mein Name ist Martina, ich lebe in Wien und arbeite beim größten Reisebüro Österreichs.
Auf meinen Reisen verfasse ich in "Echtzeit" - also täglich während der Reise - einen Reisebericht, den ich via Facebook in einer geschlossenen Gruppe veröffentliche.
Nun möchte ich auf diesem Weg zum ersten Mal meine Erfahrungen einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren und wünsche viel Vergnügen beim Lesen!
Zunächst gibt es noch einen groben Umriss unserer Reise:
Windhoek Gardens Boutique Hotel
Bagatelle Kalahari Game Ranch
Quivertree Forest Rest Camp
Fish River, Canyon Roadhouse
Eagle's Nest Chalets
Lüderitz, Nest Hotel
Duwisib Castle
Sesriem, Desert Quiver Camp
Swakopmund, Sandcastle B&B and Self-Catering Apartments
Ai Aiba Rock Painting Lodge
Vingerklip Lodge
Etosha, Okaukuejo Camp
Etosha, Halali Lodge
Etosha, Fort Namutoni
Okonjima Lodge
River Crossing Lodge
insgesamt waren wir drei Wochen unterwegs

unsere Reiseroute im Uhrzeigersinn
https://drive.google.com/open?id=1tEpaP6eLhCVfixSMUHaY32Hm7WxlbJPu&usp=sharing
der Beginn einer Reise ist immer die Google Map

Christa, Martina und Karsten
Namibia 2019
ein Reisebericht
von Martina Muth
Kurz nach unserem Frankreichurlaub habe ich dieses faszinierende Bild im Internet entdeckt: tote schwarze Bäume auf einer zerrissenen weißen Ebene vor einer tiefroten Düne und darüber der blaue Himmel. Die Google Bildersuche ergab, dass es sich um den Sossusvlei in Namibia handelt und mit Google Streetview stand ich plötzlich inmitten dieser fotografischen Pracht!
Ich recherchierte ein bisschen, denn dieses südafrikanische Land hatten wir bislang noch nicht auf unserer Liste. Je mehr ich über das ehemalige Deutsch-Südwestafrika herausfand, in dem immer noch ein Drittel der weißen Bevölkerung Deutsch spricht und sehr viel alte deutsche Kultur vorzufinden ist, umso begeisterter war ich und bald stand fest – unser nächstes Reiseziel ist Namibia!
Mit tatkräftiger Hilfe meiner Kollegin Vera, die schon vier Mal Namibia bereist hat und dementsprechende Infos parat hat, wurde die Route festgelegt und die ersten Unterkünfte gebucht. Da man mir riet, hierbei so früh wie möglich zu buchen, schöpfte ich meine firmeninternen Ressourcen aus und hatte somit Anfang Dezember 2018 – also 10 Monate vor Reisebeginn – die gewünschten Quartiere unter Dach und Fach.
Beim alljährlichen Vorweihnachtspunschen mit unseren Freunden erwähnte ich unsere Urlaubspläne und Christa bekam riesengroße Augen: „Ich schwöre dir, ich wollte letzte Woche fragen, ob ihr nicht einmal nach Afrika reist und mich mitnehmen würdet!“
Natürlich würden wir und ich stellte mich der Aufgabe, genau dieselben Unterkünfte noch einmal zu bekommen. Besonders für den Etosha Nationalpark sah es zu diesem Zeitpunkt schon mau aus und wir spielten mit dem Gedanken, für Christa einen Zeltplatz zu buchen und sie irgendwie in unserem Chalet unterzubringen. Wenn notwendig, auf einer Luftmatratze. Denn ohne gebuchte Unterkunft, muss man den Nationalpark am selben Tag wieder verlassen.
Beim Eagle's Nest Chalet konnte ich auf eine Dreierbelegung umbuchen und Ende Jänner kam dann endlich das erlösende OK von meinen Kolleginnen von Ruefa und Jumbo. Jetzt buchte ich noch bei Sunny Cars das Mietauto von einem Ford Everest auf einen Toyota Hilux Double Cab Canopy um, der mit seiner großen Ladefläche kein Problem mit unserem Gepäck haben wird und mit
€ 1.552,00 sogar noch günstiger wurde.
Samstag, 31. August
Endlich ist es soweit. Ungewohnt ist, dass unser Flug erst am späten Abend geht und wir somit den ganzen Tag Zeit zum Packen haben.
Damit ist auch der Vormittag gut ausgefüllt und ich entscheide mich, den kleinen neuen Kabinenkoffer mitzunehmen, obwohl nur ein Handgepäck erlaubt ist. Hoffentlich macht man mir deswegen keine Probleme, sonst müsste ich ein paar Sachen in den Rucksack umpacken und den Minikoffer als 2. Gepäckstück aufgeben. Oder ich kann aufzahlen, wäre auch in Ordnung.
Kurz vor 16 Uhr ruft Christa an: Phoebe, ihr jüngstes Hundekind, ist bei der Urlaubsbetreuung ausgebüxt und nicht zu finden!
Christa ist in Sorge und überlegt, ob sie quer durch die Stadt und weiter fahren und die Kleine mit suchen soll. Sie würde dann gleich von dort zum Flughafen fahren. Dazu muss sie aber noch fertig packen - volle Aufregung und Streß!
Wir verteilen noch das Gewicht auf zwei Koffer und eine Stativtasche und sind eigentlich fertig.
Gegen 17 Uhr bin ich am Grübeln. Was, wenn Christa heute nicht mit uns fliegen kann?
Ich setze mich an den Computer und suche nach Alternativen. Es ginge, dass sie am Sonntag mit der Qatar fliegt und am Montag um 10:40 in Windhoek ankommt. Da könnten wir sie vom Flughafen abholen und gleich zur Bagatelle Kalahari Game Ranch weiterfahren.
Aber Halt: wenn der Hinflug nicht konsumiert wird, streicht die Airline ja auch den Rückflug. Also hänge ich mich ans Telefon und rufe eine Kollegin an, die unsere Notfallshotline betreut. Sie gibt mir wichtige Informationen, die im Notfall umgesetzt werden.
Zum Glück kommt es nicht zum Schlimmsten und wenig später gibt es Entwarnung: Phoebe ist wieder aufgetaucht und Christa wird zum Flughafen gebracht.
Dort treffen wir auch Andrea und Irene, die witzigerweise dieselbe Maschine nach Addis Abeba nehmen und von dort eine geführte Südafrikatour machen.
Meine etwas überdimensionale „Handtasche“ wird nicht beanstandet, dafür muss Karsten die Stativtasche beim Großgepäck abgeben. Am Schalter sind zwei Männer beschäftigt, bzw. einer ist beschäftigt und der Zweite ist offenbar zur Dekoration eingestellt.
Nun ja, wir haben es ja nicht eilig.
Mit etwas Verspätung hebt die 777 der Ethiopian Airlines kurz vor 23 Uhr ab.
Der sechsstündige Flug verläuft ohne Ereignisse, ich finde für zwei Stunden Schlaf, dabei sind die neuen Noice-Cancelling-Kopfhörer sehr hilfreich. Man merkt erst, wie extrem laut es während eines Fluges ist, wenn man die Geräuschunterdrückung wieder abschaltet.
Sonntag, 1. September
Zwischenlandung in Addis Abeba. Der Bone International Airport hat den Charme eines Viehgroßmarktes. Die beiden einzigen Wasserspender funktionieren nicht, aber zumindest gibt es genügend Sitzgelegenheiten. Die zwei Stunden Aufenthalt gehen plaudernd schnell vorbei.
Dann verabschieden wir uns von Andrea und Irene, wünschen uns gegenseitig einen schönen Urlaub und steigen in die Maschine, die uns an unser Endziel bringt.
Auch auf unserem zweiten Flug geht meine Strategie der Sitzplatzreservierung - den Mittelsitz freizulassen - nicht auf, doch diesmal ziehe ich den Jackpot: eine 150 kg Frau zwängt sich zwischen Karsten und mich.
Teil 2 des Plans ist ja, dass, wenn der Mittelsitz belegt ist, Christa mit dem Eindringling Platz tauscht. Doch Christa hat diesmal eine fußfreie Reihe ausgefasst und da hat sie es natürlich wesentlich gemütlicher als zwischen uns.
Beim ersten Flug habe ich mich noch in die Mitte gesetzt, doch diesmal bleibe ich am Fenster. Vielleicht gibt es ja etwas zu sehen.
Gibt es auch, der Captain sagt nach einer Zeit durch, dass auf der rechten Seite der Kilimandscharo zu sehen ist - toll, wenn man auf der linken Seite eingequetscht sitzt!
Ich schaue mir „The Greatest Showman“ an.
Kurz nach 13 Uhr landen wir in Windhoek. Die Einreiseformalitäten ziehen sich in die Länge, die meiste Zeit davon warten die Beamten, das System dürfte sehr unstabil sein.
Dann sind wir endlich alle durch und suchen uns durch die Ankunftshalle, dabei werden wir permanent angequatscht, ob wir ein Taxi brauchen: „Madam, mit welcher Gesellschaft sind Sie unterwegs?“ Die Selbstfahrer sind in Namibia wohl in der Unterzahl.
Beim MTC stellen wir uns wegen einer Wertkarte an, derweilen gehe ich vor die Tür, um Geld abzuheben. Trotz tatkräftiger Hilfe einer Sicherheitsbeamtin gelingt es mir gerade mal, 1.000,00 Namibische Dollar (ca. 70.00 Euro) abzuheben, danach funktionieren beide Karten der DKB nicht mehr.
Ich habe mir vor einem Monat extra ein Konto bei der Deutschen Kreditbank angelegt, weil ich hier beim Abheben keine Manipulationskosten zahlen muss.
Auch die Telefonkarte muss Karsten mit seiner Kreditkarte zahlen, weil meine beiden Karten abgelehnt werden. Noch mach ich mir keine Sorgen deswegen.
Dann schieben wir unsere Siebensachen zum Bidwest-Schalter, um den Mietwagen zu übernehmen. Alles soweit gut, bis wir zu den Extras kommen, die ich dazu gebucht habe und die vor Ort bezahlt werden müssen.
Ein zweiter Ersatzreifen? Uh, da muss er nachfragen.
Der Kompressor ist auch ein Problem, das Büro hat heute zu.
Ich werde ein klein bisschen lauter, schließlich habe ich die Sachen seit Jänner angegeben.
Der Verkäufer telefoniert und sagt, dass wir die Sachen bekommen, aber Sunnycars hat hier nie etwas weitergegeben.
Ich unterschreibe mindestens 20 Mal auf zig Formularen und erhalte einen Schlüssel und den Vertrag. Mit diesen Utensilien geht es weiter zu den Parkplätzen.
Unser Hilux entpuppt sich als Ford Ranger, laut Mike sind die beiden Geländewägen von der Bauart gleich. Dass letztendlich beide Reserveräder auf der Ladefläche landen, ist nicht besonders schön, es bleibt aber trotzdem genug Platz für unsere Koffer und Rucksäcke.

