnt einladend, zumindest für uns, die wir keine Lodges, Restaurants und Läden suchten, sondern möglichst viel unberührte Natur. Für andere vielleicht gespenstisch vereinsamt… Namutoni So ging es den Rest des Tages weiter: Kaum andere Fahrzeuge, überall leichter Grünschimmer und viele viele Jungtiere - die Natur wußte offenbar diese fruchtbare Zeit zu nutzen! Der Regen hat seine Spuren hinterlassen, ohne uns persönlich zu behelligen. So wünscht man sich das!
Halali empfand ich völlig reizlos und langweilig, ich hatte es schöner in Erinnerung. Auch hier nur einzelne andere Camper. Egal, wir kamen erst gegen Sonnenuntergang an und wollten nur nächtigen. Die Ablutions waren sauber, die Duschen heiß. Und zu gemeinsamem Zusammenhocken bei Chili con Carne und Wein reichte es allemal.
Teil 727. März 2021
6.1. Etosha Ein typischer Gamedrivetag- dazu gibts wohl wenig zu berichten. Wie schon am Vortag: insgesamt kaum andre Autos unterwegs, heiß und trocken, aber mit den deutlichen Nachwirkungen von vorherigen Regenfällen: ungewöhnlich viel Grün und vor allem ungewöhnlich viele Jungtiere!
Und alle hatten sich lieb und genossen ihr das Dasein:
Teil 827. März 2021
meistens jedenfalls...
Teil 927. März 2021
Mittagspause in Okaukuejo; zum ersten Mal sahen wir hier relativ viele Touristen, und fast alle schienen sich im Pool zu tummeln (was wir eigentlich auch vorhatten, daraufhin aber bleiben ließen). Bei der riesigen Anlage war es trotzdem nicht schwer, einen abgelegenen Stellplatz für ein Mittagspicknick zu finden, und unter dem Schattendach mit Blick aufs Wasserloch mit Springböcken und Zebras waren wir tatsächlich allein (ein sehr schönes schattiges Plätzchen für eine Mittagsruhe! )
Die Strecke zwischen Okaukuejo und Olifantrus zieht sich hin…Eine staubigen Strecke, wenig interessant, kaum Abzweigungen, offenbar einige neue Straßenführungen im Bau. Außerdem viel abgebranntes Gebüsch. Auch für Tiere wenig interessant - außer offenbar Oryxe und Zebras. Horden von Zebras…..
Ulm 17.00 erreichten wir Olifantrus. Ein rel. neues, sehr angenehmes, kleines Camp (keine Lodge!) mit schön angelegtem Steg zum Wasserloch, sauberen duschen und Abwaschgelegenheiten, funktionierendem WLAN, sehr nettem Personal . Und mal wieder nur einzelne weitere Camper .
Am Wasserloch trafen sich nach Sonnenuntergang noch Hyäne und Schakal - danach wurde es zu dunkel
Teil 1027. März 2021
Über den weiteren genauen Tourverlauf waren wir noch nicht sicher. Nur das entferntere nächste Ziel war klar: Camp Syncro am Kunene, im äußersten NW Namibias. Das wollten wir unbedingt erreichen, nachdem wir es im Vorjahr schon anvisiert hatten, dann aber durch einen kräftig strömenden Hoarusib am Purros Crater an der Weiterfahrt gen N gehindert worden waren. Als nächsten Nachtplatz steuerten wir zunächst Camp Aussicht an (war uns vom Vorjahr in guter Erinnerung), verfehlten dann aber den richtigen Weg und landeten letztlich nach (zu) langer Fahrerei in Opuwo in der Countrylodge - Campsite. Und wieder war dieser eigentlich nicht anvisierte Platz ein Glückstreffer: Die Lodge liegt uphill, unbehelligt vom Stadtgewusel, gut bewacht durch eifrige, aber unaufdringliche Nachtwächter, und vor allem: Wir waren mal wieder fast allein! Und wir waren willkommen; So hatten wir nicht nur die Campsite mit den Ablutions, sondern auch noch die Infrastruktur der einige Fußminuten entfernten Lodge ganz für uns: Terrasse mit Aussicht, herrlicher Pool, kaltes Bier - und WLAN. (Letzteres holte uns allerdings ein wenig raus aus unsrer heilen Welt: Nur Horrormeldungen über steigende Coronazahlen in Europa, über Terror in den USA, wo die Republikaner das Weiße Haus stürmen, über durch Regenmassen zerstörte Straßen und darin schwimmende Autos im Süden Namibias- nein, das wollten wir jetzt alles garnicht wissen…. )
C 35 gen N Die Lodgeterrasse mit wunderbarer Aussicht Ziegen statt Touristen auf der Terrasse herrlicher Pool ganz für uns allein-zum Träumen... abends auf der CS Besuch von einem äußerst freundlichen Katzenpärchen
Beim Abendessen (nicht in der Lodge, obwohl wir freundlich eingeladen wurden, sondern auf der CS) wurde uns einmal mehr klar, wie gut wir es doch haben…
Teil 1103. Apr. 2021
8.1. endlich ins Kaokofeld! Morgens genossen wir noch einmal die Annehmlichkeiten der Zivilisation: Herrlich heiße und saubere Duschen , ein schönes schattiges Plätzchen mit Aussicht zum Schreiben (und immer mit Gesellschaft von einem sehr gepflegten verschmusten Katzenpärchen), an der Lodge WLAN - Verbindung für Kontakte nach Hause.. Dann wagten wir uns notgedrungen in das Gewusel des Sparmarktes in Opuwo. Manche beschreiben es ja als „interessante bunte Mischung verschiedener Ethnien“ : Im Laden nebeneinander barbusige, meist etwas ratlos wirkende Himbafrauen, einzelne bunt verpackte , eher stolz auftretende Hererofrauen, meist sauber und modern gekleidete Inländer (die Frauen mit Spaghettiträgern, die Männer eher mit Anzug), dazwischen zahlreiche eher verlottert und meist dreckig erscheinende Abenteuertouristen (man verzeihe mir die Pauschalisierung…). Ich empfand es schon im letzten Jahr als notwendiges Übel, jetzt unter Coronaeinfluß geradezu als abstoßend: einerseits hatte ich Mitleid: wie mag es den halbnackten Himbafrauen gehen, die, ausnahmslos mit Kind auf dem Arm, im Gewühle mit ratlos fragendem Blick an der riesigen Käsetheke stehen neben den vollgepackten Einkaufswägen der „eher verlottert aussehenden Abenteuertouristen“? Andererseits fühlte ich mich gerade von diesen Himbafrauen mit Kind auf dem Arm vor dem Markt mehr als bedrängt, wenn sie bettelnd an mir zerrten und alle die gleichen Armringe verkaufen wollten… Letztes Jahr hatte ich mich hinreißen lassen, für viele einzelne 10ND -Scheine einzelne Ringe von 2 Frauen zu kaufen ( mehr konnte ich nicht verkraften, wir wollten ja noch weiterfahren…) mit dem Hinweis, sie mögen das Geld untereinander teilen. Gab nur Ärger….In diesem coronageprägen Jahr war uns das definitiv zu viel Nähe. Also: Einkauf und dann möglichst schnell weg! (Daß ich mich seit Jahrzehnten ausführlich mit dem Leben / Überleben oder eben langsamen Sterben der Himbas - und anderer indigener Volksstämme beschäftige, macht die Begegnung leider nicht leichter oder angenehmer). Zu „coronageprägt“: Im Laden trugen alle Masken, wenn auch zT. sehr verrutscht. Vor dem Laden stand ein großer Kanister mit Desinfektionsmittel (das zumindest stand drauf) und Ablaufhahn, unter dem sich fast alle brav ausführlich die Hände rieben.
Noch schnell zur Tanke, dann sind wir um 11.30 „auf pad“. Die zunächst staubige unschöne Schotterstrecke auf der D3704 haben wir schnell hinter uns. Die D3707 ist deutlich schöner, wenn auch z.T. steiniger und zum Fahren etwas stressig. D 3707 am Hoarusib entlang
Gut beschildert....
Mehrfach laufen uns Straußfamilien über den Weg, Esel dösen in der Hitze, ab und zu Impalas oder Zebras. Der Hoarusib, dessen Verlauf wir folgen, ist staubtrocken. Etwa dort, wo die D3707 den Hoarusib gen N verläßt, wollen wir in einem Wildcamp die Nacht verbringen. Wir finden ein winziges Schild „Camp“ , folgen ein kurzes Stück dem Flussbett und finden einen sehr schönen scheinbar unberührten Platz unter großen Bäumen am Flussufer mit herrlichem Blick in die Berge. So ganz unberührt doch nicht, sehen wir schnell: Auf einem handgemalten Schild steht „Palm Spring CS“, darunter: „no toilet, no water“. Das nenne ich exakte Beschreibung. Und allein sind wir auch nicht: Im Flussbett spielen die Kinder und machen Faxen, sobald sie uns sehen, und um uns herum meckern die Ziegen. Und kurz drauf erscheint ein älterer Mann, der nicht englisch kann, aber uns zu verstehen gibt, daß das Campen 100 ND pP kostet. Er ist sehr freundlich, die Kinder auch, und wir runden für 4 Leute auf 500 ND auf. Das war offenbar eine Aufforderung: Kurz drauf erscheint ein junger Mann und erklärt uns in recht gutem Englisch, daß seine Mutter große Rückenprobleme habe; im Hintergrund erscheinen auch gleich mehrere Himbafrauen mit Kindern im Arm - die eine da sei seine Mutter… Man erwartet ganz offensichtlich von uns die Lösung des Problems…Wir überlegen kurz und geben ihm 4 Schmerztbl. mit eindringlicher Erklärung, das helfe sehr gut gegen Schmerzen, aber sie solle unbedingt nur 1/2 tgl. nehmen, sonst werde ihr sehr übel. (Ibuprofen 400 - selbst wenn sie alle 4 auf einmal nimmt, bringt sie das nicht um…) Als „Gegenleistung“ bitte ich um Fotoerlaubnis, die mir "gerade so" gewährt wird.
