THEMA: 2024 Marokko – Wandern mit Mulis im Djebel Saghro
18 Mär 2024 15:31 #684207
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Dass diese 5-tägige Tour so großartig war, lag auch an unseren Begleitern. Ibrahim unser immer gut gelaunter, geduldiger Wanderführer, Lassine unser talentierter Koch, Achmed und Said zwei sehr sympathische Mulitreiber, sowie zwei starke Mulis. Alle erfahren, ruhig und hilfsbereit. Ein besseres Team hätten wir uns nicht wünschen können.

1. Tag:
Wir kommen von Marrakesch. Nach Mittagessen und Einkaufen in Skoura erreichen wir erst am späten Nachmittag den Ausgangsort der Wanderung.



Wir haben das Gefühl, dass nun unsere Fitness ein wenig getestet wird. Anstatt die bequeme Schotterstraße zu nehmen, laufen wir längere Zeit durch ein Flussbett und durch Tiefsand. Fühlt sich natürlich auch „abenteuerlicher“ an ;) . Nach knapp 1,5 Stunden sind wir am Ziel, an unseren 1. Übernachtungsplatz. Es wird bereits dunkel, als wir unseren Tee bekommen und als es anfängt frischer zu werden, gehen wir ins kuschelig warme große Kochzelt. Zur guten Laune aller haben sicherlich die Kochkünste von Lassine beigetragen. Im Nirgendwo mit zwei Gasbrennern, Schnellkochtopf, diversen weiteren Töpfen und Pfannen und nicht zu vergessen zahllosen Gewürzen, gab es morgens bereits leckere Pfannkuchen und frisch gebackenes Brot, sowie Mittags und Abends jeweils ein 3 Gänge Menü. Da gab es feines, lange und liebevoll zubereitetes Couscous mit Gemüse und Rindfleisch, da wurden Birnen in Mandarinensoße mit Zimt gekocht und und und - soooo lecker. Ich freute mich vor allem auch über das viele Gemüse, selbst ein Vegetarier wäre hier satt geworden. (Leider nahmen wir nur ein einziges Mal eines der leckeren Gerichte auf.)



Vom 1. Camp sahen wir noch die Stadt der Rosen, El Kelâa M’Gouna.



Ein Gefühl der Einsamkeit kam hier noch nicht auf. Das änderte sich am nächsten Tag.
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18 Mär 2024 15:39 #684208
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2.Tag:
Die Fahrstraße endete bald und auf engen Pfaden ging es in ein Gebiet, in das man nicht mehr mit einem Auto kommt. Auch in diesem Tal leben Halbnomaden, von denen wir aber nur 3 sahen. Frauen oder Mädchen bieten im Djebel Saghro Kleinigkeiten zum Verkauf an. Ich hätte es unfair gefunden, nur etwas von der ersten Frau zu kaufen, aber natürlich fragte ich mich zwischendurch, wo das enden sollte und ob unser Kleingeld ausreichen würde. Zunehmend gefiel mir allerdings auch der Gedanke ein ganzes Büschel an Anhängern zu sammeln und in Gedanken sah ich diesen schon an unserer Souvenirwand hängen und letztendlich blieb es auch bei nur 5 Verkäuferinnen während der gesamten Tour.





Der heutige Tag hielt eine Überraschung bereit was die Wegstrecke betraf. Laut Reisebeschreibung sollten heute 800 Höhenmeter erklommen werden, stattdessen ging es nach kurzem Bergauf und Bergab, durchqueren ein Tales mit einer Oase und Halbnomadensiedlung



wobei an ein wenig Wasser




und überholt von unseren schnellen Mulis




und Erreichen eines Passes, mit Blick zurück auf den hohen Atlas



und Blick ins Tal mit unserem 2. Übernachtungslager.



mindestens 800 Höhenmeter bergab und das über Pfade mit sehr viel Geröll und durch ein trockenes Flussbett. Christian stolperte so vor sich hin.



Ich darf meinen Beinen keine größeren Erschütterungen zumuten, da ich sonst einen schmerzhaften Ausschlag bekomme und die Tour zu Ende gewesen wäre. Also lief ich wie auf rohen Eiern, was auf die Dauer viel Kraft und Konzentration erforderte und so war ich heilfroh, dass es meinen Beinen immer noch gut ging, als wir das Camp erreichten. Die Zelte standen längst, das Essen war fast fertig. Die Maultiere und die Crew waren so viel schneller als wir….. Ein bisschen fragte ich mich an diesem Abend, ob diese Tour wirklich eine gute Idee gewesen war, einen Plan B hatte ich nicht, aber hey „no risk – no fun“. Und ich fragte mich, wie stark die Beschreibung der nächsten Tage von der Realität abweichen würde. Ibrahim beantwortete diese Frage mit „Ihr schafft die nächsten Tage“. Da dann - Inshallah!

