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Reisebericht · namibia-forum.ch

Namibia 2019: Zwischen Spitzkoppe und Sambesi

von Beatnick · 32 Teile

Teil 102. Feb. 2020

Ihr Lieben,

seit rund drei Monaten sind wir von unserer dritten Namibia-Reise zurück. Sie hat sich in mancherlei Hinsicht anders gestaltet als zunächst gedacht (dazu später mehr), uns aber dennoch wieder sehr begeistert. Wer Lust hat, uns bei unseren Premieren an der Spitzkoppe sowie im Caprivi zu begleiten und im Etosha-Nationalpark auf die Pirsch zu gehen, ist herzlich eingeladen. Ich würde mich über virtuelle Gesellschaft sehr freuen!

Zu erwarten stehen Elefantenbegegnungen aller Art ...,

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... so viele Spitzmaul-Sichtungen wie (für uns) nie zuvor ...,

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... Landschaften, die uns nicht mehr losgelassen haben ...,

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... jede Menge Federvieh, mit meinem persönlichen Highlight fast am Ende der Reise ...,

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... einige Erstsichtungen und leider auch die viel zitierte Trockenheit, deren Ausmaß wohl erst zu begreifen ist, wenn man sie mit eigenen Augen gesehen hat.

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Bald geht es dann richtig los!

Bis dahin liebe Grüße und vorab schon einmal die Route,
Bettina

Reisedatum:
22. Oktober – 12. November 2019

22.10.2019 Immanuel Wilderness Lodge (bei Windhoek)
23./24.10. Spitzkoppen Lodge
25.10. Mowani Mountain Camp (Damaraland)
26./27.10 Grootberg Lodge (nördl. Damaraland)
28./29.10. Okaukuejo (Etosha NP)
30.10. Halali (Etosha NP)
31.10./1.11. Onguma Bush Camp (Etosha NP)
2.11. Hakusembe River Lodge (Rundu)
3./4.11. Drotskys Cabins (bei Shakawe, Botswana)
5./6.11. Camp Kwando (Kongola)
7./8.11. Zambezi Mubala Lodge
9.11. RiverDance Lodge
10.11. Ohange Lodge (Otavi)
11.11. Safari Court Hotel (Windhoek, unfreiwillig!)
12.11. Rückflug (1 Tag später als geplant)

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Teil 204. Feb. 2020

Planänderung

Mein Gehirn besteht aus lauter Töpfen. Sie sind unterschiedlich groß und ihr Fassungsvermögen variiert erheblich. Zumindest, wenn man der Theorie meines ehemaligen Mathelehrers Glauben schenken will. Der versuchte einst auf diese Weise, die unterschiedlichen Neigungen und Talente seiner Schüler plastisch zu machen, und seine Erläuterungen fielen zumindest bei mir auf äußerst fruchtbaren Boden. Demonstrierten sie doch eindrücklich meine Unschuld daran, dass ich mich in seinem Fachbereich eher schwer tat. Mein Topf für Algebra und Geometrie war einfach zu klein geraten.

Größeres Talent ist mir scheinbar bei der Entwicklung von Reiseideen gegeben. In dem entsprechenden Topf könnten die Gallier jedenfalls gut und gerne ihren Zaubertrank brauen, und er ist nicht nur groß, sondern auch stets gut gefüllt. Was ziemlich praktisch ist. Wenn Zeit und Portemonnaie es zulassen, fische ich einen bereits ausgearbeiteten Plan aus dem Bottich, mache noch einen letzten Check und gebe ihn dann an eine Agentur weiter, die die Buchungen vornimmt.

Wüstenelefant im Damaraland
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Der diesmal zielsicher geangelte Ablauf sah unsere dritte Namibia-Reise vor. Sie sollte in den Süden gehen und Altbekanntes wie das Sossusvlei mit Neuem wie dem KTP und der Spitzkoppe als nördlichstem Punkt der Tour verbinden. Ich hatte eine sehr klare Vorstellung von den Unterkünften, die wir zum Teil schon kannten und für die wir zumindest partiell bereit waren, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, und aus der Erfahrung heraus auch zumindest eine Idee, was wohl an Kosten auf uns zukommen würde.
Als dann der Reisevorschlag ins Haus flatterte, traute ich meinen Augen kaum. Was war in den vier Jahren seit unserer letzten Namibia-Reise geschehen? Hatten die Lodges und Camps jetzt goldene Wasserhähne? Würden wir per Lear-Jet eingeflogen? Über einen roten Teppich gehen? In antiken Leinen schlafen?

Krokodil im Okavango, schwer beschäftigt
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Das ist natürlich übertrieben, aber gewundert haben wir uns (trotz Vorwarnung und entsprechender Lektüre u.a. hier im Forum) schon. Sehr sogar. Wir waren jedenfalls nicht bereit, diese Preise zu zahlen. Die Änderungsvorschläge unserer Agentur waren gut gemeint, verfehlten jedoch ihren Zweck. Das hatte mit der von mir geplanten Reise nichts mehr zu tun!

Hinzu kam, dass wir bei einigen Lodges schon beinahe spät dran waren und froh sein mussten, überhaupt noch etwas zu bekommen. Im KTP dagegen waren Buchungen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht möglich. Das fühlte sich alles schwierig an und auch irgendwie falsch. Ich wurde bockig (ich entschuldige mich mit einer beruflich angespannten Situation 😕 ). Und wollte diese Reise so nicht mehr. Die Stimmung war dahin.

Der Plan flog also im hohen Bogen wieder in den Topf, wo er bis zum Boden sackte. Stattdessen fischte ich erfolgreich eine Route für Nord/Nordost-Namibia heraus, die zwar am Ende auch nicht übermäßig viel günstiger war, aber wenigstens über weite Strecken ohne den direkten Vergleich mit Vorgängerreisen auskam.

Think Pink! Sonnenuntergang an der Spitzkoppe
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Die Spitzkoppe war nun der südlichste Punkt, der Etosha-Nationalpark wie schon bei unseren ersten beiden Namibia-Aufenthalten gesetzt und der Caprivi erstmals Teil unserer Route. Das hatten wir schon immer mal machen wollen, und eigentlich standen auch noch zwei, drei Tage im Anschluss am Chobe auf der Agenda, wo wir 2014 schon einmal gewesen waren. Doch Unterkunft, Gabelflug und Einwegmiete hätten den Preis wieder deutlich in die Höhe getrieben, und so entschieden wir kurzerhand (es sollten nun auch mal Entscheidungen her), den Caprivi auf dem Rückweg - wenn auch mit anderen Stopps - auf demselben Weg zu durchqueren.

Karminspinte am Sambesi
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War erst einmal alles gebucht, wich nach dem anfänglichen Planungshickhack der zwischenzeitliche Frust in Windeseile einem ganz anderen Gefühl: unbändiger Vorfreude!

Häufige Besucher am Nebrownii-Wasserloch: Löwen
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Teil 307. Feb. 2020

Es geht los - oder etwa nicht?

Der 21. Oktober ist ein glücklicher Tag, denn da heben wir ab. Mit Air Namibia.
Ich weiß 😣 Die Sehnsucht nach einem Direktflug (zuvor waren wir zweimal über Joburg nach Windhoek gelangt) war einfach sehr groß - und barg sicherlich ein Risiko. Das Ausmaß wurde mir allerdings erst wenige Wochen vor Flugtermin so richtig bewusst. Fliegen sie noch oder fliegen sie nicht? Ich versuchte, mir nicht allzu viele Gedanken zu machen; was zugegebenermaßen nicht immer gelang. Die Agentur beruhigte auf Nachfrage. Oder versuchte es zumindest. Auch das gelang leidlich.

Doch als der große Moment endlich gekommen ist, läuft alles perfekt: Wir starten pünktlich in Frankfurt, haben jeweils eine Zweierreihe für uns, was der Airline kaum hilft, uns aber eine Mütze Schlaf ermöglicht, und landen sogar noch vor der Zeit am Hosea Kutako. Im ersten Tageslicht schweben wir über die Weiten der Kalahari. Air Namibia hin oder her, wir haben es hierher geschafft und irgendwie würden wir auch zurückkommen. Irgendwann. Drei Wochen liegen vor uns. Eine Ewigkeit zu Beginn einer Reise. Gefühlt nichts, wenn die schöne Zeit vorbei ist. Aber soweit ist es schließlich noch lange nicht, und ich bin glücklich.

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Am Bidvest-Schalter sind wir sofort an der Reihe, zum ersten Mal haben wir dort ein Auto gemietet. Die umfangreiche Erklärungen sind nach dem langen Nachtflug wie immer eine Überforderung, ich versuche mir zu merken, was wichtig erscheint. Haben wir den zweiten Ersatzreifen bekommen, wo ist der Wisch, der den Grenzübergang erlaubt, funktioniert der Wagenheber und wo ist er eigentlich genau? Derlei Dinge. Der Hilux sieht trotz einiger Blessuren gut aus, ebenso die Reifen. Es ist noch nicht einmal acht Uhr, als wir vom Hof rollen.

Unterwegs mit dem Hilux, hier an der Spitzkoppe
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In Windhoek schleppt Thomas kanisterweise Wasser aus dem Supermarkt, während ich am Auto warte und mich von den zusehends kräftigeren Sonnenstrahlen wärmen lasse. Dann machen wir uns auf gen Norden. Wir hatten länger überlegt, wo wir die erste Nacht verbringen wollen. Die Wahl fiel schließlich auf die Immanuel Wilderness Lodge, die wir noch nicht kennen. Sie liegt nur rund 25 Kilometer von Windhoek entfernt in der für uns richtigen Richtung nah der B1 und führt uns wie gewünscht zügig vom Stadtgewimmel weg.

Schon um halb Zehn sind wir da, doch wir dürfen unser Zimmer bereits beziehen und freuen uns über einen ersten Urlaubstag in schöner Umgebung.

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Trotz der Nähe zur Stadt und zur B1 ist die Lodge eine Oase der Ruhe, und die ersten Tiere begegnen uns auch.

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Auf der Anlage wimmelt es geradezu von Webervögeln, und in den Bäumen hängen Nester in den unterschiedlichsten Baustadien.

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Stilsicherer Vogel mit Sinn fürs Praktische: Maskenweber
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Eins der farbenprächtigen Männchen ist ganz aufgeregt, seine kunstvoll geflochtene Behausung ist bezugsfertig. Voller Inbrunst versucht er, seine Auserwählte für das brandneue Eigenheim zu begeistern. Er schnarrt und scharwenzelt, und ich persönlich würde bei so einem gutaussehenden, galanten Mann, dazu ansprechend gekleidet und handwerklich begabt, wohl ziemlich schnell schwach werden. Doch die Herzensdame ziert sich. Als sie seinem Charme schließlich erliegt, ist der Rundgang durchs Haus zügig beendet. Offenbar zieht's. Der potenzielle Bräutigam muss nachbessern.

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Die Idylle ist beinahe perfekt. Nur das Auto macht uns einen kleinen Strich durch die Rechnung. Am Canopy lässt sich der untere Teil der Heckklappe nicht mehr öffnen. Noch am Flughafen war das einem Mitarbeiter problemlos gelungen, doch jetzt rührt sich das verflixte Teil keinen Millimeter. Auch Stephan, unser sympathischer Gastgeber, der ebenfalls einen Toyota Hilux besitzt, scheitert. Ein Anruf bei Bidvest bringt zunächst keinen Erfolg, wir sollen auf einen Rückruf warten. Thomas will sich schon halbwegs mit dem Manko abfinden, doch ideal ist das natürlich nicht. Wir kontaktieren Bidvest erneut. Wir sollen ein Foto von der bewusste Klappe schicken, der Mechaniker werde sich dann am nächsten Morgen melden. Stephan, vor vielen Jahren mit seiner Frau Sabine aus Deutschland ausgewandert, winkt ab. Er ist überzeugt: Die melden sich nie!

Am Nachmittag holen wir Schlaf nach und entspannen so gut es geht am Pool, wir haben beruflich große Anspannungen hinter uns, die uns noch fest umklammern. Als Höhepunkt des ersten Tages entpuppt sich das Abendessen. Ich hatte gelesen, es sei sehr gut, doch tatsächlich ist es fantastisch. Stephan ist ein begnadeter Koch und zaubert mir ein tolles vegetarisches Mahl, während Thomas in Anbetracht der Qualität seines Steaks (Kudu, glaube ich, oder Oryx? Vielleicht auch beides 🙂 ...) aus dem Schwärmen kaum mehr herauskommt.

Auch das Frühstück ist herausragend und bleibt das Beste der gesamten Reise, und überhaupt geht es heiter weiter: Die Autovermietung meldet sich und nach dem Motto "Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehen" (nach hinten und nach unten drücken, dann hochziehen) springt die Klappe wie von Zauberhand auf. Das Leben kann so einfach sein. 🤪

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Nur 260 Kilometer Fahrstrecke liegen an diesem Tag vor uns und wir lassen uns bis zum Aufbruch viel Zeit. Doch ich freue mich wie verrückt auf unsere Premiere an der Spitzkoppe, die schon so lange auf meiner Wunschliste sehr weit oben steht.

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Teil 410. Feb. 2020

Filmreif

Die Spitzkoppe war schon lange mein Sehnsuchtsort. Die Eindrücke und Fotos, die mich immer bezaubert hatten, übten eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Warum genau, weiß ich nicht. Aber sie war unleugbar da.

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Eine der drängendsten Fragen war die nach der Unterkunft. Die Anmietung eines Dachcampers für nur eine Nacht hätte schon aus Kostengründen keinerlei Sinn ergeben. Ich liebäugelte damit, einfach im Auto zu schlafen. Oder in einer der schlichten Cabanas, die auf dem Gelände angeboten wurden. Noch während ich die Möglichkeiten gegeneinander abwog, erfuhr ich hier im Forum vom geplanten Bau der Spitzkoppen Lodge. Alles klar. Da wollten wir hin!

Mit hohen Erwartungen ist es so eine Sache. Oft hält die Realität nicht stand. Ich war also gespannt. Ich hatte - ebenfalls hier im Forum - von beängstigenden Überfällen auf dem Weg dorthin gelesen, die allerdings schon eine Weile zurückliegen. Tatsächlich begegnet uns bis auf den Gerader nichts und niemand. Wir kommen wunderbar voran, zumal neben viel Asphalt nur 40 Kilometer Schotterpiste vor uns liegen.

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Das imposante Felsmassiv ist schon von Weitem sichtbar, immer näher rückt die Silhouette. Sie wirkt vertraut. Wir steigen aus, und die Magie hält an.

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Wir lassen die Abzweigung zum Village und zur Campsite links liegen, auf nun etwas rumpliger Straße geht es noch ein paar Kilometer weiter nordwärts um das Gelände herum, bis wir vor dem Eingangstor zur Lodge stehen. Dahinter führt der Weg durch eine rote, karge, stille Landschaft, in die ich mich sofort verliebe.

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Es ist Mittag und brüllend heiß, wir parken das Auto im Schatten und werden per Golfcart zu unserem Chalet in Zeltoptik bugsiert. Die Hauptgebäude der Lodge mit Rezeption, Speiseraum und kleinem Pool sind in die Felsen gebaut, ...

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... während die Häuschen etwas entfernt mit weitem Blick großzügig verteilt in einer Ebene liegen. Beides ist über lange Holzstege miteinander verbunden.

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Alles wirkt gepflegt und noch ziemlich neu, erst drei Jahre zuvor wurde die Lodge eröffnet.

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Auch das Interieur ist freundlich und trifft unseren Geschmack. Wir sind schwer beeindruckt und wissen sofort: Hier werden wir uns wohlfühlen!

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Wir setzen uns mit einem kühlen Getränk auf die Veranda und genießen die Stille, die von Zeit zu Zeit von einem leisen Surren durchbrochen wird. Nach einigem Rätselraten mache ich eine Videokamera auf den Felsen neben uns als Verursacher des ungewohnten Geräuschs aus. Als störend empfinden wir es nicht, und trotz aller Gedanken an George Orwell beruhigt mich diese Vorsichtsmaßnahme sogar.

Zimmer mit Aussicht: Blick von unserer Veranda auf die Spitzkoppe
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Am frühen Nachmittag ist es mit meinem Sitzfleisch vorbei und ich scheuche Thomas aus dem Haus.

In der Bildmitte unser Zuhause für die nächsten zwei Tage, ich glaube, Nummer 8
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Die Umgebung mit den spektakulären Felsformationen ist wunderschön, die Kulisse wirkt surreal und wie im Film.

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Diese Vorzüge haben wenig überraschend schon andere vor mir erkannt. Das Gelände ist ein beliebter Drehort, und vor einigen Jahren zählten auch Zebras zu den Statisten. Nach Drehschluss wurden sie dort belassen. Ich denke, sie haben kein schlechtes Leben hier, gehe aber zunächst davon aus, dass die Herde nach und nach kleiner und dann aussterben wird. Doch die Population ist intakt. So kam erst im vergangenen Jahr ein Fohlen zur Welt, das dann aber leider im Wasser ertrank 🙁 (die genauen Umstände habe ich nicht erfragt). Die Belegschaft war darüber sehr traurig, freut sich aber nun auf neuerlichen Nachwuchs, denn wieder ist eine der Stuten trächtig.

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Wir erkunden das Gelände und haben einen Heidenspaß daran, auf die Felsen zu klettern, ...

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... am späteren Nachmittag zieht es uns auf die andere Seite des Areals. Gleich bei der Ankunft haben wir uns einen Schlüssel für das Tor geben lassen, das Campground und das noch einsamere Lodgelände, das nur den Übernachtungsgästen der Lodge vorbehalten ist, direkt miteinander verbindet. Wir können ihn für die Dauer unseres Aufenthalts behalten. Nur wenige Minuten benötigen wir auf diese Weise für den Weg, der geradewegs zum Felsenbogen führt. Toll!

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Das Campinggelände ist zerfahrener als die Lodge-Seite, was logisch ist, weil unter anderem Wege zu den Stellplätzen führen müssen, aber ebenfalls großartig. Wir fahren zunächst der Nase nach und schauen uns um, ...

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... bevor es zum berühmten "Rockarch" geht.

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Bis Sonnenuntergang ist es noch eine Weile hin, doch zwei Mitglieder einer Foto-Reisegruppe aus Slowenien haben sich bereits ein Plätzchen unterhalb des Bogens gesichert. Thomas gesellt sich dazu.

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Wir saugen die Atmosphäre und die friedliche Stimmung auf - was zumindest bis kurz vor Sonnenuntergang wunderbar gelingt.

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Dann rücken mehrere Gruppen an. Sie entern den Felsenbogen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Eine Horde "Next Topmodels" nebst peinlichen Posen und - zumal auf ungewohntem Terrain - manch wackeligem "Walk". Wir schwanken zwischen Fremdscham und Faszination, Ärger und Amüsement. Die Gefühlslage des Slowenen ist klarer: Er ist stinksauer; und verliert vollends die Fassung, als eine der Gruppen den direkt angrenzenden Felsen dauerhaft belagert. Vergeblich bitten wir die Sonnenanbeter, ihren Aktionsradius etwas weiter nach oben oder nach links zu verlagern, was problemlos möglich wäre. Keine Reaktion. Da ist nun nix zu machen. Wir hatten im Vorfeld schon fast mit solchen Szenen gerechnet, bleiben möglichst locker und suchen das Weite.

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Hier gibt es so viele schöne Plätze. Und schließlich erglühen die Granitfelsen in den letzten Sonnenstrahlen, wie ich es mir immer ausgemalt hatte.

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Als das Spektakel vorbei ist, fahren wir zurück zum Tor, ...

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... und gehen dann auf direktem Weg ins schöne Restaurant zum sehr guten Abendessen. Die Atmosphäre ist wunderbar unverkrampft, was nicht zuletzt an den sympathischen Mitarbeitern liegt, die zu großen Teilen aus dem nahe gelegenen Village stammen. Eine junge Frau ist besonders aufgeweckt und neugierig. Wir kommen ins Quatschen, und noch heute haben wir von Zeit zu Zeit Kontakt.

Pappsatt und hundemüde laufen wir die wenigen Minuten über den Steg zu unserer schmucken Behausung, dann kippe ich ins Bett und schlafe wie ein Baby. Was gut ist, denn es wird eine kurze Nacht. Schon lange vor Sonnenaufgang ist sie vorbei.

Teil 513. Feb. 2020

Im Paradies

Das Paradies ist an der Spitzkoppe gleich um die Ecke. Viel zu früh stehen wir auf, denn wir wollen bei Sonnenaufgang am Bushman's Paradise sein. Wir laufen durch die milde Nacht über den langen Steg zum Auto, rollen im Dunkeln langsam zum Tor und dann dahinter nach links in Richtung des Plateaus mit seinen von mir heißgeliebten Felskugeln und jahrtausendealten Zeichnungen der San.

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Weil diese in unserer so wunderbar entwickelten Neuzeit vor Vandalen nicht gefeit waren, ist der Aufstieg eigentlich nur noch mit Guide erlaubt. Es seien dort immer welche anzutreffen, hieß es in der Lodge, doch hatte wohl niemand mit unserem nächtlichen Aktionismus gerechnet. 😉 Jedenfalls ist unten am kleinen Parkplatz weit und breit keine Menschenseele zu sehen, und da uns nichts ferner liegt, als den Zeichnungen mit Hammer, Meißel oder Filzstift zu Leibe zu rücken, klettern wir alleine hoch.

Der steile Anstieg ist kurz, aber giftig, ich bin dankbar für eine eigens installierte Eisenkette, an der ich mich zuweilen regelrecht hochziehe. Etwas kurzatmig kommen wir zehn Minuten später oben an, gerade rechtzeitig.

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Zu unserem Bedauern rückt von unten eine kleine Reisegruppe nach, die offenbar mit einem eigenen Driver-Guide unterwegs ist. Oben angelangt, startet dieser einen wortreichen Vortrag. Die Sonne werde nun langsam aufgehen, im Zuge dessen ihre Farbe verändern und dann - oh Wunder! - werde es immer heller. Soso.

