von Kiboko · Juni 2009 · 14 Tage · Geführt · 16 Teile
Über diesen Reisebericht
Wir reisen im Juni 2009 zu fünft mit einem Fotografie-Guide durch Namibia, organisiert von Abendsonne Afrika und durchgeführt von Tracks and Trails – eine Fotoreise in Land-Rover-Guidefahrzeugen. Von Windhoek geht es zum Sossusvlei und ins Dead Vlei; eine Ballonfahrt fällt wegen eines nächtlichen Sturms aus, dafür starten wir morgens mit einer Kolonne von Geländewagen ins Rennen ums Sesriem-Gate. Zu Fuß im Dead Vlei steht die Sonne dann aber schon hoch.
Über die Salzstraße an der Skelettküste, vorbei an der Robbenkolonie von Cape Cross und Schiffswracks, geht es ins Damaraland: In der Palmwag-Konzession zelten wir mehrere Nächte unter der Milchstraße, fahren tagelang ohne ein anderes Auto zu treffen und finden nach langer Suche eine Spitzmaulnashorn-Familie sowie Wüstenelefanten im trockenen Flussbett. Nach einem Nachmittag in einem Himba-Dorf, in dem unser Guide seine eigene Verwandtschaft besucht, geht es über Hobatere – dort ist kurz zuvor ein Löwenrudel um die Hütten gezogen – in den Westteil des Etosha-Nationalparks. Am Wasserloch von Okaukuejo erleben wir Elefantenherden im Abendlicht, zwei rivalisierende Nashornbullen, ein Löwenpaar, das Zebras und Oryx vom Trinken abhält, und einen Schakal, der eine Taube schlägt.
Nach einer letzten Nacht auf der Frans Indongo Lodge besuchen wir den Cheetah Conservation Fund und fotografieren Geparden beim Lauftraining und bei der Fütterung von der Ladefläche eines Pickups. Am meisten beeindruckt haben mich die Stille und die klaren Sternennächte im Damaraland; mein Bild von Namibia bleibt insgesamt gemischt – die Landschaft erinnert mich streckenweise an den Südwesten der USA, wirklich einmalig ist für mich das Dead Vlei.
Diese Zusammenfassung wurde automatisch erstellt und vom Autor freigegeben.
Teil 123. Juni 2009
Ich bin von meiner 4. Afrikareise und 1. Namibiareise zurück. Eure Tipps und Erfahrungen haben mir sehr geholfen und ich möchte an dieser Stelle meine Erlebnisse schildern. Bei den vielen Reiseeindrücken wird das aber etwas dauern und in den nächsten Wochen werde ich hier die Reiseerlebnisse noch detailierter beschreiben. Die Kameras haben auch über 8000 Mal "Klick" gemacht.
Es folgt eine erste Übersicht über den Reiseverlauf:
Namibia 2009 Teil 1 - Übersicht
Es war eine Gruppenreise für Fotografen unter der Leitung von Stefano Levi organisiert von Abendsonne Afrika und durchgeführt von Tracks and Trails.
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6.6.2009 Flug mit Air Namibia nach Windhoek.
7.6.2009 Einkäufe in Windhoek Abendessen im Joe's Beerhouse Übernachtung im Casa Piccolo
8.6.2009 Fahrt nach Sossusvlei Nachmittags Deadvlei Übernachtung in Desert Homestead and Horse Trail
9.6.2009 Ballonflug musste wegen schlechten Wetters (Wind!) entfallen. Dafür nochmal ausgiebig im Deadvlei fotografiert. Nachmittags in der Lodge Sundownerfahrt in Umgebung der Lodge. Abends spontane Tanzveranstaltung des Personals Übernachtung in Desert Homestead and Horse Trail
10.6.2009 Solitaire Gaub Paß Walvisbay - Flamingos in der Lagune nach Swakopmund Abendessen in der Kupferpfanne Übernachtung im BB Central Guesthouse in Windhoek
11.6.2009 Walvisbay - Mola Mola Bootstour Swakopmund - Panoramaflug (ohne Tür) über die Mondlandschaft, Dünen und Wraks Abendessen in einen Restaurant an der Pier (The Tug oder so ähnlich) Übernachtung im BB Central Guesthouse in Windhoek
12.6.2009 Schiffswrack Cape Cross Skelettküste Übernachtung in Palmwag Lodge
13.6.2009 Pirschfahrt auf der dem Gelände der Palmwag Konzession Übernachtung im Zelt
14.6.2009 Pirschfahrt auf der dem Gelände der Palmwag Konzession Übernachtung im Zelt
15.6.2009 Pirschfahrt auf der dem Gelände der Palmwag Konzession Grootberg Paß Kamanjab (Mittagessen) Besuch eines Himbadorfes Übernachutng in Hobatere Lodge
16.6.2009 Pirschfahrt durch den Westteil des Etosha Nationalparks nach Okaukuejo Abends am Wasserloch Übernachtung in Okaukuejo am Wasserloch
17.6.2009 Pirschfahrt im Etosha Nationalpark Übernachtung in Okaukuejo am Wasserloch
18.6.2009 Pirschfahrt im Etoscha Nationalpark Fahrt über Outjo und Otjiwaronogo zur Frans Idongo Lodge
19.6.2009 Besuch beim Cheetah Conservation Fund Fahrt nach Windhoek abends Rückflug mit Air Namibia nach Frankfurt
Teil 229. Juni 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 2)
Nach einer arbeitsreichen Woche geht es endlich in den Urlaub! In einer Stunde geht der Zug. Langsam wird es Zeit zum Packen! Schnell werden die sieben Sachen in den Rucksack gestopft. Dann kommt das Fotogeraffel an die Reihe.
Letzter Check der Knipskisten – Linsen putzen und ein Blick auf den Kamerasensor. Ooops bei der Zweitkamera sind ja noch Ratten im Rohr. Also schnell die Sensor-Swaps ausgepackt und drübergewischt. Das hätte ich nicht tun sollen! Jetzt sind die Dreckpartikel viel mehr. Als Krönung gibt es auch noch Schlieren. PAAAAAANIK! 😮 Ganz ruhig Bernd, in einer Stunde geht wieder ein Zug – soviel Zeit ist noch drin. Plan A, Kamerasensor ein Alkoholvollbad gönnen. Plan B, in den Blödmarkt flitzen und neue Kamera holen. Das Alkoholvollbad hat Wirkung gezeigt. Plan B ist nicht mehr erforderlich. Wasser abgedreht, Lichter aus, Tür zugeschlossen. Ist die Tür auch wirklich zu? Ja! Jetzt gibt es kein zurück mehr – Afrika ruft! 🙂
Jetzt aber schnell zum Bahnhof und da kommt auch schon die Regionalbahn. Ab Mannheim geht es per ICE nach Frankfurt. Abflug ist in Terminal 2. Laut Reiseveranstalter wird der Transferbus empfohlen. Den hatte ich auch gleich gefunden. Der Fahrer hat nur gerade Pause. So dauert es bis zur Abfahrt noch eine knappe Viertelstunde. Die Zeit scheint nicht zu vergehen. Ich sehe das als erstes Geduldstraining für Afrika! 😉 Nach einer Fahrt durch verschlungene Pfade im Flughafengebiet stehe ich im Terminal 2. Es ist 19:15 und der Schalter der Air Namibia ist schon geöffnet. Gähnende Leere - Ich bin der einzige Reisende. Ich hatte noch Zeit mein Gepäck zu fotografieren – so kann man genau beschreiben, was man vielleicht später wieder suchen muss – und dann zum Schalter. Die Dame war sehr freundlich. Es war ein Mittelplatz für mich reserviert. Au-weia! Ich habe gleich um einen Fensterplatz auf der rechten Seite gebeten, der nicht über der Tragfläche ist. Dank den Hinweisen im Forum könnte ich so Bilder über Südangola und später Etoscha machen. Kein Problem und ich hielt eine Boardkarte mit dem Sitz 28k in der Hand. Sicherheitshalber noch mal nachgefragt, ist der Platz wirklich nicht auf der Tragfläche. Nein, dieser Platz ist weit(!) vor der Tragfläche, entgegnete die nette Dame am Schalter. Die Fototasche wurde nicht gewogen. Das war auch gut so!
Noch über drei Stunden Zeit bis zum Abflug. Also war noch genügend Zeit, um die Fressmeile in Terminal 2 zu besuchen. Bei einer international agierenden Klopsbraterei habe ich mir noch schnell eine Kalorienbombe geholt, denn von deren Sitzplätzen gibt es einen guten Blick auf das Rollfeld mit den landenden Maschinen. Dann wurde der Airbus der Air Namibia bereitgestellt. Ein kleiner LKW schleppte den Flieger über die Startbahn.
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Der Flieger scheint also funktionsfähig zu sein und das Gate ist dann auch festgelegt. Jetzt ist es zeit um durch den Sicherheitscheck zum Gate zu gehen. Erstaunlicherweise gibt es nirgendwo eine Schlange. Der Sicherheitsdienst wird aus der Klönrunde rausgerissen. Schwuppdiwup alles durch den Scanner. Zum ersten Mal brauchte ich meine Fototasche _nicht_ beim Sprengstofftest vorführen. Bei ein paar Zeitschriften über Afrika verging die Wartezeit sehr schnell. Ab in den Flieger. Mein Sitzplatz war – natürlich - mittig über der Tragfläche. Spontan hatte ich eine Bezeichnung für die Dame am Schalter auf den Lippen, die nicht hier ins Forum passt. 😠 😠 😠 Gegenüber den Beschreibungen hier im Forum waren die Sitze in der Holzklasse angenehm weit auseinander. Auch sind die Anschnallgurte erstaunlich lang. Ich habe noch nicht einmal einen Extender benötigt! Nach einer endlosen Fahrt über das Flughafengelände – ich dachte wir fahren nach Afrika, statt zu fliegen – donnerte die Maschine über die Startbahn West. Die Alltagsorgen bleiben schön zu hause! Afrika ich komme!
Nach drei Glas Rotwein bin ich eingeschlummert. 😛 Ich träume von Löwen 🤨 , Dünen 😁 und heißen Himbamädchen 🤩 …
Aufgwacht bin ich in 11930m Höhe. Das Winglet wurde von der Sonne angestrahlt. Fotos von Angola oder von der Etoschapfanne kann man aber aus dieser Position nicht machen.
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Dann war es Zeit die Tische hochzuklappen und die Stewardessen in eine aufrechte Position zu bringen. Und schon war ich in Windhoek. Dann hieß es Abschied von den netten Stewardessen nehmen …
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Fortsetzung folgt!
Teil 308. Juli 2009
Namibia für Fotogafen Teil 3 (Windhoek)
Willkommen in Namibia. Es geht die Gangway hinunter. Die Sonne scheint von einem wolkenfreien Himmel. Besser kann der Urlaub nicht beginnen. Der Flughafen ist etwas übersichtlicher, als der in Frankfurt. Zu Fuß geht es über das Rollfeld zum Empfangsgebäude. Ich trödel etwas, um die ersten Aufnahmen auf Afrikanischen Boden zu machen, während die Menschenmassen aus dem Airbus quellen. Vor den Schaltern haben sich schier endlose Schlangen gebildet. Egal welche Schlange ich auswähle, ich bin bestimmt der letzte, der die heiligen Hallen verlassen wird. Aber nein, ein freundlicher Beamter winkt mich zum Schalter für Residents und Diplomaten und ich werde von ganz hinten nach ganz vorne gespült. Das ausgefüllte Einreiseformblatt und Pass abgegeben ein paar Stempel drauf und schon war ich offiziell in Namibia. Mein Rucksack fuhr schon auf dem Kofferkarussel spazieren. So viel Glück hat man selten im Leben. Nur wo ist meine Reisegruppe? Also habe ich meinen ganzen Mut zusammengefasst und mit alleine durch das große Tor gegangen, durch das es kein Zurück mehr gibt. Menschenmassen mit Schildern bewaffnet musterten mich erwartungsvoll. Wollen die mich hier gleich ausnehmen? Mein Griff an die Fototasche und Rucksack wurden fester. Aber dazwischen standen auch Stefano Levi und alle anderen der Reisegruppe. Ich war gerettet! Schnell noch 300 EUR in Dollars getauscht. Das Portmonee war jetzt prall gefüllt und ich hatte gefühlt mehr Geld als vorher. Bevor ich mit dem Denken hinterherkam saß ich auch schon in einen weißen Kleinbus und los ging die wilde Fahrt Richtung Windhoek. Auf dem Weg blieben meine Augen an einer Tierpyramide in schrillen Farben hängen. War ich im falschen Flieger und in Bremen gelandet? Was haben die bei der Air Namibia mir in den Rotwein gekippt? Ist das alles nur ein Traum und wenn ich die Augen wieder aufmache sitze ich am Schreibtisch im Büro?
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Dann grast ein Kudu am Straßenrand. Glück gehabt, ich bin doch in Afrika! Wenig später erreichen wir Klein Windhoek und das Casa Piccolo. Auf einer Sitzecke am Pool kann man herrlich entspannen und kann auch im Kopf in Afrika ankommen.
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Ein freundliches Zimmer mit Blick auf dem Pool habe ich auch abbekommen.
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Nur alles ist voller Ungeziefer. Monster-Termiten bevölkern den Tritt vor der Rezeption, hängen an Wänden und bewachen den Pool. Glücklicherweise sind sie entweder angeschraubt oder mit einen Preisschild versehen.
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Mit einen uralten VW-Bus-Taxi und einer verwegen schauenden Gestalt mit Sonnenblinde und wilder Rasta-Mähne ging es für 60 Dollar dann zum Einkaufen nach Downtown Windhoek. Im Supermarkt wurden die ersten Einkäufe erledigt und ein Steckdosenadapter gekauft. Bei strahlendem Sonnenschein gab es noch ein paar Standardtourifotos von der Christuskirche und dem Südwestreiter. Zurück ging es mit zwei Taxis a 40 Dollar zum Casa Piccolo.
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Wer Joe’s Beerhouse nicht gesehen hat, hat Windhoek nicht gesehen. Abends geht es in die Kultkneipe. Der Laden ist so unübersichtlich, dass man nach reichlich Biergenuss für immer da bleiben muss, da man den Ausgang nicht mehr wiederfindet. Eine Bar reiht sich and die nächste. Überall gibt es urige Sitzgelegenheiten und alles ist mit leeren Flaschen dekoriert. Die Ärmsten, die all den Jägermeister trinken mussten. Aber lecker Essen gibt es dort auch. Ich habe mir die Bushmans Selection bestellt. Die wurde mir aber verweigert, da das Krokodil schon alle war. Nach etwas Diskussion habe ich das Essen auch ohne Krokodil bekommen. Es gab einen Spieß mit Strauß, Zebra, Oryx und Springbock. Nur was ist was? Egal es hat alles geschmeckt.
