heute früh bin ich gesund und munter, auf die Minute pünktlich und um viele - auch gruppendynamische 😄 - Erfahrungen reicher in Frankfurt gelandet!
Wir hatten ein busrundreiseüblich volles Programm - ich fand es aber im Großen und Ganzen völlig okay für eine Ersttätertour, auch wenn natürlich die schlechten "Straßen" ein bisschen mehr Anstrengung für Fahrer und Gäste mit sich gebracht haben als gedacht.
Mit dem Bericht werde ich wohl erst am Wochenende beginnen, da ich morgen schon wieder arbeiten muss, aber ich kann euch schon mal so viel verraten: am Ende gab es doch noch ein bisschen hummeldummen Knatsch 😄 !
Achja, und gerade eben habe ich meine Giraffe ausgepackt und aufgestellt - sie steht sicher auf allen vier Beinen..... 😉
Bis dann - Gruß Schampus
Teil 213. Mai 2011
Hehe, hier gehts ja schon zu wie auf einer Busrundreise - Hauptthema der (meisten) weiblichen Teilnehmer: SHOPPEN! (Aber deine Giraffen sind wirklich super schön, Marina!) 😄
Also, um den Thread wieder in die richtige Spur zu bringen, teste ich schnell mal ob ich es schaffe, ein Foto einzufügen (nicht weil ich das Foto so toll finde, sondern weil es egal ist, falls es doch nicht auftaucht).
25. April 2011, Ostermontag:
Hier steht sie also, die Air-Namibia-Maschine und wartet pünktlich auf uns!
Wir, d.h. meine Schwester und ich sitzen am Gate und uns fallen fast die Augen aus dem Kopf bzw. der Kopf vom Hals bei dem Versuch, die jeweiligen Kofferanhänger - und das möglichst unauffällig - der vorbeiziehenden Reisenden zu entziffern. Es könnte ja jemand von unserer Teilnehmer-Liste dabei sein....
Mein Mann sitzt unbeteiligt ein paar Stuhlreihen weit von uns weg. Mann kann schließlich nicht früh genug damit beginnen, sich von einigen Mitreisenden zu distanzieren, vorallem wenn sich diese mal wieder albern benehmen, bei dem Versuch, passende Touristen für die Gruppe zusammen zu sortieren 😉 Und überhaupt fliegt er nach seiner Zeitrechnung ja erst morgen....(am Ostersamstag teilte er mir mit, dass wir am Ostermontag grillen und war bass erstaunt, als ich ihm nahelegte, einen transportablen Grill auf den Flughafen mitzunehmen: "Hä, wir fliegen doch am Dienstag?!?"). Reiseunterlagenlesen ist doch sehr mühsam und wird gerne dem Hauspersonal überlassen!
Da!! Zwei Damen (und wenn ich Damen sage, dann mein ich das auch so) im Trenchcoat, sie sehen ganz und gar nicht entspannt aus, haben ein festgefrorenes Lächeln im Gesicht und sauber gelegte Dauerwellen auf dem Kopf. Hiiilfe - irgendwie sehen sie nach Busrundreise aus, Selberfahrer sind diieeee ganz bestimmt nicht. Sie werden doch nicht....???
Ich kann euch verraten: wir werden sie noch öfters sehen 😠
Auch sonst sitzt eigentlich nur Gruscht rum (das denken die anderen bei unserem Anblick sicher auch: zwei albern kichernde Ü50-Mädels mit den gleichen Wanderschuhen an den Füßen). Einen alleinstehenden Herrn (den es laut der Teilnehmerliste ja geben soll) entdecken wir auch: recht übergewichtig sitzt er , dumpf mit glasigen Augen vor sich hinstierend, ein paar Plätze von uns weg - er wird doch nicht?????
Wir boarden, ohne auch nur eine Person zweifelsfrei identifiziert zu haben - so ein Mist aber auch!
Teil 314. Mai 2011
Danke für die netten Rückmeldungen - aber bitte setzt mich nicht unter Druck! Da ich bei den Tatsachen bleiben will (mal abgesehen davon, dass ich die Namen der Teilnehmer abändere), gibt die Reise dann doch nicht sooo viel Stoff für einen "Unterhaltungsroman" her.... Immerhin klappt das Fotoeinfügen reibungslos - vielen Dank @ TanjaH!!!
26. April, Dienstagfrühmorgen
Ein recht schlaf- und ereignisloser Nachtflug liegt hinter uns. Da ich inzwischen keinerlei Erwartungen mehr an Service und Essen bei Flugreisen habe, kann ich auch nicht meckern - früher habe ich mich gespannt auf den Start, das Essen, die Bordunterhaltung gefreut und wurde meistens enttäuscht, heute absolviere ich das Ganze im Matze-Kleinschen-Gemüsemodus. Meine Art, mir das Leben leichter zu machen! 😉
Immerhin gab es am Vorabend beim Start in Frankurt einen Sundowner zur Einstimmung:
Beim Ausfüllen der Einreise-Formulare kurz vor der Landung scannen meine Schwester und ich die Reiseunterlagen des höchst unfreundlichen Herrn hinter uns (er hat sich tierisch aufgeregt, wenn sich meine Schwester auch nur einen Millimeter bewegt und dadurch sein Tischchen gewackelt hat - dabei gab es doch genug flugbedingte Turbulenzen, die wesentlich stärker waren). Ich laufe beim Scannen Gefahr, mir einen Muskel im Hals zu zerren, werde für meinen Einsatz aber durch die Erkenntnis belohnt, dass seine Unterlagen überhaupt nicht wie unsere aussehen. Uff, dieser Kelch ging wohl an uns vorüber!
Nach der superpünktlichen Landung sind wir eine der letzten, die ihren Stempel in den Pass bekommen (mal wieder die falsche Schlange gewählt - genau wie daheim beim Einkaufen 😁 ) und ihre Koffer vom Band zerren.
Nun steht also der große Showdown bevor!
Unseren Guide=Fahrer Tulivu (er möge mir die Namensänderung verzeihen, aber "Frieden und Ruhe", so die Übersetzung laut www. passt gut!) entdecken wir sofort, er hält leicht desinteressiert das Schild mit dem Namen unserer Reise hoch und quatscht dabei mit anderen wartenden Guides - Mitreisende können wir nicht entdecken, aber wir sind ja auch wohl die letzten. Auf Englisch bittet er uns, schnell Geld zu tauschen falls nötig und uns dann zu der "Lady in green" dort drüben zu gesellen.
Hmpfff, stand in den Unterlagen nicht, dass wir eine deutschsprachige Reiseleitung haben? Auf die Frage meiner Schwester nach seinen Deutschkenntnissen antwortete er mit unbewegtem Gesichtsausdruck und dem bekannten Zeichen von Daumen und Zeigefinger: "A little bit".
Der Abstand der beiden Finger ist seeehr, seeeeehr klein!
Okay, man hat sich ja nicht umsonst jahrelang durch schlechten Englischunterricht gequält - mal ganz abgesehen davon, dass mein Mann und ich aus verschiedenen Gründen recht gut Englisch verstehen und sprechen (schreiben weniger, also sorry, falls Fehler auftauchen). Muss ja aber nicht auf jeden, der diese Reise gebucht hat, zutreffen - Schwesterherz z.B. kann zwar Englisch, is aber trotzdem not amused....Die Stimmung sinkt daher um ein paar Grad.
Wir zerren unsere übergewichtigen Gepäckstücke (zusammen haben wir tatsächlich knapp 60 Kilo) zu dem Treffpunkt, dabei sehe ich aus dem Augenwinkel, dass wir doch nicht die Letzten sind und ein sympathisch wirkender Mann mit zwei Frauen im Schlepptau eben bei Tulivu aufschlägt. Ohhhkeeeee, das sieht ja schon mal nicht schlecht aus! Am Treffpunkt stehen so viele Leute, das können unmöglich alles unsere Mitreisenden sein. Also weiter warten.
Da kommt Tulivu angeschlurft, vom Typ her Balu der Bär, das Ganze in tiefschwarzer Ausführung, vom Stamme der Ovambo, wie wir später erfahren.
Ohne Worte (und ohne Lächeln) winkt er uns, ihm zu folgen, und eine brave Herde von 9 Leuten folgt ihm zum Bus. Dort werden uns die Koffer abgenommen und wir klettern die steilen Stufen hoch in unser "Wohnzimmer" für die nächsten 16 Tage. Tulivu teilt uns die umfangreichen zusätzlichen Reiseunterlagen aus, dabei bemerken wir, dass noch zwei Leute fehlen. Mr.Guide macht sich also auf die Suche und in der Zwischenzeit kommen die ersten Gespräche in Gang, Vornamen werden ausgetauscht, man ist sich spontan sympathisch und es gibt gleich eine Sorge, die uns vereint: was machen wir wegen der fehlenden Deutschkenntnisse unseres Guides? Reklamation beim Tour Operator? Das will man dem armen Tulivu aber doch auch nicht antun. Einen von uns als Simultandolmetscher bestimmen? Hmmm, das will auch keiner so wirklich.
Wir suchen uns also recht ratlos schon mal einen Platz in dem 23-Sitzer-Bus. Da wir nur 11 sind, kann sich jeder einen Zweiersitz wählen - das ist doch wenigstens was Positives! Zum Glück hat jeder so seine Vorlieben, hinten, vorne, in der Mitte - der erste Streit um die besten Plätze fällt also schon mal flach!
Nun kommt Tulivu mit dem fehlenden Ehepaar - ca. Mitte 70. Wir offerieren ihnen gleich die noch freien Sitzreihen, die beiden wollen aber zusammen sitzen - und das möglichst ganz vorne, weil es ihr schnell schlecht wird beim Fahren. Oweh, das kann ja lustig werden! Tulivu räumt die Bank direkt hinter seinem Platz frei, wo er Kartons mit Unterlagen stehen hatte, und die beiden sind zufrieden.
Boarding completed! Es kann also losgehen! Tulivi ergreift das Mikrofon und fragt: "Is there anybody who doesn't speak English?". Tja, was sagt man da? Wir sind ja schließlich gebildete Mitteleuropäer, Weltbürger und Weitreisende, oder?!? Trotzdem: zögerlich geht eine Hand nach der anderen hoch, mindestens fünf Leute outen sich tapfer zum Wohle der Allgemeinheit.
"Okeeeee", sagt Tulivu mit breitem Grinsen, "dann spreche ich eben Deutsch"!
Mannomann, hat der uns drangekriegt! Das erste 11-fache laute Lachen schallt durch den Bus - die Stimmung schnellt nach oben!
Ich stelle euch noch schnell die ganze Gruppe vor, und dann fahren wir im nächsten Teil nach Windhoek rein:
Mein Mann, meine Schwester und ich aus Schwaben. Birgit und Herbert, Rentner aus Oberbayern. Achim, Elke und Sabine aus Schwaben. Hier trete ich gleich ins erste Fettnäfchen und frage Sabine: Schwester oder Schwägerin (so wie bei uns)? Öhmmm....Tochter....! Naja, sieht man nicht auf den ersten Blick, es waren wohl frühgebärende Eltern - Tschuldigung! Dann noch Detlef und Andrea aus Franken und Martin aus Sachsen.
Was die Dialekt-Mischung betrifft kommen wir also sehr nahe an Hummeldumm heran!!
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Nachtrag: ich sehe gerade, wie lang das wird - werde mich bei den nächsten Episoden kürzer fassen, versprochen!
Teil 414. Mai 2011
Dienstag, 26.April 2011, 7 Uhr:
Froh darüber, dass die Trenchcoat-Ladies nicht bei uns eingestiegen sind und wir einen deutschsprachigen Guide haben geht’s ab nach Windhoek. Wir sind sehr früh dran, an ein Einchecken im Kalahari Sands ist nicht zu denken, also machen wir eine Stadtrundfahrt mit Besichtigung der üblichen Verdächtigen. Fotos erspare ich euch – jeder kennt die Sehenswürdigkeiten, und bei dem grauen Nieselwetter wirkt alles etwas trostlos.
Wir fahren auch durch Katatura und bekommen viele interessante Informationen von Tulivu geliefert, der selber in Windhoek lebt. Später halten wir bei Penduka an, bekommen eine kurze Führung und dann wird dort zum ersten mal in Namibia geshoppt (ich habe ein kleines Stoff-Einkaufstäschchen erstanden)!
Schwesterlein (rechts) und ich sind allerdings recht schnell erschöpft davon und hoffen, dass es bald ins Hotel geht.
Daraus wird leider nichts, da es immer noch sehr früh ist – wir fahren also erst noch ins Craft Center. Dort schauen wir uns ein bisschen um – der große Kaufrausch will sich aber nicht einstellen. Obwohl ich diesen Kerl ja schon ganz gerne mitgenommen hätte... 😉
Dann – endlich – checken wir ein und haben „frei“ bis abends und sogar das Wetter bessert sich. Wir haben alle wunderbar frisch renoviert Zimmer im 6. Stockwerk – mit einem schönen Ausblick auf die (für unser Gefühl allerdings irgendwie gar nicht richtig „afrikanisch“ wirkende) Landschaft.
Das wäre ja alles ganz prima – aber die Renovierungsarbeiten sind noch in vollem Gange und der Presslufthammer treibt sein Unwesen direkt über unseren Köpfen ohne Pause von 8 – 17 Uhr. Der Poolbereich auf dem Dach, von dem man angeblichen einen tollen Rundblick über die Stadt haben soll, ist nicht betretbar 😠 !
Wir lassen uns die Laune aber nicht verderben und nach einer erfrischenden Dusche geht’s zum Essen – wir drei stolpern zufällig in ein nettes Lokal. Den Namen habe ich mir nicht gemerkt – vielleicht kennt es jemand.
Wir essen Spargel, Pfannkuchen und Kässpätzle.
Okay, dafür hätten wir nicht unbedingt 10 Stunden fliegen müssen – aber es war sehr lecker und gar nicht teuer!
Nun geht es zurück ins Hotel zur Erholung. Trotz Baulärm schlafe ich irgendwann ein und wache erstaunlich fit wieder auf. Abends werden wir von Tulivu abgeholt und in Joe’s beerhouse kutschiert. Dort essen wir an einem großen runden Tisch in netter Atmosphäre – allerdings sind alle recht müde und so artet der Abend nicht aus.
Man checkt ein bisschen die Leute aus der eigenen Runde, erfährt, welche Reisen sie schon gemacht haben (zwei Untergruppen, und zwar die Eltern mit erwachsener Tochter sowie die Rentner aus Bayern haben schon Afrika-Erfahrung – und das werden wir uns im Laufe der Reise noch sehr, seeeehr oft anhören müssen 😗 ), man schaut sich bei Joe um und ist dann froh, als es endlich zurück ins Hotel und damit ins Bett geht!
Teil 515. Mai 2011
Okay, Ihr habt es so gewollt 😛 (danke für die Komplimente natürlich, da werd ich ja gleich rot)!
Nachtrag zu Dienstag: Ich hatte ja schon an anderer Stelle erwähnt, dass für meinen Mann vor allem das technische Equipement für diese Reise wichtig war. Nun musste er in Windhoek feststellen, dass er mit keinem seiner Handys nach Deutschland telefonieren konnte – warum auch immer. Ich dagegen rief schnell mal locker bei unseren Söhnen an, ohne Probleme (und ohne zu wissen, warum es bei mir geht und bei ihm nicht) 😊 . So ein Ärger aber auch, hähä, die technisch unterbelichtete Frau telefoniert, der Mann schaut tatenlos zu 😉 (ich hab ihm natürlich mein Handy geliehen – bin ja nicht so...)
Der Kauf einer Karte brachte ihn auch nicht richtig weiter. Sein Plan, damit das Internet mit Hilfe eines Geräts aus seinem geheimnisvollen Karton, der ca. ein Viertel seines Koffers ausfüllte, zum Laufen zu bekommen, scheiterte kläglich. Schlussendlich ließ er sich doch dazu überreden, eine halbe Stunde Internet an der Rezeption zu kaufen.... Das Handy funktionierte dann mit der vorher gekauften Karte, wenn auch nur ein paar Tage lang, da wenig Guthaben drauf war – aber es gab ja zum Glück immer noch meines.... Naja, so kann Mann auch den Nachmittag in Windhoek verbringen!
Mittwoch, 27. April 2011
6.20 h: meine Schwester klopft panisch an unsere Zimmertür - ihr Kofferschloss lässt sich nicht öffnen, und das keine zwei Stunden vor Abfahrt – sie noch im Schlafanzug! Schwager Techniker und Schwester Nichtechnikerin versuchen, das Schloss zu knacken – ohne Erfolg. Also muss mein Vorschlag greifen, einfach die 999 Möglichkeiten durchzutesten (eine Ziffer weiterdrehen, drück, eine Ziffer weiterdrehen, drück...). Nach einiger Zeit steht eine glückliche, wenn auch noch leicht gestresste Schwester mit vom Weiterdrehen lädiertem Daumen vor der Tür: genau eine Zahl nach ihrer ursprünglich gewählten hat gepasst! Allerdings tatsächlich sonderbar das Ganze – am Abend vorher ging’s noch mit der alten. Gefehlt hat nichts im Koffer – also dürfte keine Manipulation stattgefunden haben....Auch eine Trixie-Schusselei ist unwahrscheinlich. Es wird ein ungelöstes Rätsel bleiben.
Nun denn – Frühstück und ab in den Bus, um acht geht’s los! So sah unser Bus am Anfang der Reise übrigens aus, strahlend weiß – das sollte sich aber noch ändern!
Zur Freude meines Mannes funktioniert die GPS-Aufzeichnung! Unser Guide benötigt sie zwar nicht, (schade eigentlich, Mann hätte sich doch gerne im Ausland nützlich gemacht, einfach nur rumsitzen und sich chauffieren lassen ist nicht so sein Ding). Naja, wenigstens hat er jetzt ein Spielzeug - und ich muss zugeben: die Komplettaufzeichnung am Ende der Reise ist dann doch sehr interessant!
Zwei der anderen Männer (Franke und Schwabe) sind mit Fotografieren beschäftigt, die beiden anderen (Sachse und Bayer) schreiben eifrig Tagebuch und denken sich ihren Teil. Meine Schwester und Andrea schauen raus, ich kämpfe mit meinem neuen Fotoapparat, dem unbekannten Wesen, Mutter und Tochter plaudern hinten im Bus und Birgit aus Bayern, die ja bekanntermaßen direkt hinter Tulivu sitzt, belabert ihn auf „hoch“bayrisch. Es ist zum Totlachen: langsam und überdeutlich redet sie mit ihm wie mit einem leicht zurückgebliebenen Kind (stellt euch einfach vor, Ihr diktiert einem Erstklässler einen Satz): „Tulivuuhuuu,...verschteeehsttt...du...main...Bayrrrisch???“ (Warum nur muss ich in diesem Moment an Hummeldumm denken?? 😐 )
So ist also jeder mehr oder weniger sinnvoll beschäftigt!
Unser heutiges Ziel ist die Kalahari Anib Lodge. Unser Bus ist gut klimatisiert, es gibt einen Kühlschrank mit kostenlosem Wasser und wir fühlen uns pudelwohl. Tulivu versucht uns das Rotationsverfahren im Bus zu erklären. Jeder rutscht pro Tag einen Platz nach hinten, wer hinten ankommt, wechselt auf die andere Seite und so weiter.... Wir sind uneinsichtig - das ist uns alles viel zu kompliziert! Außerdem kommen von hinten Reklamationen: „wir wollen unsere Plätze nicht hergeben“ – vor allem Elke protestiert: sie sei schon bei den Schulausflügen immer hinten gesessen und möchte das weiterhin so handhaben! (Bitte merkt euch diesen Satz ganz genau!!)
Außerdem wird es Birgit ja angeblich schlecht beim Fahren, warum sollte sie also mit Gewalt ab und zu hinten sitzen müssen? Lange Rede kurzer Sinn: Tulivu kann sein Rotationsverfahren den namibischen Hasen geben – es gibt genug freie Plätze, die man auf Wunsch einnehmen kann, z.B. auch neben dem Fahrer. Und wer mal einen bestimmten Platz haben möchte, der gerade besetzt ist, sagt es einfach (merkt euch auch diesen Satz für später!). ALLE sind einverstanden (bitte auch dies merken!).
Bald sehen wir unsere ersten Tiere, yeah!
Dann – am obligatorischen Stopp beim Tropic of Capricorn – warten Aliens auf uns!!!
Unser Guide bezeichnet sie als Bodenkäfer ("die tun nichts") – ich kann sie aber bis heute trotz intensiver Internet-Recherche in keinem Insekten-Lexikon finden.... es müssen Außerirdische sein, so wie die aussehen, mit langen Antennen am Kopf und Roboterbeinen! Auch die Geräusche, die sie von sich geben, wenn sie sich bedroht fühlen, kenne ich aus Fantasy-Filmen meiner Söhne. Echt gruselig!
Meine Schwester und ich beschließen, dass diese Wesen und wir keine Freunde werden – und trotzdem werden sie in den nächsten Tagen unsere treuen Begleiter sein 🤩 .
Auf der Weiterfahrt sehen wir noch Marabus und Eland-Antilopen (wenn auch in weiter Ferne, entsprechend unscharf ist das Foto).
Nach Ankunft auf der Lodge gibt es ein spätes, schnelles Mittagessen und bald geht es los zur Sundowner-Fahrt.
Unser netter Guide Freddy (Sahneschnittchen Nr.1 😘 )erklärt viel und gut
und fährt uns weit durch die schöne, mit hohem Gras bewachsene Landschaft.
Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass wir nur wegen der Landschaft unterwegs sind, aber wir sehen tatsächlich auch Tiere. Unsere ersten Oryxantilopen, sooo schön – zwar mit bloßem Auge kaum zu erkenne, aber wahr! Und das auch noch auf roter Düne! (ein erster Test meines Objektivs)
Und Mensch, was bin ich zu diesem Zeitpunkt stolz auf mein Springbock-Foto! Mir hat ja keiner gesagt, dass mir danach noch Hunderte davon über den Weg laufen werden.... Egal, das Bild gefällt mir trotzdem, vor allem weil er mit mir spricht - sieht man deutlich, oder?
Es sollte noch besser kommen: Nochmal Oryxe, Strauße, Zebras! Also noch ein paar Fotos mit viel Gras und wenig Tier:
Ich bin völlig im Glück und begieße die schöne Landschaft und die prächtigen Tiere mit einem... okay, mit mehreren Schlucken Rotwein beim Sundowner!
Hey, der sudafrikanische Rotwein hat es in sich, vor allem bei der Größe der Becher! Irgendwie bringe ich die Rückfahrt zur Lodge in tiefster Nacht mit Anstand hinter mich, fotografiere sogar noch eine Eule
(oder einen Uhu? Oder doch auch ein Alien?? Ich kenn mich in Flora und Fauna nicht so wirklich aus und hab nicht immer gut aufgepasst, Rotwein sag ich nur) quasi ohne Licht (ich bin der Typ „Automatik-Knipserin“, stelle nichts ein, hab keine Filter und bearbeite die Fotos auch nicht im Nachhinein) und friere klaglos in Matze-Klein-Manier !
Abendessen ist okay, es wird alles an den Tisch serviert, was nicht jedermanns Geschmack trifft, Gesangseinlage des Personals nett, mit viel Gelächter der Beteiligten und dann gehts schnell ins Bettchen, denn unser Sklaventreiber-Guide murmelt irgendwas von „Wecken um Sechs, okeee?“.
Fazit: tolle Sundowner-Fahrt mit sympathischem Guide, schöner Landschaft, vielen Tieren und guten Getränken. Was uns an der Kalahari-Anib-Lodge nicht gefallen hat war die Dunkelheit in den recht kleinen Zimmern. Wir haben aber erfahren, dass es wohl noch mehr Reklamationen gab und Gondwana in dieser Sache (Beleuchtung) etwas unternehmen will. Stimmung in der Gruppe ist gut - und ich bin happy über meinen sprechenden Springbock!
Teil 616. Mai 2011
Also, nachdem wir das mit den Sattelschnecken...ähhh ...Schrecken....also Dickpens abgehandelt haben, können wir weiterfahren!
Übrigens: ich füge die Fotos immer so nach und nach ein, denn wenn ich alles am Stück hochlade, stürze ich meistens ab. Also nicht wundern, wenn Ihr hier reinschaut und noch keine Fotos seht: dann bin ich gerade bei der Arbeit!
ACHTUNG Aktuell, 19.13 Uhr : irgendwas stimmt nicht, ich kann gerade keine Fotos hochladen - muss mal meinen System-Administrator befragen 😁
Donnerstag, 28. April 2011 / bis zum Naute Staudamm
Frühes Frühstück (und wenn ich früh sage, meine ich das auch so: Wecken um 6 Uhr, Frühstück und Koffer vor die Tür um 6.45 Uhr und schnelle Abfahrt um 7.30 Uhr von der Anib Lodge. Von Anfang an hat es super geklappt, dass wir alle höchst pünktlich und zuverlässig waren, jeder Koffer war gepackt, Punkt 7.30 Uhr oder früher, wenn’s sein musste, standen wir am Bus, den Tulivu schon ausgefegt und mit frischem Wasser bestückt hatte. Kein einziges Mal musste der Bus noch mal zur Lodge zurück fahren, weil jemand etwas vergessen hatte. Eine wahrlich disziplinierte Truppe – so kann man Stress und Ärger vermeiden (ich fürchte aber, dass bei Zunahme der Teilnehmerzahl auch das Risiko auf undisziplinierte Gäste steigt).
Wir haben einen weiten Weg vor uns – Ziel ist heute die Fish River Canyon Lodge.
Doch zuerst sind die Köcherbäume dran. Ich hatte mir auf Grund der Forumsberichte nichts Tolles darunter vorgestellt – zumal wir ja nicht zum Sonnenuntergang dort waren, sondern vormittags. Aber zum Glück habe ich mich getäuscht. Als wir dort eintreffen, sind wir ganz alleine (ich weiß jetzt allerdings nicht, in welchem Köcherbaum“wald“ wir waren, es gibt ja, soviel ich weiß, quasi offizielle und andere). Hatte zwar die T4A-Karte dabei (alte Leidenschaft von mir, brauche immer eine Karte auf dem Schoß), aber dummerweise gerade da nicht aufgepasst, wo wir abgebogen sind. Werde das aber mal auf der GPS-Aufzeichnung nachprüfen (wenn Massa in der Nähe ist mit seinem Equipement).
Also, wir 11 Leutchen verteilen uns auf dem Gelände und jeder ist ganz alleine, um die Stille, das klare Licht, Vögel, die Steine, die Köcherbäume und das Gras im Wind, in das wir uns alle schon verliebt hatten, zu genießen und zu fotografieren.
Elffache Begeisterung – aber keine laute, sondern eine genüsslich stille!
In Keetmanshoop schickt Tulivu uns dann in den SPAR – Einkaufen fürs Picknick! (Anmerkung: in unserer Reise war Frühstück und Abendessen inkludiert, mittags hat der Guide uns irgendwo hingefahren oder es gab eben Picknick). Schließlich sollen wir ja auch ein bisschen das echte Leben kennenlernen – nicht alles nur durch die Busscheiben hindurch. Mit unseren diversen Keksen, Brötchen, Äpfeln und Bierchen (die sich prima im Buskühlschrank frisch halten ließen) fahren wir Richtung Naute Staudamm – beim Abzweigen von der B4 auf die D545 verlassen wir die Teerstraße!
Nach dem Picknick, das der Umgebung angepasst nicht sonderlich idyllisch, aber zweckmäßig ist, geht’s weiter Richtung Fish River Canyon Lodge (Fortsetzung folgt).
Teil 717. Mai 2011
Donnerstagsnachmittag, 28. April 2011 / Fahrt vom Naute Staudamm zur Canyon Lodge
Weiter geht’s durch die Furt unterhalb des Damms und auf der D545 , bis wir auf die C12 Richtung Grünau stoßen. So, denken wir, jetzt sind wir auf einer C-Straße, das wird sicher wieder ein angenehmes Fahren.😗
Selten so gelacht!!! In einem Affenzahn schießt Tulivu über eine Piste, die man bei uns nicht mal einem Traktor zumuten würde. Vergesst alles was Ihr jemals über deutsche Schlaglöcher nach dem letzten harten Winter gejammert habt – Weicheier sag ich nur !
Die Regenzeit hat voll zugeschlagen – laut Guide ist es selten so schlimm wie momentan und die Grader werden erst aktiv, wenn abzusehen ist, dass es nicht mehr regnet. Ausgewaschene Senken werden schräg durchfahren, um die Schläge abzumindern (nett gemeint – aber meistens wartet ganz unten in der Senke ein fieses, gut verstecktes Schlagloch darauf, uns einen unerwarteten Extraschlag zu verpassen!), viele Unebenheiten lassen sich aber einfach nicht umfahren – dann doch lieber gaaaanz schnell drüber weg als sich langsam durchzuquälen – das ist wohl Tulivu’s Strategie. 🤩
Wir sind auf jeden Fall hellwach da hinten – es gilt schließlich die Signale von vorne richtig wahrzunehmen und einzuordnen: Achim, inzwischen Beifahrer von Tulivu verwickelt ihn in Gespräche und lenkt ihn dermaßen ab, dass er noch mehr Schlaglöcher übersieht als sowieso, denn als braver Guide beantwortet er Achims Fragen natürlich mit Blickkontakt – Achim, wir lieben dich 😠 ! In diesem Fall muss man sich voll auf Herbert konzentrieren. Er kontrolliert die Strecke von seinem Sitz hinter Tulivu aus und erhebt sich immer vor einer Gefahrenstelle, um diese „im leichten Sitz auszureiten“. Für uns das Zeichen, sich krampfhaft festzuhalten, Wertgegenstände zu sichern und Hals- und Lendenwirbel mittels hoher Körperspannung unter Kontrolle zu bringen 😉 .
Schlussendlich, als auch Achim das Problem in seiner vollen Tragweite erkennt (Andrea z.B. hatte erst vor kurzem eine Halswirbel-OP) wird ein doppeltes Kontrollsystem eingeführt: Achim warnt uns (und Tulivu) mit erhobenen Arm und einem lauten „ACHTUNG“ vor dem nächsten Loch, Herbert gibt das optische Hintern-Lupf-Signal. Das Ganze klingt und sieht so kurios aus, dass wir uns vor Lachen kringeln – und uns natürlich ab und zu im falschen Moment entspannen..... Wasserholen wird zum halsbrecherischen Abenteuer - man kann wählen, ob man kopfüber im Kühlschrank oder am Fuße der Treppe landen will 😛
Anmerkung: wir sind später mal eine Strecke sowohl mit dem Bus als auch mit einem Allrad-Touri-Jeep (o.ä.) gefahren – es war in dem kleinen Fahrzeug definitiv angenehmer zu reisen – vermutlich hat das was mit dem Achsabstand zu tun. Oder so..... (Oder mit dem Fahrer? Tulivu meinte mal, er würde seeehr ungern spät an einer Lodge ankommen). Aber was soll’s – wir sind nun mal auf einer BUS-Rundreise, und was sollten wir sonst unseren Enkeln erzählen??
Die Strecke ist nicht gerade reizvoll – zum Glück tauchen kopflose Strauße
und irgendwann Bergzebras auf. Ahhhh, ich bin mal wieder im Glück, zumal mein Zoom ein besonders süßes Exemplar so richtig schön in den Bus reinholt – es steht wie ausgestopft dekorativ auf ein paar Felsen und macht seinem Namen alle Ehre!
Zum Glück hält Tulivu bei jedem noch so unspektakulärem Motiv (Springbock Nr.325) geduldig an, wenn wir das wünschen, denn Fotografieren während dieser Fahrt ist unmöglich! - die verlorene Zeit holt er gerne wieder bei der "Rallye Namib" rein 😉
Dann tauchen endlich Hinweisschilder auf die Lodge – und bald auch imposante Granitfels-Formationen auf.
Recht kaputt und durchgerüttelt laufen wir in der Canyon Lodge ein, das ist aber schnell vergessen, denn wir sind natürlich sofort begeistert vom mit blühenden Pflanzen bewachsenen Hauptgebäude und den kleinen Hexenhäuschen mitten in den Felsen.
Und einer unserer Zombie-Freunde wartet auch schon auf uns! (Ob sie wohl so quietschen, weil ihre Beinscharniere nicht geölt sind?)
Welch ein Empfang!
Inzwischen wird unser Gepäck wie immer aufs Zimmer gebracht (mit diesem Luxus hatte ich gar nicht gerechnet – was hatten wir in den USA bei unserer Selbstfahrerreise Koffer und Taschen – mit zwei Kids unterwegs – zu den Lodges geschleppt.....) und dann können wir uns auf dem Gelände umschauen und fotografieren. Es gibt unendlich viele Motive – das Licht spielt auch mit – und immer wieder läuft einem ein Gruppenmitglied über den Weg und jeder hat ein dämlich-glückliches Grinsen im Gesicht oder lässt ein staunendes "Wow!" hören.
Zum Sundowner-Walk gehen alle außer den drei „Problem-Knien“ Andrea, Detlef und Schwesterlein mit. Sehr netter kleiner Spaziergang hoch auf die Felsen, toller Ausblick, tolle Fotomotive und ein paar interessante Erklärungen, ein Schlückchen was zu trinken (ich entscheide mich gegen Alkohol, denn hier muss ich ja selber wieder runterfinden) – unbedingt zu empfehlen!
Während wir unterwegs sind, bekommt Schwesterherz Besuch: zuerst schaut ihr eine Sattelschrecke freundlich über die Schulter und dann steht plötzlich ein Pferd vor der Tür! (Leider gibt es davon keine Fotos!!)
Ich persönlich komme an diesem Abend auf den Geschmack von Gin Tonic – noch nie probiert! Die anderen überreden mich – und warum soll ich nicht auch ein bisschen Malaria-Prophylaxe betreiben?? Schmeckt nicht schlecht das Zeug und haut mich vor allem nicht so um wie Rotwein – ich werde mich die nächsten Tage dran gewöhnen!
Das Abendessen ist lekker – soweit ich mich erinnern kann. Starter wird serviert, Hauptgang ist Buffet und dann warten wir auf irgendwas mit Apfel zum Desert. Allerdings hat Tulivu mitbekommen, dass Achim am Vortag Geburtstag hatte – und so organisiert er, dass die Küchentruppe mit einer quietschgrünen Torte zum Gratulieren kommt. Okay, essen wir eben BASF-Kuchen (leider kein Foto davon, das ich hier reinstellen kann), geschmeckt hat’s nicht wirklich, aber lustig war’s – vor allem da Achim dann noch an die Bar geladen hat! Dort kommen wir mit dem Manager (Geschäftsführer oder was auch immer) der Lodge ins Gespräch, sehr informativ und auch lustig!
Morgen wieder volles Programm (Canyon und dann Fahrt nach Aus) – also ab in die Hütten!
Fazit Canyon Lodge: Beeindruckende Umgebung, Hexenhäuschen toll in die Landschaft integriert, Innenausstattung okay, z.T. originell – allerdings ist auch hier die Beleuchtung sehr schlecht. Wir merken dies insofern, als ja bereits um halb sechs rum die Sonne untergeht und wir abends immer schon alles für morgens hinrichten müssen, um rechtzeitig in die Startlöcher zu kommen. Auch im Restaurant ist es sehr dunkel und man sieht nicht wirklich, was man isst. Für meinen persönlichen Geschmack werden diese kleinen Minuspunkte vollständig durch die Wahnsinnsumgebung kompensiert – es gibt aber auch andere Mitreisende, die sich von der Dunkelheit sehr gestört fühlen. Zusätzlich gibt es nachts in, bzw. auf einigen Hütten komische Geräusche, man spekulierte über Pferde, die über die Dächer balancieren – vielleicht haben sie aber auch nur das Reet von den Sparren gefressen? Keiner weiß es.....😐 😊
Teil 821. Mai 2011
Liebe mitlesenden Fomis,
vielen Dank für die motivierenden Kommentare (auch dir Schwesterherz, wenn auch "nur" telefonisch und nicht hier 😉 ), da mach ich mich doch gerne am frühen Samstagmorgen ans Weiterschreiben:
Freitag, 29. April 2011 : Canyon Lodge/ Fish River Canyon bis Seeheim
Noch vor dem Frühstück lockt mich das schöne Wetter und die tolle Kulisse - ich klettere ein bisschen auf den Felsen rum und knipse im Morgenlicht fröhlich vor mich hin.