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Ganz erschlagen von diesen bahnbrechenden Erkenntnissen kehren wir der Gruppe, die sich etwas weiter unten niederlässt, den Rücken und gehen noch ein Stück weiter hoch.

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Hier oben ist es traumhaft schön, wir fühlen uns zeitlos und wie die ersten Menschen.

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Die Sonnenstrahlen tauchen die Felsen in ein intensives Orangerot, die Reisegruppe hat wohl selbst genug von dem Sunrise-Palaver und sich vorzeitig zu den Felszeichnungen verzogen. Wir sind ganz für uns und im Rausch der Sinne.

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Die eineinhalb Stunden an diesem Ort werden zu meinen schönsten Erinnerungen an diese Reise zählen. Alles fügt sich perfekt zusammen: die Stimmung, das Licht, die Umgebung, die eigene Wahrnehmung. Sie machen süchtig, diese Momente. Süchtig nach Reisen und nach Afrika, denn hier stehen die Chancen darauf besonders gut. Hyänen, die uns in den Schlaf heulen, sternklare Nächte auf dem Tok Tokkie Trail, einsame Stunden im Dead Vlei - das lässt uns immer wieder zurückkehren.

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Doch wir sind wohl Banausen, ich will ehrlich sein: Wir sparen uns den Besuch bei den Felsmalereien. Die Reisegruppe ist noch immer dort, auch haben wir schon viele Zeichnungen der San gesehen. Ohnehin werden wir wohl eines Tages zurückkehren an diesen Platz. Vielleicht ja dann...

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Auf dem Weg hinunter bin ich erneut dankbar für die Kette, die ich fast wie zum Abseilen benutze. Alles in allem sind Auf- und Abstieg aber gut machbar.

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Im Hintergrund das Village
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Wieder unten ist es noch immer früh, von den angekündigten Guides ist allerdings weiterhin nichts zu sehen. So sparen wir uns eventuelle Erklärungen. Weil wir ohnehin fast daran vorbeikommen, stoppen wir auf dem Rückweg erneut beim "Rockarch".

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Noch so ein wunderbarer Ort, und anders als am Vorabend sind wir diesmal allein.

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Naja, fast zumindest 🙂

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Insgesamt sind wir von der Einsamkeit an der Spitzkoppe überrascht. Offenbar sind die wenigsten Stellplätze belegt, und auch die Lodge ist nur zur Hälfte ausgelastet. Mag sein, dass es an der Jahreszeit liegt. Aber wir haben natürlich nichts dagegen.

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Zurück bei der Lodge sind zwei Monteirotokos eine schöne Erstsichtung für uns. Einer der Vögel hält mit erstaunlicher Ausdauer ein Steinchen im Schnabel. Mal legt er es ab, dann hebt er es wieder auf. Erklären können wir uns dieses Verhalten nicht.

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Wir lassen uns das tolle Frühstück schmecken, schließlich sind wir schon seit Stunden auf den Beinen. Auch bei den vielen Klippschliefern, die auf dem Gelände die Felsen bevölkern, funktioniert die innere Uhr einwandfrei.

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Wie von Geisterhand gelenkt jagen sie plötzlich in Scharen im Schweinsgalopp über die Felsen. Kurz darauf sehen wir, warum: Eine Mitarbeiterin füttert sie in der Nähe der Rezeption mit Salat und Gemüse; wie sie sagt, um die Tiere während der anhaltenden Dürre zu unterstützen. Ich kann nicht beurteilen, ob das eine gute Idee ist oder nicht, aber die Klippschliefer haben nachweislich keine Zweifel an der Richtigkeit dieser Maßnahme.

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Mittags sind wir faul, vertrödeln die Zeit und holen Schlaf nach. Später erkunden wir die Lodge-Seite des Geländes, die nur von wenigen Wegen durchzogen ist und noch unberührter wirkt als am Campground.

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Wieder komme ich mir vor wie in einer Filmkulisse.

Betty Geröllheimer mit architektonisch an Gaudi erinnerndem Eigenheim 😉
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Überlebenskünstler
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Am kleinen, aber herrlich in den Felsen gelegenen Pool machen wir später Pause. Wir bedauern, dass unsere Schwimmsachen im Chalet geblieben sind und auch zum ersten Mal die relative Entfernung von den Hauptgebäuden zu den Unterkünften. Wir sind beide zu bequem, sie zu holen.

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Die anderen Gäste sind allesamt ausgeflogen, doch ein Hörnchen leistet mir nach einigem Zögern und Zaudern...

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...am Wasser Gesellschaft.

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Es hat Durst, und wir auch. Es ist superheiß, erst nach gefühlt eimerweise Kaltgetränken fühlen wir uns für den zweiten Teil unserer Expedition gerüstet, der uns der Nase nach mitten durch und über die Felsen führt.

Merke: Weiße Hosen sind zum Kraxeln eher ungeeignet 😎
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Durch puren Zufall machen wir die Entdeckung des Tages. Ein weiterer Felsenbogen, niemand in der Lodge hatte uns etwas davon gesagt.

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Wir sind ganz aus dem Häuschen - und wieder allein (wie wir später erfahren, war allerdings auch an dem anderen Rockarch auf der Campingseite an diesem Abend praktisch nichts los, das nur fürs Protokoll). Es ist nun schon kurz vor Sonnenuntergang und das hier wohl der perfekte Platz dafür. Einen Moment lang erstrahlt alles in Pink ...

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...und dann in Orangerot. Ein Traum!

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Beseelt von diesem wundervollen Tag und den vielen schönen Eindrücken schlendern wir schließlich auf direktem Weg vom Felsenbogen zum Restaurant zurück und werden dort von der Belegschaft begrüßt wie alte Freunde. Wir fühlen uns einfach sauwohl an diesem Ort und in dieser fabelhaften Landschaft, die uns völlig verzaubert hat.

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Teil 616. Feb. 2020

More Magic Moments

Man muss kein ausgesprochener Romantiker sein, um Sonnenauf- und -untergänge zu mögen. Ich bin der beste Beweis dafür. Und weil's am Vortag so schön war, fahren wir auch an unserem zweiten und letzten Morgen an der Spitzkoppe - zwar nicht ganz so früh wie zuvor, aber immer noch sehr zeitig - durchs Tor zum Campground. Bis auf ein junges Paar ist weit und breit niemand zu sehen. Wir warten und warten, doch vergeblich: Gegen den verhangenen Himmel kommt die Sonne nicht an.

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Die Atmosphäre stimmt allerdings auch bei trübem Licht. In der milden Morgenluft steigen wir zu den Rockpools hoch, die einen wunderbaren Ausblick über das Gelände bieten. Es muss fantastisch sein, darin zu baden, doch nun sind sie bis auf wenige Tropfen ausgetrocknet.

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Zurück an der Lodge hat nach dem Frühstück ein mäßig motiviertes Abschiedskomitee bereits Aufstellung genommen...,

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...dann gehen wir ein letztes Mal zu unserem schönen Chalet, packen unsere Sachen und werden per Golfcart zum Parkplatz kutschiert.

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Das Gute am Reisen ist ja, dass auf einen Höhepunkt zumindest theoretisch schon sehr bald der nächste folgen kann. Und so mischen sich in den Abschiedsschmerz auch immer gleich Vorfreude und Spannung. Ein berauschender Cocktail, der ebenfalls süchtig macht, am Ende einer Reise aber zwangsläufig aufgebraucht ist. Weshalb ich immer gleich die nächste Reise aus meinem großen inneren Topf fische und plane. Das beste Rezept gegen Entzugserscheinungen neben Reiseberichten im Forum. 🙂

Rund 220 Kilometer Schotterpiste liegen vor uns, und ab dem Brandberg sehen wir auch wieder Sonne.

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Die Strecke ist zu Beginn herrlich einsam, später dann trubeliger mit mehr Touristen und Einheimischen, die an ihren Shops und Ständen um Kundschaft werben. In unseren Unterlagen war vor dem Zustand einiger Passagen gewarnt worden, doch wir hätten uns die Wege deutlich schlechter vorgestellt. Trotz Wellblech kommen wir problemlos und gut voran.

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2012 waren wir schon einmal in der Gegend und wohnten in der Damara Mopane Lodge, was völlig in Ordnung war. Ich liebe die Landschaft mit ihrem roten Sand und den Steinhaufen, die aussehen wie das Spielzeug eines Riesen, und so musste zumindest eine Übernachtung als Zwischenstopp sein.

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Wir wollten es besonders schön und wir wollten was Neues, die Wahl fiel auf das Mowani Mountain Camp, das mittendrin liegt in dieser phantastischen Welt aus Felsen und Formen.

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Mittags sind wir da, unser reetgedeckter, großzügiger Zeltbau ist ein ziemlicher Hammer, wunderbar gestaltet und dann dieser Blick...

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Schade, dass wir nur eine Nacht bleiben, so richtig eintauchen und auch mental einziehen in unsere neuen vier Wände können wir deshalb nicht. Die Taschen bleiben gepackt.

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Apropos Wände, die gibt's nicht überall, wie zum Beispiel im zusätzlichen grandiosen Außenbad zwischen den Felsen. Anscheinend haben wir ein Familienzimmer erwischt, jedenfalls findet sich auf dem Holzdeck hinter dem Bungalow außerdem ein Zelt "for the Kids" (sofern vorhanden, aber dann natürlich super :-)). Alles in allem der pure Luxus, schon beinahe übertrieben, doch wenn er nun schon mal da ist, genießen wir ihn auch. Thomas jedenfalls schwärmt noch tagelang vom Blick in den Sternenhimmel bei seiner abendlichen Freiluftdusche.

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Wir gehen auf Erkundungstour und werden dabei aufmerksam beäugt...,

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...registrieren einen kleinen, aber schönen Pool mit weitem Blick hinunter in die Ebene und verziehen uns schließlich im gemütlichen Lounge-Bereich in den Schatten. Tee- und Kaffestation sind gut gefüllt und ein Stück Kuchen gibt's auch - läuft! 🙂

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Dann die Frage, ob wir eine Aktivität buchen wollen. Nein, eigentlich nicht. Versteinerter Wald, Verbrannter Berg, Twyfelfontein, hatten wir alles schon vor Jahren in Eigenregie gemacht. Vielleicht eine Tour zu den Wüstenelefanten am Morgen? Hm. Hatten wir nicht recht auf dem Zettel. Kurz überlegt, dann sagen wir zu. Wir sollten es nicht bereuen...

Für heute kommt das Beste zum Schluss: Nur wenige Schritte bergauf, dann sind wir am Sundowner-Spot oben auf den Felsen. Dieser Rundumblick, eine Kulisse zum Niederknien, schon wieder.

Es könnte schlimmer kommen 😎
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Die Farben sind erst sanft und dann intensiv, die Sonne ist zurück auf der Showbühne und entschädigt angemessen für den morgendlichen Ausfall.

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Teil 719. Feb. 2020

Im Reich der Wüstenelefanten

Die Wüstenelefanten haben wir bislang fast schon sträflich vernachlässigt. Elefanten sind schließlich Elefanten. Dachte ich. Sicher, es gibt asiatische und afrikanische Exemplare, bei denen sogar mir die Unterscheidung auf den ersten Blick gelingt. Doch Wüstenelefanten - so mein Kenntnisstand - bilden eigentlich keine eigene Art, sondern haben sich an ihre entbehrungsreiche Umgebung angepasst und im Zuge dessen über Generationen bestimmte Merkmale entwickelt. Ein bisschen schlanker, die Füße größer - spannend, na klar. Und natürlich lieben wir Elefanten (wer nicht?). Aber der Anblick der Tiere in den Nationalparks hat uns bislang genügt. Ist ja praktisch kein Unterschied. So unsere Annahme. Naive Stadtkinder, die wir eben sind.

So schön unser Domizil im Mowani Mountain Camp ist, wir müssen es früh verlassen. Mit gepackten Taschen, die wir bei der Rezeption zwischenlagern, denn die Tour kann etwas länger dauern, je nachdem, wo sich die Elefanten aufhalten. Außer uns sitzen noch zwei Niederländer im Jeep, in den wir nach einem schnellen Tee und Kaffee klettern. Schon kurz nach Sonnenaufgang sind wir unterwegs.

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Rosy, unser Driverguide und ein echtes Original, hat schon am Vortag auf einen frühen Start gedrängt. Sie hat keinen Bock auf andere Autos und will deshalb die Erste sein. Da haben wir schon mal was gemeinsam!

Nur ein einziger anderer Wagen ist weit und breit zu sehen, Rosy hängt ihren Kollegen vom benachbarten Camp Kipwe locker ab. Am Vortag hat sie einige Kilometer hinter ihm festgehangen und jede Menge Staub geschluckt, oh nein - sie wiederholt es mehrfach-, das hat ihr nicht gefallen! Wir fliegen über das Wellblech bei Twyfelfontein und werden ganz schön durchgerüttelt.

Unser Ziel ist das Aba-Huab-Tal, die Gegend wird immer einsamer, karger, weiter. Bei uns in aller Regel am Steuer, gefalle ich mir in der Rolle des Beifahrers und lasse mir den Fahrtwind genüsslich um die Ohren wehen.

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Es ist noch frisch, doch die Hitze des Tages lässt sich schon erahnen.

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Bei einer winzigen Siedlung mit einfachen Hütten verteilt Rosy Essen und Überbleibsel aus der Lodge. Viel haben die Menschen hier nicht. Magere Rinder, ein großer Brunnen, vor allem Staub. Ich bin ratlos, wie die Farmer überhaupt zurechtkommen können, und auch ein wenig beschämt bei dem Gedanken an all den Luxus, der uns in unserer Welt gewöhnlich umgibt.

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Furchtlos, edel und gut, mein Ritter heißt an diesem Tag Rosy. Die Natur, die Unabhängigkeit weit weg von der Routine der Lodge, das ist ihr Ding. Ihr Enthusiasmus ist ansteckend, ihr Engagement einmalig. Sie freut sich, uns Dinge zu zeigen, schwärmt unterwegs vom "besten Aussichtspunkt der Welt". Wir denken, sie übertreibt. Doch ganz unrecht hat sie nicht.

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Die einsame Landschaft haut mich um: ursprünglich, unberührt, unwirtlich.

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Unser erster größerer Fund: Giraffen. Sie machen sich in diesem Setting ausgesprochen gut.

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Dann taucht Rosy ab. Hängt kopfüber aus der Fahrertür, die Nase im Sand. Einhändig und mit Blick auf den Boden steuert sie im Zickzack durch das weiche Bett des Huab. Die andere Hand deutet auf riesige Fußspuren und Elefantendung, die Ergebnisse ihrer Ermittlungen überliefert sie ohne Punkt und Komma, allerdings nicht immer leicht verständlich, so tief ist ihr Kopf gebeugt. Frei übersetzt sagt sie in loser Reihenfolge etwa das:
"Eineristhierruntergekommenundistdalanggegangenwoisserdennhinmalssehenahadasindnochzweiaberdannwiederhierhochnureineristzurückgekommenundgeradeausgegangendanachnachrechtsneinnachlinksaberjetztisserwiederwegaberderdungistfrisch..."

Das ist ziemlich lustig und auch spannend, vor allem aber von Erfolg gekrönt. Ein dickes graues Hinterteil lugt aus der Uferböschung, Rosys Redeschwall versiegt - wir sind da!

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Ein Elefant kommt selten allein, immer mehr Tiere tauchen im Flussbett auf, in dem das Wasser auch bei großer Trockenheit unterirdisch fließt.

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Es ist ein tolles Bild, diese gigantischen Überlebenskünstler inmitten der herrlichen, aber auch gnadenlosen Umgebung, und traumhaft friedlich.

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Vor mehr als 100 Jahren hatten Großwildjäger die Tiere im Damaraland praktisch ausgerottet. Erst Mitte der 1990er-Jahre kehrten sie zurück.

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Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen und steigen aus, es gibt Tee, Kaffee und Sandwiches. Rosy mahnt uns eindringlich, die Elefanten im Blick zu behalten und uns ihnen keinesfalls zu nähern.

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie lautlos sich diese Kolosse bewegen, sie wandern von Baum zu Baum, scheinen uns als vorübergehende Nachbarn jedoch zu akzeptieren.

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Die Zeit verfliegt, ich könnte ewig bleiben. Doch Rosys Timing ist perfekt, auf dem Weg zurück begegnen uns einige Autos. Auf sandigen Pisten cruisen wir gemütlich und in großen Schleifen durch eine pastellfarbene Dünenlandschaft, schon wieder bin ich frisch verliebt.

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Mittags sind wir zurück im Mowani Mountain, dankbar verabschieden wir uns schließlich nach einem späten Brunch von der Lodge und von Rosy, die uns ganz besondere Momente in einer einzigartigen Umgebung beschert hat.

Wieder selbst am Steuer, rollen wir auf rumpliger Strecke an Twyfelfontein vorbei zur einzigen Tankstelle weit und breit. Die einsame Zapfsäule im gefühlten Nichts gehört zur Twyfelfontein Country Lodge und schließlich finden wir in einer kleinen Werkstatt auch jemanden, der sie für uns entsperrt.

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Nur rund 125 Kilometer sind es bis zu unserem nächsten Ziel. Selbst auf dieser kurzen Strecke ändert die Landschaft, die uns an den Südwesten der USA erinnert, wieder völlig ihr Gesicht. Einfach toll, was für eine Bandbreite wir auf dieser Reise geboten bekommen.

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Die Schotterstraßen C39 und C43 sind gut zu fahren, die Gegend mit ihren Tafelbergen ist ausgesprochen schön.

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Für die letzten Kilometer biegen wir nach rechts auf die etwas ruppigere C40 in Richtung Kamanjab ab und stehen schließlich unten an der Zufahrt zur Grootberg Lodge. Die ist zwar machbar, aber ziemlich steil und schmal, und da wir den Wagen oben auf dem Plateau ohnehin nicht brauchen können, lassen wir ihn unten auf dem Parkplatz zurück. Per Shuttle geht es hinauf.

Seit Jahren wollte ich zur Grootberg Lodge und den Blick vom Etendeka Plateau hinunter in den Canyon mit eigenen Augen sehen. Aus gutem Grund. Von der Lodge-Terrasse, vom Pool, vom Bett, vom Balkon, sogar aus der Dusche: Die Aussicht ist atemberaubend!

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Teil 823. Feb. 2020

Planlos

An unserem vollen Tag in der Grootberg Lodge haben wir viel vor: nämlich Nichts. Zumindest so gut wie Nichts. Ausschlafen, am Pool rumhängen, die Aussicht genießen - wir machen Urlaub vom Urlaub.

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Teil eins dieses perfekten Plans geht schon einmal völlig in die Hose. Meine innere Uhr muss wohl in der Schweiz gefertigt sein, denn kaum geht die Sonne auf, stehe ich senkrecht im Bett. Augen zu und durch, weiterschlafen, bete ich mir vor, die Gelegenheit ist günstig und selten genug auf unseren Afrika-Reisen. Doch die Nacht ist vorbei, an Schlaf nicht mehr zu denken. Wir übrigens schon einige Stunden zuvor: Da weckte mich sehr nahes und ausdauerndes Löwengebrüll. Thomas hat davon nichts mitbekommen. Natürlich nicht. Kaum berührt sein Kopf das Kissen, ist er weg. Immer und überall. Es gibt nicht viel, worum ich Männer beneide. Aber das wäre das Paradies für mich.

Ich hatte zuvor gelesen, dass sich vor einigen Jahren ein Löwenrudel angesiedelt hat. In der Nacht belagern die Tiere gerne den Pool, am Tag sind sie eher im Tal. Wer will es ihnen verdenken, so ein schickes Wasserloch, dazu immer gut gefüllt, ein Garten Eden. Ich höre die Löwen in beiden Nächten, sehen werden wir sie allerdings nicht.

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Zum Glück für alle Beteiligten, denn nach dem Frühstück ist ihr nächtliches Territorium genau der Schauplatz für unser süßes Nichtstun. Der Pool ist klein, aber grandios gelegen, hier werden wir es aushalten.

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Der Blick nach unten bleibt spektakulär und zeigt auch am zweiten Tag keinerlei Abnutzungserscheinungen. Zwei Wochen zuvor hat es ein wenig geregnet, das Tal ist durchsetzt von frischem Grün, doch der Gesamteindruck ist weiterhin trocken.

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Die Löwen weg, das Wasser da, um uns herum tobt das Leben.

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Felsenratte beim Frühstück
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Ganze Schwärme von Lovebirds sorgen für ein Heidenspektakel, belagern die Büsche und zanken krakeelend um tropfendes Wasser.

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Die Gäste vom Vortag sind weg, die neuen noch nicht da. Eine fast schon meditative Ruhe, wir kommen runter und auch so richtig an in dieser schönen Umgebung. Was nicht heißt, dass ich nicht immer wieder abgelenkt werde von meinem Buch, in dem ich eigentlich endlich einmal vorankommen will...

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Nur ein weiteres Paar hat sich für zwei Nächte eingemietet und ist auf Tour. Die Lodge bietet Rhino- und Elefantentracking an, beide berichten am Abend von einer ziemlich rumpeligen Tour ins Tal mit einem einzelnen Spitzmaul, aber auch einem Achsbruch am Jeep der Lodge.

Am Nachmittag dann ein Hauch von Tatendrang, relativ spontan buchen wir eine Sundowner-Tour auf dem Etendeka-Plateau. Große Tiersichtungen stehen nicht zu erwarten, das wussten wir, weit weg ein paar Bergzebras, außerdem Springböcke und Lovebirds an einem ansonsten verwaisten Wasserloch.

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Doch wieder ist es vor allem die Landschaft, die mich fasziniert. Ein gigantischer roter Steingarten - erstaunlich sortiert und schon wieder ganz anders als alles bisher Gesehene.

Andere weiße Hose! 😉
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Die Schönheit dieses Fleckchens war der eine Grund für unser Kommen. Der andere ist die Philosophie, die hinter der Lodge steckt: Die erste Community-Lodge des Landes wurde auch mit EU-Mitteln finanziert und soll die lokale Bevölkerung am Profit des Tourismus beteiligen.

