THEMA: Drei Monate in den USA während COVID
02 Apr 2021 18:11 #611437
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Joshua Tree National Park - 13.02.2021

Diesmal sind einige Wochen vergangen, bevor wir den nächsten National Park besuchen. Die Uni hatte uns in den letzten Wochen stark eingebunden und zudem wollten wir auch die San Diego Region mal ein bisschen näher erkunden. Dazu aber in einem späteren Bericht noch mehr :) Da der Joshua Tree mit 2:30 Stunden Fahrtzeit verhältnismäßig nah an San Diego liegt entscheiden wir uns dazu, diesen als Tagestour zu machen, um Unterkunftskosten zu sparen. Im Nachhinein war der Tag dadurch sehr anstrengend und wir würden das eher nicht empfehlen.

Ganz ungewöhnlich für uns – dieses Mal geht es nicht ganz so zeitig los :cheer: Wir wollen am Abend bleiben, bis es dunkel ist. Wir haben uns diesmal im Vorfeld erkundigt und festgestellt, dass Joshua Tree ein Ort sein soll, an dem man die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen kann. Dies ist besonders gut bei Neumond möglich und deshalb geht es auch genau heute zum Joshua Tree NP. Da wir dort nicht übernachten, geht es diesmal erst gegen 10 Uhr aus San Diego los, damit der Tag nicht noch länger wird.

Im Park angekommen wissen wir mal wieder noch nicht so richtig, was wir eigentlich alles sehen wollen. Zwar hatte Susann sich eine Wanderung ausgesucht, die sie gern machen wollte, aber auf Grund des sehr starken Windes sind wir uns im Park dann plötzlich unsicher, ob das eine gute Idee ist. Natürlich wurde gerade an diesem Tag eine Sturmwarnung für das Gebiet herausgegeben :angry: Unsere erste Anlaufstelle ist daher mal wieder das Visitor Center. Schon in anderen NPs haben wir herausgefunden, dass die Ranger vor Ort meist sehr hilfreiche Tipps geben und sich viel Zeit für einen nehmen. Es ist daher für uns zum Muss geworden, diese vor Einfahrt in den Park zu befragen. Und auch diesmal ist der Ranger wieder sehr hilfreich. Er rät uns tatsächlich von der ursprünglichen geplanten Wanderung wegen des Sturms ab und empfiehlt uns stattdessen einen kürzeren anderen Trail. Zudem zeigt er uns auf einer Karte die wichtigsten Punkte im Park, die wir zusätzlich unbedingt besuchen sollten. Auch fürs Sterne schauen nennt uns der Ranger einen geeigneten Platz. Er gibt uns den Tipp auf eine Schotterpiste zu fahren, die eigentlich nur von Forschern genutzt wird, da dort nicht so viele Autos vorbeikommen und daher die Lichtverschmutzung relativ gering ist. Wir versuchen uns alles zu merken und brechen direkt auf.

Wie vom Ranger empfohlen, machen wir zuerst den Fortynine Palms Oasis Trail. Dieser führt - wie der Name schon sagt - zu einer Oase. Eigentlich hatte er uns den Trail nahegelegt, da es hier etwas windgeschützter sein soll. Doch auch hier bläst uns der Wind heftig um die Nase. Nach etwa 45 Minuten Gehzeit vom Parkplatz können wir die Oase dann endlich sehen. Plötzlich ist mitten in der Wüste eine Ansammlung von Palmen. Das sieht schon wirklich faszinierend aus. Da uns jedoch etwas die Zeit drängt und wir noch andere Punkte bei Tageslicht besuchen wollen, entschließen wir den Ausblick nur aus der Ferne zu genießen und nicht noch bis zur Oase abzusteigen. Das hätte vermutlich nochmal 20 Minuten pro Richtung mehr gedauert. Auf dem Rückweg werden wir wieder heftig durchgepustet und haben auf dem Grat schon etwas Probleme geradeaus zu laufen :S Immer wenn uns andere Wanderer entgegenkamen, setzen sie die Maske auf – genau wie wir. Wir sind echt erstaunt, wie sehr die Leute sich in Kalifornien an Empfehlungen halten. Zurück im Auto sind wir froh, dass wir nicht bis zum Ende des Weges gelaufen sind. Es wurde mit der Zeit durch den Wind dann doch etwas kalt. Wir lernen daraus, dass Wüste eben nicht automatisch heiß bedeuten muss :huh:







Unsere nächste Anlaufstelle ist der Cholla Cactus Garden. Vom Trail brauchen wir etwa 45 Minuten Fahrtzeit bis dahin. Auch daran merkt ihr schon, dass auch dieser Park sehr weitläufig ist. Schon auf dem Weg dahin (über den Utah Trail) sehen wir zahlreiche Joshua Trees. Irgendwie putzig diese Bäume. Für uns sehen sie aus wie sehr, sehr haarige Palmen B)







Doch auch der Cholla Cactus Garden hat einiges zu bieten. Aus welchem unerfindlichen Grund auch immer (auch Forscher sind ratlos), finden die Kakteen genau diese Stelle im Park unheimlich attraktiv. Auf etwa 100x100 m sammeln sich mitten in der Einöde hunderte kleine flauschige Kakteen :woohoo: Auch wenn man denken könnte, dass diese bestimmt ganz weich sind, wird vor dem Eingang davor gewarnt, die Kakteen anzufassen :( Wir wandern ein bisschen durch den Garten und sind überrascht wie viele Amerikaner ebenfalls hier sind und die Natur bewundern. Das öffentliche Bild der umweltverschmutzenden Amerikaner, die keinen Wert auf Natur legen, bekommt hier Risse. Es gibt scheinbar doch genügend, die genau das wertschätzen wie wir auch.







Auf dem Weg nach draußen halten wir kurz an der Abzweigung, die der Ranger uns fürs Sterne schauen empfohlen hat. Er hat nicht gelogen, es ist eine der wenigen nicht asphaltierten Straßen im Park. Wir bleiben kurz stehen und gehen ein paar Schritte zu Fuß die Schotterpiste entlang. Dabei überlegen wir, ob unser VW Jetta (ein normales limousinenförmiges Auto) die Piste ohne Stecken zu bleiben für ein paar Meilen mitmachen wird :dry: Ich bin zuversichtlich und wir wagen es etwa 100m rein zu fahren. Der Wagen schaukelt ordentlich in den Schlaglöchern, die sich nicht vermeiden lassen, aber mehr auch nicht. Entsprechend planen wir nach dem Abendessen wieder hierhin zu fahren. Wir sind aber definitiv froh, dass wir die Strecke noch bei Tageslicht begutachtet haben. Bei Nacht hätten uns die Schlaglöcher wohl direkt umkehren lassen :whistle: Auf dem Weg raus aus dem Park zum Abendessen, der noch einmal über eine halbe Stunde dauert, halten wir kurz an, um Fotos von dem roten Sonnenuntergang zu machen. Es sieht einmalig aus.







Nachdem wir in einem kleinen mexikanischen Restaurant sehr lecker gegessen haben (draußen bei Sturm – es ist ja immer noch COVID), halten wir noch mit unseren Nachbarn am Tisch neben uns ein kurzes Pläuschchen. Die beiden Einheimischen sind begeistert, dass wir aus Deutschland kommen und uns den Park anschauen. Wir sind jedes Mal positiv überrascht, wie offen und kontaktfreudig die Amerikaner sind. Das werden wir in Deutschland definitiv vermissen. Da es bereits stockdunkel ist, ging es auch direkt wieder los, zurück zu der Schotterpiste. Dort angekommen, sind wir sehr froh, dass wir sie bereits erkundet haben. Es ist so dunkel, dass wir uns ohne nicht getraut hätten, mit dem VW Jetta weiterzufahren. Obwohl die Straße auf der Karte als 4x4 eingezeichnet ist, sind zumindest die ersten Meilen kein größeres Problem. Und der Ranger hatte auch nicht untertrieben mit dem Platz. Wir verbringen etwa eine Stunde dort, um unsere Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen und sehen kein anderes Auto.
Leider sind am Abend Wolken über der nahegelegenen Stadt aufgezogen, wodurch die Lichter der Stadt reflektiert werden :pinch: Der Himmel ist deshalb nicht ganz so dunkel wie wir uns das gewünscht hatten. Die Milchstraße können wir daher eher erahnen als tatsächlich sehen. Das wird hoffentlich nächstes Jahr in Namibia besser werden.
Wir haben uns zuvor angeschaut, mit welchen Modi wir am besten den Sternenhimmeln fotografieren können. Wirklich Erfahrung und das dafür notwendige Equipment haben wir jedoch nicht. Dennoch nehmen wir ein paar Bilder auf und sind erstaunt, wie gut sie geworden sind. Trotzdem sind wir uns einig, dass wir vor Namibia einen Fotokurs belegen werden :whistle:




