Prolog Winterzeit – Reiseberichtzeit. Auch dieses Jahr waren wir im Juli und August im südlichen Afrika unterwegs. Als Schwerpunkte unserer Reise hatten wir uns Simbabwe und Sambia ausgesucht. Der Plan und die erste grobe Route entstanden im Oktober 2016 während eines Besuchs in Wien bei unseren Freunden Karin und Peter, mit denen wir vor drei Jahren bereits ein paar Tage durch das Kaokoveld gefahren waren. Wenn die ersten Ideen im Raum stehen, geht es meistens ziemlich schnell, bis es konkret wird. Die Wunschziele wurden zu einer möglichst sinnvollen Rundreise zusammengestellt. Zunächst wollten wir noch bis zum South Luangwa fahren, verwarfen den Plan aber, um die zu fahrenden Kilometer nicht zu sehr in die Höhe zu treiben. Wir fahren zwar gerne auch längere Strecken, aber das wäre uns dieses Jahr doch zu weit gewesen. Schließlich einigten wir uns auf die folgende Route:
Vor sechs Jahren waren wir von Mana Pools aus schon einmal die Strecke unterhalb des Kariba-Sees nach Westen gefahren. Nun wollten wir uns für die Gegenrichtung mehr Zeit lassen und die uns noch unbekannten Nationalparks besuchen. Von den Wahlen in Simbabwe Ende Juli ließen wir uns nicht abschrecken.
Liebe Fomis, wie ihr euch schon denken könnt, haben wir in dieser Zeit wieder sehr viel erlebt. Auch wenn wir natürlich immer auf der Suche nach spannenden Tieren und besonders Vögeln sind, hatten wir dieses Mal auch viele Begegnungen mit Menschen. Die Leute, die wir in Simbabwe und Sambia getroffen haben, waren sehr offen und ausgesprochen nett. Die meisten Ranger, Verkäufer und Passanten hatten ein Strahlen im Gesicht und winkten uns im Vorbeifahren freundlich zu. Es war eine rundum gelungene Reise. Von Nata bis Grootfontein waren wir vier Wochen lang mit Karin und Peter unterwegs – eine lange Zeit, während der wir uns prima verstanden haben. Wie schon in den vergangenen Jahren hatten wir großes Glück mit unseren Reisepartnern. Bessere kann man sich nicht wünschen. Wir freuen uns über eure Begleitung bei unserer Lieblingsbeschäftigung – dem Reisen und Fotografieren im südlichen Afrika. Wer die Kommentare und Antworten zwischen den Etappen nicht lesen möchte, klickt oben rechts auf die Sonne.
Liebe Grüße Uwe und Ruth
Teil 203. Dez. 2018
Tag 0 – 13. Juli 2018 – Ein ziemlich perfekter Tag
Und wieder ging es los. Seit wir letztes Jahr zu Hause angekommen waren, freuten wir uns schon auf die nächste Reise. Und die begann heute. Ruth durfte noch ein letztes Mal in die Schule, um ihre Kinder in die Ferien zu verabschieden. Währenddessen packte Uwe die Taschen. Er hatte gerade die Vollmacht für Ruths Vater zur Entgegennahme von Einschreibe-Briefen während unserer Abwesenheit gedruckt, als die erwarteten BVB-Dauerkarten eintrafen. Der Tag entwickelte sich äußerst positiv. Nachmittags holten uns Uwes Eltern ab und brachten uns nach Siegburg zum ICE, wo auch Ruths Schwester und unser Neffe waren, um uns zu verabschieden. Jan hatte vor ein paar Tagen gefragt, ob wir ihn mitnehmen. Das machen wir sogar sehr gerne, aber erst in ein paar Jahren. Am Bahnsteig herrschte ein wenig Verwirrung bezüglich der Wagenreihenfolge. So liefen wir vom Bereich E zunächst ans andere Ende des Gleises bis B, um dann festzustellen, dass unser Wagen wohl im Bereich G halten würde. So bestiegen wir etwas abgehetzt den Zug, verstauten das viele Gepäck und ließen uns in die Sitze fallen. Trotz ein paar Minuten Verspätung kamen wir noch vor 17.00 Uhr in Frankfurt an. Der nächste Programmpunkt war das Abholen der bestellten US-Dollar am Schalter von Travelex. Davon gibt es am Flughafen einige, doch nur einer ist der richtige. Nachdem wir mit der Rolltreppe und unserem Gepäckwagen einmal umsonst in den Keller und wieder zurück gefahren waren, fanden wir schließlich den Schalter und erhielten das Bargeld. Durch die Vorbestellung bekamen wir auch einen deutlich besseren Kurs. Mit dem Shuttlebus fuhren wir zum Terminal 2 und checkten für unseren Flug ein. Außer uns war fast niemand da, und alles klappte ohne Probleme. Ruth war kurz davor zu fragen, was man tun müsse, um Sitzplätze mit etwas mehr Beinfreiheit zu bekommen. Da dies jedoch aussichtslos erschien, verkniff sie sich die Frage. Dennoch sollte sie später die Antwort bekommen. Bis zum Boarding durften wir uns in die Priority-Lounge setzen. Bestens gelaunt ließen wir uns das Essen und die angebotenen Getränke in der „Lumpensammler-Lounge“ ( 😉 ) schmecken und waren mit uns und der Welt zufrieden.
Recht spät verließen wir die Oase, ließen uns und unser Handgepäck durchleuchten und begaben uns zum Gate. Als wir gerade in der Schlange standen, wurde Ruth von einer Frau angesprochen. Ruth guckte irritiert, und die Frau erklärte, dass wir sie zwar nicht kennen, sie aber durch unsere Berichte im Forum ein wenig zu ihrer Namibia-Reise animiert hatten. Das freute uns sehr. Leider kamen wir nicht mehr dazu, uns nach ihrem Namen zu erkundigen (vielleicht möchtest du dich ja nochmal bei uns melden), denn bei der Kontrolle der Bordkarten hielt der Mitarbeiter inne, schaute in seinen Computer und schickte uns nochmal zurück zu seinen Kolleginnen. Es gäbe für uns eine Änderung, es sei aber etwas Gutes. Die Damen am Schalter bestätigten dies. Wir seien heute in die Business-Class versetzt worden. Damit waren wir aber sowas von einverstanden. Die Antwort auf Ruths nicht gestellte Frage lautete also: Man muss nichts tun, außer Glück zu haben. Für den Rest des Tages bekamen wir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. In Reihe 1 im Flugzeug machten wir es uns bequem und ließen uns außer den bequemen Sitzen auch das Verwöhnprogramm gefallen. Besser kann ein Urlaub nicht starten.
Nach dem Abendessen holte uns die Müdigkeit ein, und wir legten uns in die Waagerechte.
Teil 304. Dez. 2018
Tag 1 – 14. Juli 2018 – Einkauf
Casa Piccolo, Windhoek
Zuhause schläft man natürlich noch besser. Aber für einen Nachtflug war das schon sehr bequem und erholsam. Wir frühstückten, füllten die Einreiseformulare aus und landeten im Dunkeln bei fünf Grad in Windhoek. Die Einreise verlief schnell, aber das Gepäck ließ ziemlich lange auf sich warten.
Auch unser Fahrer wartete bereits und brachte uns in die Stadt zur Autovermietung. Ganz ungewohnt waren die vielen Wolken am Himmel, zwischen denen mühsam die Sonne aufging. Bei Savanna wurde noch der Kühlschrank im Auto befestigt, während wir das Fahrzeug übernahmen, einen wieder mal ziemlich neuen Landcruiser mit Bushcamper-Aufbau. Wie gewohnt ließ der Wagen keine Wünsche offen. Bis wir uns alles angesehen und besprochen hatten, waren aber dennoch zwei Stunden vergangen.
Wie immer führte uns der Weg zur Pension Casa Piccolo. Dort erwartete uns bereits ein lieber Gruß von unserer Freundin Meike aus Swakopmund, die uns selbstgemachte Guavenmarmelade schickte. Unser Zimmer war noch nicht fertig, und so ließen wir lediglich unser Gepäck dort und machten uns auf zur Maerua Mall für den Großeinkauf. Alles genau wie in den letzten Jahren. Uwe musste sich weder an das Auto noch an den Verkehr gewöhnen. Es fühlte sich an, als seien wir erst gestern hier gewesen. Der Einkauf zog sich sehr lange hin. Obwohl wir recht genau wissen, was wir benötigen, machen wir uns auch immer recht viele Gedanken. Mehrere Einkaufswagen später und mit einem Auto voller Kartons und Tüten verließen wir den Parkplatz.
Eigentlich wollten wir noch bei Fruit and Veg vorbei, mussten aber feststellen, dass der Laden an der bekannten Stelle nicht mehr existierte. Also ging es ohne weiteren Stopp zurück in die Pension. Verhungern werden wir wohl trotzdem nicht.
Wie immer folgte das große Räumen. Kühlschrank, Vorratsregale und –Kisten, Küche und alle Fächer, Winkel und Hohlräume des Aufbaus wurden mit Sachen vollgestopft und Betten gerichtet. Zwischendurch fühlten sich die Dinge und vor allem Mengen, die wir mitnehmen, schon etwas bekloppt an. Aber was soll’s?
Am späten Nachmittag hatten wir die meisten Sachen verstaut und ruhten uns aus. Wieder verschwand die Sonne einige Male hinter Wolken und hinterließ Kälte, die wir dann mit einer heißen Dusche bekämpften. Kurz vor sieben waren wir parat, um uns von unserem Taxifahrer Laston zu Joe’s Beerhouse bringen zu lassen. Unter einem Heizpilz aßen wir das erste Wildfilet des Urlaubs. Besser hätte es nicht schmecken können. Zum Nachtisch gab es einen Brownie und Malva-Pudding, der völlig anders aussah als unser selbstgemachter zu Hause. Er schmeckte aber auch gut. Ziemlich müde kehrten wir ins Casa Piccolo zurück und schliefen schnell ein.
Teil 405. Dez. 2018
Tag 2 – 15. Juli 2018 – Unter Wolken nach Botswana
Casa Piccolo, Windhoek – El-Fari Bushcamp, Ghanzi
Schon in der Nacht merkten wir, dass es draußen ziemlich windig war. Immer wieder fielen Schoten vom Baum scheppernd auf das Dach und weckten uns auf. Es stürmte ganz ordentlich. Kurz vor Sonnenaufgang hörten wir nicht nur Wind, sondern noch etwas anderes: Es regnete in Windhoek, und zwar nicht nur ein paar Tröpfchen. Was war das denn? Wir trauten unseren Augen kaum, als wir aus dem Fenster schauten.
Das bremste uns ein wenig aus, denn eigentlich wollten wir heute recht früh los, da wir eine weite Strecke vor uns hatten. Wir erledigten erstmal alle Dinge im Zimmer, bevor wir uns nach draußen wagten. Zum Glück kann man sich in Namibia darauf verlassen, dass es um diese Jahreszeit niemals sehr lange regnet. So konnten wir auch schon vor acht Uhr weitere Sachen zum Auto bringen und verstauen. Beim Frühstück ließen wir uns Toast, Rührei und Speck schmecken. So brachen wir doch erst um neun Uhr auf, holten Geld, tankten über 160 Liter Diesel und fuhren zu Savanna. Dort ließen wir ein paar Sachen, die wir während der Reise nicht benötigen und nahmen noch zwei große Tassen mit. Um zehn Uhr fuhren wir aus der Stadt nach Osten.
Den ganzen Tag über begleiteten uns Wolken, ein für uns völlig fremder Anblick. Die Temperatur stieg von 8 Grad in Windhoek langsam auf 14, dann auf 20 Grad. Nachmittags kletterte das Thermometer sogar auf 25 Grad. Die B6 zog sich dahin. Wir passierten Witvlei, umfuhren Gobabis und kamen an die Grenze nach Botswana. Nach den Grenzformalitäten, die sehr schnell vonstatten gingen, mussten wir nur noch eine letzte Schranke überwinden. Dort hielten uns zwei Beamte auf, die einen Blick in unseren Kühlschrank werfen wollten. Sie beanstandeten zwei eingeschweißte Gurken, die oben auf lagen. Letztes Jahr habe es ein Problem mit Fruchtfliegen gegeben, weshalb die Mitnahme verboten sei. Wir diskutierten nur kurz, denn so ganz verstanden wir das Problem nicht. Uwes Versuch, die Gurken zu retten, indem er behauptete, sie kochen zu wollen, scheiterte kläglich, und so ergaben wir uns und ließen die beiden Früchte zurück. In Botswana war die Hauptstraße etwas breiter als in Namibia, und wir kamen gut vorwärts. Ab und zu liefen Ziegen oder Kühe über die Straße oder täuschten die Überquerung zumindest an. Für die letzten 150 Kilometer übernahm Ruth das Steuer und sammelte etwas Erfahrung mit dem Landcruiser. Entlang der Straße sahen wir viele Trappen, einige Gabelracken, Drongos und Perlhühner.
Sechzig Kilometer hinter Ghanzi bogen wir zum El-Fari Bushcamp ab. Wir waren die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und sahen im Registrierungsbuch, dass unsere Freunde Karin und Peter die letzte Nacht hier verbracht hatten. Morgen werden wir die beiden einholen. Wir stellten das Zelt auf, machten Feuer und genossen den Sonnenuntergang zwischen vielen Wolken.
Webervögel, Astrilde, Drosslinge und Drongos hüpften durch die Bäume. Sogar ein paar Schakale riefen. Wir duschten, machten Salat und grillten Oryx-Filet. Es hätte uns nicht besser gehen können.
Auch nach dem Essen saßen wir noch einige Zeit am Feuer und schauten in die Sterne.
Kilometer: 595
Teil 506. Dez. 2018
Tag 3 – 16. Juli 2018 – Gamedrive – früher als erwartet
El-Fari Bushcamp, Ghanzi – Nata Lodge
Bei knapp 10 Grad standen wir um halb acht auf. Auch einige Vögel waren schon da und warteten vermutlich auf Krümel von unserem Frühstück.
Rotstirn-Bartvogel
Aber daraus wurde nichts. Wir tranken lediglich Kaffee und Tee und packten unsere Sachen zusammen. Denn wir freuten uns auf ein ausgiebiges spätes Frühstück in Maun bei Hilary’s. Hier ein Einblick in den Bushcamper:
Auf der Hauptstraße richteten wir uns auf eine ereignislose Fahrt nach Maun ein, als bereits nach wenigen Kilometern vor uns zwei Wilddogs die Straße kreuzten. Einer von ihnen trug ein Halsband. Die Hunde jagten direkt an der Straße entlang an uns vorüber, und obwohl wir möglichst schnell anhielten und zurücksetzten, waren sie schon bald im Gebüsch verschwunden. Trotzdem freuten wir uns, denn mit so einer Sichtung an der A2 hatten wir nicht gerechnet.
Beim Kuke-Zaun wurden wir zum ersten Mal heute angehalten. Während eine Beamtin nach unseren Vorräten fragte, sprühte eine andere unsere Reifen ein. Auf dem Weg nach Maun folgte eine weitere Veterinärkontrolle, bei der wir dann aussteigen und unsere Schuhe desinfizieren mussten. Immer wieder fuhren Eselkarren neben der Straße, saßen oder liefen Leute am Straßenrand, Ziegen und Kühe grasten oder überquerten die Fahrbahn. Ein Dutzend Marabus kreiste über uns und freute sich offensichtlich über einen Kadaver in der Nähe. Bis Maun zog sich die Strecke dahin, und wir erreichten die Stadt erst kurz vor 11.00 Uhr.
Uwe holte Geld und kaufte neue Gurken, während Ruth das Auto bewachte. Dann bogen wir auf die Airport-Road ein und freuten uns sehr auf eine Pause mit Kaffee, Sandwiches und anderen Leckereien. Aber leider hatte unser Lieblingscafe geschlossen. Es stand auch kein Schild dort, aus dem wir hätten erkennen können, wann wieder geöffnet würde. So tankten wir und nahmen uns lediglich eine Portion Pommes bei Wimpy mit auf dem Weg. Das war allerdings nur ein schwacher Trost für die entgangenen Jumbo-Sandwiches, die wir bei Hilary bekommen hätten. Wir überquerten den Thamalakane und fuhren Richtung Südosten. Bei einem weiteren Vet-Gate wurde mal wieder unser Kühlschrank inspiziert und unsere Schuhe desinfiziert.
Die restlichen 250 Kilometer bis Nata waren zwar auch geteert, aber die Straße war mit unzähligen Schlaglöchern aller Größen und Tiefen gespickt. Wir mussten über weite Abschnitte Slalom fahren und schafften es dennoch nicht, allen Löchern auszuweichen. Zum Glück war nicht viel Verkehr, denn entgegenkommende Fahrzeuge fuhren ebenfalls in Schlangenlinien oder zum Teil auch neben der eigentlichen Straße her.
Früher als erwartet entwickelte sich unsere heutige Fahrt bereits zu einem ersten Gamedrive. Am Straßenrand entdeckten wir Zebras, Giraffen und sogar Elefanten. Ein einzelner Bulle stand unter einem Baum und fraß gemütlich. Weitere Elefanten überquerten vor uns die Straße.
Strichelracke
Kurz vor Nata hielten wir bei einem kleinen See und beobachteten einen jungen Sattelstorch und einige Stelzenläufer.
Als wir gerade in der Nata Lodge angekommen waren, liefen auch schon Karin und Peter auf uns zu. Die beiden waren bereits am frühen Nachmittag eingetroffen.
Schön, dass das Treffen mit unseren Reisepartnern so reibungslos funktioniert hatte. Wir freuten uns sehr auf die gemeinsame Zeit, checkten ein und stellten uns zu den beiden auf den Campingplatz. Die Lodge ist schön unter vielen Bäumen und Palmen gelegen. Überall hüpften Vögel umher: Bartvögel, Drosslinge und ein paar Papageien. Wir drehten zu Fuß eine Runde, machten Feuer und kochten Abendessen. Karin machte Couscous, und wir grillten Springbock. Es gab viel zu erzählen, doch Ruth war nur mit halbem Ohr dabei. Hatten wir doch vor etlichen Jahren hier auf der Campsite ein paar Bushbabies entdeckt. Ruth hatte an der Rezeption sogleich nachgefragt und die Bestätigung erhalten, dass sie selbstverständlich noch immer da seien. Ein wenig misstrauisch ob einer solchen Aussage („jaja, der Leopard liegt gleich dort hinten im Baum“, „gerade gestern noch wurden Wale, Löwen und Gepardenkinder nicht weit von hier gesichtet …“), aber doch mit einer kleinen Hoffnung lauschte sie auf jedes Geräusch in den umliegenden Büschen. Und tatsächlich verriet ein leises Rascheln im Geäst die Ankunft der kleinen Äffchen. Sie bewegten sich sehr geschickt und äußerst flink im meist dichten Buschwerk, so dass es uns wirklich schwer fiel, sie auch nur mit unseren Blicken zu verfolgen. Obwohl sicher ein halbes Dutzend der kleinen Galagos während des ganzen Abend über uns durch die Bäume turnte, sie sich gegenseitig beschnupperten oder das hinabtropfende Harz vom Stamm leckten, gelang uns keine ganz überzeugende Aufnahme.
So brachen wir mal wieder fasziniert von der Wendigkeit und Sprungkraft der kleinen Burschen ihre Verfolgung ab und saßen noch einige Zeit zusammen am Feuer. Spät gingen wir ins Zelt.
Kilometer: 539
Teil 608. Dez. 2018
Tag 4 – 17. Juli 2018 – Ungeplanter Nightdrive im Hwange
Nata Lodge – Shumba Dam, Hwange
Wir schliefen aus und starteten gemütlich in den Tag. Es waren wieder viele Wolken am Himmel, und da der Campsite der Nata Lodge unter hohen Bäumen lag, hatten wir kaum Sonne beim Frühstück. Dennoch war es nicht allzu kalt, und so aßen wir in Ruhe Müsli und Nutellabrote. Anschließend pirschten wir einigen Vögeln hinterher, hauptsächlich Drosslingen und Tauben.
Es war bereits halb zehn, als wir die Lodge verließen. Wir hatten uns auch nicht sonderlich beeilt, weil wir von einer im Vergleich zu den Vortagen kurzen Etappe ausgingen. Trödelig kauften wir im Supermarkt Brot und Muffins und füllten an der Tankstelle Diesel nach. Dann ging es auf die A33 nach Norden. Die Straße war sehr gut ausgebaut, fast ohne Schlaglöcher, und es herrschte nicht viel Verkehr. Meist ging es schnurgeradeaus. Wir überholten vielleicht ein halbes Dutzend Lastwagen. Es gab eine weitere Veterinärkontrolle, bei der wir jedoch durchgewunken wurden.
Am Straßenrand sahen wir Hornraben, Elefanten und Giraffen. Nach knapp 200 Kilometern erreichten wir Pandamatenga, wo wir nochmals tankten. Der Tankwart ließ es gemütlich angehen. Er hatte alle Zeit der Welt, nacheinander die Autos zu befüllen und einzeln das Wechselgeld zu holen. Unserer Ansicht nach wäre es durchaus möglich gewesen, beide Autos gleichzeitig zu betanken. In Afrika trifft man auf eine völlig andere Einstellung zur Zeit, die wir immer meinen, nicht zu haben. Derart zwangsentschleunigt war Mittag schon deutlich vorbei, als wir den kleinen, beschaulichen Grenzübergang erreichten. Nach der Ausreise in Botswana kamen wir zu den Kollegen nach Zimbabwe. Die Fahrzeugpapiere wurden kontrolliert, eine Versicherung für das Auto abgeschlossen und die Visa in die Pässe geklebt. Auch wenn wir die einzigen Touristen waren, dauerte das Prozedere mit Listen und Stempeln sicherlich eine Stunde. Gerne hielten wir auch noch ein Schwätzchen mit den netten Jungs am Schlagbaum.
Danke an Karin für das Bild:
Hinter der Grenze fuhren wir auf einer schmalen, unbefestigten Straße weiter nach Südosten. Im Gegensatz zum Vormittag kamen wir nun deutlich langsamer voran. Die Strecken waren landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich. Bäume, Palmen und Grasflächen wechselten sich ab. Wir hielten auf und neben mehr oder weniger passierbaren Brücken und querten einige Flussläufe. Teilweise erinnerten uns mehrere Hügel an die Gegend um Savuti, dann wieder feuchtere Gebiete an das Okavango-Delta.
So krochen und rumpelten wir dahin, und die Nachmittagssonne, die die Landschaft bereits in schönstes Licht tauchte, sorgte für den ein oder anderen zusätzlichen Fotostopp.
von Karin:
von Karin:
Teil 708. Dez. 2018
Am Eingang zum Hwange-Park unterhielten wir uns mit zwei Rangern. Schon hier fiel uns auf, wie fröhlich und gut gelaunt die Menschen uns begegneten. Das bisschen Smalltalk wurde begleitet von einem strahlenden Lächeln und den besten Wünschen. Wir fühlten uns sogleich sehr willkommen.
von Karin:
Mohrenralle
Nach weiteren 12 Kilometern kamen wir zum Robins Camp, wo wir unsere Reservierungen zeigten und noch eine Gebühr entrichteten. Das Camp befand sich gerade im Umbau, und die Anlage wurde an vielen Stellen renoviert und sehr hübsch neu gestaltet. Also machten wir dort eine Pause und picknickten in der Sonne, denn außer Muffins, Biltong und ein paar Keksen hatten wir seit heute Morgen nichts mehr gegessen.
Die kleine Auszeit tat uns allen gut, auch wenn uns so langsam dämmerte, dass wir unser Camp erst ziemlich spät erreichen würden. Bis zur Picknick Site am Shumba Dam waren es noch über 60 Kilometer, als wir um halb fünf aufbrachen. Zum Glück waren die Wege im Park in einem sehr guten Zustand, so dass wir gut vorwärts kamen.
Nachtflughuhn
Wir sahen Giraffen, Elefanten, die den Weg versperrten und Impalas.
von Karin:
von Karin:
Und so kam es, wie es kommen musste: Die Sonne ging langsam unter, und wir hatten immer noch 30 Kilometer vor uns.
Auch ein paar Giraffen und Elefanten mussten selbstverständlich noch genau betrachtet werden.
Wir machten aus der Not eine Tugend und interpretierten die Fahrt zum Camp als Nightdrive, wohl mit schlechtem Gewissen, da wir keine Ahnung hatten, ob man im Dunkeln überhaupt im Park unterwegs sein durfte. Nun ging es eben noch langsamer voran. Im Scheinwerferlicht sahen wir viele Hasen, und ab und an flog ein Nightjar vor uns auf. Im Kegel der Taschenlampe entdeckten wir eine Ginsterkatze im Gebüsch, die aber zügig das Weite suchte.
Am Masuma Dam machte uns der dortige Camp Attendent Edward Mut, dass wir nun nur noch 13 Kilometer vor uns hätten. Wir sollten die Abkürzung direkt durch das Camp nehmen. Hierfür öffnete er uns flink das Tor auf der gegenüberliegenden Seite und wünschte uns einen tollen Aufenthalt auf Shumba. Wieder fiel uns seine herzliche Art auf, und wir freuten uns darauf, ihn morgen wiederzusehen. Eigentlich hatten wir eher mit einem Rüffel gerechnet, dass wir so spät noch unterwegs waren. Die letzte Fahretappe war aber trotzdem noch einmal ziemlich anstrengend, weil wir sehr konzentriert auf die Strecke und die Umgebung waren. Man sollte nicht umsonst das Fahren in der Dunkelheit vermeiden. Und hätten wir zu dem Zeitpunkt schon gewusst, wie viele Elefanten es in dieser Gegend gibt, wären wir bestimmt noch langsamer unterwegs gewesen. Schließlich erreichten wir die Shumba Site. Dort warteten tatsächlich zwei Camp Attendents auf uns. Als wir zögerlich auf den Platz rollten, kamen sie sogleich aus der Dunkelheit auf uns zu und entzündeten ein Feuer für uns. Wir machten große Augen und unterhielten uns ein wenig, bevor die beiden auch endlich Feierabend machen konnten. Dann klappten wir die Zelte auf und bereiteten unser Abendessen. Wir grillten Eland und aßen Folienkartoffeln und Grillbrote. Wir hatten viel gutes Holz, und so war das Feuer sehr groß und heiß. Peter entdeckte noch eine Ginsterkatze. Als plötzlich ein kräftiger Wind aufkam und es ungemütlich wurde, verzogen wir uns rasch in die Zelte.
Kilometer: 330
Teil 810. Dez. 2018
Tag 5 – 18. Juli 2018 – Ein Serval und viele Elefanten
Shumba Dam – Masuma Dam, Hwange
Der Wind wehte die ganze Nacht mehr oder weniger stark. Wir wachten vor Sonnenaufgang auf und hörten in großer Entfernung Hyänen heulen. Schnell standen wir auf, packten zusammen und fuhren los. Bereits ein paar hundert Meter hinter dem Camp lief ein Tier auf der Straße. Unsere erste Vermutung war ein Schakal. Aber schnell merkten wir, dass es kleiner war und auch anders lief – mehr wie eine Katze. Nur Augenblicke später war uns klar, dass es sich um einen Serval handelte. Unser Puls schnellte nach oben. Wir waren ganz aus dem Häuschen, denn diese Art hatten wir noch nie zuvor gesehen. Schnell versuchten wir ihn einzuholen, aber der scheue Serval bog von der Straße ab und verschwand im hohen Gras. Zweimal ließ er sich noch kurz blicken. Wir waren völlig euphorisch. Was für ein Start in den Gamedrive!
Auf zum Teil zugewachsenen Pfaden drehten wir eine kleine Runde um eine Pfanne und entdeckten einen Sekretär, zwei Schakale und ein paar Zebras.
Von der hinteren Seite erreichten wir wieder das Shumba-Camp. Die beiden Camp-Attendents erschienen, zeigten uns eine Karte der Umgebung und gaben Tipps für den weiteren Game Drive. So fuhren wir über 20 Kilometer Richtung Nordosten. Die meiste Zeit führte die Strecke durch dichten Mopane-Busch, der keinerlei Aussicht bot. Ziel der Fahrt waren ein paar kleine Seen und Dämme. Aber außer einigen Vögeln, einem Elefanten und wenigen Impalas blieb es ruhig. Ruth pirschte alleine einer Gruppe Brillenwürger hinterher, bis es ihr im dichten Busch zu unheimlich wurde und sie zum Auto zurückkehrte.
von Karin:
Am späten Vormittag kamen wir zurück zum Shumba Camp und machten eine lange Mittagspause. Wir frühstückten in der Sonne, und Karin machte eine leckere Guacamole. Dann ging jeder irgendeiner Beschäftigung nach. Ruth suchte mit ihrer Kamera Vögel und Schmetterlinge, Peter hielt nach größeren Tieren Ausschau, Uwe kramte im Auto, und Karin hatte ebenfalls den Fotoapparat im Anschlag. Wir duschten, räumten auf und ließen uns in der Sonne reichlich Zeit.
Graulärmvogel
Trauerdrongo
Im Wurzelgewirr eines großen Baumes auf der Campsite hauste eine Großfamilie Zwergmangusten. Die kleinen Gesellen steckten neugierig ihre Nasen aus dem Bau und ließen sich die Sonne auf den Pelz brennen. Nach und nach wurden sie mutiger und wuselten flink über den Platz.
Karin fühlte sich ein bisschen erkältet und war daher warm eingepackt.
Braundrossling
Angola-Schmetterlingsfink
Mahaliweber
Bei Schmetterlingen kennen wir uns immer noch nicht aus. Matthias, vielleicht magst du uns noch einmal helfen …
Mohrenmeise
Teil 910. Dez. 2018
Am frühen Nachmittag fuhren wir in Richtung Masuma Dam. Einer der Camp-Attendents saß hinten bei Karin und Peter im Auto, weil er in Masuma sein Funkgerät aufladen wollte. Deswegen hielten wir nur kurz am Shumba Dam und bestiegen den großen Hide. Von dort hatten wir eine tolle Aussicht auf den See, in dem aber leider außer ein paar Wasservögeln keine Tiere waren.
Langsam fuhren wir danach die 14 Kilometer nach Masuma.
Dort setzten wir uns in den Hide hoch über dem See und sahen Hippos, Krokodile, Kudus und Impalas. Kaum waren wir angekommen, als sich eine große Elefantenherde näherte. Die Elefanten liefen unmittelbar unter uns vorbei und tranken. Unter ihnen waren auch einige Jungtiere. Kaum hatte sich die Herde wieder entfernt, erschien die nächste auf der Bildfläche. So ging es den ganzen Nachmittag. Die Elefanten gaben sich die Klinke in den Rüssel. Es war ein einziges Kommen und Gehen, und so waren wir schnell entschlossen, das Auto heute nicht mehr zu bewegen. Auch die Hippos wurden aktiv und grunzten. Es war ein tolles Schauspiel.
Auf ihm wirken die Madenhacker so groß.
Der Camp Attendent Edward fragte uns, ob wir etwas dagegen hätten, wenn ein südafrikanisches Paar ebenfalls heute bei Masuma übernachtet. Als Mieter dieser Örtlichkeit hatten wir die Campsite exklusiv gebucht und damit die Entscheidungsgewalt. Natürlich war das für uns in Ordnung.
Lange saßen wir im Hide, beobachteten Elefanten, Hippos, einen Wasserbock, Frankoline und Wassertriele. Bis zum Sonnenuntergang war ständig etwas los.
Dann brachte uns Edward Feuer, und wir machten Abendessen. Heute kam wieder ein Stück Oryx auf dem Grill. Dazu gab es Salat mit Tomaten, Feta, Gurke und Broccoli. Wir saßen noch einige Zeit am Feuer. Den ganzen Abend ertönten das tiefe Grollen oder das Trompeten der Elefanten um uns herum, das Grunzen der Hippos oder das ferne Rufen der Hyänen. Diese Kulisse war traumhaft schön. Leider war es bewölkt, so dass heute Abend keine Sterne zu sehen waren.
Kilometer: 74
Teil 1012. Dez. 2018
Tag 6 – 19. Juli 2018 – Eine interessante Begegnung mit Godfrey
Masuma Dam, Hwange
Am Morgen in Masuma warfen wir nur einen kurzen Blick auf den Damm, denn außer ein paar friedlichen Hippos waren dort keine Tiere. Unseren Gamedrive richteten wir nach Norden. Das spätere Ziel war Sinamatella. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Mopanewald und hielten am Mandavu-Damm. Am Ufer lagen unzählige Elefantenhaufen, nur die Elefanten fehlten.
Hirtenregenpfeifer
Ein Stück weiter gibt es einen erhöht liegenden Picknickplatz, von dem man einen guten Blick über den See hat. Dort vertraten wir uns ein wenig die Füße, schauten über das Wasser und genossen die Aussicht. Es wehte ein kühler Wind, und wir hatten eine fast geschlossene Wolkendecke, weshalb das Fotolicht nicht sehr gut war. Unser Beleuchter hatte uns heute etwas im Stich gelassen. Auf den Felsen über dem Wasser und am Rande der Anlage saßen einige Klippschliefer-Familien, beäugten uns misstrauisch, wenn wir ihnen zu nahe kamen, kletterten herum oder kuschelten sich aneinander.
In den Büschen rund um die Picknicksite zwitscherte und raschelte es überall, und so krabbelten wir durch die angrenzenden Sträucher.
Schneeballwürger
Meves-Glanzstar
Wir tippen auf einen mehr als üblich braunen Jameson’s Firefinch (Rosenamarant) wegen des dunklen Schnabels.
Sumpfwürger
Brauner Zistensänger (Neddicky)?
Peter fand einen kleinen Fotoapparat. Auf dem Picknickplatz standen zwei verlassene Autos. Wir nahmen die Kamera mit und hinterließen einen Zettel. Anschließend fuhren wir nach Sinamatella.
Dieses große Camp hat seine besten Jahre schon lange hinter sich. Dennoch gibt es dort viele Angestellte, die sich bemühen, die Anlagen instand zu halten. Wege und Bepflanzung waren gepflegt, und es war alles ordentlich und sauber.
Wir hielten auf dem Campingplatz und machten Pause. Das Camp liegt auf einem Hügel mit unschlagbarer Aussicht über die Ebene.
Während wir an einem großen, überdachten Steintisch mit Bänken frühstückten, gesellte sich Godfrey zu uns.
Er ist Ranger im Hwange und arbeitet dort seit 2005. Er erkundigte sich, ob es uns gefalle und erzählte, dass viel zu wenige Touristen in seinen Park kämen. Wir luden ihn auf einen Kaffee ein und unterhielten uns lange. Es war sehr interessant, von ihm Informationen über den Park, die Tiere, Pflanzen und das Leben in Zimbabwe zu bekommen.
So erzählte er, dass alleine im letzten Jahr die Preise auf mehr als das Doppelte gestiegen seien und die Bevölkerung sich daher keinerlei Luxusartikel mehr leisten könne. Dazu gehöre beispielsweise auch Kaffee. Er berichtete von der Nashornwilderei. Das Horn der Tiere werde regelmäßig gekürzt, was die Wilderer aber dennoch nicht abhalte. Und obwohl die Drahtzieher im Hintergrund sitzen und das meiste Geld an dem Handel verdienen, erhalten die Wilderer und Zwischenhändler meistens nichts, weil sie einfach nach der Lieferung erschossen werden. Die Mahaliweber helfen bei der Orientierung, da sie fast ausschließlich auf der Westseite von Bäumen sitzen. Eine kleine gelbe Frucht sei stark giftig und heißt Goat’s Apple.
Es gibt neben den Nationalparks auch Tiergebiete, in denen gejagt werden darf. Des Weiteren gibt es Zonen, in denen sich die Tiere ungestört vermehren können. Alte Elefanten kennen die Unterschiede und halten sich daher nicht in Jagdgebieten auf. Hyänen können viele verschiedene Laute anderer Tiere imitieren.
Godfrey erzählte und erzählte, und wir hörten ihm gespannt zu. Um uns herum wuselten Baumhörnchen, Zwergmangusten, hüpften Rotschnabeltokos, Glanzstare und ein Haubenbartvogel.
Haubenbartvogel
Der Himmel klarte immer weiter auf, und die Sonne schaute zwischen den Wolken hervor.
von Karin:
Teil 1112. Dez. 2018
Die zwei Autos vom Mandavu-Damm trafen ein. Es waren Holländer, und die gefundene Kamera gehörte wirklich ihnen. Peter gab sie ihnen zurück, und sie freuten sich sehr darüber. Wir hatten es nicht eilig und spazierten durch das Camp.
Goldbugpapagei
Sumpfwürger
Während drei von uns mit Fotografieren beschäftigt waren, spähte Peter mit dem Fernglas umher und entdeckte tatsächlich weit unterhalb in der Ebene am trockenen Flussbett eine Löwin. Mit bloßem Auge war sie nicht viel mehr als stecknadelkopfgroß zu erkennen. Wir waren beeindruckt und beschlossen nach vier Stunden Pause, auf Löwenjagd zu fahren.
Wir fuhren also in Richtung der Löwin am Fluss entlang, konnten aber überraschenderweise außer ein paar Warzenschweinen nichts mehr entdecken. An einer eingestürzten Brücke mussten wir eine sehr steile Umfahrung nehmen. Auch hier ist schnell ersichtlich, warum es wohl besser ist, nicht im Dunkeln unterwegs zu sein, denn ein Hinweisschild auf ein plötzliches Ende der Straße gab es natürlich nicht.
Ein entgegenkommendes Safarifahrzeug hielt neben uns. Wir tauschten uns über unsere Sichtungen aus, was nicht sehr lange dauerte. Etwas später sahen wir eine Gruppe Impalas und an einem kleinen Wasserloch einen Goliathreiher.
Drongos flogen knapp über dem Wasser und schnappten sich Fluginsekten. Manchmal tauchten sie sogar kurz ein. Dieses Verhalten hatten wir bisher noch nicht beobachten können.
Erneut hielten wir auf unserem Rückweg am Mandavu-Damm.
Auf einer Insel im See zählten wir 28 Krododile. Außerdem saßen dort Skimmer, ein Nimmersatt, zwei Schreiseeadler und weitere Vögel. Am gegenüberliegenden Ufer erschienen einige Kudus um zu trinken. Zurück bei Masuma sahen wir gerade noch das, was vom Sonnenuntergang hinter den Wolken auszumachen war. Anschließend erglühte der Horizont in allen möglichen Rot-, Lila- und Pinktönen.
