Zambia 2025: Zu den Flughunden von Kasanka

Reisebericht 40 Antworten · 3'339 Aufrufe · gestartet 27. Okt. 2025 von CarstenS
Themenstarter388 Beiträge · seit 201711. Nov. 2025 · #21
Sonntag, 9., und Montag, 10. November – Kafue National Park
Um sechs Uhr verließen wir das Camp. Auf der Fahrt aus dem Park sahen wir neben großen Gnuherden auch viele Zebras – und als Höhepunkt ein gerade geborenes Gnukalb, kaum in der Lage zu laufen, noch mit Nabelschnur und Membran. Auch Büffel zeigten sich.
Vor neun Uhr waren wir aus dem Park, um zehn Uhr in Mongu: Tanken und Einkaufen beim Shoprite. Danach sollte es in den Kafue gehen. Eigentlich war dieser Nationalpark kein geplantes Highlight der Reise, zumal im Hupe-Reiseführer kaum etwas über ihn steht. Doch im Zambia Self Drive fanden wir mehr Informationen, und so beschlossen wir, zwei Nächte im nördlichen Kafue im Mapunga Bushcamp zu verbringen, um einen Tag zu den Busanga Flood Plains hinaufzufahren. Noch ahnten wir nicht, dass dieser Abstecher wohl zum eindrucksvollsten Erlebnis der gesamten Reise werden würde.
Gegen 15:30 erreichten wir das Gate, wo uns bereits zahlreiche Tse-Tse-Fliegen empfingen. Auf unsere Frage nach dem Straßenzustand hieß es, die Wege seien alle gut. Zunächst schien das auch zu stimmen – die ersten zehn Kilometer waren eine feste Sandpiste mit Kies, harter Untergrund. Doch es hatte geregnet, und in den Senken stand Wasser. Ich schaltete in den Allradmodus und meinte zu Lindelani, man bleibe immer dann stecken, wenn man es am wenigsten erwartet. Wir müssten uns im Camp unbedingt erkundigen, ob Schlamm in den Flood Plains ein Problem sei, und notfalls Teile der Strecke zu Fuß prüfen, bevor wir hineinfahren. Ich wusste genau, worauf man achten muss – eigentlich.

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Bald kamen wir an eine Stelle mit Schildern „Men at Work“, die so aufgestellt waren, dass man hätte meinen können, die Piste sei gesperrt. Eine Umfahrung war vorhanden, doch ich blieb zunächst auf der Hauptstrecke – bis ich vor mir eine schlammige Passage ohne festen Untergrund sah. Um die Arbeit der Straßenbauer nicht zu zerstören, fuhr ich zurück und nahm die Umgehung.
Dreißig Sekunden später saß ich fest. Nichts ging mehr. Auch die Differenzialsperre half nicht. Also raus, Räder freischaufeln. Das Heck steckte tief im Schlamm. Ich holte den Highlift Jack hervor, hatte sogar eine Unterlage dabei, doch der Wagenheber rutschte immer wieder ab und stieß gegen das Auto. Vier junge Männer kamen zur Hilfe. Gemeinsam hoben wir das rechte Hinterrad etwas an, entfernten den Schlamm und legten Holz und Matten davor und dahinter, aber nicht darunter. So hoch bekam ich das Rad einfach nicht. Links klappte es besser – das Rad kam frei, und wir konnten Material darunter schieben. Nun wollte ich eigentlich zum anderen Hinterrad zurück, ob ich es nicht doch ganz anheben könnte.
Inzwischen war auf der Hauptpiste ein Hilux angekommen – auch er blieb stecken. Dann kam ein Land Cruiser einer Lodge, schoss mit Karacho durch den Matsch und zog den Hilux heraus. Anschließend wollten sie uns helfen. Doch mein Wagen steckte tiefer. Wir versuchten es mit Seil, mit Elastic Rope, mit Winde, mit beidem kombiniert – nichts half.
Dann begann es zu regnen. Die Räder drehten durch, der Wagen sank immer weiter ein, bis Motor und Differenziale auflagen. Ein Traktor kam, zog von vorne – vergeblich. Dann von hinten, mit Kette und Verlängerung – das Seil riss. Das Auto steckte nun tiefer als zuvor. Jeder Rausziehversuch hattes es sich tiefer in den Schlamm eingraben lassen.
Es wurde dunkel, und das Fahrzeug der Lodge brachte uns zu unserem Camp. Immerhin sah ich auf der Nachtfahrt zum ersten Mal einen Serval, außerdem Pukus. Das Lodge-Auto blieb zweimal fast stecken, schlitterte gefährlich einen Hang hinab und kippte beinahe um. An einer anderen Stelle steckte es endgültig fest – die Winde befreite es. Eine wilde Fahrt.
Im Camp angekommen, nahmen wir die billigste Unterkunft: ein Zelt für 220 statt 60 US-Dollar, die Camping gekostet hätte. Ich war völlig durchnässt und unterkühlt, zitterte, duschte sofort kalt (hätte zu lange gedauert, auf warmes Wasser zu warten), um den Schlamm loszuwerden, und zog trockene Kleidung an.
Vom Lodge Manager erfuhr ich: Vor unserer Ankunft hatte es zum ersten Mal seit Monaten geregnet – eine ganze Nacht und nochmals zwölf Stunden. Nun war alles nur noch Schlamm. Wären wir fünf Tage früher gekommen, hätten wir eine herrliche, trockene Safari erlebt.
Geschlafen haben wir kaum. Immer wieder gingen mir die Ereignisse durch den Kopf: was alles hätte anders laufen können, müssen. Hätte ich mich nur an meine eigenen Ratschläge gehalten – aber das war nun egal.
Zum Glück hatte es in der Nacht nicht erneut geregnet.
Am Morgen sprach ich mit dem Manager. Er erzählte, er habe mit den Besitzern in Lusaka telefoniert. Ich rechnete mit einer saftigen Rechnung für die Bergung – vielleicht 200 Dollar. Doch zu meiner Überraschung berechneten sie uns nur 100 statt 220 Dollar für die Übernachtung, und die Hilfe war kostenlos. Echte Hilfsbereitschaft!
Um 6:30 machten wir uns auf den Weg zu meinem 30 Kilometer entfernten Wagen, begleitet von drei Männern der Lodge. Später kamen noch die Bauarbeiter hinzu. Zuerst entluden wir das Auto, um es leichter zu machen. Schlamm wurde geschaufelt, Bäume gefällt, Steine herangeschleppt. Der Vorarbeiter hatte denselben Plan wie ich: alle vier Räder mit dem Highlift Jack anheben, Steine und Holz darunterlegen. Das war mühsam und zeitaufwendiger als einfach Rausziehen, was zu reinstecken geführt hatte. Der Highlift Jack sackte ständig weg –, aber nach drei Stunden sah es gut aus. Nach vorne führte der Weg durch tiefen Schlamm, nach hinten über etwas härteren Boden. Wir entschieden uns für den Versuch nach vorn: der Land Cruiser zog mit der Winde, ich fuhr im zweiten Gang, Low Range. Das Auto bewegte sich ein paar Meter – dann wieder fest, in einem neuen Schlammloch. Drei Stunden Arbeit schienen vergebens.
Wieder begann es zu regnen. Wir gruben weiter, die Räder frei, legten Holz unter. Ein Hilux mit südafrikanischen Touristen fuhr vorbei, drehte um und bot Hilfe an. Der Hilux der Lodge zog den Land Cruiser, der der Touristen den Hilux der Lodge – und endlich, nach vier Stunden, war mein Auto frei. Ich hatte kaum noch daran geglaubt. Wir waren unendlich dankbar und gaben großzügig Trinkgeld.
Die hintere Klapptür war durch den abgerutschten Highlift Jack etwas verbogen, ließ sich aber durch ein paar gezielte Hammerschläge wieder schließen. Das Nummernschild war lose, vom Jack weggedrückt, aber das konnte ich wieder richten. Wichtig war, dass niemand zu Schaden gekommen war. Denn die Arbeit mit dem Highlift Jack kann durchaus gefährlich sein!
Wir verließen den Park – ein weiteres Risiko wollten wir nicht eingehen. Sollte es nochmals eine Nacht regnen, kämen wir nicht mehr raus. Auch die südafrikanischen Touristen, die eigentlich mehrere Tage bleiben wollten, entschieden sich zur Umkehr.
Erschöpft erreichten wir das nahe Roy Camp, das ebenfalls völlig verschlammt war. Es regnete noch immer. Um einen klaren Kopf zu bekommen, wusch ich das Auto außen ab – ein sinnloses Unterfangen. Eigentlich bin ich stolz, wenn mein Wagen nach Busch aussieht.
Immerhin gab es eine warme Dusche – zum zweiten Mal den Schlamm abspülen. Dann ins Zelt, lesen, schlafen, warten, bis der Regen aufhörte. Gegen halb vier war es endlich soweit. Watend durch den Matsch räumten wir das Auto aus, säuberten die Ausrüstung, wuschen Sitzbezüge und Matten, hängten alles zum Trocknen auf. Gegen Abend sah der Wagen wieder halbwegs ordentlich aus.
So saßen wir schließlich am Ufer des Kafue River, grillten, während im Hintergrund die Flusspferde grunzten – und fanden langsam wieder zur Ruhe.