Als beim Abendessen die versammelte Belegschaft lauthals singend aus der Küche tanzt, kriegen wir zunächst einen Riesenschreck. Eine Showeinlage, das ist so gar nicht unser Ding! Doch hier ist das anders. Weil das Programm nicht durchgestylt, die Belegschaft spontan und vor allem mit Leib und Seele bei der Sache ist. Die Grootberg Lodge ist sicher nicht die schickste Lodge auf unserem Trip. Aber sie besitzt jede Menge Herz.

Gut erholt und einmal mehr voller neuer Eindrücke, rumpeln wir am zweiten Morgen wenig ritterlich im Shuttle die steile Zufahrt hinunter...

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...und machen uns schließlich auf den Weg zum Etosha. Ich freue mich riesig darauf!

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Teil 926. Feb. 2020

Du hast den Farbfilm vergessen...

Wir haben ein Faible für den Etosha-Nationalpark. Zweimal waren wir schon hier und kennen uns immerhin ein bisschen aus. Nun folgt der dritte Streich. Ich mag die Landschaft, die weiß leuchtende Pfanne, vor allem aber war der Park für uns bislang ein Garant für tolle Tierbeobachtungen.

Die rund 350 Kilometer von der Grootberg Lodge zum Andersson Gate sind keine Herausforderung, wir haben uns gegen eine rumplige Fahrt vom Galton Gate zum Okaukuejo Restcamp entschieden, dessen Standort einst Okakwiya hieß: "die Frau, die jedes Jahr ein Kind gebärt". Was in meinem Fall glücklicherweise auch nicht nur ansatzweise zutrifft.

Der weiße Staub im Park ist legendär und kein unvertrautes Bild. Aber diesmal sind wir platt. Trotz aller Vorwarnungen und Bilder, die wir von der Dürre gesehen haben. "Du hast den Farbfilm vergessen, nun glaubt uns kein Mensch, wie schön's hier war, ha-ha, ha-ha" - mir geht's wie weiland Nina Hagen. Und wo ist eigentlich Scotty, wenn man ihn braucht? There's no life on this planet! Denke ich, doch das Gefühl trügt - ein Glück!

Farbtupfer mit Seltenheitswert
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Die Elefanten, obwohl nur wenige Meter von uns entfernt, übersehe ich diesem Grau in Grau um ein Haar. Sie sind ein Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Tagen erwarten wird. Elefanten noch und nöcher.

Immer schön dran bleiben!
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Zur tristen Landschaft gesellt sich tristes Wetter. Es braut sich was zusammen, die Wolken hängen tief. In Hamburg würde ich die Beine in die Hand nehmen. Doch hier passiert nichts, und die Einheimischen winken ab. Alles leere Versprechen, seit Wochen geht es so. Ich verstehe ihren Frust. So ein blödes Wetter, erst sagen und dann nicht machen; das kann ich überhaupt nicht leiden.

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Zweimal haben wir im Bush Chalet gewohnt, diesmal ziehen wir ins Waterhole Chalet. Klingt fancy, ist es aber nicht. Ja, es liegt nah beim Wasserloch, doch auch nicht viel näher als unser Bush Chalet 2015. Das war dafür deutlich größer mit noch einem Extraraum und einer kleinen Küchenzeile. Größtes Manko sind die Untermieter. Heerscharen von Mücken - die einzigen der gesamten Reise - belagern unser Quartier. Hinter unserem Häuschen ist ein Kanaldeckel zerbrochen, wohl die Brutstätte der fiesen Viecher, die durch unser geöffnetes Badezimmer hineingelangt sind. Fortan lüften wir nach vorne und werden zu Serienkillern. Wat mutt, dat mutt...

Der erste Gang zum Wasserloch versöhnt, eine große Gruppe Elefanten biegt ums Eck. Ein toller Auftakt mit viel Geplantsche und auch einigem Nachwuchs.

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Als die Herde schließlich weiterzieht, verliert eins der Elefantenkinder die Orientierung. Rennt erst der einen vermeintlichen Mutter hinterher,...

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...bemerkt dann seinen Irrtum...

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...und sprintet mit wehenden Ohren zurück zur echten Mama.

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Es ist heiß, als wir am Nachmittag einen ersten kleinen Gamedrive rund um Okaukuejo starten.

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Bei Nebrownii, immer eine gute Adresse für Löwen, schnarcht ein Prachtexemplar im spärlichen Schatten eines schütteren Baumes. Wir fahren weiter. Später kehrt die Sonne zurück, und wir auch. Zur rechten Zeit, denn der Löwe rafft sich auf, ...

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...schaut beim Wasserloch kurz nach dem Rechten und verschwindet schließlich in der Ferne.

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Kurz vor Toreschluss sind wir zurück im Camp. Im Restaurant herrscht Ausnahmezustand. Die Bedienung ist heillos überlastet und genervt, das Essen gehaltlos und fade. Bei unseren vorangegangenen Besuchen rangierte es unter "okay". Doch diesmal sind wir raus und werden uns am nächsten Abend anders behelfen.

Das Wasserloch führt uns allerdings einmal mehr eindrücklich vor Augen, was wir an Okaukuejo schätzen.

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Wieder gibt's Elefantenbesuch, eine richtig große Gruppe mit echten Entertainment-Qualitäten.

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Wir erleben schöne, ruhige Stunden, was tatsächlich eine besondere Erwähnung wert ist: Alle Anwesenden sind konsequent still. Das haben wir hier auch schon anders erlebt.

Screenshot aus einem Filmchen, das später noch folgt
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Den Elefanten folgen die Spitzmäuler, und wie immer können wir uns nur schwer trennen. Doch die Schonzeit ist vorbei, am nächsten Morgen geht es wieder früh raus. Gegen 22 Uhr reißen wir uns los, entledigen uns der restlichen Mücken und schlafen dann beide schnell ein. Ich bin im Safarimodus - dann gelingt das sogar mir.

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Teil 1028. Feb. 2020

Sandsturm

Noch nie hat es uns im Etosha weiter westlich als bis kurz hinter Okondeka verschlagen. Irgendwie sind wir immer vorher irgendwo hängengeblieben. Diesmal wollen wir es unbedingt einmal bis Ozonjuitji m’Bari schaffen, dem Wasserloch mit dem unaussprechlichen Namen, von dem wir viel Gutes gehört und gelesen haben.

Unser erster Weg führt allerdings pünktlich mit Toröffnung (die Zeiten variieren während unseres Aufenthalts an den unterschiedlichen Punkten im Park) erst einmal in Richtung Nebrownii.

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An der Strecke führt noch weit vor dem Wasserloch auf der linken Seite ein holpriger kleiner Weg in Richtung Pfanne, der uns bislang unbekannt war und auch nicht beschildert ist. Niemals wären wir darauf gekommen, dort hineinzufahren, doch wir haben beim Abendessen von anderen Gästen einen Tipp erhalten: Bei einem geführten Gamedrive haben sie dort ein schlafendes Rudel Löwen entdeckt. Immerhin dafür war der Besuch im Katastrophen-Restaurant gut...

Das Rudel hat in der Nacht zugeschlagen und weil es ziemlich groß ist, von dem Riss auch schon nicht mehr viel übrig gelassen. Außer uns ist nur ein anderes Auto da, der Weg liegt nicht auf den gängigen Gamedrive-Routen und noch hat sich die Sichtung nicht herumgesprochen.

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Langsam setzt sich die Sonne durch und es wird wärmer, wir beobachten die Löwen bei ihrem makabren Frühstück, genießen die Ruhe und die Savannen-Stimmung, die wir so sehr lieben. Ich vermute, es ist das Okondeka-Rudel, bei unserem nächsten Halt Okondeka jedenfalls ist bis auf spärliches Restwasser weit und breit nichts zu sehen.

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Rund 50 Kilometer sind es von Okaukuejo zum abgelegenen Ozonjuitji m’Bari. Die Landschaft ist karg und einsam, kein Auto begegnet uns.

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Wir orakeln, ob sich diese Wüste wohl jemals wieder von der Dürre erholen kann (sie kann, wie wir ja mittlerweile zum Glück wissen 🙂 ).

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Dann schließlich das: Auf einer weiten, sandigen Ebene, mitten im Nichts, wimmelt es von Tieren.

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Hunderte von Huftieren ziehen einträchtig in langen Karawanen am Parkplatz vorbei zum Wasserloch. Eine idyllische, aber auch unwirkliche Szenerie, als würde immer derselbe Film in Endlos-Schleife ablaufen.

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Nur die schreckhaften Zebras durchbrechen von Zeit zu Zeit die Harmonie und die sanfte Stille. Doch schnell hat sich wieder alles sortiert und der Film beginnt von vorn.

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Dann ein Sandsturm. Plötzlich und heftig. Das Autoinnere - zum Glück nicht auch die Karosserie - erhält ein Facelifting. Wir auch. Alles grau gepudert. Draußen verstärkt sich die ohnehin bizarre Atmosphäre - es ist geradezu gespenstisch!

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Nach rund eineinhalb Stunden verlassen wir den fremden Planeten und kehren voller Eindrücke in gewohnte Sphären zurück.

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Das Flair dieses Wasserlochs ist speziell und war uns den weiten Weg wert, doch es hat Spuren hinterlassen: Die Mittagspause verbringen wir mit der intensiven Reinigung unserer Kameras.

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Teil 1102. März 2020

Sturköpfe

Ich verfüge leider über eine ganze Reihe schlechter Eigenschaften. Sie alle zu benennen, führt sicher zu weit. Habe ich mir einmal ein Urteil gebildet, bin ich schwer umzustimmen. Meinungsstark, könnte man im besten Fall sagen. Halsstarrig, lautet wohl die Alternative. Klingt nicht so toll. Kommt der Wahrheit aber mindestens genauso nah. An diesem Nachmittag lasse ich mich allerdings eines Besseren belehren. Was selten genug geschieht.

Wir starten die zweite Hälfte des Tages mit einem Rundgang übers Campgelände. Bei unseren ersten beiden Besuchen in Okaukuejo war die Suche nach Vögeln sehr ergiebig, doch diesmal ist die Ausbeute bescheiden.

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Wäre ich ein Vogel, ich würde auch vor der Trockenheit fliehen. Andere haben die Möglichkeit nicht, wie diese beiden Oryxe, die ihre recht mageren Körper im Wasserloch kühlen.

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Hinter dem Tor führt unser erster Weg zu den Löwen, die wir am Morgen in der kleinen Straße in Richtung Pfanne gefunden haben. Sie sind noch da, aber in den spärlichen Schatten geflohen. Nur eine einzelne Löwin wacht in der Hitze des Tages eifersüchtig über die kümmerlichen Reste des Risses.

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Ihre Artgenossen rühren sich wenig, und wenn, geht das auch noch ins Auge: Eins der Tiere tritt sich einen langen Dorn in die Pfote. Autsch, das tut schon beim Zuschauen weh!

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Die Sichtung ist längst kein Geheimtipp mehr und durch die Nähe zum Camp auch für viele andere der erste Anlaufpunkt. Wir haben keinen schlechten Platz, doch Atmosphäre wie Action waren am Morgen besser. Als dann noch ein dicker Safari-Truck auf dem für seine Ausmaße viel zu schmalen Weg rangiert, treten wir den Rückzug an.

Ich hege eine ausgesprochene Abneigung gegen diese lauten, staubaufwirbelnden Ungetüme, die ich mit einem Gefängnistransport assoziiere. Kaum kommt der Koloss schnaufend zum Stehen, schieben sich die Kameras durch die winzigen Luken, die wohl eigentlich Fenster sein sollen. Nein, ich kann sie nicht leiden, diese Dinger, die zum Glück eher selten unsere Wege kreuzen. Das steht fest und daran ist auch nicht zu rütteln.

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Bei Nebrownii ist es herrlich ruhig. Allerdings auch, was Tiere angeht 🙁 . Der Monstertruck kommt angefahren, nix zu sehen, schon sind sie weg und wir wieder allein. Wir überlegen, wohin jetzt, da registriere ich in der Ferne einen Fleck. Er ist dick, bewegt sich und läuft schließlich an unserem Auto vorbei ins Erdgeschoss der Nebrownii-Wellness-Oase.

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Dem Peeling folgt ein Drink oben an der Bar, mit Blick auf das wohl knackigste Hinterteil, das sich mir je präsentiert hat (sorry, Thomas B)).

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Wir steuern Gemsbokvlakte an, ...

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... unterwegs begegnen wir endlich Vögeln und natürlich dem Monstertruck, der uns fast zu verfolgen scheint. Er rollt in Richtung Olifantsbad, wir nicht, uns wird die Zeit zu knapp.

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Wir sind außerdem beschäftigt: Wieder stehen wir allein am Wasserloch, wieder erscheint ein Fleck am Horizont; das nächste Spitzmaul, deutlich magerer als sein Artgenosse zuvor in Nebrownii, aber wieder so schön!

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Zufrieden kehren wir um, voller Eindrücke und mit ausreichend Zeit. Denken wir. Doch dann ist Sense. Ich habe oft davon gehört, jetzt stecken wir mittendrin: Ein Elefant blockiert die Straße und in wenigen Minuten ist in Okaukuejo Toreschluss - was nun? Im Auto vor uns herrscht Ratlosigkeit, bei uns auch. Thomas guckt nervös auf die Uhr und dann auf mich, doch es nutzt nichts: rien ne va plus! Eine große Elefantengruppe hat mittlerweile die Straße überquert und ist weitergezogen, der Riese hat seine Aufgabe mit Bravour erfüllt. Doch er macht keine Anstalten, das Feld zu räumen. Keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich, weil er es kann. Ein sturer Hund, dieser Elefant - er ist mir irgendwie sympathisch.

Weitere Wagen sind mittlerweile hinter uns und wir damit immerhin nicht allein mit der Misere. Innerlich arbeite ich bereits an meiner (Aus-)Rede zur Verspätung am Tor. Dann ein vertraut unangenehmes Brummen: Die "Knackis" kommen! Checken kurz die Lage, überholen uns und setzen sich an die Spitze der Bewegung. Der Truck rollt vor und zurück, es geht Gigant gegen Gigant, doch der Elefant bleibt cool: Du kannst nicht vorbei!

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Der Fahrer lässt den Motor aufheulen. Ein tiefer, bedrohlicher Ton, und er wirkt - kurz, aber immerhin lang genug. Der Elefant dreht widerwillig ab, der Truck fährt los und Thomas bellt: "Bleib dran!" Lasse ich mir nicht zweimal sagen und klemme mich an die Stoßstange meines Vordermannes. Wir schaffen es gerade noch, hinter unserer kleinen Karawane schließt das Tor. Ich bin erleichtert und dankbar. Wer hat eigentlich jemals etwas gegen Monstertrucks gesagt? Ich jedenfalls bin Fan. Naja, zumindest für ein paar Stunden 😉

Wir boykottieren das Chaos-Restaurant und behelfen uns mit Stullen und Knabbereien aus dem campeigenen Shop. Chips zum Abendbrot, ich könnte mich glatt dran gewöhnen. Am Wasserloch schmeckt sowieso alles dreimal so gut.

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Den Schlusspunkt setzen - wie könnte es anders sein - mehr Spitzmäuler.

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Mein Liebling ist an diesem Tag nicht nur der dicke Laster, sondern auch ein Spitzmaul, das neugierig bis zum Zaun tapert, der Camp und Wasserloch voneinander trennt. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, als das Tier minutenlang direkt vor uns verharrt. So stark, so verletzlich, so kostbar. Uns geht es wie wohl allen in diesem besonderen Moment: Was den Schutz dieser Tiere betrifft, können wir nicht halsstarrig genug sein.

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Teil 1204. März 2020

Nix als Löwen

Tag drei im Etosha Nationalpark, und wir verlassen Okaukuejo mit Toröffnung in Richtung Halali. 70 Kilometer sind es nur bis dorthin, ein Glück, denn so richtig weit kommen wir erst einmal nicht.

Die Löwen vom Vortag sind noch da, haben sich aber fast ausnahmslos weit von dem kleinen Weg, der zur Pfanne führt, entfernt.

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Ganz anders das Nebrownii-Rudel. Es hat sich am gleichnamigen Wasserloch versammelt und rüstet sich in der noch kühlen Zeit bei Sonnenaufgang für den Tag.

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Einer der Junglöwen ist auf der Suche nach einem Spielkameraden, aber na sowas, keiner will so recht.

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Wahrscheinlich alles eine Frage der Taktik. Vielleicht hilft ja Schmeichelei...,

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...oder Penetranz...,

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...oder vielleicht einfach mal so tun, als hätte man das Interesse verloren.

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Anscheinend die richtige Strategie. 🙂

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Weiter hinten auf der Ebene wirft sich eine Dame dem Rudelchef, den wir am Vortag als Solisten getroffen haben, regelrecht an den Hals. Mit mäßigem Erfolg. Noch scheint der Zeitpunkt nicht gekommen.

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Vielleicht ist er auch nur schüchtern. Kein Wunder bei all dem Publikum. Die Springböcke, auf dem Weg zum Wasser jäh gestoppt, beäugen jedenfalls aufmerksam das missglückte Date des vermeintlichen Traumpaares.

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Überhaupt ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, auch ein paar Meter weiter.

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Rund eine Stunde ist seit unserem Aufbruch in Okaukuejo verstrichen, um kurz vor Acht wird es schon wieder richtig warm. Der Löwenmann kommt langsam näher, versetzt seine Nachkommenschaft in Alarmbereitschaft...

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...und ihr Blick weist die Richtung.

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Das ist das Signal für uns, wir setzen uns in Bewegung und kommen gerade noch rechtzeitig an der Hauptpad an. Ein Löwe nach dem anderen verschwindet in dem schattigen Durchlass direkt unter uns.

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Ein letzter schmachtender Blick...

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...dann ist die Show vorbei. Was für ein Start in den Tag! Gerade einmal acht Uhr, und schon ist er gelungen.

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Teil 1309. März 2020

Game, Set and Match

Wäre der Etosha-Park ein Tennisplatz, hätten wir nach der Löwenbegegnung den ersten Satz im Sack. Mit der Gewissheit des Siegers sparen wir uns die große Schleife über Olifantsbad und Aus und fahren auf der Hauptstraße weiter gen Halali. Ohnehin zählen beide Wasserlöcher nicht unbedingt zu unseren allergrößten Favoriten, stattdessen freuen wir uns auf die Fahrt entlang der Pfanne mit ihrer einzigartigen Landschaft.

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Beim Dreieck Sueda - Charitsaub - Salvadora liegen die Wasserstellen nicht nur schön, sondern praktischerweise auch nah beieinander. Dass sie von natürlichen Quellen gespeist werden, verleiht ihnen zusätzlichen Charme. Wie schon vier Jahre zuvor haben wir uns darum erneut dazu entschlossen, eine Übernachtung in Halali einzuplanen.

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Bei Sueda verbringen wir einige Zeit mit Familie Strauß, die sich wenig schüchtern zeigt, aber auch ein bisschen schnippisch.

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An Charitsaub haben wir tolle Erinnerungen. Vier Jahre zuvor spielten unter dem Baum vier kleine Löwen und am Wasserloch trank ein Spitzmaul. Komisch - irgendwie erwartet man immer dieselbe Situation am selben Ort. Als würde die Zeit stehenbleiben. Was natürlich Quatsch ist. Zeigt schon der tägliche Blick in den Spiegel. 😣

Still ruht Charitsaub, dafür sammeln sich schräg gegenüber zahllose Zebras bei Salvadora, der schönen Wasserstelle direkt am Pfannenrand.

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Hier sollen sich gerne Löwen in den Dünen auf die Lauer legen. Wir scannen die Gegend mit dem Fernglas - keine Gefahr.

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Weiß aber der Leithengst nicht. Und zögert. Ewig. Seine Gefolgschaft wird unruhig. Huf vor, Huf zurück, das Match zieht sich und steht auf des Messers Schneide. Dann endlich das Break! In einer langen, endlosen Schleife zieht der Tross zum Wasser.

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Ein toller Anblick, dieses Streifenkuddelmuddel. Und auch ohne Löwen ein Big Point.

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In Halali angekommen, fällt Thomas in ein mentales Loch. Sensorisch überlastet, nimmt er ein Timeout in unserem riesigen Bushchalet, das um Klassen besser ist als das Waterhole Chalet in Okaujuejo. Ich vertrete mir nach der vielen Sitzerei die Beine. Im Vergleich zum rummeligen Okaukuejo ist es wunderbar friedlich, nur die Vögel sind leider auch hier rar gesät.

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Am Nachmittag sind wir wieder fit. In Rietfontein gibt es nichts für uns zu holen, bei Goas gefällt uns die Idylle.

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Über Nuamses wollen wir zurück zur Hauptpad, das sind kaum zehn Kilometer, und ignorieren einen dicken Ast, der zur Hälfte quer über der Straße liegt. Ein (Doppel-)fehler, der Weg ist erbärmlich und zudem verlassen. Nur Schlaglöcher und Staub - unser Matchplan gerät arg durcheinander. Auch den Lookout, an dem man aussteigen und weit über die Pfanne blicken kann, klemmen wir uns. Die Zufahrt ist hundsmiserabel, die Landschaft rechts und links des zerklüfteten Weges apokalyptisch. Lieber bewahren wir die schönen Erinnerungen an unseren letzten Besuch vor sieben Jahren.

Am Lookout 2012
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Etwas ernüchtert rollen wir zurück in Richtung Halali, zwei Steinböckchen dienen als Stimmungsaufheller.

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Dann sehe ich etwas flitzen. Es verschwindet unter der Straße. Thomas will mir nicht glauben (ist wohl seine biblische Pflicht), doch ich bin stur (das hatten wir schon). Bleibe über dem Durchlass stehen. Motor aus und abwarten. Der Flitzer kommt auf der anderen Seite wieder heraus. Game, Set and Match! Der Nachmittag ist gerettet.

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Nun haben wir einen Lauf, der Stotterstart ist Geschichte,...

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...und Thomas auf Zack: Stopp! Den grauen Koloss auf grauem Grund hätte ich beinahe übersehen, obwohl er mir fast auf dem Schoß sitzt. Und wie macht er das eigentlich mit den Dornen? Wir rätseln und staunen.