unser Ford Ranger
Immerhin sehen die 4 Räder ziemlich neu aus, da brauchen wir jetzt nicht mit Profilmessung und Flickensuche die Zeit verschwenden.
Mike ist sehr geduldig und ich lasse mir alles sehr genau erklären, auch den Kompressor, mit dem wir im Tiefsand die Luft aus den Rädern lassen.
Er verspricht uns außerdem, dass uns ein Miettag abgezogen wird, wenn wir keinen Reifenschaden haben. Wahrscheinlich sagt er das jedem Kunden.
Bei der Einschulung des Vierradantriebs gehe ich automatisch auf die linke Wagenseite und ernte ein herzhaftes „Welcome to Namibia!“
Kurz vor 16 Uhr fahre ich nach einer Ehrenrunde vom Flughafengelände und wir fahren nach Windhoek. Ein Aufschrei, als wir unsere erste Tiersichtung - ein Warzenschwein - neben der Straße entdecken. Später sehen wir noch eine Horde Paviane.
Ohne ein einziges Mal mit dem Scheibenwischer zu blinken schaffe ich es bis zu unserer Unterkunft, dem Windhoek Garden Guesthouse.
Wir haben immer unser eigenes Navigationsgerät mit, das zu Hause mit allen notwendigen POIs (Point of Interest) gefüttert wird und sich bisher immer super bewährt hat.
Die Rezeptionistin sucht vergeblich nach Christas Namen, zum Glück kann ich die Buchungsbestätigung von hotel.com vorlegen und wir können unsere Zimmer beziehen. Diese hätte ich mir etwas origineller vorgestellt. Dafür ist das WLAN Passwort top secret: 1234567890123.
Wir machen eine kleine Pause. Karsten überspielt Christas Bilder vom iPhone auf ihr Notebook, dabei bemerken wir, dass ihr Ladekabel defekt ist und munter vor sich hin brutzelt. Da muss schnellstens ein Neues her!
Am Sonntag bekommen wir aber maximal Lebensmittel, damit decken wir uns bei OK Foods ein. Wasser, Snacks und Billtong. Das bezahlen wir bar, damit ich zu kleinen Dollarnoten komme, die ich dem Parkboy gebe. 10 Dollar ist ok.
Zum Nachtmahl fahren wir in Joe‘s Beerhouse. Wir haben eine Reservierung in der Lapa und sitzen an einem halbrunden Dreiertisch.
Das war auch gut, denn die Hütte ist voll. Erstaunlicherweise ist der Lärmpegel sehr gering, das mag am Strohdach liegen oder an den vielen Verwinkelungen, da verirrt sich der Schall mehr.
Karsten und ich nehmen den beliebten Bush Soartie, ein Spieß mit Huhn, Springbock, Oryx, Zebra und Kudu. Ich nehme dazu einen Ceasar‘s Salat, oder so etwas in der Art..
Leider ist mein Fleisch well done und sehr trocken, wahrscheinlich haben sie unsere Spieße vertauscht, denn Karstens Fleisch ist eher medium rare. Beim Bezahlen ist es fix, beide Karten der DKB werden abgelehnt.
Freude kommt auf - Afrikafeeling noch nicht!
Montag, 2. September
Der Ausflug zur Wernhil Park Shopping Mall war ein voller Erfolg für Christa, für unseren Bargeldhaushalt weniger. An zwei Geldautomaten wird mir die Auszahlung verweigert.
Das ist noch nicht schlimm, ich habe noch tausend Dollar im Geldbörsel. Die DKB hat mir geantwortet und u.a. ein Formular verlinkt, das werde ich ihnen mit der Fehlermeldung des Automaten zurückschicken. Zumindest weiß ich jetzt wieder, dass ich in Namibia nur mit der VISA Card Geld abheben kann, mit der Debitcard nicht.
Wir wollen unser Parkticket entwerten, der Automat schreibt „Unreadable Ticket“. Irgendwie ist mit der Elektronik in Namibia der Wurm drin.
Eine nette Dame hilft uns und drückt die Help-Taste. Ich tausche mich mit der Angestellten am anderen Ende aus und zahle 6 Dollar ein. Dann bekommen wir das Ausfahrtsticket.
In einem Geschäft habe ich einen Hunderter auf 10 Dollarscheine getauscht, einen bekommt der Parkboy. Karsten verweigert die Übergabe, dabei hat sich gestern der Parkwächter bei Joe‘s mit „Thank you, Boss“ bedankt.
Jetzt aber auf Richtung Kalahari!
Ich bin froh, als wir endlich die Stadt hinter uns haben. Gesehen haben wir nichts in Windhoek, haben aber auch nicht den Eindruck, viel versäumt zu haben. Vielleicht machen wir am Ende des Urlaubes noch einmal Halt.