Dann allerdings will sie statt eines Dankes mit fordernd- unfreundlicher Geste auch noch die Getränke, die sie bei uns auf dem Tisch stehen sieht, und ist offenbar sauer, daß wir das ablehnen . Beim Gehen wirft sie uns nur einen bösen Blick zu. Mhm. Da haben wir offenbar mal wieder etwas falsch gemacht… Dennoch wird es ein sehr schöner Abend auf einem sehr schönen Fleck Erde mit einmal mehr unvergleichbarem Sonnuntergang. Afrikafeeling…
Teil 1203. Apr. 2021
9.1. bis Roidrum Bei der Abfahrt um 8.30 werden wir von 4 Youngstern genauestens beobachtet, die uns zwar immer näher rücken, aber letztlich in respektvollen Abstand bleiben. Wir folgen weiter der D 3707. Eine landschaftlich wirklich schöne Strecke.
4 Std. später sind wir in Marble Camp. Eigentlich wollten wir dem Betreiber Trevor einen Besuch abstatten, den unser Freund aus Südafrika aus Jugendzeiten gut kennt; ich möchte ihn gern kennenlernen, den kreativen Menschen, der die einsame Gegend hier mit seinen vielen phantasievoll gestalteten Steinmänner belebt, alle fein nummeriert und etikettiert. Leider haben wir bisher trotz intensiver Ausschau keine entdeckt (kommt aber noch!). Und leider ist Trevor nicht da und das Marble Camp offiziell geschlossen. Allerdings kommt sofort ein junger Mann aus dem oberhalb gelegenen „House of the Hill“, wo Trevor wohnt und auch einzelne schöne Chalets vermietet (650 ND pP), und erklärt freundlich, wir können gern alles benutzen, auch Duschen usw. sofern sie funktionieren (tun sie zT.), und wir können auch gern hier übernachten. Aber es ist noch so früh am Tag, deshalb ziehen wir nach einer Dusch- und Picknickpause lieber noch weiter. Die Strecke wird immer interessanter, landschaftlich asgesprochen reizvoll, aber auch fahrtechnisch anstrengender, steiler, steiniger. Der Joubert-Paß ist schon eine kleine Herausforderung (wenn auch sicher nichts gegen den Van Zyls - Paß, den unser Freund aus früheren Zeiten kennt... :"for crazy young people only"..)
Endlich, kurz hinter dem Joubert-Paß, das erste Steinmännchen ...
Ca 2 km vor Roidrum finden wir in einem sandigen Flussbett wieder ein schönes Plätzchen zum Camp aufschlagen. Außer vielen Skorpionen bekommen wir an diesem Abend keinen Besuch.
Teil 1305. Apr. 2021
Ich lese noch ein wenig in der Hängematte in „Guten Morgen, Namibia“ von Erika von Wietersheim , das ich mir im Vorjahr in einem kleine Farmshop bei Kalkfeld gekauft hatte, kurz nachdem es erschienen war. Seitdem lag es daheim ungeöffnet rum - umso besser, denn eigentlich ist es ideale Lektüre während eines Namibia- Aufenthaltes, es hat mir das Land und seine aktuelle Entwicklung noch einmal näher gebracht. Und: Nein, ich kriege keine Provision!) Abends gibts es mal wieder Steak vom Grill…
10.1. Etappenziel erreicht! Bis Camp Syncro Nach einem ganz ausführlichen Frühstück - wir haben heute nicht mehr viel vor uns - brechen wir um 9.00 auf. Kurz drauf erreichen wir die Roidrum.
Während ich mich für die leere Weite begeistere, interessieren sich die Männer mehr für das Wenige, was hier von der Zivilisation übrig ist
Kurz drauf erfahren wir dann, wie eventuell diese Überbleibsel hierher gekommen sein könnten: Wir treffen ein junges Pärchen aus Windhoek, das mit einem "einfachen" PKW (oje, was war es? Jedenfalls kein Allrad) einen Ausflug machen wollte und nun mit Reifenpanne hier hängengeblieben ist - ohne Ersatzreifen, ohne Werkzeug und vor allem auch ohne jegliches Wasser oder gar einen Behälter dafür... Aber sie schienen guter Dinge und hielten es für selbstverständlich, daß wir ihnen nicht nur den Reifen flickten, sondern auch eine unsrer Flaschen mit Wasser spendierten. Mhm. Wir halfen gerne, aber der geflickte Reifen würde nicht ewig halten, das Wasser auch nicht, und sie hatten noch einiges vor....
ab und zu mußte das Feuerholz auf dem Dach wieder festgezurrt werden...(oder auch: immer wieder lohnte sich ein Blick vom Dach)
der Aufforderung "no offroad driving" zu folgen , war eine unlösbare Aufgabe - where the hell is the road?
Die dann folgende Strecke durchs Mariental ist für mich der schönste Abschnitt der ganzen Tour. Die Weite, die Leere, die Farben, die unberührt Natur, die Stimmung…und wir haben alles ganz für uns allen…. Coronaregeln leeren die Leere…
Nein, ganz allein sind wir doch nicht. Ab und zu Himbahütten, bewohnte und unbewohnte, ab und zu Schilder , z.B. mit so toller Verheißung wie "icecold beer", und ab und zu ein Steinmännchen..
Am frühem Nachmittag erreichen wir Camp Syncro. Auch hier haben wir wieder das ganze Camp für uns. Es kommen auch keine weiteren Autos. Dennoch sind die Duschen heiß und sauber und die einzelnen Angestellten freundlich und zurückhaltend.
Den Rest des Tages verbringen wir mit Wäsche waschen, Brotbacken, chillen in der Hängematte (mit Ausblick wie im Breitwandkino auf die Landzunge im Kunene, die offenbar als Waschraum gilt: zunächst kommt eine Gruppe Himbafrauen mit Babies zur ausführlichen gemeinsamen Körperpflege, später ein einzelner junger Mann, der offenbar sehr genau weiß, daß er von der CS aus beobachtet werden kann, und die Gelegenheit sehr ausdauernd nutzt, um seinen durchgestylten Vorzeigebody in jede Position zu bringen….),
gibt es eine schönere Küchenaussicht?
und später im Abendlicht machen wir einen Spaziergang im trockenen Teil des Flussbettes
, dann mit ausführlichem Grill - und - Salat - Abend.
Von den angekündigten Kroks sahen wir nur die Nasenspitze im Abendlicht Mal wieder ein sehr schöner gemeinsamer Abend.
Teil 1414. Apr. 2021
11.1. südwärts So gut habe ich lange nicht geschlafen.Totale Stille, durchdrungen von ständigem Flußrauschen ist ein ausgezeichnetes Schlafmittel- und morgendliche Vogelstimmen der schönste denkbare Wecker (selbst wenn ich als völliger Vogel-Unkundler keine Ahnung habe, wer uns da alles geweckt hat..). Der Donkey war schon wieder angeheizt (wirklich guter freundlicher Service für uns einzigen Gäste!), wir genießen die heißen Duschen und dann das Frühstück mit Aussicht auf Flussbett und Landzunge mit durchgestyltem Vorzeigebody (s.o.). Nicht ganz so genießen wir die ständige Anwesenheit eines sehr verflohten, deutlich depressiv wirkenden und kontaktsuchenden Hundes, und auch die 2 Himbafrauen aus dem benachbarten Himbadorf, die sich (zu) dicht neben die CS setzen und ihre Armbändern zum Verkauf ausbreiten, stören uns eher…Jeder von uns findet eine andre Möglichkeit, damit umzugehen: Eine ist zunehmend genervt vom Angestarrt-werden, ich lächle die 2 jedesmal freundlich an, gehe ansonsten unbeteiligt vorbei, einer gibt am Ende Geld, ohne ein Armband zu wollen - und der 4. bemerkt sie kaum…Sozialstudien… Um 9.00 verlassen wir das Camp wieder. Es war schön hier, vor allem, weil wir es ganz für uns allein hatten. Wir vereinbaren „Treffpunkt Roidrum“, da wir nicht dauernd hintereinander fahren wollen, und wollen die in der T4A - Karte eingezeichnete Alternativstrecke nehmen. So zumindest ist der Plan. Es ist nicht so ganz leicht, eindeutig die Strecke zu finden - viele unklare Spuren sind irreführend, das Navi weiß meistens auch nur, daß wir offroad sind, aber letztlich landen wir auf oder neben der gleichen Strecke, die wir hergekommen sind, 2 Std. später an der Roidrum.
mein Lieblingsfoto von dieser Strecke muß noch einmal herhalten...