Gegen 22 Uhr machen wir uns wieder auf die Heimreise nach San Diego. Die Fahrt zieht sich am Ende sehr lange und ich werde müde. Gegen 1 Uhr in der Früh kamen wir wieder an. Das nächste Mal werden wir uns wohl doch eine Übernacht gönnen.
Wieder einmal ist es ein eher unbekannter Park, der bei uns einen nachdrücklich positiven Eindruck hinterlassen hat. Es gibt unzählige Wanderwege, verschiedenes zu bestaunen und sogar einen Abschnitt für 4x4 Offroad Fahrer (den wir natürlich nicht gemacht haben). Daher würden wir für den Park beim nächsten Mal auch durchaus zwei Tage einplanen. Der Ausblick auf die Milchstraße (zumindest bei besseren Bedingungen) ist ein weiteres Highlight.
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06 Jul 2021 15:51 #620464
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Yosemite Nationalpark


Als letzter National Park, den wir in Kalifornien besuchen wollen, ging es in den Yosemite National Park. Der Park ist weltbekannt für seine schroffen grauen Felswände und seine Wasserfälle. Er ist nicht umsonst ein UNESCO-Naturerbe :ohmy: Im Yosemite Park sind wir - im Gegensatz zu den anderen Parks - nicht das erste Mal. Als Susann und ich das erste Mal gemeinsam in den USA unterwegs waren, haben wir schon einmal einen Abstecher in den Park gemacht. Damals waren wir jedoch im Mai dort gewesen und der Frühsommer hatte gerade begonnen. Wir wollten jedoch unbedingt den Park nochmal mit Schnee sehen, weshalb wir uns für einen erneuten Besuch entschieden haben.

Beim letzten Besuch hatten wir uns relativ schlecht vorbereitet (wir sind eigentlich echt sehr organisiert :pinch: ) und hatten im Endeffekt ziemlich Glück gehabt. Wir hatten damals das erste Wochenende erwischt, an dem alle Straßen nach dem Winter erstmalig wieder geöffnet waren. Wir hatten keine Ahnung gehabt, dass der Winter in Kalifornien bis in den Mai dauern kann. Diesmal war uns jedoch klar, dass viele Straßen im Park gesperrt sein werden und viele Wanderungen nicht machbar sind. Am Abend vor unserem Aufbruch schaute ich auf der Website des Parks, ob es geschneit hat und wir somit die Pflicht hätten, Schneeketten aufzuziehen. Tatsächlich hatte es nicht geschneit und alle im Winter nutzbaren Straßen waren geräumt :cheer: Aber die Website wies darauf hin, dass es zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen aufgrund des Firefall-Events kommen kann (mehr dazu weiter unten).

Ihr könnt es euch bestimmt schon vorstellen, wir haben nicht besonders lange über die Planung des Trips nachgedacht :whistle: Eigentlich wollten wir nur in den Park zurück, da er uns vor ein paar Jahren so gut gefallen hat. Wir hatten einfach durch Zufall dieses Wochenende ausgewählt. Wir hatten uns sogar schon gewundert, warum die Unterkunft im Park so teuer ist und uns deshalb entschlossen, die zweite Nacht außerhalb zu schlafen. Weiter hinterfragt haben wir das jedoch nicht. Wir sind einfach davon ausgegangen, dass 300$ die Nacht selbst im Winter normal ist für ein einfaches Lodge-Zimmer im Park :blush:

Weil wir uns aber wenigstens ein bisschen mit Yosemite im Winter auseinandergesetzt haben, wussten wir, dass bei Schneefall Schneekettenpflicht gilt. Die kann man jedoch mit einem 4x4 Fahrzeug bis zur höchsten Warnstufe umgehen. Da uns die Lust fehlte, an unseren kleinen VW Jetta im Zweifel Schneeketten anzulegen, haben wir uns für die paar Tage ein typisch amerikanisches Auto geliehen. Ein riesiger kastenförmiger Jeep Wrangler. Auch der Benzinverbrauch von dem Monstrum war typisch amerikanisch :dry: Um das abzukürzen, wenn Schneefall droht, würde ich es jedoch jedem raten, da Schneeketten auf einen (Miet-)wagen bei Schneesturm aufzuziehen echt keine tolle Sache ist. Das fahren eines „normalen“ Autos hätte uns aber mehr zugesagt. Die Schneeketten haben wir uns übrigens bei Walmart „geliehen“. Heißt, wir haben sie online gekauft, abgeholt und nach dem Trip direkt wieder zurückgebracht. Ungeöffnet war das gar kein Problem. Nicht die feine englische Art :whistle: , aber das Ausleihen in der Nähe vom Park ist nicht garantiert und kostet fast genauso viel, wie der Kauf selbst. Wer von euch schwäbische Wurzeln hat, darf gerne stolz auf uns sein ;)

Los ging es am Freitagmorgen. Früh. Sehr früh. So früh, dass wir erst einmal einen Starbucks bei Google Maps suchen mussten, der schon offen hat. Ich weiß, das klingt sehr amerikanisch. Dabei stellt euch uns beide in einem überdimensionierten Kastenwagen vor. Rückblickend haben wir uns in dem Augenblick wohl am stärksten amerikanisch verhalten - wobei da kommt vielleicht noch was in einem der nächsten Berichte. Mit zwei To-Go Getränken und etwas Essbaren auf die Hand aus dem Starbucks Drive-Thru (gerade als ihr dachtet, mehr amerikanisch geht nicht), ging es auf die Interstate Richtung Norden rechts neben uns beginnt allmählich die Morgendämmerung. Links von uns liegt die Pazifikküste. Es könnte eine schlimmere Landschaft für einen Roadtrip sein B)




Die Fahrt führt uns durch LA und wir hatten bei der Durchfahrt einen schönen Blick auf die Skyline. Dabei überlegen wir, ob wir vor unserem Rückflug noch einmal einen Ausflug nach LA machen wollen. Doch wir sind uns beide einig, dass wir LA nicht sonderlich schön finden. Es wirkt selbst bei der Durchfahrt sehr voll und wir wissen gar nicht, wohin wir gehen würden. Wir bräuchten echt einen Local, der uns ein bisschen herumführen könnte, auch außerhalb der Touristenplätze.
Nachdem wir den Großraum LA verlassen haben, kommt erst einmal für längere Zeit gar nichts. Tatsächlich gar nichts. Irgendwann teilt sich die Interstate und Google Maps führt uns auf eine Landstraße durch größere und vor allem kleinere Ortschaften. Kurz vor dem Ziel wird die Landschaft bergig und wir sind froh, dass unser Auto eine solide Heizung hat. Nur ein paar Stunden Fahrt nach Norden und schon begrüßt uns der Winter, wie wir es für Februar eigentlich gewöhnt sind. Die Fahrt durch die Berge ist nach den 5 Stunden Interstate, die wir bereits hinter uns haben, ein wenig anstrengend und ich bin froh, als das Gate endlich ausgeschildert ist :)

Am Gate zum Park wird diesmal mein Reisepass ganz genau unter die Lupe genommen :huh: Außerdem müssen wir eine Reservierungsbestätigung vorzeigen. Aufgrund von COVID ist die Anzahl der Besucher im Park reglementiert worden und man muss sich entweder auf der Website vom Park anmelden oder eine Übernachtung im Park buchen (das haben wir sogar diesmal gewusst :woohoo: ). Wegen des Firefalls waren alle Tagestickets seit Wochen ausverkauft (das wussten wir dafür natürlich nicht :blush: ). Wir hatten Glück, dass wir eine Übernachtung in der Lodge gebucht haben und bekamen dadurch ein 7 Tages-Permit und hätten somit auch noch an den anderen Tagen in den Park fahren können. Am Eingang wurden wir vor Bären gewarnt. Die Bären wären in den letzten Monaten häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen, die für die armen (eigentlich scheuen) Tierchen meist tödlich verliefen :( Wir versprechen vorsichtig zu fahren. Um das vorweg zu nehmen, wir haben im Yosemite-Park keinen Bären gesehen, auch keine anderen Tiere.

Das Valley mit den Unterkünften und Restaurants liegt – wie der Name schon sagt – im Tal. Die Straße führte uns über den Berg und wir bleiben an einigen tolle Orten stehen, wo wir die Aussicht genießen können :woohoo: Die Fahrt vom Gate ins Tal dauert noch einmal fast eine Stunde.