Dieser kleine Kerl hier hat sich schon um sein Morgenmahl gekümmert:
Das Frühstück zappelt zwar noch ein bisschen
aber nach ein paar kräftigen Schlägen auf den Fels lässt es sich in Ruhe verspeisen
Pünktlich geht es heute weiter Richtung Canyon. Das Morgenritual im Bus: "Alle da?" "Ja!" "Alle gut geschlafen?" "Ja!" "Alle gut gefrühstückt?" "Ja!" "Alle die Schlüssel abgegeben?" "Ja!" "Gut, dann fahren wir heute zu die Fischflusscanyon, okee?"
Tulivu holpert mit dem Bus ein Stück weit am Rand entlang und lässt uns irgendwo im Nichts aussteigen
mit der Vorgabe, bis zum überdachten Main Lookout Point zurück zu marschieren– dort wartet er und der Bus auf uns – "okeee?". Vorher erklärt er uns aber noch am Abgrund die wichtigsten Details zu diesem Naturwunder.
Tja, was soll ich zum Canyon sagen?
Okay, zuerst das Negative, ich bin ehrlich: Ich will dem namibischen Canyon nicht zu nahetreten, aber ich finde die amerikanische Version schöner und beeindruckender, sorry 🤨 . Hier fehlen mir einfach die Farbkontraste – alles ist grau in beige. Vielleicht bin ich auch in der falschen Stimmung und sicher zur falschen Tageszeit dort... Trotzdem ist er natürlich beeindruckend - keine Frage!!! Und: er ist nicht so überlaufen, bzw. gar nicht, das gefällt mir gut. In Amerika ist dort ja alles bebaut und durchorganisiert, Shuttle-Busse fahren hin und her, Hinweisschilder, View Points ohne Ende, Möglichkeiten was zu Essen, viieeele Leute - hier in Namibia findet Understatement pur statt!
Der Spaziergang ist dann sehr nett, auch wenn es schon gut warm ist - er gibt mir auch Gelegenheit, mich in Ruhe (!) ein bisschen mit Sachsen-Martin zu unterhalten, der zur eher stilleren Fraktion zählt und den Bus lieber mal mit einem trockenen Spruch als mit ausschweifenden Selbstdarstellungen unterhält. Ach ja, hab ich das inzwischen aufgeklärt? Er ist NICHT der dumpfe Dicke vom Flughafen!!
Danach – das ist uns mittlerweile klar – geht kein Weg daran vorbei: wir müssen das ganze Stück ausgespülter Rüttelpiste, und zwar bis nach Seeheim zurückfahren. 😮 Aber: gestern waren wir mit Selbstfahrer ins Gespräch gekommen, die in Seeheim feststellen mussten, dass von Aus kommend kurz nach Abzweig bei Seeheim die C12 gesperrt ist. Diese Selbstfahrer haben sich dann die Umfahrung auf der D545, die wir gestern gekommen waren, nicht zugetraut – sie hatten sich wohl bei Sossusvlei irgendwo und irgendwie festgefahren und mussten rausgeschleppt werden. Das war ihnen sooo peinlich, dass sie nicht noch mal so etwas riskieren wollten und sind daher einen riesigen Umweg auf der B1 nach Grünau und von dort wieder hoch zur Lodge gefahren.
Für uns heißt das ja dann wohl den bekannten Umweg am Naute Damm vorbei nehmen zu müssen – Lust hat da keiner zu. Aber soweit kommt es auch nicht – das Sperrschild LIEGT auf dem Boden, was für Tulivu natürlich "Weiterfahren" heißt!
Allerdings unterbrochen von diversen Foto-Stopps: ich bin immer wieder erstaunt über seine Adleraugen – mitten aus der schnellsten Fahrt heraus tritt er scheinbar ohne Grund in die Eisen, der Bus kommt recht abrupt zum Stillstand - und die Fahrgäste ins Taumeln. Dann wird mit viel Gestöhne (dazu mal später mehr 😄 ) der Rückwärtsgang reingequält und die beste Position zu irgendeinem Vogel oder wie in diesem Fall einem Waran, der leider blitzschnell ins Gebüsch verschwindet, gesucht.
Alles was fliegt interessiert unseren Guide besonders: er lässt den Bus etwas langsamer vor sich hinschlingern und schaut versonnen und ausgiebig einem Raubvogel "auf halb zehn" nach 😗 (während seine Fahrgäste langsam nervös ob des nahezu führerlosen Busses werden 😮 ) , blättert dann in seinem Bestimmungsbuch auf dem Schoß, um noch schnell "sicher zu machen" (jepp, genau diesen Ausdruck benützt auch er, ist von der Übersetzung her ja auch logisch, klingt aber trotzdem lustig und nach Hummeldumm 😄 ), dass es ein junger Kampfadler oder eben sonst was ist.
Danach tippt er noch in aller Ruhe auf seinem I-Phone rum, steckt irgendein Kabel um (nur zur Erinnerung: wir fahren immer noch....🤔 ) und verkündet dann stolz: "Und das wäre die Geräusch von die Kampfadler, okeeee?". Nachdem alle Gäste das Gekrächze aus dem Lautsprecher mit einem kräftigen "Okeeee!!" bestätigt haben nimmt er das Lenkrad wieder in die Hand und volle Fahrt auf.
Gute Nerven braucht man bei Tulivu schon....🤢
Leider war ich nicht clever genug, mir immer gleich die Bezeichnung der Vögel aufzuschreiben, so dass ich bis heute in vielen Fällen unwissend bin 😕 Wen ich aber inzwischen zweifelsfrei identifizieren und vor allem ohne Stocken aussprechen kann ist "die Weißbürzel-Singhabicht da oben auf die Mast, okeee?"!! Tolles Wort (weniger tolles Foto, aber der Vollständigkeit halber, hab später glaub welche, die okay sind...)!
Wir kommen zu der Stelle, wegen der die C12 gesperrt war/ist: das Revier in der (auf dem Foto fast nicht sichtbaren) Senke läuft und mitten drin stehen zwei Fahrzeuge, ein drittes dreht gerade um.
Tulivu stellt sich hin und begutachtet die Lage eine Weile. Mein Mann positioniert sich derweil für das beste Foto der "Flussdurchquerung": ein beliebter Platz ist direkt hinter dem Kühlschrank, am Treppenabgang stehend.... Unser Rallye-Guide entscheidet sich für den besten Weg, nimmt Fahrt auf und rumpelt durch den Sand und das Wasser an den anderen Fahrzeugen vorbei, mein Mann nimmt Fahrt auf und fällt die Treppe runter, die unverriegelte Tür öffnet sich und er kann sich gerade noch irgendwie festhalten. Peinlich....😊 und hätte dumm laufen können 🤩 !
😄 Tolle Fotos hat er dabei gemacht 😛
Ab diesem Zeitpunkt achte ich (üblicherweise auf dem Platz hinter dem Treppenabgang sitzend) stets penibel darauf, dass die Tür sicher verriegelt ist.
Kurz und gut, wir kommen natürlich durch und entdecken danach, dass das "Gesperrt"-Schild von der anderen Seite her noch steht. Keine Ahnung, was Sinn der Sache ist – sofern es einen gibt. So rumpeln und hüpfen wir weiter bis Seeheim – immer mal wieder werden ein paar sarkastische "SO A TRAUMREISE"-Rufe aus den hinteren Reihen laut. Erklärung hierzu: in der Anib Lodge stand auf unserem Tisch ein Reservierungsschild: SOA Traumreise. Hmmm, dachten wir, was soll das bedeuten 😐 ? Aber uns 8 cleveren Süddeutschen war natürlich schnell klar, dass "So a Traumreise" übersetzt eigentlich nur "Solch eine Traumreise" heißen kann!:)
Fortan ist dies unser Slogan bei besonders interessanten Reiseabschnitten, mal echt gemeint, mal ironisch! (😊 später haben wir nebenbei erfahren, dass SOA ganz einfach die Abkürzung unseres Tour Operators ist........... 😉 )
Teil 922. Mai 2011
Freitag, 29. April 2011 – Von Seeheim nach Aus
Und weiter geht’s, bei der namibischen Metropole Seeheim biegen wir links ab Richtung Lüderitz, auf die Teerstraße B4! Großes Aufatmen, endlich mal wieder unkonzentriert im Sitz lümmeln, Wasser aus dem Kühlschrank holen, sich zu einer anderen Sitzbank zwecks eines Schwätzles begeben – ohne Gefahr zu laufen, in hohem Bogen durch den Bus zu fliegen...
Die Fischflussbrücke überqueren wir zu Fuß – unser Guide achtet immer sehr darauf, dass wir Bewegung und frische Luft bekommen!
Unterwegs erzählt er ein bisschen über Missionar Schmelen (Anlass ist die Abzweigung nach Bethanien), und von aufgegebenen Tankstellen (die in der aktuellen T4A-Karte noch eingezeichnet sind – das verwundert mich dann doch).
Die Fahrt durch die grüne-beige Landschaft
verläuft ansonsten recht ereignislos, Zeit für mich, mal etwas übers Wetter zu schreiben: es war bisher, von den paar Tropfen in Windhoek abgesehen, sehr schönes und angenehmes Wetter, blauer Himmel, ab und zu ein paar dekorative Wölkchen am Himmel und eigentlich nie zu heiß (okay, wir sitzen natürlich einen Großteil der Zeit in unserem klimatisierten Wohnzimmer auf vier Rädern, aber trotzdem). Nachts wurde es immer recht frisch, so dass man problemlos schlafen konnte. Die Luft war auch überhaupt nicht so trocken, wie ich das gelesen und daher gedacht hatte, weil noch viel Feuchtigkeit in Namibia unterwegs ist.
Was ein paar von uns, auch ich, deutlich spüren, ist die Höhe, auf der wir uns oft befinden: wir haben öfters, das Gefühl leicht zu schwanken (NEIN, nicht erst nach dem Sundowner...!! 🤪 ). Unser Kreislauf spielt ab und zu einfach verrückt!
Das Wetter ist uns bisher also wohlgesonnen – aber das sollte sich zwischendurch auch mal ändern! 😵
In Aus gibt es ein recht spätes Mittagessen im Bahnhof Hotel. Zur großen Freude der meistens Damen zeigt der Fernseher an der Bar in einer Endloschleife bewegte Bilder von der Hochzeit in England 😘 !
Dann wird noch der Curio Shop ums Eck besucht – selbst meine Schwester und ich schauen uns zum erstenmal in Kauflaune um, können uns dann aber doch für nichts entscheiden. Wir haben immer im Kopf, dass wir die Sachen dann ja ständig mit uns rumschleppen müssen - und ganz bestimmt gibt es später auch noch schöne Dinge zu kaufen!
Solche Probleme haben die anderen weiblichen Traumreisenden nicht – bereits im Shop der Canyon Lodge wurde zugeschlagen, und Bayern-Birgit ist sowieso die ganze Reise über auf der Jagd nach einem "Bluuserl". Die Herren der Schöpfung verdrehen die Augen und zücken die Geldbörsen.
In Klein Aus Vista Desert Horse Inn (wer ist eigentlich für dieses Wortungetüm verantwortlich?) werden wir nett empfangen und beziehen mit dem tollen Gefühl, endlich mal zwei Nächte an einem Ort zu sein, unsere Doppelhaushälften.
Auf dem Weg dorthin gibt es von einigen leichtes Murren, da die Umgebung natürlich nicht soooo spektakulär wie in der Canyon Lodge ist. Hallo, geht’s noch?? Mein Vorschlag,Ironie an: Vielleicht sollte man von den Guides doch verlangen, dass sie immer ein paar Granitfelsen im Kofferraum mitführen und diese schnell hindrapieren, bevor die Gäste aussteigen, oder? Wäre bei dem Reisepreis eigentlich schon zu erwarten.. Ironie aus.
Später fragt Birgit mit leicht vorwurfsvollem Ton bei uns nach einem Föhn – sie wäre ja schooon davon ausgegangen, dass bei diesen 4-Sterne-Unterkünften ein Föhn auf dem Zimmer eine Selbstverständlichkeit wäre (btw: wir sind nicht immer in 4***-Unterkünften). "Jetzt hob i meinen Kopf drei Dog ned gwoschn..."
Egal, das ist nicht unser Problem (wir sind sauber, hihi 😄 ), Schwesterlein und wir beziehen das Doppelhäuschen ganz hinten oben rechts am Hang (von unten gesehen) und sind happy: ein großes Zimmer mit richtig Platz für 2 Koffer (war nicht immer so)
mit einer zusätzlichen Sitzecke
ein schönes Bad und eine tolle Terrasse
Und das zwei Nächte lang!
Der Sundowner auf der Holzveranda ist unvergesslich, tolle Aussicht, gute Getränke, lustige Bedienung. Achim und ich machen einen Abgleich unserer Sonnenuntergangsfotos und fachsimpeln ein bisschen, wobei ich ja eigentlich völlig blond bin, was das Fotografieren betrifft. Die Technik interessiert mich wenig – ich knipse aus dem Bauch heraus. Und zum Glück kann man ja alles wieder löschen und es kostet nix. (Ich fische nicht nach Komplimenten - meine Fotos gefallen mir durchaus, auch ohne Technikkenntnisse 😛 )
Als Highlight kommt dann noch das Abendessen an einem sehr schön eingedeckten Tisch, es schmeckt prima, die Bedienung ist weiterhin gut drauf und scherzt mit Tonic-Martin rum (so nennt sie ihn, denn sie hatte ihm, dem Antialkoholiker, beim Sundowner statt eines Tonicwassers nur einen Gin serviert, weil er Gin-Tonic "ohne" bestellt hatte. Auch mit Tulivu hat sie ihren Spaß und umgekehrt, nur verstehen wir da nichts, weil sie sich auf Afrikaans unterhalten.
In bester Stimmung gehen wir ins Bett und schlafen wie die Murmeltiere, morgen früh geht’s wie üblich sehr früh los, Lüderitz - und ein Wiedersehen! - stehen auf dem Programm.
Teil 1026. Mai 2011
So, weiter geht’s – natürlich auch für die Selbstfahrer, die sich angesichts dieser Gruppenreise aus sicherer Entfernung ein bisschen mitgruseln wollen 😛 . Fotos kommen später – und an dieser Stelle sollte ich noch erwähnen (bevor ich eins auf die Mütze bekomme), dass nicht alle Fotos von mir, sondern z.T. auch vom Herrn Gemahl sind.
Samstag, 30. April 2011
Ein neuer Tag bricht an in Aus (wo außer in Namibia kann man 3 Präpositionen so elegant aneinander reihen? 😕 )
Wir bekommen das allerbeste Frühstück der Reise, knuspriges Vollkornbrot, Avocados, Obst, Käse, Wurst, Gebäck, Eierspeisen Säfte usw.....herrlich! Alle sind begeistert und so brechen wir in bester Stimmung auf in Aus nach (ich korrigiere mich, 4 Präpositionen! 😎 ) Lüderitz via Kolmanskop.
Das Diamantensperrgebiet ist öde!!
Ich hatte gedacht, es glitzert wenigstens ein klitzekleines bisschen 😉 . Immerhin gibt es jede Menge "Springbock an Bahngleis"
und einen Raubvogel (Adler?) auf einem dieser dekorativen Strommasten (so wird das nichts mit meinen naturnahen Vogelbildern...). Kann mir jemand weiterhelfen, um welchen Adler es sich handelt – ich hab mal wieder nicht aufgepasst 😗 .
In Kolmanskop erliege ich zum ersten Mal dem Kaufrausch – allerdings auch nur, weil ich einen schönen Kristall sehe, den mein Herr Sohn für sein Referat kurz nach meiner Rückkehr gebrauchen könnte (konnte er, nebenbei bemerkt). Hätte ich gewusst, dass wir noch unzählige Steinverkäufer treffen werden, hätte ich mich sicher wieder nicht zum Kauf entschließen können. Aber so lege ich zum erstenmal meine Namibia-Dollar (😊 die ich mir von meiner Schwester leihen muss, weil ich mein Geld im Bus gelassen habe) auf den Tresen.
Nach einigem Warten werden wir für die Führung in Gruppen eingeteilt – und siehe da 🤩 : die Trenchcoat-Ladies sind auch hier! Immer noch recht fesch die Beiden, alles Ton in Ton, das Twinset in beige passt wirklich gut zum Wüstenstaub, die Haare sitzen auch noch, nur das halbgefrorene Lächeln ist schon ein wenig verrutscht. Kann ja mal passieren bei diesen Rüttelpisten – und der entsprechenden Gruppe! Zusammen mit ihnen sind nämlich ein paar Gestalten unterwegs, die ich jetzt wirklich nicht 2,5 Wochen um mich rum haben wollte – viele von der Marke "spießige Spaßbremsen". Gruselig die Vorstellung, mit denen unterwegs zu sein 🤢 ! Aber jeder wie er es verdient! Man hat jetzt auch nicht gerade den Eindruck, dass es in dieser Gruppe harmonisch oder gar lustig zugeht, leicht pikierte Blicke mit hochgezogenen Augenbrauen sind eher an der Tagesordnung als lautes Lachen – Urlaub als Pflichtprogramm....
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen – wir werden sie noch öfters treffen!
Hier muss ich doch mal kurz was zum Outfit unserer Gruppe sagen (wenn ich schon über die anderen lästere): alle sind sehr sportlich-leger gekleidet, das Chiffonblüschen und die feine Stoffhose, auch die kurzen Herrenhosen mit der gefälligen Sandalen-Socken-Kombi fehlen (im Gegensatz zu der Trenchcoat-Lady-Gruppe), Jeans und die üblichen Krempel- oder Zipphosen herrschen bei uns vor, ein paar der üblichen Wanderausstatter-Labels sind zu sehen, normale T-Shirts, Turn- und Wanderschuhe, ein angenehmes Durcheinander – aber stopp, einen Ausreißer gibt es doch: Achim hat es sich nicht nehmen lassen, mit Tropenhelm nach Namibia einzureisen! 🤪 Hmmm, ein klitzekleines bisschen peinlich das Ganze - seine Damen (er ist wie schon erwähnt mit Frau und Tochter unterwegs) distanzieren sich diesbezüglich auch ein wenig von ihm. Aber er stolziert – das Ganze abgerundet mit stets perfektem Safari-Marken-Oufit – selbstbewusst durch die Wüste. Na ja, sonst hätten Schwesterchen und ich auch nichts zu lästern, wäre ja echt langweilig 😛 !
Zu Kolmanskop haben schon viele was geschrieben, das spar ich mir, außer ein paar Bildchen
und dass es mir gut gefallen hat. Was mir noch besonders in Erinnerung blieb ist Tulivus Bemerkung nach der Besichtigung: "Diese Tante da, diese Gertrud, die wo Sie geführt hat, ist noch eine vom alten Schlag, die spricht nur das Notwendigste mit mir – niemals aber würde sie sich mit mir, einem Schwarzen, an einen Tisch setzen!" Das hat mich dann doch betroffen gemacht....
Diesen Ausdruck "Tante" benutzt er allerdings wohl nicht soooo abwertend wie es sich anhört – offensichtlich unterscheidet er bei dem weiblichen Geschlecht zwischen wichtig (das sind sicher seine weiblichen Verwandten und Freunde, seine weiblichen Gäste und alle weiblichen Tiere), denn von uns und den Tieren redet er immer von "Damen" (die Damen nach rechts auf die Buschtoilette, die Impala-Dame hier vorne....) und Frauen, die ihm eher unwichtig oder unsympathisch sind, das sind die "Tanten"!
Weiter geht’s nach Lüderitz. Dort ist heute ein großes Fest und es ist echt der Bär los. Zuerst aber ziehen wir alle mal wieder Geld, zum erstenmal in der Öffentlichkeit und es ist uns zum Teil wirklich nicht recht wohl dabei, weil eine Unmenge Leute unterwegs sind und es auch noch Monatsende ist, so dass wohl viele einen Teil ihres Gehalts abheben wollen. So gibt es zum Teil ärgerliche Kommentare über uns Touris, die eben ein bisschen langsam sind an diesen fremden Geldautomaten.
Danach geht’s zur Felsenkirche – und da haben wir eine sehr nette Begegnung. Diese Damen warten gerade auf den Beginn einer Hochzeit und nutzen die Zeit, um mit uns zu plaudern.
Am Hafen, wo wir eigentlich Mittagessen wollen, ist alles voll wegen des Festes, Menschenmassen tummeln sich zwischen unzähligen qualmenden Grillstätten.
Also organisiert Tulivu schnell mit einem seiner diversen Handys, dass wir im Nest Hotel essen – auch wenn es schon reichlich spät ist. Das Essen dort ist soweit okay, obwohl die Portionen zum Teil doch recht übersichtlich sind – zumindest der Kaiserschmarrn. Aber immerhin haben wir eine schöne Aussicht, tolles Wetter (kein Nebel), einen lustigen Vogel, der sich sehr wichtig nimmt
und einen gemütlichen Sitzplatz.
Wenn auch nicht lange - unser Sklaventreiber taucht wieder auf: "Okeeee, nach die Mittagessen fahren wir noch schnell zu die Diaz-Point". Haha, das "schnell" bezieht sich höchstens auf seine Geschwindigkeit – das Ganze zieht sich auf schlechter Piste doch ganz schön.
Zur Belohnung dürfen wir in recht karger Umgebung Muscheln sammeln und Robben und die Meeresbrandung betrachten. Der Himmel ist weiterhin klar und superblau.
Auf der Rückfahrt stehen dann noch die Wildpferde auf dem Programm: wir biegen ab
zum überdachten Aussichtspunkt, der mir recht neu und groß erscheint. Es wurde (wird?) auch eine neue Wasserstelle gebaut (laut Tulivu in den letzten 2 Wochen, ein Zeltlager von Arbeitern sowie dieselben sind noch anzutreffen). Hmmm, das sieht noch sehr nach Baustelle, ganz und gar nicht natürlich und für Pferde ansprechend aus – aber wer weiß, was Pferde denken? Auf jeden Fall schauen wir gebannt auf Wasserstelle alt und Wasserstelle neu und harren der Pferde die da vielleicht kommen werden.....
Langsam werden wir ungeduldig, vor allem unsere Reisespezialisten (Kenia, Tansania, SA, wir erinnern uns??) murmeln mal wieder was von Krüger Park und Serengeti und "Tiere zum Anfassen nahe am Auto". Na ja, Pferde werden das wohl kaum gewesen sein dort – insofern hinkt der Vergleich schon mal.
Zu allem Übel wird’s der Sonne bei der Warterei langweilig und sie beschließt unterzugehen. Mist aber auch, wir sitzen hier im Trockenen, kein Gin-Tonic, keine Pferde – das kann einem ja wirklich die Laune verderben. 🙁
Aber wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Tulivu zaubert aus seinem Buskühlschrank eine Flasche Gin, Tonicwater und für jeden einen Plastikbecher. "Machen wir die Sundowner heute hier, zurück zu die Lodge schaffen wir es nicht mehr, okee?". Okeee!! Angesichts der Alkoholika hebt sich die Stimmung ein bisschen – und plötzlich entdeckt einer am Horizont.....Pferde! Es gibt sie also tatsächlich (und ich versuche hartnäckig nicht an die Fotos zu denken, wo große Herden am Wasserloch versammelt sind und miteinander spielen) – immerhin 3 Stück sehe ich durch meinen Zoom. Die Frage ist nur: kommen sie oder gehen sie? Wer will schon aus einer Baustelle trinken? Da sie aber vermutlich keine Wahl haben (abgesehen von natürlichen Wasserstellen, die es zur Zeit fast überall in Namibia im Überangebot gibt), kommen sie zögerlich näher.
Wir werden ganz aufgeregt – es ist aber auch wirklich eine tolle Stimmung, die Sonne steht tief, das Gras hoch und die Pferde sind merklich angespannt. Sie prüfen die Umgebung und entscheiden sich tatsächlich näher zu kommen (vermutlich haben sie Achim mit seinem Tropenhelm übersehen 😄 ).
Das jüngste Exemplar galoppiert gutgelaunt durch die Gegend – yeah – action!!
Sie nehmen sogar einen kurzen Schluck aus der alten Tränke, Kameras klicken, der Gin-Tonic fließt und wir sind alle begeistert - aber natürlich ganz leise, flüsternd, denn wir wollen diese Kostbarkeiten ja nicht vertreiben!
Trotzdem - ziemlich schnell verabschieden sie sich wieder (meine Schwester mutmaßt, dass sie auf Rollen aufgeschraubt sind und der Kulissenschieber gerne Feierabend machen will), wir fotografieren noch eben den restlichen Sonnenuntergang und die beeindruckenden Wolken am Himmel.
Zum Glück wussten wir da noch nicht, dass wir denen morgen wieder begegnen werden!!😃
Dann fahren wir leicht beduselt zurück zur Lodge und zu einem erneut oberleckeren Abendessen!
Fazit: ein rundherum schöner Tag mit gutem Essen, vielen Erlebnissen, einer fast unwirklich anmutenden Stimmung bei den Wildpferden im Sonnenuntergang.
Und dann kommt leider ein völlig verpeilter Kommentar von Achim (und es sollte nicht sein letzter dieser Sorte sein) beim abendlichen Weg zurück zu unseren Doppelhäusern: "Also, ehrlich gesagt stimmt das Preis-Leistungsverhältnis bei dieser Reise nicht – die Unterkünfte sind nicht der Hit und die Ausflüge auch nicht". Da stehe ich nun und verstehe die Welt nicht mehr.....😮
Teil 1102. Juni 2011
Tukuliri schrieb:Hallo Champagner,
Ich würde ja zu gerne mal ein Foto von Achim mit Tropenhelm sehen 🤩
Ich warte sehnsüchtig auf die Fortsetzung, viele Grüße
Tukuliri
Also das mit dem Foto wird nichts, ich bin vorsichtig mit Fotos ohne Genehmigung (oje, jetzt klingelt sicher gleich das Telefon und Schwesterherz ist dran 😛, die hab ich nämlich auch nie um Erlaubnis gebeten!) - aber die Fortsetzung kann ich bieten:
Sonntag, 1. Mai 2011 – Horrorfahrt von Aus zur Sossusvlei Lodge
In der Nacht wache ich an einem Donnerschlag auf - ein Gewitter hängt über uns und es regnet kräftig. Beim Aufstehen morgens tröpfelt es noch, dann reißt der Himmel ein wenig auf.
Wir machen uns Gedanken um die Fahrradfahrer, die gestern schon zahlreich eingetroffen sind und sich nun zur Mountainbike Challenge versammeln. An uns denken wir nicht!😐
Zum Glück wissen wir bei dem wieder sehr leckeren Frühstück nicht, was auf uns zukommt! Wir haben eine 350 km lange Fahrt vor uns – und es ist nun für lange Zeit Schluss mit Teerstraße!
Die Piste, zuerst die C13, ist wieder recht schlecht, Andrea, die auch zu den Hinterbänklern zählt, zieht es vor, zusammen mit ihrem Nackenhörnchen bei uns vorne zu sitzen. Sie hatte vor nicht allzu langer Zeit eine Operation an den Halswirbeln, da trägt das Gerüttel und Gehopse im Bus nicht gerade zur vollständigen Genesung bei... Die anderen bleiben wacker dahinten, obwohl es genügend Platz vorne gibt und Birgit wie jeden Tag ihren Sitz in der ersten Reihe wie Sauerbier anpreist (bitte merken!).
Tulivu bringt uns mal wieder zum Lachen, weil er bei jedem Flug über die Schlaglöcher nach der Landung mit erhobener linker Hand (kann dieser Mann nicht mit beiden Händen lenken? Bestimmt würde man so das eine oder andere Loch besser umfahren können) eine breites "Eeeeentschuldigung" durchs Mikro quetscht. Oft vergisst er danach, das Mikro wieder auszuschalten, und so werden wir Zeuge seiner ausgiebigen Stöhn-Arien, wenn sein armer Bus mal wieder unter der Piste leidet. Martin, der ja bekannt für seine wenigen, aber dann sehr trockenen Kommentare ist, meint bei einer Pause leise: "Mit diesem Gestöhne könnte er locker sein Geld als Synchronstimme für Sexfilme verdienen". Ab sofort kringeln wir uns jedes Mal vor Lachen, wenn Mister Guide mal wieder lautstark leidet! 😄
Es geht weiter nach Norden in Richtung Sossusvlei. Ich frage Tulivu mit meinem im Forum angelesenen Halbwissen, warum wir nicht die D707 fahren. Er grummelt irgendwas von schlechten Pisten und Regen. Okeee, dann eben nicht..... 😵
Schlussendlich ist es vermutlich egal, wo wir fahren – es wird immer hässlicher draußen, dunkle Wolken hängen am Himmel, ein recht stürmischer Wind peitscht das Gras.
Kurz darauf sind wir In Helmeringhausen und machen eine Pause beim Hotel – in diesem Ort steppt der Bär.
Und man fragt sich, wozu man hier ein Hotel braucht, das auch noch renoviert (erweitert, neu gebaut?) wird. Aber es ist sehr nett, wir trinken brav als Ausgleich für den kostenlosen WC-Besuch einen Kaffee – und wir shoppen. Ja, WIR – auch ich werde schwach! Ein sehr hübscher Curio Shop, schöne und dabei spottbillige Ware (wie soll eine Schwäbin denn da widerstehen können??) – und so wechselt eine kleine Giraffe den Besitzer – ich bin glücklich! Meine Schwester, die meine Schwäche für geschnitzte Holztiere kennt, frotzelt: "Ahhhh, die Bele braucht noch was fürs Kripperl!" (ein übriggebliebener Running-Gag aus unserer gemeinsamen Nilreise, bei welcher ein Bayer aus unserer damaligen Gruppe diesen Satz geprägt hat). 😉
Zurück zur Piste, inzwischen ist es die C14. Noch ist es "nur" ruppig, aber immer noch trocken. Das soll sich aber schnell ändern – es fängt an zu tröpfeln, dann regnet es richtig. Die Piste verwandelt sich in ein rutschiges Etwas, man hat das Gefühl, dass der Bus keine Bodenhaftung mehr hat. Schmierseife in saharabeige..... Jawoll, genau so hatte ich mir Afrika vorgestellt! 😗
Hier muss ich gestehen, dass ich ein echter Schisser bin, ich fahre ungern auf Schnee und vor allem Glatteis – warum bitte muss also gerade ich in einem Bus durch Namibia rutschen???? Das stand so nicht im Prospekt ! Dabei hatte ich doch vor dem Abflug mit Freude meine Winter- gegen Sommerreifen tauschen lassen.
Wir schlittern also weiter Richtung Maltahöhe. Der Bus macht was er will, zum Glück ist die Straße recht breit, so kann man ihm seinen Willen lassen in der Hoffnung, dass er irgendwie die grobe Richtung Nord beibehält. Tulivu gibt ihm einfach die Zügel frei – und das bei Tempo 80. Uns kommt der Verdacht, dass unser Guide ein verkappter Selbstmordattentäter ist. 😮
Endlich geht es links ab Richtung Sesriem – ein Blick auf die Karte zeigt, dass wir also schon ein großes Stück geschafft haben – bestimmt haben wir auch das Schlimmste hinter uns. Als geborene Optimistin rede ich mir die Situation schön: sicher, ganz sicher sind die Pisten in West-Ost-Ausrichtung völlig anders, nämlich viel besser als die von Süd nach Nord. Und diese Regenwand, die man dort drüben sieht, zieht bestimmt gerade ab. 🤪
Das mit dem völlig anders stimmt schon.... Inzwischen steht nämlich auch noch jede Menge Wasser auf der Schmierseife – super Kombination.
Die Regenwand zieht weiter, natürlich genau in unsere Richtung.
Es schüttet. Uns kommt kurz nach dem Abbiegen ein Kleinbus des gleichen Tour Operators entgegen. Die Fahrer kurbeln die Scheiben herunter und unterhalten sich mit sorgenvoller Miene. Bisher liefen solche Begegnungen wesentlich lustiger ab, finde ich...
Mensch, denke ich, noch wäre die Möglichkeit umzudrehen und einfach Richtung Norden weiterzufahren, dort sieht man sogar ein bisschen Blau am Himmel, wenn man ganz genau hinschaut. Unsere Söhne sind doch noch so jung, mit 17 und 20 braucht man seine Eltern noch.... Aber Tulivu hat ja einen Auftrag zu erfüllen.
Er schaltet das Mikro ein (kommen jetzt die Lösegeldforderungen?):"Sie haben gesehen, die Straße (Straße???) ist recht schlecht, bitte schnallen Sie sich an, müssen wir heute ja noch zur Sossusvlei Lodge kommen, okeee?" Oweia, jetzt scheint es richtig ernst zu werden. Aber wenigstens hat er seine Waffe noch nicht gezogen.
Es wird immer leiser im Bus, jeder macht sich so seine Gedanken über sein Leben, die vergangenen Jahre ziehen am inneren Auge vorbei. Wir setzen schnell noch eine SMS an unsere Söhne ab. Martin schießt ein Foto von uns mit dem Kommentar: "Sie sehen hier die letzte Aufnahme der Meiers Reisegruppe Mai 2011....." Aber Tulivu hat doch Frau und Kind, er will bestimmt nicht so jung sterben, das kann einfach nicht sein.
Ich schiele zum Notausgang – es kann nie schaden, wenn man den genau im Blick hat – das lernt man doch schon im Flugzeug.
Es kommt uns wieder ein Auto entgegen – von Ferne sieht der Fahrer schon, dass wir mit unserem eigensinnigen Bus eigentlich die ganze Fahrbahnbreite benötigen, also verschlägt er sich nach dem Motto "Der Klügere gibt nach" in die Büsche. Freundlich wie Tulivu nun mal ist (man erkennt Attentäter ja nie auf den ersten Blick) bedankt er sich mit einem Winken bei dem Fahrer - und verreißt dabei das Lenkrad, so dass wir plötzlich quer zur Fahrbahn, aber weiter in Fahrtrichtung schlittern. Tulivu lenkt dagegen, wir machen eine 180°- Drehung (B-Note 5,8) und rutschen andersrum weiter..... Jeder Richtungswechsel wird mit schrillen Schreien aus den hinteren Reihen quittiert – Erinnerungen an Katastrophenfilme werden wach. "PIN - Panik in Namibia" – "Traumreise SOA 737 in Gefahr"... oder so ähnlich. 🤩 🤢
Irgendwie bekommt Tulivu den Bus wieder in den Griff – so halbwegs zumindest und der Ritt geht weiter Richtung Zarishoogte-Pass.
PASS !!! Wir Süddeutschen mit den Alpen in der Nähe wissen nur zu gut, was ein Pass ist. Oweia, bitte nicht auch noch das! Und warum stehen da Warnschilder? 🤩
Straßenarbeiter sind gerade bei der Mittagspause (haben sie wohl heute schon was gearbeitet? Sieht nicht danach aus), Tulivu befragt sie nach dem Zustand der Piste. Ja, was sollen die denn bitteschön sagen? Umdrehen? Den gleichen Horrortrip zurück? Und schließlich tun sie ja so als ob sie die Piste richten! Außerdem: SIE müssen da ja nicht runter... Logischerweise fahren wir also weiter, allerdings hält unser Guide dann doch kurz vor der Kante an – und teilt uns mit, dass er sich für uns opfern wird ( wie sollen wir das seiner Frau und seiner Tochter erklären??). Er wird den Bus alleine da runter fahren, wir sollen hinter ihm gehen, damit er uns nicht erwischt, falls er ins Rutschen kommt. Unsere Plastikbecher (die wir bei den Wildpferden bekommen hatten) sollen wir auch mitnehmen. Wie passt so etwas ins Bild eines Attentäters? Und warum sollen wir ausgerechnet die billigen Trinkbecher retten? Hallo, kann ich nicht noch schnell meinen Laptop aus dem Koffer holen??