Zum Abendessen machten wir zur Abwechslung Pizza im Potije. Mit einer großen Menge an Glut gelangen die Pizzen gut.
von Karin:
von Karin:
Als Geräuschkulisse bekamen wir wieder das volle Programm geboten: Elefanten-Grollen und -Trompeten, Hyänen- und Eulenrufe, sogar Löwengebrüll und möglicherweise das Husten eines Leoparden.
Kilometer: 69
Teil 1215. Dez. 2018
Tag 7 – 20. Juli 2018 – Hwange-Ost mit vielen Wolken
Masuma Dam, Hwange – Gwango Lodge
An unserem zweiten und letzten Morgen in Masuma ließen wir uns ein bisschen mehr Zeit. Mit einer Tasse Kaffee und Tee setzten wir uns in den Hide und schauten auf das Wasser.
Wie üblich schwammen einige Hippos herum. Vor der Abfahrt füllten wir mit einem Schlauch unseren Wassertank auf. Dann verabschiedeten wir uns von Edward und fuhren los nach Südosten.
Irgend ne Coucal
Junger Kampfadler (Danke an Bele und Lothar)
Bis Shumba hatten wir keine nennenswerten Sichtungen. Obwohl die Elefanten die ganze Nacht über zu hören gewesen waren, sahen wir heute Morgen keinen einzigen.
Nichts ließ sich auf den weiten Grasflächen blicken: Kein Gnu, kein Zebra, kein Schwein, lediglich ein Trupp Perlhühner war unterwegs. Dann, fast an der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor, sahen wir wieder den Serval im Gras.
Ob es sich um dasselbe Tier oder um ein Familienmitglied handelte, wussten wir nicht, aber es war uns auch egal. Diesmal suchte die Katze nicht sofort das Weite, sondern blieb in der Nähe. Sie schlich langsam parallel zur Fahrbahn neben dem Auto.
Dennoch war es sehr schwer, sie nicht aus den Augen zu verlieren, denn sie nutzte geschickt jede mögliche Deckung und hielt sich stets im trockenen Gras verborgen.
Unsere Fotoausbeute von vielen scharfen Gräsern mit einem matschigen Fleckenmuster im Hintergrund war ganz enorm. Schließlich überholten wir den Serval, um ihn an der Stelle abzufangen, an der die hohen Gräser endeten und ein kleines Fleckchen trockener Lehmboden zu erkennen war. Doch den Gefallen tat er uns nicht. So sehr wir auch schauten, das Tier tauchte nicht auf. Uwe behielt die Straße hinter uns im Blick, Ruth spähte angestrengt ins hohe Gras. Dummerweise bewegte ein leichter Wind die Halme, so dass uns auch keine Bewegung im Gras die Position des Servals hätte verraten können. Karin und Peter, die ein wenig hinter uns angehalten hatten, konnten auch nichts entdecken. Uns blieb lediglich, wieder ein Stück zurück zu fahren und die Gegend ein zweites Mal abzuscannen. Leider erfolglos, denn der Serval blieb wie vom Erdboden verschluckt. Aber Ruth wollte nicht aufgeben. Sie war sich sicher, dass er noch da sein musste. Also verließ sie das Auto, spazierte ein paar Meter entlang der Straße auf und ab und dann ein wenig durch das Gras. Gerade in dem Moment, als sie meinte, dass sie absolut nichts sehen könne, vielleicht gleich über eine nicht erfreute Servalfamilie stolpere und sie das Gefühl habe, dass ihr gleich eine zu allem entschlossene Servalmutter auf dem Rücken landen würde, sprang das Tier keine anderthalb Meter vor ihr aus der Deckung, verschwand wie ein geölter Blitz in ein paar Sätzen über die Straße und war sofort wieder zwischen den Gräser verschwunden. Ruth hatte sich riesig erschrocken und machte große Augen. Aber was hatte sie auch erwartet? Dass der Serval freundlich lächelnd in seinem Versteck liegen bleiben würde, bis er in aller Ruhe fotografiert wäre? Man hätte vielleicht doch mit genau diesem Verhalten rechnen und einfach geduldiger abwarten können.
Diesmal waren wir uns sicher, dass wir ihn nicht noch einmal wiederfinden würden, und so rumpelten wir über eine ziemlich ramponierte Teerstraße weiter nach Osten.
Gabelracke
Männlicher und weiblicher Coquifrankolin
Eine Erstsichtung für uns, an der wir fast vorbeigefahren wären. Die kleinen Hühnervögel bewegten sich mit ihrem gut getarnten Federkleid sehr unauffällig zwischen der kurzen Vegetation. Ein Abzweig führte nach wenigen hundert Metern zur Nehimba-Lodge. Der Manager begrüßte uns freundlich und bot uns an, uns ein wenig umzusehen. Die Lodge hat Platz für 22 Gäste und besitzt ein eigenes Konzessionsgebiet.
Immer wieder zweigten kurze Sackgassen von der Hauptstraße ab, die zu einem Wasserloch führten. Mal schwammen dort Sporengänse, mal liefen Waffenkiebitze auf und ab, und manchmal waren auch keine Tiere zu sehen.
Nach einem kurzen Fotostopp an diesem kleinen See war Ruth dann erst mal eine Weile damit beschäftigt, ihre Crocs zu entdornen. Unfassbar, was sich dort so alles sammelt.
Wir folgten einem Flickenteppich aus Gravel- und Teerpad durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Mopanebusch und Grassavanne mit vereinzelten hohen Bäumen. Wolken malten interessante Muster an den Himmel und Schattenspiele auf die Erde.
Zwergbienenfresser
Perlkauz
Teil 1315. Dez. 2018
An einer großen Wasserstelle auf einer Ebene, auf welcher viele Gnus, Zebras und Wasserböcke grasten, stand ein breiter Hide, der über eine Treppe zu erreichen war.
Am Wasser waren Krokodile und Hippos zu sehen. Als wir oben im Hide waren, näherte sich ein Reisebus.
Wir befürchteten schon eine Horde lärmender Touristen, lagen aber völlig falsch. Aus dem Bus stieg eine Schulklasse aus Harare, die auf einer fünftägigen Rundreise durch Zimbabwe war. Begleitet von ein paar Lehrerinnen und Betreuern kamen die etwa 40 Kinder in den Hide. Am erstaunlichsten war, wie ruhig die Schüler waren. Keiner redete ein Wort, es war mucksmäuschenstill. Auf Ruths Frage an eine Lehrerin, wie sie das erreicht habe, antwortete diese, sie habe den Kindern einfach gesagt, dass sie leise sein sollten. Aha, so geht das also! Wir verliehen unser Fernglas an die Lehrer und Kinder und kamen ein wenig mit ihnen ins Gespräch. Es war ein sehr angenehmer, unaufgeregter Kontakt mit der Gruppe, und am Ende wollten sie noch Fotos zusammen mit uns machen. Das wollten wir umgekehrt dann natürlich auch.
Rotschulter-Glanzstar
Eine gute halbe Stunde später setzten wir unseren Weg fort.
Wir fuhren den gar nicht mal so kurzen Loop über Doppies Pan, weil uns der Manager der Nehimba-Lodge erzählt hatte, dass dort gestern ein großes Löwenrudel gesehen worden sei. Die Strecke führte zunächst durch dichten Wald, später erreichten wir eine freie Ebene.
Braunkopfliest
Von den Löwen war keine Schwanzspitze zu erblicken, dafür sahen wir eine kleine Herde Pferdeantilopen.
Durch ständig wechselnde Landschaft fuhren wir bis zum Main Camp. Dort legten wir gegen 15.00 Uhr endlich eine längere Picknickpause ein. Dabei unterhielten wir uns ein wenig mit einem Bremer, der mit seinem eigenen Wagen unterwegs war, den er von Deutschland nach Walvis Bay verschifft hatte.
Anschließend verließen wir den Park. Unser Aufenthalt im Hwange hat uns sehr gut gefallen. Die abwechslungsreiche Landschaft, die gute Infrastruktur und die äußerst freundlichen Menschen bleiben uns in bester Erinnerung. Die Gwango-Lodge befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Nationalparkgrenze. Auf einer guten Teerstraße ging es die letzten Kilometer bis dorthin.
Wir checkten auf der Campsite ein, die wir ganz für uns alleine hatten. Die Anlage war äußerst gepflegt und der Stellplatz mit sauberem weißen Sand ausgestreut. Es gab eine riesige Feuerstelle, auf der ein entsprechend großes Feuer entfacht wurde.
Wir duschten mit mehr oder weniger heißem Wasser und mehr oder weniger funktionierendem Licht und rückten danach näher ans Feuer, denn nach Sonnenuntergang war es schnell recht kühl geworden.
Dann gingen wir zum Restaurant der Lodge, wo wir nur etwas trinken und whatsappsüchtig das Wifi nutzen wollten. Schon verrückt! Da kommt man die ganze Zeit prima ohne aus, aber wenn’s möglich ist …
Aber schließlich bestellte sich Peter auch etwas zu essen, und alle anderen nahmen eine Portion Pommes. Eigentlich war es uns zu kalt, um dort lange zu sitzen, und als wir gerade wieder gehen wollten, bat uns ein Angestellter, noch etwas zu warten, denn gleich würde eine Sing- und Tanzvorführung der Angestellten beginnen. Da außer unserem nur noch zwei andere Tische besetzt waren, taten wir ihm den Gefallen. Die Tanz-, Gesang- und Trommeleinlage war unterhaltsam und lustig, als die Angestellten zwischenzeitlich Tiere imitierten. Obwohl so eine Touristenbespaßung eigentlich nicht unser Ding ist, ließen wir uns auf die Melodien und Rhythmen, die lediglich mit Stimme, ein paar Rasseln und Trommeln erzeugt wurden, ein und hatten eine wirklich kurzweilige Zeit. Während sich Uwe und Peter erfolgreich weigerten, den Sandkreis in der Mitte des Restaurants zu betreten, hopsten und stampften Ruth und Karin am Ende sogar mit einigen Gästen und den Tänzern munter zusammen im Kreis herum. Nur gut, dass es zu dunkel fürs Fotografieren war, vielleicht hatte Uwe sich aber auch schon genug fremd geschämt. Auf jeden Fall hatten zumindest die Damen im Gegensatz zu den halb blau gefrorenen Herren deutlich bessere Laune, als wir zurück zu unserer Campsite marschierten. „Hättest ja mittanzen können.“ – „Im Leben nicht! Lieber erfriere ich.“ Dort schichteten wir das Feuer neu auf und grillten die Spingbock-Steaks, die wir schon nachmittags aus dem Freezer genommen hatten. Lange saßen wir noch an unserem großen Feuer und drehten immer wieder die Stühle, um wie ein Brathähnchen von allen Seiten gleichmäßig warm zu werden.
Kilometer: 133
Teil 1417. Dez. 2018
Tag 8 – 21. Juli 2018 – Besuch im Dorf
Gwango Lodge – Mucheni Gorge, Chizarira
Heute war der bislang kälteste Morgen. Als wir um kurz nach sechs zur Toilette gingen, hatten wir nur knapp über drei Grad. Nach Sonnenaufgang stieg die Temperatur aber rasch. Wir setzten uns in die Sonne und frühstückten. Nicht weit von uns zogen ein paar Elefanten durch das Unterholz und fraßen. Immer wieder knackten die Äste. Bis wir gemütlich gefrühstückt, gespült und alles eingepackt hatten, verging die Zeit.
Dann setzten wir uns noch kurz an die Lodge und schauten in unsere Handys. So war es bereits halb elf, als wir nur ein paar Kilometer weiter unseren ersten Stopp machten und bei der Painted Dog Conservation anhielten. Die Organisation zum Schutz der Wildhunde hat dort ein sehr schönes kleines Museum, das wir uns anschauten. Es ist liebevoll eingerichtet und voller interessanter Informationen.
Wir erstanden ein paar Souvenirs, die aus ehemaligen Wilderer-Drahtschlingen angefertigt waren. Dann wurde es höchste Zeit, Strecke zu machen. Zum Glück war die Straße geteert, und wir kamen zügig voran. Am Straßenrand waren Arbeiter damit beschäftigt, das trockene Gras kontrolliert abzubrennen.
Am Abzweig Richtung Binga füllten wir an der Tankstelle Diesel auf und kauften Brot und Tomaten. Auffällig war, dass der Treibstoff nahezu so teuer war wie bei uns zu Hause.
Die Strecke war landschaftlich sehr schön. Wir überquerten Brücken, fuhren bergauf und –ab und hatten immer wieder schöne Aussichten. Viele Menschen liefen am Straßenrand und schleppten Bündel mit sich. Die Kinder riefen oder pfiffen, wenn wir sie passierten und winkten uns zu. An einer Stelle lag eine Schlange auf der Straße, und wir konnten gerade noch ausweichen. Dann war sie aber so schnell verschwunden, dass wir sie nicht mehr entdeckten.
von Karin:
Teil 1517. Dez. 2018
Kurz vor Binga bogen wir auf die Schotterstraße nach Nordosten, die unterhalb des Karibasees verläuft. Hier hatten wir vor sechs Jahren bei einem Dorf zwei Trommeln gekauft und Fotos gemacht. Heute existierte der kleine Verkaufsstand überraschenderweise nicht mehr. Schade, denn wir hatten zwei Dutzend Abzüge für die Leute dabei, die damals so nett mit uns geplaudert und so schön getrommelt hatten. Also hielten wir einfach beim nächsten Dorf, marschierten kurz entschlossen mit unseren Fotos bewaffnet hinein und fragten nach. Dorfchef Lameck nahm uns in Empfang.
Er war ausgesprochen gastfreundlich, obwohl wir ihn doch unangemeldet überfallen hatten. Sofort wurden aus sämtlichen Hütten ein paar Sitzgelegenheiten für uns herbeigetragen.
Wir wurden neugierig von einigen Kindern beäugt, während sich Lameck genau unsere Fotos anschaute.
Tatsächlich kannte er einige der Personen. Manche lebten noch ganz in der Nähe, andere waren fortgezogen. Besonders traurig fanden wir, dass zwei der jüngeren Mädchen bereits verstorben waren. Lameck bot uns an, uns zu seinen Nachbarn zu bringen, damit wir ihnen die Fotos übergeben könnten. Zunächst wollte er jedoch – ganz Geschäftsmann – die günstige Gelegenheit nutzen und uns ein paar handgeflochtene Körbe zeigen. Sie waren wirklich schön, und natürlich kauften wir ihm je einen ab.
Obwohl wir es recht schwierig finden, Menschen zu fotografieren, fragten wir um Erlaubnis. Niemand hatte etwas dagegen, obwohl eine ältere Frau zunächst in ihrer Hütte verschwand und danach ein wenig Geld von uns wollte. Als Ruth dies aber ablehnte, nahm sie sie lachend in den Arm und fragte auch nicht weiter nach. Wir durften uns noch ein wenig zwischen den Hütten umschauen und den ein oder anderen Schnappschuss machen.
Anschließend druckte Uwe am Auto als Dankeschön für jeden ein Erinnerungsfoto.
Die Leute freuten sich sehr darüber. Mit Lameck fuhren wir ein paar hundert Meter zum Nachbardorf,
aber leider war niemand dort. Daher ließen wir die Fotos, die wir von damals mitgebracht hatten, bei ihm, und er versprach, sie weiterzugeben. Nun war schon einige Zeit verstrichen, und wir mussten weiter.
Auf recht holpriger Schotterstraße fuhren wir nach Osten und bogen zum Chizarira-Nationalpark ab.
Die Straße wurde steiniger und vor allem deutlich steiler, sowohl nach oben als auch nach unten.
Beim Tor registrierten wir uns und fuhren noch die letzten sieben Kilometer bis zur Mucheni View Campsite oder zumindest bis zu dem Platz, den wir für Mucheni View hielten.
Die Straße führte durch dichten Wald und endete an einer steilen Abbruchkante mit Aussicht über eine Schlucht.
Obwohl Uwe unseren Platz von Fotos aus dem Internet ein wenig anders in Erinnerung hatte, machten wir uns keine großen Gedanken. Wir hatten die Koordinaten ins GPS gespeichert, wir waren hier gelandet, und die Aussicht gefiel uns, obwohl Ruth und Karin es ein wenig unheimlich fanden. So völlig abgeschieden am Rande der Welt hätten die beiden gerne noch ein wenig mehr Zeit vor der Dämmerung gehabt, um sich mit dem Platz vertraut zu machen. Also klappten wir die Zelte auf und machten Abendessen. Im Potije kochten wir eine große Menge Gemüse und grillten dazu Eland-Filet.
Als es bereits dunkel war, näherten sich die Scheinwerfer eines Autos, welches zielstrebig auf unsere Campsite zusteuerte. Das Auto blieb aber in einiger Entfernung stehen, und während wir uns wunderten, wer da so spät noch auftauchte und was er wohl von uns wolle, berieten die Insassen des Fahrzeugs vielleicht in ähnlicher Weise. Wir waren auf jeden Fall erleichtert und nicht unglücklich darüber, als die unbekannten Besucher wieder rückwärts fuhren und sich entfernten. Bei hellem Halbmond saßen wir noch etwas am Feuer, das seinen Rauch heute unkontrolliert in alle Richtungen verteilte. Wohin man sich auch setzte, wurde man eingeräuchert, und so gaben wir es nach mehrmaligem Umziehen mit Tisch und Stühlen auf. Während wir in die Zelte kletterten, rief in weiter Entfernung eine Hyäne.
Kilometer: 240
Teil 1620. Dez. 2018
Tag 9 – 22. Juli 2018 – Chizarira
Mucheni Gorge – Mucheni View, Chizarira
Bereits vor dem Aufstehen hörten wir mehrfach, jedoch sehr weit entfernt einen Löwen brüllen. Erst nach Sonnenaufgang krabbelten wir aus dem Zelt und freuten uns über die Wärme auf unserem Platz. Wir setzten uns zum Frühstück zusammen und ließen den Tag langsam beginnen, denn heute stand keine weite Fahrt auf dem Programm.
Uwe versuchte, mit der Kelly Wasser zu kochen. Irgendwie wollte es ihm aber nicht so recht gelingen. Die kleinen Hölzchen gingen immer wieder aus, und es qualmte fürchterlich. So dauerte es eine ganze Weile, bis er sich endlich seinen Kaffee verdient hatte. Ruth lief mit dem Fotoapparat den wenigen Vögeln hinterher. Ein Falke sauste unmittelbar an ihr vorbei. Sofort nahm sie die Verfolgung auf, da es hier die seltenen Taitafalken geben sollte. Jeder, der schon mal quer durch den Wald einem Greif im Tiefflug gefolgt ist, weiß, wie aussichtsreich solch eine Idee ist, und so wurde sie auch bald wieder verworfen. Möglicherweise ist es auch gar nicht so schlau, wie Hans-Guck-in-die-Luft durch Dornen und über Wurzeln zu stolpern.
Rotschwanzschmätzer
Gelbbauchammer
Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt und mehrere Tassen Kaffee getrunken hatten, spülten wir und packten zusammen.
Tische und Stühle ließen wir stehen, da wir ja noch einmal hier übernachten würden.
Ein kleines Stück wollten wir noch zu einem weiteren Aussichtspunkt fahren, der auf der Karte eingezeichnet war. Als wir diesen nach ein paar Minuten erreichten, machten wir große Augen. Das war Mucheni View, der Platz, den wir eigentlich gebucht und erwartet hatten. Die Aussicht von der Abbruchkante war gigantisch.
Sofort war klar, dass wir die kommende Nacht hier verbringen würden. Also fuhren Peter und Uwe zurück und holten Tische und Stühle. Auf unserem neuen Platz gefiel es uns so gut, dass wir dort lange blieben und den Ausblick über die gegenüberliegenden Hänge und das Flusstal genossen. Auf einem der nächstgelegenen Berge uns gegenüber erklomm ein Elefant langsam, aber stetig die Anhöhe.
Ein Felsenadler startete unterhalb aus der Wand und schraubte sich nach oben.
Hier konnte man es aushalten.
Brillenwürger
Frau Scharlachweber
Wir saßen in der Sonne und konnten uns gar nicht satt sehen. Irgendwo aus den Felsen schallte das laute „Woahoo“ der Paviane herüber, ansonsten war es absolut still. Ruth erschrak, als einige Tok Tokkies ihre Crocs enterten. Zielstrebig krabbelten sie immer wieder in Richtung der Schuhe, egal wohin Ruth ihre Füße stellte. Schließlich blieb ihr nur, die Schuhe aus der Reichweite der Käfer zu bringen.
An diesem himmlischen Platz drängte sich ein zweites Frühstück geradezu auf. Nun ja, wir müssen gestehen: nur für uns. Karin und Peter waren nicht so verfressen.
Teil 1720. Dez. 2018
Erst gegen Viertel vor zwölf rissen wir uns dann doch los und fuhren einen kleinen Schlenker über einen weiteren Aussichtspunkt. Der Weg war so zugewachsen, dass Ruth aussteigen und einen über die Straße ragenden Ast beiseite halten musste, damit wir unsere Autos nicht zerkratzten.
Brown-veined Whites (Danke an Matthias)
Dann ging es weiter zum Park-Office. Der Ranger, bei dem wir uns registrieren wollten, war gerade in der Mittagspause. Also drehten wir eine kleine Runde durch den Chizarira-Park. Die Wege waren teilweise steinig und oft sehr steil. Wir fuhren nur langsam. An einer Brücke stand etwas Wasser im Fluss, und wir beobachteten viele bunte Schmetterlinge.
Common Joker (Danke an Matthias)
männlicher Eyed Pansy (Danke an Matthias)
Einzelne Bienenfresser saßen auf Ästen über dem Wasser und jagten Insekten. Die Sonne brannte heiß. Im Wald stießen wir auf Paviane und ein Frankolinpärchen. An einem Picknickplatz ließen wir die Autos stehen und liefen durch hohes, scharfes Gras zu einem fließenden Bach.
Hier fanden sich ein paar Spuren, jedoch keine Tiere, außer einigen Libellen und ein paar Käfern, die wie irre an der Wasseroberfläche hin und her sausten und sich im Kreis drehten.
Als wir weiterfahren wollten, saß plötzlich ein spannendes Insekt im Auto. Eine Stabheuschrecke war durch das offene Fenster hineingekommen. Ruth entfernte sie vorsichtig aus dem Innenraum, und wir bewunderten ihre Gestalt. Dünn wie Stroh und mit Gliedmaßen wie Halme hatte sie die perfekte Tarnung für ihren Lebensraum im hohen, gelben Gras. Als wir sie dorthin zurücksetzten, war sie kaum noch zu erkennen.
Mahaliweber
Ist das eine Schwarzweihe (Black Harrier)? Das Verbreitungsgebiet stimmt nicht, aber welcher Greifvogel hat sonst noch so einen dunklen Rumpf? (Liebe Beles, Mattes und Maddys, wir brauchen wieder einmal eure Hilfe!)
Brauner Schlangenadler (Danke an Bele)
Am Ende der Runde sahen wir noch ein paar Wasserböcke.
Bei der Ranger-Station registrierten wir uns
und erfuhren, dass wir – wie bereits seit heute Morgen vermutet – gestern die falsche Campsite gewählt hatten. Statt Mucheni View hatten wir bei Mucheni Gorge gestanden. Der Fahrer des Autos, welches am Vorabend im Dunklen so zielstrebig unseren Platz angesteuert hatte, hatte eigentlich Mucheni Gorge reserviert und war dann zum Viewpoint ausgewichen. Na großartig! Wir wären an seiner Stelle mehr als bedient gewesen. Gestern hatten wir uns noch gewundert, wer so spät im Park herumgeistert, und was der wohl von uns will, und nun waren wir selbst zu Campbesetzern geworden 😗. Wir bezahlten die Gebühr für die Autos und fuhren zum Stellplatz.
von Karin:
Bei dem anderen Camper, einem Südafrikaner, der alleine unterwegs war, entschuldigten wir uns für unseren Irrtum. Er nahm es uns nicht krumm und war ausgesprochen nett. Den späten Nachmittag verbrachten wir auf unserem ganz besonderen Campingplatz mit der tollen Aussicht. Wir probierten die Dusche in unserem Camper aus. Da wir zu bequem waren, den Duschvorhang anzuknüpfen, positionierten wir das Auto so, dass die Dusche im Windschatten des Autos lag und unsere Tische auf der anderen Seite standen. Das Wasser aus dem Durchlauferhitzer war wunderbar warm, und es tat gut, sich den Staub vom Körper zu spülen. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Wasser man auskommen kann.
Nachdem alle geduscht hatten, las Peter, Karin und Uwe sicherten Fotos, und Ruth machte neue. Sie lief auf der Suche nach Vögeln durch das Gebüsch und entfernte sich immer weiter. Zwischendurch machten wir uns schon Sorgen um sie, weil sie auch auf unser Rufen nicht mehr reagierte.
Rotschwanzschmätzer
Zum Sonnenuntergang färbte sich der Himmel am Horizont pastellig rötlich-orange. Wir freuten uns über die unterschiedlichen Lichtstimmungen. An keinem Platz der Welt hätten wir in diesem Moment lieber sein wollen.
Danach kochten wir eine leckere Butternut-Suppe mit Möhren und Ingwer im Potije.
Dazu gab es Folienkartoffeln und Avocado-Salat mit Thunfisch, Mais und Zwiebeln. Das war natürlich viel zu viel, und so blieb für morgen noch etwas Salat übrig. Wir spülten und packten schon fast alles zusammen. Karin entdeckte im Schein ihrer Stirnlampe ein paar Bushbabies, die in eindrucksvollem Tempo durch die Äste turnten. Sie waren teilweise so schnell, dass wir sie immer wieder aus den Augen verloren.
Morgen werden wir den Chizarira wieder verlassen und versuchen, den Matusadona-Park am Kariba-See zu erreichen.
Kilometer: 29
Teil 1825. Dez. 2018
Tag 10 – 23. Juli 2018 – Allrad, Tsetses und Feuer
Aus Respekt vor der Tagesetappe standen wir früh auf, tranken lediglich einen Kaffee mit ein paar Rusks und packten zusammen. Natürlich nicht, ohne den Sonnenaufgang am Mucheni View gebührend zu bewundern.
Durch den Wald ging es mit den ersten Sonnenstrahlen zum Gate des Chizarira. Die Straße wand sich durch waldige Schluchten bergab. Einige Tauben flogen auf.
Bronzefleckentaube
Am Gate öffnete uns der Ranger, nachdem er sich per Funk vergewissert hatte, dass wir auch wirklich beim Park-Office gewesen waren.
von Karin:
Zunächst fuhren wir bis zur Hauptstraße, wo wir nach Osten abbogen und ca. 100 Kilometer bis zum Abzweig nach Bumi Hill fuhren. Wir kamen zügig voran entlang der von uns so getauften Baobab-Route. Zahlreiche dieser eindrucksvollen Bäume standen entlang der Straße.
Wir passierten viele Dörfer und Menschen, die ihrem Tagewerk nachgingen. Während die Frauen Wäsche wuschen, große Bündel oder Taschen auf dem Kopf trugen, waren die Männer meist ohne Gepäck unterwegs.
Manche fuhren auf Fahrrädern, andere peitschten die Esel und Ochsen vor ihrem Karren. Säcke mit Baumwolle lagen am Straßenrand, Wasser wurde geholt, Kinder in Schuluniformen standen beisammen. Gelegentlich winkten sie uns zu, hielten aber auch ihre Hände mit der typischen Essbewegung vor ihren Mund, um uns anzubetteln.
Durch das bunte Treiben am Straßenrand vergingen die gut zwei Stunden Fahrt bis an den Abzweig zum Matusadona Nationalpark wie im Flug. Immer gab es etwas zu entdecken. Manchmal fuhren wir auf Brücken über fast ausgetrocknete Flussläufe, mal ging es durch hügelige Landschaften auf gut zu befahrender, aber staubiger Schotterpiste.
von Karin:
Teil 1925. Dez. 2018
Für die letzten 80 Kilometer benötigten wir den halben Tag. Der Weg führte durch Wald, über unzählige Furten und war manchmal sandig, aber fast immer ausgewaschen, steinig und steil. Es war eine ordentliche Rumpelei. Wir fuhren mit Allrad und manche Abschnitte in Untersetzung.
Spatelracke ohne Spatel
von Karin:
Oft hielten wir an, um über die beste Spur zu beraten und die Reifen nicht zu sehr zu beanspruchen, bevor wir schließlich weiterholperten.
Im Wald gesellten sich dann auch leider viel früher als erwartet die ersten Tsetse-Fliegen zu uns. Bevor wir ihre Anwesenheit registrierten und die Fenster schlossen, waren bereits ein paar der Biester ins Auto gelangt, und Ruth hatte den ersten Stich am Knöchel. Wir packten die elektrische Insektenklatsche aus und luden sie mit Batterien. Ruth entwickelte eine ordentliche Rückhand und erwischte eine Fliege nach der anderen. Es blitzte kurz, und dann stank es. Die Tsetse fiel zu Boden. Es passierte jedoch auch, dass sie den Schlag parierte, sich kurz schüttelte und mit leicht schräg hängendem Flügel erneut angriff. Unfassbar, wie zäh diese Zombie-Fliegen sind! Uwe wurde leicht panisch, wenn ihm etwas um den Kopf schwirrte. Wir mussten ein paar Mal anhalten und im Auto Jagd machen. Ab sofort wurden jeder Fotostopp und jede Toilettenpause genauestens abgewogen. Lohnte es sich, das Auto zu verlassen, um im Anschluss daran erneut den Kampf mit den Tsetses aufzunehmen? Der Hinweis, dass die Fliegen auf Wärme und Bewegung anspringen, bleibt dabei leider auch nicht mehr als ein guter Rat. Es ist uns völlig schleierhaft, wie man vollkommen gelassen, fliegenumschwirrt und –bedeckt, gemütlich seine Arbeit machen kann. Daran hatten wir uns noch nicht gewöhnt und bevorzugten daher die hektisch um sich schlagende Variante. Karin und Peter fuhren tapfer hinter uns her, als in einiger Entfernung vor uns plötzlich Rauch aufstieg. An einem Berghang brannte das trockene Gras, und auch die beiden nächsten Hügelflanken waren von mehr oder weniger hohen Feuerschneisen durchzogen. Unsere Spur führte genau hindurch.
Bald brannte das Gras bis an den Straßenrand, und einzelne kleinere Büsche standen in Flammen. Das Feuer entwickelte eine ganz schöne Hitze, es qualmte zunehmend, und ein starker Rauchgeruch hing in der Luft. Wir hielten und beratschlagten.
von Karin:
Peter hatte Sorge, dass wir vom Feuer eingeschlossen werden könnten. Auch der starke Rauch war nicht angenehm. Wir wollten jedoch nicht so einfach umkehren, da sich eine weitere Chance, den Park zu besuchen, sicher nicht wieder so rasch ergeben würde und wir auch keine Übernachtungsalternative in der Nähe sahen. Wir entschieden daher mit etwas flauem Gefühl, vorsichtig noch ein Stückchen weiterzufahren und gegebenenfalls doch umzudrehen. Nach einem Kilometer lichtete sich der Rauch zum Glück, die Feuer wurden weniger und die Flammen niedriger und hörten dann auf. Wir konnten diesen Buschbrand nicht einschätzen, hofften jedoch, dass er uns nicht folgen würde. So fuhren wir weiter.
Bei einer kleinen Rangerstation mit Schlagbaum meldeten wir uns an. Wir sollten uns wegen des Feuers keine Sorgen machen, das sei alles kontrolliert. Gut zu wissen! Man teilte uns mit, dass wir für die verbleibenden 40 Kilometer noch zweieinhalb Stunden bräuchten, was auch in etwa hinkam. Nach weiteren Furten und steinigen Passagen wurde die Straße besser, und auf den letzten 18 Kilometern kamen wir sogar recht schnell vorwärts.
von Karin:
Das Tashinga-Camp liegt auf einer Landzunge im Kariba-See. Bei der Anfahrt querten ein paar Elefanten vor uns den Weg, und Impalas und Kudus standen im Gebüsch. Wir checkten ein und bezahlten die Campinggebühr, die uns recht hoch erschien. Pro Auto waren 10 Dollar, pro Person 8 Dollar fällig. Und für die Übernachtung mussten wir 17 Dollar pro Person und Tag (!) bezahlen. Wohlgemerkt nicht je Übernachtung, sondern für jeden begonnenen Kalendertag, bei zwei Nächten also drei, wobei man zwei komplette Tage ja bereits für die An- und Abreise kalkulieren muss. Dafür waren wir aber auch ganz alleine an diesem schönen Ort. Wir suchten uns einen Stellplatz direkt am Wasser und ruhten uns aus.
von Karin:
Alle waren nach dieser langen, anstrengenden Fahrt ohne Pause ziemlich geschlaucht. O-Ton Peter: „Neun Stunden im Auto für knapp 200 Kilometer – geh, bist du deppert?“ Wir aßen eine Kleinigkeit und schauten uns dann in der Umgebung um. Viele Lappenstare liefen herum, flogen aber sofort auf, wenn man sich ihnen näherte.
Zwergspint
Die Infrastruktur des Tashinga-Camps hat wohl die besten Zeiten bereits hinter sich. Grillstellen und Ablutions zerfallen zusehends, und man kann an vielen Stellen nur noch erahnen, wie schön sie einst waren. Im Gebälk zieren wahre Vorhänge an Spinnweben die Dachkonstruktionen, und man muss ein wenig suchen, um den einzig funktionierenden Tröpfelwasserhahn in den beiden Duschhäuschen ausfindig zu machen.
Von den Angestellten des Camps wurden wir wieder sehr freundlich begrüßt, und man brachte uns aufmerksam einige Bündel Brennholz. Wir marschierten ein bisschen am See entlang und freuten uns darüber, nicht mehr im Auto zu sitzen. Da sich das Camp recht breit am See entlang zieht, entfernten wir uns dabei ziemlich weit von unserem Stellplatz. Obwohl wir in erster Linie nach Vögeln ausschauten, behielten wir so gut es ging die angrenzenden Büsche und Bäume im Blick, um nicht von anderen Tieren überrascht zu werden.
Junger Sunbird?
Wir bestaunten den Sonnenuntergang mit den abgestorbenen Baumgerippen und machten uns dann auf den Rückweg zum Camp, um zu Fuß nicht in die Dunkelheit zu geraten.
Kurz nachdem die Sonne untergegangen war, erstrahlte der Horizont orange. Das Licht war toll.
Wir machten zum Abendessen lediglich einen Käse-Wurstsalat, denn wir hingen ziemlich in den Seilen. Der Vollmond ging auf und erleuchtete den Platz, so dass wir auch ohne Stirn- und Taschenlampe alles gut erkennen konnten.
Wir gingen früh ins Zelt und wurden von den Wellen des Karibasees in den Schlaf gesungen. Im Laufe des Abends kam ein wenig Wind auf, neben uns schlugen die Wogen mittlerweile laut ans Ufer, und wir hatten das Gefühl, bald mitsamt den Autos davongespült zu werden.
Kilometer: 195
Teil 2030. Dez. 2018
Tag 11 – 24. Juli 2018 – Ein Tag am Kariba-See – faulenzen
Tashinga Camp, Matusadona
Heute hatten wir Urlaub. D. h., es stand eigentlich nichts auf dem Programm. Dennoch standen wir bereits kurz vor Sonnenaufgang auf und spazierten nach der Morgentoilette ein wenig am Seeufer entlang.
Ein paar Vögel waren auch schon wach:
Witwenstelze
Die Zwergspinte spähten von ihren Aussichtsästen mit ruckartigen Kopfbewegungen nach Insekten, starteten flink und kehrten in weitem Bogen mit oder ohne Schnapp auf einen Ast zurück. Wir setzten uns einige Meter entfernt von ihnen auf den Boden und sahen ihren Bemühungen zu.
Ein paar kleinere Hirtenregenpfeifer stocherten im feuchten Sand nach Fressbarem.
Ganz in der Nähe des Ufers schwamm ein Hippo, welches immer wieder prustend und schnaufend seinen Kopf aus dem Wasser streckte, um zu kontrollieren, ob wir ihm auch ja nicht zu nahe kamen. Das taten wir natürlich nicht und behielten es umgekehrt genau so aufmerksam im Blick.
Immer wenn wir nicht mehr weiter wissen, tippen wir auf Weidelandpieper:
Weißscheitelkiebitz
Schreiseeadler
Mit dem Frühstück ließen wir uns sehr viel Zeit. Müsli, Maracuja, Joghurt, Nutella, Marmelade, Tee und Kaffee sorgten für einen ruhigen Start in den Tag. Karin und Peter zelebrierten ihre Kaffeezubereitung mit viel aufgeschäumter Milch. Ab und zu grunzte ein Hippo. Die Laune war sehr sonnig.
Orangebrustwürger
Die Temperaturen waren den ganzen Tag über angenehm. Die Camp-Assistents waren sehr aufmerksam und kamen mehrfach, um sich nach unserem Wohlbefinden zu erkundigen. Wir baten sie darum, eines der Becken zum Wäschewaschen zu säubern. Sie boten sogleich an, unsere Wäsche ebenfalls zu waschen. Das erledigten wir dann aber selbst.
Nach 10 Tagen gab es einiges zu tun, und die Wäscheleine bog sich bedrohlich Richtung Boden. Es wehte ein ordentlicher Wind, und im Laufe des Tages trockneten alle Klamotten.
Es gab nicht viel zu erledigen. Ruth konnte mal wieder nicht gut stillsitzen, und so marschierte sie mit der Grillzange und einem Beutel bewaffnet am Seeufer entlang und sammelte etwas Müll ein. Sie wollte nicht den ganzen Tag über den angeschwemmten Unrat hinwegsehen, und so landeten etliche Flaschen, verrostete Getränkedosen, Plastikbehälter, ein paar alte Schuhe und weitere Schätze in ihrem Sack.
Kuhreiher
In der Zwischenzeit sicherte Uwe Fotos, und wir saßen den restlichen Vormittag einfach in der Sonne und unterhielten uns mit Karin und Peter. Trotz der beschwerlichen Anfahrt waren wir uns einig, dass dies hier wieder mal ein ganz besonderer Ort ist, dessen Besuch sich für uns gelohnt hat, obwohl sich außer einer kleinen Herde Impalas, die ganz am Rande der Campsite ein paar Halme zupfte, keine weiteren Tiere blicken ließen.
