die jährliche Frage ist ja nicht, ob wir ins südliche Afrika fliegen oder wann bzw. wie lange, sondern lediglich, wohin genau wir fahren und was wir dort erleben und entdecken werden. Die Pläne für die nächsten Sommerferien nehmen inzwischen immer früher konkrete Gestalt an. Während wir unsere ersten Reisen nicht vor dem Frühjahr und später dann um den Jahreswechsel geplant haben, fangen wir nun bereits damit an, wenn wir am Ende des Sommers wieder nach Hause kommen. So verschwindet Afrika niemals aus dem Bewusstsein. 🙂 Nachdem wir letztes Jahr den Besuch im Moremi ausgesetzt hatten, zog es uns dieses Mal wieder ins Okavango-Delta. Eine Runde durch die wunderschöne Landschaft Zentral-Namibias durfte ebenfalls nicht fehlen, und um den Kgalagadi Transfrontier Park kommen wir ohnehin schon lange nicht mehr herum. Am Ende der Reise erkundeten wir noch ein paar schöne Plätze im Caprivi.
Wir laden euch herzlich ein, unsere Erlebnisse mit uns zu teilen. Es wird – wie immer – auch einige Fotos geben. Nachdem die Nachfragen, wann der diesjährige Reisebericht starten wird, häufiger geworden sind, geht es nun endlich los. Wir werden wieder lange unterwegs sein und freuen uns über eure Begleitung.
Viel Spaß bei der Safari Ruth und Uwe
Teil 213. Nov. 2016
Tag 1 – Freitag, 8. Juli 2016 – Abreise
Das Warten hatte ein Ende. Wir durften wieder mal ins geliebte Afrika aufbrechen. Um ehrlich zu sein, haben wir gegen Ende gar nicht mehr sehr aktiv gewartet. Ruths Abschied von ihrem vierten Schuljahr und unser Gartenprojekt zu Hause haben ziemlich viel Zeit und Kraft verschlungen. So kam der Abreisetag dann fast plötzlich daher. Ruths Vater holte uns nachmittags zu Hause ab und brachte uns zum Bahnhof in Siegburg. Dort war er so nett, gleich das erste Foto dieses Urlaubs von uns zu machen. Zum Glück kennt ihr uns ja schon, da ist Uwes Gesicht nicht so wichtig.
Am Bahnsteig trafen wir auch gleich die ersten Bekannten: Ein Kollege von Uwe, der nun im dritten Jahr in Folge nach Namibia reist, war mit seiner Frau und zwei weiteren Pärchen ebenfalls am Start. Glücklicherweise hatten wir im übervollen ICE Sitzplätze und konnten die Fahrt über entspannen. Mit uns stiegen in Frankfurt auch Sönke, Sandra und ihre vierjährige Tochter Lia aus. Unsere Freunde aus Düsseldorf flogen ebenfalls heute nach Windhoek, und wir werden uns in den ersten Reisetagen immer wieder begegnen. Am Flughafen bewegten wir die Taschen teilweise mit Hilfe von Gepäckwagen über Rolltreppen, durch den Shuttlebus zum Terminal 2 und dann zum Check-In. Die Sorge, dass unser Handgepäck zu schwer sein könnte, war unbegründet. Es wurde dieses Mal gar nicht gewogen. Stattdessen erfuhren wir, dass wir mit unseren Vielflieger-Ausweisen von Air Namibia das Privileg haben, die Zeit bis zum Abflug in der Etihad Lounge zu verbringen. Und das Beste war, wir durften sogar noch jeweils einen Gast mitnehmen. Bei der kleinen Lia drückte die Empfangsdame ein Auge zu, und so fläzten wir uns nach der Gepäckaufgabe mit Sönke und Sandra in weiche Sessel und ließen uns kostenloses Essen und kalte und heiße Getränke schmecken.
Bei der Sicherheitskontrolle war ziemlich viel los. Wir machten zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Ganzkörper-Scanner. Unabhängig davon wollte die Dame am Durchleuchtungsapparat gerne mal einen Blick auf die Fotoausrüstung werfen und ließ gleichzeitig noch einen Sprengstofftest durchführen. Das Flugzeug hob mit ein wenig Verspätung an, weil die Crew im Stau gesteckt hatte. Dann schaukelten wir los Richtung Alpen, über das Mittelmerr und durch fast ganz Afrika immer nach Süden.
Zum Abendessen gab es Hühnchen oder Rind. Ruth wählte das erste und erhielt eine Lasagne mit Spinat. Das Geflügel blieb verborgen.
Teil 313. Nov. 2016
Tag 2 – Samstag, 9. Juli 2016 – Großer Schreck: Kreditkarte weg
Casa Piccolo, Windhoek
Die Nacht war ruhig, aber wie immer unbequem. So hatten wir nicht sehr gut geschlafen, als wir bei zwei Grad und Dunkelheit in Windhoek landeten. Wir waren recht schnell durch die Passkontrolle und hatten auch unser Gepäck rasch gefunden. Dann hieß es warten, zuerst auf Sönke, Sandra und Lia, danach auf weitere Gäste, die ebenfalls von unserem Fahrer zu Savanna gebracht werden sollten. Leider landeten diese erst mit einem späteren Condor-Flug, so dass sich die Abfahrt verzögerte. Wir vertrieben uns die Wartezeit, indem wir vor dem Flughafen unseren ersten afrikanischen Sonnenaufgang betrachteten. Tief atmeten wir die zwar kühle, aber würzige, staubige Luft ein. Die Müdigkeit war schnell vergessen, und wir hatten so richtig Lust, in ein neues Abenteuer zu starten. Hurra, Afrika hat uns wieder!
Bei der Autovermietung trafen wir gerade noch auf Uwes Kollegen, dessen Gruppe mit zwei Wagen nach Norden fuhr. Leider werden sich unsere Wege in Afrika dieses Jahr nicht mehr kreuzen. Wir bekamen den neuen Landcruiser Bushcamper. Dieser macht einen tollen Eindruck und hat sogar einen Gas-Durchlauferhitzer an Bord. Auf dem Weg zur Pension hielten wir an einer Standard-Bank, und Uwe wollte noch schnell an dem Automaten Bargeld holen. Das Gerät rumorte und rappelte, dann gab es eine Fehlermeldung, einen Beleg, jedoch kein Geld und – was am schlimmsten war – keine Karte zurück. Das fing ja großartig an! Leicht nervös betrat Uwe die Bank und schilderte das Problem. Einer anderen Kundin war wohl dasselbe passiert, auch ihre VISA-Karte war von dem gefräßigen Automaten geschluckt worden. Die Bankangestellte bedauerte die Situation. Sie könnte uns leider nicht helfen und den Automaten nicht selbst öffnen. Der Mann vom Service sei bereits heute früh dagewesen und nun leider wieder abgefahren. Zu dumm aber auch! Sie versuchte, telefonisch jemanden zu erreichen, der die Karten aus dem Automaten holen konnte. Ein Telefontuten nach dem anderen drang aus ihrem Hörer, aber erreichen konnte sie niemanden. Wir übten uns in Geduld. Gar nicht so einfach, denn das vollbepackte Auto stand draußen unbeaufsichtigt, und wir wollten noch in die Metzgerei und im Bottle Store ein paar alkoholische Getränke erwerben, was an einem Samstag ja auch nicht unbegrenzt möglich ist. Die Dame in der Bank probierte es weiter, war aber leider erfolglos. Gutgelaunt teilte sie uns mit, dass spätestens am Montag wieder jemand vorbeikäme, der die Karte aus dem Automaten herausholen könnte. Das konnte doch nicht wahr sein! Uwe erklärte freundlich aber zunehmend bestimmt unsere Not. Wir waren ja nur heute und am Montag schon längst nicht mehr in Windhoek und benötigten die VISA-Karte dringend. Clevererweise war fast das gesamte Geld unserer Reisekasse genau auf diesem Konto gebunkert. Nach ein paar weiteren fehlgeschlagenen Versuchen per Telefon (während derer Ruth frustriert überlegte, was wohl passieren würde, wenn man den Geldautomaten in die Luft sprengen würde) erreichte die Dame endlich jemanden, der uns weiterhelfen konnte. Gegen Mittag sollte die Karte abholbereit bei der Bank liegen. Hallelujah! Wir müssten dann jedoch auf jeden Fall anwesend sein, denn sie dürfe die Karte nicht entgegennehmen. Ansonsten würde sie mitgenommen, und wir könnten sie erst am Montag zurückbekommen. So hatten wir uns unseren ersten Morgen nicht vorgestellt. Dennoch waren wir sehr erleichtert, beschlossen aber trotz der bereits verlorenen Zeit unsere Sachen zunächst in die Pension zu fahren und dort zu frühstücken. Wir versprachen, rechtzeitig zurück zu sein und wollten sicherheitshalber noch an einem anderen Automaten mit einer anderen Bankkarte Geld abholen. Doch was war das? Als Uwe seine Tasche öffnete, fand er dort eine weitere VISA-Karte. Es dauerte einen kleinen Moment, bis bei ihm der Groschen fiel: Wir können nur jedem wärmstens empfehlen, eine alte, abgelaufene oder gesperrte Karte bereitzuhalten für den Fall, dass man überfallen wird. Dann nämlich kann man ohne viel Verlust, seinen Geldbeutel mit ein wenig Bargeld und dieser Karte aushändigen. Welch genialer Trick! Ist der gefährliche Räuber, der dir deine Karte entwenden möchte, ein Automat, können wir voller Überzeugung sagen, dass das ganz hervorragend funktioniert! Der rückt die nämlich so schnell nicht wieder raus! Und Uwe hat seine Rolle als hilfloses Opfer auch mit Bravour gespielt. Wie peinlich! Hatten wir also den ganz großen Aufstand in der Bank gemacht, obwohl es doch sehr nachvollziehbar war, dass der Automat die alte, gesperrte Karte einbehalten hatte. Zu Uwes Verteidigung muss man sagen, dass das Datum der Karte noch nicht abgelaufen war und man die gültige von der alten nur anhand der Nummer hätte auseinanderhalten können. Trotzdem konnte sich Ruth im Laufe des Urlaubs die ein oder andere freundliche Bemerkung über dieses Missgeschick nicht verkneifen. Im Casa Piccolo wurden wir wieder sehr freundlich empfangen. Unser Zimmer war bereits bezugsfertig, und so luden wir unsere Sachen aus und gingen auf den Schreck erst einmal gemütlich frühstücken. Anschließend folgte eine erste Einkaufsrunde in der Maerua Mall.
Danach kehrten wir zur Bank zurück und erhielten dort tatsächlich die gesperrte Kreditkarte zurück – niemand sonst hatte etwas von unserer Blödheit mitbekommen, und Uwe war es zu peinlich, die Wahrheit zu sagen. 😣 Beim Metzger in Klein-Windhoek bekamen wir Wild-Rauchfleisch und eingeschweißtes Grillfleisch. Dann folgte eine letzte Runde im Supermarkt. Zurück in der Pension stellten wir alle Einkäufe auf einen Haufen und verteilten sie dann in allen Fächern im Wagen. Das war anstrengend, machte aber viel Spaß.
Aus Kartons bastelten wir uns zusätzliche Unterteilungen, damit die Vorräte während der Fahrt nicht durcheinanderpurzeln.
Jedes Jahr ist das Auto etwas anders aufgebaut, und so ergeben sich immer wieder kleine Anpassungen. An den neuen Landcruiser müssen wir uns noch gewöhnen. Als wir mit dem Verstauen der Vorräte fertig waren, kamen auch Sönke und Sandra von ihrem Einkauf zurück. Wir saßen ein wenig in der Sonne im Hof und machten Pause. Am Abend gingen wir zu fünft zu Joe’s Beerhouse und ließen uns Oryx und Kudu schmecken. Übermüdet, aber voller Vorfreude fielen wir anschließend ins Bett.
Teil 414. Nov. 2016
Tag 3 – Sonntag, 10. Juli 2016 – Endlich angekommen
Casa Piccolo, Windhoek – Blutkuppe, Namib-Naukluft-Park
Wir schliefen wie Steine mehr als 9 Stunden. Dann riss uns der Wecker aus dem Schlaf. Wir duschten und begannen, Sachen ins Auto zu räumen und insbesondere die Dinge zusammenzutragen, die in Windhoek bleiben sollten. Wir packten alles in unsere Kiste und fuhren um kurz nach acht zu Savanna, wo wir unsere Reisetaschen zurückließen. Danach wurden in der Pension die letzten Dinge im Auto verstaut, und es ging ab zum Frühstück. Bei Kaffee und Rührei genossen wir unseren ersten richtigen Urlaubstag. Mit Sönke, Sandra und Lia verabredeten wir uns in zwei Tagen an der Spitzkoppe und machten uns auf den Weg. Es war schon nach zehn, als wir nochmal etwas Bargeld holten und dann den Weg aus Windhoek heraus nach Westen suchten.
Bald hatten wir die C28 gefunden und legten die ersten Kilometer zurück. Der Landcruiser fährt sich wirklich sehr angenehm. Das Fahrwerk und die Federung sind erstklassig. Als die Teerstraße endete und wir auf Gravel weiterfuhren, zeigte sich der Fahrkomfort. Von dem Motor hatten wir uns noch etwas mehr Spritzigkeit erwartet. So sind die Gänge recht kurz übersetzt, und man fährt schon sehr wie in einem LKW. Natürlich kommt man auch leicht über 100 km/h, aber die Stärken des Wagens liegen eindeutig im unteren Geschwindigkeitsbereich. Die C28 nach Westen zieht sich endlos dahin. Durch das Khomas Hochland windet sie sich sehr kurvenreich bergauf und –ab. Trotz der vielen Pferdestärken musste Uwe viel schalten, um die Steigungen zu erklimmen. Aber es machte viel Spaß mit dem neuen Auto. Ruth las, und wir hörten Musik. Wieder in Namibia unterwegs zu sein, fühlte sich herrlich an.
Am Boshua Pass machten wir eine kurze Pause. Seit wir das letzte Mal hier waren, waren ein Unterstand und eine Toilette gebaut worden. Leider lag überall Müll herum. Die Aussicht war jedoch grandios, aber zu einem Picknick fehlte uns die Ruhe. Wir hatten die Fahrtzeit ein wenig unterschätzt, und so machten wir uns bald wieder auf den Weg, da wir lieber noch einen schönen Nachmittag an der Blutkuppe verbringen wollten.
Der Nachmittag war bereits fortgeschritten, als wir die Grenze des Namib-Naukluft-Parks erreichten. Kurz dahinter bogen wir Richtung Tinkas ab. Kaum hatten wir uns ein paar Kilometer von der Hauptstraße entfernt, sahen wir schon die ersten Oryx. Bald danach galoppierten einige Zebras davon, kaum dass wir in Sichtweite gekommen waren. Sogar einzelne Springböcke und zwei Schakale entdeckten wir.
Bei Mittel-Tinkas standen die ersten Camper. Wir bogen zum Rock Arch ab. Leider waren auch dort beide Stellplätze bereits besetzt. Wir waren enttäuscht, dass wir dort nicht bleiben konnten. So drehten wir wieder um und fuhren Richtung Blutkuppe. Da es nur noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang war, schickte die Sonne ihr schönstes Licht über die Ebene und beleuchtete die Köcherbäume, die Felsen und die weiten Grasebenen.
Rüppelltrappe
Die Aussicht war traumhaft schön. Aber noch konnten wir dies nicht uneingeschränkt genießen, da wir noch immer keinen Platz für die Nacht gefunden hatten.
Teil 514. Nov. 2016
Entlang des Weges passierten wir ein Auto mit vier Südafrikanern. Sie machten uns Hoffnung, dass an der Blutkuppe sicherlich einer der vielen Stellplätze noch frei sei. Wir schlugen den Weg westlich des Berges ein und fanden alle Campsites unbesetzt. Genau an der Stelle, an der wir uns vor 11 Jahren ohne Allradfahrzeug hoffnungslos im Sand festgefahren hatten, blieben wir. Damals hatten wir weder ein Zelt noch Proviant oder Wasser dabei gehabt. Wir hatten keine Schaufeln und wussten als Neulinge nichts von Luftablassen oder Auto-rückwärts-aus-dem-Loch-herausschaukeln. Mit den wenigen Steinen, die wir mit unseren Handtüchern unter die Räder gelegt hatten, hatten wir uns nicht aus eigener Kraft befreien können und waren mit unserer einzigen Wasserflasche unter dem Arm am Sonntagnachmittag die kilometerlange Strecke Richtung Hauptstraße aufgebrochen. Die Situation war – zugegebenermaßen durch eigene Blödheit – nicht gerade nobelpreisverdächtig, und wir machten uns viele nicht besonders rosige Gedanken. Die bis eben noch genossene Einsamkeit kam uns damals plötzlich gar nicht mehr erstrebenswert vor. Zum Glück wurden wir von zwei zufällig vorbeifahrenden Campern aufgelesen und aus unserer misslichen Lage befreit. Damals reifte der Plan, im nächsten Jahr besser vorbereitet und nur noch mit Allradfahrzeug und entsprechender Ausrüstung unterwegs zu sein. Umso mehr freuten wir uns nun über diesen für uns so bedeutungsvollen Ort. Es gibt mittlerweile mehrere verstreut liegende Campsites, und wir schlugen unmittelbar neben der Blutkuppe das Lager auf.
Ruth wanderte auf den Hügel, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und die herrliche Aussicht zu genießen, während Uwe das Zelt aufklappte.
Tarnung ist alles.
Als die Sonne über dem gegenüberliegenden Felsmassiv unterging, leuchtete die Blutkuppe ihrem Namen entsprechend.
Vom sympathischen Lachen der Bellgeckos begleitet grillten wir Wildsteaks. Dazu gab es Brote mit Knoblauchbutter und gemischten Salat.
Da wir an der Blutkuppe auch schon eisigen Wind und sogar Nieselregen zu dieser Jahreszeit erlebt hatten, waren wir auf alles vorbereitet. Doch so angenehm hatten wir uns unseren ersten Abend nicht erträumt. Bis wir später ins Zelt gingen, lagen die Temperaturen noch knapp über 20 Grad. Kein Grund zum Frieren und damit kein Grund, sich zu beeilen. In der Ferne hörten wir die Schakale rufen, und die Laune war bestens. Wir freuten uns, während wir noch lange draußen saßen und in die zuckenden Flammen des Feuers sahen, jetzt so richtig angekommen zu sein und über das Privileg, einen solchen Ort ganz alleine für uns zu haben. Vor dem Schlafengehen stellte Uwe noch den Fotoapparat auf und startete eine Zeitrafferaufnahme des Sternenhimmels. Die Bilder, die während der Nacht aufgenommen werden, lassen sich später zu einem Zeitraffer-Video verarbeiten. Man kann sie aber auch übereinander legen und so die Sternenbahnen sichtbar machen.
Unerwartet zeigte sich plötzlich doch noch ein Problem am Auto. Der Griff für die Hecktür war so gut wie gebrochen. Der Hebel hing nur noch am seidenen Faden. So können wir die Tür von außen wohl kaum noch öffnen, evtl. mit einer Zange oder anderem Werkzeug. Wir überlegen, morgen einen Umweg über Swakopmund zu machen, um die Sache reparieren zu lassen.
In der Nacht zog kräftiger Wind auf. Obwohl wir eigentlich recht geschützt zwischen Felsen auf der Westseite der Blutkuppe standen, rappelten die Böen am Zelt. Wir konnten kaum schlafen, so laut war es. So standen wir schon früh auf. Es war mit 18 Grad bereits herrlich warm, und wir hätten wunderbar in der Morgensonne frühstücken können, wenn da nicht immer noch der sehr starke Wind gewesen wäre. Außerdem mussten wir uns um den kaputten Griff kümmern. Bereits um kurz nach 7 Uhr riefen wir einen Mechaniker bei Savanna an und vereinbarten, über Swakopmund zu fahren und den Griff dort ersetzen zu lassen. Man sollte dort bereits einen neuen Griff bereitlegen, wir würden ihn montiert bekommen und sogleich weiter nach Tsaobis fahren. Alles kein wirkliches Problem. So zumindest der Plan! Wir kletterten noch ein wenig auf den Felsen hinter dem Stellplatz herum, genossen die Aussicht und fotografierten einige Bergstare, die auf Reste unseres nicht stattgefundenen Frühstücks hofften.
Bergstar
Als wir dem Mechaniker – wie wir dachten – genügend Zeit gelassen hatten, sich vorzubereiten, machten wir uns zunächst über die Nebenstrecke und dann weiter über die C28 auf den Weg zur Küste.
Wir kamen gut voran und erreichten Swakopmund, das unter einer Staubglocke hing, noch vor zehn Uhr. Außerhalb der Stadt fegte der Sturm den Sand quer über die Fahrbahn.
Wir riefen wieder in Windhoek an und erhielten die Telefonnummer eines örtlichen Mechanikers. Dieser vertröstete uns auf später, da er gerade noch etwas zu erledigen habe. Mist, da hatten wir doch tatsächlich angenommen, man würde sich sofort um unser Problem kümmern. Wir sind eben doch nicht die wichtigsten Menschen auf der Welt! 😉 Bis spätestens ein Uhr würde er sich wieder melden. Zunächst akzeptierten wir das und fuhren zu Meike und Klaus. Obwohl wir fast eine Woche früher eintrafen als erwartet, wurden wir sehr herzlich empfangen. Wir tranken gemütlich Kaffee und erzählten. Eigentlich war unser Plan gewesen, nur für die Reparatur nach Swakopmund und anschließend auf kürzestem Weg zu unserem reservierten Tagesziel nach Tsaobis weiter zu fahren. Da uns 13 Uhr für den Beginn der Reparatur schon etwas spät erschien, riefen wir erneut bei Savanna an und erhielten kurz darauf eine andere Werkstatt mit Wegbeschreibung. Für die nun folgende Schnitzeljagd durch das Örtchen benötigten wir einige Zeit und weitere Wegbeschreibungen unterwegs, um die zwischenzeitlich umgezogene Werkstatt im Industriegebiet zu finden. An dieser fuhren wir zunächst ein paarmal vorbei, da es noch kein Schild und auch sonst keinen Hinweis auf irgendwelche Reparaturarbeiten gab. Schließlich fanden wir doch noch die richtige Stelle, und nach einer kurzen Diagnose wurden wir gebeten, um 14 Uhr wiederzukommen. Dann sei der Ersatzgriff besorgt. Na wunderbar! Nach kurzem Überlegen strichen wir nun Tsaobis als Tagesziel. Schon gestern waren wir später als geplant an unserem Übernachtungsplatz angekommen. Heute würden wir es gerade so vor Sonnenuntergang schaffen. Diesen Stress wollten wir vermeiden, zumal wir ohnehin nicht mehr ins Python Valley fahren könnten. Daher ging es nach dem Tanken wieder zurück zu Meikes Pension, die glücklicherweise ein freies Zimmer für uns hatte. In Tsaobis gaben wir per Email Bescheid, dass wir nicht mehr kommen würden. Endlich konnten wir etwas essen und uns ein wenig ausruhen. Uwe fuhr um 14 Uhr zur Werkstatt und ließ den neuen Türgriff einbauen. Dieser wurde von außen mit zwei Inbus-Schrauben gelöst und der neue Griff entsprechend wieder eingebaut. Da fragt man sich natürlich, welche Funktion das in den Griff integrierte Schloss hat. Es hält lediglich Einbrecher ab, die keinen Inbus-Schlüssel und Vierkant besitzen.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir ruhig in der Pension. Ruth holte etwas Schlaf nach, und Uwe sicherte die ersten Fotos. Kurz überlegten wir, nach Walvis Bay zu fahren, um Wasservögel zu fotografieren. Da es aber schon später Nachmittag war, gingen wir lediglich in Meikes Innenhof auf Pirsch. Dort entdeckten wir neben dem Maskenweber (alias BVB-Weber) und ein paar Wellenastrilden dicke Insekten, die wie winzige Kolibris aussahen und fast ebenso schnell umherschwirrten. Mit einem langen, eingerollten Saugrüssel flogen die Schwärmer auf die Lavendelblüten zu, entrollten diesen im Flug und tauchen ihn ein.
Zum Abendessen gingen wir ins Erichs, obwohl man in letzter Zeit sehr unterschiedliche Meinungen von dort gehört hatte. Wir hatten Glück. Der Service war einwandfrei und zuvorkommend, das Oryx-Filet unheimlich lecker, und wir beglückwünschten uns zu unserer Wahl. Satt und glücklich stiegen wir in das weiche Bett und waren gar nicht mehr enttäuscht, unseren Plan geändert zu haben.
Kilometer: 110
Teil 717. Nov. 2016
Tag 5 – Dienstag, 12. Juli 2016 – Gemütlich zur Spitzkoppe
Meikes Gästehaus, Swakopmund – Spitzkoppe
Auch an diesem Morgen war es angenehm warm. Der Wind hatte sich zwar nicht gelegt, aber dafür strahlte schon die Sonne vom Himmel. Wir duschten, packten bereits einige Dinge zusammen und gingen zum Frühstück. Besonders lecker war Meikes selbstgemachte Guaven-Marmelade. Anschließend räumten wir unseren Kram ins Auto und verabschiedeten uns. Was für ein herrliches Gefühl, nicht ein ganzes Jahr, sondern nur ein paar Tage bis zum Wiedersehen warten zu müssen. An einer Tankstelle kauften wir noch frisches Brot und einen Sack Brennholz. Dann fuhren wir aus der Stadt und entlang der Küste nach Norden. Zweimal hielten wir kurz am Meer und schauten uns die brechenden Wellen an einem Schiffswrack und am Strand an.
Bei Henties Bay bogen wir auf die D1918 landeinwärts ab. Aus dem Seiten- wurde Gegenwind.
Wir begegneten fast keinem anderen Wagen mehr, bis wir die Spitzkoppe erreichten. In den letzten Jahren ist hier rund um den Tourismus ein kleines Dorf entstanden. Natürlich gibt es auch noch viele Stände, an denen Halbedelsteine verkauft werden. Wir checkten an der Rezeption ein. Unsere Freunde seien bereits eingetroffen. So versuchten wir, Sönke und Sandra zu finden. Aber weder rund um den Rock Arch noch bei einem der anderen Campingstellplätze fanden wir sie. Dafür bemerkten wir, dass bereits viele Campsites belegt waren, obwohl es erst ein Uhr mittags war. An einen schönen Platz auf der Westseite der Spitzkoppe stellten wir etwas abseits Tisch und Stühle ab und fuhren zurück zur Rezeption. Eine Recherche bei den eingetroffenen Gästen ergab, dass Sönke und Sandra doch noch nicht eingecheckt hatten. Bereits auf dem Weg zu unserem Campingplatz sahen wir viele Vögel. Dort klappten wir das Zelt auf und machten ein Picknick mit Brot, Schinken, Möhren und Frischkäse. Dabei leisteten uns viele Bergstare Gesellschaft. Aber auch Bülbüls, Kapammern und noch ein paar kleinere Vögel ließen sich blicken, und wir mussten aufpassen, dass sie uns das Brot nicht direkt vom Teller stahlen.
Perlhuhn
Sabotalerche
Maskenbülbül
Bergschmätzer
Mahaliweber
Bergstar
Kapammer
Wir vertrödelten den Nachmittag sehr gemütlich, liefen ein wenig umher, lasen und sahen den Erdhörnchen bei ihren Rangeleien und beim Fressen zu.
Die Ruhe wurde nur durch eine Drohne gestört, die zunächst entfernt, aber dann in unmittelbarer Nähe über uns surrte. Während Ruth noch überlegte, ob sie das lästige Teil wohl mit der Affenflitsche treffen könnte, drehte sie schon wieder ab. Glücklicherweise hält der Akku ja nicht allzu lang. Man ist ein wenig hin und her gerissen. Die Aufnahmen aus der Luft begeistern uns auch, trotzdem finden wir, dass man nicht überall so ein Ding im Blick und vor allem nicht in Hörweite haben muss. Es geht nicht nur um die eigene Aufnahme, sondern auch darum, auf andere Leute und Tiere Rücksicht zu nehmen. Nicht alles, was möglich ist, muss …
Teil 817. Nov. 2016
Vor Sonnenuntergang machten wir eine kleine Wanderung.
Auf Felsen saßen im warmen Sonnenlicht einige Klippschliefer, darunter auch niedliche Jungtiere. Behände flitzten sie auf ihren kurzen Beinchen und ihren komischen Knubbelzehen über die Steine davon.
Zum Sonnenuntergang kletterten wir auf einen kleinen Hügel westlich der Spitzkoppe. Von dort konnten wir die rot reflektierenden Felsen bewundern. Ein Bokmakiri hüpfte durch einen Busch.
Als wir zurück zu unserem Auto kamen, waren Sönke, Sandra und Lia gerade eingetroffen. Wir waren froh, die drei wieder zu sehen. Schnell machten wir Feuer und bereiteten das Abendessen zu. Im Potije kochten wir Möhren, Broccoli und Blumenkohl. Dazu gab es gegrilltes Oryxfilet und den restlichen Salat. Es schmeckte sehr gut.
Der Mond ging auf, und unzählige Sterne erschienen am Nachthimmel. Wir spülten und saßen noch ein wenig am Lagerfeuer.
Kilometer: 202
Teil 921. Nov. 2016
Tag 6 – Mittwoch, 13. Juli 2016 – Rund um den Rock Arch
Spitzkoppe
Und wieder setzte über Nacht der Wind ein. Ähnlich stark wie an der Blutkuppe rappelte er die halbe Nacht am Zelt und ließ uns kaum schlafen. Weil wir noch müde waren, standen wir nicht schon mit Sonnenaufgang auf, sondern blieben noch ein wenig liegen. Unsere Campsite lag außerdem im morgendlichen Schatten. Damit war schnell klar, dass wir an diesem Ort nicht frühstücken würden.
Rotstirn-Bartvogel
Wir fuhren auf die andere Seite der Spitzkoppe, auf der bereits die Sonne stand und suchten einen gemütlichen Picknickplatz. Auch dort blies noch der Wind, aber wenigstens saßen wir im Warmen. Mit Kaffee und Brötchen starteten wir in den Vormittag. Anschließend spülten wir und fuhren dann zum Bogenfelsen. Den Zeitpunkt, um dort einzutreffen, hätten wir kaum besser wählen können, denn die Camper, die letzte Nacht auf Nummer 5 gestanden hatten, brachen gerade auf. Wir besetzten schnell den Platz und freuten uns, da wir von hier einige Nachtaufnahmen machen wollten. Den restlichen Tag gingen wir sehr gemütlich an. Wir kletterten auf den Felsen und spazierten ein wenig um den Rock Arch herum. Dabei versuchten wir alle Vogelarten zu fotografieren, die sich um unseren Stellplatz herum blicken ließen.
Priritschnäpper
Rußnektarvogel
Bergstar
Kapturteltaube
Teil 1021. Nov. 2016
Uwe sicherte Fotos, und wir saßen in der Sonne. Zwischendurch fuhren wir zum Eingangstor der Spitzkoppe Community und duschten unter freiem Himmel. Zum Sundowner liefen wir zum Bogenfelsen und versuchten, das letzte Sonnenlicht mit unseren Kameras einzufangen.
