von casimodo · Feb. – März 2012 · 26 Tage · Selbstfahrer · 21 Teile
Über diesen Reisebericht
Auf unserer achten Reise ins südliche Afrika im Februar und März 2012 beginnen wir in der einsamen Tankwa Karoo, wo wir drei Nächte in einem strombefreiten Cottage ohne direkte Nachbarn verbringen und über einen 4x4-Trail unsere ersten Geländefahrerfahrungen sammeln. Mäuse und Bienen teilen sich mit uns Küche und Pool, nachts spannt sich ein dichter Sternenhimmel über die Wüste. Eine Unterkunft in Upington sorgt kurz für Ärger: Eine doppelt abgebuchte Zahlung wird nicht wie versprochen erstattet, bei der Ankunft heißt es plötzlich, das Haus sei ausgebucht – wir weichen auf ein anderes Gästehaus am Oranje aus.
Im Kgalagadi Transfrontier Park, dem eigentlichen Ziel der Reise, wechseln wir alle ein bis zwei Nächte durch die ungezäunten Wilderness Camps. An fast jedem Wasserloch liegen Löwen, in Bitterpan wachen wir morgens mit sechs Löwen direkt vor der offenen Feuerstelle des Camps auf, in Killie Krankie besucht abends ein Leopard das nahe Wasserloch. Ohne Ranger sehen wir zum ersten Mal Geparden in freier Wildbahn, einer läuft in Urikaruus direkt an unserem Auto entlang. Selbstversorgung, Sternenhimmel und Buschgeräusche prägen jeden Abend.
Nach dem Park geht es zu Fuß weiter: Im Marakele-Nationalpark geraten wir bei einer Wanderung unerwartet nahe an zwei schnaubende Nashörner, in der Leshiba Wilderness führt uns ein Ranger tagelang zwischen frei lebenden Nashörnern und Giraffen umher. Den Abschluss bildet das Kapama Private Game Reserve mit geführten Gamedrives und Löwenbeobachtungen aus nächster Nähe. Die Selbstversorger-Wilderness-Camps im Kgalagadi bleiben für uns das große Erlebnis dieser Reise.
Diese Zusammenfassung wurde automatisch erstellt und vom Autor freigegeben.
Teil 131. März 2012
5100 KM Katzen und Mäuse unfenced
Reisebericht unserer Südafrikatour vom 23.02. bis zum 19.03.2012
Route
Flug Frankfurt Capetown mit Lufthansa 1 Nacht Tulbagh Tulbagh Country Manor 3 Nächte Tankwa Karoo NP Elandsberg 1 Nacht Upington Le Must River Manor 2 Nächte Kgalagadi NP Kalahari Tented Camp / Honeymoon Tend 1 Nacht Kgalagadi NP Gharagab 1 Nacht Kgalagadi NP Bitterpan 2 Nächte Kgalagadi NP Urikaruus 2 Nächte Kgalagadi NP Killie Krankie 1 Nacht Kuruman Red Sands Country Lodge 1 Nacht Rustenburg Terra Casa B&B 3 Nächte Marakele NP Tlopi Tented Camp 3 Nächte Leshiba Wilderness Venda Village Camp 2 Nächte Kapama Private Game Reserve Kapama Buffalo Flug Johannesburg Frankfurt mit Lufthansa
Das Hauptziel unserer achten Reise ins südliche Afrika sollte der Kgalagadi Transfrontier Park sein. In 2009 waren wir nur 2 Nächte in diesem wunderschönen Park, was natürlich viel zu kurz war. Da es ausschließlich in Wilderness Camps gehen sollte, haben wir mit der Planung der Reise weit über ein Jahr vor unserer Abreise begonnen. Die Entscheidung für die restliche Route fiel uns dann wirklich schwer. Da es auch zu uns bisher unbekannten Zielen gehen sollte, haben wir uns zu dieser etwas ungewöhnlichen Reise entschlossen und es nicht bereut.
Vorab schon einmal. Bis auf eine letztendlich unbedeutende kleine Schwierigkeit mit der Buchung im Moonriver Guesthouse in Upington hatten wir eine wunderbare Reise mit tollen Naturerlebnissen, 14 Nächten Selbstversorgung, tollen Unterkünften und Begegnungen mit netten und witzigen Menschen, die wie wir naturverbunden sind. Unsere bisher eher spärlichen Offroaderfahrungen wurden im KTP und auf dem Leuberg 4x4 Trail wieder etwas ausgebaut. Die reinen Fahrtage von Tankwa nach Upington, vom KTP nach Kuruman, von Kuruman nach Rustenburg und von Kapama nach JoBurg waren letztlich kein Problem. Die Wilderness Camps im KTP sind alle wunderschön. An allen Campwasserlöchern hatten wir Löwen oder Leoparden. Endlich haben wir ohne Ranger Cheetahs in freier Wildbahn sehen dürfen.
Der Mietwagen von KEA war entgegen aller Bedenken OK und funktionierte bis auf einen Wackler am Kühlschrank einwandfrei. Er musste einiges aushalten und leistete uns treue Dienste. Allerdings blieben einige Schrauben des Frontbumpers auf den teilweise üblen Wellblechpisten im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Strecke“.
Wieder einmal hat uns das Forum bei der Planung unserer Reise toll unterstützt. Gerade bei den Fragen zur Route, dem Weinkaufen, dem Seednet und dem Braiien haben wir wertvolle Hilfe erhalten. Dafür noch einmal allen ein „herzliches Danke“
Ich fange jetzt doch schon am heutigen Samstag mit dem Bericht an, um bei einem bestimmten Forumsmitglied keine Langweile ab Sonntag 17:00 Uhr zu bescheren ;-))
Die weiteren Teile dauern sicher eine Weile. Auch deswegen, weil die meisten Bilder bisher noch im RAW-Format auf der Festplatte schlummern :
Teil 231. März 2012
Flug Frankfurt Capetown und erste Nacht im Tulbagh Country Manor
Nach 2 Jahren warten geht es heute endlich los ! Da wir nicht weit vom Airport entfernt wohnen, spare ich einen Urlaubstag und gehe noch arbeiten, während Kerstin frei hat. Mein Vater fährt uns zum Flughafen, wo wir Ruckzuck mit dem Checkin fertig sind. Die Sitze sind Gott sei Dank vorreserviert, denn die 747 ist bis auf den letzten Platz voll besetzt. Der Abflug ist pünktlich, in unserer Dreierreihe sitzt ein sehr netter südafrikanischer Helikopterpilot. Kerstin unterhält sich 2-3 Stunden prächtig, dann können wir auf dem ruhigen Flug einige Stunden Schlaf finden. Obwohl es in der Bretterklasse kein eigenes Boardentertainmentsystem gibt, ist der Service bei Lufthansa diesmal erstklassig, das Personal sympathisch.
Als ich ca. 2 Stunden vor der Ankunft wach werde und das Rollo hochziehe, sehe ich die endlosen Dünenmeere in Namibia. Wieder stehen mir die Tränen in den Augen. Es ist schwer zu erklären, aber an diesem Punkt werde ich jedesmal sentimental.
Im Anflug auf Kapstadt ist der Tafelberg schön zu sehen. Bei blauem Himmel landen wir kurz nach zehn Uhr relativ gut ausgeruht zum vierten Mal in Kapstadt. Da wir 2 Kilo Vollkornbrot und einige Lebensmittel im Gepäck haben, sind wir froh, daß die 8 Beamten gerade andere Koffer durchsuchen und wir ungeschoren durch die Kontrollen kommen. Sofort versorgen wir uns am ATM mit ausreichend Bargeld und versuchen den KEA-Schalter zu finden. Da es keinen gibt und auch kein Abholer da war, rufen wir an. Bei Thrifty sollen wir warten, wo uns kurze Zeit später ein netter Kea-Mann abholt. Nach kurzer Fahrt erhalten wir mit einem sehr netten und detaillierten Checkin einen gut in Schuss wirkenden Nissan-Doublecab der gerade neu Inspektion hatte mit nagelneuen Offroadreifen, einem optisch ordentlichen Zustand und wie vereinbart mit Kühlschrank, Kompressor und zweitem Ersatzrad.
Um halb zwölf fahren wir auf vertrauten Wegen und unter Leitung unseres mit Tracks 4 Africa bestückten Nüvis in Richtung Paarl. Da wir in Sachen Wein immer verwöhnter werden, wollen wir uns gleich am ersten Tag mit Wein versorgen und haben uns drei Weingüter rausgesucht.
Das erste Weingut Anura ist nach knapp einer halben Stunde Fahrt erreicht.
Im Restaurant ist außer uns niemand. In traumhafter Umgebung und mit sehr leckerem Sauvignon Blanc und Chardonnay essen wir einen gourmetwürdigen Lunch.
Der Nachtisch ist sogar unglaublich gut. Den Wineshop verlassen wir kurze Zeit später und bestens gelaunt mit 6 Flaschen Wein. Das ist doch mal ein phantastischer Reisebeginn. Wir sind richtig euphorisch 😄 Afrigaaaaah, wir kooooomeeeen ......
Kurze Zeit später biegen wir in die Zufahrt des Weingutes Glen Carlou ein.
Die Weine kennen wir gut aus Deutschland. Das Restaurant und der Shop liegen auf einem Hügel mit herrlichem Blick auf die Berge bei Paarl.
Wir verzichten schweren Herzens auf eine Weinprobe, da wir noch einige Kilometer bis Tulbagh vor uns haben und verlassen auch diesen Shop mit 4 Flaschen Wein.
Diemersfontain ist das dritte Weingut. Unser netter Flugzeugnachbar hatte es uns empfohlen. Auch dort wechseln 4 Flaschen Wein den Besitzer.
Die restliche Strecke nach Tulbagh ist kein Problem.
Trotzdem freuen wir uns, als wir vor der Tür des schönen kapholländischen Hauses des Tulbagh Country Manor stehen.
Wir bekommen ein nettes und relativ großes Zimmer und beschließen, vor dem Dinner noch etwas zu ruhen.
Gut ausgeruht besuchen wir das Paddagang Restaurant schräg gegenüber. Im weinbelaubten Innenhof essen wir zwei ordentliche Steaks. Der weiße Hauswein aus dem eigenen Weingut schmeckt durchschnittlich, macht aber nix ! Satt und schon wieder müde geht’s zur afrikatypisch frühen Zeit schon wieder ins große, gemütliche Bett.
Nach einer gut durchschlafenen Nacht gibt’s ein gutes Frühstück an der großen Tafel im komplett historisch eingerichteten Manor House.
Wir wollen uns nicht zu lange aufhalten, denn heute ist der erste Großeinkauf geplant.Ein kurzer Blick noch in den Garten :
Im Sparmarkt ist die absolute Hölle los, denn Samstags gehen alle Farmarbeiter einkaufen. Das Obst- und Gemüseangebot ist reichhaltig. Es dauert doch einige Zeit, bis wir alle Gebrauchsartikel und Lebensmittel im Einkaufswagen haben. Wir sind mit die einzigen Weißen und stehen schließlich an einer unglaublich langen Schlange an der Kasse an. Irgendwie bekommen wir alles in Plastiktüten ins Auto geschleppt. Gegen 11.00 Uhr geht’s los in Richtung Tankwa Karoo NP. Endlich in die Einsamkeit.......
Teil 301. Apr. 2012
Tankwa Karoo NP / Elandsberg Cottage
Distanz 225 KM
Wir sind schon gespannt, was uns Heute erwartet. Der erste Teil der Strecke führt uns durch bergige Landschaft in Richtung Ceres, Diese Strecke sind wir schon mehrfach gefahren. In Ceres finden wir einen netten Drankwinkel, in dem wir uns mit Windhoek, Sparkling Water und dem so geliebten Savannah versorgen. Auch hier ist jetzt am Samstag die Hölle los. Erleichtert stellen wir auf der Weiterfahrt fest, daß es mit jedem KM immer einsamer und auch dürrer wird. Bald erreichen wir die erste Pad in diesem Urlaub. Die Landschaft wird weitläufiger und immer wüstenähnlicher. Irgendwie vergessen wir Fotos zu machen.
Und dann nach bestimmt 50 KM NICHTS auf einmal ein Padstal. Das gibt’s doch nicht ! Hier fährt doch fast kein Auto !?! Wer um Himmels Willen eröffnet hier einen Padstal ?
Die Eigentümer sind übrig gebliebene Hippies, die uns sehr freundlich empfangen. Er sieht aus wie ein totaler Freak (Der Blonde Mann hinter der Theke).
Begeistert über neue Kundschaft ruft er in den heißen Gastraum „An icecold beer ?“ Als wir wegen der irren Hitze ablehnen und nach Kaffee fragen, ist er irgendwie enttäuscht.
Auf der Veranda sitzt eine farbige Familie mit einem kleinen, total süssen Mädel. Ansonsten ist es total still.
Wir setzen uns draußen hin und finden es irgendwie supercool hier in the middle of nowhere bei der Familie Freak Instant-Kaffe zu trinken und wie die blöden zu schwitzen.
Doch was ist jetzt ? Plötzlich kommt ein Motorrad nach dem anderen an. Die Gang trainiert gerade für eine Charity Tour von Kairo nach Kapstadt. Die machen dem Cheffreak eine Freude und trinken das eiskalte Bier in Massen. So langsam wird es skurril, die Rocker kaufen Hippie-Schlapphüte und sind hier in der Wüste richtig gut drauf.
Nach ca. 1 Stunde fahren wir weiter über die einsame Pad. So langsam tauchen am Horizont imposante Berge auf.
Im Office am Parkeingang checken wir bei der freundlichen aber wortkargen Dame ein. Sie gibt uns den Schlüssel für die Family Unit und einen DIN A4 Plan des Parks und verabschiedet uns. Hier gibt es übrigens keinen Shop, nur Feuerholz ist verfügbar.
Bisher war die Pad eigentlich ganz gut, im Park ändert sich das schlagartig. Über heftiges Wellblech geht es die letzten KM immer parallel zur Gebirgskette bis nach Elandsberg.
Erst im letzten Moment kann man bei der Anfahrt erkennen, welch einen schönen Blick man in den nächsten drei Tagen haben wird.
Teil 401. Apr. 2012
Fortsetzung Tankwa Karoo / Elandsberg
Das Cottage ist riesig und wunderschön eingerichtet.
Es gibt einen kleinen Plunge Pool eine überdachte und somit schattige Grill- und Sitzecke, eine große Wohnküche, einen Kamin, zwei Schlafzimmer und ein großes Bad mit einer Dusche, aus der man einen Blick ins Freie hat.
Das Klo lädt zum Verweilen ein 😣 Gelle Annick, Gelle Conny !
Strom ist nicht vorhanden, Petroleum-Lampen gibt es genug. Das Wasser schmeckt auch abgekocht brackig, man muss genügend Trinkwasser mitnehmen. Zum Zähneputzen und Waschen ist es OK.
Wir sind sehr angetan, hier können wir erst einmal ausspannen und runterkommen. Wir räumen unsere Sachen aus dem Auto und installieren uns. Auf der Folie des abgedeckten Pools hat sich etwas Wasser angesammelt, das eine Reihe von Vögeln anzieht.
Der Bokmakirie ist wunderschön
Die Mäuse krabbeln geschickt im trockenen Gras rum
Wir genießen die Ruhe und den wunderschönen Ausblick und bereiten gegen Abend das erste Braii vor. Es gibt Boerewors, Lammsteak mit selbstgemachter Knobibutter, Tomate Mozarella und Gemsquash.
Zusätzlich muss natürlich die erste Flasche Wein, ein wunderbarer Anura Shiraz dran glauben. Nachdem die Sonne den wolkenlosen Himmel verlassen und die Berge rot gefärbt hat, tauchen langsam die ersten Sterne auf. Da kein Mond da ist , dürfen wir einen Hammer-Sternenhimmel erleben. Wer findet auf dem Bild das Kreuz des Südens ? 😉
Es ist einfach wunderschön und wir erinnern uns wieder, warum wir Afrika so lieben ! Die Temperatur sinkt nur ganz langsam, bei weit geöffneten Fenstern schlafen wir gute 10 Stunden, bis die Vögel mich kurz nach Sonnenaufgang wecken.