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Nach reichlich Biergenuss erschien eine angsteinflössende Lichtgestalt am Himmel und grinste mich an.
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Fortsetzung folgt ...
Teil 414. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 4) Windhoek - Sesriem
Unser Fahrer und Guide Hein van Wijk steht mit seinem Boliden bereit. Es ist eine Spezialanfertigung auf Basis eines Land Rover Defenders. Das Auto hat hinten 6 Sitzplätze und ein separaten Kofferraum. Zwei Dachsegmente können abgenommen werden und ermöglichen eine freie Sicht. Das Auto macht einen sehr soliden Eindruck. Der Kudufänger hat auf einer früheren Reise seine Funktion nachweisen können. Mächtige Reifen mit dickem Profil schaffen Vertrauen. Es ist das solideste Fahrzeug, das ich bisher auf meinen Afrikareisen kennengelernt habe.
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Unsere Reisegruppe war aber kurzfristig noch um einen weiteren Mitreisenden gewachsen. Somit waren wir zu fünft, mit Stefano und Hein zu siebt. Auf dem letzten freien Platz stapelten sich die Fotorucksäcke und das Auto war schon gut gefüllt. Ein ungutes Gefühl machte sich bei mir bemerkbar. Sollte es wieder die gleiche drangvolle Enge werden, wie bei den vorhergehenden Reisen durch Ostafrika? Eine Spezialreise für Fotografen hatte ich mir anders vorgestellt!
Der heutige Tag ist als Transferetappe nach Sesriem gedacht. Auf der topfeben geteerten B1 kommen wir schnell voran. Goldgelbes Gras mit sanften Hügeln und schroffen Bergen, grüne Bäume, blauer Himmel mit weißen Schäfchenwolken rahmen die Straße ein. Wenn der Linksverkehr nicht wäre, könnte man auch meinen, man wäre irgendwo zwischen Texas und New Mexico unterwegs.
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In Rehobok geht es auf die C24. Über die Schotterpiste ging es ebenfalls mit flotter Fahrt. Die Landschaft wurde zunehmend gebirgiger.
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Es kam auch schon zu den ersten Tiersichtungen. Eine Herde ausgerissener Albinopferde galoppierte neben der Strasse. Dann folgten Esel und eine erste Giraffe hinter einem Wildzaun, sowie eine Herde Springböcke. Diese grasten friedlich am Zaun. Kaum hatten wir angehalten, sind die ersten Mitreisenden mit der Knipskiste in der Hand losgestürmt. Was die Springböcke mit panischer Flucht quittiert haben. Bis ich aus dem Auto war, waren die Springböcke über alle Berge. Mit dem großen Tele ließ sich die Situation retten:
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Wir sind so gut vorangekommen, dass wir schon am frühen Nachmittag in Sesriem waren. Also was machen mit dem angebrochenen Tag? Auch wenn es für einen Besuch knapp wird, fahren wir in den Namib-Naukluft-Park. Während Hein die Formalitäten am Gate klärte, hat ein riesiges Webervogelnest meine volle Aufmerksamkeit. Hunderte von kleinen Siedelwebern bevölkerten dieses Nest. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Einzelne Bewohner ließen sich auch bereitwillig und unentgeltlich knipsen
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Dann ging es auf der Asphaltstrasse in den Park. Auf den letzten Kilometern durch den Tiefsand konnte der Landrover auch mal zeigen, was er alles kann. Die Sonne stand schon tief. Also hurtig in den Dead Vlei. Die Gorillahantel habe ich im Auto gelassen aber die dicke Fototasche kam mit. Der Weg führte durch tiefen Sand. Mit 120 kg Eigengewicht sackt man irgendwie tiefer ein, als die Fliegengewichte, die vor mir zum Vlei stürmten. Folglich werden die Schritte immer kleiner und die aufgewendete Arbeit immer größer. Stefano drängte zur Eile, aber ich war da schon an der Leistungsgrenze. Netterweise hat er mir dann die Fototasche abgenommen und so war es für mich etwas leichter. Wir hatten nur noch eine knappe Stunde im Dead Vlei. Trotzdem konnte ich in der tiefstehenden Abendsonne ein paar Aufnahmen machen.
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Schnell war die Zeit um, und wir mussten noch vor Sonnenuntergang zurück zum Parkplatz und dann zum Gate. Ich habe als erstes das Vlei verlassen. Aber ziemlich schnell hatte die Gruppe mich eingeholt. Netterweise haben mir wieder die Mitreisenden Fototasche und schwer Kameras abgenommen. Trotzdem viel es mir schwer mit den anderen mitzuhalten. Total erschöpft kam ich am Auto an. Aber es war keine Zeit auszuruhen. Das Gate schließt bald und der Weg ist noch weit. Der Landrover gab sein bestes. Natürlich wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit eingehalten. Allerdings wurde die Breite des Skalenstrichs voll ausgenutzt. Der Skalenstrich war breit! Der Zeiger ebenfalls! Exakt zum Sonnenuntergang waren wir am Gate. Punktlandung! Im letzten Schein der Dämmerung waren wir dann in der Desert Homestead und Horse Trail Lodge angekommen.
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Fortsetzung folgt!
Teil 521. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 5) Namib-Naukluft
In der Nacht kommt Sturm auf. Der Wind rüttelt an der Hütte. Die Fenster klappern, die Deckenkonstruktion ächzt und der Wind heult um die Hausecke wie eine Herde trompetender Elefanten. Immer wieder schrecke ich aus den Träumen. Dann ein trommelndes Geräusch an der Tür! Wollen die Elefanten jetzt ausgerechnet in meiner Hütte Schutz suchen? Nein! Es ist der Weckruf. Der Wecker zeigt 5 Uhr! Ich habe Urlaub. Draußen ist es dunkel und ich könnte es noch locker 5 Stunden im Bett aushalten. Aber heute steht die Ballonfahrt an, also schlaftrunken ins Bad gerobbt, in die Hose und Stiefel gesprungen, Fototasche geschultert und los geht’s.
Leider muss die Ballonfahrt bei dem Sturm entfallen. Wenn es den Ballon nicht schon beim Start zerreißen würde, würden wir wohl erst in Südamerika wieder runtergekommen. Als Alternativprogramm satteln wir unseren Boliden und düsen durch die Nacht nach Sesriem. Da steht schon eine lange Schlange von Geländewagen vor dem Tor. Es ist die Startaufstellung für die erste Sonderprüfung – Permit holen. Wir sind in der siebten Startreihe. Kann das gut gehen? Das Öffnen des Tores ist der Startschuss: Die Motoren heulen auf, Räder drehen durch, Dreckbrocken fliegen durch die Luft und nach wenigen Sekunden ist vor dem Tor nur noch eine Staubwolke. Nach gut 100m wilder Fahrt springen die Fahrer aus Ihren Rennmaschinen und sprinten zum Bürogebäude, als ob der Teufel hinter ihn her ist. Das ist viel spannender als Formel 1. Durch einen taktischen Vorteil - wir haben schon ein Permit – schieben wir uns elegant auf Platz zwei vor. Vor uns ist nur noch ein Reisebus. Aber der kann uns nicht schrecken. Stefano, unser Reiseleiter, hat reichlich Erfahrung von der Rallye Paris-Dakar. Er weiß, wie man mit solchen Situationen umgeht. Jetzt darf der Reisebus auf die Piste, während bei uns mit afrikanischer Geschwindigkeit und Genauigkeit erst noch die Papiere geprüft werden. Die Uhr tickt schnell und der Ranger hat anscheinend alle Zeit der Welt. Der Reisebus hat schon einen großen Vorsprung, als der Ranger uns endlich auf die Piste lässt. Ich werde in den Sitz gepresst und die wilde Hatz beginnt. Der Landrover gibt alles. Dank kräftigem Rückenwind und großer Tachoskalenbreite wird der Reisebus eingeholt und in einer fahrerischen Glanzleistung rechts überholt. Zügig bauen wir unsere Führung aus. Bei der Düne 45 haben wir genügend Vorsprung und können einen kurzen Boxenstop für ein paar Fotos nutzen. Aber was muss ich da sehen? Auf Düne 45 klettern bereits Leute rum? Wie kommen die da hin? Sind die noch von gestern? Kennen die eine Abkürzung?
Die letzten Kilometer der Sonderprüfung gehen durch Tiefsand. Unser Landrover lässt sich auch davon nicht beeindrucken. Unser Fahrtwind ist so stark, dass der Sand nur so über die Dünenkämme rieselte
Dann geht es wieder zu Fuß ins Dead Vlei durch unberührte Wüste.
Als wir endlich dort ankommen müssen wir leider feststellen, dass die Sonne bereits so hoch steht, dass fast der komplette Talboden ausgeleuchtet wird. Noch schnell ein paar Aufnahmen gegen den beschatteten Dünenhang und dann ist alles in der prallen Sonne.
Der Boden ist ausgetrocknet.
Aber wenn die Namibianer das Wasser aus dem Namib-Naukluft-Park abpumpen und in kleine Plastikflaschen füllen, dürfen sie sich auch nicht wundern, dass der Park austrocknet und die Bäume absterben. Aber so kann der Geschäftsmann mit den Touristen doppelt Geld machen. Erst verkauft er denen das Wasser und dann nimmt er Eintritt für die neu erstandene Wüste.
Ob es bald in Gerolstein oder Apolinaresien genauso aussieht?
Im Dead Vlei kommt es noch zu einer Begegnung der besonderen Art. Während alle Leute Bäume fotografieren bin ich in den Canyon abgetaucht. Dort ist ein wildes Vieh mit kräftigen graubraunem Körper und grimmiger schwarz - weißer Gesichtsmaske. Es ist mit zwei meterlangen Lanzen bewaffnet. Also wenn das Vieh mir diese in den Allerwertesten rammt, dann gucken die Spitzen wieder zu den Ohren raus. Aber Bangemachen gilt nicht. Furchtlos habe ich mich vorsichtig herangepirscht. Immer wieder schaut das Vieh nervös zu mir rüber. Würde es gleich losstürmen und mich zerfetzen? Da die Gorillahantel im Auto liegt, musste ich mit dem kleinen Tele noch näher ran. Bei einem Abstand von ca. 30m ist mir dann diese Aufnahme gelungen:
Der Rückweg ist dann wieder beschwerlich. Der Sturm peitscht über die Dünen. Der Sand piekt wie Messerstiche im Gesicht. Die Sicht ist schlecht und wir orientieren uns an den verwehten Spuren im Sand. Der Sand knirscht in den Objektiven und zwischen den Zähnen. Würden wir unser Auto jemals wiederfinden?
Wie durch ein Wunder kommt Hein, unserer Fahrer, uns entgegen. Und so finden wir den Weg zurück. Auch auf der Piste ist die Sicht nicht viel besser. Glücklicherweise ist der Landrover schon so oft im Sossuslvlei gewesen, dass die Pferde den Rückweg schon alleine kennen.
Nach einer Mittagspause am Gate fahren wir zurück zur Desert Homestead and Horsetrail. Hier haben wir etwas Zeit den Sand aus Ohren, Nasen, Haaren und Fotoausrüstungen auszuschütteln. Die Lodge besteht aus zwei Reihen kleiner Hütten
und dem zentralen Restaurantgebäude.
Jede Hütte hat eine kleine Veranda mit ungehindertem Blick bis zum Horizont.
Auch innen sind die Hütten nett eingerichtet. Jedoch hat das Moskitonetz nur eine dekorative Wirkung.
Rund um die Klärgrube – was tut man nicht alles für ein paar Bilder – tummeln sich Vögelchen.
Der Nachmittag wird zu einer Fahrt über das Gelände der Lodge genutzt. Mit einen Glas Gin - Tonic wird die Sonne in den Feierabend geschickt.
Nachdem der Sturm die Sonne über den Horizont geblasen hat, leuchtet der Himmel noch lange in gelb – orange – rot - Tönen. Für dieses gelungene Schauspiel haben sich die Angestellten der Lodge wirklich Mühe gegeben.
Im Dunkeln geht es zurück zur Lodge. Nach einem leckeren Abendessen mit reichlich südafrikanischen Rotwein gibt es noch zu eine spontanen Gesangs- und Tanzeinlage. Die Mädels trommeln, singen und lassen die Röckchen fliegen. Das ist keine reine Touristenshow. Die Mädels haben dabei wirklich Spaß und wir konnten sie auch noch in der Küche singen hören.
Der Abend kann bei einer ersten Bildbesprechung und mit noch mehr Rotwein locker ausklingen. Im Scheinwerferlicht meiner Taschenlampe geht es zur Hütte. Es stürmt immer noch. Die tausend Elefanten die auch dieser Nacht an der Hüttenecke trompeten und am Fenster rütteln sind mir Dank Rotwein sch***egal.
Fortsetzung folgt!
Teil 622. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 6) Desert Homestead - Swakopmund
Der Wecker reißt mich aus den Träumen. Die Elefantenherde trompetet noch lauter an der Hausecke. In meinem Kopf trompetet es auch. Ooops, der Rotwein. Wie gut, dass es hier keine engen Duschkabinen gibt, da würde mein breiter Kopf jetzt niemals reinpassen. Aber das Frühstück schmeckt schon wieder und schwupdiwup sitze ich im Auto. Hein lässt die Zügel locker und so galoppieren wir auf der C24 zügig nach Norden.
In Solitaire machen wir die erste größere Pause. Als Begrüßungs- Komitee stehen bereits ein paar Erdhörnchen bereit. Es wimmelt hier nur so von verrosteten Karossen. Die Palette reicht vom Fordson Traktor bis zum eleganten Sportwagen, der bestimmt schon einen Diamantenschürfer zu Kaisers Zeiten gehört hat. Untere der alten Zapfsäule hat sich Familie Maus eingenistet
Auch Vögelchen gibt es hier in Massen. Einige sind noch ganz blau. Haben die gestern auch zu viel leckeren Rotwein gehabt?
Vor lauter Knipserei habe ich keine Zeit ein Stück von dem sagenumwobenen Apfelstrudel zu erwerben. Aber es heißt schon wieder aufbrechen. Weiter geht die wilde Fahrt durch unendlich weite Graslandschaften. Irgendwie erinnert mich die Gegend an Texas und New Mexico. Bestimmt kommt hinter der nächsten Biegung wieder die bekannte Ansammlung von Mac Dingsda, Würger King, Taco-Glöckchen und Co. Aber weit gefehlt. Dort steht das Ritz. Genaugenommen das Rostok Ritz. Da der Magen knurrt machen wir einen kurzen Boxenstop. Wie kaufen Lunch-Boxen und die Sache ist geritzt. Das Rostock Ritz wird von einem Hartmann-Zebra, einen blinden Hund und einer gemeinen Echse bewacht.