Teil 2130. Dez. 2018
Gegen Mittag aßen wir Brote mit Leberwurst oder Fleischwurst und machten dazu einen Rote-Beete-Salat. Am Nachmittag wurden wir dann doch etwas kribbelig ob des vielen Nichtstuns und fuhren alleine eine kleine Runde um die Halbinsel, während Karin und Peter das Camp hüteten. Wir wollten ein wenig die nähere Umgebung erkunden, und Ruth sammelte ein wenig Fahrpraxis. Außer ein paar Vögeln, Impalas, einer kleinen Elefantenherde und zwei Krokodilen sahen wir jedoch gut zweieinhalb Stunden lang keine Tiere. Ob es nun daran lag, dass es tatsächlich so wenig zu entdecken gab oder wir einfach nur zu blind waren, können wir nicht so genau sagen. Trotzdem kamen wir zu dem Schluss, dass die Aufgabenverteilung „Uwe fährt, Ruth entdeckt die Tiere“ wohl doch die bessere ist.
Weißscheitelkiebitz
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir wieder zurück im Camp.
Wie gestern schon faszinierte uns das Farbenspiel über dem See. Heute zogen noch ein paar Wölkchen über den Himmel und färbten sich mit diesem orange und rot. Es war wirklich grandios, und die Kameras klickten sich heiß.
von Karin:
Da wir heute viel Zeit hatten, gab es ein etwas aufwändigeres Abendessen. Wir kochten Butternut-Kürbisse vor und füllten sie mit einer Mischung aus Feta, Zwiebeln, getrockneten Tomaten und Kräutern. In Alufolie legten wir sie noch etwas in die Glut. Dazu grillten wir Oryx-Filet und Folienkartoffeln. Zu einem gemischten Salat gab es noch einen Dipp aus Sauerrahm und Schnittlauch. Es war ein unglaublich leckeres Essen. Dazu kamen das Abendlicht, die Einsamkeit und Exklusivität des Campingplatzes auf der Landzunge – besser als jedes Fünf-Gänge-Sterne-Menü.
Im Dunkeln rief eine African Scops-Owl, ein Flughund fiepte, Hippos grunzten, und die Kiebitze zeterten von Zeit zu Zeit. Wir kletterten nicht allzu spät ins Zelt, da wir morgen bereits wieder eine sehr lange Etappe bis Kariba zu fahren haben. In der Toilettenschüssel saß ein kleiner Frosch, den Ruth noch beherzt rettete.
Heute stand uns die vermutlich längste Fahretappe bevor, nicht hinsichtlich der Entfernung, sondern die Fahrzeit betreffend. Daher packten wir schon mit Sonnenaufgang unseren Krempel und waren um kurz vor sieben Uhr startklar.
Die freundlichen Camp-Assistants schauten kurz vorbei, um sich zu verabschieden und uns eine gute Fahrt zu wünschen. Wir warfen noch einen letzten Blick zurück auf den Karibasee, dann rumpelten wir los.
Auf den ersten Metern sahen wir Impalas, Frankoline, Elefanten und viele Tauben.
Bronzefleckentaube (Farblich passt der englische Name „Emerald-spotted Wood Dove“ viel besser.)
Es ging dieselbe Pad zurück wie auf dem Hinweg. Zunächst kamen wir also noch ganz gut voran, dann wurde es durch Furten in mehr oder weniger trockenen Flussbetten immer holpriger und mühsamer.
von Karin:
ebenfalls von Karin:
Über teils loses Geröll, größere Steinbrocken und ausgewaschene Hänge kletterten wir mit unserem Auto hügelauf und -ab. Ständige Begleiter waren auch heute Schwärme von Tsetses, die es sich auf unserem Auto gemütlich gemacht hatten und auf eine günstige Gelegenheit lauerten, ins Innere zu gelangen.
An der Schranke am Ranger-Posten öffneten wir das Fenster nur einen Spalt, um das Registrierungsheft entgegenzunehmen und uns auszutragen. Trotzdem genügte dieser kleine Schlitz ein paar Fliegen, um ins Wageninnere zu gelangen. Ruth musste wieder mit der Fliegenklatsche Jagd machen, und am Ende lagen vier tote Tsetses mehr im Auto. Wir zogen es daher vor, in Waldgebieten unser Fenster geschlossen zu halten und nur noch durch die Scheibe zu fotografieren.
Die Strecke war zwar anspruchsvoll, aber nicht so schlimm, wie wir bei unserer Planung angenommen hatten. Da wir sie nun ja von vorgestern noch kannten, hatte sie ihren Schrecken verloren und fuhr sich bedeutend leichter. Die Zeit verging wie im Flug, obwohl wir fast vier Stunden für die Rückfahrt durch den dichten Wald benötigten.
von Karin:
Die Stelle, die vor zwei Tagen noch in Flammen gestanden hatte, brannte nun nicht mehr. Lediglich ein paar verkohlte Baumstämme lagen herum, und hier und da stieg noch eine dünne Rauchsäule in die Luft. Im Nachhinein waren wir froh, dass wir uns vom Feuer nicht hatten abschrecken lassen. Wir zählten die Furten und Brücken bis zur Parkgrenze und kamen auf knapp 60. Bei besonders steilen Auffahrten bemühten wir wieder die Untersetzung. Uwe schaffte es tatsächlich, den Landcruiser im zweiten Gang der Untersetzung beim Bergauffahren abzuwürgen.
von Karin:
Zurück auf der Hauptstraße kamen wir deutlich schneller vorwärts. Wir passierten zahlreiche Dörfer.
An einem Schlagbaum hielten wir an und erlebten mal wieder die Tsetse-Fliegenkontrolle. Der nette Herr lief mit Spray und Schmetterlingsnetz um das Auto, um festzustellen, dass keine Fliegen mehr außen am Wagen saßen. Dieses Schauspiel ist immer wieder grandios.
von Karin:
Obwohl die Fahretappe heute lang war, genossen wir die Fahrt sehr. Es ging längst nicht nur darum, von einem Punkt zum nächsten zu gelangen, sondern möglichst viele Eindrücke in sich aufzunehmen. Überall gab es etwas zu entdecken. Auch heute waren wieder viele Menschen unterwegs, die uns ausnahmslos fröhlich und aufgeschlossen begegneten.
Teilweise war die Straße recht schmal, und besonders in den Kurven, wenn die mit Baumwollballen vollgepackten LKW aneinander vorbeifuhren, blieb ein Teil der Ladung in den Ästen der Büsche hängen.
Teil 2301. Jan. 2019
Wir überquerten den Sanyanti River, betrachteten die verschiedenen, bunt bemalten Shops am Wegesrand und erkundigten uns in der Nähe des Abzweigs bei einem LKW-Fahrer nach dem Weg, der unmittelbar am Kariba-See entlang nach Kariba führen sollte. Dieser bestätigte den Hinweis eines Mitarbeiters im Matusadona, dass entlang der Strecke eine Brücke weggespült worden und die direkte Straße gesperrt sei.
Also nahmen wir den Umweg über Karoi. Das waren zwar 100 Kilometer mehr, jedoch konnten wir das längste Stück auf Teer fahren. Als unverhofft schon einige Kilometer früher als erwartet der Asphalt begann, seufzten wir erleichtert auf.
Diese Familie hat ihre eigene Bushaltestelle.
Überall entlang der Strecke waren an Bäumen, Brückengeländern, Zäunen, Mäuerchen oder an Autos Plakate für die bevorstehenden Wahlen angebracht.
Wir staunten nicht schlecht, welch Massen an Getränken, Päckchen, Taschen, Kanistern, Holz, Säcken, Eimern, Möbeln und Gedöns in wildem Chaos auf den Dächern und Ladeflächen von Fahrzeugen Platz fanden.
Weitere Momentaufnahmen von unterwegs:
Hinter Karoi hielten wir am Straßenrand und machten eine kleine Pause. Ruth schmierte Nutellabrote.
Die A1 wand sich in langgezogenen Links- und Rechtskurven bergauf und -ab. Es war nicht viel Verkehr, trotzdem mussten wir auf Grund der Unübersichtlichkeit der Strecke immer wieder längere Zeit hinter einigen sehr langsamen LKWs herzuckeln, ehe wir uns trauten, sie zu überholen.
Andere waren da weniger zimperlich. Manches Mal fragten wir uns, wie man bergauf, noch dazu in einer Kurve, ein solches Risiko eingehen konnte, denn die Straße war alles andere als breit und meist an einer Seite ohne Leitplanke, dafür aber mit steil abfallendem Hang. Karin und Peter fuhren vor uns, als es dann auch fast passierte. Ein entgegenkommender LKW überholte bergauf einen anderen Laster und fuhr dabei vollständig auf unserer Spur um die Kurve. Wir hatten keine große Wahl, denn der Laster konnte nicht zurück auf seine Spur, ohne den anderen von der Straße zu drängen. Während der LKW auf unserer Spur immer größer und größer wurde, konnte Peter gerade noch bremsen und auf den Seitenstreifen ausweichen. Uwe musste ebenfalls stark abbremsen, und Ruth hatte eh schon längst die Augen geschlossen, da sie sich nicht sicher war, ob das noch reichen würde. Wir schickten drei dicke Dankeschöns an unsere Schutzengel und fuhren ein wenig zittrig, aber umso aufmerksamer weiter. Puh, das war knapp! Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können. Später überholte ein Bus in einer ähnlich unübersichtlichen Situation einen LKW – wir schüttelten die Köpfe über so viel Leichtsinn, einfach lebensgefährlich. Die Strecke bis Kariba war landschaftlich sehr schön. Immer wieder boten sich tolle Ausblicke über die grüne Landschaft und die Berge.
In Kariba fuhren wir zur Lomagundi-Campsite. Dort waren wir die einzigen Camper und stellten die Autos unter hohen Bäumen ab. Dann gingen wir zur Bar und bestellten Burger und tranken etwas, denn auf Kochen hatten wir heute keine Lust mehr. Auf dem Rückweg zu unserem Zelt und vor dem Toilettenhäuschen begegnete uns dann noch ein Hippo. Die Warnschilder auf der Campsite waren also durchaus berechtigt. Um halb neun waren wir bereits völlig erschöpft im Zelt.
Kilometer: 386
Teil 2403. Jan. 2019
Tag 13 – 26. Juli 2018 – Sichtungsglück
Lomagundi Campsite, Kariba – Nyamepi Camp, Mana Pools
Heute Morgen hatten wir es nicht eilig. Aber nach neun Stunden im Zelt waren wir ausgeschlafen und standen um sechs Uhr auf.
Der Nachteil, wenn man unter hohen Bäumen steht, ist, dass es passieren kann, dass nachts Flughunde in den Ästen hängen und ununterbrochen wie ein rostiges Windrad fiepsen. Der Vorteil ist, dass es ebenfalls passieren kann, dass in Astgabeln morgens Bushbabies sitzen und vor sich hindösen. Ruth entdeckte eines, als sie zum Wasserhahn lief und ein Hörnchen rasch an einem Baumstamm emporkletterte. Dieses weckte den kleinen Galago auf, der sich über den ungebetenen Gast jammernd beschwerte.
Seine Empörung hielt aber nicht allzu lange an, und so nickte er schon bald wieder ein.
Wir duschten mit reichlich warmem Wasser und packten zusammen. Peter entdeckte einen Schlauch, mit dem wir unsere Wassertanks auffüllen konnten. Dann pirschten wir noch ein wenig über das Gelände und fotografierten ein paar Vögel.
Grünrücken-Camaroptera
Mahaliweber beim Nestbau
Maskenpirol
Rotschnabeldrossel
Peter bezahlte die Campinggebühr, und wir machten uns auf den Weg ins Zentrum von Kariba, allerdings nicht bevor wir noch einmal bei unserem Bushbaby vorbeigeschaut hatten. Besonders Ruth kann von den kleinen Kerlchen mit den durchscheinenden Flatterohren, den niedlichen Fingern und den großen Glubschaugen gar nicht genug bekommen.
von Karin:
Zufahrt zum Karibasee
Es war auffällig, wie viele teure Jachten und Boote rund um den See vertäut lagen.
Fast alle Straßen im Ort Kariba führen entweder bergauf oder bergab. Bei der ersten Total-Tankstelle gab es leider keinen Diesel. Bei der zweiten Tankstelle standen lediglich Fässer herum, und wir entdeckten die Zapfsäulen erst, nachdem wir uns erkundigt hatten, hinter dem Gebäude. Nach 100 Litern war der Tank in unserem Landcruiser bereits voll. Nach über 800 gefahrenen Kilometern konnte das aber eigentlich nicht sein, zumal wir dann noch weniger verbraucht hätten als Karin und Peter mit dem Hilux. Aber auch nach einigem Warten sank der Treibstoff-Pegel nicht mehr ab.
Bandfink
von Karin:
Der zweite Programmpunkt in Kariba war der Einkauf im Supermarkt. Über die Tracks4Africa-Karte im GPS hatten wir uns den Crispy Fresh Supermarket herausgesucht. Auf den ersten Blick war er gar nicht als solcher zu erkennen, bestenfalls sah er wie ein Lager aus, bei dem man frisches Gemüse abholen kann.
Dann entdeckten wir kleine Einkaufswagen und einen Eingang.
Dahinter befand sich ein Ladenlokal, das zu unserer Überraschung wirklich sehr gut sortiert war.
Wir fanden fast alles, was auf unserer Einkaufsliste notiert war: Milch, Brot und Wasser – und auch noch ein bisschen mehr wie Butter, Käse, Brötchen, Boerewors, Chips, Kekse, Paprika und eine Gurke. Was uns erst gar nicht auffiel, waren die fehlenden Preisschilder, allerdings rechneten wir schon damit, dass die Preise in Zimbabwe etwas höher sind. Trotzdem verschlug es uns an der Kasse fast die Sprache. Für unseren Einkauf bezahlten wir etwas mehr als 100 US-Dollar.
von Karin:
Bei etwas genauerem Hinsehen auf den Einkaufszettel waren die Goldbarren schnell entdeckt:
Der teuerste Posten war das Pfund Butter, das umgerechnet auf 12 Euro kam. Das war der wohl teuerste Körbchen-Einkauf unseres Lebens. Wir beschlossen, ihn unter Lehrgeld zu verzeichnen, die Butter ab sofort besonders zu würdigen und uns nicht weiter zu ärgern. Trotzdem stellten wir uns die Frage, welchen Leuten es wohl möglich wäre, in diesem Supermarkt ihre Einkäufe zu erledigen. Wahrscheinlich kauften hier nur dumme Touristen, Lodge- und Jachtbesitzer. Auf jeden Fall wurden die Türen nach Karin und Peter, denen es nicht viel besser als uns ergangen war, direkt geschlossen und der Laden fürs erste dicht gemacht. In der Hoffnung, dass sich die Luft in unserem Dieseltank mittlerweile ihren Weg nach oben gesucht hatte, fuhren wir eine weitere Tankstelle bei einem Jacht-Hafen an. Dort liegen teilweise riesige und sicherlich wertvolle Schiffe vor Anker. Trotz aller Bemühungen passten wieder nur zwei Liter in den Tank, und wir entschieden, dass die komplette Menge nun ausreichend sei.
Dann beeilten wir uns, die Stadt zu verlassen. Vorbei an Schulkindern in Uniformen, ein paar Zebras und kleinen, gepflegten Häusern mit Gärten, in denen bunte Wäsche an der Leine flatterte, ging es zurück auf die Hauptstraße bis Makuti.
Dort bogen wir auf die A1 Richtung Norden. Sofort nahm der LKW-Verkehr zu.
von Karin:
Die Straße führte das Zambesi-Escarpment hinab, und dort standen viele Warnschilder, die Lastwagenfahrer zu langsamem Bergabfahren ermahnten. Dies geschieht auch zu Recht, denn überall am Straßenrand und in der Böschung lagen die Überreste zerbeulter Fahrzeuge, und an einer Stelle stand noch ein recht aktueller Unfallwagen. Das Führerhaus war fast vollständig eingedrückt.
Beim Wildlife-Büro meldeten wir uns für Mana Pools an und machten eine kurze Pause.
von Karin:
Vor dem Haus flatterten ein paar interessante Schmetterlinge, so dass unser Stopp ein wenig länger dauerte.
Citrus Swallowtail (Danke an Matthias)
Während der Fahrt fiel uns ein, dass wir in Kariba vergessen hatten, die Staumauer zu besichtigen und ärgerten uns ein bisschen über unsere schlechte Reiseplanung.
Teil 2503. Jan. 2019
Nach ein paar Kilometern bogen wir rechts auf die Zufahrt zum Nationalpark ein. Wieder zeigten wir an einer Schranke unser Permit vor.
von Karin:
Die Schotterstraße war entgegen der letzten Berichte aus dem Forum sehr gut zu fahren. Wir kamen an vielen eindrucksvollen Baobabs vorbei.
von Karin:
Ein paar Tsetse-Fliegen attackierten den Wagen. Nach gut dreißig Kilometern folgte die nächste Schranke, bei der wir uns auswiesen.
Die letzten Kilometer legten wir auf einer guten Sandpiste zurück und erreichten am Nachmittag das Nyamepi-Camp. Wir checkten ein und kauften Feuerholz für die drei Tage. Unser Stellplatz Nummer 11 lag direkt am Sambesi. Wir setzten uns in den Schatten und machten Pause. Peter kochte leckeren Kaffee mit aufgeschäumter Milch, und wir aßen Brote mit Käse, Salami und Schinken.
Es war herrlich entspannend bis auf die Meerkatzen, die unseren Platz belagerten und jede unserer Bewegungen beobachteten. Am Auto ließen wir kein Fenster und keine Tür offen und den Tisch nicht aus den Augen. Ein paar Mal schepperte es bei unseren Nachbarn, die einen Topf mit gekochten Pellkartoffeln und andere Vorräte wohl nicht besonders gut im Blick hatten. Triumphierend tobte die Affenhorde nach und nach mit zwei großen Kartoffeln, einer Avokado und einer Tüte Chips über den Platz. Wir konnten uns noch gut daran erinnern, wie wir in unserem ersten Botswanaurlaub am North Gate eine Tüte Brot nicht ganz freiwillig verschenkt hatten. Zuerst hatten wir Mitleid, wunderten uns dann aber doch, dass unsere Nachbarn ihre Vorräte nicht irgendwann einmal in Sicherheit brachten.
Auch hier gab es im Duschhäuschen ein paar von Ruths kleinen Freunden.
Von einem der Nachbarstellplätze kam eine allein reisende Frau in einem alten Landcruiser zu uns gefahren. Das in Tansania zugelassene, orange Auto mit Zebra-Muster hatte sichtlich schon viele Abenteuer erlebt. Die aus Deutschland stammende Lilli unterhielt sich ein wenig mit uns. Sie ist seit ca. 2001 in Afrika unterwegs. Wir sprachen nicht lange, aber die Geschichten, die sie erzählte, klangen unheimlich interessant.
Gegen 16.30 Uhr machten wir noch einen kleinen Gamedrive. Zunächst standen wir weiter östlich am Sambesi und beobachteten Bienenfresser und andere Vögel, Hippos und Wasserböcke.
Swainsonfrankolin
Dann nahmen wir uns vor, noch etwas Besonderes zu entdecken. Unsere erste Idee waren ein paar Elands.
Na ja, fast!
Doch wenige Minuten später sahen wir sie auch schon.
Das hatte ja gut geklappt. Aber etwas fehlte noch. Ein paar Wildhunde wie bei unserem letzten Besuch wären Recht. Wieder funktionierte die Wunscherfüllung nicht auf Anhieb.
Wir fuhren um die nächste Kurve, und was lief da in einiger Entfernung über die Grasfläche? Das herbeigerufene Rudel. Fünf Hunde waren sehr zielstrebig in unsere Richtung unterwegs.
Dabei kamen sie zu nah an einer kleinen Herde Elefanten vorbei.
Denen gefiel das überhaupt nicht, da sie ein Jungtier dabei hatten, und so gingen die Dickhäuter aufgebracht auf die Hunde los. Sie trompeteten und rannten wütend hinter ihnen her.
Staub wirbelte auf, und wir versuchten, das Geschehen mit dem Auto und diversen Kameras zu verfolgen. Die Hunde rannten weiter, und die Elefanten beruhigten sich wieder. Wir versuchten, den Hunden auf den vorhandenen Wegen auf den Fersen zu bleiben, aber bald schon drehten sie ab und verschwanden abseits der Piste.
Beim Park-Office holten wir ein Bündel Feuerholz und fuhren zum Stellplatz. Kurz darauf trafen auch Peter und Karin ein. Wir machten Feuer, und da wir nach dem späten Picknick kaum Hunger hatten, aßen wir lediglich Brote mit Avocado, Käse und Zwiebeln, und von Karin gab es zum Nachtisch eine Schale Guaven mit Amarula. Der Vollmond schien, und ein paar Hyänen liefen an unserem Camp vorbei. Sie kamen mehrfach und mit der Zeit auch immer näher, behielten uns aber genauso respektvoll im Auge wie wir sie. Über unseren Köpfen flatterte im Vollmondlicht eine Fledermaus, und über dem Boden flogen Glühwürmchen, die – im Gegensatz zu denen, die wir von zu Hause kennen – nicht kontinuierlich leuchteten, sondern blinkten. Im Licht unserer Stirnlampe reflektierten die Augen von winzigen und gar nicht mal so winzigen Spinnen wie Glassplitter.
Ab und an brüllte ein Löwe von Osten, die Hyänen riefen, Hippos grunzten – eine perfekte Geräuschkulisse um einzuschlafen.
Kilometer: 208
Teil 2605. Jan. 2019
Tag 14 – 27. Juli 2018 – Birding-Tag
Nyamepi Camp, Mana Pools
Hatten wir geschrieben, dass das Grunzen der Hippos die perfekte Geräuschkulisse zum Einschlafen war? Unsere Einstellung änderte sich im Laufe der Nacht, denn die Hippos sowie die Hyänen veranstalteten ein solches Spektakel, dass wir immer wieder aufwachten. Es wurde geschnauft, geprustet, im Wasser herumgetollt, gekichert, geheult und über den Platz getobt. Wir standen kurz vor sechs Uhr auf und packten schnell zusammen, damit wir im ersten Tageslicht aufbrechen konnten.
Mit Peter und Karin fuhren wir hintereinander Richtung Südosten.
Dann verloren wir uns irgendwann aus den Augen, was jedoch nicht weiter schlimm war, da die beiden ähnlich entspannt waren wie wir: Man kann, muss aber nicht hintereinander fahren, völlig egal, wer vorneweg, wer hinterher fährt. Außerdem kann man sich auch bei weniger spektakulären Sichtungen oder Vögeln etwas mehr Zeit lassen, ohne sich gedrängt zu fühlen, und man muss nicht darauf achten, dass die Insassen im folgenden Auto auch noch etwas sehen können. Wir schlichen also den ganzen Vormittag lang mehr oder weniger ziellos durch die Gegend. Dabei entdeckten wir Impalas, Zebras, viele Paviane, ein paar Elands und viele, viele Vögel.
Stelzenläufer
Senegalamarant
Braunkopfliest
Kronentoko
Kaptäubchen
Meves-Glanzstar
Brillenwürger
Besonders freuten wir uns über einen großen Schwarm Lilian Lovebirds. Diese hübschen, grün-bunten Papageien saßen in Grüppchen auf dem Boden oder flogen krächzend zusammen von Baumwipfel zu Baumwipfel. Uwe pirschte sich ganz langsam etwas näher.
Am späten Vormittag kehrten wir ins Camp zurück und machten eine lange Pause. Wir kochten Nudeln mit einer Tomatensoße mit Bohnen. Dann duschten wir und saßen in der Sonne. Das Auto stellten wir in den Schatten. Uwe sicherte Fotos und lud Akkus auf. Es wurde gespült, gekramt und geplant.
Teil 2705. Jan. 2019
Kurz nach 14.00 Uhr brachen wir wieder auf. Diesmal fuhren wir nach Westen entlang des Sambesi. Auch bei unserer Nachmittagstour sahen wir keine besonderen Säugetiere. Mit den Vögeln hatten wir erneut mehr Glück. Ein paar Erstsichtungen konnten wir verzeichnen, darunter einen Paradiesschnäpper.
Am Flussufer saßen Bienenfresser, Hippos und Krokodile lagen im Wasser.
Die untere Kante der Baumkrone wird von den Antilopen ordentlich und gleichmäßig gestutzt.
Einige Elefanten kreuzten zwischen uns und einem entgegenkommenden offenen Safari-Fahrzeug die Straße.
Während die größeren Tiere völlig unbeeindruckt ruhig davonzogen, entschied sich ein kleiner Elefant anders und kehrte noch einmal um. Mit aufgestellten Ohren lief er schnurstracks auf das Auto zu und kam sich mächtig mutig vor. Dann wusste er aber auch nicht weiter und stand einen Augenblick unschlüssig unmittelbar vor dem Fahrzeug. In diesem Moment hätten wir auch gerne im anderen Auto gesessen.
Auf dem Rückweg hielten wir längere Zeit an einem Tümpel, auf dem Witwenenten, verschiedene Reiher und Nilgänse zwischen den Wasserpflanzen saßen.
Schwarzkopfreiher
Witwenente
Schwarzohrpirol
Braunkopfliest
Wir mögen die einmalige Landschaft in Mana Pools mit den vielen hohen Bäumen und ihren ineinander verschachtelten Ästen, den Termitenhügeln und kleinen Tümpeln, besonders im späten Nachmittagslicht.
Nahe dem Camp kamen wir noch an einer kleinen Elefantenherde vorbei, und ein großer, einzelner Bulle reckte sich nach den obersten Zweigen in einem Baum. Die Elefanten, die sich auf die Hinterbeine stellen können, sind mittlerweile mit einem Sender ausgestattet, um besser gefunden zu werden. Dieser hier kam aber anscheinend auch ohne ein solches Kunststück an ausreichend Nahrung.
Zum Abendessen aß Ruth den Rest der Nudeln, und Uwe backte Brot. Beim Kneten bekam er eine leichte Panikattacke, denn die Stärke aus dem Kartoffelmehl war so pappig, dass seine Hände eins mit dem Teig wurden und er ewig brauchte, bis er sich wieder von dem klebrigen Zeug befreit hatte.
Leider ließen wir das Brot dann auch noch ein bisschen zu lange im Potije, so dass es oben ein wenig verbrannte. Aber der Rest schmeckte gut, und wir aßen ein paar Scheiben mit selbstgemachtem Obazda. Zwischendurch hörten wir einen Waldkauz rufen und liefen im Dunkeln zu dem Baum. Tatsächlich fand Ruth die Eule auf einem Ast.
Lilli kam von ihrer Campsite herüber und machte uns auf die heutige Mondfinsternis aufmerksam. Und wirklich war vom Vollmond bereits ein großer Teil verdeckt. Wir beobachteten, wie der Mond nach und nach vollständig verschwand bzw. wie er sich rot färbte. Dabei wurde es zunehmend dunkler, und die Sterne kamen zum Vorschein. Das war ein ungewöhnliches Schauspiel. Sehr deutlich war auch der Mars am Nachthimmel zu sehen.
Während wir spät unser Geschirr spülten, liefen wieder Hyänen durch das Camp. Ein Elefant stand in unmittelbarer Nähe unterhalb unseres Stellplatzes im Wasser. Eine Zibetkatze lief durch die Dunkelheit. Als wir ins Zelt gingen, wunderten wir uns noch etwas über das Verhalten unseres Campnachbarn. Ganz alleine saß er mit Stirn- und Taschenlampe auf seinem Platz, um dann plötzlich aufzuspringen und den Hyänen hinterher zu laufen. Allerdings kam er nicht nach einigen Metern zurück, sondern folgte ihnen mehrere hundert Meter immer wieder quer über den ganzen Platz. Auch aus dem Zelt heraus beobachteten wir noch lange das Hin- und Hergefuchtel mit seiner Taschenlampe. Warum er das tat, wurde uns allerdings nicht klar.
Kilometer: 60
Teil 2807. Jan. 2019
Tag 15 – 28. Juli 2018 – Mana Pools
Nyamepi Camp, Mana Pools
Wieder klingelte der Wecker um halb sechs. Die ganze Nacht hatte uns Hippo-Gegrunze begleitet. Am Abend, als wir bereits im Zelt lagen, marschierten noch drei Elefanten an unseren Autos vorbei. Wir kochten Wasser für Tee und Kaffee, packten schnell zusammen und fuhren um kurz nach sechs los. Heute wollten wir zum Long Pool. Zum Glück sind die Entfernungen im Park nicht so groß, und so kamen wir schnell nach Süden. Im Wald lag ein einzelner Büffel, sonst war es heute Morgen noch ruhig.
Als wir auf der Ebene nach Osten fuhren, sahen wir von weitem bereits einige Löwen, die vom Wasser heraufkamen.
In einigem Abstand folgten noch weitere Rudelmitglieder. So faul Löwen meistens sind, so aktiv waren diese. Schnurstracks marschierten sie an uns vorbei, und nur einer von ihnen ließ sich für einen kurzen Moment in der Sonne nieder.
Wir versuchten zu erkennen, in welche Richtung die Löwen laufen würden. Karin und Peter waren knapp hinter uns. Wir wendeten und fuhren in einem Bogen um die Katzen herum und hatten Glück, dass sie nicht abdrehten, sondern konsequent ihre Richtung beibehielten.
Leider taten sie uns nicht den Gefallen, sich in der Nähe der Straße niederzulassen, sondern querten bald unseren Weg und verschwanden hinter Büschen.
von Karin:
Auf der Suche nach einem männlichen Rudel-Oberhaupt fuhren wir zunächst zum Long Pool, wo die Löwen vermutlich getrunken hatten. Hier war jedoch nichts zu entdecken.
von Karin:
Dann versuchten wir unser Glück in der Richtung, in der die Löwen verschwunden waren. Wir nahmen den ersten Weg, der nicht viel mehr als eine etwas breitere Fahrspur war und mussten nach einem Kilometer umdrehen, weil er zu schlecht und zugewachsen war. Die Löwen blieben verschwunden, dafür zeigte sich aber eine einzelne Hyäne.
Ein anderer Pfad führte in einer großen Schleife nach Süden und dann wieder auf die Main Road. Wir beschlossen, auch ohne weitere Löwensichtung diese Straße einzuschlagen. Auch heute entdeckten wir eine Schar Lilian’s Lovebirds und viele Mahaliweber.
Ein paar Kilometer vor der Hauptstraße standen wir plötzlich in einem Private Camp. Wir wollten nicht stören und sofort wieder wenden, aber die Angestellten waren sehr nett und boten uns an, uns ein wenig umzusehen, da ihre Gäste unterwegs waren. Das Camp lag an einem kleinen See.
Durch dichtestes Unterholz führte der Weg weiter. Oft standen die Bäume und Büsche so eng, dass wir uns nur ganz langsam hindurchschlängeln konnten. Schließlich erreichten wir die Hauptstraße und fuhren zügig Richtung Nyamepi.
Teil 2907. Jan. 2019
Nach einer weiteren kleinen Runde am Long Pool
Braunkopfliest
Kronentoko
Temminckrennvogel
machten wir eine Mittagspause. Karin und Peter, die wir nach der Löwensichtung verloren hatten, waren ebenfalls schon im Camp und leisteten uns Gesellschaft. Wir aßen den Rest des gestern gebackenen Brotes mit Obazda und Rauchfleisch.
Dann spülten wir, wuschen Wäsche und duschten.
Wieder wurden wir bei allem, was wir taten, von Meerkatzen beobachtet.
Eine Kerze, die wir am Feuer zurückgelassen hatten, fiel den flinken Dieben zum Opfer. Obwohl Ruth sich sehr bemühte, ihnen zunächst geduldig-pädagogisch und später mit Drohungen und „ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt“ klar zu machen, dass sie nicht zu genießen sei, wussten es die Affen besser. Wachsspäne regneten aus dem Affenbaum auf Ruth herab, die die Sauerei schimpfend wieder aufsammelte, bevor die Meerkatzen ihr die Überreste der Kerze vor die Füße warfen. Hoffentlich hat da niemand Bauchschmerzen bekommen!
Bevor wir zur Nachmittagsrunde aufbrachen, machten wir Pfannkuchen. Die beiden Kuchen, die wir mit Karin und Peter teilten, waren sehr mächtig. Durch das verwendete Self-raising-Mehl gingen sie nochmal auf.
Zum Nachmittag fuhren wir an verschiedene Pools, beobachteten Vögel und sahen ein paar Antilopen.
Hippos ruhten faul am Ufer, entschlossen sich aber nach einiger Zeit, sich im Wasser abzukühlen.
Unterwegs trafen wir auf große Horden Paviane. Selten suchten sie friedlich nebeneinander nach Futter, sondern gönnten sich gegenseitig nicht das kleinste Bisschen. Es wurde gezankt und gezetert. Ständig jagte einer den anderen, und ein wiederholtes Gekreische lag in der Luft. Dabei können sie doch so niedlich ausschauen.
Am Chowe-Pool sahen wir einen Sattelstorch und ein paar Hippos im Salat.
Gegen Ende der Runde stand wieder ein großer Elefant neben unserem Auto und fraß. Zwischenzeitlich ruhte er aber immer wieder gedankenverloren aus und ließ seinen Rüssel entspannt auf dem Boden liegen.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir wieder im Camp.
Nicht, dass wir heute schon genug gegessen hätten. Zum Abendessen machten wir Pizza, und Karin backte Brot.
Die Pizza gelang ausgezeichnet und schmeckte prima. Während wir aßen, vernahmen wir plötzlich ein lautes Schnaufen ganz in unserer Nähe. Als wir unseren Blick hoben, erkannten wir im Schein der Stirnlampen ein einzelnes Hippo nur ein paar Meter von unserem Tisch entfernt. Nun war es leider viel zu spät, um zu reagieren und hinter dem Auto in Deckung zu gehen. Es blieb nur, die Luft anzuhalten und darauf zu hoffen, dass wir das Nilpferd nicht durch unsere Lampen verärgert hatten. Zum Glück marschierte es völlig unbeeindruckt vorbei und verschwand bei den Ablutions in der Dunkelheit. Wir nahmen uns vor, etwas besser aufzupassen und besonders während des späteren Toilettenganges sorgfältig die Umgebung abzuleuchten. So verging ein sehr schöner letzter Abend bei Mana Pools. Ab und an besuchten uns Hyänen, und abwechselnd brüllten zwei Löwen aus unterschiedlichen Entfernungen. Als uns die Augen zufielen, machten wir uns fertig und gingen ins Zelt.
Kilometer: 77
Teil 3011. Jan. 2019
Tag 16 – 29. Juli 2018 – Welcome to Zambia!?
Nyamepi Camp, Mana Pools – Eureka-Camp, Lusaka
Unser letzter Morgen in Mana Pools begann wir die beiden vorherigen: Der Wecker war auf halb sechs gestellt, aber Ruth war schon vorher wach, weil irgendein Hippo Rabatz machte. Uwe setzte Wasser auf, wir besuchten das Ablutionhäuschen und klappten anschließend das Zelt ein. Mit Kaffee und Tee erfreuten wir uns ein letztes Mal am außergewöhnlich schönen Licht über dem Sambesi.
Kurz nach sechs hatten wir alle Sachen verstaut und verabschiedeten uns von dem wirklich tollen Stellplatz Nummer 11. Der erste Weg führte uns zum Long Pool, wo wir gestern Morgen die Löwen gesehen hatten. Aber bis auf einige Impalas war hier heute alles ruhig, es waren keine Katzen zu finden.
Wir fuhren ein wenig ziellos durch die Gegend und waren ein bisschen wehmütig, da wir gerne noch zwei Tage verlängert hätten. Auch dieses Mal haben uns Landschaft und Tierwelt in Mana Pools wieder ausgesprochen gut gefallen.
Helmperlhuhn
Dann statteten wir dem Chowe-Pool noch einen Besuch ab. Ein großer Silberreiher stand unbeweglich im Grün und spähte nach Beute. Kopf und Hals bewegten sich in Zeitlupe nach vorne, um dann vorzuschnellen und zuzustechen. Leider blieb sein Jagdversuch erfolglos.
Lilli mit dem orangen Zebra-Auto kam vorbei, und wir wechselten noch ein paar Worte, bevor wir uns auch von ihr verabschiedeten.
Pünktlich um 8.00 Uhr fanden wir Karin und Peter am vereinbarten Treffpunkt und verließen den Park. Die beiden fuhren voran und waren ganz schön flott unterwegs, so dass wir uns sputen mussten mitzuhalten.
Am ersten Tor nahmen sie noch einen Mann, der eine Mitfahrgelegenheit gesucht hatte, mit zur Hauptstraße. Nach einem kurzen Fotostopp neben einem großen Baobab hatten wir unsere Mitfahrer endgültig aus den Augen verloren.
Hier ist das Vergleichsbild aus 2012:
Das war jedoch nicht weiter schlimm, da sie am zweiten Tor auf uns warteten.
Wir wechselten auch hier ein paar Worte mit einer ausgesprochen netten Rangerin, die fröhlich scherzend ihren Job machte und dabei gute Laune verbreitete. Ruth wollte sie schon für die Schule abwerben. Solche Leute kann man immer gut gebrauchen. Auf der Hauptstraße bogen wir auf die Straße nach Mokuti ein, die das Sambesi Escarpement hinauf führte. Auch der nette Herr an der Tsetse-Fliegenkontrolle war bestens gelaunt und wünschte uns eine gute Fahrt.
Bis Kariba kannten wir die kurvenreiche Strecke ja bereits.
Die letzten Möglichkeiten, sich über das Prozedere für die morgen stattfindende Wahl zu informieren, fanden sich auch hier am Straßenrand:
Teil 3111. Jan. 2019
Hinter der Stadt gelangten wir zum Staudamm, wo sich die Grenzgebäude befinden. Nicht nur Lilli hatte uns geraten, diesen Grenzübergang zu wählen, da dort deutlich weniger Betrieb herrsche und daher alles ein wenig zügiger ablaufen solle als in Chirundu. Nur vor einem etwas missmutigen Officer auf der sambischen Seite hatte sie uns gewarnt. Der Herr sei völlig spaßbefreit. Uns egal, wir wollten uns ja nicht mit ihm anfreunden. Außerdem konnten wir so doch noch einen Blick auf die große Staumauer werfen.