Wandbild im Windhoek Garden Guesthouse
Kurz nach der. Stadtgrenze ist plötzlich die B1 vor uns gesperrt. Ich bleibe also stehen und will schon in die Straße links abzweigen, als ein Truck geradeaus weiterfährt. Geht also eh!
Ich fädle mich in den Verkehr ein und fahre weiter.
Da winkt mich ein Polizist auf die Seite: ich habe ein Stoppschild nicht beachtet, noch dazu, wo es sich um einen Roadblock handelt.
Ich darf ihn in sein kleines Büro folgen und er „nimmt“ mein Daten auf, eigentlich schreibt er meinen Namen und mein Geburtsdatum auf einen Zettel. Dann erklärt er mir, dass er mich nicht straffrei davonkommen lassen kann, weil die Kamera draußen alles aufgenommen hat.
Normalerweise kostet das 5.000 Dollar, eine zweite Option mit 1.000 Dollar nennt er mir auch noch aber er ist so nett und verrechnet mir nur 500 Dollar.
Ich rieche den Braten und sage, dass ich die Strafe bei der nächsten Polizeistation bezahlen will. Schließlich wurden wir bei der Autoübernahme noch gewarnt, keine Strafen auf der Straße zu bezahlen.
Das ist nicht die Straße, sagt er und wedelt mit der Hand durch den Raum.
Ich kann bei der Polizeistation zahlen, dann macht das aber 1000 Dollar. Ok, dann möchte ich aber eine Quittung über die 500 Dollar. Gibt es natürlich nicht!
Kreditkarte? Fehlanzeige!
Meinem Schicksal ergeben, zähle ich ihm fünf Hunderter auf denTisch. Dass mein Bargeldbestand damit halbiert wird, tut mehr weh als die Höhe - umgerechnet etwa 30 Euro.
Währenddessen schreibt er sehr umständlich einen Bericht in ein dickes Buch. Nur kommt da nirgends die Zahl 500 drin vor.
Ich muss nicht warten, sagt er und schiebt das Geld zwischen die Seiten.
Kurz überlege ich, ob ich ihm anbieten soll, dass ich, wenn er mir zwei Hunderter zurückgibt, gleich gehe. Aber das steht sich nicht dafür, aber so einfach will ich es ihm auch nicht machen und bestehe darauf, dass er die 500 Dollar in seinem Bericht erwähnt. Dann gehe ich zurück zum Auto.
„God bless you!“ ruft er mir nach. Das glaub ich!
Die nächsten Kilometer ärgere ich mich noch, auf so einen blöden Fehler hereingefallen zu sein, dass wir nicht weiter auf die Straße achten. Nach einer Zeit wundere ich mich aber, dass das Navi die nächsten 201 km geradeaus zeigt, eigentlich sollten wir ja irgendwann auf unsere erste Pad kommen.
Nun ja, wir haben Windhoek auf der B1 statt auf der B6 verlassen und fahren auf dem schnellsten Weg nach Süden. Eine Änderung auf unsere geplante Route würde uns eine Stunde Fahrzeit kosten, das wollen wir auch nicht riskieren, da wir heute ja bereits später als geplant weggekommen sind.
Das gibt Christa auch gleich die Möglichkeit sich hinter das Steuer zu setzen, solange wir noch auf Asphalt fahren.
25 km vor der Bagatelle Kalahari Game Ranch wechseln wir dann auf die erste Pad. Dazu setze ich mich aber wieder ans Steuer, zuvor müssen wir zwei Mädls aber dringend vor‘s Auto...
Mit der Zeit wird der Sand rechts und links der Straße immer röter.
Nach dem Tor zur Ranch geht es dann auf Tiefsand weiter, da schalten wir den Vierradantrieb dazu.
Auf der Ranch werden wir sehr herzlich begrüßt und nach dem Check in führt uns ein Angestellter zu unseren beiden Dune Lodges. Ich breche mir beim Schließen der Seitenfenster den linken Daumennagel (Gelnägel, es floss kein Blut).
Das kann unsere Freude über die wunderschönen Lodges auch nicht trüben, wir sind total begeistert! Christa hat Nr. 1 und wir sind in der Lodge Nr. 4.
Wir sehen direkt auf das Wasserloch, bei dem sich Springböcke und ein Gnu laben. Auch ein Strauß bedient sich aus einem Kübel.

Ausblick aus unserer Dune Lode

Strauß
Die Zeit bis zum Game Drive nutzen wir für den ersten Drohnenflug. Dafür holen wir uns das OK bei der Rezeption.
Karsten starten gleich von der Veranda und überfliegt die Dünen und die Lodges. Dann steuert er die Drohne wieder unter das giebelförmige Dach und landet sicher auf der Veranda.

Bagatelle Kalahari Game Ranch
Kurze Zeit später kommt ein Angestellter mit dem Jeep vorbei und sagt, dass wir die Drohne weiter weg von den Lodges starten sollen.
Das waren sicher unsere Nachbarn, die sich hier aufgeregt haben. Dabei stehen die Lodges eh weit auseinander.
Um 16 Uhr starten wir den Combination Drive. Unser Fahrer heißt Felix und wir haben eine exklusive Tour nur für uns drei, das ist fein!
Felix fährt uns durch die Kalahari und sieht mit Aderaugen Tiere, die ich nicht einmal erkenne, wenn er direkt hinzeigt. Zum Glück kommen wir den Tieren doch so nahe, dass unsere Kameras ordentlich zu tun bekommen: Kudus, Gnus, Springböcke, 2 Nashörner, Giraffen, Geier, Riesentrappen, Oryxe und andere Antilopenarten, ich kann mir gar nicht alles merken.

Rappenantilope

junger Springbock

Breitmaul-Nashorn

ein schöner Rücken kann auch entzücken

Giraffe, je dünkler die Flecken, umso älter ist die Giraffe

Riesentrappe

der Oryx ist das Wappentier Namibias
Wir machen im Camp eine kurze Pinkelpause und Christa rennt hoch zu den Lodges, um mein Geldbörsel zu holen. Wir können Felix ja nicht einmal ein Trinkgeld geben!
„Sehr ambitioniert“ sagt sie, als sie nach Luft ringend zurückkommt.
Im Anschluss fahren wir zur Cheetah-Fütterung. Auf der Bagatelle werden verwaiste Geparden, die allein in der Wildnis nicht überleben würden, aufgenommen. Der aus Schweden stammende Goran kümmert sich als Trainer um die Tiere.
Wir fahren in ein abgesperrtes Gehege und die ersten drei Geparden kommen auf den Ruf „Kommen“ herbei geschlendert und werden mit rohen Fleischstücken in einer großen Schale gefüttert. Da es sich noch um relativ junge Tiere handelt, dürfen wir nicht aus dem Jeep aussteigen.

Gepard



Bei den zwei älteren Tieren können wir sogar auf Tuchfühlung gehen und sie beim Fressen streicheln. Das tun wir den Tieren nicht an und verzichten freiwillig!
Der letzte Punkt des Combination Drives ist der Sundowner auf einer nahegelegenen Düne. Ich nehme mir ein Fanta, nachdem mir gestern das Savanna Light gar nicht geschmeckt hat.
Goran hat es angekündigt: sein bester Freund hat neben ihm im Auto Platz genommen und genießt die Aufmerksamkeit der fotografierenden Leute. Schließlich sieht man nicht jeden Tag einen Geparden am Beifahrersitz!

Gepard am Beifahrersitz
Es werden verschiedene Getränke angeboten und am Tisch steht eine Schale mit Chips, Nüssen und Billtong. Dieser Billtong schaut wesentlich trockener aus, als der, den wir in Windhoek gekauft haben. Er schmeckt auch viel besser und ist dem Beef Jerky sehr ähnlich.

der erste Sundowner

ein wunderbares Ende eines tollen Tages
Christa‘s Einsatz war umsonst, denn zurück auf der Ranch steigt Felix aus, bedankt sich herzlich und zieht von dannen. Die Leute im Jeep neben uns klatschen ihrem Fahrer etwas - Deutsche halt!
Jetzt sind wir schon etwas geschlaucht und gehen gleich zum Nachtmahl, das unter einem gewaltigen Sternenhimmel eingenommen wird. Es gibt Springbock-Carpaccio und danach Buffet.
Am Weg zu den Dune Lodges nehmen wir einen falschen Weg und müssen in der Dunkelheit - Karsten leuchtet uns mit dem Handy den Weg - durch den knöcheltiefen Sand querfeldein gehen.
Es dauert ewig, bis heißes Wasser aus der Dusche kommt und dann setze ich das halbe Badezimmer inklusive meines halben Necessaires unter Wasser, weil der Duschkopf das Wasser in alle Richtungen verteilt und es keine Duschwand gibt.

