Nachtrag - wer den Reisebericht ohne Kommentare lesen möchte, braucht nur auf die Sonne klicken – wir haben jetzt alle Einträge entsprechend markiert! 🤩
MooseOnTheLoose und ich sind nach 3 1/2 Wochen Madagaskar wohlbehalten, jeweils in einem Stück, zurückgekehrt, nach einer anstrengenden, aber irrsinnig schönen Reise.
Was es mit den Knäckebroten auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen (das haben wir unterwegs geschrieben):
Unsere erste Etappe ist der Wald der singenden Teddybären, genauer gesagt der Andasibe-Nationalpark, wo die größte Lemuren Art, der Indri, beheimatet ist. Die sehen nicht nur niedlich aus, sondern können auch sirenenartige Rufe ausstoßen, die einem durch Mark & Bein gehen.
Sehr empfehlenswert, dort hin zu fahren. Wir haben im Feon Ny Ala übernachtet. Unser erstes Zebu-Steak am Abend: LECKER!
Teil 230. Juni 2012
Hier ein "Looping" im Dornenwald von Ifaty:
Teil 301. Juli 2012
Ok, hier ist mal eine der versprochenen Textpassagen:
Samstag, 23. Juni, Flughafen Tulear.
15:00 Ein Peugeot 505, der vermutlich mindestens genauso alt ist wie ich, setzt uns nach 1-stündiger Fahrt wohlbehalten am völlig menschenleeren Flughafen Tulear ab. Hätte ja was schiefgehen können, deshalb sind wir so früh gekommen. Das Angebot des Fahrers einer Stadtrundfahrt in Tulear, um den Nachmittag auszufüllen, lehnen wir daher auch dankend ab und verabschieden uns.
19:30: Der für diesen Termin angesagte Abflug von Air Madagascar nach Antananarivo verspätet sich erheblich. Eine halbe Stunde später startet der Flieger erst in Antananarivo und macht sich von dort auf den Weg nach Tulear.
20:30: Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle, die nicht existiert. Ich hätte im Rucksack auch eine Uzi dabei haben können, niemand hätte es bemerkt. Wahrscheinlich haben selbst Terroristen Mitleid mit diesem Land und halten es für unsportlich, ein Flugzeug dieser Airline zu entführen.
21:00: Eine Boeing 737-300 bremst abrupt von der Runway auf das Rollfeld, bleibt ruckartig stehen, die Triebwerke werden sofort ausgeschaltet. Das macht man eigentlich nicht, 5 Minuten sollten sie noch nachlaufen, bevor man sie ausschaltet (ok, ich habe beruflich mit sowas zu tun, daher tut es mir in der Seele weh, wenn man sie so ruppig behandelt).
21:15: Alle ausgestiegen. Keine Staubsauger-Crew, die erst mal sauber macht.
21:20: Wir steigen ein. MooseOnTheLoose macht noch schnell ein Foto, eine Stewardess im Eingang des Flugzeugs hat es bemerkt und erhebt mahnend den Zeigefinger.
21:28:00 Der Pilot lässt Triebwerk Nummer eins (links) an. Die sich dabei entwickelnde Geräuschkulisse ist sehr merkwürdig, bis mir auffällt, dass er wohl schon vor dem Anlassen den Schubhebel nach vorne geschoben hat, deshalb heult das Ding auch gleich lauthals auf. Das ist ungefähr so, als würde man beim Auto schon mal das Gaspedal durchtreten, bevor man den Zündschlüssel umdreht. So etwas macht man doch nicht!
21:28:30 Triebwerk Nummer zwei ereilt das gleiche Schicksal.
21:29 Der Pilot lässt abrupt die Bremse los, das Flugzeug bewegt sich sofort auf dem Rollfeld, weil die Triebwerke ja schon Schub liefern.
21:29:30 Sportlich lenkt er den Flieger um die Kurve auf die Runway, vermutlich will der Pilot einen Elchtest ausprobieren oder für den Taxi Brousse Grand Prix üben.
21:30 Die Schubhebel werden an den vorderen Anschlag getreten, mein Magen rutscht in die Hose und die Beschleunigungskräfte ziehen so an meinem Gesicht, dass es kurzzeitig ungefähr so wie das eines neapolitianischen Mastiff aussieht. Wir beschleunigen und steigen keine halbe Minute später gefühlt senkrecht in die Luft.
21:45 Der Pilot bemerkt, das es neben den Stellungen "Aus" und "An, Vollgas" auch eine Stellung für Reiseflug gibt und gönnt den gestressten Motoren ein wenig Entspannung.
22:15 Wir nähern uns Antananarivo. Der Pilot geht in einen Sturzflug Richtung Flughafen über.
22:30 Mit einem satten PLUMPS setzen wir auf.
22:30:05 "Das war's schon?" muss sich der Pilot wohl gedacht haben, traurig darüber, dass der Spaß schon vorbei ist. Ist er aber nicht. Man könnte ja noch den Schubumkehrer ausprobieren, der heutzutage normalerweise nur noch im Leerlauf geöffnet wird, um ein bißchen stärker zu bremsen. Er probiert ihn aber mit "maximum reverse thrust" aus, die Sicherheitsgurte ächzen unter der Bremskraft, mit der wir nach vorne gezogen werden.
22:30:30 Nach einer weiteren sportlichen Elchtest-Kurve auf das Rollfeld werden die Triebwerke abgestellt. Natürlich lässt er sie nicht 5 Minuten lang im Leerlauf abkühlen, wie sich das gehört. Da müsste er ja später Feierabend machen.
22:35 Die ersten Passagiere steigen vorne aus.
22:40 Nachdem die Dösbaddel es nach 5 Anläufen immer noch nicht geschafft haben, hinten die Gangway ranzufahren, steigen wir auch vorne aus. Geschafft!
Unser Tourguide erklärt uns dann, nachdem wir ihm von dem Erlebnis berichtet haben, dass Air Madagascar wohl einen berüchtigten Piloten hat, der immer besonders sportlich fliegt und auch schon mal gerne eine halbe Stunde vorher startet, wer dann nicht rechtzeitig da war, ist selber schuld.
Entweder hat der Pilot den Karrieresprung von Taxi Brousse auf Flugzeug geschafft, oder er gehörte ehemals zur madagassischen Luftwaffe, deren Inventar ihren Weg in die Aluminiumschmelze von Ambatolampy gefunden hat.
Immerhin, wir haben es überstanden. Die B737-300, die schon 20 Jahre auf dem Buckel haben dürfte, hoffentlich auch.
"Een echte Aventuur" würden die Holländer sagen (woher wir den Spruch haben, erkläre ich in einem späteren Textbeitrag).
PS: Liebe Firma Boeing: baut doch doch bitte in der Madagascar Edition der B737 im Cockpit eine große "MORA MORA" Warnlampe ein. Ist besser für die arg gebeutelte Gesichtshaut der Passagiere.
Teil 402. Juli 2012
Hier sind Eindrücke von einer Pirogenfahrt zu einem Fischerdorf in der Nähe von Ifaty, am Mozambique Kanal. Nicht nur hier haben wir das entspannte und freundliche Wesen der Menschen auf Madagaskar zu schätzen gelernt.
Teil 504. Juli 2012
Now for something completely different: das Andringitra- und das Tsaranoro-Gebirge, beide grenzen aneinander an, zum ersteren gehört der Pic Boby, auf den wir uns aber nicht scheuchen lassen wollten. Statt dessen haben wir uns für die (halbwegs) gemütliche Rentnerrunde auf den Pic Cameleon entschieden. War trotzdem anstrengend, dafür ein grandioser Anblick auf die Berge. Wir haben eine Nacht auf dem Pic Cameleon verbracht, die wahrscheinlich schönste auf der ganzen Reise.
Der Trip war bezeichnend dafür, wie Madagaskar funktioniert:
Erst mal ist es schwer hinzukommen, die Straßen sind in einem üblen Zustand:
Im Mewa-Camp funktionieren die Duschen nicht mehr, weil das Lehmhäuschen vor Ewigkeiten durch einen Zyklon demoliert wurde. Hätte man ja mal zwischendurch reparieren können. Die Zelte sind hässliche Erstickungskammern ohne Luftdurchzug, wer konstruiert nur so einen Mist? Wahrscheinlich made in China... Immerhin bekommen wir, berücksichtigt man die Lage weit entfernt von großen Straßen und die schwierige Versorgung, ziemlich gutes Essen. Belohnt wird man für die Mühe vor allem mit grandiosen Anblicken. Die Tsaranoro Berge sind ein Ort, der in mir das Gefühl weckt, in einem früheren Leben schon mal dort gewesen zu sein... Das Team aus einem Guide und zwei Trägern, welche uns die Campingausrüstung nach oben bringen und auch auf dem Berg bekochen wird, kümmert sich vorbildlich um uns, selten habe ich so etwas erlebt. Wenn ihr eines Tages mal vom Mewa Camp (falls es bis dahin noch steht) starten wollt, so verlangt unbedingt den "G.G." (Bilder von ihm kommen morgen).