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zuletzt bearbeitet 12. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201713. Nov. 2025 · #22
Dienstag 11. November
Heute sollte es nach Zimbabwe gehen, und dort morgen zu den Mana Pools. Morgens um 6:00 fuhren wir lost, auf der Hauptstraße durch den Kafue. Wir sahen noch mehrmals Pukus, und als Highlight drei Hornraben, einer über die Straße laufend, die beiden anderen fliegend, mit ihren riesigen schwarzen Flügeln mit weißen Spitzen. Dann ging es durch landliche Gegegend, und überall wurde Holzkohle produziert und am Straßenrand verkauft. Dementsprechend abgeholzt war die Gegegend, größere Bäume gab es kaum noch. Die kleinen Sambischen Ortschaften, die wir durchfuhren, sahen alle arm und häßlich aus, aber wurden immerhin sauber gehalten, es lag kaum Müll rum. Um 9:30 erreichten wir die Außenbezirke von Lusaka und fanden schließlich eine Tankstelle mit Diesel; bei vielen wurden wir weggewunken, weil die Tanks leer waren. Es ging durch durch die quirligen Straßen Lusakas, immer langsamer, bis wir rechts auf die T2, eine der Hauptverkehrsadern Sambias, abbogen.
Diese Straße sollte uns nach Chirundu an der Grenze zu Zimbabwe führen. War die Straße bisher recht gut gewesen, wurde sie nun immer schlechter, mit vielen Schlaglöchern. Außerdem waren hier viele Laswagen unterwegs, was es schwieriger machte. Immerhin fanden wir in der kleinen Ortschaft Kafue einen guten Pick n Pay, der besser sortiert war als der in Lusaka, wo wir kurz angehalten hatten. Allerdings gab es auch hier kein sambisches Bier, nur südafrikanisches. Schade, aber Castle schmeckt mir eh am besten!
Weiter ging es auf der T2, die entlang ländlichen Gebiets führ. Uns war immer unklar, was gerade die Geschwindigkeitsbegrenzung ist: 100 km/h auf freier Strecke, 60km/h bei Ortschaften, 40km/h innerhalb. Nur, wo fängt eine Ortschaft an, wo hört sie auf? Wir fuhren eine ebene Strecke mit kaum Häusern, also wohl keine Ortschaft, und ich fuhr 58km/h, als ich von der Verkehrspoilizei rausgewunken wurde: Hier würden 40km/h gelten! Nun, das tat mir leid, aber was kann man machen. Ich mußte zu einem Officer zu einem Polizeiwagen gehen. Er schaute sich meinen Führerschein an, wir redeten, er meinte, das wären 450 Kwacha Strafe, die ich bei der Polizeistation 2km zurück zahlen muss. Ich erzählte ihm, wie uns ständig unklar ist, welche Geschíndikeitsgrenze gerade gilt, und ich wirklich nicht zu schnell fahren wollte, eshalb ich unter 60km/h fuhr, da ich dachte, bei aber nicht in einer Ortschaft zu sein. Er fragte mich, ob ich keine Lust hätte, zur Polizeistation zu fahren, und ich sagte, ehrlicher Weise nicht, ob es denn nicht eine andere Möglichkeit gebe, wie bei der nächsten Station zu zahlen. Er sagte darauf leise „pscht, just go and drive on“, und so bedankte ich mich, ging zurück zum Wagen, und fuhr weiter!
Nun ging es durch hügeliges Land, am Sraßenrand sah man herrliche Boababs. Kurz nach 13:00 waren wir dann über den Zambezi und an der Grenze, den one stop border post, wo die Behörden aus Sambia und Zimbabwe zusammen sitzen.
Sobald wir ausstiegen, wurden wir von jungen Männern umringt, die uns mit den Behörden helfen konnten. Da ich damit bei meinem letzten Besuch in Zimbabwe (allerdinfs 2017, vor 8 Jahren) gute Erfahrungen gemacht hatte, willigte ich ein, machte aber den Fehler, den Preis nicht im Vorraus auszumachen. So zahlten wir am Ende mit 20 US Dollar wohl doppelt so viel, wie notwendig.
Immerhin führte er uns schnell überall durch: Erst Auto bei sambischen Behörden abmelden, dann mit Pass zur sambischen Kontrolle, dann bei der Zimbabwe Seite alle Details online eingeben, dann Zimbabwe Passkontrolle, wo ich für 45 US Dollar ein Visum für mehrmalige Einreise bekam (wir werden zurück nach Sambia gehen, und auf dem Rückweg zu den Victoria Falls auch nach Zimbabwe). Dann Interpol fürs Auto. Denen musste man erklären, dass meine Police Clearance für mein Auto das ist, was mit die Polizei in Südafrika gegeben hat. Dann zur Zimbabwe Verkehrsbehörde. Inzwischen hatte er online mein TIP für das Auto beantragt. Dann die Gebühren von insgesamt 50 US Dollar bezahlen, zurück zur Verkehrbehörde, dann nochmals zu Intepol. Nach gut zwei Stunden waren wir fertig und konnten rüber.
Sofort nach der Grenze bogen wir links ab, um das Büro von Zimparks zu finden, wo wir einen Gate Pass brauchten, um nach Mana Pools fahren zu dürfen. Nach Durchfragen fanden wir es, fest verschlossen vor. Ein netter Security Man telefonierte für uns herum, und 30 Minuten später kamen zwei freundliche Damen, die uns den Gate Pass für morgen gaben.
Unterkunft fanden wir auf dem Campingplatz der 15km entfernten Chirundu Safari Lodge, direkt am Zambesi. Wir waren die einzigen Gäste, der Campingplatz eine Baustell ohne warm Wasser oder Elektrizität, und trotzdem kostete es 30 US Dollar statt der 20, die in der T4A App für 2025 angegeben waren. Egal, es war schön wild, mit Flußpferden vor dem Zelt im Fluß, einer Ginsterkatze, vielen Vögeln, und nachts ganz in der Nähe heulenden Hyänen.

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zuletzt bearbeitet 13. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201713. Nov. 2025 · #23
Mittwoch 12. November
Zu ihrem Geburtstag bekam Lindelani einen Termitenschwarm geschenkt, der morgens am Camp aufflog und zahlreiche Bienenfresser, Schwalben und viele andere Vögel anzog, die nur wenige Meter von uns entfernt die Insekten aus der Luft fischten. Von mir bekam sie eine Nachtsichtkamera, die hoffentlich bei den Flughunden gute Dienste leisten wird.
Nun ging es also nach Mana Pools – dem berühmten Nationalpark Zimbabwes, der ein echtes Juwel sein soll. Ursprünglich hatte ich geplant, den Lower Zambezi Nationalpark in Sambia zu besuchen. Da man dort allerdings nicht im Park campen darf und Selbstfahrer nicht gern gesehen sind, hatte ich mich schließlich umentschieden. Eigentlich hätte dadurch die Reiseroute anders verlaufen sollen, aber Liuwa und Kasanka waren bereits gebucht. Da Mana Pools zudem recht teuer ist (für uns 153 US-Dollar pro Nacht, für Europäer noch deutlich mehr) und ich befürchtete, nach nur zwei Tagen das Gefühl zu haben, unbedingt zurückkehren zu müssen, buchten wir gleich drei Nächte. Danach, so hoffte ich, würden wir den Park gut kennen.
Die Fahrt dorthin war nicht lang: zunächst schreckliche 30 Kilometer Schlaglochpiste mit etwas Teer dazwischen, dann eine gar nicht schlechte Schotterstraße über 78 Kilometer. Dort gab es allerdings einen Schreckmoment: Als ich das Auto abrupt bremste und wendete, um eine für uns neue Vogelart – einen Kronentoko – zu beobachten, machte der Wagen plötzlich scheppernde Geräusche, die aus dem Motorraum zu kommen schienen. Doch am und unter dem Motor war nichts zu sehen. Die Geräusche traten nur auf, wenn das Auto fuhr, nicht im Leerlauf. Getriebe? Oh je! Nachdem ich jedoch den Allradantrieb ausgeschaltet hatte, war das Geräusch verschwunden – und blieb es auch, als ich ihn später wieder zuschaltete. Hoffentlich bleibt das so.

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Auf dem Weg durch den Park zur Rezeption sahen wir zunächst kaum Tiere. An einem der vier Pools – „Mana“ bedeutet „vier“ in der lokalen Sprache – machten wir Frühstück. Hier gab es viele Krokodile, Reiher und Störche, doch das ist am Sambesi nichts Ungewöhnliches. Unser erster Eindruck von Mana Pools war ehrlich gesagt ernüchternd: wenig Tiere, grauer Himmel.
Bereits um 9:00 Uhr waren wir an der Rezeption. Am Campingplatz war wenig los, nur wenige Stellplätze belegt – vielleicht fünf von zwanzig. Die Sanitäranlagen waren in schlechtem Zustand, es gab kein fließendes Wasser. Nur am zweiten Block stand ein Wassertank mit einem Eimer davor, aus dem man sich Wasser holen konnte. Also wechselten wir von Camp 9 zu Camp 17, um näher am Fluss zu sein. Beide Plätze liegen herrlich direkt am Ufer des Sambesi, mit einer Insel im Strom direkt davor.
Im Laufe des Tages erschloss sich uns dann doch der doppelte Zauber von Mana Pools. Hier scheinen Mensch und Tier friedlich nebeneinander zu leben – und die Tiere auch untereinander. Elefanten wandern durchs Camp und kommen bis auf wenige Meter heran. Am Office drängte sich ein Elefant zwischen dem Häuschen des Managers und uns auf der Bank davor (während wir mit Starlink verbunden waren); man hätte ihn fast berühren können. Im Camp lebt auch ein alter Eland-Bulle, dem man sich bis auf wenige Meter nähern kann. Die Meerkatzen und Paviane stehlen, was sie kriegen können. Eisvögel sitzen direkt neben dem Camp. Abends kam ein Flusspferd die Böschung hinauf, nur wenige Meter von uns entfernt – so nah war ich einem Hippo noch nie! Lediglich die Hyänen, die nachts den Grill absuchten, wirkten scheu und nervös.
Auch das Verhalten der Tiere untereinander ist auffällig: Elefanten, Impalas und Warzenschweine äsen friedlich nebeneinander. Anderswo werden Elefanten oft gemieden, hier nicht. Große Herden sahen wir keine – viele Junggesellen mit beeindruckend langen Stoßzähnen, aber nur kleine Familienverbände mit weniger als zehn Tieren. Auch die Elands ziehen meist allein oder zu zweit umher, nie in großen Gruppen.

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Und dann die Landschaft: große, von unten abgefressene Bäume entlang des Sambesi, fast ohne jegliches Unterholz. Dadurch kann man weit in die Ebene blicken – eine Szenerie voller Leben. Überall Elefanten, Warzenschweine, Impalas, Elands und vor allem Primaten: Paviane und Meerkatzen, deren Dichte im ganzen Park außergewöhnlich hoch ist. Mehrmals sahen wir auch Büffel, darunter eine Herde von etwa fünfzig Tieren und vier beeindruckende alte Bullen. Selbst Wildhunde begegneten wir – sechs Tiere, in einem trockenen Flussbett ruhend, wenn auch nicht so schön zu beobachten wie eine Woche zuvor im Caprivi.
Nachts heulten Hyänen direkt neben dem Camp und kamen später vorbei, scheu und nervös, nicht so gelassen wie in anderen Camps. In der Ferne brüllten die Löwen – und das ganze Tal hallte von Afrika wider.