Im Valley checken wir als erstes ein. Es ist inzwischen schon Nachmittag. Am Empfang sagt man uns, dass wir bestimmt nur wegen des Firefalls hier wären. Uns war es etwas peinlich zu sagen, dass wir bis gestern davon nichts gewusst haben :blush: Der Mitarbeiter konnte das auch gar nicht glauben und ich hatte kurz das Gefühl, er hätte uns am liebsten gleich wieder weggeschickt :pinch: Doch dann erklärt er uns den Weg zu dem Firefall und zeigt auf einer Karte, dass wir bei der Lodge zu Fuß starten und dann die paar Kilometer der Straße folgen müssen. Er meinte, wir würden das schon erkennen, wenn wir da sind. Außerdem könne man mit dem Auto auch nicht besser ran, da die Straße teilweise gesperrt wird und ein absolutes Halteverbot auf dem Stück gilt. Zudem erklärt uns noch kurz, dass der Firefall durch einen bestimmten Winkel der Sonne zustande kommt und die Sonnenstrahlen auf den Wasserfall treffen. Das rote Leuchten des sonst kaum erkennbaren Wasserfalls soll mit den letzten Strahlen der Sonne entstehen. Dies geschieht nur an diesen 10 Tagen im Jahr und heute und morgen sind mit die besten Tage. Wir nicken eifrig und können unser Glück, durch Zufall an dem Wochenende hier gelandet zu sein, noch gar nicht richtig fassen :woohoo: :woohoo:

Natürlich war es für uns keine Frage, ob wir dorthin gehen wollen und wir machen uns von der Lodge aus auf den Weg. Der Mitarbeiter hatte nicht gelogen, es war wie nach einem Bundesliga Spiel, wenn alle in eine Richtung laufen. Trotz starker Personenbegrenzung durch den Park waren sicherlich einige tausend Personen im Wald und suchten auf einigen Lichtungen einen Platz, um den begehrten Blick auf den Firefall zu erlangen :blink: Wir waren etwa 30 Minuten vor Sonnenuntergang dort und hatten schon Schwierigkeiten, einen Platz zu finden. Die 30 Minuten standen wir eher frierend im Schnee und waren fasziniert von den Amerikanern, die dort mit Stativen und Objektiven aufgereiht standen und auf DEN Moment warteten.







Doch wir haben – auch einmal – Pech und kurz vor Sonnenuntergang ziehen Wolken auf :( Der Wasserfall bleibt heute ein kaum erkennbares Rinnsal. Wir sind enttäuscht und durchgefroren. Obwohl wir bis vor 24 Stunden noch nicht einmal von der Existenz wussten, haben wir das Gefühl, als wären wir nur deshalb hier und jetzt war er nicht zu sehen. Wir sagen uns dennoch, dass wir es morgen erneut probieren werden und machen uns auf den Rückweg zur Yosemite Lodge.

Wir gehen noch schnell in dem Restaurant (es ist eher eine Kantine) der Lodge Abendessen. Das Essen ist qualitativ zwar nicht umwerfend, aber auch nicht schlecht. Insbesondere der Preis ist für amerikanische Verhältnisse völlig in Ordnung und wir haben ja eh keine andere Wahl als dort zu essen. Während des Essens planen wir mit dem Winterguide, den wir am Gate in die Hand gedrückt bekamen, unseren nächsten Tag. Da fast alle Straßen im Park gesperrt sind, wollten wir eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall machen und danach in einen anderen Teil des Parks fahren. Doch wie es bei uns inzwischen Standard ist, sollte alles anders kommen als geplant.

Am nächsten Morgen brechen wir nach dem Frühstück (erneut in der Kantine) gleich auf zur Wanderung. Da wir nur eine Nacht in der Lodge gebucht haben, checken wir noch schnell aus und laden unser Zeug ins Auto. Wir fahren auf die andere Seite des Tals zum Parkplatz für die Wanderung. Zwar hätten wir von der Lodge auch laufen können, aber das wären zusätzliche 3 Kilometer gewesen. Eine folgenschwere Entscheidung, wie wir später feststellen mussten :huh: Unterwegs halten wir noch für Fotos vom Yosemite Fall an, um den noch Wolken schweben (das Bild hat es bei uns an die Wand geschafft :woohoo: )





An dem Parkplatz angekommen, laufen wir die ersten hundert Meter bis zu einem Schild, dass uns zeigte, dass unser eigentlich geplanter Weg gesperrt ist. Und dies, obwohl er definitiv im Winterguide steht. Wir überlegen eine Weile, denn der alternative Weg wäre deutlich länger und wir haben nur wenig Wasser und nichts zu Essen dabei. Ein amerikanisches Pärchen spricht uns an und überzeugt uns, dass wir ihnen folgen sollen. Wir vermissen definitiv diese Offenherzigkeit von Fremden hier in Deutschland. Obwohl insbesondere ich nicht der größte Wanderer bin, stimmen wir zu und mit dem Wissen, wir können ja jederzeit umdrehen :lol:

Das Pärchen, zu dem sich kurz darauf auch noch ein weiteres Pärchen gesellt, war schon mehr als 50 mal im Park und erzählt uns, dass unser eigentlicher Weg im Winter immer gesperrt sei und sie es nicht nachvollziehen können, warum er im Guide steht :pinch: Sie sind sehr freundlich und interessieren sich stark für uns - wo wir herkämen, was wir hier machen, wie es uns gefällt. Es ist ein sehr angenehmes Gespräch. Bis wir zum Thema Covid kommen. Da stellt sich raus, dass die beiden (trotz der Tatsache, dass sie Kalifornier sind und auch einige Zeit in Europa gelebt haben) stark konservative Republikaner sind. Wir sind etwas schockiert, sind es doch die ersten offenen Republikaner mit denen wir in dieser Reise ins Gespräch kommen. Dabei sind sie nicht unhöflich und trotz unser anderen Ansicht sind sie weiterhin beinahe übertrieben freundlich und hilfsbereit :)

Nach einigen Meilen erreichen wir die Höhe, auf der definitiv dauerhaft Schnee liegt. Es wird rutschig, auch wenn die Landschaft noch malerischer aussieht. Wir überlegen, wieder abzusteigen, da uns der Schnee langsam bis zu den Knöcheln geht und wir nur normale Schuhe tragen (Susann sogar nur normale Winterstiefel, ich immerhin Wanderschuhe). Der Weg war schon bergauf teils steil und rutschig, deshalb machen wir uns Gedanken um den Rückweg. Außerdem hatten wir kaum Wasser dabei und nichts zu essen. Geplant war eigentlich nur eine kleine Runde mit weniger als zwei Meilen ohne Steigung. Nun sind wir schon seit eineinhalb Stunden unterwegs und haben definitiv Höhenmeter gemacht :whistle: Das Pärchen überzeugt uns erneut, weiter zu gehen. Sie können mit uns einfach ihre Spikes teilen - einer pro Person würde auch genügend Halt geben. Wir sind beinahe erschlagen von dieser Freundlichkeit gegenüber völlig Fremden und ich lass mich von ihrer Euphorie anstecken :cheer:





An der Spitze angekommen, haben wir einen tollen Blick ins Tal. Die bekannten Granitwände, die Wasserfälle, der Wald. Es sieht malerisch aus. Der Aufstieg hat sich definitiv gelohnt. Inzwischen ist der „Weg“ jedoch nicht mehr erkennbar. Wir suchen eine Weile im Schnee der inzwischen bis übers Knie geht nach dem Pfad und laufen erst einmal in die falsche Richtung. Erst die App von einem unserer Begleiter sagt uns, dass wir gerade „off-road“ laufen :laugh:







Kurz darauf finden wir den Weg zum Glück wieder. Am Ende des Wanderweges kommen wir an einem Pool mit einem Wasserfall an. In dem Pool sammelt sich das Wasser, ehe es in einem großen Wasserfall ins Tal schießt. Wir sind begeistern von diesem Ausblick. Es ist traumhaft und wir genießen unsere wohlverdiente „Mittagspause“. Das Pärchen bietet uns sogar an, dass wir uns an ihren Vorräten bedienen sollen, was wir aufgrund unseres schlechten Gewissens aber ablehnen. Wir haben das Gefühl, wir stehen schon sehr stark in ihrer Schuld. Außerdem geht es zurück auch größtenteils bergab. Wir sind dennoch fasziniert von dem Widerspruch, dass die beiden uns als Individualperson sogar ihre Spikes leihen und sich damit selbst „in Gefahr“ bringen, aber kollektives (staatliches) Helfen komplett ablehnen.









Der Rückweg gestaltet sich als deutlich komplizierter als der Hinweg. Die Sonne hat den Schnee inzwischen angeschmolzen und der kalte Boden hat das Wasser wieder gefrieren lassen. Wir laufen nun – jeder mit einem Spike – den Berg runter. Das sieht zwar affig aus, aber es ging größtenteils erstaunlich gut. Nur an einer wirklich steilen Stelle, setzen wir uns im Grunde auf den Boden und rutschen ein paar Meter. Inzwischen merke ich meine Muskeln und bereue bereits, dass wir soweit gegangen sind. Mir graut es schon vor dem nächsten Tag, zumal auch noch ein kleiner Fußmarsch zu den Firefalls ansteht :S Aber wenigstens nur 2 km denke ich mir. Wir verabschieden uns kurz vor dem Ende von den Amerikanern. Sie sind deutlich fitter und schneller als vor allem ich. Wir tauschen noch Nummern aus und lassen sie dann ziehen, immer noch baff über die Hilfsbereitschaft.