Mit einer Tasse Kaffe schaue zu, wie die Sonne über den Bergen erscheint. Kerstin schläft noch bis halb neun. Bis dahin habe ich abgewaschen, mit dem aus Deutschland mitgebrachten Kaffe und Reisefilter eine Thermoskanne Kaffee gebraut und die ersten Mäuseschäden festgestellt. Selbst daran Schuld, wenn man das Toastbrot und die Tomaten auf der Spüle liegen läßt. Die Maus hat ein schön symetrisches Loch in eine Tomate gefressen, es sieht fast schön aus. In der Toastpackung ist das Plastik angefressen und ein für eine Maus gigantisches Loch klafft Mitten im Brot. Dick und hässlich sollen sie werde, die elende Diebe ! Wir sehen aber von Strafverfolgungsmassnahmen ab und verhängen kein Todesurteil ! Die Mausefalle auf dem Fensterbrett bleibt unbenutzt. Mit dem Foto erwischen wir sie mit den Resten unseres O-Saftes :
Den Rest des Tages verbringen wir im Schatten, es hat sicher Ende 30 Grad. Zwischen unseren Beinen hüpft die ganze Zeit ein schneidiger, kleiner Vogel herum, der mit großem Erfolg Fliegen fängt. Er hat Null Angst vor uns und wir schließen ihn sofort ins Herz.
Um halb vier brechen wir zum Gannaga Pass auf.
Über Wellblech, einsame Landschaft und vorbei an meist verlassenen Farmhäusern geht es genau in das eine Tal, in das wir von unserem Haus aus sehen können. Langsam wird die enge Pad steiler und Kerstin immer stiller.
Sie sitzt auf der Talseite und fühlt sich sichtlich unwohl. Der Ausblick in die Ebene und ins Tal wird immer spektakulärer, die kleine Pad windet sich in Serpentinen den Berg hoch.
Wir erreichen ein Hochplateau und drehen an der verlassen wirkenden Gannaga Lodge um. An einem schönen Aussichtspunkt genießen wir bei völliger Stille die gigantische Aussicht, ein kühles Getränk und lecker Kekse.
Auf der Abfahrt steht ein kleiner Steenbok neben dem Auto am Berg, Kerstin ist jetzt auch etwas entspannter.
Im Tal angekommen, sitzt ein Southern Pale Chanting Goshawk direkt neben dem Weg auf einem Zaunpfosten. Stück für Stück pirschen wir uns mit dem Auto näher heran. Er bleibt tatsächlich sitzen, sogar als das Auto nur noch 5-10 Meter entfernt ist.
Da entdecken wir so in 50 Meter Entfernung einen Schakal. Er hat den Vogel fest im Blick. Das wäre sein perfektes Dinner ! Er pirscht sich gaaaanz langsam heran, hat aber keine Chance. Nach ca. 20 Minuten fahren wir weiter und sehen noch einen Oryx und einige Springböcke.
Die Temperatur wird langsam erträglicher und so vergeht der Abend mit Vogel- und Mäusebeobachtung am Pool. Inzwischen sind auch einige der angekündigten Bienen da, wir wussten bei der Buchung von der Problematik, die bisher keine war.
Relaxt wird während des Sonneunterganges das Essen vorbereitet, das Feuer angezündet und die ersten Schlücke eines leckeren Cuvees von Diemersfontain rinnen unsere Kehlen herunter.
Bei wieder gigantischem Sternenhimmel gibt’s Butternut, Speckwürste und Steaks. Gegen 22.00 Uhr siegt die Müdigkeit.
Vielleicht einmal eine Anmerkung zwischendurch:
Wir haben während des gesamten Urlaubes keine einzige Seite eines Buches gelesen. Früher hätten wir nie im Leben geglaubt, das es niemals langweilig wird, über Stunden gar nichts zu tun und nur die Stille und die Weite der Landschaft und die Kleintierwelt genießen zu dürfen. In Deutschland würde es uns nach wenigen Minuten langweilig, in Afrika nicht.
Nach einer sehr warmen Nacht ist Heute Morgen Frühstück im Häuschen angesagt. Der abgedeckte Pool wimmelt heute von Bienen und Mäusen. Sie tun uns nichts (die Bienen) und halten sich schwerpunktmäßig nur dort auf.
Den heißen Tag verbringen wir wieder mit Nichtstun. Gegen 14:00 Uhr starten wir dann in Richtung des heutigen Ziels, dem Leuberg 4x4 Trail. Die Beschreibung hörte sich bis auf eine angeblich sehr steile Abfahrt am Ende ganz easy an. Zuerst geht es die altbekannt Rüttelpad in Richtung NP Office, dann biegen wir nach Rechts auf eine kleine Pad ab. Die 50 KM von Elandsberg bis zum Beginn des Tracks führen uns durch absolut einsame, wunderschön gebirgige Wüstenlandschaft. Hier ist außer uns weit und breit niemand. Der Weg ist gleichzeitig auch die Zufahrt zum Varschfontain Cottage, das kurz nach dem allerletzten Abzweig zum Leuberg 4x4 Trail liegt. Auf dem Weg dorthin sehen wir ganz überraschend eine Herde Red Hardebeest, in weiter Entfernung rennt eine Herde Bergzebras vor uns weg. An einem Wasserloch sind Baboons und Springböcke. Mit Tieren hatten wir hier gar nicht gerechnet. Die Sandpad führt dann noch an einem weiteren rietbewachsenen Wasserloch vorbei, in dessen Nähe die Reste einiger alter Lehmhäuser stehen. Dann erreichen wir den Abzweig zum 4x4 Trail. Zuerst ein Kindergeburtstag, nach einer Biegung stehen wir dann aber plötzlich vor einem größeren Sandkasten. Er ist ziemlich tief ausgefahren und geht einige Meter bergauf. Das geht ja noch, aber an der oberen Kante sind mehrere ordentliche Felswacker freigefahren. Da wir nicht mit Sand gerechnet hatten und plötzlich etwas aufgeregt sind, denke ich natürlich nicht an den Reifendruck und schon gar nicht ans Fotografieren. Kerstin will direkt umkehren, weil es hier echt einsam ist. Verschiedene Südafrikaner hatten uns eh für etwas verrückt gehalten. Ein einigermaßen normaler Einheimischer würde wohl nicht Mitten im Sommer in die Wüste fahren.
OK, mit so einem Sandkasten habe ich bisher keine Erfahrung. Mit Anlauf bleibe ich zweimal stecken, kann das Auto aber im Geländegang locker wieder rückwärts herausfahren. Beim dritten Versuch klappt es dann. Ich nehme mehr Schwung und rausche zackig über die Felswacker. Der treue Nissan hüpft mit ächzenden Blattfedern über die Felsen, ohne das ich irgendwas wichtiges zerstört habe. Uff, geschafft ! Nach einigen hundert Metern kommt dann eine Strecke mit übel spitzen Steinen. Als normaler Asphaltfahrer hält man das für unpassierbar, das Auto ruckelt mit äußerster Gelassenheit drüber. Unsere Wirbelsäulen werden hier etwas gelockert. Jetzt wird es spannend. Im Internet hatte ich die hügelige Auffahrt schon gesehen. Das sah harmlos aus. Jetzt geht es beängstigend steil bergauf. Auf den Photos kommt das übrigens nicht annähernd rüber. Vom Beifahrersitz kommt ein sehr eindringlicher Befehl:
Kerstin : „Hier werden wir NICHT hochfahren ! Carsten : „Willst Du zurück über die spitzen Steine und die felsige Sandgrube?“ Kerstin : „NEEEEIN !!!“ Carsten: „Wir fahren da jetzt hoch ! „
Also Geländeuntersetzung rein und schön gleichmäßig losfahren. Am Ende des ersten Hügels sehen wir nur noch Himmel ! Keine Ahnung wie die Pad weitergeht. Also Aussteigen und nachschauen. Ah, etwas Rechts und gerade runter. Dann das Gleiche noch zwei oder dreimal und wir stehen auf dem höchsten Hügel. Eigentlich kein Problem, aber wir haben so etwas eben noch nie gemacht und fragen uns so langsam, was noch auf uns zukommen wird ! Warum tun wir überhaupt so etwas ??? Jetzt stehen wir erstmal vor einer seeeeehr steilen Abfahrt. Also erst einmal die schöne Aussicht geniessen, dann läuft Kerstin den Weg herunter. Sie möchte mich bei der Abfahrt filmen. Ich entschließe mich für den zweiten Gang und die Geländeuntersetzung und merke schnell, das der zweite Gang einer zu viel ist. Ich erinnere mich an die 4x4 Tipps im Forum, bremse ganz vorsichtig und rausche tendenziell einige KM zu schnell an meiner bleichen Frau vorbei. Auf dem Film ist hauptsächlich Himmel und Erde zu sehen. Über den Ruf von Kerstin „BREEEEEEEMS“ lachen wir uns inzwischen kaputt.
Der Rest der Strecke ist bequem zu fahren und führt in einem großen Bogen zurück zu dem Wasserloch und dem verlassenen Dorf. Für Offroadfreaks ist der Trail sicher keine große Herausforderung, für uns war es wieder eine neue Erfahrung. Das nächste Mal würden wir da auch locker durchfahren. Etwas stolz über das Geschaffte geht’s weiter in Richtung der verlassenen Siedlung Nahe des Wasserloches. Dort halten wir an. In totaler Stille laufen wir einige Meter zu einem kleinen Gräberfeld.
Es ist sauheiß. Ohne Wasser hätte man hier keine große Lebenserwartung.Von was haben die Menschen hier wohl gelebt ? Im Fenster eines halb zerfallenen Hauses entdecke ich eine große Eule, die aber leider sofort das Weite sucht.
Nach kurzer Zeit geht es die 50 KM zurück nach Elandsberg. Die Fahrt auf den Elandsberg-Viewpoint brechen wir ab, da es wieder sehr ruckelig über zahlreiche spitze Steine geht. Das hatten wir Heute genug. Nach dem kleinen Abenteuer schmeckt das Savannah besonders gut ! Unser kleiner gefiederter Freund ist auch wieder da und leistet uns Gesellschaft. Es gibt Heute Speckwürstchen, selbst eingelegtes Rindersteak, griechischen Salat und Gemsquash mit Knobibutter.
Beim Auspacken der garen Gemsquash merke ich, daß ich das Anstechen vergessen hatte. Angeblich können die Dinger dann explodieren. Also lasse ich beim Auspacken aus der Folie äußerste Vorsicht walten und steche das pralle Ding von der mir abgewandten Seite an. Mit lautem Zischen verabschiedet sich ca. ein Drittel des Fruchtfleisches in einem lauten Zischen aus dem kleinen Kürbis. Echt lustig und Gott sei Dank ist auch dieses kleine Abenteuer gut ausgegangen ! Ich sah uns schon mit den heißen Kürbisbrocken im Gesicht schreiend durch die Wüste rennen. Der Diemersfontain Voignier ist ein würdiger Wein für unseren letzten Abend in Elandsberg.
Wir hatten hier genug Zeit, um in Afrika anzukommen. Ein wunderschöner, einsamer Platz. Die Unterkünfte bewerte ich am Ende des Berichtes.
Teil 602. Apr. 2012
Elandsberg nach Upington
Distanz 504 KM
Heute ist ein reiner Fahrtag und die längste Teiletappe unserer Reise. Nach einem ausgiebigen Frühstück packen wir schweren Herzens unsere Sachen. Hier hat es uns richtig gut gefallen ! Auf der anderen Seite freuen wir uns auf den Kgalagadi Transfrontier Park. Der erste Teil der Strecke führt über knapp 100 KM richtig üble Pad. Hier lässt unser Nissan die ersten Schrauben fallen. Die Frontschürze wackelt jetzt seitlich etwas, die Metallbefestigung scheppert. Mit Panzerband bekomme ich das Ding aber wieder ruhiggestellt.
Nach einer Abzweigung geht es auf Schotter weiter immer an imposanten Bergen entlang über einen Pass, von dem aus wir einen schönen Blick zurück haben. In Calvinia wird getankt und im Calvinia Hotel gibt’s ein lecker Omelette und ein kurzes Gespräch mit einem Einheimischen. Im Drankwinkel gegenüber und im Sparmarkt nebenan werden die ersten Einkäufe für den KTP getätigt. Hier ist alles sehr relaxed, ein ganz nettes Städtchen.
Die restliche Strecke führt uns vorbei an den immer einmal vorhandenen Baustellenstops, die jeder Südafrikareisende kennt. Man wartet einige Minuten und darf irgendwann weiterfahren. Dann geht’s auf guter Straße ewig immer nur geradeaus. Nach Calvinia hat es zuerst noch schöne Berge, dann wird es öde. Dafür sitzt Kerstin plötzlich eine minikleine Gottesanbieterin auf dem Arm. Wie klein sie war, kann man an den Haaren auf dem Foto sehen. Sie sieht aber echt gefährlich aus. Wenn die 2 Meter groß wäre 🤩 Die Orte Brandvlei und Kenhardt sind nichtssagend. Die Fahrt ist relativ unanstrengend. So ungefähr 100 KM vor Upington fahren wir in eine Wolkenwand herein. Und plötzlich regnet es. Einige Kilometer weiter baut sich Rechts eine imposante Gewitterfront auf. Die Landschaft wirkt fast etwas namibianisch. Köcherbäume und riesige Webervogelnester vor roten Dünen.
Schließlich erreichen wir den Oranje. Hier gibt es riesige Weinanbaugebiete und einige größere Brückenbaustellen.
Das Navi leitet uns durch die belebte Innenstadt von Upington in eine kleine Seitenstraße am Oranje River zum Moonriver Guesthouse. Die hatten uns den Zimmerpreis pro Nacht lange vorab doppelt von der Mastercard abgebucht. Unsere Reklamation wurde zuerst gar nicht beantwortet und erst nach neuer Nachfrage teilte man uns mit, daß wir das zuviel gezahlte Geld bei Ankunft erstattet bekämen. Bei genau dieser Ankunft teilte der Eigentümer uns mit, sein Haus sei fully booked. Kerstin erwiderte: „we are the germans with the double payment“ ! Ahhh.... er hat uns erst nächste Woche erwartet ! Entschuuuldigung, das war sein Fehler....... und genug Bargeld hätte er jetzt auch nicht da..... wir könnten aber ins Le Must River Manor, er rufe schnell mal da an. Sie hätten was frei, das Geld würde er uns dann per Mastercard erstatten. Das ist bis jetzt noch nicht passiert. Wenigstens Le Must hat er für uns bezahlt. Wir werden der Sache noch nachgehen....
Le Must war sowieso unsere zweite Unkerkunftswahl und liegt ca 500 Meter weiter in einem noblen Wohngebiet direkt am Oranje inmitten eines tropischen Gartens mit schönem Pool. Wir werden nett empfangen, bekommen ein Zimmer, das ganz OK ist. Das Haupthaus ist historisch eingerichtet und hat einen schönene Freisitz zum Garten hin. Auf Empfehlung beschließen wir, zu Fuß zum Irish Pub zu laufen. Das sei hier in Upington OK, wir sollen uns keine Sorgen machen !
Der Pub liegt etliche hundert Meter entfernt an der Abends ausgestorbenen Haupteinkaufsstraße. Wir bekommen noch einen Platz auf der schönen Terrasse, werden sehr nett bedient und bekommen riesige Fleischportionen zu fairen Preisen mit einem kalten Bier.
Es ist sehr warm, am Horizont über dem Oranje gewittert es. Satt gegessen gehen wir mit einem unguten Gefühl im Bauch zurück zur Lodge. Warum laufen wir eigentlich ? Das nächste Mal werden wir wieder fahren, man fühlt sich einfach unwohl....
Zurück im Le Must landen wir noch mit einem sehr netten jüngeren Hausangestellten bei einem Windhoek auf der Terrasse. Wir verstehen uns gut, er berichtet uns viele interessante Sachen über das Leben in Upington. Für ihn sei es der beste Platz zum Leben. Zufrieden gehen wir ins Bett, wo ich noch einen Frosch fange und ins Freie setze. Das leckere Frühstück am letzten Morgen nehmen wir am großen Fenster mit schönem Blick in den Garten ein und fahren danach zu Checkers um die Ecke. Heute wird für 8 Tage Selbstversorgung im KTP eingekauft. Der Supermarkt ist riesig groß und in 1 1 /2 Stunden bekommen wir bis auf Savannah alles, was wir brauchen. Das Angebot an Lebensmitteln erschlägt einen förmlich. Da wohl gerade Erntezeit ist, bekommen wir sehr leckere Papayas, die fast jeden Tag unser Frühstück ergänzen werden.
