Reisebericht

Badger's Birding-Tours II - Indien-Edition

von H.Badger · begonnen 06. Mai 2025 · 23 Teile

Teil 2116. Juli 2025
20. Kapitel: Leopardenland am Stadtrand

Draußen ist es noch dunkel und das Aufstehen fällt heute schwer. Ein Erholungsurlaub ist das hier nicht. 🤪
Vor dem Hotel empfangen uns CB und Mr Satdev und gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Jhalana Leopard Reserve, das am Stadtrand von Jaipur situiert ist. So früh am Morgen kommen wir zum Glück ohne Beeinträchtigung durch die Straßen der Metropole und geraten nur kurz in Aufregung, weil wir den Eingang zum Reservat nicht auf Anhieb finden können und ein wenig durch die engen Gassen eines Wohngebiets irren.
Bald darauf erreichen wir das Tor jedoch und finden uns auf einem staubigen Parkplatz ein, auf dem eine gute Handvoll Gypsys herumsteht. Auch einige müde Touristen schleichen bereits um die Fahrzeuge herum. Auffällig ist, dass die Reisenden hier weit weniger „outdoorsy“ unterwegs sind als in Ranthambhore und Co. Insgesamt zehn Fahrzeuge dürfen den Park an jedem Morgen und Nachmittag befahren.
Wir bekommen ein ziemlich abgerocktes Elektromobil zugewiesen und sind erstmal überrascht vom Anblick dieses seltsamen Kastenwagens mit seinen total zerschlissenen Kunststoffsitzen. Wir nehmen auf der rundherum offenen Sitzfläche Platz und harren der Dinge, die da kommen. Nach einiger Zeit ungeduldigen Wartens erscheint unser Fahrer, nachdem bereits der ein oder andere Gypsy aufgebrochen ist, und angenehm leise holpern wir in Richtung Einlasskontrolle zu dem 23 Quadratkilometer umfassenden Schutzgebiet. Hier werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass man keine Wasserflaschen mit ins Reservat nehmen dürfe. Wir müssen also all unsere Flaschen hier deponieren. Das erscheint uns in Anbetracht der nicht lange auf sich warten lassenden Hitze doch etwas bedenklich… 😵 Wir fügen uns trotzdem in unser Schicksal, was sollen wir auch machen?

Im Jhalana Reserve sollen etwa 30 bis 35 Leoparden leben, von denen sechs oder sieben Katzen ihr Revier in den im Rahmen von Gamedrives befahrbaren Bereichen haben. Immer wieder dringen die Katzen wohl auch in die Randgebiete Jaipurs vor, wo Straßenhunde zu ihrer Beute werden. Da der Leopard hier Spitzenprädator ist, können die Katzen deutlich häufiger gesichtet werden als in Tiger-Reservaten wie Ranthambhore.