Am Auto angekommen finden wir noch einen letzten Müsliriegel, den wir uns teilen müssen. Ein eher überschaubares Mittagsessen. Wir überlegen noch, ob wir uns etwas in der Kantine holen, stellen aber schnell fest, dass es mit kurz vor 16 Uhr dafür bereits zu spät ist. Die Öffnungszeiten sind generell eher eingeschränkt. Naja, denken wir uns, umso mehr freuen wir uns auf die beste Pizza in den USA (sicherlich Ansichtssache) heute Abend, die es in dem Ort gibt, in dem wir übernachten werden. Wir waren dort letztes Mal bereits und die Pizza in Groveland ist echt der Hammer! Also direkt zur Lodge, dort parken und dann langsam vor zum Firefall laufen.

Noch vor der Lodge stellen wir fest, dass der Park heute vieeeeel voller ist als gestern. Überall stehen Autos, selbst dort, wo wir es eher als kreativen Parkplatz angesehen hätten. An der Lodge zeigt sich dann, alles ist voll. Wirklich alles. Wir sind froh, dass wir nicht heute dort übernachten, dann hätten wir unser Gepäck nämlich weit tragen dürfen, obwohl Lodgebewohner eigentlich einen Parkausweis bekommen sollten. Okay, also weiter Parkplatz suchen. Hilft ja nichts. Wir drehen streckenbedingt eine große Runde durch den Park und fahren dabei auch durch das Waldstück mit dem Firefall. Es ist bereits brechend voll und wir kriegen Panik, dass es keinen Parkplatz mehr geben wird :huh:
Auf dem Hauptparkplatz in der Mitte des Tals war nur ein Teil geräumt, der Rest war knöcheltief im Schnee. Wir überlegen nicht lange. Dafür haben wir dieses amerikanische Monstrum schließlich gebucht . :evil: Also Allrad rein und los geht’s. Tatsächlich pflügen wir ohne Probleme durch den Schneematsch und ich bin insgeheim stolz, den Wagen gebucht zu haben. Da hätten wir uns ja geärgert. Als wir vom Parkplatz aufbrechen wollen (4km vom Firefall entfernt), steckt ein anderes Auto (ein SUV) im Matsch fest. Wir überlegen kurz, ob wir anbieten sollen, ihn rausziehen, sind uns aber unsicher mit dem Wagen, da wir da gar keine Erfahrung mit diesem bisher haben. Dazu standen bereits andere um das Auto herum und wir hatten kein schlechtes Gewissen mehr (natürlich hätten wir es alternativ angeboten – wir sind ja keine Unmenschen :pinch: ).

Der Weg zum Firefall wurde gefühlt immer länger. Jeder Schritt brannte in meinen Beinen. Ich fing an, mich dafür zu hassen, nicht früher von der Bergtour umgedreht zu sein. Dazu ist das Wetter ähnlich wie gestern und Susann nörgelt schon die ganze Zeit, dass wir den Firefall garantiert nicht sehen werden. Ich glaube insgeheim, dass sie recht hat, aber predige gute Laune, um nicht selbst deprimiert zu sein. Bereits der Weg in das Waldstück war so voll, dass wir Schwierigkeiten hatten, ein normales Tempo zu laufen. Vor uns, hinter uns, neben uns, überall Massen. Und das während einer Pandemie. Darf ich auch der Auslandskrankenversicherung nicht erzählen – also psst, nicht verraten! Die meisten trugen aber tatsächlich Masken. Auf der Lichtung, auf der wir bereits gestern waren, haben wir gefühlt den letzten Platz bekommen. Ein Fotograf hatte etwas Raum um sich herum und wir fragten ihn, ob es in Ordnung wäre, wenn wir uns dazu stellen würden. Er war mal wieder super freundlich und meinte, dass wir nur nicht genau vor der Kamera stehen sollen. Wir kommen ein bisschen ins Gespräch und er berichtet, dass er diesen Tag schon über ein Jahr plant. Wir kommen uns erneut schlecht vor, hatten wir doch bis Donnerstag keine Ahnung, was der Firefall ist. Das betonen wir in dem Gespräch eher weniger :blush: Dafür beobachten wir das Treiben um uns herum und stellen fest, dass die sonst so gesitteten Amis hier wie wir Europäer handeln – nicht dass wir ungesittet wären ;) Viele haben ihre Campingstühle mitgebracht, das Dosenbier vor sich in den Schnee gestellt und es entstehen Wortgefechte mit Person, die später kommen und sich vor Andere stellen. Noch immer war es bewölkt und das spiegelte sich auch in der Laune der Leute wieder. Mir wurde inzwischen kalt. Wir beobachteten die Parkpolizei, um uns bei Laune zu halten, die rigeros jeden Fahrer, der auf der Straße an der Stelle anhielt, rausgezogen hat, da es während des Firefalls verboten ist, auf der Straße zu halten. Wir sind irgendwie von dem ganzen Spektakel beeindruckt. Dann kommt der Moment der Wahrheit.

Laut Apple soll die Sonne bereits untergegangen sein und die ersten brechen bereits wieder auf. Der Fotograf neben uns erklärt uns aber, dass die Chance noch für fast 20 Minuten da ist und dass es letztes Jahr genauso war. Und dann, ja dann trauen sich tatsächlich noch Sonnenstrahlen – die wohl von dem Apple-Wetterbericht wenig halten – hinter den Wolken hervor. Der bis gerade eben noch kaum zu erkennende Wasserfall verwandelt sich auf einmal in einen leuchtendes orange bis gold. Immer stärker wird die Farbe und die Amis um uns herum fangen an zu jubeln, wie wir es vom Fußball kennen. Wir sind erschlagen von den Eindrücken und pressen den Auslöser der Kamera quasi durch :blink: :woohoo: :blink: :woohoo:







Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es auch in der Realität so intensiv ist. Aber die Fotos sind nicht bearbeitet. Es ist mit bloßem Auge gut zu erkennen. Das leichte gold orange geht über in ein deftiges rot. Wir sind begeistert und unser Nachbar erklärt, dass es so gut seit Jahren nicht war. Unser Glück scheint wieder da zu sein :woohoo: :woohoo: :woohoo:








Wir begeben uns wieder auf den Rückweg, erneut mit Massen. Aber diesmal sind alle deutlich besser gelaunt. Am Auto angekommen, es ist bereits stockdunkel, stellen wir fest, dass der andere Wagen nicht mehr da ist. Gut für ihn, das wäre uns mit dem Jetta sicherlich auch passiert. Wir springen – ja das kommt bei dieser ig Karre am nächsten – in das Auto und ich versuche noch schnell auf die Straße zu kommen, da im gesamten Park ein Verkehrschaos ausgebrochen ist. Tausende brechen gleichzeitig über eine einspurige Zufahrtsstraße auf. Hätte man sich vielleicht denken können. Wir checken noch die Öffnungszeiten unseres Pizzaladens in Groveland und sehen unsere Pizza schon verschwinden. Nach etwa 45 Minuten kommt langsam Bewegung in den Stau und wir düsen mit allem was die Möhre (und natürlich das Speedlimit :whistle: ) hergibt in Richtung Pizza.

Keine 20 Minuten vor Schließung stürmen wir völlig ausgehungert in das kleine Lokal. Ein Riegel und Frühstück sind eben nicht genug für einen 20 Kilometermarsch. Beim Essen kommen wir mit der Kellnerin ins Gespräch. Wir sind quasi die letzten Gäste und als Deutsche eine kleine Attraktion um diese Jahreszeit. Sie erzählt uns, dass sie Kalifornien nie verlassen hat. Ebenfalls erzählt sie uns, dass in der Politik gerade ein Kommunist einen Diktator abgesetzt hat. Diese Aussage macht uns noch lange nachdenklich, da es tatsächlich viele eher gemäßigt Konservative in den USA so sehen :unsure:

Wir schlafen erneut im Hotel Charlotte, wo wir bereits vor 2 Jahren übernachtet haben. Das Hotel ist in Familienbesitz und wer über die hoteleigene Website bucht, bekommt einen saftigen Rabatt. Das kommunizieren die leider viel zu wenig, da das Hotel echt schön und auch für deutsche Verhältnisse top gereinigt ist - wir können das Hotel sehr empfehlen. Wir gehen noch schnell duschen und fallen völlig übermüdet ins Bett. Morgen geht es zurück nach San Diego und wir überlegen einen kleinen Abstecher in den Sequoia Nationalpark zu machen, da er zumindest halbwegs auf dem Weg liegt.