Hey, da kommt Freude auf. Wie jeden Tag hat uns Mister Guide am Abend vorher nämlich erklärt, was für eine Strecke und welche Ausflüge vor uns liegen und welches Schuhwerk angebracht ist. Für heute gilt: keine festen Schuhe, alles easy! 😄 Also erscheint Achim im blütenweißen Jogginganzug (wie bitte kann man auf die Idee kommen, so etwas nach Namibia mitzunehmen???), meine Schwester hält sich auch genau an die Vorgaben und trägt Sandalen, ihre festen Schuhe sind im Koffer... Wir ziehen, sofern vorhanden, schnell noch die Wanderschuhe an, steigen aus und sehen unseren Bus zum erstenmal in seiner neuen Farbe – er wurde heimlich umgespritzt, das Weiß war doch recht grell!
Es regnet, der Boden ist aufgeweicht und schön rotbraun, Achims Traum in Weiß bildet kurzfristig (bis er auch umgespritzt wird) einen wunderbaren Kontrast zur schmutzbraunen Umgebung und der Matsch quillt durch Schwesters Sandalen. Ach wie schön ist Afrika...
Der Pass ist eigentlich nur ein halber, denn wir sind nicht hochgefahren – es geht nur bergab – und das nicht mal besonders schwindelerregend. Unten sieht man schon unseren Bus, heil angekommen, und davor ein anderes Fahrzeug. Tulivu hantiert mit irgendwelchen Kanistern rum (Sprengstoff?), später erfahren wir, dass der andere Bus eine Panne hat und von uns Öl bekommt.
Als wir nass und dreckig unten ankommen empfängt uns Tulivu mit einer ...nein, nicht mit einer Schusswaffe, sondern mit einer Flasche Sherry, mit der er die Kristallplastikbecher füllt und so wärmen wir uns innerlich auf. Kann es sein, dass er doch nicht nach unserem Leben trachtet? Aber wie passt das zu seiner Fahrweise? 😕
Nachdem wir mit unseren Schuhen das Innere des Busses großflächig eingeschweint haben geht die Fahrt weiter bis zur Hammerstein Lodge. Unterwegs gibt es Spekulationen, ob diese Aktion "Passrunterlaufen" nun ein Gag war, eine Frische-Luft-und-Bewegung-Einlage oder ob es tatsächlich gefährlich war. Ehrlich gesagt wissen wir es bis heute nicht – Tulivu lässt sich nicht gerne in die Karten schauen.
In der Hammerstein Lodge treffen wir den Pannenbus wieder, er scheint endgültig den Geist aufgegeben zu haben.
Nach einiger Wartezeit gibt es ein recht lustiges Touristen-Mittagessen, eine Kombi aus Sandwiches, kalten Nudeln, die man mit viel Fantasie als Nudelsalat bezeichnen könnte und schrumpeligen, weil zu lange gebratenen Wurstscheiben. Manche meckern – ich bin froh, dass ich überhaupt noch lebe und somit feste Nahrung zu mir nehmen kann – außerdem reichen mir die Sandwiches und die sind sehr lecker!
Den angebotenen Katzen-Besuch lehnen wir ab, uns ist nicht nach gefangenen Tieren und überhaupt wollen wir nur noch pünktlich und sicher in der Sossusvlei Lodge ankommen (und im Nachhinein wissen wir, dass andere weniger Glück hatten) – wir sind ja bescheiden geworden. So freuen wir uns auch über die Springböcke Nr.896 bis Nr.917 am Rande der restlichen Strecke (ein Tierfoto pro Afrikatag muss sein).
Unser Ziel erreichen wir dann am Nachmittag nach einer zwar holperigen, aber nicht mehr so gefährlichen Fahrt bei inzwischen wieder strahlend blauem Himmel. 🙂 Was für ein Kontrast!
Fazit: im Nachhinein kann man sagen, dass wir den Regentag clever im Bus verbracht haben – jetzt kann ich ja wieder große Töne spucken, ich habe überlebt!! 😉 Und Tulivus Auftrag hieß wohl: "Gäste pünktlich in der Sossusvlei Lodge abliefern!" Nicht mehr und nicht weniger... 😄
Teil 1204. Juni 2011
Hallo Barbara,
ich bin auch nicht die typische Gruppenreisende - es kommt ganz auf die Umstände an, ob ich/wir selber ins Auto steigen oder uns chauffieren lassen. Jede Art zu reisen hat seine Vor- und Nachteile. Im Fall Namibia kam aus diversen Gründen nichts anderes in Frage - war aber auf jeden Fall okay so!
In diesem Sinne reisen wir mal fröhlich zu elft weiter:
Sonntag, 1.5.2011: Der restliche Tag in der Sossusvlei-Lodge
Uff, wir sind also tatsächlich in der Sossusvlei Lodge angekommen! 🙂 Der Angstschweiß steht uns noch auf der Stirn – schnell kommt ein Mitarbeiter und bietet uns feuchte Baumwolltücher an. 😎 Kurz darauf gibt es einen sehr leckeren Willkommensdrink und anschließend die Zimmerschlüssel. Hier haben wir den edelsten Empfang bisher.
Wir irren ein bisschen in der Anlage herum, bis wir alle unsere Zelte gefunden haben. Wow, das gefällt mir! Ich habe ja eigentlich immer gerne gecampt, mich aber inzwischen doch sehr an den Luxus eines richtigen Bettes und eines Badezimmers gewöhnt. Dies hier ist ein toller Kompromiss – ich zippe alle Fenster auf und genieße die Aussicht und das Ambiente.
Dann beschließe ich zu duschen – leider vermiest mir mein Mann das Haareföhnen – er ist der Meinung, ich würde damit die Stille in der Anlage stören, was würden denn die anderen Leute denken? 😕 Öhmm, was soll ich dazu sagen? Vielleicht dass die Leute denken, ich föhne meine Haare – falls sie es überhaupt hören....??? 😗 Ich empfehle ihm, ein bisschen spazieren zu gehen, damit wir nicht aneinander geraten. Als ich später seine Fotos sehe, wird mir einiges klar: der Mensch ist auf Technik-Entzug! Das Motorengeräusch des Föhns hat wohl ne Sicherung durchbrennen lassen. 🤩 😈 Zum Glück hat er ein paar schöne Motive gefunden, die Kollegen vor Ort waren schon fleißig.
Es werden ein paar Überlegungen angestellt: vermutlich wäre es recht einfach, die Anlage mit Internet zu versorgen (Recherchen haben ergeben, dass man dazu momentan in die Tankstelle gehen muss!), wenn man da noch ein bissssssschen nachbessern würde. Leider, leider gibt sein Pappkarton im Koffer nicht genug an Material her. Wenn er das vorher gewusste hätte.... 🙄
Nebenbei gabs vom Turm dann auch noch ein paar sehr schöne Übersichtsfotos.
Wir hatten bei Google Earth schon Bilder angeschaut, das sah aber alles grau in grau aus. Frage an die erfahrenen Sossusvlei-Lodge-Besucher: ist da ringsrum in der Trockenzeit tatsächlich nur Staub und Sand?
Frisch geduscht und geföhnt (YES!) lustwandle auch ich durch die Anlage und bin begeistert – ich weiß gar nicht, was ich zuerst fotografieren soll! Ich entscheide mich für Schwesterchen 😉
Natürlich wäre es toll, ein Zelt ganz vorne zu haben, wo man nur noch in die freie Natur blickt – vorsichtshalber bewahre ich den Übersichtsplan gut auf, man weiß ja nie, ob man hier mal privat reserviert....
Im "Biergarten" unter einem große Baum, vor der Bar trifft sich unsere Gruppe so nach und nach, alle sind zufrieden mit der Unterkunft.
Bei einem Kaffee, Bier oder Drink genießen wir die Landschaft und den Sonnenuntergang – aber stopp, hier gibt es doch etwas auszusetzen. Birgit Weitegereist und Achim Nörgel beanstanden dass es a) keine Schirmakazien ("wia bei unsare onderen Ofrikaroisen") gibt (hmmm, hätte man natürlich bei der Reisevorbereitung bereits nachlesen können 🤨 ) und dass b) der Blick in die Landschaft doch wesentlich interessanter wäre, wenn "a baar Giraffa vorbeizia dädet" 😠 .
Das Abendessen versöhnt uns alle – auch wenn wir eigentlich nicht sehen, was wir essen! Die Beleuchtung am Tisch ganz vorne an der Mauer zum Gras ist doch eher dezent, was dem Genuss aber keinen Abbruch tut.
Von dem tollen Essen hier wurde ja schon öfters im Forum geschwärmt – ich kann das nur bestätigen! Die Stimmung am Tisch ist gut, Birgit erheitert uns mit einer ganz frischen Anekdote: Herbert, ihr Mann, hat zuhause emanzipiert und ein bisschen dickköpfig beschlossen, seinen Koffer ganz alleine zu packen, nachdem das Paar wohl über die Kofferthematik heftig aneinander geraten war. Heute Nachmittag nun, wo es endlich richtig warm ist (ja, bisher hatten wir eher moderate Temperaturen, bei denen man ohne Probleme lange Hosen tragen konnte), wollte er eine kurze Hose anziehen. Vorab muss man sagen, dass Birgit eher klein und zierlich und Herbert ein Bär von Mann ist. Herbert holt also seine (einzige) kurze Hose aus dem Koffer und zieht sie an – bis kurz übers Knie, dann erkennt er, dass er in Bayern eine Short von Birgit, die exakt die gleiche Farbe und den gleichen Stoff wie seine hat, eingepackt hat! Wir – inklusive Herbert - schütteln uns vor Lachen bei der Vorstellung wie er mit diesem Höschen in den Kniekehlen hängend ratlos vor seinem Koffer steht! 😄 🤪
Dieses Lachen vergeht uns beim Desert aber nach und nach, denn am Himmel kann man immer öfter kräftiges Wetterleuchten beobachten. Die Optimisten unter uns verlegen das Ganze nach Swakopmund, die Pessimisten erkennen deutlich, dass sich die Szenerie in Richtung Sossusvlei bewegt. Andrea outet sich als Gewitter-Angsthase, und das auch noch in einem Zelt!
Passend dazu hören wir ein Donnergrummeln, das kann ja heiter werden. Schon beim Sundowner hat Achim, der ständig irgendwelche anderen Reisenden anquatscht 😉 , uns erzählt, dass ein Pärchen aus Süddeutschland die ganze vorherige Nacht nicht schlafen konnte, weil ein Unwetter über der Lodge getobt hat (deshalb ist wohl alles so schön sauber, nirgends Staub und die Luft ganz klar!). Gestern sind sie dann nicht bis zum Vlei gekommen, weil alles unter Wasser stand. Für ihn ein schrecklicher Gedanke: "Da geb ich so viel Geld aus (!), komme einmal in meinem Leben hier her und kann dann nicht zu den Dünen fahren". 😮
Sollte uns das gleiche Schicksal wiederfahren??
Teil 1309. Juni 2011
Champagner schrieb: Passend dazu hören wir ein Donnergrummeln, das kann ja heiter werden. Schon beim Sundowner hat Achim uns erzählt, dass ein Pärchen aus Süddeutschland die ganze vorherige Nacht nicht schlafen konnte, weil ein Unwetter über der Lodge getobt hat. Gestern sind sie dann nicht bis zum Vlei gekommen, weil alles unter Wasser stand. Sollte uns das gleiche Schicksal wiederfahren??
Sossusvlei – Montag, 2. Mai 2011
Ja, die Nacht hat es in sich – ein heftiger Wind lässt die Zeltwände und das Dach kräftig flattern. Bei dem Lärm kann man schlecht schlafen, außerdem mache ich mir Gedanken, was dies wohl wettertechnisch für den kommenden Morgen, an dem der Ausflug zu den Dünen geplant ist, bedeuten würde.😕
Aber siehe da: als wir aufstehen, hat sich der Wind beruhigt, und obwohl es noch Nacht ist (natürlich wollen wir auch rechtzeitig zur Toröffnung dort sein), kann man erkennen, dass der Himmel einigermaßen freundlich aussieht.
Frühstück fällt natürlich aus, wir treffen uns an der Rezeption, trinken dort einen schnellen Kaffee und schon geht es los. "Alle da?" - "Jaaa!" "Alle gut geschlafen?" Grummel... "Alle gut gefrühstückt?" Grummel....😠
Am Gate sind wird nicht die ersten....
Aber da unser pfiffiger Tulivu das Permit schon am Abend vorher besorgt hat, sind wir dann doch ganz weit vorne beim Start zur Dünenralley.
Die Geschwindigkeitshinweise sind für unserer Driverguide nur höfliche Vorschläge, die er ebenso höflich missachtet. Ich bete, dass alle Tiere noch schlafen und nicht auf die Idee kommen, diesem Irren in den Weg zu laufen...😃
Tun sie nicht, haben aber alle überlebt!
Seine Begründung für die Raserei: wir wollen ja rechtzeitig zum Sonnenaufgang an einer Düne sein.... Das mit der Sonne ist allerdings so ein Ding: der nächtliche Wind hat doch ein paar Wolken herbeigepustet und die verharren ziemlich hartnäckig am morgendlichen Himmel. Allerdings entstehen dadurch Motive, die nahezu surreal wirken. Dazu noch die Heißluftballons...
Die Sonne erbarmt sich dann aber doch und kämpft sich für uns durch die Wolken! 🙂
Wir machen natürlich auch einen Fotostopp an Düne 45 und fahren dann zum 4x4-Parkplatz. Dort steigen wir in ein "Taxi" ein, das wir für uns alleine haben. Die Fahrt zum Vlei ist sehr schön, überall blüht es und die Dünen zeigen noch Spuren von dem vielen Regen, der zum Glück vor unserer Zeit runterkam.
Auch auf dem Weg ist es zum Teil noch recht nass.
Achim möchte gerne auf die höchste Düne, Big Daddy, steigen. Tulivu muss ihn leider enttäuschen, nix Daddy, Mami ist angesagt - unser Ziel ist Big Mama.
Sche.... Emanzipation, denkt Achim vermutlich 😉 . (Nebenbei: beim Fotosichten für heute habe ich soooo schöne Bilder von Achim mit seinem Tropenhelm gefunden! Schade, dass ich mich nicht traue, sie reinzustellen. Aber eigentlich sind sie auch nicht perfekt – es fehlt noch der Schmetterlingskescher... 😛 )
Wir halten an einem romantischen Plätzchen unter einem Baum an,
Tulivu erklärt uns ein paar Dinge zum Vlei und schickt uns dann hoch auf die Düne – als Belohnung soll es ein Frühstück in ca. 45 Minuten geben. Gesagt getan – wir finden den Ein- bzw. Aufstiegspunkt
und wissen gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Das Vlei ist mit Wasser gefüllt und die Ausblicke werden mit jedem Höhenmeter, den man gewinnt, immer toller.
So vergisst man auch die Anstrengung – wobei ich es mir aufgrund der Berichte hier im Forum schlimmer vorgestellt hatte. Aber vermutlich ist Big Mama sowieso nur eine Herausforderung für Gruppenreisende und nicht für durchtrainierte Selbstfahrer – die erklimmen sicher Big Daddy.
Schweren Herzens machen wir uns auf den Rückweg, es wird auch langsam warm, da die Sonne nun endgültig den Durchbruch geschafft hat. Und wer kommt uns da entgegen? Die Trenchcoatladies mit ihrer Truppe! Wie beim Stadtbummel versuchen sie an Höhe zu gewinnen – da wir ja in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind, weiß ich nicht, wie weit sie es geschafft haben. Wir werden aber abends dank meiner Schwester noch eine interessante Story über diese sonderliche Gruppe erfahren.
Kurz vor dem Ziel (Frühstück!!) rutsche ich in einem Schlammloch aus – und komme gerade noch irgendwie wieder auf die Füße – das wäre ein gelungenes Motiv geworden... Schampus im Matsch! Man merkt, wie viel Nässe noch überall vorhanden ist.
Das Frühstück ist sensationell, liebevoll gedeckter Tisch, leckeres Essen aus dem Korb der Lodge und beste Stimmung.
Wir lassen uns Zeit und genießen dieses einmalige Picknick in traumhafter Kulisse.
Irgendwann wird es Zeit zum Aufbruch – unser Rücktaxi, das Tulivu bestellt hat, kommt pünktlich
und bringt uns zu unserem Bus, dieser wiederum fährt uns zum Sesriem Canyon. Dort wagen wir ein paar Blicke in die Tiefe,
sind aber eigentlich so ausgefüllt mit Eindrücken aus dem Vlei, dass wir nicht böse sind, als wir recht schnell wieder in den Bus gerufen und zur Lodge gefahren werden. Dort genießen wir den restlichen Nachmittag und lassen die Seele baumeln bei Kaffee und Gebäck. Die Glanzstare unterhalten uns dabei,
und dann entdecke ich noch dieses Kerlchen.
Zum Sundowner trifft meine Schwester zufällig den Manager aus der Hammerstein Lodge an der Bar. Er erzählt, dass der grüne Bus der Trenchcoatladies erst nachts bei ihm eingetroffen ist, erstens hatten sie eine Panne und zweitens fährt die Driverin (ja, es ist schon die zweite Frau, die ich als Guide und Driver hier in Namibia arbeiten sehe) vermutlich keinen solch heißen Reifen wie Tulivu (dafür sollte uns später auf der Reise noch der Beweis geliefert werden). Als Folge davon hatten sie nur drei Stunden Schlaf, weil sie ja zwecks Sossusvlei-Besuch morgens um 4 Uhr wieder aus den Federn mussten. Kein Wunder, dass sie so zerknittert aussahen und die Dünen hochgeschlichen sind, die Armen...
Schwesterherz hat auch noch die Reiseleiterin erlebt, wie sie sich gegenüber anderen Guides beschwert hat, nie wieder würde sie mit solch einer Truppe unterwegs sein wollen. Sie selber kommt wohl aber auch nicht sonderlich sympathisch rüber, so dass man sagen kann: jeder wie er es verdient! Oder gleich und gleich gesellt sich gern.
Wir essen wieder im Dunkeln, warten, ob dem Springbock am Wasserloch noch andere folgen (nein! Die Kulissenschieber haben vermutlich Feierabend) und gehen sehr früh ins Bett, mit Schlafmangel von der vorherigen Nacht und mit Aussicht auf frühes Aufstehen am nächsten Morgen (unser Sklaventreiber will uns bei Sonnenaufgang am Frühstückstisch sehen!).
Teil 1416. Juni 2011
Hallo Petra, ich habe seit letzten Freitag zwei quirlige Katzenkinder hier wohnen und diese bremsen mich ein wenig aus, auch wenn sie hier recht friedlich aussehen,
dazu gibt es noch den 5jährigen Kater, dessen Bruder leider kurz nach meiner Rückkehr aus Namibia gestorben ist 🙁 und der sich das bunte Treiben momentan noch mit einem leichten Kopfschütteln anschaut ("die sind wohl auf Speeed, oder wie?" 😮 )
- aber jetzt gehts weiter:
Dienstag, 3. Mai 2011: Fahrt von der Sossusvlei-Lodge nach Swakopmund
Wecken bei Tagesanbruch, Frühstück auf nassen Sitzkissen
und dann noch ein paar letzte genüssliche Minuten in "meinem" Zelt – ich kann mich gar nicht losreißen!
Aber Tulivu kennt natürlich keine Gnade und los geht’s Richtung Norden.
Leider sind uns die tierischen Fotomodelle nicht wohlgesonnen und zeigen uns alle die kalte Schulter (bzw. ganz einfach ihr Hinterteil) 😛 .
Da hilft auch alles Flöten und Säuseln von Birgit nicht: Ah geeeeh, Süüüßer wos bist du fir a hübsches Kerlchen, kooooom, schau doch amol her" usw..... Inzwischen beginnt mich diese Marotte doch ein bisschen zu nerven – ein Blick zu Schwesterherz, die die Augen verdreht 🙄 , zeigt mir, dass ich nicht alleine bin.
Aber immerhin hat der Weißbürzelsinghabicht (wie ich diesen Namen liebe! 😄 ) ein Einsehen und sitzt mal ausnahmsweise nicht auf einem Strommasten!
Wir machen den obligatorischen Stopp in
Dort treffen wir mal wieder unsere Trenchcoatladies (wobei die leider nicht auf dem Foto sind) mit ihrem leicht maroden Bus – der dunkelhäutige Herr ist nicht der Driverguide (das ist wie schon gesagt die Dame mit dem Hut), sondern jemand, der am Bus rumschraubt.
Bitte schaut das Foto genau an – seht Ihr den weißen Plastikschemel als Einstiegshilfe? Was haben wir gelacht! 🤪 Und Tulivi bekommt natürlich heftige, aber ganz und gar nicht ernstgemeinte Kritik von uns, weil wir uns immer so abmühen müssen mit diesem hohen Bus (dabei reicht er uns doch immer so galant die Hand, die wir aber meistens abweisen, weil wir ja alle fit genug und froh über die Bewegung sind, die uns das Aus- und Einsteigen über die hohen Stufen bereitet). 🙂
Auch eine sehr spannende Neuigkeit erfahren wir in Solitaire:
Weiter geht’s – Tulivu donnert mal wieder ohne Rücksicht auf Verluste über die Piste 🤩 und überholt alles, was sich ihm in den Weg stellt (unter anderem auch den Bus der Trenchcoatladies, die Solitaire vor uns verlassen hatten). Zum Glück ist bestes Wetter und so müssen wir heute nicht um unser Leben, sondern nur um unsere diversen Halswirbel und Bandscheiben sowie um unser Gepäck hinten im Bus fürchten (mit gutem Grund, wie sich später zeigen wird). Bei einem Pinkelpausenstopp kontrolliert unser Guide wie schon öfters die Reifen seines Busses mit einem Stock – scheint alles in Ordnung zu sein, okeeeee, es kann unbesorgt weitergebrettert werden.
Wir fahren – wie viele Berichtschreiber vor mir – über den Gaub Pass. Und wir machen auch ähnliche Fotos wie meine Vorschreiben – aber trotzdem:
Es ist einfach zu schön und das Wetter perfekt.
Und siehe da – diese drei Bergzebras drehen uns ausnahmsweise nicht ihr Hinterteil zu, sondern zeigen eine zirkusreife Vorführung (sind da etwa wieder die Kulissenschieber am Werk?). 😐
Dann kommen wir zum Kuiseb Pass. Tulivu macht uns den Vorschlag, den Pass zu Fuß runter zu gehen – wir finden dies eine gute Idee! Hätten wir gewusst, dass wir von einer angriffslustigen Armee von kleinen schwarzen Fliegen verfolgt werden, wären wir sofort dem Bus hinterhergerannt und wieder aufgesprungen.
Aber so marschieren wir mit Kappen und Shirts um uns schlagend runter zu unserem Bus, dem kleinen weißen Fleck auf dem Foto - und versuchen aus der Deckung heraus die Landschaft zu genießen.
Von hinten kommt die grüne Gefahr – der Bus mit den Ladies überholt uns, lässt den Inhalt kurz an einem Viewpoint aus- und schnell wieder einsteigen
und überholt uns auf der Brücke ein zweites mal.
Wir fotografieren das viele Wasser
und als wir zur Weiterfahrt in unseren Bus einsteigen, sehen wir gerade noch die Staubfahne des grünen Gefährts. Oweia, das wird sich Tulivu nicht gefallen lassen – eingestaubt werden von genau diesem Bus.... 😠 Also Fuß aufs Gas - es gibt kaum eine Gegenwehr, ganz zahm fährt die Driverin an die Seite – und wenn ein Bus das Genick einziehen könnte, dann hätte der grüne das getan! 😎
So düsen wir weiter Richtung Walvis Bay und machen natürlich einen Stopp am Vogelfederberg. Eijeijei, das ist – und wird es zum Glück auch bleiben – die mit Abstand ödeste Gegend unserer Reise. 😮
Am Atlantik entlang geht’s nach Swakopmund – aufgrund der Pistenverhältnisse (ups, wo ist die Straße denn?)
entscheiden wir, den Welwitschia Drive inklusive Mondlandschaft ausfallen zu lassen. Dies hätte uns den ganzen Nachmittag gekostet und wir möchten diesen lieber in Swakopmund verbringen. Am nächsten Tag ist nämlich Feiertag, so dass Shoppen (was für einige ja bekanntermaßen enorm wichtig ist) nur heute möglich ist.
Also checken wir im Hansa Hotel ein und sind total baff über die riesigen Zimmer, jeder hat zwei Schlafgemächer und jede Menge Komfort.
Das ist ja schon fast ein Kulturschock!! Und passt irgendwie nicht zu meinem Bild von Afrika – aber dieses wird sowieso durch diese Reise gründlich überholt....
Den Nachmittag verbummeln wir drei bei herrlichem Wetter (ich hatte fest mit Nebel gerechnet, nach all dem was ich hier gelesen habe 😉 ) gemütlich in Swakopmund, schauen uns die braune Brühe an, die der Swakop ins Meer ergießt
und ich finde zu meiner großen Freude auf dem Markt
ein paar hölzerne Erdmännchen, die ausnahmsweise sich nicht verschämt die Pfoten vor den Schritt halten und auch nicht den Eindruck erwecken, dass sie mal dringend müssten...wieder was fürs Kripperl!(Leider kein Foto!)
Abends genießen wir ein leckeres Abendessen
– und die Grünbus-Trenchcoat-Truppe.... Es hat wohl irgendwelchen Zoff gegeben, meine Schwester (mal wieder als erste zum Apéritif in der Bar, hähä) konnte folgendes beobachten, bzw. belauschen: die beiden einzigen Herren der besagten Gruppe wurden von zwei der Frauen in der Bar gestellt: "Wenn Sie sich schon als Assistenz-Reiseleiter aufführen, dann sollten Sie sich auch an die Essenszeiten halten – wir warten bereits auf Sie am Tisch." 😈 Oweh, alleine die Tatsache, dass sie sich noch siezen nach einer Woche sagt viel - und der Ton den Rest.
Uns egal 😗 – bis auf ein paar kleine nervenden Eigenarten von zwei Mitreisenden (Birgit mit ihrer leicht penetranten Stimme + Lache und ihren nicht immer sinnerfüllten Kommentaren und Fragen, sowie Achim, der zwischen manischer Begeisterung und depressiver Enttäuschung schwankt) ist die Stimmung wirklich gut bei uns und es gibt immer ausreichend interessanten Gesprächsstoff oder einfach auch Ruhe im Bus, jeder wie er will.
Leider haben Andrea und Detlef ein Problem - ihre beiden Koffer sind im Laderaum des Busses komplett nass geworden und die Kleidung darin zu einem Großteil auch. Wir tippen zuerst auf die Klimaanlage, aber Tulivu geht der Sache auf den Grund und wir erfahren, was passiert ist: der Fahrer des Camperbusses, der bei der Hammersteinlodge liegen geblieben war (kurz vorher hatten wir ihm schon Öl geliehen unten am Tsarispass), hat unseren Guide gebeten, einen Teil der Fracht mit nach Swakopmund zu nehmen, weil ihnen bis dahin nur ein Kleintransporter zu Verfügung gestellt werden konnte. Kollegen helfen sich natürlich untereinander und so landeten bei uns im Bus zwei große Wasserkanister.... Den Rest kann sich jeder denken....
Die Klamotten werden hoffentlich über Nacht trocknen und wir sicher gut schlafen in diesem Luxus - also ab in die vielen Betten – morgen haben wir volles Programm!
Fazit: zuerst das von Sossusvlei noch: Dort würde ich jederzeit wieder hinfahren, und vielleicht sogar drei Nächte bleiben, einfach bisschen Urlaub machen, ins Vlei fahren zu verschiedenen Tageszeiten und überhaupt.... Hansa Hotel und Swakopmund, erster Tag, nur Town: recht gediegen das Ganze, für diejenigen, die zwischendurch etwas Zivilisation benötigen, sicher ein guter Stützpunkt. Mir schon wieder fast zu viel Stadt.
Teil 1518. Juni 2011
Eigentlich wollte ich ja schon früher weiterschreiben, aber Lizzy war so fasziniert von Mortimers Bericht
Und selbst ihr Brüderlein konnte sie nicht fortlocken
Aber jetzt endlich schlafen sie beide, uff!!
Swakopmund, 4. Mai 2011 – der Vormittag
Ich wache an einem komischen Geräusch auf – ach nee, nicht schon wieder ein Gewitter.😃 Naja, besser jetzt als später....😊
Beim Frühstück lernen wir die liebreizenden Wesen aus unserer Konkurrenz-Reisegruppe ein bisschen näher kennen: Achim, der am Büffet einen Schritt zurück macht, ohne vorher in den Rückspiegel zu schauen, wird von Trenchcoatlady Nr.1 angepfiffen: "Passen Sie doch auf, Sie stoßen an meinen Teller!". 😠 Die Reiseleiterin angelt sich mit bloßen Händen die Frühstücksbeilagen von den Tabletts – die Handhabung von Vorlegebesteck scheint ihr fremd zu sein.🤢 Einfach nur peinlich, diese Truppe! 😗
Wir lassen es uns trotzdem schmecken, die Auswahl ist sehr groß und ich bin begeistert von den Mini-Pilztartes, hmmmm, lecker! Weniger lecker ist das Wetter – als wir zu unserer Katamarantour aufbrechen, kann es sich nicht entscheiden: Sonne oder Regen?
Wir werden von Tulivu nach Walvis Bay chauffiert und dort organisiert er alles für den Ausflug. Und da kommt er auch schon, unser schöner Katamaran namens Silvermoon.
Das Wetter ist weiterhin grenzwertig – schaut man nach Norden, sieht es finster aus, im Süden dagegen können die Optimisten unter uns blauen Himmel entdecken. Der Chef an Bord, Marko, ist gleichzeitig der Mitinhaber – das wissen wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht. Den entsprechenden Artikel lesen wir ganz aktuell am nächsten Tag im Bus:
Auf jeden Fall ist er das Sahneschnittchen Nr.2 auf unserer Reise – zur Erklärung, wie haben ja eine 30jährige Single-Frau dabei, und die schaut natürlich schon ein bisschen genauer hin. 😉
Exkurs: Ich würde allen Sahneschnittchen dieser Welt dringend raten, die Finger von dieser jungen Dame zu lassen. Nein, nein, sie ist nett und gutaussehend, aber sie ist Vaters Tochter, und dieser Vater – Achim – hat mir am zweiten Abend unserer Reise erzählt, mit welch inquisitorischen Fragen und verdeckten Prüfungen er die Schwiegersöhne in spe gleich zu Anfang der Beziehung testet – und damit natürlich auch schnell in die Flucht schlägt (Töchterchen wohnt noch zuhause, wenn auch in der eigenen Wohnung im elterlichen Haus). Ich hatte an besagtem Abend bis zum Ende der Geschichte darauf gewartet, dass er mir mit einem Lachen auf die Schulter schlägt und sagt: "Späßle – bisch drauf raigfalla, gell?!" Hmmmm.....nein – er meint es tatsächlich ernst! Ausgehendes 19. Jahrhundert kann ich da nur sagen..... 🙄
Aber zurück ins 21. Jahrhundert: Dieser Törn gefällt uns sehr gut, mir sowieso, weil ich mich unheimlich gerne auf Schiffen aufhalte – und hier stimmt alles! 🙂
Pelikane sind einfach fotogen und dank ihrer Größe bildfüllend:
Naja, meistens... : über dieses Foto lache ich mich jedes Mal schief:
Ich könnte ja behaupten, dass ich eigentlich die schwimmende Bootsgarage im Hintergrund fotografieren wollte, über die uns Marko einiges erzählt (sie gehört einem der reichen Swakopmunder) und mir der Pelikan ins Bild geflogen ist. Räusper, es war dann doch eher so, dass mir die Garage beim Versuch, einen Pelikan herzuzoomen, ins Bild geschwommen ist! 🤪 Dank des trägen Auslösemechanismus meiner Kamera (oder dank meiner trägen Reaktion) habe ich jetzt aber sowohl die Garage als auch einen niedlichen Federbauch mit Flossen, den ich am liebsten ständig kraulen würde (HILFE, ich klinge ja schon wie Birgit....):P
Natürlich verfolgen uns auch die Seehunde und kommen später unter namibischer Flagge an Bord:
In der Robbenkolonie entdecken wir ein Baby, wie süüüüß 😁 (Birgit lässt güßen)
Marko erklärt sehr ausführlich, man merkt, dass er mit dem Herz dabei ist, seine Freundlichkeit wirkt nicht aufgesetzt.
Die Sache mit den Austern interessiert uns insofern (auch wenn wir sie nicht mögen), als unser französischer Patensohn Aqua-Cultur studiert hat und wir das Thema aus französischer Sicht kennen (dort gibt es große Probleme mit der Austernzucht http://www.stern.de/wissen/natur/frankreich-die-austern-sterben-weg-1584103.html ).
Leider ist es recht frisch und auch zum Teil sehr dunkel, auch die Delphine wollen nicht mit den Wellen des Bootes spielen – aber immerhin sehen wir welche, wir sind ja mittlerweile bescheiden.
Es werden sogar die Segel gesetzt – allerdings frischt der Wind so sehr auf, dass sie wieder eingeholt werden, weil das nun folgende Büffet in Gefahr geraten würde. Ich hatte ja schon vorher gelesen , dass es etwas zum Snacken gibt – aber unsere Erwartungen wurden wirklich übertroffen. So viele Leckereien, dazu Sekt (und niemand aus unserer Gruppe auf dem Foto 😉 )
– und im Anschluss noch Gebäck – wir sind begeistert – und pappsatt und leicht angeheitert am Ende. Übrigens haben wir auf dem Katamaran drei junge Deutsche kennengelernt, die mit ihrem eigenen Fahrzeug unterwegs sind – ich habe sie aufs Forum angesprochen, und einer schreibt wohl auch hier – leider habe ich seinen Nickname vergessen.
Wieder an Land geht es schnell zurück ins Hotel, denn nach einer kurzen Pause geht es für sechs von uns gleich weiter zum nächsten Highlight des Tages: ein Flug über Sossusvlei und Küste!
Teil 1621. Juni 2011
Swakopmund, 4. Mai 2011 – der Nachmittag
Im Vorfeld des Swakopmund-Aufenthaltes haben sechs von uns (Achim, seine Tochter Sabine, meine Schwester, mein Mann, Detlef und ich) beschlossen, einen Rundflug bis zum Sossusvlei und zurück über die Küste zu machen, sofern man dies irgendwie ins Programm pressen könnte.