Irgendwann kamen zwei Südafrikaner dazu, marschierten grußlos um uns herum und machten den Anschein, irgendetwas vorzubereiten. Wir merkten gleich, dass sie sehr viel wichtiger waren als wir, denn unübersehbar war mit leuchtend roten Buchstaben das Logo ihrer geführten Fotosafari auf die Rückseite ihrer Jacke „tätowiert“. Augenscheinlich saßen wir ihnen im Weg herum, und wir mussten aufpassen, dass sie uns nicht versehentlich auf die Füße traten, so nah liefen sie an uns vorbei. Auf Nachfrage erklärten sie uns, dass sie später am Bogenfelsen Nachtaufnahmen machen würden. Welch Überraschung! Genau das war ja auch unser Plan – zumindest noch zu diesem Zeitpunkt. Wir ergriffen die Flucht, was vielleicht ein Fehler war. Zurück am Auto bereiteten wir das Abendessen. Es gab Boerewors vom Grill, Brot mit Knoblauchbutter und gemischten Salat. Anschließend spülten wir schnell, erklommen dann den Granithügel neben der Campsite und marschierten zum Rock Arch. Dort war die Hölle los und die Fotografen-Truppe der Südafrikaner bereits voll in Aktion. Während mehrere Leute mit Stativen etwas entfernt standen, saß der Chef direkt unterhalb der Steinbrücke und leuchtete nach lautstarkem Countdown und mehrfach gebrülltem „Are you ready, Percy? John? Mitch?“ mit der Taschenlampe den Bogenfelsen an und gab den Fotografen Anweisungen. Die Situation war völlig klar: Die Gruppe hatte den Ort allein für sich beansprucht und machte keinerlei Anstalten, auf irgendjemanden Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil: Als ein anderer Camper wagte, mit angeschalteter Stirnlampe in Richtung Bogenfels zu laufen, wurde er sehr barsch zurechtgewiesen. Er solle nicht einfach so durchs Bild marschieren und es mit seinem Licht zerstören. So warteten wir auf einen geeigneten Moment, den Bogen einmal nur mit natürlichem Licht fotografieren zu können, da der Mond relativ hell war und es unserer Meinung nach die künstliche Bestrahlung gar nicht gebraucht hätte. Dies war jedoch nicht möglich. Die Profis lieferten sich eine genau durchgetaktete Laser-Show. Sobald die Lampe aus war, wurden Stative gerückt und Positionen verschoben. Alle sprangen gleichzeitig auf den Felsen herum, und man hatte ständig jemanden auf dem Bild. Etwa zwei Stunden lang hofften wir vergeblich auf die Abreise der Gruppe. Davon war sie aber weit entfernt. Wir wurden völlig ignoriert und bestenfalls wurde geduldet, dass wir unmittelbar nach dem Countdown dasselbe Foto machten wie der Rest der Truppe.
Auf unsere vorsichtige Frage, wie lange der Spuk denn noch andauern würde, und ob man nicht mal für 10 Minuten die Lichter auslassen könnte, klärte man uns verständnisvoll darüber auf, dass solch professionelle Aufnahmen schon noch ihre Zeit dauern würden und wir so bald nicht damit rechnen könnten, hier alleine zu sein. Wie egoistisch von uns! Sie seien heute und morgen wegen solcher Fotos schließlich extra hierhergekommen. Na dann … ist ja interessant! In Ruth begann es so langsam zu brodeln, und während sie noch überlegte, ob es Uwe gleichzeitig mit allen acht Teilnehmern der Fotosafari im Boxkampf würde aufnehmen können (Manchmal ist es ja auch gut, ein Mädchen zu sein, da müssen andere die Drecksarbeit erledigen), passierte es ihr vielleicht zwei- oder dreimal, dass sie mit ihrer doch ziemlich hellen Taschenlampe quer durch die Langzeitbelichtung des Fototrupps leuchtete. Upps! Das war natürlich nur ein Versehen. 😈 Es war ziemlich offensichtlich, dass aus der geplanten Sternenzeitraffer-Aufnahme mit Bogenfels nichts werden würde. Das war zwar sehr ärgerlich, aber irgendwann ergaben wir uns in unser Schicksal, beschlossen, dass der Bogenfels für heute bereits totfotografiert sei und wollten uns nicht weiter in unseren Ärger hineinsteigern. So liefen wir zurück zu den Autos. Mit Sönke und Sandra saßen wir noch ein wenig zusammen, ließen den Tag ausklingen und gingen dann ins Zelt.
Kilometer: 9
Teil 1123. Nov. 2016
Tag 7 – Donnerstag, 14. Juli 2016 – Kurze Etappe zum Brandberg
Spitzkoppe – Brandberg White Lady Lodge
Kurz nach Sonnenaufgang standen wir auf und liefen zum Bogenfelsen. Die vereinnahmende Fotografen-Gruppe war natürlich auch schon wieder da und lungerte mit ihren Stativen genau unterhalb des Bogenfelsens herum. So war es kaum möglich, ein halbwegs schönes Foto zu machen. Trotzdem blieben wir einige Zeit und liefen den Leuten wenigstens ab und zu mal durchs Bild.
Felsenschwalbe
Anschließend frühstückten wir lange und ausgiebig. Die Sonne brannte bereits wieder heiß vom Himmel. Da wir heute keine lange Etappe vor uns hatten, brachen wir erst spät auf. Zuvor erklommen wir noch einen Hügel zu den sog. Rock Pools. Dort fegte uns plötzlich ein Wind entgegen, dass wir kaum vorwärts kamen. Oben wurden wir mit einer schönen Aussicht auf die Spitzkoppe belohnt.
Die Strecke bis Uis dauerte zirka eine Stunde. Ruth übernahm das Steuer und übte sich im Umgang mit dem Landcruiser.
In Uis tankten wir und kauften im kleinen, aber gut sortierten Supermarkt Brötchen und Wasser. Dann machten wir Pause im „Cactus and Coffee“, einem kleinen, sehr nett eingerichteten Café am Ende der Stadt.
Überall standen Sukkulenten herum, und alles war äußerst einladend. Wir aßen zunächst getoastete Sandwiches mit Pommes und anschließend Kuchen. Alles war lecker, und die lange Pause tat uns gut.
Rotstirn-Bartvogel
Zu dem Café gehört auch ein liebevoll gestalteter Campingplatz. Hätten wir keine Reservierung für den Brandberg gehabt, wären wir vielleicht sogar dort geblieben. Nachdem wir uns dank kostenlosem WLAN mal wieder zu Hause gemeldet hatten, fuhren wir weiter. Bis zur Brandberg White Lady Lodge war es nicht mehr weit. Da die Landschaft aber sehr schön und die Aussichten immer besser wurden, hielten wir noch einige Male an.
Bei der Lodge checkten wir ein. Da es dort aber sehr rummelig war, fuhren wir schnell zum weitläufigen Campingplatz. Wir entschieden uns für einen großen Stellplatz unter einem Baum und entdeckten ein paar Rüppelspapageien.
Vor dem Abendessen spazierten wir noch ein wenig herum.
Beim letzten Tageslicht duschten wir. Dann machten wir Avocadosalat mit Thunfisch und Mais. Sönke und Sandra grillten, und wir legten noch ein paar Folienkartoffeln in die Glut. Der Halbmond ging auf und tauchte den Campingplatz in sein helles Licht.
Nach dem Spülen saßen wir zwar noch einige Zeit beisammen, wurden aber von Minute zu Minute müder. Wieder hatten wir noch 18 Grad, als wir ins Zelt gingen.
Kilometer: 133
Teil 1224. Nov. 2016
Tag 8 – Freitag, 15. Juli 2016 – Rund um den Brandberg
Brandberg White Lady Lodge – Rhino Ugab Camp
Die Nacht auf dem Campingplatz der Brandberg White Lady Lodge war ruhig, warm und windstill. Wir standen kurz nach Sonnenaufgang auf. Sönke, Sandra und Lia schliefen noch.
Wir kramten ein wenig und stellten unseren Tisch in die Morgensonne. Dann sammelte Uwe trockene Stöckchen und befeuerte den Kelly-Wasserkocher. Es klappte auf Anhieb und funktionierte gewohnt schnell, auch wenn es ziemlich qualmte.
Bei Kaffee, Tee, Brötchen mit Nutella und Marmelade ließen wir den Tag langsam angehen. Sönke, Sandra und Lia kamen auch dazu, und wir genossen den schönen Morgen. Nach dem Frühstück trennten wir uns für heute von unseren Freunden, und wir fuhren los in Richtung unseres Tagesziels Messum-Krater.
Unmittelbar östlich des Brandbergs fuhren wir auf einem schmalen Track nach Süden. Die Strecke war gut zu fahren, und wir sahen ein paar Trappen und in großer Entfernung einen Kudu-Bullen.
Rüppelltrappe
Wir erreichten die D2342 genau an der Stelle, bei der sich gegenüber an einem Hügel ein einzelner Felsen befindet, der wie ein Elefantenkopf aussieht. Just an dieser Stelle waren wir vor drei Jahren kaum mit unserem Wagen wieder herausgekommen. Wir waren den steilen, tiefsandigen Weg hineingefahren, den wir umgekehrt nicht mehr hinauf gekommen waren. Dieses Mal blieben wir außerhalb stehen und liefen zu Fuß zu der kleinen Sehenswürdigkeit.
Seit einem guten Jahr gibt es hier einen kleinen Campingplatz, der von einer einheimischen Familie betrieben wird. Außerdem kann man dort handgemachte Ketten und Armbänder kaufen. Nachdem wir ein wenig herumgelaufen und uns die Gegend angesehen hatten, erstand Ruth zwei Halsketten.
Teil 1324. Nov. 2016
Weiter ging es nach Westen. Am direkten Abzweig zum Messum-Krater fuhren wir vorbei, da wir noch einen Aussichtspunkt weiter nördlich besuchen wollten. Die Straße führte an unzähligen Welwitschias aller Größen vorbei.
Uns begegnete kein anderes Auto. Von der D-Straße zweigte eine schmale, unscheinbare Fahrspur in die Berge ab. Sie führte sehr kurvig und mit steinigem Untergrund stetig bergauf. Teilweise kletterten wir über große Steinbrocken. Wir kamen an zwei Ruinen vorbei, von denen lediglich noch eine Hauswand zu sehen war. Der Weg wand und zog sich, aber schließlich erklommen wir die letzte Steigung, und uns verschlug es fast die Sprache. Die Aussicht über das Ugab-Tal, die sich vor uns auftat, war grandios. Aber nicht nur über die Abbruchkante hinweg, sondern in alle Richtungen hatten wir eine fantastische Rundumsicht.
Hier machten wir ein Picknick und genossen das Gefühl, alleine auf der Welt zu sein. Da wir das letzte Wegstück nur sehr langsam fahren konnten, war nicht abzuschätzen, wie lange wir auf wahrscheinlich ähnlichen Wegen Richtung Süden bis zum Messum-Krater benötigen würden. Um nicht in die Dunkelheit zu kommen, änderten wir unseren Plan. Wir fuhren auf dem gleichen Weg zurück zur D-Straße und dann weiter nach Norden zum Ugab Rhino Camp. Dies war leicht zu erreichen, und wir kannten es bereits von einem früheren Besuch. Gegen Ende der Strecke wählten wir eine Alternativroute und kamen durch ein Tal, das übersät war mit leeren Glasflaschen und sonstigem Müll. Wir waren ziemlich schockiert über den ganzen Unrat an verrosteten Blechen, Drähten und Scherben. Unser Stellplatz von vor drei Jahren im Camp war frei, und so richteten wir uns ein. Nachdem das Duschwasser heiß war, wuschen wir den Staub vom Körper und machten Grillfeuer.
Da wir erst spät Picknick gemacht hatten, war unser Hunger nicht so groß. Daher grillten wir das letzte Fleisch aus Windhoek (Rinderfilet) und machten Brote mit Knoblauchbutter.
Morgen wollen wir mit Sonnenaufgang losfahren und dann über den Messum-Krater und Cape Cross nach Swakopmund gelangen.
Kilometer: 130
Teil 1429. Nov. 2016
Tag 9 – Samstag, 16. Juli 2016 – Am Messum-Krater vorbei zur Küste
Rhino Ugab Camp – Meikes Gästehaus, Swakopmund
Die Nacht am Ugab war ruhig und mild. Wir wachten auf, bevor die aufgehende Sonne ihre Strahlen ins Flussbett warf. Schnell packten wir zusammen und verschoben das Frühstück auf später. Im Baum auf der Campsite sahen wir einen Fiscal, der todesmutig ein Plätzchen zwischen den langen Dornen fand. Sonst waren nicht sehr viele Vögel unterwegs.
Bei der Ausfahrt aus dem Camp ließen wir eine Tüte mit Kartoffeln und anderem Gemüse bei einer netten Angestellten, da wir in den nächsten Tagen in Swakopmund nicht selbst werden kochen müssen und Angst hatten, dass uns die Sachen verderben. Zunächst ging es dieselbe steinige Strecke zurück, die wir gestern gekommen waren.
Dann blieben wir jedoch auf der D2303 und bogen später in Richtung Messum-Krater ab. Zu Beginn der Etappe lag erneut jede Menge Müll neben der Straße. Wir hatten fast das Gefühl, durch eine Deponie zu fahren.
Die ganze Zeit über sahen wir kein anderes Auto, außer einem älteren Modell, das wir uns zwar genauer anschauten, dann aber doch nicht gegen unseren Wagen eintauschen wollten.
Wir fuhren über weite Ebenen fast ohne jede Vegetation, nur Steine in allen erdenklichen Braun-, Grau- und Erdtönen. Umso erstaunlicher war es, dass wir ein paar einzelnen Springböcken begegneten.
Entlang der Strecke sahen wir unzählige Welwitschias in den verschiedensten Größen, viel mehr als in den Welwitschia-Ebenen nahe der Mondlandschaft von Swakopmund. Einige waren wirklich beeindruckend.
Das Gebiet des Messum-Kraters ist landschaftlich wunderschön. Gleich zu Beginn sahen wir etwas erhöht an einem Berg einen Felsüberhang. Da die Auffahrt recht steil war, ließen wir das Auto stehen und erkundeten den Platz zu Fuß. Von hier oben hatte man eine fantastische Aussicht über die Ebene und die angrenzenden Berge. Reifenspuren zeigten uns, dass andere mutiger waren als wir. Trotzdem war Ruth glücklich, das Auto unten gelassen zu haben, denn sie setzte sich beim Hinunterlaufen auf dem rutschigen Untergrund auf den Hosenboden. Ihr erschrockener Ausruf wurde an der Felswand mehrfach als Echo zurückgeworfen.
Im Übrigen waren wir froh, uns gestern für das Ugab Rhino Camp als Übernachtungsplatz entschieden zu haben, denn wie sich herausstellte, ist das Campen im Gebiet des Kraters nicht erlaubt. Überall standen Hinweisschilder, die dies ausdrücklich verboten. Das hatten wir nicht gewusst, und es hätte sehr stressig werden können, wenn wir das gestern Abend erst mit Sonnenuntergang festgestellt und uns einen alternativen Übernachtungsplatz hätten suchen müssen. Bald erreichten wir an einem Hügel inmitten einer Ebene einen Picknickplatz, wo wir Pause machten. Wir kombinierten Frühstück und Mittagessen, kochten Eier und aßen Brötchen. Dabei besuchte uns ein unscheinbarer Vogel, den wir noch nie zuvor gesehen hatten. Wir bestimmten ihn als Namibschmätzer (Tractrac Chat). Immer wieder schlug er mit seinen Flügeln und kam zutraulich recht nah an uns heran.
Und noch etwas kam näher. Wo auch immer es herkam, hielt plötzlich ein Fahrzeug neben uns, und vier Leute stiegen aus. Es handelte sich um Angestellte des Nationalparks. Sie wollten unser Permit sehen. Ach du Schande, wie unangenehm! Auch das hatten wir nicht gewusst. Während wir eigentlich dachten, über die verschiedenen Permitstrecken recht gut informiert zu sein, war uns diese hier anscheinend völlig durchgegangen. Wir konnten natürlich nichts vorzeigen und hatten auch kein schlechtes Gewissen, da wir ja nicht erwarteten, etwas falsch gemacht zu haben. Das wurde uns aber recht schnell klar. Die Laune des Officers war – zugegebenermaßen zu Recht – ziemlich frostig, und man wies uns darauf hin, dass wir ein Schild übersehen hätten. Obwohl wir beide uns sicher waren, dass entlang unseres Weges kein entsprechendes Hinweisschild gestanden hatte, entschuldigten wir uns mehrfach, dass wir nicht absichtlich kein Permit besorgt hatten. Zum Glück waren die Parkangestellten nachsichtig mit uns und beließen es bei einer Ermahnung.
Teil 1529. Nov. 2016
Auf direktem Weg fuhren wir Richtung Küste und erreichten die Hauptstraße in Höhe der Robbenkolonie Cape Cross. Auf den letzten Kilometern Richtung Atlantik nahm die Temperatur mehr und mehr ab. Während wir im Messum-Krater noch 26 Grad hatten, zeigte das Thermometer am Meer nur noch 13 Grad an.
Beim Bezahlen der Eintrittsgebühr sahen wir im Registrierungsbuch, dass Sönke, Sandra und Lia kurz vor uns angekommen waren. So trafen wir die drei ungeplant schon jetzt wieder. Es war frisch und bedeckt, und der starke Geruch der Robben setzte sich in unsere Nasen. Wir hatten den Eindruck, dass noch mehr Tiere versammelt waren als letztes Jahr. Überall lagen die Körper übereinander, und es blökte aus tausend Mäulern. Dazwischen saßen oder flogen Seemöwen. Wir beobachteten das Getümmel eine ganze Zeit lang, denn es gab immer wieder Neues zu entdecken. Ohne Rücksicht wälzten sich stattliche Bullen über die Kühe und ihre Kälber hinweg zum Meer, Jungtiere hingen schmatzend an den Zitzen ihrer Mütter, es wurde geschlafen, gekuschelt und aus verschlafenen Augen umhergeblinzelt. Hin und wieder rollte sich ein Tier von der linken auf die rechte Seite oder stieg über die Leiber einiger Artgenossen hinweg, was ihm unfreundliches Schnauben einbrachte. Während der Gang der Robben an Land mit hin- und herpendelndem Oberkörper recht unbeholfen und mühsam erscheint, sind ihre Bewegungen in der starken Brandung wirklich beeindruckend. In den wildesten Fluten tummeln sie sich kopfüber in den hohen Wellen, und es grenzt an ein Wunder, dass sie nicht völlig zerschmettert an den harten Felsen aufprallen. Leider sahen wir auch zwei Seerobben, denen es nicht so gut ging. Die eine hatte sich in einer Plastiktüte verfangen, die sich als Schlinge um ihren Hals gelegt hatte, und die andere war in einen Draht geraten, der ebenfalls in ihren Hals schnitt. Da die eine Robbe nicht weit vom Besuchersteg entfernt lag, wäre Ruth am liebsten gleich selbst losmarschiert und hätte die Plastiktüte zerschnitten. Das trauten wir uns dann aber doch nicht.
Bald waren wir ziemlich durchgefroren, da wir immer noch kurze Hosen anhatten, und so machte es uns nicht viel aus, unseren Weg fortzusetzen. Den Gestank konnten wir ohnehin nicht mehr länger ertragen (wir waren uns sicher, dass er uns in Haaren und Kleidung begleiten würde). Eine gute Stunde brauchten wir bis Swakopmund. Inzwischen war die Sonne zum Vorschein gekommen. Bei Meike und Klaus tranken wir Kaffee und unterhielten uns ein wenig. Dann räumten wir alle Sachen ins Zimmer und duschten den Robbenmief ab. Zum Abendessen gingen wir in den Secret Garden und aßen ganz untypisch für Afrika eine Pizza.
Kilometer: 258
Teil 1601. Dez. 2016
Tag 10 – Sonntag, 17. Juli 2016 – Wüste und Küste
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Heute mussten wir für Swakopmund verhältnismäßig früh aufstehen. Bereits um 7.15 Uhr saßen wir beim Frühstück, da wir um acht Uhr von Sean abgeholt wurden. Dieses Jahr haben wir die Desert Tour von Batis Birding Safaris gebucht. Im Gegensatz zu den bekannteren Veranstaltern sollten die Gruppen nicht so groß sein. Heute waren wir acht Leute im ersten Auto, und ein zweiter Wagen folgte mit drei weiteren Gästen. Die Gruppe war sehr angenehm. Wir fuhren nicht mitten in die Sanddünen hinein, sondern nur am Rand um sie herum.
Namiblerche
Wir erhielten eine Einführung in die Nahrungskette und das Zusammenspiel von Meeresströmung, Nebel, Pflanzen und Tieren. Sean zeigte uns auch einen riesigen Pferdefriedhof, wo vor vielen Jahren zweitausend Tiere getötet werden mussten, nachdem sich eine bakterielle Krankheit ausgebreitet hatte. Noch heute kann man einige der unzähligen Tierknochen sehen. Wir fuhren ganz gemütlich durch die Wüste. Ab und zu hiel Sean an und zeigte uns etwas Interessantes. Dazu gehörten ein kleiner Skink und ein winziger Palmato-Gecko. Da die Haut des Geckos sehr sonnenempfindlich ist, war nur ein ganz kurzes Fotoshooting möglich, bevor sich der kleine Kerl wieder rasch im schützenden Sand einbuddelte.
Auf eine Dancing White Lady mussten wir verzichten, denn Sean erklärte, dass die Spinne viel Arbeit und Energie darauf verwendet, ihren Unterschlupf zu bauen, den er beim Ausgraben nicht zerstören will. Wir waren nicht traurig, da wir auch ohne Spinne genug zu sehen bekamen. Verschiedene Echsen und ein Skorpion flitzten an den Dünenflanken entlang. Es war gar nicht so einfach, ein einigermaßen scharfes Foto zu bekommen, da das Krabbeltier ständig in Bewegung war und nicht einmal verharrte.
Fasziniert waren wir auch von der kleinen Horn-Adder, die unter einem Busch zusammengerollt lag. Ohne Hilfe hätten wir sie niemals entdeckt.
Ab und an stiegen wir aus den Autos und liefen ein wenig umher. Während wir durch die Wüstenlandschaft wanderten, hatten wir schnell zwei treue Begleiter gefunden. Zwei Chats waren offenbar gut mit Sean befreundet. Kein Wunder, denn als Geschenk hatte er ein paar Mehlwürmer dabei. Die Vögel schlugen aufgeregt mit den Flügeln und folgten uns von Busch zu Busch. Sie waren so zutraulich, dass sie Sean die Würmer sogar aus der Hand nahmen.
Zwischendurch gab es Getränke und ein paar kleine Snacks. Wir bestiegen eine nahe Düne und schauten auf die vielen Linien und Spuren im Sand.
Zu unserer großen Freude entdeckten wir auch wieder zwei Chamäleons. Das erste hatte leider keinerlei Interesse an einer Mahlzeit und verschmähte den angebotenen Mehlwurm.
Das zweite Chamäleon saß schon von weitem gut sichtbar an einer alten Bahnschiene auf einem Stein, als würde es auf den Zug warten. Es freute sich sehr über die Abwechslung und die dargebotenen Würmer. Schnell den Fotoapparat im Anschlag und auf Dauerfeuer gestellt, bevor die lange, klebrige Zunge den armen Wurm schnappte und wieder im Maul verschwunden war. Das ging so schnell, dass man mit bloßem Auge keine Einzelheiten erkennen konnte.
Am Sonntag um 13:25 Uhr fraß es einen dicken Mehlwurm, aber satt war es immer noch nicht.
Am Sonntag um 13:26 Uhr fraß es noch einen dicken Mehlwurm, aber satt war es immer noch nicht.
Am Sonntag um 13:27 Uhr fraß es einen weiteren Mehlwurm, aber es hatte immer noch Hunger.
Am Sonntag um 13:28 Uhr fraß es den letzten Wurm.
Jetzt war es glücklich und zufrieden.
Teil 1701. Dez. 2016
Gegen 14 Uhr wurden wir glücklich, aber müde wieder an der Pension abgeliefert. Dort machten wir eine gemütliche Mittagspause in Meikes Garten.
Dann packten wir wieder das gesamte Fotogeraffel und fuhren in den Süden von Walvis Bay zu den Flamingos. Auf dem Weg dorthin kamen uns immer wieder Polizeiautos entgegen, plötzlich sogar auf unserer Spur. Zusammen mit dem Auto vor uns blieb uns nichts anderes übrig, als sehr spontan auf den Seitenstreifen auszuweichen. Das war gar nicht so ungefährlich, da dieser sandig und unbefestigt war. Kurz darauf passierten uns mehrere Polizeiwagen, die ein paar schwarze Autos mit Flaggen am Kotflügel eskortierten. Wir hatten ja nichts dagegen, den Präsidenten oder wen auch sonst Wichtigen vorbeizulassen, aber uns einfach mit Gewalt von unserer Fahrspur zu drängen, war schon recht fragwürdig und hätte auch leicht schief gehen können. Bei den Salzfeldern standen tausende Flamingos. Einige Zeit folgten wir der Spur Richtung Pelican Point und sahen auch noch andere Wasservögel.
Zwergflamingo
Fahlregenpfeifer
Danach stellten wir das Auto bei der Pension ab und liefen zur Jetty, wo wir einen Tisch zum Sonnenuntergang reserviert hatten. Ganz außen auf dem Landungssteg ließen wir uns Sushi Oryx und Kingklip schmecken. Uwe nahm sogar noch einen total leckeren Schoko-Vulkan zum Nachtisch. Bei milden Temperaturen liefen wir zurück, duschten und gingen ins weiche Bett.
Kilometer: 103
Teil 1804. Dez. 2016
Tag 11 – Montag, 18. Juli 2016 – Ein Tag am Meer
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Wir schliefen aus und gingen gegen acht Uhr zum Frühstück. Im Gegensatz zu gestern schien bereits die Sonne von einem blauen Himmel. Im Namibia-Forum hatten wir gelesen, dass ab Ende der Woche eine Kaltfront mit minus 10 Grad im Süden vorhergesagt ist. Davor haben wir ein bisschen Angst, weil wir genau dann im KTP sein werden, wo es erfahrungsgemäß ohnehin immer recht kalt ist. Wir werden sehen. Nach dem Frühstück gingen wir zu Fuß in die Innenstadt und bummelten ein wenig durch die Geschäfte. Ruth fand einen weißen Hosenrock und ein graues Kleid. Beides wanderte in die Einkaufstasche. Außerdem sprachen wir ein paar Makalani-Nussschnitzer an und gaben zwei Spezialmotive in Auftrag. Ruth brauchte einen Schlüsselanhänger für ihr neues erstes Schuljahr. Diesmal handelte es sich auch um ein für Namibia einfaches Motiv – einen Elefanten. Beim letzten Mal hatte es der Schnitzer mit dem Känguru noch schwerer. Während die Schnitzaufträge in Arbeit waren, tranken wir einen Kaffee bzw. Kakao. Anschließend waren die Nüsse fertig und wirklich schön. Leider wollte der Schnitzer eine viel zu hohe Summe für seine Arbeit. Wir hatten es versäumt, den Preis vorher auszuhandeln und versuchten, ihn auf den Teppich zurückzuholen. Obwohl er die Nüsse mit der Sonderanfertigung bestimmt an niemand anderen mehr losgeworden wäre, diskutierte er immer weiter und ließ sich nicht auf unsere Preisvorschläge ein. Die Verhandlungen waren wirklich anstrengend. Schließlich dauerte es uns zu lange, und wir bezahlten etwas mehr, als wir vorgehabt hatten. Zurück an der Pension trafen wir Sönke, Sandra und Lia, die gerade von ihrer Living-Desert-Tour zurückgekommen waren. Voller Begeisterung erzählten sie von ihren Tiersichtungen. Bei einer Mittagspause pirschte Ruth wieder mal den Vögeln im Garten hinterher.
Wellenastrilde
Maskenweber alias BVB-Weber 😉
Gemeinsam mit unseren Freunden liefen wir nochmal in die Stadt und setzten uns vor ein Café. Wir aßen Burger, Bagel, Omelett und Kuchen. Danach trennten wir uns wieder. Wir gingen zum Strand und liefen zum ersten Mal bis zur Tiger Reef Bar. Die hatte zwar heute geschlossen, aber eigentlich ging es uns um die kleine Lagune zwischen der Bar und der Swakopmündung, wo viele Wasservögel zu finden waren. Wir konnten sie zwar aus der Ferne sehen, wollten aber auch gerne Fotos machen. Daher liefen wir schnell zurück zur Pension und holten das Auto und die Kameras. Damit konnten wir dann einige Wasservögel erwischen.
Hier brauchen wir Hilfe bei der Bestimmung. Sieht aus wie eine junge Möwe.
Dreibandregenpfeifer
Weißbrustkormoran
Graureiher
Um die Vögel nicht zu verscheuchen, pirschten wir sehr langsam und vorsichtig an sie heran. Nach jedem Schritt blieben wir stehen und versanken dabei zunehmend in einem Salz-Matsch-Gemisch, je näher wir dem Wasser kamen. Unsere Schuhe waren dick verklebt und rochen nicht besonders angenehm. Rosapelikan
Teichhuhn
Kapstelze
Säbelschnäbler
Eilseeschwalbe
Seidenreiher
Hirtenregenpfeifer
Zum Sonnenuntergang liefen wir nochmal zur Jetty.
Danach fuhren wir zurück in die Pension, duschten und machten uns fertig. Erneut ging es, diesmal zu Fuß, hinunter zum Meer. Es war kurz nach Sonnenuntergang, und wir erlebten einen Himmel in Dunkelorange.
Unser Tisch im Tug wartete auf uns, und ein junger Kellnerlehrling freute sich, mit uns seine ersten Erfahrungen zu sammeln. Er war sehr bemüht, sein Timing jedoch nicht immer ganz passend. Wir ließen es uns gutgehen. Nach der Bruschetta-Vorspeise, die wir uns teilten, aßen wir scharfen Blackened Fish und ein Oryx-Steak. Es gab reichliche Beilagen und Rotwein. Nach dem Essen bekam Uwe eine tolle Nachspeise (ähnlich der von gestern mit flüssigem Schokoladenkern), und Ruth bestellte einen Cocktail.
Kilometer: 0
Teil 1910. Dez. 2016
Tag 12 – Dienstag, 19. Juli 2016 – Einkauf und Dünenspaziergang
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Wir konnten uns wieder Zeit lassen mit dem Aufstehen und Frühstücken. Wir genießen diesen „Urlaub vom Urlaub“ sehr, bevor wir wieder auf Camping wechseln. Nach dem Frühstück saßen wir noch einige Zeit mit Klaus und Meike zusammen und erzählten. Da der Fensterheber an Uwes Autotür ein komisches Geräusch von sich gab, wollten wir uns heute noch darum kümmern. Nicht, dass wir in zwei Wochen plötzlich die Scheibe nicht mehr bewegen können. So rief Uwe bei Savanna an und wurde zu Toyota geschickt. Dort konnte man auf die Schnelle nichts finden. Man müsse die Türinnenverkleidung entfernen, und dazu habe man erst heute Nachmittag Zeit. Bis dahin erledigten wir den Lebensmitteleinkauf für die kommende Woche. Bei Fruit and Veg fanden wir fast alles, insbesondere leckeres Müsli, Wildfleisch und Gemüse. Ruth bekam am Sushi-Stand ganz große Augen. Aber auch ein paar Süßigkeiten wanderten in den Einkaufswagen.
Den Rest kauften wir im großen Spar. Nutella fanden wir leider ausschließlich in kleinen Gläschen. Zurück in der Pension verstauten wir alles ordentlich im Wagen und füllten den Kühlschrank bis oben. Ruth wischte den Staub aus dem Innenraum. Kurz vor zwei fuhr Uwe wieder zu Toyota und schaute zu, wie der Mechaniker versuchte, das seltsame Knacken im Fensterheber zu lokalisieren. Dies war gar nicht so leicht. Nach einer halben Stunde und der Demontage der halben Tür war die Ursache gefunden: Das Halteband der Tür hatte, nur wenn diese geschlossen war, minimalen Kontakt zur herunterfahrenden Scheibe. Nachdem das Metallteil ein wenig bearbeitet war, schloss das Fenster wieder ohne Knacken. Uwe war froh und bedankte sich für den Einsatz. Ruth hatte in der Zwischenzeit das Geschirr von unserem letzten Picknick am Messum-Krater gespült und mit Meike gemütlich zusammen im Garten gesessen.