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Das Abendessen im campeigenen Restaurant ist keine Offenbarung, aber deutlich besser als in Okaukuejo, der Besuch am oft gelobten Moringa-Wasserloch bleibt wie vor vier Jahren ohne Befund. Wir können es verkraften, der Tag war ein voller Erfolg, und das Finale im Etosha kommt erst noch. Mal sehen, ob wir unsere Form halten können.

Teil 1412. März 2020

The golden waving grass

Ich bin meist gut vorbereitet auf unsere Reisen. Stöbere im Forum, im Netz, in Reiseführern. Diesmal habe ich in einem Foto-Guide eine kleine "Detour" entdeckt, die in rund neun Kilometern in einem Bogen parallel zum Hauptweg am Pfannenrand entlangführt. Mit Landschaften wie aus dem Bilderbuch. Weiten Ebenen voller "golden waving grass". Möglicherweise Cheetahs und zuweilen auch Nashörnern. Soweit die Theorie.

Nach unserer ebenso frühen wir erfolglosen Stippvisite bei Salvadora - Sueda - Charitsaub kehren wir also flugs um und biegen kurze Zeit später links ab. Aber kein Gold und kein Gras - nur grau-weißer Feinstaub, wie bei der Dürre nicht anders zu erwarten. Freispruch für den Foto-Guide also, aber das "goldene wogende Gras" wird zum Running Gag auf der restlichen Reise, wann immer es besonders staubig ist. Also ziemlich oft.

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Immerhin mit einer Prognose soll das Buch Recht behalten:

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Wieder zurück auf der Hauptstraße cruisen wir langsam in Richtung Osten. Das Wetter ist unentschieden, schon wieder, nicht gut, nicht schlecht, und so ganz anders als bei unseren bisherigen Etosha-Aufenthalten. Im Dezember hatten wir Jahre zuvor immer wieder Wolkenbrüche mit tollem Licht und dramatischem Himmel, und im November vier Jahre zuvor fast durchgängig blauen Himmel.

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Die Fahrt macht dennoch Freude, immer wieder gibt's was zu entdecken.

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In Springbokfontein ist das (Ried-)Gras zwar auch nicht "golden waving", aber immerhin hoch genug, um einen Löwenmann fast vollständig zu verdecken.

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Dahinter wird der Himmel blauer, das Licht besser.

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Nächster Halt Kalkheuwel. Ein stark frequentiertes Wasserloch, aber künstlich und so komisch gemauert und deshalb eher geht so, doch wir bleiben: Just bei unserer Ankunft kommt eine große Gruppe Elefanten zum Trinken.

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Auch einige Elefantenkinder sind dabei, wir finden sie ziemlich klein, wissen aber auch nicht, was dieser Tag noch für uns bereithält.

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Die Zebras können unsere Begeisterung nicht teilen, schon fast eine Stunde blockieren die Dickhäuter das Wasser und lassen die anderen Tiere gnadenlos in der heißen Vormittagssonne schmoren.

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Da liegen die Nerven verständlicherweise blank.

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Schließlich ziehen die Elefanten ab. Und wir auch. Wir checken die Wasserlöcher um Namutoni.

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Bei Groot Okevi brüten Strauße ...

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... und auf dem Weg nach Chudop frisst eine Giraffe auch in direkter Nachbarschaft unseres Autos ungerührt weiter. Wir sind schamlos und schauen ihr beim Essen zu (Macht man nicht, lehrte mich meine Oma. Aber die war auch nie auf Safari 😉 ).

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Chudop ist ein Schock für mich. Ich mag Nebrownii, weil es so ergiebig ist, aber ich mag Chudop mehr. Weil es natürlich, mit seinem Riedgras in der Mitte so pittoresk und darüber hinaus ergiebig ist. Doch nun ist das Wasserloch fast ausgetrocknet und nur eine kleine Pfütze übrig (Bilder gibt's am nächsten Tag). Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass es soweit kommt.

Es ist Mittag, sehr heiß und die Tiere haben sich in den Schatten verkrochen. Doch von Chudop alarmiert wollen wir auf dem Weg zum Onguma Bush Camp noch schnell den (Wasser-)Stand bei Klein Namutoni checken. Sieht alles gut aus, ich bin beruhigt und freue mich auf eine schöne, entspannte Pause in unserer nächsten Herberge. Doch dazu kommt es nicht - wir bleiben. Und das aus gutem Grund.

Teil 1514. März 2020

Der rosa Elefant

Just als ich den Gang einlege und wir Klein Namotoni in Richtung Onguma verlassen wollen, sehen wir erst eine Staubwolke und dann eine Elefantenherde mit großen Schritten zum Wasserloch eilen. Okay, Elefanten hatten wir schon viele während dieser Reise, aber wenn sie schon mal da sind, nehmen wir sie natürlich mit. 😎

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Erst auf den zweiten Blick entdecken wir zwischen den vielen Giganten einen Winzling, in den ich mich Hals über Kopf verliebe. Ich kann nicht einschätzen, wie jung er ist und leider auch niemanden fragen, denn in der prallen Mittagssonne sind wir das einzige Auto weit und breit - was ich in diesem Moment aufrichtig bedaure, denn Platz ist bei diesem Wasserloch allemal genug.

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Der Kleine marschiert schon tapfer mit den Großen mit, ist aber ziemlich tapsig - und das mit dem Rüssel klappt auch noch nicht so richtig.

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Der Gesamteindruck ist rosa. Die Nägel, die Augen, die Ohren, die an dünnes Fensterleder erinnern und wild in der Gegend herumflattern. Ich krieg mich fast nicht mehr ein.

Daumenlutscher
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Das Baby ist ein Quatschmacher, platscht mit den rosa Füßen im Wasser herum und versucht mit dem Rüssel Blubberblasen zu machen. Was mehr schlecht als recht gelingt. Jetzt krieg ich mich überhaupt nicht mehr ein.

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Ein paarmal haben wir echte Sorge, dass dem Kleinen ist dem Getümmel etwas zustößt. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall.

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In der gesamten Gruppe dreht sich alles um das jüngste Mitglied, das nach Strich und Faden verwöhnt wird - auch von den anderen Kindern, die schon etwas größer sind. Wo ist er, was macht er, ein Schubser hier, ein Stupser da und viel geduldiges Warten, und als das Baby von der Toberei müde ist und sich eine halbe Stunde aufs (Knick-)Ohr legt, kesseln es die anderen Familienmitglieder zum Schutz regelrecht ein. Noch nie haben wir dieses eindrucksvolle Sozialverhalten so ausgiebig beobachten können.

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Sonnenschirm auf Elefantenart
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Die Gruppe zerfällt, ein Teil nimmt ein ausgiebigen Staubbad, ...

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... die Teenager beginnen unter Bewachung eines Bullen eine ebenso wilde wie ausgiebige Wasserschlacht.

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Am liebsten würde ich mitmachen. Wir werden in unserem Auto fast gebacken - egal! Auf die Uhr schaue ich schon lange nicht mehr.

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Das Baby ist wieder auf den Beinen, die Elefanten marschieren direkt an uns vorbei ...

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... zum anderen Ende des Wasserlochs. Die Chance für die anderen Tiere, die seit fast eineinhalb Stunden in der Warteschleife hängen.

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Erst am Nachmittag kommen wir los und rollen zu einem Zeitpunkt bei Onguma auf den Hof, an dem wir normalerweise schon wieder in Richtung Etosha unterwegs wären. Doch schon jetzt steht fest: So viele tolle Elefantenbegegnungen wie diesmal hatten wir noch nie am "Großen weißen Ort".

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Teil 1617. März 2020

Zaungäste

Ziemlich groggy, aber glücklich ...

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... kommen wir im Onguma Bush Camp an. Schon zum dritten Mal haben wir uns hier einquartiert, die Lage direkt am Von Lindequist Gate ist günstig und die Anlage schön. Es gibt diverse Unterkünfte auf dem großen Gelände, dessen dazugehöriges Game Reserve 34.000 Hektar umfasst und an die "Fisher Pan" grenzt. Wir haben allerdings noch keine andere ausprobiert und waren immer happy.

Bild von 2012, der Stil der Zimmer ist unverändert
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Klamotten ins Zimmer, Wasser ins Gesicht und eine kurze Kaffeepause, dann fahren wir später als gewöhnlich noch einmal in den Park hinein.

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Die Wasserlöcher liegen in diesem Teil, den ich eigentlich sehr mag, ziemlich nah beieinander. Was ein ausgesprochenes Glück ist, denn dazwischen herrscht wegen der Dürre Ödnis. Kein Grashalm weit und breit. Die Tiere suchen die Nähe des Wassers, das macht das Beobachten leicht, doch die schöne Landschaft, das fehlt diesmal.

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Bei Klein Namutoni steht ein Dikdik wie im Winter-Wonderland, und weil an dieser Stelle eine Senke ist, wird die Mini-Antilope jedes Mal frisch eingepudert, wenn ein Auto vorbeirauscht (anscheinend sind Dikdiks für ziemlich viele nicht von Interesse, was mich wirklich wundert...).

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Es scheint sie nicht zu stören, was beinahe unglaublich ist, und wir beobachten sie eine Weile, wie sie ihren Gatten beobachtet. Wahrscheinlich rätselt sie genau wie wir, was er eigentlich an diesem Gestrüpp findet...

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Eine Hyäne hat etwas mehr zwischen die Zähne bekommen, ...

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... und immer wieder biegen wir bei Koinachas ein. Dreimal waren wir im Etosha, dreimal haben wir keinen Leoparden gesehen. Doch auch an dem für unverhoffte Katzenbegegnungen bekannten Wasserloch bleibt diese Rechnung offen.

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Der Nachmittagsdrive fällt nach der späten Abfahrt kurz, die Bilanz des Tages dennoch hervorragend aus. Es dämmert, direkt hinter dem Gate biegen wir ab und schalten den Safarimodus aus.

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Gedankenverloren rollen wir die wenigen Kilometer am Zaun entlang, die Onguma und den Nationalpark voneinander trennen. Ich sehe etwas aus dem Augenwinkel und bin irritiert, mein Hirn ist ausgeknipst, die Wahrnehmung verspätet. Eher instinktiv halte ich an.

"Äh, Thomas."
"Hmhm."
"Leopard."
"Hm ... hä?!"
"Leopard!"
"Hä?!"
"Da liegt ein Leopard."
(Nun ganz wach) "Wo?"
"Na da links."
"OH ...!"

Hektische Betriebsamkeit auf der Rückbank und nicht druckreifes Fluchen, denn der Zaun ist im Weg. Wir sind in Onguma, der Leo im Etosha, aber: Er ist unser erster in diesem Park - geht doch! Der Bann ist gebrochen.

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Teil 1721. März 2020

Entzugserscheinungen

Safaris sind eine spezielle Sache. Viele unserer Freunde können kaum bis gar nicht verstehen, was genau wir eigentlich daran finden. "Ihr habt doch jetzt schon alles gesehen. Wird das denn nicht langweilig?"
Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe ausgesprochene Zweifel daran, dass ich eine vernünftige Erklärung liefern könnte. Also versuche ich es meist erst gar nicht, und hier muss ich das zum Glück auch nicht. Denn wir ticken wohl alle ähnlich.

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Wir jedenfalls kriegen den Hals nicht voll. Es ist eine Sucht. Harmlos, doch sie will gefüttert werden. Außer natürlich, es herrschen besondere Umstände. Wie ein scheußliches Virus zum Beispiel. Dann muss sich die Sucht gedulden. Schlummern sozusagen. Doch weg ist sie nicht. Wird sie nie sein. Das weiß ich genau.

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Als unser letzter voller Tag im Etosha anbricht, bin ich halb wehmütig, halb voller Vorfreude auf den Caprivi, wohin wir am nächsten Morgen weiterreisen. Auf dem Parkplatz des Onguma Bush Camp treffe ich den Guide einer Birdergruppe, deren Wege sich seit einiger Zeit immer wieder mit den unseren kreuzen. Sie fahren schon an diesem Tag nach Nordosten und haben unter anderem die Beeater-Kolonie in Katima Mulilo auf dem Zettel. Die Brutzeit der Vögel neigt sich dem Ende zu und so frage ich ein wenig bange, ob er glaubt, dass wir die Kolonie noch antreffen könnten. Er ist sich sogar sicher. Das sind sehr gute Nachrichten, und so ist es ein ziemlich guter Start in den noch jungen Tag.

Der Himmel hängt bleischwer über der ausgedörrten Landschaft und kündigt einmal mehr Regen an; Fake-News wohl, wie immer zuletzt, Chudop zeugt auf drastische Weise davon. Das schöne Wasserloch ist kaum mehr als ein Krater und wir müssen einen langen Hals machen, um überhaupt bis unten hineinschauen zu können. Das lohnt sich allerdings, denn neben der kümmerlichen Lache lagern vier Junglöwen und verteidigen die Pfütze in der lässig-ungehobelten Manier einer Horde Halbstarker gegen eine scheinbare Übermacht von Hyänen. Die machen zwar lautstark Front gegen die lästigen Katzen, können sie aber auch nicht vertreiben.

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Die Teenies tun noch ein bisschen überlegen und cool, am Ende einigen sich die Streithähne jedoch friedlich-schiedlich und die Hyänen trinken am hinteren Ende, während die Löwen mehr oder minder gemütlich im Modder herumfläzen.

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Dann ist mit den Flegeleien schlagartig Schluss. Ein echter Prachtkerl betritt die Bühne, die Halbwüchsigen sind ist wie ausgewechselt und nehmen brav Aufstellung.

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Auf unsichtbares Geheiß hin folgen sie dem Chef schließlich ins dichte Gebüsch, nicht allerdings ohne den Zebras, die sich dem spärlichen Wasser hoffnungsvoll genähert hatten, einen Denkzettel zu verpassen. Wohl einfach, weil sie es können.

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Wir cruisen von Wasserloch zu Wasserloch, die Fahrten dazwischen bleiben in diesem Teil des Parks in Ermangelung an Weidefläche wie schon zuvor relativ ereignislos. So schaffen wir es wieder locker bis Kalkheuwel.

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Viele Zebras, wie schon am Vortag, und obwohl diesmal keine Elefanten das Wasser blockieren, gibt es wieder jede Menge Streit.

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Gegen Mittag streifen wir auf dem Rückweg Klein Namutoni, instinktiv erwarten wir, die Elefanten vom Vortag anzutreffen - was natürlich nicht der Fall ist. Es ist relativ ruhig, und wer das Wasserloch jetzt sieht, kann sich kaum vorstellen, was am Tag zuvor zur selben Zeit dort los war. Was nicht heißt, dass es nichts zu entdecken gäbe.

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Wie diese Giraffe zum Beispiel, die ruhelos am Wasser hin- und hergeht und immer wieder an exakt derselben Stelle stoppt. Es ist wohl ihre bevorzugte Stelle zum Trinken, doch ausgerechnet dort hat sich ein furchtloser Bateleur niedergelassen, der keinerlei Anstalten macht, seine Pole Position zu räumen. Weder schiere Körpergröße noch böse Blicke helfen - der Adler bleibt stur und der Sieger in diesem zumindest optisch ungleichen Ringen.

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Die Pause in Onguma tut gut, zurück im Park mache ich die Probe aufs Exempel, stoppe per Handzeichen einen Game-Drive-Wagen und frage nach besonderen Vorkommnissen. Bei früheren Safaris sind wir häufiger so verfahren, hatten aber diesmal das Gefühl, nicht immer auf Gegenliebe zu stoßen. Auch die schöne Sitte, entgegenkommende Autos per Handzeichen zu grüßen, scheint aus der Mode zu sein. Vielleicht sind es aber auch einfach zu viele Autos geworden in den vergangenen Jahren. Dieser Fahrer aber ist sehr nett und berichtet von einem Löwenrudel, das ganz in der Nähe hinter den Okevi-Wasserlöchern am Pfannenrand einen Riss gemacht hat.

Wir müssen nicht lange suchen, denn die Löwin, die für die Bewachung des Kadavers zuständig ist, liegt mitten auf dem Weg.

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Der Rest der Bande lungert vollgefressen in soviel Schatten, wie eben unter diesen schwierigen Umständen zu finden ist, und rührt sich kein Stück. Schade eigentlich, der Riss liegt günstig zur Straße und ist wohl noch keinen Tag alt. Hätten wir uns früher überwunden und um Rat gefragt, hätten wir möglicherweise einen Festschmaus erlebt. Ziemlich viel Konjunktiv zugegeben, unterm Strich können und wollen wir uns nach der bisherigen Ausbeute keinesfalls beschweren.

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Action steht hier in nächster Zeit nicht zu erwarten, und so verlassen wir die trägen Katzen bald. Wir sind noch nicht weit gekommen, da krabbelt uns mitten auf dem Weg eine kleine Schildkröte entgegen. Sie macht keinerlei Anstalten, in absehbarer Zeit abzubiegen und ich würde sie gerne von der Straße wegsetzen, doch die Löwen sind direkt hinter der Kurve und vielleicht doch nicht so im Fresskoma, wie es den Anschein hat. 😮 Zum Glück nimmt sich der Guide eines entgegenkommenden Jeeps ein Herz, steigt aus und bringt das Tierchen in Sicherheit.

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Wir fahren nach Tsumcor, das weiter nördlich liegt und für häufige Elefantenbesuche bekannt ist, und tatsächlich eilt uns dort schon nach kurzer Wartezeit eine Gruppe direkt entgegen.

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Beinahe beängstigend, wie die Tiere so zielstrebig auf uns zumarschieren, nur mühsam widerstehe ich dem Drang, aufs Gas zu drücken und zu fliehen. Aber natürlich haben es die Giganten nicht auf uns abgesehen, sondern auf das Wasser dazwischen.

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Auf dem Rückweg zieht sich der Himmel im Eiltempo zu, diesmal keine leere Drohung, die ersten Tropfen fallen. Es blitzt und donnert heftig in Richtung Caprivi, unserem nächsten Ziel. Oha, wie das wohl wird. Wir kennen Regen in Namibia als kurze, heftige Gewitterschauer, doch es regnet und donnert die ganze Nacht hindurch. Eine Wohltat für das Land und die Tiere. Wie lange das wohl so weitergeht?

Teil 1824. März 2020

Fahrende Musikanten

Sollen wir oder sollen wir nicht - noch einmal in den Etosha fahren? Das ist hier die Frage. 430 Kilometer nach Rundu liegen an diesem Tag vor uns. Kein Pappenstiel, aber gut machbar, denn die Strecke ist durchgängig asphaltiert. Wir stehen an der Weggabelung bei Onguma: Links geht es nach Grootfontein, rechts liegt das Von Lindequist Gate. Ihr ahnt es schon, eine rhetorische Frage letztlich. Ich biege ab. Nach rechts. Die Safari-Sucht, ihr wisst schon. Wir sind wohl ganz schön bekloppt...

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Die manchmal herben, aber immer lustigen Damen an der Schranke kennen uns schon und freuen sich, dass wir noch einmal schwach geworden sind. Eher nebenbei bemerke ich, dass über Nacht die Zeiten angepasst worden sind und wir bereits vor einer halben Stunde hätten hineinfahren können. Das ist schade, aber nun mal nicht zu ändern, ebenso wie das Wetter, das mäßig ist. Noch immer tröpfelt es von Zeit zu Zeit vom grauen Himmel.

Thomas ist mit dem Umbau der Kameras befasst, dann also doch wieder Tele. Weiter vor mir kreuzt eine Katze den Weg, ich kann sie nicht zuordnen, ihre Statur ist mittelgroß und mir gänzlich unbekannt, dann folgt eine zweite mit Puscheln an den Ohren - Karakale!

Ich bin von den Socken, die haben wir noch nie gesehen. Scheu sind sie und geradewegs im Dickicht verschwunden, nur mit Mühe können wir sie entdecken. Thomas - mit dem Umbau nicht fertig - muss sich mit dem Weitwinkel begnügen und wurschtelt sich einen ab, aber unverhofft kommt eben oft.

Wir haben in diesem Bild zwei Karakale versteckt. Wer kann sie entdecken? 😎
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Am Pfannenrand bei Okevi lungern noch die Löwen vom Vortag herum. Vom Kadaver ist fast nichts mehr übrig, die Bäuche sind prall gefüllt.

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Die Gnus bleiben trotzdem auch ganz ohne Corona vorsorglich auf Abstand.

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Etwas weiter oben am Wasserloch tummelt sich der Rest des Rudels; die Plauzen so dick und rund, dass sie nur auf dem Rücken liegen können.

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Noch einmal geht's bis Twee Palms und wieder zurück, dort soll eine Löwin mit ihren beiden Babys eingezogen sein. Am Vortag wurden sie gesichtet, wir finden leider keine Spur. Bei Klein Namutoni tanken wir, bezahlen den zusätzlichen Tag und decken uns mit Gesundfutter für die Fahrt ein, Kartoffelchips und Cola zum Brunch, warum auch nicht, wir haben ja Urlaub.

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Unterwegs schalten wir das Autoradio ein, erst Nachrichten, getragen vorgetragen, inhaltlich dreht sich fast alles um die Dürre und manchmal auch Chinesen. Andere Station, andere Prioritäten, deutsche Schlager rauf und runter, nicht unbedingt mein Genre, aber - ein bisschen Spaß muss sein!

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"Fahrende Musikanten, das sind wir
Immer auf Achse, das sind wir"


Zu Nina & Mike anno 1974 düsen wir erst bis Grootfontein und dann schnurstracks rauf nach Rundu, unbeschwert und frei. Der Song bleibt mir im Ohr, bis heute, und hat dabei eine trübe Färbung bekommen, denn mit dem "immer auf Achse" ist keine fünf Monate später ebenso unerwartet wie unvermittelt bis auf Weiteres Schluss.

Die Gegend ist einsam, rechts und links Drahtzäune, hinter denen privates Farmland liegt, doch je näher wir Rundu kommen, desto mehr ändert sich das Bild. Rinderherden am Straßenrand, jede Menge Trubel, einfache Hütten, Obststände und Holzschnitzereien, wir sind in der Region der Kavango und des Kunsthandwerks. Hier, so habe ich einmal gelesen, beginnt das wahre Afrika, und ich kann nachvollziehen, was gemeint ist.