So anstrengend das Laufen für mich war, die Ausblicke auf dieses Gebirge waren phänomenal und machten alle Anstrengungen wett.








Der 2. Übernachtungsplatz befand sich an einem Flussbett gegenüber einer verfallenen Kasbah (im Hintergrund erkennbar).





Die wundervolle Stille und die klare, kühle Luft sind leider mit keinem Foto einzufangen. Hier gab es auch keinen Handyempfang mehr. Auch wenn wir nicht alleine waren, das Bewusstsein hierher nur zu Fuß oder mit einem Reittier gelangen zu können, vermittelte uns eine völlig andere Einsamkeit und Abgeschiedenheit, als wenn wir mit dem Auto irgendwo zu Zweit in der Wildnis gecampt hätten. Wir waren einfach unfassbar glücklich. Was ging es uns gut. So verwöhnt an so einem einsamen, wunderschönen Ort sein zu dürfen.
Letzte Änderung: 22 Mär 2024 10:54 von sphinx.
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22 Mär 2024 10:06 #684351
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3. Tag
Die Wege sind heute wirklich einfach zu gehen. Zunächst steigen wir gemächlich hinauf und laufen gemütlich oberhalb des Flussbettes entlang, an dem wir übernachtet hatten.



So schnell wie heute überholen uns die Mulis kein zweites Mal. Der Handyempfang zieht :laugh:



Ich genoss es sehr hier herumzulaufen.









Wir erreichten eine Siedlung mit Schule, Friedhof und Moschee, Menschen sahen wir hier keine. Zu dieser Siedlung führt eine Schotterstraße und Stromleitungen.



Weiter liefen wir in/entlang eines trockenen Flussbettes,



um schließlich steil bergan (am Hang wuchsen viele Palmen und unten im Tal befand sich eine kleine Oase), über eine Scharte das nächste wieder einsame Tal zu erreichen.





Auf der Scharte wartete eine kleine Überraschung auf uns. Dort standen die Mulis. Die letzte halbe Stunde wurde geritten. Ich war nicht überzeugt. Die armen Mulis, erst schleppten sie das ganze Gepäck und nun auch noch uns? Aber mein Widerstand war zwecklos, nur Christian gelang es sich erfolgreich zu weigern. Und Ibrahim nutzte seine Chance, schwang sich auf das zweite Muli und hatte die größte Freude. Das Nachtlager lag traumhaft schön in einer Graslandschaft.





In der Ferne sahen wir einige Ziegen. Wir saßen einfach nur da, konnten uns am Ausblick nicht sattsehen und freuten uns hier zu sein. Auch an diesem Abend kam mir mehrfach über die Lippen, was für ein Glück wir doch haben.
Der nächste Tag wird von der Landschaft her gesehen sicherlich der Höhepunkt der Wanderung.
Letzte Änderung: 22 Mär 2024 10:53 von sphinx.
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24 Mär 2024 16:40 #684427
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4. Tag:
Beim Sonnenaufgang will ich mal wieder nicht im Zelt frühstücken, der Blick in den Süden mit den vielen Tafelbergen ist zu schön. So schnappe ich mir meinen Kaffee, zwei leckere Pfannkuchen und die Kamera.



Ibharim hat es heute nicht eilig aufzubrechen, er meint es sind nur 4 Stunden zu wandern. Er hat unsere Fotografierwut nicht mit einberechnet, es werden über 6 Stunden werden.
Nach kurzer Zeit erreichen wir ein Plateau,
(Blick zurück in das Tal, indem wir übernachtet haben)



mit einer isolierten Felsenformation mittendrin.
(Blick von der Scharte aus, die wir später erreichen)



Wir umrunden diese isolierte Sandsteinformation





und sind mal wieder begeistert von der Bergkulisse um uns herum.





Die Scharte und die Felsennadeln liegen leider im Gegenlicht. Trotzdem können wir bereits die beeindruckenden Felsformationen erahnen.





Auf der anderen Seite liegt das Massiv nun im herrlichsten Licht. Immer wieder bleiben wir stehen, staunen und fotografieren.









Letzte Änderung: 24 Mär 2024 16:52 von sphinx.
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26 Mär 2024 21:34 #684534
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Im nächsten Tal ändert sich die Landschaft erneut.







Ich staune nicht schlecht, als wir plötzlich Felsen mit vielen Quarzdrusen entdecken. So etwas habe ich noch nie in der Natur gesehen.