Kaum sind wir wieder auf der Piste versperrt und eine Bestie den Weg. Einheimische Autos lässt das Biest passieren, aber wir Touristen werden hier zum Halt gezwungen. Ich zeige Demut und schmeiße mich dem Tier vor die Füße in den Straßenstaub. Würde ich gleich gefressen werden? Gnade! Es kommt immer näher. Droht mir und läuft gegen die Gegenlichtblende meines Objektives. Die Situation wird bedrohlich! Aber mit dem Versprechen ein paar Abzüge von den Fotos zu schicken lässt uns die Bestie ziehen. Glück gehabt!
Wenig später passieren wir den Wendekreis des Steinbocks. Glücklicherweise haben wir alle andere Sternzeichen und wir durften weiterfahren. Wäre nur ein Steinbock unter uns, müssen wir hier wenden.
Wenig später stoppen wir schon wieder. Wir haben den Ghaub-Pass erreicht. Schnell wird auf eine Bergspitze geklettert. Die Aussicht ist grandios. Ich sehe sofort, dass Namibia ein armes Land ist. So weit das Auge reicht, gibt es keinen einzigen Baum. Immerhin hat die Entwicklungshilfe für ein paar Tüten Grassamen gereicht.
Danach machen wir einen Abstecher zum Mond. Es geht durch trostlose und auf den ersten, zweiten und dritten Blick leblose Einöde. Jetzt weiß ich endlich, warum es auf dem Mond so viele Krater gibt. Die liegen bestimmt auch alle im Diamantensperrgebiet. Da haben schon Heerscharen von Glücksrittern gebuddelt. Dann ergießt sich auch noch eine wabernde, weiße Masse über die Landschaft, Strasse und unser Auto. Wenig später erreichen wir die ersten Ausläufer der Zivilisation. Dann geht es noch um ein paar kleine Häuser hinter hohen Mauern mit riesigen Stacheldrahtringen. Im Küstennebel erspähen wir den Atlantik. Wir sind in Walvisbay. Wir starten durch und fahren in die Lagune. Hier gibt es hunderte von Flamingos. Wir laufen über die Lagune. Aber die Flamingos kommen einfach nicht näher. Machen wir einen Schritt vorwärts, machen die Vögel auch einen Schritt. Machen wir zwei Schritte, machen die auch zwei Schritte. Also die Gorillahantel ausgepackt und den Telekonverter draufgeschraubt. Ohoh, ist das hier dunkel. Das Fotolicht ist katastrophal. Grauer Himmel, dunkelgraues Wasser und weiße bis rosafarbene Flamingos. Ich drehe die Farbsättigung meiner Kamera in den „Ken Rockwell“ Mode. Jetzt sind die Flamingos schweinchenrosa mit knallroten Rallye-Streifen. Ooops, das war nicht im Sinne des Erfinders. Die Flamingos zeigen uns nur die kalte Schulter und laufen den Strand entlang. Wir hinterher! Das Wasser kommt bereits. Der Schlick sammelt sich an den Schuhen. Nach jedem Schritt werden die Füße größer. Jetzt bloß nicht mit der Fotoausrüstung auf die Schnauze fallen. Mama wird uns den Hosenboden versohlen, wenn wir uns hier schmutzig machen. Vor uns flüchten Milliarden von kleinen Fliegen. Sie bewegen sich in Schwärmen, wie Wellen im Ozean. Noch immer jagen wir den Flamingos hinterher. Werden die denn niemals müde? Wir erhöhen das Tempo! Die Flamingos auch! Jetzt laufen sie auf eine Halbinsel. Wir haben sie in der Falle! Wir nähern uns gaaaaaanz vorsichtig. Aber was machen die Flamingos? Die breiten Ihre Flügel aus und flattern davon. Das ist unfair! Game Over!
Vor lauter Flamingofotojagd haben wir den Wasserstand nicht so ganz im Auge bahalten. Die Flut kommt und wir sitzen auf einer Halbinsel. Die wird gleich zur Insel. Vor den heranstürzenden Wassermassen haben wir es aber gerade noch so wieder auf sicheren Boden geschafft. Mit dem Einbruch der Dunkelheit ging die Reise weiter nach Swakopmund. Einen Mitreisenden haben wir im Hotel Eberwein ausgesetzt. Der Rest landete im Central Guest House.
Abends ging es in die Kupferpfanne. Jeder Quadratzentimeter ist mit irgendwelchen Gegenständen und Bildern aus vergangenen Epochen zugepflastert. Es herrscht strengstes Fotografierverbot. Was mich aber nicht abschrecken kann. Natürlich kann man dort aus etwas zu essen bekommen. Während die ganze Mannschaft so langweiliges Zeug, wie Oryx, Kudu und Springbock bestellt hat, habe ich mir Krokodil geordert. Mir wird beschrieben, dass Krokodil vom Geschmack irgendwo zwischen Fisch – Hünchen und Schweinchen liegt, je nachdem von was sich das Krokodil vorrangig ernährt hat. Das kann ich bestätigen. Aber es ist durchaus schmackhaft und unvergleichlich. Wenn mir mal wieder ein Krokodil über den Weg läuft, werde ich es auch aus kulinarischem Blickwinkel betrachten und mich gerne an den FischHuhnSchweingeschmack erinnern.
Fortsetzung folgt! 😛
Teil 723. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 7) Rund um Swakopmund
Nach einem leckeren Frühstück geht es wieder nach Walvisbay. Juhu, es geht auf Kreuzfahrt mit dem Traumschiff „JoJo“. Das ist eine kleine Nussschale. Sie hat den Namen, weil es bei jeder Welle wie mit einem Jojo hoch und runter geht und man sich dabei der Magen im Kreis dreht.
Die Mola-Mola Bootstour ist ein Touristenmagnet. Ein Begrüßungskomitee steht auch schon bereit. Eine Horde Pelikane und eine Horde Himbas. Die ersteren wollen Fisch, die anderen Dollars. Wir retten uns vor den Pelikanen und den Himbas auf das Boot. Die Skipperin begrüßt uns mit dem Worten, dass es heute für sie auch die erste Fahrt ist. Na das fängt ja gut an! Leider müssen wir das Boot mit einer anderen Reisegruppe teilen. Italiener! Die stehen ständig im Weg und brauchen mit der Point & Schoot - Knipse mehr Platz als ein gestandener Fotograf mit einer Großformatkamera. Kaum haben wir abgelegt werden wir von einen Seeungeheuer heimgesucht.
Ich sehe nur einen großen schwarzen Schatten über die Reling fliegen und schon bin ich nass! Ich wische die Wassertropfen von Linse und Brille und traue trotzdem meinen Augen nicht. Mitten im Boot sitzt ein schwarzes Ungetüm. Es ist ein grimmig schauender Löwe! Genaugenommen ein Seelöwe! Seit wann können die denn fliegen? Der Seelöwe erklärt uns, dass das Boot jetzt an die Skelettküste entführt wird, wenn wir kein Lösegeld in Millionenhöhe zahlen. Wir schauen uns an und hoffen, dass jemand Geld aus Simbabwe dabei hat. Nach intensiven Verhandlungen unserer Skipperin ist es gelungen dass Lösegeld in Naturalien – Fische – auszuzahlen. Nach einer Megaration Fisch hat das Ungeheuer das Boot wieder freigegeben. Anschließend klatscht das Ungeheuer auch noch Beifall. Wieder ein paar blöde Touristen reingelegt.
Kaum war das Abenteuer überstanden, kam der nächste Angriff aus der Luft. Das Boot wird ständig attackiert. Von hinten greifen Lord Nelson - die aggressive Raubmöwe, Fritzchen - die finster blickende Kapscharbe
und eine Gruppe Flugsaurier mit großer Klappe und noch größeren Spendensammelbeutel gegen das Boot vor.
Die Skipperin gibt Vollgas. Das Wasser spritzt hoch und der Fahrtwind peitscht ins Gesicht. Aber die Verfolgergruppe lässt sich nicht abschütteln. Wir müssen Ballast über Bord werfen. Wir werfen tote Fische aus dem Boot. Die Flugsaurier fangen sie in der Luft und füllen damit ihren Spendensack. Aber irgendwann sind sie so mit Fisch vollgestopft, dass sie flugunfähig werden. Wir nutzen die Chance zur Flucht. Auf Schleichwegen zwischen Austernbänke und schlafenden Pötte entwischen wir auf die unendlichen Weiten des Atlantiks. Auch alle anderen Boote jagen mit einen Affenzahn über die Wellen, als ob das Ungeheuer von Loch Ness persönlich hinter ihnen her ist. Tatsächlich, es ist Nessi! Es taucht neben unseren Boot auf. Es zeigt uns aber nur die kalte Schulter und verschwindet wieder in den schwarzen Fluten des Atlantiks.
Auf dem Rückweg lauert uns auch noch eine Gruppe Killerdelfine auf. Denen konnten wir aber auch elegant entkommen. Wir haben uns noch eine Weile zwischen den Austernbänken versteckt und die Pause für eine kleine Stärkung genutzt. Das Fotogeraffel hat jetzt etwas Pause.
Neben all-you-can-drink-Sekt gab es auch noch all-you-can-eat-Snaks. Dazu frische Austern. Die Skipperin zeigt uns auch gleich wie das geht. Man nehme eine Auster, ätze den Glibberkram mit reichlich Zitronensäure weg, anschließend wird der Rest mit mehr als reichlich Tabasco desinfiziert, dann macht man am besten die Augen zu, saugt sich dem Inhalt der Muschelschale in den Mund und ruft ohne das Gesicht zu verziehen: „Hmmmmmm ist das lecker“. Jetzt ist es Zeit, die Muschelschale den natürlichen Kreislauf zu übergeben und in hohen Bogen über die Reling zu werfen. <Platsch>. So jetzt schnell noch mal zugreifen, bevor die italienische Reisegruppe alles wegschlürft.
Ich schlürfe noch ein wenig am Sektglas bis der Alkoholspiegel den Meeresspiegel übersteigt. Die folgenden Fotos bestechen mehr durch besondere Kreativität statt durch Technische Perfektion und sind diesem Forum nicht würdig. Die Rückfahrt nach Swakopmund vergeht wie im Rausch. Es folgt eine längere Mittagspause in der Ausnüchterungszelle im Central Guest House. Nachdem ich wieder halbwegs klar sehen kann, steht ein Bus vor mir, der uns zum Flughafen bringt. Ich hänge mir meine beiden Knipskisten um den Hals, stopfe mir die Taschen mit Reserveakkus und Speicherkarten voll und schon geht es zum Flieger. Vor uns steht ein Blechvogel namens Cessna 206. Wer ist jünger, der Pilot oder die Maschine?. Wo ist die Tür? Heute ist Tag der offenen Tür und damit die uns nicht vor der Nase zuschlagen kann, wurde sie bereits abgebaut. Klasse! Damit freie Aussicht ohne getönte und verkratzte Scheiben.
Ruckzuck sitzen wir in der Maschine und werden angeschnallt, damit wir nicht aus der offenen Tür fallen. Nur bei mir klappt das nicht. Der Gurt ist zu kurz! Wollen die mich los werden? Nein, der Pilot treibt noch einen Extension Belt für mich auf. Ich ziehe mir die Regenjacke an, durch den Fahrtwind wird es bestimmt zugig werden. Der Pilot erklärt noch mal die Reiseroute. Dann wird das Triebwerk angeworfen. Das Motorengeräusch übertönt jedes Gespräch. Der Propeller rotiert und schon setzt sich der Blechvogel in die Bewegung, beschleunigt über die Startbahn, der Fahrtwind zerrt an meinen Körper, ich halte den Atem and und mach ich ganz leicht. Schon heben wir ab. Erstaunlicherweise lässt der Fahrtwind schlagartig nach. Ich genieße den Ausblick durch die offene Tür. Die Menschen, Autos und Häuser von Swakopmund werden immer kleiner. Wir fliegen zum Mond. Im Tiefflug geht es über die unglaublich trostlose Mondlandschaft. Aber der Mond scheint bewohnt zu sein. Überall gibt es Spuren. Der geübte Fährtenleser erkennt auch gleich die Ungeheuer, die sie verursacht haben – Enduro, Quad und Toyota Landcruizer. Wir verlassen den Mond wieder und fliegen über die grüne Atmosphäre des Kuseb-Flusses zu den Dünenfeldern der Namib.
Nach kurzer Zeit – die vergeht wie im Flug – erreichen wir die Küste. Dort liegt Eduard Bohlen, bitte nicht verwechseln mit Dieter Bohlen, und ist schon etwas in die Jahre gekommen. Der Zahn der Zeit hat den guten schon arg zugesetzt.
Wir fliegen eine Enge kurve und jemand hat den Horizont ganz schief gestellt. Der Pilot kann den Horizont aber wieder zurechtbiegen. Dann geht es im Tiefflug über die Wellenkämme des Atlantiks. Mein GPS-Empfänger sagt 17m unter dem Meeresspiegel. Geil, wir sitzen in einen Unterseeflugzeug. Wo ist nur die Taucherbrille? Die Kolonien von Kormoranen und Seelöwen sind zum greifen nah. Wenig später passieren wir die Shanee. Da hat aber ein Kapitän seinen Kahn doof am Strand geparkt. Falschparker werden anscheinend in Afrika nicht abgeschleppt.
Dann geht es steil nach oben. Die Maschine dringt durch den Küstennebel. Was ist, wenn uns ein Geisterflieger entgegenkommt? Sichtweite ist gleich Null! Dann wird es über uns heller. Kommen wir jetzt in den Himmel? Plötzlich sind wir im gleißenden Sonnenlicht. Ich sehe den Schatten des Fliegers auf der Wolkendecke. Jetzt geht es noch über ein paar Dünen und noch mal einen kleinen Umweg über den Mond. Booooaaar! Auf dem Mond gibt es sogar eine Eisenbahn:
Wenig später setzt der Blechvogel in Swakopmund auf. Während unsere Gedanken noch über den Dünen kreisen, hat uns der Bus auch schon wieder ins Central Guesthouse gebracht. Wenig später steht Hein mit seinen frischgewaschenen Boliden vor der Tür. Es geht nach Downtown Swakopmund. Im Dunkeln hat aber niemand große Lust auf die Pier zu gehen. Lieber geht es ins Restaurant. The Tug liegt direkt am Pier. Glücklicherweise hat Stefano schon vor drei Wochen reserviert und wir bekommen noch einen viel zu kleinen Tisch in der hintersten Ecke. Überall sind Gaspilze aufgestellt. Es ist Winter in Namibia. In Deutschland würde man bei diesem Wetter draußen sitzen. Die Speisekarte hat viele Leckereien zu bieten. Ich entscheide mich für Fischkebab.
