Tag 5: Fahrt zum Lake Eyasi und Besuch bei den HadzaHat sich was mit Lala Salaam!
Um 01:30 erwache ich weil ein Nachtwächter in voller Lautstärke eine Fernsehübertragung aus einer Kirche mit Chor schaut!
Draussen!
Unweit der Zelte!
Na danke, Du Depp!
Ich bin Hellwach!
Also mach ich halt Datensicherung und merke dabei leider dass meine Kamera mit dem 7-14mm-Objektiv nicht auf RAW&JPG in
Vollauflösung sondern auf JPG in 1280x800 Pixel eingestellt ist!
MIST!
Ja, grossgeschriebener MIST!
Denn somit sind die tollen Landschaftsbilder des Tarangire nur im Internet brauchbar, dabei wollte ich doch ein grosses Bild drucken lassen.
Mist!
Aber selber blöd...ich hab alles kontrolliert, nur nicht diese Einstellung bei dieser Kamera...
Na ja...
Irgendwann zieht's mich zum Klo, da muss ich leider bemerken dass hier wohl einige Leute nicht über Sinn, Zweck und Funktion
des Spühlknopfes Bescheid wissen!
Na toll!
Und dann noch so viel Papier benutzt dass die ganze Scheisse sich kaum mehr runterspühlen lässt!
Freude herrscht hier nicht wirklich...
Da nebst uns nur diese eine grosse Gruppe hier ist dürfte diese dafür verantwortlich sein, na toll!
Nach der sechsten Spühlung habe ich das usprünglich noch sauberste Klo auch wieder so weit dass es knapp benutzbar ist...
Was muss man für ein Schwein sein um ein Klo so zu hinterlassen!!!
Beim Frühstück ist das natürlich auch Thema, Sven hat nach mir (ich habs sauber hinterlassen) wieder etwa dieselbe Situation
vorgefunden...
Meine Sympatie für Leute aus den baltischen Staaten ist in den letzten Stunden nicht wirklich gewachsen...
Zumal die Nasszellen inklusive der Klo's bis gestern Abend wirklich in top sauberen Zustand waren.
Na ja, das Zelt abbauen muss ich trotzdem während Robert und Hamis das Auto vollladen.
Mein kleines bisschen Zelt findet ja immer noch ein Plätzchen, zumal es nicht mal einen Drittel des Durchmessers und nicht
mal die Hälfte der Länge der anderen zusammengelegten Zeltpakete hat.
Und dann gehts los, die Passstrasse nach Karatu hinauf!
Immer wieder mal hat man einen schönen Blick auf den Lake Manyara und sieht dass der wirklich deutlich grösser ist als er
2013 noch war...
Wir fahren hoch bis Karatu, wo wir zur Tankstelle fahren, nur um gleich wieder weiter zu fahren, ohne zu tanken.
Denn an einer Tankstelle ohne Diesel im Tankstellentank kann man den Dieselautotank nicht mit Diesel füllen!
Also fahren wir weiter, der Diesel reicht ja noch.
Bald biegen wir bei 3°21'32.8"S 35°36'45.3"E nach links ab und erleben schon bald eine fantastische afrikanische Massage, hervorgerufen
durch die Kombination aus Schlaglöchern, harten Federn und durchgesessenen Sesseln...
Oben: Um Fragen zu den Pisten zuvor zu kommen: So sind die Pisten, also (noch) sehr gut befahrbar.
Oben: Neben den Pisten lassen die Tansanianer interessanterweise noch etwas Landschaft rumliegen, die man sich während der Fahrt anschauen kann. Nett!
Oben: Auch weiterhin ist die Piste nicht schlecht, von der Baustelle mal abgesehen, wo ich aber wegen dem Geschüttel nicht fotografieren konnte.
Oben: An den Gebäuden an der Piste kann man auch erahnen dass man sich nicht im reichsten Land der Welt befindet...
Oben: Einige wenige Abschnitte sind etwas Sandig und rutschig, aber nicht mit Tiefsand zu vergleichen, also holprig, aber gut zu befahren.Da die App, die ich extra gekauft habe um die Wege per GPS aufzuzeichnen, komplett versagt hat komm ich auf die Idee meine
Runkeeper-App mal auszuprobieren. Nur brauch ich dazu erst mal kurz Internet, da ich diese App auf diesem Handy noch nie
benutzt habe und ich sie deshalb erst einloggen muss.
Mit meinem Handy alleine gehts nicht, hab ja kein funktionierendes Internet, aber Sven hat (bei Swisscom) und gibt mir kurz einen Hotspot!
Womit auch bewiesen wäre dass es an jener Stelle grundsätzlich Empfang gab, aber mein Anbieter es halt nicht geschafft hat
das Internet freizuschalten.
Dank dem Hotspot ist nun Runkeeper eingeschaltet und zeichnet auf, und das ab sofort jedesmal wenn ich es weder vergesse
noch unbewusst ausschalte...was leider vorkommt...
Nach einer Baustelle mit mehr Geholpere halten wir neben der Strasse bei einem Häuschen mit Parkplatz an und holen unseren
Guide für die nächsten Erlebnisse!
Wir erwarten Steinzeitvölker und Jagtsituationen, und es kommt ein Guide wie frisch von Laufsteg in Milano!!!