Am ersten Tag machen wir nur eine kurze Wanderung in der Umgebung, der Aufstieg auf den Pic Cameleon ist dann morgen...
Teil 605. Juli 2012
Weiter geht's Richtung Pic Cameleon. Mit dem Blick von oben muss ich Euch auf morgen vertrösten. Wir besuchen ein Dorf vor den Tsaranoro-Bergen
Die Spitze links oben ist der Pic Cameleon:
und staunen über die Ausstattung des Dorfschmieds. Das einzige "Fertigteil", das er hat, ist wahrscheinlich der Gewindeschneider, selbst die Maulschlüssel sind aus eigener Produktion:
Mit der Hand kurbelt er ein turbinenartiges Gebläse an, das für ordentlich Feuer sorgt:
Teil 706. Juli 2012
Weiter geht's nach oben zum Pic Cameleon. Grandiose Ausblicke auf die Tsaranoro-Berge...
ein natürlicher Swimmungpool, aber eiskalt...
schließlich haben wir es geschafft:
Hinter Moose ist G.G., unser Guide. Sein Assistent hinten trägt nicht unsere Matte, auf der wir die Nacht verbringen werden. Die ist ein wenig größer und erfordert Verstärkung... mehr dazu morgen. Auf dem Weg nach oben gab es madagassischen Nudelsalat und Kekse. Erstaunlich, was die beiden für uns mit nach oben geschleppt haben. Wir hatten ja jeder mit der Fotoausrüstung schon eine Menge auf dem Rücken. Wir sind nicht ganz schwindelfrei und machen kurz vor dem Nachen des steinernen Chamäleons Halt.
Teil 809. Juli 2012
Einmal oben angekommen, bot sich eine grandiose Aussicht auf die benachbarten Andringitra-Berge:
allerdings zogen schnell Wolken auf, so dass aus dem nächtlichen Sternenhimmel erst mal nichts wurde:
Dafür wurden wir mit einem grandiosen Lichtspiel in der Dämmerung belohnt:
Wir lernten auch, dass sich die meisten Madagassen vor der Dunkelheit fürchten. G.G., unser Guide, den sonst nichts aus der Ruhe bringt, beruhigte sich dann Nachts mit Bob Marley, den er vom Handy abspielte, was der nächtlichen Kulisse in den Bergen eine surrealen Atmosphäre verlieh. Dafür gab es dann zum Frühstück heißen Kaffee am Lagerfeuer:
und das war unsere Bleibe, in der wir die schönste Nacht der ganzen Reise verbracht hatten:
und die dazugehörigen kuscheligen 10cm Schaumstoff, denen wir die angenehme Nacht zu verdanken hatten:
Teil 909. Juli 2012
Beim Abstieg zum Abschied noch mal einen Blick auf die Felsformation, welcher der Pic Cameleon seinen Namen zu verdanken hat:
Das Sternenhimmel-Foto hatte ich dann nächste Nacht im Mewa-Camp nachgeholt, am Fuße der Tsaranoro-Berge:
Beim nächsten Posting gibt's wieder Lemuren!
Teil 1011. Juli 2012
Ok, jetzt endlich, wie versprochen, L-E-M-U-R-E-N...
die Viecher im letzten Bild von Moose waren übrigens Zebus. Schmecken sehr lecker!
Wir haben einen Tagestrip in den Ranomafana NP unternommen. Eine teure Angelegenheit, aber wenigstens hatten wir einen kompetenten Guide, der auch sehr gut Englisch sprach. Leider sieht man eben schon, dass bei namhaften Nationalparks ordentlich die Hand aufgehalten, aber wenig für die Instandhaltung getan wird. Wir waren umgeben von nach DEET-Mückenabwehr stinkenden Busladungen von Touristen, denen unser Guide so gut wie möglich auszuweichen versuchte, was aber nicht immer gelang.
Bevor man zu den kuscheligen Lemuren mit Fell kommt, muss man erst mal an den borstigen 8-beinigen Netzlemuren vorbei:
Im Bambuswald heißt es aufpassen: wenn man sich an einem jungen Stamm festhält (was bei dem matschigen Boden öfter passiert, wenn man obendrein die Kamera mit sich rumschleppt), kann es passieren, dass die Hand hinterher gespickt ist mit winzigen Stacheln. Man kann dann einen Tag lang versuchen, die Dinger einzeln rauszuziehen, oder, was uns unser Guide empfohlen hat, sich mit der betroffenen Hand übers Haar streichen, dann gehen die Stacheln von selber raus. Hat prima funktioniert!
Allerlei seltsame Gebilde gibt es zu bewundern:
und schließlich haben wir es geschafft: wir sehen den goldenen Bambuslemuren:
Teil 1112. Juli 2012
Noch ein paar Eindrücke vom Ranomafana Regenwald:
Ein (der heißt wirklich so!) Uroplatus Fantasticus:
Ganz viel Wald:
und der Wasserfall:
Teil 1213. Juli 2012
Auch von mir noch ein paar Szenen aus dem Anja-Park: erst mal mit einem Langzungen-Schuppen-Lemuren:
Gestatten, mein Name ist Klops:
Katta-Wellness:
Kata in Action:
Darf ich vorstellen: Karl, das kotzende Chamäleon:
1. Akt: Mampf!
2. Akt: Hmmmm... schmeckt komisch
3. Akt: 🤢
4. Akt: BÄÄÄÄÄÄHHHH!
Teil 1314. Juli 2012
Die Fahrt auf dem Ochsenkarren in den Dornenwald bei Ifaty war eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Zwischendurch gab's als Imbiss seltsame graue längliche Gebilde, die auf den ersten Blick wie tote Ratten aussahen. Obendrein waren diese Dinger noch heiß. Tatsächlich war in der grauen Hülle aber ein weißer Glibber 🤢, der für uns Vazahas furchtbar eklig schmeckte. Es handelt sich dabei um wilden Maniok, der vor dem Essen erhitzt werden muss, damit die Blausäure 😮 verschwindet. Das Zeug soll aber sehr nahrhaft sein und viel Wasser enthalten, und ist in dieser sehr trockenen Gegend als Überlebenshilfe entsprechend beliebt.
Unser Guide Aubin und der Chauffeur auf dem Ochsenkarren:
Darum heißt das Dornenwald:
Am späten Nachmittag hatten wir im madagassischen Winter eine fantastische Lichtstimmung:
Eine Termitenhöhle:
Angebrannt und noch am Leben:
Teil 1415. Juli 2012
Im Geisterzug nach Nirgendwo Unsere abenteuerliche Fahrt mit der FCE Eisenbahn nach Manakara
Eigentlich sollte man ja immer vorsichtig sein mit Sachen, die im Reiseführer als "Highlight" angepriesen werden. Bei den schlechten Reiseführern sind es von vornherein Touristenfallen, die man weiträumig umfahren sollte, bei den guten waren es mal Highlights, die aber mangels Pflege oder aufgrund von Überfüllung inzwischen nicht mehr empfohlen werden können.
In jedem Madagaskar-Reiseführer steht die Eisenbahnfahrt von Fianarantsoa nach Manakara als "echtes Highlight" drin, das man unbedingt mitgemacht haben muss. Angesichts der lebenswichtigen Bedeutung für die Orte, an denen der Zug vorbeifährt (mehr dazu später), würde ich nicht von einer Touristenfalle sprechen. Wenn man ältere Bilder (2007-2010) von anderen Leuten sieht, denkt man sich nichts dabei und freut sich darauf, die Zugfahrt mitzumachen.
Wir starteten nicht in Fianarantsoa, sondern in Sahambavy, wo wir zuvor im Lac Hotel (sehr empfehlenswert übrigens!) übernachtet hatten. In der Nacht zuvor hatten sich meine Erkältung und die Lariam-Tablette darum gestritten, wer mich mehr schwächen darf, die Erkältung hatte gewonnen. Leider ging es mir aber nicht schlecht genug, dass ich die Zugfahrt stornieren wollte. Statt dessen hätten wir uns bequem im Landcruiser nach Manakara schaukeln lassen können, der musste ja eh dort hin gebracht werden, also hätten wir noch die Kosten für das Zugticket gespart.
Angesichts der notorischen Verspätung des Zuges haben wir uns 11 Uhr als Deadline gesetzt, wenn er es bis dahin nicht nach Sahambavy geschafft hat, fahren wir mit dem Auto.
Als wir so am Bahnsteig standen, sprach unser Tourguide irgendwelche Warnungen aus, auf die wir nur halbherzig hörten. Schließlich wollten wir uns nicht die Blöße geben, als Weicheier dieses "Highlight" zu verpassen und obendrein stand neben uns eine niederländische Reisegruppe mit Durchschnittsalter 60, die sich in bester Stimmung auf die Zugfahrt freute.