Man konnte: Tulivu bemühte bereits auf der Fahrt nach Swakopmund eines seiner zahlreichen Handys und organisierte uns den Flug inklusive Shuttle. Da in ein Flugzeug nur 5 Passagiere passen, melde ich mich freiwillig bereit, mit einer anderen Gruppe mitzufliegen. Der Hintergedanke: unserer Kinder sind bei einem Absturz dann wenigstens nur Halbwaisen.... 😊 Die Piloten werden ja wohl nicht so blöd sein, die beiden Maschinen ineinander rasseln zu lassen, oder? 😮
Wir machen uns mit dem superpünktlichen Shuttle auf den Weg zum Flughafen – unterwegs müssen wir im Büro aber erst zahlen. Dort erfahren wir, dass mich mein Pilot schon erwartet, weil seine Gruppe abgesehen von meiner Wenigkeit vollständig ist. Also sollte man sich eigentlich beeilen, aber Achim hat mal wieder nichts besseres zu tun, als noch einmal aus dem Fahrzeug auszusteigen und in Seelenruhe ein Foto zu machen (wie schon öfters.....). Meine Schwester und ich rufen ihm daher leicht genervt zu, er möge doch endlich einsteigen. 🤨 Seine Tochter antwortet uns ebenso leicht genervt (die Missstimmung beruht also auf Gegenseitigkeit, vermutlich findet sie unser Verhalten genau so bescheuert wie wir das von ihrem Vater): Ihr müsst ihn doch nicht immer rufen, er weiß das doch selber.😠 Aha! Aber Wissen und entsprechendes Handeln liegen eben manchmal weit auseinander. Der aufmerksame Beobachter merkt, dass sich nach und nach kleine Gereiztheiten einschleichen – Lagerkoller?? 😈
Beim Flughafen angelangt hetze ich zu meiner Crew – es handelt sich um 4 Franzosen, die in einer geführten Kleingruppe Namibia gegen den Uhrzeigersinn bereisen. Nun spricht der Pilot zwar Englisch, aber kein Französisch, bei den Franzosen ist es umgekehrt.😐 Okay, dann kann ich ja dolmetschen, da ich beide Sprachen für den Hausgebrauch beherrsche. Dies beschert mir den Platz neben dem Piloten – er meint, dann könne ich alles, was er sagt, nach hinten weitergeben.
Das Flugzeug sieht innen schon recht verratzt aus 😮
und als ich nachher die Fotos aus der anderen Maschine sehe, weiß ich, dass ich mir das nicht eingebildet habe.
der Pilot erscheint mir seeehr, seeeehr jung – darf der überhaupt schon alleine fliegen? 😐 Und außerdem: das Wetter hat sich seit heute Vormittag nicht wesentlich gebessert...🤢
Blöde Gedanken schießen mir durch den Kopf: wird meine Restfamilie die Lebensversicherungspolice finden? Wer macht meine Ablage, die ich natürlich vor dem Urlaub nicht mehr erledigt habe? Die Steuer? Wer kümmert sich nachhaltig um die Katzen? Um die Pflanzen? Was passiert mit den ganzen ungeklärten Fälle in meinem Zweitjob?
Aber niemand interessiert sich für meine Probleme und schon starten wir. Meine vorsichtige Frage an den Piloten, ob es überhaupt Sinn macht, bei diesem Wetter – fette schwarze Wolken hängen Richtung Sossusvlei am Himmel rum – in die Luft zu gehen, wird mit einem Kopfnicken und einem Lächeln quittiert. Naja, der hat gut lachen, er hat daheim auch sicher nicht so viele ungelöste Probleme wie ich....:(
Wer jetzt meint, ich fliege nicht gerne, der täuscht sich. Früher war ich ein richtiger Flug-Junkie, es gab nichts Schöneres als Flüge mit vielen Zwischenlandungen, ich fand alles an Bord überaus spannend und überhaupt nicht furchteinflößend. Aber damals hatte ich noch keine Familie – und keine unerledigte Ablage... 😄
Außerdem strapaziert man bekanntermaßen pro zusätzlichem Flug, den man im Laufe seines langen Lebens absolviert, zunehmend die Statistik – vielleicht hätte ich das eine Semester Wahrscheinlichkeitsrechnung doch besser einfach ausfallen lassen sollen???? 😕
Trotz all dieser negativen Gedanken entspanne ich mich langsam, zumindest habe ich den Start überlebt – das soll ja schon eine der größten Gefahrenquellen sein. Mein Dolmetscherjob gestaltet sich ein wenig schwierig, erstens ist es dermaßen laut in dieser Kiste (ist dieser Lärm eigentlich normal oder liegt es am Alter der Maschine, an defekten Motoren 🤩 ???) , so dass meine Stimmbänder stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Und Zweitens beschränkt sich meine Aufgabe hauptsächlich darin, die Namen der Sehenswürdigkeiten, die wir überfliegen, nach hinten weiterzugeben . Eine richtige Konversation kann so natürlich nicht aufkommen – schade eigentlich.
Trotzdem erfahre ich am Schluss des Fluges, dass die Franzosen kein Glück mit Tiersichtungen hatten, keine Elefanten, keine Löwen im Etosha. Antilopen und Giraffen, ja, das schon. Okay, ich wäre schon froh über eine Giraffe! 🙂
Wir überfliegen die Ödnis, durch die wir gekommen sind,
den Kuiseb entlang
über Gobabeb,
sehen den Kuiseb Canyon wieder,
und bekommen tolle Einblicke in die Namibwüste. Die Anordnung der Dünen und die farblichen Kontraste – verschiedene Grüntöne, roter Sand, beiger Sand, graue Felsen, Wasser sind wunderschön!
Man gewinnt einen völlig neuen Eindruck aus dieser Perspektive. Schade, dass die Sonne selten scheint und die Kontraste daher nicht sehr stark sind.
Nach einem recht langen Flug, bei dem das Wetter zwischendurch richtig schlecht ist
erreichen wir das Sossusvlei. Es ist ein tolles Erlebnis, von oben alle Stellen wiederzuerkennen, an denen wir vor ein zwei Tagen schon waren.
Die Zufahrt zum Shuttle-Parkplatz,
unsere Big Mama
das Ganze im Überblick
und zusätzlich sehe ich sogar das Deadvlei auf diese Weise noch!
Was wir noch nicht wissen: am Tag darauf wird es wieder nicht möglich sein, in das Vlei zu fahren – kein Wunder bei den Wassermassen, die unterwegs sind! So richtig wohl ist es mir weiterhin nicht – denn inzwischen blitzt es rings um uns herum und wir fliegen im Regen zurück Richtung Heimat.
Wir werden durchgeschüttelt, die Tankanzeige flackert rot auf, der Pilot dreht an irgendwelchen Knöpfen und Schaltern – ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass so eine Maschine sicher auch ohne Motor im Gleitflug landen kann. Hmm, so ganz sicher bin ich mir aber nicht. 😊
Ich werde abgelenkt von den Wracks, zuerst die Eduard Bohlen weit weg von der Küste
und dann die Shaunee am Strand.
Wir sehen Dünen, die ins oder aus dem Meer „wachsen“.
Die Sonne kämpft sich durch, und je mehr wir nach Norden fliegen und, desto besser wird es. So ein Glück - ich hatte nämlich schon schreckliche Visionen vom Zustand der morgigen Strecke nach eventuellen neuen Regenfällen...
Walvis Bay
Und endlich kommt Swakopmund bei inzwischen wieder schönem Wetter in Sicht – 2,5 sehr interessante, aber auch (nervlich und temperaturmäßig) anstrengende Stunden gehen zu Ende.
Wir landen sicher, das Flugzeug mit den anderen 5 ist auch schon da.
Schnell zurück ins Hotel (alles ist wunderbar organisiert und klappt pünktlich), duschen (Angst- und sonstiger Schweiß wird abgespült) und dann wartete Tulivu vor dem Hotel auf uns, um uns zum Essen auszuführen. Er warnt uns, dass es mindestens eine halbe Stunde zu Fuß sei und fragt Sabine, ob sie ihre hohen Schuhe wirklich anlassen wolle. Aber Schönheit muss leiden – also marschieren wir ohne Schuhwechsel los. Das war mal wieder ein typischer Tulivu-Gag: nach 5 Minuten sind wir da! Unser Ziel ist die Kupferpfanne
– ein originelles Lokal, allerdings finde ich persönlich das Essen zu wuchtig (z.B. eine dicke Sahnemehlsoße am Gemüse). Tulivu hat da aber keinerlei Probleme - er gönnt sich eine Schweinshaxe. 🤢
Fazit des heutigen Tages: tolle Katamaran-Tour, unbedingt zu empfehlen. Flug auch sehr eindrucksvoll, leider hat das Wetter nicht ganz mitgespielt – dadurch war die Sicht und damit die Möglichkeit zu Fotografieren, ziemlich eingeschränkt. Aber trotzdem sehr empfehlenswert, so ein Flug! Hansa Hotel sehr luxuriös, Essen dort sehr gut. Kupferpfanne sehr originelles Lokal, das Essen war mir für abends aber zu schwer.
Die beiden Programmpunkte an einem Tag waren natürlich ein bisschen heftig – aber es hat vom Timing her perfekt geklappt und verarbeiten muss frau das dann eben später (z.B. indem sie einen Bericht im Namibia-Forum schreibt 😛 ).
Teil 1726. Juni 2011
Donnerstag, 5. Mai 2011 – unser längster Fahrtag (Teil 1)
Heute wird es fahrtechnisch richtig anstrengend werden! Zum Glück wissen wir das beim Frühstück noch nicht und genießen noch mal so richtig das Büffet des Hansa-Hotels – und amüsieren uns insgeheim über die schlechte Laune der Trenchcoatlady-Truppe. 😛
Von Tulivu erfahren wir, dass deren Bus nun endgültig den Geist aufgegeben hat und ausgetauscht wird. Sie sind uns ab da auch nicht mehr unterwegs begegnet – schade eigentlich!:(
Los geht’s auf der Salzpiste Richtung Hentiesbay. Unterwegs gibt es mal wieder ein Wrack zu bewundern – bei tollem Wetter!
Überhaupt: was soll eigentlich das dauernde Gerede hier im Forum von Nebel und Kälte in Lüderitz und Swakopmund? Sonnenschein, strahlend blauer Himmel und angenehme Wärme – so sieht das aus, wenn Engel reisen... 😄 😛
Gleichzeitig ist im Sossusvlei mal wieder Land unter – man kann es sich kaum vorstellen! Ich bin wirklich froh, dass es trocken ist, denn die Salzpiste ist schon bei diesem Wetter nicht angenehm zu fahren – ich möchte nicht wissen, wie man in diesen Spurrillen rumeiert, wenn es regnet.😮
Als wir von unserem Strandausflug zurückkommen, erwartet uns diese Überraschung hier:
Das gibt natürlich ein großes Gelächter! 🤪 Keine Ahnung, wo Tulivu die organisiert hat (es sind zwei) - er behauptet aus dem grünen Bus, aber der Schemel dort war doch weiß?
In Hentiesbay wird fürs heutige Picknick eingekauft und am Ortsende erklärt uns Tulivu dann noch die Bedeutung des Galgens: Man "hängte" früher symbolisch diejenigen, die den Strand und den Ort mit ihrem Müll verunstalteten und fotografierte sie. Angeblich droht diese Strafe noch heute jedem, der seinen Abfall nicht wieder mitnimmt. Hentiesbay ist auch tatsächlich ein sehr sauberer Ort. Gar keine schlechte Idee also! Vielleicht sollte ich mal Kontakt mit unserer Stadtverwaltung aufnehmen?? 😐
Wir biegen rechts ab Richtung Uis und die Landschaft wird wieder sehr eintönig. Plötzlich steigt Tulivu in die Eisen – niemand versteht warum! Kein einziger Adler kreist über dem Bus, null Oryx auf halb neun, keiner hat eine Pinkelpause verlangt. Was hat er also entdeckt?
Ein Chamäleon! Keine Ahnung, wie er so kleine Tiere bei seinem Höllentempo überhaupt rechtzeitig erkennt – aber er tut es! Wir sind begeistert von dem kleinen Kerlchen, es wechselt auch tatsächlich mehrmals die Farbe.
Schau mir in die Augen, Kleines!!
Dann hat es genug von der Busgruppe 😉 und marschiert von dannen - auch seine Bewegungen sind sehenswert! Im Gleichschritt - marrsch!
Der nächste Stop ist auf Höhe des Brandbergmassivs – welches ich sehr imposant finde – bei einem Mineralien-Stand, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht.
Unsere Freunde, die extraterrestrischen Zombies, auch Sattelschrecken genannt, sind auch schon da (vermutlich mit Ufos eingeflogen) – sie klettern frech auf den großen Mineralien herum. 😮
Bähhhh..... ich mag sie immer noch nicht – und ich glaube nicht, dass wir noch Freunde werden. Trotzdem erstehe ich Bergkristall Nr.3, in Swakopmund habe ich nämlich auch einen schönen gefunden – aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei.... Wenn das so nichts wird mit dem Referat von Sohnemann – wie dann?
Weiter geht’s nach Uis. Dies Straße ist.....na ja, sagen wir mal fahrbar. Das Problem unserer heutigen Route ist folgendes: eigentlich ist laut Tourplan vorgesehen, zur Damara Mopane Lodge zu fahren, die ein gutes Stück östlich von Khorixas liegt. Außerdem soll an diesem Tag, oder am nächsten, der Versteinerte Wald besichtigt werden. Twyfelfontein, Orgelpfeifen und verbrannter Berg auch am nächsten Tag. Nun ist es aber so, dass die Pads in der Gegend von Twyfelfontein momentan sehr sehr schlecht sind, so dass die Fahrerei dort eine Tortur ist und viel Zeit kostete. Das nächste Problem: die Strecke von Khorixas nach Palmwag, die wir dann sinnvoller Weise Richtung Grootberg Lodge nehmen sollten, ist kaum befahrbar. Sogar heute noch ist nur eine 30 km lange Umleitung vorhanden, die wohl provisorisch geschoben wurde, als sich die ursprüngliche Straße dank des Regens verabschiedet hat.
Aus den aktuellen Straßenzustandsberichten: C39 Between Twyfelfontein & Palmwag There is an approx. 30km detour, to bypass a washed away road section. Please drive slowly! 23.05.2011
Also sind wir gezwungen morgen über Kamanjab zu fahren. Dass Ganze wäre viel weniger kompliziert, wenn man wie bisher bei der Reise in der Twyfelfontein Lodge übernachten würde, die liegt ja mitten in dem Gebiet mit den gruseligen D-Pads. Aber nein, man nächtigt jetzt in der Damara Mopane Lodge, die für dieses Programm eher ab vom Schuss liegt. Ich denke mal, bei guten Streckenverhältnissen spielt das keine so große Rolle, aber zur Zeit fährt man ungern mehr als nötig. Begründung für den Wechsel der Unterkunft laut Tulivu: es gibt dort bessere Konditionen.
Okeeee, Tulivu entscheidet, dass man die Tour umstellt. Heute werden alle Punkte um Twyfelfontein herum "abgehakt", auch mit dem Risiko, später als ihm lieb ist in der Lodge anzukommen (er hasst es nach eigenem Bekunden, erst nach Einbruch der Dunkelheit in einem Quartier einzulaufen). Dadurch gewinnt man für morgen und somit für die Grootberg Lodge viel Zeit, kein Hin- und Zurück auf den schlechten Pisten, zumal man nicht weiß (na ja, Tulivu wohl schon), wie es auf der Streck zum Grootberg Pass aussieht. Zudem ist Regen für den nächsten Nachmittag vorhergesagt – na dann.....
Wir biegen also auf die D 2612 ab
– und schon wird’s rustikal. 🤩
Das sollte auch die ganze Zeit so bleiben – man kann sich leicht vorstellen, in welchem Tempo wir voran kommen. Außerdem heißt es natürlich wieder ständig auf der Hut sein, damit man die richtige Körperspannung für die Schlaglöcher aufbaut. Achim, der wie üblich als Beifahrer fungiert (das ist okay für uns, er drängelt sich da nicht vor), holt sich mal kurz ein Wasser und wird nachlässig - als er ganz entspannt wieder auf seinen Platz steigen will, muss Tulivu wegen eines Lochs bremsen – und Achim landet kopfüber auf seinem Platz. 😛 Da er sich nichts getan hat, gibt es natürlich großes Gelächter. 😄
So kämpfen wir uns zu unserem Picknickplatz inmitten von tollen Granithaufen (und diversen Fliegenschwärmen 😠 ) durch. Der Anblick ist mal wieder wunderschön: das silberne Gras im Wind, der blaue Himmel mit den Deko-Wolken, die Granitfelsen, die Bäume. Überhaupt: der Bewuchs hat sich auf der Fahrt nach und nach stark verändert, aus der öden Wüste nach Hentiesbay wurde grünes Land mit richtigen (Mopane)Bäumen. So sieht das schon besser aus!
Aha, und Elefanten soll es hier auch geben? Wer's glaubt wird seelig....
Teil 1826. Juni 2011
5.Mai 2011 - Teil 2
Nun geht es weiter nach Twyfelfontein.
Wir fahren um 14 Uhr auf den Parkplatz ein und während wir aussteigen, schaut Tulivu konzentriert mit dem Fernglas übers Tal zu den Berghängen. Und dort – ganz ganz weit entfernt am Fuße der Anhöhen – sind Wüstenelefanten! 🙂
Man kann sie mit bloßem Auge kaum oder nicht erkennen, die gezoomtem Fotos aus der Hand sind natürlich ziemlich unscharf.
Aber: ich habe Wüstenelefanten gesehen – yes! Und fotografiert – noch mal yes! Es gibt sie also tatsächlich! 🤪
Achim ist der Meinung, dass man sich sofort in den Bus setzen und sie verfolgen sollte. Ich persönlich kann mir gar nicht vorstellen, wo man da fahren sollte – sie sind ja mitten in der Landschaft, da sieht nichts nach Piste für einen Bus aus. Tulivu lässt sich auch nicht auf diese Idee ein und bringt uns zu der Führung. Es ist gar nicht viel los - die meisten Touristen kommen wohl vormittags wegen der Hitze - so war es bei uns ja auch geplant.
Mir gefällt es jetzt schon...
Er erklärt uns, dass er in der Nähe bleibt, um uns zu helfen, falls es zu felsig und unwegsam wird, aber er würde in Distanz zum Guide bleiben, weil diese es wohl nicht leiden können, wenn Tour-Guides dabei sind. Außerdem weißt er uns darauf hin, dass die Wanderung für unsere Kniekranken eventuell zu schwer wäre.
Ich habe hier und in anderen Berichten im Internet ja schon davon gelesen, dass die Guides z.T. eher missmutig ihr Werk verrichten. Wir haben aber viel Glück: Janet ist voll motiviert und erzählt ununterbrochen – ihr Wissen plätschert nur so aus hier heraus – eine Janet-Fontein, nix Twyfelfontein 😉
Sie spricht englisch, flicht aber ein paar Brocken deutsch ein. Bei dem Haus von David Levine, dem damaligen Farmer, das nur noch eine Ruine ist, erklärt sie, dass dieses nicht restauriert wird. "Kabuddd is kabudd!" 😄 Das kam so lustig raus, sie hatte auch noch ein schelmisches Grinsen dabei im Gesicht! Meine Schwester entscheidet an diesem Punkt, nicht weiter mit zu gehen, ihr Knie tut weh. Mir rutscht dazu ein "Kabuddd is kabudd" raus. 😛
Im Nachhinein muss ich sagen: viel Wind um nichts, Tulivu hat ein bisschen übertrieben, was den Schwierigkeitsgrad betrifft und ihr wohl unnötig Angst gemacht. Das Ganze war eher ein Spaziergang – ich fands sehr schön, die Strecke und die Gravuren!
Auch wenn Achim, der Nörgler der Meinung ist, dass es sich hier um ein Fake handelt, touristisch gut vermarktet...🤔
Mir gefällts trotzdem (außerdem gebe ich nichts auf sein Gemunkel) – Janet erklärt wirklich mit Herzblut, sie erzählt uns von der rituellen Bedeutung der Gravuren, von Schamanen, die in Trance geraten, und dass dies nichts mit Drogen zu tun hat, sondern dass die Tiere ihnen als eine Art Vehikel dienten, z.b. der Löwe mit dem Knickschwanz, der auch auf der Dienstkleidung als Abzeichen aufgenäht ist. Sie schildert das alles sehr eindrücklich und mit vielen Details - und ich könnt mich in den Hintern beißen, dass ich nicht besser aufgepasst habe – ich bekomm das nicht mehr alles zusammen. 😊
Beim Weitergehen frage ich sie, wie sie zu diesem Job gekommen ist. Sie ist wohl schon als Schülerin hier unterwegs gewesen und später mit den Führern mitgegangen, weil sie diese Fundstätte so fasziniert. Als es dann für sie die Möglichkeit gab, hier zu arbeiten, hat sie natürlich zugegriffen.
Ich finde alles sehr interessant, dazu das schöne, nicht zu heiße Wetter, die Sonne steht nicht mehr sehr hoch, dadurch haben wir weiches Licht. Und dann – sehen wir sogar die Wüstenelefanten noch einmal! Auf einer dieser Metallplattformen stehend entdecken wir sie wieder im Tal – sie marschieren recht flott und sind weiter nach rechts gezogen. Janet sagt, dass sie erst in den letzten Tagen wieder im Tal aufgetaucht sind.
Ewig schaue ich durch mein Objektiv, zoome mir die kleine Herde mit den Jungtieren heran und bin ganz fasziniert. Ich mache ein paar – auf Grund der Entfernung sehr schlechte - Aufnahmen, und die müsst Ihr euch jetzt anschauen, ob Ihr wollt oder nicht. Aber ich bitte um Nachsicht – es sollten meine einzigsten Elefanten auf dieser Reise sein, so viel kann ich schon verraten.... 🙁
Die Elefanten sehen rund, satt und zufrieden aus (hihi, sofern man das aus dieser Distanz beurteilen kann) - ihnen ist es bestimmt schon lange nicht mehr so gut gegangen wie dieses Jahr!
Irgendwann bekomme ich einen Rüffel – ich blockiere nämlich die ganze Mannschaft hinter mir, die sich an der schmalen Treppe nicht vorbei traut, weil sie Angst hat, mir ins Bild zu geraten. Uuups, ich hab doch nur geschaut – und war richtig in Trance – meine Droge heißt Wüstenelefanten! 😊
Überhaupt habe ich festgestellt, dass ich mich mit dem Blick durch die Linse ziemlich gut abschotten kann – die Leute um mich herum mit eventuell nervigem Gelaber nehme ich dann gar nicht richtig wahr. Sie mich aber wohl schon – ich denke, einige sind von mir manchmal genervt - wie auch in Twyfelfontein – weil ich (unbewusst und unabsichtlich) die besten Plätze zum Fotografieren oder Beobachten blockiere. Mea culpa.....!! 😗
Abgesehen von den Elefanten gibt es noch ein anderes schönes Tier zu sehen, bisschen kleiner, aber dafür wesentlich näher da - ganz frech kackt es auf das Weltkulturerbe 🙂
Tulivu macht am Ende der Führung Druck, es ist schon spät, 15.30 Uhr, und es steht noch viel auf dem Programm. Wir Damen flitzen noch schnell aufs Klo, die Kauflustigen werden aus dem Shop gezerrt und dann geht’s wieder ab in den Bus. Schnell noch ein Foto vom gängigen Twyfelfontein-Motiv, leider von der falschen Seite (habs erst hinterher gemerkt)Die Farben sind aber hüben wie drüber so schön ;-):
Tschüss Twyfelfontein - mir hats hier richtig gut gefallen!
Im Bus quengelt Achim wieder: Tulivu soll die Elefanten suchen! Achim hat nämlich noch schnell mit der Gruppe aus einem anderen Bus auf dem Parkplatz gesprochen – DEREN Guide ist angeblich ins Gelände gefahren und sie haben die Elefanten gaaaaanz nah gesehen. Das mag jetzt stimmen oder auch nicht – aber man sieht von der Straße aus sowieso überhaupt nichts mehr von ihnen. Man wüsste also gar nicht, wo man suchen sollte. Also fährt Tulivu unbeirrt weiter. Achim ist stinkesauer.....Immer wieder tuschelt er jedem zu, dass der andere Guide das viel besser gemacht hat und so weiter - bla bla bla..... 😵
So wie ich Tulivu kennen gelernt habe, hätte er sicher auch Elefanten"jagd" betrieben, wenn es möglich gewesen wäre oder Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.
Und wenn man es mal ganz anders rum betrachtet - aus der Optimisten-Perspektive sozusagen 😉 : hätte Tulivu die Tour nicht umgeplant - wer weiß, ob die Wüstenelefanten am nächsten Morgen überhaupt in der Gegend und dann auch zu sehen gewesen wären... ?!?
Die nächsten beiden Sehenswürdigkeiten hätte man für mein Gefühl – vor allem unter dem Aspekt des Zeitdrucks – ausfallen lassen können. Jeder ahnt was ich meine: Verbrannter Berg
und Orgelpfeifen.
Okay, ich habs gesehen und für gut befunden – aber es zieht mich nicht – im Gegensatz zu Twyfelfontein – in seinen Bann. Vor allem bei diesem Geholper dorthin. Tulivu ist aber pflichtbewusst und will seinen Kunden das bieten, was im Plan steht – schließlich musste er ja schon die Mondlandschaft ausfallen lassen.
"Okeee, alle fertig mit Fotografieren?" Es ist 15.51 Uhr. Weiter geht’s zum Versteinerten Wald, wir fahren/rumpeln/holpern wieder fast eine ganze Stunde durchs Gelände. Bei sehr tief stehender Sonne kommen wir dort an, es ist schon 16.50 Uhr.
Trotzdem werden wir freundlich empfangen, unser Guide ist ein nettes Kerlchen, er spricht englisch und peppt seinen Vortrag mit ein paar Brocken Deutsch auf.
Leider bin ich inzwischen in einen Allbernheitsmodus geraten, irgendwas ist wohl beim letzten Schlagloch in meinem Hrin durcheinandergeschüttelt worden.😜 Als der Guide dann bei den hier auch ansässigen Welwitschias mehrfach und mit Nachdruck das Geschlecht der Pflanze erklärt: "This is ein Weibsen und this ist ein Männsen" kann ich mich kaum mehr beherrschen – dummerweise schaue ich in diesem Moment Elke ins Gesicht. Ihr geht es wohl ähnlich, und so schüttelt mich ein unterdrücktes Kichern durch. 😄
Meine Schwester ist auch schnell angesteckt – und so verläuft der Rest Führung nicht mit dem ihm gebührenden Ernst ab. Und ich kann bis heute leider die Welwitschia nicht in weiblich und männlich unterscheiden..... Selber schuld!B)
Die versteinerten Bäume sind dann aber doch sehr interessant, ich komme wieder ein bisschen runter und lasse mich von dem Alter und dem Aussehen sowie der Herkunft der Fossilien beeindrucken. Als Schwäbin, die in einem Schwarzjuragebiet wohnt und quasi mit den dortigen Fossilien aufgewachsen und entsprechend geprägt ist, weiß ich eine solche Sehenswürdigkeit natürlich besonders zu schätzen! 😁
17.20 Uhr geht es weiter, die Sonne steht schon sehr tief, was für ein schönes Licht und wir sind hier die einzigsten.
Jetzt nur noch schnell zur Lodge. Denkste – Tulivu besteht auf einem standesgemäßen Sundowner! Es kostet mich einige Nerven, wie er auf hügeliger, holpriger Piste eigentlich nur in den Rückspiegel schaut und den Stand der Sonne beobachtet – die Unebenheiten und eventueller Gegenverkehr scheinen untergeordnete Bedeutung zu haben. 🤩 Dummerweise ist die Sonne schon hinter einem Hügel verschwunden – also müssen wir uns einen erhöhten Ort suchen, damit wir sie noch einmal sehen. Ohne Sonne keinen Alkohol!
Wir schaffen es – ohne im Graben zu landen finden wir einen geeigneten Standplatz – mitten auf der Straße, aber wer außer uns ist jetzt auch noch freiwillig unterwegs?
Wir packen unsere geschmackvollen Plastikbecher aus und leeren die Sherryflasche.
Das Suchen hat sich gelohnt (nicht wegen des Sherrys 😉 )!
Danach lassen wir uns gottergeben in der Dunkelheit weiter durchrütteln - und das noch einmal 1 Stunde lang! Zwischendurch schaltet Tulivu plötzlich seine Scheinwerfer und auch die Innenbeleuchtung aus – mit viel Trara schaltet er sie wieder ein – und was sehen wir? 😎 TEERSTRASSE! Uff, wenigsten wird das Gerüttel abgestellt und wir können den Rest der Strecke etwas entspannter zurück legen.
Das Einchecken in der Lodge geht recht zügig voran, dann gibt es auch gleich Abendessen. Wir sind alle ein bisschen verwettert von der langen Fahrt und so will es uns nicht durchgängig schmecken. Die Anlage selber finde ich ziemlich steril, die grünliche Beleuchtung eher deplaziert.
Mit Achim gerate ich noch fast aneinander. Die meisten aus unserer Gruppe haben sich wenig bis gar nicht mit unserer Route und den Unterkünften beschäftigt. Ich dagegen habe die Reiseunterlagen quasi auswendig gelernt und viele Bewertungen zu den Lodges gelesen - aus reiner Vorfreude. Also gebe ich auf der jeweiligen Strecke mein Halbwissen zum Besten, wenn ich danach gefragt werde (ja, Lehrer, ich weiß, lästig.... 😉 ) – in diesem Falle bringe ich die Tatsache zur Sprache, dass die Lodge ganz neu und erst seit November geöffnet ist.
Achim behauptet stur und fest, dass das nicht stimmt, man würde doch an den Fenstern sehen, dass die Lodge schon älter sei und sicher nur letztes Jahr renoviert wurde – und überhaupt sei ja alles schon recht vergammelt. Nein, ich versuche ihm zu erklären, dass dies eben Afrika ist, sicher hat man die Fenster irgendwo recycelt – er beharrt aber weiterhin auf seinem Standpunkt! 😵
Wie schade, dass ich Google Earth nicht zur Hand habe – damit wäre der Beweis einfach, die Lodge gibt es dort noch nicht zu sehen. Was wäre das für eine Genugtuung, Achims Gesicht zu sehen!!! 😛
Müde und ein bisschen schlecht gelaunt fallen wir in die Betten. Morgen dürfen wir als Ausgleich für den harten Tag heute etwas länger schlafen!:)
Teil 1929. Juni 2011
Freitag, 6.Mai 2011 – Fahrt zur Grootberg Lodge
Wie gesagt: wir dürfen ausschlafen (wobei ich eh keine Langschläferin bin), das Tor der Lodge werden wir um 9.30 Uhr hinter uns lassen. Wir sind aber schon seit 7 Uhr unterwegs – die Macht der Gewohnheit – und fotografieren ein bisschen.
Die Gärtchen – neu angelegt, nicht kürzlich renoviert 😗 – sind hübsch, die Bepflanzung ist sehr unterschiedlich und in Kleingärtnermanier tauschen wir uns über "unser" Gemüse und die Blumen aus.
Der Gärtner, den ich um Erlaubnis für ein Foto frage, will unbedingt strammstehen....😁
Das Frühstück haut uns nicht um – zumal wir die Frühstückshallen recht ungemütlich finden. So kommt auch schnell der Spruch auf: Abfahrt um 9.15 Uhr auf Gleis 3.;)
Die Malaria-Prophylaxe wird diskutiert: Detlef und Andrea werfen schon – ohne uns was zu sagen, tztztz - seit gestern Abend Malarone ein, Herbert und Birgit nehmen meines Wissens nichts – oder tun es stillschweigend und beteiligen sich nicht an der repräsentativen Umfrage. Achim, Elke und das Töchterlein verweigern die Einnahme, weil sie wohl auf einer ihrer anderen Afrikareisen schlechte Erfahrungen in Richtung Dauer-Übelkeit gemacht haben.🤢 Meine Schwester fängt beim Frühstück mit der Prophylaxe an, Martin interessiert – so ist mein Eindruck - das Thema überhaupt nicht, entweder nimmt er heimlich was oder Malarone ist noch nicht bis in den Osten der Republik vorgedrungen *duck*....:P
Ich beschließe, die Kombination "Prophylaxe per Gin Tonic + Malarone als Stand-By" zu testen, mein Mann ebenso.
Nach dem Frühstück steht ein gaaaanz wichtiger Programmpunkt an: Shopping! 😄 Der kleine Souvenirladen gefällt uns recht gut, Birgit findet endlich "a Bluserl", was genau genommen ein Safarihemd mit dem Schriftzug der Damara Mopane Lodge ist, diverse Halskettchen und Armbänder wechseln den Besitzer, man hat endlich mal Zeit, sich in Ruhe umzuschauen.
Und dann geht’s weiter. Alle gut geschlafen? Jaaaa! Alle gut gefrühstückt? Naja.....🤔
Die Strecke führt uns nach Kamanjab, dort müssen wir dringend tanken und gegenüber gibt es eine öffentliche Toilette mit Duschen. Wir Damen begutachten das Ganze und beschließen, dass wir uns auf die Toiletten beschränken werden 🤢 – dort ist Teamwork angesagt, weil die eine Tür ständig nach außen aufgeht.
Danach geht’s noch in den Tanke-Shop – und die Augen meines Mannes leuchten auf. Das ist ja beinahe ein kleiner Baumarkt! 🙄
Spaten, Mausefallen, alles was das (Männer)Herz begehrt! Das Frauenherz entdeckt eine wunderschöne Giraffe, so eine mit mattfarbenem Körper, bei der das Muster eingebrannt ist. Aber sogar ich muss sagen, dass sie eine Nummer zu groß ist. Schweren Herzens lasse ich sie im Laden stehen – zumal ich mir ja geschworen hatte, erst dann eine (richtig große – die Babygiraffe aus Helmeringshausen zählt natürlich nicht) Holzgiraffe anzuschaffen, wenn ich eine in Echt gesehen habe.
Zurück am Bus die böse Überraschung – die Kiste will nicht mehr anspringen! 😮 Es hätte uns ja auch gewundert, wenn wir bei diesen Bedingungen ohne Probleme durchgekommen wären. Aber wir haben ja Achim!;) Endlich kann er mal aktiv werden und seine Energien in sinnvolle Bahnen lenken (habe ich schon erzählt, dass er ständig am Aufstehen, Hinsetzen, Aus- und Wiedereinsteigen, Fotografieren, Quatschen ist?).:P
Während Tulivu den Anlasser betätigt, bedient Achim die manuelle Benzinpumpe – der Tank war nämlich so leergefahren, dass auch in den Leitungen Luft war. Plötzlich springt der Motor auch wieder an – und Achim hat sein Erfolgserlebnis! Unser Retter!!😂
Weiter geht’s Richtung Grootbergpass und gleich nach Kamanjab wird die Strecke wieder extrem schlecht, Wasser, Wasser, Wasser. Mit allen seinen Begleiterscheinungen.... 🤩 Wir kommen mal wieder sehr langsam voran.
Trotzdem freuen wir uns über jedes afrikanische Tierchen (das sollte sich allerdings bei einigen von uns am Abend und in den beiden Nächten auf der Grootberg Lodge ändern!) – endlich erwische ich, wenn auch unscharf, mal eine Gabelracke, bevor sie aus meinem Bild herausfliegt.
Dieses Kälbchen hat ganz lockiges Fell - süüüüß! Wann sieht man daheim schon mal so nette Kühe?
Plötzlich meldet meine Schwester (mit nur halblauter Stimme - sie hat nämlich Angst, eine Fata Morgana oder das Werk ihrer geliebten Kulissenschieber zu sehen und nun zum Gespött der Truppe zu werden): Giraffen! Und tatsächlich: Auf halbzehn schauen zwei Köpfe aus dem dichten Bewuchs! Achtung Suchbild 😉
Hee, anhalten, umdrehen, in die Tanke nach Kamanjab fahren, Giraffe kaufen – ich hab nun eine in Echt gesehen, ich darf jetzt....!!!
Nichts da, ich bleibe ganz ruhig und zücke nur meine Kamera – lebendige, freilebende Giraffen, gleich zwei Stück! Ist das nicht toll? Wir beobachten und fotografieren die Beiden eine Weile, dann kommt ein Fahrzeug aus der Gegenrichtung und gibt uns den Tipp, dass es ein Stück weiter noch mal Giraffen an der Straße hat. Neeeiiiin, bitte nicht weiterfahren, die sind sicher verschwunden, bis wir kommen....!!