Die Ausreise aus Simbabwe ging recht schnell vonstatten. Die Pässe wurden gestempelt und die Fahrzeugpapiere kontrolliert. Dann konnten wir bereits weiterfahren. Obwohl alles überschaubar war, wuselten auch hier viele Menschen durch die Gegend, die mehr oder weniger beschäftigt waren. Sie alle machten auf uns einen fröhlichen Eindruck. Einige Ladys, die vor sich hinsingend auf einem Begrenzungspoller saßen, ließen sich gerne von uns ablichten.
Der mächtige Sambesi-Staudamm ist wirklich eindrucksvoll. Es gibt einen Parkplatz, von dem aus man zu Fuß über den Staudamm laufen kann.
Außer uns waren noch einige Einheimische unterwegs. Wie wir machten sie Fotos von sich und stellten sich für Selfies in Pose. Ungewohnt für uns war, dass sie sich mit uns fotografieren wollten.
Wir spazierten ein wenig über die Mauer und betrachteten beide Seiten der Anlage, dann setzten wir unseren Weg fort.
Hier war noch alles gut.
Auf der Sambia-Seite der Grenze waren wir die einzigen Besucher. Das Beantragen und Ausfüllen der Visa ging vergleichsweise schnell. Dann kamen die Autos an die Reihe. Nachdem der Beamte alle Dokumente durchgesehen hatte, wollte er die sog. Police Clearance sehen. So etwas hatten wir dummerweise nicht dabei. Bei der Fahrzeugübernahme bei Savanna hatte schon Unklarheit darüber bestanden, ob dieses Dokument notwendig sei. Uns war versichert worden, dass bei einem Mietfahrzeug keine Police Clearance notwendig sei. Darauf hatten wir uns verlassen. Nun bestand der wichtige Herr aber darauf. Doofe Situation für uns, denn der gute Mann erledigte anscheinend seinen Job recht gründlich. Was sollten wir also tun? Bestimmt wurden wir darauf verwiesen, im Land des Mietfahrzeugs bei der Polizei eine Bescheinigung zu besorgen und dann wieder zu kommen. Keine Option für uns, denn der Umweg wäre ein bisschen weit gewesen. Dann hätten wir Pech. Der LOA von Savanna für die angegebenen Länder interessierte den Beamten kaum, ebenso wenig unsere Argumentation, dass wir die kommenden Tage im Kafue bereits gebucht und bezahlt hätten. Das wäre halt schlecht für uns. Mit der Autovermietung wollte er nicht sprechen. Was blieb uns noch? War dies wohl der Beamte, von dem Lilli gesprochen hatte? Vielleicht wäre Anfreunden doch eine gute Alternative. Peter versuchte es auf seine Art: Er sei ebenfalls Polizist … Der Officer lächelte mitleidig und erklärt dann gelangweilt, dass er ihn dann ja erst recht verstehen müsste. So kamen wir also auch nicht weiter, Mist aber auch! Uns wurde geraten, mit der Autovermietung zu sprechen. Was das genau bringen sollte, war uns nicht klar. Heute war Sonntag – unwahrscheinlich, dass man uns irgendetwas von der Polizei faxen könnte, noch dazu, wo das Auto gar nicht vor Ort war. Trotzdem telefonierte Peter mit Savanna und schilderte unser Problem. Man riet uns, die Angelegenheit mit Geld zu regeln. Na prima! Darin sind wir ja geübt. Leicht überfordert mit der Situation kehrten wir verunsichert ins Büro zurück und erklärten so selbstbewusst wie möglich, dass uns empfohlen wurde, die fehlende Police Clearance hier zu kaufen. – Wie, das sei gar nicht möglich? Wir drehten uns im Kreis, kamen einfach nicht weiter, waren aber auch nicht bereit, deutlicher zu werden und einfach ein paar Dollar über den Tisch zu schieben. Wer weiß, was der furchteinflößende Mensch dann mit uns machen würde? Oder erwartete er genau das? Wir schwiegen uns ein bisschen an. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der wir immer ratloser dreinschauten, waren wir dem Officer wahrscheinlich genug auf den Wecker gefallen (er uns aber mindestens ebenso) und konnten plötzlich – Überraschung – auch ohne die Police Clearance einreisen. AHA!? Dann begann die Schnitzeljagd um das Grenzgebäude, um nacheinander die Straßengebühr, die Versicherung und die Carbon Tax zu bezahlen. Am Ende waren wir inkl. der Visa über 180 US-Dollar und weitere Nerven los. Dass es am Alternativgrenzübergang noch komplizierter geworden wäre, können wir uns kaum vorstellen.
von Karin:
von Karin:
Auf sambischer Seite waren viel mehr Personen unterwegs als in Zimbabwe. Das erste Stück bis zur T1 war noch recht ruhig. Kinder warfen sich fast vor das Auto, um Baobabfrüchte oder andere kleine Snacks zu verkaufen. Am Straßenrand waren oft Stände mit Obst oder Körben und Trommeln.
Bei einer Schranke wurden wir erneut zur Kasse gebeten. Irgendeine Levy wurde entrichtet, und man zeigte uns stolz eine getötete Schlange, die wir unbedingt fotografieren sollten – nicht so ganz unser Ding. Auf der T1 waren viele Autos und Lastwagen unterwegs. Die Straße wand sich wie bereits den gesamten Tag bergauf und bergab. Es gab viel buntes Afrika-Leben zu sehen.
von Karin:
In der Stadt Kafue hielten wir und suchten einen Geldautomaten. Im Choppies Supermarkt fanden wir ein Standgerät, das bereitwillig Kwachas für Peter und uns ausspuckte. Während die Männer bei den Autos blieben, kauften Karin und Ruth ein. Draußen beobachtete Uwe die Fahrzeuge und das Geschehen an der Kreuzung. Es war sehr interessant. Zwei Mädchen boten Kehrbesen und Erdnüsse an. Schließlich versuchten sie, uns ein paar Brocken ihrer Sprache beizubringen, was jedoch sehr schwer war. Unsere ersten Lautierungsversuche gingen in allgemeiner Heiterkeit unter. Schließlich ließ sich Ruth die beiden Wörter notieren. Dann klappte es besser.
Der Einkauf verschlang mehr Zeit als geplant, und so fuhren wir erst mit Sonnenuntergang weiter. Die letzten Kilometer bis Lusaka gerieten wir in die Dunkelheit, fanden das Eureka-Camp aber ohne Probleme. Wir checkten auf dem Campingplatz ein und gingen zur Bar hinüber. Einige junge Leute spielten Billard. Es war sehr trubelig, und die Musik war laut. Das störte uns aber nur wenig, obwohl es nach den Tagen im Park eine ganz schöne Umstellung für uns war. Wir bestellten Burger mit Pommes und meldeten uns per Handy zu Hause. Zurück am Auto krochen wir ins Zelt und hörten beim Einschlafen den Gesang eines Nightjars.
Kilometer: 368
Teil 3220. Jan. 2019
Tag 17 – 30. Juli 2018 – Lusaka, eine spannende Stadt
Eureka-Camp, Lusaka – McBride’s Camp, Nord-Kafue
Heute Morgen war es angenehm ruhig im Eureka-Camp. Die Reisegruppe mit den jungen Leuten hatte gestern noch lange gefeiert und schlurfte heute entsprechend kleinäugig und graugesichtig um ihre Chalets. Wir standen erst mit Sonnenaufgang auf, ließen uns etwas Zeit und frühstückten mal wieder etwas länger mit Müsli, Nutella- und Marmeladenbroten.
Dann hörten wir wieder einen Nightjar rufen und versuchten uns anzuschleichen. Ein wenig irritiert waren wir schon, da sie ja üblicherweise nicht tagsüber rufen. Als wir den Baum erreicht hatten, hörten wir nichts mehr. Dafür fanden wir aber selbst mit Fernglas keinen Vogel. Zu gerne würden wir eine Nachtschwalbe mal am Tag entdecken. Später stellte Ruth fest, dass wir hier wohl ewig hätten suchen können, denn anstelle des vermeintlichen Nightjars waren wir dem Trällern eines Haubenbartvogels hinterhergelaufen, der einen ähnlichen Laut von sich gibt. Beim Spülen knüpfte Uwe an den gestrigen Mini-Sprachkurs in Kafue an und fragte eine Angestellte nach dem Namen der lokalen Sprache: Chowa. Und er ließ sich nochmal genau vorsprechen, wie man „How are you?“ sagt. Wir übten diesen Gruß den ganzen Tag und zauberten heute allen Einheimischen, mit denen wir zu tun hatten, ein Lächeln ins Gesicht. Ruth duschte und suchte anschließend weitere Vögel auf dem Gelände.
Senegal-Amarant
Angola-Schmetterlingsfink
Laubbülbül
Sumpfwürger
Ziernektarvogel
Trauerdrongo
Uwe sicherte noch Fotos, dann hatten wir alles parat und starteten erst gegen 9.30 Uhr. Entlang der T2 ging es weiter Richtung Innenstadt. Als erstes hielten wir bei einer Shopping-Mall auf einem bewachten Parkplatz. Draußen waren mehrere Geldautomaten, wo wir nochmal Bargeld abhoben. Dann gingen wir in einen großen Shoprite-Supermarkt. Das Angebot ließ uns staunen. Bis auf Salami fanden wir alles, was wir brauchten und sogar noch ein paar Dinge mehr. Alles war peinlichst sauber und ordentlich. Nachdem wir alle Einkäufe im Wagen verstaut hatten, holten wir noch eine Riesenportion Pommes bei Hungry Lion, sozusagen als zweites Frühstück. Weiter ging es zu einer Tankstelle. Nach Uwes Berechnungen lief wieder mal nicht genügend Diesel in die Tanks, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass wir nur so wenig verbraucht hatten. Außerdem kontrollierten wir Öl und ließen Waschwasser auffüllen. Nun hatten wir alles erledigt und hätten eigentlich nur noch aus Lusaka herausfahren müssen. Dazu führte unser Weg jedoch ein kleines Stück durch das Zentrum der Stadt. Das reichte, um Teil des dortigen Staus zu werden.
Nachdem sich auf unserer Linksabbieger-Spur minutenlang nichts bewegte, machten wir es wie die Einheimischen, fuhren quer über Bordsteine und Mittelstreifen auf die Parallelstraße und kamen dort schneller vorwärts. Beim Einfädeln in den Verkehr mussten wir uns der aggressiven Fahrweise der Kleinbusfahrer anpassen, weil wir sonst niemals über die Kreuzung gekommen wären. Karin und Peter kamen ebenfalls gut mit, und so näherten wir uns der gesuchten Ausfallstraße. Während wir im Stau standen, tobte um uns herum das gefühlte Chaos. Wohin man schaute, waren Leute unterwegs, mit oder ohne Gepäck, viele mit großen Schubkarren voller Waren, Eiern, Baumwolle oder alten Autobatterien.
Überall waren Stände mit Waren aller Art: Werkzeuge, Rucksäcke, Metalle, Obst, Gemüse, Plastiksachen, Tücher, Klamotten, lebende Hühner, Bettgestelle, Türrahmen. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Menschen und Fahrzeuge bahnten sich ihren Weg, wie sie nur konnten. Eine Zeit lang fuhren wir parallel zu einem Markt. Ruth wäre am liebsten aus dem Auto gesprungen, um das wuselige Leben aus der Nähe zu bestaunen. Da wir aber nicht einschätzen konnten, wie lange der Stau anhalten würde und ob sie tatsächlich am anderen Ende wieder rechtzeitig aus dem Wirrwar an Ständen und Gässchen auftauchen würde, musste sie sich damit begnügen, die Hüttchen, die dudelige Musik, das Stimmengewirr und die Megaphonsprüche im Vorbeifahren aufzuschnappen. Es war herrlich!
Teil 3320. Jan. 2019
Irgendwann wurde der Trubel weniger, wir entfernten uns vom Zentrum und konnten schneller fahren. Etwa 150 Kilometer führte die Teerstraße nach Nordwesten.
In Mumbwa bogen wir ab, tankten nochmal voll und fuhren dann auf Schotter und Sand Richtung Kafue-Nationalpark.
Zu Beginn kamen uns einige große, übertrieben beladene LKWs entgegen, die man im aufgewirbelten Bulldust kaum erkennen konnte.
Später kamen wir durch Wald, und Tsetses flogen um die Autos. Die Strecke zog sich wieder ewig hin, ließ sich aber einigermaßen gut fahren.
Kurz vor fünf erreichten wir das McBride’s Camp und lernten Chris McBride kennen. Er ist ein sehr netter älterer Herr, der uns begrüßte und zum Kaffee/ Tee einlud. In den kommenden Tagen sollten wir noch merken, dass er in dieser Hinsicht sehr aufmerksam war. Wo und wann immer wir ihm begegneten, bot er uns eine Tasse Tee an. Dabei wurde er nicht müde zu erklären, dass ihm seine Frau beigebracht habe, dass es den Gästen nie an Tee mangeln dürfe. Außer uns waren zurzeit keine Gäste im Camp. Wir setzten uns vor sein offenes Wohnzimmer auf ein Sofa mit Blick auf den Kafue-Fluss und unterhielten uns angeregt. Chris und seine Frau, die für ein paar Tage in Lusaka war, betreiben das Camp seit 16 Jahren. Er erzählte uns von hier heimischen Löwenrudeln, von Leoparden, den Hippos und Krokodilen. Seine Frau gibt den Tieren Namen. So heißt das dominante Hippo-Männchen Paul Pott, von dem sich das andere Flusspferd Lone Ranger fernhält. Bartholomew ist der Mähnenlöwe und alleiniger Chef des Löwenrudels. Es war sehr interessant, mit Chris zu plaudern. Er empfahl uns, morgen früh eine Bootsfahrt zu machen. Auf der Campsite zeigte uns der Angestellte Patrick die Duschen, machte Feuer und heißes Wasser für uns. Wir parkten die Autos und ruhten uns ein wenig aus. Dann bereiteten wir Abendessen. Wir grillten Springbock und aßen Gurke-Feta-Tomaten-Salat. Im Dunkeln huschte eine kleine Ginsterkatze vorbei. Nach dem Spülen gingen wir schnell ins Zelt, um morgen früh fit für den Bootstrip zu sein.
Kilometer: 271
Teil 3427. Jan. 2019
Tag 18 – 31. Juli 2018 – Birders Paradise
McBride’s Camp, Nord-Kafue
Der Morgen im McBride’s Camp begann für uns sehr früh. Um zwanzig nach fünf ging der Wecker, zehn Minuten später standen wir auf. Im Dunkeln packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren in der Dämmerung die wenigen hundert Meter von der Campsite zum Camp. Chris war auch schon wach und begrüßte uns. Wir sollten es uns gemütlich machen. Da die Sitzgelegenheiten aber noch klamm und wenig einladend waren, standen wir mit heißem Tee und Kaffee am Kafue-Fluss und erwarteten nicht nur den Sonnenaufgang.
Während auf die Sonne Verlass war, ließen sich die Otter, von denen Chris uns erzählt hatte, nicht blicken. In den letzten Tagen waren sie immer früh morgens zu sehen gewesen, heute hatten sie aber wohl anderes geplant. Wir genossen es dennoch.
Mit den ersten Sonnenstrahlen stieg etwas Nebel über dem Wasser auf und waberte über die Oberfläche. Alles war sehr verschlafen und friedlich.
Als ein Frankolin vorbei lief, fragte uns Chris, ob wir sein Geschlecht bestimmen könnten. Wir verneinten, und er klärte uns auf, dass es eindeutig ein Weibchen sei. Woran man das erkennen könne? Zweifelsfrei an dem intelligenten Gesichtsausdruck. Diese Erklärung sollten wir in nächster Zeit noch mehrfach hören, traf sie doch auch auf Gelbbrustbülbüls, Bartvögel und Turakos zu.
Swainsonfrankolin
Als es etwas heller war, gingen wir zum Boot.
von Karin
Patrick und Alex fuhren mit uns auf dem zweistöckigen Schiff den Fluss hinab. Der Kafue war recht breit, und wir schipperten langsam in der Mitte. Wir sahen ein paar Hippos und wenige Wasservögel. Uwe meinte, in einem hohen Baum ein paar Turakos ausmachen zu können.
Am meisten beobachteten wir Schlangenhalsvögel und Kormorane. Sonst waren nicht viele Tiere unterwegs. Wenige Pukus liefen versteckt im hohen Gras. Ein Malachit-Kingfisher und ein paar entfernte Sichtungen des African Finfoot waren die Highlights. Von ihm machten wir zwar einige, aber leider nur schlechte Fotos. Wir baten Patrick, ein wenig näher am Ufer zu fahren, damit wir die Vögel besser sehen und fotografieren konnten. Prompt steuerten die beiden das Boot in zu seichtes Gewässer und setzten es fest. Ups, das hatten wir nicht gewollt! Mit vereinten Kräften schafften sie es aber, uns wieder frei zu bekommen.
Schlangenhalsvogel
Braunkopfliest
Riedscharbe
Hagedasch-Ibis
Wir kehrten wieder um und sahen weit entfernt noch einen Trompeter Hornbill. Zurück am Camp gab es erst mal heißen Tee oder Kaffee, und wir beobachteten die Vögel an der Futterstelle.
Gelbsteißbülbül
von Kamerakind 😉 Peter (Das hatten wir bisher doch glatt vergessen zu markieren.)
Ruth war ganz aus dem Häuschen, als sie eine für uns neue Bartvogel-Art entdeckte, die Chris mit Obst anfütterte.
Rosenbauch-Bartvogel (Black-backed Barbet)
Chris hat eine ganz liebevolle Art, die Gefiederten zu locken, indem er in leicht singendem Tonfall immer wieder „Come along“ ruft. Ob das bei allen Vögeln funktioniert, sei mal dahin gestellt. (Ruth wurde es nicht müde, es ihm an anderer Stelle mit sehr mäßigem Erfolg nachzutun, denn sie verschreckte die Vögel eher, als sie anzulocken. Trotzdem hatte sie, als sie später durchs Camp kroch, großen Spaß beim „Come-Alongen“.) Bei seinem Lieblingsvogel Linda, einem Gelbbrustbülbül, zahlte sich sein Lockruf aber auf jeden Fall aus. Sobald Chris rief, erschien der kleine Vogel umgehend, manchmal sogar mit Mann (also dem mit dem weniger intelligenten Gesichtsausdruck) und hopste aufgeregt in den Ästen über Chris‘ Kopf herum. Dieser zückte sogleich einen Plastikbehälter mit Käse, den er immer griffbereit für seine kleinen Freunde in der Hosentasche aufbewahrt. Chris erklärte uns, dass sie ganz verrückt nach Käse seien, den sie ihm sogar aus der Hand nahmen.
Gaukler
Teil 3527. Jan. 2019
Wir fuhren zur Campsite zurück und machten eine lange Mittagspause. Es dauerte ein wenig, bis wir ausgiebig frühstücken konnten. Da der Campingplatz etwas abschüssig und uneben war, brauchten wir ewig, bis die Tische so standen, dass sie nicht mehr wackelten. Außerdem wollten die einen im Schatten sitzen, die anderen wiederum nicht. Was hatten wir Probleme zu meistern! Peters Vorschlag, sich unter das Schattennetz zu setzen, wurde abgelehnt: Der Tisch, der dort stand, war nicht schön und nicht sauber genug, die Stühle zu wackelig, das Schattendach voller Spinnenweben … Schließlich landeten wir unmittelbar neben dem Auto. Alle waren zufrieden, nur Peter verstand die Welt nicht mehr: Unser Ernst, dass er bei diesem schönen Platz nun die ganze Zeit auf unserer Auto schauen sollte? Und dafür nun das ganze Trara bei der Platzwahl? Nun, man kann eben nicht alles haben. Schatten, Sonne, Nähe zu den Vorräten, einen geraden Stellplatz … da bleibt die Aussicht eben auf der Strecke. Als uns dämmerte, dass Peter vielleicht doch ein ganz klein wenig Recht hatte, flossen vor lauter Lachen die Tränen, und wir konnten uns gar nicht mehr einkriegen.
Nach dem Frühstück erledigten wir den üblichen Kram: Wäsche waschen, Geschirr spülen, Fotos sichern, Akkus aufladen. Karin machte einen Mittagsschlaf, Ruth krabbelte durch das Dickicht den Vögeln hinterher. Sie entdeckte eine für uns neue Bienenfresser-Art, den Böhm’s Bee-eater.
Guineafowl
Irgendwann stolperte sie beim Vogel-Gucken beinahe über ein Buschböckchen, das nur wenige Meter vor ihr plötzlich aufschreckte und sich in großen Sprüngen davon machte. Erleichtert, dass es nur ein Böckchen und nichts Gefährlicheres war, wurde Ruth bewusst, dass sie sich mittlerweile schon wieder ziemlich weit von unserem Lager entfernt hatte. Als sie auch auf ihre Uwe-Rufe keine Antwort mehr erhielt, entschloss sie sich, lieber den Rückweg anzutreten. Schließlich hatte uns Chris für den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall, dass er die Löwen irgendwo im Camp erblicken würde, ein Funkgerät mitgegeben, um uns jederzeit herbeirufen zu können. Da war es sicherlich nicht ganz so schlau, sich zu weit vom Camp zu entfernen. Da Ruth sich komplett durch die Büsche geschlagen hatte, eben immer hinter dem Bienenfresser her, war der Rückweg auch nicht so ganz eindeutig, und obwohl sie eine ungefähre Richtung ahnte, hatte sie einen ziemlichen Bogen geschlagen und war glücklich, als sie bald darauf wieder die Stimmen ihrer Mitreisenden hörte. Peter machte leckeren Kaffee, und wir ruhten uns im Camp aus. Die Dusche war toll – reichlich heißes Wasser unter freiem Himmel. Nachmittags wollten wir noch einen kleinen Gamedrive machen. Doch zunächst kamen wir nicht weit. Auf dem Weg zum Camp saß ein Schopfadler im Baum, den wir auch noch nie gesehen hatten. Er thronte auf seinem Ast und ließ sich von allen Seiten bewundern.
100 Meter weiter wurde im Camp bei Chris dann erst einmal Kaffee getrunken. Ruth entdeckte noch weitere spannende Vögel, und auch Chris hatte wieder einiges zu zeigen und zu erzählen. Beim Herumlaufen trat Uwe mit Schwung in einen Dorn, der durch seinen Croc stach. Die blutende Fußsohle wurde gewaschen, desinfiziert und mit einem Pflaster beklebt.
Laubbülbül
Waldnektarvogel
Hartlaubschnäpper (Ashy Flycatcher)
Im Dickicht neben dem Camp machte das Hippo Lone Ranger einen Mittagsschlaf. Selbst die verschiedenen Schlafplätze des Flusspferdes sind nummeriert: Bedroom No 1, Bedroom No 2 und Bedroom No 3. Wir sollten stets aufpassen, wo der Koloss gerade schlief und einen großen Bogen um ihn machen. Er sei etwas cheeky.
Weißbrauenrötel
Auf diesen sind wir ganz besonders stolz: Red-throated Twinspot
Schalow’s Turako
Chris beschrieb uns den Weg nach Osten, den wir für unseren Gamedrive nehmen sollten. Zusammen mit Karin und Peter ging es durch hohes Gras, über abgebrannte Ebenen bis in einen Wald. Wir sahen Frankoline und Pukus, Löwen leider nicht. Wieder stürmten zahllose Tsetses auf unser Auto ein.
Swainsonfrankolin
Die Strecke wurde zunehmend schwieriger. Man merkte, dass sie lange Zeit nicht befahren worden war. Das Gras stand so hoch, dass man weder nach vorne, noch zu den Seiten wirklich viel sehen konnte.
Aber kein Problem! Die Spur war ja auf unserem Navi eingezeichnet. Ein paar Mal mussten wir wenden, da sie sich irgendwo verlief, dann nahmen wir eben den anderen Abzweig. Im Wald wurde es aber immer unübersichtlicher. Äste ragten in die Fahrspur, Büsche wuchsen auf dem Weg, und wir kamen kaum noch voran. An einem Abzweig stand ein gelber Pfeil, dem wir eigentlich nach rechts hätten folgen sollen. Wir entschieden uns zunächst trotzdem für die andere Spur, weil sie in unserem GPS verzeichnet war und in einem Bogen zurück zum Camp führte.
von Karin
Es war schon fast halb sechs, und es wurde zusehends schattiger. So kurvten wir noch ein paar hundert Meter im Schritttempo um einige Bäume, bis an einem dicken, querliegenden Stamm ohne Umfahrungsmöglichkeit endgültig kein Weiterkommen war. Wir fuhren ein kurzes Stück rückwärts, ehe wir umdrehten und dann dem Pfeil folgend die andere Spur nahmen. Abgesehen davon, dass sie in die völlig falsche Richtung führte, endete auch sie nach einiger Zeit im Nichts. Davor hatten wir aber auch schon eine matschige Durchfahrt gewagt. Uns blieb nichts anderes übrig, als umzukehren und denselben Weg, den wir gekommen waren, wieder zum Camp zurück zu fahren. Beim erneuten Wenden im Wald musste Ruth aussteigen und einweisen. Diese Chance nutzten einige Tsetse-Fliegen, die per Anhalter auf unserer Motorhaube mitreisten, um gut gelaunt das Wageninnere zu stürmen. Während Uwe die unwegsame Straße durch den Wald rumpelte, dabei aufpasste, dass wir mit dem links außen montierten Ersatzrad keinen Baum mitnahmen, erledigte Ruth mit der Fliegenklatsche mehrere Biester im Auto.
Deutlich nach Sonnenuntergang erreichten wir wieder das Camp. Als wir Chris erzählten, dass wir im Wald umdrehen mussten, fiel ihm ein, dass er uns ja gar nicht so weit hatte schicken wollen und wir keinesfalls dort hätten langfahren sollen. Dann wissen wir beim nächsten Mal ja Bescheid. Während Karin und Peter Nudeln kochten, grillten wir die Boerewors und garten Blumenkohl und Möhren in Alufolie über dem Feuer. Dazu gab es noch zwei Folienkartoffeln. Müde nach dem langen Tag fielen wir ins Bett.
Kilometer: 21
Teil 3602. Feb. 2019
Tag 19 – 1. August 2018 – Abschied vom McBride’s Camp
Wieder standen wir um halb fünf auf und erledigten die eingespielten Handgriffe. In der Nacht hatte eine Hyäne gerufen, und ein Flughund fiepte im Baum über uns. Innerhalb einer halben Stunde waren wir startklar und zirkelten das Auto zum letzten Mal aus dem Stellplatz und fuhren zum Camp. Chris war auch schon wach, und zusammen setzten wir uns auf die Terrasse und schauten hinunter zum Kafue. Patrick machte ein kleines Feuer und brachte heißes Wasser, mit dem wir uns Kaffee und Tee brühten.
Chris zeigte uns eines seiner Bücher über seine Jahre der Löwenforschung in Savuti. Er hat unglaublich viel erlebt und kann entsprechend viel und spannend erzählen. Leider waren die Otter auch heute aus. Stattdessen kamen wieder viele Vögel. Ruth schlich hinter diversen Arten her und steckte auch Karin an. Peter und Uwe unterhielten sich derweil mit Chris über Gott und die Welt. In Bedroom No 3 lag Lone Ranger und schlief. Daher mieden wir diese Seite des Camps.
Gelbsteißbülbül
Weißbrauenrötel
Gelbstirn-Bartvogel (Yellow-fronted Tinkerbird)
Gelbbrustbülbül (für Bele ;))
Angola-Schmetterlingsfink
Rosenbauch-Bartvogel (Black-backed Barbet)
Inzwischen stand die Sonne so hoch, dass sie uns wärmte. Wir erwähnten Chris gegenüber, dass wir nun bald aufbrechen wollten, und er ging mit uns zu seinem Büro. Auf dem Weg dorthin hielt er noch mindestens fünfmal an und zeigte uns interessante Pflanzen oder Dinge im Camp. Man hatte öfter den Eindruck, dass er ein wenig zerstreut war. Wir bezahlten die Nationalpark-Gebühren: 20 Dollar Parkeintritt pro Person und Nacht, 5 Dollar Campinggebühr pro Person und Nacht und 15 Dollar pro Fahrzeug pro Nacht. Die Abfahrt zog sich ziemlich in die Länge. Zuerst fotografierte Ruth ein paar Vögel, dann gingen alle nochmal zur Toilette, Chris erzählte ein wenig, und schließlich gab es wieder etwas zu fotografieren. Chris sagte, wir seien – wie alle Birder – wohl ein wenig verrückt. Schließlich seien die meisten seiner Gäste erpicht darauf, Löwen zu sehen. Nun ja, Bartholomew, den großen Mähnenlöwen, hätten wir schon gerne noch mitgenommen. Aber man wird mit den Urlauben ein wenig gelassener, was bestimmte Sichtungen angeht. Außerdem, fuhr Chris fort, hätten wir am Morgen bei dem riesigen Krokodil, das auf dem Kafue vorbeischwamm, nur mal kurz ohne allzu großes Interesse geschaut, um dann gleich weiter hinter irgendwelchen Vögeln herzukrabbeln. Und so drehten wir uns im Kreis und konnten uns nicht losreißen: Unterhalten, Richtung Auto zum Aufbruch drängen, Vögel verfolgen, wieder im Wohnzimmer landen, Chris‘ Geschichten lauschen …
Dummerweise weiß man bei der Planung im Voraus ja nicht so genau, wo es uns gut gefällt. Hier hätten wir auf jeden Fall mehr Zeit verbringen wollen und werden bestimmt noch einmal wiederkommen.
von Peter:
Wir verabschiedeten uns mehrfach und schafften es nach allem möglichen Hin und Her endlich gegen 9.00 Uhr aufzubrechen.
Ruth auf Tsetse-Jagd
Es sieht schon ein wenig bescheuert aus, mit dem großen „Tennisschläger“ im Auto herumzufuchteln, aber der Tipp von Frank aus dem Forum war wirklich Gold wert. Manchmal war es uns unbegreiflich, wo die Fliegen herkamen, wenn wir schon seit Ewigkeiten kein Fenster mehr geöffnet hatten. Wahrscheinlich lauerten sie geduldig und gut versteckt, um mit ihrem Stechrüssel in einem günstigen Moment anzugreifen, wenn man am wenigsten damit rechnete. Der Elektroschläger erzeugte bei jedem Treffer einen Funken und ein knallendes Geräusch, danach stürzte die so getroffene Fliege ab. Da sie sich aber nach kurzer Zeit wieder berappelte, um den nächsten Angriff zu starten, taten wir gut daran, das abgestürzte Zombieinsekt aufzuspüren und ihm endgültig den Garaus zu machen. So war Uwe mit Fahren und Ruth zunächst mit den Fliegen beschäftigt. Die Strecke durch den Wald und weiter bis Mumbwa zog sich wieder hin, war aber sehr abwechslungsreich.
Buckelige Rinder mit riesigen Hörnern und teils sehr kleinen Kälbchen kreuzten in einer langen Schlange die Straße.
Blitzlichter:
Verkaufsstände, die aus kleinen Baumstämmen und Ästen krumm und schief zusammengebunden sind, sausen vorüber. Auf ihnen werden Tomaten, Eier und andere Lebensmittel angeboten. Ziegen und Zicklein mit wackelnden Schlenkerohren überqueren unseren Weg. Kohlesäcke, deren Inhalt mit einem Plastikgeflecht gehalten und so um 1/3 vergrößert wird, stehen am Rand. Ein Junge mit einem knallgrünen Shirt sitzt auf einem Stein und kaut Zuckerrohr. Wieder brennen Feuer auf den Feldern. Etwas weiter ist die Erde schwarz verkohlt, aber erstes Grün sprießt, und zarte, kleine Hälmchen wachsen bereits. Ein Geruch nach Qualm hängt in der Luft, ein dickerer Baumstamm schwelt noch, und eine letzte dünne Rauchsäule steigt kräuselnd empor. Zwei Frauen mit buntgemusterten orange und lilafarbenen Röcken tragen Schüsseln mit Stoffen oder Wäsche auf dem Kopf und ein Baby in einem Tuch auf dem Rücken. Neben ihnen hüpfen je zwei Kleinkinder an der Hand. Schmetterlinge mit weißen, gelben, blauen, braunen, orangen oder türkisfarbenen Flügeln schaukeln über die Straße, halten niemals still und flattern im Wind scheinbar ziellos umher. Ein paar Fußgänger mit blütenweißem Hemd haben sich ihren Pullover oder ein Tuch als Schutz gegen die Sonne und den Staub über den Kopf gelegt. Ein alter Mann mit Baseballkappe, leuchtend blauem Shirt, kurzer Hose und Gummistiefeln transportiert einen riesigen Stapel Holz auf dem Gepäckträger seines Fahrrads und kommt uns in ausladender Schlangenlinie entgegenmäandert. Als wir passieren, winkt er uns freundlich zu. Lila Blumen schimmern blass unter einer dicken Staubschicht am Straßenrand, ziemlich kleine Kinder balancieren ziemlich schwere Säcke auf ihren Köpfen. Eine junge Mutter zerrt ein plärrendes, kleines Mädchen mit einer Tausend-Zöpchen-Frisur im neonpink, grell leuchtenden Tutu an der Hand hinter sich her. Je näher wir der Stadt kommen, umso bunter und geschäftiger wird das Treiben. Verschiedene Waren und Dienstleistungen werden in kleinen, bunten Häusern mit auffallenden Schriftzügen unmittelbar neben der Straße angeboten. Es gibt Friseure, Reifen- und Fahrradwerkstätten, Tischler, Schweißer und Shops für Kleidung, Tücher, Taschen, Schuhe und Lebensmittel. Dazwischen stehen winzige Büdchen zum Aufladen des Telefonguthabens in allen möglichen Signalfarben, Hauptsache aufdringlich markiert, um sich vom ein Meter entfernt stehenden nächsten Stand abzuheben. Kinder, Hühner, Hunde und Schweine wuseln herum. Auf zusammengezimmerte Verkaufsstände mit säuberlich zu Pyramiden gestapelten Zwiebeln, Kartoffeln und Tomaten werden außerdem Popcorn, Nüsse, Süßigkeiten in bunten Plastikverpackungen, ölige Krapfen und Zuckerrohr angeboten. Kleinbusse mit 30 Personen oder normale PKWs mit 8 Personen über und untereinander sind keine Seltenheit. An der Tankstelle lassen sich das geordnete oder ungeordnete Warten und das Beladen der Autos bestaunen. Verkäufer bieten auch hier Popcorn und Orangen an, aber auch Jeans oder Säcke mit Kohle lassen sich zwischen den Autos erstehen. Vorbei an Lastwagen, PKWs und Tankstellenangestellten bahnen sich staubige Motorräder ihren Weg zur nächsten Zapfsäule. Das Spiel „Wer war zuerst, wer darf als nächster?“ wird nach unbekannten Regeln mit afrikanischer Gelassenheit ausgetragen. Uns stört es nur mäßig, dass wir die Regeln nicht verstehen und uns wohl auch nicht allzu geschickt dabei anstellen. Es gibt einfach zu viel zu entdecken. Auch hier werden riesige LKWs mit Baumwollballen, Kohlesäcken oder anderen Waren beladen. Nicht selten krabbeln danach Personen auf die Last, um auf diese Weise mitgenommen zu werden. Weiter geht es auf der Teerstraße nach Westen Richtung Mongu. Kinder teilen sich zu dritt ein Fahrrad. Ein Businessman in einem feinen, schwarzen Anzug mit Krawatte und frisch geputzten, glänzenden Schuhen spaziert mit Handy am Ohr durch die staubigen Verkaufsgassen. Kleine Jungen dreschen mit langen Stecken auf ein paar Rinder ein, um sie vom Straßenrand zu vertreiben, Kinder aller Altersstufen wandern in Schuluniformen in lila Röcken/ Hosen und hellblauen Blusen, in weißen Blusen und grau-schwarz karierten Röcken, alternativ in jeder beliebigen anderen Kombi, die die Zugehörigkeit zur jeweiligen Schule erkennen lässt, lautstark miteinander plaudernd vorüber. Ein kleiner Junge mit Sonnenhütchen liegt bäuchlings auf einem gefüllten Sack und schiebt ein selbstgebasteltes Spielzeug im Sand vor sich auf und ab. Trommeln, Wannen und Bottiche werden neben Hühnern in Käfigen, Tierhälften und Fleischstücken, die zum Abhängen an Ästen im Wind baumeln, zum Verkauf angeboten. Junge Männer messen vor Bars mit kreativen Namen ihr Geschick im Billardspiel. Es ist ganz erstaunlich, vor wie vielen dieser winzigen Pubs ein Billardtisch im Staub steht.
Im Unterschied zu Namibia ist es besonders dieses bunte Leben am Straßenrand, welches für uns den Reiz Sambias ausmacht. Völlig unzusammenhängend und ungeordnet prasselten in kurzer Abfolge die Eindrücke auf uns ein, die sich nicht einmal ansatzweise in Fotos festhalten ließen.
Teil 3702. Feb. 2019
Ca. 60 Kilometer hinter der Stadt bogen wir nach Süden Richtung Itezi-Thezi ab. Da wir nicht wussten, welche Straße uns erwarten würde, waren wir überrascht, als wir eine breite, hervorragend beschaffene Teerstraße vorfanden. Dumm nur, dass sie noch nicht freigegeben war und wir daneben auf Sand fahren mussten. Doch auch hier kamen wir gut voran, zumindest so lange wir keinen Gegenverkehr durchlassen mussten.
An einem Kontrollposten hielten wir an einer Schranke. Der Ranger, der unser Kennzeichen notierte, strahlte über das ganze Gesicht, fragte uns nach unserer Reise und wünschte uns einen wunderschönen Aufenthalt in Sambia. Er verbreitete so gute Laune, dass wir noch Kilometer später grinsen mussten. Zur KaingU-Lodge bogen wir nach Westen ab und fuhren auf einer schmalen, aber sehr schönen Straße durch Wald.
Der Weg war gut, die Bäume gaben Schatten, und wir näherten uns dem Tagesziel. Lediglich ein Haufen Tsetses begleitete uns. Kurz vor der Lodge stand ein Schild, das uns aufforderte anzuhalten und fünf Minuten zu warten. Die Fliegen seien dann verschwunden. Wir waren skeptisch, befolgten aber die Anweisung. Und tatsächlich entfernten sich die meisten Tsetses, nachdem wir uns nicht mehr bewegten.
von Karin:
Mit Insekten-Gift präparierte Falle für Tsetse-Fliegen, die von blau und schwarz angezogen werden.