Dann geht es endlich los in Richtung KTP !
Teil 703. Apr. 2012
Kgalagadi Transfrontier Park – 1. Tag Kalahari Tented Camp-Honeymoon Tent Nr. 1
Distanz insgesamt 342 KM, davon 115 im Kgalagadi Transfrontier Park
"The Kalahari will reveal itself to only those who seek with a true heart..." Zitat von der Rückseite des offiziellen Information Guide des KTP
Nach einem Tankstopp geht es von Upington aus auf die kerzengerade Straße in Richtung Norden. Die Umgebung ist viel grüner, als bei unserem letzten Besuch. Überall blühen gelbe Blumen Immer wieder überholen uns deutsche Luxuskarossen,allesamt Erlkönige. Sie haben Sondergenehmigungen vom südafrikanischen Staat und dürfen wohl etwas schneller fahren.
Der Sand wirkt mit grünem Bewuchs richtig intensiv rot. Wir lieben die Straßen durch die Kalahari mit den leichten Bergauf- und Bergabbewegungen. Wie immer ist fast kein Verkehr und die Fahrt relativ relaxed. Die letzten 50 KM geht’s an Farmen und roten Dünen entlang bis nach Twee Rivieren. Endlich sind wir da! Der KTP wirkt eine ganz besondere Faszination auf uns aus. Dort checken wir problemlos ein, der Ausdruck des Wildcardantrages wird auch akzeptiert. Das Parkheft ist leider ausverkauft, die Umleitung bei Kij Kij gibt es noch. An der Tanke wird der Luftdruck auf 1,8 Bar gesenkt, die behalten wir auch die ganze Zeit bei. Weiter geht es auf bekannten Wegen direkt in Richtung Kalahari Tented Camp. Zuerst machen wir aber einen kurzen Stop am Wasserloch Leeuwdril. Das Wasserloch ist übergelaufen, in den letzten Tagen muß es heftig geregnet haben.
Auf der Pad nahe dem Wasserloch hat sich eine große Pfütze gebildet. Hunderte von Schmetterlingen sitzen drumherum. Eine größere Springbockherde steht um uns herum und schöne Wolken spiegeln sich fotogen in der Pfütze. Was sind das herrliche Eindrücke, wenn man aus dem nassgrauen Europa kommt. Wir saugen die Augenblicke in uns rein und sind trotz der Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke sehr zufrieden mit dem Leben.
Auf dem Teilstück bis Auchterlonie machen wir in der Spätmittagshitze keine spektakulären Großtiersichtungen. Dafür buddelt ein knuffiges Erdhörnchen mit Inbrunst direkt neben der Pad. Der meiste Sand landet direkt auf dem Rücken, das scheint aber so geplant zu sein. Ab Auchterlonie wird es dann schnell tierreicher. Das üble Wellblech tritt in den Hintergrund, denn Oryxe, Springböcke und Gnus haben sich zum Teil direkt auf der Pad für unsere Photos bereitgestellt. Giraffen vor einer schönen Polfilter-Wolkenwand In der Nähe von Batulama kommt vom Beifahrersitz gaaanz bestimmt : „LÖWEN“ Unter einem Baum gehen sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nach : Schlafen ! Ab und zu kommen mal ein oder zwei Köpfe hoch und schließlich steht auch mal einer auf, um einem Bedürfnis nachzukommen. Nach ca. 20 Minuten fahren wir weiter. Kurze Zeit später in der Nähe von Kamqua kommt von Rechts : „ HYÄNEEEEN“ ! Das muß der von einigen Fomis bereits beschriebene Bau etwas oberhalb der Pad sein. Erst später ist auf den Fotos zu erkennen, daß sie an einem Riss liegen. In der Nähe von Dalkeith dann.... na ratet Mal.... Kerstins Einsatz „ LÖÖÖÖÖÖWEEEEN !“ So langsam bekommt sie Übung. Das ist ja nicht zu fassen ! Wir schütteln mit dem Kopf. Aus den Dünen kommt ein Männchen mit zwei Weibchen ins Tal gelaufen. Das Licht ist leider nicht so gut zum Fotografieren, für ein Erinnerungsbild hat es gelangt. Dann erreichen wir überglücklich und in euphorischer Stimmung das KTC. Da an der Rezeption niemand ist, tragen wir uns in die bereitliegende Liste ein und beziehen unser Honeymoon Tent, Nr. 1 ganz am Ende des Camps. Es liegt wunderschön auf einer leichten Anhöhe mit Blick aufs Wasserloch. Hey, hier kann man es aushalten. Zwischen dem kleinen Küchenzelt und dem sehr schön eingerichteten Zelt liegt die Terrasse mit Braii-Platz. Das Mäuerchen ist nicht wirklich hoch und dürfte eher ein psychologisches Hindernis für eventuelle Eindringlinge sein. Und was liegt da eigentlich am Wasserloch ? Ratet Mal ! Diesmal ich: „Ein LÖÖÖWEE“. Kerstin glaubt es nicht. Nach einem Moment : „Da Rechts sind noch vieeer!“. Auflösung des Suchbildes: 1 Links, 1 Mitte, drei Rechts
Spätstens jetzt fallen mir Kathy und Marco ein mit ihrem Bericht „Das Glück ist mit den Dummen!“.
Uns ist klar, daß das nicht jeden Tag so weitergehen dürfte, na warten wir mal ab !
Entsprechend gut gelaunt bereiten wir Boerewors, Gemsquash mit Knobibutter und Tomate Mozarella vor und ein guter Anura Mourvedre rinnt unsere ausgetrockneten Kehlen herunter. Das Ganze findet mit der Hintergundmusik des afrikanischen Busches und der von uns so geliebten Barking Geckos statt. Langsam verschwinden die Löwinnen in der Dunkelheit, Nachts ist nur der Ruf einiger Schakale zu hören. Ou Mann, ich bekommen langsam richtige Schmerzen beim Schreiben !
Teil 804. Apr. 2012
Kgalagadi Transfrontier Park – 2. Tag Kalahari Tented Camp
Erbarmungslos brüllt uns um 6:00 Uhr der Handywecker an. Kaffee kochen, Kühlbox packen, dann geht es los zum Morgendrive. Unser Ziel sind die Wasserlöcher und Loops bei Dalkeith, 13. und 14. Bohrloch. An einer toten Giraffe sehen wir einen Schakal und einen Geier. Wir vermuten, daß sie ein oder zwei Nächte dort liegt. Kerstin ist richtig gerührt, sie mag Giraffen ganz besonders gerne und stellt sich vor, wie sie Nachts kurz vor oder nach dem Trinken ihr Leben lassen musste. Das Leben in der Wildniss muss schon sehr brutal und voller Gefahren sein. Später erfahren wir, daß der Kadaver schon einige Wochen dort liegt.
Dann ist erst einmal Schakalzeit. An einem Wasserloch spielen drei Stück herum. Einige Zeit verbringen wir direkt neben einem abgestürzten Gemeinschaftswebernest direkt an der Pad. Ein Kingfisher Geier Da die ganz spektakulären Sichtungen ausbleiben, fahren wir etwas zu lange im Park rum. Man kann die Sichtungen eben nicht erzwingen. Gegen 11:00 Uhr erreichen wir dann Mata Mata und buchen bei einer bocklosen Angestellten den Sunset Drive. Auf der Rückfahrt sehen wir noch einen schönen Raubvogel. Zusätzlich haben wir mitten im Camp noch eine interessante Sichtung, die uns sehr motiviert, auf unserer Fahrt nach Gharagab das vom Forum empfohlene Seednet an den Nissan zu basteln. An der Tanke steht nämlich ein Südafrikaner. Die Motorhaube seines coolen 4 Liter Hilux ist offen, der Besitzer stochert etwas überfordert mit irgendeinem Holzstück im Motorraum herum. Da wir von Natur aus neugierig sind, beschließen wir ihn zu interviewen.
Wie die meisten Südafrikaner ist er trotz offensichtlicher Probleme mit seinem Auto sehr nett und auskunftsbereit. Aus Mabuasehube kommt er gerade an, ein ganz schönes Stück zu fahren. Das Gras sei sehr hoch gewesen ! Zuerst ist er ohne Seednet gefahren, als die Motortemperatur hoch war, hat er es drangebaut. Da waren beide Kühler schon zu. Jetzt werfe ich einen näheren Blick in den Motorraum. Schade, dass ich es nicht fotografisch festgehalten habe, aber der Mann saß offensichtlich in der Tinte. Zwei schwer zugängliche, hintereinander liegende Kühler und beide komplett zu mit Grassamen. Mit dem Stöckchen hatte er keine Chance !
Etwas nachdenklich geht’s zurück ins Tented Camp, wo wir uns vom frühen Aufstehen erholen und am späten Nachmittag das Braii mit Boerewors und Gemüsepäckchen in Alufolie vorbereiten. Kerstin hat noch einen wunderschönen kleinen Besucher Pünktlich gegen 18:00 Uhr holt uns ein netter Ranger ab, zwei Amerikaner um die 70 sind unsere Mitfahrer. Sie führen ein sehr schweres Leben und müssen jedes halbes Jahr zwischen ihren Häusern in Kalifornien und Capetown wechseln. Das muss ganz furchtbar sein 😉
Aber im Ernst, die Amis sind OK, da es keine größeren Tiersichtungen gibt, schwätzen wir über das Leben und bombardieren den Ranger mit Fragen über die Tierwelt und den Park. Schließlich entdecken wir einen Schakal. „Aaah ein Schakal ! „ Was issn das fürn graues Ding direkt daneben ?“ …. „Och, ne African Wildcat!“ Die Wildcat bekommt den Schock ihres Lebens als sie den Schakal in ca einem Meter neben sich sieht und schafft es gerade so, als Kugelblitz im nahen Gebüsch zu verschwinden. Wäre sie langsamer gewesen, hätte es bei Schakals Heute Abend lecker Wildcat zum Dinner gegeben. Der Ranger schüttelt den Kopf , das hat er auch noch nicht erlebt ! Alles ging blitzschnell, an ein Foto war nicht zu denken... Nachdem es so langsam stockdunkel wir, fährt er noch etwas offroad, ich übernehme den Job mit dem Spotlight. Springhasen, Bat Eared Foxes und etliche Antilopen können wir im Scheinwerferlicht beobachten.
Ohne größere Sichtungen, aber trotzdem sehr zufrieden, werden wir wieder im KTC abgeliefert.Der Ranger des KTC erzählt uns, dass die Löwinnen letzte Nacht direkt zwischen Nr. 4 und 5 übernachtet hätten. Wir gönnen uns noch das ein oder andere Savannah und das Braii mit leckeren Gemüsepäckchen als Beilage schmeckt an diesem Abend besonders gut.
Morgen geht es nach Gharagab, die Strecke ist laut SAN-Parksangaben nicht an einem Tag möglich, laut Forum und T4A schon ! Außerdem ist da ja noch die Sache mit dem Seednet. Keine Ahnung, ob das nur mit Panzerklebeband hält. Das bequeme Bett hilft uns in einen erholsamen Schlaf, morgen wird bestimmt ein harter Tag !
Teil 906. Apr. 2012
Kgalagadi Transfrontier Park – KTC nach Gharagab
Distanz 316 KM
Der Wecker klingelt erbarmungslos um 05:50 Uhr. Nach vielen Jahren Übung sind wir inzwischen ein perfektes Team. Auto Packen, Kaffee Kochen, Brote schmieren klappt mit unkomplizierter Arbeitsteilung wortlos. Direkt neben der Terrasse läuft plötzlich achtlos eine Hyäne vorbei.
Guten Mutes geht es los zu unsere Gewalttour, die ein bereits ausgebuchtes Killie Krankie nötig machte. Wir hatten Bedenken wegen der langen Strecke, Heute sehen wir es aber schon lockerer. Auf den ersten Kilometern durchs Auob Tal sehen wir Giraffen, kämpfende Springböcke und Raubvögel. An der Abzweigung zur Dünenpad in Richtung Nossob Frühstücken wir am Picknickplatz in der Nähe des Wasserloches Kamqua. Kerstin wechselt ans Steuer, wir wollen Heute häufig wechseln. Am Wasserloch Eland sehen wir sofort, woher der Name kommt : Immer wieder wachsen neben der Pad unzählige gelbe Blumen. Der nächste kurze Kaffeestop wartet in Dikbaardskolk. Die Pad hier im Nossob Tal ist viel angenehmer zu fahren, als die Rüttelpad im Auob Tal. Immer wieder hat es große Wasserpfützen, in einer badet gerade ein schöner Raubvogel. Überhaupt wird es heute unser Raubvogeltag werden. Überraschend relaxt erreichen wir um die frühe Mittagszeit Nossob. Im Shop werden die Vorräte an Feuerholz und Savannah aufgefüllt und wir checken für Gharagab ein. Die Angestellte gibt uns noch einen Spannungswandler für den Ranger mit. Bettwäsche für Grootkolk lehnen wir aber ab, da wir sowieso schon nicht so viel Zeit mehr haben. Beim kurzen Besuch am Wasserloch sehen wir Störche und Raubvögel und eine Gnu Herde Dann öffne ich endlich das Gate in Richtung Grootkolk und Gharagab.
124 weitere KM und ca. 3 Stunden reine Fahrzeit zeigt das Nüvi für die nächste Teiletappe bis Unions End an. Entlang der Pad sitzen immer wieder Unmassen an Raubvögeln auf den Bäumen. Tierbeobachtungen sind hier wegen des hohen Grases und der tiefliegenden Pad schwierig, was uns Heute aber ganz Recht ist. Raubtiere können wir keine sichten, nur deren Spuren und einige Geier. An einem Wasserloch beobachten wir eine große Straußenfamilie und etliche Oryxe. Die Straußeneltern sind total aggressiv und jagen die Artgenossen von ihrem Nachwuchs weg. Immer wieder sieht es kurios aus, wenn diese Riesenvögel am Rennen sind.
Gegen 15 Uhr erreichen wir immer noch nicht gestresst Unions End. Von unübersichtlich hohem Gras umgeben und deswegen sehr vorsichtig verlassen wir das Auto, um das provisorische Seednet zu installieren. Das funktioniert mit dem Panzerband und dem Bullbar ganz gut. Es sieht alles andere als professionell aus, tut aber seinen Dienst und ist stabil. Einige Ranger werden uns dafür noch belächeln, macht uns aber nix 😉
Der Abzweig auf den Weg nach Gharagab kommt bald, das Gras ist dort halbgrün und steht teilweise in Motorhaubenhöhe. Die einsame grüne Landschaft mit vielen Bäumen, blauem Himmel, Wolken und der roten Fahrspur ist wunderschön. Ab und zu ist es etwas holprig, richtige Dünen sind auf der Zufahrt aber keine. Alle 5 KM schauen wir einmal unter das Auto, um den Unterboden nach Grasresten abzusuchen. Da das Gras nicht so trocken ist, ist das aber kein Problem. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Gharagab, das wunderschön auf einer kleinen Anhöhe liegt. Es gibt nur vier kleine, ganz einfache Hütten und eine Rangerunterkunft. Dieser ist etwas eigenartig drauf.Er zeigt uns sehr sauber polierte Gläser und fordert uns auf, diese genausoooo sauber wieder zu hinterlassen, er sei da sehr penibel ! Er gibt uns eine kurze Einweisung und meint dann ganz nebenbei : „Ach ja, direkt neben Nr, 1 liegt ein männlicher Löwe, der kommt nachher bestimmt zum Trinken. Beim Autoauspacken schaut man sich da die Umgebung dann doch etwas genauer an. Der Blick von der Terrasse ist wunderschön, das Wasserloch recht nahe. Hier gefällt es uns wieder sehr gut. Das Camp hat einen ganz anderen Charakter, als das Tented Camp. Fröhlich bereiten wir die Gemüsepäckchen und das Fleisch für das Abendessen vor. Als ich gerade den Grill anzünde, sagt Kerstin.... na ratet Mal : „Der Lööweeee kooomt!“ Im hohen Gras und von der Abendsonne angestrahlt trottet er von Nr. 1 kommend runter zum Wasserloch. Er sieht nicht sehr fit aus, man sieht die Rippen. Jetzt kommen die Riesen-Teleobjektive der Nachbarn zum Einsatz und auch bei uns füllen sich die Speicherkarten. Erst zu Hause auf den Photos sehen wir, dass der Löwe ein ungewolltes Piercing in der Backe hat. Ein Stachelschweinstachel hat sich quer durch seine Backe gebohrt. Das muss echt fies und sehr schmerzhaft sein. Nachdem er genug getrunken hat, läuft er direkt auf unsere Hütte zu und läßt sich ca 20 Meter entfernt unsichtbar hinter einem Busch nieder. Wenn er sich auf den Rücken dreht, sichten wir mal einen Fuß. Kerstin meint, wir hätten das Olivenöl im Auto vergessen. Ja, ich hole es schnell ! Ah ja, da ist ja der Löwe. Och, der schläft doch und es sind nur 5 Meter bis zum Auto.