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zuletzt bearbeitet 13. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201716. Nov. 2025 · #24
Donnerstag, 13. November
Das Straßennetz in Mana Pools ist begrenzt, zumal sich fast alle Aktivitäten in Flussnähe konzentrieren. Daher fuhren wir morgens wie abends dieselbe Route, nur in entgegengesetzter Richtung. Am Morgen die River Road bis kurz hinter Mucheni, dann links landeinwärts zum Green Pool, weiter über die Zebra-Vlei Road, Long Pool, Sapi Road, Chine Pool, Nkupe, Mana Mouth und zurück zum Camp. Jeweils gut drei Stunden.
Morgens war deutlich weniger los als nachmittags, und trotzdem gab es Highlights. Endlich sahen wir unsere ersten Side-striped Jackals, und gleich mehrere davon. Deutlich zierlicher als unsere Schabrackenschakale, mit fast fuchsartigem Gesicht. Hyänen begegneten wir mehrfach, aber nur eine kam wirklich nah an die Straße. Bei einer Herde von rund 70 Büffeln machten wir Rast und frühstückten.
Bei Mana Mouth stieg ein schöner, wenn auch eher kleiner Elefantenbulle die Böschung hinauf. Er trug einen Radiotransmitter. Lindelani meinte, im Prospekt (für 5 US-Dollar an der Rezeption erhältlich, mit guter Karte des Parks) stehe, dass jene Elefanten, die sich zum Fressen auf die Hinterbeine stellen, einen Collar tragen. Mana Pools ist berühmt dafür, dass einige Bullen dieses Verhalten zeigen. Der bekannteste ist der große und massige Boswell, den wir bisher nicht gesehen hatten. Der Bulle hier war eher klein.

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Trotzdem drehte ich um, damit wir ihn länger beobachten konnten. Er ging tatsächlich zur Akazie, fraß dann aber zunächst an einem Strauch davor. Da auch das gut aussah, begann ich zu filmen. Und dann stellte er sich völlig unerwartet auf die Hinterbeine, um einen Ast herunterzubrechen! Alles auf Video festgehalten. Lindelani war so überrascht, dass sie statt eines Fotos nur eine GIF erwischte — immerhin ein Beweis.

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Um 9:00 Uhr waren wir zurück, erst beim Office fürs Internet, danach im Camp. Heute war das Wetter deutlich besser: sonnig, ein paar Wolken, und eine viel klarere Sicht auf das sambische Ufer und die Berge dahinter. Ein paar Elefanten durchquerten den Sambesi. Direkt vor unserem Camp lief ein Bulle an der Böschung entlang und rupfte Gras am Ufer. Wir standen oben, weniger als fünf Meter entfernt, und fotografierten ihn. Als das Ufer endete, musste er die Böschung hinauf — ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu uns.
Nachmittags fuhren wir nochmals drei Stunden durch den Park, diesmal ohne besondere Höhepunkte. Nur ein Nyala-Bock war eine kleine Ausnahme. Abends machten wir Pizza auf dem Grill. Eine Hyäne am Grill, ein Hippo 20 Meter entfernt und später ein vorbeiwandernder Elefant begleiteten uns. In Mana Pools völlig normal.

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zuletzt bearbeitet 16. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201716. Nov. 2025 · #25
Freitag, 14. November
Der Morgen war wettertechnisch hervorragend. Gegen 13:00 Uhr kam jedoch starker Wind auf, Wellen bildeten sich auf dem Sambesi, und dann regnete es fast zwei Stunden lang. Die Zeit verbrachten wir schlafend im Auto. Danach war das Wetter wieder in Ordnung.
Wir machten heute drei Fahrten: morgens von 6:00 bis 8:30 eine Rundfahrt, später von 10:30 bis 11:30 entlang der River Road und zurück, und nachmittags noch eine weitere Runde. Wir hofften, den berühmten Elefantenbullen Boswell zu sehen, der sich zum Fressen auf die Hinterbeine stellt. Ohne Erfolg.
Höhepunkte waren eine Hyäne am Morgen auf der Straße und nachmittags die Kolonie der Karminspinte (carmine bee-eaters) bei Mana Mouth. Ich hatte im Hupe-Reiseführer davon gelesen, aber erst Lindelani entdeckte sie. Zu Fuß kommt man recht nahe an die Kolonie heran — ausgezeichnet zum Fotografieren.
Mana Pools hat einen besonderen Charme durch die Tiere am Camp, vor allem die Elefanten, die nur wenige Meter entfernt vorbeilaufen. Das gibt es sonst nirgends. Auch die Landschaft ist beeindruckend. Aber der Park ist teuer, die Infrastruktur auf dem Boden schlecht, und auf den Fahrten sieht man nicht ständig etwas Neues. Dazu kommt das Klima: zu dieser Jahreszeit extrem schwül. Dafür war wenig los; wir hatten keine direkten Nachbarn. In der Trockenzeit, wenn das Camp ausgebucht ist, wäre es uns hier viel zu voll. Es war gut, dass wir drei ganze Tage geblieben sind. Jetzt kennen wir den Park — und nehmen unvergessliche Erinnerungen mit.


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Themenstarter388 Beiträge · seit 201718. Nov. 2025 · #26
Samstag, 15. November
Wenn wir am Morgen gewusst hätten, was der Tag für uns bereithält, wären wir nicht so vergnügt ins Auto gestiegen. Aber manchmal ist es besser, man weiß es nicht, und man muss es dann halt aushalten.
Nachts hatte es lange geregnet. Am Morgen um 5:00 war es aber trocken, und als es um 5:45 wieder anfing, war gerade der Kaffee fertig und das Auto so gut wie eingeladen. Also los, ein letzter Game Drive die River Road entlang, zum letzten Mal Elefanten unter den hohen Bäumen in der herrlichen Landschaft sehen, daneben Impalas, Warzenschweine und Paviane, alle auf der Suche nach Früchten des Apfelringbaumes (die Früchte sehen aus wie Apfelringe).
8:30 waren wir draußen, 9:00 an der Grenze. Dort lief ein Elefant zwischen all den LKWs hindurch zu einem Abfallcontainer, wo er sich mit irgendetwas bediente!
Wir dachten, zurück nach Sambia wäre es einfacher. Von Namibia nach Sambia hatten wir auch alles alleine gemacht. Aber hier war Chaos, keiner sagte, was man wo machen soll. Stattdessen erwarteten alle Offiziellen, dass wir wieder einen Grenzführer nahmen. Also machten wir das, für 15 US-Dollar. Dazu kamen Gebühren von 20 US-Dollar und 100 Kwacha. Nach 1,5 Stunden waren wir durch. Andere Touristen, die keinen Führer nahmen und vor uns angekommen waren, warteten immer noch auf irgendetwas.
Die Straße Richtung Lusaka war ok, nicht so voll heute. Im Pick and Pay von Kafue kauften wir ein und fanden wirklich alles, bis auf spezielle Batterien, keine der Norm. Diese brauchten wir für das Nachtsichtgerät, das ich Lindelani geschenkt hatte. Ich hatte eines gekauft, das man aufladen kann, aber die Akkus waren nicht dabei gewesen, was ich nicht wusste. Im China Shop der Mall fand Lindelani tatsächlich diese spezielle Größe.
Wir waren vor 12:00 in Lusaka. Viel Verkehr. In der Stadtmitte ein großer Zirkel, weiter geradeaus auf der T2. Etwas später wurde die Straße plötzlich vierspurig, mit zwei Spuren, die nach links abbogen. Da ich geradeaus musste, bog ich also auf eine der beiden linken Spuren ab.
An der nächsten Ampel wurde ich von einem Traffic Cop angehalten. Sie meinte, ich wäre verbotenerweise über eine durchgezogene Linie gefahren und hätte gefährlich überholt. Das erste ist möglich, das zweite war erfunden. Sie bestand darauf, dass ich sie zur Polizeiwache fuhr, wo sie mich in ein Büro brachte und sich hinter einen Schreibtisch setzte. Sie meinte, sie wäre so nett und würde mir nur eine der Bussen aufschreiben, denn sonst müsste ich bis Montag warten und dann vor Gericht. Sie verlangte 400 Kwacha. Das Formular, das sie ausfüllte, enthielt weder ihren Namen noch die Summe. Als ich auf eine Quittung bestand, meinte sie, dafür müsse ich bis Montag warten. Diese korrupten Traffic Cops finden immer Touristen, die über eine gezogene Linie gefahren sind, damit sie am Wochenende Geld zum Ausgehen haben. Ich habe mich schrecklich geärgert, bin weitergefahren und habe es der Anti-Corruption-Stelle in Sambia via WhatsApp gemeldet. Vielleicht kommt es ja zur Sprache und ändert etwas im Verhalten der Verkehrspolizei.
Die T2 nach Norden wird in Lusaka ausgebaut. Um es kurz zu halten: Wir waren froh, wenn wir mal Schritttempo fuhren, denn meistens ging gar nichts. Zwei Spuren sind zu. Neben den Hauptspuren gibt es teilweise eine Art Schlammstraße daneben, die teilweise benutzt wird, bis sie endet, wo sich dann alle reindrängeln, weshalb dahinter nichts mehr geht.
Wir brauchten sagenhafte 7 Stunden für 52 km!!!
Der schlimmste Stau meines Lebens!
Eigentlich wollten wir gemütlich um 15:00 150 km nördlich von Lusaka bei der Palm Farm campieren und etwas ausruhen. Stattdessen kamen wir kurz nach 20:00 100 km weiter südlich bei der Fringilla Lodge an. Wir waren erstaunlich gelassen und feierten unsere erste heiße Dusche seit Tagen, und das in einem funktionierenden und sauberen Bad!