Unsre Freunde sind noch nicht da. Wir warten. Und warten. Vorbei kommt zunächst aus dem Nirgendwo eine Himbafrau mit Kind auf dem Arm, später ein Polizeiauto. Die 3 Uniformierten, die beim Aussteigen alle ihre Masken aufsetzen und offenbar nur pinkeln wollen (oder mit der Himbafrau verabredet waren? Oder neugierig sind?), haben niemanden gesehen… wir warten. Es war offenbar keine gute Idee, nicht hintereinander her zu fahren.Endlich, ca 2 Std. Später, der Landy unsrer Freunde….Sie hatten sich verfahren…war wohl ziemlich stressig zwischendrin. Also in Zukunft: Bei nicht ganz klar definierten Strecken zusammen bleiben ! Ca. 1/2 std. später an der Bluedrom machen wir Picknickpause,
die Bluedrom von allen Seiten... dann gehts zusammen weiter Richtung Süden - eine leere, trocken, schöne Strecke
Schön, aber trocken...viele Kuhkadaver am Weg
hier stehen sie also, die Steinmännchen, nach denen wir dauernd Ausschau halten...
Sie sind aber wirklich nicht leicht zu entdecken - während sie selbst den tollsten Überblick haben
nicht nur Steinmännchen und Kadaver
Da, wo die D3707 den Khumib überquert, fahren wir ins trockene Flussbett und finden einen schönen Nachtplatz. Denken wir. Aber kaum haben wir das Dachzelt aufgestellt und erste Lebensmittel aus dem Auto geholt, sind wir umringt von 10000enden von Wildbienen. Unglaublich, wo die in diesen Massen plötzlich herkommen! An Campen ist hier nicht zu denken. schade, der Platz wäre schön gewesen
Also schnell alles wieder eingepackt und weiter Richtung Purros.
Die Straßenschilder in der Einsamkeit finde ich immer wieder verblüffend. Aber vermutlich ist hier in Non-Corona-Zeiten deutlich mehr Verkehr
Und tatsächlich kommt immer die angekündigte Kurve Einen Wildcampplatz finden wir nicht mehr, also entscheiden wir uns für die Purros Community CS. Die finden wir allerdings in der inzwischen aufkommenden Hektik (es ist kurz vor Sonnenuntergang) auch nicht, also stellen wir uns doch wieder „wild“ ans Flußufer des Hoarusib. Es ist schön, aber so ganz sicher fühlen wir uns nicht. Überall (älterer) Elefantendung - und hier irgendwo hat ein Elefant einen Menschen getötet, hörten wir immer wieder in verschiedenen Varianten. Dennoch, wir genießen den Abend.
(Am nächsten Morgen kommen 2 gut englisch sprechende Himbas von der benachbarten Purros Canyon CS und monieren, daß wir hier illegal stehen, daß wir auf der CS hätten übernachten sollen und daß wir dafür 1/2 des CS-Preises zahlen sollen. Ok, sie bekommen 100ND pP und sind zufrieden.)
Teil 1515. Apr. 2021
12.1. Purros - Palmwag
Um 9.00 brechen wir auf. Die D3707 bis Seisfontein ist ziemlich staubig und rel. langweilig im Vergleich zum Vortag. Aber die Fahrer wollten heute mal weniger action….Wir sehen viele Elefantenspuren, aber keine Elefanten, nur ab und zu ein paar Esel.
In Seisfontein (überall Baustellen, Staub…) tanken wir, nach kurzer Picknickpause gehts weiter nach Palmwag. Wir haben noch keinen Übernachtungsplatz geplant und wollen uns die Lodge-CS nur kurz anschauen. Die sonst so überfüllte Lodge gähnt vor Leere…Nur einzelne Camper und einzelne Lodge-Gäste, eine schöne leere Restaurant-Terrasse und 2 leere Swimmingpools, wo auch Camper gern gesehen sind.…Wir beschließen zu bleiben, suchen uns den schönsten Platz aus (mit geräumigem eigenem Duschhaus, heißen Duschen, Strom, Schattendach) und genießen mal wieder etwas Komfort für wenig Geld - mal wieder ein Pool für uns allein, Zeit zum Wäschewaschen, Internetsurfen… und abends nutzen wir die Gelegenheit, uns auf der schönen fast leeren Terrasse bei Sonnenuntergang bedienen zu lassen (das einzige Mal während des ganzen Urlaubs..), mit kaltem Bier und gutem Gamesteak und Salat.
Der „Hauselefant“, der überall frische Spuren hinterlassen hat, kommt in dieser Nacht leider nicht.
Teil 1621. Apr. 2021
13.1. Lost im Desolation Valley
Wie gut, daß wir den nun folgenden Tag ausgeruht und bestgelaunt begannen - so hatte unsere Stimmung viel Spielraum nach unten, bevor sie völlig absackte… („Unsere“ schreibe ich aus reiner Solidarität mit den Fahrern…ich fand den Tag einfach nur abenteuerlich, und ich liebe Abenteuer…). Zunächst ging es ganz langweilig los auf der C43 Richtung Süden, dann Abzweig nach Fonteine.
Mit diesem kleinen Rastplatz verbinde ich eine bleibende Erinnerung - die muß ich jetzt doch loswerden, weil sie mich nicht losläßt…also Exkurs vom Reisebericht: (wer keine langatmige Handystory lesen mag, überspringe den folgenden Absatz bis --)
Ich hatte eingangs schon erwähnt, daß ich beim Autovermieter mein „weitgereistes“ altes iPhone in Empfang nehmen konnte. Dazu die Geschichte: -Vor ziemlich genau 1 Jahr waren wir in Botswana und Namibia unterwegs, ebenfalls mit einem Hilux von Bushlore , ebenfalls (zumindest in Namibia) ohne Vorausbuchungen. Vor allem deshalb hatte ich extra ein altes abgelegtes Iphone mitgenommen, um es mit einer namibischen SIM-Karte bestücken zu können. (Leichtsinnig wie ich in solchen Dingen bin, waren auf dem iPhone alle meine ungeschützten Daten noch abrufbar…) OK, wir hatten bereits bei Ankunft in Windhoek eine SIM-Karte und entsprechendes Kontingent gekauft und das dann 2 Wochen später nach Grenzübergang von Botswana nach Namibia aktiviert. Da einige Probeanrufe nicht funktioniert haben (warum auch immer….?), wir es aber auch nicht wirklich brauchten, legten wir es erst mal zur Seite..(Ja wohin genau??) Einen dringenden Anruf beim Autovermieter in Windhoek erledigten wir mit unsrem normal gebräuchlichen Iphone. Ging ja auch. Erst weitere 4 Tage später - wir waren inzwischen über Anib Lodge - Spitzkoppe - Desolation Valley - Fonteine in der Khowarib-Community-CS gelandet - suchten wir wieder nach dem Handy. Stundenlang, vergeblich. Wir nahmen das ganze Auto auseinander….nichts. Wir telefonierten mit der Anib-Lodge, wo ich meinte, es noch in der Hand gehabt zu haben. Nichts. Ich war zunehmend verzweifelt: Die SIM-Karte war ja nicht das Problem, das alte abgelegte Iphone konnte ich auch verschmerzen - aber der Gedanke, daß alle meine Daten, Fotos, Kontakte usw. ungeschützt irgendwo rumlagen, beunruhigte mich ziemlich. (Daß ich mir dauernd anhören mußte, wie absolut dumm ich doch sei, die Daten alle auf dem alten iPhone gelassen zu haben, machte die Sache nicht erträglicher..) Schließlich versuchte ich mich mit dem Gedanken zu trösten, daß das gute alte Stück incl. der Daten drauf unentdeckt und einsam irgendwo im Wüstensand verenden würde, und versuchte zu vergessen. Bei Abgabe des Fahrzeuges am Ende der Tour durchsuchten wir noch einmal alles. Nein, das arme Ding mußte wirklich einsam im Wüstensand liegen. Monate später…..erreichte mich eine mail eines völlig unbekannten Absenders: „Hi, we picked up an iPhone with this emailaddress“- ich war erst mal total verblüfft, bis ich kapierte, das das iPhone offenbar dem in jedem Sinne sicheren Ende im Wüstensand entkommen war. Ebenso überrascht war ich von der Ehrlichkeit des Finders/der Finderin. Toll! Viele emails folgten. Es stellte sich heraus: Die lange völlig anonyme Absenderin hatte das iPhone „im Damaraland“ gefunden, wo sie lebte. Ich schickte ihr ein Foto von unsrem Stop am Fonteine-Rastplatz: Ja, genau dort! Sie stamme aus der Ansiedlung dort. Nein, sie könne es nicht schicken, habe weder Verpackungsmöglichkeit noch Porto usw. Aber sie werde es pflegen, damit es nicht kaputt gehe. Sie habe selbst ein neueres iPhone und kenne sich daher aus (aha, kein Geld, aber ein neues iPhone?) Wir vereinbarten: Ich schicke an eine Freundin in Windhoek eine Verpackung in einer Verpackung, darin Geld für Porto und Finderlohn. Sie werde irgendwann dorthin fahren und mir das iPhone dann schicken. - Das Päckchen kam zurück: Inzwischen hatte Corona sämtlichen Flugverkehr zwischen Deutschland und Namibia lahm gelegt. Also tröstete ich mich mal wieder mit dem Gedanken, dass das Handy nun zwar nicht einsam im Wüstensand verenden würde, aber bei einer offenbar ehrlichen Finderin gut aufgehoben sei. Die Finderin bekam in weiteren emails, später auch per WhatsApp, zunehmend ein Gesicht (die Kommunikation war immer etwas schwierig, sie hatte offenbar selten Internetverbindung , und englisch war ganz offenbar nicht ihre Muttersprache): eine sehr junge dunkelhäutige hübsche Namibierin, die gerne mit ihren Kurven posierte. Zwischendrin wurde es auch mal spannend: Das iPhone sei plötzlich verschwunden - Polizeidrohung - wiedergekommen usw. Jedenfalls ein interessanter Kontakt. Klar, dass