Ich schnappte irgendwas auf mit "im Dezember ist eine Lok in die Schlucht gestürzt" ... blah blah ... "x Tote" ... blah ... "nur noch eine Lok übrig" ... blah ... "auch kaputt" ... blah blah ... "mit Wrackteilen repariert" etc. etc., diese Wortfetzen fanden erst mal den Weg in mein Unterbewusstsein und sollten erst später von dort wieder auftauchen.
Dann unterhielt sich unser Tourguide mit dem niederländischen Kollegen, der erzählte, wie eine Lok mal auf offener Strecke verreckt war, dann musste er mit seiner Reisegruppe 40km bis zur nächsten Straße laufen, "aber die waren alle fit und gute Läufer". Auch das steckte ich erst mal in die "issmirwurscht" Schublade.
Um 10:30, also leider vor der Deadline, rollte hupend und scheppernd eine Ansammlung Schrott auf den Schmalspurgleisen an und kam quietschend zum stehen. Immerhin freuten wir uns, in einem geräumigen Abteil (was wir auf alten Fotos gesehen hatten) Platz zu nehmen, so dass man in Ruhe Fotos aus dem langsam fahrenden Zug machen und auch mal an einem Bahnhof aussteigen kann etc. Als wir dann einsteigen wollten, ging erst mal gar nix mehr. Nicht nur alle Sitze des sehr engen Waggons, sondern auch jeder Quadratzentimeter Fußboden waren besetzt, alle waren mit Kind&Kegel ineinander verkeilt und zur Bewegungslosigkeit verdammt. Nachdem unser Tourguide uns den Weg frei geräumt und die beiden pikierten Französinnen von den für uns reservierten Sitzen verscheucht hatte, nahmen wir auf der beengten Bank Platz, und kaum dass er sich von uns verabschiedet hat, schlossen sich alle Lücken wieder und auch wir waren nun eingekeilt und bemerkten zu spät, dass wir die falsche Entscheidung getroffen hatten, als sich das quietschende scheppernde Ungetüm träge in Bewegung setzte.
"Vorsorglich" hatten wir nur wenig Trinkwasser mitgenommen, in Erwartung einer gruseligen Zugtoilette, die wir so wenig wie möglich (am besten gar nicht) benutzen wollten. Keine gute Idee. Mit der Entscheidung hätten wir schon gute Chancen gehabt, im Teil 2 von "Verschollen im Land der Ahnengeister" die Hauptrolle zu spielen.
3. Haltestelle: Ranomena. Irgendwie wird immer in Nähe eines Bahnhofs - und das ist vom Kulturkreis offenbar völlig unabhängig und gilt für Europäer genauso wie für Madagassen oder Eskimos - beim Menschen das Bewusstsein für Hygiene und Ordnung grundsätzlich außer Kraft gesetzt, statt dessen setzt das Vermüllungssyndrom ein und auch der Zweck einer Toilette scheint wie vergessen. So erleichterten sich Europäer wie Madagassen ungehemmt im nächstbesten Gebüsch und neben dem Zug war ein einziger Morast.
Besonders seltsam fand ich die Sorte von Franzosen, die dann ausstiegen, sich zwischen die Leute in diesen Morast setzten und obercool ihre filterlose Gauloises rauchten, mit der Gewissheit, dass sie ja wieder abhauen können. Weil um uns herum immer noch die Leute verkeilt waren und wir draußen nicht im Schlamm versinken wollten, blieben wir sitzen. Die Angebote der fliegenden Händler mit Essbarem nahmen wir auch nicht an, weil wir befürchteten, dann zu einer Dauersitzung auf der Zugtoilette verdammt zu sein. Wir warteten.
Nach anderthalb Stunden setzte sich der Zug in Bewegung, aber in die falsche Richtung. Es keimte ein Hoffnungsschimmer auf, dass vielleicht wegen eines Gleisschadens der Zug umkehren muss und vom Lac Hotel hätten wir vielleicht irgendwie unseren Guide erreicht und dann hätte der Schrecken ein vorzeitiges Ende gehabt. Es wurde aber nur rangiert. Angesichts der lahmen Geschwindigkeit des Zuges hätten wir wahrscheinlich auch in 2 Stunden zu Fuß zurück laufen können. Kurz vor Ablauf der selbst gesetzten Deadline von 3 Stunden Wartezeit, die uns zu dieser Entscheidung bewogen hätte, und das war nach zweieinhalb Stunden Warterei, fuhr der Zug dann doch in die richtige Richtung weiter und kehrte auch nicht mehr um. Als wir aus dem Fenster blickten, sahen wir im Verlauf der Zugfahrt immer wieder, dass sich die Anzahl der Waggons änderte.
Die beiden Französinnen gegenüber waren abwechselnd damit beschäftigt, "Cosmopolitan" oder "Madame" zu lesen (zum großen Staunen der neben ihnen auf dem Fußboden sitzenden Madagassinnen) oder das enge Zugfenster zu blockieren, um dilettantisch Fotos zu knipsen. Wir kamen selten zum Fotografieren, immerhin zogen tatsächlich ein paar schöne Berge und Wälder an uns vorbei und ein madagassischer Fahrgast machte mich auf den Wasserfall aufmerksam, den wir langsam passierten, der aber leider auf der falschen Seite war, so dass ich ihn nicht richtig fotografieren konnte, ohne auf ein Dutzend Leute zu trampeln.
Im Verlauf der Fahrt wurde jeder Bahnhof immer kaputter und dreckiger, die Menschen sahen immer schlimmer aus, irgendwie schienen die "goldenen" Zeiten dieser Eisenbahnlinie schon dem Ende zuzugehen.
Hinter einem Tunnel sahen wir dann auf unserer Seite das Beweisstück, das mich schmerzhaft an die nur halbherzig gehörten Erzählungen unseres Tourguides erinnerte: das Wrack der Lokomotive, die abgestürtzt war und dabei mehrere Menschen in den Tod gerissen hatte. Das war die vorletzte Lok. Die letzte, mit der wir jetzt fuhren, war auch schon mal kaputt und dann hat man das abgestürzte Wrack geborgen und ausgeschlachtet und damit unsere Lok wieder in Gang gesetzt. Wenn die mal ihren Geist aufgibt, fährt nichts mehr.
Übrigens hatte ein Schweizer Verein von Eisenbahnfans (auch Pufferküsser genannt, oder müsste das Püfferliküsser heißen?) einige Exemplare dieser Lokomotive und auch Waggons aus Altbeständen restauriert und voll funktionsfähig gemacht. Es war geplant, diese Züge der FCE zu schenken. Das Ganze scheiterte daran, dass der madagassische Zoll für dieses Geschenk allen Ernstes Einfuhrsteuer kassieren wollte. Die Schweizer haben verständlicherweise frustriert aufgegeben, jetzt rosten die Züge ungenutzt vor sich hin.
Als die Dämmerung dann einbrach und die Landschaft nicht mehr so berauschend war, sahen wir die beiden Französinnen mit einem Streckenplan hantieren, den sie sich von der niederländischen Reisegruppe geborgt hatten und wir erkannten, dass wir vielleicht gerade ein Drittel der Strecke hinter uns gebracht hatten. Unsere Wasser"vorräte" schwanden langsam, wenigstens musste ich nicht auf die Zugtoilette. Moose hatte sie einmal auf halber Strecke benutzt, als sie noch benutzbar war.
Das Deprimierende an diesem Bummelzug war, dass man nie wusste, wann er weiterfährt. An den Bahnhöfen wurden große Mengen Fracht be- und entladen, das dauerte seine Zeit. Besonders beunruhigend fand ich es immer, wenn der Diesel aufhörte zu rattern. Dann konnte es eine technische Störung sein, die innerhalb von 5 Minuten bis 5 Tagen behoben wird.
Als es dann draußen total stockdunkel geworden war, wurde das Unternehmen zu einer richtigen Geisterbahnfahrt. Beleuchtung? Fehlanzeige. Außer den Scheinwerfern der Lok und dem gelegentlichen Geflacker von Taschenlampen gab es fast kein Licht. Einmal gelang es irgend jemandem, den Stromanschluss der Lok mit den Waggons zu verbinden. Das fahle Licht einer Deckenlampe flackerte auf, ein Niederländer hinter uns quittierte das mit "Dat isch pouschitief". Positiv fanden wir das auch. Überhaupt waren unsere Mitreisenden viel besserer Laune, die sie vor allem durch Singen aufrecht erhielten. Wir hätten ja mit "Wir lagen vor Madagaskar" zum Gegenschlag ausholen können.
Die letzten 6 Stunden bis zur Ankunft sind wir bei völliger Dunkelheit (drinnen wie draußen) gefahren, der Regen spritzte gegen die halb offenen Fenster, Äste und Blätter klatschten gegen die Scheiben: es geht ein Zug nach nirgendwo...