Nach wenigen Augenblicken gemütlicher Fahrt erreicht auch schon ein Funkspruch unseren Fahrer. Sofort drückt er aufs Gaspedal und unser E-Mobil beschleunigt erstaunlich flott. Was diese wilde Fahrt motiviert, können wir uns leicht ausmalen. 😎
Kurz darauf erreichen wir die erste Wasserstelle des Schutzgebiets. Hier stehen bereits die Fahrzeuge, die vor uns eingefahren sind – ein sicherer Indikator dafür, dass wir unser Ziel erreicht haben. Und auch der Grund für den kleinen Fahrzeugauflauf ist schnell lokalisiert: In vielleicht zwanzig Metern Entfernung liegt ein stattlicher Leopard völlig offen direkt am Wasserloch. Zu unserer Freude spiegelt sich die Katze dabei höchst fotogen in dem kleinen Bassin.
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Der Kater scheint tief und fest zu schlafen und so ist erstmal Geduld angesagt, wenn man die Raubkatze noch in anderen Posen außer der stabilen Seitenlage erleben möchte. Wir verbringen viel Zeit unserer Safari an diesem Ort, was der Ausfahrt einen etwas merkwürdigen Charakter verleiht: Circa zwei Minuten flotte Fahrt und voilà: Hier ist Ihr Leopard! 😉
Wenn die Katze einmal kurz ihren Kopf aufrichtet, klicken die Kameras. Was für ein prächtiger Kerl!
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Einige Pfauen würden gern ihren Durst stillen und stolzieren vorsichtig um die Wasserstelle herum. Der Leopard nimmt keine sichtbare Notiz von ihnen. Trotzdem wagen sie sich nicht ans kühle Nass heran und müssen durstig ihres Weges ziehen.
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Für Abwechslung beim Warten auf eine Großkatzenbewegung sorgt einmal mehr die Vogelwelt. Eine Rotschulter-Grüntaube (Yellow-footed Green Pidgeon) ist dabei ein Neuzugang auf der Liste fotografierter Vögel.
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Langsam taucht die höhersteigende Sonne das Areal in ein warmgoldenes Licht. Und in den Leoparden kommt etwas mehr Leben. Höchst fotogen lagert der Kater nun an der Wasserstelle. Und wir haben Zeit, jede Rosette der Raubkatze genau zu studieren.
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Kurz erhebt sich seine Majestät sogar – aber nur um zwei Meter entfernt wieder auf die Seite zu plumpsen.
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Irgendwann schlägt der Fahrer vor, doch ein wenig durch das Reservat zu fahren, um einen Eindruck von der weiteren Landschaft zu bekommen. Da der Leopard nun wieder schlafen möchte, willigen wir ein und fahren alsbald auf einer engen Piste durch dicht verbuschte Umgebung. Hier sind in unregelmäßigen Abständen kleine Wasserstellen angelegt, aber auch diese sind von undurchdringlichem Buschwerk umgeben. Auf der Runde sehen wir kein einziges weiteres Säugetier und begreifen erst jetzt, was wir für ein Glück mit dem Leoparden auf der offenen Fläche hatten. Und auch wenn man Beschreibungen auf Tripadvisor liest, wird deutlich, dass es hier durchaus auch leopardenfreie Gamedrives gibt.
Zwei Vogelsichtungen sind erwähnenswert und lassen die Fahrt nicht zu einer reinen Büsche-Schau werden.
Gleich neben der Straße posiert ein Königsdrongo (Black Drongo) in bestem Licht.
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Und wenig später zeigt uns der Fahrer den letzten Brahmakauz (Spotted Owlet) unserer Reise. Und wieder sind wir verzückt von diesem niedlichen Kobold.
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Zurück an der Leoparden-Wasserstelle finden wir diese verwaist vor. Die Katze hat sich während unserer Abwesenheit entfernt. Und so fahren wir zu einem verlassenen Wachturm, in dessen Schatten der Leopard wohl gern die heißen Tagesstunden verdöst. Als wir dort ankommen, gibt es aber erstmal nur einige Wachtelfrankoline zu sehen.
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Tatsächlich zeigt sich der Leopard nach wenigen Minuten unseren Blicken. Er schleicht um das Gebäude und lässt sich hechelnd im Schatten nieder.
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Bald ist es Zeit, den Park zu verlassen. Auch im Jhalana Reserve gelten strenge Vorgaben. Auf der Rückfahrt zum Gate können wir tatsächlich noch einen weiteren Leoparden entdecken. 🙂 Dieses Mal ist es ein weibliches Tier, das viel filigraner ist als der massige Kater. Die Katze hat es aber leider sehr eilig und wendet uns nicht ihr Gesicht zu, bis sie schließlich im tiefen Dickicht auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Daher entstehen hier auch keine vorzeigbaren Bilder.

Zufrieden mit der Ausbeute unserer letzten indischen Safari können wir am Gate unsere Wasserflaschen wieder in Besitz nehmen, deren Inhalt uns nach den zweieinhalb Stunden im Busch höchst willkommen ist.
Teil 2219. Juli 2025
21. Kapitel: Drei Abschiede

Nach der erfolgreichen Leopardensafari genießen wir ein gutes Frühstück im Shahpura House. Bald heißt es dann Abschied nehmen von Jaipur, denn wir brechen auf unsere letzte Transferfahrt gen Delhi auf.
Rund fünfeinhalb Stunden dauert diese Fahrt von einer Metropole in die andere auf einem gut ausgebauten Highway. Eine indische Subway-Filiale in einer typischen Mall am Straßenrand dient uns als Ort unserer Mittagspause und unsere Große versucht leider erfolglos in diversen Shops von ihr begehrte Sneaker zu finden. Auch bei dieser eher ungewöhnlichen Mission unterstützt uns CB wieder engagiert.
Durch dichtesten Großstadtverkehr erreichen wir am Nachmittag unser letztes Hotel der Reise: Das Radisson Blu in der Nähe des internationalen Flughafens.
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Auch diese Bleibe genügt wieder hohen Ansprüchen in Punkto Ausstattung und Kulinarik und ist damit ein perfekter Ort, um eine erlebnisreiche und durchaus anstrengende Reise ausklingen zu lassen.
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In der Lobby wird es emotional. Wir müssen uns von CB verabschieden. Nach zwei Wochen gemeinsamer Zeit ist das ein seltsames und trauriges Gefühl. Es ist, als würde man einem Freund, den man schon sehr lange kennt, auf Wiedersehen sagen. Und alle vier von uns sind sich sicher: Wenn wir nach Indien zurückkehren, dann würden wir auf jeden Fall wieder mit CB reisen wollen. Und auch aus der Ferne stehen wir nach der Reise noch in einem sehr netten Kontakt zueinander – liebe Grüße an dieser Stelle an dich, CB, als stillen Mitleser dieses Berichts! Du bist ein wunderbarer Mensch und fantastischer Guide! 🙂
Auf Wiedersehen, CB!