wir uns vorgenommen hatten, bei erneuter Reise nach Namibia diese ehrliche Finderin kennenzulernen und das iPhone gegen guten Finderlohn selbst in Empfang zu nehmen . Wegen erneuter Coronawelle änderten wir den Plan - wir wollten nicht lange durch Windhoek irren und uns mit Unbekannten treffen. Also kamen wir auf die Idee, sie könne das Handy beim Autovermieter abgeben, erhalte von dem einen Finderlohn, und er bekomme das Geld später von uns. Hat super geklappt, alle zufrieden: Der junge „Stationsleiter“ von Bushlore fuhr extra an einen Treffpunkt in der Stadt, freute sich über die hübsche junge Bekanntschaft, die Finderin freute sich über das Geld, und ich freute mich über das iPhone. Happy End. So, sorry, viel zu lang. Aber mich hat diese Handyreise irgendwie bewegt. -- Nun endlich weiter im Text! Wir machen also ziemlich genau 1 Jahr später wieder Rast in Fonteine, diesmal aus Norden kommend. Und wollen fast genau die gleiche Strecke in der anderen Richtung durch den Huab /durchs Desolation Valley fahren. Auch das vor allem deshalb, weil es mich Abenteuersüchtige wieder hierher zog, wo wir vor 1 Jahr den aufregendsten Abend des Urlaubs erlebten: Damals schlichen sich lautlos kurz vor Sonnenuntergang, als wir gerade das Abendessen beendet hatten, gefühlt alle in der Gegend lebenden Wüstenelefanten an (auch wenn andere dafür extra Pirschfahrten unternehmen - für uns kamen sie sehr überraschend und ziemlich ungelegen) und versammelten sich um unseren Hilux, in den wir uns in letzter Sek. noch zurückziehen konnten. Und zwar ohne Übertreibung „hautnah“ = die große Leitkuh, die zu allem Überfluss auch noch ein zu schützendes Baby bei sich hatte, schaute uns durchs Autofenster seehr kritisch-fragend an : „Freund oder Feind?“ Sie hätte nur mit den auffallend langen Zähnen wackeln müssen, um unser Fenster zu zertrümmern….Nach unendlich langen seeehr aufregenden stummen gefühlten Stunden (es waren ca. 30 Minuten), in denen die Gedanken Kreise jagten ( „Jaa, ich hab euch gaanz lieb - hoffentlich glauben die das - wißt ihr nicht, daß ich früher immer einen Elefanten als Haustier wollte? Weil das so intelligente gutmütige Tiere sind?- Ruhig bleiben! Luft anhalten! - Warum nur geht dies blöd blau leuchtende Display des Autos nicht aus?Das wirkt doch bedrohlich - Hoffentlich riechen die Lbm. hinten im Auto nicht-die Tür ist nur angelehnt…“ usw…) trottete sie von dannen, die ganze Herde im Schlepptau. Wir sahen nur noch die weißen Zähne, dann waren sie in der Dunkelheit verschwunden. Wir drehten damals im Stockdusteren noch um und nächtigten auf einem andren Platz (ungestört). Erst am nächsten Tag verstanden wir: Wir hatten uns mitten auf deren Versammlungsplatz gestellt… Ich bat die Dickhäuter nachträglich um Verzeihung.
Foto vom Jan. 2020: rechts um den Hügel herum der Elefantenplatz
das war das letzte mögliche Foto von den ersten Elefanten, bevor es zu dunkel wurde (es ist schon per Fotoshop aufgehellt) Allerdings war mir danach auch nicht mehr nach Fotografieren zumute...
Sorry für dies erneute Abschweifen. Aber diese Erinnerung wird noch gebraucht… auch bei dieser Tour sollte das Desolation Valley für bleibende Erinnerung sorgen .. Wir fahren also endlich weiter von Fontaine nach Süden und wollen dieses Mal die in der T4A - Karte (dicker) eingezeichnete Strecke nördlich des Riverbed nehmen, die ja irgendwo beim Viewpoint über den Huab führen sollte, dann weiter Richtung Ugab Base Camp. Soweit der Plan. Ich muß gestehen: Wir waren ja die Strecke „in etwa“ schon gefahren, und dann auch noch allein - diesmal waren wir 2 Autos! Also hatte ich mich nicht näher informiert. Sonst hätte ich vorher schon im Forum den „Point of no return“ oder die Bemerkung „river crossing difficult to impossible“ lesen können….Wie wir genau gefahren sind, weiß ich bis jetzt nicht. Jedenfalls fuhren wir voller Elan ins trockene Riverbed,
nachdem es zunächst noch recht "zivil" aussah, verlor sich die Spur zunehmend; die Fahrer mußten sich sehr auf die Strecke konzentrieren , die beiden Navis war ebenso ratlos wie wir. Ich genoß die Landschaft und behielt auch den Überblick :da drüben ist die andere Seite, wo wir hin wollen… Vorher allerdings wurde es eng- wohl die Stelle, die andere als den „Point of no return“ bezeichnen… immer enger und immer sumpfiger.
Da ging es definitiv nicht weiter - und wenn uns jetzt dazu noch ein Elefant begegnen würde, hätten wir ein sehr großes Problem. Angesichts dessen schien uns das unmöglich erscheinende Umdrehen immer noch die bessere Alternative. Ein Lob an die Fahrer : sie schafften es ohne Verluste….Allerdings fing danach der Streß erst richtig an: die Fahrer, die sich ja immer auf den Weg konzentrieren mußten, hatten die Orientierung verloren, die Meinungen, wohin man jetzt fahren solle, gingen auseinander….
ich war mir zwar sicher, die Richtung zu wissen (schließlich sieht man ja das andere Ufer - wenn es vorher links von uns war und jetzt immer noch links ist, haben wir nicht umgedreht, sondern irgendwie das Flussbett durchquert…), konnte mich aber nicht durchsetzen…(Ich hatte Recht, zeigte sich später!). Ratlose Minuten, zum einzigen Mal gereizte Stimmung… Und dann kam mir die Eingebung: Genau dort war doch der Elefantenversammlungsplatz, wo wir letztes Jahr umringt waren! Mein visuelles Erinnerungskästchen ging plötzlich auf - aus andrer Perspektive sieht alles so anders aus! Aber nun erkannte auch mein Mann: genau hier war es!
Hier stehen wir genau auf dem Elefantenversammlungsplatz, wo sie uns vor 1 Jahr umringt hatten; inzwischen wirkt er seit langem ungenutzt
Damit war die Situation gerettet. Wir kannten den weiteren Weg.
Zum Vergleich: oben das aktuelle Foto, von NO kommend; darunter das Foto von vor 1 Jahr von SW aus fotografiert
Blick zurück ins Riverbed; an dieser Stelle hatten wir vor 1 Jahr übernachtet (wie wohl schon einige andere Fomis auch)
Also hatten wir irgendwie tatsächlich den River überquert (was ich ja gesagt hatte! Recht gehabt! Habe ich aber nicht wiederholt, die Fahrer hatten Streß genug...) Jetzt gings raus aus dem Flußbett, weiter nach Süden Richtung Ugab Base Camp.
ein sehr steiniger Weg
zur Abwechslung ab und zu Spielkugeln (was ist das für eine Pflanze?? )
und einzelne Welwitschien
Zwar gab es vorher auf der landschaftlich wieder sehr reizvollen Strecke voller interessanter Steinformationen (ein Eldorado für Geologen!) schon einige Plätze, wo man hätte nächtigen können, aber der Wind (und vielleicht auch ein wenig das Bedürfnis nach etwas mehr Sicherheit) trieben uns bis zum Camp, das wir um 17.00 erreichten. Es wirkte wie ausgestorben. Nur 2 junge neugierige Hunde schnupperten um uns rum und zeigten uns, dass irgendwo jemand sein müsse.
Der aufregende, für die Fahrer sehr stressige, für mich trotz allem unvergesslich schöne Tag hatte es verdient, mit viel GT und Spaghetti Bolognese verabschiedet zu werden. (Das Desolation Valley hat sich seitdem in meine größte Schublade mit den Erinnerungskästchen eingenistet…)
Teil 1703. Mai 2021
14.1.21 Abschied von unsren Freunden Gerade habe ich gelesen, daß das Ugab Basecamp wegen Löwenbesuchen momentan gesperrt ist (oder zumindest kurz war)…Nun, als wir dort waren, gab es außer den 2 jungen Hunden nichts und niemanden außer Horden von Moskitos - die hätte ich hier am wenigsten erwartet. Löwengebrüll hätte mich auch nicht weniger am Schlafen gehindert… Beim Frühstück erklärten unsre Freunde, daß sie jetzt eine Unterbrechung des Unterwegs- Seins bräuchten und sich für eine Weile ein Haus in Henties Bay mieten wollten. ( Sie waren ja schon 1 Mon. vor uns daheim in SA aufgebrochen und wollten so lange wie möglich, also visumbedingt max. 3 Monate, v.a. der damals in SA heftig wütenden Coronavariante entfliehen. Im Gegensatz zu uns gehörte für sie das Unterwegs-Sein im eigenen Camper zum normalen Leben, hatte also nicht so sehr den Reiz des Abenteuers.) In Anmietung eines Hauses auf die Schnelle hatten sie Routine … auch heute sollte es auf Anhieb klappen, wie sich später herausstellte. Also trennten sich vorerst unsere Wege 12 km nach Verlassen des Camps. Der Abschied fiel uns schwer, hatten wir doch den aufregenderen Teil unseres Urlaubs gemeinsam erlebt und super gemeistert. Also auf ganz baldiges Wiedersehen in Henties Bay! Sie nahmen die D 2303 zur Küste, wir folgten der D 2342 westlich am Brandberg vorbei, eine sehr lohnende und interessante Strecke durch Steingebirge und Schluchten.