Die KaingU-Lodge liegt direkt am Fluss. Wir checkten ein und tranken etwas. Im Souvenirshop erstanden wir ein schönes T-Shirt für unseren Neffen. Die Campsite liegt ebenfalls sehr schön grün am Fluss, und jeder Stellplatz besitzt eine eigene Freiluft-Dusche. Wir klappten das Zelt auf einer Wiese auf, lüfteten die Schlafsäcke und aßen ein paar Leberwurstbrote. Aus dem Wasserhahn purzelte ein winziger Frosch, als Ruth den Hahn aufdrehte.
Hartlaubschnäpper (Ashy Flycatcher)
Nach unserer späten Brotzeit wanderten wir ein kleines Stück zu den flussabwärts gelegenen Stromschnellen, während sich Karin und Peter ein wenig ausruhten. Dabei nahmen wir uns entsprechend gewarnt vor wilden Tieren in Acht.
Tatsächlich begegneten uns wilde Klippschliefer, wilde Kakteen, eine wilde Herde Buschböcke und wilde Warzenschweine. Letzteres schaute tatsächlich ziemlich grimmig und war bereits kampferprobt, wie man bei genauerem Hinsehen erkennen konnte.
Daher kamen wir ihm lieber nicht zu nahe und folgten weiter den aufgemalten Pfeilen zu den kleinen Fällen. An einer Stelle verliefen wir uns und mussten ein kleines Stück zurück. Wir sahen ein paar Brillenvögel, die jedoch so weit weg und hoch in den Zweigen turnten, dass wir sie nicht ordentlich erwischen konnten. Am Ende des Weges mussten wir über große Felsen klettern. Welch ein Glück, dass Ruth ihr Kletter-Crocs anhatte! Gerade rechtzeitig kamen wir zum Sonnenuntergang. Das Wasser rauschte und war ganz klar.
Wir blieben nur eine Weile und machten uns dann auf den Rückweg, weil wir nicht in die Dunkelheit kommen wollten. Zurück an der Campsite duschten wir und liefen dann zur Lodge. Wir waren die einzigen Gäste und setzten uns auf das Holzdeck am Fluss, tranken etwas und nutzten das WLAN. Im Dunkeln kehrten wir zu den Autos zurück und machten Feuer, was mit dem noch etwas feuchten Holz nicht so einfach war. Es qualmte fürchterlich. Als es jedoch brannte, war es sehr heiß und wärmte uns. Hunger hatten wir eigentlich keinen mehr, und so aßen wir nur noch ein paar Kekse. Als wir im Zelt lagen, brüllte mehrfach ein Löwe von Osten her.
Kilometer: 263
Teil 3809. Feb. 2019
Tag 20 – 2. August 2018 – Stromschnellen und rough road
KaingU-Lodge – Hippo-Bay, Kafue-Süd
Heute schliefen wir aus und standen erst kurz vor halb acht auf, als die Sonne bereits schien. Peter hatte gestern Abend bei der Lodge ein frisches Brot bestellt, das um acht Uhr fertig sein sollte. Wir kochten Kaffee und fotografierten ein paar Brillenvögel und Bienenfresser an unserem Platz. Peter kam mit der Nachricht zurück, dass das Brot wohl doch erst um neun Uhr fertig wäre. Sie hatten es also vergessen. So packten wir alle Sachen wieder ins Auto und machten uns zu Fuß nochmal auf zu den Stromschnellen. Mit richtigem Schuhwerk taten wir uns etwas leichter als gestern.
Senegalbrillenvogel
Wir kletterten bis an den Rand der überschaubaren, aber schönen Rapids. Das Wasser war recht warm. Dort blieben wir ein bisschen und machten uns dann auf den Rückweg. Entlang der Route wuchsen viele beeindruckende Kakteen, die Stämme wie Bäume hatten. Ein paar interessante Vögel flogen an uns vorbei, ließen sich aber nicht lange genug nieder, um sie zu bestimmen.
Afrika in Afrika 😉
von Karin:
Zurück an der Campsite frühstückten wir. Wir machten Obazda, der auf dem frischen, noch warmen, braunen Brot sehr gut schmeckte.
Trompeterhornvogel – Das Foto ist nicht gut, aber der Vogel für uns selten.
Waldnektarvogel
In den Bäumen um uns saßen viele kleine Meerkatzen, die uns sehr genau beobachteten. Eine Unaufmerksamkeit, und sie hätten uns etwas geklaut. Aber wir passten gut auf.
Nach dem Abwasch packten wir die Autos und liefen zur Lodge, um unsere Rechnung zu bezahlen. Es war sehr heiß. Ein Angestellter wässerte mit einem enormen Schlauch die Rasenflächen um die Chalets. Kein Wunder, dass die komplette Anlage so schön grün war.
Wir unterhielten uns noch ein wenig mit Lynda, der Managerin, die aus Australien stammt. Wir fragten sie nach der heutigen Strecke, und sie riet uns dringend, NICHT den Weg entlang des Flusses zu nehmen, sondern den Umweg zurück über die Hauptstraße zu fahren. Das sollte ca. 2,5 Stunden dauern. Die andere Route sei „rough“ mit sehr vielen Abzweigungen, die in jedes einzelne kleine Dorf führten. Dort könnten wir sehr gut verloren gehen. Wir stimmten ihr zu und nahmen uns vor, über die Hauptstraße zu fahren. Zurück auf der Campsite stellten wir fest, dass die Meerkatzen unser Auto während unserer Abwesenheit genauestens inspiziert hatten. Wir hatten eine Seitenklappe am Aufbau offen gelassen, um unsere Handtücher daran zum Trocknen aufzuhängen. In dem Seitenfach befanden sich lediglich Brennholz und Kohle. Doch die neugierigen Affen hatten es sich nicht nehmen lassen, den Kohlesack aufzureißen, zu überprüfen, ob sich nicht doch etwas Essbares finden ließe und aus lauter Frust ein paar Stücke Kohlen über die Wiese zu verteilen. Nachdem wir das Lodge-Gelände verlassen hatten, bogen wir rechts ab in der Annahme, auf der richtigen Spur zu sein. Unsere GPS-Karte schlug ebenfalls diesen Weg vor – vielleicht als den kürzesten und nicht als den schnellsten. Zunächst fuhren wir wieder durch Wald und kamen gut vorwärts. Immer wenn sich der Weg gabelte, folgten wir der Richtung, die der auf der T4A-Karte am nächsten kam. Denn dort waren tatsächlich nicht alle Wege verzeichnet. Meist hielten wir nur die ungefähre Richtung und fuhren querfeldein durch Niemandsland. Erstaunlicherweise dauerte es recht lange, bis uns dämmerte, dass wir auf der get-lost-Strecke gelandet waren. Das war nach kurzer Überlegung auch recht offensichtlich, da wir unmittelbar nach der KaingU-Lodge nach rechts in Richtung des Flusses abgebogen waren. Mal wieder der klassische Fall von: GPS ein- und Gehirn ausgeschaltet. 😣 Die Spur wurde immer unwegsamer. In einem Dorf gab es plötzlich drei Möglichkeiten zur Weiterfahrt. Wir wählten eine aus, aber ein paar Einwohner kamen angelaufen und zeigten uns den richtigen Weg. Wir passierten viele kleine Dörfer oder Ansammlungen von Hütten. Oft waren einzelne Leute unterwegs. Alle winkten uns freundlich zurück und sahen uns meist strahlend entgegen.
Aber so sympathisch die Menschen waren, umso fieser wurde die Straße. Immer enger werdend taten sich auch noch tiefe Längsgräben und Auswaschungen auf. Wir wurden immer langsamer, und die Stellen, bei denen wir die Autos über tiefe Furchen zirkeln mussten, nahmen zu.
von Karin:
Die eine oder andere klitzekleine Wasserdurchfahrt war auch dabei. Auch wenn wir im Prinzip in der richtigen Himmelsrichtung unterwegs waren, war nicht klar, ob der Weg nicht irgendwann unpassierbar werden würde. Hier war mit Sicherheit schon lange kein – oder noch nie ein? – Auto mehr gefahren. Auf einem etwas breiteren Fahrradweg schlängelten wir uns schließlich mit einer Reifenbreite mehr neben als auf der Pad durch die Dörfer und fragten uns, ob wir wohl gerade dabei waren, auf der „Rough road“ verloren zu gehen. Als Uwe einen parkenden PKW entdeckte, schöpfte er Hoffnung. Hier war offensichtlich doch schon mal ein anderes Auto gefahren. Das musste aber schon eine Weile her sein, denn es hatte – wie oft bei stehen gelassenen Fahrzeugen in Afrika – keine Reifen mehr.
von Karin:
An manchen Stellen fürchteten wir schon, wieder umdrehen zu müssen, kamen aber zum Glück immer noch gerade so durch. Irgendwann hatten wir die schlimmsten Kilometer gemeistert, und die Spur wurde wieder breiter. Später erfuhren wir von unseren Freunden Sarah und Philipp, dass ihnen im Vorjahr genau derselbe Fehler unterlaufen war. Sie waren genau wie wir zwischen den Dörfern herumgekurvt.
Teil 3909. Feb. 2019
Wir erreichten die Teerstraße nach Ithezi-Tezhi und den Ort 23 Kilometer später. Dort gab es wieder Vieles links und rechts entlang der Straße zu sehen. Leute waren mit dem Fahrrad und seltener mit dem Moped unterwegs.
In kleinen Häuschen wurden verschiedenste Dinge angeboten.
Lasten und Gepäck wurden transportiert
und auf Sicherheit und Ordnung geachtet.
Hinter der Stadt fuhren wir über den Kafue-Staudamm. Dort musste ein großes Fischaufkommen sein, denn in den Bäumen am Ufer saßen mindestens 20 Schreiseeadler oder flogen fischend ihre Runden.
Wir bogen in den südlichen Kafue-Nationalpark ein.
Nach kurzer Zeit kreuzte eine Herde Elefanten mit einigen Jungtieren die Fahrbahn. Wir hielten Abstand und warteten, bis alle Tiere an uns vorübergezogen waren.
Dann setzten wir unseren Weg fort. Die Straße führte direkt am Stausee entlang. Rechts ragten viele tote Bäume aus dem Wasser und boten Kormoranen Nistplätze und Schreiseeadlern Ansitze. Zur Linken waren Bäume und Büsche. Wir sahen viele Wasservögel: Sattelstörche, Reiher, Hammerköpfe und andere. Pukus, Hippos und Elefanten ließen sich ebenfalls blicken.
Silberreiher
Braunkopfliest
Termitenschmätzer
Hammerkopf
Nach diesem Gamedrive erreichten wir die Hippo Bay Campsite. Bis zur Rezeption bei der nahegelegenen Lodge, wo wir uns anmeldeten, waren es nochmal ein paar Minuten. Mit Karin und Peter suchten wir uns einen Stellplatz. Mit uns trafen noch vier Autos einer italienischen Reisegruppe ein. Außerdem waren noch zwei einzelne Fahrzeuge auf dem Platz. Für unseren Geschmack waren das schon viel zu viele andere Leute. Durch die bisherigen Campingplätze, die wir immer für uns alleine hatten, waren wir ziemlich verwöhnt. 😵
Und so beobachteten wir leicht skeptisch und natürlich völlig vorurteilsfrei, wie die Italiener zuerst alle Bänke des Platzes zusammenklaubten, zwischen ihren Autos platzierten und danach das unisex Waschhäuschen in Beschlag nahmen. Und zwar so richtig, denn aus jeder Dusche kam uns fröhlich ein nasser, mehr oder weniger behaarter Mensch mit knapp um die Hüfte geschlungenem Handtuch entgegen. Huh! Es machte ihnen auch wenig aus, ihre Waschsachen praktischerweise gleich neben den Waschbecken zu verstauen. Außerdem war ganz erstaunlich, wie viel Lärm man bei der Essenszubereitung veranstalten kann, wie oft Autotüren zugeschlagen und Gegenstände gegeneinander gehauen werden können, oder auf welche Entfernung man sich immer noch laut schreiend miteinander zu unterhalten vermag. Vielleicht lag es daran, dass wir etwas genervt waren, vielleicht auch daran, dass Ruth ein wenig unwohl im Magen war. So richtig konnten wir den eigentlich schönen Platz nicht genießen. Zum Abendessen kochten wir auf einem riesigen Feuer Nudeln mit Tomatensoße, Bohnen und Gemüse. Nicht allzu spät krochen wir in unsere Zelte und versuchten die bis in die Nacht andauernden Unterhaltungen und das permanente Geplapper in Zimmerlautstärke zu ignorieren. Zumindest Uwe ignorierte, und Ruth vermittelte irgendwann schreiend, dass es doch jetzt langsam mal gut wäre … 😈
Kilometer: 93
Teil 4016. Feb. 2019
Tag 21 – 3. August 2018 – Rund um den Itezhi-Tezhi-See
Hippo-Bay – Kasabushi-Camp, Süd-Kafue
Im Gegensatz zu unseren italienischen Nachbarn standen wir schon zeitig auf und fotografierten das erste Morgenlicht über dem See.
Wir fuhren ein ganzes Stück östlich am Seeufer entlang, also den Weg, den wir gestern gekommen waren. Einige Hippos dümpelten träge im Wasser vor sich hin, und die Vögel wärmten ihr Gefieder in den ersten Sonnenstrahlen.
Rotbauchschwalbe
Senegalkiebitz
An vielen Stellen hatten wir einen guten Blick auf den See. In Ufernähe gab es kleine Inselchen mit einzelnen Bäumen – Matthias würde sie, wie wir gelernt haben, Dürrständer nennen (aber kann man von Dürre reden, wenn sich das Gestrüpp mitten im Wasser befindet? 😐). Es ragten also ein paar Baumgerippe aus dem Wasser, auf denen häufig Wasservögel wie Schreiseeadler, Nimmersatt-Störche und verschiedene Reiher saßen.
Graureiher
Mangrovenreiher
Ganz kurz sahen wir ein paar Büffel, die aber schnell im Gebüsch verschwanden. Fischer holten von einem kleinen Boot aus ihr Netz ein, und wir schauten ihnen eine Weile dabei zu. Wieder entdeckten wir einen Trompeterhornvogel. Die scheint es hier häufiger zu geben.
Nach ein paar Kilometern drehten wir um und fuhren zurück. Karin und Peter wollten an der Campsite frühstücken und fuhren vor. Wir trödelten bei diversen Vögeln herum und kamen etwas später nach.
Senegal Coucal
Nach einem flotten Müsli ging es weiter um den See herum.
Wir kamen jedoch nicht allzu weit, denn an einer Stelle, bei der zu beiden Seiten der Straße Wasser stand, waren besonders viele Vögel zu beobachten. Graueisvögel saßen vor ihrer Bruthöhle, und ein paar Nimersatt-Störche fischten ganz in unserer Nähe. Leider schienen nicht sehr viele Fische unterwegs zu sein, denn ihre Versuche blieben erfolglos
Weidelandpieper? (! Danke an Maddy)
Einer hat sich dazugemogelt:
Was für ein Wasserläufer ist das wohl? – Bruchwasserläufer (Danke an Maddy!)
Auf einmal landeten vor uns auf der Fahrspur zwei Vögel. Wir wollten unseren Augen nicht trauen, als wir erkannten, dass es sich um zwei Brachschwalben handelte. Bisher hatten wir sie nur weit entfernt gesehen, und nun kamen sie uns quasi besuchen. Wir freuten uns sehr darüber und fuhren nach und nach, ein Beweisfoto nach dem anderen machend, vorsichtig näher, bis wir schließlich anhielten, um sie nicht zu verscheuchen.
So vorsichtig hätten wir wohl gar nicht zu sein brauchen, denn die beiden waren ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Man verbeugte sich nach allen Seiten, tänzelte umeinander und breitete die Flügel aus.
Ab und zu flog einer der beiden Vögel auf, um kurz darauf mit einem kleinen Geschenk für den Partner zurückzukehren. Dann wurde ein Mückchen oder ein anderes Flatterinsekt überreicht, und das Kopf-Nicken und Verbeugen begann von Neuem. Wir waren völlig gebannt und konnten uns nicht losreißen.
Fast anderthalb Stunden standen wir bei dem balzenden Pärchen und beobachteten seine Bemühungen. Wir waren froh, dass hier keine anderen Autos unterwegs waren, denn wir standen quer auf der Pad und versperrten den Weg. Das Spektakel vor uns hätten wir nur sehr ungerne unterbrochen, denn wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, bei der Brachschwalbenproduktion live dabei zu sein?
von Karin:
So standen wir ewig am gleichen Fleck, auch dann noch, als die beiden Hauptgefiederten den Schauplatz schon längst verlassen hatten. Neben uns im Wasser lag ein Hippo, das immer mal wieder misstrauisch zu uns hoch schaute. Ein kleiner Malachit-Eisvogel landete auf einem Halm.
Irgendein Gesummse, aber hübsch anzusehen.
Erstaunlich, dass Karin und Peter so viel Geduld mit uns hatten und sehr brav nicht einmal drängelten weiterzufahren. Danke!
Teil 4116. Feb. 2019
Schließlich machten wir uns doch auf, denn wir konnten ja schlecht auf dem Damm übernachten. Ein Stückchen weiter schauten kleine Krokodile aus dem Wasser, und gar nicht mehr so kleine lagen beim Sonnenbad am Ufer.
Ein großes Hippo mit Madenhackern auf dem Rücken stand nur wenige Meter neben der Straße, lief aber ins Wasser, als wir vorsichtig näher fuhren.
Hammerkopf
Da wir noch die gesamte Tagesetappe vor uns hatten und es bereits nach 12 Uhr war, beeilten wir uns etwas. Wir beschlossen, nicht mehr für jedes Vögelchen zu halten. Nun gut, einmal noch:
Strichelracke
Die Strecke war sehr gut zu fahren und führte hauptsächlich durch Wald.
Immer wieder waren kleine Senken in die Fahrspur eingebaut, damit in der Regenzeit das Wasser abfließen kann. Zum Glück stand meistens ein Warnschild davor, so dass wir rechtzeitig abbremsen konnten. Bei einem plötzlich auftauchenden tiefen Loch bremste Peter zu spät, und die beiden wurden aus ihren Sitzen nach oben gegen das Dach geschleudert. Zum Glück passierte ihnen nichts Ernsthaftes. Wir wurden netterweise über Funk vorgewarnt und konnten das Auto und uns vorsichtig über die kritische Stelle heben.
Ein Stück ging es durch sehr hohes Gras. Es waren wieder viele Tsetses unterwegs, und wir mussten uns von einigen trennen, die es ins Wageninnere geschafft hatten. Außer ihnen hatten wir noch einen weiteren stillen Begleiter, der bereits irgendwo auf seiner bisherigen Reise ein Bein eingebüßt hatte und so bei uns die praktische Mitfahrgelegenheit nutzte.
Am späten Nachmittag erreichten wir das Kasabushi-Camp und taten, wie es von uns verlangt wurde.
Libby, die Besitzerin, begrüßte uns und wies uns einen Stellplatz am Fluss zu. Die Aussicht war prima, die Toiletten sauber und die Duschen ausgesprochen schön. Alles war hell und sehr großzügig angelegt. Es gab mehr Ablageflächen und Haken an den Wänden, als wir mit Krempel belegen konnten, und drehte man den Hahn auf, ergoss sich das Wasser wie ein kleiner Wasserfall ringförmig aus der Decke.
Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Also duschten wir zuerst und schauten uns danach den Rest der Lodge an.
Schneeballwürger
Auch die Lapa ist wunderschön gebaut und bietet einen tollen Ausblick über eine kleine Flussschleife.
Zurück an unseren Autos machten wir ein großes Feuer.
Der Plan war, zum Abendessen Pizza zu backen. Dafür brauchten wir ordentlich Glut. Es wurde fleißig geschnibbelt und Teig geknetet. Peter und Karin hatten Auberginen gekauft, und Peter briet sie an. Währenddessen spielte Ruth ein wenig mit der Taschenlampe.
Auch Karin versuchte sich bald in der Lichtmalerei. Die einbeinige Giraffe war für den allerersten Versuch schon gar nicht schlecht, insbesondere auch, weil der Timer der Kamera nicht unbedingt zu ihren Gunsten arbeitete.
Und hier war das zufriedene Krokodil schuld, das bereits Kopf und Schwanz gefressen hatte. Da kann man ja nun auch nichts machen!
Das Meisterstück der beiden Damen war schließlich das Werk: „Hornrabe mit Mopanewurm“
Nach getaner Arbeit hatten sie sich die Pizza nun wirklich verdient, und die schmeckte ganz hervorragend.
Bis wir die Pizzen gebacken und gegessen, gespült und aufgeräumt hatten, war es schon elf Uhr. Zwischendurch beratschlagten wir immer wieder, wie wir die kommenden Tage gestalten wollen.
Im Grunde hatten wir bereits entschieden, nicht wie ursprünglich geplant, von Mongu aus in die Liuwa Plains zu fahren. Die gewonnenen zwei Tage können wir nun irgendwo einbauen. Nur wo? Eine Möglichkeit wäre, hier in Kasabushi eine weitere Nacht zu bleiben. Am Ende entschieden wir uns jedoch dagegen und hoffen, dass sich noch eine bessere Gelegenheit ergeben wird.
Wir standen um halb sieben Uhr auf. Am frühen Morgen hatten wir Löwengebrüll gehört. Sonst waren noch einige Hippos lautstark aktiv. Uwe kochte Kaffee und Tee und aß Müsli. Über dem Kafue hing etwas Nebel, durch den sich die Sonne langsam hindurchkämpfte.
Unser Plan war, gegen acht Uhr abzufahren. Nachdem wir gespült, die Morgentoilette erledigt, das Zelt eingeklappt und auch sonst alles verstaut hatten, liefen wir zur Lodge, um dort zu bezahlen. Libby war aber nicht zu finden. Erst zurück an der Campsite sahen wir sie mit ihrem Mann Andy. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihnen. Sie haben viele Gäste aus Deutschland und Holland. Bislang gibt es zwei Chalets. Sie möchten aber noch weitere bauen. Während wir quatschten und die Übernachtung von 200 Kwacha pro Person bezahlten, spülte ein aufmerksamer Caretaker Peters Frühstücks-Geschirr, das er an der Spüle hatte stehen lassen. Ruth schaute noch ein wenig nach Vögeln und erwischte ein Goldbrust-Glanzköpfchen an der Blüte eines Leberwurstbaumes (mit Besucher).
Schließlich war es bereits neun Uhr, als wir uns auf den Weg machten. Die Spinal-Road war wie auch am Vortag in einem sehr guten Zustand und ließ sich einfach fahren. Wir sahen noch ein paar Letschwes und Wasserböcke, die auf dem größtenteils abgebrannten Waldboden sehr gut getarnt waren. Auch einige Warzenschweine liefen über die Ebenen.
Am Abzweig zur Hauptstraße hielten wir am Gate des Kafue-Nationalparks und bezahlten die Parkgebühr für den südlichen Teil. Da wir mit Hippo Bay und Kasabushi zwei Nächte im Park verbracht hatten, bezahlten wir die gleichen Gebühren wie für die beiden Tage bei McBride’s: 130 US-Dollar je Paar. Bis das Formular und die Quittung ausgefüllt waren, verging eine Viertelstunde. Während Peter und Uwe im Häuschen den Papierkram erledigten, reinigten Karin und Ruth die Scheiben an den Autos.
Auf einer zunächst guten Teerstraße fuhren wir Richtung Kaoma. Bald jedoch begann die Straße sich aufzulösen. Immer größere Schlaglöcher taten sich auf, bis die Fahrbahn nur noch aus einer Aneinanderreihung von Teerlücken bestand. Wir fuhren Schlangenlinien bzw. neben der Fahrbahn.
Wieder sammelten wir (wie Frederick) Farben, Bilder und Eindrücke für die grauen Tage daheim. Und tatsächlich erinnern wir uns mit Hilfe der Fotos an so manch kleine Situation, an der man im Urlaub so schnell vorbeigefahren ist.
Besonders das Betrachten der Bilder von Menschen entschleunigt doch sehr in unserem hektischen Alltag, in welchem man zeitweise kaum ein Stündchen findet, um zum Beispiel diesen Bericht fortzusetzen.
Oft diskutieren wir ein wenig neidisch über den Spruch „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit“, obwohl uns natürlich klar ist, dass man das nicht schwarz-weiß sehen kann. Jemand, der kilometerweit sein Brennholz, Lebensmittel oder Wasser auf dem Kopf oder Fahrrad transportiert, ist vielleicht nicht ganz so glücklich über die Entschleunigung in seinem Leben. Er hat nur vielleicht gerade keine Alternative. Trotzdem haben wir bisher nie die Erfahrung gemacht, dass sich Einheimische über ihre Lebenssituation beschweren und herumjammern, wie man es bei uns wegen vieler Kleinigkeiten manchmal mitbekommt.
An der einen oder anderen Stelle bemühte man sich, unsere Fahrt komfortabler zu gestalten. Die größten Löcher im Straßenbelag wurden notdürftig mit Steinen und Sand aufgefüllt.
An der Kreuzung von Kaoma stand eine Gruppe von Nonnen, die für irgendetwas sammelten. Sie hatten Musik dabei und tanzten auf der Straße. Wir beteiligten uns mit einer kleinen Spende. Als wir angefahren kamen, machten sie uns Platz und sangen und schunkelten uns über die Kreuzung. Sie verbreiteten äußerst gute Laune.
Teil 4323. Feb. 2019
Wir tankten an der Hauptstraße und fuhren dann um die Ecke zu einem kleinen Laden. Andy von Kasabushi hatte uns einen Bäcker empfohlen. Leider gab es nur ein Restaurant und einen kleinen Laden, der zwar Brot und Brötchen hatte, aber nichts sonderlich Frisches. So kauften wir nur eine Cola und wollten weiterfahren. Beim rückwärts Ausparken passierte es: Uwe fuhr – Peng! – mit dem Landcruiser gegen ein Hindernis. Im Rückspiegel war nichts zu sehen. Im toten Winkel stand ein anderes, zwischenzeitlich geparktes Fahrzeug. Ach du Schreck!
von Karin:
Wir stiegen aus und schauten uns die Bescherung an. Zum Glück war nichts Schlimmes passiert. Mit unserer Anhängerkupplung hatte Uwe eine kleine Delle in die Stoßstange des sambischen Fahrzeugs gefahren. Für dieses war es ungefähr Delle Nummer 793. Trotzdem kam uns sofort die Geschichte von Antje (Rehema) in den Sinn, deren Familie an einer Tankstelle in Maun etwas ähnlich Harmloses passiert war und die riesige Scherereien und endlose Diskussionen hatte, bis sie sich schließlich zähneknirschend mit einem überhöhten Geldbetrag freikaufte. Der Fahrer des Wagens kam sofort angelaufen, und Uwe entschuldigte sich für das Missgeschick. Der Mann meinte, die kleine Delle sei kein Problem. Uwes Angebot, ihm etwas Geld für den Schaden zu geben, lehnte er ab. Er war wirklich sehr entspannt, gab uns die Hand und ließ uns fahren, ohne etwas von uns anzunehmen, geschweige denn zu verlangen. Da waren wir zum Glück noch einmal mit einem Schrecken davon gekommen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es sich nicht um ein Auto, sondern um einen Radfahrer gehandelt hätte, der plötzlich hinter uns gestanden hätte!
von Karin:
Die Straße auf dem verbleibenden Abschnitt bis kurz vor Mongu war deutlich besser. Nur noch wenige Schlaglöcher mussten umfahren werden.
Am Straßenrand tobte wie immer das Leben: An vielen Stellen wurden die großen Kohlesäcke, Lebensmittel oder Süßigkeiten verkauft. Viele Radfahrer waren unterwegs.
Wo immer ein kleiner Fluss die Fahrbahn unterlief, fand sich eine Siedlung. Um die Mittagszeit suchten viele Menschen im Schatten Schutz vor der Sonne.
Kurz vor Mongu schickte uns das GPS auf eine Gravelroad nach Norden. Unser Ziel war das Ikithe Luxury Resort. Leider überschätzte das Navi den Zustand der Piste erheblich. Und leider ging es uns ähnlich wie vor drei Jahren bei unserer Suche nach einem Campingplatz in Mongu: Anstatt über die Teerstraße via Mongu einen kleinen Umweg zu nehmen, kurvten wir plötzlich wieder im Nirgendwo herum. Hatten wir das nicht erst vor ein paar Tagen im Kafue? GPS an, Gehirn aus. Wir schlängelten uns von Dorf zu Dorf und von dort zur nächsten Hüttenansammlung.
von Karin:
Die Spur wurde schmaler und staubiger, und schließlich waren wir mal wieder sicher, dass hier schon seit Ewigkeiten kein Auto mehr gefahren war. Die ungefähre Richtung stimmte, aber dieser in Lehm gestanzte Trampelpfad konnte unmöglich noch ein offizieller Weg sein. Leise machten sich erste Zweifel breit. Auch Karin und Peter, die vor uns fuhren, waren unsicher, meldeten aber tapfer, dass der Weg auch bei ihnen eingezeichnet sei. Kunststück, wenn man dasselbe Kartenmaterial verwendet! Vielleicht doch umdrehen? Ach was, das wird schon wieder, das ärgste Stück sei bestimmt schon geschafft. Uwe beruhigte, dass man zur Not ja auch in irgendeinem Dorf um Erlaubnis fragen und die Nacht in der Nähe verbringen könne. Als wir bei ein paar Hütten um eine Kurve bogen, lag am Wegrand ein Mann im Gras. In der Nähe standen drei Frauen. Ruth witzelte über das Funkgerät: „Guckt mal, der hat auch schon keine Lust mehr. Der liegt da wie tot.“ Peters Antwort folgte prompt: „Du hast Recht, der ist wirklich tot.“ – Wie bitte!? Ruth machte große Augen. Nach Scherzen stand ihr plötzlich gar nicht mehr der Sinn. Ein leichtes Gruseln überkam uns, und die Idee, zur Not nach einem Übernachtungsplatz zu fragen, wurde ganz schnell wieder verworfen. Schließlich trifft man nicht alle Nase lang auf einen Toten am Straßenrand. Nach weiteren 50 Metern war der Entschluss gefasst, dass uns die Pad nicht noch die verbleibenden 12 Kilometer begleiten würde. Wir zogen die Reißleine, kehrten um und kamen somit nochmals an dem liegenden Mann vorbei. Jetzt erkannten wir alle, dass er tot war. Er trug einen Anzug und lag etwas unnatürlich mit verdrehten Gliedmaßen auf dem Rücken. Das war uns unheimlich. Was machte dieser Tote da am Wegesrand? Peter tippte auf Herzinfarkt. Wir fuhren lieber schnell weiter. Über eine weitere Nebenstrecke, auf der wir kilometerlang hinter einem kriechenden, staubenden LKW herfahren mussten, kamen wir nach Limulunga.
Dort endete die Teerstraße mit einer hohen Kante. Nun ging es durch Tiefsand noch einige Kilometer weiter.
Unsere Spannung stieg immer weiter. Was würde uns am Ende der Pad erwarten? Schließlich gelangten wir an das Ikithe Resort.
An der Rezeption begrüßte man uns freundlich und zeigte uns die Campingplätze. Als einzige Gäste hatten wir die große Auswahl. Am Ende gelangten wir zu Fuß an einen weißen Sandstrand. Das Resort liegt unmittelbar am Lake Makakaela. Wir stellten unsere Autos auf die Stellplätze, was im Tiefsand gar nicht so einfach war. Beim allabendlichen Wie-stellen-wir-das-Auto-damit-wir-nicht-mit-dem-Kopf-nach-unten-schlafen-Gezirkele bekamen wir uns etwas in die Haare. Ruth war der Auffassung, dass Uwe das Auto genau andersherum hinstellte, als es zuvor besprochen worden war. Komisch nur, dass er sich dann wundern musste, dass wir ja völlig schief standen. Uwe hingegen fand Ruths ganz einfache Anweisungen nicht ganz so eindeutig und war sich sicher, dass er das Auto exakt so wie geplant abgestellt hatte. Das konnte doch nur daran liegen, dass er mal wieder nicht richtig zugehört hatte. Wie auch schon am Abend davor und davor und irgendwann anders bestimmt auch (eigentlich immer!) … Warum fragte er überhaupt vorher, wenn er letztendlich doch alle gut gemeinten Ratschläge ignorierte und völlig alleine entschied. Ruth war plötzlich nicht mehr bereit, sich an der Wahl des Stellplatzes zu beteiligen und rauschte schmollend mit der Kamera ins Gestrüpp davon. Sollte Uwe, der schließlich eh alles besser wusste, das Auto doch alleine positionieren.
Priritschnäpper
Nachdem Ruth sich wieder eingekriegt hatte, spazierten wir noch ein wenig am Strand und im Camp umher.
Es dauerte nicht mehr lange, bis die Sonne unterging.
Wir duschten und machten Abendessen. Es gab die aufgewärmten Nudeln von vorgestern und dazu einen Rote-Beete-Salat. Als wir den Abwasch erledigen wollten, entdeckten wir im tiefen Spülbecken eine Agame. Sie war wohl abgerutscht und hineingefallen und konnte an den glatten Wänden nicht mehr alleine hinausklettern.
Ruth schnappte sich den Feuerhandschuh, um sie zu retten, aber immer wenn wir uns näherten, wurde die Agame hektisch und versuchte verzweifelt und wild zappelnd zu fliehen. Ruth traute sich aber nicht, sie zu packen. Peter war da weniger zimperlich. Mit einem beherzten Griff schnappte er das Tier und setzte es auf den Boden. Nach der langen Fahrt waren wir wieder mal ziemlich erschöpft, und nachdem Ruth und Karin sich per Satphone zu Hause gemeldet hatten, gingen wir sehr bald ins Zelt.
Nun ja, fast. Die kleinen Wellen, die unaufhörlich an den Strand schlugen und der weiße Sand ließen dieses Gefühl ein wenig aufkommen, als wir unseren Tisch und die Stühle ans Ufer des Sees schleppten. Der Sand war übrigens nur oberflächlich weiß. Unter dieser dünnen Schicht befand sich ziemlich dunkler, fast schwarzer Staub, der sich in alle Poren der Füße setzte. Seit dem Duschen gestern Abend liefen wir nicht mehr mit offenen Schuhen.
von Karin:
Der Morgen war warm, und so frühstückten wir gemütlich. Nach Brot und Müsli spülten wir und packten zusammen.
Weißbauch-Nektarvogel
Amethystglanzstar
Alle Fotoapparate und Taschen räumten wir in den Laderaum des Bushcampers, damit vorne nichts mehr sichtbar herumlag, denn wir hatten heute Großes vor. Ruth freute sich schon den ganzen Urlaub auf die vor uns liegende Strecke, denn in Mongu waren wir vor drei Jahren an einem Markt vorübergefahren, den sie zu gerne besucht hätte. Uwe wollte das Auto mit sämtlichem Krempel damals aber nicht unbeaufsichtigt irgendwo herumstehen und Ruth auch nicht mutterseelenallein über den Markt laufen lassen. So waren wir damals einfach weitergefahren, und Ruth hatte der verpassten Gelegenheit ewig hinterher getrauert. Mit Unterstützung von Karin war Uwe diesmal weichgekocht worden. Dem Marktbesuch stand nichts mehr im Wege. Außerdem hatten wir ja einen Plan. Vor der Abfahrt schauten wir uns noch kurz den Rest der Lodge an. Das Haupthaus war großzügig angelegt und schick eingerichtet. Dann fuhren wir endlich nach Mongu. Da wir die Strecke nun kannten und auch keine vermeintliche Abkürzung nahmen, kamen wir zügig in die Stadt. Zunächst ging es die sandige Piste zurück, dann fuhren wir ab Limulunga weiter auf der Teerstraße.
Je näher wir kamen, desto mehr Betrieb gab es auf und neben der Straße.
Sogar Türen, Sofas und Betten hätten wir erstehen können.
Auch hier fielen uns wieder die allgegenwärtigen Billardtische auf, die vor den kleinen Pubs und Shops im Freien standen.
Teil 4527. Feb. 2019
Ruth zappelte wie ein kleines Kind an Weihnachten die ganze Zeit aufgeregt auf ihrem Sitz herum. Auf Anhieb fanden wir den Markt, der uns seit drei Jahren nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Diesmal parkten wir die Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit den Rückwänden des Canopys so nah gegeneinander, dass sich die beiden hinteren Türen beim besten Willen nicht mehr öffnen ließen. Unsere Wertsachen waren also sicher verstaut. Dann konnte es losgehen. Ruth war eh nicht länger zu halten. Wir stürzten uns ins Gewühl. Die Waren, Geräusche, Gerüche – die gesamte Atmosphäre lässt sich nur schwer beschreiben. Der Großteil des Platzes bestand aus schwarzem Tiefsand. Obwohl er fast vollständig mit kleinen Ständen belegt war, fuhren auf zwei Spuren regelmäßig PKWs hindurch. Da sie im Sand schlecht anhalten konnten, ohne sich evtl. festzufahren, kamen sie in zügiger Fahrt und notfalls hupend dicht an den Leuten vorbeigerauscht. Dann musste man wie herumlaufende Ziegen oder Hühner zügig zur Seite springen und Platz machen.
Gleich zu Beginn kamen wir an einem Stand mit Bohnen, Nüssen und frittierten Mopaneraupen vorbei. Die standen ja schon lange auf Ruths To-Do-Liste, bisher hatte sie sich aber noch nie dazu durchringen können. Verkauft wurden die Raupen eigentlich tassenweise, aber Ruth machte der Verkäuferin klar, dass sie nur eine einzige probieren wolle.
von Karin:
Also nicht so genau hingeschaut, wo bei dem undefinierbaren, grauen Schrumpelding vorne und hinten, wo Kopf, Haare und Füße sind, um sich nicht doch noch im letzten Moment anders zu entscheiden. Unter dem interessierten Blick der Verkäuferin biss Ruth die Hälfte ab, kaute auf dem mehligen, krümeligen Zeug herum und schluckte tapfer.
