Wer wir sind
Ich und meine Frau sind Mitte/Ende Fünfzig. Wir sind schon ziemlich "bereist", waren aber noch nie im Süden Afrikas. Wir müssen nicht so aufs Geld schauen und sind gleichzeitig eher etwas zurückhaltend und sicherheitsbedürftig aber auch anpassungsfähig. Ich hatte mir lange überlegt, ob ich unsere Tour selber buchen soll oder ein Büro beauftragen - und habe nach einigem Hin und Her selbst gebucht.
Der Entscheid für eine Selbstfahrer-Tour stand jedoch von Anfang an fest. Wir schätzen es sehr, unsere Zeit selbst einteilen zu können, überall anhalten zu können, wo wir wollen etc. - nach unserer Erfahrung geht das nur als Selbstfahrer so richtig 100%ig.
Reise und Buchung
Grundsätzlich war das eine Reise in 2 Teilen: Zuerst flog ich alleine nach Namibia für eine zweiwöchige, organisierte Motorradtour (mit Gravel-Travel) ab Anfang November. Diese ging von Windhoek mit Schwerpunkt "schöne Strecken" nach Norden bis Opuwo und zurück.
Dann gegen Ende November kam meine Frau nach für weitere drei Wochen mit dem Auto bis fast Mitte Dezember. Da sind wir dann nach Süden über KTP und Keetmanshoop bis an den Oranje und über Lüderitz, Sossusvlei und Swakopmund zurück. Diesen Teil hab ich von A-Z selbst gebucht. Infos hier vom Forum, zwei Reiseführer und dann für Details das Internet (Google, Tripadvisor). Interessant war, dass viele der Unterkünfte (und nicht nur die "besseren") auf booking.com gebucht werden konnten. Die anderen werden über kleinere Buchungsdienste in Namibien/Südafrika gebucht. Nur eine einzige Unterkunft per e-Mail direkt. Nebst den Unterkünften (dabei war auch eine Ferienwohnung in Swakopmund) habe ich auch den Wagen und einen Ballonflug (Sossusvlei) selbst übers Internet gebucht.
Erfahrung mit Selbstbuchungen
Kurz zusammengefasst: TIPTOP! Wirklich restlos ALLES hat einwandfrei geklappt und funktioniert! Egal ob teuer oder billig, immer war unsere Unterkunft bereit, die bereits bezahlten Beträge waren einwandfrei eingebucht und man kannte meinen Namen. Und dies obwohl nur an den wenigsten Orten Computer im Spiel waren - meist lagen da Zettel oder Hefte an der Reception, auf denen wir immer zuverlässig vermerkt waren. Sehr eindrücklich - eigentlich wie in Europa, nur mit einfacheren Mitteln. Würd ich jederzeit wieder machen!
Bewährt hat sich in meinen Augen auch, alle Unterkünfte vorab zu buchen. Obwohl wir einige Male in fast leeren Lodges sassen, waren andere Unterkünfte bis zum letzten Bett belegt. Und obwohl es an verblüffend vielen Orten ein Netz zum Telefonieren gab, war eine Internetverbindung (zum Suchen von Alternativen) unterwegs fast überall unmöglich.
Ein einziges Mal mussten wir etwas umbuchen - im Hauszelt im KTP haben wir es vor Hitze nicht mehr ausgehalten und sind einen Tag früher abgereist. Aus dem Reiseführer hatten wir dann eine Telefonnummer für ein Hotel, das wir anrufen konnten.
Klima
Das bringt mich zum Klima. Wir hatten gelesen, dass Ende November die "kleine Regenzeit" beginnt - es aber auch nochmals wärmer wird. Aber was heisst das? Das konnten wir vor der Reise nur ganz schlecht beurteilen...
Grob gesagt war es Anfang November noch mehr als 5 Grad weniger warm als dann Mitte Dezember - da gab es eine deutliche Entwicklung, die einem - wenn man da ist - aber nicht ganz so bewusst wird. Merkbar war, dass so ab Ende November plötzlich viel weniger Touristen unterwegs waren - aber nur in den wärmeren Zonen.