Eigentlich hatten wir die Spitzkoppe als nächstes Ziel angepeilt. Aber der Himmel war trüb, es sah nach Regen aus - und die Spitzkoppe lebt vom Farbenspiel der Sonne; wir hatten wunderschöne Bilder vom letzten Jahr im Kopf, die wollten wir nicht trüben. Also ging es stattdessen kurzentschlossen nach Omaruru zum Einkauf im super sortierten Sparmarkt und in der Schlachterei in derselben Strasse. Um Omaruru ist der deutsche Einfluß überdeutlich zu spüren: Im Sparmarkt viele deutsche Fabrikate und sogar deutsch sprechendes Personal, im Metzgerladen „Käseknacker“, „Zigeunerspieße“, „Krakauer“ usw. - und glücklicherweise auch eine große Auswahl an ausgezeichnetem Biltong, unser Lieblingssnack beim Autofahren.
Die Nacht verbrachten wir im Camp Mara: normalerweise schöne große Campingplätze unter schattigen Bäumen am River mit sehr guten Spaziermöglichkeiten und Scharen von Greif-, Sing- und Wasservögeln - ein Traum für jeden Vogelkenner.
Heute wirkte es etwas verlassenen und trostlos - ganz offenbar war hier schon lange kein Gast mehr. Auch der Betreiber war nicht daheim, nur eine hochschwangere Hausangestellte und 2 verspielte Hunde. Ein ausgedehnter Abendspaziergang im Flußbett zeigte uns, daß hier am Vortag reißende Wassermassen durchgekommen sein mussten.
Jetzt floß es nur noch spärlich. Nach gutem deutsch- südafrikanischem Abendessen mit Rotkraut, Boerwurst und Kartoffeln verzogen wir uns ins Dachzelt . Der erwartete Regen kam nicht.
Teil 1803. Mai 2021
15.1. 21…und Wiedertreffen der Freunde
Morgens war die Regenstimmung vorbei , der erste Blick aus dem Dachzelt sah strahlend blauen Himmel. Mal wieder sind wir dem überall um uns herum niedergehenden „Jahrhundertregen“ entkommen. Da störte es uns auch wenig, daß wir kalt duschen mußten, weil wir den Donkey, der schon fertig mit Feuerholz gefüllt war, viel zu spät anheizten… Beim Frühstück erreichte uns die Nachricht unsrer Freunde: sie hatten über einen lokalen Makler gestern Abend noch ein supernobles neues Haus in Henties Bay für 1 Monat angemietet, Ferienhaus reicher Südafrikaner, die es nur gelegentlich selbst nutzten und in der Zwischenzeit vermieteten, mit mehreren Grills, mehreren Schlafzimmern und jeglichem denkbarem Komfort. Und das zu einem Preis, den man in einem Monat auch für Campingplätze ausgeben würde - erstaunlich, wie einfach so etwas geht. Wir seien herzlichst eingeladen… Also war unser nächstes Zwischenziel vor der weiteren Fahrt gen Süden klar - das um diese Zeit gottverlassene Nest Henties Bay. Über Omaruru, C33, B2 waren wir in kurzer Zeit in Swakopmund, um uns eine Permit für den nördlichen Sektor des Namib-Naukluft-Parks zu holen, wo wir die folgenden 2 Nächte verbringen wollten. Die Stadt wirkte ungewohnt einladend auf uns, leer und ruhig; nur am und erstaunlicherweise auch im Wasser tummelten sich einige Namibier. Coronabedingt hatten wir uns aber vorgenommen, Städte zu meiden, daher steuerten wir zielgerichtet nur das Office für die Permit an, ein mickriges Büro in einem alten dunklen Gebäude in einer Nebenstraße im 2. Stock. Die 2 Angestellten fühlten sich ganz offenbar in ihrer Dauerruhe gestört und konnten keinerlei Auskunft geben, aber immerhin - mit viiiel Ruhe….- die Permit verkaufen (dummerweise muß man im Voraus genau angeben, wann und wie lange man sich in dem Gebiet aufhalten will; dann kostet es 40 ND pP/Tag +20 ND für den PKW/Tag = für 2 Tage zahlten wir 200 ND). Einen Cafebesuch verkniffen wir uns. Stattdessen picknickten wir irgendwo am Meer neben der neuen, total leeren und langweiligen Straße von Swakopmund nach Henties Bay.
Außer einigen Fischern keine Menschenseele weit und breit. Zu Ferienzeiten steht hier ein Fischerauto neben dem anderen… Um 16.30 sind wir in Henties Bay, unser Freund Les holt uns an der Tankstelle ab. Von beiden Seiten ist die Wiedersehensfreude groß- dabei haben wir uns doch gestern früh erst getrennt…. Henties Bay wirkt um diese Zeit wie eine Geisterstadt, trocken, leer, in keiner Weise attraktiv. Aber es bietet Ruhe, wenn man die sucht. Und das Haus ist innen wirklich beeindruckend: alles voller großer Ledermöbel, Eismaschine, mehrere Grills, riesiger Fernseher, 2 Schlafzimmer und Bäder vom Feinsten - und von der Küche aus der Durchgang für den „Haushaltsteil“, das Reich der schwarzen Haushaltshilfe; so sei es leider immer noch typisch in SA, klärt uns Les auf.
Wir genießen Kaffee im geräumigen Innenhof , Waschmaschine und schnelles Internet. Nein, das verfluchen wir sofort : nur Horrormeldungen aus der Welt und aus Deutschland, Lockdownverlängerung, Kältewelle… TV aus! Stattdessen genießen wir lieber wieder im Hier und Jetzt gemeinsam einen schönen lauen Abend im Innenhof mit einem ganzen Kabeljau, Chips und einem guten Wein - auch das typisch südafrikanisch.
Teil 1905. Mai 2021
16.1.21 Northern Section Namib Naukluft
Das Haus mag noch so nobel sein- ich zumindest schlafe im luftigen Dachzelt deutlich besser…Dafür weckt dann das gemeinsame Frühstück im Innenhof meine Lebensgeister umso effektiver, das uns in Gesprächen rund um die Welt führt und wieder zurück… Danach verabschieden wir uns schon wieder, wieder mit Aussicht auf baldigen Besuch (zum Schluß unsrer Reise). Um 9.30 brechen wir auf Richtung Süden- dieses Mal lassen wir uns von den Jahrhundertregenmeldungen nicht abhalten, wir können schließlich jederzeit problemlos umdrehen - auch wenn die Meldungen ziemlich abschreckend klingen: Die Staubecken sind voll und müssen zT. abgelassen werden, sogar der riesige neue Neckartaldamm (was sucht hier der Neckartaldamm? Der gehört doch nach Heidelberg??); um Mariental herum wird Evakuierung geplant; Straßen Richtung Süden sind zT durch Wasser zerstört und nicht befahrbar -usw. Wir fahren über Walvis Bay auf die permitpflichtige D 2186 zum Kuiseb und biegen dann leichtsinnigerweise von der offiziellen Schotterstraße ab in Richtung Flussbett, einigen Fahrspuren folgend. Eine dumme Entscheidung - nach Kürze stecken wir im tiefen Sand fest und graben uns immer weiter rein…Glücklicherweise sind heute am Samstag viele ( erstaunlich viele! Die Erklärung finden wir später) weiße und schwarze Einheimische unterwegs, meist gruppenweise im Auto, mit Bierdosen und ganz offenbar in Partylaune…3 Hiluxe voller gut gelaunter junger Leute halten hinter uns an, der 1. Fahrer hat den Ehrgeiz, unseren Hilux aus dem Sand zu befreien. Nach vielen vielen Anläufen, mit Hilfe von Bier für ihn und Unterlegmatte fürs Auto und nachdem er den Reifendruck schrittweise auf 0,8 reduziert hat, schafft er es. … soviel Luft hätten wir uns nicht abzulassen getraut. Ok, wieder etwas dazugelernt. Nachdem sie fröhlich die Sandpiste weiterfahren, trauen wir uns auch.
Nach kurzer Picknickpause kehren wir sicherheitshalber wieder auf die D 2186 zurück, wo wir dauernd überholt werden. Zunehmend wundern wir uns über den regen Verkehr- so viele Autos haben wir in der gesamten Zeit bisher nicht gesehen, und das in dieser eigentlich verlassenen, permitpflichtigen Gegend…Irgendetwas scheint es da vorn umsonst zu geben…Einige km weiter endlich die Auflösung des Rätsels: Der Kuiseb fließt! Das scheinen manche zum 1. Mal im Leben zu sehen: Ein fließender Fluß! Viele Autos und Bierkisten am Flußufer, laute Musik aus irgendwelchen knarrenden Lautsprechern, Kinder und Erwachsene plantschen oder hocken im Wasser…Wassertourismus! So langsam verstehe ich, was der Jahrhundertregen bedeutet… Wir fahren weiter über Gobabeb zur Homeb CS.