Dazu der obligatorische Rotwein. Im Hotel angekommen machen wir noch eine lustige Bildbesprechung. Dank hinreichend viel Rotwein, kann ich mit der Kritik an meinen Bilder umgehen.
Fortsetzung folgt! 😛
Teil 824. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 8) Swakopmund - Palmwag
Das erste B wie Bett vom BB Central Guest House war klasse. Jetzt muss noch das zweite B ausgiebig genutzt werden. Buffet ist auch klasse! Wenn es etwas für umsonst gibt, wird der Mensch zum Tier. Die leckeren Brötchen schmecken wie bei uns zu hause. Kein Wunder, sie sind auch vom deutschen Bäcker. Also nehmen wir gleich mal eins mehr – oder noch besser gleich alle drei! Wer weiß, wann es wieder etwas gibt. Die nette Fee vom Buffet wird bestimmt gleich wieder nachlegen. Nix mit nachlegen. Da die Brötchen schon in meinen Magen sind, bleibt für die anderen nur noch Brot übrig. Oooops.
Dann geht es los. Neben unseren Fahrer und Reiseleiter haben wir jetzt noch einen weiteren Guide, Matthias, an Bord. Er kennt sich hervorragend in Palmwag aus. Damit ist der Landrover bis auf dem letzten Platz gefüllt und wir hocken zwischen unseren Fotogeraffel wie die Hühner auf der Stange. Grummelgrummelgrummel. Eine Spezialreise für Fotografen mit ausreichend Platz für das Fotogerät habe ich mir anders vorgestellt. Noch schnell eine Stadtrundfahrt durch Swakopmund. Im Drive-By-Shooting werden noch ein paar typische Touristenaufnahmen gemacht und schon geht es in wilder Fahrt nach Norden. Die C34 ist eine Salzstrasse. Aber im Gegensatz zu der Salzstrasse in Norddeutchland wird hier kein Salz transportiert, sondern die Strasse wurde aus Salz gemacht. Die ist glatt wie ein Kinderpopo und so gleiten wir wie in einer Sänfte an der Skelettküste entlang. Nach kurzer Zeit sehen wir wieder ein Schiff am Strand. Schon wieder so ein Falschparker. Es ist die Zeila, ein Fischtrawler. Unter Ausnutzung der Abwrackprämie hat ein Inder das Schiff gekauft, um es in Indien zu Verschrotten. Dann kriegt der Inder von Angie 2500 EUR Abwrackprämie und kann sich für 1000 EUR ein neues Tata-Nano-Fischfangboot kaufen. Es lebe die Weltwirtschaftskrise. Nur die Zeila wollte lieber in Namibia bleiben. Sie hat sich gewehrt. Deshalb hat man die Maschine ausgebaut und das Schiff abgeschleppt. Kaum hatte das Gespann die Walvisbay verlassen hat die schlaue Zeila das Seil gekappt. Der Sturm hat es dann an die Küste getrieben. So ist sie den indischen Schneidbrennern entgangen. Hier sonnt sich die Zeila am Strand:
Weiter geht die Fahrt nach Cape Cross. Da gibt es eine Seelöwenkolonie. 150000 Tiere leben dort auf engsten Raum. Die Luft ist daher nicht so ganz stubenrein. Wir stehen auf den Parkplatz. Sollen wir wirklich aussteigen? Wer traut sich die Tür zu öffnen? Die erste Tür öffnet sich. Vom Meer kommt eine ordentliche Briese. In Bruchteilen von Sekunden füllt sich das Auto mit einen Geruchsmischung aus Chanel Nr. 5, Bahnhofsklo, Erdölraffinerie und Harzer Käse im Verwesungszustand. Mir wird übel. Da hilft nur tiiiieeeef Durchatmen. Knipskiste greifen und los. Der Gestank ist so groß, dass sich nach einer halben Stunde sogar die Woken verziehen. Nach einer Stunde hat unser Guide die Nase voll und wir müssen weiterfahren.
Die „Orte“ bekommen so sinnige Namen wie „Mile 108“ und die Gegend wird immer trostloser. Plötzlich versperrt ein mit Totenköpfen verziertes Tor die Strasse. Seltsame Gestalten in grünen Gewändern bewachen das Tor. Unser Fahrer lässt den Motor aufröhren und droht damit das Tor zu durchbrechen. Daraufhin kommt jemand mit afrikanischer Geschwindigkeit angeflitzt. Mit einen afrikanischen Affenzahn – Zeitlupe - öffnet sich das Tor. Mit einen hinterlistigen Lächeln lässt uns die Gestalt passieren. Was führt er nur im Schilde?
Die Antwort haben wir wenig später. Ein großer Drache steht auf der Straße.
Wir können nicht passieren. Wird er gleich Feuer speien? Oder das Auto mit seiner klebrigen Zunge festhalten und uns nacheinander vernaschen? Wir verteilen uns und umzingeln das Biest. Bloß keine Angst zeigen. Wir richten unsere Tele- und Makroobjektive auf den Drachen und halten Augenkontakt. Nur nicht zurückweichen! Damit hat der Drache nicht gerechnet. Er wirkt verunsichert. Dabei hebt er den Drachschwanz in die Luft. Das ist unsere Chance, schnell springen wir in unseren Landrover und brausen unter dem Schwanzende drunterdurch. Puh! Das war knapp!
Jetzt sind wir an der Skelettküste angekommen. Die Gegend ist steinreich. Wo man hinguckt Steine, Steine und nix als Steine. Dagegen ist das Death Valley mit einer dichten Vegetation überzogen.
Schon wieder werden wir angehalten. 4 Mädels mit Plattfuss stehen am Straßenrand. Das Auto hat den Platten, nicht die Mädels. Da helfen wir gern. Weiter geht die wilde Fahrt durch eintönige Landschaft. Immerhin wechselt manchmal die Farbe der Steine. Kein anderes Fahrzeug ist unterwegs. Klar, die sind alle nicht am Drachen vorbeigekommen. Nach einer kleinen Ewigkeit passieren wir eine Kreuzung. Die C39 Richtung Palmwag. Aber wir fahren weiter geradlinig nach Norden. Hey, wir haben schließlich drei erfahrene Guides an Board. Die werden schon wissen, wo es lang geht. Nach einer guten halben Stunde kommen erste Zweifel auf. Vielleicht ist es doch besser wieder umzudrehen? Bei dem unübersichtlichen und dichten Straßennetz in Namibia kann das mal vorkommen. Also drehen wir um. Wenig später kommen uns die 4 Mädels entgegen und winken fröhlich. Naja, ich glaube unsere Guides wollten die nur noch mal wiedersehen. Nach einer halben Stunde sind wir wieder an der Kreuzung und biegen nun in das Hinterland ab. Mit zunehmendem Abstand vom Meer nimmt die Vegetation zu und bald sind wir von einen Grasmeer umgeben. Am Horizont tauchen die ersten Berge vom Damaraland auf.
Nach einem weiteren Sundowner Boxenstop erreichen wir im Dunkeln die Palmwag Lodge. Die Hütten sind einfach toll. Geschmackvoll eingerichtet, hell beleuchtet und riesengroß. Nur wo ist hier das Klo? Nach einer systematischen Suche – immer an der Wand lang – stelle ich fest, dass ein Wandteppich Räder hat. Das steckt bestimmt etwas dahinter! Also mal vorsichtig am Wandteppich gezerrt. Er bewegt sich! Dahinter ist ein dunkler Geheimgang. Ich taste nach dem Lichtschalter. Knips! Dann stehe ich im hell erleuchtenden Bad.
Als Höhepunkt des Tages steht dann auch noch der Restaurantbesuch an. Im Restaurantgebäude ist der Tisch bereits gedeckt.
Es gibt ein leckeres Drei-Gänge-Menue. Das Hauptgericht ist Kudu mit Pfeffersoße. Dazu ein Rotwein. Naja, die Geschichte kennt Ihr schon! 🙄
Fortsetzung folgt!
Teil 927. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 9) Palmwag
Trotz Winterhalbjahr in Namibia, ist die Nacht mal wieder viel zu kurz. Ein kurzes Minifrühstück in der Palmwag Lodge und schon geht es wieder los. Ab durch das wilde Damaraland. Die Palmwag Konzession ist so gross, dass wir mehrere Tage brauchen werden, um uns bis an das andere Ende durchzuschlagen. Mit 5500 qkm ist es doppelt so groß, wie das Saarland. Welcher Kurpfälzer traut sich schon in das wilde Saarland? Um die wilden Tiere in der wilden Landschaft zu fotografieren, braucht es auch eine wilde Optik. Die Gorillahantel ist da schon das richtige Werkzeug. Nur wie hantiert man damit in einer Sardinenbüchse? Beim schnellen Schwenk hat man locker mal die Gegenlichtblende in die Weichteile der Mitreisenden gerammt. Ist nicht so tragisch, das Teil ist robust und aus Karbonfaser. Aber die Mitreisenden haben auch so ein Teil und können sich wehren …
Die Beschwerde beim Reiseleiter war mit Erfolg gekrönt und er überrascht uns diesen Morgen mit einem Zweitwagen. Noch ein Bolide von Landrover mit einen Aufbau für 12 Nasen und großen Sonnendach. Den teilen wir uns zu Zweit. Endlich Platz! Viel Platz! Genau so habe ich mir eine Fotosafari vorgestellt. Danke Stefano!
Mathias unser Zweitguide fährt den Zweitwagen. Es dämmert inzwischen. Die Scheiben sind noch beschlagen. Das ist aber kein Hinderungsgrund. Die wilde Fahrt kann beginnen. Mathias gibt Gas, der Motor dröhnt und schon brausen wir los. Wir sind noch keine 50 m gefahren, da tut es einen lauten Knall und einen fürchterlichen Schlag. Ich werde von meinen Sitz katapultiert und fühle mich wie ein Astronaut auf dem Weg zum Mond. Nach einer mittelprächtigen Flugphase haut es mich mit lautem Scheppern in den Sitz. Nachdem ich meine Rückenknochen wieder einsortiert habe, wird der Übeltäter schnell identifiziert. Eine Bodenwelle zur Geschwindigkeitsbegrenzung vom Typ „Sleeping Policeman“ war die Startrampe für unseren Flug. Auto fährt noch, also „Alles in Butter“. Nach zwei weiteren Flugeinlagen sind wir im Orbit auf der C42 und fahren Richtung Polarstern nach Norden:
Die Straße ist von Sträflingen gesäumt. Rechts und links stehen überall schwarz-weiß gestreifte Gestalten herum.
Aber auch Kudus und Steinböcke standen Spalier. An einen kleinen Bachlauf war dann auch ein kleiner Vogel. Der kann in drei Frequenzbändern – Langewelle, Mittelwelle und UKW - trällern und das sogar bei schlechtem Wetter. Deshalb nennen wir ihn Dreibandregenpfeifer.
Während eines kurzen Stopps haben wir die Sonne über die Bergkette geschubst. Jetzt ist es endlich richtig hell. Nach kurzer Fahrt erreichen wir das Gate zur Palmwag Konzession. Das wilde Damaraland leuchtet im Sonnenlicht, nur wir warten eine kleine Ewigkeit, bis wir endlich das Tor passieren können. Hätte uns Gott bloß die Zeit gegeben und den Afrikanern die Uhr! Ich nutze die Wartezeit und lauere einen der gefürchtet Rock-Buntings auf:
Auf verschlungenen Wegen geht es durch unendlich weite goldgelbe Graslandschaften, schroffe Felsen, Berge und Täler. Eine Herde Springböcke versperrt uns den Weg:
Dann muss ein tosender Wildbach überquert werden. Behutsam fährt Mathias mit unseren Boliden in das Flussbett. Das Wasser spritzt auf und wir queren die Fluten. Auf einer Sandbank machen wir eine Fotopause. Neben den uns schon bekannten Regenpfeifer gibt es auch rote Flugsaurier, Monsterspinnen, Wasserwanzen auch einen Killerfrosch zu sehen.
Beim Anblick all dieser leckeren Tiere meldet sich der Magen. Da wir aber noch unsere Lunchpakete haben, bleibt die Tierwelt verschont. Nicht weit von unseren Picknickplatz entfernt ziehen drei Wüstenelefanten vorbei. Ich stelle mir dabei Elefant am Spieß vor. Das muss ja Tage dauern, bis der durchgebraten ist. Vielleicht sollte man, wie beim Dönaspiess, immer nur die äußere Schicht absäbeln.
Weiter geht die wilde Fahrt. Wir nähern uns der Skelettküste und die Landschaft wird karger. Dabei beobachten uns ein paar wilde Gestalten:
Auch dieser ereignisreiche Tag nähert sich dem Ende. Die Sonne geht unter und es wird dunkel. Zeit sich Gedanken um einen Zeltplatz zu machen. Es ist schon fast stockdunkel und wir fahren immer noch. Mathias ist sich ganz sicher, dass es nicht mehr weit ist. Dann hält er mitten in der Pampa. Hier ist der Treffpunkt. Hier sollte jetzt Erik sein und bereits die Zelte aufgebaut haben. Hier sind aber keine Zelte! Im Scheinwerferlicht erkennen wir frische Löwenspuren. Das Funkgerät ist kaputt. Wir können keine Hilfe holen. Was nun? In 50 km Umkreis gibt es keinen anderen Menschen. Würden ein paar Archäologen in vielleicht zweitausend Jahren ein paar mumifizierte Körper in fahrbaren Särgen finden? Sie würden dann bestimmt über Bestattungsrituale und den Sinn von Grabbeigaben in Form japanischer Fotoapparate diskutieren. Oder würden uns die Löwen früher finden? 😮 Gerade als wir anfangen unsere Testamente zu schreiben, passieren in Afrika wundersame Dinge. Ein Fußgänger kommt im Dunkeln durch den Busch. Er fragt, wo wir den bleiben. Das Essen ist schon fertig! Unsere Zelte stehen zweihundert Meter weiter auf einer neuen Camp-Site. Also nix wie hin! Auf den Schreck braucht es jetzt erst mal ein kühles Bier. Dann gibt es im Lagerfeuer gebackenes Hühnchen und noch einen lecker Rotwein.
Über uns leuchtet die Milchstrasse. Die Sterne sind zum greifen nah. Kein Wunder, schließlich sind wir heute Morgen schon abgehoben und waren den ganzen Tag unterwegs … … ich krabbele in mein Zelt und höre noch einen Löwen brüllen. Angeber 😛 denke ich und schlafe ein.