Nach längerem Blindflug entspannte sich die Lage dann mal ein wenig, weil an einem Bahnhof ziemlich viele Leute ausstiegen. Die Französinnen hatten sich schon längst woanders platziert und zu uns setzten sich 2 Madagassen. Der ältere von beiden stellte sich mir als "le mere du village" vor und ich konnte mir unter "der Mutter von dem Dorf" nichts vorstellen, bis ich die letzten Reste des nach der 11. Klasse abgewählten Französisch aus meiner Erinnerung hervorkramte und schließlich beim 3. Mal kapierte, dass er "M-A-I-R-E" war, also Bürgermeister. Schön, dann lernen wir mal den Bürgermeister von einem dieser Dörfer kennen. Trotz meiner offensichlich mieserablen Französischkenntnisse textete er mich dann endlos zu und wollte wissen, wie denn bei uns so Nachtzugfahrten verlaufen. Ich erinnerte mich dunkel an meine Fahrten zwischen München und Berlin Anfang der Nullerjahre, wo ich morgens um halb sechs mit "Wollnsezumkaffeoochnfrischetkrossang?" geweckt wurde. Ich erzählte nur, dass bei unseren Zügen etwas mehr Licht ist und sie etwas schneller fahren, was ihn aber schon sehr beeindruckte.
Meine Müdigkeit tat ihm keinen Abbruch, weiterhin einen Redeschwall über mich zu ergießen, den ich nur fragmentweise verstand. Irgendwann ergriff ich dann doch mal die Gelegenheit, ihn zu fragen, was denn geschehen würde, wenn dieser letzte Zug auch noch den Geist aufgibt. Wieder ein großer Redeschwall, aus dem ich Worte wie "lamentable" und "totalement enclavee" herausfischte. Das genügte mir. Die letzte Lebensader der Dorfbewohner entlang der Strecke, die keinen Anschluss an eine Straße haben. Wenn der Zug endgültig ausfällt, fallen diese Menschen vom Mittelalter in die Steinzeit zurück. Wie wichtig die Funktion als Transportmittel ist, merkte ich auch, als ich an der nächsten Haltestelle lautes Quieken und Grunzen hörte. Als ich "cochon" sagte, nickte er. Eine Horde Schweine wurde verladen. Er schimpfte erbärmlich über die Unzuverlässigkeit des Zuges und den Unwillen der Verantwortlichen, diese lebenswichtige Verkehrsverbindung am Leben zu halten.
Dann wollte ich doch mal heraus finden, warum er eigentlich unterwegs war. Ich verstand das so, dass er die Stationen zähle, damit man besser die Fahrzeiten voraussagen kann... Ahhhhja! Bei uns beschäftigt der Wetterdienst immerhin Praktikanten, um bei einem Gewitter die Blitze zu zählen. Auch nicht schlecht. Im weiteren Verlauf der Fahrt schlief er dann übrigens, da war nichts mehr mit Stationen zählen.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer war ein Glühwürmchen, das zum Fenster hereinflog und bis zur nächsten Haltestelle auf Moose Platz nahm, um dann wieder weiter zu fliegen. Das war zu der Zeit so ziemlich die einzige Lichtquelle, bis es hinter uns bunt zu leuchten begann und eine vertraute Melodie spielte, die in diesem Moment aber von einem völlig anderen Planeten zu kommen schien. Wir konnten es kaum glauben, aber einer der Holländer spielte Angry Birds auf seinem Iphone und die Madagassen drängten sich neugierig um das Geschehen.
Bevor er einschlief, hatte der Bürgermeister noch hoffnungsvoll erzählt, dass wir gegen 21 Uhr in Manakara ankommen würden. Zu der Zeit war es 18:15. An einem der ungeplanten Halte, wo wieder mal irgend was kaputt war und wir ewig hängen blieben, wurde es dann 21 Uhr und mir kam es nicht so vor, als wären wir kurz vor Manakara. Einer der Holländer hinter uns brachte dann den Spruch, der für unsere ganze Reise zum geflügelten Wort wurde:
Een echte Aventuur!
(keine Ahnung, ob ich das richtig geschrieben habe)
Abenteuerlich fanden wir das sicherlich auch, ja.
Das "Zugteam" holte das Letzte aus der Lok raus, wir fuhren tatsächlich etwas schneller und die Landschaft wurde immer flacher. Die scheinbaren Stadtlichter am Horizont waren natürlich nicht von Manakara, auf Madagaskar gehen sowieso nachts die Lichter aus. Es war der aufgehende Mond, der uns täuschte. Irgendwann huschte aber ein turmähnliches Gebilde mit einem roten Licht drauf am Zug vorbei. Etwa ein Flugplatz? Wir wagte es nicht mehr zu glauben, aber in der Ferne tauchten dann hell beleuchtete Öltanks auf. Langsam lösten wir uns aus der Starre, in der wir diese Fahrt über uns ergehen ließen, als wir um Mitternacht nach dreizehn Stunden in die Endstation Manakara einfuhren und reihten uns in die Horde Touristen und anderer Fahrgäste ein und bahnten uns auf schnellstem Wege unseren Weg nach draußen und rannten auf den wie aus dem Ei gepellt aussehenden Landcruiser zu, der vor dem Bahnhofsgebäude auf uns wartete. Wir waren total fertig, hungrig, ich hatte die ganze Fahrt ohne Toilette durchgehalten. Unser Tourguide fuhr mit uns auf schnellstem Wege zum La Vanille in Manakara. In dem Restaurant hatte man extra auf uns gewartet und wir genossen die köstlichste Gemüsesuppe, die wir uns vorstellen konnten (noch mit einem hartgekochten Ei drin!). Zusammen mit einem kühlen THB (Three Horses Beer) rann sie meine Kehle hinunter und versöhnte mich wieder mit Madagaskar.
Im Nachhinein fragte ich mich, was schlimmer gewesen wäre: mit dem Zug in die Schlucht stürzen (schnell vorbei), oder auf dem Rückmarsch zum nächsten Straßenanschluss zu verdursten (dauert länger).
Den Rekord haben wir noch nicht gebrochen, unser Tourguide hat auch schon mal den Zug morgens um 4:00 Uhr ankommen sehen. Wir fahren damit sicher nicht mehr, auch er hasst ihn wie die Pest, wenn er 1-2x im Jahr eine Reisegruppe dort begleiten muss. Die guten alten Zeiten sind vorbei und mit jedem Tag wächst das Risiko, dass der Zug wirklich liegen bleibt. Sehen tut man deutlich weniger als erhofft auf der Fahrt. Im momentanen Zustand können wir daher nur von diesem "Highlight" abraten. In Manakara haben wir uns dann einen Tag länger zur Erholung gegönnt.
Teil 1517. Juli 2012
So, nun zum angenehmen Teil nach der gruseligen Eisenbahnfahrt: in Manakara haben wir die erste Nacht im La Vanille in der Stadt verbracht, weil die dazugehörigen Hütten weiter draußen am Strand nur über eine holprige Piste erreichbar sind und das war tief in der Nacht nicht mehr machbar. Wir sind dann erst am nächsten Tag in eine schicke Schwedenhütte in Strandnähe umgezogen und haben das milde Ostküstenklima genossen. Das Rauschen des Meeres vertrieb das Scheppern des Zuges aus den Gehirnwindungen und machte den Kopf wieder frei für die schönen Dinge. Wir fuhren nach dem Frühstück dann zu einem anderen Hotel, das nicht mehr wirklich als solches in Betrieb ist, sondern eher so etwas wie ein Hotelmuseum: das Eden-Sidi.
Wir wurden auch gleich von einem freundlichen Empfangskommitee begrüßt:
Das Hotel an sich hat einen morbiden Charme, es sieht aus als wäre es 100 Jahre alt, aber bei dem feuchten Klima nagt der Zahn der Zeit erheblich schneller, tatsächlich wurde es vor 22 Jahren errichtet und wird mit Mühe und Not von einer Handvoll Leute am Leben gehalten:
Teil 1617. Juli 2012
Es liegt auf einer Art Landzunge zwischen dem Canal des Pangalanes und dem Meer. Wir finden dort einen wunderschönen unberührten Palmenwald und Strand vor, ohne Liegestühle, Sonnenschirme oder sonstigen Klimbim:
Ein Südafrikanischer Unternehmer würde daraus wahrscheinlich eine Topnotchlodge machen:
Aber das Eden-Sidi wird uns als Gesamtkunstwerk des schleichenden Verfalls erhalten bleiben. Diese Dusche ist nur noch eine Lotterie (*), bei der jedes Los eine Niete ist: statt Wasser hört man bestenfalls Gurgeln:
(*) Kenner des österreichischen Films "Indien" wissen, was ich meine. Alfred Dorfer in der Rolle des Gaststätteninspektors Kurt Fellner würde sagen: Wann aus Ihrer Duschn fünf Minutn lang ka Wossa kommt, dann is des ka Duschn, sondern a Lotterie.
Teil 1718. Juli 2012
Bonjour!