Auch hier strömt der Kuiseb zT mit Gefälle, was einige Jugendliche mit viel Spaß zum „Surfen“ nutzen. In der Nähe gepflegte kleine Baracken. Wir überlegen kurz, ob wir hier bleiben, entscheiden uns dann aber doch, noch 1 Std. bis Mirabib zu fahren , wo wir um 17.00 ankommen.
Es ist kein weiteres Auto da, wir haben die große Auswahl und suchen uns genau die CS aus, wo wir vor 12 Jahren schon einmal standen…nichts hat sich verändert. Während mein bodenständiger Mann sich ums Feuer und Abendessen kümmert, zieht es mich nach oben - ich muß den Blick in die Weite auf mich wirken lassen.
Nach dem Essen genießen wir noch lange die Stille, die Einsamkeit, die Weite, den Sternenhimmel…
Teil 2005. Mai 2021
17.1.21 weiter gen Süden Nachts wurde es kühl - zum Schlafen sehr angenehm, zum Aufstehen weniger. Deshalb packen wir das Zelt zusammen ,wechseln zum Frühstück auf die andere Seite des Felsberges in die Morgensonne und nutzen dann die Zeit, bevor es wieder zu heiß wird, zu einem ausgedehnten Morgenkletterspaziergang auf den Fels. Um 10.30 brechen wir auf, zunächst - den Wendekreis querend - nach N auf die C 14, dann Richtung W zum „Viewpoint Kuiseb Canyon“ mit tollem Ausblick auf den momentan fast reißend strömenden Kuiseb.
Den dort abzweigenden Fußweg zur Henno - Martin - Shelter verfolgen wir nur ein kurzes Stück- es wird zu heiß. Nach kurzer Picknickpause gehts weiter nach S. Wieder begegnen uns ungewöhnlich viele einheimische Autos - Wochenendausflug zum Wasser ist momentan DIE Attraktion. Im Radio heute die Nachricht: Leider keine weiteren Niederschläge in Sicht. Uns solls recht sein…
Um 17.00 erreichen wir Camp Gecko. Die neue Pächterin Anna kommt uns gleich entgegen : momentan keine weiteren Gäste, wir haben freie Auswahl. Auf meine neugierigen Fragen erzählt sie u.a. , sie und ihr Mann hätten das Camp vor ca. 1 Jahr von den Vorbesitzern übernommen und seien derzeit noch dabei, Einiges zu renovieren; bes. die Tented Camps bzw. Bungalows seien derzeit nur zT. bewohnbar.
Wir schauen uns also alle CS an und entscheiden uns für „Eagle“, mit herrlichem Ausblick in die Weite und auf eben diese schön gelegenen Tented Camps.
Den Spaziergang dorthin verschieben wir auf den nächsten Morgen, den heutigen Abend lassen wir bei Steak und Gemüse vom Grill ausklingen.
Teil 2105. Mai 2021
18.1.21 noch weiter gen Süden
Noch vor dem Frühstück und vor der großen Hitze machen wir einen Morgenspaziergang in die weite Ebene hinunter.
. Ein anhänglicher Hund begleitet uns den ganzen Weg über, irgendwie vermittelt er Sicherheit. (Er gehört dem Mitarbeiterehepaar, das mit dem Pächterpaar zusammen das Camp versorgt, erfahren wir später. ) Wir schauen uns die Tented Camps etwas genauer an. Einige sind renovierungsbedürftig und geschlossen, andere warten vorbereitet auf Gäste. Sie gefallen uns wirklich gut - zT. feste Zelte, zT. zweistöckige kleine Bungalows mit Wohnraum, Bad und vorgelagerter Terrasse unten und Schlafraum mit Balkon mit tollem Blick oben.
Camp Gecko gefällt uns insgesamt sehr gut: Alle Campsites mit toller Aussicht, unsere CS „Eagle“ mit Freiluftclo (mit Wasserspülung!) und Freiluftdusche (mit heißem Wasser, wenn man den bereitstehenden gefüllten Donkey rechtzeitig anheizt, was wir dieses Mal tatsächlich schaffen), eine weitere CS „Hilltop“ für etwas komfortbedürftigere Gäste mit gemauertem Sanitärhäuschen, die 3. CS „Moonlight“ etwas abgelegen für besonders romantiksuchende Camper.
Eigentlich könnte man hier gut auch 2 Tage verbringen - es gibt viele Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge/Wanderungen. Aber dafür ist es jetzt im Januar definitiv zu heiß. Daher brechen wir gegen Mittag auf und fahren am Neukluft-Gebirge entlang weiter Richtung Süden, erst der C 14 folgend, dann auf die D 854 - eine sehr schöne Strecke. Der Plan, im Naukluft- NP zu campen und dort kleinere Wanderungen zu unternehmen (was wir von früher als sehr schön in Erinnerung hatten), scheitert auch an der Hitze -wir fahren zwar in den NP hinein, drehen aber vor der Rezeption (erst 13 km nach Parkeinfahrt) wieder um. Weit und breit kein Mensch oder Auto; das Wassertourismus - Wochenende ist vorbei. Die Spuren der Regengüsse werden allerdings Richtung Süden zunehmend deutlicher: die Wege sind z.T. heftig zerstört, z.T. an der Grenze der Befahrbarkeit. Dafür sprießt am Wegrand zunehmend lichtes Grün, wo sonst nur Wüste ist. Ein fast unwirkliches Bild..
Um 16.30 erreichen wir das Tsauchab River Camp mit den unzählig vielen fantasievollen Figuren aus Autoschrotteilen („paßt auf, daß ihr den Wagen nicht hier stehen laßt, sonst fehlen nachher Teile!“ werden wir ermahnt.)…
Wir bleiben zunächst eine Weile bei gutem Cappuccino und schnellem Internet an der menschenleeren Bar (am WE sei hier aber viel Betrieb gewesen) und werden dann zu der großen Gruppen- CS „Korhan“ einige km weiter geschickt, da die direkt an der Farm gelegenen Plätze überflutet gewesen und jetzt nicht benutzbar seien. Die riesige CS ist normalerweise für südafrikanische Reisegruppen gedacht, die hier zu deren Ferienzeiten offenbar in Scharen einbrechen. Jetzt haben wir alles für uns allein: Eine ganze Anlage mit überdachter Küchenecke, Sanitätshaus mit kochend heißem Wasser, Freiluftdusche zusätzlich, mehrere Waschbecken, dazu schöner Blick auf den River. Ich schaukele in meiner Hängematte, lese in „Guten Morgen, Namibia“, schreibe ein wenig und werde mir einmal mehr bewußt, wie gut es uns doch geht…
Teil 2206. Mai 2021
19.1. 21 Sussusvlei unter Wasser
Ein ausgedehnter Morgenspaziergang im Riverbed des Tsauchab läßt uns die Wassermassen ahnen, die hier kürzlich durchgeflossen sein müssen:
überall sprießt junges Grün:
Beim Auschecken hören wir, daß auch das Sussusvlei unter Wasser stand und vorübergehend nur per Hubschrauber zu besichtigen war. Sicher sei es jetzt noch ein einmaliges Erlebnis, dorthin zu fahren. Ok; wir sind ja flexibel: eigentlich hatten wir Sussusvlei schon vor vielen Jahren abgehakt. Nachdem wir bei unsrem 1. Namibiabesuch 1999 noch eine Schotterstraße bis zum Ende durchgefahren waren, dort auf einem Tagesparkplatz übernachtet hatten und das Deadvlei in völliger Morgenstille mit Oryxen vor Sonnenaufgang erleben konnten (einmalig!), empfanden wir es ca. 15 J. (?) Später recht abschreckend, als wir morgens vor dem Toreingang in einer Kolonne anderer Fahrzeuge auf die Öffnung warten, dann in eben dieser Kolonne die inzwischen geteerte Piste entlangfahren und uns die Dünen mit vielen weiteren Tourist teilen mußten. Damit war es von unsrer möglichen ToDo - Liste gestrichen.. Aber jetzt war ja wieder eine einmalige Situation: Kaum Touristen, aber Wasser… Also ändern wir kurzentschlossen unsre eh nur vagen Pläne und fahren Richtung Sussusvlei. Dort treffen wir tatsächlich kaum andere KFZ, leider natürlich nicht das ideale Fotolicht, da schon etwas spät am Tag, aber dennoch ungewöhnliche Farbspiele, alles mit leichtem Grüneinschlag…
Nach Ende der Teerstr. wird die Fahrerei tatsächlich etwas kritisch, einiges war überflutet, an manchen Stellen Durchfahrt-verboten-Schilder. Also drehen wir nach einer Fuß-Umrundung des „Sussusvlei-Sees“ um - leider, ohne die Durchfahrt zum Deadvlei gefunden zu haben. Trotzdem hat es sich gelohnt.
Wir fahren zurück bis Hauchabfontein ; da auch hier einige CS durch Wasser zerstört sind, eskortiert uns der Besitzer selbst zu einem abgelegenen Platz - auch hier eine große Gruppen- CS, am Fluß gelegen, aber etwas erhöht und vor Flut gesichert.