Ich liebe diese Plüschohren , die Augen mit den beneidenswert langen Wimpern 😘 (was gäbe ich dafür!),die kleinen Hörner, die ja eine Art Geweih sind, die langen Beine (was gäbe ich dafür!) diesen Schwanz mit dem schwarzen Bommel (okay, auf den würd ich eventuell verzichen).
Sie sind friedliche Tiere (serafe, arabisch = lieblich!), Vegetarier, leise und verständigen sich durch Infraschall über große Distanzen. Eigentlich das perfekte Haustier – wie kann ich nur meine Nachbarn davon überzeugen – schließlich steigen sie ja mir nichts dir nichts über läppische Zäune (also die Giraffen, nicht die Nachbarn, die sind alle Ü80) 😄 ??? Okay, aber wenn ich schon keine mitnehmen kann, möchte ich sie wenigstens noch eine Weile in Ruhe anschauen!
Pech gehabt- Tulivu gibt Gas, tschüss, war nett euch kennen gelernt zu haben – und in meinem nächsten Leben werde ich eine Giraffe! 🤪
Vier Fahrminuten später auf der linken Seite (wie praktisch, dass ich links sitze – Ihr erinnert euch an meine schlechten Eigenschaften beim Fotografieren?): 3 Tiere sind schon aus der Ferne zu erkennen!
Diese drei Wesen sind immer wieder in Bewegung, schauen über die Straße
und Tulivu zeigt uns den Grund: rechts befindet sich ein Giraffenbulle und will irgendwie über den Zaun und die Straße kommen.
Tulivu bittet uns, ganz ganz ruhig zu sein, damit sich der Bulle vielleicht trotz unserer Anwesenheit traut. Er traut sich nicht! Aber wir können die vier Hübschen in Ruhe beobachten und fotografieren (und ich scheue mich auch nicht, nach rechts zu wechseln um den Bullen zu knipsen 😉 ).
Damit der Stress für die Königskinder, die zusammen nicht konnten kommen, nicht noch größer wird, fahren wir weiter.
Okay, der Tag ist bereits um 12 Uhr gerettet – ich habe Giraffen gesehen - sechs Stück - alles Weitere ist Zugabe! 🙂
(Fortsetzung folgt – aber nicht mehr heute)
Teil 2030. Juni 2011
Oh Alex, du hast immer so Ideen... 😄
Aber weiter gehts:
Fortsetzung "Fahrt zur Grootberg Lodge", 6.5.2011
Vorbei an Termitenhügeln (ja, wir wissen immer noch jedes auch noch so kleine afrikanische Tierchen zu schätzen, notfalls auch nur seine Behausung!)
und Pavianen
nähern wir uns dem Grootberg-Plateau.
Die Wettervorhersage scheint zu stimmen – es ziehen ein paar dunkle Wolken durch die Gegend.😠
Von den Giraffen ab gerechnet erreichen wir in einer Stunde den höchsten Punkt des Grootberg Passes
und damit den unteren Parkplatz der Grootberg Lodge.
Der Mitarbeiter an der Schranke hat einen nervenaufreibenden Job 😛 – die meiste Zeit verbringt er wohl mit Warten. Wir warten auch eine halbe Stunde, bis unser Taxi kommt und uns über den sehr holprigen Weg nach oben bringt.
Dort angekommen sind wir begeistert über diese Aussicht! 🤪
Ich hatte ja hier schon viel darüber gelesen, aber in Wirklichkeit ist es doch noch einmal anders. Man schaut und schaut und schaut und verliert sich in diesem Tal. Die totale Einsamkeit.
Die Häuschen werden verteilt und bezogen,
danach werden wir zu einem späten Mittagessen erwartet. Zwischendurch bleibt Zeit, um ein bisschen zu fotografieren.
Ich bin ja ein großer Fan von den Rock Dassies und wünsche mir so sehr, wenigstens eines davon auf der Reise zu sehen und möglichst auch zu fotografieren. In den vielen Steinen rund um den Pool entdecke ich diese possierliche Tierchen und lichte sie ab. Ich bin happy 🙂 – endlich habe ich meine Klippschliefer gefunden!
Hmmm, beim Kontrollblick aufs Display kommen mir Zweifel. Irgendwie sehen sie anders aus als auf euren Fotos im Forum. Ich gehe zu zwei der Lodge-Mitarbeiter, die in der Nähe sind, und zeige ihnen zur Bestätigung meiner Hoffnung die Fotos. Sie kichern los: nein, das sind Dassie Rats! 😄
Okay, wenn ich das nächste Foto genau anschaue, entdecke ich auch die Ähnlichkeit mit einer Ratte (auch wenn sie wohl weder Ratte noch Maus sind). Peiiiinlich.....!😊
Die eine Dassie Rat hat eine hässliche Narbe - vermutlich eine Bisswunde.🤢
Aber ich gebe nicht auf – durch mein Objektiv entdecke ich wieder kleine Tiere im Fels - und dieses mal habe ich Glück! Das sind definitiv Klippschliefer! 🙂 Familie Rock Dassie wird von einem Vogel begutachtet, die Eltern turnen fröhlich zwischen den Steinen und auch auf der Tonne hinter der Hütte herum.
Was gucksch du?
Nach einer Weile verspürt eines der Dassies ein dringendes Bedürfnis.... Es klettert nach oben
Hmmm, ja hier riecht es nach Toilette
Hee, lass mich in Ruhe mit deiner Kamera!
Ich geh mal lieber eine Stufe höher, hier sollte dringend mal wieder geputzt werden!
So, besser, hier kann ich in Ruhe mein Geschäft verrichten!
Ich habe jede Menge Spaß dabei, diese netten Tiere zu beobachten!😁
Jetzt aber schnell zum Essen. Es gibt zwei oder drei Gerichte zu Auswahl, für die wir uns beim Einchecken hatten entscheiden müssen. Die ursprünglich 6 Gerichte stellen sich zum Großteil als nicht vorrätig heraus. Die Nudeln mit einer fruchtigen Tomatensauce sind zwar kalt – aber so was von lecker! Ich glaube, mir hat auf der ganzen Reise nichts so geschmeckt wie diese Pasta, vor allem die Sauce ist ein Gedicht. Nicht auszudenken, wie das Ganze warm schmecken würde 😉 (vielleicht sogar schlechter?).
Wir bekommen eine kurze Erklärung: in den Hütten gibt es abgesehen von der Beleuchtung keinen Strom - zum Akkuladen und zum Föhnen (mal wieder das leidige Thema 😉 ) soll man zur Rezeption kommen. Heißes Wasser gibt es aus den Donkeys, die von den Mitarbeitern angefeuert werden. (Ich dachte, dass das jeden Tag geschieht, aber da sollte ich mich täuschen!). Aber es ist ja erstaunlich, wie an diesem Ort fernab jeglicher Zivilisation überhaupt eine solche Lodge stehen kann!!
Morgen steht das Elefanten-Tracking auf dem Programm – für das Frühstück kann man zwischen zwei Varianten wählen, gesund oder mit Eiern usw... Wir sollen uns jetzt schon entscheiden, damit morgen alles früh und schnell hingerichtet werden kann und wir pünktlich ins Tal fahren können. (Grau ist alle Theorie.... 😉 ).
Heute haben wir den Rest des Nachmittags frei – wenn wir eine Wanderung übers Plateau machen wollen, sollen wir einen Guide zur Begleitung mitnehmen. Hmpf, das hatte ich im Forum anders gelesen.🤔 Eigentlich würde ich gerne nachher mal ganz für mich alleine ein bisschen herumstreifen, aber wenn das so ist....eine solche Aktion mit Guide ist mir dann doch zu offiziell. Tja, den Grund für diese Maßnahme werden wir morgen erfahren und übermorgen hören!😮
Also schauen wir uns noch in Ruhe auf dem Gelände um, richten uns in unseren Hütten ein, duschen mit dem restlichen (!) warmen Wasser aus dem Donkey und lassen die Seele baumeln. Die Sache mit dem Spaziergang hätte sich sowieso schnell erledigt, denn die dunklen Wolken nehmen zu,
der Adler beschließt zu landen
und dann fängt es heftig an zu regnen. Oje, wie gut dass wir schon hier sind und die kritischen Pisten hinter Kamanjab und die Fahrt hoch zur Lodge nicht im Nassen absolvieren mussten!
Leider entdecke ich in unseren Betten eine Unzahl von kleinen schwarzen Fliegen – oder sind es kleine Käfer? Für mich ein Problem – nach einem Frankreichurlaub, in dem wir von Bettwanzen quasi zerfleischt wurden und wochenlang mit den juckenden Quaddeln, sogar auf den Augenlidern, zu kämpfen hatten, bin ich traumatisiert. 🤩
Ich kämpfe also mit allen verfügbaren Mittelchen gegen die Tiere an, kehre sie vom Bett – aber sie kommen aus allen Ritzen wieder anmarschiert. Naja, da werde ich mich wohl mit ihnen arrangieren müssen. Unsere großen Panoramascheiben haben leider auch keine Fliegengitter wie bei den anderen Hütten – also kann man auch nicht richtig lüften. Aber es regnet ja eh....
Für das kurzzeitig schlechte Wetter werden wir mit einem Regenbogen und toller Beleuchtung belohnt.:)
Noch ein Tier sehen wir beim Sundowner: der schöne Falter ist süchtig nach Bier und lässt sich kaum davon abhalten, in die Gläser zu tauchen.🤢
Beim Abendessen ergibt sich ein Problem – es ist kein Trinkwasser in Flaschen mehr vorhanden. Offensichtlich gibt es auf Grund der schlechten Pisten Lieferengpässe - wie schon mittags beim Essen zu bemerken war.
Tulivu ist das sehr unangenehm, und so verschwindet er eine zeitlang. Zurück kommt er mit etlichen Wasserflaschen aus unserem Bus – er ist mit einem der Guides noch mal die schlechte Strecke runter zum Parkplatz gefahren. Leider bringt er auch eine Wolke von Benzingeruch mit – der Allradwagen der Lodge hatte wohl einen undichten Kanister geladen... 🤢
Unser Tourguide will uns nicht mit seinem Geruch den Appetit verderben und verschwindet vom Tisch. Das ist uns wiederum unangenehm – schließlich hat er sich ja für uns geopfert! Auf der anderen Seite wissen wir, dass er in jeder Lodge Kumpel hat und den Abend natürlich lieber mit denen als mit uns verbringt.;)
Die Angestellten singen und tanzen – ähnlich wie auf der Anib Lodge – und lassen ein Körbchen für Trinkgeld herumwandern.
Das Abendessen ist unspektakulär – nicht super toll, nicht wirklich schlecht. Nach ein paar Verdauungsgetränken geht’s ab ins Bett.
Fazit 1 (Nachtrag zum Tag zuvor): Die Fahrt mit den vielen Programmpunkten war sehr anstrengend, man hätte wie gesagt Orgelpfeifen und Verbrannter Berg streichen können, um das Ganze etwas zu entzerren, aber Vertrag ist Vertrag, hat Tulivi gedacht. Damara Mopane Lodge konnte bei mir nicht punkten: erstens, und da kann sie natürlich nichts dafür, weil sie nicht gut in unsere abgeänderte Tour gepasst hat. Zweitens fehlt mir das Flair, außerdem bin ich keine große Freundin von diesem Grün, das dort überall zu sehen ist (ich meine nicht das Gras und die Bäume).
Fazit 2: heute mal eine schön kurze Strecke zu fahren, verziert mit Giraffen (und endlich kann ich mein Avatar ändern, jipiiee!), die wir gar nicht erwartet hatten. Das sind die schönsten Tiersichtungen - die Überraschungen! Die Mitarbeiter der Grootberg Lodge sind alle super freundlich und irgendwie so goldig in ihrer teilweise unperfekten Art - gerade das macht das Ganze aber so sympathisch! Aussicht spektakulär, auch die Holzveranda ist ein Traum! Leider war es recht kühl, so dass man nicht ganz entspannt draußen sitzen konnte gegen später (es wurde aber innen gegessen). Essen naja, aber ich bin kein Maßstab, da ich eigentlich auf Fleisch nicht scharf bin und eher das Drumrum esse.
Teil 2102. Juli 2011
Samstag, 7.5.2011
"Auf der Suche nach den Wüstenelefanten" oder "Die Hoffnung stirbt zuletzt"
Ich schlafe schlecht, eigentlich möchte ich mein Bett nicht mit unzähligen kleinen Tieren teilen 😠 – ständig juckt es mich, wobei ich weiß, dass dies Einbildung ist (die Bisse der Bettwanzen damals hatten wir überhaupt nicht gespürt, das Gemetzel fand während unseres Tiefschlafes statt und es graust mich heute noch bei dem Gedanken, dass diese Biester ohne mein Wissen auf meinem Gesicht herum spaziert sind! 🤩 )
Okay, das hier sind keine Wanzen – also keine Panik! Ich nutze die Gunst der Stunde und gehe mitten in der Nacht auf die Terrasse. Der Himmel ist sternenklar – die Chance auf gutes Wetter am nächsten Morgen ist also groß!
Draußen mache ich eine ganz neue Erfahrung: ich höre NICHTS! Kurz spiele ich mit dem schrecklichen Gedanken, dass ich über Nacht taub geworden bin! 🤨 Ich schnipse mit den Fingern – uff, ich kann noch hören! Aber es gibt in dieser Einsamkeit wirklich kein einziges Geräusch.... so eine Stille habe ich bewusst noch nie erlebt. Fast unheimlich.....😐
Ich kuschele noch ein bisschen mit meinen Tierchen im Bett 😛 und dann ist es endlich Zeit, aufzustehen. Hmmm, kaltes Wasser beim Zähneputzen.... stimmt, ich habe auch nicht gesehen, dass geheizt wurde. Das bisschen warme Wasser gestern war wohl noch von unseren Vormietern. Egal, ich will eh nicht duschen, also schnell anziehen! Ich bin früh dran und kann noch in Ruhe fotografieren, es wird langsam Tag – das Wetter sieht super aus, wie gut!
Schließlich haben wir heute Großes vor – wir begeben uns auf die Suche nach den Wüstenelefanten!😁 Freudig gespannt finden wir uns alle um 7 Uhr zum Frühstück ein – das aber noch längst nicht fertig ist. Es dauert ewig, bis für alle Toast gemacht ist. Die Aufteilung nach gesundem und ungesundem Frühstück, das ja mit großem Aufwand gestern bestellt werden musste, ist auch nicht wirklich durchschaubar, endlich, als wir uns schon am Toast satt gegessen haben, stehen Schalen mit Obstsalat und Müsli auf dem Tisch und jeder kann zugreifen.
Die ungesund Lebenden bekommen noch Eier, Tomate und Wurst, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, auf ihre Teller. Es gibt eine Diskussion, ob denn nun jeder vom Obst nehmen darf, kurz gibt es leicht giftige, bzw. beleidigte Untertöne – Futterneid! Dabei reicht es am Ende locker für alle....Es wäre einfacher gewesen, das alles auf einen Tisch zu stellen, ohne Bestellung, und fertig... Geschmeckt hat es aber insgesamt sehr gut!:)
Beim Müslimampfen erfahren wir, warum Elke und das Fräulein Tochter völlig zerknautscht aussehen: die beiden haben zusammen in einem Häuschen mit einem richtigen Doppelbett geschlafen (Achim hat das Chalet mit dem 1,40 m breiten Bett bekommen), weil Sabine Angst hatte, in dem nicht verschließbaren Zimmer alleine zu nächtigen.... Wie alt war sie gleich noch mal, 5... oder 10....? 🙄 40 war’s glaub....:P Da ist meine Schwester doch wesentlich tougher..... aber klar, die ist ja auch schon Ü50!
Die beiden Damen waren aber wohl nicht alleine in der Nacht, sondern teilen sich das Chalet mit einem Nagetier – so hatten sie sich das auch nicht vorgestellt! 🤩 Dauerndes Rascheln und Knacken - und als sie nachschauen, woher die Geräusche kommen, grinst sie eine Ratte (ich vermute eines meiner Fotomodelle) aus dem Dachgebälk an 😁 . Das war’s dann mit dem Schlaf! Sie sind sichtlich froh, dass sie diese Nacht überstanden haben! Ich leiste Abbitte an meine Fliegen, die immerhin keinen Ton von sich gegeben haben...
Nun müssen wir auf die Fahrzeuge verteilt werden. Es stehen zwei an der Zahl zur Verfügung, eines ist das "Taxi" von gestern, geschlossen, allerdings mit z.T. fehlenden Seitenscheiben, total verratzten Sitzen, an denen sich Schrauben durch die Polster bohren. Seit gestern Abend auch noch mit Eau de Gasoil parfümiert.... Da bin ich nun wirklich nicht scharf darauf und ich beeile mich, einen Platz in dem offenen Gefährt zu finden. Die anderen denken auch so.
Die Letzten beißen die Hunde – unser weitgereistes Ehepaar aus Bayern steigt alleine in den geschlossenen Wagen ein. Ich bin ehrlich gesagt recht froh darüber, denn auf so engem Raum könnte es anstrengend werden, einen Tag lang das Gesülze von Birgit zu ertragen (Herbert schweigt ja meistens, der wäre nicht das Problem, aber die Beiden treten nur im Doppelpack auf).
Und los geht’s! Matze Klein checkt die Lage: Hän die hier Händi-Empfang?
Ja, sie hän, aber erst als wir auf dem höchsten Punkt mit Sichtverbindung zum Funkmast auf dem gegenüberliegenden Berg sind (laut Tulivu und den Angestellten gibt es in der Wäscherei, die etwas höher liegt als die Chalets, sogar immer Empfang). Danach geht’s wieder runter zum Parkplatz (Augen zu und durch, dabei aber doch einen schnellen Blick auf die Sicht ins Tal werfen) 🤩
ein kurzes Hallo zu unserm Bus (er und Tulivu haben heute frei) und dann brettern wir über die uns bereits bekannten Pisten.
Nach ca. 20 Minuten biegen wir rechts ab ins Gelände - cool!😜 Wir machen einen Stopp an einem See,
unser Guide sucht vom Dach des Fahrzeugs die Ebene nach Elefanten ab. Nichts zu sehen.....
Auch die Spurensuche ergibt nichts.
Unsere Tour geht weiter durch wunderschöne Landschaft, das Wetter ist perfekt. Nach jeder Kurve warten wir, dass ein Elefant auftaucht! Aber weit gefehlt – nichts zu sehen. Naja, es ist ja noch früh am Tag, kein Problem.... Achim allerdings schiebt bereits nach 2 Stunden Frust – er ist dafür, die Aktion abzubrechen. Das sei doch alles nur Theater, dieses Spurensuchen, jeder wüsste, dass es keine Elefanten hier gibt. Der Rest der Gruppe kann nur den Kopf schütteln und genießt die Fahrt im offenen Wagen.
Wir sind irgendwo zwischen der C40 und der D2667 unterwegs, ab und zu fahren wir auch ein Stück auf diesen. Immer mal wieder steigt der Tracker aus und "liest" die Spuren
oder sie steigen beide aufs Dach und prüfen die Gegend von oben.
Aussehen tut das ja irgenwie schon klasse, oder?
Irgendwann machen wir einen Stopp an einem Elefantenkratzbaum, dort gibt es auch Elefantendung (laut Achim alles hindrapiert)- aber keinen frischen 🙁 ! Eigentlich ein sehr idyllisches Plätzchen!:)
Mittagspause machen wir auf einem Campground, leider habe ich den Namen vergessen und auf dem Foto ist nur sehr wenig Aussagekräftiges zu lesen. Aber vielleicht erkennt jemand den Platz und klärt mich auf? Er liegt wenn ich mich richtig erinnere an der C40 – ohne Gewähr!
Der Aufenthalt ist sehr interessant für uns Lodge-Reisende – jetzt kann ich mir eher die Beschreibung von Campsites in Euren Beiträgen vorstellen. Man hat ja tatsächlich ein Plätzchen für sich alleine, eine Spüle, eine Toilette, eine Dusche. Unsere Guides prüfen die Sanitäranlagen, bevor sie uns den Platz zur Mittagspause freigeben. Es ist alles sehr sauber, überall sind diese wunderschönen Granithügel – hmmm, da könnte es mir auch gefallen!😁 Es kommen Erinnerungen hoch an früherer Zelturlaube auf Korsika.
Unser Lunchpaket von der Grootberg-Lodge ist gut gefüllt – meine Schwester und ich geben einen Teil an die Guides ab, die sich sehr darüber freuen.
Eher ungewöhnlich sind die vielen Pferde auf dem Campground! Die Erklärung: es sind die Pferde der Grootberg Lodge, die seit kurzem hier untergebracht sind. Warum? Weil auf dem Grootberg Plateau eine Stute mit ihrem Fohlen von einem Löwen gerissen wurde! 🤩 Den Betreibern der Lodge war es zu gefährlich, die Pferde weiter dort unterzustellen, also wurden sie umgesiedelt. Reiten ist also auf der Lodge nicht mehr möglich! Und Wanderungen ohne Guide auch nicht mehr – zu gefährlich! Uhhh, das klingt ja doch spannend!😮
Nach der Pause suchen wir weiter – und fangen an zu halluzinieren: in jedem Granithügel erkennen wir einen Elefantenrücken... der da
nein, der da links unten, hinter dem Strauch, das ist doch einer!
Wir fahren bei vielen Bauern vorbei,
einmal halten wir direkt in irgendwelchen Schlachtabfällen an, der Gestank ist unbeschreiblich 🤢 ! Unser Guide steigt seelenruhig aus, lässt uns in unserem Unglück alleine und fragt, ob die Anwohner die Wüstenelefanten gesehen haben.
Der eine zeigt in diese, der nächste in die andere Richtung. Vor ein, zwei Tagen sind sie dorthin gezogen. Aha.... also wieder einsteigen und - ENDLICH - weiterfahren. Wir sind am Ersticken! Die Auswertung der Fährten durch unseren Tracker sagt auch nichts anderes – die Spuren sind ein, zwei Tage alt.
Die ganzen Informationen bekommen wir aber immer erst nach Rückfrage – die Herren sind ein bisschen maulfaul. Vielleicht wollen sie uns auch einfach nur keine schlechten Nachrichten übermitteln? Schlau werden wir aus ihrem Palaver auf jeden Fall nicht.
Achim ist sich sicher, dass sich unser Guide gar nicht nach den Elefanten, sondern sich nach dem Ergehen der Kumpels und ihren Familien erkundigt und dabei gleich zu einer großen Familienfeier am Sonntag einlädt. Überhaupt ist er derjenige, der alles negativ sieht: das Ganze ist schlecht organisiert – warum bilden die vielen Bauern mit ihren Handys nicht eine Informationskette?
Mit seinem Genörgel verdirbt er uns den Genuss der schönen Landschaft, das gute Gefühl des Fahrtwindes im Gesicht, die Hoffnung, nach der nächsten Biegung doch noch einen Dickhäuter zu sehen. Witziger ist da Martins Kommentar zu einem Hinweis eines afrikanischen Passanten, der die Elefanten irgendwo gesehen haben will: "Där lüüügd, ich genn mich aus mit Görbersproche, ich schau rägelmäßig "Lie to Me" (ich musste daheim auch erst mal nachschauen, was das ist) 😉 !"
Aber auch diese Erkenntnis hilft uns nicht weiter – unsere Suche wird immer rustikaler, wir verlassen die Pfade und fahren wirklich über Stock und Stein.
Aufpassen muss man auf die Dornbüschen, die ständig ins Wageninnere gepeitscht werden – klarer Vorteil für die Bayern. Dafür bleiben wir aber nicht bei der Ausfahrt aus dem Revier hängen...:P
Irgendwann geben selbst die Guides auf – es sei noch ein weiter Weg nach Hause,
die Suche muss abgebrochen werden. 🙁 Ich kann es irgendwie nicht glauben, dass wir ohne Elefanten zurück fahren, ganz bestimmt taucht genau dann einer auf, wenn wir nicht mehr damit rechnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt – wir sehen keinen einzigen!
Wir versuchen es mit Humor zu nehmen und lästern, dass man uns das erst mal nachmachen muss, einen ganzen Tag lang NICHTS zu sehen. Bei der Fotosichtung stelle ich aber später fest, dass das so nicht stimmt. Wir haben doch einige Tiere gesehen, nur waren sie nicht grau und/oder groß genug 😗 :
Was wir außerdem ausgiebig gesehen und genossen haben ist schöne Landschaft, tolles Wetter und eine abenteuerliche Fahrt. Wir sind 5 Stunden durch die Gegend gedüst und hatten zusätzlich 2 Stunden Standzeit, wir waren ca. 140 km an der frischen Luft unterwegs. Diese genauen Daten liefert später die GPS-Aufzeichnung meines Mannes – (ja, ich gebe zu, das ist an diesem Tag recht interessant!) – man kann sehen, dass wir kreuz und quer unterwegs waren, Strecken zum Teil zweimal gefahren sind (da sind die Striche etwas dicker durch die Doppelbelegung), bzw. gekreuzt haben.
Unterwegs verlieren wir oft völlig die Orientierung – auch unsere Guides müssen an einer Stelle umdrehen, weil sie sich verfranst haben.
Natürlich bleibt am Ende eine leise Enttäuschung, aber die meisten von uns können der Sache doch viele positive Seiten abgewinnen. Wer hat denn schon die Chance, an einer solch ausgiebigen, naturnahen Fahrt durch diese einmalige Landschaft teilzunehmen?
Nur für Achim ist das alles verlorene Zeit – wir sollten Elefanten sehen, haben es aber nicht – also ist das Ganze ein Flop! Sein ständiges unterschwelliges oder auch hörbares Kritisieren und Nörgeln nervt uns alle, wir tauschen manche vielsagende Blicke untereinander aus. Als wir aussteigen kann ich hören, wie die Tochter der Mutter zuraunt: "au Mann, dr Vadder mal wieder – wenn mir des alles gsagt hädded, dann hädded mer von ihm was zu höra griegt...." Aha, sie haben also auch einen kritischen Blick auf ihren Achim. 😉
Allerdings sollte ich drei Tage später erfahren müssen, dass Blut dicker ist als Wasser....😊
Teil 2209. Juli 2011
Danke für das viele Lob!
@ Spotty: wir waren am 5.5.2011 um ca. 8.15 Uhr am Wrack - passt das? Ich kann mich erinnern, dass uns Leute entgegen kamen, als wir vom Strand zurück gingen. Hab ich da auch ein Auto gesehen? Dachte, auf dem Parkplatz wäre niemand außer uns gewesen. Oder seid Ihr ein Stück durch den Sand in Richtung Strand gefahren? Meine Erinnerung ist nicht gerade die beste... 😉
@ Topobär: meine Ruhe und Gelassenheit gehören sicher teilweise zu meinem Naturell, und/oder sie kommen daher, dass ich öfters mit verhaltensauffälligen Schülern zu tun habe 😉 ABER: auch mir reichts irgendwann mal - siehe unten!
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Heute nun ein Kapitel ohne Fotos, erstens komm ich sonst nie vom Fleck, das Aussuchen und Hochladen dauert immer ewig - und zweitens gibts zu diesem Teil eh keine Bilder 😛 !
7./8.5.2011 - die restliche Zeit auf der Grootberg Lodge
Als wir von der erfolglosen Wüstenelefanten-Suche zurückkommen. sind nicht alle Donkeys angeheizt, obwohl wir morgens darum gebeten hatten.:( Bei dem Häuschen von Andrea und Detlef ist zwar angefeuert worden, aber das Feuer inzwischen unbemerkt wieder ausgegangen. So schleppt sich der restliche Nachmittag für manche mit dem Warten auf warmes Wasser dahin. Das ist nicht sehr erfreulich. 😠
Das Abendessen ist nicht schlecht, besser als am Tag zuvor, offensichtlich ist neue Ware eingetroffen, aber trotzdem nicht so, dass man sich daran mit Begeisterung erinnert.
Ebenso mit wenig Begeisterung erinnere ich mich an die ständigen Vergleiche unserer 5 Afrika-Vielgereisten (Achim, Elke, Sabine und Birgit. Herbert sagt ja nichts): hier die erfolglose Wüstenelefanten-Suche, dort die zahlreichen Tiersichtungen im Krüger NP, in der Serengeti und was weiß ich wo sie noch überall waren....😕 Okay, man kann das mal erwähnen, aber spätestens nach der vierten Wiederholung mit den immer gleichen Details geht’s auf die Nerven!:S
Viel schlimmer ist dann aber Achims dummdreiste Bemerkung über unser nächstes Ziel: "Ach ja, morga geht’s ja zu de Himbis!" Meine Nachfrage, wie er auf diesen Begriff kommt ergibt wenig Sinnvolles, angeblich wegen der Farbe ihrer Hautpaste, ein an den Haaren herbeigezogener Vergleich mit Himbeeren - seine Namenskreation findet aber nur er witzig.... 😗
Im Anschluss dazu bringt er dann noch ein paar peinliche Bemerkungen bezüglich der spärlichen Bekleidung der Himbafrauen (Zitate erspar ich euch jetzt). Nun reicht es mir doch 😠 – auf solches Geschwätz reagiere ich allergisch und ich bitte ihn, solche abwertenden und auch sexistischen Äußerungen doch bitte zu unterlassen (und ich glaube mich zu erinnern, dass nicht nur ich auf seine Peinlichkeiten empört reagiert habe).
Schade, aber irgendwie fast zu erwarten bei diesem Typ, dass sich zu seiner Nörgelei nun auch noch Dummschwätzerei gesellt - nach und nach bröckelt seine Tarnung als netter Tourist. Und logisch, dass er nach meiner/unserer Kritik nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder von den "Himbis" anfängt (und auch das "Achim, jetzt hör halt amol uff" seiner Familie kann ihn nicht wirklich bremsen).....
Eine Runde Fremdschämen ist angesagt. 😊
Aber die Strafe folgt auf den Fuß: 😛
Die Nacht ist für Achim, Elke und Sabine (Sippenhaft!) der pure Horror! 🤩 In der Hütte der beiden Damen hat sich die Ratte vom Vortag nicht etwa aus dem Staub gemacht - obwohl die beiden an der Rezeption reklamiert hatten. Entweder wurde nichts unternommen, oder die Viecher lassen sich nicht vertreiben. Auf jeden Fall hat Miss Dassie Rat beschlossen, ihren Nachwuchs unterm Bett zur Welt zu bringen.
Als Elke und Sabine recht spät zu ihrer Hütte kommen – die Gruppe hatte noch ein paar Absacker an der Bar zusammen mit Tulivu zu sich genommen – hören sie beim Öffnen der Tür ein deutliches, mehrstimmiges Fiepen unterm Bett. Mutter Ratte huscht aufgeregt durch den Raum und weiß in ihrer Panik nicht was tun angesichts der plötzlich aufgetauchten Zweibeiner. Die beiden Menschen geraten ebenso in Panik, packen in Windeseile alles zusammen und verlassen fluchtartig das Entbindungszimmer....
Die restliche Nacht verbringt Familie B. zu dritt auf einer Fläche von 1,40 m x 2.00 m! Vielleicht sollte man einen Aufenthalt auf der Grootberg Lodge familientherapeutisch nutzen??? Eine glänzende Geschäftsidee, finde ich! 😄
Der neue Tag bringt ein beeindruckendes (Hör-)Erlebnis: in der Morgendämmerung – ich befinde mich dank seniler Bettflucht bereits auf der Terrasse - bricht auf den Felsen ganz in der Nähe unserer Hütte Nr.1 ein Höllenspektakel los. Über das Plateau schallen kreischende Warnrufe von Pavianen und Vögeln - und von Weitem hört man Raubkatzengebrüll! 🤨
Serengeti hat mich verunsichert – mein durch frühkindliche Daktari/Clarence-Studien geübtes Gehör identifiziert einen Löwen. Die Männer an der Rezeption, die ich später frage, denken zuerst an eine Hyäne bei meiner Erzählung. Ich bleibe hartnäckig und versuche ihnen das Gebrüll vorzumachen – dies misslingt mir kläglich.😊 😊 Sie helfen mir und imitieren ein Gebrüll, das ich sofort dem heute früh Gehörten zuordnen kann. Okay, sagen sie, dann war es ein Löwe!
Nun spricht Serengeti in seinem Thread aber nachdrücklich davon, dass ein Leopard dort vor Ort ist. Gibt es nun einen Löwen UND einen Leoparden? Wäre ja auch nicht schlecht....Oder den Angestellten ist das einfach wurscht und sie lassen mich in meinem Glauben. 😉
Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis mit Gänsehautfeeling - Löwe hin, Leopard her!!! Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass unser Nachbar Detlef auch auf der Terrasse steht und beeindruckt dem Spektakel lauscht. Das Gebrüll kommt immer näher, das Kreischen der Paviane wird schriller, Angstschreie mischen sich in die Geräuschkulisse (nein, ich war’s nicht 😛 ). Man kann hören, dass ein Kampf stattfindet – auch wenn man nichts sieht, kann man sich die Szenerie gut vorstellen. Nach ein paar Minuten wird es ruhiger – entweder konnte das Opfer entkommen oder der Löwe/Leopard ist nun dabei, sein Frühstück zu verspeisen....😳
Unser Frühstück steht heute auch schon zum Verspeisen bereit – Tulivu war gestern abend sehr ärgerlich, als er erfuhr, wie schleppend dies am Morgen abgelaufen war. Offensichtlich hat er beim Personal Druck gemacht – auf jeden Fall sind wir so gut in der Zeit, dass wir bereits wie geplant um 7.45 Uhr unten an unserem Bus ankommen und pünktlich in Richtung Etosha via Himbadorf starten können. (Ich hab’s aber trotzdem geschafft, mir noch schnell an der Rezeption – einen richtigen Curio-Shop gibt es nicht – ein Zebra, und zwar die unlackierte Variante, zu erstehen. Braucht man Zebras fürs Kripperl? Ach, egal....).
Fazit:
Vorab: Lassen wir mal Achim beiseite – er ist es mir nicht wert, ins Fazit aufgenommen zu werden.
Bei der Grootberg Lodge scheiden sich ja momentan die Geister – siehe Serengeti’s Thread. Auch bei mir bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Sicher ist, dass seit diesen zwei Tagen meine Schwester wohl an meinem gesunden Menschenverstand zweifelt. Ich hatte ihr nämlich in schillernden Farben die Dramaturgie der Reise dahingehend geschildert, dass die Unterkünfte von Tag zu Tag besser werden (wobei ich mich nicht alleine auf den Komfort + das Essen, sondern auch auf die Lage bezogen hatte). Tatsächlich ist es aber momentan eher umgekehrt, vor allem was die Unterkunft selber betrifft, Lage mal außen vor gelassen. Klein Aus Vista, Sossusvlei Lodge, Hansa Hotel – dort hat es uns sehr gut gefallen bezüglich des Komforts der Unterkunft. Damara Mopane Lodge fanden wir irgendwie nicht so toll – und jetzt auf der Grootberg Lodge, die ich auf Grund von Bewertungen auf Internetportalen und auch nach der Lektüre von Forum-Reiseberichten sehr hoch eingeschätzt hatte, ergeben sich doch einige Fragezeichen bezüglich Preis-Leistungsverhältnis. Zwar haben wir die Lodge nicht einzeln bezahlt, aber sie schlägt sich natürlich im Gesamtpreis nieder und die Einzelpreise kann man ja leicht recherchieren.