Hier in Deutschland halten uns jetzt alle für verrückt, Ihr könnt uns sicher besser verstehen. Der Ranger lief auch ganz entspannt im Camp herum, mir war schon etwas mulmig. Mit dem in der Dämmerung beginnenden Konzert der Barking Geckos und dem unsichtbaren Löwen in der Nähe genießen wir wieder unser Braii und eine gute Flasche Glen Carlou Shiraz .Die Nachbarn haben wohl etwas Probleme mit ihrer Grillkohle: Die Stimmung und das Gefühl weit weg von der Zivilisation zu sein, ist unglaublich schön. Nachts brüllt mehrfach der Löwe und die Schkale rufen in die Nacht....
Nach gutem Schlaf lassen wir es am nächsten Morgen gemütlich angehen. In Ruhe frühstücken wir Toast und Papaya mit lecker Ceres Orangensaft und Kaffee. Alle Nachbarn sind schon weg. Gegen 9:00 Uhr geht’s schweren Herzens wieder auf die Pad zurück nach Nossob. Am nahen Wasserloch Dankbaar stehen die Südafrikaner und beobachten Vögel. Sie weißen uns darauf hin, daß an der nächsten Düne Löwen neben einem Busch liegen. OK, schon wieder Löwen. Das gibt’s doch nicht ! Zuerst entdecken wir mehrere schlafende Weibchen 200 Meter unterhalb der Düne. Bei unserer Ankunft heben sie kurz die Köpfe . 200 Meter weiter hinter dem Dünenkamm finden wir etwas später noch zwei Löwendamen. Die heben ab und zu die Köpfe, liegen aber ansonsten löwenfaul herum. Die Ausfahrt führt nach 29 KM wieder auf die Pad im Nossob Tal. Auf dem Weg dorthin genießen wir die schöne Landschaft und sind wieder froh, das Seednet zu haben. Jetzt hat es auch einige Dünen, deren Überquerung aber kein Problem ist. An einer habe ich zu wenig Schwung, im zweiten Anlauf klappt es dann aber. Die 29 KM ziehen sich schon ganz schön...
Inzwischen ist es wieder heiß gerworden, trotzdem lässt es sich auch ohne Klimaanlage ganz gut aushalten. Auf dem Restweg gibt’s keine besonderen Sichtungen mehr und so erreichen wir gegen 13:00 Uhr Nossob.
Teil 1006. Apr. 2012
Nossob nach Bitterpan
53 KM Sand und Dünen Anfahrt, 48 KM Sand und Dünen Ausfahrt
3 ½ Stunden +/- und 53 KM Zufahrtsweg sagt das Kgalagadi Heft. 50 Km Durchschnittsgeschwindigkeit werden wir hier definitiv nicht fahren. Naja, so in 4 Stunden sollten wir es schon schaffen und noch etwas Zeit zum Ausspannen in Bitterpan haben. Zufällig checken wir gleichzeitig mit den Insassen eines südafrikanischen 4x4's ein. Wir unterhalten uns etwas, der Fahrer dürfte so um die 60 sein und ist auch noch nie in Bitterpan gewesen. Wir vereinbaren, daß wir zusammen fahren, wir lassen ihn vorfahren. „Wenn ich zu langsam bin, dann gebt mir Lichthupe!“.... „Wird schon passen, antworten wir“. Der nette Tankwart öffnet uns das Gate zur exklusiv für Campinsassen und nur Oneway befahrbaren Zufahrtspad. Der Südafrikaner gibt gleich Zunder und pflügt die erste Düne hoch. Es geht gleich richtig los. Es ist kein wirkliches Problem, aber auf den Dünenkämmen ist die Pad teilweise ordentlich ausgefahren und sehr tiefsandig. Inzwischen habe ich gelernt, dass man auf den letzten Metern vor dem höchsten Punkt noch genügend Drehmoment übrig haben muss, dass der 3 Liter Turbodiesel im zweiten Gang nicht abstirbt. Also immer genügend Anlauf nehmen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Das beschert uns ein munteres Gehopse auf unseren Sitzen. Die Fahrerei macht einen Riesenspaß. Der Südafrikaner hat es sehr, sehr eilig. Da wir immer in Sichtweite hinterherfahren, passiert alles ganz automatisch. Tiere sehen wir wenige, aber die Strecke durch die einsame Gras- und Dünenlandschaft in der Kalahari ist wunderschön. Überhaupt: Warum ist hohes Gras im südlichen Afrika eigentlich schöner als in Europa ? Die Frage haben wir uns gerade in Namibia und auch jetzt immer wieder gestellt ! Wir wissen es nicht und genießen die Strecke. Nach unzähligen Dünen erreichen wir nach ca. 1 ¾ Stunden Bitterpan. Knapp schneller als erwartet, alleine hätten wir uns etwas mehr Zeit gelassen. Der Ranger zeigt uns kurz das Camp. Die 4 Südafrikaner haben die 2 Hütten auf der linken Seite, wir das vorletzte auf der rechten Seite. Neben uns wohen Christiane und Jochen aus Hamburg , sie sind gestern angekommen und zum zweiten Mal in Bitterpan.
In der Mitte des Camps liegt die gemeinsame Küche, die Gaskühlschränke und durch ein kleines Tor kann man zwei, drei Stufen herunter zum gemeinsamen Braiiplatz gelangen. Es ist wieder sehr einfach eingerichtet, hat aber auch wieder seinen ganz eigenen Charme. Zwischen dem Trockensee und dem Camp liegt ein kleines Wasserloch. Nur zwei Strausse laufen in der Mitte herum, es ist herrlich ruhig. Die Hütte ist sehr klein, hat zwei Einzelbetten, eine kleine Terrasse und einen eigenen Braiiplatz. Wir verbringen den Nachmittag mit Relaxen. Gegen Abend verabreden wir uns mit den deutschen Nachbarn zum Grillen, die Südafrikaner machen ihr Ding. Christiane und Jochen sind total in Ordnung, wir verbringen einen feuchtfröhlichen Abend mit Grillwürstchen, griechichem Salat, Gemsquash, Windhoek, Rotwein, Weißwein, sehr angeregten Gesprächen und Afrikalatein. Für afrikanische Verhältnisse unfassbar spät gehen wir um 23:30 Uhr ins Bett. Es werden die einzigen Deutschen sein, die wir in 3 ½ Wochen treffen, In der Nacht sind wir etwas fassungslos. 4 Fledermäuse vergnügen sich bei Tiefflugübungen und gekonnten Formationsflügen in unserem Minichalet. Hin und wieder üben sie Bombenabwürfe. Die Luftminen landen auf unseren Betten und bleiben als Blindgänger liegen. Dabei machen die Viecher auch noch einen Höllenlärm. Es wird trotz des hohen Blutalkoholspiegels eine unruhige Nacht.
Als im Morgengrauen der Flugbetrieb endet und eine wonnige und komatöse Tiefschlafphase doch noch etwas erholsamen Schlaf bringt, weckt uns doch tatsächlich Christiane. Gestern Abend hatten wir sie noch sehr nett gefunden. Was will sie denn ?!?! „ Aufwacheeeen, die Löööweeen sind da!“ Schlagartig ist der dicke und müde Laib wie eine Sprungfeder unterhosig aus den Betten gehüpft. Christiane ist uns jetzt sogar noch sympathischer !
Und tatsächlich. 6 Löwen liegen im warmen Morgenlicht um das Wasserloch herum. Immer wieder stehen sie auf und machen Kaspereien, jagen und beißen sich und schleppen irgendwelche Brocken durch die Gegend . Jochen macht uns mitten in der Kalahari einen richtigen Latte Macchiato. Inzwischen stehen wir alle um die nicht eingezäunte Feuerstelle herum. Da seit einigen Minuten eine der Löwinnen fehlt und das Rudel nicht so wirklich weit von uns entfernt ist, beschließen wir nun doch etwas vorsichtiger zu sein und wieder auf das Deck hochzugehen. Es ist schon eine ganz besondere Stimmung. Alle stehen in ihrer Schlafkluft und mit den Kaffebechern in der Hand ca. 100 Meter vom Löwenrudel entfernt in der Morgensonne. Das Ganze zieht sich bestimmt eine ¾ Stunde hin, bis ein Löwe nach dem andern sich so langsam in der Landschaft verteilt. Zwei, dreimal registrieren wir, dass sie uns ganz bewusst beobachten. Und wenn sie wollen, sind sie im hohen Gras und den Büschen komplett unsichtbar.
Drittes Camp und dreimal Löwen am Wasserloch, mit einer 100% Quote hätten wir niemals gerechnet ! Ob das so weitergeht ? Gemütlich frühstücken wir zu viert. Christiane und Jochen wollen noch mit uns in Richtung Urikaruus fahren und dann eine Kehrtwende in Richtung Namibia machen. Um 9:00 Uhr verlassen wir Bitterpan. Diesmal gehen wir es viel langsamer an. Immer wieder geht es Dünen hoch und runter, durch hohes Gras und an Blumen und grünen Wiesen vorbei. Vereinzelt sehen wir die üblich verdächtigen Tiere und einige Raubvögel. Kurz vor Erreichen der Hauptpad im Auob Tal kommen zwei oder drei Dünentäler, die paradiesisch grün sind. Auf dem roten Sand wachsen gelbe Blumenteppiche, es erinnert fast etwas an die Blumenblüte im Namaqualand. In Ruhe beobachten wir eine Giraffen, es ist wirklich unglaublich schön hier ! Im Auob Tal selbst gibt es keine besonderen Sichtungen mehr, auf einem Viewpoint kurz vor Urikaruus verabschieden wir uns von Christiane und Jochen. Wie wohl Urikaruus sein wird.... ?..... und wie wird wohl das Treffen mit der Engelstrompete und dem Silberadler verlaufen ?... das alles erfahrt Ihr im nächsten Teil und noch bevor der Bayern Schorsch wieder mitlesen kann 😉
Teil 1108. Apr. 2012
Kgalagadi Transfrontier Park – Urikaruus
Um 14:00 Uhr werden wir von Eric, dem außergewöhnlich netten Ranger in Urikaruus begrüßt.Er zeigt uns unser Chalet Nr. 1 am linken Ende des aus vier Unterkünften bestehenden Camps. Von hinten wirkt es etwas garagenähnlich, oben angekommen sieht man das schnell anders. Sowohl von der Küche, als auch vom etwas höher gelegenen Schlafdeck hat man einen schönen Blick ins Tal und das nicht weit entfernte Wasserloch. Wir fühlen uns sofort zu Hause, hier ist es ein wenig komfortabler als in Gharagab und Bitterpan. Im Schatten sitzend beobachten wir insgesamt 9 Giraffen am gegenüberliegenden Hang. Etliche Vögel fliegen herum. Immer wieder versucht ein blitzschneller Falke im laut zischenden Sturzflug Tauben am Wasserloch zu jagen. Ansonsten steht nur ein Springbock und ein Gnu im Tal herum.
Beim Auspacken merken wir, dass dieTetrapacks O-Saft, Milch und die Windhoekflaschen nicht geländefest sind. Durch das üble geholpere in den letzten zwei Tagen sind sie allesamt undicht geworden und verursachen in der mit einem groben Stoff ausgekleideten Schublade einen unleckeren Gestank. Da an Auswaschen nicht zu denken ist, nutzen wir die Sonnentrockenmethode. In der anderen Schublade hat die Zuckerpackung nicht standgehalten, aber es ist wenigstens trocken.
Die letzten Eintragungen im Gästebuch lassen unsere Erwartungen in die Höhe schnellen. Ein südafrikanisches Paar hat in einer Woche Aufenthalt wirklich unglaubliche Beobachtungen von Raubtieren an den Wasserlöchern Kamqua, Dertiende und Veertiende Boorgat gemacht. Ob wir auch solches Glück haben werden ? Irgendwie vertun wir uns um eine Stunde mit der Zeit, in der kurzen Zeit zwischen 6 und 7 Uhr sichten wir als Besonderheit eine durchs Tal trottende Hyäne. Nicht wirklich enttäuscht heißt es heute Reste Essen. Das eingelegte 700 Gramm Schweinesteak schmeckt sehr lecker. Da die Kühlkette durch einen Wackelkontakt am Kühlschrank aber einige Mal unterbrochen war, essen wir es mit gemischten Gefühlen. Bei Glen Carlou Shiraz, Barking Gecko- und Taubensound und stimmungsvollem Sternenhimmel verbringen wir den Rest des Abends.
Die Nacht wird sehr, sehr unruhig, da gefülte 3000 Fledermäuse in der Lücke zwischen Blechdach und den Deckenplatten der Hütte leben. Sie veranstalten einen Höllenlärm und der Kot fällt durch die Deckenritzen ins Bett. Das beschert mir eine fast schlaflose Nacht. OK, wir sind mitten in der Natur, aber das ist entschieden zu ungemütlich !
Um 05:50 klingelt der Wecker wieder, mit einer Thermoskanne frisch gebrühtem Filterkaffe geht’s wieder auf die altbekannte Rüttelpad im Auob Tal. Am 13. und 14. Bohrloch gibt’s keine besonderen Sichtungen. Nur eine Giraffe hat eine Straßensperre errichtet. Dafür wird endlich einmal ein Rotbauchwürger gesichtet. Dann stehen rechts zwei Autos hintereinander und beobachten irgendwas. Vor ein paar Minuten sei da ein Gepard herumgelaufen, antworten sie auf unsere Frage. Nach ca. einer Viertelstunde geben sie auf und siehe da, plötzlich entdecke ich den Cheetah mit dem Fernglas. Er ist nicht wirklich Nahe, aber es handelt sich hierbei trotz unseres bereits 8ten Afrikaurlaubes um unsere erste Gepardensichtung in freier Wildbahn. Dann verschwindet er im Unterholz, zufrieden geht’s zurück nach Urikaruus. Dort eröffnet uns Eric, wir hätten gerade zuerst eine Löwin mit zwei Jungen und dann noch eine Gepardin am Wasserloch verpasst. Deswegen wolle er nicht so gerne zur nahegelegenen Pumpe des Wasserloches laufen. Wir fahren ihn natürlich gerne hin, die Löwin ist aber verschwunden. Nach der Rückkehr kommt ein Auto an und er eindrucksvolle Silberadler kommt mit voll ausgebreiteter Spannweite auf uns zu, Engelstrompete verhandelt noch mit Eric. Es gibt eine herzliche Begrüßung Mitten in Afrika und wir werden am Nachmittag zu einer Tasse Kaffee eingeladen. Nach einem Nachholschläfchen sitzen wir gemütlich bei Mike und Cecile auf der Terrasse und tauschen erstes Afrikalatein aus. Am Abend wollen wir bei uns grillen. Aber zuerst geht es los zum Abendgamedrive. Nach einiger Zeit Herumgefahre sehen wir am Rand einen uns schon bekannten Landcruiser stehen. Das panzerfaustähnliche Teleobjektiv ragt in Richtung eines Baumes aus dem Auto heraus. Ach, die beobachten wieder Vögel vermute ich falsch. Denn nachdem ich langsam herangefahren bin, sehe ich den Geparden, der direkt neben der Pad im Schatten sitzt. Jetzt sind wir total hin und weg ! Wir dachten schon, so etwas niemals erleben zu dürfen ! Er läuft direkt an uns vorbei auf der Pad entlang. Wir lassen dem Landcruiser den Vorrang, schließlich hat er die Katze entdeckt. Keine Ahnung, ob wir sie entdeckt hätten, oder vorbeigefahren wären. Schließlich legt sich der Gepard unter eine Busch. Gar nicht weit entfernt stehen drei Oryxe herum. Sie entdecken den Gepard und......... laufen gaaanz langsam, aber entschlossen auf den Cheetah zu. Einige Meter entfernt bleibe sie stehen und beobachten ihn interessiert. Das sieht wie Neugier aus, sie scheinen zu wissen, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Das hätten wir nicht gedacht !