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zuletzt bearbeitet 18. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201718. Nov. 2025 · #27
Sonntag, 16. November
Ausschlafen, um 7:00 los. Die T2 war noch immer schlimm mit Stau, aber nicht so schlimm wie gestern. Die ersten 50 km schafften wir in einer Stunde. Desto weiter weg wir von Lusaka kamen, desto besser wurde es. Nach 200 km gab es nur noch Stau an den Polizeikontrollen und um die zahlreichen zusammengebrochenen LKWs. Diese standen oder lagen neben der Straße oder auch auf der Straße. Road Kills Sambia-Style!
Als die T2 bei Kapiri Mposhi rechts abbog, wurde es viel besser, und es gab kaum noch Stau. Aber zusammengebrochene LKW immer noch. In Mkushi und Serenje gab es kaum Diesel und nur an Tankstellen, wo man bar zahlen musste, weil das Kartenlesegerät nicht funktionierte. So verbrauchten wir fast unsere letzten Kwacha.
Anstatt 7 Stunden brauchten wir 9 Stunden zum Camp. Aber immerhin: Kurz nach 15:00 waren wir am Eingang des Kasanka-Nationalparks, des Hauptziels unserer Reise (fast hätte ich Exkursion geschrieben). Um 16:00 waren wir in unserem Camp, dem Platoon Camp, welches am nächsten zu dem Wald mit den Flughunden ist!
Kasanka ist berühmt für seine Wanderung von Palmflughunden, den straw-coloured flying foxes, die hier zahlreich Ende Oktober aus Zentral- und Ostafrika eintreffen und bis Ende Dezember bleiben. Es ist wohl die größte Tierwanderung weltweit, zumindest für Säugetiere. Wobei frühere Zählungen weit übertrieben waren: Meist liest man von 8–10 Millionen Flughunden, die hier zusammenkommen sollen. Meine Kollegin Dina Dechmann vom MPI in Konstanz (sie war Doktorandin an der Zoologie in Zürich, als ich dort Assistent war) hat 2019 mit zahlreichen Kameras und statistischen Methoden zur Bildauswertung aber nur etwa 860.000 Flughunde gezählt, maximal 1,2 Millionen. Da keinem der Parkangestellten eine derart drastische Verringerung der Population bewusst war, waren vorherige Schätzungen, die zwischen 1,2 Millionen und 10 Millionen lagen, wohl recht ungenau. Jetzt wäre es eigentlich wichtig, zum Schutz der Tiere jährliche Bestandsaufnahmen zu machen. Aber seit der Direktor des Kasanka Trusts vor wenigen Jahren mit dem ganzen Geld abgehauen ist, passiert hier nichts mehr, und auch die Infrastruktur verfällt.
Auch warum die Flughunde hierherkommen, ist nicht klar. Es gibt hier einen gut geschützten Wald im Moor, wo die Tiere den Tag verbringen. Nachts fliegen sie los, in einem Umkreis von gut 50 km, um sich von Früchten zu ernähren. Vor allem von Mangos, die hier überall angebaut werden. Da die Tiere bevorzugt überreife Früchte fressen, die nicht mehr geerntet werden können, den Baum aber immer noch Kraft kosten, sind sie womöglich für die Bauern sogar von Vorteil. Und die Tiere verteilen sich ja über ein sehr großes Gebiet, und es sind mir keine Klagen über eine Flughundinvasion in den Obstplantagen bekannt.
Abholzung und Änderung des Anbaus der Bauern sind hingegen eine Gefahr für die Flughunde. Aber wie gesagt, bis 2019 wusste man gar nicht genau, wie viele es gibt. Und niemand weiß, ob es mehr oder weniger werden. Noch nicht einmal, von wo genau sie kommen und welche Gefahren ihnen dort drohen. Denn in Kasanka pflanzen sie sich nicht fort. Die Kinderstuben, kritisch für den Erhalt der Population, liegen woanders.
Um 17:00 fuhren wir los zum „Public Viewing“-Areal, wo man die Tiere beobachten kann, beim Fibwe Hide. Allerdings gab es nicht wie gehofft einen Hochstand, von wo aus man die Tiere in den Bäumen beobachten kann, bevor sie losfliegen. Stattdessen wateten wir durch einen Sumpf auf eine offene Wiese. Es gab ein paar Bretter, aber ein Feuer hatte den Steg und die Sitzbänke zerstört. Neben uns waren noch sechs weitere Touristen da, die aber im Schilfgürtel blieben, da sie nicht durch den Sumpf waten wollten.
Wir wussten nicht genau, was wir wo erwarten sollten. Da die anderen Touristen aber einen Guide aus Lusaka dabei hatten und alle nach links schauten, machten wir das auch. Da war ein kleines Wäldchen einige hundert Meter entfernt.
Um 18:00 stiegen dann die ersten Flughunde auf, und schnell wurden es mehr und mehr. Und mehr und noch mehr! Der Himmel färbte sich fast schwarz, die Tiere flogen in einer nicht endenden Welle vom Wald her über uns hinweg ins Umland. Das Flattern der Flügel schwebte wie ein permanentes Rauschen durch die Luft. Es war ein atemberaubendes Naturschaubild, so unendlich viele Tiere! Dabei flogen sie recht langsam, fast gemütlich über uns hinweg.
Nach gut 30 Minuten war das Schauspiel vorbei und wir fuhren im Dunkeln zurück zum Camp. Die Camp Attendants hatten uns ein Feuer gemacht. Allerdings machte das so gut wie keine brauchbaren Kohlen, sodass unser Grillfleisch am Ende eher Dörrfleisch war. Für eine heiße Dusche machten sie Wasser in einem Topf über Feuer heiß und füllten das dann in eine Tonne bei den Ablutions, für eine warme Dusche. Wir teilten die Ablutions mit Camp 2, wo Südafrikaner waren. Sie bekamen die Dusche in der Mitte, wir die ganz rechts. Ich sagte Lindelani, wir müssten aufpassen, dass wir noch warmes Wasser bekommen, weil die sicher unseres nehmen, wenn ihres aufgebraucht ist. Aber Lindelani ging schnell duschen und genoss das warme Wasser.
Als ich fast zwei Stunden später nach dem Essen ging, war ein altes südafrikanisches Pärchen in unserer Dusche. Ich fragte, warum sie meine und nicht ihre Dusche gebrauchen, worauf sie antworteten, dass in ihrer Dusche kein warmes Wasser mehr wäre, da alles benutzt wurde. Ich war alles andere als erfreut und machte das lautstark klar. Dann gab es noch viele Ausreden und sich ausschließende Lügen etc., warum sie in unserer Dusche waren. Kein schönes Erlebnis, und nicht das erste Mal, dass uns im Camp Südafrikaner das ganze warme Wasser weggeduscht haben! Viele von denen denken immer noch, in Afrika gehöre ihnen alles, und sie hätten das Recht, lange warm zu duschen, und wenn das Wasser weg ist, nehmen sie halt das nächste. Immerhin, es war noch etwas warmes Wasser da, und ich hätte auch kein Problem mit einer „kalten“ Dusche gehabt. Aber ich habe ein Problem mit Leuten, die sich nehmen, was sie wollen, und keine Rücksicht auf andere nehmen.

