Moin zusammen,
eigentlich hatte ich nicht vor, mich substanziell zu den Meinungsäußerungen im Umfeld des Themas „Anette“ zu äußern. Die Erwähnung „liberaler Diskussionskultur“ im Zusammenhang mit den Meinungsäußerungen in den verschiedenen Threads des Themenkreises veranlasst mich nun aber doch dazu.
Die nachstehenden Erläuterungen stammen aus der 7. Auflage des Fremdwortdudens, die Links sind selbsterklärend:
Liberal
U.a.: Dem Einzelnen wenige Einschränkungen auferlegend.
Weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Liberal
Diskussion
Erörterung, Aussprache, Meinungsaustausch.
Weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion
Kultur
U.a.: Feine Lebensart, Erziehung und Bildung.
Weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur
Die Wikipedia-Version zu Diskussion im Volltext:
Eine Diskussion (Erörterung, Zwiegespräch, von lat. discutio, -cussi (quatio) = 1. zerschlagen, zertrümmern, 2. abschütteln, 3. (gerichtlich) prüfen, untersuchen, verhören) ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Diskutanten, in dem meist über ein oder mehrere bestimmte Themen gesprochen (diskutiert) wird, wobei jede Seite ihre Argumente vorträgt.
Für eine Diskussion gibt es verschiedene Anlässe, ebenso unterschiedlich ist ihre Gestaltung. Während im privaten Bereich auch über persönliche Angelegenheiten gesprochen wird, so werden im öffentlichen Bereich meist politische Themen diskutiert. Hierbei erfolgt der Austausch der Meinungen nicht nur verbal (z. B. auf Diskussionsveranstaltungen oder im Fernsehen), sondern auch schriftlich (z. B. in der Zeitung [mithilfe eines Leserbriefs] oder in einem Diskussionsforum im Internet).
Eine Diskussion sollte unabhängig vom Thema von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Zu einem guten Diskussionsstil gehört es u. a., gegenteilige Argumente und Meinungen zuzulassen und genau zu prüfen, anstatt sie vorschnell zu verwerfen. Oftmals ist z. B. in der Politik zu beobachten, dass die Diskussionskultur von Aggression geprägt ist.
„Zwei Monologe, die sich gegenseitig immer und immer wieder störend unterbrechen, nennt man eine Diskussion.“ - Charles Tschopp
Ein guter Diskutant hört zu, lässt ausreden und ist konzentriert genug, um auf das vom Gegenüber Gesagte einzugehen und seine eigenen Argumente sachlich darzustellen. Ebenso sollte er den Diskussionspartner zu Wort kommen lassen. Auch Eigenschaften wie Gelassenheit und Höflichkeit können für beide Seiten von Vorteil sein.
Im günstigsten Fall steht am Ende einer Diskussion die Lösung eines Problems, ein für alle Beteiligten annehmbarer Kompromiss oder eine beidseitige Erkenntnis. Aber auch ohne dies ist eine Diskussion eine Möglichkeit den Standpunkt einer anderen Seite kennen zu lernen und von bisher unbekannten neuen Seiten zu erfahren.
Ich möchte hier nun nicht das bekannte Problem erneut herum wenden, um es von einer vielleicht bisher noch nicht betrachteten Seite zu beleuchten, sondern die Frage aufwerfen, ob ein Forum wie das unsrige überhaupt das geeignete Medium sein kann, einer Diskussion, die der Definition der Wikipedia genügt, eine Plattform zu bilden.
Ich weiß nicht, ob die Forumsoftware eine Statistikfunktion bietet, die die durchschnittliche Länge der Beiträge ermitteln kann. Ich schätze, dass die durchschnittliche Länge der Beiträge so um die 300-400 Wörter liegen dürfte. Wie sollen Rede und Gegenrede mit je 300 Wörtern pro Beitrag einen Erkenntnisgewinn für beide Seiten schaffen?
Man stelle sich einen Experten vor, der zu einem komplexen Thema einen 300-Wörter-Beitrag erstellt. Was kann darin abgebildet sein? Was in der Antwort des Laien, der seine mehr oder weniger fundierte persönliche Überzeugung in der Gegenrede nun ebenfalls in nur 300 Wörter fasst? Der Experte fühlt sich nun vielleicht bestenfalls missverstanden, schlimmstenfalls missachtet und schon ist man nicht mehr beim Austausch und sorgfältiger Wertung von Argumenten, sondern man haut sich Schlagworte um die Ohren. Man sucht und findet die Schwäche in der auf nur 300 Wörter verkürzten Argumentation des anderen.