Und dann gibt es noch eine Sichtung von zwei Giraffenbullen, die sehr elegant miteinander Ringen. Sehr zufrieden erreichen wir um Punkt sieben das Camp. Cecile und Mike kommen gleich rüber und wir verbringen einen sehr lebhaften und netten Abend mit leckerem Essen und langen Gesprächen. Über Einzelheiten darüber haben wir ein freiwilliges Schweigegelübte abgelegt, an das wir uns natürlich halten werden, Gelle Cecile und Mike 😉
Die unbekannten Nachbarn in Urikaruus haben uns gaaanz sicher gehasst, denn trotz aller Vorsätze waren wir sicher viel zu laut und das auch noch bis spät in die Nacht. Heute Abend sind wir die Bösen und gehen spät ins Bett ! Alkohol und Gehörschutz verschaffen uns einen unerwartet ungestörten Schlaf.
Am Morgen verzichten wir auf den Gamedrive und Frühstücken lieber in Ruhe. Beim Kaffeekochen fällt ein Springi auf, der plötzlich starr in Richtung Düne schaut und das Fressen einstellt. Und dann sagt Kerstin „Die Lööwiiiinn, und zwei Juuuunge !“ Jaaaa ! Ein wunderschönes Bild in der aufgehenden Sonne. Schwierig zu fotografieren, im nächsten Urlaub wird ganz sicher ein größeres Tele die Spitze meiner Kamera schmücken. Der eine kleine Löwe versteckt sich unter der Mama, der andere läuft allein ums Wasserloch herum. Während des Frühstückes kommt dann noch eine größere Gnuherde zum Trinken. Und das ist für uns eine Besonderheit, wenn man am Wasserloch in Ruhe Tiere beobachten kann. Denn immer wieder fallen einem gerade bei Herden die unterschiedlichen Verhaltensweisen auf. Der Leitbulle geht voran, sichert das Gelände und stößt einzelne Herdentiere mit den Hörnern in die Seite, die seiner Meinung nach zu lange trinken. In wenigen Minuten ist das Schauspiel vorbei und sie trotten wieder geordnet davon.
Der Falke ist auch wieder da (das obige Foto ist ein anderer Greifvogel), zischend und mit sicher 200 Sachen wendet er seine Sturzflugtechnik an. Als wir uns gerade von Eric verabschieden, kommen Cecile und Mike vom Gamedrive zurück. Irgendein irrer hat Ihnen den einen Außenspiegel abgefahren und ist weitergefahren. Das tut uns echt Leid, wir geben Mike unser letztes Stück Panzertape, um das Ding notdürftig flicken zu können.
Kurz vor Auchterlonie sichtet Kerstin eine Erdmännchenfamilie direkt neben der Straße. Obwohl wir sie ja schon einige Male in Namibia beobachten durften, ist das immer wieder ein Höhepunkt, diese unglaublich knuffigen Tierchen beobachten zu dürfen.
Da es noch früh ist, wählen wir nach einem Einkaufshalt in Nossob die Strecke über Kij Kij, um nach Killie Krankie zu gelangen. Es ist heiß und die Umgehung an der immer noch existierenden Umleitung zieht sich ganz schön. An einem Baum gehen die Gesellschaftswebervögel ihrem fatalen Treiben nach. Der Baum ächzt schon sichtbar unter der Last der riesen Nester, einige Äste sind bereits abgebrochen und haben die Nester mit sich in die Tiefe gerissen. Jetzt sammeln die fleißigen Vögel genau diese Grashalme wieder auf und schaffen damit neue Riedenhäuser, bis diese dann wieder abstürzen. Das letzte Teilstück von Kij Kij aus nach Kilie Krankie ist sehr holprig. Dafür belohnt uns die Landschaft mit rotem Sand, grünem Gras und einigen Straussen und Oryxen.
Teil 1209. Apr. 2012
Kgalagadi Transfrontier Park – Killie Krankie
Nachdem wir unser Auto unter dem Sonnenschutzdach abgestellt haben, zeigt uns der Ranger unser Chalet Nr. 4. ganz Rechts Außen. Es ist wirklich schön eingerichtet mit einer gut ausgestatteten Küche und einem wunderschönen, großen Außenbereich. Der Blick kann endlos über die Weiten der Kalaharidünen schweifen, hier werden wir uns wieder wohlfühlen ! Wir geniessen die Stille und schlafen eine Runde. Der Deckenfan ist dabei hilfreich, es ist wieder heiß. Kerstin gelingtmit ihrer Lumix auf der Terrasse eine Hammeraufnahme einer größeren Wespe. Die sieht echt zackig aus, oder ? Auf dem Geländer landen immer wieder Vögel. Die Webervögel bauen an der Außenwand unseres Chalets ihr neues Zuhause. Im Gästebuch haben sich einige Autoren echt Mühe gemacht. Die gleichen Südafrikaner wie in Urikaruus haben im Februar auch hier unglaublich viele Raubtiersichtungen gehabt mit Jagd, Riss und allem PiPaPo. Unser eigener Abendgamedrive bringt keine außergewöhnlichen Erlebnisse. Dafür gelingt uns ein annehmbares Foto eines Bee-Eaters und einige Greifvogelsichtungen. Die Abendstimmung ist wunderschön, auch hier geben die Barking Geckos ein herrliches Konzert. Dazu schmeckt ein Hammer Anura Sauvignon Blanc und später noch eine halbe Flasche Diemersfontain Voignier. Knobigemüsepäckchen und ganz gute Tiefkühlboerewors aus Twee Rivieren füllen unsere Mägen.
Der Höhepunkt des Abends ist aber der Besuch eines Leoparden, der gegen 20:30 Uhr dort seinen Durst stillt. Leider ist das Wasserloch aber so weit weg, dass man den Leo auf dem Photo nicht erkennen kann. Am nächsten Morgen geht es wegen technischer Probleme mit dem Wecker erst gegen 7:00 Uhr auf Morgengamedrive. Zuerst können wir es nicht so richtig einordnen, was mit einer größeren Springbockherde passiert. Eine mächtige Staubwolke steht über dem Auob Tal und immer wieder rennen etliche Springböcke mit unglaublicher Geschwindigkeit hin und her. Die Bocksprünge zwischendurch kennen wir schon, aber so in Ruhe und aus nicht zu weiter Entfernung konnten wir das noch nicht beobachten. Zuerst glaubten wir an jagende Raubtiere, aber das ist entweder Springbockfrühsport oder die Auswirkungen einer Wahnsinnsattacke. Wir geniessen die dynamischen Spurts, sie sind unglaublich schnell ! Als wir nach Killie Krankie zurückfahren, treffen wir Cecile und Mike. Sie erzählen uns von einem Hyänenrudel, das direkt neben der Pad an einem Oryx-Kill frisst. Also drehen wir um und fahren zurück ins Auob Tal. Ca. 4 KM in Richtung Mata Mata sollen sie liegen. Das ist etwas weiter als die Stelle, an der wir vor kurzem Kehrt gemacht haben. Und tatsächlich, nur ein Auto steht vor dem Hyänenrudel. Der tote Oryx ist schon zu guten Teilen aufgefressen und die Hyänen haben bis auf ein rangniederes Männchen alle fettgefressene Bäuche. Bestimmt eine Stunde beobachten wir die etwas gespenstische Szenerie. Das Männchen darf nur an den Riss, wenn kein anderes Rudelmitglied Lust hat zu fressen. Selbst die Kleinen haben Vorrang, die Rudelführerin vertreibt ihn dann sofort mit unmissverständlichen Gesten. Ich denke an eine National Geographic Sendung zurück, in der die knallharte Rangfolge in einem Hyänenrudel gezeigt wurde. Gut, daß ich keine Hyäne bin. Dann hätte mir Kerstin gestern Abend das leckere 350 Gramm Ribeye im lokalen Steakhouse weg essen dürfen und mich in die am weitesten entfernte Restaurantecke gejagt.... nicht auszudenken ! Kerstin meint aber gerade, dass sie eine Hyäne sei, die ihr Steak nicht medium rare, sondern nur medium to well done essen würde ! Ich sollte keine Angst haben ;-))
Auf einem Ast etwas oberhalb des Risses sitzt ein prächtiger Tawny Eagle, der wohl auch gerne ein Stück Oryx abhaben möchte. Nach einiger Zeit zerrt die Rudelchefin die Karkasse des Oryx noch weiter unter den Baum. Es ist beeindruckend, welche Kraft das Tier hat. Danach legen sich alle Schlafen. Da inzwischen 6 weitere Autos angekommen sind, verlassen wir die Sichtung. Auf dem Rückweg entdeckt Kerstin noch eine zweite Erdmännchenfamilie In Killie Krankie gibt’s leckeres Frühstück mit Papaya und Toasts, anschließend wird geruht. Cecile und Mike sind inzwischen aus Twee Rivieren zurück, wir verabreden uns wieder zum Braii. Da der Ranger aus Urikaruus mit dem in Kilie Krankie gefunkt hat und wohl eine weitere Party befürchtet, hat er uns zwei Hütten nebeneinader gegeben. Die anderen beiden Hütten werden von vier Namibianern aus Walfish Bay bewohnt, die am anderen Ende auch Party machen werden. Das passt also Gott sei Dank, wir werden niemanden stören !
Der Abendgamedrive führt noch einmal zum Hyänenriss, die schlafen aber immer noch. Der Adler sitzt auch noch da. Ansonsten bleibt es ruhig.
Um 19:30 Uhr kommen Cecile und Mike zu uns zum Braii, da haben wir uns schon darauf gefreut. Cecile mixt einen genialen Gin Tonic als Sundowner, der Tisch ist schon gedeckt und das Feuer brennt. Wieder verbringen wir einen lebhaften Abend mit langen Gesprächen, der nur vom erneuten Leobesuch am Wasserloch unterbrochen wird. Später kommen dann noch heulende Hyänen und Schakale zum Trinken. Gegen 23:30 fallen dann alle müde ins Bett. Unsere letzte Nacht im KTP. Was war das für eine schöne Zeit!
Am nächsten Morgen klingelt erbarmungslos der Wecker. 480 KM stehen auf dem Programm, unser Ziel ist Kuruman. Beim Frühstück genießen wir mit etwas dicken Köpfen ein letztes Mal die schöne Aussicht, dann geht es auf die die Pad, wo uns ein letztes Mal Cecile und Mike begegnen.
Und die haben wie immer gute Nachrichten: Im Auob Tal Rechts und nicht weit entfern lägen 4 Geparden im Schatten eines Baumes. Das können nur die sein, von denen wir schon so viel gelesen haben. Und tatsächlich, unter einem Baum sehen wir sie liegen, nur ein Auto steht mit uns da. Zuerst liegen sie flach da, setzten sich aber immer wieder einmal hin, wenn es in der Entfernung eine Bewegung gibt. Drei Oryxe rennen plötzlich High Speed von Rechts nach Links durch Tal, direkt an den Cheetahs vorbei. Doch die sind zu groß für die vier grazilen Katzen. Schweren Herzens trennen wir uns, schließlich haben wir noch 480 KM zu fahren. Na das war doch noch einmal Klasse ! Einen letzten Stopp legen wir wieder am Wasserloch Dikbaardskolk im Nossob Tal ein, wo eine große Straussenfamilie, ein Raubvogel und Red Hardebeests herumstehen. In Twee Rivieren wird getankt, der Reifenluftdruck erhöht und etwas leckere Wegzährung eingekauft. Dann verlassen wir den Park und haben beide zu dem Zeitpunkt unausgesprochenen Gedanken:
„Hierher kommen wir zurück!“
Teil 1310. Apr. 2012
Guten Morgen Bele, schöner Tag Heute, oder ? 🙂
Kgalagadi nach Kuruman über die Ashkam/ Van Zylsrus Route
Distanz: 480 KM Nach ca. 50 Kilometer Teerstraße verlassen wir diese bei Ashkam nach Links. Auf guter Schotterpad geht es entlang unzähliger Wildfarmen und einigen roten Kalaharidünen in Richtung Van Zylszus. Dort wollten wir eigentlich einen Kaffee trinken, aber der Ort wirkt so heruntergekommen, daß wir davon Abstand nehmen. Auf einer kleinen Kreuzung kommen sofort einige sehr ungepflegte und alkoholisierte Gestalten auf uns zu, neenee, das brauchen wir nicht !
Auf der Weiterfahrt werden wir daran erinnert, dass wir noch keine Reifenprobleme hatten. Das sollte übrigens auch so bleiben. Und das, obwohl wir ihnen doch einiges zumuteten.
Nach van Zylsrus wird die bisher so gute Pad plötzlich richtig schlecht, geht dann zu unserem Erstaunen allerdings in eine Teerpad über. Wir freuen und richtig, aber nur sehr kurz !
Also lieber feinsandiger Gravel als lückenhafter Teer mit Monsterpotholes. Meistens kann man denen ja durch geschicktes Herumkurven aus dem Weg gehen... Hier definitiv NICHT !!! Einige Male muss sich Kerstin auf dem Beifahrersitz verkrampfen, nämlich gerade dann, wenn die Vorderräder über die schluchtähnlichen Löcher fahren (die Hinterräder dann natürlich auch) !
Ausserdem kreuzen immer wieder Schildkröten die Fahrbahn. Doch langsam verringert sich die Pothole-Dichte und der Kilometerzähler macht wieder Fortschritte. Inzwischen gewittert es um uns herum. An einer kleinen Kreuzung machen wir eine kurze Pause, Die Landschaft wird nun etwas abwechslungsreicher. Nachdem wir bereits ca. 6-7 Stunden unterwegs sind, kommen wir auf eine große Landstraße. Es regnet nun einige Minuten stark, riesige LKW's aus den umliegenden Minen sind unterwegs. Nach den letzten 8 Tagen in der Einsamkeit ein richtiger Schock ! Doch dann führt uns das Navi nach links auf einen kleinen Feldweg. Ist das Richtig ? Naja, auch nach der Landkarte ist es der kürzeste Weg. 30 KM Feldweg, an Farmen vorbei und durch einige Viehgatter. Wir scheuchen eine Schlange auf, es ist die einzige lebende, die wir in dreieinhalb Wochen fotografieren können. Kerstin sollte spätere auf Leshiba noch eine kleine Mozambique Spitting Cobra kennelernen. Gott sei Dank nur ganz flüchtig...
Dann erreichen wir die die große N-Straße in der Nähe unseres Zieles, der Red Sand Country Lodge. Die liegt zur Zeit unseres Beesuches in Mitten einer langen Baustelle. Es war ein langer Fahrtag, aber Dank Fahrerwechsel gut zu schaffen. Die Lodge ist recht groß, die Chalets liegen auf dem Gelände verstreut. Nach dem KTP wirkt alles etwas lieblos und eher zweckmäßig. Hier übernachten Geschäftsreisende und Menschen auf der Durchfahrt. Nach einem kurzen Schläfchen essen wir Riesen Fleischportionen im urigen und guten Restaurant. Und für den Bayern-Schorsch: heute gibt’s ein Bierchen (vielleicht waren es auch mehr ?.... das bleibt unser Geheimnis )
Auf dem Heimweg steht doch glatt ein Panzer in der Nähe unseres Chalets. Am nächsten Morgen flunkern wir mit dem Eigentümer der Lodge „Hier wird alles für die Sicherheit der Gäste getan !“ Der erste Fahrtag geht zu Ende, Morgen geht es weiter in Richtung Rustenburg. Diesen Tag stellte ich mir vorher als reine Pflichtübung vor. Die einzige Abwechslung solle der Besuch der Moffat Mission in Kuruman sein.