Die beiden hier machen nicht das, was Ihr denkt:
Milde Luft und Meeresrauschen
Teil 1819. Juli 2012
Eden Sidi und der Canal des Pangalanes - an diesem Ort hätte ich Wurzeln schlagen können... Die ruhigen Tage in dieser Ecke hatten wir auch dringend nötig, um für das Trekking in den Tsaranoro-Bergen (hatten wir hier schon) wieder frische Kräfte schöpfen zu können.
Der Abschied vom Hotel ist nur vorübergehend - am nächsten Tag waren wir nochmals dort, um von da aus die Fahrt auf dem Canal des Pangalanes zu starten. Mehr dazu in Kürze.
Auf der Rückfahrt zum La Vanille haben wir noch mal einen wunderschönen Blick auf den Kanal beim Sonnenuntergang:
PS: Neben einer Filmkulisse hätte ich mir das Eden Sidi auch gut als Location für eine Party mit rhythmischer elektronischer Musik vorstellen können - innen schön Schwarzlichtdeko, ordentliches Soundsystem und ab geht die Post 😄 die Madagassen tanzen eh zu allem, was nach Musik klingt, hätte eine schöne Mischung ergeben.
Ok, die Lemuren hätten natürlich Ohrstöpsel gebraucht...
Teil 1920. Juli 2012
Die Fahrt auf dem Canal des Pangalanes wurde von einem unvergesslichen Gesang der Bäuerinnen im Reisfeld begleitet - eine Melodie, die mir bis heute als Ohrwurm hängen geblieben ist. Die Insel verhext einen eben irgendwie. Eine Aufnahme habe ich auch gemacht, die werde ich mal später reinstellen, entweder als Video mit Bildern oder oder als roher Soundtrack bei Soundcloud o.ä., mal schauen.
Jetzt erst mal die Bilder zu anschauen. Wir waren nicht grün und hatten auch keine Fühler auf dem Kopf, trotzdem gab es immer wieder neugierige Blicke:
Nahezu geräuschlos glitten wir durchs Wasser, nicht mal richtige Wellen machten wir:
Die Reiher gibt es auch auf der ganzen Welt... von Mahlow bis Manakara:
Teil 2021. Juli 2012
Mein Beitrag zum Besuch des Dorfes am Canal des Pangalanes: es war für uns nur auf dem Wasserweg erreichbar, und "an Land" gegangen sind wir erst mal auch nicht so richtig. Mein erster Schritt ging nämlich einen halben Meter tief in den Schlamm. Nach diesem Fehltritt sind wir wie Frösche von Grasbüschel zu Grasbüschel gehüpft und haben uns damit halbwegs - über Wasser kann man ja nicht sagen - "über Erde" gehalten. Man sollte übrigens gar nicht erst versuchen, da mit Schuhen oder Sandalen zu laufen (außer mit Schneeschuhen, um den Bodendruck eines schwergewichtigen Vazaha zu minimieren), entweder ruiniert man die Dinger komplett, saugt sich so im Matsch fest, dass man rausgezogen werden muss oder fliegt auf die Nase. Zum Glück wussten wir das vorher. Man läuft ja auch nur auf harmloser Erde, es liegt weder Müll herum noch sonst irgend etwas Ekliges. Das Dorf hat überhaupt einen sehr aufgeräumten Eindruck auf uns gemacht.
Die Menschen leben dort unter absolut minimalistischen Verhältnissen von dem, was sie aus der Erde und aus dem Wasser holen, für unsereins kaum vorstellbar. Auch die "Bevölkerungspyramide" dürfte ziemlich genau andersherum als unsere sein, wir haben fast nur Kinder gesehen.
Wie so manches Mal auf dieser Reise hatten wir auch hier ein unvergessliches Erlebnis, bei dem wir dankbar waren, dass man uns Einblick in eine völlig fremde Welt gewährt und so freundlich empfangen hat.
Das hier ist Kaffee, zum trocknen ausgelegt:
Veloma!
Teil 2122. Juli 2012
Ein paar Bilder habe ich noch von der Rückfahrt zum Eden Sidi:
Das letzte Bild ist dann am "Trou du Commisaire" entstanden. Hierbei handelt es sich nicht um ein anatomisches Detail eines Polizeibeamten, sondern den Badestrand des damaligen örtlichen Statthalters der französischen Kolonialmacht. Dank eines vorgelagerten Riffs war die Brandung an dieser Stelle ungefährlich. Das fehlende störende Umgebungslicht ermöglichte dafür einen ungehinderten Blick in den Sternenhimmel:
Die Sterne vom Kreuz des Südens habe ich übrigens nicht bunt angemalt, die sind so!
Die Landschaft ist dort in der Tat ein von Menschenhand geschaffenes Kunstwerk. Kein Fleckchen Boden bleibt ungenutzt:
Wir haben dort nie einen Traktor oder irgend eine andere Art von Landmaschine gesehen:
Aus dem Boden kann man außerdme Lehmziegel herstellen, die leider nicht besonders Zyklon-resistent sind:
Ob die Berge irgendwann mal abgetragen sind, wenn der ganze Boden zu Ziegeln verarbeitet wurde... 🙄
Teil 2425. Juli 2012
Weiter geht es durch die Reisfelder: keine Ahnung, was das für rotes Entenflott-Zeugs ist (Enten habe ich aber keine gesehen), sieht jedenfalls abgefahren aus:
Nicht nur die Landschaft, die sich trotz ihrer intensiven Nutzung so gänzlich von unseren Agrarindustriewüsten unterscheided ist mit Liebe gemacht:
...sondern auch das, was die Bauern dort aus der Erde holen:
Die Karotten sind nicht aus Plastik, die sind echt!!! Jede einzelne blank geputzt. Dagegen sieht das Gemüseregal im heimischen Supermarkt wie ein Komposthaufen aus.
Aus diesen Leckereien wurde dann am Abend die köstlichste Gemüsesuppe gekocht, die ich mir vorstellen konnte. Nur knapp dahinter war allerdings die Willkommens-Gemüsesuppe im La Vanille in Manakara nach überstandener Geisterbahnfahrt.
Veloma!
Teil 2528. Juli 2012
Wir machen noch mal einen Sprung zurück nach Ambalavao. In der Nähe gibt es einen Ort, der den schmucklosen Namen "13" trägt, er heißt wohl so, weil es da viele Maurer gibt und 13 davon vor einiger Zeit in die Hauptstadt umgezogen sind. Wie auch immer, unsere Landung auf dem Planeten "Dorf 13" hat uns mal wieder eine Begegnung der besonderen Art beschert.
Empfang durch die Dorfvorsteherin:
Die Reisfelder:
Die Häuser:
Die Fleischeinlage zum Reis:
Daraus hat man früher Trinkwasser entnommen 😮
Aber das lässt sich ändern. Man nehme:
- 2 Säcke Zement - Ein paar Reste Stahlarmierung - Ein paar fleißige Hände - 0.0 Politiker
und schon ist der Brunnen fertig:
mit praktischer Klappe zum verschließen und mit Flaschenzug:
Dank gestiegener Nachfrage: der Brunnen 2.0:
Teil 2628. Juli 2012
Die Brunnen und andere kleine Verbesserungen an der Infrastruktur sind durch Spenden finanziert worden, die immer in Absprache mit der Grande Dame zweckgebunden übergeben wurden.
Neugierige Zuschauer:
Zurück im Dorf...
... durften wir auch mal in eines der Häuser hineinschauen:
die Zwischendecke sieht schon fast wie ein Berliner Altbau aus (wo sie allerdings verkleidet wäre):
Veloma!
Teil 2703. Aug. 2012
Wer gerne wissen möchte, in was für Töpfen die Madagassen ihren Reis kochen und woraus sie gemacht werden, hier ist die Antwort:
alles nimmt seinen Anfang irgendwo auf der Welt, wo Aluminiumschrott anfällt:
Wahrscheinlich ist auch die Madagascar Air Force diesen Weg gegangen, die Piloten haben dann auf Zivilflug umgeschult und machen zuweilen lustige Kapriolen 😈 (siehe hierzu weiter vorne im Thread)
In Ambatolampy wird das Zeugs eingeschmolzen, natürlich nicht sortenrein und den Lack machen sie auch nicht ab 😮 :
In den runden Öfen...
... wird der Aluminiumschrott zu handlichen Klumpen zusammen geschmolzen:
... die dann bei Bedarf wieder verflüssigt werden, um die Töpfe daraus zu machen:
Teil 2803. Aug. 2012
Einen Topf stellt man aus einer Vorlage her, von der man einen Abdruck in Vulkanerde macht:
Auch eine Gußöffnung gehört dazu:
Die weiche Erde lässt sich prima verdichten und behält schön ihre Form bei.
Aus dem Höllenfeuer...
wird ein wieder eingeschmolzener Aluminiumklumpen entnommen:
und dann in die Form gegossen:
Eigentlich müsste ich das Bild mal unserem Arbeitsschutzbeauftragten zeigen, wenn er uns wieder anweist, zur Vermeidung von Stürzen doch bitteschön die Treppengeländer zu benutzen. Ich glaube, die Leute dort haben ganz andere Risiken...