Regen war (auch?) dieses Jahr (2016) kein Thema. Resp. es war überall ein Thema, dass es nur sehr wenig geregnet hat. Offenbar hat es in Namibia seit 2011 nicht mehr "gut geregnet" - was ein riesiges Problem ist für die Menschen dort und das Land. So wahnsinnig viele Farmen haben kein Vieh mehr und überall stehen die Tore dann offen (wo die Strasse durchführt - die Tore müsste man normalerweise auf- und zumachen). In diversen Städten hat eine Wasserkrise Einzug gehalten - offenbar auch in Windhoek. Obwohl das für Touristen nicht so einschneidend ist, merkt man das an allen "Ecken und Enden" - auch an der Vegetation und den Tierbeständen.
Wir haben nächtliche Gewitter erlebt und auch einen ganzen Tag mit "Regen" - aber es war offenbar viel zu wenig. Wenn ein Gewitter in der Nacht 8mm Wasser bringt, dann ändert das nicht viel an der Trockenheit. Und wenn es einen Tag lang nieselt, dann gibt das auch nicht viel mehr. Für die Strassen jedenfalls war das belanglos: Alle Strassen waren in bestem Zustand.
Uns beschäftigte vor der Reise sehr die Frage, wie heiss es dann wohl tatsächlich sein würde. Das ist nicht so einfach zu erklären. Zu Beginn der Reise war es maximal so gegen 32 Grad, am Ende über 40 Grad. Aber es ist ja wegen der Trockenheit nicht so, dass man deswegen ("nass") schwitzen würde. Man hält auch 40 Grad an der Sonne ein Weilchen aus - aber nicht so lange. Es ist viel eher so, dass das Atmen je nachdem schwerer fällt oder dass man irgendwann einfach mal ohne grosses Federlesens umkippt, wenn man dem nicht genügend Beachtung schenkt. Wir liessen z.B. im Auto morgens bis ca. 33 Grad Aussentemperatur die Fenster offen und haben die Klimaanlage erst danach eingeschaltet - vor allem wegen Müdigkeit. 35 Grad im Schatten wenn man sich nicht gross bewegen muss und es etwas windet fühlen sich sehr, sehr angenehm an. Beim Buchen habe ich dem Umstand nicht viel Beachtung geschenkt, ob unsere Unterkünfte Klimaanlage haben - hätte ich aber tun sollen, plötzlich so ab Anfang Dezember spielt das dann eine grosse Rolle. Aber anders gesagt: So ganz generell kann ich das immer noch nicht sagen. Die Hitze ist jedenfalls nicht generell ein Problem - es kommt ganz auf die Umstände an. Es kann ein Riesenproblem sein, wenn dann plötzlich bei 38 Grad der Wind einfach aufhört und auch kein Schatten da ist - da sollte man im Auto sitzen und die Klimaanlage an haben.
Strassen und Auto
Vor der ersten Reise macht man sich nicht so recht eine Vorstellung von den Verhältnissen. Wie wichtig z.B. der Unterschied zwischen aspaltierten (Tar) und "geschotterten" (Gravel) Strassen ist. Nur schon der Umstand, dass offenbar alle Mietautos auf Gravel maximal 80 km/h fahren dürfen (gem. Mietvertrag) und dabei auch von einer Blackbox überwacht werden, macht dies wichtig. Denn auf Tar kommt man mit 120 km/h nun mal viel schneller vorwärts. Ausserdem sind 80 km/h auf Gravel nicht wirklich (und vor allem nicht überall) langsam - auf schlechteren Strassen sind auch durchaus 60 km/h mal angemessen.
Eher einfach interessant sind die immer wieder anzutreffenden Strassenhobel - aber es macht längerfristig nicht wirklich einen Unterschied, ob da vielleicht gerade einer durch ist oder nicht. Im Gegenteil sind die kleinen Schotterdünen, die die aufwerfen, wo sie gerade arbeiten, eher tückisch.
Gravelroads sind nicht immer einfach geschottert und hart - manchmal schon, aber oft sind Nebenstrassen (auch mit D - Nummern) von sehr unterschiedlicher und schnell wechselnder Qualität (wenn auch IMMER passierbar). Wenn man mit 80 km/h in ein Stück mit Tiefsand gerät, dann gibt das schon einen Touch von Abenteuer. Wenn man mit einem 2-Tonnen-Auto zu schnell in eine geschotterte Kurve geht, dann WIRD ES SO RICHTIG HAARIG!!! Bremsen oder korrigieren geht dann plötzlich nicht mehr - und solche Kurven neigen sich dann blöderweise meist nach aussen. Bei der Streckenplanung muss man das berücksichtigen!
