Reisebericht

Spontane Kurzreise durch Jordanien

von BikeAfrica · begonnen 09. März 2026 · 2 Teile

Teil 109. März 2026
Hallo zusammen,

hier folgt in Kürze ein Reisebericht von einer früheren Radreise durch ein Land, das nie auf meiner Wunschliste stand, welche aber dennoch sehr spontan zustande kam und wie so oft in meinem Leben spielten dabei eine Reihe Zufälle eine Rolle.

Im Herbst 2005 druckte eine dänische Zeitung eine Serie von Mohammed-Karikaturen, woraufhin in der islamischen Welt eine Reihe von gewalttätigen Ausschreitungen stattfanden. Alleine in Nigeria kamen dabei innerhalb weniger Tage über 120 Menschen ums Leben.
Im Januar 2006 wurden einer arabischen Zeitung weitere Karikaturen zugespielt, die angeblich aus der gleichen Quelle kämen (was jedoch nicht stimmte). Jetzt eskalierte die Lage völlig.

Ich hatte seinerzeit noch eine kleine private Website und ich war sporadisch in einem MTB-Forum aktiv.
Anfang März bekam ich ein Mail von einer Britta aus dem erwähnten MTB-Forum, die mich fragte, ob ich nicht spontan mit nach Jordanien kommen wolle. Sie hatte sechs interessierte Reisepartner, die alle der Reihe nach aus Angst vor Unruhen absprangen und auf meiner Homepage hatte sie gelesen, dass ich auch Radreisen mache.

Ich hatte, vom Zufall bereits akribisch vorbereitet, noch Resturlaub aus dem Vorjahr und das Auswärtige Amt berichtete, dass die Lage in Jordanien entspannt sei. Ich signalisierte Interesse und wir telefonierten mal.
Während ich keinerlei Ahnung hatte vom Land und ihr das natürlich auch sagte, meinte sie, das wäre kein Problem, da sie sich ja schon seit Monaten drum gekümmert habe und zudem seit drei Jahren Arabisch lerne. Das sollte sich später manchmal noch als hilfreich rausstellen.

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Sie hatte über irgendwelche Kontakte 10 kg zusätzliches Freigepäck für den Flug bekommen, eine Unterkunft am Zielort und einen Transport dorthin organisiert. Jetzt klingen 30 kg Freigepäck erst mal ganz ordentlich, aber wenn man 18 kg fürs verpackte Fahrrad und dazu Zelt, Schlafsack und Isomatte abzieht, bleibt davon nicht mehr allzu viel übrig. Egal, es reichte.

Am Flughafen sahen wir uns Anfang April zum ersten Mal, erkannten uns aber auf Anhieb. So viele Passagiere mit Fahrrädern standen beim Check-In ja nicht rum. Außer uns waren es genau null und ich habe extra nochmal nachgezählt.

Um der Reise unvoreingenommen, offen, neugierig und gewohnt ahnungslos wie fast immer entgegenzutreten, hatte ich mich auch zwischenzeitlich nicht weiter informiert. So weit also erst einmal ein ganz normaler Reiseauftakt …

Gruß
Wolfgang
Teil 210. März 2026
Am nächsten Morgen geht’s gleich los. Jordaniens Hauptstadt Amman liegt fast 800 Meter hoch und es geht zunächst ein kleines Stückchen bergauf zum Berg Nebo. Hier starb Moses im zarten Alter von angeblich 120 Jahren. Von hier hat man eine Aussicht aufs sog. Gelobte Land, was zugegebenermaßen besser klingt als „bergige Kieswüste“.

Ein Auto überholt uns und fährt an den Straßenrand. Der Fahrer steigt aus und wartet auf uns. Er hat erkannt, dass wir Touristen sind, gibt uns die Hand und wünscht uns eine gute Reise. Nur deswegen hat er angehalten, steigt anschließend wieder ein und setzt seine Fahrt fort.

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Nun geht es abwärts von über 800 Metern auf etwa 430 Meter unter dem Meeresspiegel zum Toten Meer. Nirgendwo anders auf der Welt kann man auf dem Festland eine so tiefe Stelle erreichen.
Ich will ausprobieren, ob das stimmt, dass man sich hier wegen des hohen Salzgehalts einfach so aufs Wasser legen kann. Es ist total irre. Ich kann mich hier sogar seitwärts aufs Wasser legen, den einen Oberarm aufs Wasser, den Unterarm nach oben und den Kopf drauf ablegen. Das klappt allerdings immer nur so 1-3 Sekunden, bevor es mich wieder auf den Rücken dreht. Dennoch ist es ein lustiges Erlebnis, das ich so nie für möglich gehalten hätte.

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Meine kurze Sporthose, die ich mangels Badehose verwendet habe, zeigt mir noch ein weiteres Phänomen. Sie fühlt sich hinterher an wie in Olivenöl eingeweicht. Außen am Gepäck befestigt braucht sie trotz Sonne und trockener Luft zwei Tage zum Trocknen. Danach ist sie so hart wie ein Stück Holz …

Gruß
Wolfgang
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