Zu dritt fuhren wir mit Hund Emmi an den Stadtrand und liefen eine Runde durch die Dünen. Wir dehnten unseren Spaziergang aus, sahen dutzende Bülbüls und liefen zum Sonnenuntergang auf eine hohe Sanddüne. Von dort sahen wir sowohl die rote Sonne im Atlantik versinken, als auch gegenüber den Vollmond aufgehen. Es war herrlich warm, wir genossen das Licht und die Stimmung. Wir fühlen uns in Swakopmund und insbesondere bei Meike und Klaus so wohl, dass wir hier problemlos Wochen verbringen könnten. Leider müssen wir morgen bereits wieder aufbrechen.
Zurück in der Pension hatte Ruth gerade noch Zeit zu duschen, bevor wir mit Sönke, Sandra und Lia zum Abendessen im Ocean Cellar verabredet waren. Dies ist eines von mehreren Restaurants im neuen Strandhotel und auf Fisch spezialisiert. Es gab Sushi und Hake-Stücke im Bierteig mit Remouladensoße und als Hauptspeise Kingklip mit superscharfer Peri-Peri-Soße. Den Ocean Cellar haben wir sicher nicht das letzte Mal besucht, denn alles schmeckte ganz hervorragend.
Kilometer: 0 (außer ein paar in Swakopmund)
Teil 2010. Dez. 2016
Tag 13 – Mittwoch, 20. Juli 2016 – Abschied von Swakopmund
Am letzten Morgen in Swakop ließen wir uns Kaffee, Tee, Brötchen mit leckerer, selbstgemachter Guaven- und Orangenmarmelade, Wurst, Schinken, Käse, Toast und Müsli noch einmal besonders schmecken. Wir konnten uns gar nicht losreißen. Leider nahm auch dieses Frühstück ein Ende, und wir packten die restlichen Sachen nach und nach ins Auto. Der Kühlschrank war bis zum Rand gefüllt. Wir verabschiedeten uns herzlich von Klaus und Meike, was uns wieder nicht leicht fiel. Ruth hatte wie immer einen Kloß im Hals, als wir vom Hof fuhren. So schnell wie möglich erledigten wir noch letzte Kleinigkeiten: Bei Cymot kaufte Uwe einen Luftdruckmesser für die Autoreifen. Beim Spar kauften wir Brot und holten Geld. Gegenüber beim Metzger bekamen wir noch ein schönes Stück Oryx-Rauchfleisch. Nachdem wir auch das noch in den Kühlschrank gezirkelt hatten, verabschiedeten wir uns von Sönke, Sandra und Lia. Auf dem Parkplatz vor dem Spar wünschten wir uns eine gute Weiterreise. Endlich brachen wir auf. Inzwischen war es auch schon halb elf. Auf der Teerstraße fuhren wir Richtung Usakos. Immer wieder mussten wir Lastwagen überholen. Dann ging es über Okahandja Richtung Windhoek. Auf diesem Stück kamen wir nur langsam voran, weil die Großbaustelle noch immer mit Geschwindigkeitsbegrenzungen gespickt ist und weil der Verkehr das Überholen von langsamen Lastwagen fast unmöglich macht.
Auf dem Western Bypass umrundeten wir Windhoek und bogen auf die B1 nach Rehoboth.
Während der Fahrt aßen wir Biltong und Kekse. Heute gönnten wir uns keine Picknickpause am Straßenrand. Wir hörten Musik, oder Ruth las aus einem Buch vor. Die Sonne zauberte das schönste Nachmittagslicht über die ersten Ausläufer der Kalahari. Um halb fünf bogen wir kurz vor Mariental auf die C20 nach Osten ab. Uwe entdeckte im Feld neben der Straße ein Steinböckchen. Im ersten Augenblick hielt er es für ein Dikdik, aber als wir umdrehten und nochmal genauer schauten, erkannten wir die kleine Antilope. Am neuen Tor der Anib-Lodge war unsere Campsite-Reservierung vermerkt, und wir fuhren die wenigen Kilometer zur Lodge. Weit kamen wir nicht, denn plötzlich rief Ruth: „Anhalten!“ In ca. 50 Metern Entfernung bewegte sich neben der Straße ein Tier. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob es sich um einen Schakal oder eine Wildkatze handelte, aber dann waren wir uns sicher: ein Erdwolf. Was für ein Glück! Wir konnten auf die Schnelle und die Entfernung ein paar Schnappschüsse machen, bevor das scheue Tier von uns weglief.
Total euphorisch fuhren wir langsam vor und zurück, konnten den Erdwolf aber nicht mehr sehen. Weiter ging es. Nach nur ca. einem Kilometer passierte dasselbe auf der anderen Seite. Wieder ein Erdwolf. Wir waren uns relativ sicher, dass es nicht dasselbe Tier sein konnte, weil es in die entgegengesetzte Richtung davongelaufen war und uns außerdem in einem Bogen hätte überholen müssen. Was war denn hier los?
Die Anib-Lodge ist vor etwa einem halben Jahr neu aufgebaut worden. Die Rezeption mit integriertem Souvenirshop gleicht einer Empfangshalle. Alles sieht sehr schick und edel aus. Wir wurden nett empfangen und meldeten uns für das Abendessen an, das nicht wie früher als Menü, sondern als Büffet gestaltet ist. Wir bezogen unsere Campsite Nummer 1 und klappten das Zelt auf. Die Sonne war gerade untergegangen, als wir uns lange Hosen und Jacken anzogen. Sofort ging der rote Vollmond auf. Während wir noch versuchten, den riesigen Mond mit Hilfe des Stativs zu fotografieren, raschelte es neben der Campsite, und etwas kam zielstrebig auf uns zu marschiert. Wir wagten nicht, uns zu rühren, um das Stachelschwein, welches sich so leise genähert hatte, nicht zu verscheuchen. Es umrundete die Campsite und nahm leider schnell im hohen Gras der Kalahari Reißaus. Auch als wir mit der Taschenlampe hinter ihm her leuchteten, konnten wir es bald nicht mehr erkennen. Dann wurden unsere Blicke zum Himmel gelenkt, wo eine Sternschnuppe oder ein Komet schräg und hell über den Nachthimmel schoss und nach ein paar Sekunden verglühte. Nach der langen, anstrengenden Fahrt waren wir völlig überwältigt von den Ereignissen des Abends. Was hatten wir schon für Night-Drives Zeit und Geld investiert, um dann enttäuscht kaum etwas gesehen zu haben. Und hier gab es, obwohl wir eigentlich nichts Außergewöhnliches erwartet hatten, gleich zwei Erdwölfe und ein Stachelschwein kurz hintereinander. Das Abendessen fand in einem großen Saal statt. Das Büffet war sensationell. Wir probierten alles, was wir konnten und aßen Gemüsesuppe mit Croutons und Brötchen, Tomaten-, Gurken-, Kartoffel-, Nudel-, Möhren-, Schichtsalat, grünen Salat mit Feta und Oliven, Springbock-Schinken mit Senfsoße, Oryxfilet, Hecht, Pap, Reis und rote Beete und grüne Bohnen sowie verschiedene Soßen. Nachtisch waren Malvapudding und Schokoladeneis. Alles schmeckte hervorragend. Die Kellnerinnen waren sehr aufmerksam und sangen und tanzten zwischendurch. Wie wir es danach noch bis zum Auto zurück schafften, ist uns ein Rätsel.
Kilometer: 653
Teil 2112. Dez. 2016
Tag 14 – Donnerstag, 21. Juli 2016 – In die Kalahari
Anib-Lodge, Mariental – Mata Mata, KTP
Der erste Morgen am Rand der Kalahari war zwar etwas frischer als die Tage zuvor, aber immer noch nicht wirklich kalt. Bei ca. drei Grad standen wir kurz nach Sonnenaufgang auf. Unsere exklusive Campsite wurde schon von einigen Vögeln besucht. Kalahari-Heckensänger, Rotschwanzschmätzer (Familiar Chat) und Brustbandprinien kamen vorbei.
Zum Glück waren die ersten Sonnenstrahlen schon recht warm, und so konnten wir gemütlich frühstücken.
Danach packten wir unsere Sachen und spülten. Eigentlich hätte es nun losgehen können, aber es waren noch ein paar interessante Vögel zu entdecken, denen Ruth unbedingt noch hinterherpirschen musste.
Bokmakiri
Sichelhopf
Dann statteten wir dem Souvenirshop der Aniblodge noch einen kurzen Besuch ab und bezahlten unsere Rechnung. Direkt am Gebäude der Lodge saßen zwei Felsenschwalben.
Teil 2212. Dez. 2016
Es war bereits zehn Uhr, als wir endlich aufbrachen. Bis Stampriet fuhren wir auf Teerstraße. Dort tankten wir voll. Die gestrige Fahrt mit hoher Geschwindigkeit hatte recht viel Diesel verschlungen. Nun ging es auf Schotterpiste weiter nach Südosten. Entlang der C15 gab es viele Farmen und direkt an der Straße unzählige Bäume mit großen Webervogelnestern.
Kampfadler
Wir machten keine längere Pause, sondern fuhren weiter, wobei wir fast keinem anderen Auto begegneten. Den Farmstall mit angeschlossenem Café ließen wir ebenfalls links liegen, um nicht unnötig Zeit zu verlieren. An der Grenzstation Mata Mata reisten wir aus Namibia aus und checkten auf südafrikanischer Seite im KTP ein. Die Formalitäten und das Bezahlen der Parkgebühr dauerten wieder mal länger als erwartet, obwohl unser Auto nicht genau untersucht wurde und wir weder nach Brennholz noch nach speziellen Lebensmitteln gefragt wurden.
Auf dem Campingplatz belegten wir einen Stellplatz nahe der Mitte unter einem großen Baum. Wir machten ein kleines Picknick mit Wildschinken, Brot und Tomaten und sahen den Erdhörnchen zu (und sie uns).
Da sie sich vor den angekündigten, kalten Temperaturen ein wenig fürchtete, duschte Ruth noch schnell, bevor wir zum ersten Gamedrive in den Park aufbrachen. Während Uwe Brennholz im Shop besorgte, entdeckte Ruth eine Weißgesicht-Ohreule im Baum vor dem Laden. Leider saß sie so versteckt, dass wir den schönen Vogel immer nur hinter einem Haufen sehr scharfer Äste als matschiges, helles Fellpuschel auf den Fotos ausmachen konnten. Daher gaben wir diesen Plan bald auf. Im Park hatten wir nicht mehr viel Zeit und kamen lediglich etwa 15 Kilometer weit, bevor wir wieder umkehren mussten. Wir sahen einige Vögel, ein paar Springböcke, Gnus, Oryx und einen Schakal.
Trauerdrongo
Schwalbenschwanz-Bienenfresser
Toni-Igel 😉
Zurück in Mata Mata machten wir Feuer und bereiteten das Abendessen zu. Wir grillten Wildfleisch und garten Blumenkohl und Möhren im Topf. Außerdem aßen wir Grillbrote mit Knoblauchbutter. Anschließend spülten wir, und Uwe duschte noch. Als wir ins Zelt stiegen, zeigte das Thermometer bereits unter zehn Grad. Die Tendenz ist leider sehr eindeutig. Etwas später riefen die Schakale und begrüßten uns in der Kalahari.
Kilometer: 312
Teil 2313. Dez. 2016
Tag 15 – Freitag, 22. Juli 2016 – Der erste Löwe
Mata Mata, KTP – Rooiputs, KTP
Die Nacht war zwar die bislang kälteste, aber unsere Schlafsäcke sind tatsächlich so gut, dass uns dennoch zwischendurch zu warm wurde. Erfrieren werden wir also wohl nicht mehr. Durch die verschiedenen Zeitverschiebungen zwischen Deutschland, Namibia und Südafrika sind wir wieder mal ein wenig durcheinander gekommen und hatten uns den Wecker eine Stunde zu früh gestellt. Uwe stand auf, und als wir unseren Irrtum bemerkt hatten, ließen wir uns eben sehr viel Zeit. So ging es in aller Ruhe zum Waschen, dann kochten wir eine Thermoskanne Kaffee, tranken schon den ersten Tee und packten ganz gemütlich zusammen.
Als wir dann schon zeitig um 7.30 Uhr zur Rezeption fuhren, um unser Park-Permit abzuholen, trauten wir unseren Augen kaum, denn wir waren bei Weitem nicht die ersten. Dort stand bereits eine Schlange an Leuten, und wir mussten uns ziemlich weit hinten im Pulk einordnen. Das hatten wir so noch nie erlebt.
Sobald das Tor geöffnet wurde, setzte sich der Autokorso in Bewegung, und in einer langen Staubfahne ließen wir Mata Mata hinter uns. Wir fuhren recht langsam und ließen alle anderen Autos an uns vorüberfahren, da wir kein Wettrennen machen wollten.
Also hielten wir wie immer an jedem Vögelchen und beobachteten an der ersten Wasserstelle lange eine Herde Giraffen beim Trinken. Immer wieder erschienen neue Köpfe mit langen Hälsen über dem Dünenkamm, und eine Giraffe nach der anderen marschierte zum Wasser, wo sie sich gründlich nach allen Seiten umsah, sich umständlich auf ihren langen Beinen zurecht rückte und das Wasser in einem großen Bogen von sich schleuderte.
Als wir endlich aufbrachen, war unser Timing perfekt. Wir waren nur etwa fünf Kilometer gefahren, als wir nach einer Kurve einen großen Mähnenlöwen entdeckten, der mitten auf der Ebene links von uns parallel zur Straße schritt. Viele Möglichkeiten, unsere Fahrtrichtung im Auobtal zu beeinflussen, gibt es ja nun eigentlich nicht, aber wir hatten Glück, denn ausgerechnet an dieser Stelle zweigte kurz danach ein Weg ab, so dass wir voller Vorfreude auf den Löwen warten konnten. Dieser tat uns den Gefallen und änderte seine Laufrichtung nicht. So kam er genau auf uns zu und passierte unmittelbar vor uns das Auto.
Er war wirklich ein sehr beeindruckender Bursche, und wir freuten uns mächtig, ihm so nah sein zu können. Lange konnten wir ihn dabei beobachten, wie er stolz die Straße entlang ging, immer wieder die Böschung hinaufstieg, um zu schnuppern und jeden Busch und Strauch zu markieren. So hatten wir die Möglichkeit, vorsichtig an ihm vorbeizufahren und ein Stückchen weiter wieder auf ihn zu warten.
Unser Umeinanderschleichen wiederholte sich ein paar Mal, bis sich der Löwe in den Schatten auf den Weg legte und gähnte. Dann rollte er sich hin und her, leckte seine Pranken und schaute in alle Richtungen. Es war wahnsinnig aufregend, dieses schöne, völlig entspannte Tier zu beobachten.
Wie oft hatten wir schon die riesigen Prankenabdrücke im Sand gesehen, waren ihnen kilometerweit gefolgt in der Hoffnung, irgendwann die oder den Verursacher zu erblicken und hatten enttäuscht aufgegeben, wenn die Spur die Pad verließ und sich im Nirgendwo verlor. Heute hatten wir den Löwen eine ganze Zeit unmittelbar um uns herum und waren schwer begeistert. So waren wir auch nicht enttäuscht, als irgendwann ein weiteres Fahrzeug auftauchte und der Kater aufstand, um ein letztes Mal an uns vorbeizulaufen.
Es sammelten sich immer mehr Autos hinter uns, und so verließ er die Straße und legte sich ein paar Meter neben der Fahrbahn ins Gebüsch. Wir gaben unseren Platz frei und fuhren bestens gelaunt langsam weiter.
Teil 2413. Dez. 2016
An den weiteren Wasserstellen fotografierten wir in erster Linie Giraffen beim Trinken und alle möglichen Vögel.
Unser Fleckenuhu saß noch im selben Eulenbaum wie letztes Jahr.
eine Schar Lappenstare
Lannerfalke
Kaptäubchen
Bis zum Picknickplatz Kamqua brauchten wir den gesamten Vormittag. Dort machten wir eine ausgiebige Mittagspause. Eine Krähe leistete uns Gesellschaft und krächzte und gluckste uns etwas vor.
Maricoschnäpper
Turmfalke
Die Etappe bis Twee Rivieren legten wir dann deutlich schneller zurück. Dort spülte Uwe das Geschirr, während Ruth duschte.
Untermieter im Duschhäuschen von Twee Rivieren
Im Laden besorgten wir am Geldautomaten Rand und kauften Feuerholz. Schließlich brachen wir Richtung Rooiputs auf. Unmittelbar außerhalb des Camps entdeckten wir ein paar Erdmännchen auf der Ebene.
Am ersten Wasserloch standen Oryx-Antilopen, und wir kamen an großen Springbockherden und vielen Gnus vorbei. Immer wieder sind wir von dem Baum mit dem riesigen Webervogelnest beeindruckt.
Kronenkiebitz
Bei Rooiputs bezogen wir unseren Stellplatz Nummer drei. Von diesem hat man eine wunderschöne Aussicht über die Ebene. In der Nähe saßen ein paar Schwarzkopfreiher in den Bäumen.
Mit Sonnenuntergang kehrten auch die Siedelweber zurück. Sie zwitscherten geschwätzig und waren so zutraulich, dass sie uns zwischen den Füßen umherhüpften, als wir unser Lager einrichteten und Feuer machten.
Zum Abendessen grillten wir die nächste Portion Wildfleisch. Im Potje machten wir Blumenkohl- und Möhrengemüse. Ruth legte sich eine Folienkartoffel in die Glut, und außerdem grillten wir wieder Brote mit Knoblauchbutter. Es schmeckte fantastisch. Da der Vollmond erst später aufging, starteten wir nach dem Aufräumen noch eine Zeitrafferaufnahme des Sternenhimmels. Es kühlte zwar wieder ab, war aber immer noch gut auszuhalten.
Kilometer: 145
Teil 2523. Dez. 2016
Tag 16 – Samstag, 23. Juli 2016 – Im Süden des KTP
Rooiputs, KTP
Mit Sonnenaufgang standen wir auf und packten unsere Sachen zusammen. Das ging bei knapp unter null Grad ziemlich schnell, so dass wir rasch aufbrechen konnten.
Vor dem Aufstehen hatten wir bereits immer wieder einen Löwen brüllen gehört und waren so zusätzlich motiviert. Leider war an der Wasserstelle Rooiputs nichts zu sehen. Doch schon ein paar Meter weiter, als wir die Lodge passierten, erblickten wir in weiter Entfernung auf dem Dünenkamm den Verursacher des morgendlichen Gebrülls. Ein großer Mähnenlöwe marschierte parallel zur Straße, tat uns aber nicht den Gefallen, näher zu kommen, sondern behielt stur seine Richtung bei und entfernte sich immer weiter. Auf dem weiteren Weg Richtung Norden sahen wir zunächst noch keine Tiere. Erst bei Kij Kij kam uns ein Fahrzeug entgegen, und der Fahrer machte uns auf fünf Löwen aufmerksam, die oberhalb der Wasserstelle auf den Dünen lagen. Wir entdeckten sie recht schnell, aber das Rudel war sehr träge. Als sich eine Löwin erhob, um ihre Position zu ändern, konnten wir erkennen, dass sie ziemlich vollgefressen war. Vermutlich würden sie den ganzen Tag ausruhen und schlafen.
Nach einiger Zeit fuhren wir weiter nach Norden.
Gaukler
Gleitaar
Fiskalwürger
Weidelandpieper (African Pipit)
Kurz vor dem Rastplatz Melkvlei entdeckten wir schon wieder ein paar Löwen auf einer Düne. Daher gingen wir nur kurz zur Toilette und fuhren dann auf die Straße über die Dünen, von wo wir zwei Löwinnen aus kurzer Distanz beobachten konnten. Im Gegensatz zu denen von Kij Kij sahen sie ziemlich abgemagert aus, lagen aber ebenfalls faul im Gras oder waren von diesem verdeckt.
Auf dem Rückweg ließen zwei Fahrzeuge am Straßenrand auf eine interessante Sichtung hoffen. In einiger Entfernung zur Straße saß eine Gepardin etwas erhöht und hielt Ausschau.
Im Gefolge hatte sie vier Junge, die noch den längeren grauen Nackenpelz und struppige Mähnen hatten. Zunächst lag sie nur da, dann lief sie parallel zur Straße weiter. Ein Junges nach dem anderen folgten ihr in einigem Abstand.
Immer wieder verschwanden sie aus unserer Sicht, dann fingen sie an zu laufen, und ein Schakal mischte sich in die Szene ein. Was genau geschah, konnten wir nicht sehen, aber die Gepardenjungen versteckten sich, und die Mutter pirschte weiter. Als wir sie nicht mehr wiederfanden, fuhren wir weiter.
Teil 2623. Dez. 2016
Wir beeilten uns, nach Twee Rivieren zu kommen, da Mittag bereits vorbei war. Dort tankten wir. Zum Glück gab es am Grenzposten Diesel, denn die Tankstelle wurde zurzeit renoviert. Dann erledigten wir die Grenzformalitäten für Botswana. Im Shop holten wir noch einmal Geld am Automaten und nahmen ein paar Säcke Feuerholz mit – besonders wichtig gegen die abendliche Kälte. Dann fuhren wir auf den Campingplatz, wo wir duschten, das Geschirr spülten und ein Picknick machten. Anschließend pirschten wir einigen Vögeln auf dem Gelände von Twee Rivieren hinterher, die an einem tropfenden Wasserrohr tranken und ihr Gefieder säuberten.
Priritschnäpper
Schwalbenschwanz-Bienenfresser
Weißrücken-Mausvogel
weiblicher Maskenweber
Rotkopfamadine
Schnurrbärtchen
Maricoschnäpper
Elfenastrild
Spät verließen wir das Camp und fuhren wieder bis Kij Kij. Am Rand der Pad entdeckten wir kurz nach Verlassen des Camps ein einzelnes Erdmännchen, welches nach Kameraden oder Feinden Ausschau hielt.
Felsenbussard
Die Löwen lagen noch in etwa an derselben Stelle. Sie hatten sich nur wenig bewegt. Allerdings waren nun auch zwei ausgewachsene Männchen zum Rudel gestoßen. Während das eine gesund und kräftig aussah, humpelte das zweite stark und wirkte ziemlich ramponiert und abgekämpft.
Wir beobachteten sie noch ein wenig, sahen Springböcken beim Springen zu und fuhren dann wieder zurück nach Rooiputs. Wieder erblickten wir ein Erdmännchen. Das putzige, kleine Kerlchen grub wie wild im Sand, hielt aber immer wieder inne, um angestrengt in alle Richtungen zu spähen.
Das letzte Nachmittagslicht war wunderschön. Wieder hatten wir viel gesehen und einige Vögel bestimmt.
Am Camp zogen wir uns warme Sachen an und machten Feuer.
Ein weiteres Stück Wildfleisch landete auf dem Grill. Dazu gab es Folienkartoffeln und Salat mit Tomaten, Gurke und Feta. Wir beeilten uns mit dem Essen, da es heute noch ein wenig kälter wurde. Während wir aßen, raschelte es ständig um uns herum im hohen Gras. Neugierig leuchteten wir immer wieder mit der Taschenlampe. Die reflektierenden Augen konnten wir zunächst nicht genau zuordnen, doch als die Tiere in kleinen Sprüngen hin und her hopsten, erkannten wir, dass es Springhasen waren.
Bei unter fünf Grad kletterten wir schließlich immer wieder von Löwengebrüll begleitet ins Zelt. Es war herrlich, im warmen Schlafsack zu liegen und dem Konzert der Katzen zuzuhören, welches mal von hier und mal von dort aus unterschiedlichen Richtungen und Entfernungen zu uns herüberdrang. Gespannt warteten wir darauf, ob die Löwen uns wohl einen Besuch abstatten würden, aber die hatten offensichtlich Besseres zu tun, denn ihr Brüllen kam nicht mehr näher.
Kilometer: 130
Teil 2730. Dez. 2016
Tag 17 – Sonntag, 24. Juli 2016 – Alles ruhig und kühl
Rooiputs, KTP – Nossob, KTP
Und wieder wurde es ein wenig kälter. Die größte Überwindung kostete es, aus dem warmen Schlafsack zu steigen, den nackten Fuß auf die eiskalte Metallleiter zu stellen und dann in klamme Anziehsachen zu steigen. Minus vier Grad beim Aufstehen, und die Handgriffe saßen, denn unser Ziel war es, möglichst schnell im Auto zu verschwinden und die Heizung auf volle Pulle zu drehen. Wir hatten nachts zwar eine Hyäne gehört, aber keine Spuren rund um unseren Stellplatz gefunden.
Um es vorwegzunehmen: Dieser Tag brachte uns keinerlei besondere Tiersichtungen. Wir fuhren unbehelligt nach Kij Kij, aber von den Löwen war keine Spur mehr zu sehen. Vereinzelt sahen wir ein paar Springböcke oder ein Gnu, sonst war es den Tieren wohl auch zu kalt.
Heute Morgen gehörte der Park den Greifen. Sie saßen in den Baumkronen und sammelten die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Weißrückengeier
Ohrengeier
Raubadler
Lannerfalke
Weiter ging es nach Melkvlei, wo immer noch ein eisiger Wind wehte. Außerhalb des Autos würden Hände und Ohren schnell abfrieren. Diese Aussicht war wenig verlockend, und so gingen wir nur kurz auf die Toilette und verschoben Frühstück oder Picknick wieder einmal auf später. Im Auto gab es lediglich einen Schokomuffin.
Das Picknick machten wir deutlich später am Rastplatz Dikbaardskolk. An diesem Knotenpunkt, bei dem die Straße vom Auobtal einbiegt, war einiges los. Wir staunten über die Berge an Essen, die aus den Trailern der Südafrikaner hervorgezaubert wurden. Da wollten wir nicht hintenan stehen und machten Wurstsalat, den wir mit dem restlichen dunklen Brot aus Swakopmund aßen. In der Sonne war es mittlerweile ganz gut auszuhalten, trotzdem war es alles andere als warm. Im Baum neben uns hüpften verschiedene Vögel umher. Neben dem Rotbauchwürger und ein paar Staren freuten wir uns besonders über den Rotstirn-Bartvogel, der an den Resten eines Koteletts herumpickte.
Anschließend kochte Uwe noch Kaffee. Auf der Weiterfahrt Richtung Nossob entdeckten wir auch weiterhin nichts Besonderes. Ab und an saß ein Greifvogel auf einem Baum, immer wieder liefen Oryx, Gnus und Springböcke über die Ebene. Auch einige Riesentrappen und ein paar Sekretäre waren dabei. Den ganzen Tag zeigte das Auto-Thermometer nicht mehr als 16 Grad an. Die Luft war jederzeit frisch. In Nossob angekommen checkten wir an der Rezeption ein und suchten uns anschließend eine freie Campsite.
Zunächst musste das schmutzige Geschirr vom Vorabend und heute Mittag gespült werden. Das war eine ganze Menge. Danach gingen wir duschen. Campingduschen im südlichen Afrika sind ja eine ganz eigene Welt. Mal hat man Glück, mal weniger. In Nossob zu Zeiten der Camprenovierung eher weniger. Sofern man vorhat, sich tatsächlich auf die hygienischen Bedingungen einzulassen, die meist nicht besonders akzeptabel sind, wählt man eine der Kabinen aus. Wenn man clever ist, eine, bei der noch der Heißwasserhahn vorhanden ist. Andernfalls merkt man das erst, wenn man bereits nackt in der Kabine steht. Der Dübel für den windschiefen Haltegriff hängt nur noch provisorisch in der Wand und entschließt sich im gleichen Moment, in dem man die Kabinentür bewegt, sich zu verabschieden. Haken gibt es grundsätzlich keine oder nur so wenige, dass man all sein Hab und Gut optimal aneinanderketten muss, damit es nicht auf dem Boden in einem Brei aus Staub, getrocknetem Schaum und Haaren landet. Das Sitzbänkchen, welches ursprünglich aus drei waagerechten Latten bestand, hat nun immerhin noch eine und bietet so weder für das Handtuch noch für die Tasche mit Shampoo und Duschgel ausreichend Platz. Irgendwie schafft man es dann, mit so wenig Kontakten wie möglich zu den ganzen losen Griffen und fiesen Oberflächen sich auszuziehen und in die Duschkabine zu stellen. Mit etwas Glück gibt es heißes Wasser – auch mehr als ein paar Tropfen – und mit erheblichem Aufwand, wenn überhaupt möglich, lässt sich die Wassertemperatur so einstellen, dass man sich weder verbrüht, noch erfriert. Meist passiert aber genau eins von beiden, gerne auch beides abwechselnd im 5 Sekunden Rhythmus. Nach einer so erholsamen Dusche holten wir wieder unser Permit ab, tankten und kauften Feuerholz. Dann fuhren wir eine Nachmittagsrunde in den Norden. Wir kamen zwei Wasserlöcher weit: Cubitje Quap und Kwang. Bei beiden war außer Tauben und einem Schakal nichts zu sehen, wobei bei Kwang noch nicht einmal Wasser war.
junger Weißbürzel-Singhabicht
Dafür war das Nachmittagslicht wunderschön, und wir hatten sogar ein paar Wolken am Himmel. So kamen wir wenigstens hinsichtlich der Lichtstimmung auf unsere Kosten.
Zurück in Nossob kauften wir noch ein paar Brötchen. Zum Abendessen machten wir uns nicht viel Arbeit. Wir grillten Boerewors und Brote mit Knoblauchbutter. Die Wurst schmeckte super. Anschließend spülten wir und gingen für eine halbe Stunde in den neu renovierten Hide. Die Renovierung half auch nicht. Am beleuchteten Wasserloch ließ sich kein einziges Tier blicken. Dafür erfuhren wir von einem deutschen Paar, das heute angekommen war, deren Horrorstory vom Hinflug, bei dem sie zwei Tage am Frankfurter Flughafen verbracht hatten und dann in einer Mördertour an einem Tag von Johannisburg über Upington nach Nossob gekommen waren. Bei sechs Grad muckelten wir uns ins Zelt und hofften, dass es bald mal wieder wärmer wird.
Kilometer: 200
Teil 2831. Dez. 2016
Tag 18 – Montag, 25. Juli 2016 – Immer noch ruhig und kühler
Nossob, KTP – Polentswa, KTP
Auch in Nossob war es morgens bitter kalt. Das Problem ist nicht alleine der morgendliche Frost, sondern auch, dass es tagsüber nicht richtig warm wird. Die Luft erwärmt sich nie über 15 Grad. Uwe stand ein bisschen früher auf und kochte heißes Wasser für Kaffee und Tee. Dann klappten wir schnell das Zelt zusammen und starteten den Motor. Zunächst fuhren wir ein paar Kilometer nach Süden und machten den „Marie se Gat“-Loop. Dort sahen wir nichts Besonderes. Als wir auf dem Rückweg waren, entdeckten wir ein Löwenrudel in weiter Entfernung, das zunächst parallel zur Straße lief und sich dann über die Düne noch weiter entfernte. Wieder über Nossob ging es dann nach Norden. Bei Cubitje Quap blieben wir ca. eine Stunde und beobachteten die Tauben und Flughühner, die zum Wasser kamen. Die Flughühner drehten immer erst einige Runden, bevor sie zur Landung ansetzten. Dann standen sie im Wasser und pumpten sich das Nass in ihr Gefieder, bevor sie hektisch wieder starteten. Dieses Mal waren keine Schakale zur Stelle, um sich ein Hühnchen zu rupfen.
Weißbürzel-Singhabicht
Namaflughuhn
Fleckenflughuhn
Bei Kang gab es einige Gnus, aber die Wasserstelle sah wie gestern noch trocken aus.
Auch an den nächsten Wasserstellen war nicht viel los. Oryx und Strauße, Springböcke und Gnus waren unsere Begleiter. Zwischendurch saßen immer wieder Greifvögel auf Bäumen, und manchmal hatten wir auch das Glück, dass sie sitzen blieben, wenn wir anhielten und ein paar Meter zurück fuhren.
Felsenbussard
Kurz vor dem Wasserloch Langklaas sahen wir auf der Ebene einen Geparden. Er war sehr weit entfernt und legte sich bald neben einen Busch. Wir blieben einige Zeit dort stehen, aber er machte keine Anstalten aufzustehen. Er war so weit entfernt, dass wir ihn gerade so mit dem Fernglas ausmachen konnten. Daher fuhren wir bald weiter. In Polentswa besuchten wir zunächst das verwaiste Wasserloch und fuhren dann zum Campingplatz. Zum Glück war dieser nicht besetzt, und wir konnten eine ausgedehnte Pause machen. Wir setzten uns in die Sonne und aßen die Brötchen aus Nossob mit Marmelade, Nutella und Wildschinken. Ruth bastelte eine Vogeltränke, und schlich einigen Piepmätzen und Streifenmäusen hinterher.
Gelbbauchgirlitz
Drosselschnäpper
Brustbandprinie
Abgesehen vom kalten Wind war es sehr entspannt und erholsam. Am Nachmittag brachen wir zu einer kleinen Runde auf. Weiter als zwei Wasserlöcher Richtung Süden fuhren wir allerdings nicht. Auch heute sollte uns das Tiersichtungsglück nicht hold sein. Nirgendwo entdeckten wir etwas Spannendes. Zum Schluss standen wir am Wasserloch Polentswa und beobachteten Springböcke und Tauben.
Gaukler
Dann ging es zur Campsite.
Wir verwendeten viel Holz für ein ordentliches Feuer und setzten uns direkt daneben, um von der Wärme möglichst viel abzubekommen. Zum Abendessen grillten wir Wildfleisch und legten Folienkartoffeln und einen eingewickelten Butternut in die Glut. Anschließend backte Uwe Brötchen im Potije, die sogar ganz gut gelangen.
Im Dunkeln leuchtete Ruth immer wieder die Umgebung ab. Dabei entdeckten wir Schakale und Springhasen. Auch heute Abend kühlte es erheblich ab. Als wir nach dem Aufräumen ins Zelt stiegen, waren es keine drei Grad mehr. So langsam setzt uns die Kälte zu.
Kilometer: 124
Teil 2903. Jan. 2017
Tag 19 – Dienstag, 26. Juli 2016 – Thermischer Tiefpunkt
Polentswa, KTP
OK, wir haben bereits über die Kälte gejammert. OK, wir sind nicht zum ersten Mal um diese Jahreszeit in der Kalahari. OK, wir haben gerade eine Kältewelle. Aber heute Morgen war es fast schon nicht mehr lustig, und Ruths Laune entsprechend den Temperaturen frostig. Uwe kochte Wasser für Tee und Kaffee, wir packten – so schnell man dies mit eiskalten Händen eben erledigen kann – zusammen und waren kurz vor halb sieben startklar.
Am Polentswa-Wasserloch war ein einzelner Springbock, der gerne etwas getrunken hätte. Er lief von einer Ecke der großen Wasserstelle zur anderen, aber immer wieder stieß er mit der Nase auf eine dünne Eisschicht. Etwas verwirrt versuchte er es immer wieder. So kann man in der Wüste auch verdursten.
Wir fuhren südwärts nach Kousant. Dort stand ein großer Kudubulle am Dünenhang. Allerdings konnte er sich auch nach längerer Wartezeit nicht dazu entschließen, sich dem Eiswasser zu nähern. Vielleicht war er aber auch ganz einfach an dieser Stelle festgefroren und konnte sich gar nicht mehr bewegen. Ruth hätte es auf jeden Fall nicht gewundert.
Weiter ging es nach Langklaas und Bedinkt über eine frisch gezogene Piste. Der herrliche Sonnenschein täuschte über die frostige Luft hinweg.
Wie am Vortag sahen wir kaum Tiere, bestenfalls ein paar Antilopen, Strauße oder Ratten. Aber so mussten wir wenigstens nicht allzu oft das Fenster herunterlassen.
Über Kwang gelangten wir nach Cubitje Quap und kamen noch rechtzeitig, um die Flughühner zu beobachten. Leider ließen sich die Schakale auch heute nicht blicken, obwohl wir fast zwei Stunden am Wasserloch blieben. Während Uwe die Hühner im Flug erwischen wollte, weigerte sich Ruth, auch nur einen winzigen Hauch der eisigen Luft ins Auto zu lassen. Auf ihrer Seite konnte der Fensterheber heute Urlaub machen.
Außer den Hühnchen gab es noch jede Menge Tauben, ein paar Böckchen und eine größere Herde Gnus.
Fleckenflughuhn
Kaptäubchen
Weißbürzel-Singhabicht
Teil 3003. Jan. 2017
In Nossob hatten wir ein paar Sachen zu erledigen: Duschen, Geschirr spülen, Picknick mit den selbstgebackenen Brötchen (die übrigens ganz lecker waren), nochmal spülen, tanken und Brennholz kaufen.
Rotschulter-Glanzstar
Nach einem kurzen Besuch im Hide ohne nennenswerte Sichtungen fuhren wir vollbepackt nach Norden.
In der Dusche hatte Uwe von einem Südafrikaner den Tipp bekommen, dass bei Kwang ein männlicher Löwe gegenüber dem Wasserloch liege und schlafe. Tatsächlich entdeckten wir ihn dort reglos unter einem Busch. Wir positionierten uns und warteten. Und warteten. Und warteten. Ein vorwitziger Schakal leistete uns Gesellschaft.
Insgesamt blieben wir zwei Stunden dort. Bis der Löwe zum ersten Mal eine Pranke hob, dachten wir bereits, er wäre tot. Dann kamen immer mehr Fahrzeuge und rangierten hin und her, um auch einen Blick auf das schlafende Tier zu erhaschen. Letztendlich tat sich aber nichts. Wir erfuhren, dass der Löwe wohl schon seit sechs Stunden dort schlief. Weitere Stunden wollten wir dann doch nicht lediglich mit der Aussicht auf ein paar Mähnenhaare dort verbringen und fuhren weiter.
Steppenfalke
Kurz vor Kousant entdeckte Ruth auf der Ebene eine Gepardenmutter mit vier Jungen an einem frisch gerissenen Springbock. Da hätten wir besser nicht so lange beim faulen Löwen gewartet, denn eine Jagd auf der offenen Ebene wäre auf jeden Fall spannender gewesen. Die Geparde fraßen, wobei die Jungen ständig um ihre Mutter herumwuselten. Wir beobachteten die Szene aus ca. 80-100 Metern Entfernung. Schade, dass wir nicht näher an die Tiere heran kamen.
Leider mussten wir bald weiter und brachten die letzten Kilometer bis Polentswa hinter uns. Dort mussten wir feststellen, dass unser Campingplatz mal wieder belegt war. Auf Krawall gebürstet fuhren wir auf den Platz und stellten die Südafrikaner zur Rede. Das Pärchen hatte bereits sein Lager aufgeschlagen, das Feuer brannte. Sie hätten eine Reservierung für Polentswa, eine spezielle Stellplatznummer aber nicht. Man habe ihnen gesagt, sie sollten sich einen freien Platz aussuchen. Da bisher noch alle frei waren, hatten sie sich für Nummer 1 entschieden, da dieser der schönste sei. Ach, welch Überraschung! Wir erklärten ihnen deutlich, dass wir eine explizite Reservierung für Nummer 1 hatten und ließen uns ihre Reservierung zeigen. Darauf stand: „Polentswa Reserve“, nichts weiter, keine Nummer. Die beiden weigerten sich, den Platz zu verlassen, da sie aus ihrer Sicht keinen Fehler gemacht hatten. Das konnten wir nicht widerlegen, ärgerten uns aber dennoch. Sie luden uns ein, den Platz mit ihnen zu teilen, wir zogen es aber vor, alleine zu stehen und wichen auf Nummer 2 aus, nachdem wir unsere Vogeltränke, die Kerzen und die Wäscheleine eingesammelt hatten. In Polentswa sollte man auf jeden Fall mit einem größeren, deutlich sichtbaren Handtuch den Platz markieren. Wie letztes Jahr hatten wir Diskussionen und Ärger. Den schoben wir aber schnell beiseite, um uns den Abend nicht verderben zu lassen. Wir machten ein großes Feuer und grillten die letzte Portion Wildfleisch. Zusammen mit Feta-Gurke-Tomaten-Salat ließen wir es uns schmecken. In der Nähe heulten Schakale, ein paar Springhasen hüpften durch die Dunkelheit.
Kilometer: 128
Teil 3105. Jan. 2017
Tag 20 – Mittwoch, 27. Juli 2016 – Richtung Norden
Polentswa, KTP – Thupapedi, KTP
Reden wir heute mal nicht vom Frost, obwohl er natürlich da war. Wir hörten schon die halbe Nacht und den ganzen Morgen vor dem Aufstehen Löwengebrüll. Es waren zwei Stimmen, und wir orteten sie aus Richtung der Polentswa-Pan. Sobald wir aufstehen wollten bzw. durften, entdeckten wir die beiden Burschen ganz am anderen Rand der Pfanne, bestimmt einen Kilometer entfernt. Ihr Brüllen reichte aber ohne Schwierigkeiten zu uns herüber.
Wir packten schnell alles zusammen und fuhren pünktlich um halb sieben los. Leider lagen die Löwen von der Straße aus gesehen hinter einer Düne, so dass sie weder von dort noch vom Wasserloch aus zu sehen waren.
Daher blieben wir nicht lange in der Gegend und fuhren nach Süden, um zu sehen, was mit dem Springbock-Kill der Gepardin geschehen war. Wider Erwarten war sie immer noch dort, und ihre vier Jungen spielten in der Morgensonne. Es waren herrliche Szenen, wie die vier einander jagten und mit ihrer Mutter schmusten. Leider lag die Geparden-Familie noch genau so weit von der Straße entfernt wie gestern, und so konnten wir leider nur mit dem Fernglas etwas erkennen und schlechte Fotos mit dem Teleobjektiv machen. Zwischendurch kam ein Schakal vorbei, und wir vermuteten bereits, er würde versuchen, ein Stück Springbock zu stiebitzen, aber er schaute nur interessiert (und wahrscheinlich hungrig) und lief dann wieder weiter.
Wir fuhren wieder zurück nach Norden. Bei Kousant waren in der Zwischenzeit ein paar Oryx und ein Schakal eingetroffen.
Dann ging es weiter nach Polentswa. Am Wasserloch stand ein Safariwagen der Lodge, und wir sahen gerade noch, wie sich der zweite der beiden Mähnenlöwen vom Wasserloch erhob und seinem Begleiter folgte. Die beiden entfernten sich rasch, ohne sich noch einmal umzusehen. Schade. Da waren wir wohl ein paar Minuten zu spät gekommen. Wir gaben dem Fahrer des anderen Wagens noch den Tipp mit den Geparden und machten uns dann auf den Weg weiter nach Norden. Bei Lijersdraai frühstückten wir. Während wir Müsli und Brötchen aßen und Kaffee und Tee tranken, kamen viele Vögel zu Besuch: Glanzstare, Chestnut Tit Babbler, Marico Flycatcher und Schnurrbärtchen. Teilweise waren sie so zutraulich oder vorwitzig, dass sie auf den Tisch und unsere Teller hüpften. Außerdem liefen wieder zahlreiche Streifenmäuse unter den Büschen umher. Die Luft war zwar noch kalt, aber in der Sonne konnten wir es gerade so aushalten.
Maricoschnäpper
Siedelweber
Auf der weiteren Strecke entdeckten wir keine besonderen Tiere. Dafür aber zahlreiche, kleine Termitenhügel. Die Landschaft war plötzlich übersäht von den kleinen weiß-grauen Hullerchen.
Teil 3205. Jan. 2017
Hinter dem Wasserloch Kannaguas bogen wir auf die Strecke Richtung Kaa-Gate ein. Sofort wechselte die Straße zu einer einspurigen Sandstraße mit viel Wellblech. Wir fuhren Kalahari-Sanddünen hinauf und hinunter und rappelten uns vorwärts.
Über Gnus-Gnus ging es weiter Richtung Kaa. Hier im nördlichen KTP sahen wir einige Wiedehopfe, konnten aber keinen einzigen fotografieren. Ruth entdeckte noch einen Streifenliest. Auf den letzten 25 Kilometern sahen wir zwei Erdmännchen-Kolonien. Bei der ersten wuselten die flinken Kerlchen im hohen Gras umher, stellten sich aber sehr kooperativ auf einem umgestürzten Baum in Pose, als wir anhielten.
Die zweite Kolonie war eher eine Art Wohngemeinschaft. Auf der Ebene saßen sie mit Zebramangusten und Erdhörnchen in einer großen Gruppe beisammen. Ein paar Kilometer vor unserem Ziel passierte es. Nichts wirklich Schlimmes, aber Uwe passte nicht auf und fuhr mitten durch einen großen Scheißhaufen, der genau auf der Spur lag. Leider war dieser riesig und noch sehr frisch, und es gibt auch keine Elefanten oder Zebras im KTP. Das feuchte Zeug spritzte mit Schmackes in die Radkästen und klebte auch seitlich an den Reifen. Im ersten Moment könnte man meinen, das ist ja ganz lustig. Fortan stank es aber so bestialisch, dass wir das Fenster nicht mehr öffnen konnten. So ein Mist. Bei Thupapedi errichteten wir unser Lager etwas weiter vom Auto entfernt als üblich. Ruth ordnete das Bettzeug neu, und wir lüfteten die Schlafsäcke.
Kalahari-Heckensänger
Uwe probierte die ins Auto integrierte Dusche mit Gas-Durchlauferhitzer aus. Sie funktionierte prima, und er duschte neben dem Wagen. Dann machten wir Feuer und backten im Potije Pizza. Sie gelang sehr gut, und da wir sie dick belegten, reichten heute „nur“ zwei Stück aus.
Ruth stellte rund um das Lager Kerzen auf, und wir genossen den Abend. Ein Weißbürzel-Singhabicht landete direkt neben dem Auto. Möglicherweise hatten wir uns neben seinen Schlafbaum gestellt. Morgen erwarten uns eine lange Fahretappe bis Ghanzi und heute Nacht mal wieder Minusgrade. Beim Zubettgehen waren es unter drei Grad. Aber wir wollten heute ja nicht von Frost reden.
Kilometer: 144
Teil 3308. Jan. 2017
Tag 21 – Donnerstag, 28. Juli 2016 – Abschied vom KTP
Thupapedi, KTP – Thakadu Bushcamp, Ghanzi
Die Campsite in Thupapedi besuchen wir nun schon das dritte Jahr in Folge, und der Ort gefällt uns sehr. Es gibt zwar keine Infrastruktur, und selbst die Feuerstelle ist etwas zerbröselt, aber die Lage ist einfach nett. Der Morgen war wie erwartet eisig. Uwe kochte Kaffee, und wir packten alles zusammen. Schon früh brachen wir auf, denn heute stand uns bis Ghanzi eine lange Tagesetappe bevor. Während der ersten Kilometer am Rand der Pfanne freuten wir uns über das erste Morgenlicht, dann bogen wir nach Osten Richtung Kaa-Gate ab.
Gabarhabicht
Innerlich hatten wir uns bereits damit abgefunden, dass die Ausbeute in diesem Jahr im KTP etwas enttäuschend war. Wir hatten zwar ein paar Geparden und Löwen gesehen, aber bis auf unseren ersten Löwen alle recht weit entfernt. Außerdem waren die Tage um Polentswa und Nossob herum sehr ruhig gewesen. Gerade hatte Ruth noch geäußert, dass sich in einer ganzen Woche KTP ja wenigstens ein einziger Leopard hätte blicken lassen können, als er auch schon – hex, hex – vor uns über die Pad lief. Nicht zu fassen, ein stattlicher Leo! Er entfernte sich zunächst, blieb dann aber noch einmal kurz stehen und drehte sich zu uns um. Nur ein paar Augenblicke lang schenkte er uns seine Aufmerksamkeit, bevor er verschwand. Wie schnell man doch wieder versöhnt sein kann.
Am Kaa-Gate trafen wir auf einen Parkranger, der uns direkt fragte, wo wir übernachtet hätten und vor allem, wie wir dorthin gekommen seien. Denn den Weg über das Gate hatten wir am Vortag wohl nicht genommen. Wir gaben zu, die Abkürzung über Gnus Gnus gefahren zu sein. Er wies uns sehr deutlich darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine offizielle Straße, sondern um einen illegalen Weg handele. Wir entschuldigten uns, führten jedoch an, dass dort kein Hinweis stehe, der die Zufahrt – wie an anderen Stellen – verbiete. Er erklärte noch einmal unmissverständlich, dass nur die auf der Karte eingezeichneten Wege befahren werden dürften und alle anderen Strecken tabu seien. Er war sehr ärgerlich, da Verbotsschilder von Touristen entfernt und so eigenmächtig neue Wege im Park angelegt würden. So etwas wollten wir natürlich auch nicht unterstützen. Der Mann hatte vollkommen Recht, und wir versicherten ihm, in Zukunft den Umweg über das Gate zu nehmen. Danach fragten wir nach den Reservierungsmodalitäten für die botswanischen Campsites, da wir nun schon zum zweiten Mal in Folge Scherereien in Polentswa gehabt hatten. Er erklärte uns, dass die Notiz „Polentswa Reserve“ auf dem Permit der Südafrikaner die Reserve-Campsite hinter Nummer 3 gemeint habe. Sie seien also im Unrecht gewesen, unseren Platz zu besetzen. Nur für den Fall, dass eine Campsite leer geblieben wäre, hätten sie ihren Reserveplatz verlassen dürfen. Das nächste Mal wissen wir Bescheid: Es gibt niemals eine Reservierung mit freier Platzwahl. Ob uns das in Zukunft helfen wird, wenn unser Platz wieder besetzt ist und nicht geräumt werden will, ist allerdings fraglich. Zumindest können wir dann selbstsicherer auftreten und evtl. das Autokennzeichen am Gate melden. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile sehr nett mit dem Ranger, und er erklärte uns noch den weiteren Weg nach Hukuntsi.
Wir begaben uns auf die Transitstrecke durch das Kaa-Konzessionsgebiet nach Zutshwa. Die Strecke führte durch eine wunderschöne Landschaft, die zwischen grünen, mit Bäumen bestandenen Ebenen, Salzpfannen mit unterschiedlich viel Vegetation und Buschsavanne abwechselte. Die Straße war sandig und gut zu fahren. Wir waren erst ein paar Minuten außerhalb des Parks, als eine braune Hyäne ins Blickfeld geriet. Sie kümmerte sich nicht um uns und setzte ihren Weg fort. Leider führte dieser seitlich von uns weg, so dass wir das Tier lediglich von schräg hinten beobachten konnten.
Ein paar Kilometer weiter gelangten wir an eine große Salzpfanne, die wir halb umrundeten. Ein paar einzelne Fahrspuren führten quer über die Pfanne, der eigentliche Weg aber eindeutig am Pfannenrand entlang. Brav hielten wir uns an unser soeben gegebenes Versprechen, nur noch die ausgewiesenen Strecken zu befahren und wurden prompt belohnt. Auf der gegenüberliegenden Seite angekommen entdeckten wir ein paar Erdmännchen neben ihrem Bau. Zunächst verkrochen sie sich darin, als wir uns näherten. Nachdem wir den Motor abgestellt und ruhig gewartet hatten, lugten sie aber schon bald aus ihrem Loch und krochen schließlich wieder ganz heraus. Sie flitzten direkt neben unserem Auto hin und her und hielten wachsam Ausschau.
Obwohl Uwe nach 20 Minuten bereits mehrfach zur Weiterfahrt gemahnt hatte, konnte sich Ruth nicht losreißen.
Teil 3408. Jan. 2017
Das war noch weniger möglich, als sie ganz entfernt, am anderen Ende der Pfanne eine Bewegung wahrnahm. Mit dem Fernglas erkannte Ruth mehrere Löwen auf ihrem direkten Weg zu uns. Selbstverständlich war nun auch Uwe rasch überzeugt, einfach an Ort und Stelle zu bleiben.
Es handelte sich um eine Mutter mit drei jungen Löwen. Sie kamen nicht nur direkt auf uns zu, sondern fanden unser Auto offensichtlich ganz interessant. Während sich die Mutter in einiger Entfernung an den Rand der Pfanne legte, kamen die Junglöwen ganz nahe heran.
Einer nach dem anderen umrundete neugierig unser Auto, dabei schnupperten sie immer wieder am Wagen. Näher ging es nicht. Die Löwen hatten es ganz offensichtlich nicht eilig, und wir hatten sie ganz für uns alleine. Zwischendurch fotografierten wir nicht und schlossen die Fenster, da uns die Löwen für offene Scheiben doch etwas zu nah waren. Wir beobachteten uns gegenseitig, und ihre Blicke gingen uns durch und durch. Es war unbeschreiblich, diese schönen Tiere so unmittelbar neben dem Auto zu haben.
Noch nie hatten sich Löwen so intensiv um unser Auto gekümmert. Ob es an dem Haufen lag, den wir gestern dummerweise mitgenommen hatten und dessen Überreste immer noch in unserem Radkasten klebten, wissen wir nicht, aber auffällig war das Verhalten der Löwen auf jeden Fall. Beim Schneiden des Videos ist der Ton verschüttgegangen. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm, denn wir haben festgestellt, dass wir einen ganz schönen Quatsch geflüstert haben.
Wir blieben sehr lange dort stehen. Die Löwen legten sich bald ein paar Meter entfernt hinter das Auto.
Wir hätten noch ewig dort bleiben können, mussten aber leider weiter. Schweren Herzens rissen wir uns los und fuhren weiter durch die schöne Landschaft.
In Zutshwa wurden wir von einem Mann angehalten, um die Transitgebühr für das Konzessionsgebiet zu zahlen. Sein Name war Nature. Wir trugen unsere Daten in die Quittung ein und bezahlten. Es gab wie so oft auf Anhieb kein Wechselgeld. Aber Nature nahm uns mit durch den Ort zu verschiedenen Shops, um das Wechselgeld zu bekommen. Während er entweder auf dem Seitenbrett oder der Bullbar des Autos stand bzw. saß, kurvten wir zwischen den Hütten herum und an abgemagerten Hunden vorbei. Bald war das Wechselgeld aufgetrieben, und wir verabschiedeten uns.
Kurz hinter dem Ort pumpten wir Luft in unsere Reifen und fuhren dann wieder etwas flotter auf einer guten Gravelroad nach Osten.
Ab Hukuntsi ging es dann auf Teer weiter nach Kang. An der Tankstelle gab es keinen Geldautomaten, und auch der Schnellimbiss machte keinen sehr einladenden Eindruck. So begnügten wir uns mit Biltong, einem trockenen Brötchen und Chips als Wegzehrung. Nun waren es noch 260 Kilometer bis Ghanzi. Wir verwarfen unseren ursprünglichen Plan, bis El Fari zu fahren, das nochmal 60 Kilometer hinter Ghanzi liegt. So steuerten wir das Thakadu Buschcamp an. Entlang der Hauptstraße sahen wir dutzende Steinböckchen, die dort im Abendlicht nach Nahrung suchten. Es herrschte nicht viel Verkehr.
Dennoch waren wir müde und froh, in Thakadu anzukommen. Zum Glück gab es einen freien Stellplatz. Wir duschten und gingen ins Restaurant des Camps. Dort aßen wir Butternut- und Spinatsuppe und anschließend einen Burger und Elandsteak. Außerdem gab es WLAN, und so konnten wir uns auch zu Hause melden. Ein langer, aber sehr ereignisreicher Tag ging zu Ende. Leider war es auch in Ghanzi wieder kalt am Abend.
Kilometer: 544
Teil 3511. Jan. 2017
Tag 22 – Freitag, 29. Juli 2016 – Erledigungen in Maun
Thakadu Bushcamp, Ghanzi – Maun Rest Camp, Maun
Plötzlich stellen wir fest, dass wir bereits die Hälfte unserer Reise hinter uns haben. Das ist schade. Auch heute Morgen hatten wir knappe Minusgrade, was Uwe aber nicht davon abhielt, Kaffee und Tee zu kochen und in der ersten Morgensonne Müsli zu essen. Da wir uns viel Zeit ließen, kamen wir erst spät von Thakadu los. An der Wasserstelle sahen wir noch eine Herde Elands.
Unser erster Weg führte uns ins Zentrum von Ghanzi, um Geld zu holen. Der erste Geldautomat wurde gerade neu befüllt. Der zweite funktionierte, spuckte aber nur 50 Pula-Scheine aus. Mit vollen Taschen kam Uwe zurück ans Auto. Wir statteten dem Craft-Shop der San noch einen Besuch ab und kauften ein paar Kleinigkeiten. Auch ein Botswana-Hemdchen vom Straßenstand musste unbedingt noch mit. Das Land feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen, und die halbe Bevölkerung läuft in diesen schwarz-weiß-blauen Oberteilen herum. So erstand Ruth mit ein wenig Feilschen ebenfalls ein solches Shirt.
Am gerade befüllten Geldautomaten versuchten wir erneut unser Glück, aber es kamen schon jetzt keine Scheine mehr heraus. Diesmal lag es auch nicht an der falschen Kreditkarte. 😉
Die nächste Station war die Puma-Tankstelle, wo wir Diesel auffüllten. Eigentlich hatten wir uns darauf verlassen, im Shop der Tankstelle wie letztes Jahr gefrorenes Wildfleisch kaufen zu können. Aber leider war dieses gerade nicht erhältlich. So fuhren wir weiter Richtung Maun. Die Strecke von über 250 Kilometern zog sich sehr. Bei den Ortschaften mussten wir immer auf 80 oder 60 Stundenkilometer abbremsen, es gab auch eine Polizeikontrolle. An den Veterinärkontrollen wurden wir durchgewunken. Neben der Hauptstraße beobachteten wir, wie sich eine Schar Geier über die Reste einer vermutlich überfahrenen Kuh hermachte.
In Maun herrschte Rushhour. Es war Ende des Monats, alle Leute standen in Schlangen vor den Geldautomaten und in sämtlichen Geschäften. Auch auf den Straßen herrschte das totale Chaos, und wir krochen vorwärts, was uns aber nicht besonders viel ausmachte, da es im bunten Straßengetümmel immer etwas zu sehen gab. Zuerst versuchten wir bei einem Metzger Fleisch zu bekommen, aber dieser hatte geschlossen. Erst bei Delta Deli, wo wir sowohl gefrorenes als auch frisches Kudu-Fleisch bekamen, hatten wir mehr Glück. Dann ging es endlich zu Hilary’s Coffee Shop. Wir waren die einzigen Gäste und aßen Jumbo-Sandwich, Quiche mit Salat und anschließend Pekanuss-Kuchen und Schoko-Brownie. Wir freuen uns nicht umsonst ein ganzes Jahr lang darauf. Alles schmeckte wie immer ganz ausgezeichnet und fühlte sich nach echtem Urlaub an.
Danach fuhren wir zum Souvenirshop Wax Apple von Mel Oake und waren ein wenig enttäuscht, da die Keramik-Teile wohl nicht mehr verkauft werden. Anschließend ging es in den nächstgelegenen Spar-Supermarkt zum Einkauf für die nächsten Tage im Moremi. Da wir dort nicht alles bekamen, statteten wir auch dem anderen Spar im Ort noch einen Besuch ab. Während Ruth im Auto wartete, stürzte Uwe sich ins Gewimmel. Dann benötigten wir zwei Tankstellen, um die richtige Sorte Diesel zu finden und einen weiteren Stop beim Liquor-Store, um die Vorräte an Bier und Tonic-Water aufzustocken. Endlich hatten wir alles erledigt und fuhren zum Maun Rest Camp. In unserer Planung hatten wir offen gelassen, ob wir die Nacht in Maun verbringen oder noch bis zum Kaziikini-Camp weiterfahren würden. Die vielen Erledigungen hatten jedoch auch viel Zeit in Anspruch genommen. Beim Maun Rest Camp nahmen wir nach Gewohnheit die erste Einfahrt und landeten im Hinterhof. Vor einiger Zeit wurde das Camp an das Old Bridge Backpackers angegliedert und hat seitdem eine andere Rezeption und eine neue Einfahrt. Zum Glück gab es noch eine freie Campsite für uns, die wir uns mit einer belgischen Familie teilten. Wir unterhielten uns ein wenig mit den Belgiern und gingen dann duschen. Zwei Stellplätze weiter standen zwei Männer aus Dortmund. Die mussten ja nett sein! Und da wir nach dem Besuch bei Hilary’s keinen Abendessen-Hunger mehr hatten, saßen wir abends noch lange mit den beiden zusammen. Sie haben innerhalb von zwei Wochen eine Mörderstrecke zurückgelegt. Von Windhoek sind sie über Sossousvlei, Swakopmund, Twyfelfontein, Etosha, Caprivi, Vic-Falls, Kasane, Chobe-River-Front, Savuti und Third-Bridge bis Maun gekommen. Wir konnten nur staunen. Es war ein sehr langer Abend mit vielen Afrika-Geschichten, so dass wir erst gegen Mitternacht ins Bett kamen. Das lag sicher auch an den endlich wieder angenehmen Temperaturen, über die wir uns sehr freuten.
Kilometer: 311
Teil 3615. Jan. 2017
Tag 23 – Samstag, 30. Juli 2016 – In den Moremi
Maun Rest Camp, Maun – South Gate, Moremi
Während der Nacht quietschte über uns im Geäst ein Flughund wie ein rostiges Windrad und wurde morgens von einem vielstimmigen Vogelkonzert abgelöst. Hurra. Die Nacht und der Morgen waren warm. Das erste Licht am Thamalakane war sehr idyllisch.
Wir ließen uns viel Zeit, redeten noch ein wenig mit der Familie aus Belgien und den zwei Dortmundern. Dann schlichen wir noch ein paar Vögeln hinterher. Über dem Fluss rüttelten Eisvögel, Drosslinge schnatterten im Gebüsch, und eine Drossel kämpfte in der Autoscheibe mit einem imaginären Rivalen.
Hartlaub's babbler
Rotschnabeldrossel
Wir packten in Ruhe alles zusammen und fuhren zum Frühstück erneut zu Hilary’s Coffee Shop. Auf dem Weg dorthin holte Uwe noch Bargeld. Wir bestellten uns ein Frühstück mit Toast, Marmelade, Spiegelei, gebratenem Speck und Bratkartoffeln. Es war sehr reichlich und wie immer total lecker. Anschließend besorgten wir in Maun noch letzte Kleinigkeiten. In einem als Disko getarnten Bottlestore wollte Uwe Wein kaufen. Die afrikanische Pop-Dudelmusik war ohrenbetäubend, zumindest für ihn. Ruth schien das nicht zu stören, ganz im Gegenteil. Während sie sich halb tanzend durch den Laden bewegte, befürchtete er Schlimmes. Und er sollte Recht behalten. Die Jungs am Infoschalter konnten auf die Frage nach dem Interpreten nur entschuldigend mit den Schultern zucken. Noch mal Schwein gehabt, freute sich Uwe zu früh. Die Musik und die Lieder seien bunt gemischt auf einem USB-Stick. Zwei, drei Augenaufschläge und eine ganz kleine Diskussion später war Uwe einverstanden und trabte schicksalsergeben zum Auto, um sein Netbook zu holen. Kurzentschlossen wurde die Musik im Bottlestore abgedreht, und wir durften uns die Dudelei kopieren. Welch Freude! Bestens ausgerüstet und mit neuer Verpflegung an Bord ging es dann endlich los Richtung Moremi.
Zwischen Maun und Shorobe kauften wir noch eine große Menge Brennholz für die kommende Woche und wurden auf der Rüttelpiste sehr durchgeschüttelt.
Aber auch das Wegstück nach dem Abzweig zum South Gate war so schlecht wie noch nie. Wo man früher gemütlich durch den Wald fahren konnte, rumpelten wir diesmal von einem Schlagloch zum nächsten.
Weißscheitelwürger
Nach dieser Tortur kamen wir am Gate an und bezahlten den Parkeintritt für eine Woche: etwas über 2000 Pula. Als wir unseren Campinplatz Nummer 4 suchten, standen dort drei Autos mit Holländern. Die machten jedoch nur eine Mittagspause und entschuldigten sich, unseren Platz besetzt zu haben. Nachdem sie gefahren waren, machten wir uns breit, spannten eine Wäscheleine und wuschen einige Sachen, die schnell in der Sonne trockneten. Dann gingen wir duschen. Die Waschräume waren ziemlich sauber.
Teil 3715. Jan. 2017
Gegen halb vier brachen wir zu einer Nachmittagsrunde durch den Park auf. Auf dem Weg lag ein Schlankichneumon im Schatten und lief erst davon, als wir ganz nah waren. Ein Frankolin mit winzigen Küken marschierte schnell ins Gebüsch. Wir bogen in Richtung der Lagunen ab und sahen einige Zebras.
Büffelweber
Bei den Xini-Lagoons sollte eine von Löwen gerissene Giraffe zu finden sein. Die und auch die Löwen sahen wir leider nicht, stellten aber fest, dass die gesamten Lagoons trocken lagen. Lediglich an einer Stelle gab es noch Wasser, und dorthin kamen natürlich viele Tiere. Wir sahen eine Herde Elefanten, von denen ein paar Bullen direkt auf uns zuliefen. Zwei kämpften miteinander und schoben sich mit viel Staub hin und her.
Ein Sattelstorch und viele Nilgänse saßen am Wasser. Darin stand eine Letschwe-Antilope. Zebras liefen über die Ebene, ein paar Leierantilopen standen herum, und aus einem Hügel schauten neugierig ein paar Zwergmangusten.
Weite Ebenen der Lagoons waren nicht nur trocken, sondern auch verbrannt. Schwarze Flächen mit teilweise schon frischen grünen Halmen erstreckten sich bis zum Horizont. Daraus ragten vereinzelt ein paar größere Termitenhügel empor.
Ein paar Minuten waren wir nicht sicher, den richtigen Weg zurück zum South Gate zu finden, aber dann waren wir dank GPS wieder auf dem Hauptweg und beeilten uns zurückzukommen. Die Dame am Gate hatte gesagt, dass man abends bis 18.30 Uhr und morgens ab 6.00 Uhr fahren dürfe. Da die Sonne kurz vor 18.00 Uhr aber schon sehr tief stand, vermuteten wir, dass es genau umgekehrt sein müsse. Ein paar Minuten nach sechs kamen wir zurück ins Camp. Leider waren Sarah und Philipp offensichtlich nicht eingetroffen. Unsere erwarteten Reisepartner für die kommenden Tage hatten es heute wohl noch nicht bis zu uns geschafft. Per Telefon erreichten wir die beiden auch nicht und hoffen nun, dass sie morgen eintreffen werden. Wir machten Feuer und stellten fest, dass wir wohl viel zu viel Holz gekauft hatten. So können wir wenigstens jeden Abend ein schönes großes Lagerfeuer machen. Wir grillten Kudusteaks, die leider etwas zäh waren. Dazu gab es Salat mit Gurken, Tomaten, Möhren und Feta. Zusammen mit dem Dressing von Hilary schmeckte er sehr gut und machte uns kaum Arbeit. Außerdem rösteten wir Brot und aßen es mit Knoblauchbutter. Als wir noch ein wenig draußen saßen, tauchten nacheinander zwei Tüpfelhyänen auf. Wenn sie uns zu nah kamen, sprangen wir auf und verscheuchten sie. Ab und an hörten wir ihre Uuuuuopp-Unterhaltung in einiger Entfernung. Es war herrlich! Bevor wir ins Zelt krabbelten, installierten wir die Wildkamera. Wir hörten eine Hyäne unmittelbar neben dem Auto auf und ab laufen. Als wir aus dem Zelt blickten, schnüffelte sie an unserer Feuerstelle, konnte aber zu ihrer Enttäuschung nichts finden. Bei der Nachbarcampsite war sie wohl erfolgreicher. Mit lautem Geschepper wurde eine Mülltüte geleert und deren Inhalt zerlegt. Morgen Vormittag wollen wir zu den Black Pools fahren und hoffen, dass unsere Reisepartner eintreffen.
Kilometer: 145
Teil 3819. Jan. 2017
Tag 24 – Sonntag, 31. Juli 2016 – Gejagt
South Gate, Moremi
Gegen Morgen erwachten die Meerkatzen in den Bäumen über uns und raschelten in den Zweigen. Wir ließen uns mit dem Aufstehen etwas Zeit und krochen erst bei Helligkeit aus den Schlafsäcken. Uwe trank Kaffee, und wir frühstückten nur eine Kleinigkeit, während jeder unserer Handgriffe vom Affenpack mit scheinbar gelangweilter Mine verfolgt wurde. In großen Sprüngen näherten sich die kleinen Diebe und saßen schließlich in den Bäumen unmittelbar um unseren Tisch herum. Manch einer rutschte vom Stamm hinunter, schlenderte langsam in einem großen Bogen an uns heran, um dann blitzschnell mitten auf dem Tisch zu sitzen. Aber wir Spielverderber hatten längst alle interessanten Dinge wieder verpackt, und so trollte sich die ganze Bande langsam zum nächsten Platz. Kaum war der Trupp abgezogen, erschien der nächste. Geschwätzig krakeelend hüpfte eine Schar Drosslinge um unser Auto und suchte nach Krumen.
Als wir alles zusammengepackt hatten, fuhren wir kurz zum Gate und fragten noch einmal nach den Öffnungszeiten des Parks. Von morgens 6.00 bis abends 18.30 Uhr erschien uns doch sehr lang. Aber der Ranger bestätigte diese Angaben. So hätten wir auch die Möglichkeit, nachtaktive Tiere zu sehen. Eigentlich hatten wir geplant, in die Black Pools Region zu fahren. Aber zwei Deutsche erzählten uns noch auf der Campsite, dass sie gestern im nördlichen Teil der Xini-Lagoons Löwen mit einem Zebrariss gesehen hätten. Also fuhren auch wir wieder in diese Gegend. Die Xini-Lagoons sind sehr weitläufig und insbesondere in diesem Jahr ziemlich trocken, so dass die meisten Teile befahren werden können. Wir drehten eine große Runde, fanden die Löwen aber nicht, wenn wir mal davon ausgehen, dass sie sich nicht zwischenzeitlich in eine Herde Büffel verwandelt hatten.
Stattdessen entdeckten wir viele Impalas, Giraffen, Zebras, ein Steinböckchen und einen Wollkopfgeier.
Kaptäubchen
Kuckuck
Bei Bienenfressers stand heute Libelle bleu auf dem Speiseplan. Während uns zuvor kein einziges dieser Insekten aufgefallen war, hatten die Zwergbienenfresser wohl deutlich bessere Augen. Und sie waren erfolgreich. Eine Libelle nach der anderen wurde anvisiert, in geschicktem Kurvenflug geschnappt, manchmal noch mit Hilfe eines Astes kurz gewendet und verschwand dann mit Bein und Flügel im Vogelmagen.
Wir blieben lange dort stehen und bewunderten die Flugkünste und den Jagderfolg der Vögel.
Senegalamarant (Red-billed Firefinch)?
Gabelracke
Teil 3919. Jan. 2017
Auf einer Ebene stand am Rande eines Tümpels eine Herde Letschwe-Antilopen. Im verbleibenden Restwasser räkelte sich ein einzelnes Hippo. Die Letschwes ließen sich durch uns nicht stören, sondern lagen im Gras oder fraßen.
Ein paar Pelikane zogen ihre Kreise.
Wir folgten der Fahrspur noch ein kleines Stück, bis wir vor dem verbliebenen Wasserarm standen und uns nicht weitertrauten, da der Untergrund matschig aussah und die Wassertiefe nicht genau auszumachen war. Also drehten wir um. In der kurzen Zwischenzeit, in der wir die Moorantilopen verlassen hatten, war das Hippo aus seiner Badewanne gestiegen und schaute nun missmutig zu uns herüber. Keine Sorge, wir würden gleich weg sein.
Als wir aber weiterfahren wollten, erblickten wir hinter einem großen Termitenhügel im hohen Gras den Kopf einer Löwin. Sie beobachtete die Letschwe-Herde genau, entfernte sich dann aber wieder ein Stück.
Es war gar nicht so einfach, sie zwischen den langen Halmen nicht aus den Augen zu verlieren. Schließlich passierte es doch, und so fuhren wir wieder im Kreis um das Inselbuckelchen herum bis zu der Stelle, an der wir zuvor gewendet hatten. Und tatsächlich: Da war sie wieder! In einem großen Bogen näherte sie sich nun den Antilopen von der anderen Seite.
Sie schaute immer wieder aufmerksam zu ihnen hinüber und pirschte sich weiter an.
Wir stellten das Auto günstig und hatten bald die Letschwe auf der linken, die Löwin auf unserer rechten Seite im Blick. Gespannt beobachteten wir, wie sich die Löwin einen geeigneten Platz suchte. Sie wechselte ständig ihre Position und achtete sehr darauf, nicht entdeckt zu werden.
Schließlich legte sie sich in etwa 40 Metern Entfernung von den Antilopen hinter ein Graspuschelchen und wartete.
Wir warteten auch.
Teil 4019. Jan. 2017
Die Letschwe hoben zwar ab und an den Kopf, schienen aber nichts Verdächtiges zu bemerken – kein alarmierendes Schnauben und keine nervöse Flucht in hohen Sätzen.
Eine Elefantenherde zog in einiger Entfernung vorbei, wirbelte mächtig Staub auf und erweckte für einen Moment die Aufmerksamkeit der Löwin.
Dann warteten wir weiter. Während uns und der Löwin zunehmend der Magen knurrte, waren die Reiher erfolgreicher. Immer mal wieder schnappten sie sich einen Frosch.
Ansonsten passierte nichts. Der Katze fielen bald die Augen zu, und ihr Kopf sackte auf die Vorderpfoten. Sollte das schon alles gewesen sein? Wir erwarteten nicht mehr viel. Trotzdem erregten wir die Aufmerksamkeit einiger Safariwägelchen, da wir nun schon seit fast zwei Stunden an derselben Stelle standen. Da musste doch etwas Besonderes los sein. Nur waren wir für niemanden mehr erreichbar.
Unser Badewannen- Hippo stand nun unmittelbar neben der Spur und zeigte jedem Fahrzeug, das sich näherte, was es von ihm hielt. Nämlich nichts. Die Autos fuhren immer dichter an den Koloss heran, damit auch jeder das Hippo in Lebensgröße festhalten konnte.
Davon hielt das Tier wohl noch weniger als nichts, und seine Laune wurde mit jedem Fahrzeug zusehends schlechter. Während wir uns noch fragten, welcher Angriff wohl zuerst erfolgen würde, der der Katze oder der des Hippos, erkannten wir, dass auch wir in der Falle saßen. Hinter uns war das Wasser, vor uns das Flusspferd. Blieb uns also nur, weiter zu warten. Ab und zu hob die Löwin den Kopf, aber bald war uns klar, dass sie so schnell keinen Angriff starten würde.
Mit den Moorantilopen war auch nicht mehr viel los, und so entschlossen wir uns nach einer weiteren Stunde, ins Camp zurückzukehren.
Doch das Problem war immer noch da. Übellaunig, weil ihm die pralle Sonne auf den Kopf geschienen hatte, stand es nicht zu übersehen noch immer recht nah neben der Spur und machte auch keine Anstalten, diesen Platz zu verlassen. Als wir uns ein bisschen näherten, ließ es keinen Zweifel daran, dass es uns die Schuld für all seine Unannehmlichkeiten einschließlich der prallen Sonne, dem Wassermangel, der kürzlichen Trennung von seiner Geliebten und auch allem anderen geben würde. Es kam herausfordernd ein paar Schritte auf uns zugetrabt, und wir waren sofort eingeschüchtert. Dieses Tier war wirklich not amused.
Wir beschlossen, heute keine Freunde mehr zu werden und zogen uns wieder ein Stückchen zurück. Endlich entfernte es sich nach einiger Zeit etwas vom Weg, und wir nutzten unsere Chance. Wir waren kaum an dem Hippo vorbei, als es sich umdrehte und beeindruckend schnell auf uns zulief. Obwohl wir ja fast damit gerechnet hatten, waren wir doch überrascht. Ruth konnte vor Schreck nicht mal mehr schreien, Uwe gab Gas, und wir machten uns auf der ruppigen Piste aus dem Staub. Auch nach einigen Metern sahen wir im Rückspiegel, dass es uns immer noch verfolgte. Zum Glück war unser Auto schneller, und wir atmeten erleichtert auf.
Brillenwürger
Zurück im Camp freuten wir uns, dass Sarah und Philipp inzwischen angekommen waren. Die zwei hatten hinter Johannisburg in einem großen Stau gestanden und waren daher gestern nur bis Maun gekommen. Nun gab es viel zu erzählen, auch die Drosslige waren mit von der Partie.
Weil wir völlig ausgehungert waren, aßen wir ein paar Brötchen, bevor wir duschten und das neue Auto der beiden bewunderten. Im Camp stand ein einzelner Elefant und fraß Schoten, die er aus den Bäumen schüttelte. Dann machten wir uns zusammen auf einen Gamedrive Richtung Black Pools. Da wir jedoch nicht mehr sehr viel Zeit hatten, fuhren wir nur eine kleine Runde. Wir sahen einen Elefanten, der sich in einem Matschtümpel kühlte, Zebras, Impalas, Giraffen und Leierantilopen.
Es war eine schöne Runde im Abendlicht, und kurz nach Sonnenuntergang waren wir wieder zurück im Camp.
Frankolinküken
An einem kleinen Feuer grillten wir in der Glut abwechselnd Fleisch, Boerewors, Pilze und Mais. Wir machten Salat und Grillbrote. Es war sehr lecker.
Obwohl wir auch gerne alleine unterwegs sind, freuten wir uns heute Abend sehr über die Gesellschaft von Sarah und Philipp. Es ist wirklich schön, gemeinsame Vorlieben mit Freunden zu teilen. So verbrachten wir einen sehr netten, ersten gemeinsamen Abend bei leckerem Wein und vielen Geschichten. Der Hyänenbesuch blieb heute aus. Dafür sahen wir im Licht unserer Stirnlampe noch ganz kurz eine Ginsterkatze, und die sagenhaft gute Aufnahme unserer Nachtfalle dokumentierte die Stippvisite einer Zibetkatze.
Kilometer: 95
Teil 4122. Jan. 2017
Tag 25 – Montag, 1. August 2016 – Durch den Süden des Moremi
South Gate, Moremi – Third Bridge, Moremi
In der Nacht liefen die Hyänen durch unser Camp. Wir sahen ihre Augen im Licht unserer Stirnlampen reflektieren, als wir am frühen Morgen kurz aufstanden und einmal zur Toilette marschierten. Dann legten wir uns nochmal für zwei Stündchen hin. Am Morgen war es angenehm warm, und wir kochten Wasser für Kaffee und Tee.
Kurz vor halb acht hatten wir alles zusammengepackt und fuhren hintereinander los Richtung Third Bridge. Sarah und Philipp hatten zwei kleine Funkgeräte mitgebracht, und so konnten wir zumindest aus kurzer Distanz miteinander reden. Auf den ersten Kilometern sahen wir ein paar Antilopen und Giraffen.
Es dauerte nicht lange, bis Philipps Stimme aus dem Gerät quakte. Ihr rechtes Hinterrad gäbe verdächtige Geräusche von sich. Bei jeder Umdrehung war das laute „Pffft“ deutlich zu vernehmen, und der Reifen verlor Luft. Als er schon sichtbar platt war, fuhren wir auf die Seite und wechselten das Rad. Philipp und Uwe erledigten das ganz problemlos, während Sarah und Ruth die Umgebung im Auge behielten. Auch so eine Situation ist zu viert viel entspannter.
Ein paar neugierige Buschhörnchen beobachteten uns.
Schnell war der Reifen gewechselt, und es ging weiter zu den Xini-Lagoons. Besonders beeindruckend waren die Schwärme der Blutschnabelweber, die von Busch zu Busch waberten. Die Vögel erhoben sich wie auf Absprache, stiegen in einer dunklen Wolke empor, nur um sich ein paar Meter weiter wieder niederzusetzen.
An der Stelle, wo gestern die Löwin gelegen hatte, waren heute nur ein paar Letschwes, das schlechtgelaunte Hippo vom Vortag oder ein anderer Artgenosse und ein paar Vögel.
Langzehenkiebitz
Gelbschnabelmadenhacker
Wir blieben nicht lange und fuhren noch ein paar Schleifen. Dabei sahen wir ein Pärchen Riedböcke.
In einem Wäldchen stand ein einzelnes Flusspferd, das ziemlich ramponiert aussah.
Teil 4222. Jan. 2017
Zurück auf der Hauptstraße ging es weiter Richtung Third Bridge. Entlang des Weges sahen wir immer wieder unterschiedlich große Wasserlöcher und kleine Seen. So viel Wasser hatten wir in den vergangenen Jahren nie erlebt.
Rotschnabelmadenhacker
Kurz vor Third Bridge liefen ein paar winzige Waffenkiebitz-Küken neben der Straße. Als wir anhielten, versteckten sie sich unter den Brustfedern ihrer Mutter. Nun sah es so aus, als habe die Henne acht Beine.
Im Camp angekommen machten wir eine lange Pause. Philipp briet Rührei mit Speck für alle, und Ruth machte einen Wurstsalat. Dazu aßen wir Butterbrote.
Nach dem Vormittag im Auto tat uns allen das Picknick gut. Anschließend duschten wir und ruhten uns ein wenig aus. Im Dach des Duschhauses hingen zwei Fledermäuse.
Teil 4322. Jan. 2017
Die Sonne brannte, und wir planten den weiteren Nachmittag. Zusammen fuhren wir die Runde um Mboma Island. Die erste Hälfte des Weges kannten wir bereits aus vergangenen Jahren. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich. Ebenen, Tiefsand, Wälder, Sträucher und Riedgras wechselten sich ab. Wir benötigten für die 25 Kilometer mehr als zwei Stunden, aber die Strecke war wunderschön. Da der letzte Abschnitt nicht häufig befahren wird, mussten wir oft zwischen eng stehenden Zweigen und Büschen hindurchfahren. An einer Stelle war eine enge Kurve mit beginnendem Tiefsand kombiniert. Wir blieben mitten in der Kurve im Sand stecken, konnten uns jedoch mit Hilfe der Untersetzung befreien. Sarah und Philipp, die hinter uns fuhren, ging es ähnlich. Sie mussten noch einmal ein kleines Stück zurück fahren, dann ging es auch für sie weiter.
Weißscheitelwürger
Graulärmvogel
Lappenstar
Am Ende der Halbinsel durchquerten wir eine Ebene mit hohem Gras, das wunderschön rot in der Sonne leuchtete. Viele Bäume waren von Elefanten zerstört, die rundum die Rinde abgeschält hatten. Wir sahen einen einzelnen Elefanten, der ganz entspannt fraß und bis auf wenige Meter zu unserem Wagen kam. Dann drehte er jedoch ab und verschwand im Dickicht.
Helmperlhuhn
Gegen Ende der Runde um die Halbinsel entdeckten wir ein Pärchen Streifenschakale. Da es für uns erst die zweite Sichtung dieser seltenen Schakale war, freuten wir uns besonders. Während die Schabrackenschakale wie Füchse aussehen, wirken die Streifenschakale mit ihrem etwas buschigeren Fell eher wie Wölfe auf uns.
Gegen viertel nach sechs waren wir wieder zurück im Camp. Auf den letzten Kilometern sahen wir einen phänomenalen Sonnenuntergang.
Zum Abendessen grillten wir Fleisch und Boerewors und machten eine große Schüssel gemischten Salat. Außerdem legten wir Kartoffeln in die Glut. Es war wieder ein sehr schöner Abend mit den beiden. Wir saßen noch lange am Feuer beisammen und hörten den Stimmen der Nacht zu. Die Elefanten raschelten im hohen Gras, man vernahm immer wieder vereinzeltes Trompeten in der Ferne, die Hippos grunzten, und ab und zu heulte eine Hyäne. Unsere Unterhaltung wurde vom markanten Ruf der Zwergoreule begleitet. Solche Augenblicke entschleunigen doch sehr. Für ein derartiges Konzert und eine gemütliche Runde um ein Lagerfeuer lohnt es sich schon ganz arg, nach Afrika zu reisen.
Kilometer: 90
Teil 4426. Jan. 2017
Tag 26 – Dienstag, 2. August 2016 – Gamedrive mit vielen Vögeln
Third Bridge, Moremi – Xakanaxa, Moremi
Unser Wecker ging schon um viertel nach fünf, weil wir uns vorgenommen hatten, zwischen sechs und halb sieben aufzubrechen. Aber da es wirklich noch stockdunkel war und aus dem Nachbarzelt nichts zu hören war, blieben wir noch etwas liegen. Um halb sieben standen wir dann doch auf. Uwe kochte Wasser, und Sarah und Philipp kamen ebenfalls dazu. Wir aßen auf der Hand ein Brötchen und packten alles zusammen. Von der Nachbarcampsite klang ein Scheppern herüber, und kurz darauf ertönte lautes Schreien und Rufen. Ein Pavian rannte an uns vorbei und turnte dann über die Autos auf der anderen Seite. Als er begann, sämtliche Schubladen, Kisten und Schachteln in Augenschein zu nehmen, griffen wir ein und warnten unsere Nachbarn. Kaum war der Affe verschwunden, erschien schon der nächste Besuch. Eine Hyäne spazierte durch das Camp. Sie hatte augenscheinlich viel erlebt in der letzten Nacht, denn sie sah ziemlich ramponiert aus.
Dann brachen wir auf und fuhren südlich über die Ebene und auf verschlungenen Wegen auf der Suche nach Tieren. Sarah und Philipp fuhren voraus und versuchten, Tierspuren zu finden, zu bestimmen und zu verfolgen. Wir mussten uns nur anhängen. So entdeckten wir Strecken, die wir noch nie zuvor gefahren waren. Obwohl wir nichts Besonderes sahen, war es ein entspannter und schöner Gamedrive. Wir sahen Antilopen, Giraffen und Zebras und natürlich verschiedene Vögel. Auch die Küken der Waffenkiebitze waren wieder unterwegs. Sie versteckten sich unter dem Gefieder ihrer Eltern, als wir bei ihnen stehen blieben.
Waffenkiebitz
Hornrabe
Swainsonfrankolin
Am späten Vormittag waren wir wieder zurück in Third Bridge und machten eine kurze Pause. Dann überquerten wir die Brücke. Dieses Jahr gab es davor eine etwas tiefere Wasserdurchquerung, bevor man über die eigentliche Knüppelbrücke fuhr. Am Ende war sie mit einigen Balken verlängert worden. Die Durchfahrt war keine große Herausforderung und machte wie immer viel Spaß.
Kurz vor der vierten Brücke trennten wir uns. Wir hielten für einige Vögel, die beiden anderen wollten schneller nach Xakanaxa kommen. Bei der Brücke selbst war fast kein Wasser, so dass wir auf ihrer linken Seite vorbeifahren konnten.
Weidelandpieper
Hammerkopf
Zwischen der vierten Brücke und Xakanaxa gibt es unzählige Verbindungsstrecken, und wir haben noch nie zweimal die gleiche Route erwischt. Auch heute war es wieder eine neue. Wir hielten uns ziemlich westlich, d. h., entlang der Grenze zu Dead Tree Island und kamen unweigerlich wieder an der Stelle vorbei, an der der Weg aus unzähligen, sehr tiefen Löchern besteht. Im Schneckentempo tasteten wir uns voran und begegneten Dave, der alleine und ohne GPS in seinem Landrover unterwegs war. Er wollte ebenfalls nach Xakanaxa und fragte, ob er uns hinterher fahren dürfe. So fuhren wir die letzten Kilometer mit ihm im Schlepptau. Es ist sehr erstaunlich, dass das Wasser im Okavango-Delta immer wieder anders verteilt ist. Wo vor einigen Jahren noch Überschwemmungen und Tümpel waren, ist es nun völlig trocken. Dafür steht an anderen Stellen jede Menge Wasser. Auf der Campsite kamen wir kurz vor Sarah und Philipp an und machten gemeinsam eine lange Mittagspause.
Wir machten Obazda, den wir auf Schwarzbrot aßen. Uwe befeuerte die Kelly und trank Kaffee. Sarah und Philipp optimierten ein paar Dinge an ihrem Auto. Ruth pirschte den Vögeln auf der Campsite hinterher.
Halsband-Bartvogel
Hartlaubdrossling
evtl. eine Prinie?
Angolaturteltaube
Teil 4526. Jan. 2017
Später fuhren wir eine große Runde durch die Paradise Pools. Vorher registrierten wir uns am Gate. Wir entdeckten die übliche Herde Letschwes und viele Wasservögel, Papageien und Wiedehopfe.
Wiedehopf
Bruchwasserläufer?
Eine Zeit lang sahen wir einem großen Trupp Zebramangusten zu, die im Unterholz nach Essbarem suchten.
Auch ein paar Elefanten standen neben der Straße und fraßen.
Ganz zum Schluss, kurz bevor wir wieder am Campingplatz waren, liefen uns erneut zwei Streifenschakale über den Weg. Leider waren sie sehr scheu und schnell auf und davon. Verrückt, dass man jahrelang überhaupt kein solches Exemplar zu Gesicht bekommt und nun an zwei aufeinander folgenden Tagen gleich zwei Pärchen.
Zum Abend kühlte es schnell ab, und wir entzündeten ein großes Feuer. Wir kochten Butternut-Kürbisse vor, und Philipp machte eine Füllung aus gebratenen Zwiebeln mit Speck, Feta und Käse. Die gefüllen Kürbisse legten wir in Alufolie in die Glut. Dazu grillten wir Kudusteaks. Es schmeckte fantastisch. Nach dem Spülen saßen wir noch einige Zeit am wärmenden Feuer und unterhielten uns. Hier in Xakanaxa fühlen wir uns wie immer sehr wohl. Spät abends lief eine Hyäne vorbei, und als wir schon im Zelt waren, brüllte ein Löwe.
Kilometer: 70
Teil 4631. Jan. 2017
Tag 27 – Mittwoch, 3. August 2016 – Ein entspannter Tag im Delta
Xakanaxa, Moremi
Während der Nacht hörten wir immer wieder aus unterschiedlichen Richtungen Löwen brüllen. Daher standen wir schon sehr früh auf, verzichteten auf ein Frühstück und klappten schnell das Zelt ein. Dann fuhren wir kurz vor Sonnenaufgang los.
Sarah und Philipp blieben noch im Camp. Wir fuhren einige Wege in der Nähe der Xakanaxa-Lagune, konnten aber weder Löwen noch –Spuren finden. Dennoch war es eine schöne Fahrt mit vielen Impalas und Vögeln.
Weiblicher Bennettspecht
Einige Riesenglanzstare balzten, indem sie ihren Kopf nach hinten streckten, die Flügel etwas spreizten und ein kurzes Krächzen ausstießen.
Graulärmvogel
Haubenbartvogel
Gegen Ende der Runde landeten wir wieder bei den Paradise Pools. Dort beobachteten wir drei andere Fahrzeuge, die zusammen gehörten und an einer Stelle standen. Alle Insassen stiegen aus und liefen in der Gegend herum. Kurz später standen wir am Ende einer Sackgasse vor dem Wasser und beobachteten einen interessanten Vogel, irgendeinen Wasserläufer. Da kamen auch die drei Autos von hinten. Einer überholte uns und fuhr noch einige Meter weiter durch das Wasser bis zur nächsten Insel. Alle anderen stiegen einschließlich der Kinderschar wieder aus und liefen um uns herum. Sämtliche Wasservögel waren natürlich weg. Wir waren sauer. Abgesehen davon, dass diese rücksichtslosen Leute uns die Sichtung vermasselt hatten, ist es verboten, im Moremi Nationalpark einfach irgendwo auszusteigen. In bestimmten Fällen lässt es sich nicht vermeiden, aber nur zum Spaß sollte das nicht sein. In solchen Situationen geht gerne die Lehrerin mit Ruth durch, und sie klärte die Leute darüber auf, dass sie unnötigerweise hier herumliefen und uns den Vogel verscheucht hatten. Überraschenderweise wollte niemand belehrt werden und noch viel weniger einsehen, etwas falsch gemacht zu haben. Alle Beteiligten waren weit davon entfernt, sich zu entschuldigen. Vielmehr wurde uns pampig erklärt, dass wir schließlich nicht alleine auf der Welt wären. Da hatten sie natürlich Recht! Bevor Ruth ausfallend werden konnte, drehte Uwe schnell das Auto und fuhr davon. Auf dem Rückweg sahen wir noch eine große Horde Paviane, die vor und hinter uns den Weg überquerte. Die kleinen spielten und zankten und stießen sich gegenseitig vom Ast. Es war spannend, ihnen zuzusehen. Ruth hatte unwillkürlich Pausenhof-Assoziationen.
Teil 4731. Jan. 2017
Zurück im Camp frühstückten wir Nutellabrötchen und Müsli. Den Rest des Vormittags und den halben Nachmittag blieben wir am Campingplatz, spannten das große Sonnendach auf und freuten uns über die Wärme. Es war mit 34 Grad im Schatten heiß wie selten in unserer Reisezeit. Wer hätte das noch vor einer Woche gedacht? Wir duschten, wuschen Wäsche, spülten, picknickten zwischendurch und sicherten Fotos. Es war herrlich entspannt.
Auf dem Weg zur Dusche sahen wir, was die Paviane bei unseren Nachbarn angerichtet hatten. Alles, was man untersuchen oder umwerfen konnte, hatten sie auch tatsächlich untersucht oder umgeworfen.