Hellbraune knitterfreie Hose, ein eng geschnittenes, geblühmeltes und knitterfreies helles Hemd und weisse Turnschuhe, wau!
So was erwartet man in bella Italia, aber doch nicht bei Urvölkern in Afrika!
Er gehört aber, so unglaublich es angesichts seines Auftretens auch klingen mag, zu einer der ursprünglichen Volksgruppen des
Gebietes am Lake Eyasi!
Und zwar zu dem Teil der Datooga-Gruppe, die sich ihren Lebensunterhalt heutzutage mit Metallrecycling verdienen.
Denn es gibt 5 Datooga-Gruppen, die alle ihre eigene Weise haben mit den modernen Gesellschaften umzugehen.
Seine Gruppe tauscht mit den Hadza Fleisch und Felle gegen Metallspitzen für Speere und Pfeile und mit den modernen Gesellschaften handeln sie einen Teil dieses Fleisches und der Felle gegen Metallschrott, bevorzugt Messing, Rotguss und Bronze, das sie aber alles als 'Steel' benennen.
Er erzählt uns in ganz brauchbarem Englisch davon wie sein friedliches Volk von den Maasai angegriffen und unterdrückt wurde,
bis sie die Viehhaltung grösstenteils aufgegeben haben.
Denn nur die Maasai dürfen Rinder halten...sagen die Maasai scheinbar...
Er selbst lebt nicht mehr traditionell, er wurde ausgewählt die Schule zu besuchen, was auch heisst dass er nie mehr zurück
in die Gemeinschaft darf!
Ausser für kurze Besuche mit Touristen, aber nicht um dort zu leben.
Dies um die ursprüngliche Kultur nicht zu gefährden.
Wau, hartes Brot!
Seine Freunde, seine Familie nie mehr 'richtig' sehen zu dürfen nur um die Schule besuchen zu können...
Nach einiger Zeit kommen wir im Lake Eyasi Ng'ula Sunset Camp an und laden mal alles ab.
Erst was essen und dann gehts schon bald los zu den Hadza!
Nach kurzer Strecke fahren wir auf eine Wiese und halten an.
Unser Guide erklärt uns erst mal wie man bei den Hadza wen in welcher Reihenfolge begrüsst, mir schwirrt dabei schon fast
der Kopf!
Dann heisst es aussteigen und dem Guide nach durchs Gehölz und schon nach wenigen Schritten stehen wir mitten im Hadza-Dorf!
Und nun beginnt das Begrüssen, angefangen beim Dorfältesten und bis runter zum Jüngsten in der Gemeinschaft der Männer steht
jeder auf und begrüsst uns.
Nach dem Dorfältesten ist der beste Jäger dran, der immer der Anführer der Gruppe ist, und so weiter.
Entgegen den ursprünglichen modischen Gepflogenheiten haben sie heute wirklich sehr gebrauchte Alltagskleider sowie
Tierfelle angezogen.
Die Tierfelle seien dazu da dass die Wildtiere nicht sie sondern eben jene Tiere riechen würden...
Na ja, kann man glauben oder auch nicht...
Zumal sie ja nach eigenen Aussagen eh gegen den Wind an die Tiere ranschleichen...da war wohl eher ein Touristiker mit einer
Idee der Ursprung der Tierfellumhänge als die Jagdgeschichte.
Zumal auf Filmdokumentationen aus den 1930er Jahren niemand Felle trug...und auch keine alte, abgewetzte Kleider...
So wird die Kultur wohl nicht lange weiterleben...
Aber wir zwei Touristen sind ja mitschuldig daran...der Gedanke gefällt mir nicht!
Fertig gehirnt, denn der Jüngste zeigt uns nach einer kurzen Einweisung durch unseren Guide seine Hütte von innen, dunkel,
eng und ohne Geschirrspühler, also für mich inakzeptabel!
Aber da er kein Geschirr hat wird Ihm das Fehlen dieses fast überlebenswichtigen Gerätes wohl nicht auffallen...
Oben: In der Hütte des jungen Hazda-Mannes...eng und nicht nur ohne Geschirrspühler sondern auch ohne Toilette...
Oben: Die Hütte von aussen mitsammt reinblickendem Sven.
Oben: Unser Guide und Übersetzer mit den topmodischen Kleidern inmitten der Männergruppe.
Oben: Und hier der andere Teil der Männergruppe bei ihrer Lieblingsbeschäftigung nebst der Jagt: Dem Faullenzen mitsammt den Hunden.
Jäger sind offenbar halt so, egal ob Löwe, Hund oder Mensch...Wieder aus der Hütte entsprungen zeigt uns der wohl zweitjüngste Mann, der auch als zweitbester Jäger vorgestellt wird, in
wild gestikulierender und mit Klicksprache (Hadzane genannt) untermalter Art die fünf Spitzen der Pfeile und wofür sie sind.
Und das macht er grandios!
Der Kerl gehört auf die grossen Bühnen dieser Welt, ein Selbstdarsteller dass selbst ein Freddie Mercury betreffend
Bühnenpräsenz fast noch was lernen könnte!
Und ich weiss wovon ich spreche, ich habe Queen am 02.07.1986 in Zürich live gesehen!
Oben: Nicht auf den grossen Bühnen der Welt, aber das Talent dazu hätte er definitiv!
Was war das für eine grandiose Show!!!