Noch die Reste abgießen:
öffnen und entgraten:
und fertig sind die Töpfe:
Klick Klick ... Trööööt Trööööt... das war die Sendung mit der Maus!
PS: Wir haben (notgedrungermaßen) oft Matschreis gegessen. Gefährlich wird es nur, wenn man sich als Dessert den Reistee antut: in dem Topf mit den angebrannten Resten wird noch mal Wasser aufgekocht, damit die ganzen rätselhaften Substanzen aus dem nicht sortenreinen Aluminiumschrott auch schön in den Magen wandern 🤢 - also besser bleiben lassen.
Teil 2906. Aug. 2012
Nach dem Aluminiumzeugs habt Ihr Euch auch wirklich Entspannung verdient. In Ambohimanga Rova haben uns die Sifakas die perfekte Beherrschung ihrer Lieblingsbeschäftigung demonstriert: dem bedröppelt dreinschauen:
... und auch dem Verzehr von Südfrüchten:
Teil 3007. Aug. 2012
Nach lautstarken Protesten von der Sifaka-Gewerkschaft: jaja, natürlich könnt ihr auch gaaaanz tolle Kletterkunststücke:
... und kräftig zupacken, wenn's um die Südfrüchte geht:
Einen Uroplatus hab ich auch noch:
Teil 3108. Aug. 2012
Beeindruckend an dem Uroplatus ist auch die den Bauch und das Kinn umgebende Schürze, mit der er sich auf seinem schützenden Untergrund zumindest "optisch" festsaugen kann. Die Schürze verbirgt den Spalt zwischen Körper und Untergrund und hilft damit, das Tierchen unsichtbar zu machen:
So fremdartig und doch (fast) genauso süß wie die Lemuren:
Der hat keinen so guten Ruf:
Und der hängt sicher außer Reichweite:
Ich frag mich manchmal, wie die das mit dem Essen kopfüber hinkriegen? Vielleicht haben Lemuren einen Saugmagen (*), der auch über Kopf funktioniert?
(*) Nicht verwechseln mit "Saumaagnn", der Leibspeise unseres Ex-Kandesbunzlers
Nicht ganz so luxuriös-flauschig, aber genauso hungrig:
Zum Schluss noch mal der freche Bananengrapscher, der auch den kleinen graubraunen Kollegen mal gerne das Futter vor der Nase wegschnappt:
Teil 3211. Aug. 2012
Leider hatte im Andasibe-Mantadia Nationalpark Mantadia geschlossen, die Straßen waren unpassierbar, so sind wir einen Tag früher weiter gefahren, Richtung Tana. Unterwegs haben wir eine Werkstatt besucht, wo aus alten Ölfässern allerlei schöne Sachen hergestellt werden (Reiseleiter kann uns sicherlich auf die Sprünge helfen, wo das war). So fängt es an:
Hier sieht man schon ungefähr, was mal draus wird:
So schön kann das Ergebnis aussehen:
In bester Hummeldumm-Tradition haben wir es der Rosinenhexe gleichgetan und ein Exemplar in der Größe eines Haushaltsstaubsaugers eingekauft ("Das kriegt ihr völlig problemlos im Flieger mit, null Risiko").
Wie sagte die Rosinenhexe doch so schön, als sie die riesige Holzgiraffe gleich am Anfang gekauft hatte: "Wos i hob, des hob i!". Jetzt hatten wir unseren stählernen Baobab, der es übrigens in Ermangelung missgünstiger Mitreisender tatsächlich wohlbehalten bis nach Hause geschafft hat.
Das Auto, was Motl übrigens oben fotografiert hat, trägt in der Schweiz den klangvollen Namen Döschwo, bei uns heißt es nur Ente. Ein ähnliches französisches automobiles Fossil weckte bei mir Erinnerungen an die 80er Jahre, als jeder Öko, der was auf sich hielt, damit herumfuhr:
(für Unwissende: ein Rönnnoooh vier).
Ein einziges Mal wurden wir auf unserer Reise entfernt an Namibia erinnert:
Der Landy hatte bestimmt schon bessere Tage hinter sich. Wir waren ja zum Glück in einem Cruiser unterwegs 😈
Der Weg führte uns dann weiter in diese planlos zusammengewürfelte Ansammlung von Häusern, Straßen, Gewerbegebieten, in der jedes Navi aussteigen wird, und die sich Hauptstadt bzw. Antananarivo nennt. Wir hielten an einem großen überfüllten Platz an, auf dem lauter Fahrzeuge standen, deren Zustand bei uns sogar einem Schrotthändler Tränen in die Augen treiben würde. Es handelte sich um das zentrale Taxi-Brousse-Terminal, daneben gleich der große Marktplatz.
Ob wir mal aussteigen und ein paar Fotos machen wollten?
Aber wir hatten doch Lemuren und Regenwald bestellt! Und dann sowas 😮
Wir wollten uns ja nicht die Blöße geben und stiegen brav aus, der Geruch, der in die Nase stieg, spottete jeder Beschreibung, irgendwo zwischen grüner Tonne und Dixi-Klo nach 3 Tagen Festivalbetrieb im Hochsommer. Genauso sah es auch dort aus, wenn man den Blick nach unten richtete. Wir bahnten uns dann einen Weg an den Taxi-Brousse vorbei auf den Markt zu:
und ließen uns von unserem Tourguide wie zwei störrische Berliner Zebus durch das Chaos dirigieren. Leider gibt es keine Duft-Attachments für Forumseinträge:
Nach dem ersten Schreck dämmerte uns dann langsam, dass sich die Freunde und die liebe Verwandtschaft zu Hause sicherlich sehr dafür interessieren, wie die Menschen hier leben und wirtschaften, mehr als für das 285. Foto von irgend einer Düne oder Springbock Nr. 812 am Wasserloch. Also eine Chance.
Besonders geschickt stellten wir uns beim ersten Mal nicht an, aber bei späteren Marktrundgängen (Antsirabe kommt noch!) hatten wir dann Übung.
Teil 3315. Aug. 2012
Weiter geht es über den Markt, diesmal etwas weniger geruchsintensiv:
Hier gibt's auch die schönen Aluminiumpötte:
Ob essbar oder nicht - der totale Farbflash:
Tana am Abend:
Teil 3415. Aug. 2012
Ach ja, und die Firma Gas/Wasser/Sch...e Röhrich nennt sich jetzt RH-Projektbetreuung und ihr alter Lieferwagen wird ab jetzt seinen Dienst als Taxi Brousse leisten:
Auch das ist ein starker Auftritt:
Radkäppchen und der böse Golf:
Straßenszene in Tana:
Ein Prosit der Gemütlichkeit:
Und in der Ecke war unser Hotel (Rising Sun).
So, jetzt ist erst mal eine Weile Tana-Pause, erst zum krönenden Abschluss sehen wir uns wieder in der Hauptstadt. Inzwischen geht es wieder raus aufs Land.
Teil 3515. Aug. 2012
Was ich immer schon mal wissen wollte: was passiert eigentlich, wenn man so einem Chamäleon ein Beutetier auf die Schwanzspitze setzt? Rollt es sich dann zu einer Endlosschleife auf? Was passiert, wenn durch immer weiteres aufrollen die Schleife immer kleiner wird? Entsteht dann am Ende gar ein schwarzes Loch?
ok ok, es sind die Indris, also die singenden Teddybären! Aber trotzdem schräg!
Teil 3925. Aug. 2012
Unsere erste Begegnung mit dem Andasibe-Nationalpark und mit Madagaskar an sich war gleich am Abend, wir sind dabei durch Unmengen an Gestrüpp gestolpert und ich wunderte mich, dass keine Krabbeltiere auf mir Platz genommen haben. Das Vergnügen hatte ich dann erst am nächsten Tag, als mich eine Giftspinne in den Arm biss, mehr als eine halbe Minute Brennen und ein kleiner roter Fleck auf der Haut blieben davon aber nicht übrig.
Den süßen Fratz bekamen wir dann im Dunkeln zu sehen:
mit der Stirnlampe konnte man auch prima Wolllllemuren und Mausmakis ausfindig machen, weil die Augen so schön zurückreflektiert haben. Für Fotos hat's aber nicht gereicht.
Der Vollmond zum Schluss:
Teil 4029. Aug. 2012
Plaste und Elaste... lecker:
Monsieur Rauschebart:
Wir hängen hier nur so rum:
Alarm!!! Knäckebrote im Anmarsch!
Entwarnung... sehen harmlos aus!
???????:
Schönöh Aussiescht von 'ier oböhn!
Teil 4131. Aug. 2012
Sooo, nun werden MotL und ich für eine Woche auf Tauchstation gehen, Madagaskar ist zwar noch in ziemlich weiter Ferne, aber ein paar Meilen näher wären wir schon dran. Vor der kurzen Sommerpause daher noch mal ein bisschen Action:
U like to move it move it...:
PS: Das graue eckige Dings mit Hörnern in MotL's vorletztem Post ist übrigens ein Zebu. Die schmecken sehr lecker!