Negativ fand ich, vor allem im Bezug auf den Preis:
a) den Fliegenbefall in unserem Zimmer (und es war wohl bei anderen ähnlich)
b) das fehlende Fliegengitter
c) ich ganz persönlich mag keine Toiletten, die quasi ins Zimmer integriert sind.
d) das eher durchschnittliche Essen
e) die Qualität der Fahrzeuge – die offenen Schrauben kann man getrost als gefährlich einordnen.
f) Die erfolglose Elefantensuche mit den recht schweigsamen Guides (dazu aber unten noch was Positives)
g) Der doch sehr holprige Service
Aber da bin ich bereits bei den positiven Seiten:
a) ich habe mich auf dieser community-based Lodge wesentlich wohler gefühlt als auf Lodges, die von Weißen geführt und wo die schwarzen Angestellten eher von oben herab behandelt werden. Alle Servicekräfte auf der Lodge waren freundlich, fröhlich, sympathisch und hilfsbereit, wenn auch manchmal etwas ungeschickt. Ich habe mich hier wirklich wie in Afrika gefühlt. Das ist für mich ein ganz großer Pluspunkt!!
b) Das Elefanten-Tracking fand zwar ohne die Namensgeber statt, war aber landschaftlich ein tolles Erlebnis und auch ein kleines bisschen abenteuerlich bei den Offroad-Abschnitten. Wenn ich an so etwas teilnehme, muss ich auch mit einem Misserfolg rechnen und nicht dann plötzlich an der Organisation rummäkeln - vielleicht hätte Achim mal vorher das Kleingedruckte lesen sollen... Mir war das so, also völlig ohne technische Mittel, lieber als wenn da jetzt mit Funk und Sendern usw. gearbeitet worden wäre. Authentisch eben.....
c) Toll war natürlich das morgendliche Raubkatzen-Gebrüll – endlich mal hat man tatsächlich das Gefühl, in der afrikanischen Wildnis zu sein. Sehr gut organisiert! Und dazu noch kostenlos 😉
d) Das Hauptgebäude und auch die Chalets sind sehr ansprechend eingerichtet. Auch das Donkey-System gefällt mir – wenn es in Aktion ist.:P
d) Die von der Lodge angebotene Himba-Tour klingt nach Serengetis Beschreibung so, als ob sie wesentlich besser war als die, die wir am nächsten Tag gemacht haben.
e) Die Lage der Lodge ist genial – darum wäre es schade, wenn das Niveau nach und nach sinkt.
Ich würde wohl wieder hingehen, auch wenn die Lodge doch nicht ganz meinen Erwartungen entsprach. Vermutlich bin ich aber auch mit den falschen Erwartungen dort hingefahren - die Bescheibungen klangen perfekter und luxuriöser. Das brauch ich zwar nicht unbedingt - aber wenn dann weniger da ist als man denkt, ist man erstmal enttäuscht!
Teil 2317. Juli 2011
Sanne schrieb: Allerdings sind unsere Plüschgesichter gar nicht so zeitraubend 😊 Liebe Grüße Sanne
@ Sanne: ich vermute mal, dass deine Fellnasen auch nicht erst 13 Wochen alt sind und dir alle halbe Stunde beweisen müssen, dass sie durchaus schon in der Lage sind große Mengen zu vertilgen (BITTE FÜTTERN!!) und aufs Katzenklo zu gehen...(BITTE PUTZEN!)
Nein, ich übertreibe natürlich, es ist schon viel besser geworden mit ihnen. Aber sie sind im Verbund mit dem 5 Jahre alten Kater einfach so niedlich, dass man sie die ganze Zeit beobachten und knuddeln könnte!
Aber zurück nach Namibia - gestern kam noch eine kleine Fahrradtour bei dem schönen Wetter dazwischen - wie gut dass es heute regnet 😉! Es ist mir nicht leicht gefallen, diesen Teil des Reiseberichts zu schreiben, da ich ungern nörgle und negativ schreibe - aber was sein muss, muss sein 😉 :
Sonntag 8. Mai 2011: Von der Grootberg Lodge über Farm Gelbingen nach Okaukuejo
Wie gesagt starten wir pünktlich kurz vor 8 Uhr am unteren Parkplatz der Grootberg-Lodge.
Unterwegs erklärt uns Tulivu wieder einiges über Fauna und Flora und hält gegebenenfalls auch an.
Leider kommt es in meinem Bericht nicht richtig rüber, wie bemüht er ist, uns Namibia näher zu bringen. Er redet viel über das Getrennt- bzw. Zusammenleben von black, coloured und white people früher und heute, aber auch über die verschiedenen Stämme, die Namas (deren breiten Frauen-Hinterteil von Tulivu besonders oft erwähnt werden 😄 ) , Hereros, die er als arrogant beschreibt, Himbas, Ovambos (die mit einer Ausnahme, nämlich Tulivu, immer schlank sind), usw., über deren Besonderheiten, über die verschiedenen Sprachen, Landschaften, Tiere und Pflanzen, darüber, wie sich Angehöriger verschiedener Stämme heutzutage, wenn sie sich treffen, auf eine Sprache einigen, über...ja, eigentlich über alles, was Namibia betrifft. Die Fülle der Informationen würde den Rahmen hier sprengen – okeeee??
Außerdem kennen sich die, die sich dafür interessieren, sowieso aus. Dachte ich auch von mir – aber obwohl ich im Vorfeld viel gelesen hatte, kamen die meistens Dinge durch seine Erzählungen doch viel lebhafter und authentischer rüber – außerdem schaden Wiederholungen in meinem Alter nie 😗 !
Unser Tour-Guide fand immer die richtige Mischung aus Spaß und Ernst – und auch aus Reden und Stillsein. Ohne Birgits meist etwas einfältigen Fragen, die häufig eh bereits schon beantwortet waren oder völlig am Thema vorbeischossen, wäre der informative Teil der Reise perfekt gewesen. Ihre exponierte Lage direkt hinter Tulivu sowie ihre doch etwas durchdringende Stimme und vor allem sehr laute Lache – auch an Stellen, wo das gar nicht angebracht war - waren der Sache leider abträglich.....😠 Zumindest für meinen Geschmack – andere mögen das anders sehen!
Wir holpern und schwimmen
zurück nach Kamanjab – leider sind "unsere" Giraffen von Freitag nicht mehr zu sehen. In Kamanjab ist der Laden an der Tankstelle geschlossen – es ist Sonntag.
Tja, war wohl nichts mit der großen Holzgiraffe! Schade, schade - gerade jetzt wo ich meine persönliche Zulassung zum Kauf hätte.....:(
Wir wissen noch nicht, zu welchem Himba-Dorf wir fahren, aber irgendwann erwähnt Tulivu den Namen "Farm Gelbingen". Darüber habe ich hier ja schon gelesen.
Eigentlich sind alle 11 Traumreisenden nicht sehr angetan von der Idee, traditionell lebende Himbas zu "begaffen". Lieber würden wir gleich nach Okaukuejo durchgestartet – aber so ist das nun mal bei einer Pauschalreise..... Auf der anderen Seite sind wir natürlich auch ein bisschen neugierig und man will ja möglichst viel mitbekommen von Namibia. Der Schwabe denkt zudem: "Des hemmer ja au scho zahld!" 😛
Auf der Zufahrt zur Farm
erzählt uns Tulivu all das, was ich vom Forum und auch von der HP von Gelbingen schon wusste, nämlich dass die Himbas eines schönen Tages "vor der Tür" standen und man sich darauf geeinigt hat, dass sie – wenn auch laut Tulivu mit weniger Rindern als von ihnen gewünscht (ich habe allerdings keine Rinder gesehen) – bleiben konnten. Im Gegenzug gibt es nun diese Himba-Touren dort. So läuft der Deal.
Vielleicht ist es ja nun tatsächlich so, dass es für diese beiden Parteien eine Win-win-Situation ist, was ich natürlich jedem gönne. Leider merkt man aber – so ist mein Gefühl – dem Ganzen doch das Geschäftsmäßige sehr stark an. Der herbe Charme der Chefin - Andrea heißt sie - ist auch nicht mein Ding. Ich komme mir irgendwie in die Kolonialzeit zurückversetzt vor: Während sie ihre Zigarette qualmt und mit Tulivu plaudert, gibt sie ihrem schwarzen Personal in Uniform Anweisungen.
Eine Frau mit Schürzchen und albernen Kunstfellapplikationen darauf wird uns als Führerin zugeteilt und dann werden wir mit den Worten "Gehen Sie durch das Tor dort drüben hindurch in die Steinzeit" von Andrea verabschiedet. Das Alles kommt leicht herablassend und süffisant daher. Sachliche, vielleicht sogar herzliche Erklärungen hätte ich gerne gehört – ihr Ton aber geht mir gegen den Strich und verstimmt mich. 😠
Nach ein paar Schritten sehen wir schon das Dorf und wir sollen uns erst einmal eine leere Hütte am Eingang anschauen.
Ich schaue aber lieber unserer Führerin zu, die in strengem Ton mit einer Himba-Frau spricht, die vor ihrer Hütte mitten in Plastikmüll sitzt.
Der Crash-Kurs von Martin über Körpersprache (beim Wüstenelefantentrip – ihr erinnert euch? 😉 ) trägt bereits Früchte: ich verstehe den Disput ohne der Sprache mächtig zu sein dahingehend, dass die "Vorgesetzte" die Unordnung beanstandet und befiehlt, dass sofort aufgeräumt wird. Mit gebremstem Elan und wenig überzeugendem Ergebnis wird dies erledigt. 😐
Nebenher beobachte ich, wie der einzige anwesende, nicht traditionell gekleidete Mann schnell einem kleinen Jungen das ebenso wenig traditionelle T-Shirt abstreift – offensichtlich müssen noch schnell ein paar Jahre Steinzeit generiert werden.....
Nun kann’s losgehen - das Essen ist schon gekocht,
pflichtgemäß wird uns die Herstellung der Butterfett-Farbe demonstriert
die Haare von Sabine werden bestaunt und berührt, ein Baby wird aus dem Schatten einer Hütte gezerrt und muss nun für uns ein bisschen auf dem Schoß der Mutter in der Sonne schmoren.
Ein älteres Kind erklärt uns ein Spiel im Sand
ein anderes Mädchen nimmt das Baby von dieser Frau
spielt dekorativ damit
und hält es uns für Fotos hin.
Und genau dieses Mädchen fällt mir auch besonders auf
- es wirkt irgendwie reifer als sämtliche Himbas im Dorf. Erstaunlicherweise und unabhängig voneinander haben Detlef und ich – wie sich in einem Gespräch am Abend herausstellt – ganz genau den selben Eindruck: sie wirkt so abgeklärt, so über der Sache stehend, hat ganz wache Augen - man hat das Gefühl, dass sie eigentlich in einer anderen, "zivilisierteren" (dieser Begriff soll nicht wertend sein!) Welt lebt. Nachdem sie ihre Pflichten erfüllt hat, sondert sie sich ab und beobachtet uns von einem Trockengestell aus. Nicht lauernd, sondern ganz entspannt.
Die Begegnung mit diesem Mädchen und die Überlegung, wie sich ihr weiteres Leben wohl gestalten wird ist das einzigste, was mich richtig berührt bei dieser Führung - auch wenn Detlef und ich mit unserer Wahrnehmung vermutlich total daneben liegen.
Ansonsten finde ich die Stimmung dort eher sonderbar, die Menschen wirken apathisch ,die Hütten sehen ziemlich runtergekommen aus. Vermutlich wegen des starken Regens wurden viele mit Plastikplanen abgedeckt – was natürlich unglaublich authentisch wirkt.
Ich frage mich, wie das die "echten" Himbas machen – deren Hütten sind ja sicher seit Jahrhunderten ohne Plastik dicht, oder (s.u.)? Wenn schon Neuzeit, dann hätte man auch den Plastikmüll vor der Hütte und dem kleinen Jungen sein europäisches T-Shirt lassen können.....😗
Eine Hütte, die angeblich im Bau ist (ich vermute eher ein touristisches Anschauungsobjekt dahinter) will keiner mehr bewundern – die Lady im Fellimitat wartet vergeblich auf uns. Herbert hat bereits den Rückzug ins 21. Jahrhundert angetreten – er kann das Ganze nicht mehr ertragen.😊
Plötzlich kommt aber Leben in das Dorf – die Führerin klatscht in die Hände
and the bazar is open! 🤩 Himbas in allen Altersklassen strömen aus allen Ecken heran – wo kommen nur diese vielen Menschen her? Sie bilden einen akkuraten Kreis und legen ihre Ware aus.
Auch die Jüngsten helfen mit!
Und auch sie sind interessiert an der Neuzeit – ein Kleiner untersucht hier das Handy-Täschchen am Gürtel!
Wir haben ein Problem – die Ware ist nicht so attraktiv, dass man in einen Kaufrausch verfallen würde, aber man möchte natürlich – vor allem den Kindern und Heranwachsenden – etwas abkaufen. Dagegen sprechen die bereits deutlich überschrittenen 20 Kilo Koffergewicht.... Also wählen wir alle möglichst leichte Kettchen und Armbänder und versuchen unsere Käufe gerecht zu verteilen. Ich erstehe ein wirklich hübsches Armband aus leichtem Holz, das ich auch tatsächlich hier in Deutschland gerne und sehr oft trage. So habe ich doch einen nette Erinnerung an Farm Gelbingen! 😉
Ansonsten kann ich der Sache nicht viel abgewinnen – und es geht uns eigentlich allen so. Die Himbas wirken entwurzelt – es ist ja nicht ihre ursprüngliche Region, in der sie hier leben. Die ganzen Gebäude sind in schlechtem Zustand, es liegt viel Plastikmüll herum und die Schwarze aus der Gegenwart hat offensichtlich ein angespanntes Verhältnis zu ihren Landsleuten aus der Steinzeit.
Zurück auf der Farm erklärt Chefin Andrea auf die Frage, ob der viele Schmuck denn alleine von den Himbas im Dorf gefertigt wurde, dass dies tatsächlich so ist. Die Himba-Frauen hätten ja nichts anderes zu tun den ganzen Tag über und würden sich sehr langweilen. Das kann ich gut verstehen und das könnte auch eine Erklärung für die wenig fröhliche Stimmung im Dorf sein – was ich aber ganz und gar nicht leiden kann ist diese herablassende, fast schon arrogante Weise, in der dies geäußert wird. "Das ist Afrika – hier ticken die Menschen anders als in Europa": auch das kann ich nachvollziehen, aber nicht der Ton, in dem es gesagt wird....
Egal, wir werden nun zum Essen gebeten – eigentlich ist es noch zu früh (halb zwölf), aber der Deal ist wohl von Tulivu und Andrea so eingefädelt. Natürlich MUSS keiner mitessen, aber wer weiß, wann es wieder etwas gibt. Ich muss allerdings gestehen, dass das Essen, das von ein paar Bediensteten herangetragen wird, lecker ist. Vor allem das Elan-Schnitzel schmeckt mir, allerdings ist heute auch so ein Tag, an dem ich Lust auf Fleisch habe.
Meine Schwester erklärt mir leider viel zu spät, dass sie diesen Kartoffelsalat nicht mal mit der Beißzange anfassen würde: er wird von diversen Fliegen umschwirrt und ist mit Mayo angemacht.... Tja, jetzt habe ich schon davon gegessen (hat geschmeckt!) und kann mich nur im Nachhinein ekeln! Das Knoblauchbrot wird sicher sämtliche Moskitos im Etosha in die Flucht schlagen – also essen wir alle kräftig davon – viel hilft viel!
Ich entdecke doch noch etwas hier, was mir so richtig gefällt: die Tischdecken aus einem ganz kräftigen Stoff und dicker Farbe.
Sie sind laut Andrea aus Angola – aber vielleicht habe ich ja Glück, und finde eine ähnliche noch irgendwo auf der restlichen Reise....?
Nach dem Essen werden noch schnell ein paar Mitbringsel (Seifen) gekauft, bevor wir unseren Bus in Richtung Etosha besteigen.
Fazit – und das ist meine ganz persönliche Meinung, andere sehen das sicher ganz anders: Ich könnte mir durchaus ein Leben ohne diese Himba-Tour vorstellen....;) und dabei hatte ich im Vorfeld noch versucht, mir und auch meiner Schwester das schön zu reden (win-win usw.). Ich habe in einigen Berichten gelesen, dass die Tour interessant gewesen sei - vielleicht liegt auch der Fehler bei mir? Weil ich vorher zu viel über die Himbas gelesen habe und daher nichts Neues (zumindest nichts Positives) erfahren habe?
Man kann den Himbas sicher nicht verübeln, dass sie diesen Weg genommen haben, um zu leben, und man kann den Besitzern von Farm Gelbingen wohl auch nicht vorwerfen, dass sie nicht versucht haben, für beide Seiten eine akzeptable Lösung zu finden. Und ganz sicher durchschaue ich nicht mal 1% von den ganzen Hintergründen – also sollte ich mir vielleicht kein Urteil erlauben!
Trotzdem bleibt subjektiv am Ende ein ungutes Gefühl. Mir hat weder das Auftreten der Chefin von Gelbingen noch die Stimmung im Dorf gefallen. Außerdem finde ich das Dorf an sich nicht sonderlich vorzeigenswert(so viel Plastik auf den Dächern und vor den Hütten....auch wenn das nun mal die Segnungen der Neuzeit sind). Es wirkt dadurch nicht authentisch – vor allem wenn man mit der Bezeichnung "Traditionell" (oder auch "Steinzeit"... 😗 ) wirbt. Oder ist vielleicht gerade dies das Authentische??
Ich habe mir die Fotos zu diesem Thema in Guidos Reisebericht angeschaut (auch wenn er inhaltlich bezüglich der Führung ähnliche Vorbehalte hat wie ich) und bekomme dort anhand der Bilder einen ganz anderen Eindruck (oh, muss mich auch mal für den tollen Bericht bedanken, hoffentlich vergess ich das nicht!).
Die Hütten dort sind völlig mit Lehm verkleidet – liegt es daran, dass es im Kaokoveld, der traditionellen Heimat der Himbas weniger regnet? Oder wird auf Gelbingen einfach kein Wert auf das Erscheinungsbild der Hütten gelegt? Ich weiß es nicht.
Ich frage mich auch, ob Gelbingen ohne die Himbas einen solchen Zulauf hätte? Eher nicht - denke ich mal. Die Bewertungen auf Internetportalen sind nicht sehr positiv. Ich würde auf keinen Fall einen Teil meines Urlaubs dort verbringen wollen – vermutlich hätte ich mich auch spätestens nach einem halben Tag mit Andrea in der Wolle.... 🤩
Da bleib ich doch lieber bei Achim im Bus! Apropos: er ist heute verdächtig unauffällig – hat er eine Standpauke von seinen beiden Damen bekommen oder ist er einfach fertig von der unbequemen Nacht? 😛
Teil 2420. Juli 2011
8. Mai 2011, Sonntagnachmittag - Von Farm Gelbingen nach Okaukuejo
Wir verlassen Gelbingen kurz nach 12 Uhr und machen uns auf den Weg nach Outjo. Kurz nach der Farm läuft eine Riesentrappe eine ganze Zeit lang direkt vor unserem Bus her und entschließt sich dann aber doch zu starten. Das sind schon ganz besondere Vögel, über die ich mich jedesmal freue, wenn ich sie sehe...:)
Auch ein Sekretär setzt elegant zur Landung an:
In Outjo wird noch mal Diesel und Geld getankt. Tulivu sorgt dafür, dass die Scheiben des Busses wieder sauber werden (wie schon öfters auf dieser Reise) – die Tarnfarbe an den Seiten darf bleiben.
Leider sind die Läden geschlossen – es ist immer noch Sonntag! 😐 Schade, denn jetzt ist mein Jagdtrieb erwacht – ich brauche unbedingt eine Tischdecke! Immerhin bekomme ich eine süße SMS von meinen Söhnen zum Muttertag! 😘
Außerdem blüht es farbenfroh in Outjo!
Unterwegs wird endgültig geklärt, wer denn nun morgen im Bus mit Tulivu und wer mit einem offenen Fahrzeug mit Guide, das Tulivu organisieren wird (muss man extra bezahlen) den Park unsicher machen möchte. In irgendeinen sauren Apfel muss ich wohl beißen: Achim + Damen wollen den Geländewagen nehmen, Birgit den Bus. Hmm, na ja, um ehrlich zu sein, ich (bzw. wir, meine Schwester und mein Mann ja auch) haben uns schon lange für den Bus entschieden. Nun muss man die Kröte Birgit (huiiii, das klingt jetzt aber ganz besonders fies....😗 ) eben schlucken.😃 Mit uns werden noch logischerweise Herbert, ihr Mann, sowie Martin unterwegs sein.
Im Geländewagen werden Achim, Elke, Sabine, Detlef und Andrea unendlich mehr Tiere als wir sehen, denn ihr Guide wird ganz andere Wege fahren können als wir mit dem Bus, er kennt sich natürlich viel besser aus und überhaupt, damals im Krüger / in der Serengeti / im XY-Park war das nämlich soooo..... Ja nee, is klar, wenn Achim das so sagt, wird das schon stimmen.....! 😄 🤪
Kurz vor dem Anderson Gate sehen wir Blessböcke, die hier angesiedelt wurden.
Dann endlich – es ist mittlerweile schon 16 Uhr - sind wir am Eingang zum sagenumwobenen Park.
Nicht weit hinter dem Gate sehen wir am Ombika-Wasserloch das, was ich mir eigentlich vom Etosha NP erhofft hatte (neben vielen anderen Dingen): Ein fröhliches Durcheinander von verschiedenen Tieren: Zebras, Springböcke, Gnus – leider keine Giraffen – aber man wird ja bescheiden....😗
Auf dem Parkplatz des Wasserlochs steht der Schrecken aller Se.... 😉 nein, nicht Serengetis sondern aller Selbstfahrer: ein riesengroßer, blendend weißer Touribus – vollbesetzt! Zu Zweit auf eine Sitzbank gequetscht kämpft jeder um den besten Platz fürs Foto.😮 Tja, nun sind wir es, die mitleidig auf diese Truppe hinunter-, bzw. hinüberschauen – es ist doch alles relativ im Leben: Serengeti findet uns schrecklich, wir finden diese Riesenbusse schrecklich – hmmm, was finden die wohl schrecklich? Vermutlich die intoleranten Individualtouristen....😜 😛
Aber darum geht’s ja gerade gar nicht 🤨 – Tulivu rangiert unsere Kiste so, dass er kurz von Fenster zu Fenster mit dem anderen Fahrer reden kann. Eigentlich hätte ich gerne ein paar gute Fotos von der Arche Noah ohne den weißen Bus gemacht, aber das Glück sollte nur von kurzer Dauer sein! Tulivu kämpft mit der Gangschaltung, stöhnt ein bisschen und braust ohne eine Erklärung los.
Das Camp kommt in Sicht – aber Tulivu meint nur: "Checken wir später ein, okeeee?" Gut, wenn er meint...?! Er düst weiter grobe Richtung Okondeka am Flugplatz vorbei...Hmmm, ziemlich öde Gegend. Tulivu knurrt irgendwas vor sich hin, schaut durch sein allgegenwärtiges Fernglas und wendet wieder. Jetzt geht’s Richtung Leeubron. Auf dem Weg steht ein anderes Fahrzeug und schaut in eine Gruppe von Bäumen. Na gut, Bäume haben wir schon ausreichend gesehen, sogar fotografiert.😐 Tulivu schaut durchs Fernglas und bittet uns, genau unter diesen einen Baum zu schauen. Ohh, wie süüüß 😘 😘 (und wie unscharf)!
Zur Erklärung: man sieht mit bloßen Augen so gut wie nichts von diesem, nein diesen Löwen! 😎 Ich zoome mit viel Gewackel die Familie heran.
Es sind Mama,
Papa und Sohn!
Leider sehr, sehr weit weg, so dass keine richtig guten Fotos gelingen. Immerhin schafft es mein Objektiv ("Bele, hol du die Löwen mal her") ein paar Bilder einigermaßen mit Löwe zu füllen,
bei anderen dominieren dann doch die Büsche und Bäume.
Durch das anstrengende Schauen durch Sucher bzw. Fernglas wird das Vergnügen etwas gemildert – irgendwie muss ich an unsere Wüstenelefanten denken – die habe ich auch erst so richtig erkennen können, als ich meine Fotos abends am Laptop angeschaut habe....😳
Aber trotzdem – wir haben Löwen gesehen!!! Drei Stück! Das muss man als popelige Gruppenreisende erst mal schaffen! 🙂
Und die waren nicht nur müde, wie es Löwen so oft sind,
sondern haben sogar rumgeblödelt!
Boah, was wird das morgen erst geben, wenn wir heute schon in so kurzer Zeit drei Löwen gesehen haben? Man kann sich das ja leicht hochrechnen.... 😄
Voller Raubkatzen-Adrenalin geht es nun zurück ins Camp!
Nur - was wird uns da zimmertechnisch erwarten? Ich habe den großen Vorteil, dass ich dank mancher Berichte im Forum nichts, oder soll ich sagen das Schlimmste erwarte. Daher bin ich angenehm überrascht: ein wenn auch kleines, aber sauberes Zimmer, ein großes Bett mit einem sehr geräumigen, funktionstüchtigem Moskitonetz, ein bisschen Ablagefläche, ein Bad, das völlig okay ist, wartet auf mich.:) Außerdem gibt es genug (künstliche) Lichtquellen, die Aussicht dagegen ist eher suboptimal (= nicht vorhanden).
Nachdem ich binnen Minuten mein übliches Chaos im ganzen Zimmer verbreitet habe, suche ich noch schnell den Weg zum Wasserloch – DER Sensation in Okaukuejo! Wegen diesem Wasserloch habe ich eine Rundreise gesucht und schlussendlich auch gebucht, bei der man genau dort übernachtet – und nicht außerhalb des Parks! Ich finde es: aha, ein Loch mit Wasser drin – drum herum......Gras.... und Gras.... und ein bisschen Baum und Büsche.... ach ja, und Bänke, auf denen man seine Geduld üben kann! 😊
Dazu habe ich aber jetzt keine Zeit, das Essen ruft und so sage ich den vielen Tieren (ja, es gibt dort ein riesiges Siedelwebernest mit unzähligen trällernden Bewohnern, die einem - wenn’s dumm läuft - auf den Kopf kacken!) tschüss und mache mich auf den Weg zum Essen.
Dort habe ich – manchen Schreibern im Forum sei Dank - keinerlei Hoffnung, irgend etwas Essbares zu finden - und werde positiv überrascht. Es war sicher kein Sternekoch am Werk, aber was man sich am Büffet holen kann, schmeckt mir großteils und ich würde sagen, hier findet jeder etwas.
Während des Essens erfahre ich von meiner Schwester, dass Herbert wohl eine Art Zusammenbruch hatte – er findet das Zimmer so schrecklich, dass er meint, es nicht ertragen zu können, dort zwei Nächte zu verbringen. 🤩 Ich bekomme am Rande mit, dass Tulivu mit ihm spricht – keine Ahnung, wie das Gespräch verlief, aber Herbert hat Okaukuejo auf jeden Fall überlebt – so viel kann ich schon verraten! 😉
Ich mache mir so meine Gedanken – vielleicht sollte er nicht so still sein und alles in sich reinfressen – das tut auf die Dauer nicht gut. Okay, er schreibt stundenlang in sein Tagebuch, auch während der Fahrt, aber kann dies ein echtes "Von-der-Seele-reden" ersetzen? Komisch, bisher kam er mir immer so gelassen vor. 😐 Und eigentlich kann ich nicht verstehen, was an den Zimmern so schlecht sein soll...... Angeblich – so hat meine Schwester gehört – ist es die Enge (hatten wir nicht schon engere Quartiere?) und die fehlende Sicht (okay, da stimme ich zu). Die kleine böse Stimme in mir fragt sich, ob ihm vielleicht seine Frau ein bisschen auf die Nerven geht??? 😎 😗
Nach dem Essen schleppe ich alle Traumreisenden zum Wasserloch, das wegen Überfüllung geschlossen ist! Ist doch klar, dass erst in der Dunkelheit die interessanten Tiere kommen! Wir bemühen uns also, die unzähligen Moskitos abzuwehren und hoffen, dass wir trotzdem nicht den Auftritt irgendeines Vierbeiners verpassen. Wir machen uns aber unnötig Sorgen – es kommt nichts und niemand!
Also beenden wir den Tag eben in der Bar – dort erinnert uns Detlef daran, dass die Reise ihrem Ende zugeht und er versucht das Gespräch auf ein gemeinsames kleines Geschenk für Tulivu zu bringen. Wir sind alle der Meinung, dass er wirklich ein besonders guter Guide ist – immer nett, lustig, höflich, stets ist alles super organisiert, Extrawünsche werden erfüllt, zusätzliche Ausflüge arrangiert, unser Wohl ist ihm immer sehr sehr wichtig. Gerne würden wir ihm eine Erinnerung an uns überreichen. Meine Schwester hat eine nette Idee – sie verbringt ja viel Zeit mit Tulivu beim Rauchen und hat festgestellt, dass er nur Streichhölzer, aber kein Feuerzeug besitzt. Das wäre doch etwas, was in Windhoek leicht zu bekommen sein müsste.
Parallel dazu entwickelt sich nun aber eine Diskussion um das Trinkgeld für unseren Tour-Guide. Hierzu gibt es in den Reiseunterlagen eine Empfehlung pro Tag und Nase. Nach und nach hört man heraus, dass Achim und sein Clan dies für völlig übertrieben hält.🤔 Er rechnet uns dies und jenes vor, Preis/Leistungsverhältnis, Einkommen eines Namibiers, und so weiter und so fort (nur sein Einkommen legt er nicht offen 😛 ) – und lässt uns wissen, dass er nie im Leben daran denkt, so viel zu geben. Wir anderen sind da eher anderer Meinung, wobei es durchaus Abstufungen gibt. Aber niemand sagt so rigoros wie er, dass er das ganz anders handhaben wird.....Ich finde es okay, dass jeder seinen eigenen Betrag festlegen will – aber der herablassende Ton, in dem Achim argumentiert, finde ich mal wieder unmöglich! 😠 Die Stimmung wird etwas frostig – und Detlef’s liebgemeinte Idee eines gemeinsamen Geschenks ist damit leider auch gestorben. 🙁
Kurze Zeit später verziehen wir uns alle in unsere Betten..... und ich bin insgeheim froh, dass ich morgen nicht mit Achim im gleichen Fahrzeug sitzen muss!😂
Sollte übrigens jemand im obigen Text leicht zynischen Untertöne in Sachen Etosha entdeckt haben: dies klärt sich morgen auf!
Teil 2523. Juli 2011
Montag, 9.Mai 2011 – unser Tag im Etosha-NP
Geplante Abfahrt von beiden Gruppen ist 6.45 Uhr. Zu nachtschlafender Zeit erscheinen wir daher zum Frühstück. Und wieder gibt es keine Enttäuschung: auf dem Büffet findet man genug Dinge, die schmecken – und vor allem die Stelle, wo man sich frische Eier, Omelettes oder Rührei in verschiedenen Varianten zubereiten lassen kann, hat es uns angetan. Selbst ich, die eigentlich Eierspeisen zum Frühstück hartnäckig verweigert, wird schwach und gönnt sich ein buntes Omelette. Schließlich braucht man für die Begegnung mit Elefanten, Nashörnern und Raubkatzen ja viel Kraft! 😄
Leider kommt das Fahrzeug, das Tulivu von einer Lodge außerhalb des Parks geordert hat, etwas später als geplant, aber irgendwann sind alle verstaut und es kann losgehen. Der Wagen ist nur die 5 Leutchen aus unserer Gruppe reserviert und so hat jeder einen guten Platz – das wurde von Tulivu vorab so klargemacht. Die Freiluftfahrer winken nonchalant bei der Abfahrt - und hinterlassen eine Staubfahne.
Wir restlichen Sechs richten es uns gemütlich in unserem Bus ein – meine Schwester übernimmt den Platz von Achim ganz vorne neben dem Fahrer.
Und los geht's zu der langersehnten Pirschfahrt!
7.31 Uhr: ein Wasserloch – Tulivu sucht mit seinem Fernglas den Horizont ab, während wir gebannt auf die Elefantenherde warten, die sicher gleich auf halb zwei auftauchen wird. Fehlanzeige!
8.09 Uhr: Ein Wasserloch – wir warten und spähen – nichts!
8.41 Uhr: Ein Wasserloch - Tiersichtung:Fehlanzeige!
Martin sächselt von hinten: "Nuuu guud, dann fodografier isch mal die scheeene Landschafd, neexde Woche geh isch donn in den Laibzischer Dierbarg und fieg die Elefonden und Nosherner schbäder mid Foddoschob in die Wosserlecher ein."
Ich liebe seinen trockenen Humor! (Und das meine ich jetzt ganz ernst!)
Wir kommen gut voran - weder Elefantenherden noch lästige Löwenrudel blockieren die Pad oder wollen die Straße überqueren. Think positiv! 😉
Dummerweise sind aber einige Strecken immer noch auf Grund der Regenzeit XXL 2011 gesperrt, so dass wir öfters umdrehen und die einsamen Pisten wieder zurückfahren müssen. Okay, so sieht man die Tiere eben aus einer anderen Perspektive nicht 😊
Tulivu scheint das alles auch ein bisschen zu nerven, er wendet den Bus recht ruppig, wenn es nicht mehr weitergeht oder entscheidet sich an Kreuzungen im allerletzten Moment für eine Richtung. Dabei passiert etwas Unerfreuliches: Herbert, der seinen Platz quasi gegenüber des Treppenabgangs hat, passt bei einem Manöver unseres Guides nicht auf und wird aus seinem Sitz geschleudert! 🤩 Das ist ganz schön viel Masse, was da in Bewegung kommt und ich – die ja direkt hinter der Treppe sitzt - kann ihn nur noch knapp davor bewahren, dass er die Treppe komplett hinunterrollt. Puhh, wir haben alle einen Riesenschreck bekommen!! 😮
Der Gute ist ja jenseits der 70 (schätze ich mal – Schwesterherz, was meinst du?) und in diesem Alter sind die Knochen doch schon etwas spröde.... Offensichtlich hat er sich aber nicht ernsthaft verletzt – nur ist ihm das alles schrecklich unangenehm und peinlich... Seine Frau, die sich besorgt um ihn kümmert macht es ihm damit nicht leichter. Unwirsch winkt er ab ....bloß keine Aufmerksamkeit erregen. 😵
Leider wird Birgits Redeschwall, der seit der Abfahrt am Morgen über Tulivu und leider auch über uns, die im vorderen Bereich sitzen, niedergeht, durch diesen Schreck nur kurzzeitig unterbrochen. 😠
Anscheinend fehlt das Regulativ Achim, der ja selber oft die Konversation neben Tulivu übernommen hat, und Birgit weiß diese Lücke sehr effektiv mit ihren sinnerfüllten Redebeiträgen und Fragen auf Hochbayrisch zu füllen. So erfährt man mehr oder weniger interessante Details 😗 aus dem südlichen und auch östlichen Afrika, ("woast, Tulivu, letzdes Joahr im Krüüüger.... domols in der Serrrrengeeetiiii..... Tuliivuhu, am Vigdoria See..."). Außerdem teilen wir – ob wir wollen oder nicht - ihr erneutes Staunen über den bedauerlichen Mangel an namibischen Schirmakazien.😳
Noch schwerer zu ertragen sind aber ihre Versuche, nichts ahnende Tiere am Wegesrand auf uns aufmerksam zu machen. Sie versteht sich offensichtlich als Vogelflüsterin: um den Weißbürzelsinghabicht (danke, dass es dich hier auch gibt – ich liebe bekanntermaßen deinen Namen!) dazu zu bewegen, direkt in unsere Kameras zu schauen, gurrt, säuselt und trällert sie aus dem geöffneten Schiebefenster. Wahhhh, muss das sein? Man weiß nicht so recht: soll man drüber lachen oder sich ein bisschen fremdschämen?? Wie gut, dass keine anderen Fahrzeuge in Hörweite sind....:P
Sie selbst bemerkt unsere Mienen überhaupt nicht und macht unbeirrt weiter - dabei verdrehen Schwesterlein und ich gemeinsam doch heftig die Augen und können uns ein Grinsen nicht verkneifen. Und ich meine sogar, ein unterdrücktes Kichern von Tulivu an dieser Stelle zu hören.... 🤪
Der Habicht schaut übrigens erst in unsere Richtung, als Tulivu seinen Vogelstimmen-I-Pod in Gang setzte: "Das wäre jetzt die Gesang von die Weißbürzelsinghabichtmännchen – okeee?"