Fortsetzung folgt! 😛
Teil 1028. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 10) Palmwag
Mitten in der Nacht wache ich auf. Die Bierchen und der Rotwein vom Vorabend wollen raus. 🤨 In 50 km Umkreis ist außer unserer Reisegruppe kein Mensch. Draußen ist es dunkel. Wer weiß schon, was im wilden Damaraland nachts so alles um das Zelt schleicht, Hyänen, Löwen, Vampire oder Dämonen? Da bleibe ich doch lieber im Zelt. Die Blase erhöht den Druck. Eine Weile kann ich noch dem Druck standhalten. Aber an Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Würde ich die Nacht durchhalten? Wohl kaum! 😵 Ich lausche, alles ist totenstill. Also habe ich mich mit der Taschenlampe bewaffnet und vorsichtig das Zelt geöffnet. Taschenlampe angeschaltet. Es ist immer noch dunkel. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal Batterien gewechselt? Immerhin reicht der trübe Schein meiner Taschenfunzel so weit, dass keine Schlange oder Skorpion vor dem Zelt ist. Also in die Stiefel gesprungen. Vorsichtig umgeschaut. Drei mutige Schritte hinter das Zelt gemacht. Wasser Marsch! Bei dem Druck hätte ich locker aus zwei Meter Entfernung in eine Bierflasche zielen können. Wenn jetzt der Löwe kommt, dann kriegt er es mit meinen „Kärcher Dampfstrahler“ zu tun. Noch einmal umgeschaut. Nix los! Das Löwengebrüll von gestern Abend kam bestimmt vom Band. Also in das Zelt gekrabbelt und wieder ein Abenteuer überlebt.
Um 5 Uhr klingelt irgendein Wecker. So nach und nach kann ich alle Wecker der Mitreisenden hören. Also Zeit wieder in die Stiefel zu springen. Es folgt ein Frühstück unter dem Sternenzelt. Bei der ersten Andeutung der Dämmerung sitzen wir im Auto. Ein weiterer spannender Tag im wilden Damaraland kann beginnen. Der erste Stopp des Tages wurde wieder dem Sonnengott gehuldigt
Weiter geht die wilde Fahrt. Heute sind wir auf Einhornjagd. Kreuz und quer fahren wir durch die entlegensten Winkel des Damaralandes. Hin und wieder findet Mathias spuren und hält und freudestrahlend eine Handvoll Einhornkacke zum Fenster rein. Die ist erst ein Tag alt, die Tiere können nicht weit sein. Wir folgen den Spuren. Es geht durch ein ausgetrocknetes Flusstal. Nur führen die „Strassen“, die nur mühsam erkennbare Feldwege sind, vom Flusstal weg. Früher gab es hier mal eine „Strasse“. Kurze Diskussion zwischen den Guides. Wenn es hier keine Strasse mehr gibt, dann machen wir eben eine. Dann haut Mathias den ersten Gang rein, lässt den Motor aufheulen und wir fahren querfeldein. Kleine Büsche werden zwischen die Räder genommen, große kratzen am Lack und so holpern wir im wahrsten Sinn des Wortes über Stock und Stein. Plötzlich stoppt Mathias. Ich schaue mich um. Hier ist nix! absolut nix! Doch Matthias deutet nach unten. Genau neben unserem Auto haust ein Drache. Es ist noch kühl am Morgen und so hat er noch keine Betriebstemperatur erreicht. Wenig später ist er von einer Horde von Fotografen umzingelt. Der Drache hat mehr Angst vor uns, als wir vor ihm. Nach einer wilden Fotosession lassen wir ihn in der Wildnis zurück:
Weiter geht die Fahrt durch das ausgetrocknete Flusstal. Die Nashornspur haben wir inzwischen verloren und so erfreuen wir uns an Bestien, die in Büschen auf uns lauern,
oder fliegende Ungeheuer.
Außer ein paar Springböcke, Oryxe und Giraffen in großer Entfernung, gibt es nicht viel zu sehen. Wo sind nur die Nashörner geblieben. Die können sich hier doch nirgendwo verstecken. Wir fahren auf einen Aussichtspunkt mit einer super Rundumsicht.
Nix! Wir fahren weiter, während die Anderen aus dem zweiten Auto noch fleißig die Botanik knipsen. Bald haben wir sie aus den Augen verloren. Das Funkgerät geht immer noch nicht. Wir warten eine Weile, dann drehen wir um und fahren bis zum letzten Abzweig zurück. Da sehen wir in großer Entfernung das zweite Auto stehen. Sie hatten die falsche Strasse gewählt. Wir winken und lassen die Lichthupe aufblitzen. Wir sind sicher, dass sie uns jetzt gesehen haben. Also wenden wir erneut und fahren wieder in die Strasse ein, die wir schon so gut kennen. Nach einer Weile, ist immer noch kein zweites Auto zu sehen. Wo bleiben die nur? Also wieder gedreht, wieder bis zum Abzweig zurück und da wo vorher das andere Auto war, ist nix als gelbes Gras? Die sind jetzt vermutlich mit einen Affenzahn unterwegs und versuchen uns auf der falschen Strasse einzuholen. Deswegen braust der Mathias jetzt mit einem Mega-Affenzahn durch die Palmwag Konzession. Rallye Paris-Dakar ist dagegen etwas für Schattenparker. 😎 Wie ein Kängeruh hüpft der Landrover auf der Piste. Alles springt im Wagen umher. Mit einem Lauten krachen fliegt eine meiner Kameras vom Sitz auf den Blechboden. Die Gegenlichtblende zersplittert! 😮 Aber Kamera und Objektiv bleiben heile. Auf einen Hügel am Horizont sehen wir dann endlich das zweite Auto. Den Wortwechsel zwischen den Guides lasse ich jetzt unkommentiert. Nach ein paar weiteren Landschaftsaufnahmen geht es die Strecke wieder zurück.
Inzwischen ist Mittagszeit und die Sonne steht sehr hoch und wir haben nicht viel verpasst. Es geht zurück zum Camp und da wartet schon Erik mit seiner Crew auf uns. Auf dem Grill liegen bereits ein paar Broerworst. 🤩
Jetzt ist auch etwas Zeit sich im Camp umzusehen. Ein paar Zelte sind gewandert. Anscheinend war ich der einzige der letzte Nacht gut geschlafen hat. Als Krawallschnarcher habe ich jetzt etwas Abstand zu den anderen Zelten.
Am Nachmittag geht es wieder auf Einhornjagd. Es geht wieder über Stock und Stein durch das Damaraland. Wir sehen ein paar Oryx und ein paar Springböcke, aber keine Einhörner.
Matthias stoppt und springt aus dem Auto. Frische Einhornspuren! Greift in eine warme Masse am „Strassenrand“. Er freut sich wie ein kleines Kind. Ganz frisch. Ist sogar noch warm! Die Einhörner können nicht so weit sein. Der Tag neigt sich dem Ende. Als wir gerade umdrehen wollen, sehen wir die sagenumwobenen Einhörner am Berghang. Genau sind es drei Stück. Eine Familie aus Vater- Mutter mit ihrem Nachwuchs. Es sind die gefürchteten Spitzmauleinhörner, die wegen Ihrer Aggressivität besonders gefürchtet sind. Das Männchen hat ein unglaublich großes Horn. Das ist mindestens 1m lang und dient bestimmt als Büchsenöffner für Landrover und Landcruizer. Leider ist die Distanz viel zu groß. Aber das ist kein Problem für einen furchlosen Guide. Wenn die Einhörner nicht zu uns kommen, dann kommen wir zu denen. Wir greifen zur Gorillahantel und gehen auf die Pirsch. Die Einhörner haben schnell unsere Witterung aufgenommen. Wie gebannt starren sie in unsere Richtung. Sie haben das Kleine in die Mitte genommen und sind angriffsbereit. Wir machen ein paar Bilder. Aber sind immer noch zu weit weg. Wir nutzen jede Deckung aus und nähern uns so den Einhörnern. Es sind noch rund 400m und vor uns ist nur noch gelbe, trockene Wiese ohne Deckung. Ganz langsam, möglichst lautlos gehen wir voran. Die Einhörner werden unruhig. Aufmerksam beobachten sie jeden unserer Schritte. Wann würde das Männchen losstürmen, um uns mit seiner Meterlangen Nasenlanze aufzuspießen? Wir nähern uns auf rund 300m. Es herrscht Spannung. Wie beim Duell stehen sich die Gruppen gegenüber. Auf einer Seite die Einhörner mit Ihren spitzen Hörnern, die jeden Moment angreifen können. Auf der anderen Seite ein paar unerschrockene Fotojäger mit großen schwarzen Objektiven. Die Spannung ist so hoch, dass sogar die Luft stark zittert. Oder schlottern mir die Knie? Die Sonne geht langsam unter und die Belichtungszeiten werden unglaublich lang. Noch schnell ein paar Bilder geschossen, von denen leider keines knackscharf ist.
Trotzdem ein schönes Erlebnis. Vorsichtig ziehen wir uns zurück und die Einhöner können ungehindert weiterziehen. Die Sonne ist schon über den Berg. Wir fahren Ihr hinterher und auf einen Hügel können wir noch die letzten Minuten Sonnenschein bei einem Sundowner genießen. Heute ist Stefanos Geburtstag. Happy Birthday!
Abends im Camp machen wir noch ein paar Nachtaufnahmen. Stefano gelingt eine Langzeitaufnahme der Milchstrasse mit Sternschnuppe. Nach reichlich Genuss von Rotwein macht man Dinge, die man sich sonst nicht traut. Es gibt noch ein paar Spaßfotos mit Stroboskopblitzen und Lichtmalerei.
Dann kommt das Sandmännchen und eine weitere Zeltnacht im Damaraland kann beginnen.
Morgen geht es zu den Himbas. Ein Naturvolk, wo ungehobelte Touristen in den Potije landen.
Fortsetzung folgt! 😛
Teil 1129. Juli 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 11) Palmwag - Hobatere
Obwohl mitte Juni die namibischen Nächte besonders lang sind, ist für mich die Nacht wieder viel zu kurz. Nach einen schnellen Frühstück während der ersten Dämmerung werden die Zelte geräumt: Wir nehmen von Erik und seiner Crew Abschied. Wie satteln die Boliden und fahren auf direkten Weg zurück zur Palmwag Lodge. Die Zeit drängt, denn wir wollen am Nachmittag bei den Himbas sein. Aber für die obligatorische Sonnenaufgangsfotoorgie wird der erste Stopp eingelegt.
Dann sehen wir vor uns in einen Baum ein paar Vögel mit massivem Schnabel. Mit dem kann der locker Autodächer perforieren. Alfred Hitchcocks Vögel sind dagegen eine Lachnummer. Meine Gorillahantel und die wild klickende Kamera haben bei den Vögeln Eindruck hinterlassen. Sie ergreifen die Flucht. Glück gehabt!
Nach der Überwindung von Endlosen Grasebenen
und reißenden Gebirgsströmen erreichen wir nach dreistündiger Fahrt wieder die Palmwag Lodge. Ich kann sie endlich bei Tageslicht betrachten.
Dann geht es auf der C39 nach Osten. Wir halten an einen Wald mit Flaschenbäumen. Durst! Welcher Flaschenbaum ist mit Windhoek Lager gefüllt? Wie unterscheidet der sich von denen mit Buttermilch oder Karottensaft? Wie öffnet man so einen Flaschenbaum? Schlägt man mit dem Holzhammer einen Zapfhahn durch die Rinde? Fragen über Fragen und keine Antworten. Stefano drängt zum Aufbruch. Ich mach noch schnell ein Bild, fühle mich wie Flasche leer und habe fertig. 🤪
Anmerkung: Beim Betrachten der Fotos sehe ich die vielen Stacheln an Flaschenbäumen. Jetzt ist mir klar, da muß Dornfelder drin sein! Also beim nächsten Besuch Korkenzieher nicht vergessen sonst müßt Ihr warten, bis ein Kudu mit großen Geweih vorbeikommt. 😛
Als nächstes überqueren wir den Grootbergpass. Es geht steil bergauf. Der Motor röhrt. Der Landrover schraubt sich über die Baumgrenze. In schwindelerregender Höhe von 15400 dm ist der Pass erreicht. Für Mensch und Maschine wird hier die Luft dünn. Wir schaffen es sogar ohne Sauerstoffmaske. Bevor Auto und Insassen einen Höhenkoller bekommen winden wir uns in engen Kurven auf der anderen Seite ins Tal. 😉
Inzwischen knurrt auch der Magen und die mitgebrachten Lunchpakete locken. Ein kühles Bierchen dazu, wäre genau richtig. In Kamanjab entern wir ein Restaurant. Bierchen trinken dürfen wir, nur die mitgebrachten Lunchpakete müssen draußen bleiben. Also bleibt es beim Bierchen. 🙂
Weiter geht es auf der asphaltierten Piste zu den Himbas. Eine uralte Kultur, die noch niemals einen Weißen gesehen hat. Die Feinde landen bestimmt noch im Kochtopf oder werden den Ahnen geopfert. Bei der Einfahrt auf das Gelände sehe ich schon die erste Himba-Dame. Sie gibt das taktisches Zeichen – Daumen zum Mund: „Gluck-Gluck“! Die wollen also Weiß-Bier aus uns machen. 😮
Auf der Camp-Site verdrücken wir unsere Lunchpakete. Henkersmahlzeit! Ich greife meine Knipskisten und stelle die Bildrate auf „Feuerstoss“. Wenn ich schon nicht mein Ende verhindern kann, kann ich es so wenigstens für die Nachwelt dokumentieren. Wir bekommen noch einen Crashkurs in Kommunikation. Begrüßungsritual und die Frage „Wie geht es Dir?“ und die Antwort „Gut“. Würde ich den Kochtopf entgehen, wenn ich wüsste wie „miserabel“ oder „Schweinegrippe“ in der Sprache der Himba heißt? Warum lernen wir das Begrüßungsritual aber nicht das Abschiedsritual? Es wird also keinen Abschied für uns geben! Es geht jetzt zum Himba Dorf und es gibt kein zurück. Als erstes sehen wir einen grimmig dreinschauenden, stolzen Krieger mit kleinen Bäuchlein. Er trägt eine rote Mütze mit der Aufschrift „Levis“. Er ist hier bestimmt der König.