Teil 2306. Mai 2021
20.1.21 Südlichstes Ziel: Tirasberge
Sehr lautstarke penetrante Vogelstimmen zwingen zum Aufstehen. Es ist etwas bedeckt und windig, also gutes Spazierwetter; noch vor dem Frühstück laufen wir eine Runde, in und am Tsauchab- und Zebra - River entlang. Ca 5 Min. von der CS entfernt finden wir die „rock pools“, die momentan gut mit Wasser gefüllt sind und zum Baden einladen - was wir am Ende des Spaziergangs auch tun. Wirklich super erfrischend!
Danach heiße Dusche (der Donkey im Sanitärhäuschen wurde von dem sehr aufmerksamen „CS - Manager“ schon früh nur für uns angeheizt; normalerweise werden hier wohl auch südafrikanische Großgruppen beherbergt - heute sind wir wieder einmal die einzigen Gäste) und ausführliches Frühstück . Mittags brechen wir auf. Es wird heiß (35 Grad), dabei etwas bedeckt und ein wenig schwül. Die D 3707 ist an vielen Stellen vom Wasser stark zerstört und grenzwertig befahrbar. Wir beschließen, heute noch bis Koiimasis in den Tirasbergen zu fahren und dann wieder umzudrehen Richtung Norden, da der „Jahrhundertregen“ hier doch sehr gewütet hat (wie ja auch dauernd im Radio berichtet worden war) und evtl. noch weiter wüten wird.
Viele Oryxe am Wegrand - zT. verzweifelt versuchend, durch den Zaun zu kommen...
Diese vielen roten Büschel habe ich erst beim Fotografieren als blühende Kakteen identifiziert
Die Campingplätze auf Koiimasis gefielen uns bei früheren Besuchen sehr gut. Außerdem wurde bei unsrem letzten Besuch gerade mit dem Bau einer Lodge begonnen (Fest Inn Fels) und mit dem Betrieb einer Reitranch - auf beides waren wir neugierig.
Auf der Anfahrt nach Koiimasis ein tolles Bild: weiß schimmernde Grashalme, frei laufende Pferdeherden, Strauße - wie gemalt…
Die tolle Stimmung ändert sich, als wir um 16.30 in Koiimasis ankommen: Es beginnt zu regnen, dann zu schütten. Die Lodge ist ausgestorben, auch an der Rezeption keine Mensch - jedenfalls kein zuständiger. Immerhin kommen nach einiger Zeit 2 etwas unbeholfen wirkende junge Mädel heraus: Madame sei einkaufen in Lüderitz; nein, sie können uns nicht sagen, ob wir campen dürfen; nein, anrufen können sie auch nicht, keine Handykapazität. Nein, an der Lodge sei derzeit niemand, das sei abgeschlossen. Nein, wir können hier nicht einfach stehen bleiben…. Wir entscheiden uns schließlich, unser Glück doch bei der Lodge zu versuchen. Vergeblich. Alles dicht. Also im strömenden Regen zurück und „in Eigenverantwortung“ einfach mal vor der Rezeption stehengeblieben…Der Regen läßt etwas nach, und kurz später kommt eine der Girls mit dem Handy in der Hand: Sie habe Madame per SMS erreicht , diese habe zurückgerufen und sei am Telefon . Also klären wir telefonisch, daß wir campen dürfen und den Girls die Gebühr von stolzen 500 ND geben. Ok; endlich können wir uns auf einer CS niederlassen. (Auch wenn uns in dem Regen heute eine Lodge tatsächlich lieber gewesen wäre..) Der Regen hat inzwischen aufgehört - fängt aber etwas später wieder an - und hört wieder auf - und fängt wieder an .. und sorgt dafür, daß ein Brotbackversuch kläglich scheitert. Also gibts nur Fertigrisotto…
Teil 2406. Mai 2021
21.1.21
Am Morgen ist der Regen vorbei, aber es ist deutlich schwüler und heißer als zuvor. Trotzdem machen wir noch einen Spaziergang zu der sehr schön in den Fels gebauten Lodge und schauen uns ein wenig auf dem Farmgelände um, bevor wir gegen Mittag aufbrechen.
(links die Lodge im Fels)
(momentan nur von Dassies bewohnt)
Irgendwie sind wir unaufmerksam und fahren versehentlich die gleiche Strecke zurück wie hergekommen (D 707)… In Beta machen wir kurzen Stop für super Kaffee und Kuchen, dann biegen wir ab zum Duwisib Castle. Die NWR - CS ist regenbedingt out of order. Wir wollen ohnehin in die Gästefarm; anfangs sind wir die einzigen Gäste, später kommen noch wenige weitere Lodgebesucher und ein deutsches Wohnmobil mit einem jungen Paar mit 3 Kleinkindern. Alle Achtung… Für mich wird der Abend Streß: Ich vertippe mich 3x mit der PIN am Handy, bis es gesperrt wird. Große Aufregung - letztlich komme ich nach ausführlichem Telefonat (mit dem Handy meines Mannes) mit der Telekom Deutschland tatsächlich an die PUK - das Telefon ist entsperrt, der Abend rum…
Teil 2512. Mai 2021
22.1.21 Überlebt!
Nach dem Frühstück gehen wir die wenigen Minuten zum Duwisib Castle. Eigentlich wollen wir uns nur „die Füße vertreten“ und das Schloß nur von außen ansehen. Aber der Verwalter ist offenbar happy über Gäste und stolz auf seinen Job und läßt uns kostenlos alle Räumlichkeiten und Ausstellungsstücke im Museum besichtigen. Es strotzt vor Stolz auf die deutsche Vergangenheit und vor Stolz auf Pferde und Reiter. ..
Anschließend sitzen wir noch eine Weile mit WLAN vor der Gästefarm und unterhalten uns ausführlich mit dem Owner Jochen - über das frühere und jetzige Leben der deutschen Siedler/Schutztruppler/Farmer, über inzwischen nicht mehr lohnende Karakulschafzucht (weil kaum noch Pelzmäntel getragen werden),
dagegen gut gehende Ziegenzucht (weil die Moslems junge Zicklein brauchen), über Probleme im Generationenwechsel (wo nicht?)… Und wieder fällt uns auf, wie sehr Namibias Vergangenheit von den Deutschen geprägt ist und wie sehr diese dort vernetzt sind: Es stellt sich heraus, daß Jochen die Besitzer der Schönfeld - Farm ( die wir am Ende unsrer Tour besuchen wollen, weil wir sie schon lange kennen - deren Onkel war unser Nachbar in Bremen) aus Kinderzeiten kennt. Wir sollen grüßen. Nebenbei erfahren wir auch, daß der reiche Regen die Waterlillis zum Blühen gebracht hat (was nur alle paar Jahre der Fall sei) und das „Lilly-Vlei“ nördlich von Maltahöhe daher derzeit sicher einen Besuch wert sei. Da wir eh nach Maltahöhe zum Einkaufen fahren müssen, können wir diesen Abstecher gut einbauen. Allerdings ändern wir schnell unsre Pläne, als wir nach dem Einkauf schließlich die Straße zum Lilly-Vlei einschlagen und uns ein Auto nach dem anderen entgegenkommt - ganz Namibia scheint dorthin unterwegs zu sein! Wir beschließen, die blühenden Blumenfelder lieber denen zu überlassen, die so etwas sonst nie erleben können- wir sehen Blumen schließlich daheim genug, ohne Autoschlangen davor. Also drehen wir um und fahren in Richtung Tsauchab Rivercamp. Vor Ankunft dort statten wir der Neuras Winery noch einen Besuch ab. Es wirkt ziemlich ausgestorben. Nur an der Theke können wir 4 der dort angebauten Weine verköstigen - alle miteinander sehr kräftige, aromatische und entsprechend hochpreisige Rotweine; eine Flasche Shiraz nehmen wir mit. Um 16.30 sind wir wieder im Tsauchab River Camp. Es ist Wochenende, Lillyvlei und Sossusvlei in der Nähe: dieses Mal sind alle nahegelegenen CS von Namibiern und Südafrikanern belegt, wir müssen auf eine 8 km entferntere CS ausweichen. Ebenso riesig wie die vor 3 Tagen, allerdings nicht ganz so komfortabel (keine Freiluftdusche, Duschhäuschen etwas entfernter und nicht exklusiv für uns). Vor allem aber ist das Wetter nicht mehr so gut: der Himmel wird dunkel, am Horizont ein Regenbogen, es riecht nach Gewitter…Kurz nachdem wir um 21.00 ins Dachzelt gekrochen sind, fängt es an zu stürmen. Und in Kürze entwickelt sich der Sturm zu einem Orkan, wird immer heftiger…und bringt uns, unser Zelt und unser Auto an die Grenzen… zum Aussteigen ist es zu spät, es würde uns von der Leiter fegen (das zumindest ist meine Befürchtung - ich bin nicht gerade ein Schwergewicht…); die Zeltplane zerrt und flattert und scheint jeden Moment davonzufliegen, der Zeltboden wird hochgedrückt und kommt uns entgegen, dazu fängt es zunehmend an zu schütten und das Wasser kommt an allen Ecken unter der Plane durch. Nasse Füße und Klamotten sind das geringste Problem, denke ich, und sehe uns schon zusammengedrückt und gefangen im zusammengeklappten Zelt. Ein kurzer Moment der Stille, dann geht es von der anderen Seite umso heftiger los. Wir sitzen wie gelähmt im Zeit und harren aus. Und irgendwann läßt der Sturm nach, dafür wird der Regen umso heftiger. Ich wage einen Blick aus dem Zelt: Zu meinem größten Erstaunen ist alles heil geblieben; nur unter dem Auto strömt ein Bach durch. Um ca. 23.00 ist der Spuk vorbei. Wir scheinen den Weltuntergang schadlos überlebt zu haben und wissen nun, was das Zelt aushält. Mit diesem beruhigenden Gefühl schlafe ich den Rest der Nacht ausgesprochen gut durch… Später lese ich, daß ein Wirbelsturm „Eloise“ um diese Zeit im südlichen Afrika viele Todesopfer forderte.