Am nächsten Morgen besuchen wir für das Frühstück ein kleines Café und entscheiden uns für den Abstecher zum Sequoia. Um es kurz zu machen, das lohnt sich im Winter leider nicht. Es ist viel zu voll, es gibt keine Parkplätze und die meisten Attraktionen sind geschlossen. Also treten wir schnell die 7-stündige Rückreise nach San Diego an.


Letzte Änderung: 06 Jul 2021 22:11 von DankeJack.
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03 Sep 2021 16:25 #624889
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New York City

New York kennen wir zwar eigentlich schon, dennoch war ein Besuch in der Stadt fest eingeplant. Susann hat während ihres Studiums ein dreimonatiges Praktikum dort gemacht und ist mit ihrer damaligen Mitbewohnerin immer noch sehr gut befreundet. Und da es dank Covid nicht klar ist, wann wir sie mal wieder besuchen können, entscheiden wir uns die Chance zu nutzen und dort ein verlängertes Wochenende zu verbringen. :)

Vielleicht ausnahmsweise mal das Fazit zuerst: Wir hatten ein wunderschönes Wochenende zusammen mit Susanns Freundin, aber New York City kann man aus touristischer Sicht während Covid auf gar keinen Fall empfehlen. :(

Los ging es am Freitagvormittag von Los Angeles. Die Flugpreise sind von dem Flughafen deutlich günster als von San Diego, weshalb wir uns einen one-way Mietwagen für die Strecke gebucht hatten und damit immer noch deutlich günstiger gekommen sind. Auch wenn man ja „nur“ von einer Seite des Landes zur anderen fliegt, dauert der Flug trotzdem 6 Stunden. Dazu kommen noch 3 Stunden Zeitverschiebung on top, sodass wir erst abends in New York ankamen. :blink: Wir verbrachten den restlichen Abend mit unseren Freunden.

Am nächsten Tag brachen wir nach einem ausgiebigen amerikanischen Frühstück mit frischen Bagels zu einem Spaziergang auf. Wir hatten uns vorgenommen die Georg Washington Brücke zu überqueren. Jedem dem der Name bekannt vorkommt – das ist die Brücke, hinter dem der Pilot vor einigen Jahren im Hudson gelandet ist. :woohoo: Von dort aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Skyline von New York. Jedoch sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass die Brücke auch eine 6-spurige Straße hat, wodurch es ziemlich laut ist und man sich eher schlecht unterhalten kann. Auch hier hat man permanent gemerkt, wie schlimm die Covid-Pandemie die Stadt getroffen hat. Auch draußen trägt man permanent Maske und als wir sie einmal abnehmen, um uns besser unterhalten zu können, werden wir sofort angepammt und gehässig gefragt, ob wir mitbekommen hätten, dass es derzeit eine Pandemie gibt. :ohmy: Im Anschluss sind wir wieder zurück auf die New Jersey Seite und haben noch einen Spaziergang am Hudson im Forth Washington Park gemacht.





Der Sonntag war leider ziemlich verregnet, sodass wir den Tag nur mit unseren Freunden beim Karten spielen verbracht haben. Am Montag musste Susanns Freundin wieder arbeiten, weshalb wir die Stadt alleine unsicher machen wollen. Da Susann nach 3 Monaten schon alle typischen Touristen-Attraktionen, wie Freiheitsstatue, Ground Zero, Times Square usw. gesehen hat (und ich auch), haben wir nur den Plan zur Brooklyn Bridge zu gehen, um dort spazieren zu gehen. Wir steigen am World Trade Center aus und sind direkt überrascht wie leer die Stadt ist. Das komplette Bankenviertel ist wie ausgestorben – alle Geschäfte haben geschlossen und es ist kaum jemand auf der Straße. :blink: Susann hat Durst und es fällt uns sehr schwer mitten in New York ein Wasser aufzutreiben. Wir sind schockiert. So haben wir New York noch nie erlebt und es ist ein trauriger Anblick. :unsure: Nur einen Vorteil hat das Ganze. Wir sind quasi allein auf der Brooklyn Bridge und können super Bilder machen. :woohoo:







Am Nachmittag packt uns dann der Hunger und Susann erinnert sich an ein asiatisches Dessert-Restaurant in Upper Manhattan. Wir treffen dort auch wieder Susann’s Freundin. Im Grace Street Coffee & Desert gibt es außergewöhnliche Eissorten, leckere Waffeln und eine Art asiatische Krapfen. Danach brauchen wir dringend noch ein bisschen Bewegung und entschließen uns mit der Fähre nach Hause zu fahren. Der Hafen ist etwa 1,5 Kilometer entfernt und daher genau die richtige Entfernung, um noch den heftigen Nachtisch zu verdauen. Mit der Fähre fahren ist übrigens auch ein Highlight. New Yorker nutzen sie wie wir Busse oder U-Bahnen nutzen. Der Ausblick ist aber fantastisch, wenn man abends an der Skyline auf einem Boot vorbeifährt. :woohoo:

Am nächsten Tag geht es schon wieder zurück nach San Diego. Solange weiterhin Beschränkungen in New York sind, ist es nicht wirklich zu empfehlen dort Urlaub zu machen. Man erkennt die Stadt nicht wieder und es ist einfach nicht das gleiche. Das Erlebnis New York lebt von vollen Straßen, Broadway und Schnelllebigkeit. Diesen Charme hat es derzeit leider verloren. :(

Inzwischen ist mehr als die Hälfte unseres Aufenthalts in den USA auch schon wieder vorbei. Dennoch haben wir noch einige spannende Abenteuer geplant. B)
Letzte Änderung: 03 Sep 2021 16:29 von DankeJack.
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03 Sep 2021 17:34 #624897
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Whale Watching in San Diego

Als einer der letzten Highlights in San Diego haben wir uns Whale Watching vorgenommen. Im Vorfeld hatten wir viel Recherche betrieben und es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Tour-Anbietern. Die einen fahren mit einem großen Boot mit bis zu 100 Personen. Diese sind deutlich günstiger und garantieren eine zweite kostenfreie Fahrt, wenn man keine Wale oder Delfine sieht. Die anderen Anbieter haben sehr kleine Schlauchboote mit Außenboot-Motor und maximal 8 Sitzplätze. Diese Anbieter sind etwas teurer. Trotz des höheren Preises haben wir uns für das kleine Boot entschieden. Zum einen wollten wir während COVID nicht mit 100 fremden Leuten auf einem Boot sitzen und zum anderen haben wir uns erhofft, mit dem kleinen Boot etwas näher am Geschehen sein zu können. Pro Person haben wir am Ende knapp unter 100€ bezahlt. Wir haben uns dabei für den Anbieter Offshore Blue Adventures entschieden. :)

Die Tour startete gegen 08:00 Uhr am Morgen. Man sollte auch bei sommerlichen Temperaturen an sehr warme Kleidung denken, da es draußen auf dem Ozean mit Fahrtwind sehr schnell, sehr kalt werden kann. Obwohl es an dem Tag 20 Grad werden sollten, haben wir unsere Winterjacken und Mützen mitgenommen und dies auch nicht bereut. :blink: Handschuhe hatten wir keine mit, würden dies jedoch grundsätzlich empfehlen. Zudem sollte man Sonnencreme auf gar keinen Fall vergessen. Wir haben uns beide einen ordentlichen Sonnenbrand im Gesicht geholt. B)

Bevor es raus auf den Ozean ging, haben wir eine kleine Sicherheitseinweisung bekommen. Unsere Kapitänin war gleichzeitig auch Inhaberin des Anbieters und hat dies daher sehr ernst genommen. Auf dem Boot mussten wir dauerhaft eine Schwimmweste tragen, die uns jedoch nicht gestört hat. Zudem haben wir noch den Tipp bekommen, dass es vorn im Boot etwas mehr schaukelt und seekranke Personen daher lieber hinten Platz nehmen sollten. :sick: Wir saßen hinten im Boot und es hat eigentlich sehr wenig gewackelt, obwohl starker Seegang auf Grund von Wind war. :silly:

Los ging es in der Bucht von San Diego. Nach einem kurzen Stopp bei einer Seelöwen-Familie ging es dann aber recht zügig auf den offenen Ozean. Nach kurzer Zeit sehen wir nur noch in weiter Entfernung die Küste. B)






Unsere Kapitänin war in dauerhaften Kontakt mit anderen Booten, sodass sie sich über Sichtungen austauschen konnten. Obwohl wir die erste Stunde nichts großartig gesehen haben, fanden wir beide es schon wahnsinnig schön. Wir waren uns sicher, dass wir die Tour nicht bereuen würden, auch wenn wir keine Delfine oder Wale sehen würden. Allein das Gefühl auf einem kleinen Boot mitten durch den Ozean zu schippern war einmalig. Uns und die Meeresoberfläche trennten kaum mehr als 20cm. :woohoo:




Irgendwann bekam unsere Kapitänin dann den Hinweis, dass in etwa einer halben Stunde Entfernung Wale gesichtet wurden. Sofort machten wir uns mit Voll-Speed auf den Weg. Als wir ankamen, sahen wir tatsächlich direkt kurz die Flosse eines riesigen Wales im Meer verschwinden. Wahnsinn! :woohoo: Was für ein Anblick! Wir sind über die Größe des Tieres einfach nur begeistert. Wir warten ein paar Minuten, ob der Wal wieder auftaucht. Dabei erzählt uns die Kapitänin, dass Wale zum Teil jedoch über 20 Minuten tauchen können und es daher schwer vorherzusagen ist, wo und ob der Wal noch einmal auftauchen wird.