Seine Hoheit lässt auch über den Übersetzer Fragen, warum ich so einen dicken Bauch habe? Der hat sofort erkannt, dass man aus mir viel „Weiß-Bier“ brauen kann. Ich erkläre ihm, dass das ein Bierbauch ist. Wenn er auch viel Bier trinkt, sieht er bald so aus wie ich. Wir lachen. 😄 Dann wirkt er nachdenklich. Bevor er mich packen kann gehe ich lieber zu den Mädels:
Die sind mir deutlich sympathischer. Immer wieder werde ich aufgefordert von ihnen Fotos zu machen. Das ist wie beim Modell-Shooting. Dann wollen die Damen natürlich auch die Fotos auf den Kameramonitor sehen. Das macht beiden Seiten sehr viel Spaß. Bei jedem Foto wird die Kamera angetatscht und nimmt zunehmend die rotbraune Farbe der Himbas an. Auf der Linse bildet sich eine Schicht aus Staub und Fett. Auch Hemd und Hose werden rotbraun. Den Himba-Geruch haben sie auch schon! Bald bin ich auch ein Himba.
Ich werde gefragt, ob ich verheiratet bin. So ein Himba-Mädel gibt es schon für 5 Rinder. Das klingt verlockend, wenn man bedenkt, was bei uns schon alleine ein goldener Ring kostet. Von den Betriebskosten, wie dreimal wöchentlicher Schuhkauf ganz abgesehen. Die Himbas sind barfuss! Die Himbamädels stehen auch nicht morgens vor dem prallgefüllten Wäscheschrank und jammern ich habe nix anzuziehen. Die gehen einfach oben ohne und gut ist! Den Schmuck machen sie sich aus selber. 😛
Die Maria flirtet schon, 🤩 wo kriege ich jetzt nur die Rinder her? Ob sie mich als Rindvieh in Zahlung nehmen, dann brauche ich nur noch vier? Sie würde für mich ein Haus bauen, Essen kochen und mich glücklich machen. Ich bräuchte nur noch unter einen Baum zu liegen und Bier zu trinken, während das Vieh sich am Dornengestrüpp satt frisst.
Eine Kinderschar reißt mich aus meinen wilden Himbafantasien. Auch sie wollen fotografiert werden.
Dieser kleine Himba sitzt direkt an der Quelle. Während er sich heute für den Inhalt interessiert, ist es in 20 Jahren eher die Verpackung.
Dann singen und tanzen die Himbamädels für uns. Die langen Zöpfe hüpfen und fliegen durch die Gegend. Es hüpfen und fliegen nicht nur die Zöpfe 🤩 🤩 🤩 🤩 🤩
Anschließend bauen die Himbamädels noch einen kleinen Markt auf. Aus ihren Hütten tragen sie uralten Schmuck und Gebrauchsgegenstände in noch älteren Plastikbeuteln herbei. Die Utensilien werden feinsäuberlich im Sand aufgebaut. Ich kaufe eine Himba-Püppi für 80 Namibia Dollar und zwei Messingarmreifen für jeweils 60 Dollar. Es sind alles Festpreise, was ich als sehr angenehm empfinde, wobei es aber mit dem Wechselgeld schwierig ist. Die Zeiten der Tauschgeschäfte mit Zucker und Mehl sind vorbei. Allerdings merkt man schnell, dass die Damen der höheren Finanzmathematik noch nicht so ganz gewachsen sind. Während so die Geschäfte florieren, sieht man im Hintergrund eine Ziege aus einem seit Generationen vererbten Potje fressen. Eine große blaue Plaste-Badewanne hängt in den Bäumen und gelbe Wasserkanister stehen herum. Das gehört alles dazu, damit der Besuch einen besonders authentischen 😕 Eindruck hinterlässt.
Als Mann schaue ich mir die Mädels genauer an. Hinten sind sie nicht oder nur teilweise mit rotbrauner Farbe geschminkt. Wenn die Touristen verschwunden sind, wird sie dann unter der Dusche stehen, einen bequemen Jogging-Anzug anziehen und sich vor dem Fernseher setzen, ums sich Folge 765 der Lindenstraße anzuschauen? Die Himba-Kultur ist auch Veränderungen unterworfen. In ein paar Jahren wird ein Himba-Dorf genauso authentisch sein, wie ein Schuhplattlerabend in Berchtesgaden, der die oberbayrische Kultur den japanischen Touristen näherbringt.
Mathias, unser Guide ist halb Himba und halb Damara. Die besuchte Himbagruppe sind seine engen Verwandten. Sein Bruder Pinia hat für uns übersetzt. Wir haben Mathias für diesen Abend freigegeben, denn er hat sine Familie schon seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen. Sie haben noch lange am heiligen Feuer gefeiert. Wir sind zur Hobatere Lodge weitergefahren. Es war schon dunkel als wir die Lodge erreicht haben. Die Hütten sind geschmackvoll eingerichtet. Hier kann man es aushalten.
Nach einem eiskalten Windhoek Lager gibt es ein leckeres Abendmenü. Aber kaum haben wir das Besteck abgelegt oder das Glas abgestellt ist es – simsalabim – verschwunden. Der Wunsch nach einem baldigen Feierabend beim Personal ist wirklich offensichtlich. Der Grund ist ein Löwenrudel, das in der vergangenen Nacht zwischen den Hütten herumgelaufen ist. Die Löwen haben so laut gebrüllt, dass die anderen Lodgebewohner die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Die Angestellten müssen noch durch die Dunkelheit nach Hause laufen und drängen daher zur Eile. Wir gehen noch an das beleuchtete Wasserloch. Aber hier ist alles ruhig. Zum Fotografieren ist es auch ziemlich dunkel. Ich nutze die Zeit um die Kameras von der Himbaschminke zu befreien. Dann forder die kurzen Nächte Ihren Tribut und ich bin gleich eingeschlafen. Kein Löwengebrüll und keine potentiellen Himbaschwiegermütter mit 5 Rindviechern haben meinen Schlaf gestört. 😄
Fortsetzung folgt! 😛 😛
Teil 1204. Aug. 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 12) Hobatere - Etoscha
Der Wecker ist unerbittlich und reißt mich aus dem Schlaf. Es ist noch dunkel und um diese Uhrzeit geht auch noch kein Licht. Im Schein der Taschenlampe packe ich meine sieben Sachen. Nix vergessen? Die Abfahrtszeit rückt heran. Draußen ist es immer noch stockdunkel. Gestern wurden wir ausdrücklich davor gewarnt, die Hütte zu verlassen, wenn die Lichter aus sind. Die Lichter sind aus! Also Fototasche und Rucksack geschultert, Taschenlampe geschnappt und mutigen Schrittes durch die Dunkelheit zum Hauptgebäude. Kein Löwe kreuzt den Weg und so komme ich wohlbehalten zum Minifrühstück. Wir bekommen Frühstückspackete mit und satteln unseren Boliden. Beim ersten Schein der Dämmerung verlassen wir Hobatere. Gerne hätte ich die schöne Lodge mal bei Tageslicht gesehen. Bis zu Straße sind es noch einige Kilometer. Wir fahren und fahren und fahren. Passieren Hobatere International Airport und fahren und fahren und wo war noch mal die Strasse? Ich glaube, wir sind hier falsch. Also gewendet und noch mal einen anderen Weg ausprobiert und irgendwann waren wir auf der Straße. Die Welt hat uns wieder. Es wird langsam hell und es wird Zeit, dass wir zum Gate vom Etoscha Nationalpark kommen. Wir sind das erste Auto. Pole-Position! Das Tor ist aber noch verriegelt und verrammelt.
Leider war es in der Kürze der Zeit nicht möglich ein zweites Permit für Mathias mit dem 2. Wagen zu bekommen. Wir kauern zusammengepfercht in unseren Boliden. Nach einer gefühlten Ewigkeit geht die Sonne auf und das Tor wird geöffnet. Wir bleiben das einzige Auto und werden auch in den nächsten Stunden keinem weiteren Auto begegnen. Wir fahren in den sagenumwobenen westlichen Teil des Etoscha Nationalparks, dass noch kein selbstfahrender Tourist vorher gesehen hat. Vor uns liegen rund 200 km Piste, bis zum Okaukuejo Rastlager. Die Landschaft ist leicht hügelig und mit dichten Buschwerk und Bäumen bewachsen. Es ist sehr schwer Tiere zu erspähen. Trotz der Enge im Wagen gelingen ein paar Fotos von Hartmanns Bergzebras, Steppenzebras, Großer Kudu, Steinbock, Wiedehopf und eine seltener Vogel, der Toko mit den Büchsenöffnerschnabel.
Die Landschaft wird flacher. Wir fahren jetzt von Wasserloch zu Wasserloch. An einem Wasserloch stolziert ein Löwe. Er ist hier der König. Er macht es sich bequem, schaut uns an und stolziert wieder weiter. Er kommt an einen markanten Busch vorbei, fletscht die Zähne, verzieht die Nase und schnüffelt. Ist das vielleicht das Katzenklo? Dann reibt er sich am geäst und stellt sich rücklings vor den Busch auf. Ein goldgelber Strahl spritzt heraus. Der König der Tiere pinkelt also im Stehen! Wenn die Touristen da sind, macht er auf dicken Maxen. Aber im Beisein der Königin, wird er bestimmt auch brav zum Sitzpinkler. 😁
Inzwischen knurrt der Magen. Die Frühstückspackete locken. Schnell wickele ich meine Käsestulle aus. Dabei fallen mir ein paar längliche schwarze Punkte auf. Kümmelkörner? Kann nicht sein, die schwarzen Punkte bewegen sich! 🤨 Das ist für Kümmel ungewöhnlich. Ich wage einen untersuchenden Blick. 😮 Hmmmm, es sind namibische Gewürzameisen! Ich denke, bloß nix sagen, sonst will jeder welche haben. 😗 Aber da kommt schon ein Aufschrei aus der ersten Reihe. Also die anderen haben auch welche. Mit knurrenden Magen kann ich die Situation nüchtern betrachten: Cook it, Peel it, or Forget it. Also gekocht sind die Ameisen ganz bestimmt nicht. Die Krabbeln noch! Also ist es Rohkost. Seufz! Wie schält man Ameisen? Verlieren sie an Geschmack, wenn man die Beinchen abhackt? Seufz! Es bleibt also nix anderes übrig, als sich schweren Herzens zu verabschieden. 🤢
Wenig später sehen wir einen Elefant etwas abseits vom Weg im Gegenlicht. Der steht bis zum Bauch im Dickicht. Im Gedränge im Wagen habe ich keine Möglichkeit aufzustehen. 😠 Aus dem Fenster heraus sehe ich nur Gestrüpp und einen Elefantenrücken. Da ich schon genug Elefanten im Dickicht bei Gegenlicht fotografiert habe, habe ich keine große Lust mich durchzuboxen. So macht das Fotografieren keinen Spaß. Plötzlich hebt der Elefant seinen Rüssel senkrecht hoch und stößt eine Staubwolke aus. Das Bild erinnert mich an eine Dampflok. Um mich herum klicken die Kameras und ich gehe leer aus. Frust! Dann trabt der Elefant auf die Straße und mir gelingt noch ein Nachschuß.
Am nächsten Wasserloch löscht gerade ein einsamer Elefant seinen Durst. Hier stehen wir etwas günstiger. Ich nutze die Gelegenheit, um ein paar Bilder aus der Froschperspektive zu machen. Dafür brauche ich nur meine Kamera ans Einbeinstativ zu schrauben und halte das Teil mit der Kamera nach unten aus dem Fenster. Jetzt schwebt die Knipse knapp über den Boden. Natürlich kann man so nicht mehr durch den Sucher schauen. Die Bilder stehen dann auch auf den Kopf, aber man kann zu Hause den Monitor umdrehen. 🤪 Der Elefant ist ein kleiner Dreckfink und verspritzt den Schlamm aus dem Wasserloch. Das sieht einfach toll aus. Alle Kameras sind wie wild am klicken. Meine auch! Ich habe eine ganze Serie von Bildern. Aber leider gibt es viele Bilder mit halben Elefanten, nur Elefantenfüße oder nur Elefantenrücken, ohne Elefant und wenn der Elefant drauf ist, hat der Autohokuspokus auf das Grünzeug davor scharf gestellt. Immerhin gibt es eine brauchbare Aufnahme, nur leider ohne Schlammfontäne.
Wenig später erreichen wir die Grenze zum Ostteil des Etoscha Nationalparks. Der Autoverkehr nimmt zu. Herden von Srpingböcken und Steppenzebras kreuzen unseren Weg. Inzwischen meldet sich die Blase und es wird Zeit einen Toilettenstop einzulegen. Dafür gibt es im Etoscha kleine abgesperrte Gebiete. Hier gibt es Klohäuschen. Wir fahren zur Ghost Tree Forest. Das klingt spannend. Wir erreichen ein eingezäuntes Gebiet. Der Bolide stoppt und unser Guide öffnet das Tor. Wir fahren durch und es bleibt offen stehen. Was ist, wenn jetzt der Löwe das offene Tor findet. Besser nicht daran denken. Die sanitären Anlagen im Ghost Tree Forest sind bereits von allen guten Geistern verlassen. Als Mann hat man bekanntlich weniger Probleme. Man(n) stellt sich einfach an den nächsten Busch - Windrichtung beachten - und Wasser marsch! Während ich so langsam den von Vormittag aufgestauten Blasendruck reduziere, kommt aus dem Gebüsch ein böser Vampir. Der ist anscheinend wild auf Frischfleisch. 😮 Er umkreist mich neugierig und beäugt mein empfindlichstes Körperteil. Es gelingt mir gerade noch so den Vampir abzuwehren und mein gutes Stück wieder zu verstauen. Hier ist der Vampir:
Eine Giraffe versucht einen Minibusch abzufressen und muss sich dafür tief bücken.
Dann gibt es noch eine Fuchsmanguste (oder Schlankinchneumon?) zu sehen und wir sind in Okaukuejo.
Es ist schon Nachmittag. Wir beziehen unsere Bungalows am Wasserloch. Dort ist wenig los. Vermutlich knurrt mein Magen so laut, dass er die Tiere vertreibt. Somit geht es an den Imbisstand und da wird erst einmal mit einem eiskalten Tafel-Bierchen der Staub runtergespült. Anschließend wird ein Hamburger vernascht, bei dessen Größe, Geschmack und Nährwert kein amerikanisches Kettenrestaurant mithalten kann.
Den Abend verbringe ich am Wasserloch. Die Sonne geht langsam unter und auf dem ersten Blick ist nix los. Aber dann sehe ich einen Spornkiebitz, ein mächtiger Adler landet auf einen Baum und Täubchen stillen Ihren Durst. Ein paar Schakale schleichen umher. Ein Schakal steht wie angewurzelt am Wasserloch. Ein ahnungsloses Täubchen landet und trinkt. Der Schakal macht einen Satz und schon hat er die Friedenstaube im Maul. 😮 Mein erster „Kill“. Wird jetzt hier am Wasserloch ein Krieg ausbrechen? Die anderen Schakale wittern ihre Chance, lecken sich schon die Zunge und jagen den ersten Schakal mit der Taube im Maul hinterher. Nach einer längeren Hatz kann der Schakal endlich seine Täubchen fressen.