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zuletzt bearbeitet 19. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201718. Nov. 2025 · #28
Montag 17. November
Nachts regnete es stark. Auch um 4:30 noch. Eigentlich hatten wir zurück zu den Flughunden gewollt, um zu sehen, wie sie am frühen Morgen zurückkehren. Aber dann entschlossen wir uns auf Ausschlafen aus.
Ich war doch sehr erschöpft von der Fahrerei der letzten Tage und kam erst um 8:00 aus dem Zelt. Das erste Mal auf dem Trip, dass Lindelani vor mir aufstand.
Kaffee, dann auf den Hide direkt neben dem Camp, von wo aus man eine kleine Lichtung einsehen kann. Kasanka ist angeblich der beste Ort in Afrika (und somit weltweit), um die scheue Sitatunga zu beobachten, eine Moorantilope, die hier in den Sümpfen lebt. Sie ist etwas kleiner als ein Springbok, mit einer Schulterhöhe von etwa einem Meter und einem Körpergewicht von gut 50 kg bei den Weibchen, wobei die Männchen doppelt so schwer werden können. Ihr Fell hat ein schönes Mokkabraun mit einem weißen Halskragen. Nur die Männchen haben Hörner.
Tatsächlich sieht man Sitatungas häufig im Park, und tatsächlich sind sie scheu. Die viel häufigeren Pukus sind einfacher zu fotografieren. Tatsächlich sind die Pukus hier so gewöhnlich, dass man sie die Impalas von Kasanka nennen könnte. Aber die Sitatungas rennen leider weg, wenn man anhält, und es ist schwer, gute Fotos zu bekommen.
Um 9:00 fuhren wir los auf eine Pirschfahrt. So viel vornweg: Kasanka ist nicht für Pirschfahrten gemacht. Egal, wir fuhren zur Luwombwa Lodge, keine 15 km entfernt. Aber wir fuhren langsam, sahen eine Schildkröte (Terrapin), viele Pukus und als Höhepunkt einen Grysbok, eine kleine, duikerähnliche Antilope. An der Lodge angekommen, wollten wir uns über mögliche Kanufahrten informieren. Es war aber niemand da, außer einem weißen Reiseführer aus Lusaka, den wir schon gestern Abend getroffen hatten. Seine Kunden waren mit dem Kanu unterwegs mit Führer, dem einzigen Mann, der bei der „Lodge“ zurzeit war. Immerhin erfuhren wir so Preise etc. Morgen wollen wir zurückkommen.
Auf dem Rückweg fuhren wir zu den Chikufwe Plains, wo wir einen stattlichen Elefantenbullen sahen, und dann weiter zur Kafübashi Plain. Diesen 4 km langen Waldweg schien schon lange niemand mehr genommen zu haben. Nach 3 km lag ein vom Sturm frisch gefällter Baum über dem Weg, den man nicht umfahren konnte. Ich nahm meine Machete, meine Panga, raus. Positiv erzählt: Nach gut 10 Minuten war der Baum entzwei, so dass wir ihn wegziehen und weiterfahren konnten. Aber es war doch sehr anstrengend. Zwei Blasen auf meiner rechten Hand sagen, ich hätte besser umkehren sollen. Immerhin, kurz vor dem Camp sahen wir noch schön einen Levaillant-Kuckuck und im Fluss das Nilpferd.
In Kasanka sahen wir dann noch die dritte Pavianart unserer Reise, den Kindapavian. Früher wurde der als Unterart des Gelben Pavians angesehen, aber genetische Studien zeigten, dass es sich um eine eigene Art handelt. Er ist in Fellfarbe und Proportionen dem Yellow Baboon sehr ähnlich, aber deutlich kleiner. Manche haben auf dem Kopf eine Art Kranz aus Haaren, und die Haut um die Augen herum ist leicht rosa. Leider sind die Tiere sehr scheu und es ist schwierig, sie zu fotografieren.
Den Nachmittag verbrachten wir gemütlich im Camp. Ein Ausflug zur Lodge, wo es immer noch keinen Strom gibt (Inverter durchgebrannt) und somit kein Starlink-Internet. Hier informieren wir uns, wann und wie das Bat Experience stattfindet.
Alleine darf man offiziell in Kasanka nur zur Public Viewing Area gehen, um die Flughunde zu sehen. Es gibt dazu zahlreiche Plattformen, die näher an der Kolonie sind. Hier muss man 30 Dollar pro Person zahlen, um dorthin mit einem Guide zu gehen. Dieser Guide ist dazu da, um lokale Arbeitsplätze zu schaffen, also eigentlich unnötig für einen selber. Wirklich auskennen mit der Biologie der Tiere tun sie sich nicht. Keiner von denen kannte meine Kollegin, welche 2019 die beste Studie zur Zählung der Tiere durchgeführt hat. So sind es eben immer noch 8 Millionen Flughunde für die Touristen.
Die 30 Dollar sind schon viel, für 45 Minuten Flughunde beobachten. Hätten wir das jeden Morgen und Abend gemacht, hätte sich das bei uns zu 360 Dollar summiert! Ich fände es besser, die Parkgebühren von 7 auf 20 Dollar pro Tag zu erhöhen und man darf überall hin. Aber das schafft natürlich keine Arbeitsplätze.
Enttäuschend ist auch, dass man entgegen dem, was in den Werbevideos des Nationalparks suggeriert wird, nirgends die Flughunde sehen kann, wie sie in großen Trauben von den Bäumen hängen. Alle Plattformen sind weit, mehrere hundert Meter weg von den Schlafbäumen. Warum? Weiß ich nicht. In Indien, Australien und anderswo sind Flughundkolonien häufig in Stadtparks anzutreffen, und die Tiere lassen sich durch die vielen Menschen dort nicht stören. Die Bäume sind wohl in einem Sumpf, aber Menschen wissen ja, wie man Stege anlegt. Für uns war das etwas enttäuschend. Ich habe kein einziges Foto, auf dem man die Tiere gut erkennen kann.
Egal, das Schauspiel, das wir von der Plattform aus beobachten konnten, war wieder atemberaubend. Immerhin waren wir etwas näher an der Kolonie als am Abend davor und konnten die Tiere beobachten, wie sie aus dem kleinen Wäldchen aufstiegen, erst viele, dann sehr viele, dann Massen von Flughunden, die den Himmel schwarz färbten. Zuerst flogen alle weg von uns, Richtung Osten, später aber auch viele über uns hinweg. Die meisten scheinen aber nach Osten zu fliegen. Zwei Kronenadler erschienen und setzten sich in einen Baum, aber wir sahen sie nicht jagen. Sie schienen eher etwas desorientiert. Wir waren auf der Plattform mit 10 anderen Touristen und nicht wie gestern alleine. So werden die Videos einiges an Kommentar der anderen haben. Auch wurde das Fotografieren mit Tele dadurch erschwert, da die Planken unter meinen Füßen durch das Hin- und Herlaufen der Leute schwankten. Hinter uns zog derweil eine kleine Elefantenherde durch das grüne Gras. Nach weniger als 45 Minuten war das Schauspiel vorbei.
Zurück im Camp erwarteten uns dann die unerwarteten Highlights des Tages. Da das Holz hier, von den Camp Attendants aus dem Wald geholt, kaum brauchbare Kohlen macht, hatten wir schon am Nachmittag gegessen: Pizza auf Kohlen, die in 2 Stunden Lagerfeuer produziert worden waren. Deshalb hatten wir es jetzt ruhig. Und da unser Licht die Nacht davor Myriaden von Insekten angezogen hatte, ließen wir es aus und genossen die Ruhe der Nacht mit dem langsam vor sich hin brennenden Lagerfeuer, das wenig Licht produzierte.
Plötzlich rief mich Lindelani von den Duschen her: Ich griff nach Spotlight und Handy und beeilte mich: Im Untergebüsch war eine riesige Ratte, mit herzlichem Gesicht, hellbraunem Fell und langem Schwanz, dessen zweite Hälfte weiß war. Mir fiel nur die Gambia-Riesenratte ein, und zurück im Camp bestätigte der Field Guide dies, wir sind im südlichen Verbreitungsgebiet. Diese Riesenratten, bis zu 80 cm lang (die Hälfte davon ist der Schwanz) und bis zu 3 kg schwer, wurden weltweit berühmt als Minensucher in Mosambik. Mit ihrer feinen Nase können sie auch Krebs und Tuberkulose in medizinischen Proben erschnüffeln.
Das Exemplar hier war deutlich kleiner, vielleicht 60 cm lang und 1 kg schwer, aber immer noch stattlich. Es war ein Weibchen und recht relaxt. Wir konnten es aus weniger als 2 Meter Entfernung lange im Unterholz beobachten, wo es ruhig dastand und sich kaum bewegte. Allerdings waren ständig Äste zwischen dem Tier und der Kamera. Aber 30 Minuten später hatten wir wieder eine Riesenratte, wahrscheinlich dasselbe Individuum, direkt neben dem Camp, auf einem Baumstamm posierend, wie für National Geographic. Wieder war das Weibchen erstaunlich relaxt, bewegte sich langsam und alles andere als hektisch und hatte nichts gegen unsere Annäherung. Dabei suchte das Tier nicht nach Essensresten im Camp (ja, ich habe ein paar Brotkrümel hingeworfen, die ignoriert wurden, auch nachdem wir weg waren), sondern es suchte im Laub nach Nahrung. Dieses tolle Nagetier so nahe und so friedlich zu sehen, war für uns das Highlight des Tages, aber erst der erste von drei Highlights des Abends.
Nun liefen wir los zum Spotlighting, die Straße von unserem Camp zum Haus der Camp Attendants. Diese hatten uns bestätigt, dass es hier Buschbabys gibt. Also leuchteten wir in die Bäume, sahen aber nichts. Kurz vor dem Haus der Attendants kehrten wir um, wir wollten sie nicht stören. Da kam nach einer Weile einer der zwei uns nachgerannt: Bei ihnen im Camp wäre ein Buschbaby!
Also zurück, und dort den Baum absuchend, wo sie das Tier gesehen hatten. Dank unseres starken Spotlights und vor allem dank der sehr guten Augen der Attendants entdeckten wir schließlich das Tier. Wir selber hätten es nie gefunden. Es war ein Silvery Galago, nahe mit dem Greater Galago verwandt, das größte der Buschbabys, mit einem Gewicht von über 1 kg.
Erst sahen wir fast nichts außer einem Fleck Fell ganz oben in der Baumkrone. Aber nach einiger Zeit wurde es dem Tier zu blöd mit uns, und es lief weg, sprang von Baum zu Baum und rannte die Äste entlang. Nun konnten wir es gut erkennen, es war ein großes Männchen mit deutlich ausgeprägten Halsdrüsen. Die Attendants wollten das Tier noch weiter verfolgen, aber wir hatten es genug gestört und ließen den Galago nun in Ruhe. Wir hatten ja auch genug gesehen.
Zurück im Camp lief ich noch den kurzen Weg zur Lichtung runter. Ich rief Lindelani, sie solle mitkommen, und es ärgert sie jetzt noch, dass sie es nicht tat!
Unten angekommen sah ich links im Spotlight mehrere Pukus, rechts eine Sitatunga. Alle unbeeindruckt von meiner Anwesenheit. Nichts Besonderes. Ich leuchtete nochmals umher, als ich nur 10 Meter entfernt von mir eine riesige Manguste sah, dunkelbraun, sicher dreimal so schwer wie die mir so wohlbekannte Yellow Mongoose. Es war eine Wassermanguste. Diese Tiere können bis zu 5 kg schwer werden, und dieses hier war sicherlich mehrere Kilogramm schwer. Nicht wirklich selten und weit verbreitet in feuchten Gegenden des südlichen Afrikas sieht man diese nachtaktiven, in Mooren und entlang von Flüssen und Bächen vorkommenden Tiere doch sehr selten. Das Exemplar hier war nicht besonders scheu und lief relaxt auf ein Feld von Schilf zu, immer näher an mich heran, bis es weniger als 5 Meter von mir entfernt im Schilf verschwand. Da das Zoom meines Handys immer noch auf 30x stand, wegen des Galagos, und ich mit dem Spotlight in der einen, dem Handy in der anderen Hand zu kämpfen hatte, gelang mir aber kein Foto. Trotzdem ein tolles Ende dieses schönen Tages.