Ich hatte unsere Fahrstrecken mit Google Maps geplant - und die waren alle gut! Überall einwandfrei durchgekommen. Aber ich hatte genügend konservativ geplant - nur ausnahmsweise über 400 km an einem Tag und auch dann nur, wenn ein Anteil geteert war. Es hat sich SEHR BEWÄHRT (!!!!) mit der Länge der Fahrstrecken zurückhaltend zu sein!!!! Man ist nicht nur oft langsamer als man vielleicht vorher denkt, sondern das Fahren ist ermüdender als man vorher denkt. Wärme spielt eine Rolle, aber auch die erhöhte Aufmerksamkeit wegen Schlaglöchern oder Sand - und vor allem wegen Wildwechsel. Eintönigkeit spielt eine Rolle. Und ausserdem will man sich auf einer Reise nicht einfach immer nur beeilen müssen. Wir sind gefühlte 2000 Mal für Fotos aus dem Wagen gehüpft, manchmal alle 500 m - Fotos aus dem Auto werden SCHEISSE, man muss für gute Bilder aussteigen.
Wir hatten als Wagen einen Hilux Raider 2,7l mit Automat und Doppelkabine - per Zufall einen nagelneuen, wir waren die ersten Mieter
. (Den mit 3,0l gibt es neu nicht mehr - dies ist der leistungsstärkere Nachfolger.) Gemietet von Safari Car Rental (hier im Forum gesehen - kann ich sehr empfehlen). Ich hatte ausserdem vorher Gelegenheit einen (grösseren) Land Cruiser mit Schaltgetriebe und grösserem Motor zu bewegen
(dazu später mehr), aber ich fand den Hilux mit dem grösseren Motor und dem Automat PERFEKT geeignet. Damit kommt man überall durch, auch spielend durch diese Sandareale im Sussousvlei-Park ganz hinten (und die sind haarig!). Der Mehrpreis war in meinen Augen bescheiden. Ich würde bei einem nächsten Mal wieder genau diesen Wagen wählen - und eben nicht den kleineren 2,5l mit Handschaltung. Das Auto hat tatsächlich um die 10,7l Diesel pro 100 km verbraucht und war mit Doppeltank für ca. 150l Diesel ausgerüstet - nie mussten wir uns wirklich Sorgen machen wegen Treibstoff (in der Tat kam es mehr als einmal vor, dass Tankstellen keinen (50er) Diesel (oder sogar gar keinen) mehr hatten. Klimaanlage auch bei über 40 Grad im Stand kein Problem. Sehr komfortabel der Tempomat - es gab Strecken, da blieb der Tempomat bei 80 km/h für über eine Stunde "eingehängt".
NIE würde ich in diesem Land einen PW mit 4x2 in Betracht ziehen. Wir sahen so oft solche im Sand stecken bleiben! Ausserdem sind Spurrinnen oft tief. Es würde mich viel zu sehr stressen, dauernd Angst haben zu müssen, aufzusetzen oder stecken zu bleiben. Und das betrifft ohne Weiteres auch C-Pisten! Es nützt nichts, wenn 99,9 von 100 km der Piste "gut" sind - wenn da ein Sand- oder Schlagloch bleibt, das dem PW den Garaus macht. NIE, wirklich NIE würd ich das jemandem empfehlen, mit einem z.B. Corolla ernsthaft in Namibia rumzufahren.
Wir hatten auch zwei Reservereifen (sollte eigentlich Standard sein), ich hatte aber auf insgesamt über 6000 km keinen Plattfuss. Dennoch nützen auch zwei Reservereifen nichts, wenn man sich nicht ziemlich kleinlich erklären lässt, wo genau der Wagenheber anzusetzen ist oder man nicht ausprobiert, ob man mit dem Radschlüssel auch tatsächlich die Muttern aufbekommt - um das am Rande auch noch zu erwähnen.
Geld und Kreditkarte - Unfälle
Einen eigenen Abschnitt will ich hier der Kreditkarte widmen. Ich hatte selber einen Unfall - dazu später mehr. Aber ich habe auch einen weiteren - wenn auch relativ harmlosen - Unfall miterlebt. In Namibia interessiert sich kaum jemand für den Nachweis einer Unfallversicherung...