Nach dem guten Frühstück im Freien fragen wir einen Angestellten nach einer Werkstatt, die unsere geplagte Stossstange wieder befestigen kann. Nissan gibt es in Kuruman nicht, bei Toyota sollen wir es versuchen. Die Werkstatt ist sehr modern. Nach anfänglicher Unlust holt die weiße Büroangestellte einen engagiert wirkenden jungem Mechaniker. Er will uns erst abwimmeln, aber nach einer netten Bitte schaut er sich unsere klappernde Stoßstange doch noch an. Einige Befestigungsschrauben liegen irgendwo im Tankwaa Karoo rum, die anderen im KTP. Für 30 Cent kaufen wir im Ersatzteillager Kabelbinder, die der Mechaniker zur Befestigung benutzt. Das ist nicht ganz einfach, denn KEA hat die Originalteile selbst durch irgendwelche selbstgebauten Winkel ersetzt. Vorab: Das Werk hielt trotz Marakele und Leshiba für den Rest des Urlaubes. Und das für 30 Cent + anständigem Trinkgeld für den Mechaniker. Er wollte eigentlich auch nach Nachfrage kein Geld.
Nach einer halben Stunde geht’s weiter durch Kuruman zur Moffat Mission. Ohne Navi hätten wir diese niemals gefunden. Auf den Straßen liegen große Müllberge, es ist sehr belebt und nicht sehr einladend. Da das Vorhängeschloss am Heck unseres Wagens auch nicht mehr geht, kaufen wir für 2 Euro ein neues.
Díe Moffat Mission liegt am anderen Ende der Stadt, kein einziges Hinweisschild ist zu sichten. Sie wirkt zuerst ausgestorben, viele große Bäume spenden Schatten. In einem kleinen Shop erhalten wir einen kleinen Plan und zahlen 1 Euro je Person. Der Weg führt uns zuerst zu einer kleinen Schneiderei, dem Moffats Garden, dem Livingstons Room, einer kleinen Kirche und einem Wagenschuppen. Die älteste Tochter des Missionars Moffat heiratete Sir David Livingstone, der ihr hier den Heiratsantrag machte. Am interessantesten ist für uns die kleine Ausstellung mit alten Bildern. Eine schöne Abwechslung, aber nicht so spektakulär. Man merkt, daß das Geld fehlt. Nach ca. einer ¾ Stunde starten wir Richtung Rustenburg.
Teil 1413. Apr. 2012
Kuruman - Rustenburg
Distanz 480 KM
Den heutigen reinen Fahrtag hatte ich als reine Pflichtübung eingestuft. Das B&B in Rustenburg hatten wir seinerzeit etwas halbherzig gebucht, normalerweise checken wir unsere Unterkünfte in einer so detaillierten Art, dass uns die meisten von Euch eher für schwachsinnig halten würden.
So entwickelt sich die Fahrerei an diesem Tag in etwas so, wie wir es erwartet hatten. Landschaftlich eher ölle, wenigstens gibt es aber immer mal ein blühendes Sonnenblumenfeld und wir kommen auf den guten Straßen ganz gut voran. Als wir in etwa die Hälfte der Strecke geschafft haben, finden wir einen kleinen Farmstall am Straßenrand. In einem netten Gärtchen essen wir Burger und Scones. Die Hausdackel leisten uns Gesellschaft, sie haben alle irre aussehende Augen. Der zurückhaltende Wirt fragt uns nach unserer Strecke. Er rät uns, die Straße über Coligny zu nehmen. Der direkte Weg über Lichtenburg habe „horrible Potholes“ ! Vor denen hat er großen Respekt, denn zum Abschied mahnt er uns mit erhobenem Zeigefinger : „Taaake caaare for the poootholes“ ! Dank seines Tipps sind die weiteren Straßen an diesem Tag gut zu fahren. Kurz vor Rustenburg kommen wir in ein heftiges Gewitter mit Starkregen und vielen Blitzen, die Landschaft wir etwas gebirgiger und abwechslungsreicher.
Die Einfahrt nach Rustenburg führt uns über eine durch hohe Bäume gesäumte Straße. An einer großen Kreuzung führt uns das Navi in die linker Hand liegenden Hügel und dort in ein Wohngebiet, dass nicht gerade durch sozialen Wohnungsbau gekennzeichnet ist. Diese Unterschiede sind in Südafrika ja an der Tagesordnung. Wellblechhütten am Stadtrand und einige hundert Meter weiter das supernoble, bewachte Wohngebiet.
Das Terra Casa B&B stellt sich als eines dieser mondänen Häuser heraus. Es ist von Palmen umgeben, das Haus gegenüber hätte locker als Drehort für den Denver Clan erhalten können.
Nach kurzer Wartezeit öffnet uns Elmarie die Tür, die Begrüßung ist sehr, sehr herzlich. Durch den kurzen Eingangsbereich treten wir in die große Wohnküche ein, die offen zum Patio und unglaublich geschmackvoll eingerichtet ist. Wir haben jetzt in 15 Jahrne Reisen schon einiges an schönen Unterkünften gesehen, aber Terra Casa ist wirklich ein Traum ! Das gilt auch für unser Zimmer. Der Mann von Elmarie ist auch sympathisch. Die beiden empfehlen uns den Griechen um die Ecke im Komplex des Sparmarkt. OK, zum Griechen in Südafrika.... das ist Mal was Neues ! Wir bekommen gerade noch so einen Tisch im freien, genau neben der Live Musik. Ein Bilderbuchgrieche klampft auf einem griechischen Instrument laute, nicht immer griechische Lieder. Die Südafrikaner sind sichtlich begeistert, wir etwas amüsiert. Bambolero und dann dieses Tarkan Lied „Shukaram“ oder so ähnlich. Das Griechen türkische Lieder singen, war uns bisher unbekannt ;-)) Man lernt ja immer dazu.
Das Essen schmeckt vorzüglich, der Wein auch und als der Wirt uns schließlich als Deutsche erkennt, bekommen wir eine schöne Obstplatte als Nachtisch geschenkt. Wirklich sehr nett, hier hat es offensichtlich eher selten Touristen.
Zufrieden gehen wir ins sehr bequeme Bett. In der Nacht gewittert es wieder. Am Morgen serviert uns Elmarie ein Frühstück mit einem Traum-Omelette. Wir sitzen direkt am Fenster zum tropischen Garten mit Blick auf den Traumpool. Elmarie erinnert uns etwas an Jackie Kennedy. Über Komplimente über ihr Haus kommen wir mit Ihr ins Gespräch und verquatschen uns total. Die anderen Gäste müssen etwas länger auf ihr Frühstück warten..... Schweren Herzens verabschieden wir uns und machen um die Ecke im Spar unsere Einkäufe für Marakele. Hier in dieser elitären Gegend ist das Einkaufen sehr entspannt, im Fleischregal lasse ich das 3.200 Gramm Rindersteak schweren Herzens liegen (neuer Rekord). Voll mit Lebensmitteln, Brennholz und Savannah aus dem Bottleshop ausgestattet, wollen wir noch in das große Shoppingcenter um die Ecke. Die Mall ist riesengroß, alles sehr modern. Das Angebot des Jeep Shops gefällt uns diesmal nicht so sehr, eigentlich lieben wir diese Marke. Auf jeden Fall ist dieses Einkaufsparadies sogar für mich eine nette Anwechslung. Gegen 11:45 verlassen wir Rustenburg und fahren durch Minengebiete und Wellblechvororte in Richtung Thabazimbi weiter. Nur 170 KM haben wir Heute zu fahren. Bis 15 KM vor Marakele ist die gebirgige Gegend vom Bergbau geprägt. Ganze Hügel werden abgebaut, nicht sehr einladend. Doch dann erreichen wir das Nationalparkgate und sind schon gespannt. Von Marakele haben wir viel Gutes gehört.......
Teil 1514. Apr. 2012
Rustenburg -Marakele Tlopi Tented Camp
1. Teil
Distanz 169 KM
Am Gate werden wir von einer witzigen Farbigen eingecheckt. Wir bekommen Zelt 1, es heißt Plover. Unsere Erwartungen an den Marakele liegen eher in Richtung landschaftlicher Schönheiten und nicht so in Richtung Tierwelt. Das Tlopi Tented Camp liegt ca 22 km vom Entrance Gate entfernt. In der Ferne sind schon felsige Berge zu erkennen. Das sieht vielversprechend aus. Ganz gemütlich geht’s durch Buschland, wo wir Gnus, Zebras und Impalas sichten. Schließlich erreichen wir ein elektrisches Tor am Ende einer Unterführung. Eine Straße und Zäune trennen die 2 Parkteile. Jetzt geht es bergauf, die Pad ist durch Regen etwas ausgewaschen. Hier fahren auch Sedans herum, mit dem 4x4 fährt man aber doch lockerer über die steinige und holprige Pad.
Schließlich erreichen wir Tlopi. Es liegt in schöner Bergkulisse direkt an einem See. Auf einem Holzpodest steht ein Küchenzelt und ein Wohnzelt. Auf der netten Terrasse stehen 2 bequeme Holzstühle. Alles ist rustikal schön. Irgendwiebrauchen wir hier aber ein paar Stunden, um uns richtig wohl zu fühlen. Ich weiß nicht, ob Ihr das auch kennt ? Manchmal sind wir einige Zeit etwas kritisch mit der Unterkunft, aber dann fült man sich dann doch so sehr wohl, daß man nur ungern weg möchte ! Hier empfanden wir das so. Ein letztes Mal packen wir das ganze Gerödel aus und installieren uns zerst einmal auf der Terrasse. Gegenüber sitzt ein African Fish Eagle im Baum. Und auch die Velvet Monkeys begrüßen uns ca. 3 Meter entfernt im Baum sitzend. Die kleinen Drecksäcke gieren schon nach unseren Vorräten. Es sind wunderschöne kleine Affen, aber unglaublich schnell und geschickt. Vorab: Von uns konnten sie Nichts stehlen ! Wir genießen die Ruhe und fahren so gegen 17:00 Uhr noch eine kleine Runde. Außer einiger Bee Eaters und eines Zebras gibt es keine Sichtungen. Auf dem Rückweg stehen dann plötzlich Elefanten auf der Pad ! Klasse, die ersten in diesem Urlaub ! Leider haben wir nur noch 10 Minuten Zeit, hoffentlich räumen die Eles rechtzeitig den Weg ! Sie haben ein Einsehen und so genießen wir einen guten Anura Shiraz Mourvedre, griechischen Salat, Gemsquash mit Knobibutter und Boerwors. In der einbrechenden Dunkelheit gibt’s Besuch von etlichen Motten und am Horizont sehen wir wieder die Blitze zucken ! Das Gewitter schüttelt diese Nacht das Zelt ganz schön durch.
Gegen 7:00 Uhr geht es mit einer frischen Kanne Kaffee auf eine Runde durch den Park. Unsere Hoffnung auf eine zweite Begegnung mit den Elefanten erfüllt sich leider nicht. Vom Aussichtspunkt aus haben wir einen guten Blick aufs Tlopi Camp. Aber auf dem Loop ist nichts los und als wir die Abzweigung auf die Teerstraße zum Lenong Lookout erreichen, hat sich eine graue Wolkenwand gebildet. Also geht’s zum Camp zurück und lecker Frühstücken. Da es hier keinen Gasherd gibt, funktioniert der Reisetoaster nicht. Also muss die nur langsam warm werdende Herdplatte als Toaster herhalten. Auf dem Küchenboden entdecken wir einen Miniskorpion. Tagsüber lenken uns der Fisheagle, die Bee Eaters und die Affen etwas ab. Am Ende des Sees kommen etliche Antilopen und eine große Baboon Truppe zum Trinken. Unser Zelt hat übrigens den Vorteil, am Ende des Camps mit nur einem Nachbarn zu liegen.. Gleichzeitig ist es am weitesten von der Stelle entfernt, an der die meisten Tiere zum Trinken kommen.
Dann kommen die neuen Nachbarn an, Deutsche so in die 60 Jahre alt. Die Frau ist vorsichtig gesagt nicht ganz so gut drauf und schimpft ununterbrochen ihren Mann an. Hier gibt’s ja keine Tiere, auf Südafrika hat sie eh keine Lust, sie weiß ja gar nicht, was sie hier soll und in Namibia wars sowieso viel schöner. So ging das dann übrigens die restlichen 2 Tage weiter.
Gegen Abend reißt der graue Himmel dann auf und der Marakele NP wird in ein wunderschönes Licht getaucht. Das Wasser des Sees ist ganz glatt und die Berge spiegeln sich stimmungsvoll darin. Das leckere Braii schmeckt wieder und bei einem erneut aufziehenden Gewitter verbingen wir den Abend auf der Terrasse mit einem Gläschen Wein. Die Nacht wird wieder unruhig, die Zeltwände wackeln ganz schön.
Teil 1615. Apr. 2012
Marakele 2. Teil
Am nächsten Morgen klingelt gegen 6.00 Uhr de Wecker. Der Nachbar bekommt aber schon vorher sein Fett weg. Mit gepackter Kühltasche geht’s los zum Drive. Wieder nehmen wir den Loop um den See und sichten Kudus und Zebras. Da das Wetter gut ist, biegen wir Heute nach links in Richtung Lookout ab. Es geht durch Gras- und Baumlandschaft umgeben von wundervollen Bergen. Dann wird langsam leise neben mir. Kerstin sitzt auf der steilen Straße am Abgrund. Gott sei Dank kommt uns auf der schmalen Straße niemand entgegen. Dafür werden wir oben mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Kerstin ist so angespannt, dass sie es gar nicht so richtig genießen kann. Auf einer Bank schauen wir in die Ferne, trinken Kaffee und beobachten die Straße hier hoch. Auf dem kleinen Plateau hat es einige große Sendestationen, sonst nichts.
Dann geht es wieder nach unten. Die Abfahrt ist wesentlich entspannter, am Straßenrand beobachtet uns ein Dassie und sogar einige Proteen blühen. Vorbei an einer grasenden Gnuherde geht’s weiter Richtung Tal. Wir beschließen, noch den unteren Teil des Parks zu besuchen. Also die Holperpad weiter runter, durchs Elektro-Tor in den unteren Teil und dann erreichen wir den ausgesuchten Birdhide. „Birdhide“ hieß bei uns bisher, dass sich die Birds dort stets vor uns „gehided“ haben, wie es hier wohl sein wird ? Von einem kleinen Parkplatz aus geht es so ca. hundert bis zweihundert Meter durch den Busch zu einem Unterstand. Von dort aus sieht man ein Rietfeld, vermutlich ein Wasserloch. In den Büschen über uns fliegen tatsächlich einige schöne Vögel herum. Und dann hören wir nicht weit entfernt hinter dem Riet das drohende Schnauben eines Nashornes..... und dann das irgendeines Kontrahenten. Zu sehen ist aber absolut nichts. Und was tut man in so einer Situation ? Natürlich etwas Unvernünftiges! Gaaaanz vorsichtig verlasse ich den Unterstand und gehe im Unterholz einige Meter nach Rechts. Gerade so kann ich ca. 50 Meter entfernt zwei unfreundlich grunzende Rhinos entdecken. Sie sind mit sich selbst beschäftigt und beide nicht gut gelaunt. Ich hole Kerstin, wir halten das für ungefährlich, schließlich ist der Weg ein paar Meter nebenan und Buschwerk umgibt uns. Vorsichtig schleichen wir zu der Stelle von eben..... Dann dreht sich das ein Rhino plötzlich um und grunzt uns an:“ Hurrhuhrruuhuu“ Kerstin belächelt mich immer als Angsthasen, aber jetzt rennen wir wie eine kleine Impalaherde wortlos und in neuem persönlichen Rekord die paar Meter zum Unterstand zurück. Wir sind aufdiehundertstelSekunde im gleichen Moment gestartet. Ohne Blickkontakt und Worte. Schwer schnaubend schauen wir uns an und fangen an, uns totzulachen. Wir sind vielleicht bescheuert ! Wahrscheinlich hat das Rhino uns nicht einmal bemerkt ! Wenige Zeit später laufen zwei Ranger gemütlich direkt an der Stelle vorbei, wo eben noch die Rhinos waren...
Nicht weit weg grasen noch zwei Strausse, eine halbe Stunde später gehen wir zurück zum Auto und fahren in eine als 4x4-Route gekennzeichneten Weg. Plötzlich wird die Vegetation etwas offener und wandelt sich in eine Grasfläche mit einigen Bäumen und Büschen. Dort erwischen wir einen schönen Bee-Eater direkt am Weg etliche Giraffen, Zebras und andere schöne Vögel. Wir sind ganz alleine und genießen ohne auf die Uhr zu schauen die schöne Szenerie. Gegen 11:00 geht’s zurück zu den immer noch zankenden Nachbarn und verbringen den Tag nach einem kleinen Lunch mit einem Schläfchen und Nichtstun.