Wir kommen gut voran, nur auf den letzten Kilometern wird es rumplig. Wir denken zuerst, wir haben uns verfahren, doch die Schilder weisen den Weg, vorbei an Ziegenherden und Kids, die mit einfachsten Mitteln auf Fischfang sind.

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Am frühen Nachmittag sind wir da. Ein warmer Empfang und kalte Getränke versüßen uns auf Anhieb die Hakusembe River Lodge, die direkt am Ufer des Kavango liegt.

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Dessen Wasser ist wegen der Trockenheit so seicht, dass die Menschen zwischen Namibia und Angola hin- und herwaten, ohne dass auch nur die Knie nass werden. Wir hatten es ohnehin nicht vor, doch Bootstouren finden hier seit Monaten nicht statt.

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Die Idylle am Fluss begeistert uns dennoch, ebenso der schöne, riesige Garten, der sich als echtes Vogelparadies entpuppt.

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Unser riedgedecktes Chalet liegt praktischerweise direkt am Pool, an dem ich den Rest des Tages faulenze, verströmt allerdings einen etwas muffigen Geruch, der noch tagelang an meinen Klamotten haftet. Der einzige Abzug in der B-Note, ansonsten Daumen hoch für Hakusembe als Zwischenstopp.

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Das Abendessen ist eine besondere Erwähnung wert, ein Wahnsinnsbuffet mit riesiger Auswahl und ausgesprochen lecker. Zum ersten Mal koste ich eine Monkey Orange mit ihrem intensiven, gar nicht an Orangen erinnernden Geschmack - für mich eine der Entdeckungen des Urlaubs. Pappsatt und müde sinke ich in die Kissen und bin doch voller Tatendrang: Caprivi, wir kommen!

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Teil 1928. März 2020

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Wir könnten ausschlafen an diesem Morgen in der Hakusembe River Lodge, aber das klappt natürlich nicht. Der Afrika-Rhythmus hat uns fest im Griff. Zum Glück, denn die Morgenstimmung ist herrlich.

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Die meisten Gäste liegen noch in den Federn, doch im Garten ist schon schwer was los.

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Wie auch bei den Nachbarn in Angola. Morgentoilette am Kavango - wir sind so nah und doch so fern. Was für ein anderes Leben. Denken wir, doch was denken sie dort drüben? Beim Blick hinüber zur Lodge, mit all ihrem Komfort, dem gepflegten Rasen und den sonnenbebrillten Touristen, die so wenig passen in dieses Bild? Wir winken, und die Kinder winken zurück. Alles andere werden wir nicht erfahren.

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Unser Morgenspaziergang führt uns zur Campsite, ebenfalls wunderschön direkt am Fluss, und schließlich auf einen Steg. Wir setzen uns in die Sonne, entspannt und glücklich, eine Schwalbe umschwirrt uns und tanzt auf dem Geländer. Wir sind fasziniert, und das ist wohl auch Zweck der Übung. Ein Ablenkungsmanöver, denn ein Stockwerk höher wohnt der Rest der Familie. Oops, da wollen wir nicht länger stören!

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In einem hohen Baum thronen zwei junge Fleckenuhus (?) und mustern uns mit prüfendem Blick. Wir bleiben lange stehen, sie nicken wieder ein und blinzeln ab und zu, na, sie die da unten noch da? Irgendwann sind wir weg. Das Frühstück ruft.

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Nur 275 Kilometer sind es bis zu Drotsky's Cabins in Botswana, unserem nächsten Ziel, dazu überwiegend Teer. Wir haben Zeit und nehmen sie uns auch. Die Gruppen sind längst weg, da drehen wir die nächste Runde im Garten. Der Manager mag unsere Langsamkeit, wir sollen uns Zeit lassen beim Checkout.

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Es ist Sonntag, und schließlich rollen wir an vielen festlich gekleideten Kirchgängern vorbei auf der B8 nach Divundu. Dort biegen wir mittags ab in Richtung Botswana, es ist extrem heiß und nicht gerade die ideale Tageszeit für einen Besuch des Mahango Nationalparks. Zeit für eine Pause also beim Popa Falls Resort, wo wir einen kleinen Obolus entrichten und den kurzen Weg bis zu den Stromschnellen laufen.

Die machen zwar keinerlei Eindruck auf uns, doch die Aussicht von der Terrasse ist schön. Ein junges schwarzes Paar aus Rundu bittet uns, ein Foto mit dem Smartphone zu machen und wir kommen ins Gespräch, beide fragen uns nach unseren Eindrücken von Namibia, nach unserem Leben in Deutschland und sind sehr interessiert. Der junge Mann arbeitet im Baugeschäft, erzählt von seinem Alltag, von Korruption und Engpässen, von seinen Ängsten und Hoffnungen, von der anstehenden Wahl und wie er dazu steht. Das ist alles hochspannend und wir vergessen die Zeit.

Am frühen Nachmittag geht es weiter, der Asphalt endet, die Transitstrecke nach Botswana beginnt. Wir fahren nicht direkt geradeaus, sondern wollen den kleinen Umweg über den Mahango machen, der Teil des Bwabwata National Parks ist. Am Eingang zahlen wir dafür ein paar Euro Eintritt und biegen dann links ab in den Park, der sich auf beiden Seiten der Straße erstreckt. Während der andere Weg, der bis zu einem Wasserloch und wieder zurück führt, deutlich länger ist und auch tiefsandig, führt die von uns gewählte Variante über zwölf Kilometer in einem Bogen bis fast zur Grenze zurück auf die Transitstrecke.

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Es ist nach wie vor heiß, viele Tiere werden wir wohl nicht sehen, doch wir freuen uns auf einen ersten Eindruck des kleinen Game Reserves, von dem wir viel Gutes gehört haben. Gleich hinter der ersten Kurve begegnet uns eine Pferdeantilope, sie nimmt schnell Reißaus, trotzdem ein schöner Start.

Der Weg führt zur Flusslandschaft des Okavango, bildhübsch und ein toller Kontrast zum staubigen Etosha, aus dem wir gerade kommen.

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Schade, dass die Trasse nur allzu selten einen freien Blick auf das Idyll erlaubt. Immer wieder führen Pisten in Richtung des Flusses, doch wir bringen sie nicht in Einklang mit den Schildern, die das Offroadfahren untersagen. Zwei Jeeps fahren sogar direkt an der Riverfront entlang, doch wir lassen es - wenn auch schweren Herzens - und beschränken uns auf die wenigen Gelegenheiten mit Aussicht.

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Nur wenige Autos begegnen uns, ein Plus für den Park, der uns mit seiner Savanne, dem Fluss und den knorrigen Bäumen richtig gut gefällt. Bei einem dicken Baobab vertreten wir uns die Beine, was angeblich erlaubt sein soll. Verbrieft ist das glaube ich nicht.

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Ist schon ganz schön schön hier.
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Schon fast zurück auf der Transitstrecke, turnen direkt neben uns zwei Affen herum. Mit riesigen Segelohren ...

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... und dem Schalk im Nacken. Weil ich den einen zwischen den Zweigen kaum erkennen kann, wiege ich beim angestrengten Gucken den Kopf hin und her. Mein Gegenüber äfft mich nach, sprichwörtlich. Als würde ich in einen Spiegel gucken. Ein bisschen treiben wir das Spiel noch weiter, ich wackle mit dem Kopf, das Meerkätzchen auch. Ich fass es nicht.

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Beim Mohembo Grenzposten ist nichts los, wir kommen schnell an die Reihe. Alle Papiere stimmen, auch die für den Wagen, ruckzuck sind wir durch, besser geht's nicht.

Am Örtchen Shakawe vorbei sind es nur wenige Kilometer bis zu Drotsky's Cabins. Eine alteingesessene Lodge im Panhandle des Okavango Deltas und Ziel ganzer Angler-Generationen. Blinker, Wobbler und Multirolle - alles böhmische Dörfer für mich, meine bescheidenen Angelkenntnisse fußen allein auf Hollywoods "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" mit Brad Pitt als sexy Fliegenfischer. Angeln, schon irgendwie cool, speziell Fliegenfischen, dachte ich damals. Es hat sich wie vieles herausgewachsen.

Die Gegend gilt als Vogelparadies, und deshalb sind wir hier. Wir ziehen in ein rustikales, riesiges Chalet auf Stelzen, der Garten ist wunderbar und voller Tiere: Vögel, Affen und Buschböckchen, die im Schatten unter den Häuschen liegen.

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Die Lage am Fluss ist ein Traum, auch wenn leider zuletzt drei Buschfeuer ihre Spuren hinterlassen haben.

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Nach der vielen Autofahrerei im Etosha freuen wir uns riesig auf die Bootstrips, die wir in jeder Hinsicht individuell gestalten können. Wir buchen zwei Touren nur für uns, eine über zweieinhalb Stunden kurz nach Sonnenaufgang und eine weitere am Nachmittag über zwei Stunden. Theoretisch könnten wir noch am übernächsten Tag nachlegen, wenn uns danach ist. Oder wenn am nächsten Morgen das Wetter nicht mitspielt. Was gut passieren kann, wie wir bei Tinochikas gesehen haben, die kurz zuvor in der Gegend waren und leider Pech hatten. Wir werden sehen.

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Teil 2030. März 2020

Von Birdern, Booten und Bestimmungsbüchern

Wir sind keine Birder. Es wäre vermessen, das zu behaupten. Das wissen wir spätestens, seit wir uns vor Jahren in Costa Rica einer Gruppe von Ornithologen aus Florida anschließen durften. Es war ungemein nett von den Vogelkennern, uns für einen Morgen in ihren Reihen aufzunehmen, und wir verstehen ihre Leidenschaft für dieses Hobby. Doch wir teilen sie nicht, sind keine Sammler und wohl auch nicht sonderlich detailverliebt. Ist die Brust hell-, mittel- oder dunkelgrau gefärbt? Eine schwierige Frage, zumal im Zwielicht um fünf Uhr morgens, und ich bin ehrlich: Es war mir ziemlich egal.

Was nicht heißt, dass wir Vögel nicht lieben. Im Gegenteil. Schon als Kind hielt ich Brehms Tierleben fast ehrfürchtig auf den Knien und bewunderte die bunten Hochglanzbildchen sowie die dazugehörigen exotischen Namen; nichtsahnend, wieviel Ärger mir die lateinische Sprache in nicht allzu ferner Zukunft noch bereiten würde.

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Tagsüber unternahm ich im Garten ellenlange Exkursionen, wenn auch meist ohne Erfolg, denn der Fund eines Hellroten Aras in unserer Trauerweide hätte eine biologische Sensation bedeutet - oder auch den Hinweis, dass Nachbars Karlchen mal wieder ausgebüxt war.

Bei der Buchung unserer Bootstouren in Drotsky's jagen mir all diese Gedanken in Lichtgeschwindigkeit den Kopf, als wir gefragt werden, ob wir Birder seien. Ich sage leicht flunkernd vorsorglich ja, Thomas nein, wir einigen uns auf "We are interested in birds". Was auf jeden Fall der Wahrheit entspricht. Zumal den zarten Anfängen rund um den heimischen Kompost so manche Afrikareise folgte, während der wir unsere Kenntnisse immerhin deutlich vertiefen konnten.

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Nach unserer ersten Nacht bei Drotsky's stehen wir also pünktlich wie die Maurer samt Kameras, Bestimmungsbuch und großen Erwartungen am Anleger. Doch kein Schiff kommt. Und auch kein Guide. Wir fragen im Haupthaus nach, es wird hektisch telefoniert, "Don't worry". Na dann.

Das geht ja gut los, doch keine Viertelstunde später sprintet der Guide über den Rasen. Leicht verstrubbelt, doch sympathisch, er habe soeben von seinem Einsatz erfahren. Mir soll's recht sein, kann losgehen, der Rest ist egal. Ich weiß leider seinen Namen nicht mehr, keiner der im Forum geläufigen jedenfalls, doch er liebt die Natur und seine Gäste, das klingt nach ziemlich guten Voraussetzungen für uns.

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Wir sitzen kaum im Boot, da vermeldet er den ersten Fund. Ein Weißrückenreiher, eigentlich nachtaktiv und ziemlich gut versteckt, doch mit Ruhe und Bedacht bringt er uns in die perfekte Position. Ein besondere Sichtung, ich hätte es nicht gewusst, und genau das meine ich. Wir sind keine Kenner, aber dass dieser Vogel so scheu wie schön ist, das sehe auch ich, und so freuen wir uns mit unserem Guide über seine tolle Entdeckung.

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Überhaupt kommen wir kaum vom Fleck. Was uns hier umschwirrt, ist einfach phänomenal. Noch keine fünf Minuten auf dem Wasser, und schon sind wir hin und weg. Auch das Wetter ist gut aufgelegt, der Okavango glatt wie ein Dorfteich.

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Wir genießen die Morgensonne, das schöne Licht und das rege Treiben am Fluss, ständig gibt es was Neues zu entdecken.

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Das Flussbett ist an vielen Stellen nicht sehr breit und so können wir bei Bedarf problemlos die Seite wechseln. Als ich einmal diesen Wunsch äußere, gibt der Guide das schlechtere Licht zu bedenken, und hat damit völlig recht. Er ist richtig gut, besonnen und engagiert, wahrscheinlich sind sie es alle bei Drotsky's.

Ich freue mich sehr über die African Skimmer, die wir noch nie gesehen haben, ...

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... und den üppigen Papyrus, an dem wir friedlich vorbeischippern.

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Die Buschbrände haben mancherorts Spuren hinterlassen, doch das frische Grün sprießt schon wieder.

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Es ist wunderbar still. Ich höre fast nichts, der Guide alles, ein leises Platschen, das Krokodil da vorne führe irgendwas im Schilde.

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Auf Verdacht nähern wir uns, das Krokodil taucht ab, ist scheinbar verschwunden, und dann wieder da, direkt vor uns - und nicht allein. Die Antilope ist schon lange tot, ich erkenne es erst auf den zweiten Blick. Das Krokodil bewegt sich heftig, dreht und wendet sich, will seinen Fund zerfetzen, eine schaurig-schöne Szene. Was hier los ist! Dabei sind wir gerade einmal eine halbe Stunde auf dem Wasser...

Unsere erste Sitatunga-Sichtung hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt...
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Fortsetzung mit Teil 2 vom Morgen folgt

Teil 2101. Apr. 2020

Morgendliche Bootstour bei Drotsky's, Teil 2

Die Begegnung mit dem Krokodil und seinem makabren Fund hat uns schwer beeindruckt, doch die nächsten Protagonisten in diesem großartigen Naturschauspiel warten schon.

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Ich freue mich sehr über einen Schwarm grüner Tauben, der über unsere Köpfe fliegt, ...

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... und einen einzelnen Vertreter, der netterweise verharrt, als wir uns so lautlos wie möglich nähern.

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Die hohen Bäume bei Shakawe scannen wir besonders intensiv, sie sollen ein beliebter Rückzugsort der Pel's Fishing Owls sein. Diese ebenso großen wie scheuen Eulen sind nachtaktiv und ernähren sich fast ausschließlich von Fisch. Tatsächlich entdecken wir ein einzelnes Exemplar, auf dem Hinweg im Schlummermodus, auf dem Rückweg nicht mehr so ganz - toll!

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Rund zehn Kilometer sind es von Drotsky's bis Shakawe, und wir kehren um.

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Schon jetzt sind wir restlos glücklich mit der Tour, ...

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... doch unser Guide hat noch etwas in petto. Sagt er, und ich ahne schon, was kommt: Er kramt einen Fisch hervor und pfeift laut, das Signal für die ohnehin omnipräsenten Fish Eagle, dass es etwas zu holen gibt.

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Wir sind nicht unbedingt ein Freund solcher Zirkusnummern, die wir auch im Pantanal so erlebt haben, wollen aber auch keine Spielverderber sein. Und so harren wir der Dinge, die da kommen.
Der Guide wirft den Fisch und der erwartete Adler klaubt sich die Beute aus dem Wasser. Soweit alles nach Plan und für Thomas eine tolle Gelegenheit; ich dagegen bin fotografisch raus, übersteigt diese Aktion doch meine Fähigkeiten bei weitem.

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Was folgt, ist Chaos, dem ich schon mit bloßem Auge kaum mehr folgen kann. Ein anderer Greif taucht auf, es gibt einen erbitterten Kampf mit wildem Gekreische und Flügelschlagen. Der Guide ist aus dem Häuschen und wir auch.

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Doch das Spektakel geht weiter. Mit einem weiteren Adler. Der ist schwer auf Zack, als den beiden Kampfhähnen der Fisch flöten geht, und schnappt sich als lachender Dritter die Beute. Uff, was war das denn bitte?!

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Euphorisch bedanken wir uns am Anleger bei unserem Guide, den wir in wenigen Stunden wiedersehen werden. Schon jetzt freuen wir uns auf die Nachmittagstour!

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Dem ausgiebigen Frühstück folgt im Garten eine weitere Vogelpirsch, wir können es einfach nicht lassen. Kingfisher, Finken und Bee-eater bevölkern den Rasen und die Bäume.

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Zwischendurch schwatzen wir mit zwei Niederländern übers Reisen und ihre ungewöhnliche Vita, sieben Jahre haben sie bei Maun einen Campingplatz betrieben. Nun haben sie ihn verkauft und reisen für ein Jahr kreuz und quer durchs südliche Afrika, auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Ich schwanke zwischen Bewunderung und Bedenken, Respekt habe ich allemal. Ein solch radikaler Schritt wäre undenkbar für uns.

Es folgt eine Siesta in unserem Häuschen, wir checken die E-Mails und haben Post: Air Namibia hat den Rückflug gestrichen. Auweia! Immerhin, unsere Agentur kümmert sich und gibt uns rechtzeitig Bescheid, wie's läuft. Darüber sind wir froh, denn in den nächsten Tagen haben wir im Camp Kwando kein Internet und könnten kaum etwas in der Sache unternehmen.

Um 16 Uhr startet unsere Nachmittagstour. Wir haben noch Zeit für einen Spaziergang, mehr Vögel und eine ganze Horde Affen, ...

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... an den Kleinsten verliere ich gleich wieder mein Herz.

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Der Guide ist nach seiner morgendlichen Verspätung schon vor uns da und lotst uns diesmal weg von Shakawe in die andere Richtung. Wir freuen uns riesig auf die nächsten Stunden. Das Leben ist einfach wunderbar!

Teil 2204. Apr. 2020

Im Boot mit Berti

Als Kind wollte ich unbedingt einen Spitznamen. So einen richtig coolen. Einen mit Persönlichkeit. Im Laufe der Jahre hat sich eine ganze Reihe angesammelt. Bettina haben mich eigentlich nur meine Eltern genannt und vor allem dann, wenn ich etwas angestellt hatte. Die drei Silben steigerten sich im Zorn, beim -NA am Ende zerstob der letzte Zweifel am Ernst der Lage. Durch und durch liebevoll gemeint war das "Tina" meiner Patentante, aber wie habe ich es gehasst! Doch weil ich sie wiederum sehr mochte, ließ ich es ihr durchgehen, und so hielt sich Tina wacker bis zum Ableben ihrer Schöpferin im gesegneten Alter von 92 Jahren.

Auf breiter Front durchgesetzt hat sich Betti als naheliegende Kurzform. Meine Nichten und Neffen haben noch ein "Tante" davorsetzt. Tante Betti, klingt nach Krankenschwester - gewöhnungsbedürftig. Hinzu kamen im Laufe meines Lebens "Bati" (=Licht), so getauft von den Indern bei meinen Besuchen auf dem Subkontinent, weil ihnen Betti nichts sagte, sowie das englisch ausgesprochene "Beat" in Anlehnung an einen Song in den Achtzigern, der den Refrain "And the Beat goes on" enthielt. Ein gefundenes Fressen für meine damalige Clique und ein Verweis darauf, dass ich ein ziemlich temperamentvoller Feger war und immer auf Achse. Man hat mich schon schlimmer tituliert ...

Bettina, Betti oder Berti: Hauptsache Afrika! (hier an der Spitzkoppe)
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Doch sie ist lange vorbei, die Zeit der wilden, durchtanzten Nächte, und der Begriff Beat mit zunehmendem Alter verblasst. Nur mein Nickname im Forum zeugt noch davon. Und so sind sie rar geworden, die netten Kosenamen, die für ganze Lebensabschnitte stehen, für Eigenarten und Eigenschaften.

Nun aber ist ein neuer Spitzname auf den Plan getreten. Ein purer Zufall, ein simpler Vertipper einer Forumsfreundin auf der Tastatur - die Geburtsstunde von Berti. Kleiner Fehler, große Wirkung, der Name hat jedenfalls verfangen, und ich bin nicht undankbar dafür, setze ich doch große Hoffnungen in diese Kreation. Schließlich ist so ein Alter Ego eine prima Sache, und wer weiß, was da noch für Charaktereigenschaften schlummern. Vielleicht ist Berti ein Eins-A-Tiefsandfahrer, vielleicht ein Draufgänger, wie es Beat in ihrer Jugend war? Auf jeden Fall liebt Berti Afrika, wie auch nicht, ist er doch ein Kind des Forums und Bele seine Hebamme. Und weil das so ist, bin ich ein Riesenfan von Berti, der meine größte Leidenschaft teilt: Wenn es um Afrika geht, sitzen wir im selben Boot.

Abendstimmung am Okavango
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Wie auch an diesem Nachmittag, als wir zu unserer zweiten Bootstour bei Drotsky's aufbrechen. Nach dem intensiven Morgen ist alles weitere Zugabe, einen Malachite würden wir gerne sehen, na klar, doch die Brutzeit der schönen bunten Eisvögel ist leider vorbei und die Chancen stehen nicht allzu gut. Dagegen können wir uns einmal mehr vor White-fronted Bee-eatern kaum retten.

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Sie stehen geradezu Spalier und präsentieren sich wenig scheu. Geschickt bugsiert uns unser Guide immer wieder ganz nah an die schönen Vögel heran.