Aber genug gelästert – und nebenbei bemerkt werde ich an den letzten beiden Tagen auch noch zwei positive Seiten an Birgit entdecken!
Warum sind wir gleich noch mal hier? 😕 Ach ja, Tiere, Big Five, da war doch was! Wir sehen unterwegs immer mal wieder die üblichen Little Thousand:
Jede Menge Gnus
Viele schöne Oryxe – und endlich mal Zeit, sie genau zu studieren. Wir bewundern eine große Herde von diesen stattlichen Tieren mit den spitzen Hörnern, die mir etwas überdimensioniert erscheinen. Und ich frage mich einmal mehr: wozu brauchen sie die nur?
Später sehen wir eine Oryx-Mama mit ihrem Baby
Bei meinen ausgiebigen Oryx-Studien stelle ich fest, dass diese Tiere mir immer mehr gefallen und solch eine Antilope auch sehr gut zu meiner Giraffe im Garten passen würde!😄
Wir bewundern schön gemusterte Hinterteile und Köpfe
Die Schabrakenschakel jagen mit Erfolg nach irgendetwas Fressbarem – sie lecken sich genüsslich mit geschlossenen Augen die Lippen!
Ein Steenbock
Zwei verschiedene Raubvögel (hmm, Mike, kannst mir helfen?)Edit: danke Maddy und Nenette! (Siehe unten in ihrem Beiträgen)
Ein Huhn, dessen Namen mir nicht mehr einfallen will (wer kann mir hier helfen? Auch Mike?)
Ein süßes Zebrafohlen mit Mama und Freund Springbock
10.24 Uhr: Und wieder ein Wasserloch – uns fallen beinahe die Augen aus dem Kopf vor lauter Suchen - Tiersichtung:Fehlanzeige! Martin zückt seine Kamera..... 😉
Das Highlight des Vormittag bildet das erfolglose Werben eines Schwarznasenimpala-Bocks 😘 .
Die Dame (O-Ton Tulivu) mag wohl nicht so recht.
Er röhrt sich seinen Frust lauthals von der Seele
Dann eben nicht, denkt Herr Schwarznasen-Impala und tritt den Rückzug an.😊
Dann eben nicht – das denken nun auch wir, denn Tulivu erklärt lapidar, dass auch wir den Rückzug antreten. Wir können nicht bis nach Halali zum Mittagsessen fahren, denn er weiß angeblich nicht, welche Straßen befahrbar sind. Hmmm???? 😐 Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass die Hauptstrecken frei sind. Außerdem quatscht er doch ständig mit den anderen Guides, die müssen das doch wissen. Leichter Groll steigt in mir hoch und ich frage nach, warum das nicht möglich sein soll. Allerdings bekomme ich keine klare Antwort.
Später hält ihm auch meine Schwester die Etosha-Karte unter die Nase und fragt nach. Auch sie bekommt nur die Auskunft, dass unklar sei, wo man fahren könne und dass man nun ins Quartier zurückkehrt. Mir kommt es eher so vor, als ob er die Mittagspause lieber in seinem Zimmer im Camp halten möchte... Zum erstenmal auf der Reise bin ich so richtig schlecht gelaunt und bruddel vor mich hin. 😠
Ich will jetzt nicht zurück nach Okaukuejo auf den selben Wegen – die Fahrerei heute früh war schon unergiebig genug, ich möchte wenigstens ein anderes Camp sehen, wenn schon keine aufregenden Tiere! Meine leises Gemecker bringt nichts – wir werden in Okaukuejo abgesetzt und haben Pause bis um 14.30 Uhr.
Ja super! Zwei Stunden – wie sollen wir die rumbringen? SOA Traumreise..... 🙁
Wir drei kaufen uns am Kiosk etwas zum Essen und setzen uns damit auf die Liegen am Pool. Wenigstens ist schönes Wetter und wir faulenzen ein bisschen rum.
In mir grummelt es: sicher ist die Achim-Truppe jetzt in Halali, sieht dort 10 Elefanten, 2 Nashörner und 5 Löwen. Oder so ähnlich.... Während ich meinen finsteren und mit Neid erfüllten Gedanken nachhänge beobachte ich eine Gruppe, die aus einem Geländefahrzeug aussteigt und sich in einem der Pavillions in der Nähe des Pools niederlässt. Komisch, dass Detlef hier im Etosha einen Doppelgänger hat.... ups, Achim auch, und Sabine mit ihren langen Haaren .... kann das Zufall sein? 😎
Mooooment, das sind doch unsere 5 Abtrünnigen! Aha, also scheint es tatsächlich eher unüblich zu sein, bis nach Halali und zurück zu fahren. Und vielleicht macht es tatsächlich Sinn, über Mittag eine Pause einzulegen? Meine schlechte Laune macht sich langsam vom Acker. Die Frischluftfahrer werden von Ihrem Guide verköstigt und hängen dann auch ein bisschen in der Gegend herum.
Einigermaßen mit meinem Schicksal versöhnt schaue ich noch schnell beim Wasserloch vorbei – still und schwarz ruht der See - Tiersichtungen Fehlanzeige! (Hatte ich aber auch nicht wirklich erwartet - ich wollte mir nur hinterher nichts vorwerfen müssen 😄 )
Um 14.30 Uhr steige ich wieder in unseren Bus – voller Optimismus, dass jetzt sicher alles anders wird! 🤪
Der Rest ist schnell erzählt: wir fahren zum Sprokieswoud (Märchenwald) und bestaunen die ulkig wirkenden Moringa-Bäumen, die bei Nacht sicherlich wie Geister wirken.
Auf der Fahrt dorthin sehen wir große Zebraherden auf endlos scheinenden Grasflächen
und eine Gruppe, die sich abwechselnd ausgiebig am Straßenrand im Staub wälzt.
Hier wird Birgit wieder aktiv, auch mit Huftieren scheint sie gerne zu kommunizieren: "Geehhh du Hübscher, drah die mol um, schau här, ja so is er brav, bist a Feiner."
Grrrr, 😠 meine Toleranzfähigkeit wird auf eine harte Probe gestellt. In meiner Erinnerung hat Birgit an diesem Tag ununterbrochen entweder mit Tulivu oder mit den Tieren am Wegesrand geplaudert..... wie viele Wörter hat eine Frau gleich noch mal pro Tag zur Verfügung? Habs vergessen, aber Birgit hat ihren Vorrat garantiert schon am Vormittag aufgebraucht. Aber warte, klar, sie bekommt ja noch Herberts Kontingent noch dazu, der schweigt ja den ganzen Tag (Anmerkung der Verfasserin: da können jetzt nur Leute lachen, die das Theaterstück "Caveman" gesehen haben! 😎 ).
Die niedlichen Erdhörnchen lenken mich ein wenig von meinem Kummer ab.(Die würden mir im Garten auch gut gefallen - wir hätten sogar noch ein paar Gänge für sie, die damals unsere "Gott-hab-sie-seelig"-Kaninchen gegraben haben ;))
Auf der Rückfahrt genieße ich noch mal kurz das Etosha-Feeling meiner Träume: mehrere Tierarten grasen dort in friedlicher Koexistenz, ja, sogar Giraffen sind dabei!
Und eine kreuzt sogar unseren Weg – na bitte, geht doch!
Ja, so habe ich mir das vorgestellt – nur eben viel öfter ...und vielleicht zur Abwechslung auch mal mit ein paar Elefanten (an das Wort Nashorn denke ich nicht mal 😉 ). Aber nein - jetzt wird es Zeit, ins Camp zurück zu kehren – rien ne va plus... Unterwegs sehen wir noch riesige Herden von Springböcken, die ihrem Namen alle Ehre machen und in riesigen Sätzen dem Sonnenuntergang entgegen hüpfen - leider gibt es keine Fotos davon.
Ganz zum Schluss entdeckt unser Guide noch zwei verschiedene Geier-Arten für uns (nur eine Art konnte ich noch einigermaßen fotografieren).
Dann muss er aber ordentlich auf die Tube drücken, dass wir noch rechtzeitig ins Camp zurück kommen!
Als wir aussteigen, falle ich erst mal meiner Schwester um den Hals und wir trösten uns gegenseitig ein bisschen: die Ausbeute war doch nicht ganz so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Dies war also der langersehnte Tag im Etosha-Park – wir sind enttäuscht, das gebe ich ehrlich zu! Jetzt werden viele sagen: ihr wart ja auch viel zu kurz dort. Ja, klar, das weiß ich – aber ich denke, wir hatten außerdem ziemliches Pech mit der langen Regenzeit, das war so nicht geplant - und keinesfalls hatte ich mir die Wasserlöcher so leergefegt vorgestellt!
Beim Abendessen gleichen die beiden Gruppen die Tiersichtungen sowie die Streckenführung ab – viel Unterschied gab es nicht (außer dass unsere Tour nichts gekostet hat 😛 ). Die anderen hatten wohl noch ein paar Erdmännchen gesehen, worum ich sie sehr beneide - falls es wirklich stimmt (Erdhörnchen wurden nämlich des Öfteren gerne mit Erdmännchen verwechselt). Außerdem gab es Sekt und Mittagessen – das war’s dann auch schon.
Tulivu gibt uns nach dem Essen mit geheimnisvoller Stimme den Tipp, nach 22 Uhr noch ans Wasserloch zu kommen. 😎 Aha, ich vermute mal, dass an den Vortagen doch Tiere gesichtet worden waren. Also verteile ich mein No-Bite großzügig auf meinem Körper, ziehe mich warm und mückendicht an, drapiere ein großes Halstuch um den Kopf und setzte mich derart vermummt voller Erwartung auf eine Bank.
Sabine, Elke und Birgit erscheinen kurz darauf ebenfalls, allerdings erkennen sie mich in meiner Verkleidung nicht. Ich höre, dass sie auf Tulivu warten? Häää, wieso das? 😮 Ich warte auf Elefanten und Co.! Ungern gebe mich zu erkennen, aber die Neugier lässt mir keine Ruhe: "Wieso wartet Ihr auf Tulivu?" Kichernd erklären sie mir: Na das ist doch klar, er hat uns ans Wasserloch bestellt, um zusammen den restlichen Alkohol aus dem Buskühlschrank zu vernichten!" 😁
Wie bitte?? Ich versteh überhaupt nichts mehr.... Um diese Zeit geht Tulivu normalerweise schon lange seinem Privatvergnügen nach, außerdem ist das hier ein Wasserloch und keine Bar – da braucht man alberne Touris mit Plastikbechern in der Hand wirklich nicht. Oh Mann, wo bin ich da nur hineingeraten? 😮 Sogar Detlef und Andrea tauchen noch auf und haben den gleichen Verdacht. Sie kichern aber wenigstens nicht wie liebestolle Teenager.....
Es ist nun schon lange nach 22 Uhr und das Damen-Trio macht sich enttäuscht auf den Weg zurück aufs Zimmer – da hat Tulivu ihnen doch tatsächlich einen Korb gegeben! 😛
Nun gut, warum soll es ihnen anders gehen als mir? Ich bin sehr müde und nicke immer wieder auf meiner Bank ein, dann schrecke ich wieder auf, weil ich irgendwo weit weg Tierlaute höre. Aber Nashorn, Elefant und Co. geben MIR einen Korb! Also ab ins Bett – und wenn ich irgend etwas Positives zu meinem Wasserloch-Sit-In sagen soll, dann fällt mir nur dies ein: mich hat kein einziges der unzähligen Moskitos gestochen!!
Fazit des Tages: dazu zitiere ich einfach mal nur den Dialog von Gerd und mir im August 2010:
Champagner schrieb:
Echt, dort gibt es so viele Tiere [....] ? Sicher nicht Anfang Mai! Ich gehe mit der Erwartung nach Namibia, ein paar Zebras, vielleicht noch einige Giraffen und wenn wir viel Glück haben, einen Elefanten am Horizont zu sehen - alles was dann mehr wird, betrachte ich als ein großes Glück und Geschenk. [...]
Bele /Schampus
gglink schrieb:
Hallo Bele,
dann würde ich gerne Deine Augen sehen, wenn Ihr in der Etoscha [...] ward.
Schade, dass ich da nicht dabei bin.
Viel Spaß [...]
Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste Gerd
Gerd, hast Du schon mal was von weiblicher Intuition gehört???
Teil 2627. Juli 2011
Dienstag, 10. Mai 2011 – Von Okaukuejo nach Erindi - Teil 1
Wir frühstücken wieder früh – ich beginne mich an Omelette zu gewöhnen, zumal der Koch, der es zubereitet, ein fröhlicher Kerl am frühen Morgen ist.:) Davon könnten sich einige bei uns am Tisch eine Scheibe abschneiden.... Man merkt deutlich, dass wir nun schon über zwei Wochen zusammen sind: von Tag zu Tag treten die einzelnen Charaktere deutlicher hervor – und dies ist bei einigen nicht unbedingt von Vorteil.😐
Dazu kommt natürlich, dass die Nerven ein bisschen blank liegen – die Enttäuschung über den vergangenen Tag steckt uns allen noch in den Knochen und der Wüstenelefanten-Flop ist auch noch nicht verdaut. So fehlt uns die Euphorie, die über einiges hinweg helfen würde. 🙁
Ich bekomme die Aufgabe zugeteilt, den Bewertungsbogen auszufüllen. Da ich eigentlich nichts zu Meckern habe, schreibe ich dies auch so nieder. Die anderen sind damit einverstanden. Eine gute Tat pro Tag....:P
Die Schlüssel sollten schon ganz früh abgegeben sein, weil die Kaution erst herausgerückt wird, wenn alle Zimmer gecheckt sind. Ups, Sabine hat ihren noch in der Hosentasche.😮 Egal, Tulivu klärt auch dies und das Übergabe-Kautionrausrück-Prozedere klappt einwandfrei. Obwohl wir uns ja beim Check der Inventarliste noch mächtig Gedanken wegen einer Kleiderbügelunterzahl und einem Duschvorlegerabmangel gemacht haben...🤔
Um 7.15 Uhr sind wir am Start: "Alle da?" - "Jaaaa!" - "Alle gut geschlafen?" - "Naja." - "Alle gut gefrühstückt?" - "Ja." - "Alle Schlüssel abgegeben?" - "Klar, war doch schon vorm Frühstück!" "Haha, war Spaß für Sabine!"
Diesen täglichen Morgen-Check werde ich vermissen – soll ich ihn vielleicht zuhause einführen? 🤪
Kurz vor der Fahrt durchs Anderson-Gate sehe ich noch zwei Giraffen-Popos.
Besser als nichts.... An dieser Stelle wird es Zeit für ein Etosha-Fazit: die Unterkunft in Okaukuejo fand ich okay, ich hatte aber auch eine sehr geringe Erwartungshaltung. Dass uns das Wetter einen solchen Streich spielt, konnte ich bei der Buchung nicht ahnen.
Das Wasserloch war dadurch eine Null-Nummer – und dabei hatte es in meinen Überlegungen eine solch riesengroße Rolle gespielt.:(
Dumm gelaufen..... Mehr Zeit hätte für die Fahrten im Park sicher gut getan – ich hatte immer gedacht, man solle mehr Zeit einplanen, damit man die Fülle an Tieren auch richtig verarbeiten und genießen kann.;) Aber es war wohl eher so gemeint, dass die Chance, irgendwas zu sehen, dann ein bisssssschen größer wird. 😛
Landschaftlich gab bei unserer Fahrt einige recht öde Ecken, aber wenn ich richtig gelesen habe, sieht das nach Osten hin besser aus. Die Fotos von einigen von Euch machen auf jeden Fall Lust auf mehr!
Für uns wäre Etosha wirklich DIE große Enttäuschung gewesen, wenn wir die Löwen am ersten Nachmittag nicht gesehen hätten. Aber auch da muss man sagen: meine Fotos täuschen. Meine Bridgekamera hat einen 35fachen optischen Zoom und half mir somit, die Löwen hinterher gut zu sehen, bzw. mir quasi als Fernglas zu dienen. Anstrengend aus dem Busfenster raus war es aber allemal... Und ein Face-to-face-Feeling kam definitiv nicht auf!😊
Trotzdem ist das Jagdfieber in mir erwacht und ich sehe mich irgendwann in den nächsten Jahren selber durch den Park fahren – und dann werde ich garantiert bis Halali (und noch weiter) kommen!!! 😁
Die Karte, die ich mir im Shop in Okaukuejo gekauft hatte, ist prima – die Streckenführung ist super nachzuvollziehen und die vielen Wegweiser im Park machen das Ganze narrensicher. Etosha – ich komme wieder!😜
Weiter geht’s. Hinter dem Anderson Gate machen wir bereits wieder einen Stopp – was ich ganz und gar nicht nachvollziehen kann. 😠 Aber Tulivu hat wohl gute Connections zum Etosha Safari Camp und so lädt er uns dort zum Shoppen ab. Hmmm, das wäre jetzt aber nicht nötig gewesen – wir hatten doch schon auf der Herfahrt ausgemacht, dass wir dies in Outjo machen werden. 😊
Ich fühle mich wie auf einer Kaffeefahrt und werde langsam stinkig – eigentlich will ich keine Zeit bei einem sinnlosen Einkaufsbummel verlieren, sondern so schnell wie möglich nach Erindi fahren. Dieses Shoppen geht mir schon zuhause auf den Geist – das brauch ich im Urlaub nicht auch noch bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch wenn der Laden ja ganz nett ist. Gezieltes und geplantes Beutemachen in Outjo ist okay, mehr nicht (in dieser Beziehung fehlt mir eindeutig ein Frauengen).
Und dieses Mal wird es auch noch besonders nervenaufreibend:Birgit jagt zum ich weiß nicht wievielten Male einem "Bluserl" nach – ein Hin- und Her wegen der Größe, fragt mich besser nicht...😃
Andere brauchen unbedingt Schals, Ketten und was weiß ich. Meine Schwester und ich nutzen die Zeit wohl oder übel, um unserer Patentante ein Halstuch auszusuchen. So was geht aber doch schnell! Also habe ich auch noch Zeit, um ein Armband für die Freundin meines älteren Sohnes zu finden, denn aus dem Augenwinkel sehe ich, dass bei den anderen Damen (meine Schwester nehme ich natürlich aus) nichts voran geht. 😕
Die zielführende Modeberatung deren Ehegatten, respektive Väter ("Jetzt nimm doch des Tuch, des isch doch okay") hilft auch nicht wirklich weiter, denn wer hört in solch einem Fall denn schon auf die Männer? "Moinsch echt? Ach nö, die Farb schdehd mir ned, was moinsch du, Andrea?" "Herbäärt, Schatzi, moanst i soll's Bluserl a Numma grrrößer nehma? Woart, i frog amol ob des a in Grün do is!" Bluserl an, Bluserl aus – ich krieg die Krise 🤩 !
Leider schaffe ich es nicht, mich in den Matze Kleinschen Gemüsemodus zu versetzten. Schlechtes Karma.... Leise vor mich hinmaulend verlasse ich gefolgt von meiner Schwester, der es nicht anders geht, den Saal. In diesem gibt es zu allem Überfluss auch noch irgendein Kreditkartenproblem, was nachher als einzige Entschuldigung für die Verspätung herangezogen wird. Puh, bin ich genervt! 😎 Aus Protest gibt es auch keine Fotos - wobei die Lage der Lodge eigentlich recht nett ist und das was man davon sieht, auch. Die anderen merken meine Verärgerung und denken sich sicher ihren Teil über mich und meine Ungeduld....Ich werde damit leben können! 😛
Einzig die Tatsache, dass es kurzfristig auch zwischen Detlef+Andrea und mir kriselt, betrübt mich 🙁 . Detlef versucht mich mit dem Argument, dass solche Einkäufe eben auch schöne Erinnerungen darstellen, zu besänftigen. Jaaaa, ich weiß, er hat Recht! Aber ich bin jetzt einfach schlecht drauf.... 😠
In Outjo werde dann auch ich endlich fündig, zumindest zum Teil – eine kleine Tischdecke, eher eine Mitteldecke oder wie man das nennt, hat es mir besonders angetan. Die warmen Gelb- und Erdtöne (etwa wie diese Kissen hier auf dem Foto)
an sich sind ja schon genau das, was ich suche – aber in der Mitte ist auch noch eine Giraffe!! YES!! Ich muss nicht lange überlegen - gekauft! 😁 (Dieses Teil wird zuhause von Sohn Nr.1 als Wandbehang annektiert).
Total happy kaufe ich noch ein paar Kleinigkeiten - die Giraffe im Hintergrund des Fotos lasse ich aus Vernunftsgründen stehen - und wechsle dann zum deutschen Bäcker über. Wir haben Order uns etwas für ein Picknick zu kaufen. Dort gibt es eine riesige Auswahl leckerer Sachen, Andrea lotst mich dann auch noch auf das schöne Klo und dann müssen wir auch schon wieder in unseren Bus einsteigen. Auf der Weiterfahrt um 10.15 Uhr bewundern wir erst mal gegenseitig unsere Einkäufe und leeren auf Befehl von Tulivu endlich mal die Sherryflasche. Die Stimmung ist wieder recht gut.😁
Weiter geht’s nach Otjiwarongo – dort gibt es einen Superspar, der größte von Namibia, wenn ich mich richtig erinnere (Foto erspar ich euch). Schnell noch tanken und...Ihr ahnt es schon – auch hier gibt es Shops!😳 Diesmal zieht sich das aber mangels Angebot nicht so lange hin und wir machen uns auf nach Erindi.
Um 12 Uhr gibt es ein Picknick an der B1 – selten so idyllisch gegessen in Namibia!😊
Wenn man auf die Karte schaut, denkt man, dass man sich eigentlich schon kurz vor Erindi befindet. Aber weit gefehlt – wir rumpeln noch einmal starke 2 Stunden durchs Land. Sobald man von der B1 auf die D2414 abbiegt, verwandelt sich die Straße in eine Zumutung.
Auf den guten Passagen gibt es eine Spur, die einigermaßen fahrbar ist (im Vordergrund), auf den schlechten muss Tulivu mit dem Bus auf den Spurrillen balancieren (im Hintergrund). Unterwegs sehen wir eine Giraffe in der hohen Umzäunung einer Jagdfarm.
Innerhalb sind die Zäune nur halb so hoch und wir erleben, wie die Giraffe mal eben über den Zaun zu den Rindern steigt, die einen großen Schreck bekommen. Leider erfahre ich von Tulivu, wozu sich die Giraffe auf der Jagdfarm befindet: als Trophäe... 🙁
Trotzdem genießen wir die schöne Landschaft unterwegs.
Nachdem wir das Tor zur Erindi Game Reserve passiert haben, biegen wir nach kurzer Zeit nach Süden ab – weitere 20 km sind zu bewältigen.
Diese Pad ist in einem besseren Zustand, allerdings sehr schmal, so dass wir uns überlegen, was bei Gegenverkehr zu tun wäre. Die Gefahr ist gering, denn ist ja schon Nachmittag und da wird wohl niemand mehr Erindi verlassen. Die Landschaft ist wunderschön, sehr grün und hügelig.
Letzteres führt natürlich dazu, dass der Weg sehr kurvig ist, so dass wir wieder nur langsam voran kommen. Zu meiner großen Freude sehen wir Erdhörnchen
und endlich auch Warzenschweine in echt – auf den Schildern waren sie uns ja schon lange angekündigt worden. Sie rennen in einer Herde von Antilopen herum (Impalas waren es wohl)).
Sie kommen her,
schauen neugierig
und düsen dann davon
Ich könnte mich schieflachen über ihre hochaufgereckten Schwanz-Antennen!!
Kurz vor unserem Ziel sehen wir eine einsame Giraffe
und unser Guide gibt uns wie immer ein paar Informationen über unsere Unterkunft – allerdings kann er sich dieses mal einen süffisanten, ja sogar leicht bissigen Ton nicht verkneifen. Der "stinkreiche Südafrikaner" (O-Ton Tulivu), der sich das Land für Erindi zusammengekauft hat, scheint nicht zu seinen besten Freunden zu zählen.;) Die Mischung von Tieren, die hier angesiedelt wurden, findet unser Guide etwas sonderbar. Naja, schaumermal...😐
Beim Einchecken um kurz vor halb drei müssen wir eine Erklärung unterschreiben, dass wir uns der Gefahren bei den Game Drives durch die freilaufenden Wildtiere bewusst sind. 🤩
Dann beziehen wir unsere Zimmer in den Reihenbungalows am Eingang des Geländes:
Boah – das sind ja tolle Zimmer!😜 Riesengroß, alles da was frau braucht - sie sehen in echt besser aus als auf dem Foto! Und das Bad – ein Traum!
Die Terrasse ist nett dekoriert und es stehen zwei gemütliche Ledersessel und ein Tischchen darauf.
Der Blick geht nach rechts zur Rezeption, alles ist schön grün,
und nach links zum kleinen Wasserloch, von dem man allerdings wenig sieht (dafür kann man den Reihenhauscharakter gut erkennen 😉 )
Ich mache es mir kurz mal auf der Terrasse gemütlich – viel Zeit ist leider nicht, denn in einer knappen Stunde beginnt schon unser Game Drive. Man kann im Sitzen viele Vögel beobachten,
leider ist der Grey Lourie hyperaktiv und lässt sich schwer fotografieren. Graulärmvogel heißt er auf Deutsch – aber ich kann mich nicht erinnern, dass er laut war - nur sehr sehr schnell!
Wir machen nun noch einen kurzen Spaziergang übers Lodge-Gelände – es gefällt uns sehr gut, auch wenn es irgendwie unwirklich scheint, inmitten dieser einsamen Landschaft so viel Luxus vorzufinden.
Am Wasserloch, das eher ein See ist, chillt eines, nein zwei der Hauskrokodile.
Alles wirkt hier sehr ruhig und friedlich, bis...ja, bis wir unterwegs Achim treffen. 😵
Fortsetzung folgt! 😉
Teil 2728. Juli 2011
Champagner schrieb:
Alles wirkt hier sehr ruhig und friedlich, bis...ja, bis wir unterwegs Achim treffen. 😵
Fortsetzung folgt! 😉
Dienstag 10. Mai 2011 – Game Drive auf Erindi
Ja, Achim läuft uns in der Nähe unseres Bungalows über Weg - und mein Mann meint ganz ohne Hintergedanken zu ihm: "Na, das ist jetzt aber mal eine Unterkunft nach unserem Geschmack, oder? So könnte es immer sein!"
Wer jetzt mit Begeisterung von Seiten Achims gerechnet hat, liegt komplett daneben! Mit sauertöpfischer Miene erwidert er recht aufgebracht: "Von wega! Ward Ihr driba beim Pool? Hen Ihr dess gsäa? Jetzt wissa mer, dass mer Gäschde zweiter Klasse sen!"
Hääää????? 😊 😊 Erstens weiß ich bis heute nicht, was er eigentlich gemeint hat – ich vermute mal, Zimmer die von außen und von der Lage her besser aussahen als unsere – denn er wird wohl von niemandem eingeladen worden sein, das Interieur zu begutachten.
Nun dürfte ja jedem gebildeten Mitteleuropäer klar sein, dass man als Busgruppe nicht die nobelsten Zimmer bekommt – schon mal alleine aus dem Grund, weil es gar nicht so viele gleichwertige gibt. Außerdem ist die Reise vom Preis her keine 5-Sterne-Angelegenheit (es gab durchaus vom selben Anbieter Reisen, bei denen man Luxusquartiere wählen konnte, es einem beim Blick auf den Preisteil dann aber schwarz vor den Augen wurde). Wenn man sich mit Erindi ein bisschen beschäftigt hat, weiß man, dass es ein paar Häuser zum großen Wasserloch hin gibt – die befinden sich aber doch nicht beim Pool? Was also könnte er gemeint haben? Vielleicht kann mir Gerd oder sonst jemand, der sich auskennt, weiterhelfen?
Sei es wie es will – seine Reaktion finde ich komplett daneben – dafür fällt meine Antwort eigentlich recht normal aus: "Also mir gefällt unser Zimmer und ich finde es völlig ausreichend. Gäste zweiter Klasse – was soll das? Und was erwartest du? " Höchst übellaunig bruddelt er nur irgendwas vor sich hin, das sei unverschämt, was einem da geboten wird, und macht sich vom Acker.
Ich bin perplex – ist der Typ jetzt vollends durchgeknallt? 🤩 Oder lässt er in den letzten Stunden des Urlaubs seine Maske nun fallen? Wir gehen kopfschüttelnd auf unser Zimmer, um uns für den Game Drive fertig zu machen. Mein Mann, der ja eher zu der schweigsamen Sorte gehört und bis dato noch keine Bewertung über die Mitreisenden abgegeben hat, meint nur: "Also wenn das eine gute Reisegruppe sein soll, dann will ich keine schlechte kennen lernen!" (Es ist seine erste Gruppenreise!). Was genau er über Achim in diesem Zusammenhang sagt weiß ich nicht mehr und will ihn daher nicht falsch zitieren, aber was Nettes war es garantiert nicht....😗
Naja, was soll’s , wir freuen uns auf den Game Drive – das letzte Event der Reise! Frohgemut schlendern wir zum Treffpunkt, Abfahrt ist für 15.30 Uhr geplant. Auf dem Parkplatz stehen einige sehr gepflegte Geländewagen – und ein Angestellter der Lodge, der die Besucher verteilt.
Nun soll es für uns eine ganz sonderbare Aufteilung geben: 9 Leute in einem Wagen und 2 in einem anderen. 😮 Das gefällt uns nicht, zumal die beiden Fahrzeuge, so wie wir das verstehen, für uns alleine sein sollen und dies also keinen Sinn macht. Auch Birgit protestiert, sie erinnert daran, dass sie alleine mit ihrem Mann in einem Fahrzeug beim Wüstenelefanten-Track unterwegs war – und das will sie nicht noch mal haben.
Wenn ein Afrikaner aber mal eine Idee im Kopf hat, so ist ihm die schwer wieder auszureden. Ich fange auf Englisch eine Diskussion mit ihm an - das alles verwirrt ihn aber mehr als dass es zur Klärung beiträgt, er holt einen zweiten Mitarbeiter hinzu, Tulivu mischt sich auch noch ein und dann zieht sich Afrika zur Beratung zurück. 😉
Wir stehen rum und warten, Sabine und Elke schauen sich ein bisschen weiter weg in der Umgebung um – und Achim flachst in seinem bekannt forschen Ton: "So, jetzt deil i mol die Fahrzeig ai." Wir lachen und ich erwidere grinsend (und in Wirklichkeit wäre es mir fast noch wichtiger, nicht bei Birgit zu sitzen, denn ich kann ihre süßliche Art nicht so gut ab – das hatte ich im Rüberlaufen auch Elke so gestanden): "Okay, dann mich bitte nicht in deinen Wagen!"
Huch, was hab ich getan??? 🤩 Achims Gesicht verzerrt sich und er zischt mich an: "Ssssso, desss war jetzd aber des ledschde Mol dass du was zu mir gsagd hasch auf der Raise!"
Boing!!!! Was ist denn nu los????? 😕 Die ganzen zwei Wochen lang hat man, nicht nur ich und Achim, hin und her geflachst, Späßle gemacht, alles im Rahmen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Die Umstehenden weichen erschrocken zurück und alle machen ein betretenes Gesicht. Ich sage nur: "Oh, sind wir heute mit dem falschen Fuß aufgestanden?" (Und denke mir: das kannst du gerne haben – ich sage nichts mehr zu dir! Du bist ab jetzt für mich nicht mehr existent! 😛 )
Es gibt ihn aber noch und er zieht sich in Richtung seiner Familie zurück. Dort beklagt er sich offensichtlich über mich, denn plötzlich kommt Tochter Sabine wie eine Furie auf mich zu: "Was hasch denn du zu maim Vadder gsagd?" Ich wiederhole den kleinen Dialog und füge hinzu: "Aber weißt du was? Wenn ich es mir genau überlege, stimmt das sogar, ich hab nämlich keine Lust, mir wieder die ganze Fahrt über das Genörgel von deinem Vater anzuhören!"
"Waaaas? Mai Vadder nörgelt doch ned!" Haha, und was war das beim Wüstenelefanten-Trip? 😊 Und auch sonst immer mal wieder? Hat sie nicht selber mal bei einer solchen Gelegenheit über ihren Vater gestöhnt?? Jetzt reichts mir aber und ich zitiere sein letztes Gemaule: "Was war denn dann das mit den Gästen zweiter Klasse?" Sie: "Ja, aber da muss i ihm irgendwo Rächt gäba!"
Wie bitte? Das Ganze wird immer bizzarer! Jetzt kommt nämlich auch noch Gattin Elke und mischt sich mit einem völlig abstrusen Beitrag ins Gespräch ein: "Und überhaupt, mir sen immer do hinda auf de schlechde Plätz gsässa, des muss I jetzd mol saga, die ganze zwoi Wocha."
Hallo – was hat das denn jetzt damit zu tun? Ich bin völlig überfordert von der Logik dieser Familie!! Nun mischt sich Birgit ein – und zwar mit viel Elan und recht sachlich - und dafür bekommt sie 10 Pluspunkte von mir: "Jetzt sog i dir amol wos, Elge: jeden Dog homma aufs Naie gfrogd, ob jemand onderes vorn sitzen will und immer hots ghoaßa: na!" Hmm, da fällt Elke nichts mehr ein. Andrea weist sie auch noch mal darauf hin, dass sie immer nach vorne ist, wenn ihr die Fahrt zu ruppig war und dass das überhaupt kein Problem war, weil es ja genug Platz gab – warum hat Elke das nicht gemacht?
Ich verweise euch, liebe Fomis, noch mal auf Seite 6 meines Berichtes, ziemlich weit unten – vielleicht wisst ihrs auch noch so: Elke und Sabine wollten bewusst da hinten sitzen!!! Von daher kann keiner nachvollziehen, was Elke eigentlich will und man lässt die Familie B. ein bisschen auf der Seite stehen - vielleicht beruhigen sie sich ja wieder, bis der Drive beginnt.
Endlich kommt auch die afrikanische Delegation und siehe da – man hat eine Möglichkeit gefunden: wir dürfen uns auf zwei Wagen verteilen, 6 in den einen, 5 in den anderen. Hui, das ist jetzt aber mal eine innovative Lösung! Da wären wir alleine vermutlich nicht drauf gekommen! 😄 😗
Die Gruppe teilt sich recht schnell auf: Wir drei plus Martin, Detlef und Andrea steigen in den einen, Familie B. sowie Birgit und Herbert in den andern Wagen. Tulivu, der sieht, dass es noch Platz hat, fährt spontan bei den anderen mit.
Uff, jetzt kann’s also losgehen zu unserem letzten Drive – und das auch noch mit den Mitreisenden, die mir am liebsten sind! Da freu ich mich doch glatt! 😁 Hinzu kommt, dass uns als Fahrer Sahneschnittchen Nr.3 zugeteilt wird 😘 – Mike, ein netter Kerl aus Australien, der dort irgendwas in Richtung Naturschutz oder so studiert hat. Er erzählt uns, wie glücklich er darüber ist, dass er die Anstellung auf Erindi bekommen hat.