Wie aus dem Nichts taucht ein mächtiger Elefant auf. Er steht am Wasserloch und macht immer wieder die gleichen Bewegungen. Rüssel ins Wasser, Wasser ansaugen, sich nach hinten neigen, Rüsselende ins Maul stecken und Wasser wieder rausdrücken. Hinter dem Elefant geht die Sonne unter! Das ist Bilderbuchafrika. Auf dem Rücken trägt er einen Kasten. Der sieht aus wie ein Ziegelstein. Beim genaueren Hinsehen hat er ein Halsband und unten einen weiteren Kasten hängen. Das ist bestimmt die Funkfernsteuerung. Ich schaue mich vorsichtig um, kann aber keinen Ranger mit einer Fernbedienung sehen.
Am Horizont kommt eine Staubwolke auf uns zu? Man fühlt schon die Erde beben und es dröhnt wie tausend Trompeten. Kommt jetzt ein Sandsturm? Oder das jüngste Gericht? Will jemand die Friedenstaube rächen? Nein, es ist eine Herde Elefanten. Jeder will der Erste sein. Alle wollen zur Pumpe, weil es dort das frischeste Wasser gibt. Töröööööööööö! Ein paar Jungtiere sind die Schnellsten und umrunden auf beiden Seiten das Wasserloch und stürzen sich auf das frische Nass. So ca. 10 Elefanten in allen Größen verteilen sich um das Wasserloch. Dabei wird es dunkel. Die Scheinwerfer erstrahlen und tauchen das Wasserloch in ein gelbes Licht. Ich kämpfe mit dem Weißabgleich. Mal sind die Elefanten rot, dann gelb, dann blau. Bei 2500 Kelvin sehen sie noch am besten aus.
Nachdem die Elefanten abgezogen sind, ziehen auch wir ab. Im Restaurant ist auch bei uns Durstlöschen angesagt. Ähnlich wie die Elefanten traben wir zum Restaurant, denn jeder möchte das frischeste Bierchen haben. Das Buffet ist reichhaltig und wohlschmeckend. Nach hinreichend Genuss von Bierchen und Rotwein torkeln wir zurück zum Wasserloch.
Dort ist gerade Äktschn angesagt. 4 Nashörner sind am Wasserloch. Mutter mit Kind trinken friedlich. Zwei Bullen scheinen sich nicht so ganz zu mögen. Sie stehen Nase an Nase gegenüber. Eine Eule sitzt daneben und kommentiert die Szene. Dann gibt es einen Scheinangriff und das andere Nashorn nimmt Reißaus. Wobei es dann seinen Frust an die Eule rauslässt. Die dabei laut schimpfend aufgescheucht wird und sich schmollend auf einen Baum verzieht.
Am Wasserloch wimmelt es von UFOs
Als ich dann endlich in meinem Zimmer bin, stelle ich fest, dass es noch einen Untermieter gibt. Ich habe doch ein Einzelzimmer geordert, bezahlt und nun so etwas. Gegen ein knackiges Himbamädel hätte ich auch nichts einzuwenden. Aber dieser Untermieter hat 8 Beine und schaut mich mit 4 großen Augen an. Rasiert ist er auch nicht! So kommst Du mir nicht ins Bett! Ich mache noch schnell ein Bild von ihm und ziehe das Moskitonetz zu.
Fortsetzung folgt! 😛 😮
Teil 1307. Aug. 2009
Namibiareise für Fotografen (Teil 13) Etoscha
Der erste Blick geht Richtung Untermieter. Der sitzt immer noch friedlich neben dem Lichtschalter und hat mich diese Nach nicht aufgefressen. An der Decke hängt noch ein weiterer Untermieter der gleichen Gattung. Ooops, jetzt wird es im Bungalow aber langsam voll.
Egal, ich hüpfe ins Bad und dann in die Stiefel, Fotogeraffel geschnappt und dann geht es ins Restaurant. Da wird erst einmal gegessen, was das Buffet hergibt. Dann werden die Boliden gesattelt. Heute haben wir wieder zwei Autos und Mathias wird uns wieder fahren. Beim Sonnenaufgang wird das Tor geöffnet. Wir wollen zu einen Wasserloch im Norden fahren, das von einen Löwenrudel besetzt wurde. Die Fahrt soll schnell gehen, deshalb sollen wir nicht bei jedem Zebra und jedem Springbock anhalten. < snief >. Immerhin haben wir Mathias als Fahrer, der hält dafür für jeden Vogel. Folglich sind wir erst am Wasserloch angekommen, als die Sonne bereits so hoch stand, dass keine schönen Gegenlichtaufnahmen mehr möglich sind. Aber auch ohne den Vogelfotostopp während wir zu spät gewesen. Wenig später sehen wir eine Gruppe Punker. Alle mit wildem Irokesenschnitt. Die wollen uns nicht passieren lassen. Daraufhin habe ich gedroht, dass ich Mikado kann. Davon waren die Streifenschnitzel nicht sonderlich beeindruckt. Aber die Androhung, gleich eine CD von Hans Albers aufzulegen, hat Wirkung gezeigt. Fluchtartig suchten sie das Weite.
Wenig Später macht es ganz laut Pufffff! Ist jetzt ein Reifen geplatzt? Nein, am Straßenrand liegt eine regungslose Puff-Otter. Hein fängt das Vieh gleich ein und zeigt uns stolz seine Jagdtrophäe. Die Puffotter ist etwas lädiert, aber noch ganz frisch! Das ist „the catch of the day“. Wir sind noch kurz am diskutieren, wie Puffotter schmeckt und ob wir sie mitnehmen sollen. Dann kann der Koch in Okaukuejo mal einen richtigen Schlangenfraß brutzeln. Die Situation ist ähnlich wir, in diesen Catoon:
Kurze Zeit später sehen wir einen kleinen Räuber am Straßenrand. Wie gebannt schaut er auf eine Stelle. Da bewegt sich auch etwas im Gras. Mit einer flinken Bewegung schnellt er vor und schon fliegt eine Schlange durch die Luft. Sie stürzt zu Boden, will sich aufrichten, aber schon ist der Räuber zur Stelle und geschickt gibt es die nächste Flugshow. Das wiederholt sich mehrfach, bis der kleine Räuber sicher ist, das die Schlange tot ist. Jetzt kommt das größte Problem: Wie isst man eine Schlange? Mit Messer und Gabel? Stäbchen? Oder Amerikanisch mit den Pfoten? Der kleine Räuber hat kein Schweizer Messer zur Hand und so hat er seine Probleme die Schlange in mundgerechte Stücke zu zerreißen. Aber er ist dann doch zu seinem Frühstück gekommen.
So einen Kill sieht man nicht alle Tage. Der Schlangenadler muss heute fasten!
Unsere Pirschfahrt wurde von ein paar grimmig schauenden Gestalten mit großem Schlagschwanz gestoppt. Es sind Erdhörnchen. Ein Eishörnchen ist mir bei der Affenhitze jetzt lieber …
Ein Raubvogel (junger Graubürzel Singhabicht) im Gebüsch wollte unbedingt fotografiert werden. Dann gab er mir seine Email-Adresse, damit ich das Bild schicken kann.
Dann sind wir zum Wasserloch Nebrowni gefahren und stehen im Stau. Das Wasserloch ist dicht umlagert von hunderten von Zebras, Springböcken, Oryx und ein paar Strauße sowie ca. 10 Fahrzeugen vom Reisebus bis zum Tretauto. Am Wasserloch liegen zwei Löwen, jeweils an einem Ende des Wasserlochs. Durch ihre bloße Anwesenheit verhindern sie, dass die Tiere an das Wasser können. Nur vereinzelt wagt sich mal ein Springbock oder Oryx an das Wasser. Ständig mit den Augen auf die Löwen gerichtet. Wenn ein Löwe sich bewegt (z.B. gähnt oder mit dem Kopf wackelt) dann jagen die Tiere gleich wieder vom Wasser weg. Wir beobachten die Szene eine Weile. Dann wird es einen Löwen zu langweilig und er kommt langsam angetrottet, um die Gesellschaft seines Bruders zu suchen. Jetzt waren die ersten Tiere etwas mutiger. Auch eine Zebrafamilie nutzt die Gelegenheit. Kaum haben sie sich zum Trinken gebückt, wackelt der Löwe etwas mit dem Kopf und schon spritzen Wasser und Schlamm hoch und die Zebras suchen das Weite. Nach einer Weile formieren sie sich neu und tasten sich, die Löwen ständig im Blick, wieder an das Wasserloch an. Nachdem wir die Situation über mehrere Stunden beobachtet haben, machen wir eine weitere Runde durch den Nationalpark, ohne etwas Interessantes zu sehen. Es ist schon Mittag und die Tiere verkriechen sich in den Schatten. Auf dem Rückweg fahren wir wieder am Wasserloch vorbei. Diesmal stehen die Autos um einen Busch in der Nähe des Wasserlochs. Die beiden Löwen war es zu warm geworden und sie haben sich in den Schatten eines Baumes verkrochen. Somit konnten die anderen Tiere endlich ihren Durst löschen. Da ich schon genug Bilder von unterm Baum schlafenden Löwen habe, habe ich mir die Situation geschenkt und wir sind zur Siesta nach Okaukuejo gefahren.
Am Nachmittag haben wir noch mal eine kleine Runde gedreht. Es ist aber sehr wenig los und die Löwen sind auch verschwunden und das Wasserloch verweist. Nur ein stolzer Strauß führt seinen Nachwuchs aus.
Abends ist es am Wasserloch in Okaukuejo auch sehr ruhig. Eine einsame Giraffe hat sich über eine Stunde langsam genähert, bevor sich zum Trinken verrenkt hat.
Abends sind wir noch im Restaurant und haben uns über das reichhaltige Buffet hergemacht. Danach haben wir noch eine Bildbesprechung gemacht, die durch einen neugierigen Schakal, der bis an den Tisch rankam, unterbrochen wurde. Am Wasserloch von Okaukuejo ist immer noch nix los und so bin ich ins Bett gegangen. Ich schaue noch mal kurz nach, wo meine achtbeinigen Untermieter sich rumtreiben. Schließe das Moskitonetz und lasse im noch mal den Tag Revue passieren. Die vorletzte Nacht in Afrika ist angebrochen.
Fortsetzung folgt! 😛
PS: Nein wir haben die Puffotter nicht plattgefahren
Teil 1401. Sept. 2009
Namibiarundreise für Fotografen (Teil 14) Etoscha - Frans Idongo
Nach einer erneut zu kurzen Nacht werden schnell die sieben Sachen gepackt. Dann geht es zum Wasserloch in Okaukuejo. Die Sonne ist auch schon wach. Sie schaut zwischend en Schäfchenwolken durch und taucht das Wasserloch in ein goldgelbes Licht.
Nach und nach haben auch die Springböcke, Streifengnus und Zebras ausgeschlafen. Sie werden mit frischen Quellwasser betankt.
Nachdem auch wir unsere Betriebsvorräte am Frühstücksbuffet aufgefüllt haben, sitzen wir wieder wie die Ölsardienen im Boliden. Mathias ist bereits mit dem zweiten Wagen über alle Berge Richtung Palmwag. Der erste Stop ist am Wasserloch Nebrowni. Aber heute ist dort nicht viel los.
Ein Strauß steht im Wasserloch mitten im Morast. Der hat eine Konsistenz von Schnellzement. Die Füße bewegen sich nicht? Hat der Strauß jemanden verpfiffen und wurde von der Helmperlhuhnmafia einbetoniert?
Dann stellt sich uns die Helmperlhuhnmafia in den Weg. Sollen wir jetzt auch im Wasserloch einbetoniert werden? Hein rollt langsam auf die Hühnerbande zu. Die bleiben wie angewurzelt stehen. Kurz bevor das erste Perlhuhn überrollt wird, gibt der Klügere nach und die Hühner laufen gemächlich vor dem Auto her. Hein gibt langsam Gas. Der Abstand wird wieder kleiner. Die Hühnerbande läuft jetzt gemütlich die Straße entlang. Wie lange wollen die uns noch aufhalten? Wollen die Wegezoll? Hein gibt mehr Gas und erhöht das Tempo. Jetzt kommt Schwung auf und die Hühnerbande läuft mit flotten Tempo vor uns her. Aber sie sind nicht bereit unseren Boliden passieren zu lassen. Hein läßt die Muskeln spielen und drückt auf die Tube. Der Motor röhrt auf. Das Hühnervieh bekommt die Panik. Wie ein wilder Hühnerhaufen rennen sie wild flatternd die Straße entlang. Aber sie geben hartnäckig die Strasse nicht frei. Es richt nach Hünerfrikassee heute abend. Hein schaltet hoch und läßt den Boliden laufen. Das Federvieh flitzt mit atemberaubender Geschwindigkeit vor uns her und schimpft dabei mit lautem Geschnatter. Am Wasserloch Olifantsbad biegen wir geschickt ab und die Hühnermafia läuft ins Leere! Ätsch ausgetrickst! 😛
Am Wasserloch ist nix los und so setzen wir die Fahrt fort. Die Hühnermafia sitzt ausgepumpt am Strassenrand und läßt uns jetzt ungehindert passieren. Wenig später treffen wir am rechten Rand auf eine Gruppe brauner Gestalten. Das sind bestimmt Radikale. Sie tragen geschwungene Waffen. Die sind waffenscheinpflichtig und bestimmt verboten! Sie haben bereits als Kriegsbemalung einen schwarzen Streifen auf der Nase angelegt. Werden sie gleich über uns herfallen? Wir spenden ein paar Büchsen Windhoek Lager. Bei der Aufteilung der der Büchsen geraten sie in Streit. Wir nutzen die Chance und machen uns aus dem Staub.
Kaum sind wir den Braunen entkommen, werden wir verfolgt. Ein wilder Springbock galoppiert neben uns her. Hein läßt die Zügel locker und den Boliden laufen. Aber es hiflt nix, der Springbock läßt sich nicht abschütteln. Darf der das überhaupt? Der ist noch ganz jung und noch grün hinter den Ohren. Wenn das seine Mama wüßte! Wir bleiben stehen und der junge Springbock schaut uns traurig an. Er kommt vermutlich von einen chinesischen Wunderheiler. Für ein schnelleres Geweihwachstum wurde er akupunktiert. Wir haben ihn mit Windhoek Lager abgefüllt. Als ein Auto in die Gegenrichtung fuhr, galoppierte er in Schlangenlienien hinterher ...