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Ärger im Paradies
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Die Nachmittagsstimmung auf dem Fluss ist herrlich und wir saugen die Stille in uns auf.

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Doch mit dem perfekten Idyll ist es jäh vorbei. Ein bestialischer Gestank nach Verwesung, pfui Spinne, beim Näherkommen sehen wir die Quelle des Übels. Hier hat sich vor noch gar nicht langer Zeit ein Drama abgespielt, ein Elefant steckte im tiefen Boden fest und konnte auch leider nicht befreit werden. Am Ende erhielt er den Gnadenschuss, und ich versuche entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, die Szene nicht vor meinem geistigen Auge aufleben zu lassen.

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Die vielen Vögel um uns herum bringen uns auf andere Gedanken, ...

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... am Horizont türmen sich Wolken auf, doch das Wetter hält.

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Die Schreiseeadler sind wieder zahlreich vertreten ...,

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... und ein Halbwüchsiger ist auch dabei, worüber wir uns sehr freuen. Sozusagen eine Erstsichtung.

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Wie erreichen die Xaro Lodge und drehen kurz dahinter um, wow, die Anlage und das Setting sehen wirklich toll aus. Sie gehörte dem Sohn der Drotsky's-Besitzer, ein Jahr zuvor hat er sie allerdings verkauft. Die Lodge ist nur mit dem Boot zu erreichen und ich setze sie prompt auf meine gedankliche Liste möglicher Ziele. Der Fluss macht an dieser Stelle einen Knick und die Spätnachmittagssonne sorgt für den Rest - es ist wunderschön hier.

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Finden wohl auch die Tiere, jedenfalls ist in der Gegend rund um die Lodge richtig was geboten.

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Und dann sehe ich ihn - den Malachite, so klein, bunt und leider auch wendig, immer wieder entwischt er uns. Das geht viel besser, aber am Ende sind wir froh, ihn überhaupt auf ein Foto gebannt zu haben.

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Zwei Stunden haben wir gebucht, doch damit kommen wir nicht aus. Viel zuviel gibt es zu sehen. Doch kein Problem. Ob wir verlängern wollen, fragt unser Guide, und schon ist alles klar.

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Wir kehren um, die Sonne senkt sich und setzt sich gegen die aufziehenden Wolken immer weniger durch. Nur noch bei schlechtem Licht können wir daher beobachten, wie die Bee-eater ihre Nachtquartiere beziehen.

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Die Abendstimmung ist dennoch ein Traum, was war das für ein erfüllter Tag auf dem Okavango! Wir nehmen nicht an, dass eine weitere Bootsfahrt noch mehr oder gar bessere Eindrücke liefern könnte, und so verzichten wir auf eine dritte Tour am nächsten Morgen. Stattdessen wollen wir auf dem Weg zurück zur B8 erneut den Umweg über den Mahango machen. Wir sind schon ganz schöne Nimmersatte - der Thomas, die Betti - und natürlich der Berti. 😉

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Teil 2307. Apr. 2020

Von Fluss zu Fluss

Wir verabschieden uns früh von Drotsky's, obwohl mit rund 300 Kilometern eine überschaubare Strecke vor uns liegt. Doch wir wollen den Mahango zu einer taktisch besseren Uhrzeit besuchen als auf dem Hinweg. Wir sind glücklich über unseren Abstecher nach Botswana. Irgendwann werden wir zurückkehren ins Vogelparadies bei Drotsky's. Ganz bestimmt.

Wieder geht es am Mohembo Grenzposten hopplahopp voran. Nur lässt mich die gestrenge Dame im namibischen Büro nicht ins Land - es fehlt der Ausreisestempel in meinem Pass. Auf demselben Weg darf ich nicht zurück, also kurve ich mit dem Auto noch einmal um den Pudding, passiere die verdutzten Polizisten, an denen ich vorhin schon einmal vorbeigekommen bin, hole mir im botswanischen Büro den fehlenden Beleg und schlage schließlich wieder im Office von Namibia auf, wo Thomas auf mich wartet. Immerhin war ich jetzt schon dreimal in Botswana - und somit einmal mehr als er. 😗

Beim Abzweig zum Mahango sitzt ein brauner Schlangenadler, eine Erstsichtung für uns. Geht gut los!

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Nächster Stopp ist der sogenannte "Picknickplatz", ein wunderbarer Ort direkt am Wasser und unter riesigen Bäumen. Jede Menge Tiere bedienen sich am Frühstücksbuffet, ...

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.. und manch einer ist noch gar nicht richtig wach.

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Eine tolle Morgenstimmung und eine so friedliche Koexistenz verschiedenster Tiere, nur den Insekten geht es an den Kragen. Ein Rallenreiher zeigt viel Geschick und erbeutet ein Opfer nach dem anderen rund um unser Auto.

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Mehr Vögel bei der kurzen Fahrt durch den Park ...

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... und auch ein Kudu, das zunächst sichtlich an unserer Vertrauenswürdigkeit zweifelt.

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Test bestanden: Schließlich mümmelt das schöne Tier direkt neben uns munter weiter.

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Der Blick auf den Fluss ist herrlich und erneut bedauern wir, dass er nur von so wenigen Stellen möglich ist. Doch wir wollen das ohnehin kaum vorhandene Grün keinesfalls noch mutwillig plattfahren.

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Viel zu schnell sind die zwölf Kilometer vorbei. Zurück auf der Transitstrecke zahlen wir den Parkeintritt und erreichen zügig die B8. Noch einmal tanken, dann geht es durch den Bwabwata Nationalpark bis nach Kongola weiter. Ich hatte mich mental auf große Langeweile eingestellt. Und natürlich, viel passiert auf der Strecke nicht. Doch auf dem makellosen Teer kommen wie schnell voran und wenn ich an die ellenlangen Strecken denke, die wir zuweilen in unseren Landen zwischen monotonen Lärmschutzwänden und gespickt mit Staus zurücklegen, dann gefällt mir die namibische Tapete entlang der B8 mit Sand, Bäumen und immer wieder Adlern ziemlich gut.

Von Kongola bis zum Camp Kwando ist es nicht mehr weit, vorbei an kleinen Dörfern, Eseln und winkenden Kindern geht es schließlich über eine sandige, nicht aber tiefsandige Piste bis zur Lodge, die auf einer Halbinsel direkt am Ufer des gleichnamigen Flusses liegt. Wieder ist das Setting grandios, es gibt einen Campingplatz, luxuriöse, zwischen große Bäume gebaute Bungalows und etwas schlichtere Zeltbauten, von denen wir einen beziehen. Hier gibt es alles, was wir brauchen - inklusive eines traumhaften Blickes auf den Fluss und hinüber nach Botswana.

Schön ist auch der offene Restaurant- und Barbereich mitsamt großem Holzdeck, wo es ebenso von Vögeln wimmelt wie im Garten. Vor allem die Paradiesschnäpper sind zahlreich vertreten und wir werden nicht müde, ihnen hinterherzusteigen.

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Eine Bootsfahrt auf dem Kwando ist eigentlich gesetzt, allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Der Wasserstand ist so niedrig, dass kaum mehr Touren stattfinden und wenn, dann nur in kleinster Besatzung mit maximal drei Personen. Wir machen einen Deal: Wir bekommen unsere Zweier-Bootstour zum Normalpreis, wenn wir dafür zudem noch zwei geführte Game Drives in den benachbarten Mudumu National Park buchen - was wir ohnehin vorhatten.

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Unser erster Game Drive am Nachmittag ist mit drei weiteren Paaren gut besetzt, unser Guide ein Milchbart aus dem Nachbardorf. Ich freue mich wie immer unbändig auf die Fahrt, die uns schöne Landschaften zeigt, allerdings nur vergleichsweise wenig Tiere. Sie sind so rar wie die Erklärungen unseres ebenso jungen wie schweigsamen Fahrers. Was das dort drüben für ein Vogel sei, fragt eine Mitfahrerin. "Ein grüner", fachsimpelt er. Ich falle fast von der Rückbank - und endgültig aus allen Wolken, als das Auto seine Eigenarten offenbart. Es hupt beim Start. Jedes Mal. Durchdringend und unvermeidlich. Das wird noch eine Rolle spielen...

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Es ist eine denkwürdige Fahrt, und eine lustige dazu. Nur ein Paar kann in unsere Heiterkeit nicht einstimmen und die Frau tut mir aufrichtig leid. Wann immer sie mit uns lacht, straft sie ihr Mann mit bösen Blicken. Er ist wohl sauer, dass es nicht so läuft, aber so ist es nunmal in einem Nationalpark, dazu einem ohne Zäune: Die Buschparty steigt diesmal woanders. Und so macht der Rest von uns einfach seine eigene und lässt sich die Stimmung nicht vermiesen. C'est la vie.

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Ein Sundowner am Lagerfeuer und ein frühes Abendessen im schönen, offenen Restaurant, schon liege ich im Bett. Drei Eulen zanken vor dem Zelt und so laut, dass es mir durch Mark und Bein geht. Dagegen ist das Grunzen der Hippos vertraut - und meine perfekte Nachtmusik.

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Teil 2411. Apr. 2020

Gefahr im Verzug?!?

Neues Spiel, neues Glück. So lautet das Motto vor unserer morgendlichen Fahrt in den Mudumu, der uns nach dem eher ereignislosen Nachmittagsdrive zuvor eigentlich nur positiv überraschen kann. Ebenso wie der zwar sympathische, aber so schweigsame Guide, der schon hinterm Steuer sitzt und uns ein gewinnendes Lächeln schenkt, als wir gegen Sieben auf dem Parkplatz erscheinen. Als einzige Gäste übrigens. Das fügt sich natürlich gut.

Blick aus unserem Zelt am Morgen
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Ich nutze die Gunst der Stunde und weise vorsorglich darauf hin, dass wir uns für alles interessieren. Kleintiere, Vögel, bitte gerne halten, und auch gerne länger! Der Junge lächelt und nickt; dreht den Zündschlüssel und die Karre hupt, wie sie das eben so macht, wir kennen es schon vom Vortag. Ich zucke trotzdem zusammen und bin endgültig wach; wie jetzt wohl auch der letzte im Camp. Ein bisschen bizarr das alles, ich denke an eine Butterfahrt und auch an die fahrenden Musikanten. Einfach nur so.

Beim Vorbeifahren deutet der Junge auf sein Dorf, es liegt um die Ecke zwischen Lodge und Park. Schlichte Hütten und freundliche Menschen, sie winken und grüßen den stolzen, fröhlichen Guide, den hier jeder kennt. Wie auch nicht, er ist einer von ihnen, und sein Werdegang eine riesige Erfolgsgeschichte. Das wird mir schlagartig klar. Ich freue mich für ihn und auch für uns, wir bekommen etwas ab von seinem Glanz und machen diese Karriere mit unseren Besuchen möglich. Ein gutes Gefühl.

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Im Mudumu treffen wir eine Gruppe Südafrikaner, sie campen wild. Das sei zwar an bestimmten Stellen erlaubt, doch auch ziemlich verrückt, meint unser Guide. Aber warum denn, fragen wir, was ihn ehrlich überrascht und wohl auch amüsiert: "Viel zu gefährlich", ist er überzeugt.

Wir finden Elefanten, darunter viele Jungtiere, der Guide schaltet den Motor aus und wir beobachten sie lange.

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Hm, lecker 🙄
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Den Bullen, der sich uns aus der anderen Richtung genähert hat, bemerken wir erst, als er uns schon fast erreicht hat. Oh Schreck! Der Guide murmelt etwas, ich kann es nicht verstehen, ahne aber, wir sollen uns nicht bewegen. Was mir ohnehin nicht eingefallen wäre. Zur Salzsäule erstarrt sitze ich auf der Rückbank, wie auch Thomas in der Reihe vor mir.

So viele hautnahe Begegnungen hatten wir im Laufe der Jahre, und nur zu gut erinnere ich mich an unsere erste Safari und Lektion Nummer eins: gerate niemals zwischen eine Elefantenherde. Genau das ist nun aber passiert, und der Elefant startet eine intensive Inspektion des Jeeps. Nur Zentimeter ist der tastende Rüssel von meiner linken Schulter entfernt, ein komisches Gefühl, eine Mischung aus Furcht und Pragmatismus. Kämen wir in dem tiefen Sand gut weg? Was schlummert in meinem Rucksack? Eine Orange vielleicht, oder ein Apfel? Das wäre echt doof, ist aber zum Glück nicht der Fall.

"Don't worry", flüstert der Junge, der wohl meine Gedanken lesen kann, doch so wie er dasitzt, kerzengerade, mit großen Augen und die Hand am Zündschlüssel, bin ich alles andere als beruhigt. Zumal das Interesse des Elefanten keineswegs erlahmt. Minuten werden zur Ewigkeit. Schon imposant, wieviel Kraft in so einem Rüssel steckt. Vor allem, wenn man direkt daneben sitzt. Oder auch darunter, denn nun rupft das Tier an der Dachplane und lässt sie mit einem lauten Knall hinabflitschen. Immer wieder. Eine echte Zerreißprobe, auch für die angespannten Nerven.

Unser Führer ändert die Strategie. Dreht den Zündschlüssel, es folgt das obligatorische Hupen, absurd! Wir eiern durch die tiefsandige Spur und haben Glück. Kein rasender Elefant folgt uns, ich bin heilfroh und sage das auch, doch der Guide lächelt wieder und beruhigt: "No danger." So richtig glauben kann ich ihm nicht, aber die Situation wiederum auch nicht einschätzen. Wie wohl seine Erfahrungen sind? Als Guide. Als Einheimischer, der mit der Wildnis aufgewachsen ist. Was weiß er und was nicht? So richtig komme ich nicht dahinter.

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Ganz sicher hat er mehr auf dem Kasten, als er bei unserer ersten Tour gezeigt hat. Er bleibt zwar wortkarg - für Anfänger eher ungünstig, für uns aber angenehm - findet für mich jedoch die "grünen Vögel" und kann sie auch näher erklären; es sollte vielleicht ein Scherz sein am Vortag. Die Goldbugpapageien sind für uns eine Erstsichtung und wir freuen uns sehr darüber.

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Es ist eine nach dem ersten Schreck so friedliche Tour durch schöne Landschaft, die zwar unter der Dürre leidet, aber durch ihre Vielseitigkeit besticht. Und gefällt die Einsamkeit, nur die Südafrikaner begegnen uns, auch wenn die ganz spektakulären Sichtungen ausbleiben.

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Er sagt es nicht, aber einen Wunsch will mir der Guide offenbar noch erfüllen, die Zeit ist längst um, doch er fährt Umwege. Erst einmal haben wir in aller Ruhe Pferdeantilopen gesehen, 2014 in Botswana, und nun hoffte ich auf eine zweite Begegnung. Als wir schon nicht mehr damit rechnen, finden wir sie, und sind alle glücklich damit.

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Dieses Zebra muss ein Steppenzebra sein, doch es sieht kompakter aus und es fehlen auch die Schattenstreifen. Weiß jemand, was genau für ein Zebra das ist?
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Reichlich verspätet sind wir zurück im Camp Kwando, uns soll es recht sein. Wir treffen die Birder, die auf dem Rückweg von Katima Mulilo sind, und sie zeigen uns ein Nest direkt am Holzdeck beim Restaurant.

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Es ist so winzig, wir hätten es glatt übersehen, obwohl es direkt vor unserer Nase hängt. Ein Paradiesschäpper-Pärchen schleppt fleißig Nistmaterial an, stopft es in die Lücken und drückt dann das Innere mit dem Bauch geschickt platt.

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Die heiße Mittagszeit verbringen wir am Pool und erneut in allerbester Gesellschaft. Vögel und Schmetterlinge umschwirren uns, ...

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... und schon jetzt freuen wir uns auf die Bootstour auf dem Kwando am Nachmittag.

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Eierdieb
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Teil 2513. Apr. 2020

Stinkige Landratten

Obwohl in Hamburg zuhause und nachweislich seetauglich, sind wir ausgesprochene Landratten. Also stinkige Landratten, wie man hier oben (mit spitzem "s") zu sagen pflegt; man darf das nicht persönlich nehmen. Auf dem Wasser sein nur um des Wassers willen, das ist nicht unser Ding. Manche Bootstrips bilden eine Ausnahme. Die in Afrika, in Costa Rica oder im Pantanal zum Beispiel. Oder auch die durch die Fleete unserer Heimatstadt, wenn die Wasservögel Junge haben. Weil es immer etwas zu sehen gibt und die Fahrt zur Safari wird; das sanfte Dahingleiten unter freiem Himmel, die Ruhe und das friedliche, emsige Treiben der Flussbewohner einen ganz eigenen Zauber besitzen. Und die Touren eine andere Welt eröffnen, einen anderen Blick. Von innen nach außen sozusagen. Das mögen wir.

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Gegen halb Vier sind wir wie am Vortag verabredet beim Restaurant und warten. Warten zehn Minuten, dann will ich vorsorglich nachfragen, ob auch alles klappt. Rezeption wie Restaurant sind verwaist und zwei Damen im benachbarten Office not amused, als ich bei ihrer Unterhaltung störe. Die Bootsfahrten, belehren sie mich mit tadelndem Blick, beginnen in dieser Jahreszeit erst um Vier. Aha! Also weiter warten.

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Um kurz vor Vier finden sich mehr Menschen ein, das ist einerseits gut aber wiederum auch verwunderlich, sollte das Boot doch wegen des niedrigen Wasserstandes kaum besetzt sein. Der Guide kommt und nimmt die anderen Gäste mit, es ist die Tour in den Mudumu. Und wir? Schulterzucken. Von einer Bootstour weiß er nichts. Auch die Rezeption, mittlerweile wieder besetzt, stellt uns vor Rätsel. Derzeit fänden keine Bootstrips statt. Fake News, wie wir wissen, denn erst am Morgen waren die Ornithologen auf dem Fluss und zudem schwer begeistert.

Jetzt sind wir sauer und stehen noch unschlüssig in der Gegend herum, da biegt ein älterer Herr um die Ecke. Fragt mit Bedauern, ob wir die Mudumu-Abfahrt verpasst hätten und kriegt einen Schreck, als wir von der gebuchten Tour berichten. "Come on", sagt er, und keine fünf Minuten sitzen wir bei ihm im Boot. Der Guide ist ausgesprochen nett und unser Stimmungsbarometer in Warp-Geschwindigkeit nach oben geschnellt. Wir sind dankbar für seine ebenso prompte wie unbürokratische Reaktion.

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Wir schippern in Richtung Mudumu. Zu beiden Seiten erstreckt sich der Nationalpark, eine ganz neue Perspektive und Natur pur.

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Der Fluss ist schmal, wir haben beide Ufer fest im Blick. Gut verborgen bewacht ein Krokodil seine Eier.

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Das Wasser ist tatsächlich ziemlich seicht, die Hippos sammeln sich an den wenigen tieferen Stellen.

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Beim Vorbeifahren steigt wie immer das Adrenalin. Auch, weil wir einmal eine Mokoro-Tour in Botswana Jahre zuvor abgebrochen haben, als ein Nilpferd gar nicht aufhören wollte, uns mit seinem Imponiergehabe zu schocken. Was ihm eindrucksvoll gelang. Hatte wohl was gegen stinkige Landratten in seinem Revier, das Hippo...

Wir freuen und einmal mehr über die vielen schönen Vögel, ...

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... auch wenn die Tour in dieser Hinsicht nicht ganz mit denen bei Drotsky's mithalten kann.

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Dennoch sind wir wieder sehr begeistert. Viel zu schnell verfliegen die zwei Stunden, die wir auf dem flachen, kleinen Boot verbringen.

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Zurück an Land, gibt's einen Sundowner am Feuer, denkwürdige, aber auch amüsante Gesellschaft einer reichlich angeschickerten Amerikanerin und ein tolles Abendessen im Freiluft-Restaurant. Ich wünschte, ich könnte die Zeit anhalten und einfach immer so weitermachen. Gerne auch zu Wasser - mir ist alles recht!

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Teil 2616. Apr. 2020

Am Sambesi

Es gibt eine lange Liste mit Dingen, die ich gesehen oder erlebt haben möchte. Meistens haben sie mit Reisen zu tun und ziemlich häufig mit Afrika und seinen Tieren. Sehr weit oben rangieren seit Jahren die Karminspinte bei Katima Mulilo, deren ungewöhnliche Kolonie sich nicht in einer steilen Uferwand, sondern auf einer sandigen Ebene eingerichtet hat. Diese schönen, rotbunten Bienenfresser tauchen alljährlich ab Mitte August auf und verlassen ihr Teilzeit-Zuhause nach den ersten Regenfällen im November wieder.

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Ich hatte während dieser Reise mehrfach Sorge, wir könnten einen Tick zu spät dran sein und die Vögel verpassen. Doch die Ornithologen, die wir immer wieder getroffen haben, beruhigten mich.
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Und so freue ich mich am Tag unserer Weiterreise zum Sambesi unbändig und hoffe inständig, sie würden mit ihrer Prognose recht behalten.

Der Start in den großen Tag wird mir beim Frühstück durch den allmorgendlichen Flugbetrieb rund ums Restaurant des Camp Kwando versüßt.

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Das Paradiesschnäpper-Paar präsentiert sich nicht nur in voller Pracht, sondern auch progressiv und bastelt in gerechter Arbeitsteilung penibel an seinem Nest weiter.

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Der eine oder andere tierische Besucher ist auf Beutezug, ...

Nein, wir haben nicht gefüttert...
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... und schafft es sogar, das morgendliche Frühstücksidyll ordentlich aufzumischen. Hektisches Gepolter aus dem Küchenbereich hinter der dünnen Trennwand liefert erste Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt. Einer der Gärtner eilt herbei, und ich kann nicht sehen wie, aber er fackelt nicht lang und schnappt sich den meterlangen Python, der sich am Eimer mit den Küchenabfällen zu schaffen macht.

Ein Guide kommt zu Hilfe, die Schlange wird per Boot die wenigen Meter über den Fluss nach Botswana bugsiert, wo sie nicht nur recht unkonventionell die Nationalität wechselt, sondern auch ein neues Leben beginnt - hoffentlich ein glückliches.