Bagatelle Kalahari Game Ranch
Dienstag, 3. September
Um 5 Uhr brüllt Karstens Handy los. Er will den Sonnenaufgang fotografieren - blöd, wenn der erst um 7 Uhr ist. Aber zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass wir auf der Bagatelle so gut wie kein Netz und WLAN haben.
Ich kann nicht mehr einschlafen, denn mir ist gerade eingefallen, dass wir heute in the middle of nowhere fahren und das Auto tanken müssen. Zum Glück habe ich eine Karten-App geladen, die auch offline funktioniert. Die nächste Tankstelle ist in Mariental, das ist zwar nicht in unserer Richtung, aber nur 22 km hin und zurück Umweg. Das beruhigt mich.
Um halb sieben geht mein Wecker am iPad, Zeit zum Aufstehen. Es ist furchtbar kalt und der Wasserhahn gibt nur kaltes Wasser aus. Wenigstens bin ich jetzt munter!
Um sieben schleppen wir zum Sonnenaufgang unser Gepäck den steilen Zufahrtsweg hinunter. Auf halbem Weg kommt uns ein Wagen entgegen, die beiden Angestellten bringen die Koffer damit bis zum Auto.

gegen den Staub hilft hoffentlich die Decke der Ethiopian Airlines
Beim Auschecken frage ich nach einer Tankstelle in Richtung C15 und erfahre, dass es in Stampried eine gibt. Das ist schön, da sparen wir etwas Zeit.
Auf der C15 packen wir die Drohne aus und machen ein paar Aufnahmen mit dem fahrenden Auto. Das ist gar nicht so einfach, weil der Verfolgermodus nicht so will wie wir wollen.

Das Navi sagt, dass wir bis zum Ziel an die 600 km fahren müssen und um 19:28 ankommen.
Nun, das glaub ich nicht so ganz.
Es muss auch dauernd eine neue Route berechnen, weil ich es immer enttäusche und nicht umdrehe...
Richtig geil wird es nach der Abzweigung zur C17: eine strahlend weiße Sandpiste zwischen roten Dünen, die noch dazu bergauf und bergab geht wie auf einer Achterbahn!
Da hat sich der Umweg wirklich gelohnt.

auf der C17
Es ist auch erst kurz nach 14 Uhr, als wir bei unserem heutigen Ziel ankommen. Die Zimmer des Quivertree Forest Rest Camps erinnern frapant an unsere diversen Apertimenti in Lignano, inklusive Kachelboden und alte miefige Möbel. Mir scheint sogar, dass der Geruch derselbe ist.
Es ist sehr heiß und wir haben keine Lust auf den Giant‘s Playground, eine Ansammlung von scheinbar willkürlich aneinander gestapelten Steinen, an denen wir beim Herfahren vorbei gefahren sind. Auch der Pool ist wenig einladend, das Wasser hat eine graugrüne Farbe, drumherum sind hölzerne Liegestühle und Felsplatten drapiert. Mit den scheußlichen Plastikiglus im Hintergrund erinnert das Szenario an die Feuersteins.
Unsere beiden Zimmer sind im Haus B, das aus einem Aufenthaltsraum und vier Zimmern besteht. Wir knotzen im Vorraum herum und wechseln später zum Poolbereich. Es leben jede Menge Hunde im Camp und einer kommt vorbei und holt sich von Karsten und Christa Streicheleinheiten ab. Ich verzichte, da das Fell total verdreckt ist und sogar Fleischreste enthält. Armes Tier, dir würde ein Bad sicher guttun!
So grauslich diese Kaschemme auch ist, sie hat doch einen großen Vorteil: der Quiver Tree Forest ist nur ein paar hundert Meter entfernt.
Wir fahren vor Sonnenuntergang zum 800 m entfernten Parkplatz und finden jede Menge herrlicher Fotomotive. Der Quivertree oder Köcherbaum ist aus ganz leichtem Holz und die Äste wurde von den Ureinwohnern als Köcher verwendet.

Quiver Tree Forest









Um sieben Uhr gibt es Dinner. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen eine Art Champignonschnitzel mit Bratkartoffeln, Gemüse und Salate. Als Nachspeise einen besoffenen Schokoladenkuchen. Die Besitzerin spricht deutsch mit uns und ist mäßig freundlich. Wir teilen ihr mit, dass wir in der Nacht zum Fotografieren noch einmal raus wollen, das kostet wieder 300 Dollar pro Person.
Die Gelegenheit zur Sternenfotografie mit einem Köcherbaum wollen wir uns nicht entgehen lassen und so fahren wir um halb neun zurück zum Parkplatz. Zum Glück kennt sich Christa im Finstern aus, ich hätte dort wahrscheinlich nicht mehr hingefunden.
Dann stapfen wir mit unseren Stirnlampen zu den Quiver Trees und schauen, wo wir unsere Stative am besten aufbauen. Obwohl wir eine Mondsichel am Himmel haben, was für die Sternenfotografie eher von Nachteil ist, gelingen uns mit Karstens Hilfe - ich merk mir ja keine Einstellungen - ganz tolle Fotos mit der Milchstraße.


Ich fühle ein Rumpeln im Gedärm und will mit dem Auto schnell zurück ins Camp, um auf‘s Klo zu gehen. Leichter gesagt als getan, denn dort existieren keine Straßen, alles ist irgendwie eine große hügelige Fläche und im Scheinwerferlicht verfahre ich mich sofort. Plötzlich sehe ich eine Toilette, die wahrscheinlich zum Campingplatz gehört.
Nach getaner Arbeit will ich nun zurück zum Eingang, wo Karsten und Christa am Fotografieren sind. Wenn ich denn nur wüsste, in welcher Richtung das war!
Dann wird es ganz entrisch. Ich kurve mit dem Riesenkübel in der finsteren Gegend herum, das Fernlicht ist mir zu wenig, um mich zu orientieren. Oftmals muss ich wenden, weil es nicht mehr weiter geht. Längst habe ich alle Orientierungspunkte - so es denn welche gab - aus den Augen verloren.
Als letzte Rettung nehme ich das Navi und möchte mich zurück zum Camp leiten lassen. Gerade als ich wende, sehe ich plötzlich des weiße Schild des Einganges. Gott sei Dank!
Doch zu früh gefreut, das ist zwar ein Eingang, aber nicht der, wo ich Karsten und Christa zurückgelassen habe. Ich rufe zweimal laut, doch keine Antwort.
Ich gehe zum Auto zurück, da sehe ich zwei weiße Punkte auf mich zukommen. Ich hoffe, dass die beiden mir sagen können, wo der richtige Eingang ist.
Doch zu meiner großen Erleichterung sind es Karsten und Christa, die sich fürchterlich abhauen, weil ich sie nicht mehr gefunden habe.
Mir ist es egal, ich bin nur heilfroh, dass wir jetzt zurück ins Camp fahren können.
Mittwoch, 4. September
Nach dem Frühstück taut unsere Gastgeberin auf und wir erfahren einige Infos, die uns bei unserer nächsten Begegnung mit einem Buschräuber, äh Polizisten hoffentlich dienlich sind.
Wir fahren in Keetmanshoop in eine Mall. Mir blüht eine Fieberblase und Christa und Karsten brauchen ein Nasenspray, weil sie wegen der trockenen Luft beleidigte Schleimhäute haben.
Hier gibt es auch Biltong, so wie wir ihn uns vorstellen.
Dann heben ich noch mit der Mastercard 1000,00 Dollar ab.
Die DKB hat mir geantwortet, ich hätte mein VISA Konto mit den versuchten Abbuchungen überzogen. Da ich lediglich 80 Euro abgehoben habe, frage ich mich, wo hoch der Kreditkartenrahmen wohl ist.
Außerdem habe ich genau das im Vorfeld zu eruieren versucht und da wurde mir mitgeteilt, dass es ok ist, wenn ich genug am Girokonto habe.
Jetzt muss ich das Guthaben des Girokontos auf mein VISA Konto überweisen, dann kann ich die VISA Karte wieder verwenden.
Momentan scheitert das noch an der nicht vorhandenen Internetverbindung. Spätestens in Lüderitz sollte das klappen.
Karsten gibt als Endziel das Canyon Roadhouse ein und unser Navi schickt uns 398 km auf die Reise. Eigentlich sind es 145 km und nachdem ich ein paar Mal die Anweisungen missachtet habe, sind es plötzlich an die 500 km. Mir fällt ein, dass wir möglicherweise in den Einstellungen „keine unbefestigten Straßen“ angegeben haben. Bingo, das war des Rätsels Lösung!
Die C12 fährt sich glatt wie eine asphaltierte Straße, ich muss aufpassen, dass ich die erlaubten 80 kmh nicht ständig überschreite.
Wir machen beim Canyon Farm Yard halt, trinken Kaffee und kosten den „besten Apfelstrudel Namibias“.
Die beiden Besitzer sind sehr nett und wir plaudern lange. Der Apfelstrudel ist eher ein Apfelkuchen, schmeckt aber sehr gut. Der normale Apfelstrudel, wie wir ihn kennen, ist den Leuten zu trocken, sagt der Besitzer.
Eigentlich ist er Farmer, ihm gehört das ganze Land rundherum. Doch die seit 5 Jahren anhaltende Dürre hat ihn gezwungen, all sein Vieh zu verkaufen. Er hat Glück, dass die C12 durch sein Land geht und das Café ganz gut läuft.
Das ganze Gelände ist mit vielen rostigen Autos und anderem Schnickschnack dekoriert, das gibt schöne Fotomotive.