Ibrahim hatte Mühe uns zum Weiterlaufen zu bewegen. Wieder ging es einen Hang hinauf und als wir oben waren, fiel mir fast die Kinnlade hinunter. Den Ausblick mit den bunten Bergen im Hintergrund und den „Bienenkörben“ auf der Seite gefiel mir außerordentlich.



Ein Stückchen weiter und wir sahen die bekannten Felsformation Bab n Ali. Diese liegen zunächst im Gegenlicht,



aber wir umrundeten sie und waren auch hier von der Landschaft wieder begeistert.











Dann hatten wir unser nächstes Nachtlager erreicht, das unterhalb dieser bekannten Formation lag (Foto ist am nächsten Morgen aufgenommen).



Inzwischen hatte ein starker Wind viele Wolken gebracht und der Himmel war grau in grau. Dadurch hatten wir keine Lust auf eine abendliche Spazierrunde in diesem Gebiet, aber dafür erlebten wir einen ganz hübschen Sonnenuntergang.



Letzte Änderung: 26 Mär 2024 21:45 von sphinx.
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01 Apr 2024 13:33 #684728
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5. Tag
Am Morgen ist der Himmel wolkenlos und wir erleben eine schöne blaue Stunde. Wir hätten uns am Abend einen besseren Fotospot suchen sollen, aber was zählt sind ja auch Fotos mit denen man später einmal seine Erinnerungen auffrischen wird.









Auf dem Weg nach unten blicken wir immer wieder zurück.





Es war nicht mehr weit bis zur Straße, aber Ibrahim verlängerte die Tour für uns noch ein wenig und lief noch mit uns in einem trockenen Flussbett entlang.



Dann hießt es endgültig Abschied nehmen von dieser tollen Landschaft.

Fazit:
Für uns war es ein unvergessliches, grandioses Erlebnis. Dazu beigetragen hat ganz klar das hervorragende Begleit-Team. Das der blaue Himmel, den wir fast durchweg hatten nicht selbstverständlich war, erlebten wir am letzten Nachmittag. Die Temperaturen waren für uns ideal. Tagsüber nicht heiß, nachts nicht kalt. Es kann um diese Zeit wohl auch mal frieren. Die Tour wird von dieser Agentur nur bis Mitte März angeboten, wegen der Hitze die sonst herrscht. Andere Anbieter führen die Tour aber auch später im Jahr durch.
Die Tour wird als mittelschwer bezeichnet, vielleicht durch einige Passagen mit viel Schotter, wir würden sie eher als leicht einordnen. Wir sind diese Tour vom Nordwesten nach Südosten gelaufen. Meine Anfrage, ob man die Tour nicht umgekehrt laufen könnte (wegen Gegenlicht), stieß auf keine Begeisterung und da ich mich Null auskannte und ich im Internet die Touren Großteils so herum fand, akzeptierte ich das leider. Der Vorteil ist natürlich, dass das Gebiet mit den Sandsteinformationen als Highlight am Ende liegt und man das längere Stück (sicherlich 800 Höhenmeter) nicht hinauflaufen muss, was vermutlich den meisten lieber ist. Für mich wäre es durch den vielen Schotter hinauf viel besser gewesen und vor allem hätten wir eben nicht fast die gesamte Zeit auf der Tour Gegenlicht gehabt.
Die Beschreibung der Route, die wir hatten war veraltet, was allerdings an der marokkanischen Agentur lag. Beim nächsten Mal würde/werde ich mit der Agentur vor Ort die Route besprechen. Durch das Gebiet führen unzählige Wege, man kann Gipfelbesteigungen einbauen und kürzere oder längere Routen laufen. Die einzige Einschränkung besteht, dass das Camp in der Nähe von Wasser aufgebaut wird oder man benötigt weitere Muli, die das Wasser schleppen. Ein Muli kann 95kg tragen.
Das Dreimannzelt war gut in Schluss. Die Schaumstoffmatten waren etwa ca 7 cm dick. Den Schlafsack bringt man selber mit.
Noch einmal vielen Dank für Eure Begleitung. Marokko braucht Touristen und nicht nur in den Städten, deshalb hatte ich auch dem Team versprochen hier zu berichten und ich hoffe die Fotos sind gute Werbung. Bei Fragen kann man mich gerne kontaktieren. Ich wäre froh gewesen, wenn ich vorher über den genauen Ablauf mehr gewusst hätte.
Euch allen schöne Reisen und tolle Erlebnisse.
Herzliche Grüße,
Elisabeth
Letzte Änderung: 02 Apr 2024 08:03 von sphinx.
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