Teil 2612. Mai 2021
23.1.21 zurück
Beim Blick aus dem Zelt strahlend blauer Himmel, wie frisch gewaschen. Der Bach unter dem Auto ist nur noch ein spärliches Rinnsal, die Vögel machen ein Konzert - ein richtig schöner Morgen, der nach einem Spaziergang ruft. Also hängen wir die nassen Schlafsäcke in die Sonne und machen uns nach einer Tasse Kaffee erst einmal auf den Weg. Der „Namib View Walk“ beginnt gleich gegenüber der CS, führt in wenig den Berg hoch und bietet tolle Ausblicke in die Gegend. Aufwärts laufen wir noch im Schatten, auf dem Rückweg in der Sonne wird es dann zunehmend heiß- ideal. Nach gut einer Std. sind wir wieder am Auto und genießen ein ausführliches Frühstück. Bis dahin sind auch Schlafsäcke und Zelt gut trocken, um 10.30 brechen wir auf. Camp Gecko hatte uns auf der „Hinfahrt“ gut gefallen, also steuern wir noch einmal dorthin. Wieder wählen wir die CS Eagle. Heute werden allerdings später auch die anderen Plätze belegt.
Kaum haben wir das Dachzelt aufgebaut, fängt es schon wieder an zu regnen. Glücklicherweise nicht so heftig, wie die extrem dunklen Wolken vorher ahnen ließen, dafür 2 Stunden anhaltend. Nun hat uns der Jahrhundertregen also doch noch erwischt…
Wir verbringen die Zeit lesend und dösend im Zelt und im Auto. Zum Abendessen hat der Regen wieder aufgehört, aber es ist deutlich kühler geworden. Nachts bleibt es trocken.
Teil 2712. Mai 2021
24.1.21 noch einmal Northern Section Namib Naukluft- Blutkuppe
Der Regen macht uns noch einmal Lust auf trockene Wüste; wie gut, daß es garnicht so weit ist bis dahin! Wir fahren den schon bekannten Weg über den Kuiseb,
der immer noch ein reißender Fluß ist und immer noch viele staunende Einheimische anzieht (es ist ja schon wieder Wochenende…) , biegen dann ab auf die D1998 und erreichen um 16.00 die Blutkuppe. Nach kurzer Umrundung wollen wir noch die Tinkas CS und den Tinkas Damm anschauen, aber der Weg dorthin zieht sich ziemlich, und da wir nicht wissen, ob es uns dort letztlich gefallen wird, drehen wir wir nach ca 1/2 Strecke wieder um und suchen uns ein schönes Plätzchen an der sonst menschenleeren Blutkuppe (alle suchen das Wasser, nur wir suchen Wüste.……)
So ganz verlassen ist es aber doch nicht: Als wir uns gerade zum Sundowner niedergelassen haben, kommt ein Polizeiauto vorbei - sie fragen nach unsrer permit. Ojeeee…unsere für 2 Tage gesetzestreu besorgte permit, die in Mirabib keiner sehen wollte, ist ja leider längst abgelaufen… Ok, ich zeige dem Polizisten den Zettel mit der Quittung, erkläre, daß zu dem dort eingetragenen Datum leider etwas dazwischen kam und wir daher jetzt erst und nur 1 Tag hier seien. Er schaut mich fragend an, registriert dann die permit und verabschiedet sich…..Glück gehabt! (Und das ganz ohne schlechtes Gewissen - schließlich haben wir für 2 Tage/Nächte bezahlt und 2 Tage/Nächte beansprucht - nur eben das Datum nicht eingehalten…) Endlich wieder ein schöner trockener afrikanischer Abend!
Teil 2812. Mai 2021
25.1. noch einmal: Henties Bay
Wir beginnen den Tag wieder einmal mit einem Morgenkletterspaziergang auf den Fels mit schöner Aussicht in die Weite.
Dann geht es weiter Richtung Swakopmund mit „Umweg“ über die Moonlandscape.
In Swakopmund machen wir Halt beim Metzger, um uns ein letztes Mal mit Biltong einzudecken. Nach Picknick am Strand sind wir um 14.30 wieder bei unsren Freunden in Henties Bay. Wieder wird ausführlichst erzählt, internetgesurft, gegrillt… Abschiedsstimmung.
26.1. Spitzkoppe
Die Nacht im komfortablen Bett war wenig erholsam, ich wache wie gerädert auf. Unsre Freude haben inzwischen die Nase voll vom komfortablen Hausleben. So trifft meine Idee, doch noch eine gemeinsame Nacht „draußen“ , am besten an der Spitzkoppe zu verbringen , sofort auf offene Ohren. Nach ausführlichem Frühstück im Innenhof mit bacon and eggs wird der Landy bestückt, 1 Stunde später sind sie abfahrtbereit, um 14.00 erreichen wir die Spitzkoppe. Unser von vor 1 Jahr favorisierte Platz 10 B ist leider belegt, aber Platz 11 B ist auch schön.
Das hochschwangere Hörnchen kann erstaunlich viele Nüsse und Rosinen verputzen und ist stocksauer, als sie nichts mehr bekommt...
Noch einmal genießen wir ganz bewußt einen Kletterspaziergang auf den Felsen, den Blick in die Ferne, die Sonne , später ein letztes Mal gemeinsames Grillfleisch am Lagerfeuer…
der Berg brennt...
Teil 2912. Mai 2021
27.1. Spitzkoppe - Schönfeld-Farm Omaruru
am Abend
am Morgen
Nach Schnellkaffee und „Bricks“ brechen wir noch einmal auf zu einem letzten Morgenspaziergang zum Felspool und zur Bridge, machen die üblichen Fotos und genießen ein letztes gemeinsames Frühstück, bevor wir uns um 10.30 nun endgültig trennen - auf baldiges Wiedersehen- wo? In Südafrika? Namibia? Schweiz? ? Vorerst fahren sie zurück nach Henties Bay, wir über Osakos - Karibib Richtung Omaruru, wo wir die vorletzte Nacht auf der Schönfeld-Farm bei unsere Bekannten Hartwig und Elke v. Seydlitz verbringen wollen. Beide kamen zusammen mit Sohn Stefan (39) vor 2 Wochen aus Wisconsin zurück. Bei Kaffee und Kuchen werden ausführlichst Gedanken über und Auswirkungen von Corona diskutiert…. Danach bei abendlichem Gamedrive (fast ohne Game) noch Erfahrungen mit Autos und Fliegerei. Gemeinsames Abendessen, dann verziehen wir uns in unser Zelt im Hof (das wir dem angebotenen Gästezimmer vorziehen).
Teil 3012. Mai 2021
28.1. Abreisevorbereitungen
Zum Frühstück leeren wir unsere eigenen letzten Vorräte im Hof der Farm, danach verbringen wir stundenlang damit, uns im Internet durch die komplizierten Coronaregeln für die Rückreise durchzuwurschteln und (vergeblich) für den Rückflug einzuchecken. Es dauert. Gegen Mittag kommen wir endlich los. Der letzte Tag ist einfach nur langweilig - fast durchgängig Asphaltstraße an Windhoek vorbei bis Kalahari Inn, wo wir inzwischen schon fast traditionsgemäß die letzte Nacht verbringen. Unser Hilux wird hier von Bushlore abgeholt. Außer uns nur 2 weitere Paare, die auch am nächsten Morgen zum Flughafen gebracht werden wollen. Wir bekommen kostenloses Zimmer - upgrade, packen unsere Reisetaschen um, erfrischen uns uns im Pool und lassen bei gutem Abendessen und Wein auf der Terrasse den Urlaub ausklingen. Schade.
29.1. Rückflug
Nach schnellem Kaffee startet um 7.30 der kurze Transfer zum Airport. Der Flughafen ist leer - es wird nur unser LH - Flug erwartet. Das Einchecken klappt problemlos, der Flug geht überpünktlich los. Der Flieger ist ziemlich leer, der Flug ruhig, die Sicht toll, das Essen grauslig.
Beim Zwischenstop in Frankfurt erfahren wir, daß Namibia jetzt zum Hochrisikogebiet erklärt wurde (trotz niedriger Inzidenzzahl - wir hatten eigentlich das Gegenteil erhofft…) und wir im letzten Flieger saßen, der vor den neuen Einreisebestimmungen ankam (=negatives PCR - Test - Ergebnis schon vor Einsteigen in den Flieger zwingend und nicht erst, wie aktuell für uns, auch noch 24 h nach Einreise möglich). Glück gehabt. Mit Schreiben dieses Berichts ist zunehmend meine Lust gewachsen, sofort wieder loszufliegen....So hat der Bericht zumindest die Erinnerung aufgefrischt. Danke an alle, die uns über 5000 km hinweg dabei begleitet haben!