Gegen 16:00 Uhr geht’s noch einmal in den unteren Teil. Ein African Hopoe, eine kleine Eule, Giraffen, Zebras, ein hübscher Schakal und putzige Yellow Billed Hornbills können wir in Ruhe beobachten. Auf der Rückfahrt entdecken wir noch einen Cookal. Den Abend verbringen wir mit einem stimmungsvollen Braii, dann verfeuern wir die Holzreste und genießen die letzte Flasche Wein beim Selfcatering. Am Horizont gibt es wieder intensives Wetterleuchten.
Am nächsten Morgen heißt es zum letzten Mal selbst Frühstück machen. Die Nachbarn erleichtern uns die Abreise von diesem schönen Platz, sie Zanken natürlich immer noch. EIn Affe beobachtet Kerstin beim Brote schmieren. Ein letztes Mal fahren wir durch den Park und zum dritten Mal nehmen wir die 4x4 Strecke. Und das lohnt sich heute morgen ! 8 Nashörner ziehen ein ganzes Stück entfernt durchs Unterholz. Eine mehrköpfige Giraffenfamilie ruht sich im Schatten eines nahen Baumes aus. Dann geht es auf die Straße. Wir haben wieder eine längere Fahrstrecke vor uns in Richtung Soutpansberge/Louis Trichard. Die Entfernung beträgt 425 KM. Die Fahrt führt entlang unzähliger Private Game Reserves durch einige Kleinstädte bis hin zu den eindrucksvollen, roten Soutpansbergen....
Teil 1716. Apr. 2012
Leshiba Wilderness / Venda Village Camp
1. Teil
Das Venda Village war irgendwie die große Unbekannte unserer Reise. Als ich es vor vielen Monaten im Netz entdeckte, wollten wir beide sofort hinfahren. Es sollte eine sehr gute Idee gewesen sein ! Eine genaue Vorstellung der Lodge fehlte uns aber.
Nach unspektakulärer und nicht zu anstrengender Fahrt (außer ca. 50 KM übler Potholes) tauchen die Soutpansberge vor uns auf. Keine Ahnung warum, aber wir haben sie nicht fotografiert. Echt ärgerlich, denn es handelt sich um eine wirklich imposante Bergkette mit hohen, roten Steinbergen, am Fuße ist die Landschaft sehr grün. Das Navi führt uns auf einen Farmweg. Per SMS hatte uns das Leshiba-Management mitgeteilt, die Auffahrt sei mit einem 4x4 locker zu machen. Es geht in ein uriges Tal an einem kleinen Fluß entlang, einige Kühe laufen herum. Nach dem Farmhaus, wo normale Autos geparkt werden können, wird der Weg steinig, ausgefahren und seeeehr steil. Kerstin muss wieder ihre inzwischen gewohnte Krampfhaltung auf dem Beifahrersitz einnehmen. Ca. 5 KM geht es im ersten Gang und mit Allrad kompromisslos den Berg hoch. In Deutschland würde man so etwas nie im ganzen Leben mit dem Auto fahren. Letztendlich ist es aber wirklich kein Problem.
Dann erreichen wir gut durchgerüttelt ein stabiles großes Eisentor. Per Handy gibt man uns den Eingangscode, Kerstin öffnet uns das Tor zu unserem geheimnisvollen neuen Zuhause. Einige Minuten geht es über sandige Wege durch den Wald, dann erreichen wir eine etwas unerwartete, bewaffnete Straßensperre. Das gibt’s doch nicht ! Was ist das denn für ein Monsterhorn ? Wir haben ja schon viele Rhinos gesehen..... aber das Horn ist echt groooß ! Nach einigen Minuten des Wartens weißt mich Kerstin an, weiterzufahren. Mal sehen wie die drei so drauf sind.... Auf gar keinen Fall möchte ich unser treues Auto von den schwarzen Ungetümen perforieren lassen ! Aber als wir näherkommen, machen sie doch so genügend Platz, daß wir durchfahren können.
Ca. 300 Meter weiter erreichen wir den Hügel hoch das Venda Village und werden sehr, sehr herzlich von Lucas und Lucy empfangen. Lucas wäscht unsere eingestaubten Taschen ab, Lucy reicht uns einen leckeren Fruchtdrink und zeigt uns die kleine Lodge. Wir sind für die nächsten drei Tage ihre einzigen Gäste. Die „normalen Zimmer“ sind in jeweils zwei zusammenhängenden kleinen Hütten. Die ganze Anlage macht einen gepflegten und liebevoll gestalteten Eindruck. Wir sind hin und weg, es ist noch schöner, als wir es uns vorgestellt hatten. Alles im bunten Stil der Vendas eingerichtet. Links und Rechts der Lodge gibt es noch zwei Luxuschalets, die waren uns zu teuer. Die haben beide eine freistehende Traumbadewanne mit Blick aufs Wasserloch. Im Venda Village gibt es eine extra Badehütte mit genau dem gleichen Bad wie die Luxuschalets, das von allen genutzt werden darf. Im trockenen Afrika finden wir baden irgendwie unangemessen. Dann bringt uns Lucy zum Pool. Man hat einen wunderbaren Blick auf den Talkessel und das nahegelegene Wasserloch, wo die Rhinos gerade ein Meeting abhalten. Wie soll man die Lage von Leshiba Wilderness beschreiben ? Es handelt sich um einen Talkessel ganz oben auf einem großen Gebirgszug, ähnlich eines großen Vulkankraters. Nach Außen hin fallen die Steinwände teils senkrecht ab, im Kessel ist es bei unserem Besuch herrlich grün. Man ist hier oben in einer ganz eigenen Welt, weitab von der nächsten Straße.L Da es erst Nachmittag ist, wollen wir etwas laufen. Lucas zeigt uns einen Weg, der uns über einige Treppenstufen in die Nähe des Wasserloches führt. Und die Rhinos ? Ach, 50 Meter Platz sollen wir lassen, dann ist es schon OK... Eine echte Begeisterung überkommt uns ! Endlich nach all der Autositzerei ein paar Meter laufen. Und dann noch in dieser herrlichen Umgebung mit Rhinos und wer weiß was noch. In Ruhe betrachten wir die Rhinos bei ihren Geschäften und laufen den rotsandigen Fahrweg entlang. Es ist heiß aber auszuhalten. In einiger Entfernung flüchtet eine Gnuherde vor uns, einige Zebras reagieren relaxter. Einige Meter weiter sichten wir am Waldrand eine vierköpfige Giraffenfamilie. Schließlich stehen wir ca. 30 Meter vor ihnen. Sie beobachten misstrauisch jede unserer Bewegungen. Wir sind ganz bewegt. Alleine (hier gibt es keine Löwen) und zu Fuß.... das ist ein ganz neues und intensives Erlebnis. Viele Vögel gibt es hier auch und ein Dungbeetle geht seiner Arbeit nach.
In solchen Augenblicken halten wir uns immer vor Augen, wie privilegiert wir doch sind, solch schöne Sachen machen zu dürfen/können. Das ist nicht selbstverständlich, der Großteil aller Menschen auf der Welt hat ganz andere Probleme !
Wir machen es uns auf dem Holzdeck gemütlich und lassen die Abendstimmung auf uns Wirken. Nach Einbruch der Dunkelheit setzen wir uns an den romantisch gedeckten Tisch. Es gibt nur Kerzen und kein elektrsches Licht. Es ist etwas windig und kühl, also wird drinnen gegessen. Lucas ist ein Meisterkoch, er wird uns in den drei Tagen hier oben kulinarische Genüsse bereiten. Nach dem Essen verabschieden sich unsere drei guten Seelen, das Personal schläft einige hundert Meter weiter in eigenen Unterkünften. Alleine genießen wir die Geräusche Afrikas und weit entfernt blitzt es in den Wolken, die wir von oben sehen. Zufrieden get es ins Bett, Morgen werden wir einen Walk mit einem Ranger machen.
Nach einer gut durchschlafenen Nacht im gemütlichen Bett treffen wir Trymore, unseren Ranger. Bei einer Tasse Kaffee lernen wir uns kennen. Er ist ein sehr angenehmer, unaufgeregter und sehr gebildeter junger Mann aus Zimbabwe und interessiert sich besonders für Pflanzen und Heilkräuter. Der Walk beginnt direkt an der Lodge. Nach Überquerung einer Grasfäche geht es in den Wald hinein. Immer wieder zeigt uns Trymore Pflanzen, erklärt ihren Nutzen für die traditionelle Medizin und lässt uns riechen. Überall fliegen Schmetterlinge herum, sie sind aber schwer zu fotografieren. Kerstin meint dann :“Oooh, tere's a small snake direct in front of me!“. Trymore gelangweilt:“ Jaaa, a small Mozambique Spitting Cobra“..... dreht sich herum und geht weiter. Kerstin ist etwas überrascht, sie wäre fast auf sie getreten. Auch einige Felszeichnungen können bewundert werden. Aus der Entfernung sehen wir noch eine besondere Art von Perlhühnern. Langsam wird es heißer und unser Walk geht dem Ende zu. Es war wieder einmal ein ganz neues Erlebnis und sehr interessant, sich mit der Botanik zu befassen.
Auf der Terrasse haben unsere zwei Lucys und Lucas ganz süß den Frühstückstisch gedeckt. Wir werden bewirtet wie die Könige und genießen ganz gemütlich das Frühstück.
Den Tag verbringen wir dann mit einem kurzen Schläfchen und Nichtstun. Nachmittags gegen 3 serviert uns Lucas einen hammer Rührkuchen und lecker Kaffee. Dann geht’s wieder alleine mit Trymore auf den Gamedrive. Neben Giraffen und allerlei Gnus und Impalas treffen wir im hohen Gras auf zwei Nashörner. Das eine ist das mit dem Rekordhorn. Die nervösen Tiere laufen einige Meter vor uns weg in Richtung eines Wasserloches. Trymore stellt den Motor ab, in Ruhe können wir die zwei Riesen beim Trinken und ausgiebigem Schlammbad beobachten. Hätten nie gedacht, dass solch ein zweieinhalb Tonnen Koloss auf dem Rücken liegen kann. Wir müssen an Wilderer denken, laut Trymore hätten die es wegen der Lage Leshibas aber schwer. Die Ranger würden sofort losfahren, wenn Hubschrauber in der Nähe wären. Zwischendurch fliegen allerlei Vögel um uns herum, sie sind in der tiefliegenden Sonne aber schwer zu erkennen. Dann geht es weiter in die nächste Talsenke, wo wir ca 200 Meter vom nächsten Rhino entfernt einen Gin-Tonic nehmen und dabei lange und interessante Gespräche mit Trymore führen. Dann gibt es wieder ein ausgesprochen leckeres Dreigänge-Menü. Heute brennt sogar der Kaminofen. Das bringt eine tolle Atmosphäre aber auch fast unerträgliche Hitze 😉
Wieder genießen wir nach dem Abschied des Teams die Nacht und beobachten die Fledermäuse.
Teil 1817. Apr. 2012
Leshiba Wilderness / Teil 2
Der nächste Morgen verläuft wie der erste. Wieder geht es mit Trymore los, wir wünschen uns einen Walk, der uns zur Abbruchkante führt. Nach einigen Metern im Wald dreht sich Trymore um und meint: „Attention, there are wasps!“... Wooo...? Was sitzt eigentlich an meiner Hand, in der ich den Wanderstock halte ? Neee Mooonsterweespe, Ach Du Scheiße ! Vorsichtig bewege ich die Hand, die Wespe sticht ganz gemüüütlich zu und beeilt sich überhaupt nicht. Jetzt bin ich echt panisch, werfe den Stock weg und hüpfe auf der Stelle herum. Kerstin und Trymore denken zuerst, ich mache einen Joke, dann sieht Trymore das Vieh. In meinem Daumen entstehen Höllenschmerzen, nicht mit einem schon unangenehm schmerzhaften deutschen Stich zu vergleichen. Zurück in der Lodge wird der Daumen mit Spiritus versorgt, das die Schmerzen schnell und wirksam lindert. Trymore ist selbst schon in die Lippe gestochen worden und hat richtig Angst vor Wespen. Nach kurzer zeit wird der Walk neu gestartet. Heute geht es durch eine felsigere Region und in einem großen Bogen über die Landebahn schließlich zur Abbruchkante. Heute ist Schmetterlingstag, einige schöne Exemplare landen auf den Speicherchips unserer Kameras. Unterwegs finden wir Leopardenspuren. Der Blick, der sich uns eröffnet, lässt unsere Münder offenstehen. Auf einigen Felsen genießen wir ein kühles Getränk. Der Weg war ganz schön anstrengend aber hier ist es jetzt angenehm luftig. Leider müssen wir dann irgendwann weiter, das Frühstück wartet. Auf dem Rückweg machen wir noch einen großen Bogen um die Nashornmama mit dem kurzen Horn und ihrem Nachwuchs. Trymore meinte, sie sei äußerst aggressiv. Erschöpft und mit immer noch schmerzendem Daumen erreichen wir das Village, Frühstücken, Ruhen, beobachten Vögel und genießen das Leben. Heute gibt es Scones zum Kaffee, Kerstin liebt sie und bedankt sich überschwänglich beim verdutzten Lucas. Als Trymore mit dem 28 Jahre alten Landy kommt, sichtet Kerstin am Eingang den absoluten Star unserer ganzen Reise ! Es handelt sich um das knuffigste Tier, das wir jemals gesehen haben, knapp vor Erdmännchen 😉 Das ist übrigens ernst gemeint !
Der Drive ist wieder schön, einen Waterbok sehen wir, viele Giraffen und natürlich wieder Rhinos und viele Vögel. Den Sundowner trinken wir im Hamasha Selbstversorger Camp, das gerade renoviert wurde. Trymore erzählt uns von seinen Reisen, Namibia ist sein Favorit. Nach der Rückkehr gibt es den gleichen Ablauf wie gestern, nur ohne Kaminofen. Bevor das Personal uns alleine lässt, stellen sie noch einige Petroleumlampen auf, die den Heimweg zu unserer Hütte beleuchten.
Nachts werde ich wach, da direkt vor dem kleinen Fenster am Kopfende des Bettes ein laut schnaubender und grasrupfender Besucher Krach macht. In der dunklen Nacht erkenne ich ein Nashorn, es grast ca. 3 Meter entfernt. Dafür lohnt es sich, Kerstin zu wecken. Alleine die Geräusche „Rupfrupfrupf.... Schnaaaaub... usw.“ erzeugen Gänsehaut. Schließlich wird weitergeschlafen.
Am Morgen verabschieden wir uns nach dem Frühstück von allen. Es fällt schon schwer, hier war es einfach paradiesisch ! Um die Reifen bangend geht es zurück ins Tal, einigen Kühe wollen keinen Platz machen und laufen vor uns her. Dann geht’s durch Louis Trichard und Hoedespuit über sehr gute Straßen in Richtung unseres letzten Zieles: Kapama Buffalo Camp
Teil 1921. Apr. 2012
Kapama Buffalo Private Game Reserve
Distanz Leshiba nach Kapama 305 KM
Durch das gepflegt wirkende Städtchen Louis Trichard und das quirlige Tzaneen geht es nach Hoedspruit nach Kapama. Die ganze Strecke lässt sich wunderbar fahren, nur vor Tzaneen stehen wir mehrfach an Baustellenampeln. Kurz vor 14:00 Uhr erreichen wir das Kapama Main Gate. Wir werden registriert, bekommen ein Permit und ab geht’s zum Buffalo Camp. Auf dem Zufahrtsweg kann man noch erkennen, welche Wassermassen hier vor einigen Wochen vom Himmel gekommen sein müssen.
Im Buffalo Camp werden wir von der namibianischen Managerin freundlich und hochprofessionell empfangen. Von Ihr erfahren wir, daß bei den Überschwemmungen im Januar die Kapama Karula Lodge komplett zerstört wurde. Sie zeigt uns den Restaurantbereich, den schönen Pool, die Bar und die Lounge. Alles wirkt sehr durchgestylt. Wirklich schön und auch nicht zu groß. Nach einem sehr köstlichen Lunch mit leckerem Mineralwasser – extra für Bayern Schorsch und Bele 😉 - werden wir zu unserem Chalet „Kudu“ gebracht. Direkt über dem Weg und in den Büschen rundherum gibt es zahlreiche Spinnen, die in beeindruckender Größe in ihren bindfadendicken Netzten sitzen. Das Gepäck ist schon da, unser Auto wurde auch schon in den Parkbereich gefahren. Das Zelt ist groß und Klasse eingerichtet. Von der ebenfalls großen Terrasse haben wir einen Blick in den Busch. Allerdings gibt es kein Wasserloch. Schade ! Nach einem kurzen Schäfchen und einer erfrischenden Dusche geht es in die Lounge zum Afternoon Tea mit Gebäckteilchen und einer Tasse Kaffee. Die Gäste sind wie in Arathusa auch aus der ganzen Welt. Amerikaner,Brasilianer, Italiener, Spanier, Russen, Südafrikaner und keine Deutschen. Nach drei Wochen Zweisamkeit und Einsamkeit müssen wir uns da erst einmal daran gewöhnen.