Auch der zweite Teil der Raupe wanderte in Ruths Mund, wurde dann aber als unlecker befunden. Wie ein Löffel Sand knirschte das frittierte, trockene Gebröckel zwischen den Zähnen, und Ruth fand auch Minuten später noch Krümelchen, obwohl sie eigentlich alles möglichst unauffällig in einem Taschentuch entsorgt hatte. Sie war sich relativ sicher, dass die Raupen auf diese Weise höchstens von ahnungslosen, dummen Touristen, nicht aber von Einheimischen gegessen werden. Ok, Raupe probiert. Ergebnis: Muss man jetzt auch nicht unbedingt. Haken dran.
Vorbei ging es an kleinen Lädchen, an Verkaufsständen und in der Mitte des Platzes an einem großen Haufen mit Unrat und Abfall, aus dem es an mehreren Stellen qualmte. Kinder suchten in den Resten nach Brauchbarem. In Käfigen saßen lebende Hühner und warteten auf einen Käufer – oder auch nicht.
Zu kaufen gab es Tomaten für 1, 2 und 3 Kwacha (je nach Größe und Qualität), Salate, Gewürze, diverse Früchte und Gemüseknollen, die wir nicht benennen konnten. Klamotten gab es entweder auf Kleiderbügeln oder in großen Wühlhaufen. Schuhe lagen ebenfalls auf Bergen, wobei uns nicht klar war, wie man in diesem Chaos ein passendes Paar herausfinden sollte. Man konnte Plastikbecher in allen Farben, Bottiche, Eimer und Tüten erwerben. Bunte, afrikanische Stoffe hingen gefaltet nebeneinander. Karin und Ruth schauten sich ein paar an, und sofort waren wir umringt von Verkäufern und sonstigen interessierten Leuten. Im Grunde waren wir natürlich schon aufgefallen, sobald wir den Platz betreten hatten, da wir weit und breit die einzigen Weißen waren. Selten hatten wir das Gefühl, so zu leuchten. Nachdem die ersten Stoffe erstanden waren, wurden Handyfotos mit uns gemacht, und wir wurden immer wieder mit „Hello, my friend“ angesprochen. Gleiches Recht für alle: Es wurde hin und her fotografiert. Jemand bot uns an, seinen gekochten Reis zu probieren, den er auf einem kleinen Teller bereithielt.
von Karin:
von Karin:
Irgendwann rissen wir uns los und schlenderten weiter. Es war unglaublich spannend und mit nichts zu vergleichen, was wir zuvor erlebt hatten. Aus einem blechernen Lautsprecher erschallte im Zehn-Sekunden-Takt die immer gleiche Aufforderung, für soundsoviel Kwacha irgendetwas zu kaufen. In einer angrenzenden Ladenzeile wurden in einem Barber-Shop Haarschnitte verkauft oder künstliche Haare eingeflochten. Es war bunt, es war laut.
Wir erstanden ein paar Tomaten, außerdem wollte Ruth gerne ein quietschbuntes afrikanisches Oberteil mit wildem Muster kaufen, das sie bisher nirgendwo entdecken konnte. Also fragte sie eine Gemüseverkäuferin, die ein solches Oberteil trug. Die erklärte sich spontan bereit, uns einen entsprechenden Laden zu zeigen und marschierte auch prompt los.
Sie führte uns in den hinteren Teil des Marktes, der aus überdachten Buden bestand und den wir zuvor noch gar nicht bemerkt hatten. Enge, dunkle Gassen führten durch dieses Labyrinth von weiteren Läden und Ständen.
Hier war es dunkel und die Gerüche noch viel intensiver. Wir mussten uns sputen, um mit der Dame Schritt zu halten. Karin und Peter hatten wir bereits nach den ersten beiden Abzweigungen im Gewirr der Gänge verloren.
Nie im Leben hatten wir geahnt, wie weit sich der Markt in diesem Teil noch verzweigte. Doch unsere Führerin kannte sich aus. Unbeirrt schritt sie immer weiter, und wir hatten schon bald völlig die Orientierung verloren. Der erste Laden, den sie uns zeigen wollte, hatte geschlossen. Aber bald fand sie einen anderen Stand, der zwei der gesuchten Oberteile hatte. Ruth entschied sich für ein lila Gewand, das ihr prima passte und immerhin auch ein klein bisschen gefiel, das heißt, nicht ganz so in den Augen brannte wie die Alternative in Orange, Gelb, Grün und Schwarz.
Zurück ging es durch das Gewirr an Gängen, und Ruth war heilfroh, dass sie nur hinterherlaufen musste. Hier hätte man sie ganz prima aussetzen und loswerden können. Ein Maislabyrinth ist ein Kinderspiel dagegen. An einer Stelle wurden getrocknete Fische verkauft, an einer anderen noch ganz frische. In großen Kübeln oder einfach auf kleinen Häufchen lagen sie auf einfachen Tischen und wurden von unzähligen Fliegen umschwirrt. Der Geruch war unvorstellbar.
In rostigen Fritteusen brieten Cassava-Stückchen, von dem man auch sehr feines, weißes Mehl kaufen konnte. Werkzeuge, Nägel und Schrauben wurden angeboten. Uwe suchte nach einer kleinen Schraube mit Mutter, um unsere große Grillzange zu reparieren, wurde aber nicht fündig. Als wir aus den Katakomben wieder zurück ans Tageslicht traten, waren wir zum einen froh, wieder frische Luft zu atmen, zum anderen aber auch ein wenig traurig, dass dieses Abenteuer schon vorbei sein sollte.
Am Stand der Gemüseverkäuferin wurde Ruth mit ihrem neuen Oberteil, das sie natürlich angezogen hatte, gefeiert und bejubelt. Wir machten noch ein Foto von unserer sehr netten Fremdenführerin. Eine bessere hätten wir wirklich nicht haben können. Dann eilten wir zu unserem Auto, um ihr als Dankeschön das Foto auszudrucken. Während Ruth noch ein paar Zeilen auf die Rückseite schrieb, entdeckten wir auch Karin und Peter wieder. Sie hatten nichts dagegen, sich noch einmal mit uns ins Getümmel zu stürzen. Zuerst suchten wir die Stände der Gemüseverkäuferinnen und fanden unsere Freundin zum Glück wieder.
von Karin:
Teil 4627. Feb. 2019
Mit Karin und Peter liefen wir nochmal durch die überdachten Gassen im hinteren Teil des Marktes. Zum Glück hatte Uwe einen deutlich besseren Orientierungssinn und fand die interessanten Ecken, an denen wir zuvor auf der Suche nach dem Oberteil vorbeigeeilt waren, tatsächlich wieder. So schauten wir noch bei einer Schneiderin vorbei, die vor ihrem Laden an einer Nähmaschine saß und uns anbot, jedes beliebige Modell in jeder erdenklichen knatschgrellen Farb-Kombi passend anzufertigen.
Karin kaufte sich ebenfalls ein buntes Oberteil, und Peter blinzelte erschrocken.
Das quietschrote Hemd, das sie Uwe andrehen wollten, war aber zu viel des Guten. Er weigerte sich standhaft, wollte er doch seinen Job behalten und nicht übermorgen bei der Stadtreinigung anheuern. (Hätte er doch mal! Wir haben ja schließlich Karneval …) Wir schlenderten noch ein wenig herum, guckten hierhin und dorthinein und wurden nicht ein einziges Mal unangenehm angesprochen. Schließlich steuerten wir wieder den Ausgang an, völlig berauscht von den vielen Gerüchen, Geräuschen, Farben und Eindrücken.
Auffällig waren die vielen alten Landrover.
Dieser hatte wohl noch die Original-Bereifung. Dafür fehlten am Rad ein paar Muttern.
Nach dieser intensiven Erfahrung auf dem Markt kehrten wir zurück zu den Autos und fuhren zum nahegelegenen Shoprite. Was für ein Gegensatz! Wir holten Geld und kauften ein paar Kleinigkeiten ein.
Dann setzten wir uns nebenan zum Hungry Lion und aßen Pommes. Die schmeckten deutlich besser als Mopaneraupen.
So gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Süden. Die Liuwa-Plains strichen wir nun endgültig aus dem Reiseplan und fuhren zu den Ngonye Falls. Die Straße war in tadellosem Zustand und ermöglichte ein gutes Vorankommen.
Als wir einen Lastwagen überholten, wunderten wir uns noch, warum die rechte Heckklappe offen stand. Für einen kurzen Augenblick befürchteten wir, dass sie genau dann nach hinten zuschlagen könnte, wenn wir neben dem Laster wären. Nur nicht paranoid werden! Die ist vermutlich arretiert und hält schon seit zig Kilometern bombenfest. Warum sollte sie also ausgerechnet jetzt zuschlagen? Wir überholten und sahen im Rückspiegel, dass die riesige Hecktür nach außen klappte und zuschlug, kurz bevor Karin und Peter neben dem Lastwagen waren. Das war knapp! 🤩 Kurz vor unserem Ziel überquerten wir den Sambesi auf der neuen Brücke. Vor drei Jahren hatten wir noch mit der Fähre übergesetzt.
Bei der relativ neuen Campsite Whispering Sands checkten wir ein.
Der Besitzer zeigte uns die Stellplätze oberhalb des Flusses. Mit Sicht auf einen weißen Strand und einen Seitenarm des Sambesi suchten wir uns einen schönen Platz aus. Außerdem meldeten wir uns für das Abendessen im Restaurant an. Zu Fuß liefen wir hinunter zum Wasser und streckten die Füße hinein. Angeblich gebe es auch Krokodile, weshalb man nicht schwimmen sollte. Wir konnten uns das in diesem kleinen See kaum vorstellen. Eine Mutter mit fünf Kindern wusch ihre Wäsche. Die Kinder saßen im Sand, halfen ihr oder spielten im Wasser. Wir sahen ihnen eine Weile bei der Arbeit und beim Spiel zu, und sie betrachteten uns ebenso neugierig.
Nach einer warmen Freiluftdusche gingen wir zum Abendessen. Es gab Büffet mit Salaten, Nudelauflauf, Bolognese, Beefstew, Kartoffeln, Reis und Nachtisch. Alles war wirklich sehr lecker, und wir genossen es, uns wieder einmal nicht selbst um das Essen kümmern zu müssen. Anschließend saßen wir noch einige Zeit im Restaurant und nutzten das WLAN. Uwe schaute sich bereits ein paar Fotos an.
Kilometer: 218
Teil 4704. März 2019
Tag 24 – 6. August 2018 – Ngonye Falls
Whispering Sands, Sioma
Der Morgen war frisch, aber nicht kalt. Wir standen früh auf, um bei schönem Morgenlicht an den Wasserfällen zu sein. Zum Kaffee und Tee tunkten wir ein paar Rusk.
Obwohl wir heute die Campsite nicht wechseln mussten, fuhren wir bereits um viertel nach sieben los. Bis zum Ngonye Falls National Park waren es nur eine Handvoll Kilometer. Das Tor konnten wir selbst öffnen, aber am Büro war noch niemand. Wir warteten und schauten uns ein wenig nach Vögeln um. Ein paar waren bereits unterwegs, wollten sich aber nicht so recht fotografieren lassen. Stattdessen krabbelten wir durch die Botanik und lichteten ein paar hübsche Halme ab, die wenigstens nicht wegflogen.
Nach fast einer Stunde wurde uns die Warterei auf einen Führer zu lange, und wir liefen auf eigene Faust los. In der Nachbarschaft fanden wir ein paar Kinder, die wir nach dem richtigen Weg fragten. Sie zeigten uns nicht nur die Richtung, sondern kamen spontan mit. Wie vor drei Jahren wanderten wir die Aussichtspunkte auf die verschiedenen Wasserfälle ab. Im Sand sahen wir eine noch recht frische Leopardenfährte. So gerne wir natürlich einen Leo gesichtet hätten, so unpassend war es nun. Man muss ihm ja nicht gerade in die Augen blicken, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Wir kletterten über dunkles, ausgewaschenes, teils scharfkantiges Gestein und querten kleinere Sandfelder. Auch hier quietschte der Sand beim Hinüberlaufen.
Da wir erst so spät losgelaufen waren, stand die Sonne nun schon sehr hoch, und das Licht war nicht mehr das Beste zum Fotografieren. Dennoch waren die Fälle wieder beeindruckend. Wir liefen die komplette linke Seite ab, immer hinter den Kindern her, die in Flip-Flops und Badelatschen so sicher wie die Bergziegen vor uns hersprangen und konnten das tosende Wasser bestaunen.
Zwischendurch erschien dann doch ein Guide und entschuldigte sich, dass er nicht eher bei uns gewesen sei. Er erzählte etwas von einem Leoparden, der ein paar Impalas gejagt habe und ratterte dann einen Kurzvortrag über die Wasserfälle herunter, dem wir bei diesem enormen Tempo selbst auf Deutsch kaum hätten folgen können. Als er merkte, dass wir mit der Begleitung der Kinder sehr zufrieden waren und ihm seine Verspätung nicht übel nahmen, verabschiedete er sich schnell wieder von uns, weil er noch von einer anderen Gruppe gebraucht wurde. Wir liefen daraufhin mit unseren kleinen Führern weiter. Sie hatten Spaß daran, einen Blick durch unser Fernglas zu werfen.
Später schauten wir ihnen beim Weitwurf mit Steinen zu, die sie zwischen den Felsen gesammelt hatten. Es war wirklich beeindruckend, wie weit die kleinen Jungen werfen konnten.
Um allen eine Freude zu machen, spielte Uwe mit. Hier muss man vielleicht erwähnen, dass er mit Links genauso weit werfen kann wie mit Rechts. Und dies leider nicht im positiven Sinne. Sein Trauma aus der Jugendzeit längst überwunden (denn sein persönlicher Rekord mit einem kleinen Ball liegt bei 21 Metern) beteiligte er sich zur großen Belustigung der Kinder an ihrer Challenge, warf ein paar Steine und schaffte es mit Mühe gerade eben bis zum Wasser.
von Karin:
Die Temperatur stieg schnell, und wir fingen an zu schwitzen. Nachdem wir lange bei den verschiedenen Aussichtspunkten gestanden waren, liefen wir zurück zu den Autos. Dort tranken wir gemeinsam mit den Kindern etwas und druckten ihnen ein paar Fotos aus.
von Karin:
Teil 4804. März 2019
Zurück auf der Campsite vereinbarten wir mit dem Besitzer eine Sundownertour auf die andere Seite des Flusses und ließen uns ein wenig über seine Manketti-Öl-Produktion erzählen.
Ruth wanderte noch ein bisschen um den Platz herum, entdeckte aber außer ein paar Schmetterlingen und einem etwas bedröppelt dreinschauenden Brillenwürger nichts Außergewöhnliches mehr.
Während wir ein spätes Frühstück oder einen Brunch zubereiteten, nutzten wir den Stromanschluss an unserem Stellplatz und stöpselten alle Geräte an, die wir fanden.
Dann fuhren wir zum ersten Mal die Markise am Auto aus und setzten uns in den Schatten. Es war so heiß, dass wir uns kaum noch bewegten. Uwe briet Speck mit Spiegeleiern und toastete Brot.
Anschließend machte Karin leckere Pfannkuchen für alle, die wir mit Marmelade und Nutella aßen.
Danach waren wir pappsatt und konnten uns erst recht nicht mehr bewegen. Na gut, ein bisschen fotografieren und spülen klappte noch.
Guinea Fowl
In den nächsten Stunden passierte nicht mehr viel. Wir lungerten den ganzen Nachmittag im Schatten herum, lasen oder unterhielten uns. Zum Spaß legten wir das Thermometer in die Sonne, wo es innerhalb weniger Minuten auf über 50 Grad kletterte.
So gerne hätten wir uns im Wasser abgekühlt, wie es die einheimischen Kinder taten, während sie auf ihre Kühe aufpassten.
Und im Grunde waren wir uns auch sicher, dass es in dem Teich keine Krokodile gab. Aber stellt euch folgendes vor: Wir springen ins Wasser, und ein Krokodil beißt einem von uns ein Bein ab. Zu Hause ist man entsetzt, und wir werden gefragt: „Wie konnte das passieren? Wurdet ihr nicht gewarnt?“ Und dann müssten wir zugeben: „Doch, der Besitzer der Campsite hatte uns gesagt, dass es dort Krokodile gibt.“ — Dann steht man doch irgendwie blöd da. Also verkniffen wir uns ein Bad, und Ruth suchte lediglich regelmäßig Abkühlung unter dem Wasserhahn.
Gegen 17.00 Uhr fuhren wir mit dem Besitzer von Whispering Sands auf die Ostseite des Sambesi. Er zeigte uns zwei Aussichtspunkte auf die Hauptfälle. Die Aussicht war ein wenig zugewachsen und nicht sonderlich spektakulär, aber trotzdem schön. Wie sich herausstellte, hatte er das gesamte Gebiet gekauft und plante, in den kommenden Jahren eine Lodge sowie zur besseren Besichtigung eine Seilbahn über die Fälle hinweg zu bauen. Es fiel uns ein wenig schwer, seine Begeisterung für sein einmaliges Projekt zu teilen, denn gerade die Einsamkeit und der fehlende Rummel machen die Ngonye Falls im Vergleich zu den Viktoriafällen aus unser Sicht zu etwas ganz Besonderem. Es wird wohl in Zukunft schwer werden, ein naturbelassenes, unverbautes Foto von den Fällen ohne Gondel zu bekommen. Aber warten wir es ab.
Auf dem Rückweg fuhren wir noch bei seinem Bekannten am Sioma Camp vorbei, weil er uns gerne eine Eule zeigen wollte, die dort lebt. Die war aber leider nicht zu Hause, und so warfen wir im Dunkeln nur einen kurzen Blick auf das Camp. Zurück an unserer Campsite duschten wir. Der Besitzer hatte uns gefragt, ob wir ein Feuer benötigten. Nachdem wir bejaht hatten, zündete ein Angestellter auf dem gemeinschaftlichen Grillplatz vor dem Restaurant ein Feuer an. Eigentlich hatten wir auf unserem Stellplatz bei den Autos grillen wollen. So marinierten wir das Fleisch, Karin machte Salat, und wir marschierten mit Geschirr und Getränken nach vorne zum Feuer. Das letzte Stück Eland von der Klein-Windhoek-Schlachterei schmeckte so gut wie das erste. Wir haben nun drei Wochen von diesem fantastischen Fleisch gegessen. Wir saßen noch einige Zeit beisammen und unterhielten uns. Mit Karin und Peter ist es herrlich entspannt und schön gemeinsam zu reisen.
Für die folgenden Tage hatten wir kaum noch Reservierungen. Daher mussten wir uns um Übernachtungsmöglichkeiten kümmern. Wir standen recht früh auf, kochten Kaffee und Tee und überlegten während des Frühstücks, wie wir die nächsten Tage gestalten würden.
von Karin:
Am Vortag hatten wir bereits eine Anfrage für Nambwa abgeschickt, aber am Morgen eine Absage erhalten. Nun versuchten wir es per E-Mail beim Mukolo-Camp südlich von Kongola. Parallel versuchten wir, die Reservierung bei der Gondwana Mubala-Campsite um einen Tag nach vorne zu verschieben, also auf heute.
Nach einem kurzen Frühstück füllten wir unseren Wassertank auf und bezahlten unsere Rechnung. Für das Abendessen am ersten Abend wurden uns pro Person lediglich 100 Kwacha berechnet. Für dieses sensationelle Büffet war das geradezu geschenkt. Wir bedankten uns beim Besitzer und verabschiedeten uns. Auf sehr guter Teerstraße fuhren wir nach Süden. Die Strecke verlief parallel zum Sambesi und ermöglichte immer wieder schöne Ausblicke auf den Fluss.
In Sesheke verfuhren wir uns, weil der Weg zur Grenze nicht ausgeschildert war und wir unserem GPS nicht vertrauten. Im Nachhinein haben wir nochmal gelesen, dass es lilytrotters genauso ergangen war. Aber nachdem wir zweimal über die Sambesibrücke gefahren und uns an LKW-Kolonnen vorbei einen Weg bis zum Grenzgebäude gebahnt hatten, konnten wir ausreisen.
Die Schlange der Wartenden reichte bis auf die Straße. Wir betraten das Gebäude, trugen unsere Fahrzeuge in ein großes Buch ein und stellten uns direkt vorne am Schalter an. Mit unseren europäischen Pässen wurden wir bevorzugt behandelt und erhielten schnell unsere Stempel. Auf namibischer Seite wurden wir per Temperaturmessung auf Ebola kontrolliert und erhielten erst dann das Einreiseformular. Insgesamt dauerte das gesamte Grenzprozedere weniger als eine dreiviertel Stunde.
In Katima Mulilo fuhren wir zum Tutwa Café, das jedoch geschlossen hatte. Leider gibt es dieses nette, gemütliche Café mit dem schönen grünen Innenhof, der Vogeltränke und den vielen Finken nicht mehr. Zum Glück hatte direkt nebenan ein neues kleines Restaurant eröffnet. Dort empfingen wir per E-Mail die Information, dass im Mukolo-Camp ab morgen Platz für uns sei. Wir telefonierten mit Gondwana und erfuhren, dass wir auch bereits heute im Mubala-Camp bleiben können. So ging unser Plan auf, und wir stärkten uns mit Kaffee, Burger, Omelett, Salat und Gemüse.
Nektarvogel
Von der Bedienung erfuhren wir, dass das ehemalige Tutwa-Cafe zwei Gebäude weiter gezogen war. Das schauten wir uns anschließend ebenfalls nochmal an.
Wir tranken Cola und Cappuccino, und eine Portion Fritten passte natürlich auch noch. Leider ist das neue nicht mit dem alten Tutwa-Cafe zu vergleichen. Der Charme des Früheren, direkt neben der staubigen Straße in einer kleinen grünen Oase mit vielen Vögeln einen Burger zu genießen, ist verloren. Das Café ist zwar sauber, wirkt mit Blick auf Beton und Asphalt aber fast steril und war für uns wenig einladend. Vielleicht tut sich hier in nächster Zeit aber noch etwas. Nach dieser langen weil doppelten Mittagspause tankten wir die Autos auf und verließen die Stadt nach Süden. Sowohl auf der Teerstraße als auch später auf der D3508 gab es viele Baustellen. Mit gewohnt hohem Personaleinsatz wurde der Verkehr geregelt.
Das neue Gondwana-Mubala-Camp (ehemalige Island View Lodge) liegt unmittelbar am Sambesi und besteht aus einigen feststehenden Zelten sowie ein paar Campingplätzen mit eigenen Duschen. Wir erhielten einen Stellplatz am Fluss. Es war wieder so heiß, dass wir uns in den Schatten setzten und uns ausruhten. Nacheinander wurde geduscht, Ruth setzte sich in die Sonne und las. Am Wasser waren zwar ein paar Eisvögel, aber sonst nicht sehr viele Vögel unterwegs.
Rieseneisvogel
Uwe rasierte sich zum ersten Mal im Urlaub und sah danach fast fünf Jahre jünger aus. Zum Abendessen grillten wir Rinderfilet, aßen Folienkartoffeln und Grillgemüse. Nach dem Sonnenuntergang leuchtete der Sambesi orange auf, und die Coucals stimmten ihr beruhigendes Lied an.
Im Dunkeln entdeckten wir einen Schmetterling, der sich in unser Badezimmer verirrt hatte.
Für morgen früh haben wir uns zu einer Vogel-Bootstour angemeldet.
Bevor wir zu unserer Bootstour aufbrachen, tranken wir einen gemütlichen Guten-Morgen-Kaffee, denn die Luft war nicht kalt. In den Bäumen über unserer Campsite sprangen zwei Turakos herum. Aber leider konnten wir sie mangels Licht nicht fotografieren. Gegen sieben Uhr waren wir bereits am Anleger, und kurz darauf kam auch Sylvester, unser Guide, mit dem wir unsere Tour auf dem Sambesi starteten. Zunächst fuhren wir nach Westen und später eine große Schleife, über die wir das Mubala-Camp wieder von Südosten erreichten.
Braunkopfliest
Weibliche Weber
Graufischer
Wir sahen sehr viele verschiedene Wasservögel, und Sylvester war ein aufmerksamer Guide, der das Boot sehr ruhig nahe am Ufer entlang steuerte und auf einen guten Lichteinfall zum Fotografieren achtete.
junger Purpurreiher
Langspornkiebitz
junge Riedscharbe
Rallenreiher
Mohrenralle
Weißbrustkormoran
Wassertriel
Mangrovenreiher
Braunkopfliest
Witwenenten
In respektvollem Abstand fuhren wir an einer Gruppe Flusspferde vorbei. Ruth ist in der Nähe dieser Gesellen immer ein wenig unentspannt. Sie kann sich noch zu gut an unsere Tour mit Dan vom Mavunje Camp und seine Geschichten erinnern und hat außerdem wohl zu viele gruselige Youtube-Videos geschaut. Während die anderen fotografierten, rechnete sie jederzeit mit einem Angriff, behielt die Wasseroberfläche im Auge und hielt nach verräterischen Luftbläschen Ausschau. Sicher ist sicher. Die Hippos betrachteten uns mindestens ebenso misstrauisch. Während die einen wieder abtauchten, prusteten die anderen kleine Wasserfontänen in die Luft und wackelten mit den Öhrchen.
Auch wenn wir keine besonders ausgefallenen Sichtungen hatten, gehörte diese Bootstour sicherlich zu den besseren. Zum einen erwarteten wir nichts Spektakuläres (es wird ja mit der Zeit auch immer schwieriger, etwas wirklich Neues zu entdecken), zum anderen war jeder mit der ruhigen Morgenstimmung und den ganz alltäglichen Tieren am Fluss zufrieden. Bei der Fülle der verschiedenen Arten wäre es wohl auch vermessen gewesen, sich zu beschweren. Bald beobachteten wir den Abflug eines mächtigen Schreiseeadlers, dem unser Boot zu nahe kam, etwas später standen ein paar Seidenreiher am Ufer, und ein Graufischer hielt ein Fisch-Geschenk für seine Liebste bereit.
Vereinzelt entdeckten wir Krokodile auf dem warmen Ufersand, und hin und wieder glitt ein Mokoro mit Fischern oder Arbeitern an uns vorüber.
Lange Zeit standen wir in der Nähe einiger Sandbänke, auf denen sich mehrere Graukopfmöwen und Afrikanische Scherenschnäbel niedergelassen hatten. Wir finden ja, dass letztere an Land ein wenig unproportioniert wirken und wundern uns, warum sie mit ihrem großen Kopf und dem langen Schnabel nicht ständig nach vorne überkippen. In der Luft bewegten sie sich aber umso geschickter. Wir beobachteten ihre Flug- und Wendemanöver, wenn sie sich in großen Schleifen jagten oder mit geöffnetem Schnabel direkt an der Wasseroberfläche nach Fischen jagten.
Riedscharbe
Hammerkopf
Teil 5117. März 2019
Als wir Sylvester nach den Karminspinten fragten, erklärte er, dass diese erst im Herbst zur Brutzeit in der Gegend seien. Das hatten wir leider schon geahnt. Trotzdem tat er uns den Gefallen, nach ihnen zu sehen. Wie erwartet war die riesige Kolonie der roten Bienenfresser noch leer, aber ein paar Dutzend Vögel saßen bereits in den Bäumen und flogen ihre Runden. Wir waren begeistert, da wir noch nie so viele dieser Spinte gesehen hatten. Sylvester hingegen winkte ab und meinte, dass er ja gesagt habe, dass sie noch nicht da seien. So freuten wir uns eben über die, die noch nicht da waren! 😉
Danach ging es rasch zurück ins Camp, denn statt der vereinbarten drei Stunden waren wir mittlerweile fast vier Stunden unterwegs.
Diese Schwalbe können wir nicht eindeutig zuordnen. Matthias aber schon: Braunkehl-Uferschwalbe (Brown-throated Martin)
Zurück am Camp fragten wir die Angestellten nach dem Nistplatz der Turakos. Sie zeigten uns das Nest, die Vögel waren jedoch nicht anwesend. Einmal sahen wir sie noch ganz kurz im höchsten Wipfel eines Baumes, bevor sie zwischen dichtem Geäst verschwanden. Einige Schmetterlinge waren zwar nicht weniger flatterhaft, zeigten sich aber deutlich kooperativer.
Common Grass Yellow (Danke an Matthias)
African Common White (dito)
Wir packten unsere Autos und machten uns auf den Weg nach Katima Mulilo.
Bei Pick and Pay hielten wir auf dem Parkplatz, holten Bargeld und gingen einkaufen. Viel brauchten wir nicht und waren auch recht schnell im Supermarkt fertig. An der Kasse dauerte es jedoch deutlich länger. Jedes Teil wurde mit Bedacht über den Scanner gezogen und dann einzeln von der Kassiererin in einer Plastiktüte verstaut. Dabei vergewisserte sie sich mehrfach, dass die Ware auch in der richtigen Tüte gelandet war. Evtl. wurde die eine noch gegen eine andere Ware ausgetauscht oder ein wenig hin und her gedreht, um eine optimalere Lage zu haben. So ging es mit jedem gekauften Stück, und wir wurden bald verrückt. Während die Kassiererin angeregt mit der Kundin schnackte und weiter eifrig ein Teil nach dem anderen in die Tüte bettete, bekamen wir Atemnot und hätten gerne mit angefasst. Ungeduldig trippelten wir von einem Fuß auf den anderen und sahen uns schon nach einer anderen Kasse um, da Karin und Peter, die sich deutlich nach uns angestellt hatten, den Laden bereits verlassen hatten. Irgendwann mussten wir aber über die ganze Situation lachen und mal wieder feststellen, dass die Uhren in Afrika eben manchmal anders ticken. Wir ergaben uns in unser Schicksal und sahen zu, wie innerhalb der nächsten 5 Minuten auch noch die letzten beiden Artikel an den richtigen Platz in der Einkaufstüte wanderten. Trotzdem übernahm Ruth das Verstauen unseres Einkaufs selbst, denn wir wollten heute noch das Mukolo Camp erreichen. Nach dem Einkauf setzten wir uns nochmal in das kleine Restaurant, wo wir bereits gestern gewesen waren. Nach einem Mittagsimbiss waren wir gestärkt und begaben uns auf den Weg aus der Stadt. Richtung Westen fuhren wir eine gute Stunde bis Kongola.
Dort bogen wir auf die C49 ab und erreichten das Mukolo-Camp kurz darauf.
Wir erhielten Campsite Nummer 1, die am Fluss gelegen ist und eine schöne Aussicht hat. Wir bauten unser Lager auf, sicherten Fotos und aßen Blaubeermuffins. Peter kochte leckeren Kaffee.
Trauerdrongo
Guinea Fowl
Im Schilf vor dem Camp entdeckte Ruth ein Purpurhuhn – für uns eine Erstsichtung. Daraufhin schlich sie bestimmt eine Stunde in gebückter Haltung am Ufer entlang, kauerte sich hinter dichte Halme und hoffte, dass das scheue Tier sie nicht bemerken und etwas näher ans Ufer kommen würde. Aber das blöde Huhn tat ihr den Gefallen nicht. Obwohl es ständig im Schilf herumraschelte, ganz in der Nähe mit den Flügeln schlug und merkwürdige hupende oder schnatternde Laute von sich gab (zumindest dachte Ruth, dass die Geräusche von der Henne kamen), konnte man nur durch die Bewegung der Halme schemenhaft ein Tier wahrnehmen. Ansonsten holte sich Ruth lediglich nasse Füße und ersetzte die Challenge „Purpurhuhn“ für heute kurzentschlossen durch „Purpurreiher“.
Das Licht wurde immer weicher und leuchtender.
Wir sahen zu, wie die Sonne verschwand und der Himmel etwas später noch einmal aufleuchtete.
Während die ersten Frösche ihre Stimmbänder in Betrieb nahmen, duschten wir, machten Feuer und bereiteten das Abendessen: Boerewors, Kartoffeln und Salat. Wir hörten ein paar Nightjars rufen. In einem Baum in unmittelbarer Umgebung fiepte ein Flughund. Wir machten uns auf die Suche, aber immer wenn wir uns näherten, hörte er auf, und wir standen etwas verloren zwischen den Bäumen herum. So konnten wir ihn niemals entdecken. Auch wenn wir heute nur eine kleine Etappe zu fahren hatten, waren wir abends hundemüde. Die viele Guckerei und die ganzen Eindrücke strengen an. Trozdem genießen wir jeden einzelnen Moment.
Kilometer: 156
Teil 5224. März 2019
Tag 27 – 9. August 2018 – Gamedrives bei Nambwa
Mukolo Camp, Kongola
Wir standen noch vor sechs Uhr auf. Wach waren wir eh, denn der Flughund hatte fast die ganze Nacht wie ein rostiges Windrad in seinem Baum gefiept. Während Karin und Peter im Camp blieben und ausschliefen, fuhren wir in den nahe gelegenen Bwabwata-Nationalpark. Als wir um sieben Uhr an der Einfahrt standen, war die Rezeption noch geschlossen. So fuhren wir zunächst ohne zu zahlen in den Park. Wir pirschten langsam voran und nahmen jeden Umweg am Fluss unter die Räder.
Viel war heute Morgen nicht los. Wir sahen einige Kudus, Impalas und verschiedene Vögel. Glanzstare, Bülbüls und Braundrosslinge hüpften durchs Geäst, und in einiger Entfernung saß eine Spatelracke im Baum.
Ein Stückchen weiter schaute uns aus einem zugewachsenen Tümpel eine Gruppe Flusspferde aus dem Spinat entgegen. (Mit Pflanzen kennen wir uns nicht so gut aus.) Verschwanden die Köpfe der Tiere wieder unter dem ganzen Grün, so fiel auf den ersten Blick gar nicht auf, dass darunter Wasser verborgen war.
Wir folgten der unteren Strecke am Fluss entlang
und entdeckten einen Steppenbaumhopf,
zwei Wiedehopfe, von denen uns der eine schließlich sogar den Gefallen tat, seine Federhaube aufzustellen
und ein Pärchen Schreiseeadler. Einer der beiden Vögel hatte einen großen Fisch gefangen, den er jedoch aufgab, als wir mit unserem Auto vorbeifuhren. Um ihn nicht weiter von seiner Beute abzuhalten, hielten wir nur für ein schnelles Foto.
Wir folgten der schmalen Pad durch hohes Gras dem Nambwa-Camp entgegen
und stoppten noch einmal an einem kleinen Hide. Von hier aus hatte man einen guten Ausblick über die angrenzende Schwemmfläche. Etwas entfernt grasten ein paar Letschwes, ein Riesenfischer spähte nach einem lohnenswerten Schnapp, und zwei Wasserläufer stelzten am Ufer entlang.
Wir ließen das Camp links liegen und steuerten weiter Richtung Horseshoe. An einer Stelle führte der Weg direkt am Wasser vorbei. Unzählige Seerosen streckten ihre Blütenköpfe an die Oberfläche, und viele Jacanas spazierten auf ihren großen, bläulichen Füßen von Seerosenblatt zu Seerosenblatt. Wir beschlossen hier eine kleine Rast einzulegen und zu frühstücken. Im Auto aßen wir ein paar Rosinenbrötchen mit Nutella und Marmelade und freuten uns an der absoluten Stille.
Erst einige Zeit später entdeckten wir die kleinen, hübschen Zwerggänse, die zwischen den Wasserpflanzen gut getarnt umherschwammen. Eigentlich haben sie ja eine recht auffällige, bunte Färbung, verschmolzen hier aber total mit der Umgebung. Obwohl wir fast eine ganze Stunde lang an dieser Stelle standen, blieben die Vögel scheu und kamen uns nie richtig nahe.
Außer wenigen Hippos, den bereits genannten Antilopen und ein paar Riedböcken bekamen wir keine größeren Tiere zu Gesicht. Unter der gefiederten Freunden fanden sich noch ein junger Gaukler, eine Gabelracke (die werden wir jetzt immer für Robin und Casimodo einbauen) und ein Riesenglanzstar.
Ein Stück hinter dem Horseshoe kehrten wir um und nahmen die direkte Strecke zurück zur Ausfahrt. Bis dorthin brauchten wir etwa eine Stunde. Nun wollten wir brav den Parkeintritt bezahlen. Aber der zuständige Angestellte war gerade nicht da. Ein anderer Mitarbeiter erklärte uns, dass der Herr sofort wieder zurück sei. Wir warteten. Nach ein paar Minuten erklärten wir, dass wir heute Nachmittag ohnehin wieder kommen würden und die Gebühr auch dann bezahlen könnten. Nein, wir sollten warten, der Kollege sei jetzt gleich wieder da. Wir warteten und warteten, aber niemand kam. Nach weiteren Minuten erklärten wir, dass wir uns nun in das ausliegende Registrierungsbuch eintragen und das Geld dazu legen würden. Ja, das sei wohl in Ordnung.
Teil 5324. März 2019
Wir fuhren zurück zum Mukolo Camp und machten Mittagspause. Dort aßen wir Brot mit Blauschimmelkäse und Salami und Möhren, die wir in den Senf-Frischkäse dippten. Nichts Besonderes, aber mit genügend Hunger und auf dieser schönen Campsite hätten wir die Brotzeit nicht gegen ein Viergänge-Mittagsmenü tauschen mögen. Dann duschte Uwe und rief beim Shametu-Camp an, um nach einem freien Campingplatz für morgen zu fragen. Glücklicherweise gab es noch genau einen freien Platz, den wir reservierten. Dann liefen wir zum Hauptcamp und fragten die Besitzerin Veronica nach einer Bootstour für morgen früh. Sie werde mit ihrem Mann sprechen, und wir sollten später nochmal vorbeikommen.
Gelbbrustbülbül
Männlicher Senegal-Amarant
und seine Partnerin
Guinea Fowl
Kurz hielten wir noch unsere Beine in den kühlen Pool, da es schon wieder ziemlich warm war. Dann brachen wir erneut auf in den Park, diesmal mit Karin und Peter. Das Melden im Office konnte ja nicht allzu lange dauern, schließlich waren wir vormittags ja bereits im Park gewesen und hatten uns eingetragen. So dachten wir. Aber anstelle unsere bereits fertig ausgestellte Quittung nur schnell abzuholen, mussten wir uns nun ein zweites Mal in das Registrierungsbuch eintragen. Denn erst jetzt konnte mit dem neuen Eintrag die Quittung ausgestellt werden, da diese fortlaufend nummeriert sind. Haben wir zwar mal wieder nicht verstanden, aber dazu sind wir ja auch in Afrika. Am Aussichtspunkt bei Fort Doppies machten wir wie immer kurz halt und blickten auf die Feuchtebene. Einige Letschwes standen verstreut herum, sonst war nicht viel zu entdecken.