Plötzlich sehen wir in einiger Entfernung jedoch, dass das Meer aufgewühlt ist. Unsere Kapitänin erkennt sofort, dass es sich dabei um eine riesige Delfin-Herde handeln muss. Keine 5 Minuten später sind wir von tausenden Delfinen umzingelt. :woohoo: Wir können unser Glück kaum fassen. Überall um uns herum springen die Delfine aus dem Wasser. Wenn wir nun die Hand ausstrecken würden, könnten wir sie berühren. :ohmy: Sie scheinen richtig mit unserem Boot zu spielen. Immer wieder tauschen und springen sie direkt neben uns aus dem Wasser. Soweit das Auge reicht, überall Delfine. :woohoo: Wir bleiben bei dieser Herde für etwa eine halbe Stunde.



















Wir haben wahnsinnig Glück. Die Kapitänin erzählt, dass sie so eine große Herde (mega Pot) seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Auch allgemein nimmt die Delfin- und Walaktivität in Küstennähe immer weiter ab. :( So erzählt sie uns, dass sie vor 10 Jahren noch wenige Kilometer von der Küste entfernt noch Wale gesichtet hat. Heute muss sie meist 20-30 Kilometer rausfahren. Gerade für Anbieter mit kleinen Booten stellt das eine große Herausforderung dar.

Nun lassen wir die Delfine weiterziehen und halten wieder Ausschau nach dem Wal. Nach einigen Minuten glaube ich am Horizont eine Wasserfontäne gesehen zu haben. Die Kapitänin zögert jedoch kurz, denn da wo ich hingezeigt habe, befindet sich eigentlich schon das mexikanische Hoheitsgebiet und ohne Erlaubnis darf man in diesen Bereich eigentlich nicht fahren. :unsure: Dennoch fahren wir noch ein Stück in die Richtung und hoffen, dass der Wal wieder auftaucht. Und tatsächlich, nach kurzer Zeit sehen wir einen riesigen Rücken, der kurz aus dem Wasser auftaucht. Unsere Kapitänin macht sogar noch einen zweiten kleinen Wal aus und erklärt uns, dass es sich wahrscheinlich um eine Mutter mit Kind handelt. :woohoo: Wir verfolgen die beiden ein Stück und sehen sie immer wieder teilweise direkt neben uns kurz auftauchen. Gigantisch diese Tiere. Da kann einem in dem kleinen Boot fast etwas mulmig werden. :blink:





Natürlich gibt die Kapitänin auch noch den anderen Booten unsere Sichtung durch. Ein kleines folgt uns, die großen Boote jedoch nicht. Diese könnten auf dem Radar ausgemacht werden und wollen daher wegen der mexikanischen Grenze kein Risiko eingehen. :dry: Mit unserem kleinen Boot haben wir dadurch noch einen Vorteil. Nun wird die Zeit jedoch etwas knapp und die Kapitänin teilt uns mit, dass wir uns langsam auf den Rückweg machen sollten. Weit kommen wir jedoch nicht. Immer wieder entdecken wir neue Wale und da unsere Kapitänin selbst extrem begeistert von diesen Tieren ist, bleiben wir immer wieder stehen und beobachten diese. :woohoo:





Nach über 4 Stunden kehren wir schließen von unserer 3-Stunden-Tour in den Hafen von San Diego zurück. Wir sind immer noch begeistert. Da uns die Kapitänin auf der Fahrt erzählt hat, wie schwierig das Geschäft unter Covid geworden ist, lassen wir auch noch ein sehr großzügiges Trinkgeld da. Wir können eine Whale-Watching Tour und auch den Anbieter uneingeschränkt empfehlen. Wir werden bei unserem nächsten Besuch in San Diego sicher auch wieder eine Tour buchen. Es war eines unserer absoluten Highlights während unseres Aufenthalts. B) :)
Letzte Änderung: 03 Sep 2021 17:40 von DankeJack.
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23 Jan 2022 15:26 #635347
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Florida – Teil 1 20.03.2021 & 21.03.2021

Zum Abschluss unserer Zeit in den USA, haben wir uns vorgenommen noch eine Woche Urlaub zu machen. Ganz geklappt hat das nicht, da wir noch einige Abgaben von unserer Uni hatten, aber im Großen und Ganzen war es schon eine sehr entspannte Woche. Die Überlegung war, wohin im März? Nach Norden in Richtung Yellowstone? Bestimmt toll, aber auch noch verdammt kalt :S Im südlichen Kalifornien und Umgebung haben wir das meiste abgegrast. Ostküste? Auch zu kalt und unbeständig. Außer im südlichen Teil der Ostküste. Da gibt es doch einen Bundesstaat, der für seinen Sonnenschein auch in Deutschland bekannt ist B) Und da wir noch nie in Florida waren, freuten wir uns sehr dort die letzte Woche unseres Auslandsaufenthaltes zu verbringen. Aber auch mal ein Wörtchen unter uns, wir haben auch sehr viel hier für Uni machen müssen und es war ein Krampf, diese Woche mehr oder weniger freizuschaufeln :sick: Das mag in dem Reisebericht etwas anders rüber kommen, war aber tatsächlich so.

In Florida wollten wir eine Rundreise machen, startend in Orlando über Captiva (Golfküste) und durch die Everglades bis nach Miami. Wir haben ein sehr günstiges Flugangebot gefunden :whistle: mit der American Airlines First Class (inneramerikanische Business Class) über Miami nach Orlando, was sogar günstiger war als Economy direkt nach Orlando. Entgegen anderer Berichte, dass die amerikanische Business Class nicht so besonders sein soll, fanden wir es sehr gut, zumindest auf der „Langstrecke“ von Los Angeles nach Miami. Gerade das Essen war außergewöhnlich. Susann hatte eine Bowl bestellt, die mit frischem Gemüse und Lachs kam. Wirklich sehr lecker und definitiv auf dem Niveau von Lufthansa & Co.






Entsprechend entspannt kamen wir in Orlando an und haben unseren Mietwagen in Empfang genommen. Und da wir uns als Studenten ja sonst nicht gönnen, haben wir diesmal auch einen besonderen Mietwagen gebucht – ein Ford Mustang Cabrio :woohoo: Wir hatten vom letzten Jahr (dank Covid) noch Urlaubsbudget übrig. Direkt vorweg: Kaufen würden wir uns so ein Auto niemals, aber zum Fahren in Florida inkl. Keys war es der Hammer. Spoiler: Wir waren auch noch auf den Keys.

Vom Flughafen ging es dann direkt zum Ramada Hotel neben dem Airport. Auf Grund der Zeitverschiebung und der langen Flugzeiten innerhalb von Amerika, kamen wir dort erst gegen Mitternacht an. Obwohl es nur 3 Stunden Zeitverschiebung sind, dauert es dennoch, bis wir uns daran gewöhnt haben. Auf dem Weg zum Hotel wurde selbstverständlich direkt das Cabrio getestet. Logisch, bei Nacht bringt das ja auch sehr viel :laugh: Blöd nur, dass es nach etwa 3 km anfing zu regnen :pinch: Erste Lektion für uns: Das Dach geht nur zu, wenn das Auto wirklich vollständig steht. Ungünstig auf der Autobahn :pinch: :pinch: Zum Glück war es nicht weit bis zum Hotel und bis auf einige größere Tropfen haben wir es trocken geschafft.

Im Hotel merken wir, dass in Florida Covid nicht so ernst genommen wird. Im gesamten Hotel trägt kaum einer Maske und an Abstandregeln wird sich auch nicht gehalten. Nicht mal ansatzweise :dry: Auch von dem Frühstück sind wir enttäuscht. Es ist selbst für amerikanische Verhältnisse dürftig und wir essen nur einen Muffin und trinken einen Kaffee. Obst oder Ei suchen wir vergeblich. Beim nächsten Trip werden wir definitiv ein anderes Hotel wählen.