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Themenstarter388 Beiträge · seit 201719. Nov. 2025 · #29
Dienstag, 18. November
Nachts regnete es erst, dann schüttete es. Als um 4:20 der Wecker klingelte, regnete es immer noch stark. Also wieder kein Morgen, um die Rückkehr der Flughunde zu beobachten.
Es regnete den ganzen Vormittag. Um 6 standen wir auf und suchten Schutz unter dem Dach des kleinen Rondavels am Camp. Kaffee, Tee, Lesen und Schreiben bis kurz vor 10:00. Dann zur Lodge. Der Generator lief und das Internet halbwegs. Zumindest im Auto war der Empfang okay, aber nicht bei der Rezeption.
11:30 zurück. Der Regen hatte aufgehört, aber der Himmel war immer noch grau. Feuer mit dem schrecklichen, nun noch schrecklich nassen Holz gemacht. Nach gut 2 Stunden war es möglich, darauf zu grillen, zumindest Rind medium. Immerhin wurde der Himmel blauer, aber zu spät, um noch die Kanutour zu machen, die wir für den Morgen geplant hatten. Immerhin sah ich einen Sitatunga-Bock gut auf der Lichtung vor dem Camp und konnte endlich passable Fotos machen.
Um 16:00 Uhr räumten wir das Auto ein, damit wir das nicht später im Dunkeln machen mussten. Um 17:00 Uhr fuhren wir langsam zum Public-Viewing-Areal.
Wobei, zuerst versuchten wir unser Glück beim BBC Public Hide, doch dieser war abgebrannt. Dann beim offiziellen BBC Hide, doch dieser war zusammengebrochen. Also doch zum Public Viewing.
Dort angekommen, zogen wir vor dem letzten Stück die Schuhe aus und wateten barfuß durch den Sumpf zu der offenen Wiese. Wir waren die einzigen hier und genossen es! Ja, es war weiter weg vom Wald als die Plattformen. Aber das Schauspiel war wieder spektakulär, und hier waren wir viel mehr in der Flugbahn der großen Fledermäuse, die aus dem Wald aufstiegen und dann wie eine große, langsam flatternde Wolke über uns hinwegzogen. Beeindruckend war, wie langsam und gemütlich sie die Flügel schlugen, viel langsamer als Vögel. Auffallend auch, wie fast alle vom Wald weg ins Umland ziehen, es aber immer wieder einzelne gibt, die umzukehren scheinen, gegen den Strom fliegen oder 90 Grad davon. Ich versuchte, diesen Tieren mit den Augen zu folgen, verlor sie dann aber immer wieder. Wahrscheinlich sind sie dann schon irgendwann wieder umgekehrt.
(Zoologischer Einschub: Bei den Fledermäusen, Ordnung Chiroptera, unterscheidet man zwischen den Microchiroptera, den eigentlichen Fledermäusen mit über 1200 Arten, die vor allem Insekten, Fische etc. essen (oder Blut), aber auch viele Pflanzen bestäuben, und den Flughunden, Megachiroptera, mit nur etwa 200 Arten, die alle Pflanzenfresser sind (Obst, Blüten, Nektar; auch sie sind wichtige Bestäuber). Die ältesten Fossilien sind von Microchiroptera, 50 Millionen Jahre alt und schon mit allen Merkmalen dieser Gruppe. Nur die Microchiroptera haben Echoortung, die Flughunde orientieren sich visuell und per Geruch. Die beiden Gruppen haben sich vor etwa 60 Millionen Jahren getrennt, und die Echoortung ist eben nur bei den kleinen Fledermäusen evolutiv entstanden.)
Auf der kurzen Nachtfahrt zum Camp gab es noch zwei Highlights: Erst trottete eine Rotte Buschschweine mit drei ganz kleinen Ferkeln über die Straße. Kurz danach sahen wir eine Ginsterkatze. Absolutes Highlight war dann aber eine Bindenfischereule (Pel’s Fishing Owl), die wir auf der Lichtung vor dem Camp sahen. Als wir die Art in der App nachschauten und deren Laute abspielten, kam sie sogar direkt ins Camp und schaute uns interessiert von einem großen Baum herab an.


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zuletzt bearbeitet 19. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201719. Nov. 2025 · #30
Mittwoch 19. November
Heute Nacht war es trocken geblieben. Also um 4:20 aus den Federn, 4:35 los, und kurz vor 5:00 beim Public Viewing. Zwar sahen wir viele Flughunde zum Wald zurückfliegen, aber es war bei weitem nicht so beeindruckend wie am Abend. Eher kleine Grüppchen. Vielleicht waren wir zu spät? Aber noch früher, dann wäre der Himmel nicht von Flughunden, sondern von der Nacht schwarz gewesen, ging doch gerade erst die Sonne auf.
Nun beginnt sie also, unsere lange Rückfahrt von gut 3200 km, mit Viktoriafällen, Caprivi und Khaudum auf dem Weg. Eine Woche Zeit haben wir dafür. Erster Stopp: Victoriafälle. Aber zu weit für einen Tag.
Lange haben wir diskutiert, wie wir dorthin kommen. Die offensichtliche Route via Lusaka jagte uns Angst ein, wegen des schrecklichen Staus an der T2. Eine Ostumfahrung von 1,5 Stunden, aber ist man nicht doch im Stau? Eine Westumfahrung von fast 3 Stunden via Mumbwa? Und dann vielleicht nicht links nach Lusaka, sondern rechts zum Kafue und dort die Spinal Road lang? Wir waren uns unsicher.
Erstmal Kasanka um 6:00 verlassen und auf der T2 Richtung Lusaka. Anfangs natürlich kein Verkehr, dann mehr und mehr LKWs, vor allem ab Kapiri Mposhi. Auf der Straße, aber auch viele neben der Straße liegengeblieben. Wobei viele auch direkt auf der Straße den Geist aufgegeben haben.
Trotzdem: Im Vergleich zum Samstag war wenig Verkehr, keine Staus bisher. Bis Fringilla war alles gut, und dort meinten sowohl Google Maps als auch Waze, dass der Verkehr durch Lusaka heute nicht so katastrophal wäre. Also fuhren wir weiter. Und ja, es gab Stau und Stadtverkehr, aber wir verloren nur 2 Stunden und waren dann durch die Stadt durch. Wir fuhren etwas weiter Richtung Kafue und fanden bei der Shambololo Lodge abseits der Straße um 17:30 einen herrlichen, ruhigen Campingplatz, mit Rasen, Unterstand, heißem Wasser, direkt an einem See mit vielen Reihern, ganz für uns alleine!


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Themenstarter388 Beiträge · seit 201721. Nov. 2025 · #32
Donnerstag, 20. November
Um 6:00 losgefahren. Um Kafue herum war viel Verkehr und einiges an Baustellen, aber wir kamen voran. Als wir auf die T1 abbogen, wurde es aber bald deutlich besser: kaum noch LKWs und kaum noch Schlaglöcher. Da es häufig durch Ortschaften ging, waren wir aber trotzdem nicht zu schnell. Nach 2 Stunden Fahrt, ich glaube, es war in Monze, kauften wir noch bei einem Shoprite etwas ein und ließen bei einem Reifendealer einen der Reifen reparieren, den ich in Kasanka hatte wechseln müssen, da er Luft verlor. Auf der langen Teerstraße wäre der sonst sicher ganz kaputt gegangen. Der Puncture war winzig klein und kaum zu finden.
Kurz nach 14:00 waren wir dann in Livingstone. Wir hatten den Campingplatz an der Victoria Waterfront ausgesucht, da es hieß, der wäre direkt am Wasser. Ist er aber nicht, bzw. man kann den Sambesi nur vom Restaurant der Lodge aus sehen, nicht vom Campingplatz. Außerdem war er von Moskitos verseucht, ist in der Gegend aber wahrscheinlich überall so. Ansonsten war der Platz ganz ok.
Viel Zeit verbrachten wir dort eh nicht. Gegen 15:30 fuhren wir zu den Victoriafällen in Sambia. 15:45 waren wir drin, 20 US-Dollar Eintritt pro Person.
Wir hatten etwas Bedenken, dass es kaum Wasser in Sambia geben würde, die Fälle trocken wären, da es bisher kaum geregnet hatte und somit noch fast Ende der Trockenzeit war.
Aber wir waren doch begeistert: Die Fälle am Eastern Cataract in Sambia waren beeindruckend. Wir gingen erst nach rechts, zum Ende der Fälle und der Wasserkante. Da der Wasserstand sehr niedrig war, hätte man hier theoretisch durch den Fluss waten können, zu Livingstone Island und den Devil’s Pools. Ist aber verboten, man muss es mit einem Veranstalter machen, der für die kurze nasse Wanderung 120 US-Dollar pro Person nimmt. Zu viel für uns!
Also zurück, an den herrlichen Fällen vorbei, über den Steg und die „Knife Edge“ genannte 40 Meter lange Brücke, von wo aus man weitere schöne Aussichten hatte. Wir sind die ganzen Wege gelaufen und waren um 17:00 beim Abstieg zum Boiling Pot, wo man runter in die Schlucht laufen kann, was 15 Minuten runter und 25 Minuten hoch dauert. Allerdings war die Strecke geschlossen, wird jeden Tag um 16:00 zugemacht. Hätten wir das vorher gewusst, wären wir hierher zuerst gegangen.
So genossen wir noch bis 17:30 die Fälle und gingen dann zu den Souvenirshops, was wir weniger genossen. Spaß hat das da keinen gemacht, und außer einem Magneten für den Kühlschrank für 60 Kwacha haben wir nichts gekauft.
Danach gingen wir zum Avani Resort, wo wir den Abend in der Boma gebucht haben: Buffet und Musik und Tänze, für 55 US-Dollar pro Person. Enttäuschend war der Sangoma dort, der uns beiden dieselbe Zukunft vorhersagte (wortgleich), ohne irgendetwas vorherzusagen. Der Geschichtenerzähler am Anfang war aber super, so auch die Musikanten und später die Tänzer. Wobei ich nicht glaube, dass die Masken traditionell aus Sambia sind, sondern angelehnt an Masken aus Westafrika und dann für die Touristen doppelt so groß gemacht. Wobei eine der Masken klar eine Hexe aus der Fasnet des Schwarzwaldes darstellte, wobei der Tänzer sogar die Hexenkichereien nachmachte, die ich von den Umzügen daheim kenne. Aber egal, sie haben es toll gemacht, und das, obwohl das Publikum sehr klein war: Außer uns waren nur vier andere Gruppen da, insgesamt nur 12 Personen! Und das Essen war auch super, vor allem das Krokodil, das viel besser zubereitet war, als ich es mache. Und alles war schmackhaft und gut gewürzt und nicht so geschmacklos, wie man es von vielen Touristenhotels kennt. Alles in allem ein gutes Ende unseres Aufenthaltes in Sambia!