Teil 4210. Sept. 2012
Wir sind von einem wieder mal viel zu kurzen Kurzurlaub zurück und gewöhnen uns wieder von Ciabatta auf Knäckebrot um. Ist immerhin gesünder.
Der nächste Planet, auf dem wir hier landen, ist Antsirabe, Wohnort unseres Tourguides und eine im Vergleich zu Tana doch recht beschauliche Stadt. Mit Marktbesuchen haben wir ja jetzt Übung, daher legen wir vor Ort gleich los:
Straßenszene vor dem Markt:
Wieder einmal bedauern wir es, dass man keine Geruchs-Attachments an Forumseinträge hängen kann. Chrigu, da geht doch noch was! 😈
Auch der volle Farbflash ereilt uns mal wieder:
Dem Fischgeruch zum Trotz sehen viele Sachen aber auch sehr einladend und appetitlich aus:
Und natürlich werden wir wieder mit Rufen nach schwedischen Backwaren begrüßt:
Teil 4311. Sept. 2012
Die nächste Abteilung ist nichts für schwache Nerven, besonders was Veganer angeht.
Hier das Broil-o-Rama:
Die Wursttheke bei Kaiser's sieht schon etwas anders aus...
Keine Ahnung, was man damit noch anstellen kann:
Gemütliches Plätzchen zum schlafen:
Zum Thema "Kühlkette": ich glaube, davon hat man auf Madagaskar noch nie etwas gehört. Macht auch nix, das Fleisch kommt am gleichen Tag vom Schlachthaus auf den Markt und von dort in die Pfanne und auf den Tisch. Wir haben es ohne Probleme vertragen, geschmeckt hat es besser als daheim, sofern es richtig zubereitet wurde (d.h. jemand konnte kochen und hat das Fleisch nicht zu geschmacklosen Hundefutter-Klumpen verarbeitet).
Und auch hier wieder der obligatorische Knäckebrot-Gruß:
Teil 4412. Sept. 2012
Die Fähigkeit der Madagassen, aus dem letzten Schrott noch nützliche Gegenstände herzustellen, fanden wir sehr beeindruckend. Die Werkzeuge z.B. sind allesamt aus Blattfedern von Fahrzeugwracks entstanden. Das Sortiment würde einem Baumarkt alle Ehre machen:
Zum Schluss wieder der Knäckebrot-Gruß
Teil 4513. Sept. 2012
Zwischen Gemüse ist das Nickerchen doch etwas gemütlicher als zwischen Fleischbergen...:
Garantiert kein schnittfestes Wasser:
Hier geht's ans Eingemachte:
Frischfisch-Abteilung (riecht nicht so heftig):
Die Apotheke:
Zentrale Toplage mit guten Einkaufsmöglichkeiten:
Hier kommt nichts weg, selbst alte Schraubdeckel werden aufgehoben, auch dafür wird sich ein Abnehmer finden lassen:
Will lieber nicht wissen, was in den Fässern drin war...
Das war's erst mal vom Markt in Antsirabe. Keine Angst, wir habe noch genug Themen auf Lager 😎
Teil 4617. Sept. 2012
Bei Bruce handelt es sich übrigens um einen Vielflieger bei Air Madagascar auf der Strecke Tulear-Antananarivo.
Und nun wieder eine Episode aus der Recycling-Art. Nachdem man so ein leckeres Zebu aufgegessen hat, bleiben ja noch die Hörner übrig (die Hufe auch, ich habe sie auf dem Markt rumliegen sehen, aber keine Ahnung, wozu man sie benutzt). Mit den Hörnern kann man folgendes machen:
Heiß machen...
... und ausklopfen. Plumps, da fällt das Innere heraus:
Der Innenteil lässt sich zu Dünger verarbeiten. Weiter geht's mit der äußeren Hülle:
Ansägen:
Schnitzen:
Nochmals erhitzen und biegen:
dann sieht man schon ungefähr, was es wird:
Weiter verfeinern...
Nach einigen weiteren Bearbeitungsschritten (der Einfachheit halber weggelassen) kommt dann das heraus:
Teil 4823. Sept. 2012
Auch mir ist aufgefallen, dass man für die Toten oftmals bessere Behausungen baut als für die Lebenden:
Auch die Kirche ist für die Ewigkeit gebaut:
Die Wohnhäuser hingegen nicht so wirklich:
In der Kirche hatten sie Chorprobe, die dazugehörige Tonaufnahme wird hier in Kürze folgen.
Die Wasserversorgung geschieht übrigens über eine Pumpe, die ohne Strom funktioniert
Nach etlichen abgebrochenen Versuchen sangen sie es einmal komplett durch, die Geduld hatte sich also gelohnt. Auf Soundcloud habe ich nur diesen gelungenen Ausschnitt abgelegt.
Ich hatte nach dem Projekt inzwischen noch ein bißchen recherchiert, die Informationen sind sehr dünn gesät und nur auf Französisch. Unter anderem hat Reiseleiter hier geschrieben:
Der Ortsname Tsarasaotra, den ich in dem Forumseintrag gefunden hatte, führt bei Google Maps leider in eine Geröllhalde. Zu der Zeit funktionierte aber noch die GPS-Trackaufzeichnung auf meinem Handy, so habe ich die Kirche wieder gefunden.
Teil 5028. Sept. 2012
Auf der Fahrt von Manakara zum Ranomafana-Nationalpark machten wir Halt an einer kleinen Ansammlung von Häusern, deren Bewohner uns einige besonders prachtvolle Exemplare von Chamäleons auf den Bäumen zeigten. Die Tiere sind mittlerweile so zutraulich geworden, dass man sie auf sich herumkrabbeln lassen kann:
Das Vergnügen währt allerdings nicht allzu lange, die Tiere sind ganz schön schwer und die scharfen Krallen fangen an, richtig weh zu tun, wenn sie sich an einem festklammern.
Irgendwann möchte Schlecki auch wieder gerne auf den Baum zurück:
Und wech isser:
Was haben wir hier? Etwa ein aufgerissenes Schlangenmaul?
Es ist nur die rechte hintere Klaue von Schlecki!
Da ist ja noch einer:
Schnapp... Aua!
Teil 5130. Sept. 2012
Zum Reiseführer noch mal kurz zusammengefasst:
Deutsch: Dieter Rohrbach Englisch: Bradt
Alles andere ist eher 😵
Noch ein paar Fotos von Chamäleon (feat. Moose):
Auf dem warmen (weil: Säugetier) und weichen Untergrund kann man sich so prima festkrallen
Schlecki gets the Blues:
(Ich bin Chamäleon! Lasst mich hier raus!)
Gerettet!
Teil 5201. Okt. 2012
Auf der Fahrt von Ranohira (Isalo Nationalpark, dem widmen wir uns später noch ausführlich) nach Tulear fahren wir durch eine ziemlich trostlose Gegend.
Kaum zu glauben, dass hier weit ab von jeglicher Wasserversorgung überhaupt Menschen leben.
Hier wird mit primitivsten Mitteln Rum aus Zuckerrohr gebrannt:
Wir haben öfters mal Rum probiert, aber nicht den Fusel, den sie dort machen - bei uns würde man das höchstens noch als E10-Beimischung verwenden.
In Ranohira hatten wir noch unsere leeren Trinkwasserflaschen mit Leitungswasser aufgefüllt. Es gibt Gegenden, wo die Menschen über 50km und mehr das Wasser von der Küste auf klapprigen Seifenkisten-Wägelchen ins Dorf transportieren. In so einem Dorf halten wir und verteilen unter großem Hallo die Flaschen:
Wir haben nicht verstanden, warum sie diese Mühe auf sich nehmen und nicht woanders hinziehen, wo man leichter an Wasser herankommt. Viel mehr als Maniok, dem man erst durch Erhitzen die Blausäure austreiben muss, wird da auch nicht wachsen. Während die Behausungen aus Stroh sind, hat man die Gräber mit soliden Steinmauern und Wellblechdächern gebaut. Damit ließe sich wenigstens Regenwasser auffangen. Macht man aber nicht. Das sind die Rätsel, die wir auf dieser ersten Reise nicht lösen können.
Was aber bleibt, ist wieder einmal eine Korrektur des eigenen Koordinatensystems: Dinge, über die man sich früher aufgeregt hat, verblassen zur Trivialität angesichts dieser Lebensumstände und man weiß die einfachen Dinge - wie einen Wasserhahn - um so mehr zu schätzen!
Teil 5305. Okt. 2012
Madame Poivre in Manakara:
Ich hoffe, der Vorrat an Pfeffer reicht bis zur nächsten Reise 🤪
Viele Leute unterwegs, und keine shit happens Ereignisse 😗
Säckeweise Leckereien - wenn man sie richtig zubereiten kann.
