von H.Badger · Jan. – Feb. 2016 · 26 Tage · Selbstfahrer · 34 Teile
Über diesen Reisebericht
Im Januar und Februar 2016 sind wir zu viert unterwegs – mit unseren beiden kleinen Kindern zum ersten Mal auf einer gemeinsamen Afrikareise. Mit einem gemieteten VW-Bus fahren wir selbst durch den Kgalagadi Transfrontier Park, wo uns die Katzenvielfalt überrascht: Wir beobachten Löwenrudel bei Tag und nachts im Schein von Taschenlampen am Wasserloch, sehen Geparden beim Fressen und Ausruhen, mehrfach Afrikanische Wildkatzen und schließlich einen Leoparden, der vor unseren Augen drei Wildkatzen aus einem Baum jagt und eine erwischt.
Von der Kalahari aus schlagen wir einen Bogen über den Fish River Canyon und die Augrabiesfälle, bevor wir im Pilanesberg-Nationalpark noch ein Rudel Wildhunde erleben – ein Zufall, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Elefantenherden, die uns dort auf wenige Meter umringen, gehören zu den intensivsten Tiermomenten der Reise. Die Hitze fordert uns immer wieder heraus, am meisten in den schwülen, stromlosen Nächten im klimaanlagenlosen Rastlager Nossob: Für uns Erwachsene wird das zum Albtraum, die Kinder überstehen es besser als befürchtet.
Nach der Safari verlängern wir noch eine Woche auf Mauritius mit Strand, Regenwald und Hindutempeln. Rückblickend ist der Kgalagadi für uns die größte Entdeckung dieser Reise und ein Ort, an den wir zurückkehren wollen.
Diese Zusammenfassung wurde automatisch erstellt und vom Autor freigegeben.
Teil 119. Apr. 2016
Hallo liebes Forum,
seit einigen Jahren bin ich hier stiller Mitleser und habe schon viele wunderbare Anregungen durch eure Reiseberichte bekommen, deren regelmäßige Lektüre die Arfrikasehnsucht zwischen den Besuchen etwas erträglicher macht. Wir waren im Februar 2016 zum siebten Mal im Subsaharaafrika unterwegs und dieses Mal das erste Mal mit unseren zwei kleinen Töchtern. Unsere Große ist schon ein alter Hase: Für sie war es der dritte Besuch im südlichen Afrika. Ich habe mich entschlossen dieses Mal einen Reisebericht zu verfassen, um mich einerseits für die vielen Eindrücke aus euren Berichten zu revanchieren und andererseits einen Blickwinkel zu eröffnen, der nicht so oft eingenommen wird, nämlich das Reisen in Nationalparks (und darüber hinaus) mit kleinen Kindern.
Meine Frau und ich haben im Februar einen gemeinsamen Elternzeitmonat gehabt und wollten gemeinsam mit unseren Töchtern - die große ist jetzt vier und die kleine war zum Zeitpunkt der Reise knapp unter einem Jahr alt - das südliche Afrika einmal in der Regenzeit erleben, denn vorher waren wir sommerferiengebundenheitsbedingt immer im Südwinter dort.
Als Route für unsere diesjährige Tour haben wir uns als Schwerpunkte den KTP als für uns neuen Nationalpark ausgesucht, haben dann eine kleine Schleife durch Südnamibia gedreht (Fishrivercanyon) und sind dann noch zu den Augrabiesfällen gefahren. Von Upington ging es dann per Flugzeug nach Johannesburg, um von dort aus noch einige Tage im Pilanesberg zu verbringen, den wir schon aus der Trockenzeit kannten und der uns landschaftlich sehr gefallen hat. Der Wunsch war, ihn einmal satt grün zu erleben - die vorherrschende Dürre stand uns da leider im Wege... Den Urlaub haben wir dann noch eine Woche auf Mauritius ausklingen lassen, damit die Kinder neben der Wüste auch etwas Wasser zu Gesicht bekamen...
Der genaue Ablauf gestaltete sich so: 28.1. Upington 29. und 30.1. KTP Twee Revieren 31.1. und 1.2.KTP Nossob 2.2.-4.2. KTP Mata Mata 5.2. Canyon Lodge 6.2. Ais Ais 7.2 und 9.2. Augrabies Falls 9.2. bis 12.2. Johannesburg und Pilanesberg 13.2. bis 21.2 Mauritius
Unterwegs waren wir die meiste Zeit mit einem VW-Bus, der in Sachen Platz und Funktionalität als Fotohide eine wunderbare Wahl war.
Ich würde mich freuen, wenn ihr uns noch einmal auf unserer Elternzeittour begleiten würdet!
Bald geht es los.
LG H.Badger
Teil 219. Apr. 2016
Jetzt geht es los.
Es ist Mittwoch, der 27.1.2016. Die letzten Tage haben wir fieberhaft damit verbracht, die Koffer für unsere Tour zu packen. Wer bereits einmal mit Kindern verreist ist, der weiß, dass dies einem halben Umzug gleichkommt. Am Dienstagabend sind drei Koffer fertig geschnürt. Einen teilen sich die Eltern, einen die Kinder und der dritte (und größte) beherbergt das Kinderzubehör bestehend vor allem aus Spielzeug und diversen Nahrungsmitteln. Zuvorderst die Mitnahme von tonnenweise Babybrei hat sich gelohnt, denn Südafrika ist keine Gläschenation wie Deutschland - auch in großen Supermärkten gibt es nur eine sehr beschränkte Auswahl und alles ist auch nicht immer "organic". Mittwochmittag wird dann der Fotorucksack nebst Objektivtasche geschultert, der Tagesrucksack aufgesetzt, unsere Kleine in ihr Tragetuch verfrachtet, die Große bei der Hand genommen und die Koffer mit den restlichen drei freibleibenden Händen gezogen. So geht es gemütlich zum Bahnhof und von dort aus in Richtung FRA.
Dass die Bahn Kinderabteile hat, entspannt die anstehende Fahrt sehr und so kommen wir ganz vergnügt am Flughafen an, wo wir die Koffer in Folien einwickeln lassen (was wir trotz ökologischer Bedenken tun, seit ein Koffer 2013 in Johannesburg geöffnet, durchwühlt und einige Inhalte gestohlen wurden) und ganz entspannt einchecken. Der Flug nach Johannesburg ist recht leer, sodass wir zu viert insgesamt zwei hintereinanderliegende Viererreihen besetzen dürfen. Das Fliegen mitten in der Woche hat so seine Vorteile gegenüber Wochenendflügen...
Der Flug selbst verläuft ruhig und unspektakulär. Die Große schläft auf ihrem Sitz fast durch und liebt das Fliegen sowieso. Die Kleine, deren erster Flug dies ist, trägt alles mit Fassung und bedient die Ängste der anderen Anwesenden nicht, dass jetzt die ganze Nacht durchgeschrieen wird.
Leider bekommen wir keine Babyschale mehr, was wir sicherheitstechnisch nachvollziehen können, sodass unsere kleine Tochter auf einem Elternschoß schlafen muss. Das macht sie auch ganz toll, das Elternteil, zu dem der Schoß gehört, hat jedoch wenig Zeit und Muße sich in Morpheus Arme zu begeben...
28.01.2016
In Johannesburg holen wir ein vorbestelltes Handy mit SIM ab, um auch im Busch gut erreichbar zu sein, was sich aber über weite Strecken als Fehlannahme erweisen wird.
Und dann geht es auch schon wieter via Airlink nach Upington. Auch diese kleine Maschine ist fast leer und so vergeht der kurze Flug wie, naja, wie im Fluge.
Wir überblicken die weiten der Kalahri und landen am kleinen und sehr gepflegten Flughafen der Stadt. Beschwingt geht es zum Bidvest-Schalter, um unseren VW-Bus zu übernehmen. Wir waren 2014 auch mit einem Bus in Südafrika unterwegs, damals leider in einem Ford. Der bot zwar auch jede Menge Platz, aber man konnte nur die Fahrer- und Beifahrerfenster öffnen - wer hinten saß, musste Löwen, Elfanten und Co. durch geschlossene Autoscheiben beobachten. 🙁 Der VW hat dieses Problem nicht und stellt sich als ein tolles Gefährt für uns vier heraus.
Nicht so leider die Kindersitze, die uns angeboten werden. Wir hatten, als wir nur mit einem Kind reisten, immer unseren Sitz aus Deutschland mitgebracht und dieses Mal darauf verzichtet (s.o.). Das stellt sich als ein Problem heraus, da wir - versicherungstechnisch nachzuvollziehen - die Sitze selbst montieren müssen, niemand jedoch weiß (uns eingeschlossen), wie dies funktioniert... Wir basteln also nach diesem langen Reisetag bei rund 38 Grad im Schatten eine knappe Stunde im stehenden Auto an den Sitzen herum. Die Kinder sind zum Glück geduldiger als wir und so hört man nur mich ab und an vor Verzweiflung schreien. Trotzdem sagt uns der Angestellte von Bidvest immer wieder, dass er unsere Gemütsruhe bewundere... Es gibt keine Anleitung und bei dem einen der Sitze fehlen auch einige Teile. Zum Glück gibt es am Flughafen Upington noch genau einen weiteren Kindersitz, den wir als Alternative probieren können. Wenn auch der defekt gewesen wäre, hätte das alles weitere verzögert...
Nach ewigem Gurtezerren sitzen die Sitze recht fest im Auto und die Kinder in den Sitzen. Und wir starten gen Upington...
Fortsetzung folgt (dann auch bald mit Fotos - nach der langen Reise war uns nicht danach, unseren Alltag fotographisch festzuhalten)
Teil 319. Apr. 2016
Fortsetzung 28.1.2016
Bis nach Upington sind es vom Flughafen aus nur wenige Kilometer. Wir steuern als erstes unsere Unterkunft an: die Le Must Residence, direkt am Ufer des Oranje gelegen. Nach dem Auspacken genießen wir den Garten des Gästehauses, der eine wunderschön grüne Oase in der Hitze des Tages darstellt. Wir machen ein kleines Picknick und die Kinder spielen im Gras und beobachten gespannt einen Frosch im Pool.
Nach dieser Mittagspause fahren wir zur Kalahari Mall und erledigen die nötigen Einkäufe, um die nächsten Tage als Selbstversorger im KTP gut zu überstehen. Ganz wüstenuntypisch essen wir in der Mall bei Ocean Basket, da wir das Sushi dieser Kette einfach unheimlich gern mögen. Und es sieht doch auch wirklich schmackhaft aus, oder?
Den Abend verbringen wir im Gästehaus, das übrigens sehr kinderfreundlich ist. Netterweise durften wir sowohl die Küche als auch den Speiseraum verwenden, um bspw. für unsere Kleine den Brei zu kochen.
Nach einer ruhigen Nacht geht es morgen los gen KTP und das Abenteuer beginnt. Was der erste Tag wohl bereithalten wird?
Teil 420. Apr. 2016
29.01.2016 Auf gehts in den KTP!
Nach einem gemütlichen und guten Frühstück starten wir gen Norden. Wir fahren auf der gut ausgebauten R360 durch eine schöne Dünenlandschaft, die schon Lust auf den Nationalpark macht. Die Kinder sind fröhlich, auch die Kleine sitzt ganz gern in ihrem Sitz, da sie - anders als in unserem Auto zuhause - nach vorne schaut und nicht nur die Rücksitzlehne anstarren muss. Dies spielt uns für die nächsten Tage zum Glück in die Karten.
Am späten Vormittag erreichen wir das Gate bei Twee Rivieren.
Wir erledigen die Einreiseformalitäten und verlängern unsere WildCard, denn der Eintritt beträgt derzeit 280 Rand pro Person und Tag. Da lohnt sich bei unserer Aufenthaltsdauer die internationale Familienflatrate, zumal wir ja auch noch zu den Augrabiesfällen fahren. Das ganze Prozedere dauert am südafrikanischen und namibischen Grenzposten eine halbe Stunde, die wir voller Vorfreude hinter uns bringen.
Der nächste Stopp ist das angrenzende Rastlager, in dem wir unsere Hütte beziehen. Sie besteht aus einem Vorraum mit Küche, in dem auch zwei Betten stehen und einem Schlaf- bzw. Esszimmer mit zwei weiteren Betten. Daneben noch zwei kleine Räume mit Dusche und WC. Alles recht zweckmäßig, aber völlig in Ordnung. Die Hütte hat eine Klimaanlage und der Strom wird nachts nicht abgestellt. Ein Fakt, den wir erst nach unserer ersten Nacht in Nossob so wirklich zu schätzen wissen werden... Wir tragen eines der Betten aus dem Vorraum ins Schlafzimmer, sodass wir alle gemeinsam in einem Zimmer schlafen können. Das stellt sich am Abend als gute Idee heraus...
Nach einer kurzen Mittagsrast und einem Erkundungsgang durch das Camp lassen wir an der Tankstelle den Reifendruck verringern und fahren auf einen ersten Gamedrive, wohlwissend, dass es eigentlich noch viel zu heiß ist. Aber wir sind schon so neugierig auf die Landschaft und ihre Bewohner.
Teil 520. Apr. 2016
Fortsetzung 29.01.2016
Wir entscheiden uns für die Straße in Richtung Nossob und fahren bis hinter Leeuwdril. Unterwegs haben wir erste Sichtungen.
Zuerst begrüßt uns dieser majestätische Raubadler.
Wenig später entdecken wir bei Samevloeiing ein im Schatten liegendes Löwenrudel. Bei der vorherrschenden Hitze wird sich hier nicht viel tun und wir fahren - auf den Abend hoffend - weiter. Wir sind sehr zufrieden: Keine fünfzehn Minuten im Park und schon die ersten Löwen!
Die weitere Fahrt zeigt uns viele Pantherschildkröten, einige Strauße, Oryxantilopen und riesige Siedelwebernester. Auch werden wir auf dieser Fahrt von Fotomatte auf die im Baum sitzenden Fleckenuhus aufmerksam gemacht. Danke nochmals! Dazu kommen noch Gnus mit Kälbern - da wir noch nie zu dieser Jahreszeit in der Region waren, ist Gnunachwuchs für uns ein Grund zum Freuen.
Teil 620. Apr. 2016
Fortsetzung 29.01.2016
Im schönsten Abendlicht sind wir zurück bei dem Löwenrudel, das sich jetzt ein wenig aktiver und viel fotogener zeigt. Wir stellen unseren Wagen ab und beobachten lange und versuchen dabei, auch die Kinder bei Laune zu halten, was nicht immer ganz unanstrengend ist...
Wir bleiben, bis die Sonne langsam verschwindet.
Dann fahren wir nach Twee Rivieren zurück. Wir essen im Restaurant zu Abend, das wenig Atmosphäre, aber ganz gutes Essen bietet und ziehen uns alsbald in unsere Hütte zurück. Wir haben Nachgäste: Ein Gecko jagt in der Küche und - wir hatten vorher schon davon gehört - zwei Fledermäuse kreisen über unseren Köpfen und lassen sich kurz im Schein des Kindernachtlichts erspähen. Dabei sind sie oft so sehr im Tiefflug, dass wir den Luftzug im Gesicht spüren können. Da ist es gut, dass die Kinder ganz nah bei ihren Eltern liegen können.
Teil 720. Apr. 2016
30.01.2016
Früh am Morgen zur Öffnung des Gates um 5.30 Uhr breche ich zu einer kurzen Pirschfahrt gen Nossobflussbett allein auf. Meine Frau bleibt mit den Kindern im Camp, da wir sie nach den Anstrengungen der letzten Tage nicht aus dem Tiefschlaf reißen wollen.
Unterwegs zeigen sich zwei Raubadler, die emsig im Flussbett herumlaufen und hüpfen. Sie befinden sich auf der morgendlichen Jagd.
Die weitere Fahrt führt zu Begegnungen mit einem Schabrackenschakal, Riesentrappen, einem leider sehr fotoscheuen Löffelhund und den Fleckenuhus von gestern. Auch das Löwenrudel ist immer noch am Platz und faulenzt bereits im Schatten.
Danach geht es zum Frühstück zurück ins Camp, um bald darauf gemeinsam ins Flusstal des Auob aufzubrechen.
Teil 821. Apr. 2016
Fortsetzung 30.01.2016
Nach dem Frühstück packt die ganze Familie zusammen, um gemeinsam auf die Pirsch zu fahren. Vorher werden aber noch die possierlichen Borstenhörnchen beobachtet, die ihren Bau direkt neben unserer Hütte haben. Wegen der Hitze lassen sich die Tiere nur in den frühen Morgenstunden blicken. Den Tag über ist das von Löchern übersähte Feld verwaist.
Dann geht die Fahrt ins Auob-Flusstal los. Landschaftlich ist es hier wunderschön: Sanfte rote Dünen mit Tupfern grüner Vegetation. Wildtechnisch ist aber ersteinmal sehr wenig los. Wir freuen uns nach einigen Kilometern über eine sich sonnende Ground Agama.
In der Nähe des Wasserlochs Monro liegt schließlich recht weit entfernt an der anderen Seite des Flussbetts eine Löwin im Schatten.
In der Umgebung von Kamfersboom sichten wir dann unser Vormittagshighlight - einen Geparden mit Springbockriss, der erst emsig frisst, um anschließend den Riss weiter in den Schatten zu tragen und über ihm auszuruhen.
Gemächlich treten wir nach ausgiebiger Beobachtung zufrieden die Rückfahrt an.
Teil 921. Apr. 2016
Fortsetzung 30.01.2016
Auf der Rückfahrt zeigen sich dann noch einige Tiere im Auob-Tal.
Sekretär
Gnukalb
Schabrackenschakal
Lannerfalke
In Twee Rivieren verbringen wir die Nachmittagshitze. Wir ruhen in der Hütte aus, kaufen einen Snack am Imbiss, an dem es diverses Fastfood gibt, das ganz gut essbar ist und meine Frau besucht mit unserer Großen den Pool des Camps.
Am späten Nachmittag fahren wir dann noch einmal gemeinsam raus in den Park und gen Nossob, um nachzusehen, ob das Löwenrudel noch immer an Ort und Stelle ist. Außer diesem zeigt sich uns auf der Fahrt dann auch nicht sehr viel. Es ist einfach noch zu heiß. Überhaupt nehmen die Temperaturen erst wirklich etwas ab, wenn die Sonne ganz untergegangen ist. Das sorgt dafür, dass unsere Nachmittagsdrives nicht die ergiebigsten sein werden...
Während ein Gewitter aufzieht, beobachten wir die Katzen beim Spielen, Herumlaufen und Schmusen.
Zum Sonnenuntergang geht es zurück ins Camp. Wir essen erneut im Restaurant und schlafen dann bald mit Gecko und Fledermäusen ein.
Teil 1021. Apr. 2016
31.01.2016
Heute verlassen wir Twee Rivieren. Der Aufenthalt hat uns gut gefallen. Das Camp ist zwar nicht das kleinste, aber im Vergleich zu den meisten Krüger-Camps oder bspw. Okaukuejo im Etosha doch sehr überschaubar. Und wenn man es mit der Hotelerie rund um den Pilanesberg vergleicht, ist es geradezu winzig. Aber dazu später mehr... Vielleicht hat auch zu unserem positiven Eindruck beigetragen, dass wir das letzte Chalet im Camp hatten und neben uns nur noch die Borstenhörnchen wohnten und der Blick in den Busch unverstellt war. Außerdem ist der Shop gut bestückt und es gibt ein Restaurant, was uns als Familie schon etwas entlastet hat. Und die Wildernes Camps dürfen ja sowieso erst Kinder ab 12 Jahre besuchen, was, wenn man Fotos aus aktuellen Reiseberichten ansieht, auch seine Berechtigung hat.
Nach einem kurzen Frühstück fahren wir also gen Nossob und verabschieden uns von "unserem" Löwenrudel, das uns wenigstens im Schein der aufgehenden Sonne noch eine Repräsentantin schickt.
Die nun vor uns liegenden knapp 200 Kilometer führen oft durch schöne Landschaften, die sich uns jedoch hartnäckig tierlos präsentieren. Die gesamte Fahrt verläuft ohne große Sichtungen.
An den Wasserlöchern ist oft gähnende Leere, einzig ein paar Oryx- und Kuhantilopen zeigen sich uns. Die Straße ist oft von riesigen Pfützen des Gewitters der letzten Nacht bedeckt und gerade der Teil ab etwas Dikbaardskolk ist ziemlich üble Wellblechpiste, die auch den Kindern zusetzt.
In der Mittagshitze erreichen wir schließlich Nossob.
Teil 1122. Apr. 2016
Fortsetzung 31.01.2016
Nossob erleben wir als ein sehr übersichtliches Camp, in dem uns wegen der Backofenhitze jeder Gang schwer fallen wird. Die Bauarbeiten, die gerade stattfinden, stören die Ruhe im Camp kaum. Wir beziehen eines der Reihenhaus-Chalets und machen erst einmal eine lange Mittagspause mit Besuchen am verwaisten Wasserloch und im kühlenden Pool.
Hier ein kleiner Eindruck unserer Räuberhöhle, in die sich jede Unterkunft nach kurzer Zeit unweigerlich verwandelt.
Ein abendlicher Gamedrive rund um Marie se draai ist ähnlich ereignislos wie die Anfahrt nach Nossob. Es scheint derzeit einfach recht wenig Wild in der Region zu sein.
Abends besuchen wir hoffnungsvoll erneut das Wasserloch, aber bis auf zwei Schabrackenschakale, die fleißig die vom Scheinwerferlicht angezogenen Insekten vertilgen, will sich den ganzen Abend über kein Tier zeigen.
Und dann kommt die Nacht. Über den Tag hat sich unser Häuschen schon sehr aufgeheizt. Lüften kann man kaum, da die Räume als Schlauch angelegt sind und das Schlafzimmer einen Raum von den Außenwänden entfernt ist. Und es gibt hier keine Klimaanlage, aber zum Glück müht sich der Deckenventilator redlich, die Hitze erträglich zu machen, die auch das abendliche Gewitter nicht wirklich mindert. Bis der Strom um 22 Uhr abgestellt wird. Gefühlt wird es dann in der Hütte sofort 10 Grad wärmer. Diese Nacht (und auch die nächste) wird ein Alptraum. Wir Erwachsenen schlafen kaum, die Kinder zum Glück besser als erwartet, wir kühlen sie jedoch regelmäßig mit kalten Wickeln herunter... Mitten in der Nacht hören wir häufiges Löwengebrüll. Das entschädigt ein klein wenig. Und es kommt näher...
Teil 1222. Apr. 2016
01.02.2016
Während Frau und Kinder noch schlafen, schleiche ich gegen fünf Uhr früh aus der Hütte und gehe zum Hide am Wasserloch. Es sind schon ein paar Leute da, die anscheinend auch nicht schlafen konnten. Es ist völlig finster, die Luft ist sehr angenehm. Irgendwann geht der Generator an und das Wasserloch wird in schummriges Licht getaucht. Lange dauert es nicht, dann kann man schemenhafte Bewegungen ausmachen. Da Leute mit starken Taschenlampen anwesend sind, kann die Umgebung wirkungsvoll abgesucht werden - und siehe da: Nach und nach schält sich ein ganzes Löwenrudel aus der Dunkelheit. Zuerst ziehen zwei prächtige Kater durch, bleiben aber leider nicht am Wasserloch und betreten nicht einmal den Lichtkegel. Das Foto ist allein im Taschenlampenlicht aufgenommen und daher nicht wirklich berauschend...
Danach kommen die Löwinnen und sie bleiben zum Glück am Wasserloch, bis die Sonne aufgeht. Sie trinken und die Halbwüchsigen toben ausgelassen im Flussbett herum. Ein junger Löwe ist besonders neugierig, er inspiziert das Hide von unten und platziert sich schließlich direkt neben dem Palisadengang, der zum Beobachtungsposten führt. Nach einigen Fotos laufe ich schnell zurück zu Hütte, um den Rest der Familie dazuzuholen.
Mit dem Aufgang der Sonne ziehen sich die Löwen immer weiter in die Böschung zurück. Auf der anderen Seite des Flussbetts haben sich nun aber gut sichtbar die beiden Kater niedergelassen, um den Tag zu verdösen.
Teil 1323. Apr. 2016
Fortsetzung 01.02.2016
Nach der ausgiebigen Löwenbeobachtung haben wir erstmal gefrühstückt: Baked Beans aus der Dose und Rührei geht immer... Danach haben wir eine kleine Morgenfahrt unternommen, nochmals die Schleife um Marie se draai.
Wir begegnen einigen Kuhantilopen und diesem Oryx. Der Eindruck von gestern erhärtet sich: Hier ist derzeit wenig Wild - zumal in Antilopenform - präsent. Auf einmal machen wir aus den Augenwinkeln eine Bewegung links von der Straße aus. Etwas Kleines bewegt sich durch das niedrige Buschwerk. Es ist ein Honigdachs, der, flankiert von zwei Weißbürzelsinghabichten, auf Nahrungssuche ist. 😁 Immer wieder gräbt er im Sand und die Habichte passen auf, ob ihm dabei etwas entwischt, das sie sich dann schnappen könnten. Wir können das Trio eine ganze Weile beobachten, bis der Honigdachs schließlich die Straße vor uns quert und im dichten Buschwerk verschwindet. Über diese Sichtung freuen wir uns besonders, denn Honigdachse gehören für uns zu den faszinierendsten Vertretern der afrikanischen Fauna und wir hatten noch nicht oft die Gelegenheit, einen Vertreter der Art für eine so lange Zeit bei seinem Tagesgeschäft zu beobachten.
Zufrieden fahren wir nach Nossob zurück und verbringen die Mittagszeit im Camp. Am frühen Nachmittag geht es dann noch einmal auf einen kurzen Ausflug gen Norden. Sichtungstechnisch ist nicht viel los, bei Cubitje Quap lässt sich aber ein prächtiger Gaukler beim Trinken beobachten. So schön haben wir diesen Greifvogel bisher noch nie gesehen.
Ein abendlicher Gamedrive in die gleiche Richtung ist auch wenig ergiebig, beschert uns aber unsere einzige Sichtung einer Braunen Hyäne auf dieser Reise. Das Erlebnis dauert jedoch nur zwei Sekunden, denn die Hyäne quert in hohem Tempo vor uns die Straße und verschwindet dann sofort im dichten Buschwerk. So können wir sie also auch nicht fotographisch verewigen. Das ist sehr schade, denn ich hatte gehofft, endlich mal ein passables Foto einer brauen Hyäne schießen zu können. Wir haben zwar schon auf zwei vergangenen Reisen welche gesehen (einmal auf unserer ersten Namibiatour 2008 im Namib Naukluft in sehr weiter Entfernung und 2014 im Madikwe GR, hier aber nur nachts, dafür aber zwei in einen blutigen Revierkampf verwickelt), jedoch ist uns nie ein schönes Foto gelungen. Naja, das ist wenigstens ein guter Grund, ggf. im nächsten Sommer wiederzukommen - um dann evtl. auch Erdmännchen zu sehen, die sich auch standhaft unseren Blicken entzogen haben.
Als wir ins Camp zurückkommen, sehen wir das Löwenrudel wieder in der Nähe des Wasserlochs liegen. Wir lassen den Abend also wieder mit "Lionwatching" ausklingen.
Und dann kommt die zweite Nacht in Nossob, die leider ganz so verläuft wie die erste - nur leider ohne nächtliches Löwengebrüll.
Teil 1424. Apr. 2016
02.02.2016
Nach langen Stunden stickiger Nacht erwacht ein neuer Tag. Heute geht es für uns von Nossob ins Rastlager Mata Mata. Wir fahren also ein letztes Mal durch das Flusstal des Nossob, queren dann die Dünen zwischen den Flusstälern und werden unsere letzten Tage im KTP im Auob-Flusstal verbringen.
Bevor wir uns auf den Weg machen, besuchen wir das Wasserloch, das aber leider verwaist vor uns liegt und machen noch eine kleine Rundfahrt in südlicher Richtung.
Im Morgenlicht sehen wir diesen Wiederhopf.
Auf der Rückfahrt ins Camp entdecken wir dann erneut Löwen nah an der Pad. Wahrscheinlich sind es Teile des Rudels, das wir gestern am Wasserloch in Nossob gesehen haben. Da es noch früh am Morgen ist, sind die Katzen noch recht rege. Alsbald legen sie sich aber zum Dösen hin.
Teil 1524. Apr. 2016
Fortsetzung 02.02.2016
Zurück im Camp packen wir zusammen und beobachten in der Umgebung unserer Hütte noch einige Borstenhörnchen und Fuchsmangusten mit Nachwuchs.
Nach einem kleinen Frühstück steigt die Familie in ihren VW-Bus und los geht die Fahrt gen Süden, die so einige schöne Momente bereit halten wird.
Rückblickend hat uns der Aufenthalt in Nossob vor allem wegen der vielen Löwen und des Honigdachses gefallen. Die klimatischen Bedingungen in der Unterkunft waren aber gerade für eine Reise mit kleinen Kindern nicht optimal. Wir würden - falls wir noch einmal im Sommer zurückkommen sollten - auf die gerade neu zu bauenden Hütten hoffen.
Teil 1624. Apr. 2016
Fortsetzung 02.02.2016
Am späten Morgen machen wir uns also auf nach Mata Mata. Die an der Strecke liegenden Wasserlöcher sind meist einsam und verlassen und da wir ein gutes Stück Weg vor uns haben, wagen wir es auch nicht lange an den Wasserstellen zu verweilen, um auf etwaige Besucher zu warten.
Wir bewundern immer wieder die erblühende Wüste und freuen uns über ab und an auftauchende Bewohner.
Plötzlich müssen wir scharf bremsen, weil sich eine Schlange über die Straße bewegt. Wir vermuten, dass es eine Kapkobra ist, auch wenn sie nicht so leuchtend gelb erscheint, sind uns aber nicht sicher.
Auch bei diesem Greifvogel sind wir etwas unsicher. Ist es ein Schlangenadler?
Irgendwann steht ein Wagen vor uns auf der Strecke und wir fragen, was der Fahrer gesichtet hat. Er meint, dass immer wieder ein Löffelhund auf die Straße käme, um Termiten zu fressen. Derzeit sei er aber nicht zu sehen und so macht sich das Auto dann auch auf die Weiterfahrt. Wir beschließen, eine Viertelstunde zu warten, einen Löffelhund wollen wir nämlich gern sehen. Aber er zeigt sich in unserem gesetzten Zeitfenster nicht und wir fahren weiter, nur um hinter der nächsten Kurve auf ihn zu stoßen. 😁 Er ist ganz in seine Jagd vertieft und lässt uns erstaunlich nah an sich heran kommen.
Alsbald folgt eine Straußenvater mit seinem halbwüchsigen Nachwuchs.
Und schließlich ein im Schatten dösender Gepard, den wir ein wenig beobachten, der aber natürlich keine Anstalten macht, sich bei der Hitze des Tages großartig zu bewegen. Wir haben also Zeit, unsere Blicke schweifen zu lassen und entdecken in der Straßenböschung eine Kolonie von Barking Geckos. Diese für uns neuen Tiere beobachten wir fasziniert für eine ganze Weile.
Bald nachdem wir weitergefahren sind, treffen wir auf unser einziges Eland auf dieser Reise.
Mit Blicken auf zwei Oryx verlassen wir das Tal des Nossob schließlich.
Teil 1726. Apr. 2016
Fortsetzung 02.02.2016
Hinter Dikbaardskolk biegen wir in die Dünenstraße in Richtung Auob ein. Landschaftlich ist das für uns einer der schönsten Abschnitte des Parks. Die sanften roten Dünen und die wunderbare Weite und Einsamkeit ziehen uns in ihren Bann. Da beide Kinder schlafen, halten wir aber leider kaum einmal an, wir wollen nicht Gefahr laufen, sie zu wecken. Daher machen wir kaum Fotos von dieser traumhaften Landschaft. Tierbegegnungen haben wir auf den rund 40 km der Strecke nur wenige. Der Höhepunkt in dieser Hinsicht sind zwei Sektretäre, die aus einer Straßenpfütze trinken. Auf dem Weiß der Straße sehen sie ganz unwirklich aus.
Im Flusstal des Auob ist es bereits recht grün. Auf der Ebene zwischen den Dünenkämmen grasen große Springbockherden. Paradiesische Bilder.
Nach einigen Kilometern, die wir das Flusstal gen Norden durchfahren, treffen wir einmal mehr auf Löwen. In diesem Fall ist es ein Pärchen, das sich wohl zu Paarungszwecken vom Rudel separiert hat. In der Hitze des Tages ist an Paarung aber nicht zu denken und daher liegen beide nur faul unter einem Baum am Straßenrand und würdigen uns nur weniger müder Blicke.
Wir bleiben eine Weile bei den beiden Löwen und fahren dann weiter Richtung Mata Mata, stoppen aber nach kurzer Zeit ein weiteres Mal, da wir unter einem Baum rechts von der Straße eine Falbkatze entdecken, die uns müde entgegenblickt. Wir hatten gehofft eine Afrikanische Wildkatze im KTP zu entdecken und freuen uns, dass dieser Wunsch nun in Erfüllung gegangen ist.
Die weitere Fahrt führt uns an vielen Vertretern der Giraffen des Parks vorbei, was vor allem unsere ältere Tochter freut, da sie die Tiere sehr gern hat. Auch unsere Kleine beobachtet fasziniert: Hier zeigt sich etwas Großes, das sich dazu auch noch bewegt...
Am späten Nachmittag erreichen wir das Rastlager Mata Mata, erledigen schnell die Formalitäten und beziehen unser wirklich ganz wunderbares Riverfrontchalet, das mit einem großzügigen Wohnbereich, zwei Schlafzimmern und Bädern und einer ausgedehnten Terrasse mit Blick auf das Flussbett unsere Erwartungen weit übertrifft.
Nach dem abendlichen Gewitter zieht es uns alsbald ins Bett.
Teil 1826. Apr. 2016
03.02.2016
Den heutigen Tag verbringen wir mit kleineren Ausfahrten und größeren Pausen in und um Mata Mata. Während meine Frau mit den Kindern noch im Chalet bleibt, fahre ich zur Gateöffnungszeit auf eine kurze Pirschfahrt, die jedoch über weite Teile nur ein wildloses Flusstal zeigt. Neben der Straße entdecke ich dann aber doch noch eine Afrikanische Wildkatze auf einem dicken Ast und beobachte sie ein wenig.
Während ich mit dem Auto herumfahre und die Fotoausrüstung bei mir habe, können meine Frau und die Kinder aus dem Schlafzimmerfenster zwei Löwenkater beobachten, die zum Trinken zu der Wasserstelle kommen, die vielleicht dreißig Meter hinter unserer Hütte liegt. Für mich bleibt dieser Tag der einzige ohne Löwen im KTP.
Nach einem gemeinsamen Frühstück fahren wir gemeinsam ins Auobtal. Neben einigen noch ganz frischen Springböcken stoßen wir schon wieder auf eine Wildkatze. Mit so regelmäßigen Sichtungen hatten wir wirklich nicht gerechnet.
In der Nähe des Vierzehnten Bohrlochs treffen wir dann auf unseren Sichtungshöhepunkt des Tages. Mitten im Flussbett - und damit zwar relativ weit entfernt, aber man will sich ja nicht beschweren - spaziert ein Leopard und inspiziert sein Revier. Wir können ihn lange dabei begleiten. Seelenruhig marschiert er an Büschen und Bäumen vorbei, schnuppert mal hier und mal da und verschwindet auch mal für einige Minuten im Gebüsch. Plötzlich aber bricht Hektik aus: Der Leopard setzt zu einem Sprint an und springt von unten an die Äste eines Kameldornbaums. Er lässt wieder ab und setzt dann zu einem zweiten Versuch an. Dieses Mal jagt er drei Wildkatzen aus dem Baum heraus. Zwei entwischen sofort, der dritten setzt er nach und erwischt sie kurze Zeit darauf. Beide Katzen kugeln sich als Knäuel über den Boden, bis sich die Wildkatze irgendwie befreien kann und davonrast. Der Leopard schaut ihr noch kurz hinterher und zieht dann weiter seiner Wege, wohl auf weitere Jagdchancen hoffend. Wir sind wie elektrisiert. Einen Leoparden bei der Jagd haben wir noch nie zuvor beobachten können. Auch wenn die Fotos in Sachen Schärfe nicht unsere besten sind - die Distanz und vor allem die Aufregung haben dafür schon gesorgt - werden diese Momente sicher zu den bleibendsten Tiererlebnissen dieser Reise zählen.
Den Nachmittag verbringen wir im Camp. Am Pool treffen wir tatsächlich zwei Familien aus Deutschland, die unabhängig voneinander Elternzeittouren in Südafrika und Namibia verbringen. Wir bestätigen uns gegenseitig, dass das Reisen mit kleinen Kindern doch eine wunderbare Sache ist - allen Unkenrufen von Daheimgebliebenen zum Trotz.
Den Abend lassen wir bei einem gemütlichen Lagerfeuer auf unserer Terrasse ausklingen.
Teil 1927. Apr. 2016
04.02.2016
Auch an unserem letzten vollen Tag im KTP bleiben wir in der Nähe von Mata Mata und fahren vor allem im Auob-Tal herum, unterbrochen von einer langen Mittags- bzw. Nachmittagsrast im Camp.
Unsere erste nennenswerte Sichtung ist wieder eine Wildkatze, dieses Mal ein noch recht junges Exemplar. Im Baum daneben entdecken wir kurz darauf eine ausgewachsene Katze, vielleicht die Mutter der kleinen. Beide lassen sich von uns nicht stören und so können wir sie für eine lange Weile beobachten. Ein schöner Start in den Tag.
Wir fahren an vielen Springböcken, Gnus und Giraffen vorbei, die allesamt das junge Grün genießen.
Bis uns schließlich am Ende der Dalkeith-Schleife vier männliche Geparde entgegenkommen, vor uns die Straße kreuzen und neben uns an der Düne entlangwandern. Wir folgen ihnen und können sie immer wieder zwischen den Büschen dabei erspähen, wie sie Pausen einlegen oder ihr Revier markieren.
Wir verabschieden uns irgendwann von den Vieren und fahren Richtung Dreizehntes Bohrloch, zu der Stelle, wo der Leopard gestern im Gebüsch verschwunden und nicht wieder aufgetaucht ist. Tatsächlich erblicken wir ihn für einen kurzen Moment, aber bevor der Fotoapparat gezückt ist, verschwindet er schon wieder in seiner Deckung, um in der nächsten Zeit nicht mehr aufzutauchen.
Zum Sonnenuntergang bekommen wir Besuch, während wir auf der Terrasse sitzen. Zwei Löwinnen kommen zum Trinken die Dünen herab und wählen die Wasserstelle vor unserem Häuschen. Ganz ohne den Schutz des Autos und nur durch eine nicht sehr hohe Mauer und einen eher symbolisch wirkenden kleinen elektrischen Draht von den Tieren getrennt, nimmt man die großen Katzen doch noch einmal ganz anders wahr. Wir versuchen möglichst still und bewegungslos zu sein, auch unsere große Tochter beobachtet ganz konzentriert. Wir freuen uns riesig darüber, dass die Löwen zum Abschluss unseres KTP-Aufenthalts noch einmal vor unserer Haustür vorbeikommen und speichern das Riverside-Chalet endgültig als Pflichtunterkunft für unseren nächsten Besuch ab. Haben wir die letzten Nächte die Fenster unseres Schlafzimmers, die auf das Flussbett hinausgehen geöffnet gelassen, um nach Abstellung des Stroms noch an ein wenig Frischluft zu kommen, so verzichten wir nach dieser Begegnung lieber darauf. Denn vor den Fenstern ist nicht einmal der kleine Stromdraht gespannt. (Nicht, dass wahrscheinlich wäre, dass etwas passieren könnte...)
Und so bricht unsere letzte Nacht im wundervollen Kgalagadi an und ich bedanke mich an dieser Stelle schon einmal bei allen Kommentatoren, Danke-Drückern (beides motiviert sehr!) und stillen Mitlesern.
Teil 2029. Apr. 2016
05.02.2016
Heute heißt es leider Abschied nehmen - wir verlassen den KTP Richtung Namibia. Vorher geht es aber noch einmal auf einen kurzen Gamedrive. Da wir den Leoparden die letzten zwei Tage rund um das Dreizehnte Bohrloch gesichtet haben, soll das Glück noch einmal versucht werden... Bald hinter Mata Mata kreuzt auch schon eine erste Katze den Weg. Wie jeder Tag in dieser Ecke des Parks, beginnt auch dieser mit einer Wildkatzensichtung. Man soll sich schließlich treu bleiben.
In der schönsten Lichtstimmung liegt das Flusstal zu Füßen der Dünen. Ein Raubadler sitzt hübsch fotogen auf einem Ast und die Springbockherden grasen im Morgendunst.
Und dann sehe ich im Gegenlicht weit entfernt eine Katze mitten im Flusstal auf mich zukommen. Von der Silouette her müsste es ein Leopard sein. Ich bremse und schnappe mir die Kamera. Als ich kurz darauf aufblicke, ist der Umriss verschwunden. War hier der Wunsch Vater des Gedankens? Ich war mir doch so sicher... So lange ich auch die Gegend absuche, ich finde nichts Katzenartiges. Enttäuscht und etwas verwirrt geht die Fahrt zum 13. Bohrloch weiter. Dort findet sich aber auch kein Hinweis auf den Leoparden. Also kehrt gemacht, denn wir wollen ja heute noch eine weite Strecke in Namibia hinter uns bringen.
Auf halben Weg zurück, ganz in der Nähe des mysteriös verschwundenen Leoparden, stellt sich heraus, dass die Sichtung keine Sinnestäuschung war. Ich sehe den Leoparden gerade über den Dünenkamm aus dem Flusstal verschwinden und mache schnell noch einige nicht sehr tolle Beweisfotos. Dabei hoffe ich insgeheim, dass das Tier vielleicht doch noch einmal Kehrt macht. Und der Leopard enttäuscht die Hoffnung nicht. Die nächste halbe Stunde lässt sich die kleine, schlanke Leopardin ausgiebig bei der Inspektion ihres Reviers beobachten und ablichten. Oft trennen uns nur wenige Meter voneinander und eine ganze Zeit sind wir auch fast allein. Auch das ist das Schöne am KTP: Man beobachtet die Löwenrudel, Geparden und Leoparden in aller Regel ganz allein oder teilt die Sichtung mit nur wenigen und in unseren Fällen auch sich stets sehr angemessen verhaltenden anderen Reisenden. Ganz anders als bspw. im Krüger, wo wir schon manches Mal vor Autos die Löwen kaum gesehen haben. (Nicht, dass der Eindruck aufkommt, wir würden den Krüger NP nicht mögen, wir waren immer sehr gern dort... aber der KTP ist nach dieser Woche eindeutig in die erste Riege der Sehnsuchtsorte im südlichen Afrika aufgestiegen.)
So stolz und schön:
und so agil.
Die Begegnung mit einem Leoparden bleibt einfach immer etwas ganz Besonderes. Da fällt der Abschied aus dem KTP gleich doppelt schwer...
Glücklich geht es zurück nach Mata Mata. Wir packen unsere Sachen zusammen, checken aus und freuen uns auf Namibia!
Fortsetzung folgt...
Teil 2102. Mai 2016
Fortsetzung:
Jetzt sagen wir dem KTP für dieses Jahr Adieu. Der Grenzübertritt nach Namibia verläuft zügig. Wir sind allein bei der Grenzkontrolle, erledigen die anstehenden Formalitäten und entrichten die Straßennutzungsgebühr. Dann geht die Fahrt auch schon weiter - eine Fahrt, die sich als zu lang herausstellen wird, denn unser Ziel ist die Canyon Lodge am Fish River Canyon. Wir haben also ca. 420 km zumeist auf ungeteerten Straßen vor uns. Solche Strecken hatten wir schon einige Male, als wir in Namibia unterwegs waren, aber eben nie mit zwei Kindern... Und diese allzu optimistische Planung rächt sich jetzt etwas, denn unsere Kleine hat heute (gerade heute!!!) überhaupt keine Lust auf ihren Kindersitz, in dem sie, da wir außerhalb eines Nationalparks unterwegs sind, auch verbleiben sollte. Nur unter großem Protest findet sie irgendwann in den Schlaf... Wir fahren ohne Stopps Richtung Keetmanshoop und verabschieden uns von den Richtung Westen auslaufenden Dünen der Kalahari. In den Pfannen links und rechts von der Straße steht Wasser. Hier war der Regen wohl ganz ergiebig.
Wir fahren bis zum Köcherbaumwald nahe Keetmanshoop, den wir im Rahmen unserer ersten Namibiatour vor acht Jahren bereits besucht hatten und damals auch zum Sonnenuntergang da waren. Heute wird es eine ganz prosaische Mittagspause werden, die wir auf der Farm nutzen, um etwas Kaltes zu trinken und die Kinder ein wenig im Schatten toben zu lassen. Einen kurzen Abstecher zu den Bäumen machen wir dann aber doch, die Mittagshitze lässt den Spaziergang jedoch anstrengend und in Folge dessen auch sehr kurz ausfallen. Nach wenigen schnell geschossenen Fotos ziehen wir uns wieder in den Schatten zurück und fahren auch bald weiter, denn wir haben ja noch einiges an Strecke hinter uns zu bringen.
In Keetmanshoop halten wir kurz, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Hier hat sich seit unserem letzten Besuch nicht viel verändert. Noch immer werden einem recht ausdauernd Wachdienste für das abgestellte Auto angeboten.
Die Fahrt führt uns dann weiter durch die karge Landschaft Südnamibias vorbei am Naute Dam Richtung Fish River Canyon. Unterwegs begegnen uns nur ganz wenige andere Fahrzeuge. Die Weite und Einsamkeit sind immer wieder faszinierend. Die Strecke zieht sich trotzdem sehr und manchmal denken wir schon, dass wir uns verfahren haben, so lange lassen ersehnte Wegmarker auf sich warten.
Einige Kilometer vor dem Erreichen der Abfahrt zur Canyon Lodge - irgendwo hinter dem Canyon Roadhouse - stellt unsere Große auf einmal fest, dass irgendetwas seltsam riecht. Sobald ich es auch bemerke, sehe ich im Rückspiegel bereits unseren linken Vorderreifen mit hohem Tempo nach hinten fliegen. Wir sind relativ flott unterwegs, trotzdem ist es zum Glück kein Problem, den Bus sicher zum Stehen zu bekommen.
Hier stehen wir nun. Es ist schon später Nachmittag, aber immer noch sehr heiß. Nirgends ist ein anderes Auto zu sehen und die Wahrscheinlichkeit, dass heute noch eines vorbeikommt, schätzen wir als nicht sehr hoch ein. Da wir einen Reifen wechseln können, machen wir uns ersteinmal nicht sehr große Sorgen, es ist einfach nur lästig, das Gepäck auszuladen, um an den Reifen unter dem Kofferraum zu gelangen. Aber Moment mal - unter dem Gepäckbereich ist gar keine Versenkung wie sich nach dem Ausladen der Koffer herausstellt: hier befindet sich keine Reserverad... Ein wenig Sorge kommt jetzt schon auf, denn mit kleinen Kindern im Nirgendwo steckenzubleiben fühlt sich einfach anders an als nur zu zweit gestrandet zu sein. Ein Blick auf unsere Mobiltelefone (die deutschen und das in Südafrika gekaufte) verrät uns, dass wir hier außerdem kein Netz haben. Toll. Wir haben aber genug Wasser und Nahrung dabei, Platz bietet der Bus auch - wir machen uns also schonmal mit dem Gedanken einer mit wildem Camping verbrachten Nacht vertraut. Wir konsultieren die Betriebsanleitung des Busses, um zu sehen, ob dort verraten wird, ob das Auto nur mit Reparaturset und Kompressor ausgestattet ist, was in unserem Fall nicht weiter geholfen hätte (vgl. Foto...), oder wo der Reservereifen aufbewahrt wird. Aber die Anleitung schweigt sich aus. Es wird zwar alles Nötige und Unnötige kommentiert und auch erklärt, wie man Reifen wechselt, aber die Frage nach dem womit bleibt offen. Ein genervter letzter Blick unter das Auto bringt dann unverhofft die Lösung. Das Rad ist tatsächlich unter dem Bodenblech angebracht, was wir mit unserer versammelten Automobilinkompetenz nicht geahnt hatten. Einmal entdeckt, lässt das Rad sich aber recht gut abschrauben und die Felgen sind in wenigen Minuten ausgetauscht und das Gepäck wieder verladen.
Ohne Reserverad geht die Fahrt mit einem etwas mulmigen Gefühl weiter, denn wir wissen, was uns beim nächsten Defekt erwarten würde.
Zum Glück geht alles gut und wir erreichen noch vor Sonnenuntergang die malerische Umgebung der Canyon-Lodge, die uns mit ihren großen verstreut liegenden Felsblöcken in ihren Bann zieht und die ärgerliche Panne verblassen lässt. Die Begrüßung ist freundlich und wir bekommen eine große Hütte ganz zuoberst zugewiesen, die einen schönen Ausblick auf die Landschaft bietet und zum Ausruhen nach dieser strapaziösen und (zu) langen Fahrt einlädt.
Wir genießen die Abendstimmung und sind ganz begeistert von der Schönheit der Landschaft und der geschmackvollen Ausstattung der in den Fels gebauten Hütte.
Mit einbrechender Dunkelheit gehen wir zum Essen, heute gibt es ein Braai. So schön die Lodge gelegen ist und so hochwertig die Chalets gestaltet sind - das Essen bleibt leider hinter unseren Erwartungen zurück. Das Fleisch wird in großen Massen gegrillt und in Wärmebehälter gefüllt, wo es sich leider sehr schnell in halbwarme Schuhsohlen verwandelt. Da die Lodge alles andere als ausgebucht ist, können wir diese Grilltaktik nicht so recht nachvollziehen. Satt werden wir trotzdem und die Kinder können toll auf der großen Terrasse am Haupthaus herumrennen bzw. -krabbeln. Als die Kinder schließlich im Bett sind, wird es Zeit, sich vor die Hütte zu setzen und den unvergleichlichen Sternenhimmel Namibias zu genießen. Das haben wir uns heute verdient.
Teil 2204. Mai 2016
06.02.2016
Heute schlafen wir aus - jedenfalls so gut das geht, wenn man seine Hütte mit zwei kleinen Frühaufsteherinnen teilt. Nach einem guten Frühstück auf der Terrasse der Lodge versuchen wir uns um einen Reservereifen zu bemühen, da wir die nächsten Etappen ungern ohne Absicherung fahren wollen. Leider zeigt sich die Dame an der Rezeption sehr wenig kooperativ, sie möchte weder Rat einholen, noch möchte sie uns telefonieren lassen - sie sagt, das Telefon sei gerade defekt. Wir finden es ziemlich schade, dass uns hier das Gefühl gegeben wird, nach gezahlter Nacht und kurz vor unserer Weiterreise nicht mehr wirklich relevant zu sein. Trotz dieser Eintrübung verbringen wir den Vormittag noch ganz vergnügt auf dem Gelände der Canyon Lodge und genießen die Ausblicke gen Canyon und den Pool.
Am späten Vormittag fahren wir dann zum Aussichtspunkt am Fish River Canyon. Es ist natürlich schon wieder sehr heiß und kurz vorm Ziel schlafen beide Kinder tief und fest. Wir wollen sie nicht wecken und daher wechseln wir uns mit dem Aussichtbestaunen ab. An die Aussichtsplattform können wir uns gar nicht mehr erinnern, vielleicht gab es sie 2008 auch noch gar nicht. Der Blick in den Canyon ist jedoch trotz der Jahre, die zwischen den Besuchen liegen, noch sehr vertraut und immer noch beeindruckend.
Wir belassen es bei diesem Aussichtspunkt, die Zufahrtsstraßen zu anderen erscheinen uns sehr rau und die Nachfrage bei Leuten, die gerade aus den Stichstraßen kommen, bestätigt dies. Ohne Reserverad trauen wir uns das daher nicht.
Die heutige Nacht verbringen wir im nicht weit entfernten Ai-Ais Restcamp, das wir zuvor noch nicht kannten und bei dem der Besuch in diesem Jahr wohl auch unser einziger bleiben wird. Im Canyon und direkt am Fishfluss zu sein hat zwar seinen Reiz, jedoch steht die Hitze zwischen den Felswänden wie in einem Backofen, sodass man kaum die Lust verspürt, ausgedehnte Spaziergänge in der (ohnehin nicht gut erschlossenen bzw. gepflegten) Umgebung zu unternehmen, so sind wir ganz froh, dass wir nur eine Nacht hier verbringen werden.
Das eigentliche Kuriosum ist jedoch das Restcamp selbst. Ich glaube, dass wir noch nie zuvor eine absurdere Unterkunft bewohnt hatten als unser hiesiges Luxury Chalet. Das Gebäude hat einen riesigen Wohn-Essbereich, der nur spärlichst möbliert ist und zumeist nur den blanken Fliesenboden zeigt, zwei wirklich große Schlafzimmer, zwei Bäder mit absurden Ausmaßen und eine Terrasse, die in ihrer betonästhetischen Kargheit nicht zum Verweilen einlädt. Das Ganze gruppiert sich als besonderes Bonbon um einen kleinen Innenhof, in dem ein funktionsuntüchtiger und völlig verdreckter Jacuzzi seinen Platz hat, auf dessen desolaten Zustand uns beim Einchecken bereits die Rezeptionistin lapidar aufmerksam gemacht hat, als sei es ganz natürlich, dass der von uns gemietete Pool defekt und verdreckt sei. (Ein Foto des Hofes sei der geneigten Leserschaft erspart.) Glücklicherweise lässt sich die Hütte ganz gut herunterkühlen, sodass wir entspannte Stunden verleben können. Platz zum Toben bietet unser Heim allemal.
Interessant ist, dass unsere Nachbarhütten allesamt von jugendlichen und augenscheinlich recht gutbetuchten Namibiern bewohnt werden. Die ganze Zeit über schallt laute Musik aus den geöffneten Fenstern - hier wird gefeiert oder aber ein romantisches Wochenende mit dem/der Liebsten verbracht. Wir sind die einzigen Weißen in diesem Bereich, das hatten wir in Namibia eigentlich noch nie zuvor.
Am Nachmittag erkunden wir die heißen Bäder innerhalb des Haupthauses. Eigentlich absurd, sich bei der herrschenden Außentemperatur in ähnlich heißes Gewässer zu begeben. Die ganze Zeit über sind wir in der etwas sterilen Anlage fast allein.
Als die Sonne sich langsam anschickt unterzugehen, erkunden wir ein wenig die Umgebung. Wir sehen uns die heiße Quelle an, die sich optisch wenig spektakulär gibt und machen einen kleinen und durchaus netten Spaziergang am Flussbett des Fish.
Dabei kommen wir auf dem Rückweg an den sehr speziellen Zimmern des Haupthauses vorbei, die allesamt einen eigenen Parkplatz unter dem Eingang haben. Idylle pur.
Zu Abend essen wir im Restaurant des Restcamps, das einen besseren Eindruck hinterlässt, als wir befürchtet hatten. Vor allem das Elandsteak, das uns serviert wird, ist von hoher Qualität und wirklich gut gegrillt. Von der Atmosphäre her ist es gut, auf der Terrasse zu sitzen, denn der Speisesaal hat den Charme einer Kantine der liebloseren Kategorie. Beim Essen lernen wir einen Südafrikaner kennen, der uns noch einmal sehr davon abrät, ohne Reserverad über Dirtroads bis zu den Augrabiesfällen zu fahren. Er bietet uns an, am nächsten Tag bis zur geteerten Straße mit uns im Konvoi zu fahren, was wir total nett finden und gern annehmen. An der Tankstelle des Camps kommen wir dann noch mit einem Tankwart ins Gespräch, der uns die Kontaktdaten eines befreundeten Reifenhändlers in Karasburg gibt. Auch dafür sind wir extrem dankbar, denn der nächste Tag ist Sonntag und damit sind alle Werkstätten regulär geschlossen.
Ganz erleichtert gehen wir in unser Haus und freuen uns auch darüber, dass die laute Musik unserer Nachbarn ausgeschaltet ist, sodass wir eine ruhige und erholsame Nacht in Ai-Ais verbringen können.
Teil 2309. Mai 2016
07.02.2016
Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht in unserer Riesenhütte genießen wir das gute Frühstücksangebot des Camps und brechen bald gemeinsam mit dem hilfsbereiten Südafrikaner im Konvoi auf. Wie versprochen, begleitet er uns bis zur geteerten Straße, die wir dann entspannt bis nach Karasburg fahren. Hier rufen wir die Bekannten des Tankwarts an, die uns versprechen, sich in wenigen Minuten an ihrer Werkstatt mit uns zu treffen. Alles klappt ganz vortrefflich. Wir treffen auf Vater und Sohn, die erst kürzlich ihr Geschäft gegründet haben. Der Service ist prompt und gut, die Reifen im Angebot passen zwar nicht hundertprozentig, aber für den Notfall wird es genügen. Wir unterhalten uns sehr nett und frischen zum Abschluss sogar noch unseren Getränkevorrat in der Werkstatt auf. Vielen Dank noch einmal an die netten Herren von Beejays!
Der Rest des Tages wird im Auto auf den Weg zu den Augrabies Fällen verbracht. Der Grenzübertritt nach Südafrkia verläuft schnell und problemlos und am späten Nachmittag kommen wir nach einem Zwischenstopp in Upington bei den Fällen an.
Heute ist es jedoch bereits zu spät, um in den Nationalpark zu fahren und so lassen wir den Tag in unserer Unterkunft, die ganz in der Nähe des Gates liegt, ausklingen. Wir haben zwei Nächte im "The Falls Guesthouse" gebucht, dessen gepflegte Anlage uns gut gefällt. Auch die Zimmer sind sehr sauber und geräumig und unsere Große freut sich über ein Etagenbett, auf dem sie herumklettern kann. So richtig willkommen fühlen wir uns aber irgendwie nicht. Niemand hat uns begrüßt, als wir angekommen sind, der Schlüssel steckte einfach in der Zimmertür und überall finden sich kleinere und größere Messingschilder, auf denen steht, was der werte Gast so alles zu tun und zu lassen habe, z.B. "Dear Guest, please do not tamper with the TV-Set".
08.02.2016
Die Nacht verläuft ruhig und das Frühstück am nächsten Morgen ist großartig in Auswahl und Qualität. Auch das Personal ist sehr freundlich, was man von der kurz auftauchenden Besitzerin nicht so richtig behaupten kann.
Jetzt geht es endlich zu den Fällen, die nur wenige Kilometer von unserem Guesthouse entfernt liegen.
Wir zeigen brav unsere Wildcard vor und spazieren dann zu den diversen Aussichtspunkten, die allesamt bequem über einen Boardwalk zu erreichen sind. Schon am Vormittag ist es aber sehr heiß hier und über den Tag steigert sich die Hitze noch. Schatten ist hier absolute Mangelware und so schleppen wir uns ganz allein auf weiter Flur dahin, sind aber immer wieder sehr angetan von den Aussichten, die sich uns eröffnen.
Völlig verschwitzt machen wir eine Mittagspause im Restaurant des Restcamps, in dem wir BMW-Ingenieure kennen lernen, die das gesamte Camp besetzen, um auf der Straße Richtung Springbok diverse Testfahrten bei Extremkonditionen zu machen. Wir hatten uns schon gewundert, dass hier so viele Autos mit einem Münchener Kennzeichen herumstehen und wir bereits vor einem knappen Jahr keine Hütte mehr hier bekommen hatten... In netten Gesprächen erhalten wir spannende Eindrücke in diese für uns neue Welt. Wir machen Reservierungen für das Abendessen im Restaurant, denn dies ist die einzige Möglichkeit für uns, bis zum Sonnenuntergang an den Fällen zu bleiben, der Park schließt offziell bereits früher.
Am Nachmittag fahren wir ein wenig in das Gamedrive-Areal des Parks, sehen aber neben einem Klippschliefer und einer schnell flüchtenden Kapkobra kein Tier. Es ist einfach zu heiß. Die Landschaft genießen wir trotzdem.
Am späten Nachmittag kehren wir zu den Fällen zurück.
Jetzt ist es viel erträglicher und wir genießen das Licht der untergehenden Sonne. Sobald sie hinter dem Horizont verschwunden ist, kommt Leben in die karge Landschaft: Überall flitzen plötzlich Klippschliefer herum und auch Paviane begeben sich auf Nahrungssuche. Auch wir gehen bald aus dem gleichen Grund ins Restaurant und kehren schließlich ins Guesthouse zurück.
Gute Nacht.
Teil 2413. Mai 2016
09.02.2016
Heute heißt es früh aufstehen, da wir am frühen Vormittag bereits von Upington nach Johannesburg fliegen wollen. Daher verpassen wir leider auch das ausgezeichnete Frühstück in unserem Guesthouse und begnügen uns mit einem Lunchpaket, das natürlich nicht ganz so lecker und dazu recht übersichtlich ist. Bald sind wir auf der Straße und fahren ca. 1,5 Stunden immer der aufgehenden Sonne entgegen, was ganz schön anstrengend ist, da wir dauergeblendet sind. Die Abgabe unseres treuen Busses am Flughafen von Upington verläuft problemlos und schnell, genauso der kurze Flug nach Johannesburg. Dort nehmen wir unseren neuen Wagen entgegen - einen Toyota Avanza und müssen uns erstmal an die neuen räumlichen Verhältnisse gewöhnen. Natürlichen wiederholt sich auch das Spiel mit den Kindersitzen: Es sind wieder andere Modelle und wieder rätseln wir gemeinsam mit den Angestellten, wie sie wohl einzubauen sind. Abhilfe wird geschaffen, indem eine nette Mitarbeiterin im Netz recherchiert und eine Anleitung für wenigstens einen der Sitze für uns ausdruckt. Das freut uns sehr.
Schließlich beginnen wir unsere Fahrt nach Norden. Unser Ziel ist der Pilanesberg NP, den wir bereits 2014 besucht hatten und der uns damals mit seinen schönen Landschaften, wunderbaren Hides und der ein oder anderen beeindruckenden Sichtung von Löwen, Geparden, Nashörnern und Elefanten beglückte. Der Verkehr Richtung Pretoria ist sehr dicht auf jedem der zahlreichen Fahrstreifen - ein echtes Kontrastprogramm zu den letzten Tagen in der Kalahari und im südlichen Namibia. Wir kommen aber gut voran, machen einen Einkaufszwischenstopp im sehr touristischen Sun Village, das wir schnell wieder verlassen wollen, und erreichen am Nachmittag schließlich das Bakubung-Gate des Parks. Nachdem wir den Eintritt für die nächsten vier Tage bezahlt haben (der in Summe weniger kostet als ein einzelner Tag im KTP) queren wir den Park ersteinmal gen Norden zum zentralen Mankwe Dam, um von dort aus nach Osten zum Manyane Resort zu fahren.
Im Reservat fällt auf, dass im Vergleich zum KTP wirklich viel los ist: Auf den Hauptpisten trifft man immer wieder auf andere Autos und vor allem auf zahlreiche LKW mit Touristengruppen aus den ebenso zahlreichen umliegenden Hotels und Lodgen. Zum Glück sind die Nebenstrecken einsamer, hier kommt wieder echtes Bushfeeling auf. Unseren Kindern gefällt es auf Anhieb sehr gut, denn anders als im KTP trifft man hier ganz regelmäßig auf die typischen Tiere der Grasebenen: Immer wieder sehen wir Gnus, Zebras, Impalas zum Greifen nah, das beeindruckt die beiden und wir freuen uns mit ihnen, machen aber eher wenige Fotos, wie uns rückblickend auffällt.
Krokodilbaby am Mankwe Hide
Unser erster Pillendreher!
Gegen Abend kommen wir im Manyane Resort an. Auch diese Unterkunft ist im Vergleich zu jedem Camp im KTP riesig, sie hat wahrscheinlich mehr Übernachtungskapazität als alle dortigen Camps zusammen. Bei unserer Buchung hat unsere Agentur leider einen Fehler gemacht und eine Hütte mit nur zwei Betten reserviert, die so klein ist, dass sie für die Kindern keinen Platz bietet. Dazu ist sie noch sehr düster und auch etwas abgewohnt. Nach einigem Hin und Her an der Rezeption finden wir für die heutige Nacht eine größere Hütte, die für uns wunderbar ist. An den Folgetagen ist jedoch nichts zu machen - alles ausgebuht. Morgen werden wir aber erfahren, dass im Bakgatla Resort noch eine Hütte frei ist, die groß genug für uns ist und kaum mehr kostet als unsere Minihütte hier. Wir werden also noch einmal das Quartier wechseln müssen und finden das zwar lästig, jedoch hängt unser Herz zum Glück nicht am Manyane Resort.
Ziemlich erschöpft fallen wir in die Betten, das war ein anstrengender Tag. Am nächsten Morgen wollen wir früh aus den Federn, um unsere letzten Safaritage auf dieser Reise gemeinsam in vollen Zügen zu genießen. Was der Pilanesberg wohl in diesem Jahr für uns bereithält? ...wenn wir jetzt schon gewusst hätten, was am nächsten Tag unseren Weg kreuzen wird, wären wir vor Vorfreude wahrscheinlich schlechter eingeschlafen...
Teil 2515. Mai 2016
10.02.2016
Zur Gateöffnung geht es noch vor dem Frühstück auf eine kurze "ganz früh am Morgen-Pirsch". Wir biegen direkt hinter dem Gate von der gepflasterten Hauptstraße ab und erkunden den sehr verbuschten nordöstlichen Teil des Parks. Viel Wild lässt sich leider nicht sehen: Bis auf einige Zebras und Giraffen und einen Schabrackenschakal bleibt dieser erste Gamedrive des Tages sichtungsfrei und wir sind etwas enttäuscht - vor allem als beim Frühstück ein Südafrikaner von seiner Leopardensichtung berichtet: "He walked right in front of my car. Awesome!"
Da wir Manyane heute schon wieder verlassen müssen, um eine passende Hütte im Bakgatla Resort zu beziehen, packe ich in unserem Heim für die letzte Nacht die Koffer, während meine Frau und die Kinder den frisch renovierten Spielplatz unsicher machen. Direkt vor unserer Hütte tummeln sich einige Dungbeetles - Zeit sich auf die Erde zu legen und das Makroobjektiv zu bemühen, das auf dieser Reise bisher zu wenig im Einsatz war.
Nach einer halben Stunde sitzen wir alle wieder putzmunter im Auto und hoffen, dass trotz bereits vorgerückter Morgenstunde das ein oder andere Tier noch nicht unter dichtem Buschwerk verschwunden ist. Und die Chancen stehen gar nicht so schlecht, denn heute ist es ziemlich bedeckt und dadurch auch nicht so heiß.
Wir fahren auf der Hauptstraße in den Park hinein - aber nur wenige hundert Meter, denn nach einer Kurve treffen wir auf einige unserer afrikanischen Lieblingstiere: Ein Rudel Wildhunde läuft direkt vor uns auf der Straße! 😁
Bald drehen sie mal nach links oder rechts in den Busch, kommen aber schnell wieder auf die Straße, um dort zu ruhen, miteinander zu spielen, an Stöckchen zu gnaulen... Für rund eine Stunde können wir bei den Wildhunden bleiben, bis sie sich schließlich in den dichten Busch verabschieden. Diese Sichtung ist für uns einer der Höhepunkte der Reise und wir hatten im Pilanesberg überhaupt nicht damit gerechnet, da es im ganzen Park nur ein Rudel gibt und es schon ein Riesenzufall ist, wenn unsere Wege sich kreuzen würden. Vor allem, weil die Wildhunde des Parks in dem Ruf stehen, sich an den Außengrenzen des Parks aufzuhalten (sie nutzen die Zäune als Jagdhilfe) und um die Touristenstraßen einen Bogen zu machen. Wir sind im siebten Safarihimmel und auch unsere Große spürt sehr deutlich, dass sie hier ganz besondere Tiere beobachten darf. Und da ich bei der Erinnerung noch immer ins Schwärmen gerate, folgt nun eine kleine Fotoschwemme, die ihr mir hoffentlich verzeiht... 😉
Beseelt und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen fahren wir weiter in den Park hinein: Diese Reise hat unsere Sichtungshoffnungen wirklich umfassend erfüllt. Wir sind glücklich.
Fortsetzung folgt...
Teil 2615. Mai 2016
Fortsetzung:
Nach der Wildhundsichtung ist der Tag für uns jetzt ein gelungener. Alles, was wir heute noch sehen, verbuchen wir als reinen Bonus.
Unsere heutige Tourplanung sieht die Fahrt zum Makorwane Dam vor, an dem wir eine längere Pause machen wollen, um von dort aus ins bergigere Hinterland des Parks zu fahren, das abseits der Hauptstraßen liegt und weitaus weniger befahren ist. Der Himmel zieht weiter zu und es kommt immer wieder zu kleinen Regenschauern, die jedoch nur ein kleiner Trost bei der herrschenden Dürre sein können: An allen Stauseen sind wir erschrocken darüber, wie niedrig der Wasserstand ist. Als wir in der Trockenzeit im August 2014 hier waren, waren die Seen weitaus üppiger gefüllt.
Auf dem Weg durch den Park begegnen uns viele Zebras, Gnus, Impalas, Springböcke und das ein oder andere Warzenschwein. In den Stauseen ruhen Flusspferde und am Ufer sieht man vereinzelt Krokodile liegen.
Am Makorwane Dam haben wir Glück. Gerade noch rechtzeitig können wir eine Elefantenherde beim Trinken beobachten, bevor sie alsbald davonzieht. Wir freuen uns über unsere ersten Elefanten in diesem Jahr.
Der Weg durch das hügelige Hinterland führt uns an einigen der nicht so häufig anzutreffenden Antilopen des Parks vorbei: Wir entdecken eine Kuhantilopenherde mit Nachwuchs und zwei grasende Tsessebes. Auch Wasserböcke kreuzen unseren Weg und stehen für Portraitaufnahmen Modell.
Auf dem Weg Richtung Bakgatla Gate beobachten wir schließlich noch einige Flusspferde, die zum Grasen an Land kommen und treffen auf unser erstes Breitmaulnashorn dieser Reise - ein schlammverkrustetes Prachtexemplar, das sich ausdauernd von uns ablichten lässt.
Das Bakgatla Resort liegt gleich hinter dem gleichnamigen Gate am nördlichen Ende des Parks. Wir werden bereits erwartet und bekommen eine Hütte in der großen und etwas in die Jahre gekommenen Anlage zugewiesen. Sie besteht aus einem Wohn- und Esszimmer mit Küche, das sich über zwei Etagen erstreckt, einem kleinen Schlafzimmer und einem Badezimmer. Wir beschließen, die obere Ebene als Schlafzimmer zu nutzen. Hier ist man nah an der Klimaanlage und der Raum ist insgesamt so groß, dass es nicht allzu stickig werden dürfte. Und für unsere große Tochter ist dieses offene Schlafzimmer ein besonderes Highlight.
Zu Abend essen wir im Restaurant des Resorts, das sich am Campingplatz in einer großen Halle befindet. Die Größe und weitgehende Leere des Saals sorgen dafür, dass keine rechte Atmosphäre aufkommen will. Der Service ist aber sehr aufmerksam und das Essen gut.
Bald darauf geht es in unsere Hütte und nachdem wir noch ein wenig gespielt und vorgelesen haben, klettern wir in unsere Betten und sind gespannt auf den nächsten Tag im Pilanesberg.
Teil 2717. Mai 2016
11.02.2016
Heute haben sich alle Wolken verzogen und ich fahre allein in den Park auf eine kleine Morgenpirsch. Zur Gateöffnungszeit bin ich da. Außer mir wartet noch ein weiteres Auto. Das Gate aber ist unbesetzt und so bleibt es auch die nächste halbe Stunde... Immer länger wird die Autoschlange. Immer wieder kommen Kleinbusse an, die in beeindruckend großer Zahl Lodgeangestellte ausladen, so dass ich mich wundere, wie diese vielen Menschen in den Wagen Platz gefunden haben können. Irgendwann kommt ein Auto in hoher Geschwindigkeit angefahren, eine Dame steigt aus, murmelt ein ganz knappes "Sorry" und macht sich daran, das Tor zu öffnen. So geht der heutige Tag mit einer kleinen Verspätung los. Die erste Fahrt nutze ich, um noch einmal den zentralen Bereich des Parks um den Mankwe Dam zu besuchen. Heute morgen scheint nicht viel los zu sein. Wenn man mit den Guides der recht zahlreichen geführten Touren spricht, die vor allem von großen asiatischen Reisegruppen gebildet werden, erfährt man, dass auch sie ziemlich ergebnislos im Park herumfahren. Teilweise kommt es daher bereits bei einem gesichteten Warzenschwein zu Aufläufen mit etwa vier Gamedrive-Fahrzeugen...
Ich genieße die frische Luft und das sanfte Licht der aufgehenden Sonne und treffe schließlich noch auf einen Blackshouldered Kite und einen Elefanten, der im Rahmen seines Frühstücks ganze Bäume rodet.
Auf der Rückfahrt zum gemeinsamen Familienfrühstück komme ich dann noch an einer Breitmaulnashornfamilie vorbei, die sich lange beim Grasen beobachten lässt.
Pünktlich zum Aufwachen der Kinder bin ich zurück, sodass wir gleich gemeinsam zum Restaurant des Camps fahren und unser Frühstück genießen können. Dieses findet in Buffetform statt und bietet eine tolle Auswahl an kalten und auch ungewöhnlichen warmen Speisen (Rinderleber...). Gut gesättigt packen wir zusammen, um gemeinsam zu einem erneuten Parkausflug aufzubrechen.
Teil 2820. Mai 2016
Fortsetzung 11.02.2016
Nach dem Frühstück fahren wir in den bergigen Ostteil des Parks. Hier gibt es einige schöne Aussichtspunkte über die tiefergelegenen Teile der eingestürzten Caldera, aus der das Parkgebiet besteht.
Von hier oben sehen wir am Makorwane Dam eine trinkende Elefantenherde und beschließen, den See zu unserem nächsten Ziel zu machen. Vielleicht sind die Elfanten ja geduldig und wir kommen noch rechtzeitig, bevor sie wieder im Busch verschwunden sind. Bereits auf der Straße zum See begegnet uns eine kleine Elefantengruppe, die am Straßenrand futtert und irgendwann in Richtung unseres Autos marschiert. Wir wollen ihnen Platz gewähren und schalten in den Rückwärtsgang. Die Fahrt zurück kommt aber nach wenigen Metern zum Stillstand, denn hinter uns bricht plötzlich eine weitere Herde aus dem Busch. Derart umzingelt von Elefanten fühlen wir uns in unserem Wagen nicht sehr wohl und versuchen bewegungslos innezuhalten, während eine ganze Reihe von grauen Riesen in ein bis zwei Metern Entfernung an uns vorbeizieht und uns zum Glück keines Blickes würdigt. Schnurstracks biegen die Tiere dann bald von der Fahrbahn in Richtung Wasser ab und wir können ganz erleichtert zum Hide weiterfahren, wo wir die Elefanten in beeindruckender Nähe (auch hier trennen uns von einigen Tieren nur zwei bis drei Meter) lange beim Trinken und Schlamm- und Wasserbad beobachten. Die nächste halbe Stunde wird für uns zu einem der intensivsten Elefantenerlebnisse, die wir bisher haben durften.
Nach einer Vielzahl von begeisterten "Da-Rufen" unserer Kleinen verabschieden wir uns von den Elefantenherden und fahren Richtung Parkmitte zum Mankwe Hide. Dem Mankwe Dam, dem größten See im Park, ist die Dürre deutlich anzusehen - weite Teile, die in der Trockenzeit 2014 überflutet waren, liegen nun trocken.
Wir können u.a. einige Maskenweber und erneut junge Krokodile entdecken.
Im Schilf vor dem Hide wartet dann noch eine ganz besondere Sichtung auf uns, zu der wir einen respektvollen Abstand halten- unsere erste Black Mamba.
Hocherfreut über dieses Erlebnis fahren wir langsam in Richtung Camp, denn in der herrschenden Mittagshitze hat sich das meiste Wild sowieso in den dichten Busch zurückgezogen und die Kinder haben auch so langsam keine Lust mehr auf das Auto. Während der Fahrt begegnen uns noch einige neugierige Kudus.
Nach einer ausgedehnten MIttagsrast und Spieleinheit in unserer Hütte fahren wir zu einem kurzen Abendausflug erneut in den Park. Im schönen Licht des Abends begegnen uns einige Breitmaulnashornfamilien. Über die Sichtung eines Buschhasen in natürlicher Beleuchtung freuen wir uns besonders. Am Ende der Fahrt steigen wir noch einmal Rathlogo Wasserloch aus, es sind aber leider keine Trinkgäste dort. Dafür können wir viele schlammverkrustete Krabben beobachten, die aktiv werden, sobald die Sonne nicht mehr direkt scheint.
Zu Abend essen wir erneut im großen und leeren Speisesaal des Restaurants und ziehen uns bald in unsere Hütte zurück, um unseren letzten Abend im Pilanesberg gemeinsam ausklingen zu lassen.
Teil 2922. Mai 2016
12.02.2016
Heute bricht unser letzter voller Tag in Südafrika an. 🙁 Früh am Morgen machen meine Frau und ich zwei kurze Solo-Ausflüge in den Park, damit sich unsere Kinder noch etwas ausruhen und ihren Bewegungsdrang stillen können, schließlich müssen wir heute noch bis nach Johannesburg fahren. Auf unseren Morgentouren sehen wir noch einmal die typischen Huftiere der Buschsavanne und auch Breitmaulnashörner zeigen sich erneut. Katzen haben sich dieses Jahr im Pilanesberg jedoch gegen uns verschworen, aber das stört uns nach unserer Zeit im KTP kaum.
Fotos machen wir aber vor allem von einigen Vögeln, so von Maskenwebern und einem prachtvollen Oryxweber.
In den späten Morgenstunden werfen wir dann unser Gepäck ins Auto und durchqueren letztmalig den Park in Richtung Bakubung Gate. Unterwegs freuen wir uns über unsere erste Sichtung eines Ellipsenwasserbockkalbes und über ein übermütiges Zebrafohlen, das ausdauernd Kapriolen schlägt und sich des Lebens freut und wir uns mit ihm.
Kurz vor dem Gate machen wir am Lemgau Dam unseren letzten Halt und beobachten eine große Zahl von Sommergästen. Bestimmt fünfzig Weißstörche waten durch das flache Wasser. Gesellschaft leisten ihnen einige Marabus, deren enorme Größe im Vergleich mit unserem heimischen Adebar erst so richtig deutlich wird.
Mit diesen Eindrücken verabschieden wir uns vom Pilanesberg und treten unsere Rückreise nach Johannesburg an, die flott und ohne erwähnenswerte Ereignisse verläuft - einzig ein Gewitter, das wir durchfahren müssen, macht die Reise etwas abenteuerlich, da Blitze in schneller Taktung zur Erde fahren und die Sichtweite wegen des Regens arg reduziert ist. Zum Glück kommen wir aber sicher durch das Unwetter und erreichen den O.R. Tambo Airport am späten Nachmittag. Dort geben wir unser Auto ab und werden bereits von einem überaus freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter der Africa Sky Lodge erwartet, der uns in einem Kleinbus zu unserer letzten Übernachtungsdestination bringt. Die Lodge gefällt uns gut: Niedrige Gebäudeflügel gruppieren sich um einen schönen Garten, die Zimmer sind geräumig und luxuriös eingerichtet. Auch das Abendessen schmeckt uns und die Angestellten fallen durch ihre ausgeprägte Kinderfreundlichkeit auf. Nach dem Essen bringen wir unsere Kinder ins Bett und packen alles für den morgen anstehenden Flug nach Mauritius zusammen. Intelligentes Packen benötigt Zeit und so sind wir bis spät in die Abendstunden beschäftigt, bevor auch wir erschöpft und voller schöner Erinnerungen einschlafen können.
13.02.2016
Nach einem recht schnellen Frühstück werden wir zurück zum Flughafen gebracht. Gilbert, der Angestellte, der uns auch gestern abgeholt hat, hilft uns aufs Liebenswürdigste dabei, das Gepäck einzuchecken (wir müssen am Schalter nochmal alle Koffer umpacken, da zwar das Gewicht des Gepäcks in Summe unter der Obergrenze liegt, aber ein Gepäckstück leider allein zu schwer ist...). Die Verabschiedung fällt herzlich aus - wir sind uns sicher, dass wir, wenn wir während einer der nächsten Reisen mal wieder eine Zwischenübernachtung in Flughafennähe benötigen sollten, uns erneut für die Africa Sky Lodge entscheiden würden.
Der Flug nach Mauritius startet pünktlich und wir sind gespannt, was uns in der nächsten Woche auf der Insel als Kontrastprogramm zu unserer Zeit in Südafrika und Namibia erwarten wird.
Teil 3023. Mai 2016
Fortsetzung 13.06.2016
Der Flug nach Mauritius geht recht schnell vorbei. Bereits der Landeanflug präsentiert uns die grüne Insel, die von einem weißen Korallengürtel malerisch umgeben ist. Am kleinen Flughafen wundern wir uns darüber, warum es im Gebäude so schwül ist, bemerken aber beim Heraustreten, dass die feuchte Hitze, die uns hier erwartet, das Flughafeninnere geradezu kühl erscheinen lässt. Wir fahren mit einem Sammeltaxi vom Flughafen, der im Süden der Insel liegt ganz in den Norden zu unserem Hotel für die nächste Woche, das in Grand Gaube gelegene Zilwa Attitude. Die Fahrt zieht sich enorm, denn es werden verschiedene Hotelanlagen angefahren und wir sind als letztes dran. Einen solchen Touristentransfer hatten wir lange nicht mehr - überhaupt ist der (durchaus schicke) Massenbetrieb auf der Insel ein deutlicher Kontrast zur weitgehenden Einsamkeit unserer letzten Reiseetappen. Ein Umstand, an den wir uns erst nach Ablauf der ersten Tage gewöhnt haben werden.
Im Hotel werden wir mit einem kleinen Snack begrüßt und genießen die herrliche Aussicht auf den indischen Ozean, die sich vom Eingangsbereich des Hotels aus bietet.
Danach bringt man uns in ein schlichtes und trotzdem schickes Zimmer, dessen Aircondition in den nächsten Tagen unser bester Freund werden wird, denn die feuchte Hitze hat es hier wirklich in sich. Wir machen heute nur noch einen kleinen Rundgang auf der Hotelanlage, deren Ausmaß architektonisch geschickt kaschiert ist, und erkunden den Strand, Nach Sonnenuntergang essen wir im Freiluftrestaurant des Hotels ein Dinner in Buffetform, das gut, aber nicht überragend ist. Überhaupt muss man sich daran gewöhnen, warme Speisen bei 35 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit zu sich zu nehmen und mit wirklich vielen Menschen gemeinsam die Mahlzeiten zu verbringen. Die Kinder haben damit die kleinsten Probleme... Unsere kulinarisch versierte Große spricht dann auch den Nudeln am Kinderbuffet reichlich zu - natürlich pur und ohne jede Soße. Gesättigt und erledigt geht es für uns alle vier ins Bett.
Hier noch einige Eindrücke, die sich uns bei der Erkundung des Hotels geboten haben:
Die nächste Woche werden wir einerseits damit verbringen, das Meer zu genießen, Sandburgen zu bauen und zu schnorcheln oder mit den Kindern Glasbodenboot zu fahren (...oder der Hitze zu entkommen und im heruntergekühlten Zimmer zu liegen...). Andererseits wollen wir natürlich die Insel erkunden und vor allem auf diese Ausflüge möchte ich euch in den nächsten Tagen gern mitnehmen.
Teil 3125. Mai 2016
Erster Ausflug: Erkundung des Nordens
Auf Mauritius haben wir darauf verzichtet, einen Mietwagen für die gesamte Woche zu buchen, wir wollen es hier schließlich etwas ruhiger angehen... Um von A nach B zu gelangen, ist ein eigenes Auto aber auch gar nicht nötig (Landstraßen sind auch nur schlecht beschildert...), da Taxifahren sehr verbreitet und erschwinglich ist. Wir lassen uns also am Morgen über den Empfang des Hotels ein Taxi rufen und handeln mit dem Fahrer einen Festpreis für den Besuch der Orte aus, die wir in unserem Reiseführer als für uns interessant befunden haben. Der Fahrer wird uns zu allen Punkten fahren und immer auf uns warten. Die Besichtigungen selbst machen wir auf eigene Faust. Während wir warten, entdecken wir einige Tiere auf dem Hotelgelände.
Zuerst führt uns die Route nach Pamplemousses, einer kleinen Stadt gar nicht weit vom Hotel entfernt, die einen wunderschönen botanischen Garten beherbergt. Der Rundgang ist sehr lohnenswert und führt durch unterschiedlichste Vegetationszonen und vorbei an Gehegen mit Javahirschen und Riesenschildkröten, die von den Seychellen importiert wurden, da die heimischen Vertreter bereits vor Jahrhunderten von den Seefahrern ausgerottet worden sind (wie auch der Dodo und der Großteil der übrigen endemischen Fauna. Die gegenwärtige Tierwelt besteht fast gänzlich aus eingeführten Arten). Trotz der Morgenstunden ist es schon wieder sehr heiß und drückend schwül, daher ist der Spaziergang ziemlich anstrengend und wir sehen auch nicht jede Ecke des Parks.
Auf der Weiterfahrt sehen wir am Straßenrand einen kleinen tamilischen Tempel und bitten den Fahrer anzuhalten. Die religiöse Vielfalt der Insel ist für uns einer der faszinierendsten Aspekte unseres Aufenthalts, vielleicht auch, weil hinduistische Gotteshäuser für uns eine ganz neue Erfahrung sind.
Unsere letzte Station dieses Ausflugs führt uns schließlich zum größten Hindutempel der Insel, dem Maheswarnath Tempel. Ein lokaler Führer bietet uns seine Dienste an und wir verständigen uns mit Händen und Füßen, da er keine uns irgendwie bekannt erscheinende Sprache zu sprechen scheint. Er führt uns durch die verschiedenen Schreine der Anlage und stattet vor allem unsere große Tochter mit allerlei Opfergaben aus, die sie den Götterstatuen darbringen soll. Wir sind fasziniert von der Fremdartigkeit der Anlage und genießen die dort herrschende Ruhe, die nur ab und zu durch religiöse Gesänge einer Frauengruppe unterbrochen wird, sodass wir mit allen Sinnen genießen können.
Ziemlich erschöpft kommen wir wieder im Hotel an und verleben dort entspannt den Rest des Tages.
Teil 3227. Mai 2016
Zweiter Ausflug: Die Hauptstadt Port Louis und das malerische Cap Malheureux
Heute brechen wir mit dem Taxi zu einem Halbtagesausflug auf. Wir wollen vor allem die Hauptstadt der Insel erkunden. An der modern wirkenden Waterfront lässt uns unser Taxi aussteigen.
Wir spazieren zuerst durch das Hafengebiet, um das Aapravasi Ghat zu besichtigen, das den Status einer Unesco Welterbestätte innehat. Ab 1834 diente es als Zwischenstation für 450.000 Menschen vor allem aus, die als Schuldknechte Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen der Insel angenommen hatten und dort nach der Abschaffung der Sklaverei die Sklaven ersetzen sollten. Die Überreste des Gebäudekomplexes beherbergen eine interessante (wenn auch etwas unkritische) Dauerausstellung, die in vielen interaktiven Tableaus und Schautafeln die Ursprünge eines großen Teils der heutigen Bevölkerung auf Mauritius anschaulich darstellen. Ein lohnenswerter Besuch.
Die Wege im Zentrum von Port Louis sind zum Glück sehr kurz, denn es ist wieder einmal heiß und extrem feucht, sodass der folgende Spaziergang durch die Marktstraßen der Stadt anstrengend wird. Trotzdem genießen wir das bunte Treiben an den Marktständen und in der doppeltstöckigen Markthalle.
Immer wieder werden Bilder unterschiedlicher Religionen an den Ständen verkauft, dieses multireligiöse Selbstverständnis der Insulaner und die Friedlichkeit und Selbstverständlichkeit, wie diese Vielfalt gelebt wird - wie uns viele Einheimische immer wieder versichern - finden wir ausgesprochen sympathisch.
In diesem Sinne möchten der größten Moschee der Insel, der Jummah Moschee, einen Besuch abstatten und finden in ihr eine ruhige Insel in der (doch recht begrenzten) Hektik der Hauptstadt.
Zum Abschluss unserer Stippvisite in Port Louis lassen wir uns zur Zitadelle oberhalb der Stadt fahren und erkunden die karge Festungsanlage, genießen aber vor allem schöne Ausblicke auf die zu unseren Füßen liegende Stadt.
Bevor wir ins Hotel zurückkehren, statten wir noch dem Cap Malheureux an der nördlichen Spitze der Insel. Bekannt ist das Kap durch eine katholische Kapelle mit auffällig rotem Dach, die häufiges Motiv für Postkarten ist. Hier genießen wir die schönen Ausblicke auf den nahen Coin de Mire, die Felseninsel, die auch den Blick von unserer Hotelanlage aus bereichert.
Anschließend geht es zurück ins Hotel und am Nachmittag noch einmal mit einem Glasbodenboot zum Korallenriff. Vor allem für unsere Große ist das eine tolle Gelegenheit erste Einblicke in die Unterwasserwelt zu bekommen.
Der nächste Tag ist ein Ruhetag und am übernächsten brechen wir dann zu unserem letzten Ausflug auf, um den Süden der Insel zu erkunden. Und dann geht es auch schon zurück nach Deutschland...
Teil 3329. Mai 2016
Dritter Ausflug: Erkundung des Südens
Von unserem Hotel in Grand Gaube ist eine Fahrt durch den Süden der Insel ein Ganztagesausflug. Wir greifen dafür etwas tiefer in die Tasche und buchen für den heutigen Tag einen Driverguide, der uns auch kompetent durch die Sehenswürdigkeiten führen wird und außerdem ein Auto mitbringt, das - anders als das Taxi, das wir kennen gelernt haben - eine Klimatisierung besitzt, die den Namen auch verdient. Und die ist uns für die längeren Fahrstrecken des heutigen Tages sehr wichtig. Als erstes sehen wir uns den Vulkan Trou aux Cerfs an, der ziemlich in der Mitte der Insel nahe der Stadt Curepipe liegt. Der Aussichtspunkt bietet einen Einblick in die bewaldete Caldera und vor allem schöne Blicke über die Insel.
Als nächstes steuern wir unser persönliches Highlight unter den Sehenswürdigkeiten der Insel an - den Kratersee Grand Bassin. Der wenige Kilometer von Le Pétrin gelegene See, von Hindus auch Ganga Talao («See des Ganges») genannt, ist die größte hinduistische Pilgerstätte außerhalb Indiens. Der Legende nach ist der Kratersee mit dem heiligen Fluss Ganges in Indien verbunden. Shiva, der Gott der Zerstörung und Erhaltung, und seine Gattin Parvati flogen einst mit einem Schiff um die Erde. Shiva wollte seiner Frau die schönsten Plätze der Erde zeigen, so machten die beiden auf der Insel Mauritius Halt. Shiva trug während seiner langen Reise den Fluss Ganges auf seinem Kopf, um die Welt vor Überschwemmungen zu schützen. Als die beiden auf Mauritius landen wollten, verschüttete Shiva versehentlich Wasser des Ganges. Die Tropfen flossen in einem Kraterloch zusammen- so entstand Grand Bassin. (Quelle: der-mauritius-reiseführer.de) Wir finden die Anlage einfach nur beeindruckend. Der See strahlt eine ungemein friedliche Stimmung aus und die Statuen innerhalb des Wassers verleihen dem Ort eine ganz besondere Aura. Ganz besonders gefällt uns, dass wir sowohl innerhalb des kleinen Tempels als auch am Ufer des Sees das völlig untouristische religiöse Leben der Hindus kennen lernen können. Da in wenigen Wochen das Maha-Shivaratree-Fest gefeiert wird, wird die Anlage gerade auf Vordermann gebracht, denn dann begeben sich mehr als 400 000 Gläubige auf Pilgerreise zu dem heiligen See und bringen den Gottheiten Opfer dar.
Danach fahren wir weiter in den Black River Gorges Nationalpark, der einen gebirgigen Landstreifen schützt, der uns auf beeindruckende Weise vor Augen führt, wie die Insel ursprünglich ausgesehen hat, bevor der größte Teil des Inselinneren entwaldet und von Zuckerrohrfeldern bedeckt worden ist. Der Blick in die Urwaldschlucht ist wundervoll. Das satte Grün der Urwaldbäume ist unterbrochen von zahlreichen kleinen Wasserfällen. Über allem kreisen einige Tropenvögel, von unten aus dem Dickicht dringt das Gebrüll von Affen zu uns hinauf. Falls wir noch einmal nach Mauritius zurückkehren sollten, würden wir hier gern wandern gehen - aber das wäre ein Unterfangen für eine andere Jahreszeit...
Die letzte Station unserer Rundfahrt ist der Chamarel-Wasserfall. Der Rivière de Cap stürzt hier über eine Felskante knapp 100 m malerisch in die Tiefe.
Ganz in der Nähe befindet sich eine weitere Naturschönheit: die Siebenfarbige Erde. Die Hügellandschaft ist wie die ganze Insel vulkanischen Ursprungs. Die Farben kommen durch die Umwandlung von Basaltlava in Tonminerale zustande. Alle unter tropischen Verwitterungsbedingungen wasserlöslichen Bestandteile wie z. B. Kieselsäuren sind weggewaschen, es bleiben nur noch das rötlich/schwarze Eisenoxid und Aluminiumoxid übrig, das Farben von blau über violettblau bis blaugrün erzeugt. In unterschiedlichen Zusammensetzungen kommt es zu den verschiedenen Farben. Auch gibt es hier ein kleines Gehege mit Riesenschildkröten.
An der Ostküste geht es dann wieder gen Norden, wo wir am späten Nachmittag erschöpft und voll mit neuen Eindrücken im Hotel ankommen.
Den letzten Tag verbringen wir noch einmal im Hotel mit Strandaktivitäten und beginnen auch damit zu packen.
Au revoir île Maurice!
Die Rückreise verläuft schließlich (zum Glück) ruhig und unspektakulär - ist aber allein wegen ihrer Länge sehr anstrengend. Zuerst der etwa zweistündige Transfer zum Flughafen der Insel, dann der Flug nach Johannesburg und nach einigen Stunden Pause direkt via Nachtflug weiter nach Deutschland. Puh...
An dieser Stelle schon einmal ein großes Dankeschön für euer Interesse, die netten Kommentare und das bestätigende Danke-Drücken! (Es folgt nur noch ein kurzes Fazitkapitel). Es hat mir großen Spaß gemacht, die Reise noch einmal zu erleben und ich bin reiseberichttechnisch wirklich auf den Geschmack gekommen. Die Möglichkeit eine Reise noch einige Monate länger im Kopf derart lebendig zu erhalten ist schon wirklich großartig. Wenn ihr mögt, geht es von unserer Seite im Herbst reiseberichtlich weiter. Dann wird es wohl heißen: Kinder und (u.a. hoffentlich einige) Katzen im Kruger.
Teil 3401. Juni 2016
Ein kurzes Fazit als Ende des Berichts
In weiten Teilen fällt die abschließende Bewertung unserer Tour euphorisch aus, das liegt vor allem daran, dass
- der KTP ein rundum wundervoller Ort ist, der sich direkt bei unserem Erstbesuch eine Spitzenplatzierung bei den uns bekannten afrikanischen Schutzgebieten eingenommen hat. Die wunderbare Landschaft der Flusstäler und der Dünen, die tagtäglich erlebte Einsamkeit und nicht zuletzt die fantastische Fauna (selten hatten wir so viele Katzensichtungen unterschiedlicher Art und von so langer Dauer und dazu noch viele weitere "Besonderheiten" 😁 ) haben den Vorsatz in uns reifen lassen, unbedingt 2017 noch einmal hierher zu kommen. Ein echter Sehnsuchtsort eben. Und eine Braune Hyäne und Erdmännchen wollen wir schließlich auch noch fotographieren... 😉 - die Canyon Lodge und ihre Umgebung für uns zu den malerischsten Flecken im südlichen Namibia gehören. - die Augrabiesfälle eine interessante Neuentdeckung waren (zu der es uns aber wahrscheinlich nicht so bald erneut ziehen wird) - der Pilanesberg (gerade auch für unsere Kinder) auf recht kleiner Ausdehnung viele Tiererlebnisse ermöglicht und er für uns in diesem Jahr ein Rudel Wildhunde bereit hielt. 😄 - Mauritius eine Insel ist, die sowohl traumhafte Strände und den fantastischen grünblauen indischen Ozean mit Badewannentemperatur bereit hält, als auch landschaftlich (außerhalb der dominierenden Zuckerrohrfelder) und kulturell Vieles zu bieten hat. - die Unterkünfte insgesamt unseren Bedürfnissen entsprochen haben und ein paar schöne Überraschungen dabei waren, wie z.B. das Riverfrontchalet in Mata Mata, das wir definitiv wieder buchen würden. - der gemietete VW-Bus uns Vieren genug Platz zum Ausbreiten bot und auch die nötige Höhe hatte, um bequem über höhere Böschungen zu spähen. - es toll war, unsere Kinder fasziniert von der großartigen afrikanischen Natur zu erleben, zu schmunzeln, wenn unsere Große uns voller Stolz auf den hundertfünfzigsten Springbock aufmerksam macht, mit ihnen abends am Lagerfeuer zu sitzen, dabei mit Blick auf den Sternenhimmel, der so wunderbar an wenigen Orten der Welt ist, ein Savannah Dry zu genießen und den Duft des gerade niedergegangenen Gewitters einzusaugen. - unsere Kleine im Angesicht von Elefant, Zebra und Co das Zeigen und Da-Rufen gelernt hat. - wir viele ungemein nette und hilfsbereite (und kinderfreundliche) Menschen getroffen haben.
Was war weniger schön? 1) Das Klima war streckenweise eine echte Herausforderung. Wir wussten von der Backofenhitze in der Kalahari, hatten aber nicht mit einer Unterkunft wie in Nossob gerechnet. Die einfachen Reihenhäuschen ohne Klimaanlage können wir in den Sommermonaten wirklich nicht weiterempfehlen. Die Nächte waren eine Qual. 2) Der Schlenker durch das südliche Namibia sollte ein wenig Abwechslung in die ansonsten sehr wildlife-lastige Tour bringen. Rückblickend hat sich das aber nicht wirklich gelohnt, da die Fahrstrecken einfach zu weit waren und dies gerade mit unseren Kindern eine etwas blauäugige Planung war. Wir hatten zwar schöne Erlebnisse rund um den Canyon, aber entweder hätten wir etwa drei Nächte mehr in Namibia spendieren müssen, um die Strecken auf ein sinnvolles Maß zu stutzen, oder wir hätten die Augrabiesfälle via Twee Revieren und Upington ansteuern und auf den Blick in den Canyon verzichten sollen. 3) Einige Unterkünfte würden wir so nicht noch einmal buchen. Beim Manyane Resort am Pilanesberg würden wir das nächste Mal darauf achten, einen größeren zweistöckigen Bungalow zu bekommen, der außerdem an der Außengrenze des Resorts liegt. Das The Falls Guesthouse würden wir nicht noch einmal auswählen - hier fühlten wir uns nicht so richtig willkommen, was aber überhaupt nicht an den Angestellten lag, die wir beim Frühstück kennen gelernt haben, sondern eher daran, dass die Besitzer kaum Notiz von uns nahmen und wir uns durch den Messingschilderwald in unserem Zimmer übertrieben bevormundet sahen. 4) Ich würde beim nächsten Mal eine Nachtfahrt in Twee Rivieren machen, um bspw. Springhasen zu sehen. Das haben wir leider nicht gemacht, da wir dachten, dass wir in Nossob oder Mata Mata so eine Fahrt noch nachholen könnten. Dort kamen sie - anders als in Twee Rivieren - aber leider nie zustande, da zu wenig Nachfrage da war.
Auch wenn die Negativliste recht viel Text umfasst, sind es doch im Rückblick Kleinigkeiten, die nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Es war eine ganz großartige Reise, die in diesem Bericht noch einmal zu durchleben mir riesige Freude bereitet hat. Das "Heimweh" nach Afrika bohrt, während ich diese Zeilen schreibe, vereint mit der Dankbarkeit, solche Reisen mit den Menschen, die mir am wichtigsten sind, erleben zu dürfen. Aber das Schöne ist: Es ist nicht mehr lang bis zu unserer Rückkehr, nach der sich alle Sinne sehnen.