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zuletzt bearbeitet 22. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201723. Nov. 2025 · #33
Freitag, 21. November
Viertel vor 6:00 waren wir an der Grenze. Allerdings machte die erst um 6:00 auf, und dann mussten noch die Computer hochgefahren werden. Um 6:30 waren endlich unsere Pässe in Sambia gestempelt.
Das Auto blieb an der Grenze und wir liefen die gut 500 Meter zum Grenzposten von Zimbabwe, wobei wir auch die berühmte Eisenbahnbrücke überquerten. Da ich in Chirundu ein Visum für multiple entries bekommen hatte, ging es hier schnell. Kurz vor 7:00 waren wir beim zimbabwischen Eingang zu den Victoriafällen, der direkt hinter dem Grenzgebäude ist.
Unser erster Eindruck von den Victoriafällen in Zimbabwe war weniger stark als angenommen. Tatsächlich waren wir gestern in Sambia mehr beeindruckt gewesen. Trotzdem war die hohe Gischt, die hier wie ein kleiner Atompilz von den Fällen in den Himmel steigt, beeindruckend. Da es bisher kaum geregnet hatte, war es aber viel weniger als in anderen Monaten. Selbst dort, wo man den Fällen am nächsten kam, wurde man kaum nass.
Was uns hier am besten gefiel: der herrliche Regenbogen neben den Fällen, teilweise als doppelter Regenbogen. Jetzt in der Morgensonne war dieser Regenbogen stark ausgeprägt. Er war aber nur halb und endete fast abrupt mitten im Himmel, wo die Gischt aufhörte, was dem Ganzen einen surrealen Touch gab.

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Auf jeden Fall war es gut, dass wir die Fälle von beiden Seiten aus gesehen haben. Nach zwei Stunden waren wir fertig und um 10:00 zurück am Auto in Sambia. Nun ging es zum dritten Land des Tages, Botswana! Auf der kurzen Fahrt nach Kasane wurden wir noch von korrupten sambischen Polizisten kurz vor der Grenze aufgehalten, wegen einer Community Tax, die wir bei der Einreise bezahlt hatten. Auch hatten wir fast keine Kwacha mehr. Wir gaben ihnen unsere letzten 40 Kwacha, um Ruhe zu haben, natürlich ohne Quittung.
Wenige Kilometer später ging es über die neue Brücke nach Botswana hinüber. Dort wollte einer unbedingt, dass wir 1000 Pula wechseln, weil wir die brauchen würden. Zum Glück haben wir das nicht gemacht, denn an der Grenze konnten wir die Gebühren von 200 + 220 Pula (Brückenmaut und Straßennutzungsgebühr) problemlos mit Karte zahlen.
Das Grenzgebäude hier ist sehr modern und schick und hat Schalter von Botswana und Sambia in derselben großen, hellen Halle. Bei Botswana ist alles super organisiert, schnell und schön anzusehen. Das scheint auf die sambischen Grenzbeamten abzufärben, die hier viel besser gekleidet sind als an den anderen Grenzen. Alles lief wie am Schnürchen und nach nicht viel mehr als 30 Minuten war alles erledigt. Selbst der Check des Autos ging schnell: Wir mussten nur unsere Schuhe desinfizieren, auch die Zusatzschuhe im Auto; der Kontrollblick in den Kühlschrank blieb uns erspart, und das war’s. Alles schnell, effizient und freundlich. Nach den schockierenden Grenzübertritten der letzten Wochen fühlten wir uns ganz komisch, als ob irgendetwas fehlt, irgendetwas falsch wäre. Dabei könnte es überall so gehen!
Gegen 12:30 waren wir an der Chobe Safari Lodge, die jedes Jahr größer zu werden scheint. Es dauerte gut eine Stunde, bis ich den Campingplatz bezahlt hatte, Dollar in Pula getauscht und die River Safari für den Nachmittag gebucht hatte.
Aber so hatten wir noch Zeit, um an den Pool der schönen Lodge zu gehen. Alles war so schön, sauber und perfekt, dass wir uns nach Wochen im Busch etwas fehl am Platz fühlten. Aber mit der kühlen Cola und der Portion herrlicher Pommes am Pool fühlten wir uns dann doch sehr wohl.

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Die River Safari ging von 15:00 bis 18:00 Uhr und war einfach herrlich. Der Chobe-Fluss ist einfach wie gemacht dafür. Wir sahen Kudus, Lechwe, Pukus, ein paar Elefanten, Büffel, viele Krokodile und sehr viele Nilpferde. Absolutes Highlight für uns waren die Afrikascherenschnäbel (African Skimmer), herrliche Vögel mit knallrotem Schnabel, Seeschwalben ähnlich, die kleine Fische im Flug aus dem Fluss fischen.

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zuletzt bearbeitet 23. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201723. Nov. 2025 · #34
Samstag 22. November
Wenn man sich besonders viel an einem Tag vornimmt, damit der nächste Tag dann umso ruhiger wird, dann geht das manchmal unerwarteterweise nach hinten los.
6:00 Uhr waren wir am Gate des Chobe-Nationalparks. Heute Morgen wollten wir hier entlang des Flusses durchfahren. Die Sichtungen waren zum größten Teil dieselben wie am Tag davor vom Boot aus, aber nicht so nahe. Absoluter Höhepunkt waren zwei große alte Löwenmännchen neben der Straße, mit riesiger Mähne und gelben Zähnen, die Eckzähne zum größten Teil abgebrochen. Wohl ehemalige Paschas eines Rudels, nun vertrieben, aber immer noch würdevoll. Weniger würdevoll waren die gut 10 Autos mit Touristen, die hier rumstanden, also fuhren wir bald weiter.
Nach Frühstück am Fluss mit Büffelherde waren wir um 9:00 aus dem Park draußen und auch direkt an der Grenze. Ein botswanischer Verkehrspolizist wollte witzig sein und mit Pantomime meinen Scheinwerfer und Blinker testen, ich war nur genervt von dem Rumgehüpfe. An der Grenze lief es aber schnell, und wir waren bald drüben.

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Nun die Fahrt durch den Caprivi. Als wir vom heißen und trockenen Namaqualand hier vor drei Wochen hochkamen, kam uns alles so exotisch vor. Nun nach Sambia fast langweilig. Eigentlich waren hier zwei mögliche Übernachtungen eingeplant, aber nun doch nicht nötig.
14:00 Uhr waren wir in Divundu, Auto auffüllen mit Diesel und Wasser. Leider kontrollierte ich nicht, dass der Mann von der Tankstelle auch den Wassertank zumachte, als er fertig war. So lief später das meiste raus.
Es war noch früh, und wir beschlossen, es heute bis zu Khaudum zu schaffen, unserer zweiten Heimat, richtig in den Busch. 81 km später bogen wir ein auf die 46 km lange und sehr tiefe Sandpiste. Um die Tageszeit war der Sand heiß und locker. Wir erniedrigten den Reifendruck auf 1,2 Bar vorne und 1,5 Bar hinten. Dann nahmen wir noch einen Anhalter mit, der zu einem Dorf 16 km weiter weg neben der Sandpiste wollte.
Die Fahrt war anstrengend und holprig. Im Low Range kämpfte sich der Land Cruiser vorwärts, wurde heiß. Verbraucht sicher unglaublich viel Diesel. Aber dass die Tankanzeige so schnell runterging, kam mir nach 10 km doch komisch vor. Noch 6 km zum Dorf, wo wir kontrollieren wollten.
Als Lindelani ausstieg und unter das Auto guckte, schrie sie sofort, wir verlieren Diesel. Lief einfach so raus. Hektik. Schnell die Waschschüssel, schnell drunterlegen, schnell den Fehler finden, das Auslaufen verhindern. Dabei war das Auto schrecklich heiß, ich verbrannte mir die Finger. Auch das Diesel war sehr heiß, kaum auszuhalten.
Ich kletterte unter das Auto. Sand fiel mir in die Augen, heißes Diesel über die Hände. Schließlich gelang es uns, mit Kabelbindern eine Leitung so hochzuhalten, dass nichts mehr auslief. In die zweite Öffnung stopfte ich einen Fetzen Stoff, der das meiste aufhielt. Gut 15 Liter hatten wir in der Wanne aufgefangen.
Nun etwas Ruhe und Zeit zum Reflektieren. Hinter unserem Auto lief eine Dieselspur durch den Sand. Wohl ein Ast auf dem Weg hatte die Leitung zwischen den beiden Tanks abgerissen. Es war eine einfache Plastikleitung, wahrscheinlich lang genug, dass ich sie wieder verbinden können sollte.
Aber das Auto war zu heiß. 15 Minuten warten. Dann wieder unter das Auto. Mit einem Schraubenzieher gelang es mir, die Klemme am Anfang der Leitung zu öffnen und das kleine, abgebrochene Stück Schlauch zu entfernen, und wieder mit Stoff zu verschließen. Mit meinem Taschenmesser (das aus der Hosentasche in den Sand von Khaudum verschwand) konnte ich am anderen Schlauchende ein Stück abschneiden, so dass es wieder gerade war, und dann den Schlauch verbinden, mit der Klemme.
Nach 45 Minuten waren wir wieder unterwegs.
Noch 30 km zum Gate, um 18:00 sollten wir im Camp sein.
10 km später platzte ein Reifen! Also auch noch den ersetzen!
18:20 am Gate war niemand da, die Büros offen. Aber wir konnten reinfahren, das Gate war offen. 19:00 waren wir im Camp. Auch hier niemand da. Aber wir kennen uns ja aus, nahmen Camp 4, machten sofort den Donkey an, grillten, und wuschen dann mit warmem Wasser Diesel, Dreck und Sand weg, während unten im Tal die Löwen brüllten.