Das Vogelportrait von gestern hat bei Stefano Eindruck hinterlassen. Inzwischen halten wir bei jeder Gabelracke. Diese bunten Vögelchen sitzen in den Bäumen und warten auf Insekten. Wir haben da nix zu befürchten.
Aber dann saß dieser grimmig dreinschauender Geselle auf einen Baum am Wegesrand. Neugierig schaut er durch das offene Autodach ins Wageninnere. Ernährt er sich von Touristen? Wird er sich gleich im Sturzflug auf unser Auto stürzen? Wird er sich einen von uns greifen? Geschickt halten wir ihn durch unsere großen Teleobjektive auf Abstand. Somit können wir unserem Schicksal noch einmal entrinnen
Punkt 12 Uhr erreichen wir das Anderson-Gate. Jetzt sind wir in Sicherheit.
Von wegen Sicherheit, das erste Warnschild auf der C38 ist ein deutlicher Hinweis, dass auch hier wilde Gesellen unterwegs sind. Sie lauern arglosen Touristen auf der Strasse auf. Dann schlitzen sie mit den messerscharfen Eckzähnen die Reifen auf. Mit erhobenen Schwanz sausen sie dann zum Zaun am Strassenrand. Verschwinden in einen Tunnel unter dem Zaun. Tauchen auf der anderen Seite wieder auf und lachen sich ins Fäustchen.
In flotter Fahrt geht es auf guter Teerpiste auf der C38 über Outjo und Otjiwarongo zur Frans Idongo Lodge. Kurz bevor wir in die D2433 zur Lodge einbiegen kommt uns ein Güterzug entgegen. Meine Knipskiste klickt wie verrückt. Stefano weiss, dass meine heimliche Liebe der Eisenbahnfotografie gilt. In Otjiwarongo gibt es eine Brücke über die Bahn. Das wäre ein toller Fotopunkt! Stefano willigt ein. Das Jagdfieber ist bei mir geweckt. Hein wendet den Boliden und fährt gemächlich dem Zug hinerher. Hein! Was machst Du da? So geht das nicht! So werden wir nie als erstes auf der Brücke sein! Es war Hein seine erste Zugverfolgung. Also mal schnell die Regeln erklärt: 1. Vollgas 2. Gänge für maximale Beschleunigung voll ausfahren. 3. In Kuven nicht vom Gas gehen. Gegebenenfalls Gegenfahrbahn in Ideallinie mitbenutzen. 4. Zugverfolger haben Vorfahrt, egal was auf den Schildern steht. 5. Gebremst wird nur beim Erreichen des Fotopunkts. Dafür aber heftig! Hein läßt die Pferdchen laufen. Die Drehzahlnadel ist im roten Bereich. Der Motor dröhnt. Das Zugende kommt in Sicht. Wagen um Wagen schieben wir uns am Zug Vorbei. Jetzt sind wir schon auf Höhe der Loks. Die Brücke bei Otjiwarongo ist bereits in Sicht. Hein gib Gas!!! Der Bolide rauscht die Brücke hoch. Wir haben einen kleinen Vorsprung. Ob das reicht? Auf der Brücke legt Hein eine saubere Zielbremsung hin. Ich springe aus dem Wagen. Der Zug kommt bereits um die Ecke. Noch ein Sprint bis zum optimalen Punkt. Der Zug ist da! Kamera hochgerissen, der Fokus sitzt und Klick-Klick-Klick-Klick-Klick macht die Kamera. Die Loks hupen. Die Führerhaustür öffnet sich. Ein winkender Lokführer schaut heraus. Ein sich freuender Kiboko winkt zurück! Die Mitreisen wundern sich noch, wie schnell ein Kiboko laufen kann ...
Im zweiten Anlauf erreichen wir dann die Frans Idongo Lodge Zwei bedrohliche Riesen bewachen die Eingangstür. Sie lassen uns passieren. Aber lassen sie uns auch wieder raus?
Werden wir im Kochtopf landen? Der rechte Potje ist bestimmt für mich.
Wir beziehen unsere sehr schön eingerichteten Bungalows. Bis zum Essen haben wir noch etwas Galgenfrist. Es gibt dort einen Fernseher. Ich kann der Versuchung nicht wiederstehen und schalte ein! Es läuft das Erste! Bei ARD und ZDF reihern sie in die ersten Sitze oder sitzen sie in der ersten Reihe. Egal. In den Nachrichten hauen sich die Politiker wieder leere Worthülsen um die Ohren. Das Afrikafeeling ist wie weggeblasen! Ganz schnell die Flimmerkiste aus! Ich tue das nie wieder!
Dann geht es auf die Terasse. Bei einen eisgekühlten Windhoek Lager geniesse ich den Ausblick.
Auf dem Gelände der Lodge gibt es seltener Tiere. Diese sind so selten, dass sie in Namibia nicht vorkommen. Sie stammen aus Südafrika und Ostafrika. Leider ist das Wasserloch so weit von der Terasse entfernt, dass ich die Gorillahantel mit Konverter bestücken muss. Das Luftflimmern macht sich auf den Bildern bemerkbar. Auf einer Pirschfahrt würde man den Tieren näher kommen. Aber das hat hier eher das Feeling eines Safariparks. Wir lehnen dankend ab. Mit dem Bierchen in der Hand enstehen ein paar Bilder:
Auch eine Schnaps- äh Akaziendrossel lässt sich blicken
Dann geht es zum Abendessen ins Restaurant. Wir lauschen dem Quaken der Frösche. Mit lautem Getöse in Dolbi-Surround! Quark-Quark-Quark-Quark. Das ist so perfekt, dass kommt bestimmt vom Band. Plötzlich Stille. Wir beten die Bardame die Platte nochmal aufzulegen. Sie grinst uns an. Dann kommt wieder das Quark-Quark-Quark ...
Es gibt ein leckeres Drei-Gänge-Menü. Den Anfang macht eine leckere Vorspeise mit frischem Lachs. Ob der im Swakop-River gefangen wurde?
Dann ist die Hauptspeise an der Reihe. Die Kellnerinnen kommen im Gänsemarsch. Die Speisen werden durch einen Deckel vor neugierigen Blicken geschützt. Die Spannung steigt. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Gleichzeitig wurden dann die Deckel entfernt. Gefüllter Kudu! Lecker-Lecker! Schlemm-Schlemm! Jamm-Jamm!
Als Nachspeise gab es eine Birne, die bei der Ernte in einen Topf mit heisser Schokolade gefallen ist
Es ist der letzte Abend in Afrika. Wir sitzen noch lange am Feuer. Mit reichlich Amarula lassen wir die Reise nochmal Revue passieren. Nachdem das Feuer abgebrannt, das Personal längst im Bett und der Amarula alle ist, finden wir mit Mühe unseren Bungalow. 🙄 Die letzte Nacht wird wohl besonders kurz werden ... ... umso besser schläft es sich dann im Flieger.
Fortsetzung folgt 🤩 😛
Teil 1501. Sept. 2009
Namibiarundreise für Fotografen (Teil 15) Cheetah Conservation Fund - Winhoek
Die Nacht ist extrem kurz. Der Rucksack wird für den Heimflug gepackt. Nicht benötigte Gegenstände bleiben zurück. Ein letztes Frühstück in Afrika und auf geht es zu den Bestien des Cheetah Conservation Fund.
Wir sind pünktlich zum Lauftraining da. In einen etwas quadratischen Areal (ca. 30x30m) sind zwei dieser Bestien. Sie warten schon auf uns. Wir dürfen das Areal betreten. Die Fototaschen müssen draußen bleiben. Ich bewaffne mich mit D300 + 70-200/2.8 + 1,4 TC und D200 + 16-85. Dann nähere ich mich den Bestien. Mich reizen Aufnahmen aus der Hocke. Die Ranger kennen aber kein Pardon. Wer sich "klein" macht, wird zur Beute. Mit anderen Worten, der Fotograf stirbt aufrecht!
Über vier Ecken ist ein Drahtseil gespannt. Dieses wird von einer Winde angetrieben. Am Seil hängen ein paar bunte Stofffetzen. Wir müssen uns parallel zu einer Kante aufstellen. Das ist sehr unpraktisch, weil wir uns so gegenseitig behindern. Besser ist eine Reihe in 45° zu einer Ecke. Aber es bleibt keine Zeit zum Überlegen. Es geht los! Die Seilwinde rotiert. Die Stofffetzen flitzen um das Karree. Die Geparde flitzen hinterher.
Staub steigt auf. In den Kurven fliegen Dreck und Grasbüschel. Die Kameras klicken mit maximaler Bildfolge. Ich kämpfe noch mit Autofokusfunktionen und bevor ich so richtig warm laufe, sind die Bestien bereits müde. Wie aufgeblasene Stubentiger umschnurren sie den Ranger. Es gibt ein paar Leckerlies. Das war es! Für mich ging das alles leider viel zu schnell. Meine Fotoausbeute ist beschämend. In Zukunft würde ich auf den Telekonverter für einen schnelleren Autohokuspokus verzichten.
Wir bekommen eine 2. Chance. Die Cheetas im Gelände sollen gefüttert werden. Wir klettern auf die mit Sitzen ausgestattete Ladefläche eines Pickups. Ich bewaffne mich mit D300 + 200-400 + TC14 und D200 + 16-85. Auf dem weiträumigen Gelände des CCF sind es rund 25 km Fahrt bis zu den Bestien. Die Fahrt führt an unendlich langen Zäunen entlang. Schleusen mit Doppeltore grenzen die Gehege voneinander ab. Die Cheetahs warten schon auf uns
Wir erreichen die Cheetahs. Es gibt einzelne, riesige Gehege jeweils für Männchen und Weibchen. Der Pickup mit den Rangern und Pferdefleischbatzen fährt voraus. Die Geparde jagen hinterher. Wir nehmen die Verfolgung auf. Wir sind in eine Staubwolke gehüllt. Auf den wild hüpfenden Pickup sind mit der Gorillahantel keine Fotos möglich. Ein Objektivwechsel ist unmöglich. Nachdem sich die Geparden genügend angestrengt haben, werden die Batzen Pferdefleisch von der Ladefläche geworfen.
Die Cheetas erhaschen einen Fleischbrocken. sie flüchten damit in den Schatten von Büschen oder ins Dickicht. Dann knabbern sie verträumt an Ihrer Mahlzeit herum. Mit Wildlife hat das nix mehr zu tun. Trotzdem sind mir meine besten Gepardenfotos gelungen.
Gegen Mittag heißt es Abschied nehmen. Ein letztes Mal besteigen wir den Boliden. Mit Siebenmeilenstiefeln sausen wir über die B1 nach Windhoek
Der Airbus A340-300 der Air Namibia wartet schon auf uns
Nach ein paar Fläschen Rotwein wiegt mich das Summen der Motoren in den Schlaf. Ich träume von Afrika von Löwen, Zebras und Giraffen im Sonnenuntergang. Das Aufsetzen der Maschine in Frankfurt holt mich in die Realität zurück. Am Gepäckband verabschiede ich mich von Stefano und liebgewonnenen Reisegruppe. Mit dem ICE geht es nach Mannheim. Die Regionalbahn spukt mich vor der Haustür aus
Die letzten Meter werden zu Fuß zurückgelegt. Das Häusle steht noch, das Auto freut sich schon auf mich. Der Briefkasten quillt über - Werbung und Rechnungen - Wie immer! Schon sitze ich im zurückgelassenen Chaos in meiner Wohnung und die Reise geht noch mal in Gedanken an mir vorbei. Eine schöne Reise ist zu Ende. Die Sehnsucht nach Afrika bleibt. 🤩
Teil 1601. Sept. 2009
Namibiarundreise für Fotografen (Teil 16) Resümee
Das Reisekonzept einer Gruppenreise für Fotografen hat mir sehr gut gefallen. Wir hatten alle die gleichen Interessen mit einer guten Mischung zwischen Anfänger, Amateure und Profis. Stefano Levi hat die Reise und Workshops sehr gut geleitet. Den Anfängern konnte er die Grundlagen der Fotografie sehr gut erklären. Ich habe mir auch ein paar Kniffe von den Profis abgeschaut, neue Funktionen ausprobiert und dazugelernt. Insbesondere möchte ich noch mal die Flexibilität von Stefano hervorheben, der kurzfristig ein zweites Auto für die Pirschfahrten organisiert hat. Ohne diese Maßnahme wäre vermutlich die Stimmung in der Gruppe gekippt. Die Organisation der Reise durch Abendsonne Afrika und den Guides vor Ort war perfekt. Mit so einer Reisegruppe und Stefano als Reiseleiter würde ich gerne wieder auf Reisen gehen. Voraussetzung ist aber ausreichend Platz im Auto. Ausreichend ist eine Sitzreihe pro Fotograf.
Namibia gilt als Einsteigerland. Afrika für Anfänger. Namibia empfinde ich als eher langweilig und erinnert mich in vielen Bereichen an den Südwesten der USA - Texas, New Mexico. Entlang der Straßen sind überall Zäune. Das Land ist aufgeteilt. Die Besiedlung ist dünn und man sieht selten Menschen. Die Städte machen einen aufgeräumten - nach afrikanischem Maßstab sterilen - Eindruck. Die Landschaft ist sehr schön, aber bis auf Dead Vlei nicht einmalig auf der Welt. Es gibt spannendere Länder in Afrika (Uganda, Eritrea, Madagaskar).
Besonders gut hat mir das Damaraland gefallen. Zelten in der Wildnis. Die Milchstrasse leuchtete am Himmel in bisher ungekannter Helligkeit. Wir waren Tagelang auf Pirschfahrt durch Palmwag und sind keinen anderen Autos begegnet.
Würde ich noch mal nach Namibia fahren? Der Caprivi-Streifen steht noch auf meiner Wunschliste. Den kann man auf einer Reise durch Botswana oder Zambia "mitnehmen". Auch wenn ich noch nicht alles von Namibia gesehen habe, gibt es momentan noch einige afrikanische Länder, die mich mehr reizen, als eine weitere Reise nach Namibia.
Statistik: Auf der Reise habe ich 9035 Aufnahmen gemacht. Davon sind 1129 in die nähere Auswahl gekommen. Die Bilder verteilen sich wie folgt auf die Kameras und Objektive:
Vielen Dank an Alle, die bis zum bitteren Ende durchgehalten und den ganzen Reisebericht gelesen haben. Ich hoffe, ich konnte Euch durch die überspitzte Forumlierung etwas Freude bereiten.