Auch im Park sahen wir nicht allzu viele Tiere: ein einzelner Elefant kam zielstrebig zum Wasser gelaufen um zu trinken. Was hatten wir hier schon riesige Herden gesehen, manchmal waren wir von Elefanten geradezu eingekesselt gewesen, und es gab weder ein Vor noch Zurück. Wir sahen noch einmal nach den Zwerggänsen. Jetzt wussten wir ja, an welcher Stelle sie zu finden waren.
Etwas weiter sahen wir eine große Herde Säbelantilopen am Ufer stehen und trinken. Als wir uns näherten, wurden die scheuen Tiere allerdings unruhig und zogen bald darauf vor unserem Auto über die Sandpiste. Ehe sie im trockenen Gras verschwanden, warfen sie noch rasch einen Blick zurück, um sicher zu gehen, dass wir sie auch nicht weiter verfolgten.
Ein Coucal hatte seine liebe Mühe mit der Größe seiner Beute. Wie auch immer er sie drehte und wendete, immer passte irgendetwas nicht. Bei uns waren es die Grashalme, die störten.
An den verschiedenen Hides hatten diverse Safariautos geparkt, und viel zu viele Gäste standen in der Gegend herum. So fuhren wir lieber noch ein Stück am Horseshoe vorbei. Im brakigen Wasser stocherte ein Hammerkopf herum. Auch er war erfolgreich und zog mit seinem kräftigen Schnabel einen kleinen schlammigen Frosch nach dem anderen aus dem Boden. Bevor er ihn mit einer ruckartigen Bewegung in seinen aufgesperrten Schlund schleuderte, befreite er seinen Fang durch Schütteln des Kopfes im Wasser vom Dreck.
Wir kehrten wieder um, da noch ein langer Rückweg vor uns lag. Karin und Peter hatten wir unmittelbar nach Einfahrt in den Park aus den Augen verloren und hofften, sie nun auf der Rückfahrt irgendwo wiederzufinden.
An der langen Lagune standen wir dann aber doch noch einige Zeit, denn eine große Familie Paviane hatte sich dort versammelt, und es war mächtig was los. Besonders die kleinen Affen stritten, zankten und jagten sich, übten sich im Hangeln und Klettern und turnten auf ihren älteren Familienmitgliedern herum.
Man widmete sich der gegenseitigen Fellpflege und intensivierte soziale Kontakte. Dazwischen jagten sich einige Impalaböcke, und auch ein paar Kudus kamen zum Trinken.
Wir blieben viel zu lange. Karin und Peter waren sicherlich schon längst wieder aus dem Park heraus, und wir mussten nun auch zusehen, dass wir vor Schrankenschluss zurückkämen. Am späten Nachmittag machte uns bzw. dem Auto der weichere Tiefsand deutlich mehr zu schaffen als am Morgen. Wir hatten aus Faulheit aber auch keine Luft aus den Reifen gelassen. An manchen Stellen mussten wir beim Wiederanfahren im Sand die Untersetzung bemühen. An einer besonders tiefsandigen Stelle kam uns ein Auto entgegen, und wir wichen auf eine weniger befahrene Spur aus. Dort wurden wir immer langsamer, bis wir stehen bleiben mussten. Auch mit der Untersetzung ging es nicht weiter, glücklicherweise aber noch rückwärts. Die Sonne war schon fast untergegangen, als unsere Spur von Elefanten blockiert wurde. Den ganzen Tag über hatten wir kaum einen Dickhäuter zu Gesicht bekommen. Nun waren es dafür umso mehr, und das auch noch ganz nah. Mehrere Tiere standen unmittelbar neben der Sandpiste und fraßen in aller Seelenruhe. Was konnten wir also tun, außer zu warten? Nach 10 Minuten hatte sich nicht sonderlich viel an unserer Situation verändert, und es sah auch nicht so aus, als würde in nächster Zeit viel geschehen. Mit Ruths Seelenruhe war es mittlerweile vorbei, uns lief die Zeit davon. Uwe war dafür, einfach vorsichtig weiterzufahren. Ruth fand die Vorstellung, mindestens einen Elefanten mit dem Auto von der Straße zu schubsen, nur wenig reizvoll. In der Herde befanden sich einige Jungtiere, und wer weiß, wie die Mütter reagieren würden, wenn wir einfach quer durch die Herde fahren. Außerdem standen wir immer noch im Tiefsand und waren nicht sonderlich beweglich. Weitere Minuten verstrichen, und die Gesichter wurden immer länger. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig als umzudrehen und einen Umweg zu nehmen. Doch auch das war kompliziert genug. Zuerst fuhr Uwe ein Stück rückwärts, dann musste er aus der schmalen Rinne heraus und im Gestrüpp wenden. Auch hier waren wir wieder nahe daran, uns festzufahren. Wie konnten wir auch nur so dämlich sein, keine Luft aus den Reifen zu lassen? Vermutlich eine Mischung aus Überheblichkeit und Faulheit. Doch alles ging gut. Nach ein bisschen Hin und Her stand unser Auto nun wieder mit der Schnauze nach Süden. Ein tolles Gefühl, ohnehin spät dran und nun auch noch in die falsche Richtung unterwegs zu sein! Es wurde immer ruhiger in unserem Auto. Wir nahmen die nächstmögliche Abzweigung und kehrten in einem großen Bogen zurück. Hier begegneten uns Gott sein Dank keine weiteren Elefanten. Die Herde war anscheinend wirklich nicht weitergezogen. Nun ging es schnurstracks Richtung Parkausgang. Wir hätten nur noch für einen Leoparden angehalten und malten uns schon das genervte Gesicht des Officers an der Schranke aus. In Erwartung einer gehörigen Standpauke erreichten wir schließlich das Gate erst deutlich nach Sonnenuntergang. Zum Glück war das aber kein Problem. Die Schranke war geöffnet. Weit und breit war niemand zu sehen, und keiner schien sich für uns zu interessieren. Wir atmeten erleichtert auf. Da hatten wir ja doch noch mal Glück gehabt. Auf Teer und im Dunkeln ging es über den Kwando und die letzten 20 km zurück zum Mukolo Camp. Karin und Peter würden sich sicherlich schon Sorgen machen. Als wir endlich die Campsite erreichten, mussten wir jedoch mit Schrecken feststellen, dass die beiden noch gar nicht da waren. Das durfte doch nicht wahr sein! Nun waren wir es, die sich Sorgen machten. Wir sahen uns schon umkehren und die beiden nachts im Park zwischen aufgescheuchten Elefanten suchen. Nur nichts überstürzen. Ruth beschloss erst einmal zu duschen. Danach wollten wir weiter überlegen. Zum Glück schimmerte etwa 20 Minuten später der Lichtkegel eines Scheinwerfers durch die Büsche, und die beiden stiegen ähnlich angespannt wie wir zuvor erschöpft aus ihrem Auto. Es war nichts weiter geschehen, aber irgendwie hatten sie sich in der Zeit verschätzt. Wie das nur passieren konnte! Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit einer Soße aus Thunfisch, Frischkäse und Zwiebeln. Zum Nachtisch bekamen wir von unseren Freunden Dosenananas mit Amarula. Wieder war ein langer Safaritag zu Ende.
Kilometer: 160
Teil 5407. Apr. 2019
Tag 28 – 10. August 2018 – Hennie und Henne
Mukolo Camp, Kongola – Shametu Lodge, Divundu
Der Morgen im Mukolo-Camp war sehr entspannt. Wir hatten die Bootstour für 7.30 Uhr vereinbart, und so blieb genügend Zeit, die Fotoausrüstung zusammen zu stellen, eine Tasse Kaffee zu trinken und einige Rusks zu essen. Hennie, der Mann von Veronica und Besitzer des Camps, reparierte noch etwas an der Schiffsschraube, und wir unterhielten uns mit anderen Gästen des Camps. Dann ging es los. Außer uns gab es keine weiteren Teilnehmer, so dass wir das Boot wieder für uns alleine hatten.
von Karin:
Hennie erwies sich als ein sehr aufmerksamer Fahrer und entdeckte viele Vögel, auch wenn er sie nicht alle einwandfrei zu bestimmen wusste. Wir genossen die Fahrt in vollen Zügen. Die Luft war bereits morgens nicht mehr kalt. Die Landschaft war ganz anders als bei den bisherigen Bootstouren dieser Reise. Anfangs fuhren wir durch schmale Kanäle an hohem Schilf vorbei, dann öffnete sich der Blick, und wir schipperten in seichtem Wasser über die endlosen Flutebenen.
Außer einigen Letschwes und ein paar Hippos gab es natürlich sehr viele Vögel zu entdecken.
Rahmbrustprinie (Danke an Matthias)
Schwarzkehlchen
Bindenschwalbe
Wassertriel
Kapturteltaube
Ruhig glitten wir an einer Uferböschung vorüber, in deren Lehmboden die Weißstirnspinte ihre Bruthöhlen gegraben hatten. Viele dieser bunten Vögel saßen auf dem umliegenden Wurzelwerk und im Geäst und spähten nach Insekten. Sie waren nicht sehr scheu und störten sich kaum an unserer Anwesenheit.
Einige Malachit-Eisvögel hielten uns auf Trab, indem sie pfeilschnell zwischen den Riedhalmen hindurchsausten und sich dann nur kurz niederließen. Wieder und wieder wendete Hennie sein Boot, um uns in eine gute Position zu bringen, aber die Bilder waren meist unscharf und rauschig. Obwohl die blitzeblauen Vögel mit dem knallroten Schnabel so auffällig aussehen, verschmelzen sie mit den eng stehenden Papyrushalmen gut. Oft versuchte uns Hennie schon von Weitem auf den nächsten kleinen Kerl aufmerksam zu machen, doch bevor ihn auch der letzte erblickt hatte, war er meist schon wieder davongeflogen. Zu entdecken gab es trotzdem genug. Einige verlassene Webervogelnester baumelten über dem Wasser.
Zur Abwechslung mal ein Farbtupfer aus der Flora. Wären wir hier bei uns zu Hause, würden wir behaupten, dass die Blüte wie eine Winde aussieht, dort unten haben wir keine Ahnung, worum es sich handelt.
Ein Stückchen weiter saß ein Rieseneisvogel ganz entspannt auf einem Ast, als wir nur zwei Meter entfernt vorbeifuhren.
Graufischer
Zwergspinte schaukelten auf Halmen und dünnen Ästen.
Und dann erwischten wir doch noch einen Malachit.
Bei einer Hippo-Familie hielten wir am gegenüberliegenden Ufer und beobachteten die Tiere, während sie immer wieder kurz auftauchten, mit ihren kleinen Ohren wedelten, Luft holten und wieder unter der Wasseroberfläche verschwanden.
Wir sahen einen brütenden Langzehenkiebitz und sogar einige Brachschwalben, die wir auf dem dunklen Boden kaum erkennen konnten.
Zwei Klunkerkraniche standen weit entfernt im Gras, Kormorane flogen vorbei, und ein großer Wasserwaren sonnte sich auf seinem Liegestuhl.
Die Fahrt verlief äußerst entspannt und ruhig und war zu keinem Zeitpunkt langweilig, obwohl wir viele Arten schon an anderer Stelle gesehen hatten. Am Ende kamen wir unmittelbar vor unserer Campsite im Kanal zurück, wo kurz vor Schluss unseres Trips dann doch noch eine ganz besondere Überraschung auf uns wartete. Das Purpurhuhn, von dem wir bereits vorgestern lediglich ein paar Schwanzfedern erblicken konnten und welches Ruth nicht viel mehr als nasse Füße eingebracht und etliche Schimpfwörter entlockt hatte, stand nun parat. Und es war nicht allein, sondern hatte gleich noch eine Partnerin mitgebracht. Vom Boot aus leicht erhöhter Position ließen sie sich bereitwillig beobachten und bestaunen.
Teil 5507. Apr. 2019
Zurück am Camp machten wir eine Frühstückspause mit Wildschinken, Käse, Brot und Rosinenbrötchen mit Marmelade.
von Karin:
Da wir uns mal wieder nicht losreißen konnten, blieben wir noch ein wenig im schönen Mukolo-Camp. Ruth fand den einen oder anderen Schmetterling,
Common Dotted Border (Danke an Matthias)
links: männlicher Banded Gold Tip, rechts: weiblicher Queen Purple Tip (besten Dank an Matthias)
Uwe eher die, die es noch werden wollten. Unter einem Unterlegbrett entdeckte er eine interessante Raupe. Mit ihren langen Haaren erinnerte sie uns an eine Miniatur-Kehrmaschine.
von Karin:
Graukopfwürger
Selbsthilfegruppe der punktlosen Marienkäfer
Schließlich zahlten wir unsere Rechnung und erfuhren, dass das Camp acht Angestellte hat und seit zwei Jahren existiert. Wir hatten zuvor im Gegensatz zum Mavunje Camp noch nicht so viel davon gehört. Es hat uns ausgesprochen gut dort gefallen, denn die einzelnen Campsites liegen ein wenig durch Büsche und Bäume voneinander getrennt und haben einen schönen Ausblick. Die Besitzer waren sehr freundlich, und wir durften uns frei im Gelände bewegen, welches viele Möglichkeiten bietet, verschiedene Vögel zu entdecken.
Auf direktem Weg fuhren wir dann ohne Pause nach Divundu
und kamen gegen halb vier bei der Shametu River Lodge an. Wir erhielten Campsite Nummer 3, wo wir uns nur kurz aufhielten.
Amethystglanzstar (Männchen und Weibchen)
Während Karin und Peter dort blieben, zog es uns noch für zwei Stunden in den Mahango. Der Park ist relativ klein und übersichtlich, aber recht wildreich, und wir haben dort immer viel entdecken können. Gleich zu Beginn sahen wir eine Rotschopftrappe.
Direkt neben dem Weg ließen sich zwei Elefanten ihr Abendbrot schmecken. Unbeeindruckt von den langen Dornen umwickelten sie die Äste mit ihrem Rüssel, rupften sie vom Baum und stopften sie sich ins Maul, als gäbe es nichts Besseres.
Wir fanden viele Impala, Warzenschweine, Zebras, Leierantilopen, Gnus und Giraffen. Allesamt nicht im besten Licht oder ziemlich weit entfernt. Auf den Schwemmebenen am Okavango standen einige Büffel bis zum Bauch im Grünzeug und fraßen. Außerdem gab es die verschiedensten Wasservögel: Reiher, Kiebitze, Witwenenten, Nimmersatt-Störche, Klunkerkraniche und Sporengänse. Die meiste Zeit standen wir einfach nur irgendwo herum und beobachteten entweder vom Auto aus und später auch zu Fuß am großen Baobab das Kommen und Gehen der Tiere. Zwei Riedböcke jagten hintereinander her und störten für kurze Zeit die Ruhe.
Sporengänse
Das Nachmittagslicht war wunderschön, und wir genossen die entspannte Fahrt auf der guten Schotterstraße. Auf dem Rückweg begegneten wir noch einer Gruppe Kudus, bevor wir dann kurz vor Sonnenuntergang den Park wieder verließen.
Gegen halb sieben waren wir wieder auf unserem Campingplatz, duschten und gingen mit Karin und Peter zum reservierten Abendessen der Lodge. Wir freuten uns, dass wir nicht selbst kochen mussten. Das Dinner war sehr gut, aber gegen Ende wurde es uns in den offenen Räumen etwas kühl. Daher saßen wir nach dem Essen auch nicht mehr allzu lange beisammen und verschwanden schon bald in unseren Zelten.
Kilometer: 279
Teil 5616. Apr. 2019
Tag 29 – 11. August 2018 – Mahango und Shamvura
Shametu Lodge, Divundu – Shamvura Camp
Ein langer Safari-Tag stand bevor. Wir standen einigermaßen früh auf, kochten Kaffee und Tee, aßen dazu Rosinenbrötchen mit Nutella und Marmelade und packten unsere Sachen zusammen. Die ersten Vögel schwirrten auch schon in den Bäumen umher.
Bindennektarvogel
Peter lief zur Rezeption und zahlte. Dann brachen wir auf zum Mahango-Park. Als wir kurz hinter dem Lodge-Gelände anhielten, um einen Elsterwürger zu fotografieren,
kam ein Junge ans Auto gelaufen und bettelte uns ziemlich offensiv an: „I am hungry. My mother is dead. Please help me.” Solche Situationen sind uns immer sehr unangenehm, und wir fuhren schleunigst weiter. Beim Park bezahlten wir die Eintrittsgebühr, und die Dame an der Rezeption riet uns, zunächst in den Westteil des Parks bis zum Wasserloch zu fahren.
Da wir bereits letztes Jahr dort gewesen waren, folgten wir diesem Hinweis und fuhren die 10 Kilometer nach Westen.
Auf der Strecke sahen wir viele Gabelracken,
und einige Pferdeantilopen, die aber selten stehen blieben und meist sofort verschwanden, wenn wir anhielten. Wir mögen diese Antilopen mit ihrer ausgesprochen schönen Gesichtsmaske, dem hellen Augenkranz, den langen Ohren und der aufrecht stehenden Mähne sehr. Regelmäßig hatten wir auch bei früheren Besuchen im Mahango immer mal wieder welche zu Gesicht bekommen und insgeheim darauf gehofft, auch heute wieder Glück zu haben. Schon jetzt waren wir daher sehr zufrieden, diesen Weg eingeschlagen zu haben.
Schon von weitem sahen wir etwas später einige größere Vögel in den abgestorbenen Ästen der Bäume in der Nähe der Pad sitzen. Es waren verschiedene Geier, die sich ihr Gefieder in der Sonne wärmten und beratschlagten, in welcher Richtung sie sich – wenn die Thermik ausreichend wäre – auf die Suche nach einer Mahlzeit machen würden. Ein junger Gaukler hatte sich auch unter die Truppe gemischt.
Wollkopfgeier
Als wir langsam weiterrollten, erhoben sich einige der vielen Weißrückengeier mit kräftigen Flügelschlägen in die Luft und starteten ihren Frühstücksspähdienst.
Auf dem verbrannten, stoppeligen Boden trippelten Kronenkiebitze herum. Wir können uns noch gut erinnern, wie häufig wir sie bei unserem ersten Urlaub im Etosha fotografiert haben. Da es sie aber so häufig gibt, fährt man zunehmend achtlos an ihnen vorbei. Eigentlich schade, denn sie sind wirklich hübsch.
Bis zum Wasserloch entdeckten wir noch einen kleinen Junggesellentrupp Kudus. Dieser tat uns aber nicht den Gefallen, aus den Büschen herauszutreten, und das ein oder andere Tier linste nur versteckt zwischen Ästen hervor.
An der Wasserstelle fanden wir zu unserer großen Freude eine weitere Pferdeantilope, auf der vier Rotschnabelmadenhacker herumturnten.
An einer Pfütze saß ein junger Sparrowhawk.
Zwei Meyer’s Parrots löschten ihren Durst, Glanzstare, Tauben, Girlitze und Angola-Schmetterlingsfinken tranken ebenfalls. Es war ein ständiges Landen und Abfliegen.
Rotschulter- und Amethystglanzstar
Wir sahen dem regen Flugverkehr eine gute halbe Stunde lang zu. Es war spannend zu beobachten, wie die ganze Vogelschar sofort aufgeschreckt das Weite suchte, sobald sich ein junger Gabarhabicht blicken ließ.
Nach einiger Zeit kehrten wir um und fuhren zurück in den Ostteil des Parks. Kurz vor der Hauptstraße entdeckten wir noch eine Herde Rappenantilopen, von der die meisten Tiere ruhend in der Sonne lagen.
Da wir erst am späten Vormittag an den Fluss kamen, war das Licht mit dem vom gestrigen Nachmittag nicht zu vergleichen. Dennoch sahen wir wieder viele verschiedene Vögel.
Schwalbenschwanzspint
Am Okavango hockte eine große Gruppe Schieferreiher im flachen Gewässer im Gras und formte mit ihren Flügeln eine Schattenglocke. Immer wieder flogen die letzten fünf Vögel der Gruppe auf, um sich ganz vorne anzustellen. Sie schienen da ihr ganz eigenes System zu verfolgen. Leider waren sie ziemlich weit weg, denn dieses Schauspiel hatten wir noch nie zuvor beobachten können.
Wir haben uns hier für den Senegaltschagra entschieden, da die dunkleren Flecken an der Schulter weiter hinauf gehen als beim Damaratschagra. Ob der Scheitel schwarz oder doch eher braun ist, lässt sich leider auf diesem Foto nur schwer beurteilen. Liegen wir richtig?
Sobald wir einen Moment anhielten, konnten wir wieder ein paar weitere Vögel entdecken.
Angolaschmetterlingsfink
Zwergspint
Straußenmama mit Nachwuchs
Gerne wären wir noch länger geblieben und mussten uns schließlich losreißen. Beim großen Baobab trafen wir Karin und Peter wieder, die es sich dort mit ihren Stühlen bequem gemacht hatten. Da es schon nach Mittag war, fuhren wir nur noch bis zur Hauptstraße und dann zurück zum Parkeingang.
Teil 5716. Apr. 2019
In Divundu tankten wir die Autos voll und fuhren weiter nach Westen. Ruth und Karin hatten neben der Tankstelle noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft: Getränke, Zwiebeln und Krapfen. Zum Glück war die Tagesetappe heute nur kurz, und so erreichten wir gegen 14:00 Uhr das Shamvura-Camp. Die Besitzerin Charlie begrüßte uns. Wir machten es uns auf dem Campingplatz Combretum bequem und stellten die Autos in den Schatten. Karin und Ruth legten sich ein wenig hin, Uwe sicherte Fotos, und wir aßen ein paar Brote.
Die Zeit verging schnell, und gegen halb vier erschienen wir wieder an der Rezeption, um mit Mark Paxton eine Birding-Bootstour zu machen. Mark war – nett ausgedrückt – ein wenig speziell. Ohne uns richtig zu begrüßen, stiefelte er auch sogleich los Richtung Bootsanleger. Als wir ihn darauf hinwiesen, dass unsere Freunde noch fehlten, störte ihn das wenig, und er drosselte sein Tempo kaum. Wir liefen in größer werdendem Abstand hinter ihm her und waren erleichtert, als wir Karin und Peter bald hinter uns erblickten. Völlig selbstverständlich sprangen vier Hunde mit an Bord des kleinen Bootes, und uns Vieren war sofort klar, dass wir das nicht in Frage stellen würden, denn sonst wäre unsere Bootsfahrt mit Sicherheit ausgefallen. Zum Glück hatten wir weder eine Allergie, noch Angst vor Hunden, und Ruth zuckte auch nur ganz kurz zusammen, als ihr das Labrador-Kalb, welches auf der Rückbank Platz genommen hatte, von hinten den Arm abschleckte. Wir beschlossen, uns mit den Vierbeinern zu arrangieren und uns nicht die Laune verderben zu lassen, was gar nicht so einfach war, denn zwei von ihnen waren hyperaktiv und rannten unaufhörlich von vorne nach hinten und wieder zurück. Dann war es doch besser, dem Kameraden den Sitzplatz zu opfern und sich gelegentlich ansabbern zu lassen. Durch einen schmalen und brackigen Kanal fuhren wir in den Hauptarm des Kavango-Flusses.
Riedscharbe
Elsterwürger
Schnell stellte sich heraus, dass Mark sich nicht nur mit Vögeln ganz gut auskennt, sondern eine echte Koryphäe auf diesem Gebiet ist. Im Flug konnte er Vögel bestimmen, die wir ohne Buch noch nicht einmal in Ruhe hätten nennen können. Er entdeckte jeden noch so kleinen Piepmatz, der sich zwischen Halmen versteckt hatte und legte auch bald seine grummelige Art ab, als er merkte, dass wir uns wirklich sehr für Vögel interessieren. Nach einer Weile fragte er uns sogar, was wir gerne sehen würden. Ruth nannte ihm den Nachtreiher, woraufhin er sich erkundigte, welchen genau. Ruth antwortete mit dem selteneren White-backed Night Heron, womit der Test augenscheinlich bestanden war. Mark hatte erst ein wenig mit uns warm werden müssen, war noch immer nicht der große Alleinunterhalter, was auf einer Birding-Tour aber auch nicht ein absolutes Muss ist.
Kormorane
Purpurreiher
Am Ufer weideten Rinder, Frauen wuschen sich und ihre Wäsche, und ein paar Kinder winkten uns zu, als wir vorüberfuhren.
Wassertriel
Nachtreiher (Black-crowned Night-Heron, das nicht ganz so seltene Exemplar)
Ist das ein Jungvogel vom Green-backed oder Black-crowned?
Wir kamen an der größten Kormoran-Kolonie vorbei, die wir je gesehen haben. Unzählige dieser dunklen Vögel saßen auf Ästen oder am Ufer.
Glückliche Kormorane
Wie sich herausstellte, war unsere Bootstour für die armen Vögel kein wirklicher Glücksfall. Obwohl wir nicht in unmittelbarer Nähe vorüberglitten, flogen einige von ihnen auf und ließen sich auf dem Wasser nieder.
Diese Chance ließen sich die Krokodile nicht entgehen. Wir machten große Augen, als erst einer, dann ein zweiter und schließlich ein dritter Vogel im Rachen einer großen Echse verschwand. Leider machten gerade in diesem Augenblick die Hunde einen solchen Rabatz, dass das Boot schaukelte und wir bei der Wackelei keine vernünftige Aufnahme hinbekamen.
Unglücksraben-Kormoran
Mit einem Happs waren die Vögel im Schlund verschwunden, und Mark wollte auch nicht noch einmal umdrehen. Kein Wunder, sonst gäbe es wahrscheinlich spätestens nach den nächsten zehn Touren keinen einzigen Kormoran mehr.
Vielleicht ein Bruchwasserläufer?
Wassertriel
Scherenschnabel
Purpurhuhn
Seidenreiher
Lange standen wir bei einer Hippo-Familie, die es sich auf einer Sandbank gemütlich gemacht hatte. Die Tiere behielten uns im Auge, und Mark hielt respektvoll Abstand.
Dieses kleine Fettpummelchen hat irgendwie ein bisschen zu viel Haut.
Es wurde herzhaft gegähnt, und nach und nach ließ sich ein Familienmitglied nach dem anderen ins Wasser plumpsen.
Als nach einer Weile dieser gut gelaunte Kerl hinter uns auftauchte, wir seine Zähne bestaunen durften und er rasch auf uns zukam, warf Mark lieber den Motor an, und wir suchten das Weite.
Nimmersatt
Scherenschnabel
Nimmersatt
Auf einer Sandbank machten wir Pause, genossen den Sonnenuntergang und tranken etwas.
Für die liebe Bele 😉
von Karin:
Nach Sonnenuntergang machten wir uns schnell auf die Rückfahrt ins Camp. Wir waren froh, warme Jacken dabei zu haben, denn es wurde bald kühl. African Skimmer flogen um uns, und kurz erblickten wir tatsächlich auch noch den zweiten Nachtreiher. Leider war es schon viel zu dunkel, um zu fotografieren.
In völliger Dunkelheit erreichten wir schließlich die Einfahrt in den brackigen, kleinen Kanal zum Camp. Ein echtes Wunder, wie Mark die Stelle hatte wiederfinden können. Für uns sah das Schilf hier ebenso aus wie zehn Meter weiter hinten oder vorne. Für einen kurzen Augenblick leuchtete Marks Lampe beim Passieren des Kanals einen Vogel an. Und wieder war es einer der seltenen Night Herons. Voller Eindrücke stiegen wir schließlich leicht schwankend aus dem Boot. Es war eine sehr abwechslungs- und lehrreiche Bootsfahrt, die wir allerdings nur empfehlen können, wenn die persönliche Toleranzgrenze für ein ständiges Taptaptap von Hundepfoten sehr weit oben angelegt ist. Während Uwe das Essen zubereitete, ging Ruth duschen. Das Wasser aus dem Hahn roch stark nach Eisen, und Ruth stand vor der Entscheidung Hundesabber am Arm oder Duschgel und Haarwaschmittel mit Eisenaroma? Sie entschied sich für die Dusche. Danach duftete sie wie ein frisch geschlüpfter Roboter, und alle anderen waren sich einig, auf die Dusche zu verzichten. Schließlich waren sie ja auch nicht vom Hund abgeleckt worden. Zum Abendessen gab es gefüllte Butternut-Kürbisse, Folienkartoffeln und Bratwurst. Das Essen war sehr gut.
Anschließend schrieben oder malten wir im Dunkeln noch ein wenig mit unseren Taschen- oder Stirnlampen, da wir keine Nachbarn hatten, die wir damit hätten stören können. Wir hatten viel Spaß dabei, auf dem Platz herum zu hüpfen. Diesmal beteiligte sich auch Peter an unseren kreativen Ergüssen. Dabei war es uns ein völliges Rätsel, wie es ihm gelang, das blaue Ufo in den Himmel zu zaubern.
Wir saßen noch ein wenig beisammen, erinnerten uns an die gemeinsamen vier Wochen und freuten uns über die vielen schönen und besonderen Erlebnisse.
Kilometer: 167
Teil 5830. Mai 2019
Tag 30 – 12. August 2018 – Ende der Flusstour
Shamvura Camp – Maori, Grootfontein
Da heute außer dem Transfer nach Grootfontein nichts auf dem Plan stand, krabbelten wir erst spät aus dem Zelt. Bei der ersten Tasse Kaffee suchten wir aus unseren Fotos ein paar Vögel heraus, die wir bislang nicht bestimmen konnten. Mark Paxton hatte uns hierbei seine Hilfe angeboten. Wir frühstückten in Ruhe und tranken gemütlich Kaffee. Ruth konnte wie immer nicht so lange still sitzen und kroch ein wenig durch das angrenzende Gesträuch. Sie erwischte nicht besonders viel, denn die Vögel waren sehr scheu und die Vegetation zudem dicht und hoch, so dass ein unauffälliges, zügiges Anpirschen kompliziert war.
Gelbsteißbülbül
Abgelenkt durch seine fette Beute, eine Hummel, die er mehrfach laut auf einen Ast schlug, ließ ein Trauerdrongo dann doch noch ein Foto in schönem Morgenlicht zu.
Wir packten zusammen und fuhren zur Rezeption. Während Peter die Rechnung bezahlte, zeigten wir Mark die Fotos. Er konnte wirklich alle Vögel bestimmen, lediglich bei einem Shrike schwankte er zwischen zwei sehr ähnlichen Spezies. Auch bei Schmetterlingen kannte er sich bestens aus. Es ist schon sehr beeindruckend, einen Profi-Birder kennenzulernen. Noch besser ist es allerdings, mit einem befreundet und demnächst wieder gemeinsam auf Pad zu sein. 😉 Hinsichtlich der Vogelsichtungen hat uns die gestrige Bootsfahrt sehr gut gefallen. Die Campsite würden wir jedoch nicht uneingeschränkt empfehlen. Unser Stellplatz „Combretum“ war sehr staubig. Das Wasser ist stark eisenhaltig und riecht dementsprechend. Ruth bekam den Geruch nach der Dusche am Vorabend vorerst nicht mehr aus den Haaren.
Als wir auf die Straße einbogen, sahen wir einen kleinen Esel, der völlig irr ständig im Kreis herumrannte. Wir hielten kurz und schauten seinen Sprüngen und Hopsern zu.
Dann machten wir uns auf den Weg weiter nach Westen, verließen den Caprivi-Streifen und damit die Region der Flüsse, an denen wir uns in den letzten Wochen herumgetrieben hatten. Tschüss, Hippos! Die Fahrt war recht eintönig und führte schnurgeradeaus. In Rundu wollten wir eigentlich bei Wimpy halten und eine Fritten-Pause einlegen. Leider gab es das Schnellrestaurant an der Tankstelle aber nicht mehr. Uns fiel auf, dass die Stadt mit jedem Jahr wächst. Entlang der Ausfallstraßen stehen immer mehr und immer länger Wellblechhütten, Bars und kleine Geschäfte. So rutschten wir zügig an zahlreichen mehr oder weniger bestückten, in Stand gehaltenen oder zerfallenen kleinen Shops vorbei,
verzichteten auch diesmal auf den Besuch der einladenden Friseur-Hüttchen (Ruth sieht sich nach der abgehakten Mopane-Raupe-Probier-Challenge nach einer neuen Herausforderung um und zögert bisher nur aus dem Grund, dass ihre Haare schon fusselig genug sind),
ließen sämtliche Pubs und Shebeens links und rechts liegen
und erfreuten uns wieder einmal im Vorbeifahren an den bunten Bildern des afrikanischen Zusammenlebens.
Nachdem wir auf halber Strecke den Veterinärzaun passiert hatten, waren keine Menschen mehr entlang der Straße unterwegs. Ab sofort fuhren wir wieder durch eingezäuntes Farmland. Da wir uns keine Pause gegönnt hatten und zügig gefahren waren, erreichten wir das Camp Maori schon vor 14.00 Uhr. Wir waren die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und konnten uns breit machen. Wir schlugen das Lager auf, duschten, sicherten Fotos und aßen ein paar Brote mit Wildschinken. Dann besichtigten wir den Garten von Conni und Peter, aßen zwei Kumquats vom Baum und probierten die süßen und unglaublich leckeren Maracujas, die uns Peter geschenkt hatte.
Bradfieldtoko
Während Karin und Peter zum Spar nach Grootfontein fuhren, um für die kommenden Tage einzukaufen, erstanden wir in Peters Souvenirladen einen Tischläufer für Karin, die in ein paar Tagen Geburtstag hat. Der Nachmittag war entspannt und sehr warm. Zum Sonnenuntergang stiegen wir auf den Turm und stießen auf die vergangenen vier Wochen an. Wir hatten eine traumhafte gemeinsame Zeit zu viert mit so vielen tollen Erlebnissen. Leider trennen sich morgen unsere Wege.
Zum Abendessen machten wir wieder mal Pizzen. Eine brachte Ruth Conni und Peter. Schnell wurde es kühl, und wir setzten uns an unserem letzten gemeinsamen Abend mit Karin und Peter noch etwas ans Feuer.
Kilometer: 379
Teil 5902. Juni 2019
Tag 31 – 13. August 2018 – Transfer nach Swakopmund
Der maorische Esel Anton war so lieb, uns bin zum Sonnenaufgang schlafen zu lassen. Er schrie erst, als wir bereits aufgestanden waren. Vielleicht war er uns deshalb so wohlgesonnen, weil Ruth ihm abends zwei Möhren geschenkt hatte. Morgens bekam er noch ein paar Äpfel. Bemerkenswert war, dass es am Morgen mit 14 Grad sogar etwas wärmer als am Abend war. Wir setzten uns in die Sonne und frühstückten, brieten Speck und Spiegeleier. Anschließend aß Uwe noch Müsli mit den süßen Maracujas.
Das Einpacken ging relativ schnell, das Verabschieden von Peter und Conny wie immer nicht. Außerdem nötigte Peter uns, erneut in seinem Souvenirshop vorbeizuschauen. Die Österreicher kauften sich dort mit ein paar Postkarten und Briefmarken frei, wir erwarben eine Makalani-Nuss. Zwischendurch wurde Uwe schon etwas ungeduldig. Aber gegen halb elf waren wir so weit, und der unausweichliche Abschied von Karin und Peter stand bevor. Wir umarmten uns und wünschten uns gegenseitig gute Pad. Mit den beiden hat es uns sehr viel Spaß gemacht. Wir gaben Karin noch ihr Geburtstagsgeschenk für in ein paar Tagen mit. In Grootfontein tankten wir wie immer an der Total-Station und fuhren weiter. Nach einigen Kilometern erreichten wir eine Baustelle. Da die Straße offensichtlich gesperrt war, warteten wir brav hinter den Pylonen.
Es tat sich jedoch nichts. Die beiden Straßenbaumitarbeiterinnen würdigten uns nur eines kurzen Blickes, ließen sich sonst aber nicht aus der Ruhe bringen. Nach drei Minuten Wartezeit begannen wir uns zu fragen, wie es denn nun weitergehen würde. Waren wir vielleicht unsichtbar, musste erst der nichtvorhandene Gegenverkehr passieren, sollten wir wohl einmal aussteigen? Man will ja nicht ungeduldig erscheinen, wird aber genau das mit zunehmender Wartezeit dann doch. Nachdem alle SMS versendet waren, oder vielleicht hatte die Dame in der orangefarbenen Weste auch nur die ganze Zeit auf ihre Handy-Stoppuhr geschaut, um den exakten Augenblick zum Schilddrehen nicht zu verpassen, schlenderte die eine Arbeiterin schließlich zur Absperrung, schob sie zur Seite und bedeutete uns durch ein gelangweiltes Nicken, dass wir die Fahrt nun fortsetzen konnten. Glück gehabt, wir waren schon kurz davor gewesen, unser Zelt und die Campingstühle aufzuklappen. In Otavi kamen uns aus der Stadt plötzlich Karin und Peter entgegen. Sie hatten wohl im Ort noch etwas eingekauft. Bis Otijwarongo fuhren wir noch hintereinander her, dann trennten sich endgültig unsere Wege. Wir nahmen die C33 nach Südwesten.
Die Strecke führte meist entlang von Farmen. Vögel saßen auf Stromleitungen. Nachdem wir bei Karibib auf die B2 abgebogen waren, nahm der Verkehr deutlich zu. Mit Annäherung an die Küste sank auch die Temperatur stetig. Swakopmund erreichten wir aber bei Sonnenschein. Sobald wir in die Windhoeker Straße einbogen – die interessanterweise gar nicht nach Windhoek führt – und den gelben Häuserblock mit den Perlhühnern sahen, freuten wir uns sehr, wieder hier zu sein.
Meike begrüßte uns sehr herzlich und kochte Kaffee. Wir trugen unsere Sachen aus dem Auto in das Pensionszimmer und unterhielten uns in Meikes Wohnzimmer. Dann duschten wir und gingen zum Abendessen. Unsere Freundin hatte gekocht. Es gab eine Rote-Beete-Suppe und anschließend Oryx mit Pilzen, Schinken, Kartoffeln, Rosenkohl und Broccoli. Es schmeckte fantastisch. Wir erzählten viel und quatschten mit Klaus und Meike bis nach Mitternacht. Wir haben uns so auf die beiden gefreut. Wie schön, wieder hier zu sein.