zur groben Orientierung - Canyon Farm Yard

Canyon Farm Yard

Canyon Farm Yard
Bei einer Eisenbahnbrücke machen wir noch einen Stopp. Es ist brütend heiß und wir klettern den Bahndamm hoch. Da die einzige Eisenbahn heute schon gefahren ist (eine Lok und ein Waggon), brauchen wir auf den Verkehr nicht zu achten.



an der Eisenbahnbrücke kommt auch meine Glaskugel das erste Mal zum Einsatz
Eine halbe Stunde später treffen wir im Canyon Roadhouse ein, wo wir heute Station machen.
Das ist ein sehr origineller Platz mit vielen rostigen Oldtimern und viel Deko zum Thema Auto.
Karsten tut so, als wäre er not amused, dass wir im Zimmer gleich zwei deutsche Autokennzeichen an der Wand hängen haben. Aber die Zimmer sind sehr schön mit viel Platz.
Als wir um die Koffer gehen, sehe ich den Poolbereich, den müssen wir gleich inspizieren. Ich gleich vorneweg und dann passiert es: ich rutsche auf den extrem glatten Stufenkanten aus und knalle mit dem linken Schienbein voll gegen die Kante. Blut fließt!
Ich werde von Christa mit einem Taschentuch erstversorgt und sie sagt: „Genau deshalb wollte ich mitfahren, um zu sehen, ob euch solche Sachen wirklich passieren!“
Ich tupfe das Blut ab, schnaufe tief durch und dann gehen wir die Koffer holen.
Da ich mir die Wunde schlecht im Waschbecken auswaschen kann, stelle ich mich gleich unter die Dusche. Blöd ist nur, dass wir nur zwei kleine Handtücher im Zimmer haben. Karsten geht zur Rezeption, um Badetücher zu holen.
Er kommt aber gleich wieder zurück: „Da steht ein Oryx vor der Tür!“
Tatsächlich laufen auf dem Gelände Oryxe herum und grasen gleich neben den Zimmern.
Das freut mich natürlich sehr - unter der Dusche ohne Handtuch.

„Da steht ein Oryx vor der Tür!“

Nachdem ich mit einem großen Pflaster verarztet bin schauen wir uns mit der Kamera ein wenig um. Der Oryx hat sich leider verzogen, aber er wird schon wieder einmal kommen.

Canyon Roadhouse


Am Pool bläst es uns fast von den Betten, offenbar kommt ein Sturm auf. Der Himmel ist auch schon ganz zugezogen. Wir setzten uns auf die Veranda zwischen unseren beiden Zimmern.
Um halb fünf fahren wir schließlich zum View Point des Fish River Canyons. Auf einen Sonnenuntergang brauchen wir heute nicht zu hoffen.
In Hobas werden wir registriert und zahlen zu dritt 250 Dollar Eintritt.
Ab hier geht es eine Waschbrettpiste bis zum Rand des Canyons. Bei den erlaubten 60 kmh rüttelt es uns ganz schön durch.
Der Canyon ist schon beeindruckend, leider durch die Bewölkung nicht sehr farbenfroh.
Zurück fahre ich durch die Bank 80 kmh, das ist wesentlich angenehmer.

Fish River Canyon

Glanzstar
Zum Abendessen bedient uns Ferdinand, ein sehr sympathischer Schwarzer, wie man dem Namen nach nicht gleich vermuten würde.
Nach dem Essen unterhalten uns die Kellner mit ein paar Gesangseinlagen. In Wien würde das bei weitem nicht so gut klingen wie hier.
Den Rest des Abends verbringen wir mit der Diskussion, wie man den Ferdinand politisch korrekt beschreibt. Wir einigen uns darauf, dass er kein Weißer ist.
Donnerstag, 5. September
6:30 Tagwache. Das ist. aber nicht schlimm, weil wir gestern schon um halb neun ins Bett sind.
Meine Verletzung ist am Verheilen, ich brauche nur noch ein kleines Pflaster, die gestrigen Zwei waren ja noch blutdurchtränkt.
Nach dem ausgezeichneten Frühstück fahren wir zwanzig nach acht los. Vor der heutigen Etappe hatte ich ein wenig Spundus vor den Pads, ich habe auch im Vorfeld relativ wenige Erfahrungsberichte über die südliche Verbindung nach Aus gefunden.
Zunächst fahren wir die gleiche Strecke wie gestern Abend und fahren bei Hobas auf der C37 weiter nach Ai-ais. Die heißen Quellen wollen wir fotografisch am Weg mitnehmen.
Nach einer holprigen Anfahrt auf der C10 kommen wir zu einer Registrierstelle. Ein schmächtiges Bürscherl, den ein viel zu großer Anzug umschlottert, kommt auf die Fahrerseite. Der Schreibblock, in dem meine Daten aufgenommen werden, ist fast größer als er selbst.
Offenbar kostet der Besuch von Ai-ais etwas, wir dürfen passieren und bei der Rezeption bezahlen.
Wir schauen uns am Parkplatz um, da ist nichts, was besonders fotogen wäre. Christa muss auf die Toilette und ich gehe mit ihr zu Rezeption. Ohne die nette Dame oder ihre Arbeitsstelle beleidigen zu wollen, frage ich, ob es denn hier mehr gibt, als das, was wir sehen.
Gibt es nicht, und wenn wir nicht länger als 20 Minuten verweilen, brauchen wir auch nichts zu bezahlen.
Also fahren wir gleich wieder zurück, wo wir wieder auf den Strich in der Landschaft treffen. Wieder muss ich meine Daten in ein Buch eintragen und dann sagt er, dass er 25 Dollar pro Person bekommt! „For what?“ frage ich ihn und kläre ihn über die 20 Minuten Regel auf. Ok, dann kann ich weiterfahren. Früh übt sich, was ein Buschräuber werden will!
Auf der C37 fahren wir Richtung Oranje River, der die Grenze zu Südafrika bildet. Der Oranje führt erstaunlich viel Wasser, eine Wohltat nach dem dürren Land bisher.
All meine Sorgen waren völlig unbegründet, denn die C13 läßt sich wunderbar fahren und die Landschaft ist sehr wechselhaft. Christa leidet am Rücksitz etwas, denn zeitweise gleich die Pad einer Hoch- und Talbahn. Mir taugt’s natürlich sehr!


am Oranje River
Um 12 Uhr kommen wir in Rosh Pinah an. Die Benzinuhr zeigt Halbzeit, bis Aus sind es noch gute 170 km, also tanken wir unser Auto voll. Sicher ist sicher.
Als es ans Zahlen kommt, funktioniert meine Mastercard nicht, auch Karsten‘s Mastercard nimmt das Gerät nicht an. Mit der Diners brauch ich gar nicht kommen.
Das ist blöd, denn auch heute morgen beim Auschecken wurde die Mastercard abgelehnt und ich hab den größten Teil meiner Barschaft im Roadhouse gelassen.
Aber es gibt ja einen Geldautomaten an der Tankstelle. Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen, denke ich und will gleich 3.000 Dollar abheben. Leider darf ich nicht mehr als 2.000 Dollar abheben, aber das klappt problemlos. Als gleich noch einmal und mit 4.000 Dollar Bargeld gehe ich zurück zur Zapfsäule. Dort hat die Angestellte in der Zwischenzeit die Batterien aus dem Gerät genommen und wieder reingetan - jetzt funktioniert auch meine Mastercard wieder!
Ab Rosh Pinah ist die C13 asphaltiert und die Strecke zieht sich. Da hilft ein laut mitgesungenes „Bohemian Rhapsody“ inklusive Headbangen, da bin ich gleich wieder munter!
Wir fahren an unserer heutigen Unterkunft vorbei und besuchen die Desert Horses in Garub. Mitten im Nichts gibt es eine große Tränke für die wildlebende Pferde. Für die Besucher wurde ein schattenspendender Unterstand gebaut.