Die Fahrzeuge – ich schätze mal, es sind fünf oder sechs Stück, verteilen sich recht schnell über das Gelände, nur ein Wagen mit einem Bushman als Tracker verfolgt uns noch eine Weile. Mike meint augenzwinkernd, dass wir keinen Tracker bräuchten – wir hätten ja ihn.
Er fragt uns, was wir denn gerne sehen würden – aber was antwortet man da? Ehrlicherweise müssten wir sagen: 10 Elefanten, 3 Nashörner, 2 Leoparden, und Löwen und Geparden wären auch was Nettes. Aber wir sind ja bescheiden und murmeln irgendwas von Elefanten vor uns hin und dass es uns aber eigentlich egal sei. Außerdem: sind wir hier denn im Lokal, wo man sich irgendwas von der Speisekarte bestellen kann? Wir wissen inzwischen nur zu gut wie das läuft – also erwarten wir......NICHTS!!
Die Fahrt an sich ist sehr schön,
Mike weiß sehr viel, wenn auch nur auf Englisch, er steigt immer mal wieder aus, erklärt uns die Spuren
und wir genießen die letzte Naturfahrt
– wann werden wir so etwas wieder erleben? Nicht so bald, soviel ist sicher....
Das Wetter ist herrlich - vom Regen der letzten Zeit sieht man nur noch die Reste
und ab und zu entdeckt man sogar ein Tier.
Nilpferd und Krokodil in einem recht großen See (es handelt sich hierbei nicht um das Wasserloch direkt bei der Lodge):
Wiedehopf, leider im Gegenlicht
Ein müder Strauß
Ein unscharfer Klippschliefer
Kuhantilope
Giraffe 😘
Familie Frankolin
Nach 1,5 Stunden steht die Sonne recht tief
und uns wird klar – das war’s dann mit Elefant und Co. Mike funkt eifrig mit seinen Kollegen – wir kennen das Prozedere ja von der Anib Lodge: es wird wohl ein gemeinsamer Platz für den Sundowner gesucht. Uns ist allerdings nicht klar, warum wir uns immer weiter von der Lodge (so haben wir zumindest das Gefühl) entfernen und warum in einer solch hohen Geschwindigkeit? Naja, Mike ist noch nicht lange hier, vielleicht kennt er sich noch nicht so gut aus....😐
Irgendwann entdeckt er auf dieser Strecke
einen winzig kleinen Steinhaufen: er redet über Funk mit einem Kollegen und ich höre, dass er ihm den Fund des Steinhaufens meldet. Juhu, wir haben uns also doch nicht verirrt! Wir biegen ins Gebüsch ab – jetzt wird Offroad gefahren. Komisch, ein Fahrzeug der Lodge (aber nicht mit unseren Leuten) kommt uns entgegen, der Fahrer zeigt den erhobenen Daumen. Aha, die anderen sind wohl auch froh, dass sie Mike gefunden haben!;) Aber hallo, warum fährt der Wagen an uns vorbei und verschwindet Richtung Straße? Die Sonne ist doch am Untergehen – was ist mit unserem gemeinsamen Sundowner?
Mike holpert weiter durchs Gebüsch und funkt mit einem Kollegen, der ihn irgendwohin zu lotsen scheint. Wir sehen wieder ein Fahrzeug, dass sich aber auch von uns entfernt. Nun sind wir alleine mitten in der Wildnis.... Schaut man nach links, sieht man dies:
Schööön!
Sieht man nach rechts, sieht man – recht unscharf, weil es schon ziemlich dunkel ist - das:
Aber Moment mal, dieser Erdhaufen, da steht doch noch was in derselben Farbe daneben? Sieht nicht wie ein zweiter Erdhaufen aus, oder?... Ich zoome ran:
Das gibt’s wohl nicht – ein Gepard! Steht da einfach so rum, beleuchtet von der Abendsonne! Darum ging’s also bei der ganzen Aktion!
Wir verfolgen ihn langsam und da sehen wir: es ist nicht einer, es sind mehrere! Nach kurzer Zeit versammeln sie sich wie einstudiert auf einem Erdhaufen.
Was für ein Anblick! Die Stimmung ist unbeschreiblich, die tiefstehende Sonne
und vier wunderschöne Tiere!
Sie scheinen recht gelassen zu sein, einer legt sich gemütlich hin.
Mike funkt mit einem Kollegen, der offensichtlich auch noch herkommen möchte. Er lotst ihn übers Mikro, während wir 10 Minuten lang in Ruhe die vier Raubkatzen beobachten können. Wow! Auf diesem Foto sieht man, dass die Tiere wirklich in Sichtweite sind.
Wir verständigen uns in knappen Worten leise flüsternd und haben viel Zeit zu fotografieren und zu filmen. Wir erkennen nun auch, dass alle Sender tragen.
Zurück in Deutschland lese ich nach: es sind die vier Geparden-Damen aus diesem Bericht
Deshalb sind sie also auch so wenig scheu. Kurzfristig mischt sich ein bisschen Enttäuschung in unsere Euphorie: sie haben Sender, sie sind also nicht wirklich wild! Allerdings werden sie – wenn ich das richtig verstanden habe – nicht gefüttert und laut Mike findet man sie auch nicht regelmäßig. Man ortet sie zwar recht leicht, aber es kommt immer drauf an, wo sie sind – man kann nicht in jedes Gelände einfahren. Mike hat sie wohl zuletzt vor 2 Wochen gesehen (ich glaub das jetzt einfach mal – was soll’s!).
Nun wird’s aber Zeit zum Heimfahren – außerdem kommt jetzt noch mal ein Wagen, der die Geparden für sich haben will. Allerdings hatten wir definitiv mehr Glück, denn inzwischen wird es schon fast dunkel – fotografieren kann man sicher nicht mehr gut. Und zudem beschließt die Gruppe weiter zu ziehen:
Zurück auf der Straße gibt’s einen schnellen Drink und die Stimmung ist bestens. Detlef, der Pädagoge aus Frrrrangen, will dann aber doch wissen: "Sach amol, wos hod denn der Achim ghobt?" und ich erzähle das Ganze noch mal schnell. Jeder gibt seine Meinung über Achim ab und die ist einhellig: natürlich meckert er ständig rum, das nervt alle! Und die Platzproblematik von Elke kann auch niemand nachvollziehen. Gut, dann bin ich doch nicht so ganz daneben mit meiner Einschätzung. Manchmal zweifelt man ja an sich selbst....
Die Rückfahrt zieht sich dann natürlich ziemlich und zu allem Überfluss stoßen wir auch noch auf ein Fahrzeug mit einem Platten. Die Gäste sind ausgestiegen und wir hoffen, dass wir keine Raubkatzen vertreiben müssen. Mike hilft derweil dem anderen Guide beim Reifenwechsel – praktisch veranlagt ist der nette Kerl auch noch! Er übernimmt das Kommando und der Reifen ist ruckzuck gewechselt.
Dann endlich geht’s zurück zur Lodge. Es gibt dann auch recht schnell Abendessen - was uns dabei stört, ist die sehr enge Bestuhlung - man kommt dadurch kaum an seinen Platz. Das Buffet ist am Anfang gut, aber dann werden die leckeren Dinge nicht nachgefüllt. Schade... Dafür sind die Getränke alle im Preis inbegriffen.
Im Restaurant befinden sich auffällig viele - vermeintliche - Russen. Martin aus Laibzisch klärt uns aber auf, dass es Balten sein müssen. Russisch kann er noch aus alten Zeiten - und das sprechen die definitiv nicht. Egal was es sind - wir amüsieren uns über die Kleidung der Damen, die überall hin passt nur nicht nach Afrika. Ein kurzes Stück Stoff, dazu hochhackige Sandalen. Naja, wem's gefällt...;) Sieht für unseren Geschmack aber völlig deplaziert aus.
Wir hören von unserer anderen Gruppe, dass sie einen Elefanten und einen Löwen gesehen haben, außerdem haben sie noch einen eigenen Plattfuß auf der Hand. Wir bieten 4 Geparden sowie einen fremden Blattfuß dagegen. Speziell Birgit ist sehr enttäuscht, dass sie die Geparden nicht gesehen hat – und da tut sie mir wirklich leid. Sie hatte extra ihr "Leiberl" mit einem aufgestickten Gepardenkopf bis zum Ende der Reise aufgespart und heute angezogen....
Mit Achim (und auch der restlichen Familie B. - Sippenhaft 😉 ) rede ich seinem Wunsch entsprechend kein Wort – und ich werde das auch bis zum Ende der Reise durchhalten!
Wir stehen mit Andrea und Detlef noch kurz auf der Terrasse und beobachten ein Nilpferd. Allerdings ist es sehr dunkel und man sieht es nur schemenhaft. Das Starren in die Dunkelheit macht müde und so verschwinden wir alle bald in unsere luxuriösen Betten!
Teil 2830. Juli 2011
Mittwoch, 11. Mai – Von Erindi nach Windhoek, Rückflug am Abend
Heute dürfen wir bis 10 Uhr auf der Lodge bleiben – ein gutes Gefühl, einmal nicht im Morgengrauen den fertig gepackten Koffer vor die Tür stellen zu müssen.
Trotzdem bin ich schon um 6 Uhr unterwegs zum Haupt"wasserloch" (See) vor der großen Terrasse. Hier ist es wirklich schön, man könnte lange auf den gemütlichen Sesseln sitzen
nur ist leider nicht viel zu beobachten.
Das Hippo, das jetzt noch an Land unterwegs ist,
zieht sich bald ins Wasser zurück und man hört dann nur noch ab und zu das lustige Schnauben und Prusten von ihm und seinen Kollegen.
Am kleinen Wasserloch vor unseren Bungalows treiben sich ein paar Gnus herum
und zum Abschied noch ein paar Warzenschweine.
Das Frühstück hat offensichtlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn ich kann mich an keine Einzelheiten des Büffets mehr erinnern. Wir schwärmen aber dabei noch mal von unserer Gepardensichtung gestern Abend.
@ Alle, die mich wegen der Sender angeschrieben haben: es geht mir weniger darum, dass bzw. ob die Geparden fotogen oder wild sind, sondern wohl eher darum, dass wir die Tiere nur durch technische Hilfsmittel gefunden haben.
Wobei – wie schon von mir und anderen gesagt – die Ortung nur bedingt sicherstellt, dass man die Tiere dann auch tatsächlich sieht. Von daher wissen wir das Erlebnis durchaus sehr zu schätzen – und ganz besonders die tolle Abendstimmung dabei, die das "Tüpfelchen auf dem i" war!
Nach dem Frühstück sitzen und stehen wir und unsere netten Nachbarn Detlef und Andrea auf der Terrasse,
stellen fest, dass die Sattelschrecken auch hier unterwegs sind und amüsieren uns über einen Springbock, der seinem Namen alle Ehre macht. Wie ein afrikanischer Derwisch hüpft und rennt er durchs Lodgegelände.
Noch schnell ein Blick in den Shop geworfen – keine Tischdecken – und dann geht’s auch schon los zum letzten Bus-Boarding.
Unterwegs sehen wir noch einmal die große Impala-Herde vom Vortag, dieses Mal ohne Warzenschweine, dafür mit wesentlich besseren Lichtverhältnissen. Ich schiebe mein Fenster auf und fotografiere und filme.
Dabei bemerke ich nicht, dass Birgit auch gerne zum Zuge kommen würde und ich ihr aber mit meinem breiten Rücken die Sicht verstelle. Gerade als sie mich bittet Platz zu machen und ich dies auch tue, kommt aus dem Heck des Busses von Sabine ein überdeutliches, süßlich säuselndes "Birgit, kommt doch zu uns nach hinten zum Fotografieren, wir lassen dich ans Fenster!. Ja, schon gut, ich habs kapiert und weiß ja selber, dass ich manchmal in Fototrance falle und dann unhöflich die vermeintlich besten Plätze blockiere(wobei es immer noch andere gäbe)... Birgit nimmts aber recht gelassen und bleibt vorne.
Noch ein letzter Blick auf die schöne Landschaft von Erindi
und dann fahren wir durchs Tor und sagen tschüss.
Fazit Erindi: sehr schöne Zimmer, äußerst gepflegte Anlage, tolle Terrasse. Das Essen und der Service im Lokal fallen dagegen ein wenig ab, sind aber ausreichend für meine Bedürfnisse.
Die Fahrt am Abend war sehr schön, man hatte hier den Eindruck von wesentlich mehr Professionalität als beim grootbergschen Wüstenelefanten-Tracking. Besser als auf der Anib Lodge war es aber auch nicht – nur gibt es auf Erindi natürlich ganz andere Tiere und auch die Landschaft ist noch abwechslungsreicher.
Ich hätte gerne ein wenig mehr Zeit gehabt,um in Ruhe am Wasserloch zu sitzen – auch wenn ich befürchte, dass ich trotzdem nicht mehr gesehen hätte außer den Krokodilen (die ja aber eigentlich in dieser Gegend nichts zu suchen haben), dem (fast unsichtbaren) Hippo am Abend und dem deutlicheren am Morgen. Zwei Giraffen, kaum zu sehen am Horizont gab es auch noch – und das war’s (am Wasserloch). Gerd, da hast du mir ein weiteres Mal ein bisschen zu viel versprochen!!! (Bist du eigentlich regresspflichtig? 😄 )
Auch hier gilt also: vielleicht muss ich noch mal kommen.....
Kurz nach dem Gate müssen wir einen Stopp einlegen – Sabine-Schätzle ist es wohl schlecht 🤢 (bestimmt weil sie hinten sitzen muss! 😛 ). Aufgeregt werden von Mama Medikamente aus dem Koffer, der natürlich erst aus dem Kofferraum geholt werden muss, zusammengesucht und die Behandlung "vom Mädle" kann beginnen. 🙄
Ja ich weiß, man soll nicht lästern, wenn es jemand schlecht geht, aber den Wirbel, der hier und auch an anderen Stellen um ein 30jähriges "Kind" 😊 gemacht wird, finde ich schon recht sonderbar, passt aber in mein Bild der Familie.
Wir fahren über die üble Piste
Richtung B1 und dann heißt es Abschied nehmen von Sandpad und Gravelroad, von Schlaglöchern und Verspülungen (da vorne sieht man Teer!!).
In Okahandja erklärt uns unser Guide, dass er für seine Hochzeit hierher geflüchtet sei – und trotzdem noch jede Menge mehr Gäste kamen als eingeladen waren (ist wohl so üblich). Dann zeigt er uns noch die Hererogräber und meint augenzwinkernd, ob wir wüssten, für wen der 4.Platz reserviert sei? Naja, klar, für ihn, den Ovambo-Held!:P
Tulivu tankt noch schnell und dann sollte es eigentlich weitergehen nach Windhoek. Erst will aber Detlef noch ein paar Schlussworte an uns und ein paar Dankesworte an Tuilvu loswerden. Also Motor und Klimaanlage aus und Ohren gespitzt.
Detlef macht es kurz und dann... nein, wir fahren immer noch nicht weiter, denn jetzt will Birgit noch! Oweia...😜 aber es wird dann doch ganz lustig, auch wenn es im Bus immer heißer wird.:S
Innerlich lachen sicher alle diejenigen von uns im Bus, die Hummeldumm gelesen haben, denn Birgit alias Pepi Gruber setzt (nichtsahnend, sie kennt das Buch nicht) zu einem selbstverfassten Gedicht an! Echt – ich hab das nicht erfunden!! 😎 Und ich brech schon vor innerlichem Lachen zusammen, bevor sie überhaupt loslegt!😜
Jetzt weiß ich auch warum sie in den letzten Tagen so häufig mit Papier und Bleistift anzutreffen war! Leider geraten ihr die Zettel immer wieder durcheinander und sie verliert entsprechend oft den Faden – außerdem trägt sowohl ihr hartnäckiges Verdrehen einiger Orts- und Landschaftsnamen als auch unser Wissen über ihren dichtenden Kollegen bei Jaud zur allgemeinen Heiterkeit bei. 😄 😄
Damit Ihr auch was zu lachen habt, hab ich meine Video-Aufnahme abgehört. Dabei ist mir übrigens noch eine Macke von ihr aufgefallen, die ich wohl verdrängt hatte beim Berichtschreiben: um uns ihr kosmopolitisches Wesen näher zu bringen, mischte sie während der ganzen Reise in ihre Redebeiträge gerne ein paar Brocken bayrisches Englisch – denn Bildung is very important, des sog i aich!
Ich zitiere mal ein paar Ausschnitte:
Dulivu und Nambia So a Sänse of Africa Namibia ein Wüstenland Kaner hats von uns gekannt
Im Kalahari Sänds Hodel Fanden wir Erholung schnell. In Joes Beerhouse am round täbel Fanden alle schnell a Fäbel Für die Elferreisegruppe.
Mit 5 Damen und 6 Heeern, brauchte kaner sich beschwärn. Und der zwölfte in der Runde Dulivu Ovambo-Mann Führte unsre Mannschafd an.
Cänjen-Lodsch mit Kugelbärgen Und mit Hütten wie von Zwärgen .............................
Im Regen ließ Dulivu uns stehn, am Tsahir-Pass mussten wir gehn.
(mit dem Namen des Tsaris-Hoogte-Passes stand sie die ganze Zeit auf Kriegsfuß)
Stundenlange Schotterpisten Still wurds in der Rappelkisten Rauf und runda Kreuz und quer Flogen wir im Bus umher
Morgens on the road agän Damara Haiwei namber ten Tief in den Mopanebärgen (auch eine Wortschöpfung von ihr) Sollten Tiere sich verbärgen
Unser Ziel, Damara-Land Für Elefanten recht bekannt Doch auf der Safaritour, gabs Elefanten.....scheiße nur
(das vorletzte Wort hat sie wirklich ganz süß und leise flüstern vorgetragen und hatte die Lacher auf ihrer Seite)
Early in de morning Achim ruft stilvoll in John Waynes Kluft auf zu roten Himbafrauen ließen sich recht gern anschauen Mit den fetten Wuschelzöpfen Un den Oka-Wundertöpfen
(Hier bringt sie eine Zwischenfrage, die ein Beispiel für ihr ganzes Frageverhalten während der Reise ist: Dulivu, Aka oder Oka? Sie hat bis heute nicht verstanden, dass von Ocker die Rede ist....)😉
In der Früh auf Fotopirsch Leider sahn wir meist nur Hirsch Impalas beim Morgensport Gingen von dem Weg nicht fort Er besprang sie voller Lust Sie dagegen zeigte Frust
Tulivu fuhr rauf und runter Herbert fiel den Sitz hinunter Von den Großen der Big Faif Sahn wir leider nur zwei alaif....
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Und so weiter...
Natürlich müssen wir "Eingeweihten" besonders lachen, die Parallelen zu Pepi Gruber sind einfach zu komisch 😄 ! Trotzdem: Hut ab, Birgit! Sie hat sich viel Arbeit damit gemacht und die Reise nett und zum Teil originell zusammengefasst und man konnte auch ohne Hintergedanken an vielen Stellen herzlich und offen lachen! Ehrlich gesagt hätte ich ihr so ein "Werk" gar nicht zugetraut. 5 Pluspunkte 😉
So, Bus und Klimaanlage an und ab geht’s zurück nach Windhoek. Dort werden wir am Kalahari Sands rausgelassen, weil wir uns da schon auskennen. Ein Treffpunkt in zwei Stunden wird vereinbart (zum Glück sprechen wir noch mal über die Abflugzeit, denn Tulivu hatte einen anderen Termin im Kopf und hätte uns ein bisschen zu spät zum Airport gebracht!).
Schnell im Hotel aufs Klo (frau kennt sich ja aus) und dann geht’s auf einen letzten Beutezug ins Craft Center. Tulivu hat uns erklärt, dass hier aus ganz vielen Regionen Namibias Ware verkauft wird und so die Chance, etwas zu finden, das man unterwegs gesehen hat, recht groß ist.
Na also, das wäre doch gelacht - eine Tischdecke muss her! 😁 Mit meiner armen Schwester im Schlepptau, die das Wort "Tischdecke" sicher schon nicht mehr hören kann, machen wir uns auf die Suche. In einem der letzten Shops werden wir fündig – YES! 🙂
Hier auch noch der Vollständigkeit halber ein Foto von dem Wandbehang aus Outjo (beides bereits daheim).
Noch schnell ein paar Kleinigkeiten für die Jungs als Mitbringsel, ein bisschen Schmuck für mich und für Schwesters Nachbarin und dann lassen wir drei uns im Café des Centers nieder. Es wurde ja schon an anderer Stelle darüber geschwärmt – und es ist tatsächlich ein würdevoller Abschluss der Reise! So einen guten Kaffee hatte ich mehr als zwei Wochen lang nicht getrunken und dazu ein ausgesprochen leckeres Stück Kuchen – von Sahneschnittchen Nr.4 serviert.;)
Ich bin froh über diese entspannten Minuten vor dem Rückflug, denn was jetzt kommt, kennt ja jeder. Koffer aus dem Bus laden, Tulivu umarmen, Trinkgeldumschlag in die Hand drücken, Tränchen verdrücken, Koffer schleppen, ängstlich auf die Waage schauen, einchecken, Formulare ausfüllen, dumm rumsitzen.... Aber Stopp, da sind ein paar Dollar übrig und so werden wir erstaunlicherweise doch noch stolze Besitzer einer Giraffe!!
Ausgerechnet in einem kleinen Airport-Shop finden wir das Exemplar, das uns sowohl von der Größe als auch von der Ausführung her gefällt.
(Hier seht Ihr sie wohlbehalten zuhause angekommen zusammen mit ihrem Freund, dem Zebra aus der Grootberg-Lodge!)
So was nennt man Glück! Das Tier wird fachmännisch eingepackt und ich lasse mein Baby nicht mehr aus den Augen, bzw. aus dem Arm. Die anderen (natürlich nicht Familie B., von denen halte ich Abstand – nicht dass mir doch noch ein falsches Wort heraus rutscht) lachen über mich, weil ich mit verträumten Blick das Giräffchen im Arm schaukle. Von mir aus kann es jetzt heim gehen, ich habe alles erledigt!
Hihi,gerade sehe ich, dass im Hintergrund eine der leicht bekleideten Damen aus dem Baltikum unterwegs zur Maschine ist (in apricot, wenig Stoff, leichte Schuhe, das hatte sie schon am Abend vorher an - ich würd mir alles abfrieren im Flieger 😛 !)
Der Flug ist recht ruhig – mal davon abgesehen, dass die Sitznachbarin meines Mannes (meine Schwester und ich sitzen hinter ihm – und auf dem Herflug hat es auch geklappt, dass er den Doppelsitz für sich hatte) unter verbaler Inkontinenz leidet. Oje, so was kann er gar nicht ab (und wer jetzt denkt, dass ich so viel rede wie ich schreibe, täuscht sich!!! Oder, Schwester? Kannst ruhig ehrlich sein!) – ich leide mit ihm!😃
Das Essen schmeckt mir richtig gut, auch das Personal ist entgegem dem Hinflug sehr freundlich – nur mit dem Schlafen wird es wieder nur für kurze Zeit etwas. Mein Rücken kann sich mit den Sitzen nicht anfreunden.:(
In Frankfurt verpassen wir, obwohl wir pünktlich landen, unseren geplanten Zug, da der Zoll nicht öffnet. Alle werden ungeduldig, auch die Crew darf nicht durch. Nach langer Zeit erfahren wir, dass es ein Sicherheitsproblem wegen eines herrenlosen Koffers gibt.
Jetzt waren wir 16 Tage in Afrika – und haben kein einziges Mal so lange gewartet! 😕
Der nette Nebeneffekt ist aber, dass wir am Bahnhof Martin noch mal treffen und wir uns bei einer Tasse Kaffee in Ruhe verabschieden können.
Tja, und dann sind wir wieder zuhause bei Kindern und Katzen!:)
Ein Résumé werde ich auch noch ziehen – und dabei versuchen, möglichst objektiv, sachlich und auch selbstkritisch zu sein. Bis dann.....!
Teil 2931. Juli 2011
Mein Fazit
Bericht: Das Schreiben des Berichtes hat mir viel Freude, Spaß (und einiges an Mühe) gemacht. Ich konnte so die Reise quasi ein zweites Mal durchleben und zurück bleibt eine dauerhafte Erinnerung!
Da ich kaum Tagebuch geschrieben hatte (das muss sich in Zukunft ändern!), musste ich vieles anhand der Fotos und einer Landkarte rekonstruieren. Dabei stellte ich - wie schon auf der Reise selbst - fest: obwohl man z.T. ewig über die Pads gerumpelt ist, hatte man doch das Gefühl, im Zeitraffertempo in völlig verschiedene Landschaften katapultiert worden zu sein. Kalahari, Canyon Lodge, Lüderitz, Sossusvlei, Swakopmund, Damaraland, Etosha..... eigentlich zu viel für (m)einen kleinen Kopf! Deshalb ist solch ein Bericht auch eine Hilfe, alles ein wenig besser zu verarbeiten.
Manchmal hatte ich keine Lust mehr weiterzuschreiben, da vor allem das Aussuchen und Hochladen der Fotos unendlich viel Zeit gekostet hat. Hier gilt mein Danke Euch, liebe Fomis, denn ohne Eure positiven Kommentare, ohne das viele Lob und ohne die Hilfe an manchen Stellen, an denen mir das Fachwissen gefehlt hat, wäre ich vermutlich irgendwo in der Namibwüste ausgestiegen und man würde noch heute nach mir suchen 😄 !
Danke auch an meine Schwester 😘 für ihre Begleitung auf der Reise und beim Berichtschreiben – ich musste öfters mal ihre Erinnerung zu Rate ziehen, bevor ich einen Tag ins Reine tippen konnte. Danke an meinen Mann für seine Fotos und die GPS-Aufzeichnung.
Busrundreise: a) die Fakten:
Es hatte verschiedene Gründe, warum wir diese Art des Reisens wählten – ich will nicht näher darauf eingehen. Unser Guide war klasse, sehr informativ und immer um unser Wohl bemüht (kleine Provisions-Kaffeefährtchen seien ihm verziehen).
Die Tour war gut zusammengestellt, es war die klassische Einsteigerrunde mit tollen zusätzlichen Aktivitäten. Die Quartiere waren im Großen und Ganzen sehr schön und es war mir auch sehr wichtig, dass wir oft zweimal am selben Ort übernachtet haben. Der Bus war sehr bequem und gut ausgestattet. Wir hatten genau eine Panne von ca. 10 Minuten, und das war in Kamanjab, als der Motor nicht ansprang – aber da hatte ja Achim dann seinen großen Auftritt!
Vorteil einer Busrundreise: man bekommt alles recht bequem serviert und kann sich auf die Reise an sich konzentrieren. Nachteil davon: man bekommt nicht ganz das Feeling wie bei einer Selbstfahrertour. Zumindest habe ich von meiner USA-Selbstfahrertour intensivere Eindrücke zurückbehalten, das kann aber auch daran liegen, dass die Söhne mit dabei waren und man vieles mit deren begeisterten Augen gesehen hat.
Für mich war es auf jeden Fall als Einstieg die richtige Art Namibia zu bereisen, weil ich ein kleiner Schisser bin 🤩 und die Straßen inklusive Linksfahren mich doch zu viele Nerven gekostet hätten! 🤪
b) das Zwischenmenschliche:
Ich habe es eben an Uli geschrieben: man muss mit der richtigen Erwartungshaltung an die Sache heran gehen. Wer glaubt dort Freunde fürs Leben zu finden soll ruhig weiter träumen. Unsere Gruppe war sehr diszipliniert, das war mir eigentlich das Allerwichtigste!
Nichts ist schlimmer als die Warterei auf Unpünktliche oder das Umdrehen, weil ein Schussel etwas in der Lodge vergessen hat. So etwas gab es bei uns nicht, was für ein Segen! Klar, Achim war immer der Letzte, der beim Fotografieren wieder in den Bus stieg, aber das blieb im Rahmen und da muss ich mich auch an meine eigene Nase fassen: ich neige gelegentlich zur Ungeduld!
Achim und Birgit bin ich ehrlich gesagt sehr, sehr dankbar! Ohne sie wäre mein Bericht doch recht farblos geblieben..... Schon während der Reise habe ich mich bei einigen Vorfällen gefreut, dass sie mir so schönen Stoff für meinen Bericht liefern. Wie gesagt bin ich ein Fan von Realsatire! Natürlich habe ich vorallem Eigenschaften der Beiden (+ Familie) herausgestellt, die skurril oder nervig waren - das liegt in der Natur der Sache. Sie hatten aber auch ihre guten Seiten, das möchte ich hier betonen! 😉
Und natürlich gestehe ich jedem aus der Gruppe zu, dass – und zwar aus welchen Gründen auch immer - er mich total blöd fand! 🙂
Was meine Lästerei über Birgits Englisch betrifft muss ich mich ein zweites mal an die eigene Nase fassen: im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich den Titel meines Threads ja auch zum Teil in Englisch verfasst habe...😊
Warum Achim mich am Schluss auf dem Kicker hatte weiß ich ehrlich gesagt nicht oder kann es nur ahnen.😕 Vielleicht war ich auch nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber die Sache ist für mich abgehakt, ich wollte die Beziehung zu ihm und auch zu Birgit nach dem Urlaub sowieso nicht vertiefen.:P Man schafft es bei der knapp bemessenen Zeit heutzutage ja kaum die alten Freundschaften zu pflegen....
Hätte ich wählen dürfen, so hätte ich die Reise zu sechst gemacht, also mit Martin, Detlef und Andrea. Die lagen irgendwie auf der gleichen Wellenlänge mit uns, es gab interessante Gespräche und sie hatten auch nicht diese nervenden Afrika-Vorerfahrungen.... Mit ihnen hat es richtig Spaß gemacht zu reisen!
Verblüffend fand ich die vielen Parallelen zu Hummeldumm. Entweder war es purer Zufall oder Herr Jaud hat im Vorfeld ausführliche empirische Forschungen betrieben und seine Gruppe mit den signifikantesten Merkmalen versehen, so dass die Trefferquote beim Vergleich mit anderen Gruppen möglichst hoch ist. 🙄
Beim Buchen einer Busreise sollte man auf jeden Fall beachten: es bleibt ein Restrisiko! Ich denke da nur an die Trenchcoatlady-Truppe im grünen Bus! Die beiden Damen haben wir übrigens auf dem Flughafen in Windhoek wieder gesehen – das hab ich im Bericht total vergessen zu erwähnen. Sie sahen doch seeehr zerknittert aus!
Unser Guide hat uns auch von Gruppen erzählt, bei denen er bestimmte Personen zu Einzelgesprächen aus dem Bus zerren musste – es gibt wohl ab und zu schon richtige Unruhestifter – da war Achim sicher ein Lämmle dagegen. Die Gefahr, unangenehme Typen anzutreffen, steigt natürlich proportional zur Anzahl der Teilnehmer. Dies war auch ein Grund für mich, eine Reise mit einer maximalen Teilnehmerzahl von 19 zu wählen ( und um so besser, dass es dann nur 11 waren).
Die Dauer von insgesamt 18 Tagen (mit An- und Abreise) war gerade noch okay – aber man hat gemerkt, dass nach zwei Wochen doch eine leichte Form von Lagerkoller eintritt (bei uns verstärkt durch die Frustrationen bei der Suche nach Tieren).
Nun aber zum Wichtigsten - Namibia: Ich habe es mir anders vorgestellt – und nicht nur, weil es so grün war durch die lange und ausgiebige Regenzeit. Es war mir nicht klar wie bergig das Land ist und wie wenig es dem Klischee von Afrika entspricht. Man sieht: das ganze Schmökern in Reiseberichten und –führern hilft nichts – man muss selber hin und es sich anschauen!
Wie geschrieben waren wir alle etwas enttäuscht über die Tiersichtungen – wobei man beim Betrachten der Fotos doch wieder einen anderen Eindruck bekommt. Leider ist es so, dass man vor Ort ganz schnell alles als "normal" empfindet und sich in kurzer Zeit daran gewöhnt, dass am Straßenrand Strauße spazieren gehen, Oryxe auf der Wiese grasen und Springböcke zur namibischen Grundausstattung zu gehören scheinen.
Viel Spaß hat es mir gemacht die unterschiedlichen Antilopenarten kennen und auseinanderhalten zu lernen (und zwar nicht aus kulinarischer Sicht 😉 )! Trotzdem würde ich bei einem nächsten Mal gerne einige Tiere, warum nicht auch die Big Five 😄 , etwas näher zu sehen bekommen. Immerhin hatten ein paar Giraffen Mitleid mit uns und zeigten sich ganz nahe an der Straße 😘 .
Landschaftlich besonders gefallen haben mir die Granitformationen hier und da, dann natürlich die Gegend um Sesriem mit Sossusvlei und das Damaraland mit Twyfelfontein.
Viele Fragen bleiben offen: wie sieht Nambia aus, wenn es trocken ist? Kann man Wüstenelefanten und Löwen aus der Nähe sehen? Wie fährt es sich auf frisch geschobenen Pads? Was tummelt sich in Okaukuejo außerhalb der Regenzeit am Wasserloch? Wie sieht der Etosha-NP nach Osten hin aus? 🤨
Tja, Fragen sind da um beantwortet zu werden – ich denke, irgendwann in den nächsten Jahren wird es mich wieder nach Namibia verschlagen, allerdings werde ich den Süden auslassen und dem Etosha eine zweite Chance (auch durch einen längeren Aufenthalt) geben. Mit Bus - in einer Kleingruppe mit Guide - oder gar als Selbstfahrer? Keine Ahnung – es wird auf die Umstände ankommen, aber ich tendiere zu Version 2 oder 3. Der Gedanken an die Möglichkeit, ein eigenes Tempo zu wählen und etwas ganz in Ruhe und alleine zu genießen ist schon verlockend.... 😉
So, mein Timing ist genial – ab morgen soll es Sommer werden. Die Gefahr, dass ich in ein tiefes Loch falle, weil ich nun nichts mehr zu Schreiben habe, ist also gering!
Bele
P.S.: Als Dank für Eure Geduld werde ich die Tage mal nach einem Foto mit Achim und seinem Tropenhut suchen und es so verfremden, dass ich es hier einstellen kann!
Teil 3008. Aug. 2011
Gerd1942 schrieb:Hallo Bele,
das war's dann wohl mit meiner Glaubwürdigkeit für Tiersichtungen. Ganz liebe Grüße Gerd
Naja Gerd, hellsehen kann niemand! Immerhin hast du mir sehr viele Stunden, wenn nicht Tage Vorfreude beschert - das ist doch auch was wert!
@ Seven: na da wünsch ich dir viel Spaß und nimms einfach locker! Falls du noch nicht so richtig weißt, was du in deinen Koffer packen soll, mach ich dir anbei mal einen Vorschlag für einen feschen Safari-Look! 🤩
Nein, das ist keine Puppe im Schaufenster - das ist Achim in den Dünen! 😄 (Und außer dass das Gesicht unkenntlich gemacht wurde ist an diesem Foto alles echt!)
Sodele, das ist jetzt aber wirklich das Ende meines Berichts!
Bele
Teil 3126. Aug. 2011
Ich mal wieder 😉!
Marina hat mir einen Tritt in den Hintern gegeben und so habe ich mich daran gemacht, meinen Bericht als PDF-Version zu bearbeiten.
Anbei das Ganze in 2 Teilen, da die Datenmenge zu groß ist. Dies ist die Version mit Bildern, falls jemand das möchte kann ich auch noch eine ohne machen - wobei dabei im Text dann manchmal der Zusammenhang fehlt.
Die Bilder sind mal größer und mal kleiner, das hat zum einen mit dem Seitenumbruch zu tun (da hab ich rumgefummelt, dass es passt) und zum anderen mit meiner Faulheit - manchmal hatte ich keine Lust, alles genau anzupasssen...:P
Edit: warum der jetzt den Namen von Teil 2 geändert hat, weiß ich nicht, aber ist ja egal!