Wir sind auch noch etwas gerädert von der Zeitumstellung, aber es hilft nicht. Wir müssen heute noch eine weite Strecke bis nach Captiva fahren. Direkt nach dem Frühstück brechen wir auf. Bei Captiva handelt es sich um eine kleine Insel an der Golfküste im Westen von Florida, die per Brücke mit dem Festland verbunden ist. Auf dem Weg stellen wir fest, dass die Vegetation ganz anders ist als in Kalifornien. Überall ist es grün und feucht. Auch die Luftfeuchte ist heftig. Daran müssen wir uns nach der Trockenheit in Kalifornien erst noch gewöhnen. Das Auto haben wir diesmal nicht aufgemacht. Wir sind ja (manchmal) lernfähig :silly: und deshalb läuft auf einem großen Teil der Strecke die Klimaanlage und das bereits Mitte März :ohmy:

Nach 4 Stunden kommen wir auf Captiva an. Die Distanzen sind deutlich kürzer als in Kalifornien. Uns erwartet eine Insel mit weißen Stränden. Es ist sehr idyllisch hier. Fast schon Hollywood mäßig. Die Einheimischen legen viel Wert auf Regionalität. Deswegen sind zum Beispiel Fast Food Ketten verboten. Das gefällt uns :)

Es gestaltet sich jedoch als äußerst schwierig einen Parkplatz zu finden, deshalb steuern wir einen etwas weiter entfernten Strand an. Dieser ist jedoch auch wunderschön und so machen wir es uns im Sand gemütlich. Leider war es etwas kühl an dem Tag, die Sonne zeigt sich nur unregelmäßig und wir wollten deswegen nicht baden gehen. Andere Gäste schien das jedoch nicht abzuhalten.









Am Nachmittag fahren wir noch den JN Ding Darling Loop. Dies ist eine Einbahnstraße durch ein kleines Naturreservat auf der Insel. Wir sehen einige Vögel und es gibt einige schöne Aussichtspunkte. Insgesamt finden wir den Loop lohnenswert, vor allem weil er nicht so überlaufen ist wie der Rest der Insel.







Gegen Abend machten wir uns auf den Weg in die nahegelegene Stadt Fort Myers auf der dem Festland, in der wir ein Hotel gebucht hatten. Die Fahrt ist kein Problem und die Hotels sind dort deutlich günstiger als auf der Insel. Dennoch würden wir eher empfehlen direkt auf der Insel zu übernachten, da man dann noch besser den Flair der Insel mitbekommt und auch zu Fuß oder mit Rad sich fortbewegen kann. Dadurch spart man sich auch die Parkplatzsuche, die wir als recht nervig empfunden haben :S Zumal wir während Covid dort waren. Wir können uns kaum vorstellen, wie es an einem „normalen“ Sommertag dort sein wird.

Im Hotel angekommen ist es bereits dunkel und wir begeben uns auf Nahrungssuche. Hier hat sich Google-Maps als echte Hilfe herausgestellt. So schlägt uns die App einen mexikanischen Imbiss vor, den wir direkt ausprobieren. Um es mal so zu formulieren, wir waren die einzigen nicht spanisch-sprechenden dort :laugh: Wir wurden trotzdem sehr freundlich bedient und die anderen Gäste schienen sich etwas mehr an die Maskenregel zu halten, als im restlichen Florida. Das Essen hat dort wirklich vorzüglich geschmeckt. Wir können nur jedem raten, nicht zu den großen Ketten zu gehen und zumindest einen Blick in die lokale Umgebung zu werfen. Im Anschluss geht es schnell ins Bett, morgen geht es den ersten Tag in die Everglades.
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23 Jan 2022 15:49 #635352
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Florida – Teil 2 22.03.2021

Der Wecker holt uns früh aus dem Schlaf. Wir haben uns entschieden, eine Airboat-Tour durch die Everglades zu buchen. Die Tour startete „bereits“ um 11 Uhr und von unserem Hotel waren es knapp 1 ½ Stunden Fahrzeit. Also nur kurz Frühstücken im Hotel (das bei diesem Best-Western ebenfalls bescheiden war) und dann ab ins Auto und das Dach aufmachen :cheer: Heute genießen wir es. Die Sonne scheint und die Temperaturen sind angenehm. Mit dem offenen Dach geht es bald durch die ersten Ausläufer der Everglades. Rechts und links der Straße stehen hohen Bäume und die Straße führt schnurgerade hindurch. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu schnell fahren und sind dankbar, dass wir Hüte eingepackt haben B)

Einige Minuten vor 11 fahren wir pünktlich auf den Parkplatz unseres Touranbieters. Was sich vor uns zeigt, haben wir nicht erwartet. Es ist ein riesiges Gelände mit diversen Bootssteigen und einer Arena für Vorführungen mit zahmen Alligatoren :blink: Wir entscheiden direkt, dass wir den Teil auslassen werden. Unser Ticket enthält neben der Arena noch die eigentliche Airboattour und einen Traktordrive durch den Sumpf. Wir sind bereits etwas enttäuscht von diesem rein kommerziellen Betrieb mitten im Naturschutzgebiet – obwohl wir wissen, dass alle anderen Betriebe um uns herum nicht besser sind.

Die Bootstour startet pünktlich und das Boot ist voll besetzt. Maske? Fehlanzeige :S Naja, wenigstens ist es draußen und Delta oder gar Omikron waren damals noch griechische Buchstaben. Die Firma ist definitiv auf deutsche Touristen ausgelegt. Alle Warnhinweise im Boot sind ebenfalls auf Deutsch. Unser Bootsführer hingegen spricht einen Südstaaten-Akzent, der selbst uns das zuhören schwer macht :dry: Außerdem hat er wenig Interesse, uns den Naturschutz näher zu bringen. Im Gegenteil. Seinem Verständnis nach besteht sein Job darin, durch möglichst enge Kurvenfahrten einen möglichst hohen Actionwert zu erzielen :angry: Wir beide sind schockiert. Die anderen (Amerikaner) im Boot scheinen die Fahrt zu genießen :evil: Nur wenn wir tatsächlich einen Alligator am Ufer dösen sehen, halten wir an. Der Bootsführer erzählt uns, dass eindringendes Salzwasser dazu führt, dass Mangroven sich am Ufer ausbreiten und den Lebensraum der Alligatoren zerstören. Ich sehe meinen Moment gekommen und wage die Frage zu stellen, ob das mit dem Klimawandel zusammenhängt. Ein Fehler :pinch: Unser Kapitän sieht nicht nur aus wie ein Südstaatler, er ist auch Republikaner durch und durch. So etwas gäbe es nicht, schon gar nicht hier in den Everglades. Schuld daran seinen die Menschen mit dem Straßenbau in der Everglades (also doch etwas Hinterfragen?). Nein, ich habe mich zu früh gefreut. Noch in dem Satz, dass der Straßenbau schuld sei, sagt er, dass gebe es schon immer hier. Mal sei die Flut stärker und die wenige Meter über dem Meeresspiegel liegenden Everglades werden von (mehr) Salzwasser geflutet, mal sei sie schwächer und es gäbe mehr Süßwasser. Aha… naja, wir wollen auf dem kleinen Boot lieber keine zu große Diskussion anfangen :unsure:







Entsprechend enttäuscht von der Airboattour überlegen wir, gleich weiter zu fahren. Aber dank unser schwäbischen Wurzeln, wollen wir die Traktorfahrt durch den Sumpf nicht verfallen lassen . :whistle: Schlimmer kann es kaum werden, denken wir uns. Es war wieder einer dieser Momente, wo uns auf dieser Reise das Glück verfolgen zu scheint. Warum? Das lest ihr gleich ;)

Es war inzwischen fast 30 Grad (im März?!?) und wir schleppen uns fast die 100 Meter zur Traktorplattform. Tatsächlich handelt es sich um einen Traktor auf den ein Sitzplätze-Aufbau aufgeschraubt wurde. Das ganze Gefährt hat ca. 30 Sitzplätze, aber auf unserer 20 Minuten Tour sind wir keine 10 Leute. Es ist deutlich angenehmer als die volle Bootstour und der Fahrer / Guide stellt sich schnell als das wahre Juwel der Anlage raus :) Während die Fahrt gemütlich beginnt, erzählt er von seiner Kindheit. Er sei hier aufgewachsen und früher noch in den Bächen und Flüssen schwimmen gegangen. Alligatoren seien völlig harmlos, solange sie keine Jungtiere in der Nähe hätten, erzählt er :unsure: Insgesamt gibt es viel mehr Tierarten hier, als die meisten Menschen erwarten. Diverse Huftiere leben hier und auch Bären. Wir überlegen kurz, ob wir ihn richtig verstanden haben. Bären? Bei über 30 Grad? Ich denke dabei eher an kühlere Gegenden. Er nimmt uns aber schnell die Zweifel und auch die Hoffnung einen zu sehen. Sie seien tagsüber kaum aktiv, da es ihnen zu warm ist. Außerdem haben sie Angst vor Menschen und ein feines Gehör. Nur in den frühen Morgen- und Abendstunden würde er sie häufiger antreffen.