Kilometer: 593
Teil 6005. Juni 2019
Tag 32 – 14. August 2018 – Bummeliger Tag
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Gestern Abend war es wirklich spät geworden. Wir hatten bis halb eins bei Meike und Klaus gesessen. Dementsprechend müde waren wir und schliefen etwas länger. Nach einer heißen Dusche gingen wir gegen viertel vor neun zum Frühstück. Dort gab es wieder alles, was es zu einem leckeren Frühstück braucht. Wir ließen uns reichlich Zeit. Dann brachen wir zu Fuß auf in die Innenstadt. Jedes Jahr kommen neue Souvenirläden und Cafes hinzu. Wir besorgten uns bei Cymot eine neue Grillzange, kauften für unsere letzten Campingtage das Permit für den Namib-Naukluft-Park, und Ruth fand in dem kleinen Laden neben dem Bojos-Cafe wieder mal einen Rock und zwei Oberteile. Außerdem erstanden wir noch ein paar andere Andenken und Mitbringsel. Als wir keine Lust mehr hatten herumzulaufen, setzten wir uns vor das Cafe Slowtown und tranken Latte Macchiato und heißen Kakao. Dazu teilten wir uns ein Stück Schokoladenkuchen. Nachdem morgens der Nebel über Swakopmund gehangen hatte, kam nun die Sonne heraus. Der Kaffee war besonders lecker.
Wir liefen zurück zur Pension, und Uwe schaute sich schon mal ein paar Fotos unserer Reise an. Ruth fotografierte in der Zwischenzeit Vögel im Innenhof, die auf dem Wasserstein zum Baden kamen und anschließend in den angrenzenden Büschen ihr Gefieder trockneten und sich putzten.
Wellenastrild
Oranjebrillenvogel
Am späten Nachmittag fuhren wir zur Tiger Reef Bar am Meer und liefen zu dem kleinen See an der Swakopmündung, wo wir Pelikane, Reiher, Möwen und andere Wasservögel fanden.
Rosapelikane
Graureiher
Hartlaubmöwe
Dominikanermöwe
Grünschenkel?
Wir fotografierten, bis der Wind uns genügend durchgepustet hatte und wärmten uns zurück in der Pension mit Kaffee und Tee. Relativ früh liefen wir zum Abendessen ans Meer. Unser Tisch im Erker des Tugs mit Ausblick auf den Atlantik wartete bereits.
Beim Tug scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Es ist wirklich immer ausgebucht, sehr trubelig und sehr laut, aber mit dem Essen waren wir bisher stets zufrieden. Da wir eh immer dasselbe dort essen, erwartet uns keine große Überraschung. Wir teilten uns drei Buschetta, aßen Blackend Fish (der so scharf ist, dass Ruth jedes Mal fast die Schnauze abfällt) und Kingklip, während am Nebentisch eine italienische Familie mit drei Kindern Einzug hielt. Zu unserer großen Freude untermalte das jüngste Familienmitglied unser Essen mit quietschenden Geräuschen, die seine Flip-Flop-Sohlen an den Fensterscheiben verursachten. Außer uns schien das aber niemand zu bemerken. Als sich der kleine Zappel-Spross schließlich zwischen unserem Stuhl und der Fensterscheibe in unsere Ecke vorgearbeitet hatte und begann, die Scheibe hinter Uwe anzuhauchen, zu bemalen und abzulecken, waren unsere Blicke dann doch so eindeutig, dass das Kind zurückgepfiffen wurde. Wieder mal kamen wir uns unentspannt, alt und spießig vor. Ruth muss sich da immer sehr zusammen nehmen, um nicht die Lehrerin raushängen zu lassen. Zum Nachtisch bestellte sich Ruth einen Cocktail und Uwe den Schokoladen-Vulkan – ein frisch gebackener Brownie mit einer flüssigen Schokoladenfüllung. Dieser Nachtisch war nicht zu übertreffen, leckerer geht es nicht, klebriger und süßer allerdings auch kaum.
Und so schleppten wir uns einmal mehr nach einem Besuch im Tug völlig überfressen zurück in die Pension.
Kilometer: 0
Teil 6109. Juni 2019
Tag 33 – 15. August 2018 – Ausflug in die Mondlandschaft und nach Ganikontes
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Auch heute standen wir spät auf, frühstückten und unterhielten uns noch lange mit Meike. Am späten Vormittag fuhren wir zu Fruit and Veg und kauften ein paar Kleinigkeiten für unsere letzten Campingübernachtungen ein. Wir mögen den Laden sehr, und es macht gegen Ende des Urlaubs viel weniger Spaß, nur noch ein paar Dinge in den Einkaufswagen zu laden und genau zu überlegen, was wir denn wirklich noch benötigen, anstatt einfach alles einzupacken, was lecker aussieht. Beim Spar besorgten wir noch das frische Naukluft-Wasser und beobachteten anschließend wieder die gefiederten Gäste in Meikes Garten.
Wellenastrild
Oranjebrillenvogel
Kapsperling
Am Nachmittag fuhren wir tanken und dann weiter Richtung Mondlandschaft.
Namibschmätzer
Die Sonne stand noch ziemlich hoch, und so blieben wir nicht lange an den Aussichtspunkten, sondern fuhren weiter bis nach Goanikontes im Swakoptal. Wir hatten Glück, denn als wir ankamen, fuhr gerade eine große Reisegruppe in einem Bus ab. Seit unserem Besuch im letzten Jahr hat sich hier viel getan. Es wurden neue Campingplätze angelegt, Chalets gebaut, und die gesamte Anlage macht einen überholten Eindruck. Wir bestellten Toast und Getränke und machten es uns mit den Fotoapparaten bequem, denn an den verschiedenen Vogeltränken war immer etwas los. Wegen besonders guter Speisen ist Goanikontes sicherlich nicht zu empfehlen, aber die vielen Vögel sorgten dafür, dass wir es hier gut zwei Stunden aushielten.
Oranjebrillenvogel
Senegaltauben
Rotschwanzschmätzer
Kapstelze
Rußnektarvogel
Rotbrust-Glanzköpfchen
Maskenweber
Wir tippen mal einfach wild in die kleinen braunen Ammer-Spatzen-Girlitze und behaupten, dass dies ein Angolagirlitz ist!? In Wirklichkeit ist es ein Haussperling-Weibchen (vielen Dank an maddy).
Ein Paar aus Österreich gesellte sich zu uns, und wir unterhielten uns ein bisschen. Bevor wir wieder aufbrachen, liefen wir noch eine Runde über die Anlage und schauten uns den kleinen Zoo mit Schweinen, Alpakas, Kaninchen und Emus an. Ein paar Streifenmäuse huschten herum.
Viele Angestellte liefen geschäftig durch die Gegend. Es ist noch Vieles im Bau, und wir sind gespannt, wie sich die Oase entwickeln wird. Es macht den Anschein, als könnte es hier auf Grund der Größe schon bald recht trubelig werden.
Unsere Rückfahrt dauerte deutlich länger, weil wir wegen des schönen Nachmittagslichts immer wieder anhielten und die Gegend bewunderten. Die Mondlandschaft ist für uns schon etwas ganz Besonderes.
Es war schon halb sieben, als wir wieder nach Swakopmund kamen. Wir machten uns kurz frisch, dann fuhren wir auch schon wieder mit Klaus und Meike zum Secret Garden. Dort gehen wir seit Jahren zum Pizza essen. Die winzige Pizzeria ist sehr gemütlich, und es schmeckte wieder fantastisch. Leider war es in der Stadt nicht sehr warm, und so kuschelten wir uns zurück im Zimmer schnell unter die Decken.
Kilometer: 81
Teil 6225. Juni 2019
Tag 34 – 16. August 2018 – In und um Swakopmund
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Als wir heute Morgen wach wurden, stieg uns jemand aufs Dach. Irgendwer lief draußen über unseren Köpfen herum. Wir hörten Stimmen. Es ging um die Wasserleitungen. Beim Rasieren merkte Uwe, dass etwas Luft in der Leitung war. Aber beim Duschen hatte er keine Probleme. Beim Frühstück sahen wir dann die Bescherung. Eine Wasserleitung war undicht, und es tropfte aus der Decke in die Küche des Frühstücksraums. Meike und Klaus bemühten sich nach Kräften, den Schaden in Grenzen zu halten und alles zu regeln. Obwohl die Klempner bereits den richtigen Hahn gefunden hatten, um den Fluss zu stoppen, ließen die beiden den Hauptwasserhahn so lange offen, bis alle Gäste geduscht hatten. So lange konnte das Wasser munter in die Wand fließen. Gut für die Gäste, weniger gut für die Gastgeber. Nach dem Frühstück machten wir uns wieder zu Fuß auf in die Stadt. Heute besuchten wir die Souvenirläden, die wir vorgestern ausgelassen hatten. Und auch diesmal fanden wir ein paar schöne Sachen: eine Bluse und ein Tuch für Ruth, ein paar Tischsets und zwei schöne Bilderrahmen. Die Verkäuferin bei Art Africa war unheimlich nett und überraschte uns mit ihren Deutschkenntnissen. Fleißig sammelten wir Tax Invoices. Im Permit-Büro holten wir uns eine Erlaubnis zur Fahrt durch die Mondlandschaft. Dann stiegen wir zum ersten Mal auf den Woermann-Turm. Die Aussicht über Swakopmund und das Meer war mal eine andere Perspektive auf die Stadt.
Inzwischen hatte sich der morgendliche Nebel verzogen. Wir liefen zurück zur Pension, packten die Kameras und fuhren auf der B2 aus der Stadt. Nach einigen Kilometern bogen wir auf die D1991 nach Süden ab und kurz danach auf eine Piste, die zum Khan-River führte. Karin und Peter riefen an. Auf ihrem Weg zur Blutkuppe hatten sie gerade in Swakopmund angehalten und hätten gerne einen Kaffee mit uns getrunken. Leider klappte das nicht, und wir überlegten, uns evtl. in Goanikontes zu treffen. Die Landschaft war geprägt von Sand und Felsformationen in braun, rot und schwarz. Immer wieder liefen dunkle Steinrücken durch die Berge. Obwohl wir durch die Wüste fuhren, wuchsen erstaunlich viele verschiedene Pflanzen: Dollarbüsche, Hoodias, Gräser und noch einige andere, die wir nicht kannten.
Wir näherten uns dem Flussbett des Khan, das nach einem kurzen Stück in den Swakop mündete. Nach weniger als 10 Kilometern hätten wir Goanikontes erreicht. Plötzlich sahen wir Gebäude am Rand des Flusses sowie ein Schild „No Entry“. Die Spur endete mit diesem Verbot. Auch ein abzweigender Track führte im Flussbett zu einem gleichlautenden Schild. Wir sahen keinen anderen Weg ins Flussbett und wollten das Verbot nicht überschreiten. Also kehrten wir um und fuhren den gesamten Weg zurück bis kurz vor die Teerstraße, wo wir dann auf der D-Pad nach Goanikontes abbogen. Wir hatten schon Sorge, dass Karin und Peter evtl. nicht mehr auf uns warten würden. Die war aber unbegründet, denn die zwei waren gar nicht gekommen. Per SMS hatten sie geschrieben, dass es ihnen zu spät werden würde. Wir beobachteten wieder ein paar Vögel und aßen eine Kleinigkeit.
Rotschwanzschmätzer
Oranjebrillenvogel
Sehr lange blieben wir jedoch nicht, sondern fuhren nach Walvis Bay. Südlich der Stadt bei den Salzfeldern am Meer erhofften wir uns ein paar Wasservögel. Tatsächlich standen dort einige Flamingos, Reiher und Möwen.
Enten und Säbelschnäbler waren im Wasser, und noch ein paar andere Küstenvögel standen, liefen oder schwammen herum. Insgesamt war die Ausbeute aber nicht sehr groß. Es wehte ein kräftiger Wind, der das ganze Auto schaukeln ließ.
Steinwälzer
Kapenten
Säbelschnäbler
Fahlregenpfeifer
Mit Sonnenuntergang erreichten wir Swakopmund über die Küstenstraße. Wir duschten und fuhren zum Abendessen zum Restaurant „The Wreck“ im Norden der Stadt. Wir bekamen einen Tisch am Fenster zugewiesen. Ein paar Tische weiter saßen vier Ehepaare – Italiener. Es hört sich nicht nett an, aber wir bekamen eine ganz famose Unterhaltung geboten, denn sie hatten ihre 13 Kinder (in etwa im Alter von 4 bis 15) gut gelaunt an einen Nachbartisch ausquartiert, wo diese sich völlig unbeaufsichtigt daneben benehmen konnten. Was für eine riesen Party! Mit den Straßenschuhen auf den hellen Polstermöbeln kniend konnte man sich prima die weiße Stoffserviette über den Kopf ziehen und mit entsprechender Geräuschuntermalung Gespenst und Gruselzauber spielen. Das Geheule wurde nur durch ein lautes Gekreische unterbrochen, als zwei Colagläser umfielen und der Inhalt über den Tisch rann. Kein Grund zur Panik, schnell kamen zwei Kellner herbeigeeilt und legten neue weiße Decken auf. Wir starrten gebannt auf die Show, die uns geboten wurde. Während sich die Eltern in aller Seelenruhe unterhielten, krochen die Kinder über und unter den langen Tisch, lagen quer über den Stühlen, bewarfen sich mit Eiswürfeln aus dem Weinkühler oder wickelten sich langsam als Mumien in die langen Vorhänge ein. Als wir schon dachten, dass die festgeschnürte Vorhangrolle jeden Moment mitsamt Kind von der Decke fallen würde, wurde es endlich leiser, denn nun gab es Hamburger für alle. Und die waren riesig! Ruths Augen wurden kugelrund, als wir beobachteten, wie nun gespeist wurde. Es ist ein wenig wie bei einem Autounfall: Man will gar nicht hinsehen, macht es aber doch! Die armen Kellner kamen mehrfach gelaufen, um verschiedenste Dinge vom Boden aufzuheben. Wir waren froh, dass unser Essen erst ein wenig später kam, denn so wäre uns sicher der Appetit vergangen. Nicht so den Eltern, die es nämlich nicht für nötig hielten einzuschreiten. Ruth aß einen hervorragenden Kingklip, Uwes Game-Steak war ein wenig zäh. Als die Bagage nach den Burgern beschloss, auf ihre Zimmer zu gehen – wir wollen nicht wissen, was dort in der Zwischenzeit passiert ist, denn die Eltern waren noch lange nicht mit ihrem Essen fertig – konnten auch wir unser Essen genießen und ein wenig durchatmen. Eine einsame Nacht mit Grill am Lagerfeuer ist eben manchmal doch unbezahlbar. Anschließend ging es mit einem kurzen Stopp an der Jetty wieder zurück in die Pension.
Kilometer: 253
Teil 6330. Juni 2019
Tag 35 – 17. August 2018 – Letzter Tag am Meer
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Gestern bei der Fahrt war die Warnleuchte für den Dieselfilter im Auto angegangen. Daher riefen wir nach dem Frühstück bei Savanna an. Bei Toyota sollten wir uns den Filter ersetzen lassen. Dort bat man uns, am Nachmittag wieder zu kommen. Außerhalb der Stadt schauten wir bei Arts and Crafts vorbei in der Hoffnung, noch ein paar schöne Dinge zu finden, die wir unbedingt besitzen müssen. Aber zum Glück war dort fast alles geschlossen. So holten wir in der Pension unsere Kameras und fuhren noch eine Runde durch den Swakop. Vorbei an den klingenden Steinen, bei denen wir einen kurzen Stopp einlegten, um ihnen mit einem Kiesel ein paar Töne zu entlocken, ging es durch schöne, felsige Landschaft hinunter ins Flussbett. Wir entdeckten Namibschmätzer, einige interessante Pflanzen, mit deren Bestimmung wir uns aber nicht weiter auskannten und einen Gecko, der sich in einer Felsspalte verbarg.
Zurück in Swakopmund fuhr Uwe zu Toyota, ließ den Dieselfilter tauschen und schaute sich ein paar gebrauchte Autos an. Anschließend tankte er noch ein paar Liter. Währenddessen blieb Ruth in der Pension und lichtete wieder einmal ein paar Vögel ab.
Kapsperling (Männchen und Weibchen)
Wellenastrild
Zu Fuß liefen wir ein letztes Mal in die Stadt und setzten uns vor das Bojos Cafe, aßen Omelett und Burger und genossen die Nachmittagssonne. Auf dem Heimweg ließen wir uns auch noch eine Makalani-Nuss andrehen und schwätzten ein wenig mit dem sehr engagierten Verkäufer. Mit Meike und Emmi liefen wir anschließend in den Dünen spazieren. Die Abendrunde mit der Hündin ist für uns schon zu einem kleinen Ritual geworden. Emmi beim Buddeln im Sand zu beobachten, macht einfach gute Laune.
Zum Abendessen fuhren wir mit Klaus und Meike in ein relativ neues Restaurant, das „Old Steamers“. Dort gab es ein Büffet mit den verschiedensten Vorspeisen, Hauptgerichten und Nachtischen. Wir probierten möglichst viel. Alles war mehr als lecker. Ein derart gutes Büffet haben wir selten gegessen. Am besten haben uns die Rindersteaks geschmeckt, die auch ganz frisch nach Wunsch gebraten wurden. Das Fleisch war fantastisch. Aber auch die Beilagen, Salate, die Suppe, das Fischcurry und die Nachtische mit Crème Brûlée, dreierlei Schokomousse, roter Grütze, Kuchen und karamellisierten Nüssen ließen keine Wünsche offen. Dies war eines der besten Abendessen in Swakopmund. Anschließend saßen wir noch ein wenig zusammen und unterhielten uns. Schade, dass wir morgen schon wieder weiterfahren.
Kilometer: 57
Teil 6404. Juli 2019
Tag 36 – 18. August 2018 – Abschied in den Namib-Naukluft-Park
Am letzten Morgen bei Meike hatten wir Stromausfall. In Swakopmund waren mehrere Stadtteile abgeschnitten. Aber heißen Kaffee gab es trotzdem, denn Klaus startete seinen Generator, und so konnten wenigstens die Spülmaschine und die Lampen mit Strom versorgt werden. Wir packten unsere Sachen zusammen und frühstückten spät und lange. Anschließend beluden wir das Auto. Ruth hatte gestern Abend den Innenraum noch ein wenig mit einem feuchten Lappen vom Staub befreit. Leider konnten wir unseren Aufenthalt bei Klaus und Meike nicht weiter verlängern, und so kam auch hier der unvermeidliche Abschied. Es wurde sich einmal mehr lieb-gedrückt, und mit einem kleinen Tränchen im Auge verließen wir bei strahlendem Sonnenschein, den wir schon den ganzen Morgen hatten, unsere Lieblingspension und Swakopmund.
Dominikanermöwe
Entlang der Küste fuhren wir nach Walvis Bay. Dort hielten wir neben der C14 bei einigen Wasservögeln. In kleinen Seen standen Flamingos, Blesshühner und Regenpfeifer.
Rosaflamingo
Hottentottenente
Kammblesshuhn
Von diesem Hirtenregenpfeifer entdeckte Ruth sogar das Gelege.
Hartlaubmöwe
Wir rissen uns los und bogen bald nach Süden auf die D1983, die uns zum Kuiseb führte. Bald tauchten die typischen roten Sanddünen der Namib am Horizont auf, denen wir in östlicher Richtung folgten. Zu Beginn gab es noch viele Siedlungen, und eine neue Pipeline wurde entlang der Straße gebaut. Später fuhren wir nur noch durch den Namib-Naukluft-Park und sahen ab und an ein paar Esel.
Es war sehr heiß, die Luft flimmerte, und eine vereinzelte Staubfahne schlängelte sich beim kleinsten Windhauch empor. Nur selten hielten wir an, und noch seltener verließen wir das klimaanlagengekühlte Auto. Bei der Wüstenforschungsstation Gobabeb bogen wir nach Norden Richtung Mirabib ab. Wir durchfuhren eine endlose Ebene, die bis an den Horizont mit zartem, goldenem Gras bewachsen war. Einige Nonnenlerchen flogen auf oder nutzten mit abgespreizten Flügeln den einzigen Schatten unter einem Wegweiser. Auch ein paar Trappen liefen über die Ebene.
Rüppelltrappe
Gegen 16.00 Uhr erreichten wir den Mirabib-Felsen und fanden noch einige freie Stellplätze, darunter auch unseren Lieblingsplatz. Wir stellten unser Lager auf und machten zunächst einmal ein kleines Picknick. Das freute besonders die vielen Fliegen, die uns um die Köpfe schwirrten und wohl schon länger auf die nächsten Besucher gewartet hatten. Wir hatten weniger Spaß und verteidigten so gut es ging unsere Lebensmittel und Getränke. Das ständige Herumgefuchtel und Gewedel war auf die Dauer ziemlich anstrengend. Zum Sonnenuntergang wanderten wir auf den Felsen und genossen die Aussicht nach Westen. Als wir auf den Steinen herumkletterten, entdeckten wir einen Hasen, der in unseren Bestimmungsbüchern nicht zu finden war. Wir nahmen uns voller Zuversicht vor, Matthias (fotomatte) nach unserer Heimkehr um Rat zu fragen. In seinem Reisebericht konnten wir, schon bevor wir unsere Frage gestellt hatten, die Antwort nachlesen. Er hatte das Tier auch an dieser Stelle gesehen und zunächst dieselben Probleme gehabt. Durch einen glücklichen Zufall war ihm aber dennoch eine Bestimmung gelungen. Und so seht ihr denn hier den Rock Rabbit:
Fast noch störender als die Fliegen, die uns mittlerweile verlassen hatten, empfanden wir nun das laute Surren zweier Drohnen, die über uns kreisten. Eine deutsche Familie stand ebenfalls auf einer erhöhten Position und steuerte die beiden Kameras um den Hügel herum. Wir sind ein wenig hin- und hergerissen. Zugegebenermaßen sind die Aufnahmen aus einer solchen Perspektive oft eindrucksvoll, und es wäre ja schön, sich auch mal etwas weiterzuentwickeln und neue Blickwinkel zu erschließen, ABER … Und so kamen wir mal wieder zu dem Schluss, dass nicht um jeden Preis alles muss, was möglich ist. Das Licht auf der Ebene war einzigartig, als die Sonne versank und später rot aufleuchtete.
Wir machten Feuer, und da wir erst spät gegessen hatten, ließen wir uns Zeit, bis wir Folienkartoffeln in die Glut legten und eine Boerewors grillten. Bei Temperaturen von über 20 Grad schmeckte uns das Abendessen ganz besonders gut. Von den anderen Campern war nichts zu sehen und zu hören, und wir genossen das Uns-gehört-die-Welt-Gefühl, das man nur an wenigen Stellen so exklusiv bekommt wie hier.
Erst viel später erledigten wir noch den Abwasch. Das warme Wasser aus der Dusche ist schon ein wenig dekadent, wird aber gerne genommen.
Nach 23 Uhr lagen wir endlich in unserem Bett, während am Himmel der Halbmond die weite Ebene erhellte.
Kilometer: 169
Teil 6508. Juli 2019
Tag 37 – 19. August 2018 – Ein würdiger Abschluss
Mirabib – Blutkuppe
Der Morgen bei Mirabib war sehr entspannt. Wir schliefen aus und freuten uns über die angenehmen Temperaturen. Als Uwe kurz vor Sonnenaufgang den Schlafsack verließ, waren es gut 12 Grad. Bis die Sonne über den Berg war und auch unser Stellplatz beleuchtet und gewärmt wurde, dauerte es aber noch etwas. So lange tranken wir Kaffee und Tee und entdeckten die ersten Vögel.
Nonnenlerche
Von den Südafrikanern auf dem Stellplatz nebenan bekamen wir kaum etwas mit. Allerdings musste das Auto heute Morgen aus einem für uns unerklärlichen Grund wiederholt gestartet und mehrfach umgeparkt werden. Auch als schon alles eingepackt und man im Begriff war loszufahren, lief der Diesel bestimmt zehn Minuten im Stand, bevor die Herrschaften endlich abfuhren. Irgendwo in Südafrika muss eine Regel existieren, die fordert, dass Motoren vor dem Aufbruch unbedingt warmlaufen müssen. Wir ließen es langsam angehen, frühstückten gemütlich und packten anschließend unseren Kram zusammen. Dann brachen wir Richtung Norden auf.
Entlang der Straße flogen ein paar Nonnenlerchen auf, und in weiter Entfernung grasten Springböcke und Oryx. Die C14 überquerten wir nur und fuhren weiter durch den Namib-Naukluft-Park. Die Pad war teilweise sehr ruppig mit tiefem Wellblech. Als wir anhielten, um einen Baum zu fotografieren, überholte uns ein großer Reisebus, der eine lange Staubwolke hinter sich herzog.
Wir entdeckten mehrere Erdmännchen-Kolonien. Aber leider nahmen die Tiere sofort Reißaus, sobald wir anhielten.
Doppelbandrennvogel
Wir wählten nicht den kürzesten Weg zur Blutkuppe, sondern eine Route am Ostrand des Parks, die wir noch nie gefahren waren.
Etwas später entdeckten wir knapp 10 Geier auf der Ebene, hielten an und stiegen aus. Aber als wir uns vorsichtig zu Fuß näherten, stiegen die großen Vögel nacheinander auf. Einer wurde von einem Schildraben attackiert, der es auf den Knochen im Schnabel des Geiers abgesehen hatte. Wir suchten mit dem Fernglas die Stelle ab, an der die Geier gesessen hatten, konnten aber keine Überreste eines Festmahls finden.
Ohrengeier
Rüppelltrappe
Beim Abstecher zu Gemsbok-Water machten wir Pause. An dieser Wasserstelle wird Grundwasser für die Tiere an die Oberfläche gepumpt und läuft aus einem großen Tank in ein Betonbecken. Auch hier standen ein paar Geier und viele Strauße. Unter einem Schattendach machten wir ein Picknick mit Salamibroten und Käse. Dabei sahen wir zu, wie sich die Strauße vorsichtig dem Wasser näherten, um auf halber Strecke wieder umzudrehen.
Zumindest wir waren nun frisch gestärkt und fuhren an der östlichen Grenze des Parks entlang des Zauns die letzten Kilometer zur Blutkuppe.
Zunächst schauten wir uns die Campsites auf der Südseite an, dann auf der Nordseite des Berges. Nirgendwo standen andere Camper. Wir entschieden uns wieder für den Stellplatz Nummer 10, wo wir auch vor zwei Jahren übernachtet hatten. Unmittelbar davor hatten wir uns in unserem zweiten Urlaub vor 13 Jahren mit einem Toyota Condor im Sand festgefahren und uns nur mit fremder Hilfe wieder befreien können. Diese Stelle ist für uns immer noch etwas Besonderes. Aus der brenzligen Situation gerettet hatten wir damals genau hier den Entschluss gefasst, die nächste Reise als Camper mit Allradfahrzeug, besserer Ausstattung und einem etwas größeren Wasservorrat zu unternehmen. Dass diese Entscheidung genau die richtige war, wird uns jedes Jahr wieder aufs Neue klar. Wir parkten und spazierten ein wenig herum.
Bergstar
Langschnabellerche?
Nachdem keine anderen Autos vorbeikamen, duschten wir und bestiegen am späten Nachmittag die Blutkuppe.
Der Hang war auf dieser Seite nur mäßig steil, und wir gelangten mit kleineren Verschnaufpausen zum höhlenartigen Überhang, von wo aus wir einen sensationellen Ausblick hatten. Im späten Licht erglühten die Felsen in einem warmen Orange, und die Pastelltöne in der Ebene wechselten ständig.
Ruth packte der Ehrgeiz, und sie musste danach noch ein wenig höher krabbeln.
Während der Aufstieg noch recht sportlich gelang, sah der Rückweg plötzlich viel steiler aus. Mehr auf dem Hintern rutschend als kletternd gelang es ihr aber dann doch, sowohl sich als auch die Kamera wieder heil ein Stockwerk tiefer in die Höhle zu schaffen.
Nach Sonnenuntergang machten wir uns dann rasch wieder an den restlichen Abstieg. Zurück am Auto entzündete Uwe ein letztes Mal für diesen Urlaub ein Feuer, und Ruth legte das Fleisch ein und machte Rote-Beete-Salat. Die Folienkartoffeln kamen in die Glut, die wir mit dem letzten Holz und den Kohlen üppig befeuerten. Das Fleisch aus Swakopmund schmeckte sehr gut und war ein würdiger Abschluss für die vielen leckeren Grill-Abendessen der letzten Wochen. Nach dem Spülen freuten wir uns über den Besuch eines Kapfuchses. Es ist uns bisher noch nie gelungen, ein solches Tier am Tag zu entdecken.
Ruth spielte noch ein wenig mit der Taschenlampe herum.
Wir saßen anschließend noch lange am Feuer. Die Glut wärmte uns, wir genossen die Ruhe und Einsamkeit und riefen uns die letzten fünf Wochen ins Gedächtnis. Unsere Freunde Karin und Peter sitzen bereits im Flugzeug nach Wien, und wir dürfen Namibia nochmal in vollen Zügen genießen. Wegen uns müsste die Reise noch nicht zu Ende sein. Als der Vollmond von der einen Seite und die Nebelschwaden langsam von der anderen Seite über den Berg krochen, lagen wir aber schon längst träumend von neuen Afrika-Geschichten auf unserer Matratze.
Kilometer: 129
Teil 6610. Juli 2019
Tag 38 – 20. August 2018 – Zurück in Windhoek
Blutkuppe – Casa Piccolo, Windhoek
Heute hatten wir genügend Zeit und schliefen wieder aus. Als Uwe aus dem Camper steigen wollte, kehrte er sofort wieder um und legte sich nochmal hin. Es war nämlich total neblig, fisselig und ungemütlich.
Die Spitze der Blutkuppe war nicht mehr zu sehen, und alles war klamm. Der Fotoapparat, der den nächtlichen Sternenhimmel aufgezeichnet hatte, triefte. Etwas später, nachdem wir nochmal ein wenig geschlafen hatten, war es zwar heller, aber immer noch nicht trockener geworden.
Wir frühstückten dennoch und spürten den feinen Niederschlag im Gesicht. Die Toktokies hätten ihre wahre Freude gehabt. Wir hingegen tranken den letzten Kaffee, brauchten Müsli, Obst, Joghurt und Milch auf und packten zusammen. Eine ganze Horde Bergstare und ein paar Bülbüls leisteten uns Gesellschaft. Sie hatten ihr Federkleid gegen die unfreundliche Witterung zu kleinen Bällchen aufgeplustert. Sonst waren wir an der Blutkuppe völlig alleine.
Obwohl sich der graue Vorhang noch eine ganze Weile über den umliegenden Hügelketten hielt, war von den feinen Tröpfchen bald nichts mehr zu spüren. Nach und nach blitzte ein kleines Stückchen blauer Himmel durch die Wolkendecke, und wir kletterten noch ein wenig durch die felsige Landschaft.
zum Vergleich 11 Jahre zuvor:
Nachdem wir alles gespült, unsere Schlafsäcke bereits aus dem Bett genommen und unseren Müll in die bereit stehenden Tonnen entsorgt hatten, war es Zeit zum Aufbruch. Da es schon nach elf Uhr war, machten wir keinen Umweg mehr über Tinkas und liefen auch keinen Nature Walk, sondern fuhren auf kürzestem Weg zur C28 und dann nach Osten Richtung Windhoek.
Laut rufende Rüppelltrappen
Die Strecke ist landschaftlich sehr schön. Ruth fuhr auch ein Stück. Durch das Khomas Hochland wurde es ziemlich steil.
Am Ghaub Pass hielten wir an einem steilen Stück kurz an und schafften es anschließend nicht mehr anzufahren. Also musste hier ein letztes Mal die Untersetzung eingeschaltet werden, und wir krochen im Schneckentempo in die Höhe. Oben hielten wir kurz an dem kleinen Rastplatz und vertraten uns ein wenig die Füße. Weiter ging es kurvig bergauf und bergab. Auch wenn wir diese Strecke bereits mehrfach in entgegengesetzter Richtung gefahren waren, zog sie sich gefühlt ewig in die Länge. Aber irgendwann verließen wir endgültig den Gravel und fuhren die letzten Kilometer auf Teer bis zur Hauptstadt.
Bei Savanna holten wir unsere Reisetaschen und fuhren zur Pension. Während wir das Auto entluden, traf auch Claudia ein, und wir unterhielten uns ein wenig. Einige Male liefen wir zwischen Zimmer und Wagen hin und her, bis wir alle Sachen geholt hatten. Das Zimmer sah entsprechend verwüstet aus.
vorher:
Und nur einige Zeit später:
Nach dem Packen der Ausrüstungskiste duschten wir und fuhren mit dem Taxi mal wieder zu Joe’s Beerhouse. Game-Filet und ein Brownie zum Nachtisch beendeten diesen Tag. Zurück im Zimmer packten wir noch zwei der drei Reisetaschen. Zurück im WLAN fieberte Ruth parallel mit dem BVB, der in einem DFB-Krimi in letzter Sekunde gegen Fürth gewann.
Kilometer: 244
Teil 6710. Juli 2019
Tag 39 – 21. August 2018 – Heimreise
Im Gegensatz zu unserem ersten Morgen in Windhoek zu Beginn der Reise regnete es heute nicht. Es war angenehm warm. Wir packten unsere Sachen und frühstückten in Ruhe. Uwe bat einen jungen Mann, mit ihm die schwere Kiste zum Auto zu tragen. Zum Glück sind ja immer hilfsbereite Gäste da. Unser restliches Gepäck ließen wir in der Pension und fuhren wie immer zum Craft Center in die Innenstadt. Ohne Kaufdruck schlenderten wir an den Souvenirs vorbei und erstanden nur Kleinigkeiten. Nach dem obligatorischen Snack im Craft Cafe ging es wieder in die Pension, wo wir noch etwas im Garten saßen, bevor wir dann mit sämtlichem Gepäck zu Savanna fuhren. Nach der Abgabe des Wagens unterhielten wir uns noch ein wenig mit Berti und Rene. Dann brachte uns ein Sammeltaxi mit Anhänger zum Flughafen. Mit an Bord waren noch andere Gäste, die ebenfalls zum Flughafen wollten, aber auch eine Familie, die nur bis zur Airport Lodge gebracht werden wollte. Dort bog unser Fahrer zuerst ab und wartete vor dem verschlossenen Tor der Lodge. Auf sein Klingeln wurde erst nach einigen Minuten reagiert und das Tor per Fernbedienung geöffnet. Am Hauptempfang der Lodge stieg die Familie aus, und man hätte meinen können, dass wir nun zum Flughafen hätten weiter fahren können. Aber nun musste unser Fahrer noch das Gepäck der Familie bis vor deren Chalet bringen. Der Kleinbus mit Anhänger fuhr also auf schmalster Schotterpiste die 100 Meter bis zur Unterkunft, wo es aber im Grunde keine Wendemöglichkeit gab. So ein Blödsinn! Warum können die Leute ihre zwei Koffer das letzte Stück nicht selbst tragen? Nun standen wir da, und unser Fahrer begann zu schwitzen. Nach dem Ausladen des Gepäcks rangierte er mit dem Anhänger einige Zeit hin und her. Dass der Weg abschüssig war und er mit schleifender Kupplung fuhr, machte die Angelegenheit nicht einfacher. Irgendwann schaffte er es doch, den Bus in Millimeterarbeit zu wenden und den Weg Richtung Ausfahrt einzuschlagen. Selbstverständlich war das Tor der Lodge wieder verschlossen und wurde auch nicht geöffnet. Dass der Bus, der gerade ein paar Gäste gebracht hatte, das Gelände auch wieder verlassen wird, war wohl nicht vorherzusehen. Nun konnte unser Fahrer jedoch nicht einfach wieder auf die Klingel drücken, da sich diese ja außerhalb der Lodge befindet. Also kletterte er durch Dornengestrüpp über die Mauer, um wieder zu klingeln und um erneutes Öffnen des Tores zu bitten. Schließlich konnten wir immer noch kopfschüttelnd wieder auf die Hauptstraße zum Flughafen einbiegen. Dieser Umweg hatte uns zwar Zeit gekostet, was aber nicht schlimm war, da der Check-In für Air Namibia noch nicht begonnen hatte. Bis dahin standen wir noch eine Stunde in der Flughafenhalle herum. Der Check-In verlief problemlos, das Handgepäck wurde kontrolliert, wir erhielten die Ausreisestempel und setzten uns in die Oshoto-Lounge. Am Flughafen gibt es neben der Wartehalle inzwischen auch eine weitere neue Lounge. Als wir später im Dunkeln über das Flugfeld zur Maschine liefen, sagte Uwe: „Schau mal, die beiden da vorne sehen aus wie Guido und Ilona.“ Und tatsächlich waren da unsere Bekannten, die wir letztes Jahr im Etosha kennengelernt hatten. Der Rückflug war leider nicht so komfortabel wie der Hinflug. In Frankfurt wurden wir von Uwes Eltern abgeholt und nach Hause gebracht.
Hier endet der Reisebericht, und Schreiber sowie Leser denken: geschafft! So viel Zeit für den Bericht wie dieses Mal haben wir noch nie benötigt und können verstehen, wenn ihr manches Mal die Geduld mit uns verloren habt.
Das Fazit für diese Reise fällt wieder mal recht kurz aus. Simbabwe und Sambia haben uns ausgesprochen gut gefallen. Die vielen tollen Begegnungen mit den netten Menschen sind uns besonders im Gedächtnis. Es gab überraschend schöne Landschaften und spannende Tiere. Die Highlights waren für uns der Serval, das Bushbaby und einige neue Vogelarten. Nette Menschen gab es nicht nur entlang des Weges, sondern auch als Begleitung. Karin und Peter sind gute Freunde und ganz tolle Reisepartner. Daher planen wir auch schon unsere nächste gemeinsame Tour durch das südliche Afrika. Denn an unserer Begeisterung hat sich auch nach 16 Reisen nichts geändert.
Wie immer gibt es zum Schluss einen kurzen Zeitraffer-Film mit den gesammelten Nachtaufnahmen des Sternenhimmels. Da man ja nie genug von dem eindrucksvollen Nachthimmel auf ein Foto bekommen kann, hatten wir dieses Mal ein neues Weitwinkel-Objektiv dabei – ein Fehlkauf, denn wir hatten den Fisheye-Effekt nicht bedacht. Daher zeigen viele Aufnahmen die typischen Biegungen. Beim nächsten Mal wird das wieder anders. Wie immer gilt: Warten, bis es dunkel ist, Ton an und in HD im Vollbild-Modus genießen.