Wenn einem ein Unfall passiert, dann ist es sehr, sehr wichtig, dass da eine Kreditkarte vorhanden ist, deren noch nicht ausgeschöpftes Limit genügend hoch ist!
Es ist dann so, dass der Flieger oder Heli oder die Ambulanz nur kommt, wenn die vorher bezahlt werden können! Pech, wenn man halbtot in seinem Blute im Strassengraben liegt und jemand einen Rettungsdienst verständigt und die wollen dann vielleicht 1000 oder 2000€ per Kreditkartenbelastung am Telefon bezahlt haben, bevor sie sich in Bewegung setzen. Die setzen sich dann nicht mit der Versicherung in Verbindung und kümmern sich darum - oder diese braucht zuerst einen Tag für eine Kostengutsprache. Die kommen einfach nicht! Bei dem Unfall, den ich miterlebt habe, hat man den Verunfallten mit Privatfahrzeug in die nächste Kleinstadt gebracht. Da gab es zwar eine "Clinic" - aber keinen Arzt! Er musste für eine Untersuchung (evtl. Rippen gebrochen, starke Schmerzen) mit dem Flugzeug in ein Privatkrankenhaus nach Swakopmund gebracht werden - und hatte €6000 zu bezahlen, bevor dieses Flugzeug sich auf den Weg gemacht hat. Er musste u.a. mit seiner Bank Verbindung aufnehmen, damit diese sein Limit erhöht - was mehr zufallsweise geklappt hat. Es hat ihm da nichts genützt, dass seine Versicherung diese Betrag später wohl zurückerstattet....
Ansonsten ist zum Thema Geld noch zu sagen, dass überall in Namibia (Südafrikanische) Rand 1:1 genommen werden und dass man auch einfach mal Rand rausbekommt. Das ist gleichgut wie Namibdollars. Aber in Südafrika nimmt kein Mensch Namibdollars! Man kann an sehr vielen Orten mit Kreditkarte bezahlen, an etwas weniger aber immer noch vielen Orten auch mit Maestro. Auch wenn irgendwo kein Computer vorhanden ist, hat man das kleine Kästchen für die Karte, bei dessen Bedienung man manchmal helfen muss und das übers Telefonnetz online geht (manchmal muss der Verkäufer aufs Dach steigen und das Ding in die Luft strecken damit's geht). Aber es ging meistens! Auch ATMs hat es ziemlich viele, teilweise an Tankstellen oder halt bei Banken - in fast allen Städtchen. Die grösste Banknote ist die 200 NAM Note, d.h. dass man einen Geldbeutel mit viel Platz für dicke Geldbündel braucht. Kleingeld ist kein Problem, wir haben fast überall genügend davon bekommen.
Telefonnetz
Es ist RICHTIG, dass man in Namibia praktisch nirgends Datenverbindung übers mobile Netz bekommt. Mehr als ein paar Tröpfchen gehen da nie durch! Es ist also in meinen Augen völlig nutzlos, eine namibische SIM-Karte zu kaufen. Ich habe von meinem Schweizer Provider fürs Telefonieren Tarife bekommen, die das auch für Telefon eigentlich uninteressant machen.
Denn telefonieren (und simsen) kann man erstaunlicherweise fast überall!! Wir haben teilweise Bauklötze gestaunt, wo man noch Verbindung bekommen hat. Teilweise musste man einfach drauf achten, dass man mit dem Auto auf eine etwas höhere Düne (die Strasse geht ja sehr oft über die Dünen drüber) fährt und es dort probiert - plötzlich hat man wieder zwei "Balken". Erste Wahl waren SMS. Das kann man schreiben und irgendwann hat das Mobile dann Verbindung und dann geht's weg resp. neue kommen rein.
Und in fast jeder Lodge gab's Wifi - das dann immerhin wenigstens für Textnachrichten/e-Mail/WhatsApp etc. gut war. Oft ging auch ein Facebook-Beitrag mit 12 Bildern durch. Oft musste man zur Reception, manchmal ging's auch vom Bungalow aus, wenn es nah genug und in sichtweite war.
So, ich schreib hier einfach drauflos. Das waren so einige Grundgedanken zum "Setup" - hoffentlich nicht zu langweilig. Bald folgt mehr.