Sarah und Philipp hatten bei ihrer Morgenrunde zwei schlafende Löwen gefunden. Nachmittags wollten wir schauen, ob sie immer noch dort waren. Ausgestattet mit den Koordinaten fuhren wir los in südlicher Richtung. Bald hatten wir die Stelle gefunden. Hinter Luigis Pools standen bereits die drei Autos unserer wanderlustigen Freunde. Ruth wollte gleich umdrehen, aber wir warteten dann doch, bis sie gefahren waren und stellten uns zu den Löwen. Die beiden Männchen lagen immer noch im Gras und schliefen. Ab und zu drehten sie sich über den Rücken auf die andere Seite oder hoben mal eine Pfote. Mehr Aktivität war von ihnen nicht zu erkennen und auch nicht zu erwarten. Nachdem wir den dösenden Katzen eine halbe Stunde zugesehen hatten, tauchten nach und nach sechs Lodge-Fahrzeuge auf und stellten sich um uns und die Löwen herum. Als schließlich auch die drei Autos der Schweizer zurückkamen, wurde es uns zu viel, und wir verließen die Szene. So viel Rummel wollten wir nicht. Wir drehten eine kleine Runde auf Dead Tree Island, sahen eine große Herde Impalas, die ein paar Madenhacker mit sich trugen und beobachteten ein paar Haubenbartvögel.
Gabelracke
Haubenbartvogel
Rotschnabelmadenhacker
Zurück bei Luigis Pools sahen wir noch zwei Schreiseeadler und vier Hornraben. Sonst waren wir nicht sehr erfolgreich.
Sarah und Philipp hingegen hatten enormes Sichtungsglück. Als sie später wieder in Richtung der Löwen fuhren, entdeckten sie im hohen Gras einen Serval. Zurück im Camp stellten wir das Zelt auf, schmierten uns gegen die vielen Mücken mit Peaceful Sleep ein und machten Feuer. Heute gab es eine Pizza aus dem Potije, Philipp kochte Nudeln. Wie beim letzten Mal gelang die Pizza gut. Zwei teilten wir uns, die dritte war für unsere Reisepartner. Zusammen saßen wir am wärmenden Lagerfeuer und hatten wieder viel zu erzählen.
Nachdem wir gespült hatten, suchten wir eine geeignete Stelle für unsere Wildkamera und spazierten um unser Lager. Als wir gerade unter der Wäscheleine hindurchkrochen, raschelte es im Gebüsch dahinter. Ein unwilliges Schnauben folgte, und als wir mit unseren Stirnlampen leuchteten, schüttelte ein ziemlich großer Elefant in unmittelbarer Nähe schlackernd seine Ohren. Wir erschraken furchtbar und sprinteten hinter die Autos. Aber offenbar hatte sich der lautlose Elefant genauso erschrocken wie wir, denn er war bereits auf dem Weg zur Nachbarcampsite. Nach diesem Schreck packten wir den Rest zusammen und gingen ins Zelt. Den Weg zu den Ablutions ersparten wir uns, da gerade ein Hippo über den Weg gelaufen kam und unmittelbar neben dem Duschhäuschen in der Dunkelheit stand. Einen unbemerkten Besucher pro Abend hielten wir für ausreichend.
Kilometer: 46
Teil 4802. Feb. 2017
Tag 28 – Donnerstag, 4. August 2016 – Richtung Khwai
Xakanaxa, Moremi – North Gate, Moremi
Kurz vor Sonnenaufgang standen wir auf. Ein kühler Wind wehte. Wieder hatten wir noch im Zelt Löwenbrüllen gehört.
Wir tranken Kaffee und Tee, verabredeten uns für halb zehn am Xakanaxa-Gate und fuhren getrennt von den beiden anderen noch eine letzte Runde in der Gegend der Luigis Pools.
Gelbsteißbülbül
Gelbschnabelmadenhacker
Wir sahen die gleichen Tiere wie in den vergangenen Tagen: Glanzstare, Tauben, Impalas, Giraffen, Wasserböcke, Letschwes und Tokos. Ansonsten war es recht ruhig. Als wir gerade wieder nach Norden abgebogen waren, entdeckten wir in der trockenen Lehmpfanne ein Rudel Wildhunde. Fast hätten wir sie übersehen, denn sie lagen etwas entfernt und waren mit ihrem getupften, grauen Fell mit den braun-weißen Flecken optimal getarnt.
Mit einer solchen Begegnung hatten wir gar nicht mehr gerechnet und freuten uns sehr. Weniger erfreut war da wohl das Pavianmännchen, welches auch gerade auf dem Weg zum Wasser war. Als es die Hunde erblickte, stoppte es abrupt und setzte sich genervt und sichtlich gelangweilt auf einen umgestürzten Baum. Dabei ließ es die Hunde aber nicht aus den Augen.
Wir zählten 14 Wildhunde. Zunächst lagen sie faul herum, aber dann stand immer mal wieder ein Hund auf, ging ein paar Schritte und legte sich zu einem anderen. Ein paar Tieren sah man an den rot verkrusteten Gesichtern an, dass sie erst vor kurzem Beute gemacht hatten.
Wie der Affe die Hunde, so beobachteten auch die Hunde den Pavian.
Als dann auch noch seine komplette Sippschaft im Schlepp langsam nachrückte und Platz in den an die Lehmpfanne angrenzenden Bäumen nahm, waren die Hunde plötzlich auf hab Acht.
Ein besonders großes Affen-Männchen legte sich mit den Wildhunden an. Es brüllte laut und sprang auf zwei Hunde los. Die gingen zum Gegenangriff über, und im Nu war das gesamte Rudel auf den Beinen und alle Affen flüchteten in die Bäume.
Wir beobachteten das Spektakel gespannt. Die Affen führten sich auf wie toll, sprangen in den Ästen herum, wippten auf und ab und machten ein Mordsgeschrei. Den Hunden blieb nichts übrig, als schwanzwedelnd um die Bäume herumzulaufen und sich zu ärgern, dass sie die freche Bande nicht erreichen konnten.
Nun gut, sollten die Affen doch schimpfen und sich mächtig stark dort oben in den Bäumen vorkommen. Hier würden sie auf jeden Fall so schnell nichts zu trinken bekommen. Die Hunde beruhigten sich rasch und ließen sich wieder ein wenig entfernt auf dem Lehmboden nieder.
Allerdings nur so lange, bis die Paviane einen neuen Versuch startend von den Bäumen rutschten. Sofort war alles auf den Pfoten, und es ging wieder in die andere Richtung. So ging es ein paarmal hin und her, und keine der beiden Parteien wollte nachgeben.
Kappengeier
Als uns die Zeit knapp wurde, fuhren wir zum Gate, wo wir Sarah und Philipp trafen. Die beiden wollten auch gerne noch die Wildhunde sehen, und so fuhren wir noch einmal zurück. Tatsächlich war das Rudel noch da, hatte sich jedoch in der Zwischenzeit ein wenig in den Schatten zurückgezogen und war nicht mehr so leicht zu beobachten.
Von den Affen war nichts mehr zu sehen. Entweder waren sie bereits alle mit Haut und Haaren verspeist oder doch vernünftig geworden und hatten sich einen anderen Wassertümpel gesucht. Wir blieben noch eine ganze Weile bei den Hunden. Ein einzelner Impalabock kam ihnen auch ziemlich nah. Aber er war aufmerksam und sprang nach einigen kurzen Warnrufen in großen Sätzen davon.
Teil 4902. Feb. 2017
Erst am späten Vormittag machten wir uns auf. Der Fahrer eines entgegenkommenden Fahrzeuges erzählte etwas von drei Löwen am Airstrip. Es dauerte ein wenig, bis wir die schlafenden Männchen gefunden hatten. Da sie mal wieder faul in der Sonne und recht versteckt im Gras lagen, hatte es keinen Sinn, dort zu warten. Also brachen wir endgültig Richtung North Gate auf. Die Strecke war gut zu fahren. Wir wählten anstelle der Dry Route die direkte Verbindung zum Khwai. Dabei kamen wir zwar an eine Stelle, bei der der Weg im Wasser endete, es gab jedoch eine einfache Umfahrung. Ansonsten gab es keine einzige Wasserdurchquerung. Bei den Dombo Hippo Pools hielten wir an. Für uns war es der erste Besuch dort. Sobald wir den See erreichten, standen drei Elefanten in der Nähe unserer Wagen. Einer kam uns sogar recht nah, war aber sehr friedlich.
Ruth war trotzdem froh, dass Sarah und Philipp im Auto vor uns saßen.
Beim Hide stiegen wir aus und beobachteten eine Gruppe Flusspferde, die im Wasser lagen.
Auf ihren Rücken liefen ein paar Blaustirnblatthühnchen herum. Einige weitere standen am Ufer. Ansonsten waren Impalas, Letschwes und ein paar Warzenschweine anwesend. Es war sehr idyllisch.
junger Frankolin
Die restlichen Kilometer bis North Gate brachten wir schnell hinter uns, da wir Hunger hatten. Nach dem Einchecken bezogen wir unsere Campsite zwischen hohen Bäumen. Philipp machte Rührei mit Speck für alle in seinem Skottle. Wir steuerten lediglich ein paar Zutaten bei.
Als alle satt waren, spülten wir, und Uwe spannte zwischen Auto und einem Baum die Hängematte auf. Während er darin lag und etwas ausruhte, ging Ruth mit dem Fotoapparat auf Vogelpirsch. Da sie ewig verschwunden blieb, ahnte Uwe schon, dass sie etwas Besonderes entdeckt hatte. Recht versteckt in den Bäumen saßen ein paar hübsche Goldbugpapageien.
Auch eine Schar Brillenwürger hüpfte durch die Zweige. Einer von ihnen hatte gerade eine Raupe erbeutet.
Als Ruth gerade die Brücke über den Khwai erreicht hatte, kam ihr von der anderen Seite einer Trupp Paviane entgegen. Bestimmt 80 bis 100 Tiere enterten die Brücke und machten keine Anstalten, sich aufhalten zu lassen. Einem Auto, welches gerade die Brücke passierte, wurde geschickt ausgewichen, bevor alle zankend und kreischend ihren Weg fortsetzten. Ruth machte schleunigst kehrt. So ganz alleine war es ihr unter der Affenhorde doch nicht wohl. Sie lief flott zurück und brachte die ganze Bande mit ins Camp. Vorbei war es mit der Ruhe. Nach und nach zog ein Pavian nach dem anderen an unserem Lager vorbei. Aber wir ließen nichts herumliegen und hatten daher auch keine Verluste. Es war schon recht spät, als wir zu einem gemeinsamen Game Drive aufbrachen. Wir erkundeten das Gebiet westlich des Camps am Fluss. Dort durchstreiften wir das Gelände und sahen Impalas, Letschwes, Zebras mit Madenhackern und einige Flusspferde in den Pools am Fluss. Sie waren sehr aktiv und schnauften und prusteten.
Zurück im Camp richteten wir unsere Betten und machten Feuer. Zuerste wollte es nicht richtig brennen, weil das Holz etwas feucht war. Wir kochten Gulasch im Potije mit Nudeln. Es war viel, aber sehr lecker. Bereits während des Abendessens schauten immer mal wieder zwei Hyänen bei uns vorbei. Später kam eine einzelne, die kaum scheu immer näher lief, bis sie knapp zwei Meter neben uns stand. Irgendwann konnten wir sie vertreiben. Kurz darauf raschelte es schon wieder in den trockenen Büschen. Diesmal war es ein Honigdachs, der von einem Schakal begleitet wurde. Wir hörten Afrikanische Zwergohreulen, die Hyänen und kurz vor dem Einschlafen sogar Löwen. Ein Flughund fiepte im Baum.
Kilometer: 84
Teil 5006. Feb. 2017
Tag 29 – Freitag, 5. August 2016 – Gehen wir heut‘ auf Löwenjagd?
North Gate, Moremi
Der Morgen war frisch, aber mit fünf Grad kein Vergleich zur Kalahari. Wir standen früh auf, packten zusammen und fuhren nach Osten, um das Gebiet am Khwai zu erkunden. Sarah und Philipp wollten sich nach dem Frühstück nach Xakanaxa aufmachen, um nach ihrer Wildkamera zu schauen, die sie dort vergessen hatten. Zunächst fuhren wir ein ganzes Stück durch Mopanegebüsch und Wald, bis wir dann ein paar Kilometer östlich des Gates an den Flutebenen des Khwai-Flusses herauskamen. Sofort sahen wir viele Letschwe-Antilopen und Wasservögel auf der Ebene. Bald entdeckten wir einen einzelnen Hornraben, der gemächlich durchs Gras schritt und nach Beute suchte. Dabei blähte er seinen roten Kehlsack auf und erzeugte einen tiefen, dumpfen Ton. Ab und zu schnappte er etwas zu Fressen auf und warf es in einem Schwung in seinen Rachen.
Nachdem wir über eine Viertelstunde vor und zurück gefahren waren, um den Vogel auch einmal im Profil und nicht immer nur im Weglaufen von schräg hinten zu erwischen, fuhren wir schließlich ein paar hundert Meter weiter um eine kleine Wasserstelle herum und blieben bei einer Herde Letschwes stehen.
Als wir zurückblickten, sahen wir genau an der Stelle, bei der wir den Hornraben beobachtet hatten, eine Herde Büffel aus dem Gebüsch marschieren. Sie liefen zum Wasser und tranken.
Da waren wir wohl ein wenig voreilig gewesen und wären besser noch etwas beim Hornraben stehen geblieben. Diese Ahnung verstärkte sich, als die Büffel plötzlich begannen, aufgeregt hin und her zu laufen. Mit dem Fernglas sahen wir im Gras einen männlichen Löwen, der sich ihnen zielstrebig näherte. Zunächst bewegte sich die Herde von dem Löwen weg, dann kehrten plötzlich alle Büffel um, stellten sich dem Verfolger entgegen und liefen los, worauf dieser abdrehte und die Flucht ergriff.
Auch wir wendeten unser Auto, weil wir näher am Geschehen sein wollten und fuhren schnell um den Teich herum zurück. Auf der anderen Seite erblickten wir noch einen zweiten Mähnenlöwen. Die beiden legten sich ein wenig abseits ins Gras und beobachteten die Büffelherde.
Inzwischen waren auch andere Fahrzeuge vor Ort und postierten sich. Uns war klar, dass früher oder später etwas passieren würde. Die Büffel waren unschlüssig, was zu tun sei, denn sobald sie den beiden Löwen ihre Hinterteile zuwandten, hefteten diese sich wieder an ihre Fersen. Blieben sie stehen und reckten ihnen ihre Köpfe mit den massiven Hörnern entgegen, hielten auch die Löwen respektvoll Abstand.
Zunächst standen wir sehr nah bei den Löwen, die sich abwartend im Gras niedergelassen hatten. Sie hatten keine Eile. Die Büffel marschierten wieder zum Wasser, aber es dauerte nicht lange, bis sie ihren Durst gestillt hatten und unruhig wurden. Sie liefen ein wenig hin und her und erregten so wieder die Aufmerksamkeit der Löwen, die sie nicht aus den Augen ließen.
Wir konnten die gesamte Szene nur gegen die Sonne beobachten und parkten unser Auto daher noch einmal um, so dass wir näher bei den Büffeln standen. Auf einmal liefen die Tiere los, und das genügte dem ersten Löwen um anzugreifen.
Er sprintete über die Ebene, und die Büffel preschten an uns vorbei dem nächsten Dickicht entgegen. Der Löwe beschleunigte und verschwand hinter der Herde im Gebüsch. Das ganze dauerte nur wenige Sekunden und passierte so nah an unserem Auto, dass wir mit den großen Objektiven etwas überfordert waren.
Nachdem keines der Tiere mehr zu sehen war, fuhren wir in einem großen Bogen auf einen Parallelweg. Doch auch dort war keine Spur mehr zu entdecken, geschweige denn ein Tier.
Teil 5106. Feb. 2017
Zurück in der Ebene sahen wir noch einige Vögel.
Helmperlhuhn
Langzehenkiebitz
Klunkerkranich
weibliches Schwarzkehlchen
Auf der Strecke zurück zum Camp kamen wir an einigen Hippos vorbei, die an Land standen. Der Weg führte unmittelbar neben der Gruppe entlang. Sie waren aber ganz friedlich und schauten nur, als wir sie passierten.
Bei einer Elefantenherde trauten wir und nicht vorbeizufahren. Sie stand nur fünf Meter von der Piste entfernt und hatte Jungtiere dabei. Daher wendeten wir und umfuhren sie weiträumig. Zurück im Camp machten wir eine lange Pause.
Wir füllten unseren Wassertank auf und frühstückten. Uwe aß Müsli, Ruth machte sich die restlichen Nudeln warm. Wir spülten, duschten und beobachteten ein paar Elefanten, die über die Nachbarcampsite spazierten.
Am Nachmittag kamen Sarah und Philipp zurück. Ihre Wildkamera hatte tatsächlich immer noch am Baum gehangen. Während die beiden sich ausruhten, drehten wir eine kurze Runde in östlicher Richtung. Dabei entdeckten wir gegen Ende fünf Büffel auf einer Ebene und eine kleine Herde Pferdeantilopen, die jedoch sehr versteckt im Gebüsch stand.
Nachtflughuhn
Bronzeflecktaube
Zusammen mit den beiden anderen fuhren wir über die Brücke nach Khwai Village und pirschten auf einer Strecke am nördlichen Flussufer.
Von dort hatten wir gutes Licht und sahen wieder viele Hippos, diesmal hauptsächlich im Wasser.
Auf der Ebene standen zwei schöne Sattelstörche, und es saßen vereinzelt Pratinkolen am Ufer. Diese Vögel hatten wir noch nie aus der Nähe gesehen.
Bruchwasserläufer
Sattelstorch
männlich
weiblich
Brachschwalbe
Auf dem Rückweg beeilten wir uns, um noch vor Schließung wieder in den Park zu kommen. Rechtzeitig fuhren wir wieder auf unsere Campsite. In der Zwischenzeit war offensichtlich eine Horde Paviane zu Besuch gewesen. Unsere Solar Jar lag ein wenig abseits, und die Affen hatten sie geöffnet, um ihren Inhalt auf Geschmack zu testen. Einige Schoten und Baumfrüchte lagen verstreut oder waren verschwunden. Wir sammelten die Perlhuhnfeder und die Stachelschweinborsten wieder ein, mussten aber leider auf den roten Sand aus der Kalahari verzichten. Zum Abendessen machten wir Rosmarinkartoffeln im Potije, grillten Fleisch, und dazu gab es einen gemischten Salat. Mit den Kartoffeln klappte es heute nicht so gut, weil wir die Hitze schlecht verteilten. Am Ende schmeckte es aber doch, und es blieb nichts übrig. Wieder besuchte uns ein Honigdachs, und eine Hyäne spazierte vorbei. Diesmal war sie aber nicht so neugierig. Im Zelt hörten wir sie heulen, Löwen brüllten in der Ferne, im Fluss raschelten Elefanten, und der Flughund fiepte.
Kilometer: 69
Teil 5210. Feb. 2017
Tag 30 – Samstag, 6. August 2016 – Abschied vom Moremi
North Gate, Moremi – Baines Baobabs, Nxai Pans
Unser letzter Morgen im Moremi brach an. Auch vor dem Aufstehen hörten wir noch den Flughund und die Hyänen. Dann sangen die Coucals, die Frankoline schnatterten, und die Tauben stimmten ihr Lied an. Wir standen auf und packten zusammen. Bei der Nachbarcampsite sahen wir, wie ein großer Pavian etwas aus dem offenen Auto stahl, während die Bewohner einige Meter entfernt den Sonnenaufgang beobachteten. Während Sarah und Philipp noch Kaffee tranken, fuhren wir eine kleine Runde um die Pfanne hinter dem Khwai Camp. Dann brachen wir zusammen auf Richtung South Gate. Die direkte Verbindung war wie immer gut zu fahren, und wir brauchten eine knappe Stunde. Ruth war ein wenig enttäuscht, dass wir keinen Game Drive am Khwai mehr machen konnten, da sie gehofft hatte, noch einmal die Löwen zu sehen.
Am South Gate verließen wir endgültig den Moremi und begaben uns auf die schreckliche Piste nach Maun. Auch eine Woche später fühlte sie sich immer noch fürchterlich an. Aber auch diese Etappe ging vorbei. Vor Shorobe hielten wir, um Luft in die Reifen zu füllen und Brennholz zu kaufen.
In Maun trafen wir uns bei Hilary’s zum späten Frühstück, das gleichzeitig unser Abschiedsessen war. Sarah und Philipp hatten spontan noch ein paar Nächte in Savuti buchen können. Nach leckeren Sandwiches und Kaffee verabschiedeten wir uns von unseren Reisepartnern, mit denen wir ein paar sehr schöne Tage verbracht hatten. Dann ging es zum Einkauf in den Supermarkt. Wir kauften Lebensmittel für die nächsten Tage. Mit frischen Vorräten verließen wir die Stadt nach Südosten. Die Straße Richtung Nata zog sich dahin, und nur am Vet-Fence hielten wir kurz an, um unsere Schuhe auf einer feuchten Matte gegen die Übertragung von Maul- und Klauenseuche zu desinfizieren. Am Gate des Nxai-Pans Nationalparks bezahlten wir den Parkeintritt. Parallel zu der bisherigen Pad nach Norden war ein bisschen weiter westlich eine neue, angeblich bessere Spur erstellt worden. Wir ließen wieder Luft aus den Reifen, und während wir die neue Straße fuhren, fragten wir uns, wie die bisherige sich in noch schlechterem Zustand befinden sollte. Grobes Wellblech und tiefe Bodenwellen schüttelten den Wagen und uns durch. Nach einigen Kilometern und unerwartetem Gegenverkehr von ca. fünf Wagen bogen wir nach Osten zu den Baines Baobabs ab. Der Weg führte durch weite Grasebenen, und wir sahen viele Termitenschmätzer und Steinböckchen.
junger Marico-Flycatcher
Termitenschmätzer
Kurz vor unserem Ziel überquerten wir eine Salzpfanne.
Die Insel mit den eindrucksvollen Baobabs lag wunderschön im Abendlicht, und wir hatten den einmaligen Ort für uns alleine. Wir spazierten ein wenig um die Bäume herum und freuten uns über die Ruhe. Bei unserem letzten Besuch waren hier mehrere Autos gewesen, und eine große Kinderschar hatte für richtig Remmi-Demmi gesorgt. Nachvollziehbar, da es wirklich Spaß macht, die Bäume zu erklimmen und endlich einmal nicht im Auto sitzen zu müssen. So einsam war es uns trotzdem lieber.
Dann überquerten wir die Pfanne zu unserem Campingplatz gegenüber der Baines. Auch dieser Ort gehört zu unseren Lieblingsplätzen. In absoluter Stille errichteten wir unser Lager, machten Feuer und genossen den Abend.
Auch wenn wir einerseits ein wenig traurig waren, uns von Sarah und Philipp getrennt zu haben, war es andererseits auch schön, dort ganz alleine zu stehen. Wir grillten Boerewors, legten Kartoffeln in die Glut und machten Salat. Mäuse raschelten im Gras, und eine Schleiereule schrie durch die Dunkelheit. Nach dem Spülen wurde es etwas kühler, und so blieben wir nicht mehr lange am Feuer. Als wir die Kamera für eine Zeitraffer-Aufnahme starteten, brüllte in großer Entfernung ein Löwe.
Kilometer: 299
Teil 5316. Feb. 2017
Tag 31 – Sonntag, 7. August 2016 – Nxai Pans
Baines Baobabs, Nxai Pans – South Camp, Nxai Pans
Bei den Baines Baobabs waren wir alleine auf der Welt. Die Sonne ging auf, es war kein fremdes Geräusch zu hören.
Wir genossen die Stille und packten unsere Sachen zusammen.
Heute nahmen wir den nördlichen Weg zur Verbindungsstraße und entschieden uns dann für die alte Straße Richtung Norden, entgegen der Empfehlung der Rangerin. Anfangs sah der Weg wirklich sehr gut aus, entwickelte sich dann aber zu einer tiefsandigen Piste der übelsten Sorte. Wir hielten tapfer durch und schwammen auf verschiedenen Spuren durch das Sandmeer. Das Auto hatte keine Schwierigkeiten mit dem Sand. Bei sehr tiefen Bodenwellen schaukelten wir aber sehr. Als wir beim South Camp ankamen, zeigten wir unser Permit vor und entdeckten einen kleinen Shop, den es vor zwei Jahren noch nicht gegeben hatte. Dieser war sehr gut sortiert, fast wie ein kleiner Supermarkt. Wir kauften Feuerholz und etwas zu trinken. Die Rangerin im Office hatte uns etwas von Löwen erzählt, die heute Morgen beim Camp gewesen seien. Möglicherweise könnten wir sie nun in der Nähe des Wasserloches finden. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und fuhren die drei Kilometer zur künstlichen Wasserstelle. Dies ist das einzige Wasserloch in den Nxai Pans. Dort tummelten sich viele Springböcke, ein paar Kudus und Schakale. Die Löwen waren allerdings weit und breit nicht zu sehen.
Unter den Springböcken gab es Unstimmigkeiten. Sie wirbelten immer wieder mächtig Staub auf, wenn sie mit gesenkten Köpfen aufeinander lospreschten und ihre Hörner ineinander verhakten.
Erdschmätzer
Später kamen noch Impalas dazu. Auch einzelne Gnus standen herum. Insgesamt war schon ziemlich viel Betrieb. Wir blieben jedoch nicht allzu lange, sondern fuhren zu unserer Campsite, um endlich Pause zu machen. Bei einem späten Frühstück aßen wir Brötchen mit Nutella, Marmelade, Wurst und Käse. Dazu gab es Tee und Kaffee. Anschließend ruhten wir uns ein wenig aus. Ruth las in der Sonne, während Uwe im Schatten Fotos sicherte. Anschließend gingen wir zur elefantensicheren Dusche, die super sauber war.
Teil 5416. Feb. 2017
Gegen zwei Uhr am Nachmittag brachen wir wieder auf. Beim Wasserloch waren einige Geier verschiedener Arten versammelt.
Ohrengeier
Sekretär
Sie blieben jedoch nicht lange, und auch wir drehten eine größere Runde durch die Pfanne bzw. an deren Rand entlang. Auffällig waren die teilweise sehr tief ausgefahrenen Wege. Während der Regenzeit muss hier die Hölle los gewesen sein. Wir kämpften uns durch oder neben den tiefen Spuren entlang und kratzten einige Male mit der Fahrzeugflanke an eng stehenden Büschen vorbei. Wir sahen ein paar Giraffen, Steinböckchen, Strauße und andere Vögel. Sehr viele Tiere waren aber nicht unterwegs.
Rotscheitellerche (Red-capped Lark)
Doppelbandrennvogel mit Küken
Gabelracke
Unsere Runde führte auch wieder an der Campsite vorbei, wo wir eine kurze Toilettenpause einlegten. Dann fuhren wir zum Wasserloch, um dort den Sonnenuntergang zu sehen. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir vier riesige Elefanten, die offensichtlich Richtung Wasser liefen. Also fuhren wir vor, um sie dort zu erwarten.
Maricoschnäpper
Waffenkiebitz
Am Wasserloch standen bereits vier andere Autos. Die Insassen von drei Fahrzeugen waren ausgestiegen, liefen umher und unterhielten sich miteinander. Begeistert wurde Selfie um Selfie mit der Wasserstelle im Hintergrund geschossen. Die Springböcke hielten respektvoll Abstand, und wir waren begeistert. Wenn man schon unbedingt im Nationalpark aussteigen muss, dann braucht man das ja nicht ausgerechnet dort zu machen, wo andere Leute auf Tiere warten. Aber dieses Thema haben wir ja bereits diskutiert. Als endlich alle wieder den Weg in ihre Autos gefunden hatten, näherte sich sehr langsam eine einzelne Giraffe, die aus dem Trinken eine große Sache machte und viele Anläufe benötigte. Irgendwann erreichten auch die Elefanten das Wasser.
Sie tranken und plantschten. Man konnte ihnen den Spaß direkt ansehen, und wir freuten uns mit ihnen. Mit ihren dicken Beinen schlugen sie ordentlich Wellen und spritzten sich von oben bis unten nass, so dass die Pampe nur so durch die Luft flog.
Als die Sonne unterging, fuhren wir zurück ins Camp. Dabei liefen uns noch zwei Löffelhunde über den Weg. Da wir dieses Jahr noch keines dieser netten Kerlchen gesehen hatten, freuten wir uns besonders darüber.
Es war schon fast dunkel, als wir unseren Stellplatz erreichten. Wir machten Feuer und mussten uns ein wenig gedulden, da es ziemlich lange dauerte, bis das Holz brannte. Dann mussten wir noch unsere Vorratskiste auswischen, weil ein wenig Savanna ausgelaufen war. Uwe machte Teig, und Ruth schnippelte die Zutaten für die Pizza. Noch bevor wir aßen, hörten wir plötzlich das vertraute, tiefe Grollen eines Elefanten. Da wir dachten, dass er noch recht weit weg wäre, hatten wir keine Eile. Falsch gedacht! Als wir aufsahen, tauchte das riesige Tier plötzlich nur wenige Meter neben uns aus der Dunkelheit auf. Wegpacken konnten wir nichts mehr, sondern nur unverzüglich im Auto verschwinden. Zum Glück stand unser Abendessen offensichtlich nicht auf der Speisekarte des Dickhäuters, oder dieser hatte noch ein anderes Rendezvous. So schnell, wie er gekommen war, entfernte er sich wieder, und wir krabbelten aus dem Auto. Mit viel Glut backten wir zwei Pizzen und aßen dazu fertigen Rote-Beete-Salat.
Kilometer: 96
Teil 5524. Feb. 2017
Tag 32 – Montag, 8. August 2016 – Fahrtag nach Kasane
South Camp, Nxai Pans – Chobe Safari Lodge, Kasane
Wir hatten uns keinen Wecker gestellt und wachten erst mit Sonnenaufgang auf. Nach einem schnellen Kaffee und Tee hatten wir alles an seinem Platz und konnten losfahren. Es ging nur bis zum etwa vier Kilometer entfernten Wasserloch. Dort war leider noch nicht viel los, außer vielen Tauben, die in den Büschen saßen und ans Wasser geflattert kamen. Wir regten uns erneut über die Südafrikaner auf, die nach einiger Zeit aus ihren Wagen stiegen und sich lautstark unterhielten. Als sie endlich wieder in ihren Autos verschwunden waren, ließen sich auch die ersten größeren Tiere blicken, bis es ein richtiges Getümmel war: Mindestens zwei Dutzend Strauße, zwei Riesentrappen, von denen sich das Männchen beim Verlassen des Wasserlochs aufplusterte und mit einem dicken Hals hinter dem Weibchen herlief, mehrere Gruppen Gnus, die ab und zu wie irre hin- und herliefen, Springböcke, Kudus und ein Zebra.
Dazwischen liefen immer wieder ein paar Schakale herum und versuchten, Tauben oder Flughühner zu erwischen.
Die meisten Jagdversuche blieben erfolglos, aber einmal schnappte sich ein Schakal eine Taube. Leider hatte er sie schon verspeist, bis wir an die Stelle gefahren waren, wo er fraß. Es war ständig etwas los, es herrschte Kommen und Gehen. Zusätzlich waren noch unzählige Perlhühner und andere Vögel dabei. Möglicherweise ein junger Gabarhabicht, dessen Gefieder bereits ein wenig ins Graue wechselt?