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Die 165 Kilometer bis nach Katima Mulilo im äußersten Osten der Sambesi-Region sind kaum der Rede wert. Ein Zusatz in unseren Reiseunterlagen "Achtung: Die Lodge ist mit den meisten Fahrzeugen erreichbar, 4x4 wäre jedoch anzuraten" lässt uns kurz stutzen, erweist sich aber als überholt. Auf makelloser Straße rollen wir bis zum Zambezi Mubala Camp, das nicht zu verwechseln ist mit der Zambezi Mubala Lodge - was uns natürlich zunächst passiert.

Doch das Camp, übrigens fest in Anglerhand (es riecht auch ein wenig streng nach Fisch), ist die Heimat für unser Auto in den nächsten zwei Tagen und zudem Ausgangspunkt des Bootstransfers bis zur Lodge. Wir schnappen unsere Taschen und warten am Anleger, wo wir zehn Minuten später eingesammelt werden. Das Wasser des großen, breiten Sambesi ist so seicht, dass wir mit dem flachen Boot nur langsam vorwärts kommen.

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Rund 20 Minuten dauert die Fahrt, und es ist nicht mehr weit bis zur Lodge, da entdecke ich in einiger Entfernung die Scharlachspinte. Ich bin elektrisiert und buche nach dem Einchecken zuallererst eine Bootstour für den Nachmittag, die uns auch zur Kolonie führen wird.

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Die Lodge macht Eindruck auf uns, mit ihrer tollen Lage direkt am Sambesi, dem großen, offenen Restaurant im Schatten riesiger alter Bäume und den schmucken Bungalows, die hell, freundlich und modern eingerichtet sind; ähnlich wie die Häuschen der Spitzkoppen-Lodge. Der Hemingway-Safari-Style, den ich allerdings schätze, ist scheinbar passé.

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Die Räume sind großzügig geschnitten, es ist alles sehr gepflegt und noch neu, erst zwei Jahre zuvor hat die Unterkunft, die zu Gondwana gehört, auf dem Gelände der ehemaligen Kalizo Lodge ihre Pforten geöffnet. In der Küchenecke gibt's eine Tee-und Kaffeestation sowie Kaltgetränke im Kühlschrank, alles complimentary und jeden Tag neu. Viel Liebe zum Detail, doch das Beste sind die Stille und der Blick auf den Sambesi; vom Bett, von der Terrasse, sogar aus der riesigen Dusche, unschlagbar! Ich weiß, wir werden uns an diesem Ort wohlfühlen, doch er gibt uns auch Rätsel auf - später.

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Wir checken unsere E-Mails, was in den letzten beiden Tagen ohne Netz nicht gelang, unsere Agentur hat einen Vorschlag der Air Namibia erhalten und wir müssen noch zustimmen. Unser Rückflug geht demnach nicht abends, sondern am nächsten Morgen, wir sollen den Mietwagen an dem verabredeten Tag - also unserem ursprünglich letzten - zum Flughafen bringen, werden dann von der Airline um 13 Uhr per Shuttle zu einem Hotel in Windhoek gebracht und am nächsten Tag wieder zurück zum Airport. Klingt nach einer gangbaren Lösung und so ist für uns erstmal alles geritzt.

Viel zu früh gehen wir in Richtung Bootsanleger, doch weit kommen wir nicht. Hören ein hohes, mehrstimmiges Fiepen aus dem dicken Baum direkt am Holzsteg, der quer über die Anlage führt, und rätseln, was das wohl ist.

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Obwohl mehr oder minder direkt am Weg, hätte ich die Flughunde normalerweise niemals entdeckt, die da kopfüber zwischen den Blättern hängen.

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Die eigentlich nachtaktive Kolonie ist in Aufruhr, denn es ist ein Baby an Bord, das erst die Mutter und schließlich den Rest der Bande aus dem Schlaf reißt. Wie bei Schafen gerät die ganze Gruppe in Bewegung: Regt sich ein Tier, regen sich am Ende alle.

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Kaum sind Hunger und Durst gestillt, kehrt wieder Ruhe ein. Bewegungslos baumeln die Tiere im Baum.

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Die Show ist vorbei und das kommt mir gelegen, denn ich habe eine Verabredung mit den Karminspinten - die möchte ich keinesfalls verpassen.

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Teil 2719. Apr. 2020

Die Ka(r)minsp(r)inte

Manchmal entwickeln Wörter eine Eigendynamik; zuweilen sogar ganze Sätze. Wenn ich als Kind etwas in den Müll schmiss, entsorgte ich es im Apfeleimer. Das erschien mir vollkommen logisch, waren es doch häufig Reste des von mir heißgeliebten Obstes, die dort den Weg alles Irdischen gingen. Ich trank auch gerne direkt aus dem Wasserkran, nicht aus dem Wasserhahn, wie mir Oma Grete einzuimpfen pflegte - wenn auch vergebens. Allein schon, weil mir in meiner Ruhrpott-Kindheit der Anblick eines Krans deutlich vertrauter war als der lebender Hühner.

Was ist sprachlich sinnvoll und was nicht? Axel Hacke hat darüber vor Jahren ein wunderbares Buch geschrieben. "Der weiße Neger Wumbaba" handelt von Verhörern und ist benannt nach der Fehlinterpretation einer Zeile aus "Der Mond ist aufgegangen":
"Und aus den Wiesen steiget,
Der weiße Nebel wunderbar."

Als ihn die Erkenntnis endlich ereilte, dürfte dem Urheber des "Wumbaba" die Trennung von seiner Schöpfung reichlich schwer gefallen sein; sie lebte schließlich schon jahrelang in seinem Kopf.

Wohin Vertipper, Verhörer, Versprecher und manchmal wohl auch Halbwissen führen können, zeigt sich nicht zuletzt im Forum. Die Wortschöpfung "wegmütig" statt "wehmütig" ergibt dabei - speziell unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Lage - auf großartige Weise Sinn, und der "Berti", geboren aus einem winzigen Verrutscher auf der Tastatur, ist mir schon richtig ans Herz gewachsen. Bei anderen Begrifflichkeiten dagegen ist das Dechiffrieren diffizil. Bei den sogenannten Kaminsprinten zum Beispiel.

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Sprinterqualitäten
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Diese bemerkenswerte Spezies tauchte in den vergangenen Jahren wiederholt in Kommentaren auf, und obwohl um die Karminspinte (Karmin=roter Farbstoff, Spinte= Bienenfresser) wissend, bekam ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie ein Schwarm hektischer Vögel im Schweinsgalopp in einem Schornstein verschwindet und dort seine rußgeschwärzte Brut aufzieht. Der Ruß, der Schlot, wohl ebenfalls eine Reminiszenz an meine Jugend im Pott, wo ich unter der damals noch omnipräsenten Dunstglocke des Ruhrgebiets eine lebhafte Phantasie entwickelte. Die Dunstglocke ist gewichen, mein Wohnort längst verlagert, die Phantasie aber ist geblieben - und mit ihr Bilder wie die der Kaminsprinte.

Die Realität, ihr ahnt es schon, sieht natürlich ganz anders aus. Kein Rauch und keine Schlote, und der Fluss, auf dem wir an diesem Tag zu den Ka(r)minsp(r)inten schippern, heißt nicht Ruhr, sondern Sambesi.

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Wir sind die einzigen Gäste der nachmittäglichen Bootstour, die uns - vorbei an der leider durch Erosion kollabierten Bee-eater-Kolonie in der Steilwand des Ufers - wunschgemäß auf direktem Weg zu den Vögeln auf der Sandebene bringt.
Schon aus der Distanz können wir die knallbunten Tiere hören und sehen, ...

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...wir legen an, gehen die wenigen Meter die Uferböschung hinauf und dann das:

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Ich bin platt und weiß nicht, wohin mit mir. Wohin zuerst gucken, wohin zuerst gehen?

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Vollkommen baff stehen wir im heißen Sand und inmitten eines Tunnels aus Vögeln. Zu Hunderten steigen sie auf, fliegen pfeilschnell und mit viel Palaver über unsere Köpfe hinweg (erstaunlicherweise, ohne dass etwas auf uns fällt...), landen wieder im Pulk, bevor das Spiel von vorn beginnt. Zwischen 800 und 1200 Sp(r)inte sind noch da, schätzt unser Guide, vielleicht hat er recht, vielleicht auch nicht, egal. Es ist atemberaubend.

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Der Entschluss ist schnell gefällt: Wir werden hier den Nachmittag verbringen. Den Rest der Bootstour können wir noch am nächsten Tag machen, jetzt kriegen mich keine zehn Pferde weg.

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Der Ranger, der die Kolonie überwacht und von Nicht-Lodge-Gästen einen kleinen Obolus kassiert, instruiert uns kurz und zieht sich dann mit dem Guide in den Schatten zurück. Die beiden Cousins haben sich viel zu erzählen. Wir sind allein und genießen es.

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Die sandige Fläche ist mit Bruthöhlen übersät, ein einziges Tunnelsystem und fragil dazu. So ein Eigenheim macht Arbeit, es gibt immer was zu tun, und so wird gescharrt und gebuddelt, damit die Einfahrt frei bleibt.

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Ich setze mich jenseits des losen Sandes ins Gras und bewege mich kaum, die Vögel verlieren ihre anfängliche Scheu und ignorieren mich schließlich komplett. Immer wieder fliegen sie in großen Schwärmen auf, am nächsten Tag wird das anders sein, ich weiß nicht, warum.

Mir schlafen die Beine ein und die Füße, doch ich sitze wie erstarrt, denn die Vögel sind auf der Hut und reagieren empfindlich.

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Thomas versucht den Aussichtsturm zu erklimmen, zunächst ohne Erfolg, das Metall ist so heiß, er verbrennt sich die Hände daran. Später geht es hitzetechnisch besser, doch weil das Konstrukt so hoch wie wackelig ist, klettert er flugs wieder runter.

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Mehr als zweieinhalb Stunden verbringen wir bei der Kolonie, und damit keine Minute zuviel. Im Gegenteil: Am nächsten Tag wollen wir wiederkommen.

Wir lassen uns Zeit auf dem Weg zurück zur Lodge, ein bisschen gibt es noch zu sehen, doch der Himmel zieht sich zu und das Licht wird schlecht. Sonnenuntergänge bekommen zusehends Seltenheitswert, doch wir haben Glück, tagsüber ist es noch immer sonnig und schön.

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Im Open-Air-Restaurant gibt's ein leckeres Dinner, die Stimmung ist entspannt, und weil wir nur wenig Gäste sind, kommen wir gleich ins Gespräch. Ein anderes deutsches Paar wäre gerne wie wir eine zweite Nacht geblieben, hatte aber schon vor einem Dreivierteljahr eine Absage erhalten. Die Lodge sei am zweiten Tag ausgebucht. Wir können uns das kaum vorstellen, so leer wie es an dem Abend ist. Die Auslastung dürfte bei kaum einem Drittel liegen. Wir sind gespannt, was und wer da alles am nächsten Tag anrücken soll und bedauern, dass die netten neuen Bekannten schon wieder weiterziehen müssen.

Noch zwei Amarula, dann gehen die Flughunde zur Nachtschicht und wir ins Bett. Beim Einschlafen denke ich an die Karminspinte, die wir am nächsten Tag wiedersehen werden, und bin kuriert von meinen schrägen Bildern im Kopf. Die Realität hat über die Phantasie gesiegt - beileibe nicht immer ein Glücksfall. Aber diesmal schon!

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Teil 2821. Apr. 2020

Schweigen ist Gold

Wir haben die Vorhänge in der Nacht offen gelassen und nach einer riesigen Mütze Schlaf auf der besten (weil richtig festen) Matratze der Reise werden wir von der Sonne geweckt. Herrlich! Noch keine sechs Uhr, und auf dem Sambesi herrscht schon reges Treiben.

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Unsere Bootstour beginnt um Sieben, Boote und Guides werden immer eigens vom Zambezi Mubala Camp herbeigerufen und liegen nicht fest bei der Lodge. Außer uns ist noch ein anderes Paar dabei, beide zeigen keinerlei Interesse an einer Unterhaltung, weder mit uns noch miteinander, und so ist mir sogar ihre Nationalität entfallen. Spielt aber eigentlich auch keine Rolle, denn wir saugen die friedliche Morgenstimmung in uns auf und zu sehen gibt es ohnehin genug.

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Die Gegend ist nicht nur ein Eldorado für Kingfisher, ...

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... sondern auch für Angler, die ganz schön dicke Brocken an Land ziehen - was auch immer das für Fische sind. Beim Camp habe ich bei unserer Ankunft eine Tafel gesehen, darauf verzeichnet Art, Gewicht und die Anzahl der geangelten Exemplare in den vergangenen Tagen. Das war eine ziemliche Menge.

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Gleich zu Beginn stoppen wir bei den Karminspinten. Es sind weniger Vögel als am Vortag, der Guide meint, sie seien auf Futtersuche und somit zu großen Teilen unterwegs.

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Was die beiden anderen denken, bleibt ihr Geheimnis, doch sie sind einverstanden, dass wir relativ schnell wieder gehen. Uns ist's egal, wir kehren ohnehin am Nachmittag zurück.

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Der Sambesi ist wegen der Trockenheit seicht, oft können wir nicht sehr nah ans Ufer und an die Objekte unserer Begierde heran. Ohnehin mag ich lieber die schmaleren Flüsschen, dennoch ist die Tour ganz wunderbar und stimmungsvoll.

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An einer Stelle verlassen wir das Boot und stapfen über eine Sandbank zu einem kleinen See, ...

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... an einer anderen ist der Fluss trockengefallen und somit Endstation.

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Wir bleiben einfach ein wenig mit dem Boot auf der sambischen Seite liegen und lassen die Farben und Formen im schönen Morgenlicht auf uns wirken. Ich könnte hier glatt Wurzeln schlagen, ...

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... doch schließlich steuern wir zum Zambezi Mubala Camp, wo wir das Paar mitsamt seinem Reisegepäck absetzen, dann geht es deutlich schneller zurück zur Lodge. Der Guide - derselbe wie am Vortag - stoppt allerdings problemlos auf Wunsch, ist freundlich und geduldig, wenn auch relativ schweigsam. Was wir erneut eher als Vorteil empfinden.

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Beim Frühstück sind wir die einzigen Gäste, die wenigen anderen sind bereits abgereist, und werden nach Strich und Faden verwöhnt. Nach dem opulenten Mahl sortiert Thomas erst sich und seine Bilder im Bungalow und gesellt sich dann zur mir an den hübschen Pool mit tollem Blick auf den Sambesi. Über uns in den hohen Bäumen toben die Vögel und lenken mich immer wieder ab von meinem Buch, das ich auch nach diesem Urlaub nicht beendet haben werde. Schmökern und Afrika, das verträgt sich einfach nicht. Immer ist was los, auch wenn eigentlich nix los ist.

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Wie auch am Nachmittag bei den Karminspinten. Doch das ist ein anderes Kapitel und soll ein andermal erzählt werden...

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Teil 2926. Apr. 2020

Sentimental Journey

Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Es war fast jeden Tag sehr heiß, doch jetzt dürften die 40 Grad locker geknackt sein. Rund drei (schattenlose) Kilometer sind es von der Lodge zur Bee-eater-Kolonie, das würden wir normalerweise problemlos laufen. Aber in dieser Hitze möchten wir das nicht und so buchen wir uns auf die nachmittägliche Bootstour. Ein zugegebenermaßen vergleichsweise kostspieliger Lift - aber auch die einzige Möglichkeit, denn eine andere Art des Transfers zu den Vögeln gibt es nicht. Ich werde das bei unserer Abreise an der Rezeption ansprechen und komme auch hier noch darauf zurück.

Unsere "Hauskrokodile", die immer bei der Lodge herumlungerten. Das eine hatte seine Eier unten am Strand gelegt und bewachte sie zuverlässig.

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Mit uns sitzt ein sehr nettes niederländisches Paar im Boot und beide staunen nicht schlecht, als wir anlanden, die Kühlbox mit den Kaltgetränken (zumindest zum Teil) plündern und die Sanddüne hochklettern. Der Ranger ist da und begrüßt uns, da seid ihr ja wieder, dann verschwindet er, ich frage mich immer, wohin eigentlich, aber ist natürlich auch egal.

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Die Vögel sind nicht so zahlreich wie am Vortag und fliegen auch nicht in so großen Schwärmen hoch, vielleicht sind schon die ersten ausgewandert über Nacht, vielleicht sind sie unterwegs und kehren später zurück, aber es sind immer noch Hunderte da. Ich setze mich in den heißen Sand und auf ein Tuch, um mir nicht den Allerwertesten zu verbrennen, und schmelze fast dahin - von innen wie von außen.

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Thomas verschwindet nach unten ans Wasser, er ist nach den ersten Eindrücken am Vortag auf einer Mission, die er nun erfüllen will.

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Am Nachmittag ist bei den Karminspinten Trinkzeit. Im Sturzflug tauchen sie mit dem gesamten Körper ins Wasser ein, ...

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... nehmen einen großen Schluck, schießen dann wieder empor ...

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... und wirken so durchnässt, als seien sie in der Mauser.

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Die benachbarten Bäume werden zur Wäscheleine und zum sozialen Hotspot. Ein Durcheinanderkrakeelen ohne Punkt und Komma. Worum es wohl geht? "Na, und du so, poah, heiß heute, was? Hältste nur im Wasser aus." "Jaja, ich geh auch gleich nochmal rein. Haste eigentlich mitbekommen, bei den Schmidts nebenan hat's gestern ganz schön gekracht. Und die Tochter soll ja durchgebrannt mit so nem dahergelaufenen Malachite." "Mmmmmn, und die Webers haben ne neue Küche. Todschick!" "Echt jetzt? Dann muss ich mich da mal einladen, bevor sie in ihr Ferienhaus abhauen."

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Wahrscheinlich sind wir arme Irre, aber ganze drei Stunden verbringen bei den Vögeln - und langweilen uns nicht eine Sekunde. Nur einmal kommt ein anderes Boot, ein Paar mit Guide, doch sie bleiben nicht lang und schon kehrt wieder Ruhe ein - von dem unentwegten Geschnatter der Spinte einmal abgesehen.

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Gegen Sechs erscheint unser Guide mit den Niederländern, die völlig aus dem Häuschen sind beim Anblick der Kolonie. Ich kann es ihnen nicht verdenken und bin glücklich über die viele Zeit, die wir hier verbracht haben.

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Der Himmel zieht sich zu, das Licht verschwindet und somit auch wir.

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Als wir zum Boot hinunterlaufen, kommt uns eine kleine japanische Reisegruppe entgegen, bestens ausgestattet mit tollen Objektiven und dem unvermeidlichen Mundschutz. Wie immer finde ich diese Vorsichtsmaßnahme albern und wie immer grinse ich in mich hinein. Nichtsahnend, dass nur wenige Monate später nichts mehr wie immer sein wird in der Welt; und dieses mir so verhasste Utensil Einzug in meinen Kleiderschrank halten wird.

Die Japaner haben Pech, kaum sind sie oben angelangt, verschwindet die Sonne hinter dicken Wolken. Sie werden die Kolonie auch am nächsten Morgen nicht im Sonnenlicht sehen, denn sie müssen in aller Frühe schon wieder weiter. Japanisches Reisen, es lohnt sich einfach nicht.

Beim Abendessen zucken jenseits des Flusses heftige Blitze am sambischen Horizont, doch bei uns bleibt es heiß und trocken. Die Japaner, die Niederländer und wir, mehr Menschen werden es auch an diesem Abend nicht und ich muss an unsere Bekannten vom Vortag denken, die keine zweite Nacht mehr bei der Buchung bekommen hatten.

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Ich sitze auf der Terrasse, genieße die Ruhe und den Blick auf den stillen Sambesi. Ab dem nächsten Tag werden wir langsam retour in Richtung Windhoek rollen. Ob wir wohl jemals wiederkehren an diesen Ort? Und wenn ja, wann? Ich werde sentimental und bin so verliebt in dieses Leben, in Afrika, das Reisen, die Unbeschwertheit. Kann aber natürlich auch am Amarula liegen. Vielleicht.

Teil 3030. Apr. 2020

Die Regenmacher

Wir haben auf unserer bisherigen Reise gesehen, was wir sehen wollten. Erlebt, was wir erleben wollten. Und sogar darüber hinaus. Etwas Autofahren steht an diesem Tag an, sonst nichts. Keine Pläne, keine Vorsätze. Ein komisches Gefühl. Ein bisschen befreiend, ein wenig wehmütig - der Abschied naht. So denke ich beim Aufwachen und drücke die Stopp-Taste; nein, noch ist es nicht vorbei!

Mein Organismus macht sowieso was er will und holt mich gewohnt früh aus den Federn. Was einmal mehr lohnt, denn wieder wartet eine fantastische Morgenstimmung auf uns. Die Sonne ringt mit den Regen verkündenden Wolken - etwas mühsam, aber noch mit Erfolg. Thomas kocht sich einen Kaffee und mir einen Tee, und so beginnt der Tag entspannt und noch in Schlafklamotte auf unserer Terrasse mit Blick auf den Fluss.

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Erst um Neun werden wir abgeholt und per Boot zum Camp gebracht, wo unser Auto auf uns wartet. Beim Frühstück sind wir allein, die Japaner sind schon abgereist, die Niederländer noch nicht aufgetaucht, danach machen wir den längst überfälligen Rundgang über die Lodge-Anlage, der bisher fehlender Zeit und/oder großer Hitze zum Opfer gefallen war.

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Ein langer Holzsteg verbindet die 20 idyllisch entlang des Sambesi aufgereihten Häuschen miteinander, eine schöne Anlage, aber viel sei ja gästemäßig nicht los, bemerke ich beim Auschecken an der Rezeption. Die freundliche Mitarbeiterin schüttelt bedauernd den Kopf. Sie fragt nach möglichen Verbesserungen, und ich schlage einen kostengünstigeren und flexibleren Bootstransfer zu den Karminspinten vor. Oder auch eine Ausbesserung der Straße, die beim Bau der Lodge durch schweres Gerät dermaßen zerstört worden sein soll, dass eine Anfahrt mit dem eigenen Fahrzeug zumindest nicht empfohlen wird. Wie der Zustand der Zufahrt tatsächlich ist, weiß ich nicht, auf große Begeisterung stößt mein Vorschlag jedenfalls gefühlt nicht.

