Entlang der Straße verkaufen ein paar Kinder Mangos. Eigentlich ist das Quatsch, denn hier stehen überall Mangobäume und alle hängen voll mit Mangos. Die Äste hängen tief genug, dass man sie aus dem Stand pflücken kann. Wir finden es aber gut, dass die Kinder nicht betteln, sondern auf ehrliche Art Geld verdienen möchten und wollen das unterstützen. Wir fragen, was sie kosten sollen und sie nennen uns umgerechnet 10 Cent. Wir geben ihnen das Geld und erhalten dafür nicht eine Mango, sondern gleich zwölf.
Jeder von euch, der schon mal zwölf Mangos auf dem Fahrrad transportiert hat, kann sich bestimmt gut daran erinnern, wie diejenigen aussahen, die man nach zwei Tagen noch nicht gegessen hatte und einen Teil der Strecke über Piste ging. Die anderen können es sich vielleicht vorstellen. Wem die Vorstellungskraft fehlt, der kann ersatzweise mal ein Rudel Tomaten am Wochenende auf ‚nem Radausflug spazieren fahren. So ähnlich wurde wahrscheinlich Ketchup erfunden. Und Mangochutney …
Wir biegen irgendwann links ab und treffen an der Abzweigung einen einheimischen Radfahrer, den wir fragen, ob das der Weg zum Liwonde Nationalpark sei. Er bejaht es und meint, er würde uns begleiten und den Weg zeigen. Das ist völlig überflüssig, weil es keine weiteren Abzweigungen auf der Piste gibt und ich rechne fest damit, dass er anschließend Geld für seine Arbeit als Guide verlangt, aber das ist unbegründet. Er verabschiedet sich und radelt wieder zurück. Er ist einfach mal 20 km mit uns geradelt, aber vielleicht wohnt er auch in einer der zahlreichen kleinen Siedlungen entlang der Piste und wäre einen Teil der Strecke sowieso gefahren.
Wir fragen am Eingang des Nationalparks, ob wir mit den Fahrrädern reindürfen. „Sure, no problem“, heißt es.
Damals ritten Cowboys noch auf Dinosauriern, Gummistiefel waren noch aus Holz und Radfahrer durften tatsächlich noch in den Nationalpark. Alle drei Dinge haben sich inzwischen geändert.
Wir fahren etwa zwei Kilometer bis zu einem Fluss. Das Camp liegt auf der anderen Seite des Flusses. Ein Boot setzt uns und die Fahrräder über. Ich denke, dieser Parkeingang wird vor allem von Angestellten des Camps benutzt, die im nahe gelegen Dorf wohnen. Autotouristen nutzen meist eine andere Zufahrt zum Park, da sie ansonsten auf angebotene Touren angewiesen wären, denn das Auto muss man logischerweise am Ufer stehenlassen.
Das Camp selbst ist von Palisaden umgeben, was aber eher Deko ist, denn die beiden Zufahrten sind immer offen und haben keine Tore. Der Campingbereich liegt ohnehin außerhalb und wir sind die beiden einzigen Camper. Man belehrt uns, das wir aus Sicherheitsgründen das Camp mit den Rädern nicht verlassen dürften. Zum Verlassen des Parks dürfen wir später wieder mit den Rädern raus, aber zwischendrin nicht.
Wir stellen die Zelte auf, wobei ich meines wegen des guten Wetters und der Windstille nicht richtig abspanne. Am Vorabend unserer Ankunft waren hier Elefanten zu Besuch. Das Foto entstand leider erst vor der Abreise, weshalb die Haufen schon vertrocknet und zerfallen sind.
Nur 30 Meter entfernt ist das Ufer des Shire Rivers. Hier gibt es zahlreiche Krokodile und jede Menge Flusspferde. Wir achten deshalb darauf, einen grasfreien Bereich zu wählen, damit uns diese gefährlichen und gleichzeitig auch irgendwie dämlichen Tiere nachts nicht in die Quere kommen.
Wir gehen in das kleine offene Restaurant und essen etwas, sitzen noch zum Quatschen beisammen und schauen auf den Fluss.
Später begleitet uns ein bewaffneter Ranger mit Handscheinwerfer an die Zelte, stellt eine Petroleumlampe davor, damit Tiere rechtzeitig erkennen sollen, dass da jemand ist und erklärt uns, dass wir die Zelte erst wieder verlassen dürfen, wenn es hell wird.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...