Er zeigt auf eine vertrocknete Sumpfgegend und sagt, dass es früher viel feuchter hier war. Ich wage meine Frage ein weiteres Mal zu stellen, ob Klimawandel und der Mensch daran Schuld seien. Und siehe da, er stimmt zu (und wir fühlen uns bestätigt :whistle: ). Durch Dammbauten und geringere Regenfälle bedingt durch den Klimawandel nimmt der Süßwasseranteil rapide ab. Salzwasser dringt weiter vor und zerstört diesen einzigartigen Lebensraum. Ich hake nach, ob der Straßenbau mitverantwortlich sei – wie von unserem Kapitän gemutmaßt. Das kann er sich hingegen nicht vorstellen, da alle paar Meter Rohre unter der Straße liegen, um den Wasserfluss zu gewährleisten. Wir hätten uns gerne noch länger mit ihm darüber unterhalten, aber auf einmal sagt er uns, wir sollen ruhig sein, er hätte etwas entdeckt. Wir starren angestrengt nach vorne und tatsächlich, mitten auf der Straße kommt uns ein Schwarzbär entgegen :woohoo: :woohoo: Wir können unser Glück kaum fassen. Alle im Fahrzeug sind leise, der Bär kommt bis auf 20 Meter an den Traktor heran. Von hier sieht er fast klein aus – fast kleiner als ein Löwe :laugh: Dann biegt er ab ins Gebüsch und unser Guide sagt, dass wir die Fahrt jetzt fortsetzen sollten, um den Bär nicht unnötig zu stressen. Ein weiteres Mal sind wir von unserem Guide begeistert :woohoo:







Ein paar Meter weiter hält er neben einem Baum an und zeigt uns Kratzspuren die bis auf eine Höhe von 15 Meter gehen. Das sind die Bären, die dort hochklettern. Auch die Bärenkinder klettern zum Schutz auf Bäume. Wir sind beeindruckt, dass so ein riesiges Tier einen Baum in wenigen Sekunden erklimmen kann.

Am Ende der Fahrt kommen wir an einem umzäunten Teich vorbei, in dem ein Alligator schwimmt. Er erzählt uns, dass dieser Alligator früher als Baby in der Schule rumgereicht wurde und somit nicht alleine überlebensfähig wäre :( Wir merken die Abneigung dazu in seiner Stimme. Mit ihm hätten wir gerne mehr Zeit verbracht. Das, was wir als Trinkgeld beim Boot eingespart haben, drücken wir nun ihm in die Hand und auch die anderen Gäste beteiligen sich. Darüber scheint er sehr dankbar zu sein und hatte dies nicht unbedingt erwartet :)

Wer jetzt denkt, dass damit unser Tag vorbei wäre, der irrt ;) Wer weiß, wann wir das nächste mal in Florida sein werden und da es erst kurz vor 13 Uhr war, sind wir noch weiter zum Shark Valley Visitor Center. Die Fahrt führt uns etwa 45 Minuten durch immer dichter werdenden Bäume. Mit dem offenen Cabrio ist es ein Traum und wir genießen die Fahrt in vollen Zügen B) Auf der Zufahrtsstraße ebbt unsere Euphorie jedoch schnell ab. Vor uns ist ein Stau :huh: Tatsächlich stehen diverse Fahrzeuge vor uns, die auf den Parkplatz des Visitorcenters wollen, welcher jedoch voll ist. Wir entscheiden uns zu warten und vertreiben uns die Zeit mit der Beobachtung der Tierchen im Bach neben der Straße :)







Kurz nach 14 Uhr sind wir endlich auf dem Parkplatz. Wie üblich endet hier unsere Vorbereitung und wir gehen zum Visitorcenter, um uns zu erkundigen, was wir eigentlich machen können :whistle: Ehrlich, in Afrika sind wir besser vorbereitet! :blush: Der Ranger erklärt uns, dass es eigentlich nur die Fahrt mit einer Bahn (eher ein Auto mit Anhängern) zu einem Aussichtsturm gibt von dem Visitorcenter aus. Da diese Tickets meist Tage im Voraus ausverkauft seien, sollten wir versuchen uns Fahrräder zu leihen. Gesagt getan und zack, hier hieß es auch warten, da alle ausgeliehen sind. Erst nach 14:30 steigen wir auf die Fahrräder, mit dem netten Hinweis, dass die bis 17 Uhr wieder zurück sein müssten :dry: Für die paar Meilen bis zum Turm und zurück sollte das jedoch reichen, denken wir.

Der Weg führt direkt an einem Bach entlang in dem diverse Alligatoren schlafen. Und nicht nur im Bach schlafen, wie wir feststellen sollten :S Aber dazu gleich mehr. Wir genießen diese Fahrradtour außerordentlich. Es ist mit Abstand das Highlight, was wir in den Everglades gemacht haben, sogar noch etwas besser als die Traktortour. Der Bach liegt nur zwei Meter neben dem Fahrradweg und wir sehen unzählige Alligatoren. Auch ein extra abgesperrtes Nest mit gefühlt hunderten Babyalligatoren liegt am Wegesrand :woohoo: Ein weiteres Highlight ist die Beobachtung eines Vogels, der durch das seichte Wasser stakt und wie ein kleiner Reiher aussieht. Der lebt gefährlich, sage ich noch und im nächsten Moment schlägt er hektisch mit den Flügeln eher er auf einmal abwärts gezogen wird :ohmy: :ohmy: Wir starren beide noch ungläubig den Punkt an, wo gerade noch der Vogel stand. Da hat ein Alligator wohl etwas zum Fressen gefunden :blink:







Ein paar Minuten später schaue ich gerade hinüber zu Susann, während wir uns beim Fahrradfahren unterhalten. Da schreit sie auf einmal „pass auf!“ Ich sehe etwas im Augenwinkel und zucke ein Stück weg vom Bach. Mitten auf dem Weg lag der Schwanz einiges großen Alligators :ohmy: Ich wäre beinahe voll rüber gefahren. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, was wohl passiert wäre. Vermutlich wäre der Alligator vor Schreck ins Wasser geflüchtet, aber ausprobieren wollte ich es nicht :whistle:

Den Schreck noch in den Knochen erreichen wir den Aussichtsturm. Der Blick über das komplett flache Gebiet ist beeindruckend. Ein paar Alligatoren dösen in der Sonne. Ab uns zu tut uns einer den Gefallen und bewegt sich. Nur wenige andere Leute sind hier und wir genießen die Ruhe, das draußen sein, das gute Wetter und uns wird bewusst, was für ein Glück wir haben, dass wir so reisen können (zu der Zeit war in Europa noch nicht so viel mit Reisen).





Lange können wir jedoch nicht bleiben, da wir die Abgabezeit der Fahrräder nicht aus den Augen verlieren wollen. Auf dem Weg treffen wir eine ältere Amerikanerin aus Michigan, die ebenfalls mit dem Rad auf dem Rückweg war. Ihr Partner hätte sie zurück gelassen, da er befürchtete, die Abgabezeit mit ihr nicht einhalten zu können. Ein zumindest interessantes Pärchen :laugh: Wir unterhalten uns die Fahrt mit ihr über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Amerikanern und Europäern. Neidisch ist sie vor allem auf unseren gesetzliche Urlaubsanspruch :P

Mit ordentlich Puffer :laugh: erreichten wir die Fahrradstation am Visitorcenter und lernen dort auch ihren (zukünftigen ex-?) Partner kennen. Allerdings war für uns jetzt auch Eile geboten, da wir noch bei Tageslicht bis zu unserem Hotel in Naples (ebenfalls wieder Golfküste) kommen wollten. Die „Rückfahrt“ durch die Everglades genossen wir wieder in vollen Zügen und am Abend besuchten wir noch einen öffentlichen Strand für den Sonnenuntergang im Golf von Mexiko. Hier ist uns ein großer Unterschied zu Kalifornien aufgefallen. Während in Kalifornien die Strände quasi alle öffentlich sind, gibt es in Florida nur wenige und die meisten sind Privateigentum von Hotels oder Anlagen :angry: An den wenigen öffentlichen ist das Parken dann sehr teuer und wir finden es Schade, dass selbst Lokals für diese tolle Natur Geld bezahlen müssen. Zum Abendessen waren wir in einem lokalen Restaurant am Yachthafen. Das gesamte Restaurant hatte eher einen Bar-Stil. Hier war das Essen zwar nicht schlecht, aber auch nicht außergewöhnlich. Morgen geht es durch die Everglades auf die Ostseite.




Letzte Änderung: 28 Jan 2022 19:23 von DankeJack.
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