Morgens 10 Uhr in Botswana – da sitzt das Frühstückchen 😉
Bruchwasserläufer (vielen Dank für die Bestimmung, Matthias)
Eine Bushways-Gruppe stand ebenfalls sehr lange am Wasserloch, und der Fahrer wies die Südafrikaner darauf hin, dass sie durch das Verlassen ihrer Autos ständig die Tiere vertrieben. Das fanden wir super. Die Autotüren blieben daraufhin geschlossen. Wir mussten uns losreißen, da wir noch einen langen Weg vor uns hatten. Wir verließen das Wasserloch und fuhren die Strecke bis zur Teerstraße. Diesmal nahmen wir die vorgegebene Route und fuhren etwas schneller. So rappelte das Wellblech nicht so sehr am Auto. Am Gate verließen wir die Nxai-Pans und pumpten Luft in die Reifen. Danach frühstückten wir: Brötchen mit Marmelade, Brot mit Salami und Senf-Frischkäse. Dazu gab es in der heißen Sonne etwas Kühles zu trinken. Nach dieser Stärkung fuhren wir gerade nach Osten und erreichten Nata am frühen Nachmittag. Dann ging es nach Norden. Den ursprünglich geplanten Stopp bei Elephants Sands ließen wir links liegen und fuhren weiter. Die Strecke führte manchmal kilometerlang durch endlose Getreide- oder Maisfelder. Verloren standen dort einzelne Arbeiter im Feld. Wir fragten uns, was sie dort machten bzw. ob die gesamte Fläche von Hand bewirtschaftet werde. In Kasane fuhren wir zur Chobe Safari Lodge. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass es dort nicht einfach ist, einen Campingplatz zu bekommen. Da wir dort aber gerne zum Abendessen gehen wollten, drückten wir sämtliche Daumen, als wir an der Rezeption nach einem Stellplatz für zwei Nächte fragten. Wir hatten Glück und bekamen eine kleine Parzelle zugewiesen. Dann fuhren wir kurz zur Garden Lodge, um uns für die Bootstour auf dem Chobe für morgen Nachmittag anzumelden. Auch das klappte. Als wir durch Kasane fuhren, war unmittelbar bei der Tankstelle die Hauptstraße gesperrt. Es gab einen riesigen Menschenauflauf. Wir konnten nicht viel erkennen, aber es sah nach einem Verkehrsunfall aus. Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert. Zurück auf unserem Campingplatz sicherte Uwe Fotos, und wir duschten. Inzwischen war die Sonne untergegangen, und der Horizont hinter dem Chobe leuchtete orange.
Das Abendessen in der Lodge war wie immer sehr reichlich. Wir versuchten, möglichst viel am Buffet zu probieren. Als wir satt und todmüde waren, schleppten wir uns zum Auto und krabbelten ins Zelt.
Kilometer: 526
Teil 5628. Feb. 2017
Tag 33 – Dienstag, 9. August 2016 – Chobe River Front
Chobe Safari Lodge, Kasane
Die Nacht und der Morgen waren sehr warm. Wir standen bei über 11 Grad auf und zogen nur etwas Kurzärmeliges an. Dann packten wir zusammen und fuhren zum Sedudu-Gate des Chobe Nationalparks. Dort kauften wir ein Tages-Permit und begaben uns um kurz vor sieben Uhr auf die Strecke an der Riverfront entlang nach Westen. So früh am Morgen waren noch keine Antilopen oder Elefanten zu sehen, und Katzen halten wir am Chobe ja eh für ein Gerücht. Möchten wirklich mal wissen, wie ihr ständig Löwen und Leoparden so technisch einwandfrei in diese Landschaft eingefügt bekommt. Dafür entdeckten wir zahlreiche Wasservögel, und ein paar Baumhörnchen wärmten sich ihr Fell in den ersten Sonnenstrahlen und putzten sich ausgiebig.
Brauner Sichler
Lange standen wir an einem kleinen Wasserarm, in dem mehrere Löffler und ein Nimmersatt fischten. Mit dem Austrocknen des Tümpels und dem Rückgang des Wassers wurde der Lebensraum für die Fische immer kleiner, so dass sie nun offensichtlich in recht großer Zahl in den einzelnen Wasserbecken zurückblieben. Die Vögel waren daher sehr erfolgreich und schnappten regelmäßig kleine oder auch größere Fische, die sie schnell schluckten.
Nimmersatt
Afrikanischer Klaftschnabel
Witwenente
Afrikanischer Löffler
Während rechts von uns die Fische in die Schnäbel der Wasservögel spazierten, erging es den Insekten am Ufer nicht viel besser. In den angrenzenden Büschen saßen einige Zwergbienenfresser, die von ihrem Ausguck nach Fluginsekten spähten.
Teil 5728. Feb. 2017
Besonders hübsch anzuschauen war ein Pärchen, das nebeneinander (leider ein wenig zu nah für unser Objektiv) auf einem Ast saß. Immer wenn er eine Beute gefangen hatte, fütterte er seine Angebetete damit. Doch die Dame war wählerisch. Sie nahm längst nicht jedes Geschenk von ihm an.
Graukopfsperling
Flussuferläufer
Bronzefleckentaube
Swainsonfrankolin
Langspornkiebitz
Als wir nach über anderthalb Stunden weiterfuhren, sahen wir einen Raubadler auf dem Boden hocken. Dies war ungewöhnlich, denn wir konnten kein Beutetier erkennen und hatten den schönen Vogel bisher ausschließlich erhöht in Bäumen sitzend entdeckt. Erst als er sich bewegte, wurde uns klar, dass der Adler verletzt war. Wahrscheinlich konnte er nicht mehr fliegen, denn er versuchte, zu Fuß eine kleine Anhöhe zu erklimmen.
Perlkauz
Am Ufer des Chobe sahen wir in einem Parallelstrom ein Boot, das sehr nah an eine Herde Hippos heranfuhr. Die Tiere erschraken und flüchteten in unsere Richtung. Sie überquerten die schmale Landzunge und platschten auf unserer Seite wieder in ruhigeres Gewässer.
Kurz vor Serondela begegneten wir einer riesigen Büffelherde, die durch das Gebüsch zum Wasser zog. Wir schätzten mindestens 200 Tiere. Am Picknickplatz machten wir Pause und frühstückten allerhand Leckers, was wir noch in unseren Vorratsboxen finden konnten. Ein paar Meerkatzen hatten uns schnell entdeckt, umzingelt und kamen uns sehr nah. Sie hätten sicherlich gerne etwas vom Tisch geklaut, aber wir ließen weder sie noch unser Frühstück auch nur einen Moment aus den Augen.
Anschließend nahmen wir zurück zum Sedudu-Gate nicht die Uferstraße oder die Parallelroute, da beide Strecken nur in eine Richtung befahren werden dürfen. Stattdessen schlugen wir die sog. Upper Route ein. Diese fuhren wir zum ersten Mal. Sie führte durch herbstlichen Wald, bergab und bergauf, teils tiefsandig. Die Strecke zog sich dahin, weil sie sehr kurvig war. Gegen Ende sahen wir im Gebüsch eine Herde Rappenantilopen.
Strichelracke
Vom Gate ging es dann zum Campingplatz, wo wir ein wenig ausruhten und duschten.
Braunkopfliest
Flötenwürger
Außerdem mussten wir noch Geschirr spülen und einen Tisch für das Abendessen reservieren. So verging die Zeit wie im Flug, und schon bald packten wir unsere Kameras für die Bootstour zusammen. Im Zentrum von Kasane tankten wir über 130 Liter Diesel und fuhren dann zur Garden Lodge. Wir bekamen Kaffee und aßen Windbeutel, bevor wir mit dem Boot aufbrachen.
Fortsetzung folgt.
Teil 5801. März 2017
Tag 33 – Dienstag, 9. August 2016 – Chobe River Front, Nachmittag
Zusammen mit unserem Fahrer Peter waren außer uns noch zwei weitere Paare an Bord, ein älteres Paar aus Holland und ein jüngeres aus der Schweiz. Es war wieder mal eine wunderschöne Fahrt. Die Sonne schien warm und legte ein tolles Licht über den Chobe. Abgesehen davon, dass außer uns noch viele andere, meist größere Boote unterwegs waren, fühlten wir uns großartig. Wir sahen wieder unzählige Wasservögel, darunter African Skimmer, verschiedenste Reiher und Störche. Ein Schlangenhalsvogel trocknete sein ausgebreitetes Gefieder.
Rallenreiher
Graureiher
Die Graufischer rüttelten in der Luft und stießen dann pfeilschnell senkrecht ins Wasser. Dieser hier ging leider leer aus.
Schreiseeadler
Langzehenkiebitz
Elefanten, Büffel, Letschwe und Wasserböcke standen oder lagen auf den Inseln im Chobe und fraßen. Wir wussten gar nicht, wohin wir zuerst gucken sollten.
Krokodile wärmten sich in der Sonne. Manche glitten lautlos ins Wasser, andere blieben ruhig liegen, wenn wir uns mit dem Boot näherten, so dass wir sie fast hätten berühren können.
Teil 5901. März 2017
Ein noch sehr kleiner Elefanten-Baby-Bulle versuchte, mit seiner Mutter, seinen Tanten und Geschwistern mitzuhalten. Alle passten auf, dass er nicht aus der Reihe tanzte und nah bei der Herde blieb. Er mühte sich eifrig, es den Großen nachzumachen und wickelte sich die Pflanzen um den Rüssel.
Ein Waran glitt durch das Gras, und wir freuten uns über einen Nachtreiher.
Scherenschnabel (Skimmer)
Waffenkiebitz
Sporengans
Junges Blaustirn-Blatthühnchen
Kurz vor dem Sonnenuntergang positionierte Peter das Boot so, dass vor der Sonne noch ein paar Elefanten standen.
Überhaupt machte er seine Sache sehr gut. Auf dem Rückweg, bei dem wir wie immer sehr schnell fuhren, war die Luft noch angenehm warm. In der Garden Lodge bezahlten wir und fuhren im Dunkeln zurück zur Campsite. Dort gingen wir wieder zum Buffet. Wir ließen uns alles schmecken, aßen Bobotije, Spinat, Reis, Roast Beef, frisch Gebratenes, Suppe und Nachtisch. Es war sehr lecker. Morgen geht es wieder zurück nach Namibia auf unsere letzte Etappe dieser Reise von Osten nach Westen durch den Caprivi.
Kilometer: 64
Teil 6008. März 2017
Tag 34 – Mittwoch, 10. August 2016 – Zurück nach Namibia
Der Morgen verlief wie gestern. Wir standen im Dunkeln auf und packten alles zusammen, tranken Tee und Kaffee und verließen Kasane. Beim Sedudu-Gate kauften wir ein Tagespermit und fuhren entlang der River-Front am Chobe entlang. Wieder sahen wir viele Wasservögel. An einem ruhigen Seitenarm standen Nilgänse, Witwenenten und Löffler, und Nimmersatte fischten im seichten Wasser. Dann kamen plötzlich zwei Skimmer, die den aufgeklappten Schnabel im Flug durch das Wasser zogen und so Beute machten.
Nilgans
Witwenente
Löffler
Skimmer
Am gegenüber liegenden Ufer zankten oder spielten zwei junge Hippos.
Riedscharbe
Als wir schon kurz vor Serondela standen, gab uns ein entgegenkommendes Pärchen den Tipp, dass in den Puku Flats zwei Löwen lägen. Es sei nicht weit. Wir drehten um und fuhren ein paar Kilometer zurück. Als wir die Flats erreichten, sahen wir schon von weitem mehrere Autos an einer Stelle stehen. Tatsächlich lag ein männlicher Löwe im hohen Gras. Lediglich sein Kopf war zu sehen. Es war zu erkennen, dass er schon älter sein musste, denn er wirkte ein wenig ramponiert. Besonders sein rechtes Auge schien nicht in Ordnung zu sein. Wenige Meter neben ihm streckte auch die Löwin kurz den Kopf in die Höhe. Mehr Action war von beiden nicht zu sehen und wohl auch nicht zu erwarten. Ein weiteres Fahrzeug traf ein und fuhr off road bis zehn Meter neben die Löwen. Das war wohl tatsächlich in Ordnung, denn auf dem Wagen stand „Do not follow. Filming team“. Vielleicht sollten wir uns auch mal so einen Aufkleber besorgen. Tatsächlich standen auf der Ladefläche des Pickups einige Leute, alle mit Kameras bewaffnet.
Obwohl diese beiden Löwen die ersten Katzen waren, die wir nach vielen Besuchen am Chobe gesehen haben, blieben wir nicht lange bei ihnen und fuhren weiter nach Serondela. Dort picknickten wir und behielten unseren Tisch im Auge, da wieder eine Meerkatze im Baum neben uns saß und zur Tarnung ganz unbeteiligt schaute.
Frankolinküken
Anschließend entschieden wir, nicht weiter bis Ihaha zu fahren, sondern die direkte Verbindung zur Transitstraße durch den Chobe zu nehmen. Dort bogen wir nach Westen ab und erreichten bald bei Ngoma die Grenze. Zuvor sahen wir noch eine große Elefantenherde bei der Straßenüberquerung.
Teil 6108. März 2017
Die Grenzformalitäten waren sowohl auf botswanischer als auch auf namibischer Seite wie immer schnell erledigt, und wir konnten weiterfahren. Selbstverständlich wurden wir per Temperaturpistole auf Ebola getestet. Bis kurz vor Katima Mulilo fuhren wir auf Teer, dann bogen wir nach Osten ab. Fast auf der ganzen Strecke bis zum Abzweig zur Kalizo Lodge wurde die Schotterstraße erneuert. Daher führte die Piste parallel neben der Baustelle entlang. Viele Schulkinder waren auf dem Heimweg. Bei der Lodge sahen wir schon, dass viele Campingplätze belegt waren. Wir liefen ein wenig herum und suchten uns einen noch freien Stellplatz im hinteren Teil des Campingareals aus, wo es etwas ruhiger war und mehr Vögel herumflogen. Zum Glück hatten wir fast den ganzen Nachmittag Zeit. Uwe sicherte viele Fotos, und Ruth sorgte dafür, dass ihm die Arbeit nicht ausging. Wie erhofft kamen viele spannende Vögel zu uns:
Weißstirnspint
Halsband-Bartvogel
Bindennektarvogel
Rahmbrustprinie
weiblicher Schneeballwürger
Pünktchenastrild
Graufischer
Graukopfsperling
weiblicher Senegal-Amarant
Langspornkiebitz
Unter dem Schattendach, das zu unserem Platz gehörte, waren einige Schwalbennester, und die kleinen Streifenschwalben landeten direkt neben uns.
Es war recht windig, und viele Wolken zogen über den Himmel.
Wir duschten, spülten Geschirr und unterhielten uns mit den Campnachbarn, einem älteren Pärchen aus Südafrika. Am Abend kochten wir Nudeln mit Soße aus Tomaten, Paprika, Möhren und Bohnen. Darüber rieben wir Käse. So langsam gehen unsere Vorräte zu Ende, aber auch der Urlaub geht ja nun leider in die letzte Woche. Kurz schaute noch ein Hundertfüßer vorbei, der allerdings recht rasch das Weite suchte, als wir ihn mit der Taschenlampe anstrahlten.
Nach Sonnenuntergang fingen die Frösche an zu quaken, und wir genossen die warmen Temperaturen am Sambesi.
Kilometer: 153
Teil 6216. März 2017
Tag 35 – Donnerstag, 11. August 2016 – Über Katima zum ehemaligen Mamili
Heute Morgen ließen wir es ganz langsam angehen. Nachdem die einen Campnachbarn bereits ihren Wohnwagen gepackt hatten, standen wir auf und kochten Kaffee. Mit den vier Birdern von der anderen Nachbarcampsite unterhielten wir uns ein wenig. Die Männer aus Südafrika waren eine ganze Woche hier, nur um Vögel zu entdecken. Sie hatten alle Ankreuzlisten dabei und schon viel gesehen. Leider fuhren sie ebenfalls schon los, so dass wir uns nicht länger austauschen konnten. Wir frühstückten die letzten Brötchen mit Marmelade und beobachteten lange Zeit Vögel am Flussufer. Graufischer saßen mit frischer Beute im Schnabel auf Ästen über dem Wasser, die Weißstirnspinte kamen aus ihren Bruthöhlen und setzten sich ins Morgenlicht. Streifenschwalben flogen pausenlos umher. Es waren wieder einige Wolken am Himmel, aber die Sonne kam auch immer mal wieder durch.
Gelbsteißbülbül
Graufischer
Weißstirnspinte
kleine Streifenschwalbe
Bindennektarvogel
Schmarotzermilan
Graulärmvogel
Weißbrauenrötel
Eulenmuckel
Malachit-Eisvogel
Teil 6316. März 2017
Kurz vor zehn Uhr rissen wir uns los und bezahlten. Dann fuhren wir nach Katima Mulilo. Im Pick and Pay Supermarkt wurde gerade renoviert, so dass nur der halbe Markt zur Verfügung stand, aber wir bekamen dort alles, was wir für die letzten Tage zur Selbstversorgung brauchten: Wasser, Gemüse, Boerewors, Kekse, Brot, Brötchen und an der Backwaren-Theke ein paar süße Sachen. Dort gab es viele (quadratische) Nussecken und Nussstriezel. Wir wollen von jedem eines haben. Der engagierte Mitarbeiter suchte Styroporschälchen heraus sowie eine kleine Zange, um die Backwaren darauf zu legen. Dann wurden sie einzeln in Frischhaltefolie eingepackt. Nun fehlten noch die Preisschildchen. Das Problem war, die korrekte Artikelbezeichnung herauszufinden. Schnell war „Nussplunder“ gefunden, ausgedruckt und auf die Nussecke geklebt. Uwe vermutete bereits, dass dies nicht korrekt war, mischte sich aber nicht ein, denn er wollte einfach nur die beiden Teilchen bekommen. Der zweite Artikel war in der Kasse wohl nicht zu finden. Mehrere Mitarbeiter wurden geholt und befragt. Schließlich, also nach ca. fünf Minuten, erbarmte sich die Kollegin, die eigentlich nur Brot einpackte und klebte das Nussplunder-Schild auf den Striezel und druckte ein Nussknacker-Schild aus und klebte es auf die Nussecke. Fertig, noch bevor es dunkel wurde, konnten wir weiter einkaufen. Als wir zwischenzeitlich den Einkaufswagen für zwei Minuten aus den Augen ließen, war er auch schon weg. Wir beeilten uns und durchsuchten hastig den gesamten Supermarkt. Zum Glück konnten wir ihn einer übereifrigen Mitarbeiterin gerade noch aus der Hand reißen, bevor sie unsere Einkäufe wieder in die Regale sortiert hatte. Ein paar Artikel fehlten bereits, und wir mussten ein wenig nachdenken und rätseln, um welche Dinge es sich genau handelte. Die Mitarbeiter in Supermärkten sind wirklich flott. Es ist nun schon das zweite Mal, dass uns so etwas passiert. Da sollten wir bald wohl mal daraus lernen, den Einkaufswagen nicht aus der Hand zu geben. Leider bekamen wir kein Nutella mehr, nur einen minderwertigen Ersatz. Vom Supermarkt aus ging es zum Tutwa-Cafe, wo wir jeder einen Cheeseburger mit Pommes aßen.
Der Burger schmeckte ganz ausgezeichnet, aber besonders gefielen uns die vielen kleinen gefiederten Freunde. Überall im Garten standen kleine Futterschalen und ein Becken mit Wasser herum. Es zwitscherte und piepste, flatterte und wuselte. Neben Angola-Schmetterlingsfinken, Spatzen und Senegal-Amaranten hüpfte versteckt im Geäst eine Schar kleiner Mannikins umher.
In einem Busch turnte noch ein uns unbekannter Vogel mit einem weißen Kopf herum. Er war fast nicht zu erwischen, aber wir hoffen auf eure Hilfe bei der Bestimmung.
Ruth war ganz aufgeregt und holte den Fotoapparat. Nach dem Essen nutzten wir das kostenlose WLAN und meldeten uns bei der Verwandtschaft und bei Freunden. Danach ging es noch zur Tankstelle, wo wir außer Diesel auch Feuerholz bekamen.
Kurz hinter Katima bogen wir Richtung Südwesten auf die C49 ab. Die Teerstraße war in hervorragendem Zustand, und wir kamen gut voran. Die Strecke führte an vielen Dörfern vorbei, Schulkinder kamen in ihren Uniformen mit lila Hemden gerade vom Unterricht, und die halbe Bevölkerung schien auf den Beinen zu sein.
Uns fiel auf, dass ungewöhnlich viele Radfahrer unterwegs waren. Bei einem Dort hing ein gerade frisch geschlachtetes Tier in Einzelteilen vom Baum. Nach einer guten Stunde Fahrt bogen wir nach Süden zum Nkasa Rupara Nationalpark ab. Unser Ziel war das Livingstone‘s Camp, das gut ausgeschildert war. Unsere Reservierung war dort zwar nicht bekannt, aber zum Glück gab es ein paar freie Campingplätze. Wir erhielten Nummer 4, einen sehr großen Platz mit eigener Dusche, Toilette, Spüle und überdachter Sitzfläche. Der Campsite ist wirklich luxuriös und hat sogar elektrisches Licht.
Zwergspint
Streifenliest-Paar
Wir blieben nicht lange, sondern fuhren am Nachmittag noch in den Park. Am Office bezahlten wir bei einer Rangerin das Permit, auch bereits für den morgigen Tag. Der Park liegt sehr einsam, und wir begegneten nur zwei weiteren Safari-Fahrzeugen mit Touristen. Wir sahen Impalas, viele Warzenschweine und drei Hornraben, die Elefantendung auseinandernahmen und kleine Käfer in ihren Schlund warfen.
Da es dieses Jahr nicht viel geregnet hat, ist der Park weitestgehend trocken. Dadurch können fast alle Wege befahren werden. Wir schafften es an diesem Nachmittag nicht, bis zum Linyanti-Fluss zu fahren, sondern mussten vorher umkehren. Immerhin kamen wir bis zu einem kleinen Wasserlauf, bei dem auch ein Hippo stand. Viele Flächen im Park sind vor einiger Zeit verbrannt. Aus der schwarzen, verkohlten Erde sprießt hartes, grünes Gras.
Auf dem Rückweg fuhren wir an einer kleinen Elefantenherde vorbei. Zurück im Camp war zwischenzeitlich der Platz gesäubert und gefegt worden. Außerdem hatten wir Brennholz bekommen.
Wir duschten, machten Feuer und bereiteten das Abendessen. Es gab Möhrengemüse mit Blumenkohl und Broccoli im Potije, dazu Boerewors vom Grill und Grillbrote mit Knoblauchbutter.
Es war super lecker. Besonders schön waren die Abend- und Nachtgeräusche der Umgebung: Mehrere Arten Nachtschwalben stimmten ihre speziellen Rufe an, Scops Owls riefen durch die Dunkelheit, und ein paar Flughunde fiepten. Einer saß sogar ganz nah in einem Baum. Ruth entdeckte ihn schnell.
An der Wand in unserem Häuschen saß ein kleiner Skorpion. Er war vielleicht drei Zentimeter lang. Wir probierten unsere UV-Taschenlampe aus, und er reflektierte tatsächlich hell. Leider fiel er sofort von der Wand ins Waschbecken, und wir mussten eine kleine Rettungsaktion für ihn starten.
Nach dem Essen spülten wir, kochten den Potije aus und lauschten bei angenehmen Temperaturen dem Konzert der Nacht.
Kilometer: 205
Teil 6420. März 2017
Tag 36 – Freitag, 12. August 2016 – Pirschfahrt durch den Nkasa Rupara
Livingstone’s Camp, Nkasa Rupara NP
Wir wachten später auf als geplant. Egal, wir standen im Hellen auf, und Uwe wollte Wasser kochen. Nach kurzer Zeit war jedoch die Gasflasche leer. So gab es diesen Morgen keinen Kaffee. Wir packten zusammen und fuhren in den Nkasa Rupara Park. Da wir bereits gestern das Permit bezahlt hatten, konnten wir nun unmittelbar weiterfahren. Uns kam ein Safari-Fahrzeug entgegen, und die Touristen erzählten uns etwas von ein paar Löwen, die nur wenige Kilometer entfernt im Gebüsch lägen. Wir machten uns keine großen Hoffnungen, die Raubkatzen zu finden, da die Beschreibung sehr vage war. Wie erwartet fanden wir die Löwen nicht, sahen aber einen Kuckuck auf einem Ast direkt neben der Pad.
Kupferschwanzkuckuck
Zunächst fuhren wir immer wieder am Wasser entlang, kamen dann aber an eine Wasserquerung, die wir nicht durchfahren wollten und drehten um. Bald hörte der Kanal auf, und wir überquerten staubtrockene und verbrannte Ebenen. Wir sahen Elefantenherden, Impalas und Letschwes.
Es ging immer weiter Richtung Süden, und wir begegneten keinem anderen Fahrzeug. Als wir die südliche Parkgrenze am Linyanti erreichten, gelangten wir wieder zum Fluss. Dort stand ein einsames Safarifahrzeug ohne Insassen. Vielleicht waren sie zu einem Walk aufgebrochen. Wir entdeckten am Wasser neben anderen Wasservögeln einen Goliathreiher. Bei einem weiteren Loop zum Fluss sahen wir Hippos, Elefanten und Rötelpelikane.
Dort gefiel es uns sehr, aber es war schon nach Mittag, und wir brauchten dringend eine Pause, so dass wir umdrehten und wieder nach Norden fuhren. Die Strecken waren teilweise sehr ruppig und holperig und deckten sich nicht immer mit den Wegen in unserem GPS. Weite Teile des Parks waren verbrannt und lagen recht trostlos zu beiden Seiten der Spur.
Sobald wir uns wieder dem Wasser näherten und es ein paar trockene Halme als Vegetation gab, sahen wir auch wieder einige Tiere. Impalas und Zebras standen auf der Ebene verteilt.
Die letzten Kilometer fuhren wir zügig und erreichten am frühen Nachmittag wieder das Livingstone‘s Camp. Die Pause war dringend nötig. Während der Fahrt hatten wir lediglich von den Nussteilchen gegessen. Uwe wollte eigentlich die beiden Gasflaschen tauschen, was aber daran scheiterte, dass zu der einen Flasche der Schlüssel zum Vorhängeschloss fehlte. Was wir auch probierten, das Schloss ließ sich nicht öffnen. Wir hätten es zerstören können, aber wir entschieden uns für die afrikanische Alternative. Wir machten Feuer und erhitzten den Rest Nudeln im Potije. Das Wasser für den Kaffee kochten wir in der Kelly. So ging es auch ohne Gas.
Dann war ein wenig „Hausputz“ angesagt. Ruth versuchte die Autoscheiben so gut es ging von der grauen Staubschicht zu befreien. Dabei wurde sie genau von den beiden Streifenliesten beobachtet.
Teil 6520. März 2017
Am späten Nachmittag machten wir uns noch einmal in den Park auf. Diesmal wählten wir gleich zu Beginn einen Weg, der weiter östlich nach Süden führte. Wir kamen an einer Elefantenherde vorbei, die gerade im Wasser gewesen sein musste. Die Tiere kamen nass auf uns zu und staubten sich ordentlich ein. Ganze Rüsselladungen Staub warfen sie sich auf den Rücken und unter den Bauch.
Die Landschaft gefiel uns ausgesprochen gut. Das hohe Gras roch würzig und stark. Die Sonne tauchte alles in ihr warmes, intensives Licht. Eine kleine Herde Zebras stand auf einer Ebene und graste.
Am Wasser entdeckte Ruth einen kleinen Malachiteisvogel, weitere Elefanten standen im Gebüsch. Immer wieder sahen wir kleine Herden Kudus, die besonders gerne das Grün auf Termitenhügeln fraßen.
Impalas waren allgegenwärtig, und unzählige Warzenschweinfamilien begegneten uns alle zwei Minuten. Manche kamen gerade aus ihrem Bau heraus.
Frankolinküken
Auf dem Rückweg sahen wir drei Büffel auf der Ebene stehen, die aber leider nicht näher kamen. Als die Sonne bereits unterging, entdeckten wir noch einen Specht. Bei seiner genauen Bestimmung tun wir uns ein wenig schwer, denn die Arten sehen sich doch ziemlich ähnlich. Könnte es vielleicht ein Bennettspecht sein?
Es war bereits kurz nach sechs, als wir den Park verließen und durch tiefe Staublöcher fuhren. Es wäre doch gelacht, wenn Ruth nicht noch einmal die Autoscheiben putzen müsste. Dafür hatte Uwe richtig Spaß.
Im letzten Tageslicht erreichten wir den Campingplatz und klappten das Zelt auf.
Nacheinander gingen wir duschen und machten Feuer. Wir grillten eine weitere Boerewors. Dazu gab es gemischten Salat mit Gurken, Feta und Möhren. Außerdem grillten wir Brote mit Knoblauchbutter. In den Bäumen über der Campsite rief eine Zwergohreule. Ruth folgte ihrem Ruf und versuchte sie mit der Taschenlampe aufzuspüren. Sie war ziemlich irritiert, da der Ruf mal von der einen, mal von der anderen Seite der Campsite ertönte. Aber so ist das halt mit Vögeln. Sie sind uns in der Luft eben doch ein wenig voraus. Ruth gab nicht auf. Immer wenn sie sich sicher war, die Eule bald gefunden zu haben, ertönte ihr Ruf wieder aus der entgegengesetzten Richtung, und Ruth spazierte mit ihrer Lampe hinterher. Bis sie herausgefunden hatte, dass es sich um zwei Eulen handelte, die ihren Spaß daran hatten, sie zum Narren zu halten, hatte sie schon ein paar Ründchen auf der Campsite zurückgelegt.
Afrikanische Zwergohreule
Wir saßen noch lange draußen, sahen ins Feuer und freuten uns über die Unterhaltung der beiden Eulen. Auf einmal gab es im Baum über uns ein großes Geflatter. Als wir mit der Lampe leuchteten, waren wir uns nicht sicher, ob sich die beiden Eulen gerade gepaart hatten oder ob es sich um einen Revierkampf handelte. Wir konnten auf die Schnelle und im Dunkeln auch nicht erkennen, ob es sich bei den beiden um dieselbe Eulenart handelte oder nicht, denn unmittelbar darauf mischte sich unter den trällernden Ruf der Zwergohreulen auch die Stimme eine Kapkauzes. Auch diesen nächtlichen Besucher hatten wir bald entdeckt. Er saß ganz in der Nähe schräg über uns auf einem Ast.
Später fielen noch ein paar Nachtschwalben in unser Abendkonzert ein. Diese waren allerdings zu weit entfernt, so dass sich Ruth nicht traute, sich im Dunkeln so weit vom Camp zu entfernen. Im Gebüsch reflektierten im Taschenlampenlicht noch ein paar Augen, die wir Antilopen zuordneten. Das Camp und die Abende, die wir dort verbracht haben, waren wirklich ausgesprochen schön. Obwohl wir keine besonders ausgefallenen Sichtungen hatten, ist uns der Besuch im ehemaligen Mamili-Park in sehr guter Erinnerung geblieben, und wir sind froh, diesmal nicht nur daran vorbeigefahren zu sein.
Kilometer: 106
Teil 6604. Apr. 2017
Tag 37 – Samstag, 13. August 2016 – Geschichtsstunde
Auch an diesem Morgen wurden wir von unzähligen Vogelstimmen geweckt. Es war ein bisschen kühler geworden, aber gut auszuhalten. Uwe stand zuerst auf und befeuerte den Kelly-Wasserkocher. Wir frühstückten Müsli mit Joghurt und aßen Brötchen mit Nutella-Ersatz 🤢 und Marmelade. Der Camp-Besitzer Adolf Waidelich kam vorbei, und wir unterhielten uns sehr nett. Er ist ein älterer Herr, der sein halbes Leben in Afrika verbracht und dementsprechend viel erlebt hat. Seit vielen Jahren ist er ein großer Fan von David Livingstone und betreut auch das – allerdings nur räumlich gesehen – winzige Livingstone Museum. Wir verabredeten uns für eine kleine Führung. Während wir spülten und unsere Sachen zusammenpackten, sah Ruth weit entfernt auf der Ebene eine Tüpfelhyäne rennen. Außerdem flog ein Geier in die gleiche Richtung. Für uns war das ein sicheres Zeichen dafür, dass es dort etwas Interessantes zu sehen gab. Also beeilten wir uns und fuhren in diese Richtung, fanden aber leider weder die Hyäne noch etwas anderes. Hinter der schmalen Brücke über den Linyanti war ein Stand, an dem Holzschnitzereien verkauft wurden.
Wir hielten und fragen den Verkäufer nach dem Weg zum Museum. Dann suchten wir uns eine schöne Holzschale aus und verhandelten ein wenig. Der Verkäufer fragte nach alten Schuhen, und Uwe schenkte ihm seine alten Caterpillar-Schuhe, die er schon viele Jahre in Afrika getragen, aber seit einiger Zeit schon nicht mehr benutzt hatte.
Beim Museum wartete Adolf schon auf uns.
Er führte uns in den kleinen Raum, in dem große, handgemalte, wunderschöne Karten an der Wand hingen. Mit so etwas hatten wir nicht gerechnet und waren erst einmal sprachlos.
Allein die Karten waren schon beeindruckend. Aber Adolfs Geschichtsstunde, die er über die spannende Lebensgeschichte von David Livingstone aus dem Ärmel schüttelte, war der Oberknaller. Schnell war klar, dass wir hier an jemanden geraten waren, der voller Leidenschaft sehr anschaulich und ausführlich bis ins letzte Detail sein Interesse so vermitteln konnte, dass wir gespannt an seinen Lippen hingen und begeistert jede Information aufnahmen. Es war nicht eine Sekunde langweilig. Wir erfuhren, dass Livingstone etwa neun Monate an diesem Ort verbracht hatte, verfolgten verschiedene Reisen und vollzogen seine Bemühungen nach, die Menschen zu missionieren. Wir bekamen Informationen zu seiner Familie, seinen Ideen und seinem Tod. Adolf war ein fantastischer Erzähler, und es war ebenfalls interessant zu erfahren, unter welchen Umständen und mit welch großen Anstrengungen er an sein umfassendes Wissen und seine beeindruckende Sammlung gelangt ist. So unterhielten wir uns nach dem Vortrag im Museum noch lange mit ihm. Adolf engagiert sich nicht nur für das Camp, den Nationalpark und das Museum, sondern auch für die lokale Bevölkerung. Sein aktuelles Projekt sind kleine Gewächshäuser, in denen die Dortbewohner selbst Gemüse anbauen können, ohne dass es von Tieren angefressen wird. Wir waren von allem sehr beeindruckt und machten uns voller neuer Eindrücke deutlich später als geplant auf den Weg. Die Begegnung mit Adolf Waidelich und sein geschichtlicher Vortrag bleiben uns im Nachhinein als eines der eindrücklichsten Erlebnisse im Gedächtnis. Wir wundern uns, dass wir bisher von diesem Geheimtipp noch gar nichts gehört hatten. Er ist wohl tatsächlich noch sehr geheim. Auch Adolf selbst machte kein großes Aufsehen um seine Führung. In nicht viel mehr als einem Nebensatz hatte er am Vortag erwähnt, dass wir ja mal vorbeischauen könnten. Welch ein Glück, dass wir uns diese Zeit genommen hatten, denn sonst hätten wir hier einiges verpasst. Vorbei an einer Elefantenherde ging es zurück zur Teerstraße Richtung Kongola. Heute stand nur eine kurze Etappe auf dem Programm. Bei Kongola bogen wir nach Westen ab und erreichten hinter der Brücke über den Kwando den Abzweig zum Nambwa Camp. Beim neuen Park Office bezahlten wir die Gebühr für den Bwabwata Nationalpark. Dann fuhren wir nach Süden parallel zum Fluss. Wir nahmen ein paar Umwege, um immer möglichst nah am Wasser zu fahren. Wir sahen Marabus, Reiher und viele Geier aufsteigen. Ein Waran kletterte an einem Baum hoch. Auf einem Ast über dem Wasser saß ein Giant Kingfisher. Letschwes lagen im Gras.
Marabu
Rotschnabeldrossel
Meckergrasmücke
Wir erreichten das Nambwa Camp, das wir seit dem Bau der Lodge noch nicht besucht hatten. Die Einfahrt zur Campsite befindet sich nun am Ende der Insel. Zunächst war die Rezeption nicht besetzt, und wir liefen ein wenig planlos umher. Dann stellten wir uns einfach auf die freie Nummer 1. Als ein Angestellter kam und die Reservierungen durchsah, stellte sich heraus, dass wir genau den richtigen Stellplatz ausgesucht hatten. Dieser liegt ganz am Rand des Geländes direkt am Fluss unter einem hohen Baum. Es ist ein Jackalberry-Tree, an dessen Stamm eine Feige hochgewachsen ist. Die beiden Bäume sehen sehr eindrucksvoll aus. Wir machten Picknick mit Obadzda, Gurken, Schinken, Möhren und Frischkäse. Wir genossen die Ruhe und ließen es uns schmecken.
Teil 6704. Apr. 2017
Nachdem wir noch ein paar Vögeln hinterher gepirscht waren, brachen wir zu einem nachmittäglichen Gamedrive auf.
Senegal-Amarant
Schneeballwürger
Hartlaub's babbler
Rotscheitel-Cistensänger (rattling cisticola)
Eigentlich wollten wir bis zum Horseshoe fahren, aber wir kamen nicht weit. Immer wieder kreuzten große Elefantenherden unseren Weg, und wir mussten abwarten oder ein wenig zurückfahren. Schließlich ging es überhaupt nicht mehr weiter, denn mehrere Herden blockierten die Fahrspur. Hatte sich ein Elefant ein wenig zur Seite bewegt, rückte sofort der nächste nach. Es war ein Kommen und Gehen, und der Strom an Dickhäutern riss einfach nicht ab. Es waren mehrere große Herden, zusammen bestimmt über zweihundert Tiere. Fasziniert beobachteten wir das Gewusel und drehten wieder um, als uns einige Tiere zu nah kamen.
Kurz vor Sonnenuntergang hielten wir an einem Busch und fotografierten Vögel.
Trauerdrongo
Auf der Campsite klappten wir das Zelt auf und gingen duschen. Anschließend machten wir zwar ein Feuer, aber auf Abendessen hatten wir gar keinen Hunger. Also verschoben wir die Pizza auf morgen und sahen nur so noch ein wenig in die Flammen. Unmittelbar neben dem Stellplatz raschelte es im hohen Gras. Was hatte sich da denn unbemerkt angeschlichen? Immer wieder leuchteten wir mit der Taschenlampe. Den Geräuschen nach zu urteilen tippten wir auf ein kleines Tier. Ruth lief dem Klopfgeräusch ein wenig hinterher, traute sich im Dunkeln aber auch nicht, weiter im teils hüfthohen Gras umher zu laufen. Mit dem ausgefahrenen Einbeinstativ teilte sie die hohen Grashalme an der Stelle, an der sie den Klopfer vermutete und sah – nichts. Es war zum verrückt werden. Das Tierchen saß keine zwei Meter von uns entfernt und raschelte und klopfte, aber wir konnten in den dichten Halmen rein gar nichts erkennen. Obwohl Ruths Ehrgeiz herauszufinden, um was es sich hier handelte, geweckt war, gab sie nach zig erfolglosen Versuchen schließlich auf. Wir entschieden uns schlussendlich einfach dafür, dass uns wohl eine Buschratte so lange an der Nase herumgeführt hatte. Im Fluss grunzten Hippos, und eines schnaufte und platschte in unmittelbarer Nähe. Als es kühler wurde, gingen wir ins Zelt.
Kilometer: 114
Teil 6812. Apr. 2017
Tag 38 – Sonntag, 14. August 2016 – Ein letzter Tag am Wasser
Nambwa Campsite – Shametu River Lodge, Divundu
Die Nacht in Nambwa war ruhig. Wir standen auf, als es dämmerte und packten rasch zusammen.
Das Frühstück verschoben wir auf später. Im Gegensatz zu gestern Abend sahen wir keinen einzigen Elefanten auf unserem Weg zum Horseshoe. Das großeElefantentreffen würde heute wohl an einem anderen Ort oder zu einem anderen Zeitpunkt abgehalten werden. Wie hielten kurz für einen Sunbird und einen Schreiseeadler.
Weißbauch-Nektarvogel
Schreiseeadler
Auf unserer weiteren Runde entdeckten wir Impalas, Kudus und eine große Horde Paviane. Einer hatte wohl einen Leckstein gefunden. Andere lausten sich, und die kleinsten zankten wie üblich.
Weidelandpieper (African Pipit)
Etwas südlich sahen wir einen einzelnen Büffel, der ein wenig hinkte. Auch der weitere Weg führte immer wieder am Wasser entlang, und so blieb die Aussicht wunderschön. Als der Fluss etwas breiter wurde, sahen wir das Boot von Dan aus dem Mavunje-Camp auf uns zufahren. Er war wohl auch mit ein paar Gästen unterwegs, und wir erinnerten uns an den spannenden, gemeinsamen Trip mit ihm vor zwei Jahren. Neben den üblichen Vögeln sahen wir einen einzelnen Karminspint, über den wir uns besonders freuten. Leider flog er weg, bevor wir ein Foto machen konnten. Unter einem großen Baum lag der Kadaver eines toten Baby-Elefanten. Er lag sicherlich noch nicht lange da, denn er sah recht unversehrt aus. Schwer zu sagen, woran er gestorben war. Nachdem wir aufgrund der Trockenheit dieses Mal viel weiter nach Süden gefahren waren als in der Vergangenheit, beschlossen wir, auch noch die letzten Kilometer bis zur Südgrenze des Bwabwata-Parks zu fahren. So erreichten wir die botswanische Grenze, die lediglich aus zwei wenig ansprechenden, rostigen Schildern bestand.
Als wir parallel noch ein paar Meter weiter fuhren, entdeckten wir eine riesige Büffelherde. Sie bestand aus sicherlich 200 Tieren, die jedoch sehr scheu waren. Plötzlich preschten sie los und hinterließen eine riesige Staubwolke. So sehr wir auch schauten, konnten wir nicht erkennen, was die Büffel so erschreckt hatte.
Auf dem gleichen Weg fuhren wir wieder zurück und sahen noch ein paar Zebras, die ebenfalls im Galopp davonrannten, sobald sie uns erblickten. Wir fragten uns, ob die Tiere so scheu waren, weil hier gejagt oder gewildert wurde.
Teil 6912. Apr. 2017
Gegen elf Uhr kamen wir wieder bei Nambwa an. Wir stellten uns kurz auf unsere Campsite und machten ein spätes Frühstück. Mit Müsli, Brötchen und Möhren mit Senfkäse bekamen wir endlich etwas in die knurrenden Mägen. Dann brachen wir auf und fuhren auf dem Main-Track Richtung B8. Uns kam ein Fahrzeug mit einem älteren Pärchen entgegen. Wir unterhielten uns kurz. Die beiden kamen aus Neuseeland und waren von Johannisburg gestartet und schon seit drei Monaten unterwegs. Sie hatten bereits die Serengeti besucht und keine Eile, da sie beide Rentner sind. Beneidenswert! An der Hauptstraße pumpten wir mal wieder Luft in die Reifen und fuhren dann weiter nach Westen. Bis Divundu waren es zwar nur 190 Kilometer. Obwohl wir oft viel längere Etappen gefahren waren, kam es uns heute sehr anstrengend vor. Vielleicht lag es an der Hitze von über 30 Grad oder daran, dass wir bereits den ganzen Vormittag durchs Gelände gefahren waren. In Divundu brauchten wir dringend einen Geldautomaten, da unsere Barreserven völlig aufgebraucht waren. An der Tankstelle an der Hauptstraße gab es einen kleinen Supermarkt. Der ATM darin war jedoch außer Betrieb. Wir bekamen den Tipp, dass es bei einem Laden um die Ecke einen weiteren Automaten gebe. Dort standen sogar zwei Geldautomaten von verschiedenen Banken. Beide waren jedoch komplett ausgeschaltet. Die Schnitzeljagd ging weiter. Um die Ecke sollte noch ein Automat stehen. Tatsächlich, dort war ein kleines Standgerät, das sogar funktionierte. Uwe wollte es gar nicht glauben und hob zunächst einen kleinen Betrag ab. Als die Scheine im Ausgabefach lagen, holte er noch ein bisschen mehr. Nun kauften wir im Supermarkt ein paar Getränke und fuhren die letzten Kilometer zur Shametu River Lodge. Wir hatten im Namibia-Forum einen Hinweis auf die Campsite gelesen (danke an CuF) und wurden nicht enttäuscht. Wir bekamen eine luxuriöse Privat-Campsite mit eigenem Dusch- und Toilettenhaus, einer offenen Küche mit Spüle und Stromanschluss, zwei Feuerstellen und Rasen. Dazu gab es eine Vogeltränke. Die Chalets der Lodge wurden gerade erst gebaut, ein paar sind noch nicht ganz fertig. Das Hauptgebäude alleine ist so schön, dass wir aus dem Staunen nicht mehr heraus kamen. Das tollste ist jedoch die Lage der Lodge unmittelbar am Okavango mit Blick auf die Popa Rapids. Es gibt ein paar Chalets, die nicht nur einen Blick auf den Fluss haben, sondern sich auf einem Deck auf Stelzen über dem Wasser befinden. Wir entspannten im Schatten auf unserer Campsite und wurden von tollen Vögeln besucht. Ein gelber Brillenvogel, Firefinches und ein besonderer Robin waren dabei. Ruth kam mit dem Bestimmen und Ankreuzen in ihrem Vogelbuch kaum hinterher.
Senegalamarant
Weißbrauen-Heckensänger
Gelbbauchbülbül
Zum Sonnenuntergang gingen wir zur Aussichtsplattform über dem Fluss und erlebten einen fantastischen Sonnenuntergang. Als i-Tüpfelchen flogen noch ein paar Skimmer in Formation über das Wasser. Das Licht war unbeschreiblich stimmungsvoll.
Zum Abendessen machten wir Pizza im Potije. Wir hatten ein bisschen Mühe, das Holz aus Katima zum Brennen zu bekommen. Aber am Ende gab es mehr als genügend Glut für zwei Pizzen, die wieder mal gut gelangen. Nach dem Essen besuchte uns eine schwarze Katze, die sofort mit Ruth Freundschaft schloss. Obwohl die Temperatur noch 16 Grad war, fröstelte es uns, und wir kletterten ins Bett.
Kilometer: 256
Teil 7023. Apr. 2017
Tag 39 – Montag, 15. August 2016 – Ausflug in den Mahango
Shametu River Lodge, Divundu – Camp Maori, Grootfontein
Auch am Morgen hörten wir das Rauschen der nahen Popa Stromschnellen und freuten uns über die tolle Campsite.
Wir standen erst nach Sonnenaufgang auf und hatten es nicht eilig. Uwe aß eine Schale Müsli, die schwarze Katze vom Abend war verschwunden. Das war vielleicht auch ganz gut so, denn sonst hätte Ruth ernsthaft erwogen, sie mitzunehmen. Wie wir erfuhren, gehörte sie nämlich nicht zur Lodge, sondern war ein Streuner. Als wir alles zusammengepackt hatten, bezahlten wir unsere Rechnung. Hier werden wir bestimmt nicht zum letzten Mal gewesen sein, denn die Shametu Lodge ist nicht nur toll gelegen, hat wunderschöne Chalets, eine klasse Aussicht am Fluss und komfortable Campsites, sondern auch eine supernette Besitzerin. Wir unterhielten uns noch ein wenig mit ihr, besuchten vor unserer Abreise schnell noch einmal Arielle, die kleine Schleiereule, die oben im Gebälk des Haupthauses saß und machten uns dann auf den Weg. Die wenigen Kilometer zum Mahango Nationalpark waren schnell zurückgelegt und der Eintritt bezahlt. Als wir nach den Tieren fragten, die wir im Park sehen könnten, schlief die Angestellte bei der Aufzählung fast ein. Nun gut, dann würden wir eben selbst gucken müssen. Auf einer guten Schotterpiste fuhren wir durch den Park. Ein paar Büffel kreuzten unseren Weg und schauten uns grimmig an.
Bald gelangten wir an den Okavango und sahen wieder zahlreiche Wasservögel. Die Straße verlief etwas erhöht immer wieder über große Betonrohre, durch welche ein paar Schwalben in halsbrecherischem Tempo hindurchjagten. Sie kreuzten den Weg vor und hinter unserem Auto, und wir beobachteten ihre Flugkünste eine ganze Weile.
Rotbauchschwalbe
Klunkerkraniche
Hartlaubdrossling
An der Picknicksite machten wir Pause, aßen Brötchen und spazierten ein bisschen umher.
Weiblicher Nektarvogel (Marico?)
Kleiner Monarch
Auf dem Rückweg blieben wir am großen Baobab stehen und schauten wieder über den Fluss. Zwei Hippos kämpften spielerisch miteinander, rissen ihr Maul auf und tauchten sich gegenseitig unter.
Wir sahen noch ein paar Pferdeantilopen, die aber sofort wegliefen und eine dünne Schlange, die auf der Straße lag. Aber auch sie war verschwunden, sobald wir angehalten hatten. Da es schon Mittag war, fuhren wir schnell wieder nach Norden. Kurz vor der Parkgrenze sahen wir eine große Herde Rappenantilopen und danach einige Pferdeantilopen, die mit ein paar Zebras unterwegs waren.
Teil 7123. Apr. 2017
Vorbei an Divundu fuhren wir weiter nach Westen, bis wir Rundu erreichten. Der Weg dorthin zog sich wieder endlos.
Wir tankten voll, was sehr lange dauerte, da der gute Diesel nur langsam bzw. mit viel Schaum in den Tank floss. Eigentlich hatten wir unseren Hunger im Wimpy Schnellimbiss bekämpfen wollen, aber leider hatte dieser geschlossen. So fuhren wir hungrig weiter. Die letzten 250 Kilometer bis Grootfontein legten wir gewohnt zügig zurück. An der Veterinär- und Polizeikontrolle freute sich der Beamte über unsere Gummi-Schlangen auf dem Armaturenbrett. Diese kleinen Spielzeugtiere erzeugen immer wieder Aufmerksam- und dann Heiterkeit bei Kontrollen. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichten wir das Camp Maori. Peter war gerade in seinem Souvenirladen und verkaufte Fleisch an andere Camper. Wir schlossen uns an und kauften zwei dünne Gnu-Steaks. Wie immer verquatschten wir uns anschließend mit Peter und Conny und kamen gerade noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang, den wir vom Turm aus sahen.
Dieser war jedoch sehr mäßig. Erst eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang fing der Himmel an, orange-rot zu leuchten.
Wir machten Feuer, duschten und bereiteten das Abendessen zu. Im Potije kochten wir Möhren- und Butternut-Gemüse mit Knoblauch. Vom Grill gab es die Gnu-Steaks und Brote, die wir mit Knoblauchbutter aßen. Es war ein superleckeres und würdiges Abendessen für unseren letzten Campingabend in diesem Urlaub. Wir saßen noch ein wenig am Feuer, dann stiegen wir ins Zelt.
Kilometer: 517
Teil 7201. Mai 2017
Tag 40 – Dienstag, 16. August 2016 – Der Kreis schließt sich
Camp Maori, Grootfontein – Casa Piccolo, Windhoek
Der Morgen in Grootfontein war ein bisschen windig, aber warm. Wir standen recht früh auf und frühstückten. Uwe sammelte ein paar Stöckchen, um die Kelly zu befeuern. Hinsichtlich unserer Vorräte legten wir dieses Jahr eine Punktlandung hin. Fast alles war nahezu aufgebraucht. Wir packten bereits unsere Schlafsäcke ein, damit wir das Zelt in Windhoek nicht mehr aufklappen müssen.
Wir bezahlten bei Peter und Conny unsere Rechnung und unterhielten uns noch einige Zeit. Wie immer dauerte es sehr lange, bis wir uns losreißen konnten. Peter führte uns ein wenig über das Grundstück. Bei den Kumquat-Büschen durften wir uns eine Tüte der leckeren Früchte pflücken. Die Orangen-Bäume dufteten stark. Das Windrad förderte Wasser in einen riesigen Tank, in dem ein Frosch schwamm. An einer anderen Stelle im Garten hatte ein weiterer Frosch gelaicht. Aus einem Räucherofen gab uns Peter eine geräucherte Mettwurst zum Probieren. In Gehegen liefen Gänse hin und her. Wir fühlten uns wie immer total wohl bei den beiden und wären gerne noch länger geblieben. Aber leider hatten wir mal wieder zu wenig Zeit. Auf der Teerstraße Richtung Otavi war nicht viel Verkehr. Auf dem nächsten Stück bis Otijwarongo war ebenfalls noch nicht viel los. Im Zentrum hielten wir am Einkaufszentrum, wo unser Auto bewacht stehen konnte. Wir holten Geld und aßen im Wimpy einen Burger mit Pommes. Anschließend kauften wir im Spar noch ein paar Brownies und eine Zeitung. Der Laden gefiel uns sehr gut, alles war ordentlich, sauber und sehr appetitlich angerichtet. So gerne hätten wir hier einen Großeinkauf für ein paar weitere Wochen in Namibia gemacht. Pläne für neue Ziele wären uns sofort eingefallen. Aber so mussten wir leider einfach weiterfahren. Erst zurück in Deutschland lasen wir hier im Forum, dass man vor diesem Supermarkt besser nicht länger stehen bleibt, da es dort schon wiederholt zu Autoaufbrüchen und Diebstählen gekommen sei. Na, das wäre noch was gewesen! Je näher wir Windhoek kamen, desto mehr Autos und Lastwagen waren unterwegs. Letztere zu überholen, war oft eine Herausforderung, da es natürlich auch viel Gegenverkehr gab. Die Baustelle nördlich der Hauptstadt scheint kein Ende zu nehmen, und entlang der Baustelle standen in unterschiedlichen Abständen die von uns so getauften Winkemännchen – Angestellte, die neben der Fahrbahn stehen und mit roten Fahnen winken. Das machen sie vermutlich, um anzuzeigen, dass man vorsichtig fahren soll.
Wir erreichten Windhoek gegen drei Uhr nachmittags, holten bei Savanna unsere Kiste und brachten die schmutzigen Handtücher, die wir hier lassen wollen, in die Wäscherei. Dann fuhren wir zur Pension. Das Ausräumen des Autos ging schneller als sonst. Im Zimmer sah es aber wie immer sehr wüst aus. Stück für Stück sortierten wir alle Sachen und füllten nach und nach die Ausrüstungskiste. Dann begannen wir, die Reisetaschen zu packen. Als das meiste verstaut war, setzten wir uns noch ein wenig in den Hof und genossen die letzten Sonnenstrahlen. Nachdem wir geduscht hatten, gingen wir zu Claudia an die Rezeption und unterhielten uns kurz. Sie bestellte uns noch ein Taxi, das uns zum Restaurant „Am Weinberg“ brachte, welches ja nun ins Craft Center ausgegliedert wurde. Wir unterhielten uns mit dem Fahrer darüber, dass sein Tank nahezu leer war. Die Anzeige zeigte noch 40 verbleibende Kilometer. Er sagte, dass er sich darauf verlassen könne und es auch schon ausprobiert habe. Selbst wenn die Anzeige auf Null stehe, könne man noch zwei Kilometer fahren. Dann sei allerdings Schluss. Zum Abendessen teilten wir uns als Vorspeise einen Salat aus verschiedenen Früchten, Blauschimmelkäse und grünem Salat. Diese Mischung war sehr lecker. Dann aßen wir Rinderfilet und Oryx-Steak. Zum Nachtisch teilten wir uns ein Trio aus Mousse au Chocolat, Crème brûlée und Erdbeereis. Dazu gab es leckeren Wein. Pappsatt ließen wir uns wieder von einem Taxi zur Pension fahren. Diesmal war es ein anderer Fahrer mit einem anderen Wagen. Auch hier leuchtete die Tankanzeige, und die Nadel war bereits am Anschlag. Auf Nachfrage meinte er, das ginge schon. Ob wir das Geld passend hätten. Falls nicht, würde er an der nächsten Tankstelle anhalten und wechseln. Anstelle dort auch gleich ein paar Liter Treibstoff nachzufüllen, um nicht auf den nächsten Metern stehen zu bleiben, hielt er mit laufendem Motor und ging unseren Geldschein wechseln. Er war sich wohl sicher, dass wir mit diesem Auto eh nicht weit kommen würden, wenn wir einfach damit davon führen. Nachdem er an der zweiten Tankstelle endlich das Geld gewechselt hatte, kamen wir nach einer zügigen Fahrt unversehrt beim Casa Piccolo an.
Kilometer: 470
Teil 7301. Mai 2017
Tag 41 – Mittwoch, 17. August 2016 – Auf Wiedersehen
An unserem letzten Tag in Afrika standen wir nicht allzu spät auf, duschten und packten die restlichen Sachen in die Reisetaschen. Es gab noch eine unangenehme Aufgabe: Wir hatten während der Reise ein kleines Plastikschälchen verwendet, um gehackten Knoblauch zu transportieren. Leider war das Töpfchen nur zu 99,9 Prozent dicht gewesen, so dass bereits der Kühlschrank ordentlich nach Knoblauch roch. Das Gefäß selbst jedoch war unmöglich von dem Duft zu befreien. Wir versuchten es mit mehreren Spülgängen, aber schließlich entschieden wir uns für die Entsorgung. Hätten wir es wie geplant in unsere Ausrüstungskiste gepackt, wäre das Ergebnis allzu vorhersehbar gewesen. Wir frühstückten in der Pension mit Spiegel- und Rührei und ziemlich starkem Kaffee. Dann wuchteten wir die nun fast volle und schwere Kiste ins Auto, deponierten die Taschen in der Pension und gaben Claudia unsere restlichen Vorräte für ihre Angestellten. Bei der Wäscherei hatten wir den Laden noch nicht betreten, als auch schon der Sack mit unserer sauberen, gefalteten Wäsche auf dem Tresen stand. Kein Vergleich mit dem schlechten Service vom letzten Jahr. In der Innenstadt parkten wir im Hof des Craft Centers und bummelten ein wenig. Wir erstanden Tischsets und Mitbringsel für Freunde. Anschließend spazierten wir noch ein paar Querstraßen an der Independence Avenue entlang. Es war aber so heiß in der Sonne, und wir waren nicht mehr in großer Shoppinglaune, so dass wir bald wieder umkehrten und uns ins Craft Cafe setzten. Ruth bekam die traditionelle Spinat-Feta-Quiche und Uwe den Apple-Crumble mit Milchkaffee. Irgendwie waren wir total k.o. Am frühen Nachmittag fuhren wir wieder zur Pension und ruhten uns ein wenig im Innenhof aus. Dabei unterhielten wir uns mit Tanja und Peter aus Österreich, die ebenfalls heute zurückflogen. Sie hatten ihre erste Namibia-Reise beendet. Schließlich verschenkten wir unsere letzten Muffins an ein paar Kinder, luden die Taschen ins Auto und fuhren zu Savanna. Die Autorückgabe verlief schnell und unkompliziert wie immer. Dieses Jahr brachte uns ein anderer Fahrer zum Flughafen.
Zusammen mit Tanja und Peter standen wir lange in der Schlange zum Check-In, bevor es losging. Beim Ausreise-Prozedere machten wir der Beamtin ein Kompliment zu ihrer Kleidung. Sie trug eine Kombination aus Schwarz und Gelb, die Ruth besonders gut gefiel. 😉 Wir luden Tanja und Peter in die Lounge ein und setzten uns in das Sammelsurium an hässlichen Couchmöbeln. Es gab leckere Frühlingsrollen und belegte Brote, dazu kalte Getränke. Wir unterhielten uns nett. Bald stimmte noch ein weiteres Paar von der Nachbarcouch in das Gespräch ein, und so wurde es eine kurzweilige Zeit. Als wir zum Boarding gerufen wurden, standen lange Schlangen an den Schaltern. So quatschten wir einfach immer weiter und gingen erst ziemlich zum Schluss auf das Rollfeld und zur Maschine. Nach dem Einsteigen fanden wir unsere Plätze in Reihe sieben bereits belegt. Wir waren uns sicher, dass die Leute sich vertan hatten und fragten nach. Aber sie hatten ebenfalls Bordkarten für genau diese Plätze. Ach du Schande! Nicht, dass wir jetzt noch Probleme mit dem Rückflug bekommen sollten. Also fragten wir bei den Stewards nach, die sich um die Überbuchung kümmerten. Plötzlich gaben sie uns Bordkarten für Reihe fünf. Was für eine angenehme Überraschung, denn diese Sitze gehören zur Business-Class. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Zu den bequemen Liegesesseln gehörte dann auch noch ein dreigängiges Abendessen mit Wein aus Gläsern, weißem Tischtuch und tollem Service. Womit hatten wir das nur verdient? Wir hoben vom namibischen Boden ab und genossen den entspannten Abend im Flugzeug. So darf ein Urlaub gerne zu Ende gehen.
Teil 7401. Mai 2017
Tag 42 – Donnerstag, 18. August 2016 – Ende
Nach einer der angenehmsten Nächte, die wir je an Bord eines Flugzeugs verbracht hatten, ging über dem Mittelmeer die Sonne auf.
Ausgeruht stellten wir die Sitze wieder in aufrechte Position und bekamen von unserem Steward Herbert ein leckeres Frühstück. Er verbreitete durch seine Art, mit den Leuten umzugehen, unglaublich gute Laune. Wir ließen uns das warme und kalte Frühstück schmecken und landeten pünktlich in Frankfurt. Uwes Eltern warteten schon und brachten uns nach Hause.
Nun ist dieser Reisebericht zu Ende. Wunderschöne Wochen mit vielen Erlebnissen liegen hinter uns. Pannen gab es keine. Den abgebrochenen Türgriff am Buschcamper zu Beginn kann man nicht als solche zählen. Wir sind stolz auf die vielen Vögel, die wir entdecken konnten. Mit einigem Sichtungsglück gelang es uns, dieses Mal 216 verschiedene Arten zu bestimmen. Obwohl der KTP zu unseren Lieblingsparks zählt, war es uns im Juli 2016 dort zu kalt. Daher lassen wir ihn beim nächsten Mal aus. Ein weiteres Fazit dieser Reise brauchen wir gar nicht zu ziehen – es würde ohnehin wie jedes Mal ausfallen: Das südliche Afrika begeistert uns nach wie vor und bleibt unser großes Hobby. Die Planung der nächsten Reise ist schon lange in trockenen Tüchern. Wir werden die meiste Zeit mit Freunden in Namibia und Botswana unterwegs sein. Die ein oder der andere Fomi ist auch dabei.
Wir bedanken uns bei euch für eure Begleitung, für die vielen tollen Rückmeldungen und auch für eure Geduld. Es macht uns immer Spaß, in dieser großen Runde Afrika-Begeisterter noch einmal zu reisen.
Liebe Grüße die Eulenmuckels
P. S. Zum Abschluss gibt es noch ein Leckerli. Wir haben in einigen Nächten zahlreiche Sternenaufnahmen gemacht, um daraus Zeitraffer-Filme zu erzeugen. Hier sind nun die gesammelten Werke unserer Aufnahmen von 2016 (mit Ausnahme einer Sequenz von 2014). Wir haben sie geschnitten und mit Musik hinterlegt. Das Filmchen dauert dreieinhalb Minuten. Unser Vorschlag zum Angucken: Wartet, bis es dunkel ist, stellt ein Glas Rotwein bereit und schaut den Film mit Ton und in HD im Vollbild-Modus, evtl. auch zweimal. 😉 Wir wünschen euch viel Spaß und Fernweh.