Garub Desert Horses



An die 30 Pferde stehen mehr oder weniger regungslos in der prallen Sonne, einige nutzen den Schatten des Unterstandes. Weit und breit ist sonst kein schattenspendender Baum zu sehen. Wahrscheinlich werden die erst am Abend aktiv.
Angesichts der wüsten Landschaft fragt man sich instinktiv, wovon diese Tiere leben. Sie schauen aber recht gut genährt aus.
Dann geht es zurück ins Desert Inn. Dort checken wir für unser Chalet im Eagle’s Nest ein und erhalten unser Braai-Paket und den Frühstückskorb für morgen.
So ausgerüstet fahren wir die letzten 7 Kilometer zum Eagle’s Nest und unserem Chalet „The Rock“.
Das Steinhaus ist direkt an einen Felsen gebaut, der aus einen Großteil des Innenraumes einnimmt. Karsten beäugt skeptisch die Einrichtung, er befürchtet krabbelnde Eindringlinge.
Christa liest im Gästebuch, das es hier wohl auch eine Maus gibt und ist auch ganz froh, dass wir heute zu dritt hier nächtigen.

Eagle's Nest Chalets - The Rock


Zum Haus gehört auch eine Terrasse mit Weitblick, hier relaxen wir bei Antipasti bis uns die tiefstehende Sonne vertreibt.
Jetzt ist es sowieso Zeit, sich um das Grillfeuer zu kümmern. Karsten liest sich die Anleitung genau durch, schlichtet dünnes Holz pyramidenförmig über die Brandbeschleuniger und bald lodert ein lustiges Feuer. Es lodert ziemlich wild, weil der Wind so toll durch die Steinlandschaft um uns bläst.
„Bind‘ dir bitte die Haare zusammen, ich hab Angst, dass sie zu brennen beginnen!“ sagt Christa und holt Karsten ein Haarband.

Vielleicht wäre es besser, wenn der Griller in einer windstilleren Ecke stünde. Todesmutig werfe ich mich den züngelnden Flammen entgegen und ziehe den schweren gusseisernen Griller an den Beinen aus dem Windkanal. Dadurch zieht der Rauch auch nicht mehr direkt durch die Hintertür in unser Haus. Jetzt wissen wir auch, warum es drinnen so rustikal riecht.

Nach einer Stunde haben wir eine schöne Glut und packen die vielen Grillgüter aus dem mitgebrachten Paket auf den Rost. Es gibt Boerwors, Oryx und Rind, Chickenroll, verschiedene Gemüse, Sweet Potato und noch vieles mehr. Das meiste lassen wir in der eingewickelten Folie, doch die Wurst und das Fleisch legen wir direkt auf das angekokelte Gitter. Die Erdäpfel schmeiße ich direkt mit der Folie in die Glut.
Während alles vor sich hin grillt machen wir ein paar stimmige Abendaufnahmen in der Goldenen Stunde. Es gibt nicht viele Kontrastpunkte in der weiten Landschaft, da ist ein vorbeifahrender Zug eine gute Gelegenheit. Der Sonnenuntergang ist schön anzusehen, fotografisch sind wir nicht zufrieden, da wird die Postproduktion hoffentlich noch etwas rausholen.

Eagle's Nest Chalets - The Rock

Blick von unserer Terrasse

Christa kümmert sich um den Salat und bald setzten wir uns zum Essen.
Am Teller herrscht ein rechtes Chaos, es ist viel zu viel und wir essen auch nicht alles zusammen.
Es ist alles ganz gut, beim nächsten Mal lassen wir uns aber wieder lieber bekochen.
Freitag, 6. September
Um 3 Uhr morgens werde ich von leisem Fußgetrappel und Geraschel geweckt. Wir sind nicht allein im Haus. Ich hoffe nur, dass uns die kleine Maus nicht die Kabeln anknabbert und versuche, das Rascheln zu ignorieren. Auch am Hausdach tapst hie und da etwas. Das werden die Paviane sein, vor denen wir gewarnt wurden. Die sind mitunter ziemlich neugierig. Wenig später ist es wieder still, doch ich bin munter.
Da hilft nur eines: Candy Crush Soda spielen, da schlafe ich garantiert bald ein. Ich muss nur aufpassen, dass mir das iPad dabei nicht auf den Steinboden kracht, das könnt‘ schmerzen!
Etwa zwei Stunden später sind wir dann alle drei munter, weil es wieder ziemlich laut raschelt. Karsten leuchtet mit der Handy-Taschenlampe auf unser Essenssackerl und sieht noch das Hinterteil und den Schwanz von der Maus, bevor sie sich rasch verzieht.
Wenn er schon mal auf ist, kann er auch gleich auf‘s Klo, nicht aber, ohne vorher alles genauestens auszuleuchten, um keine bösen Überraschungen zu erleben.
Dann hängt er das Sackerl mit unseren Snacks auf’s Klo und legt einen Tuc Cracker in mehreren Teilen auf den Boden. Der Plan ist, dass die Maus sich den Keks nimmt und in ihr Versteck verschwindet.
In der Früh ist ein Teil des Crackers tatsächlich nicht mehr da, den Rest schmeißen wir in den Mist.
Beim Frühstück bemerken wir, dass wir kein Brot mitbekommen haben. Verhungern werden wir trotzdem nicht, es gibt Speck, Eier, Müsli und Joghurt. Nur die Wurst, den Käse und die Marmelade lassen wir größtenteils über.

Frühstück im Eagle's Nest Chalet
Beim Auschecken mache ich auf diesen Umstand aufmerksam. Oje, das Brot wurde vergessen!
Ob wir stattdessen ein Sandwich wollen?
Wollen wir nicht, aber vielleicht einen kleinen Abzug von der Rechnung? Das war nur gedacht, nicht ausgesprochen.
Nun, sie nimmt hin, dass wir nichts wollen und verrechnet die volle Wäsch‘.
Nachdem ich bezahlt habe, bemerkt sie, dass die Grillanzünder nicht auf der Rechnung waren, sie würde noch 35 Dollar bekommen.
Da schlage ich ihr freundlich lächelnd vor, dass sie das gegen das nicht erhaltene Brot gegenrechnet.
So machen wir einen Deal und jeder ist happy!

Skulptur vor dem Desert Horse Inn
Die B4 nach Lüderitz ist sehr eintönig, man schreckt sich direkt, wenn einmal ein Kurve kommt.
119 km sind es bis Kolmanskop, morgen darf Christa die Strecke zurückfahren.
Kolmanskop ist eine Geisterstadt. Hier wurde bis 1930 Diamanten abgebaut. Danach ist die Stadt mehr und mehr verfallen und der Sand ist in die Häuser eingezogen.
Es ist brütend heiß, als wir um halb elf aus dem Auto steigen. Mit Hut, Wasserflasche und Fotoapparat stapfen wir in das Haupthaus, wo die Führungen starten.
Wir haben eine deutsche Führung, Gisela aus Lüderitz erzählt uns die Geschichte der Stadt und zeigt, welche Häuser sicher sind und welche man eher nicht betreten soll.

Kolmanskop







der Klassiker!



Es ist jedesmal eine Wohltat, wenn wir in ein Haus gehen, denn die Hitze bringt mich um. Da nutzt auch die streife Brise nicht, da fliegt mir höchstens der Hut weg.
Nach der Führung haben wir noch eine gute Stunde Zeit zum Fotografieren, danach wird Kolmanskop dichtgemacht.
Schweißgebadet kommen wir nach Lüderitz, wo wir heute im Nest Hotel schlafen. Unsere beiden Zimmer sind nebeneinander und wir haben eine Zwischentür. Das ist nett und praktisch.
Unser Blick geht in eine kleine Bucht, die Brandung wird uns heute in den Schlaf wiegen.