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zuletzt bearbeitet 23. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201724. Nov. 2025 · #35
Sonntag 23. November
Wunderschöner Sonnenaufgang in Khaudum! Weniger schön: Das andere Hinterrad ist über Nacht platt geworden. Also mit dem letzten Reserverad ersetzen und dann nach dem Puncture suchen, um es zu flicken. Allerdings stellte sich dann heraus, dass es aus einem kleinen Riss in der Stahlfelge leckte, was ich natürlich nicht reparieren konnte. Schlimmer noch: Als ich das Ersatzrad montierte, war einer der 5 Bolzen, auf die man die Muttern aufschraubt, defekt: Das Gewinde war ramponiert, was dann auch die Mutter beschädigte.
Nur mit 4 Radmuttern wollte ich ungern fahren. Der Camp Guard meinte, wir sollten zu den Constructern, den Bauarbeitern, gehen, welche die neue Lodge aufbauen. Tatsächlich war man hier sehr hilfreich: Antoine, ein Franzose, half, erst das Rad wieder abmontieren, dann der Versuch, mit einem Winkelschleifer das Gewinde wieder hinzubekommen, was misslang. Dabei ging noch eine weitere Radmutter kaputt, deren Gewinde. Also wurden mit dem Winkelschleifer 6 mm des defekten Bolzens abgeschnitten, sodass die Radmuttern wieder fingen. Antoine hatte eine Ersatzmutter und entfernte dann eine weitere Mutter von seinem eigenen Land Cruiser. Inzwischen hatte sein Kollege einen LKW-Fahrer in Rundu angerufen, der dort (trotz Sonntag) Ersatzmuttern finden konnte und diese am Nachmittag ins Camp bringen würde. So waren wir dank der Hilfe um 9:00 abfahrbereit. Mein Angebot, natürlich für die Ersatzteile zu zahlen, wurde abgelehnt, genauso wie mein Geschenk der letzten kühlen Biere. Ich bin wieder erstaunt über die große Hilfsbereitschaft, die man im Busch erfährt, wenn man Probleme mit dem Auto hat!
Die Lodgeaufbauer meinten, wir sollten die schrecklichen 50 km zurück nach Rundu fahren, anstatt der 150 km nach Tsumkwe plus 270 km nach Grootfontein. Aber ich dachte, noch mal ein Platten wird schon nicht passieren, zumindest nicht im weichen Sand Richtung Süden, während die schreckliche Wackelei nach Norden dem Auto eher schadet. Zudem war der eine Ersatzreifen im Notfall ja zu gebrauchen, verlor nur sehr langsam Luft. Also auf in den Süden!
Die Fahrt durch Khaudum war nicht abenteuerlich noch besonders. Wir sahen einige Elefanten, aber nicht so viele wie vor 3 Wochen. Die meisten sind wohl bereits nach Botswana gewandert. Dann noch ein paar Rappenantilopen, das war’s. Um 13:00 waren wir am Gate, wo wir recht lange warten mussten, bis jemand kam, damit wir zahlen konnten. Die letzten 3 Tage war niemand durchgekommen.
14:00 in Tsumkwe. Etwas gegenüber der Tankstelle gibt es einen Tyre Repair Shop, den ich schon von früher kannte. Ich dachte eigentlich, den guten Reifen auf die Felge des kaputten Reifens zu bringen, und es gab hier das notwendige Werkzeug dafür. Aber der Mann meinte, er könne den kleinen Riss einfach löten, und eine kurze Internetrecherche zeigte, dass das bei Stahlfelgen Sinn macht. Also entfernte er den Reifen, lötete, Reifen zurück auf die Felge, und wir hatten wieder einen Ersatzreifen – dachten wir.
Noch 140 l Diesel von der Tankstelle, und um 15:00 Uhr waren wir beim Buschmanndorf Djokhoe und kurz danach bei unserem geliebten, riesigen Baobab zum Campen. So war trotz all dem Stress der letzten 24 Stunden uns nun etwas Ruhe gegönnt.
Abends grillten wir, zum letzten Mal auf diesem Trip. Als es dunkel wurde, raschelte es überall im Laub um den Baum herum. Wir sahen dann im Licht der Taschenlampen Mäuse der Gattung Aethomys oder Micaelamys (früher auch Aethomys). Bei der Art sind wir uns nicht sicher, aber wahrscheinlich die Namaqua Rock Mouse (M. namaquensis), auf Deutsch Namaqua-Felsenratte. Dazwischen ganz kleine Mäuse. Das waren aber nicht deren Junge, sondern afrikanische Zwergmäuse (Nannomys inductus).
Beide Arten kamen später ganz nahe an unser Camp, denn sie jagten dort die vom Licht angezogenen Insekten. Tatsächlich fressen ja die meisten Mäusearten sehr gerne Insekten, wegen des für die Fortpflanzung sehr wichtigen Proteins. Die Felsenratten jagten und erlegten große Käfer, die Zwergmäuse Fliegen und Ameisen. Wobei die Felsenratten auch auf die Zwergmäuse losgingen und sicher auch diese gefressen hätten, wenn sie nicht in großen Bögen hüpfend entkommen wären. Somit hatte auch dieser Tag noch unerwarteterweise etwas Besonderes für uns.


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Themenstarter388 Beiträge · seit 201726. Nov. 2025 · #36
So, wir sind zurück in Goegap.
Der letzte Berocht kommt bald.
Hier mal die bird list, was wir gesehen haben, wobei zu sagen ist, dass die "kleinen braunen spartenartigen" Vögel von uns wenig Beachtung gefunden haben; sind einfach schwer zu bestimmen.
Vielleicht interessiert es ja jemanden.
Insgesamt waren es 140 Vogelarten.

📎 BirdlistZambiatrip-2.pdf
📎 BirdlistZambiatrip.pdf
zuletzt bearbeitet 26. Nov. 2025
1'523 Beiträge · seit 201126. Nov. 2025 · #37
Vielen Dank Carsten für den sehr interessanten und für uns aktuellen Bericht.....
Wir überlegten vor wenigen Tagen noch selber, von Norden in den Kaudum
abzubiegen und sind nachgträglich nicht unglücklich, uns dagegen entschieden
zu haben......auch weil die Fahrspur nach Norden von den LKWs (die für die
aktuelle Bautätigkeit der Kaudumlodge fahren) breiter gemacht wird und für
unsere Fahrzeuge die Spur unangenehm verbreitern .......mit den üblichen
Folgen........ 😈 😈 😈

LG.................BMW

P.S. möchte auch nicht die ganze Strecke bis zum Gate in Low 4
durchziehen müssen (ermüdend und Dieselverbrauch....) 😄 😄 😄
zuletzt bearbeitet 26. Nov. 2025
Themenstarter388 Beiträge · seit 201727. Nov. 2025 · #38
Montag 24., Dienstag 25. November und Mittwoch 26. November
Morgens war der gestern reparierte Reifen leider fast platt, von 2,2 auf 1,2 Bar runter. Gut für den Notfall, den wir vermeiden wollten. Anstatt der geplanten Route via Gobabis – schönere Landschaft, kürzer, mehr Werkstätten und Reifenplätze und Möglichkeit, dann in der Kalahari zu übernachten – fuhren wir deshalb über Grootfontein. Somit waren wir nach 3,5 statt 5,5 Stunden bei Dunlop. Ersatzreifen gab es hier in meiner Größe keinen, aber sie fanden noch ein kleines Puncture in dem Reifen, der Luft verloren hatte, und reparierten diesen. In Otjiwarongo sollte Dunlop einen haben, aber nicht wie meinen anderen von Goodyear. Dort nach ein paar weiteren Stunden angekommen gingen wir zu TrenTyre, die hatten aber auch nicht die richtigen Reifen. In Windhoek sollte es die laut Computer geben. Dort bei TrenTyre um 16:50 angekommen gab es die dann doch nicht, aber immerhin zwei Reifen desselben No-Name-Produzenten, Lanvigator (nie gehört), mit gutem 4x4-Profil und zu einem Preis, bei dem ich für die beiden nur 500 NAM$ mehr zahlte als für einen Goodyear (die eh nicht gehalten haben). Ich kaufte also die zwei, für den kaputten Reifen und einen alten mit kaum noch Profil. Die Arbeiter waren nicht glücklich, noch zwei Reifen montieren zu müssen, da um 17:00 Schluss war. Eigentlich wollte ich ihnen 100 Rand als Trinkgeld geben, aber dann waren sie so unfreundlich, dass ich dazu keine Lust mehr hatte. Immerhin habe ich nun zwei neue Reifen hinten montiert. Aber der Reifenverbrauch ist schon enorm: In 2 Jahren und 30.000 km sechs neue Reifen!
Unterkunft am Montag war wieder im Monteiro Camp. Montag und Dienstag waren vor allem durch Fahren, Fahren, Fahren gekennzeichnet. Lediglich in Okahandja gingen wir schnell zum Curio-Markt – in erster Linie, damit die Reifen etwas abkühlen konnten. Immerhin fand ich hier ein schön geschnitztes Schachspiel als Weihnachtsgeschenk. Nicht günstig mit 100 Euro, aber halb so teuer, wie sie dafür bei den Victoriafällen wollten.
Montag sind wir 6:30 los und 18:00 angekommen, Dienstag um 6:00 los und nach schnellem Grenzübertritt 16:00 in Springbok angekommen. Das Fahren machte uns nichts aus. Zwei Hörbücher haben uns gut unterhalten: Einstein’s War, über die Relativitätstheorie und wie Einstein für sie gekämpft hat und wie der Erste Weltkrieg sein Leben bestimmt hat, und Born a Crime von Trevor Noah, ein wirklich tolles Buch.
So hatten wir zwei Tage an der Station, um mit den Studenten zu sprechen, die wichtigsten E-Mails zu beantworten, das Auto auszuräumen und sechs Waschmaschinen zu waschen (vom Trip inkl. Bettzeug und von der Woche davor).
Mittwoch brachte ich den Land Cruiser zu Toyota Springbok für seinen Service. Das Getriebeöl sollte zwar erst in 5000 km ersetzt werden, doch ließ ich das jetzt machen, nach so viel Anstrengung, einer Nacht im Schlamm und so viel Sand. Von Namibia aus hatten wir telefoniert und geschrieben, dass eines der Rücklichter bzw. dessen Abdeckung ersetzt werden muss und ebenso einer der Bolzen am linken Hinterrad. Hat nichts gebracht, die Ersatzteile waren nicht bestellt worden. Sind hoffentlich Freitag da und können dann schnell installiert werden, bevor wir nach Kapstadt fahren, von wo aus wir Samstagmittag abfliegen.
Nächste Woche Weihnachtsmarkt!


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406 Beiträge · seit 202127. Nov. 2025 · #39
Hi Carsten,
danke für deinen ausführlichen Bericht, den ich gerne mitgelesen habe.
Das klingt ganz nach Abenteuerurlaub!

Viel Spaß beim Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt !!

Claudia
3'883 Beiträge · seit 201127. Nov. 2025 · #40
Hallo Carsten,
vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht. Vor allem deine Kritiken zu Sambia kann ich bestätigen (Preise, Korruption, Grenzübertritte u.a.) Wir waren kurz vor Corona dort.

Mir gefällt sehr, wie du und deine Freundin unterwegs seid, dass ihr auch mal fünfe gerade sein lasst.

Eine erlebnisreiche Adventszeit
wünscht euch
freshy
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