Der Kern des Problems, so glaube ich, ist ohnehin ein anderer: Die Lodge ist zu groß. Wie die meisten Gondwana-Unterkünfte ist sie auf Gruppen ausgelegt, doch der Chobe Nationalpark und die Vic Falls zu weit, die Bootsfahrten in der Umgebung zu zahlreich, die Karminspinte saisonal und wohl auch Special Interest - warum sollten sie kommen? Und wenn sie es täten, könnte die Kolonie das verkraften? Ich habe Zweifel. Und so hatten wir unterm Strich eine wunderbare, friedliche Zeit bei den Vögeln und in dieser schönen Lodge, doch so kann und wird es dort wohl nicht weitergehen.

Auf der Fahrt zum Camp schippern wir gemächlich dahin ...

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...dann fahren wir zurück zur B8. Die rund 370 Kilometern bis zur River Dance Lodge sind wie eine Zeitreise, hier haben wir dies erlebt, dort war das, und ich kann kaum glauben, dass wir erst zwei Tage zuvor in die andere Richtung unterwegs waren. So viel Neues haben wir seitdem schon wieder gesehen.

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Der erste Eindruck unseres Zwischenstopps auf dem Rückweg nach Windhoek ist gut, eine kleine, privat geführte Lodge am Steilufer des Okavango ...

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... und auch unser Bungalow aus Holz und mit großer Glasfront gefällt uns sehr. Der Blick auf den Fluss ist von vielen großen Bäumen versperrt, die dafür mit einer reichen Vogelwelt entschädigen.

Mehr Paradiesschnäpper und ...
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... die Antwort auf die Frage, warum ihr Federkleid aussieht, wie es aussieht (was auch immer für ein Baum das ist)
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Schade nur, dass die Bäume keinen Schatten auf unser Dach werfen, das zu allem Elend von schwarzer Teerpappe bedeckt ist. Darunter sind es gut und gerne 50 Grad! 😣
Der kleine Ventilator kann nichts ausrichten, wir flüchten an den leider nur mäßig attraktiven Pool, wo wir die einzigen Gäste sind und ab und an tierischen Besuch bekommen.

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Die Bootsfahrt ist ausgebucht und wir hatten sie ohnehin nicht geplant, den Abend verbringen wir auf der herrlichen Terrasse bei gutem Essen und immerhin einem Hauch von Wind.

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In unserem Häuschen sieht das ganz anders aus. Wir könnten Pizza backen oder ein Brot, doch an Schlaf ist nicht zu denken. Wir überlegen kurz, es gibt Security auf dem Gelände, auch könnte nur ein sehr fähiger Freeclimber das Steilufer erklimmen. Schließlich reißen wir die großen Schiebetüren weit auf, verziehen uns unters Moskitonetz und schlafen wie die Murmeltiere, bis uns die vielen Vögel mit einem vielstimmigen Konzert wecken.

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Ziemliche Krawallschachtel: Jakobinerkuckuck
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Noch ein tolles Früstück auf der Terrasse, schon sind wir wieder unterwegs. Noch mehr als auf dem Hinweg fällt mir ins Auge, wie anders die Umgebung im Caprivi im Vergleich zum restlichen Namibia ist. Wir lassen Rundu sowie das afrikanische Dorfleben hinter uns und leider auch die Sonne. Je weiter wir nach Süden kommen, desto bedrohlicher zeigt sich der Himmel.

Ich hatte mich nach der langen Fahrt (rund 520 Kilometer) auf einen Spaziergang auf dem Gelände der Ohange Lodge gefreut, die inmitten der Otavi Berge liegt. Eine schöne Gegend, doch daraus kann nichts werden. Denn es wird finster. So finster, dass ein eigentlich nachtaktives Tier aus dem Takt gerät. Ich halte es zunächst für einen angefahrenen Hund und bin erschrocken, doch tatsächlich ist es ein Erdferkel, das vor uns die Straße quert. Wir sind völlig perplex, die Kameras weit weg und falsch präpariert, doch wir können sie gut beobachten, diese merkwürdige Kreatur, die zum ersten Mal unseren Weg kreuzt.

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Sieben Jahre zuvor waren wir schon einmal für eine Nacht in der Ohange Lodge, eine klassische Gästefarm mit namibischer Hausmannskost und gemeinsamem Essen am Lagerfeuer. Gastgeberin Karla päppelte seinerzeit ein junges Kudu auf, das auf der Straße angefahren worden war, und bei unserer Ankunft erinnere ich sie daran.

Foto von 2012
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Sie lacht und berichtet von ihrem neuesten Zögling: einem Bushbaby. Ob ich es später füttern wolle? Was für eine Frage! Ich bin Feuer und Flamme und kann kaum noch abwarten, dass es soweit ist.

Es ist Sonntag, unsere Gastgeber haben Besuch, wir sitzen auf der Terrasse, unterhalten uns, lassen uns den selbstgebackenen Kuchen schmecken, etwas anderes ist ohnehin nicht zu tun, denn es gießt wie aus Kübeln. Nonstop. Dazu ein Temperatursturz um satte 20 Grad. Wenige Stunden zuvor bin ich fast zerflossen, jetzt ziehe ich alles an, was meine Tasche an sauberer Wäsche noch hergibt.

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An ein Abendessen am Lagerfeuer ist nicht zu denken, und wir sitzen schon drinnen rund um den Esstisch, als die Farmersfrau mich antippt. "Halt mal eben." Klar, gerne. Aber was denn eigentlich?

Das Bushbaby-Baby ist so klein, ich kann es in den großen, zupackenden Händen unserer Gastgeberin erst gar nicht entdecken. Und dann bin ich hin und weg.

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Der Winzling, von der Mutter zwei Wochen zuvor verstoßen, hat es allerdings faustdick hinter den Ohren. Klettert forsch auf mir herum, versucht mit seinen erstaunlich kräftigen Hinterbeinchen auf den Tisch zu springen und hinterlässt seltsam klebrige Abdrücke in meinen Händen. Als Karla mit der Pipette kommt, bin ich endgültig Geschichte, sind die riesigen Glubschaugen nur noch auf die Milch gerichtet.

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Ganz auswildern wird man das Tierchen nicht mehr können, doch der Farmer will ihm in einem Baum einen Unterschlupf bauen. Noch überlegt er, wie er ihn vor Schlangen sichern kann. Ich hoffe, dass der kleine Kerl ein schönes Leben haben wird, und ein möglichst sicheres dazu. Und dass ich ihn wohlbehalten wiedersehe. Irgendwann.

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Teil 3103. Mai 2020

Hummeldumm

Am Morgen ausschlafen. In Ruhe frühstücken. Vielleicht noch ein kleiner Spaziergang. Anschließend in aller Gelassenheit nach Windhoek. Dort noch etwas essen. Dann zum Flughafen. Autorückgabe, Nachtflug nach Frankfurt, Weiterflug nach Hamburg. Schließlich noch ein ganzer Tag Urlaub in der Heimat, bevor es zurück an die Arbeit geht - so lautete der Plan.

Dass daraus nichts werden würde, wussten wir ja nun schon eine Weile. Um 13 Uhr müssen wir an diesem Tag, der ursprünglich der letzte auf dieser Reise war, am Hosea Kutako sein. So wünscht es die Air Namibia, die unseren Rückflug verschoben und für diese Uhrzeit den Shuttle zum dadurch notwendig gewordenen Hotel festgelegt hat. Wir haben um einen späteren Zeitpunkt gebeten, aber vergebens. Da hilft kein Lamentieren, und so stehen wir in aller Herrgottsfrühe auf, bekommen netterweise sogar ein Frühstück und rollen um Sieben vom Gelände der Ohange Lodge.

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Nun heißt es Kilometerfressen. Etwa 440 sind es, und wir kommen bestens voran. Es nieselt immer noch leicht, doch je näher Windhoek rückt, desto sonniger wird es. Überpünktlich sind wir am Flughafen, die Autorückgabe geht ebenso glatt wie zügig über die Bühne, auch bei unserer dritten Namibia-Reise sind wir ohne Platten davongekommen.

Die Dame am Air-Namibia-Schalter ist bemerkenswert unfreundlich, und ich sehe es ihr anfangs nach, denn die Mitarbeiter der Pleite-Airline machen sicher eine schwere Zeit voller Ungewissheit durch. Wir sind offenbar die einzigen Shuttle-Kandidaten und müssen noch warten, wie lange ist ungewiss, auch habe ich Sorge, dass wir vergessen werden, und so frage ich nach 40 Minuten vorsorglich, wann es denn wohl soweit sei.

Das würden wir ja dann schon sehen, blafft die Dame barsch, oha, der Kunde ist König, wenn auch nicht hier. Nunmehr leicht gereizt merke ich an, dass wir ganz offenkundig ohne Not zu dieser frühen Ankunft genötigt worden seien. Das hört der Sonnenschein hinter der Schalterscheibe so richtig gern und weist mich unverhohlen unverschämt an, einen Sitzplatz in der Halle zu suchen und gefälligst nicht zu nerven. Nun gifte ich zurück. Wir hätten den Schlamassel schließlich nicht zu verantworten und auch keine große Freude daran, und wenn Blicke töten könnten, würde es diesen Reisebericht nicht geben.

Um 14.20 Uhr dann der knappe Befehl "Go!" Nur zu gern, bloß wohin? Keine Antwort, aber wir latschen vorsorglich einem Air-Namibia-Mitarbeiter hinterher, der zwar nicht mit uns spricht, aber ein Ziel zu haben scheint. Quer übers Gelände folgen wir ihm zu einem Parkplatz mit Firmenwagen, der Motor läuft, wir steigen ein - und warten wieder. Warten eine halbe Stunde, ich frage den Fahrer, was ist los, die Crew eines verspäteten Fluges fehlt noch, wann der landet, ihr ahnt es schon, man weiß es nicht.

Der Motor läuft und läuft, irgendwann, so überlege ich, werden wir tanken müssen, ohne uns auch nur einen Meter vom Fleck bewegt zu haben, doch dann gehen die Türen auf, die Crew steigt ein, kein Gruß, kein Blick, wir haben uns schon fast dran gewöhnt, doch immerhin, wir fahren. Endlich.

In Windhoek wird erst die Crew abgesetzt und dann wir, wie erhalten Gutscheine fürs Hotel, für ein Abendessen sowie ein einzelnes Telefonat und außerdem zwei Mini-Fläschchen Wasser, die zum Waschen gedacht sind, denn in Windhoek werden Leitungen gewartet oder repariert und das fließende Wasser fließt gerade nicht, sondern erst wieder in der Nacht.

Das Safari Court Hotel ist ein Riesenkasten und so gar nicht unser Ding, das Zimmer allerdings okay und einen Pool gibt es auch, dort wollen wir den Nachmittag verbringen. Mit Mühe ergattern wir zwei Stühle, die Liegen sind okkupiert von weiteren Gestrandeten, einer großen, fast 50-köpfigen und trotz früher Stunde reichlich bierseligen Schicksalsgemeinschaft: "Na, dssssseid ihr auch Air Namibia?"

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Wir drehen wie die meisten eine Runde im Pool, besser dieses Wasser als keins, mein Haar müffelt nach Chlor und der Speisesaal beim Abendessen penetrant nach Hallenbad. Ein anderes deutsches Paar hat seine Reise komplett selbst gebucht und ist erstaunt, was wir alles bezahlt bekommen. Die zusätzliche Übernachtung, das Essen, sie müssen für all das selbst blechen, sie hätten ja schließlich die Wahl und könnten auch zwei Tage früher zurück, so die Begründung der Air Namibia. Ich finde das frech und bin froh, dass unsere Agentur die Dinge wohl bestmöglich für uns geregelt hat.

Bleibt die Frage, wann wir eigentlich am Morgen abgeholt werden, keiner weiß es so genau, uns hat man fünf Uhr gesagt, anderen halb Sechs, nur eine kleine Mütze Schlaf, dann sitzen wir um Punkt Fünf frisch geduscht (!) in der Lobby und warten. Mal wieder.
Nichts passiert, die Reisegruppen sind aufgeregt und immer in Bewegung, geht einer raus, rennen alle hinterher, muss einer aufs Klo, folgt ihm der Rest. Ich suche die versteckte Kamera, doch ohne Erfolg, es ist auch ohne eine Riesenshow.

Dann endlich tut sich was, ein Mini-Bus fährt vor, mit Platz für zwölf Personen, wenn auch ohne Gepäck. Die meisten drängeln, klammern sich an ihre Koffer, das reinste Affentheater, doch irgendwann ist eine erste Rutsche weg und dann noch eine zweite. Lange passiert nichts, dann ein dritter Mini-Bus, der Fahrer ist ehrlich, mehr seien nicht geplant, aber wir sollen uns nicht sorgen, er müsse zwar los, aber kümmere sich. Schlecht ist, wer Schlechtes denkt, aber ich glaube ihm kein Wort.

Wir sind noch zu Viert, es ist schon nach Sechs, und kein Schiff kommt. Thomas geht rein, zieht unseren kostenfreien Telefon-Joker an der Rezeption, das erinnert an Knast, zeigt aber Wirkung. Air Namibia tut erstaunt, wähnt alle am Flughafen, sie schicken jemanden, nur das kann dauern. Wir warten, natürlich, was auch sonst, dann der nächste Mini-Bus, er ist nach unserem Anruf am Hosea Kutako losgefahren und nun drängt mächtig die Zeit. Am Airport kommt es, wie es kommen muss, ein deftiger Anschiss beim Check-In, wir seien zu spät und wohl nicht bei Trost. Wir sprinten zum Gate und plumpsen in die Sitze - geschafft!

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Ich blicke hinunter, hell leuchtet die Etoscha-Pfanne, schon jetzt habe ich Fernweh und könnte glatt von vorn beginnen. Ich lege mich der Länge nach über vier Sitze, denn wir haben jeder eine Reihe für uns, und schlafe sofort ein. Schlafe so lang und gut wie noch nie im Flieger, und träume von Afrika, von dieser Reise und den kommenden.

Und so ist alles, was für den Moment noch bleibt, ein dickes Danke für eure Begleitung - und ein Fazit, das in den nächsten Tagen folgen wird!

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Teil 3205. Mai 2020

Wegmütig

Dieser Bericht hat mich beinahe so bewegt wie die Reise selbst. Nicht nur, weil er mir so viel Spaß gemacht hat. Oder weil ich ihm den Berti zu verdanken habe, der extrem unternehmungslustig ist und hoffentlich eine große, reiseintensive Zukunft vor sich hat. Sondern auch, weil er eine ungeahnte Wendung genommen hat, und dieser geschuldet ist Berti derzeit vor allem eins: wegmütig. Ein mir ebenfalls neuer Begriff, der jedoch den Nagel auf den Kopf trifft, denn so geht es mir, so geht es Thomas und wahrscheinlich uns allen hier im Forum.

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In den vergangenen Tagen habe ich noch einmal zu den Anfängen des Berichts zurückgeblättert - und dabei seine Metamorphose mit voller Wucht zu spüren bekommen. Sorglos von mir begonnen und von lieben und liebgewordenen virtuellen Begleitern nicht selten voller Vorfreude auf eine eigene Reise verfolgt, kamen mittendrin Corona und der damit einhergehende Lockdown. Aus Vorfreude wurde Wehmut - und für mich persönlich der Reisebericht zum Strohhalm. Als jemand, der eigentlich immer nach vorn guckt, schien mir plötzlich die Erinnerung vielversprechender als die Zukunft. Das soll so nicht sein und wird sich auch wieder ändern, half mir aber über den ersten Schock hinweg, den #wirbleibenzuhause bei mir ausgelöst hatte - auch dank eurer tollen Begleitung im Reisebericht, für die ich mich herzlich bedanken möchte.

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Die Reise selbst, unsere dritte nach Namibia, hat uns nach anfänglichen Turbulenzen um Route, Kosten und deren Missverhältnis richtig gut gefallen. Den letzten Tag mit dem Air-Namibia-Trouble nehme ich natürlich davon aus, doch das hatten wir schon seinerzeit vor Ort getan und die Tour nach der Wegfahrt von der Ohange Lodge für eigentlich beendet erklärt. Ob ich nochmal mit der Airline fliegen würde, falls sie weiterhin existieren sollte? Ich weiß es schlichtweg nicht, finde aber grundsätzlich einen Non-Stop-Flug extrem verlockend.

Wir haben uns auf der Tour Zeit gelassen, wie wir das seit einigen Jahren generell tun, und das hat sich einmal mehr bewährt. Nur so können wir eintauchen in die jeweiligen Orte, den Blick für das schärfen, was ihn ausmacht und die Stimmungen auf uns wirken lassen.

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Was waren die Highlights? Das lässt sich schwer beantworten, denn es war vor allem die große Bandbreite an Eindrücken, die diese Reise für uns besonders gemacht hat. Von den kargen, bizarren Felsen an der Spitzkoppe über die tierreiche Etoscha-Pfanne in die stillen, üppigen Flusslandschaften des Caprivi - diese sehr abwechslungsreiche Kombination mochten wir und können sie auch empfehlen.

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Jedes unserer Ziele hatte etwas für sich. Die Spitzkoppe hat mein Herz im Sturm erobert, und ich will dorthin zurückkehren. Sie hat etwas Archaisches, Unvergängliches an sich, diese Landschaft, in der ich mich zeitlos fühlte und rundherum wohl. Die Spitzkoppen-Lodge hat ihren Anteil daran, aber längst nicht nur. Das zentrale Damaraland mit seinen wie hingeworfenen Steinhaufen mag ich sowieso, der Ausflug zu den Wüstenelefanten war unerwartet großartig, anders als der Blick hinunter vom Grootberg-Plateau. Der war auch groß, aber mit Ansage.

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Der Etoscha-Nationalpark ist nicht die Serengeti und nicht der Moremi, doch wir schätzen seine besondere Landschaft, die vielen natürlichen Wasserlöcher und die tollen Möglichkeiten der Tierbeobachtung. In dieser Hinsicht hat er uns auch diesmal wieder verwöhnt und so haben wir unseren Sichtungssack randvoll gemacht, bevor es in den Caprivi weiterging, wo wir vor allem auf Vögel geeicht waren.

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Wir empfanden den Etosha auch diesmal nicht als überfüllt, wie überhaupt auf der gesamten Reise nichts, allerdings als deutlich zu trocken, was er ja bekanntermaßen auch war. Das hat nicht nur landschaftlichen Reiz sowie die kleinen Beobachtungen zwischen den Wasserlöchern genommen, sondern tat auch manchmal in der Seele weh. Unterm Strich überwog das Positive.

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Der Caprivi war Neuland für uns und hat definitiv seinen Reiz. Eingebettet in eine Kombination mit anderen attraktiven Zielen, ist er mit seinem schwarzafrikanischen Flair, den einsamen Nationalparks und grandiosen Bootstouren ein besonderer Farbtupfer. Herausragend waren für uns die Trips mit Drotsky's sowie unsere Besuche bei den Karminspinten. Beides würde ich jederzeit wiederholen.

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Schon fast ein wenig aus Trotz hatte ich ja beschlossen, den langen Weg nach Windhoek wieder zurückzufahren und nicht wie ursprünglich angedacht One Way zu planen. Tatsächlich hat uns das (etwas unerwartet) nicht gestört. Unsere beiden Zwischenstopps bei River Dance und Ohange haben uns überraschend viel geboten - darunter die so anrührende Begegnung mit dem Bushbaby-Baby. Es ist aber bestimmt keine schlechte Idee, noch bis zum Chobe oder gar bis zu den Vic Falls weiterzureisen und von dort zurückzufliegen. Es braucht entsprechend Zeit und Geld.

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Als Fahrerin scheue ich mich vor nichts - außer vor Tiefsand. Strecke und Unterkünfte waren entsprechend ausgelegt, und das funktionierte gut. Ein paarmal haben wir im Caprivi auf geführte Gamedrives zurückgegriffen; auch, weil wir das von Zeit zu Zeit genießen. Über Bidvest als Autovermieter kann ich nichts Negatives sagen. Alles hat gut geklappt, und die Reifen haben auch diesmal wieder gehalten.

Am Ende unserer Reise kam der lang ersehnte Regen, und darüber haben wir uns sehr gefreut. Weil er sich schon immer mal andeutete und der Himmel gegen Nachmittag zuzog, mussten wir oft ohne das afrikanische Abendrot auskommen. Das war schade, doch alles in allem war das Wetter auf unserer Seite. Dass es im November sehr heiß war, liegt auf der Hand. In aller Regel haben wir keine Probleme damit.

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Namibia hat uns auch beim dritten Mal begeistert, und von den Erinnerungen werde ich noch lange zehren - vielleicht sogar zehren müssen. Ende Dezember wollen wir nach Südafrika und freuen uns so sehr darauf. Die Route steht, die Reise ist gebucht, doch wer weiß, ob sie stattfinden kann. Wann geht es wieder los, wie geht es wieder los und wohin, die Ungewissheit schmerzt, die Stimmung schwankt, ihr wisst, wovon ich spreche.

Ich drücke uns allen die Daumen. Und danke euch für euer Interesse, eure Begleitung und eure eigenen Berichte, die ich in den nächsten Wochen intensiv verfolgen werde. Ob Ausflüge in die Vergangenheit, Lagerfeuer-Romantik oder phantastische Hochzeitsreisen - ich bin dabei. Nicht nur, aber auch als Ersatzdroge. Denn ganz ohne Afrika geht es nicht.

Passt auf euch auf, bleibt gesund und wie eine liebe Freundin immer zu sagen pflegt: Köpfchen über Wasser!

Liebe Grüße,
Betti-Berti und Thomas

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Namibia 2019: Zwischen Spitzkoppe und Sambesi von Beatnick

Quelle: www.namibia-forum.ch/forum/thema/299065-namibia-2019-zwischen-spitzkoppe-und-sambesi

Stand: letzter Berichtsteil vom 05. Mai 2020

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