Das ist keine Diskussion! Das ist bestenfalls ein Austausch von Nichtigkeiten.
Ihm fehlt fast alles, was einen Meinungsaustausch ausmacht. Insbesondere fehlt ihm das Eingehen auf den anderen, das Reagieren auf Mimik und Tonfall, die Möglichkeit, Seitenaspekte zu erkennen, zu verfolgen und nach ihrer Würdigung wieder zur Hauptsache überzugehen.
Geht einmal in die Newsgroups des Usenets, insbesondere in die englischsprachigen „soc.culture.“-Gruppen! Dort findet Ihr die wildesten Beispiele von Flame Wars (http://de.wikipedia.org/wiki/Flame_War), die genau dem von mir geschilderten Effekt der gefühlten, aber tatsächlich überhaupt nicht geführten, Diskussion geschuldet sind.
Ich hege die Vermutung, dass dies eine Generationsfrage sein könnte. Ich nehme auch an, dass die Benutzer dieses Forums in ihrer Altersschichtung nicht wesentlich vom Altersschnitt der Namibia-Touristen abweichen dürfte. Für uns Ältere -und hier provoziere ich jetzt einmal bewusst!- ist eine Ansammlung von 300-Wörter-Statements in Rede und Gegenrede eben noch lange keine Diskussion. Für uns Ältere ist die Abwesenheit von Benehmen auch kein Ausdruck von Liberalität, sondern von mangelndem Respekt gegenüber dem Andersdenkenden. Die im wesentlichen herrschende Abwesenheit von Kontroversen in diesem Forum scheint mir aus der Kritikfähigkeit von uns Älteren gegenüber den Möglichkeiten des Mediums „www“ zu resultieren. Wem dies als ein Mangel erscheint, sollte sich im Usenet austoben.
Gruß, Michael
P.S. Ich erlaube mir noch den persönlichen Hinweis, dass ich Probleme mit Menschen habe, die sich selbst gegenüber andere Maßstäbe anlegen als sie im Verhalten gegenüber ihrer Umwelt zeigen. Und nu´: Gut is`!
Post geändert von: Yoshikawa, am: 03/07/2007 18:21
Post geändert von: Yoshikawa, am: 03/07/2007 18:23<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 03/07/2007 18:24
eigentlich hatte ich nicht vor, mich substanziell zu den Meinungsäußerungen im Umfeld des Themas „Anette“ zu äußern. Die Erwähnung „liberaler Diskussionskultur“ im Zusammenhang mit den Meinungsäußerungen in den verschiedenen Threads des Themenkreises veranlasst mich nun aber doch dazu.
Die nachstehenden Erläuterungen stammen aus der 7. Auflage des Fremdwortdudens, die Links sind selbsterklärend:
Liberal
U.a.: Dem Einzelnen wenige Einschränkungen auferlegend.
Weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Liberal
Diskussion
Erörterung, Aussprache, Meinungsaustausch.
Weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion
Kultur
U.a.: Feine Lebensart, Erziehung und Bildung.
Weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur
Die Wikipedia-Version zu Diskussion im Volltext:
Eine Diskussion (Erörterung, Zwiegespräch, von lat. discutio, -cussi (quatio) = 1. zerschlagen, zertrümmern, 2. abschütteln, 3. (gerichtlich) prüfen, untersuchen, verhören) ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Diskutanten, in dem meist über ein oder mehrere bestimmte Themen gesprochen (diskutiert) wird, wobei jede Seite ihre Argumente vorträgt.
Für eine Diskussion gibt es verschiedene Anlässe, ebenso unterschiedlich ist ihre Gestaltung. Während im privaten Bereich auch über persönliche Angelegenheiten gesprochen wird, so werden im öffentlichen Bereich meist politische Themen diskutiert. Hierbei erfolgt der Austausch der Meinungen nicht nur verbal (z. B. auf Diskussionsveranstaltungen oder im Fernsehen), sondern auch schriftlich (z. B. in der Zeitung [mithilfe eines Leserbriefs] oder in einem Diskussionsforum im Internet).
Eine Diskussion sollte unabhängig vom Thema von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Zu einem guten Diskussionsstil gehört es u. a., gegenteilige Argumente und Meinungen zuzulassen und genau zu prüfen, anstatt sie vorschnell zu verwerfen. Oftmals ist z. B. in der Politik zu beobachten, dass die Diskussionskultur von Aggression geprägt ist.