Lüderitz, Nest Hotel
Sofort stelle ich mich unter die Dusche, beim Ausziehen der Socken setze ich ein kleines Sandhäufchen auf den Teppich.
Jetzt ist einmal relaxen angesagt, die Internetverbindung ist zwar nicht die beste, aber wir können unsere Accounts aktualisieren. In den letzten Tagen konnte ich meistens nur schnell den Reisebericht hochladen, dann war schon wieder Ende.
Gegen halb vier fahren wir zum Díaz Point. Dort ist es extrem windig und eher unaufregend. Am Heimweg bleiben wir zweimal bei Flamingos stehen, aber die Schisser laufen vor uns davon.
In Lüderitz gehen wir noch in den SPAR, um unsere Vorräte aufzufüllen. Auch zur Felsenkirche fahren wir hoch, keine Ahnung, wo eine Aufnahme gemacht werden kann, wo die Kirche von oberhalb fotografiert wird. Wir befinden das aber auch nicht wichtig, überhaupt finden wir an Lüderitz nichts fotogenes.

Felsenkirche in Lüderitz
Also fahren wir wieder zurück ins Hotel. Dort gelingt es uns endlich, mein VISA Konto aufzufüllen. Jetzt kann ich die Karte gleich beim Abendessen einsetzen.
Wir gehen ins Barrel‘s. Dort essen wir Kingklip, ein heimischer Fisch und Erdäpfelsalat. Wir müssen sehr lange auf’s Essen warten, aber alles schmeckt ganz ausgezeichnet. Das Publikum isst Eisbein mit Sauerkraut und johlt zu Wolfgang Petry. Wir verlassen das Lokal, bevor sie vielleicht mit einer Polonäse anfangen und fahren zurück ins Hotel.
Es ist richtig frisch geworden, der arme Parkboy friert und freut sich über 10 Dollar.
Samstag, 7. September
Bei den Semmeln steht ein Schild: Brötchen zum Mitnehmen $ 35.00. Da steigen wohl viele Deutsche ab...
In Lüderitz tanken wir den Wagen voll, heute geht es über 350 km bis zum Duwisib Castle.
Plötzlich wuseln fünf Burschen um unser Auto herum, einer tankt, zwei putzen die Scheiben, einer füllt die Reifen auf 2 Bar auf und einer bedient das Kartenlesegerät. Letzteres verweigert aber die Verbindung und ich zahle bar.
Dann besorge ich mir noch in der Pharmacy einen Nasenspray, die trockene Luft macht auch mir arg zu schaffen und Karsten mag seinen nicht mit mir teilen. Einen farblosen Nagellack bekomme hier auch nicht, ich hoffe, dass der Daumennagel auch so hält.
Zum Schluss hebe bei der Bank nebenan 4.000 Dollar ab. Alles mit der Visa, die endlich zu gebrauchen ist.
Ich war wohl etwas lange weg, denn Karsten geht mich schon in der Pharmacy suchen.
Den ersten Teil heute fährt Christa. Es sind sehr viele Trucks von Lüderitz aus unterwegs. Zum Glück ist die Straße so gerade, dass man am Mittwoch schon sieht, wer am Sonntag zu Besuch kommt.
Nach Aus wechselt sie auf die C13, ihre erste Gravelroad oder Pad, wie die unbefestigten Straßen in Namibia genannt werden.
Sie schlägt sich tapfer und nach 50 Kilometern erlöse ich sie und übernehme wieder das Steuer.
Ein paar Kilometer weiter geht es auf der D707 weiter. Diese Strecke durch das Namib Rand Nature Reserve soll ja eine der reizvollsten Strecken in Namibia sein. Gleich zu Beginn sehen wir ein Auto auf der Seite, ein Paar im mittleren Alter sind gerade dabei, einen Reifen zu wechseln. Ich halte und Karsten fragt, ob sie Hilfe brauchen. Sie schaffen es allein und wir fahren weiter.
Die Landschaft ist tatsächlich recht ansprechend, rote dünenartige Berge sind rechts des Weges zu bewundern. Wir sind zu bequem, um auszusteigen und Fotos zu machen, deshalb existieren sie nur in unserer Erinnerung.
Auf einmal wird die Straße sehr sandig, ich kann das Auto aber sanft abbremsen. Trotz verminderter Geschwindigkeit schwimmt der Wagen leicht hin und her. Zu langsam möchte ich aber auch nicht fahren, denn da beutelt‘s uns auf der Wellblechpiste ganz schön durch.
Der mächtige Wagen fährt wie auf Schienen, doch nicht so, wie ich will!
Er fährt geradeaus, obwohl ich das Lenkrad stark eingeschlagen halte. Zum Glück ist die Fahrbahn sehr breit, da habe ich Platz zum Korrigieren, wenn sich‘s anders überlegt.
Whoa! Plötzlich schießt der Wagen auf die Böschung zu - ich muss gleich zweimal gegensteuern, das war knapp!
Das ist mir dann doch ein bissl zu viel Abenteuer!
Zu unserer aller Erleichterung wird die Straße nach ein paar Minuten wieder geröllartiger, dafür scheppert der Wagen, dass man glauben kann, er bricht gleich auseinander.
Mein Mantra in diesen Situationen: Dafür wurde dieser Wagen gemacht, dafür wurde dieser Wagen gemacht, dafür wurde dieser Wagen gemacht....
Es folgen alle paar Kilometer tiefsandige Stellen, ich schalte den 4L dazu und wieder weg - dazu muss ich jedes Mal den Wagen anhalten - hoffentlich bleiben wir nicht stecken!
Bei der nächsten strandartigen Stelle schalten wir sogar die Differentialsperre dazu, da komm ich ganz schwer von der Stelle und fürchte schon, dass der mir der Motor absäuft. Erst im dritten Gang und bei 35 kmh hab ich das Gefühl, dass was weitergeht.
Alles in allem kein Vergnügen, so zu fahren. Obwohl gegen Ende der D707 die roten Dünen schön anzusehen sind, ist die Gegend ist jetzt für uns nicht so toll, dass man deswegen einen Umweg fährt. Aber die Zeit, die Google Maps vorgegeben hat, haben wir 1:1 eingehalten.
Um 14:30 kommen wir beim Duwisib Castle an. Ich fahre zur Rezeption des Guesthouses, weil man sich dort anmelden muss. Wie sich herausstellt, habe ich gar nicht für das Castle selbst gebucht, sondern für das Guesthouse. Da aber noch nichts bezahlt ist, dürfen wir gerne auch im Castle wohnen, obwohl die beiden nicht zusammengehören.
Also fahren wir die paar Meter zum Castle und schauen uns dort die Zimmer an. Die sind sehr düster und burgartig eingerichtet. Karsten und ich täten sie schon gefallen aber Christa hat ein ernsthaftes Problem damit. Sie findet ihr Zimmer ganz furchtbar, würde aber trotzdem bleiben, wenn wir wollen.
Deshalb fahren wir wieder zurück zum Gästehaus und schauen uns auch diese Zimmer an. Dann bleiben wir dort.

Duwisib Castle

Am Pool stecke ich kurz die Zehen ins Wasser - brr, viel zu kalt!
Karsten sieht das sportlich und springt kopfüber hinein. Ich halte diese Mutprobe auf einem Video fest.

Karsten hat sich ein Stammestattoo machen lassen 😄
Dann setzen wir uns näher zur Rezeption, weil es nur dort eine Verbindung mit dem Internet gibt. Christa ist in Sorge, weil Phoebe bei ihrer Gastfamilie vor ein paar Tagen Durchfall hatte. Durch die schlechten Internetverbindungen der letzten Tage, wußte sie nicht, wie es der armen Maus geht.
Jetzt kommt die Entwarnung und wir verdrücken alle ein paar Tränen, weil das so sehr an ihr gezehrt hat.
Der Besitzer kommt vorbei und begrüßt uns auf deutsch. Wir erhalten die Erlaubnis, mit der Drohne zu fliegen, was wir zum Sonnenuntergang auch machen.
Um 7 Uhr gibt es Abendessen, das der Hausherr selbst serviert und auch mit uns einnimmt.
Es gibt namibische Hausmannskost: Oryxgulasch und Bobotie, ein Auflauf aus faschiertem Oryx. Dazu gibt es Reis, Erdäpfel, Karotten und Salat.
Als Nachspeise gibt es Vanillepudding, da muss Karsten den Lars holen, der schon seit Tagen danach lechzt.
Zur Erklärung: wir reisen in Gesellschaft von einigen Stoffelchen und einem Panther, die alle Namen und einen eigenen Charakter haben. Also nicht wundern, wenn plötzlich Namen wie Lars, Nikki oder Paul auftauchen.


