Es ist noch dunkel, sprich 03.00 Uhr, als das Handy klingelt. Aufstehen, Frühstücken, Picknickbeutel packen und ab ins Auto. Um 04.00 Uhr starten wir - das Ziel - der Natronsee. Michael dirigiert Joseph auf den Naturstrassen. Fragt mich nicht wie er sich orientiert, es sieht alles gleich aus. Es heisst nur von hinten, links, rechts, gradeaus... Keiner ausser Micheal weiss, wo wir uns befinden. Nach 2 fängt es an etwas heller zu werden. Anhalten, um den Sonnenaufgang zu fotografieren, ist aus zeitlichen Gründen nicht erlaubt und auch nicht möglich, man würde total in einer Staubwolke ertrinken. Es ist nicht Sand, sondern Vulkanasche vom Oldonyo Lengai. Drum halt Bilder vom fahrenden Auto aus.



Wenn Ihr nun denkt, dass wir durch eine unbewohnte Gegend fahren, dann weit gefehlt. Es leben hier Maasai und bitte, stellt nicht die Frage, wovon sich die “Nutztiere” ernähren. Denn dank der langen Dürre sind weitflächig die letzten Wurzeln aus dem Boden rausgefressen. An Wildtieren finden wir wenig, eine Grantgazelle und eine schöne Gruppe Maasai Giraffen. Die Akazienblätter hoch oben können die Ziegen ja nicht abfressen. Gut gemacht Giraffe mit dem langen Hals.
Es wird staubiger und staubiger. Man sieht er ist hoch und Joseph meint, “the car is going”. Also anhalten und schauen, wo die Lösung ist. Erst aussteigen, als der Staub etwas verflogen ist. Einzige Lösung durch die Büsche einen Weg suchen, wo noch keine Fahrzeuge den Untergrund aufgeweicht haben. Klappt!
Die Brücke führt über den Ewaso Ngiro Fluss, dem wir bis zum Lake Natron folgen. Im Hintergrund versuchen sie durch Bewässerung Landwirtschaft zu treiben.

Das die Brücke für die Motorräder oder Pickipicki wie sie in Kenia und Tansania heissen

Es ist nun etwa 08.00 Uhr und wir sind nicht mehr weit vom Lake Natron entfernt. Doch da ist Hindernis Nr 1. Die Männer, ja Picco, es wäre doch zu langweilig nur Frauen .... werfen Steine rein und Joseph fährt dann souverän durch.

Zu früh gelacht, eine kurze Strecke weiter, kommt Hindernis Nr. 2 und da sieht es noch böser aus. Also noch mehr Steine reinwerfen.

Ein paar Steine werfe ich auch rein und ein Stein von jemand anderem spritzt, blöderweise ins Auge. Also rausweinen lassen. Doch fotografieren der Pflanzen geht dennoch.

Die rosa blühenden sind Wüstenrosen (Adenium obesum, ein Hundsgiftgewächs, also giftig), die breiten, grünen Blätter Sanseviera frequens aus der Drachenpflanzefamilie, die leicht 4-eckigen rechts hochragend Euphorbia heterochroma und hinten, ganz grün Fingereuphorbie (Euphorbia tirucalli).
Joseph fährt auch hier problemlos durch und nach wenigen Minuten sind wir an der Grenze. Hier getraute ich mich nicht zu fotografieren. Es steht da also eine Strohhütte und davor stehen Maasais. Mit denen wird nun verhandelt, denn keiner hat ein Visum. Würde auch nicht helfen, denn es ist kein offizieller Grenzübergang. Nach so 20 Minuten diskutieren und etwas bezahlen, steigt einer der Maasai zu und weiter gehts - Tansania wir kommen. Der Weg ist gut, leicht kiesig, stellenweise von “Gras” bewachsen. Ein paar kleine Rinnsale werden umfahren. Und dann kommts, der Landcruiser bricht ein. Nichts hätte man dem Boden ansehen können.

Der Untergrund gibt nach und dieses lehmige Sodageschmiere macht den reifen fein wie eine Wursthaut. Hilft nur der Wagenheber. Doch der hält a nicht auf dem Boden und b ist er zu hoch, um unter die Stosstange geschoben zu werden. Also graben, Steine rein und ein Brett drauf und das bis es passt. Das Auto wird nun hochgebockt, so dass Steine unter das Rad geworfen werden können.

Wir Damen werden weggeschickt und spazieren zum Lake Natron, der nun gleich um die Ecke ist. Die Temperatur ist noch angenehm, doch das Licht flimmert und reflektiert vom Sodasee. Das das beste Bild von den vielen Flamingos. Die Gruppe schätzt und es kommen Zahlen zwischen einer halben und einer Million. Zudem sind auch noch grössere Gruppen von Rosapelikanen auf dem See. Es ist eindrücklich die rosa Fläche anzusehen. Schon bald flimmert die Luft und man sieht die Flamingos doppelt.

Ich spazier mal wieder zum Auto zurück. Oh nein, nun hat sich der rechte Hinterreifen auch noch eingegraben. Beide sind also auf einer Stelle, wo Wasser unterirdisch fliesst. Nun wir stellen fest, dass hier ziemlich viel von diesem grünen Gras ist - also der Indikator. Man/Frau lernt. Es haben sich noch mehr Maasai dazugesellt und schieben, als auch unter diesem Reifen genügend Steine liegen. Schwups, das Auto fährt. Toll gemacht Jungs. Nun ist die ganze Gruppe am See und das starke Fernrohr wird ausgepackt und aufgestellt. Vögel sollen hier auch gezählt werden. Bald spazieren wir langsam weiter, zu einer Stelle, wo Süsswasser ist und sich etliche Vogelarten tummeln. Pelikane kreisen über uns.


Seidenreiher, Graureiher, Pünktchenenten, Säbelschnäbler, Nimmersatt, Braune Sichler, Stelzenläufer, Graukopfmöven, Nilgänse, Kapenten, Löffler, Kühe und Esel sind in unserem Blickfeld. So kurz nach 10.00 Uhr verabschieden wir uns vom See und fahren wieder an den Grenzposten. Und nun haben wir auch erfahren, dass es eine Strasse oben rum gibt, wo die Männer vorher Steine reinwerfen mussten. Also kommen wir ganz schnell vorwärts auf der ordentlichen Holperpiste. An einer idyllischen Stelle am Fluss halten wir. Ein Nilwaran springt ins Wasser und ein Fitis lässt sich fotografieren. Ein Teil der Zugvögel sind bereits hier.

Zum Picknicken fahren wir weiter, fordern aber ein ebenso nettes Plätzchen mit grossen, schattenspendenden Bäumen. Und das bekommen wir auch! Da turnen ein paar Vögel rum und jegliche Libellen - auch diese Grosslibele / Tigerschwanz (Ictinogomphus ferox)

Noch wird etwas gerastet, bevor es Richtung Camp geht. Wir fahren eine andere Route, wo kein tiefer Staub mehr liegt, sondern mehr steinig ist. Der Grund, warum wir nachts hier nicht durchgefahren sind, dass hier gelegentlich vom Landbesitzer Autos angehalten werden. Riesentrappen, Zebras, Grantgazellen und Giraffen bekommen wir zu sehen und Windhosen steigen in den Himmel.

Etwa um 15.00 Uhr sind wir im Camp. Doch Washington gönnt uns keine lange Pause......