„Zwei Monologe, die sich gegenseitig immer und immer wieder störend unterbrechen, nennt man eine Diskussion.“ - Charles Tschopp
Ein guter Diskutant hört zu, lässt ausreden und ist konzentriert genug, um auf das vom Gegenüber Gesagte einzugehen und seine eigenen Argumente sachlich darzustellen. Ebenso sollte er den Diskussionspartner zu Wort kommen lassen. Auch Eigenschaften wie Gelassenheit und Höflichkeit können für beide Seiten von Vorteil sein.
Im günstigsten Fall steht am Ende einer Diskussion die Lösung eines Problems, ein für alle Beteiligten annehmbarer Kompromiss oder eine beidseitige Erkenntnis. Aber auch ohne dies ist eine Diskussion eine Möglichkeit den Standpunkt einer anderen Seite kennen zu lernen und von bisher unbekannten neuen Seiten zu erfahren.
Ich möchte hier nun nicht das bekannte Problem erneut herum wenden, um es von einer vielleicht bisher noch nicht betrachteten Seite zu beleuchten, sondern die Frage aufwerfen, ob ein Forum wie das unsrige überhaupt das geeignete Medium sein kann, einer Diskussion, die der Definition der Wikipedia genügt, eine Plattform zu bilden.
Ich weiß nicht, ob die Forumsoftware eine Statistikfunktion bietet, die die durchschnittliche Länge der Beiträge ermitteln kann. Ich schätze, dass die durchschnittliche Länge der Beiträge so um die 300-400 Wörter liegen dürfte. Wie sollen Rede und Gegenrede mit je 300 Wörtern pro Beitrag einen Erkenntnisgewinn für beide Seiten schaffen?
Man stelle sich einen Experten vor, der zu einem komplexen Thema einen 300-Wörter-Beitrag erstellt. Was kann darin abgebildet sein? Was in der Antwort des Laien, der seine mehr oder weniger fundierte persönliche Überzeugung in der Gegenrede nun ebenfalls in nur 300 Wörter fasst? Der Experte fühlt sich nun vielleicht bestenfalls missverstanden, schlimmstenfalls missachtet und schon ist man nicht mehr beim Austausch und sorgfältiger Wertung von Argumenten, sondern man haut sich Schlagworte um die Ohren. Man sucht und findet die Schwäche in der auf nur 300 Wörter verkürzten Argumentation des anderen.
Das ist keine Diskussion! Das ist bestenfalls ein Austausch von Nichtigkeiten.
Ihm fehlt fast alles, was einen Meinungsaustausch ausmacht. Insbesondere fehlt ihm das Eingehen auf den anderen, das Reagieren auf Mimik und Tonfall, die Möglichkeit, Seitenaspekte zu erkennen, zu verfolgen und nach ihrer Würdigung wieder zur Hauptsache überzugehen.
Geht einmal in die Newsgroups des Usenets, insbesondere in die englischsprachigen „soc.culture.“-Gruppen! Dort findet Ihr die wildesten Beispiele von Flame Wars (http://de.wikipedia.org/wiki/Flame_War), die genau dem von mir geschilderten Effekt der gefühlten, aber tatsächlich überhaupt nicht geführten, Diskussion geschuldet sind.
Ich hege die Vermutung, dass dies eine Generationsfrage sein könnte. Ich nehme auch an, dass die Benutzer dieses Forums in ihrer Altersschichtung nicht wesentlich vom Altersschnitt der Namibia-Touristen abweichen dürfte. Für uns Ältere -und hier provoziere ich jetzt einmal bewusst!- ist eine Ansammlung von 300-Wörter-Statements in Rede und Gegenrede eben noch lange keine Diskussion. Für uns Ältere ist die Abwesenheit von Benehmen auch kein Ausdruck von Liberalität, sondern von mangelndem Respekt gegenüber dem Andersdenkenden. Die im wesentlichen herrschende Abwesenheit von Kontroversen in diesem Forum scheint mir aus der Kritikfähigkeit von uns Älteren gegenüber den Möglichkeiten des Mediums „www“ zu resultieren. Wem dies als ein Mangel erscheint, sollte sich im Usenet austoben.
Gruß, Michael
P.S. Ich erlaube mir noch den persönlichen Hinweis, dass ich Probleme mit Menschen habe, die sich selbst gegenüber andere Maßstäbe anlegen als sie im Verhalten gegenüber ihrer Umwelt zeigen. Und nu´: Gut is`!
Post geändert von: Yoshikawa, am: 03/07/2007 18:21
Post geändert von: Yoshikawa, am: 03/07/2007 18:23<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 03/07/2007 18:24