das ist Paul, er macht gerne Faxen
Die Unterhaltung mit Jochen ist sehr interessant, wir erfahren vieles über die Lebensweise in Namibia. Seine Eltern sind 1930 hierher ausgewandert und haben eine Farm in Mariental gegründet. Durch die anhaltende Dürre lebt er inzwischen von den Einnahmen des Guesthouses.
Er kommt ja nicht viel herum, ist allerdings durch seine Gäste gut informiert.
Wir kommen auf Kolmanskop zu sprechen, da ruft er etwas missbilligend aus: „Die Gisela und ihre Schlangen!“ Diese hatte uns ja vehement vor den hochgiftigen Schlangen in der Geisterstadt gewarnt.
Gesehen hat er sie noch nie, sie ist ihm aber von Erzählungen sehr bekannt.
Auch die Besitzerin des Quivertree Rast Camps ist ihm nicht fremd. Dort war er noch nie, weiß aber, dass sie alles verkaufen möchte. Das ist nicht so einfach, in Namibia muss jedes Farmland zuerst der Regierung angeboten werden, die es zu einem festgelegten Marktwert kaufen kann.
Zum Fahren mit Allrad meint er, dass der 4L auf jeder Gravelroad eingeschaltet werden soll.
Die Mietfirmen raten nur davon ab, damit der Vierradantrieb geschont wird.
Ich habe im Vorfeld in vielen Reiseberichten gelesen, dass die Namibiabesucher - insbesondre die schon öfter hier waren - Kleidungsstücke mitnehmen und hier verteilen. Daraufhin haben wir eine Hose und drei Hemden, die Karsten nicht mehr anzieht, mitgenommen. Außerdem kam das T-Shirt mit, das er von mir zum Geburtstag bekommen hat. Die Chinesen haben halt andere Grössenangaben als wir...
Wir werden unser mitgebrachtes Gewand hier lassen, seine Angestellte Belinda verteilt die Sachen an Leute, die sie brauchen können.
Um zehn Uhr verabschieden wir uns und gehen in unsere Zimmer.
Sonntag, 8. September
In der Nacht tobt ein Sturm, dass man glauben könnte, das Dach wird gleich abgetragen.
Trotzdem schlafen wir sehr gut und stehen frischfröhlich um 8 Uhr zum Frühstück bereit.
Jochen bereitet alles vor und setzt sich wieder zu uns. Wir sind ja die einzigen Gäste. Wir plaudern über eine Stunde lang angeregt. Dann bringen wir das Gewand und machen uns auf die Weiterreise.
Die C27 nach Sesriem ist eine Herausforderung. Durch den Sturm wird der Wüstensand wie Schneewehen über die Straße geweht. Zeitweise so arg, dass ich keine 5 Meter weit sehe.
Gleich zu Beginn versuchen wir es wieder mit dem Vierradantrieb, doch es ist sinnlos: es erfolgt fast keine Kraftübertragung im ersten oder zweiten Gang. Im Dritten fährt der Wagen mit 4000 Umdrehungen 50 kmh. Also schalte ich ihn wieder weg.
Vielleicht kann mir jemand in Sesriem sagen, ob das normal ist.
Andernfalls glaube ich nicht, dass ich mich so auf die 5 km lange Tiefsandpiste zum Sossusvlei traue.
Ich kämpfe mich wahrlich die Straße entlang. Der Wagen ist wie ein bockiges Pferd unter mir, es geht über so schlimme Waschbrettpisten, dass wir glauben, es zerlegt das Auto. Ich traue mich aber auch nicht schneller als 65 kmh zu fahren, weil der Wagen dann zu schlingern beginnt. Diese Fahrerei benötigt ständige Konzentration, auf die Landschaft rundherum kann ich kaum achten. Auch für den Orxy am Straßenrand habe ich kaum ein Auge. Ich bin über jeden Kilometer froh, der halbwegs „normal“ zu fahren ist.
Die letzten 4,7 Kilometer von Sesriem zum Desert Quiver Camp toppen dann noch alles. Das freut mich ganz besonders, denn diese knapp 5 km müssen wir jedesmal überwinden, wenn wir zum Essen fahren.
Im Camp angekommen finde ich zunächst keine Rezeption, alle Tents schauen gleich aus. Zum Glück haben wir Christa mit, die sieht solche Dinge gleich und findet das Schild zur Rezeption. Beim Anmelden teilt man uns mit, dass weder Frühstück noch Abendessen im Preis inkludiert ist. Ich bin mir aber sicher, dass wir inkl. Frühstück gebucht haben, leider sind die Voucher schon einkassiert.
Wir haben die beiden letzten Häuschen, die angenehm windstill und sandlos sind. Draußen weht ein starker heißer Wind den Sand vor sich her, wie ein Haarfön auf Stufe 2.

Desert Quiver Camp
Wir richten uns ein und fahren zurück zur Rezeption, um uns zum Pool zu legen. Ich habe in der Zwischenzeit meine Mails gecheckt und die Bestätigung, dass wir das Frühstück sehr wohl dabei haben.
Wahrscheinlich hat man nur auf die eine Buchung von Christa geschaut, wo es nicht dabei ist.
Wir regeln das in der Rezeption und begeben uns zum Pool.
Karsten und ich schmeißen uns todesmutig in das 19 Grad kalte Wasser. Wenn man einmal drin ist, geht’s eigentlich.
Später kommen noch zwei Gäste, die sich neben uns legen und einen Schirmständer heran rollen.
Plötzlich hebt es den geöffneten Schirm aus dem Ständer und eine Ecke des quadratischen Schirmes knallt ein paar Zentimeter neben Christa‘s Gesicht auf den Boden!
Das hätte wirklich schlimm ausgehen können!
In Folge trauen sich die beiden Franzosen nicht mehr den Schirm zu öffnen.
Am späten Nachmittag fahren wir zum Sesriem Canyon.
Bei der Einfahrt werden wir von einem Kontrolleur aufgehalten, der uns in recht forschem Ton fragt, wo wir hinwollen. Der muss früher beim Militär gewesen sein. Dann schickt er uns zur Anmeldung, wo wir den Eintritt bezahlen dürfen.
Ich nehme gleich die Einfahrtserlaubnis für morgen mit, damit wir uns in der Früh nicht damit aufhalten müssen.
Zum Canyon sind es 4,5 km. Vom Parkplatz geht es gleich bergab in den kleinen Canyon. Der ist nicht weiter aufregend, wir gehen ihn einmal auf und ab und fotografieren. Zum Schluss erwische ich noch einen Tok Tokkie Beetle.

Sesriem Canyon




Tok Tokkie Beetle

Zurück in Sesriem frischen wir unsere Wasservorräte auf und ich lasse einen Mann von der Tankstelle kurz hinters Steuer, der mit bestätigt , dass die schwache Kraftübertragung beim Vierradantrieb normal ist.
Das Nachtmahl nehmen wir in der Sossusvlei Lodge ein. Sehr romantisch unter freiem Himmel, der Mond über uns.
Es gibt Buffet und zwar reichlich. So reichlich, dass ich eigentlich nach dem Vorspeisen satt bin. Auf einem großen Platz gibt es verschiedene Grillstationen, diesmal lasse ich das Fleisch aus und hole mir Gemüse mit Nudeln und Fleisch, das von zwei netten Damen auf der Grillplatte zubereitet wird.


Nachtmahl in der Sossusvlei Lodge
Zu meiner Schande muss ich die Hälfte davon übrig lassen, für die Nachspeisen muss auch noch Platz bleiben. Die Auswahl ist gewaltig, da kommen natürlich auch drei Stück mit und nehme noch ein paar Weintrauben von der Dekoration mit.
Nach einem Bissen und den Weintrauben muss ich w.o. geben, sonst zerreißt‘s mich noch. Die Suppe und die Semmel zu Beginn waren definitiv zu viel des Guten!
Wir wollen gehen und ich schau mich nach unserem Kellner um. Es ist überhaupt niemand vom Personal zu sehen. Da ich sonst auch niemanden zahlen gesehen habe, nehme ich an, dass das auf die Zimmernummer geht.
Wir sitzen schon im Auto und parken aus, als unser Kellner aus der Dunkelheit auftaucht und uns deutet. Ich lasse das Seitenfenster runter und frage, ob wir etwas unterschreiben müssen. Nein, aber die Rechnung bezahlen.
Herrschafts, da werden wir noch als Zechpreller in Namibia enttarnt!







































































































































































































