Den gar nicht so großen Rest des Tages verbringen wir im Hotel. Eine tolle Spa- und Poolanlage lockt die Kinder, ein sehr gutes (aber nicht gerade günstiges) Abendbuffet füllt unsere Mägen.
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Und die Nacht verbringt sich gut in den bequemen Betten unseres schönen Zimmers.
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Am nächsten Morgen packen wir unsere Siebensachen zusammen und werden nach dem wirklich großartigen Frühstück von Mr Satdev abgeholt und zum nahen Flughafen gefahren.

Dort haben wir dann den zweiten emotionalen Abschied dieser Reise, denn auch unser Fahrer ist uns in den letzten zwei Wochen ans Herz gewachsen und hat mit seiner ruhigen und besonnenen Art sehr viel dazu beigetragen, dass wir uns in jedem Moment als Familie mit Kindern sehr gut aufgehoben gefühlt haben.
Auf Wiedersehen, Mr Satdev!

Noch ein Blick zurück, dann betreten wir das Flughafengebäude und die Türen schließen sich hinter uns.
Auf Wiedersehen, Indien!

Und das war sie nun: Unsere erste Reise nach Indien. Geht es nach uns, wird es nicht die letzte gewesen sein, denn es gibt noch so viel zu erleben in diesem vielfältigen Riesenstaat.

Danke vor allem an CB für die großartige Organisation und die ebenso wunderbare Begleitung unserer Reise. Ohne dich hätten wir so manchen Vogel weniger beobachten können! Es sind am Ende stolze 80 Arten hier im Bericht fotografisch aufgetaucht! 😁

Danke auch an euch fürs Mitlesen und vor allem das fleißig-interessierte Kommentieren des Berichts. Es war mir wieder eine Freude, mit euch eine Reise nachzuerleben. Dieses Forum beheimatet einfach die beste Community! 😁

फिर मिलेंगे
Teil 2311. Aug. 2025
Liebe Christa, Elisabeth, Usha, Beate, Konni, Elke, Kordula, Gabi, Ralf, Martina, Tina, Katrin, Manfred, Vanessa, Bele und Friederike,

vielen Dank für eure Abschiedsworte zu meinem Indien-Bericht! 🙂 Ich habe mich über jeden eurer Beiträge sehr gefreut und natürlich auch darüber, dass ihr so interessiert mit uns durch Indien gereist seid – einem Land, das uns mit seinem Mix aus Kultur und Natur als Reiseland wirklich sehr gefallen hat und so viele tolle Tierbeobachtungen für uns bereithielt. Die Reise konnte viele Vorurteile, die wir gegenüber dem Land als Destination hatten, vollständig ausräumen. Und ich freue mich (auch für CB) sehr darüber, dass unter den Leserinnen und Lesern des Berichts Personen sind, die nach der Lektüre mit mir oder CB in Kontakt getreten sind, um selbst eine Reise gen Indien anzutreten. 🤩 Euch wünsche ich ganz viel Freude und ähnlich tolle Erfahrungen, wie wir sie machen durften. (@ Gabi-Muc: CB spricht Englisch. Das hat für uns sehr gut funktioniert. Und auch die Chemie hat zwischen uns einfach gestimmt!)

Es ist immer sehr schön, wenn sich so viele Menschen am Ende eines Berichts nochmal zu Wort melden. Denn es macht doch ein Vielfaches an Freude, einen Bericht nicht nur in ein digitales Vakuum zu stellen. Daher: Nochmals Danke für eure Kommentare! 😁 😁 😁

Die Sommerferien haben wir an einem für uns weit weniger exotischen Ort als Indien verbracht. Vielen Dank für die guten Wünsche zu unserem ersten Hausbooturlaub, die ihr uns hier mit auf den Weg gegeben habt. Auf so einem Boot unterwegs zu sein, ist einerseits eine ganz tolle Art des Reisens, andererseits ist ein gut vier Meter breiter und elf Meter langer Kahn mit rechteckigem Hausaufbau bei Wind und Wetter als Schifffahrtsneuling gar nicht so leicht zu manövrieren. Wir haben jetzt einige graue Haare mehr und gehen als Ehepaar gestärkt aus dieser Erfahrung hervor… 😛

Dass man aber auch in Deutschland viel Natur mit wenig Menschen erleben und schöne Tierbeobachtungen (zugegebenermaßen mit mehr Aufwand als in Afrika oder Indien…) haben kann, haben die letzten drei Wochen an der Müritz und auf der Peene uns nochmal eindrücklich gezeigt. Ich hänge für die an Wildlife interessierten Menschen in der Runde einfach mal einige Fotos der schönsten und teilweise extrem überraschenden Tier-Begegnungen an. 🙂

Ganz liebe Grüße
Sascha
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