Dann gibt es das Signal zum Start. Drei Landcruiser stehen bereit. Wir sind zusammen mit 4 jungen Amis aus Texas, alles Studenten und ganz gut drauf. Unser Ranger Collin begrüßt uns und abgeht es auf Gamedrive. Nach kurzer Zeit dann die Premiere: Aus den schwarzen Wolken über uns brechen Blitze und Wolkenbrüche auf uns herab. Trotz der eilig herausgeholten Regenponchos werden wir ordentlich nass. Collin macht das gar keinen Spaß, schätzt die Chancen auf Tiersichtungen auf 0 ein und fragt, ob wir weiterfahren wollen. Da es der letzte Tag der Amis ist, wollen sie fahren, wir wären am liebsten zurück zum Camp. Gut, das wir nicht zurückgefahren sind. Nach ca. 20 Minuten wird der Regen weniger und plötzlich tritt der Ranger aufs Gas. Im Höllentempo rast er über die Piste, über Funk muß er irgendwas gehört haben. In einer Kurve ist er unachtsam und fährt mit dem rechten Vorderrad in ein Loch. Es gibt einen Schlag und der eine Amerikaner wäre fast aus dem Auto gefallen. Einige hundert Meter weiter wissen wir, wozu die Raserei gut war. Vor einem Gebüsch liegt ein riesiger männlicher Leopard. Er ist wirklich ein Monster, aber wunderschön ! Seht Ihr diese Augen ? Leider ist das Licht wegen des schlechten Wetters sehr schlecht und ich muss mit 400 und 800 ASA knipsen. Der Leo steht zwischendurch auf und geht einige Meter weiter, dann verschwindet er im Unterholz. 5 Minuten später und wir hätten ihn verpasst !
Collin fährt um die vier Ecken und sichtet ihn noch einmal im Unterholz. Dann gibt er wieder Gas und einige Kilometer geht es im Höllentempo über die Pisten. Dann verlässt er die Pad und fährt durchs Unterholz zu einer kleinen Lichtung. Dort liegt eine Löwin und zwei halbwüchsige Cubs. Und die tollen herum, jagen sich, beklettern die Mutter und schließlich starten sie Scheinangriffe auf unser Auto. Das finden wir schon etwas komisch, da die Tiere das Auto ja ansonsten völlig ignorieren. Da fängt man dann schon an nachzudenken, denn die Löwenmutter liegt keine drei Meter entfernt im Sand. Leider ist es inzwischen zu dunkel für Bewegungsaufnahmen, bei Tageslicht wären hammermäßige Bilder möglich gewesen. Nach ca. 15 Minuten geht es weiter. Wieder geht es im Höchsttempo weiter zum nächsten Sighting. Collin fährt Mitten durchs Gebüsch. Und dann sehe ich sie ! Zwischen den Büschen sind riesen Netze gespannt in denen handtellergroße schwarzgelbe Spinnen sitzen. Alles voll ! Der Ranger mit seinem Sitz auf der Motorhaube bekommt einige ab und erklärt, sie seien ungiftig. Ich bin inzwischen im Alarmzustand. Vor einigen Jahren wäre ich kollabiert, inzwischen ist es etwas besser geworden. Nach ca. 200 Metern durchs Unterholz und hohe Gras erreichen wir 2 Geparden. Sie laufen langsam weiter und wir hinterher. Als sie sich gerade hinsetzen bewegt sich etwas vor Kerstins Sitz. Eine dieser Monsterspinnen sitzt vor Kerstins Knie im Fußraum ! Ich muß so ein riesen Spektakel im Auto gemacht haben, daß Collin dachte, ein Löwe wäre ins Auto gesprungen. Fast wäre ich zwischen die Geparden gesprungen, kein Joke ! Dann schnickt Kerstin sie aus dem Auto ! Mein Puls pumpt noch einige Minuten heftig.....
Dann geht es nach einem Savannah im Busch zurück ins Camp. Alle sind begeistert, das war nach dem Wolkenbruch nicht zu erwarten. Nach einer heißen Dusche treffen sich alle im Restaurant, wo die Insassen der jeweiligen Autos zusammen mit den Rangern das leckere Buffet genießen dürfen. Inzwischen sind noch zwei sehr nette Südafrikaner gekommen, ein frisch verliebtes Pärchen aus Middleburg in unserem Alter. Mit ihnen unterhalten wir uns prächtig, die Amis machen ihr Ding.
Zufrieden gehen wir spät in der Nacht in unser Zelt und schauen uns noch einmal Kerstin Filme von den Löwen und dem Leo an. Die kleine, neu erworbene Lumix TZ 22 macht Filme in überragender Qualität. Gerade bei Dunkelheit kann Kerstin da schöne Erinnerungen festhalten.
Fortsetzung folgt....
Teil 2021. Apr. 2012
Kapama Buffalo Private Game Reserve Teil 2/3
Heute ist klassischer Private Game Lodge Alltag angesagt. Der Weckservice funktioniert gnadenlos, um 5 Uhr irgendwas klingelt das Telefon: „Goood Mooooorning Miiiisteeer“ OKOK, sollen wir liegenbleiben ??? Es ist doch Urlaub, oder warum tun tun wir uns das an ?
Also ab ins Bad, dann im Dunkeln unter den Spinnen durch zum Kaffeetrinken. Und los geht’s mit nur drei Amis, den knutschenden Südafrikanern und uns beiden. Die Wolken haben sich verzogen und der Cruiser fährt durch das warme Morgenlicht auf Tiersuche. Und langsam dämmert es mir, dass der Regen und der Wind die Spinnennetze zerstört hat und diese bereits neu aufgebaut wurden. Und zwar alle hundert Meter quer über die Pad. Ein Photo gibt’s davon nicht, aber die hinten (also oben) sitzenden Südafrikaner sehen es auch nicht ganz so locker wie der Tracker und der Ranger. Mit 40-50 Sachen heizt Cullin in die Monsterspinnen rein und einige Male verschwinde ich im Fußraum mit lautem Oooooh, dass von der letzten Bank wiederholt wird ! Cullin schüttelt nur noch den Kopf. Vor Löwen müsst Ihr Angst haben, davor doch nicht ! Heute ist Spinnentherapie angesagt, ich will es vorwegnehmen: Der ganze Busch ist voll von Netzen und deren Eigentümer. Gott sei Dank gibt es den Tracker, der alle abbekommt.
Die ganzen Sichtungen kommentiere ich jetzt nicht und lasse Bilder sprechen.
Der kleine Löwe flüchtete leider sofort, deswegen gibt es ihn nur von hinten: Nach der Rückkehr und dem ausgiebigen Frühstück vom guten Buffet ruhen wir kurz, dann holt uns ein hühnenhafter Ranger zum gebuchten Besuch des Hoedspruit Endangered Species Centre ab. So 20 Minuten geht es quer durchs Game Reserve, wo er uns im Centre abliefert. Nach Besuch des Curio Shops wird ein interessanter Film über das Projekt gezeigt. Auch auf das Thema Poaching wird eingegangen. Leider wurde auch ein dort großgezogenes Rhino mit einem Stummelhorn getötet. Das Centre kümmert sich um Tiere aus nicht artgerechter Haltung und Waisen.
Dann fährt uns ein Ranger durch mehrere zooartige Gehege mit Löwen, Hornbills, Caracals, zig Geparden und einem Vulture Restaurant durch. Dort stinkt es nach Verwesung, die Szenerie ist schon etwas gruselig. Dann geht es durch ein Gepardengehege zu den Wildhunden. Die bisherige Fahrt war doch eher langweilig, dieser Teil ist jetzt sehr interessant. Das Hunderudel schläft unter einem Baum. Bei unserer Ankunft werden sie wach. In längerem Ritual begrüßen sie sich alle liebevoll, Strecken sich und obwohl wir in Hluhluwe schon welche gesehen hatten, merken wir erst jetzt, dass es doch recht große Tiere sind. Dann kommt ein Gepard an den Zaun und faucht die Hunde an. Es gibt einige interesante Szenen, in der freien Wildbahn würde sich das so sicher niemals abspielen. Dann sind wir froh, wieder zurückfahren zu können. Noch einmal würden wir das Centre nicht besuchen, obwohl es bestimmt einem guten Zweck dient.
Ich lege mich nochmal ab, während Kerstin im hohen Gras fressende Nyalas und schöne Vögel beobachten kann. Nach dem Kaffe geht’s zum nächsten Gamedrive, wo wir auf die neuen Gäste, eine junges japanisches Pärchen treffen. Ich stelle uns vor und frage „are you afraid of spiders ?“ „Yeeees!“. Kurze Zeit später wissen die beiden, warum ich das gefragt habe. Mehrmals zischen wir knapp unter den Netzen durch und müssen die Köpfe einziehen. An einem Wasserloch sichten wir trinkende Breitmaulnashörner. An einem weiteren Wasserloch steht eine wie immer stinkende Büffelherde. Die mächtigen Tiere sind von tausenden von Fliegen und Madenhackern umgeben. Der eine Büffel ist nicht ganz so gut erzogen und pinkelt seinen Nachbarn genüsslich voll: Nach dem leckeren Gin Tonic als Sundowner sehen wir noch kurz drei Löwen, nur von dem männlichen gibt es ein halbwegs brauchbares Photo. Cullin pflückt später noch ein bildschönes Chamäleon von einem Busch, es wird uns immer ein Rätsel bleiben, wie es den Rangern gelingen kann, die Tierchen zu finden. Zufrieden geht es heute in die Lapa, wo es ein Grillbuffet gibt. Bis spät in die Nacht reden wir mit Cullin und den Japanern. Die sind nett, können aber leider nicht so gut englisch. 11 Tage Urlaub bekommen diese im Jahr, was haben wir es gut ! Gegen 23:00 Uhr geht es ins bequeme Bett. Die letzte Nacht des Urlaubes. Was haben wir wieder alles erleben dürfen ! Hoffentlich klappt jetzt auch noch die morgige lnage Fahrt nach JoBurg ! Wird schon klappen..... erst einmal die Augen zu machen, wir sind seeeehr müüüüdeee......
Teil 2122. Apr. 2012
Kapama Buffalo / Fahrt nach JoBurg OR Tambo und Heimflug Distanz 454 KM
Das letzte Mal Aufstehen, die Sachen sind schon gepackt ! Mit gemischten Gefühlen geht es zum Gamedrive, denn die über 400 KM nach JoBurg stehen uns ja noch bevor. Bis 16:00 Uhr müssen wir das Auto zurückgeben, hoffentlich geht alles Glatt !
Zum letzten Mal geht es mit Cullin und den Japanern auf Gamedrive. Das südafrikanische Turtelpärchen bleibt lieber im Bett. Sie sollten es bereuen 😉 Heute hat er es sich in den Kopf gesetzt, selbst Löwen zu tracken. Gestern Abend durften wir erst sehr spät zur Löwensichtung im Dunkeln. Eine Rangerin hatte alle Regeln verletzt und hatte kein Platz für uns gemacht. Immer nur 2 Autos dürfen sich an einer Sichtung aufhalten. Der die Sichtung entdeckt hat, darf so lange bleiben wie er möchte, die anderen machen nach einigen Minuten Platz. Die Koordination läuft für die Safarigäste unbemerkt über Funk und Kopfhörer ab. Über eine Stunde verfolgt der Tracker die Spuren eine kleinen Löwenrudels. So richtig glauben wir ja nicht an den Erfolgt doch schließlich biegt Cullin offroad ab. Über Gebüsch und kleine Bäume und wieder zwischen Spinnen durch geht es im Unterholz auf Löwensuche. Die Japaner sind sichtlich beeindruckt, wir kennen das ja schon von einigen Urlauben. Und da sind sie. Von hinten hören wir nur „oouooouuouu“ Zwei Bilderbuchlöwinnen und ein junges Männchen. Einige Minuten gehen die drei ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, dann wird sich gestreckt und die zwei Löwinnen begrüßen sich liebevoll mit Schnauzestupsen und kurzem Körperkontakt. Die eine Dame hinkt und es ist eine tolle Erfahrung zu sehen, wie rücksichtsvoll die zwei gesunden auf sie achten. Auch das Männchen wird begrüßt und dann laufen die drei ganz langsam vor uns her durchs Unterholz. Und Cullin folgt langsam. Keiner achtet mehr auf die Spinnen oder Stabschrecken, die immer Mal an der Reling des Autos landen. Es ist ein einmaliges Erlebnis. Nach einigen hundert Metern legen sie sich unter einen kleinen Baum. Und wir stehen direkt daneben, die Köpfe eingezogen, denn wir stehen Mitten im Baum zwischen den unteren Ästen. Die verpennten Raubtiere gähnen. Sie sehen normalerweise sooo harmlos aus, wie Miezekätzchen... Aber wenn man das Gebiss sieht, merkt man erst, um welch gefährliche Waffen es sich da handelt. Nach einer Weile laufen die drei noch bis zu einem kleinen See, dann machen wir Platz und drinken Kaffee. Cullin läuft gelangweilt wirkend in den Busch und kehrt nach einigen Minuten mit einem Prachtexemplar an Spinne zurück. Sie läuft relaxed über seine Hand und ein kleines Stöckchen. Er erklärt uns einiges aus dem Spinnenleben und wir hören fasziniert zu. Die Japanerin traut sich nicht heran, da habe ich Verständnis dafür. Vor dem Urlaub hätte ich das elegante Tier niemals aus einem Meter Entfernung anschauen können. Jetzt bin ich kurz davor, sie selbst einmal auf die Hand zu nehmen. Vielleicht im nächsten Urlaub 😉 Vorbei an einem See mit Hippos, Marabus und einer Giraffengruppe geht es zurück zum Camp. Wir verabschieden uns von den Südafrikanern, checken aus, nehmen die Lunchpakete in Empfang und fahren mit wehmütigem Gefühl los in Richtung Joburg. Die Straßen sind gut ausgebaut, zum Teil vierspurig und es hat am Sonntag wenig Verkehr. Problemlos geben wir das Auto in Joburg ab. Es hat uns bis auf das kleine Problem mit dem Kühlschrank und die losvibrierten Schrauben gute Dienste geleistet. Wir begutachten noch die abfahrfertige Wagenflotte, sie machen alle einen sehr guten Eindruck.
Nach dem Check Inn essen wir mit Blick aufs Vorfeld noch lecker, dann geht es in den Lufthansa A380 in Richtung Frankfurt. Der ist im Vergleich zum Emirates A380 enger bestuhlt. Nach einem ereignislosen, ruhigen Flug landen wir um 05:20 Uhr am Morgen in Frankfurt.
Ein wunderschöner Urlaub geht zu Ende.
Fazit der Reise:
Auf unsere speziellen Wünsche abgestimmt war es eine stimmige Route, natürlich mit einigen Kompromissen. Die Unterkünfte waren allesamt schön. Die Fahrtage vom KTP nach Kuruman und weiter nach Rustenburg waren reines Pflichtprogramm. Alles in Allem war es eine abwechslungsreiche, wunderschöne Reise mit tollen Unterkünften und eindrucksvollen Tierbeobachtungen.
Die Wilderness Camps mit Selbstversorgung im KTP haben uns besonders gefesselt. Weitere Höhepunkte waren Elandsberg im Tankwa Karoo und Leshiba Wilderness und die Tierbeobachtungen in Kapama Buffalo. Wir sind wieder komplett vom Afrikafieber befallen und planen gerade eine große Namibia + Chobe-Tour für 2013.
Vielen Dank an Mike für das schöne Bild von uns in Kiliekrankie 🙂 Ich schreibe noch eine kurze, bewertende Zusammenfassung der Unterkünfte dann bin ich leider fertig.