Teil 5408. Okt. 2012
Auf der Fahrt von Antsirabe Richtung Süden haben wir einen Abstecher zum Lac Tritriva gemacht - einem 160m tiefen, dunkelgrünblauen See inmitten eines Vulkankraters. Der Ozeanforscher Jacques Cousteau hat hier die unterirdischen Zu- und Abflüsse erforscht.
Von der richtigen Stelle aus betrachtet, hat der See übrigens fast die Form von Madagaskar:
Teil 5512. Okt. 2012
Von mir auch noch mal den Château ... ähhh Châpeau de Pâpe:
Der Isalo-Nationalpark ist in der Tat landschaftlich beeindruckend und wird uns an dieser Stelle noch eine Weile beschäftigen. Nicht so beeindruckend sind allerdings:
- das Parkmanagement, das horrende Eintrittsgebühren verlangt und dafür nicht mal die Handvoll Kilometer Zufahrtsstraße vom Zustand Geröllhalde in den Zustand Schotterpiste verwandeln kann. Wir haben mal ausgerechnet, dass die täglich ca. 5000 Euro einnehmen, dafür könnte man eine Menge machen. Landet wahrscheinlich alles in den falschen Kanälen. So ist das eben mit den großen Nationalparks, wo Politiker ihre Finger im Spiel haben.
- unser Guide, den wir ja wieder nehmen mussten und der mit Abstand am teuersten auf der ganzen Reise war, dafür sich aber am wenigsten Mühe gegeben hat.
Zurück zu den positiven Seiten, einem beeindrucken Sandsteingebirge, das so ganz anders aussieht als die Granitfelsen von Andringitra:
Auch Gräber haben wir in den Felshöhlen gesehen:
Der Blick in die Ferne:
Das Rätselhafte in der Nähe:
Preisfrage: was haben wir hier - einen Ast oder ist da noch mehr?
(Antwort: eine ekcerhcsuehbatS)
Sehr trocken hier:
Teil 5615. Okt. 2012
Ein paar weitere Eindrücke dieser bizarren Sandsteinlandschaft im Isalo-Nationalpark:
Ein entfernter Verwandter des Affenbrotbaums:
Kein Zucker- sondern eher ein Sandhut:
Teil 5717. Okt. 2012
Noch mehr von der außerirdisch schönen Landschaft im Isalo:
Teil 5820. Okt. 2012
Weiter geht es durch die Mondlandschaft im Isalo-Park:
Der Baum hier schafft es gerade noch so:
Wir nähern uns der kleinen Oase:
Schön kalt hier:
Weit reicht das kühle Nass nicht, dahinter geht es wieder in die Trockenheit:
Teil 5928. Okt. 2012
Hallo Maddy,
wenn Du das Erdferkel schon Aardvark nennst, müsstest Du Moose dann auch korrekterweise Wildebeestperd nennen 😗 (analog zu Kameelperd für die Giraffe).
Unser Ausflug in den Isalo-Nationalpark neigt sich langsam dem Ende zu...
aber als Lemurensucher sind wir natürlich auch hier wieder fündig geworden:
Tief unten im Canyon wandelt sich die trockene Wüstenlandschaft wieder zum Garten Eden:
Teil 6003. Nov. 2012
Gottesdienst in Akamasoa auf den Hügeln von Antananrivo
An unserem letzten Tag, einem Sonntag, wollen wir noch die Gelegenheit nutzen, die Gemeinde von Pater Pedro zu besuchen, der den ärmsten Menschen, die zuvor im und vom Müll gelebt haben, eine eigene Stadt gebaut hat, in der heute über vierzigtausend Menschen leben. Mehr Informationen dazu, auch wie man seine Arbeit unterstützen kann, gibt es u.a. hier.
Die Kirche hat eigentlich so gar nichts mit unseren schwülstig-barocken nach Weihrauch riechenden Dunkelkammern zu tun, sondern erinnert eher an ein Stadion, einfachste aber robuste Betonbauweise mit Wellblechdach.
An das Geschehen eines Gottesdienstes bei uns kann ich mich als Ungläubiger nur noch dunkel erinnern, mit Freude hatte es meist wenig zu tun (insbesondere die gruseligen Lieder), außer zu Weihnachten, wenn man sich nach der lästigen Pflichtübung auf das Auspacken der Geschenke zu Hause freuen konnte.
Dieses Ereignis hier hätte ebenso gut eine Party oder ein Konzert sein können, eine Band spielte mit ohrenbetäubender Lautstärke und tanzendem Publikum:
Gelegentlich konnte man doch bemerken, dass dieses Ereignis entfernt was mit Gottesdienst zu tun hat:
Teil 6108. Nov. 2012
Und weiter geht's mit dem lauten und bunten Gottesdienst:
Am Ende der Zeremonie wurden wir von Dutzenden von Leuten per Handschlag verabschiedet. Madagaskar hat uns persönlich "Veloma" - "Auf Wiedersehen" gesagt. Unsere Bilderserie neigt sich nun auch dem Ende zu, ein paar bisher links liegen gebliebene Fundstücke von der Reise werden noch kommen, dann kommt das große Fazit und die lange Wartezeit bis zum nächsten Mal.
Teil 6218. Nov. 2012
Sooo... jetzt bin ich doch auch mal dazu gekommen, meine Fotos von den Milne-Edwards-Sifakas im Ialatsara-Wald in der Nähe von Fianarantsoa zu bearbeiten... Wieder einmal haben diese faszinierenden Lemuren bewiesen, dass sie Weltmeister im bedröppelt dreinschauen sind:
neben Lemuren gab es auch andere Tiere zu bestaunen:
eine seltsame (aber harmlose) Spinnenart, Kite Spider genannt:
und das winzige Brookesia-Chamäleon:
Das war ein gleichermaßen faszinierender wie anstrengender Trip an dem Tag, zu Fuß bergauf und bergab durch den Regenwald, aber es hat sich gelohnt!
Teil 6322. Dez. 2012
Der kleine Unterschied
Dem Auto, mit dem uns Klaus auf dem größten Teil der Reise chauffiert hat, haben wir den Namen Ariary-Vari geben, weil er seinem Besitzer Ariarys und uns zu den Lemuren bringt.
Den 1000-Ariary-Schein haben wir hingegen Vari-Ariary genannt, schließlich ist ein schwarzweißes Exemplar dieser besonders elegant wirkenden Lemurenart auf der Banknote abgebildet:
Frohes Fest und guten Rutsch an alle treuen Knäckebrot-Thread-Leser.
Teil 6427. Dez. 2012
Die Stadt Ambalavao war unser Ausgangspunkt für den Besuch des Anja-Parks und den mehrtägigen Trip durch die Tsaranoro-Berge. Hier sind wir gerade auf dem Weg nach Ambalavao:
Der abendliche Blick aus unserem Zimmer in Tsienimparihy Hotel (hoffentlich richtig geschrieben). Ambalavao strahlt eine angenehme Ruhe und Beschaulichkeit aus, die wir in anderen Orten vermisst haben:
Morgentlicher Blick auf die sieben Berge, hinter den sieben Zwergen (oder so ähnlich):
Guten Rutsch und - dem einen oder anderen, der sich entschlossen hat - schöne Madagaskar-Reise im nächsten Jahr 😎
Teil 6504. Feb. 2014
Während Moose und ich fieberhaft an einer Fortsetzung der Knäckebrot-Saga in diesem Jahr arbeiten, haben wir uns in den vergangenen 15 Monaten Eure lieben Kommentare, wie z.B. diesen hier:
"Geniale Photos - keine Lust, einen Bildband zu machen? Würde gerne Texte beisteuern......"
oder diesen hier:
"Ein Bildband mit Fotos und Texten, die nicht nur beschreiben , sondern auch einen Hilferuf für dieses bedrohtes Paradies darstellen ist ein echtes "Muss", Leute.......meldet Euch!"
zu Herzen genommen! Neugierige Blicke und großes Erstaunen zeigten die Bewohner unseres Schlafzimmer-Zoos, als sie Ihre Kollegen nun endlich druckfrisch auf Papier zu sehen bekamen:
Nur er ist leider leer ausgegangen und muss sich bis Knäckebrot 2.0 – jetzt erst recht gedulden, wo er dann hoffentlich seine Artgenossen aus Masoala bewundern darf.
Über ein Jahr lang schlaflose Feierabende, 4 Gigabyte Druckvorlage und ein konspiratives Treffen mit Mafy Bé haben schließlich dieses Ergebnis hervorgebracht:
Bis zum nächsten Mal...
Liebe Grüße
Euer Erdferkel und MooseOnTheLoose
Teil 6615. Juni 2014
Lange lange ist es her, aber erst auf dem Pfingst-Braai 2014 konnte wir unsere Erinnerungen wieder aufleben lassen, mit diesem kleinen Film zum Buch, den es jetzt auch für die Mitleser zu schauen gibt: