Nachdem wir im Sommer 2023 erstmals in Norwegen unterwegs waren und dabei in unschöner Regelmäßigkeit von andauerndem Regen oder hartnäckigem Grau in Grau begleitet wurden, sind wir trotzdem im Sommer 2024 wieder zurückgekehrt. Und allein das sagt bereits einiges über die Landschaft, die Tierwelt und die wunderbar entspannte Art aus, dort unterwegs zu sein. Norwegen hat durchaus Suchtpotential – auch für den Afrikaliebhaber.
In diesem Sommer war uns das Wetter glücklicherweise hold – eine faire Geste von Petrus: Den größten Teil von knapp vier Wochen konnten wir Norwegen bei Sonnenschein erleben und dieser strahlte über dem Polarkreis jahreszeitengemäß knapp 24 Stunden am Tag. Wenig verwunderlich, dass wir neben vielen wunderbaren Erlebnissen auch ein beträchtliches Schlafdefizit mit nach Hause gebracht haben. Und weil das Ganze trotz tiefer Augenringbildung so schön war, wir tatsächlich schon wieder etwas Sehnsucht nach dem hohen Norden verspüren und ich einfach Lust habe, mal wieder einen RB zu schreiben, möchte ich nach langem Zögern einen weiteren Reisebericht zu einem skandinavischen Land starten – als Ergänzung zu den aktuellen Schwedenimpressionen von Papa Kenia und Casimodos wunderbarem Lofoten/Vesteralen-Erlebnissen hier im Forum.
Im Mittelpunkt der Reise, die wir als vierköpfige Familie mit dem eigenen Auto bestritten und damit die Dimensionen Norwegens im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“ haben, standen Besuche der Metropolen Bergen, Ålesund, Trondheim und Oslo, vielmehr aber noch die grandiosen Landschaften mit Fjord und Fjell, als Highlight schließlich eine Woche auf den sommerlichen Lofoten und naturgemäß die nordische Säuger- und Vogelwelt. Über ein wohlbekanntes Buchungsportal haben wir frühzeitig unsere Unterkünfte gebucht, so dass die Reise trotz Hochpreisdestination und Hauptsaison bezahlbar blieb.
Herausgekommen ist dabei die folgende Tour: 1. Mit der Fähre von Hirtshals nach Bergen (1N) 2. Bergen, die regenreichste Stadt Europas (1N) 3. Lunde Turiststasjon als Zwischenhalt mit Fjord, Gletscher und Hottub (1N) 4. Die Insel Runde mit Papageitauchern und Co (3 N) 5. Ålesund mit seinen Jugendstilhäusern (1 N) 6. Trondheim mit seiner Kathedrale und seinem Wildlife (!) (2N) 7. Yttervik als Zwischenhalt in den hohen Norden (1N) 8. Å und die westlichen Lofoten (3N) 9. Kalle und die östlichen Lofoten (4N) 10. Fauske als unspektakulärer Zwischenhalt gen Süden (1N) 11. Grong (fast genauso unspektakulär) als weiterer Zwischenhalt (1N) 12. Das Dovrefjell mit seinen Moschusochsen und Fokstumyra mit seinen Elchen (3N) 13. Oslo (2N) 14. Mit der Color Line nach Kiel – die Kinder sind echte Fans (1N)
Ich werde versuchen, mich – so gut ich es kann – kurz zu halten und dabei Erfahrungen teilen, in Erinnerungen schwelgen und ein paar Fotos zeigen.
Und wie immer zu Beginn: Einige Impressionen als Appetithäppchen
Über euer Interesse an dieser gänzlich unafrikanischen Tour würde ich mich freuen.
Herzlich Sascha
Teil 224. Jan. 2025
1. Station: Anreise und Bergen
Nachdem wir einige wunderbar sonnige und bis zum Rand mit Kulturprogramm gefüllte Tage im schönen Hamburg verbracht haben, geht für uns die Reise weiter nach Hirtshals in Dänemark, von wo unsere Fähre gen Bergen in See stechen wird. Uns war es wichtig, möglichst weit nördlich in Norwegen mit dem Auto zu starten, um den wirklich langen Weg hinauf auf die Lofoten nicht noch länger werden zu lassen. Die Anfahrt nach Hirtshals zieht sich jedoch über eine gefühlt schnurgerade Autobahn ganz schön in die Länge und bei windigem Wolkenwetter erreichen wir am späten Nachmittag zuerst den rauen Nordseestrand, an dem wir uns ein wenig die Beine vertreten, und schließlich den Fähranleger. Nun ist leider langes Warten angesagt: Ein LKW mit Anhänger ist auf einem der Fahrzeugdecks liegengeblieben, er lässt sich nicht mehr starten. Das Riesengefährt aus dem Bauch der Fähre zu entfernen, stellt sich als Herausforderung heraus, die unsere Abfahrt um einige Stunden nach hinten schieben wird. Und so stehen wir uns gemeinsam mit vielen anderen Menschen die Beine in den Bauch, bis irgendwann schweres Abschleppgerät herbeigeschafft ist und Erfolg vermeldet werden kann. Immerhin gab es Toiletten im Fährhafen, wenn auch nichts Anderes… Erschöpft von dem Fahr- und Herumstehtag befahren wir schließlich die Fähre, die im Vergleich mit den „Kreuzfahrtfähren“ aus Kiel eher überschaubare Ausmaße hat. Das Auto ist zum Glück schnell geparkt und wir können unsere Doppelstockbett-Viererkabine beziehen. Im schwindenden Licht des Tages heißt es schließlich „Auf Wiedersehen, Dänemark!“
Die Fahrt verläuft zum Glück ruhig. Den Abend verbringen wir mit Deckspaziergängen, bei mittelmäßiger Pizza und – was meine Person betrifft – einer leichten Migräne. Daher freue ich mich sehr auf die Koje. Alles in allem ist diese Art zu reisen auch mit Kopfschmerzen viel schöner als ein Langstrecken-Nachtflug.
Am nächsten Morgen geht es mir wieder besser. Leider sind aber auf dieser Linie die Kabinen arg früh zu räumen und so müssen sich alle Passagiere irgendwo in den Aufenthaltsräumen der Fähre einen Platz suchen, um die letzten Stunden bis Bergen zu verbringen. Das ist bei einem beschränkt vorhandenen Sitzangebot gar nicht so einfach und bleibt auch, wenn man sein Plätzchen gefunden hat, eher beengt. Zum Glück zeigt sich das Wetter so, dass man sich auch an Deck aufhalten kann. Es ist zwar ziemlich wolkig, aber die Fahrt entlang der norwegischen Küste ist es wert, sich die frische Brise um die Nase wehen zu lassen.
Als dann irgendwann noch eine große Schule Delfine die Fähre begleitet und immer wieder durch Sprünge und Spiralen zu unterhalten weiß, ist die Anfahrt eine beinahe rundum gelungene. Wäre nicht bloß das Teleobjektiv gut verschlossen im Kofferraum auf dem Fahrzeugdeck… 😣
Schließlich kommt Bergen in Sicht und bereits vom Wasser aus bietet die Stadt ein schönes Bild. Eine Nacht werden wir hier verbringen. Damit haben wir eineinhalb Tage Zeit, um einen Ersteindruck von der Stadt zu bekommen.
Unsere Ferienwohnung liegt etwas außerhalb des Zentrums, man kann vor Ort nicht wirklich parken und so stellen wir unser Auto für heute und morgen in einer (teuren!) Tiefgarage ab und schleppen das nötige Gepäck samt sperriger Fotoausrüstung zur Herberge. Der Weg dorthin sah auf der Karte gar nicht so weit aus... Da Bergen aber ziemlich hügelig daherkommt, ist dies am Ende eine anstrengende Aktion – da hätten wir bei der Unterkunftswahl umsichtiger planen müssen. Aber wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen. Überdies ist die Wohnung noch nicht einmal wirklich schön. Aber für eine Nacht solls reichen.
Trotzdem lädt der heutige Tag noch zu einem ausgedehnten Stadtrundgang ein. Es ist trocken, aber eben ziemlich bewölkt. Ob sich das Grau in Grau von 2023 wiederholen wird? Schließlich regnet es in Bergen durchschnittlich an 19 Tagen im Monat… Ein Blick auf die Wetter-APP - wir vertrauen auch zuhause gern der Kompetenz von yr.no – lässt aufatmen. Kein Regen in Sicht und blauer Himmel für den kommenden Tag. Welch schöne (und unerwartete) Perspektive! Wir besuchen am Ankunftstag den Hafen mit dem Blick auf das malerische Hanseviertel Bryggen. Die alten Holzhäuser und so manches dort festgemachte Schiff lassen uns unvermittelt an den Skandinavienbereich im Europapark denken. Eigentlich alles zu malerisch, um echt zu sein.
Einen Spaziergang durch die kleinen Gassen des Gebäudeensembles von Bryggen empfinden wir als sehr lohnend. Seit 1979 steht das Hanseviertel mit seinen etwa 60 Gebäuden auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO und gilt als bedeutendste historische Sehenswürdigkeit Bergens. Ein Abstecher zum nahen Rosenkrantzturm rundet den schönen Altstadtspaziergang ab.
Überall gibt es hier nette Läden und Cafés, die zum Verweilen einladen. Wenn da nicht das norwegische Preisniveau wäre – aber für eine (leider mittelprächtige) heiße Schokolade wird es noch reichen. Auch gibt es am Hafen eine recht hippe Markthalle mit allerlei Speis und Trank – aber hier siegt dann doch am Ende die Sparsamkeit…
Der zweite Bergen-Morgen empfängt uns tatsächlich mit strahlendem Sonnenschein. Also nichts wie raus aus den Federn! Der frühe Spaziergang lässt die Stadt im schönen Morgenlicht nochmal ganz anders wirken als am Vortag. Hier z.B. das Jugendstiltheater mit der Ibsen-Statue, bei der wir uns gefragt haben, ob sich der Dramatiker wohl so gefallen hätte.
Am Hafenbecken werden wir vom Morgennebel über dem Wasser empfangen. Das sorgt für eine ganz besondere Stimmung.
Und nun zur Fløibanen spaziert! Diese Standseilbahn zählt zu den Attraktionen Bergens. In etwa fünf Minuten bringt sie uns rund 300 Meter nach oben auf den 320 Meter hohen Fløyen. (Tipp: Man kann Fahrkarten entweder am Schalter oder am Automaten kaufen. Am Schalter kommt es oft zu Schlangenbildung, am Automaten nicht…)
Die Fahrt ist nett. Viel mehr als das – nämlich wirklich spektakulär – ist der Blick, der einen an der Bergstation erwartet – der Nebel tut dabei sein Übriges. Man kann sich gar nicht satt sehen.
Wir spazieren etwas auf dem Berg herum. Hier gibt es Wanderwege, einen schönen Spielplatz und Ziegen, an denen sich die Kinder erstmal feststreicheln. Ein beneidenswert schönes Naherholungsgebiet. Die Lebensqualität in Bergen scheint schon immens zu sein – 19 Tage Regen im Monat hin oder her. Als wir zurück zur Bergstation kommen, hat sich der Nebel gänzlich aufgelöst. Toll ist der Blick noch immer.
Nach dem Runterfahren wird ausgiebig in einer bezahlbaren Bäckerei gefrühstückt und dann ruft auch schon die Weiterreise.
Kurzum: Bergen war für uns ein wunderbarer Ausgangspunkt für eine Reise durch Norwegen. Nach der Zeit in der Stadt freuen wir uns aber jetzt auf die großartige Natur Westnorwegens.
Teil 326. Jan. 2025
2. Station: Lunde Turiststasjon, Bøyabreen und Jølstravatnet
Als wir am Vormittag Bergen gen Norden verlassen, liegen 230 Kilometer Wegstrecke vor uns, auf die wir uns freuen. In Norwegen fährt man im Vergleich zu unserer Heimat so herrlich entspannt und die Landschaft weiß einen auch durch das Autofenster sehr oft gut zu unterhalten. Und für den Fall der Fälle sind die Akkus von Switch und Tablet gut geladen – damit Spotify und Co einspringen können, wenn der Blick aus dem Fenster für die Kids mal an Reiz verlieren sollte. Für die Strecke weist Google Maps eine Fahrzeit von knapp vier Stunden aus. Auf das langsame Vorankommen waren wir eingestellt und wir verlängern die Zeit noch gern durch regelmäßige Stopps am Wegesrand zum Beinevertreten und „Ah und Oh“-Sagen. Immer wieder gibt es Gelegenheit an kleinen Bachläufen zu halten, um die Füße ins kühle Nass zu halten oder um auf Felsbrocken herumzuklettern. So wird die Fahrt auch für die Kinder nicht zu lang. Das schöne Wetter tut sein Übriges: Wir haben richtig gute Laune.
Die Landschaft ist von Wasser und Bergen geprägt. Quasi im Minutentakt gibt es schöne Aussichten.
Bald steht auch eine kleine Fährfahrt über den Sognefjord an. Wir finden es immer wieder bemerkenswert, wie Straßen hier einfach an einem Fährkai enden.
Auch diese Fähre ist eine willkommene Abwechslung auf der Fahrt. Aussteigen, an Deck stehen, den Wind und die vorbeiziehende Landschaft genießen und dabei vielleicht Pølse essen: Das ist schon alles sehr fein.
Nachdem wir wieder an Land gefahren sind, setzen wir die Fahrt bis zum Huldefossen fort und erleben einen Wasserfall, der unbedingt einen Abstecher wert ist. Von einem kleinen Parkplatz läuft man etwa 500 Meter zum Wasserfall. 92 Meter fallen die Wassermassen hier laut rauschend in die Tiefe. Ein lohnender Anblick!
Unser heutiges Etappenziel – die Lunde Turiststasjon – liegt am südwestlichen Rand des Jostedalsbre, dem größten europäischen Festlandgletscher. In Nord-Ost-Richtung hat er eine Länge von etwa 40 Kilometern und ist in südwestlicher Richtung etwa 15 Kilometer breit. Seine Eisschicht ist bis zu 500 m dick. Auf der weiteren Fahrt eröffnen sich erste Blicke auf die Ränder dieser gigantischen Eismassen.
Unser Quartier kennen wir bereits von unserer Reise im Vorjahr – trotz des grauen Wetters hatte uns es dort damals so gut gefallen, dass wir unbedingt wiederkommen wollten. Das liegt vor allem an der Lage der kleinen Unterkunft in einem recht engen Gletschertal. Zur einen Seite öffnet sich das Tal malerisch zum Jølstravatnet, einem großen See, zur anderen wird es von schroffen Felswänden abgeschlossen. Oben thront der Jostedalsbre.
Lunde ist eine Ansammlung weniger Häuser. In der Hauptsache besteht es aus einem Bauernhof, zu dem auch der Gastbetrieb gehört. Dieser umfasst einige Zimmer im Haupthaus und eine Handvoll Blockhütten.
Alles recht einfach mit (sauberem) Gemeinschaftsbad und rein auf Selbstversorgung ausgelegt. Aber hier zählt Lage, Lage, Lage: Vor unserem Häuschen ein rauschender Wildbach, darüber Gletscherkante und Wasserfälle. Norwegen aus dem Bilderbuch.
(Blick vor unserem Häuschen)
(Teleobjektivblick von unserer Terrasse zum Jostedalsbre)
Dieses Jahr spielt das Wetter sehr gut mit und wir erleben die Schönheit der Umgebung bei strahlendem Sonnenschein. Eine wunderbare Kontrasterfahrung zu 2023.
Schnell sind die Betten mit der mitgebrachten Bettwäsche bezogen und wir beschließen, die Gunst der Stunde zu nutzen, um Bøyabreen einen Besuch abzustatten. Dieser Auslassgletscher des Jostedalsbre liegt nur etwa 9 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt – den größten Teil davon fährt man durch einen nicht enden wollenden Tunnel. Der Bøyabre wird als Hauptzunge des Jostedalsbre angesehen. Seinen höchsten Punkt hat er bei 1700 Metern, der untere Zungenrand befindet sich derzeit auf etwa 300 Metern Höhe. Vom Parkplatz ist es ein kurzer Spaziergang bis zum See, der sich unterhalb der Gletscherzunge gebildet hat. Von dort bieten sich ganz wunderbare Blicke auf den Gletscher und die steilen Felswände mit ihren Wasserfällen. Das war auch 2023 bei starker Bewölkung schon beeindruckend. Jetzt aber, wo das Eis in schönem Kontrast zum Blau des Himmels steht, ist es nochmal um Einiges besser.
Die weiteren Nachmittagsstunden verbringen wir am nahen Ufer des Jølstravatnet östlich von Lunde. Hier sind wir ganz allein und können die Ruhe und die Landschaft in vollen Zügen genießen. Ich selbst bin ja das Gegenteil einer Wasserratte. Der Rest der Familie aber nutzt den schönen - und dank Gletscherwasser gehörig kalten - See und das wunderbare Sommerwetter dazu, um ausgiebig zu schwimmen. So stellt sich der Nachwuchs einen gelungenen Sommerurlaub vor.
Wir bereiten ein einfaches Abendessen in unserer Hütte und nutzen dann die frühen Abendstunden für einen Spaziergang in Richtung See. Letztes Jahr konnten wir hier viel Rotwild beobachten, das sich in diesem Sommer leider nicht zeigen mag. Wir müssen uns also mit dem abendlichen Blick auf den Jølstravatnet begnügen.
Der Tag wird von einem weiteren echten Höhepunkt abgeschlossen. Bei unserem ersten Aufenthalt 2023 haben wir entdeckt, dass Lunde einen Hot Tub anbietet. Unter freiem Himmel und mit Premiumblick auf die zauberhafte Landschaft kann man hier im warmen Wasser vor sich hin sprudeln und dümpeln. Dieses Familienerlebnis, das wir beim ersten Mal im kühlen Nieselregen genießen durften, wollten wir unbedingt wiederholen und haben deshalb den Whirlpool direkt bei unserer Buchung für uns reserviert. Und auch heute ist es wieder eine großartige Sache, wenn auch die Außentemperatur so ist, dass man das Wasser des Hot Tubs gar nicht zum Aufwärmen nötig hat. Aber allein der Blick und das gemeinsame Erleben – einfach wunderbar. 🙂
Den morgigen Tag, das nehmen wir uns vor, wollen wir mit einem Frühstück am Bøyabre beginnen. Nun sind wir richtig angekommen.
Teil 428. Jan. 2025
Station 3.1: Die Insel Runde, der südlichste Vogelfelsen Norwegens
Auch heute ist es trocken und so können wir unseren Plan in die Tat umsetzen. Wir packen ein Picknick, fahren zum nahen Bøyabre, besetzen eine der Bänke am Gletschersee und genießen ein ausgiebiges Frühstück. Die Kinder wünschen sich auf jeden Fall noch Zeit am See, bevor wir die Weiterfahrt antreten, und natürlich kommen wir als gute Eltern diesem Wunsch gern nach.
Dann heißt es Abschied nehmen von Lunde. Schön war es, diesen Ort bei Sonnenschein erleben zu dürfen. Falls wir mal wieder in der Gegend sein sollten, wäre ein Zwischenstopp in Lunde immer gesetzt.
Heute wird uns der Weg wieder gen Küste führen. Die „Vogelinsel“ Runde ist unser Ziel für die nächsten zwei Tage. Die Etappe ist mit etwa 160 Kilometern überschaubar – trotzdem sind wir gut drei Stunden unterwegs. Am Nordfjord entlang geht es ein ganzes Stück nach Nordwesten, um in Küstennähe dann stracks nach Norden zu fahren. Dabei bieten sich landestypisch immer wieder schöne Ausblicke.
Runde ist der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Ort in Norwegen, wenn es darum geht, Papageitaucher und andere Seevögel zu beobachten. Die Insel ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Auch auf den Lofoten kann man auf den Inseln Værøy und Røst Puffins beobachten – aber das Hinkommen gestaltet sich umständlich und ist ohne eine Übernachtung vor Ort wohl auch wenig sinnvoll. Daher sind wir rückblickend sehr froh, Runde auf dem Weg in den höheren Norden als Etappenziel eingebaut zu haben.
Wir haben für die nächsten Tage eine Ferienwohnung im Runde Miljøsenter gebucht. Es ist eine von acht Wohnungen, die angeschlossen sind an ein Umweltzentrum mit Café und kleiner Naturkundeausstellung. Auch werden hier abendliche Puffin-Safaris angeboten. Über den Sinn dieser geführten Aktivität haben wir gegrübelt, denn das Auffinden der Papageitaucher stellt nicht die größte Herausforderung auf Runde dar.
Abgesehen von dem Miljøsenter gibt es nur wenige Betten auf der kleinen Insel. Unterkunft findet man vor allem auf dem Campingplatz. Früher konnte man auf Runde Bootstouren zu den Vogelfelsen unternehmen, das kleine Ausflugsboot „Aquila“ liegt noch im Hafen. Als wir dort waren, wurde uns jedoch gesagt, dass diese Touren nur noch Campingplatzgästen vorbehalten sind und eigentlich gar nicht mehr so richtig angeboten werden. Ich denke, dies mag daran liegen, dass der Bootsführer nicht mehr der jüngste ist. Ich finde es bemerkenswert, dass Bootsausflüge, die sicher eine gute Einnahmequelle während der Brutsaison wären, hier nicht mehr regelmäßig durchgeführt werden. Vielleicht sollten wir saisonal auswandern? 😛
Und so kommt man nur zur Fuß zu den Vögeln. Und das kostet auf Runde tatsächlich einige Mühe. Der Weg, der gleich hinter dem Campingplatz abzweigt, zieht sich steil (!) hinauf auf den Felsen, der die Insel dominiert. Der Anstieg ist wirklich kräftezehrend. Unermüdlich stapfen wir am späten Nachmittag hinauf. Viel früher lohnt sich der Aufstieg für die Papageitaucherbeobachtung auch nicht, denn die kleinen Vögel kehren erst in den Abendstunden in großer Zahl von der Nahrungssuche auf dem offenen Meer zu ihrem Brutfelsen zurück. Brutsaison ist von April bis etwa Anfang August.
Herrscht auf Meereshöhe am Saum der Insel noch recht klare Sicht, so begeben wir uns, je höher wir steigen, in die tiefhängenden Wolken, die vom frischen Wind über die Küste getragen werden und sich dabei gern zäh am gigantischen Felsblock Rundes festsetzen. Nach all der Anstrengung des Aufstiegs haben wir Sorge, durch den Wolkennebel kaum einen Vogel entdecken zu können.
Das Plateau des Felsens wird von niedriger Vegetation dominiert, die von einigen Bohlenwegen durchzogen wird. Es zeigen sich Schafe im Nebel.
Von Fernsicht kann heute Nachmittag wahrlich keine Rede sein, da ist es ein schöner Moment, als wir eine Bekassine direkt neben dem Bohlenweg entdecken können, die mit zwei Küken unterwegs ist. Immerhin ein vernünftiges Portrait des Altvogels entsteht im dichten Bodenbewuchs, bevor die Schnepfen sich unseren Blicken entziehen.
Lundeura, der Brutfelsen der Puffins, ist durch Holzwegweiser gut ausgeschildert. Und so erreichen wir den schroffen Ort nach einem guten Fußmarsch, der am Ende an der Steilküste Rundes entlangführt. Schon hier lichtet sich die lästige Wolkenwand und wir sind guter Dinge, dass wir gleich den ein oder anderen Papageitaucher entdecken werden können.
Am Puffinfelsen ist man wahrscheinlich selten allein. Trotz der Beliebtheit dieser Beobachtungsstelle ist sie erstaunlich unwegsam. Um gute Beobachtungspositionen zu finden, muss man durchaus über nass-glatte Felsbrocken und Schlammpfützen kraxeln. Dann aber kann man das muntere Treiben der Papageitaucher so richtig genießen.
Oft sieht man die Vögel von oben herab an den Felswänden hocken – keine schöne Fotoposition. Immer wieder aber sitzen die Puffins jedoch auch auf Augenhöhe und teilweise in erstaunlicher Nahdistanz. So gelingen uns einige Portraits dieser Charaktervögel des Nordens.
In ein paar hundert Metern Entfernung kann man vom Lundeura den Rundebranden erspähen. An diesem Felsen brütet eine große Kolonie von Basstölpeln. Leider lag der Felsen aber bei jedem unserer Annäherungsversuche in dichten Wolken verborgen. Wir haben das lautstarke Gezänk der Tölpel gut hören können, Blicke waren uns kaum vergönnt.
Irgendwann beginnt es zu nieseln und die Kinder haben aus nachvollziehbaren Gründen auch keine rechte Lust mehr. Und so machen wir uns auf den Rückweg. Auf dem Plateau brüten einige Paare der Großen Raubmöwe (Skua), die wir beim Aufstieg noch nicht entdecken konnten. Trotz des Nieselregens hat sich die Weitsicht nun eher verbessert und so können wir noch einen Vertreter dieser enorm großen Vögel im Flug erwischen. Das freut den Birder.
Ziemlich erschöpft erreichen wir zu fortgeschrittener Stunde unsere Unterkunft und legen uns erstmal hin. Der Regen hat aufgehört und was nun folgt, gehört zu den „Magic Moments“ dieser Reise. Die untergehende Sonne präsentiert uns ein Farbenspiel, das wir in dieser Intensität kaum je erlebt haben. Dunkelrot leuchtet die Festlandküste. Eine Stimmung, die unsere Fotos nur unvollständig wiedergeben können. Wir sind absolut verzaubert.
Hundemüde geht es dann – wieder einmal viel zu spät – in unsere Betten. Morgen steht zum Glück nochmal ein ganzer Tag auf der Insel Runde an. Wir freuen uns darauf.
Teil 531. Jan. 2025
Station 3.2: Noch eine Runde auf Runde
Ich werde vor den anderen wach, schaue aus dem Fenster, sehe strahlenden Sonnenschein und nutze die frühen Morgenstunden für einen Spaziergang an der Inselküste. Niemand ist zu dieser Zeit unterwegs. Alles ist herrlich ruhig. Mein Weg führt mich auf die Hafenmole. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Insel.
Nach einem gemeinsamen Frühstück teilen wir uns heute auf. Die Kinder haben keine Lust, schon wieder auf den Inselberg zu steigen und möchten gern in der Wohnung „chillen“. Also machen sich nur die Erwachsenen auf den Weg. Wieder ist das Wetter am Saum des Bergs gut. Nach dem Aufstieg stellt sich jedoch alsbald wieder die Wolken-Nebel-Situation von gestern ein. Zumeist sind wir also Wanderer im Nebelmeer. Das hat auch seinen Reiz. Fernsicht wäre uns aber lieber gewesen. So stapfen wir durch das milchige Weiß an der Steilküste Rundes entlang. Wenn der Nebel aufreißt, haben wir ein wenig Blick und man ahnt das Potential eines klaren Tages.
Absurd finden wir die Hinweisschilder auf ein Wanderverbot an der Steilküste während der Brutzeit. Auch außerhalb dieser Monate würden wir nicht im Traum daran denken, hier weiterzugehen…
Viele Vögel sehen wir wetterbedingt auf unserer Runde nicht. Wir erhaschen einen kurzen Blick auf einen vorbeifliegenden Seeadler, der aber ruckzuck hinter einer Feldkante verschwindet. Einzig ein Strandpieper im Nebel lässt sich verewigen.
Am Aussichtspunkt zum Rundebranden starren wir leider nur auf eine undurchdringliche weiße Wand. Wir hören das Kreischen von Basstölpeln, Trottellummen und Co. Aber ein Blick auf die Brutfelsen ist uns leider nicht vergönnt. Wie gern hätte ich hier einen Eissturmvogel gesehen. Weiter geht es durch das feuchte Weiß. Wir müssen immer wieder ob der Absurdität dieser Blindwanderung lachen. Sobald man vom Felsen herabsteigt, wird die Sicht wieder weiter und wir kommen gut durchgelüftet in der Ferienwohnung an.
Nachdem wir den weiteren Nachmittag mit Spielen und Büchern verbracht haben, brechen wir am frühen Abend zu viert erneut zu einer Wanderung auf den Vogelfelsen auf. Der dichte Nebel hat sich gelichtet. Nur einige Wolkenfetzen streifen über das Gipfelplateau und sorgen für schöne Stimmungen.
Auf unserem Weg kommen wir an einem Brutplatz einer großen Skua vorbei. Der Abstand ist zum Glück so groß, dass die Raubmöwe sich nicht zu einer Attacke veranlasst sieht.
Wir steuern erneut Lundeura an. Heute haben wir definitiv besseres Licht. Die Steilküste zeigt sich von ihrer atmosphärischen Seite.
Der Blick vom Puffinfelsen ist heute viel schöner als gestern. Malerisch öffnet sich die schroffe Küste Rundes unseren Blicken. Das allein wäre den Aufstieg wert.
Die eigentlichen Stars sind aber natürlich auch heute die drolligen Papageitaucher. Das warme Licht der Abendsonne lässt die Schnäbel nochmal farbenfroher wirken.
Für die Kinder haben wir eine Picknickdecke mitgebracht. Sie machen es sich gemütlich und hören irgendwann ein Hörspiel über ihre Kopfhörer, während die Erwachsenen die Vögel beobachten.
Im Sitzen.
Beim Stretching.
In der Nahaufnahme.
Die besondere Herausforderung ist jedoch, die flinken Winzlinge im Flug zu erwischen. Das ist mit Blick auf das Meer gar nicht so einfach, da die Tiere immer wieder plötzlich von schräg unten oder aus dem Gegenlicht erscheinen und dabei sehr schnell unterwegs sind. Also versuche ich zu verstehen, mit welchem Verhalten die Puffins ihren baldigen Start ankündigen, um auf diese Weise ein paar Flugaufnahmen aus relativer Nähe zu bekommen. Das misslingt öfter, als es gelingen will und das Objektiv wiegt schwer in meinem Arm. Am Ende ist viel Ausschuss produziert, aber immerhin auch einige wenige scharfe Flugaufnahmen, mit denen ich ganz zufrieden bin.
Nach ausgiebiger Beobachtung setzen wir unsere abendliche Wanderung fort. Auch einige Puffins sind augenscheinlich müde.
Der Basstölpelfelsen liegt nun in nebligem Gegenlicht.
Während wir an der Steilküste entlang zurückwandern, können wir ein paar Meter unter der Kante einige Tordalken entdecken. Was für ein schöner Bonus! Diese Vögel konnte ich bisher erst einmal in Schottland auf dem Bass Rock (übrigens eine absolute Empfehlung!) beobachten und das aus weiter Entfernung. Daher sind diese Nahaufnahmen von schräg oben eine willkommene Ergänzung unserer Sammlung.
Wir beschließen trotz der späten Stunde – es ist bereits etwa 21 Uhr – noch eine Runde auf dem Plateau zu drehen. Zu schön ist die Lichtstimmung.
Aber dann zieht wiederum dichter Nebel auf und wir stapfen erschöpft erneut durch die weiße Suppe. Und wieder zeigen sich Schafe im Nebel.
Einem mutigen Bock passt unsere Anwesenheit dabei augenscheinlich gar nicht. Er fixiert uns und stampft energisch mit dem Vorderhuf auf. Die Kinder beeindruckt das sehr und auch ich bin davon überrascht, dass mich der kleine Kerl mit seinen zierlichen Widderhörnern durchaus einzuschüchtern weiß. 😗 Also machen wir einen kleinen Bogen und stellen bald fest, dass nicht alle Wege auf dem Plateau so gut markiert sind, dass man sie ohne Problem im dichten Nebel verfolgen kann. Eine von Google-Maps behauptete Verbindung zum Abstieg stellt sich als Sackgasse heraus, die im dichten Bewuchs endet und uns eine gute Strecke zurückgehen lässt. Das wird zunehmend anstrengend. So langsam kommt zum Nebel die einsetzende Dunkelheit hinzu. Und durchaus eben auch die Erschöpfung. Und so sind wir froh, als wir weit nach 22 Uhr den Abstiegspfad endlich erreicht haben und mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt werden.
Mit letzter Kraft erreichen wir einige Zeit später schließlich unsere Wohnung und fallen müde in die Betten.
Morgen werden wir Runde wieder verlassen. Unsere Reise führt uns dann ins nahe gelegene Ålesund.
Teil 603. Feb. 2025
4. Station: Ålesund
Als wir am Morgen erwachen, hat sich leichter Nieselregen eingestellt. Da fällt die Entscheidung leicht, nicht noch einmal auf den Inselberg zu steigen.
Heute trennen uns nur 80 Kilometer Wegstrecke und eine Fährfahrt von unserem nächsten Etappenziel Ålesund. Wir lassen es also ruhig angehen, denn so richtig will das Wetter uns nicht nach draußen locken. Gegen 10 Uhr ist schließlich das Gepäck im Auto verstaut und wir verlassen Runde bei dichter und tiefhängender Bewölkung. Diese graue Stimmung motiviert kaum zu Zwischenhalten und so entstehen auf der Fahrt entlang der Küste keine Fotos oder bleibende Erinnerungen. In Hareid müssen wir wieder einmal eine Fähre nutzen. Eine wie immer willkommene Abwechslung, auch wenn man sich heute nicht auf Deck aufhalten mag. Und so sitzen wir im Aufenthaltsraum der Fähre und gönnen uns die typischen norwegischen Hotdogs oder alternativ Eiscreme.
Am anderen Ufer angekommen, ist es nur noch eine halbstündige Fahrt bis zum Ziel. Als wir Ålesund erreichen, reißt die Bewölkung zu unserer Freude mehr und mehr auf und der Rest des Tages verspricht recht schön zu werden.
Wir haben eine kleine Ferienwohnung auf dem Aksla für die nächste Nacht gemietet. Der Aksla ist der Hausberg der Stadt und bietet mit seinen 189 Metern einen sehr schönen Ausblick auf die Altstadt Ålesunds, die jedoch am Nachmittag ein wenig zu sehr im Gegenlicht liegt. Trotzdem: Die Lage der 60.000-Einwohner-Stadt am Meer mit den vorgelagerten Inseln ist wirklich herrlich!
Um in die Altstadt hinabzusteigen, muss man eine Treppe mit 418 Stufen überwinden. Nach unten ist das kein nennenswertes Problem und der Abstieg wird immer wieder von schönen Ausblicken begleitet. Wenn man aber dann einen ausgedehnten Stadtbummel hinter sich hat, muss man eben auch wieder hinauf…
Kaum unten angekommen, verziehen sich die tiefhängenden Wolken vollends und wir können einige sonnige Stunden in der Innenstadt verbringen. Und diese ist tatsächlich einen Besuch wert. Bei einem Stadtbrand wurde in der Nacht zum 23. Januar 1904 fast die komplette Innenstadt zerstört. Sie wurde dann unter anderem mit Hilfe des Deutschen Kaiserreichs wieder aufgebaut und ist dadurch von zahlreichen Gebäuden im Jugendstil geprägt, die für Norwegen ziemlich untypisch sind. Wir spazieren also durch die Straßen der Stadt und erfreuen uns immer wieder an schönen Fassaden. Ich fotografiere aber definitiv lieber Wildlife und Landschaften und so schaffen es nur recht wenige Aufnahmen in die Auswahl. Es ist wieder warm genug, um draußen zu sitzen und ein Eis mit Ausblick auf den Ålesundet macht den Nachmittag für uns alle vier ziemlich rund.
Als wir uns am frühen Abend nach einem Bummel durch diverse Läden – den Kindern hat es aus Gründen vor allem der „Normal“, eine Art Drogeriemarkt, angetan – schließlich an den Aufstieg des Aksla machen, wird es schnell bedrohlich dunkel am Himmel und zusätzlich zu den 418 Stufen versüßt uns einsetzender Regen den Weg zurück in die Ferienwohnung. 😣
Wir nutzen den Rest des Tages ganz unspektakulär für Einkäufe und lassen den Abend nach einem schnellen Abendessen lesend und spielend ausklingen.
Morgen geht es für uns schon weiter nach Trondheim. Bestimmt könnte man in Ålesund noch mehr Zeit verbringen, uns aber hat der schöne Blick vom Aksla und der ausgedehnte Spaziergang durch die Innenstadt für einen Eindruck der Stadt genügt.
Teil 706. Feb. 2025
5. Station: Trondheim
Nachdem wir in den letzten Tagen kaum im Auto gesessen haben, steht heute ein längerer Fahrtag an. Unser Weg führt uns bis nach Trondheim und das sind immerhin knapp 300 Kilometer und rund fünf Stunden Fahrzeit. Wir wählen die E39, die sich über etwa die Hälfte des Wegs an der Küste entlang gen Nordosten zieht. Das Fahren macht hier Spaß: Alles sehr entspannt und schöne Landschaft links und rechts der Straße. Unterbrochen wird die Zeit im Auto einmal mehr durch eine Fährfahrt. Heute bei weitaus besserem Wetter.
Am frühen Nachmittag erreichen wir unsere Ferienwohnung, die in einem ruhigen Wohnviertel im Osten Trondheims liegt. Eine Straßenbahnhaltestelle ist nahebei und so freuen wir uns darauf, die Stadt ganz entspannt entdecken zu können, ohne horrende Parkgebühren zahlen zu müssen. Das Haus selbst ist wirklich schön.
Die Wohnung erstreckt sich über zwei Etagen und ist stilvoll eingerichtet.
Zwei Tage verbringen wir hier und von diesen tatsächlich mehr Zeit im Inneren der Wohnung, als wir es eigentlich geplant hatten. Zum Glück ist sie so schön und geräumig. Denn das Wetter zeigt sich bei unserem Trondheim-Besuch von seiner wankelmütigen Seite. Wir erreichen die Stadt bei strahlendem Sonnenschein und entspannen erstmal von der langen Fahrt. Da heute unser Hochzeitstag ist, überraschen die Kinder uns damit, dass sie unser Schlafzimmer heimlich dekorieren. Eine süße Geste.
Als wir schließlich unseren Ausflug in die Innenstadt beginnen wollen – nach der Zeit im Auto möchten wir zu Fuß gehen – ziehen bereits Wolken auf. Noch ist es aber trocken und das wird es auch den ganzen Rest des Tages bleiben, so dass einer schönen Entdeckungstour nichts im Wege steht. Trondheim hat für den Besucher einiges zu bieten. Zuerst lenken wir unsere Schritte zum wirklich sehenswerten Nidarosdom.
Er gehört zu den bedeutendsten Kirchen in Norwegen und ist Nationalheiligtum. Im Mittelalter und von 1818 bis 1906 war der Nidarosdom die Krönungsstätte der norwegischen Könige. Hier wurden sieben Könige gekrönt und zehn begraben. Bei Tripadvisor lesen wir: „größer wie der Kölner Dom“ – das ist natürlich in doppelter Hinsicht Quatsch. 😛
Bereits außen ist die Kirche einen genauen Blick wert. Vor allem die Westfassade beeindruckt mit einer Vielzahl figürlicher Darstellungen. Fun Fact: Der Erzengel Michael soll in seinen Gesichtszügen Bob Dylan gleichen. Wir haben es nicht verifiziert.
Aber auch von Innen ist der Dom absolut sehenswert.
Der Rest des Nachmittags wird dazu genutzt, die Stadt mit ihren weiten Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Zu nennen sind hier die Gamle Bybro, eine Holzbrücke, die mit schönen Schnitzereien verziehrt ist, und bei sommerlicherem Wetter bestimmt noch reizvoller ist.
Sehenswert sind auch die bunten Speicherhäuser am Fluss Nidelva. Nahebei ist eine öffentliche Slackline gespannt, die wir mit unterschiedlichem Erfolg nutzen. 10 Punkte für die Kinder. Einige weniger für die Erwachsenen. Fotos bleiben hier unter Verschluss.
Abgerundet wird unsere Tour durch einen Spaziergang durch das kleine Viertel Bakklandet. Es entstand im 17. Jahrhundert. Die kleinen Gassen mit ihren bunten Holzhäusern versetzen den Müßiggänger in eine andere Zeit – wenn da nicht diverse Restaurants wären und Autos am Straßenrand stünden.
Zufrieden und gut gefüllt mit neuen Eindrücken verbringen wir einen schönen Abend in unserem Domizil.
Unseren zweiten Trondheim-Tag wollten wir eigentlich in der die Stadt umgebenden Natur verbringen. Leider mag das Wetter aber so gar nicht mitspielen. Das geplante Programm fällt mehr oder weniger dem Dauerregen zum Opfer. Und so bleiben wir lange in der Wohnung, streamen gemeinsam Filme, spielen, schmausen, schmökern, schlafen…
Am Nachmittag treten wir dann doch noch den Gang durch den Regen zur Straßenbahn an. Unser Ziel ist eine Indoor-Minigolfanlage mitten in Trondheim. Hier verbringen wir einige vergnügliche Stunden – für die Kinder ist der Regentag damit am Ende ein ziemlich guter Ferientag: Filme gucken, chillen, Minigolf. Alles besser als Papageitaucher. 😉
Am Abend hört der Regen auf, dunkel wolkig bleibt es trotzdem. Die Trockenheit möchte aber nach der Nässe des Tages genutzt werden. Wir fahren also zum nahen Theisendammen, einem kleinen See am Rand Trondheims, über den ich irgendwo im Netz gelesen hatte, dass es dort Biber geben soll. Die würden wir gern sehen und die Abendstunden sind naturgemäß eine gute Zeit für eine Sichtung. Leider ist der See heute Abend biberfrei und das Wetter lädt auch nicht so recht zur Landschaftsfotografie ein. So verbringen wir die Zeit bei Gesprächen mit netten Anglern, die heute auch keinen Biber gesehen haben, und einem kauzigen Local, der uns detailreich bis ins Intime von seinem Leben und seiner erotischen Verbindung zu Pflanzen erzählt. Reisen bildet. Irgendwann beginnt es wieder zu nieseln. Die Wildlife-Ausbeute ist am Ende mager: Immerhin ein Reh können wir auf dem Ausflug entdecken. Dicke Nager wären uns aber lieber gewesen.
Morgen früh möchte ich noch einen zweiten Versuch wagen, Meister Bockert zu Gesicht zu bekommen.
Teil 810. Feb. 2025
6. Station: Von Trondheim zum Campingplatz Yttavik
Heute stehe ich vor den anderen auf und schleiche mich auf leisen Sohlen hinaus. Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen. Im Frühnebel breche ich zur erneuten Bibersuche an den Theisendammen auf. Von einem Parkplatz aus ist es ein kurzer Fußmarsch durch die noch menschenleere Natur bis zum Seeufer. Ein kleiner Steg führt hinaus auf das Wasser und bietet einen guten Ausblick über das von Nebelschwaden überzogene Nass. Mein Auge muss nicht lange suchen: Nicht weit entfernt zieht tatsächlich ein Biber seine Bahn. 🤩
Zwei Tiere kann ich heute früh beobachten. Mission erfüllt.
Neben den großen Nagern ist der See heute Morgen von einigen Entenarten bevölkert: Pfeifente, Reiherente und Schellente.
Auch ein Grünschenkel fliegt irgendwann ein.
Ornithologisches Highlight sind für mich aber zwei Sterntaucher. Diese schönen Vögel sehe ich zum ersten Mal und wenn ihre Rufe die Stille des frühen Morgens durchschneiden, ist das eine ganz wunderbare Stimmung.
Und zwischendurch und immer wieder: Die Biber.
Zum Frühstück fahre ich zurück zur Ferienwohnung. Dann heißt es zusammenpacken und unbedingt nochmal an den Theisendammen zurückkehren. Die Morgensonne hat den Frühnebel komplett verdrängt, die Temperaturen sind schnell gestiegen und so wird der weitere Morgen und Vormittag für Familienzeit am See genutzt.
Drei von vieren lassen es sich nicht nehmen, ausgiebig zu schwimmen. Auch so stellt man sich einen sommerlichen Skandinavienurlaub vor. Nach dem gestrigen Schmuddeltag ist das ein herrliches Kontrastprogramm – auch wenn nicht allen Familienmitgliedern ganz wohl dabei ist, das kühle Nass mit Enten zu teilen, die sich kaum an Abstandregeln halten mögen… Auch Biber lassen sich aus der Ferne nochmals kurz sehen. Schön, dass wir somit alle den Nager auf der individuellen Sichtungsliste vermerken können. Am späten Vormittag müssen wir uns losreißen. Wir haben schließlich noch eine enorme Strecke zu bewältigen. Heute steht unser Hauptfahrtag in Richtung Norden an. Unser Ziel für eine Nacht ist ein Campingplatz am Straßenrand: Yttervik. Ganze 450 Kilometer trennen uns von unserem Ziel – und das sind in Norwegen schnell mal sechseinhalb Stunden Autofahrt. 😣 Der Weg führt uns zu Beginn sehr schön am Trondheimfjord entlang.
Dann geht es recht stracks gen Norden auf der E6. Die Landschaft verändert sich. Es wird waldiger und es zieht sich durchaus. Dank guter Musik und unserer Switch lässt sich aber auch diese stumpfe Fahrerei und Sitzerei überstehen.
Ein Highlight hält die Fahrt aber für uns bereit. Denn plötzlich steht irgendwann ein Elch am Straßenrand. Mit so einer Zufallssichtung hatten wir gar nicht gerechnet! 🤩 Zu unserem Glück ist der Elch so touristenfreundlich, dass er sich an einer Ausfahrt zu einem Waldweg positioniert hat. Wir biegen also ab, steigen vorsichtig aus dem Wagen – schließlich liegt das Teleobjektiv gut verstaut im Kofferraum – und nähern uns dann Schritt für Schritt dem riesigen Tier, das sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lässt. Immer wieder schaut die Elchkuh zwar zu uns herüber, um dann aber einfach mit dem Futtern fortzufahren. So stehen wir viele Minuten staunend ganz in der Nähe dieses tollen Tiers und können unser Glück gar nicht so recht fassen.
Irgendwann reißen wir uns los. Der Elch bleibt vor Ort, wir fahren weiter gen Norden.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich den Campingplatz Yttervik, der neben der E6 recht schön am Ranfjord liegt. Auf dem Zeltplatz gibt es eine Handvoll Hütten, eine davon haben wir für die nächste Nacht gemietet. Es gibt zwei Schlafzimmer mit Stockbetten (zum selbst beziehen), ein sehr einfaches Bad und ein schönes Wohnzimmer mit offener Küche. Heute wird es Nudeln geben – wir sind ja nicht so die großen Köche…
Wir gehen etwas spazieren, auch wenn das neben der E6 nur eingeschränkt möglich ist und genießen den Blick von unserem Balkon über den Fjord. Nach diesem langen Fahrtag sind wir ganz schön erschöpft.
Teil 913. Feb. 2025
7. Station: Von Yttervik nach Å auf den Lofoten
Zum Sonnenaufgang ist die Nacht für mich mal wieder zu Ende – ich weiß auch nicht, warum mein Schlaf in fremden Betten immer so früh enden möchte. Also trete ich im Schummerlicht des anbrechenden Tages auf unseren Balkon und atme tief die frische Fjordluft ein.
Plötzlich durchbricht ein lautes Prusten die Stille. Ein Schritt zum Geländer und ein Blick nach unten ins Wasser enthüllt die Verursacher: Zwei Schweinswale ziehen nur wenige Meter von mir entfernt durch den Fjord. 🤩 Nach einem kurzen Blick springe ich schnell zurück ins Haus, um das passende Objektiv zu holen und die noch dösenden Familienmitglieder über die Sichtung zu informieren. Natürlich wollen alle die Wale sehen und wir haben Glück, denn die zwei Tiere ändern immer wieder ihre Richtung und lassen sich so von uns allen beobachten und dokumentarisch festhalten.
Whale-Watching vom Balkon aus – was für ein unverhoffter Start in den neuen Tag!
Nach einem gemeinsamen Frühstück verstauen wir einmal mehr unsere Sachen im Auto. Yttervik war schließlich nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zu den Lofoten. Heute sind es noch 245 Kilometer und etwa dreieinhalb Stunden Fahrt bis zur Fähre in Bodø, die uns auf die Lofoten bringen wird. Die Fähre habe ich sicherheitshalber vorgebucht und so müssen wir gegen Mittag am Hafen sein. Das sorgt für eine frühe Abfahrt in Yttervik.
Nach etwa 100 Kilometern Fahrt erreichen wir den Polarkreis. Trotz der gebuchten Fähre halten wir natürlich an und spazieren bei wunderbarem Wetter ein wenig herum. Denn für uns alle vier ist es das erste Mal, dass wir diesen Grad überqueren. Unsere Kleine baut ein Steintürmchen, das sich zu vielen seiner Art gesellt und verkündet: „Ich war hier“. Insgesamt ist der Ort eher eine „gefühlte Attraktion“.
Abgesehen von ein paar Infotafeln gibt es hier ein Besucherzentrum, das sich bei näherem Betrachten aber als Souvenirshop und Café entpuppt. Den Besuch sparen wir uns gegebenenfalls für den Rückweg auf.
Durch einmal mehr schöne Landschaft setzen wir den Weg gen Bodø fort und erreichen das Städtchen mehr als pünktlich.
So haben wir noch viel Zeit, den Hafen zu entdecken oder einfach in der strahlenden Sonne zu sitzen. Ob das Vorbuchen letztendlich nötig war, kann ich gar nicht einschätzen. Auf der Vorbucherspur warten nur wenige Fahrzeuge. Alle anderen kommen auch mit. Beruhigend war es am Ende aber schon, einen sicheren Platz zu haben. Pünktlich nähert sich die Fähre dem Hafen.
Nach dem Entladen fahren wir an Bord und suchen uns einen Platz im Aufenthaltsraum. Die Fahrt wird etwa drei Stunden dauern. Freunde haben uns vor der Überfahrt gewarnt, die bei entsprechendem Seegang ihren Tribut fordern könnte. Wir haben aber Glück: Es ist beinahe windstill und das Meer ist optimal ruhig. Und so genießen wir die Fahrt bei Hotdogs und schönen Blicken auf das Festland und die vorgelagerten Inseln.
Immer wieder lassen sich über die Wasseroberfläche fliegende Trottellummen und Papageitaucher beobachten. Das eigentliche Highlight ist jedoch die Inselkette selbst, die irgendwann am Horizont erscheint.
Immer wieder liest man, dass die Lofoten so wirken würden, als würden die Alpen einfach aus dem Meer wachsen. Ein Bild, das, bei der Annäherung von See aus, sehr nachvollziehbar gewählt ist. Überaus beeindruckend ragen die schroffen Felswände der Lofotwand viele hundert Meter hinauf in den Himmel. Sich diesem Panorama zu nähern, gehört für uns zu den bleibenden Eindrücken dieser Reise.
Willkommen auf den Lofoten!
Teil 1015. Feb. 2025
Fortsetzung
Am späten Nachmittag und bei herrlichstem Wetter erreicht unsere Fähre den kleinen Hafen von Moskenes. Bereits das kleine Hafenbecken mit den es umgebenden Holzhäusern und der weißen Kirche macht Lust auf mehr.
Von Moskenes aus biegt man nach links gen Å ab, wo unser Häuschen für die nächsten Tage steht. Da wir jedoch der Stabilität einer Schönwetterlage in Norwegen noch nicht so recht trauen mögen, biegen wir erstmal nach rechts ab, um das nur wenige Kilometer entfernte Fischerdorf Reine zu besuchen, dessen wunderschöne Lage so manches Reiseführercover ziert. Wir finden einen Parkplatz am Ortsrand und spazieren zu den Aussichtspunkten, die eine wirklich spektakuläre Sicht auf das Dörfchen, den Fjord und die umgebenden Berge eröffnen. Diese Blicke finden wir jetzt wirklich erstaunlich. Und bereits jetzt scheint klar zu werden, dass die Lofoten landschaftlich zum besten gehören, das wir auf unseren Reisen bisher erleben durften. Es ist einfach unglaublich schön hier.
In Reine kaufen wir im Dorfladen für viel Geld wenig ein. Die Auswahl ist begrenzt. Es gibt mehr Ansichtskarten als Lebensmittel. Heute Abend wird also Tiefkühlpizza serviert.
In den frühen Abendstunden fahren wir schließlich nach Å. Das warme Licht wird uns noch einige Stunden begleiten. Das ist wirklich fabelhaft und verdrängt die Müdigkeit des langen Reisetags.
Am Ortsrand des kleinen Fischerdorfs, das wie ein Freilichtmuseum wirkt, liegt in exponierter und doch sehr ruhiger Lage unser kleines weißes Häuschen, das wir für die nächsten drei Nächte bewohnen werden. Die Freude ist groß!
Im Erdgeschoss finden sich Küche, Wohnzimmer und ein Bad. Alles gemütlich im „Vintage-Style“ eingerichtet – bei meinen Großeltern sah es tatsächlich ähnlich aus.
Im ersten Stock sind zwei schlichte Schlafräume und eine weiteres Badezimmer zu finden. Vom Haus aus blickt man in einer Richtung über das Dorf hinweg, in der anderen eröffnet sich der Blick zum Meer hin. Das ist fast noch schöner.
Wir spazieren ein wenig durch Å. Ein schönes Dörfchen, das dieser Tage aber vor allem akustisch Aufmerksamkeit erzeugt, denn auf einigen Dächern nisten dicht an dicht unzählige Dreizehenmöwen, die unablässig ihr durchdringendes „Kittiwäääh!“ ausstoßen. Am Hafenbecken können wir sogar kurz einen Fischotter entdecken – leider ist das falsche Objektiv montiert und so entsteht hier nichts Vorzeigbares. Schade.
Dann zieht es uns natürlich irgendwann noch ans Meer, das wir von unserem Haus aus in wenigen Augenblicken über Stock und Stein erreichen. Je nach Stand der Flut kann man hier nach Herzenslust über Felsen kraxeln und in Gezeitenpools herumplanschen. Das ist jetzt und in den kommenden Tagen ein echtes Highlight für die Kinder.
Ich nutze die Zeit und das schöne Licht lieber, um ein wenig den anwesenden Austernfischern nachzustellen.
Den fortgeschrittenen Abend verbringen wir (noch immer im T-Shirt! 😉 ) bei Tiefkühlpizza und Kaltgetränken auf unserer Terrasse mit Blick über die Küste und das Meer. Was ist das herrlich hier. Unglaublich.
Randvoll mit neuen Eindrücken geht es viel zu spät in die Betten. So richtig dunkel will es trotz der von uns vor den Fenstern installierten Rettungsdecken nicht werden und so ist der Schlaf eher von der leichten Sorte. Noch nachts um zwei ziehen Mutter und Tochter von der Stimmung begeistert ums Haus.
Um kurz nach halb vier Uhr verrät mir ein Blick aus dem Fenster: Das Licht ist wieder einfach nur göttlich. Zeit für einen nächtlichen Spaziergang durch Å, auf den ich euch im nächsten Kapitel mitnehmen werde.
Teil 1117. Feb. 2025
Fortsetzung
Um kurz vor vier Uhr ist die Welt auf den Lofoten im Juli in wunderbar warmes Licht getaucht. Eigentlich viel zu müde, möchte ich diese schöne Stimmung keinesfalls verpassen. Ein kleiner Spaziergang führt mich zur Hafenmole. Von hier aus hat man meiner Ansicht nach den schönsten Blick auf Å und die es umgebenden Berge. Erstaunlicherweise bin ich zu dieser unchristlichen Zeit hier nicht allein. Eine Handvoll weiterer Morgensonnenanbeter genießt die Stimmung. Und die ist tatsächlich zum Niederknien.
Ich streife ein wenig durch das Fischerdorf. Dabei interessieren mich in erster Linie die Dreizehenmöwen, die auch in aller Herrgottsfrühe ihr „Kittiwäh“ ohne Rücksicht auf etwaige Schlafbedürfnisse ihrer Nachbarn erschallen lassen. Auf einigen Dorfhäusern nisten ganze Kolonien dieser eleganten Vögel. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, wie die Bewohner der Häuser zu den lärmenden Möwenmassen stehen. Ich jedenfalls bin trotz Vogelliebe ganz froh darüber gewesen, dass zwischen unserem Haus und dem nächsten Möwenhaus ein paar hundert Meter lagen…
Da die anderen bei meiner Rückkehr noch schlummern, spaziere ich aus Å heraus in Richtung Zivilisationsende. Die Straße endet am Ortsrand in einem größeren Parkplatz. Von dort aus gibt es ein paar Wanderwege und ganz viel Natur. Es ist eine große Freude abseits der Pfade über felsige Küstenlandschaft zu wandeln und dabei die wunderbare Aussicht über das Meer zu genießen. In der Ferne sieht man die Insel Værøy liegen.
Einen kleinen Fels zu finden, sich darauf niederzulassen, den Blick schweifend und den Geräuschen des Windes lauschend. Das ist schon wirklich schön.
Außer mir ist hier zu dieser Zeit niemand unterwegs und so freue ich mich irgendwann darüber, zwei Schmarotzerraubmöwen zu entdecken. Geduldig und vorsichtig nähere ich mich den Tieren und ich bin erstaunt darüber, wie dicht sie mich herankommen lassen. Ich setze mich auf einen Nebenfelsen und erfreue mich an dieser schönen Erstsichtung.
Außerdem findet sich in der Nähe des Dorfes der Ågvatnet, ein kleinerer See inmitten schöner Natur.
Dieser wird heute nach dem gemeinsamen Frühstück noch eine Hauptrolle spielen, denn der nordische Hochsommer lädt im Familienurlaub zu ausgedehntem Badespaß ein – und dem wollen wir hier im See und (damit wir auch etwas von den Inseln zu sehen bekommen) am Strand von Haukland nachgehen.
Fortsetzung folgt.
Teil 1219. Feb. 2025
Es folgt ein gemütliches Frühstück auf unserer sonnenbeschienenen Terrasse mit schönen Blick übers Meer. Was haben wir es gut hier! Während die Kinder am Häuschen bleiben, machen die Erwachsenen einen kurzen Einkaufsschlenker gen Reine. Natürlich nicht, ohne das Panorama nochmal in vollen Zügen zu genießen.
Der weitere Tag gehört schwerpunktmäßig dem Wasser. Wir schnappen uns ein wenig Proviant und die Badesachen und marschieren unter leeren Stockfischgestellen zum nahen Ågvatnet.
Hier suchen wir uns einen schönen Spot am Ufer, breiten unsere Decken aus und alsbald sind große Teile der Familie im kühlen Nass verschwunden. Außer uns sind nur wenige Menschen anwesend und so hat man ganz viel See und ganz viel Natur mehr oder weniger für sich. Das ist eines der großartigen Dinge in Norwegen: Würden wir in der Heimat einen heißen Sommertag sardinen-like im städtischen Freibad oder höchstens an einem nahen Baggersee verbringen, so taucht man hier im wahrsten Sinne des Wortes in grandiose Natur ein. Und so kann sogar ich mich für Badepausen erwärmen.
Nach diesem Programmpunkt und einer ausgedehnten Pause im schönen Ferienhaus steigen wir ins Auto und steuern den Strand von Haukland an, der sich an der Nordseite der Lofoten befindet. Auf der Fahrt dorthin entschlüpfen uns ob der Schönheit der Landschaft in sehr regelmäßigen Abständen „Ahs“ und „Ohs“.
Der Strand selbst ist wunderschön!
Das Wasser ist bei diesem Wetter karibisch türkis. Der Sand warm und weiß. Umgeben ist man von schöner Berglandschaft und sattgrünen Wiesen. Natürlich ist man hier im Sommer nicht allein – vor allem am Hang unterseits der Straße sind zahlreiche Zelte aufgebaut. Wer will es dem Campern verübeln, an einem so schönen Ort zu wohnen? Und einen Parkplatz zu finden, ist auch gar nicht so einfach. Aber die Anzahl der Menschen verteilt sich sehr gut über den langen Strand und die angrenzenden Buchten und so ist das Stranderlebnis von Haukland nicht mit solchen an weiten Teilen der deutschen oder niederländischen Nordseeküste oder gar einer Mittelmeerinsel zu vergleichen. Allen Unkenrufen bezüglich der im Sommer von Touristen überrannten Lofoten zum Trotz.
Wir bleiben bis in den fortgeschrittenen Abend am Strand. Die Kinder planschen und schwimmen fröhlich im eiskalten Nordmeer. So stellen sie sich ihre Ferien vor und wir sind froh, ihnen auch mal solche Tage bieten zu können. Beim Blick auf fröhliche Kinder und auf die grandiose Lofoten-Landschaft vergeht die Zeit schnell. Die Sonne nähert sich dem Horizont. Das Licht wird immer schöner.
Die Rückfahrt stellt die Hinfahrt bei weitem in den Schatten. Wir fahren zwar naturgemäß die gleiche Strecke wieder zurück. Aber das Licht des späten Abends taucht die sowieso schon grandiose Landschaft in wunderschöne Stimmungen. Jetzt müssen wir tatsächlich (zum Leidwesen der Kinder) immer wieder anhalten und versuchen, diese Atmosphäre irgendwie zu konservieren.
Gegen 23 Uhr kommen wir an unserem Häuschen an. Während die Kinder sich zum Lesen zurückziehen, gehen meine Frau und ich noch ein wenig am Rand des Dörfchens spazieren. Wir haben es schon in der letzten Nacht gesehen und heute kommt es zum Glück zu einer erneuten Begegnung: Zu vorgerückter Stunde sind hier Schneehasen unterwegs. Im Gegensatz zu gestern ist aber die Kamera bereit und so können wir eine neue Tierart in unsere Fotosammlung aufnehmen.
Irgendwann geht es dann auch für uns ins Bett. Morgen früh soll eine Bootstour über den Reinefjord anstehen. Das soll ein weiterer Höhepunkt dieser schönen Reise werden.
Teil 1321. Feb. 2025
Noch immer 7. Station: Westliche Lofoten
Auch am heutigen Tag herrscht wieder echtes Kaiserwetter und wir verbringen den Morgen mit einer sehr empfehlenswerten Aktivität. Am Vortag haben wir eine Fahrt über den Reinefjord mit der öffentlichen Fähre gebucht. Diese verbindet Reine mit den kleinen Dörfern, die rund um den Fjord verteilt liegen: Rostad und Kirkefjord. Schöner Nebeneffekt des öffentlichen Nahverkehrs ist, dass man die Tour für kleines Geld bekommt. Wir machen das Ganze als Rundfahrt, man kann aber auch gut zwischendurch aussteigen, um zu diversen Wanderungen aufzubrechen. Von Bord der kleinen Fähre bieten sich – wie an so vielen Orten der Lofoten – fantastische Ausblicke auf die den Fjord umschließenden Berge und die erstaunlich kleinen Ortschaften, die sich malerisch in die Landschaft schmiegen. Es ist wieder angenehm warm und so verbringen wir eine gute Zeit an Bord.
Auf der Rückfahrt gen Å halten wir kurz in Tind, um dort die an den gelben Holzfassaden nistenden Dreizehenmöwen zu beobachten.
Den Rest des Tages verbringen wir am Meer und auf Spaziergängen rund um Å. Dabei entdecken wir eine kleine Brutkolonie von Dreizehenmöwen und Krähenscharben. Es ist das einzige Mal, dass wir Dreizehenmöwen einmal nicht als Hausbesetzer erleben.
Für die Kinder ist am Nachmittag einmal mehr ausgedehnte Bade- und Kletterzeit angesagt, die Erwachsenen machen mit oder beobachten und fotografieren Vögel und sind mit der Ausbeute am Ende ziemlich zufrieden. Es macht einfach Spaß, an der schönen Küste zu hocken und zu beobachten, was so alles im Laufe der Zeit vorbeikommt. Da vergeht die Zeit wie im Flug.
Krähenscharben
Gryllteiste
Eiderente
Austernfischer
Trauerschnäpper
Am Ende entdecken die Kinder eine jagende Kegelrobbe, die wir interessiert beobachten. Ganz schön fette Beute!
Unseren letzten Abend in Å verbringen wir auf der schönen Terrasse. Hier waren wir wirklich gern!
Morgen geht es stracks gen Osten: Unser Ziel wird Kalle sein, auf dem Weg dorthin wollen wir das Wikingermuseum in Bøstad besuchen.
Teil 1424. Feb. 2025
8. Station: Kalle und die östlichen Lofoten
Heute ist es tatsächlich bewölkt und recht windig. Ein deutlicher Kontrast zu den ersten drei Tagen auf den Lofoten. Bei dieser grauen Atmosphäre fällt der Abschied von unserem schönen weißen Haus über dem Meer ein wenig leichter. Sicherlich werden wir nicht zum letzten Mal in der Gegend gewesen sein.
Wir sagen den Dreizehenmöwen Adieu.
Nachdem unser Auto schließlich wieder randvoll gepackt ist, machen wir uns auf den Weg gen Osten. Durch die tiefhängenden Wolken lädt die Fahrt heute weitaus weniger zu regelmäßigen Fotostopps ein und auch den Abstecher nach Nusfjord lassen wir wegen der heute herrschenden Witterung aus. Vielleicht beim nächsten Mal…
Gegen Mittag erreichen wir schließlich das Wikingermuseum in Bøstad. Rückblickend ein sehr lohnenswertes Ziel für uns als Familie. Trotz der dichten Wolken, die die Sonne nur für kurze Momente durchscheinen lassen, ist es relativ warm und vor allem: Es bleibt trocken. Und so erkunden wir in den nächsten Stunden das weitläufige Areal des Freilichtmuseums. Vor einigen Jahren wurden auf dem Gelände die Überreste eines Wikingerlanghauses gefunden. Neben dieser mit einigen Holzpfählen markierten Ausgrabungsstelle findet sich eine unbedingt sehenswerte Rekonstruktion des Hauses.
Hier wird auch für die Kinder sehr anschaulich, wie man sich das Leben zur damaligen Zeit vorstellt. Alles hier ist zum Anfassen und Ausprobieren gestaltet und so können sich alle Interessierten in Wikingerkluft schmeißen, diverse Handwerkstätigkeiten erproben oder einen Wikingereintopf, die über offenem Feuer gegart wurde, löffeln.
Das Museumsgelände erstreckt sich weitläufig herunter bis zu einem See. Hier sind weitere Stationen aufgebaut. Man kann sich z.B. mit Säcken bewaffnet duellieren und von einem Schwebebalken herunterkloppen. Oder Tauziehen. Oder Bogenschießen. Oder Äxte-Werfen. Oder Pony-Reiten. Für Abwechslung für alle Altersgruppen ist also gesorgt und wir verbringen einen schönen Wikinger-Familientag.
Ein Höhepunkt ist dann noch die Fahrt über den See mit einem nachgebauten Wikingerboot. Im warmen Wind blähen sich die Segel und wir bekommen richtig Schwung.
Zusammengefasst: Vor allem für Familien mit Kindern ist der Besuch des Wikingermuseums eine wirklich runde Sache.
Weiter geht unsere Fahrt gen Kalle.
Von einem Ort zu sprechen, wäre irreführend. Kalle ist vielmehr ein alter Fischerei- oder Agrarbetrieb, der zum Gästehaus umfunktioniert worden ist. Es besteht aus einem großen Bootshaus, das nun das Haupthaus bildet und einer Handvoll kleiner und größerer Hütten. Wir haben die Trollstua gemietet, die vielleicht zweihundert Meter von den übrigen Unterkünften entfernt direkt am Fjordufer und sehr malerisch vor einem riesigen Bergmassiv liegt.
Von hier aus hat man einen schönen Blick über den Fjord.
In Kalle verbringen wir die nächsten vier Nächte. Dabei steht neben einigen Ausflügen in die Umgebung vor allem ein kindgerechtes Freizeitprogramm auf dem Plan. Kalle bietet hier nämlich so einiges. Neben einer Sauna, die wir an fast jedem Abend nutzen, gibt es im Bootshaus ein Badmintonfeld und Tischtennisplatten.
Zur Freude unserer Kinder warten außerdem Flügel und andere Instrumente auf interessierte Musiker. Irgendwie scheint Klavierspielen auf den Lofoten cooler zu sein als in heimischen Gefilden… Außerdem kann man Fahrräder, Ruderboote und Kajaks leihen. Die Kinder cruisen begeistert auf klapprigen Rädern durch die Gegend und legen sich mit ihren Büchern bewaffnet an den kleinen Privatstrand.
Mehrfach rudern wir mit Boot und Kajak über den Fjord. Das geht alles erstaunlich gut von der Hand und macht richtig Spaß!
Auch Angelausrüstung steht für die Gäste bereit. Hier stellen wir uns aber selten blöd an und erbeuten höchstens ein wenig Tang, bevor sich die Angelschnur hoffnungslos verknotet… Erfahrene Angler haben Mitleid mit uns und schenken uns zwei wunderbare Makrelen aus ihrem umfangreichen Fang, die sie, als wir dankbar und immer noch etwas überfordert dreinblicken, auch noch für uns ausnehmen.
So steht einem leckeren Abendessen - vielleicht dem besten auf dieser Reise – nichts mehr im Wege.
Der erste ganze Tag in Kalle steht ausschließlich im Zeichen dieser sportlichen Familienaktivität und die Zeit vergeht viel zu schnell. So wird der Aufenthalt in Kalle zu einer ganz tollen Familienzeit, bei der jeder von uns vieren zu seinem Recht kommt.
Am nächsten Tag wollen wir neben dem hauseigenen Sportprogramm ein wenig in der Gegend wandern, was zu überraschenden landschaftlichen Höhepunkten führen wird. Außerdem stehen zwei absolute Top-Aktivitäten an: Eine RIB-Tour in den Trollfjord mit Seeadler-Beobachtung und eine abendliche Wildlife-Tour. Nach dem heutigen Tag in Kalle, der eher im Zeichen der Entschleunigung stand, wird der kommende Tag also bis zum Rand gefüllt sein.
Teil 1527. Feb. 2025
Noch immer 8. Station: Östliche Lofoten
Der heutige Tag beginnt einmal mehr früh bei bestem Wetter. Und einmal mehr stehe ich als erster auf, um mit der Kamera bewaffnet, die lokale Vogelwelt zu stalken. Höhepunkt der „Morgenpirsch“ ist ein Mittelsäger, der mit seinen Küken über den Fjord zieht. Zuerst in einiger Entfernung vom Land. Doch wieder einmal wird geduldiges Ausharren belohnt. Eine schöne Erstsichtung.
Während die Kinder in und um unsere Hütte entspannen und dann ein wenig durch die Gegend radeln wollen, brechen die Erwachsenen zu einer kleinen Wanderung durch die nähere Umgebung Kalles auf. Es zieht uns zur Küste und wir folgen einem Wanderweg, der uns durch schönste Landschaft dorthin bringt. Man kann sich gar nicht satt sehen. Ob die Menschen, die hier leben, ihre Umgebung in ihrer außergewöhnlichen Schönheit noch bewusst wahrnehmen?
Rechts uns links des Pfads wachsen Moltebeeren – es ist das erste Mal, das wir diese leckeren Früchte kosten können.
Als wir die Küste erreichen, lassen wir uns auf dem felsigen Untergrund nieder. Der Blick schweift über die nahen Berge der Inselkette. Hier möchte man zum Augenblick sagen: Verweile doch, du bist so schön!
Am frühen Nachmittag geht es weiter gen Svolvær. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der „Lofotenkathedrale“ vorbei, die einen Stopp wert ist.
Viel Zeit haben wir hier aber nicht, denn wir haben schon weit im Voraus der Reise eine RIB-Tour zum Trollfjord mit Seeadlerbeobachtung gebucht. Schnell finden wir einen Parkplatz in der übersichtlichen Inselhauptstadt und marschieren zum kleinen Hafen. Dort finden sich einige Touranbieter. Wir haben bei RIB-Lofoten gebucht und werden dort freundlich empfangen. Als die Chefin unser Objektiv sieht, lacht sie und meint, dass diese Brennweite hier auf keinen Fall benötigt werden würde. Ich sollte das große Ding besser im Auto lassen, es sei nur im Weg. Rückblickend stellt sich das leider als Unfug heraus – 500mm wären für die Adlerfotografie ziemlich ideal gewesen und so hadere ich vor allem mit den Flugaufnahmen. 😈
Kurz vor Abfahrt muss jeder Teilnehmer einen Schutzanzug anlegen. Wir sehen damit wie Aushilfs-Astronauten aus und kommen gehörig ins Schwitzen. Der Fahrtwind während der flotten Schlauchboottour gleicht die Stauwärme zum Glück aus. Los geht die Fahrt aus dem Hafen Svolværs heraus.
Wir befahren den Raftsund, der – welch Überraschung – wieder mal schöne Landschaft bereithält.
Nach einigen Minuten turbulenter Fahrt – man hüpft quasi über die Wasseroberfläche – erreichen wir einen ersten Adler-Sitzplatz. Aufgereiht auf einem Felsen sind hier rund zehn Seeadler zu sehen, die schön von der Sonne angestrahlt werden. Leider reicht die Brennweite nicht für schöne Fotos… Meine Laune sinkt in Richtung Keller… 😵 Nah genug kommen die Adler entweder im Überflug.
Oder aber, wenn einer der mitgebrachten Fische in hohem Bogen ins Wasser geworfen wird. Dann nämlich macht sich alsbald so mancher Adler auf, den leichten Fang für sich zu beanspruchen. Das ist schon sehr beeindruckend, denn die Seeadler sind auf Nahdistanz riesig und laut rauschen ihre Schwingen.
Die Fahrt wird zum berühmten Trollfjord fortgesetzt. Dieser soll dem schönen Geirangerfjord in Punkto Spektakel ähneln und so haben wir hohe Erwartungen, die nicht ganz erfüllt werden. Natürlich sind die enge Einfahrt in den Fjord, der an seiner Mündung nur 100 Meter breit ist, und die rund tausend Meter steil heraufragenden Felswände beeindruckend. Aber bei all der Schönheit, die die Lofoten abseits des Trollfjords zu bieten haben, hebt sich die Wasserzunge in unseren Augen nicht zu sehr ab.
Auf dem Rückweg steuern wir einen weiteren „Adler-Hotspot“ an. Ein juveniler Adler begrüßt uns im niedrigen Überflug. Dafür reicht meine beschränkte Brennweite tatsächlich: Das Bild ist mit 105mm aufgenommen und nur unwesentlich gecroppt.
Der Motor wird gedrosselt und wir treiben nah an einen Adler-Felsen heran. Jetzt lacht mein Fotografenherz und es entsteht eines meiner Lieblingsbilder dieser Reise: Stolze Adler an schönster Landschaft in idealem Licht.
Auch hier wird wieder eine kleine Jagdsimulation durchgeführt. Durch den Seegang ist das Fotografieren aber alles Andere als einfach. Und so nehmen wir nur diesen Schnappschuss mit nach Hause.
Nachdem wir die Adler ausgiebig betrachten konnten, geht es zurück nach Svolvær. Die Hafeneinfahrt wird von der Statue der Fischersfrau markiert, die daran erinnern soll, wie einst die Frauen hoffnungsvoll auf die Rückkehr ihrer Männer und Söhne von der rauen See warteten.
Auch ohne 500er Objektiv war das ein ganz wunderbarer Ausflug. Für Adler-Freunde sehr zu empfehlen!
Teil 1602. März 2025
Noch immer 8. Station: Wildlife-Tour auf den östlichen Lofoten
Nach unserer Rückkehr nach Kalle spannen wir erstmal ein wenig aus. Während der Rest der Familie am heutigen Abend die Sauna nutzen möchte, habe ich lange im Vorfeld der Reise bereits eine (nicht ganz billige) Wildlife-Tour gebucht – ein Weihnachtsgeschenk meiner lieben Ehefrau. 😘 Ich werde gemeinsam mit einem weiteren Paar aus Deutschland mit dem passionierten Fotografen Odd-Petter Tanke Jensen von Discover-Lofoten unterwegs sein. Zu dieser Jahreszeit stehen dabei vor allem Elche im Fokus des Interesses.
Odd-Petter ist in der Region aufgewachsen und kennt sie als begeisterter Naturfotograf bis ins Detail. Beinahe jeden Abend fährt er (auch ohne ihn begleitende Touristen) raus, um das Wildlife seiner Heimat zu beobachten, zu dokumentieren und zu fotografieren. Daher weiß er ziemlich genau, wo sich derzeit welche Tiere aufhalten: Auf einer großen Landkarte bei sich zuhause trägt er die Wanderbewegungen der Lofoten-Elche minutiös ein. Unterstützt wird er von einem zweiten Fotografen, der in einem anderen Auto unterwegs ist. Gegenseitig informieren sie sich über ihre Sichtungen.
Am Abend fahre ich daher nach Svolvær. Bereits der Fußmarsch vom Parkplatz zum vereinbarten Treffpunkt ist dabei herrlich, denn das Abendlicht taucht das tolle Panorama einmal mehr in eine wunderbare Stimmung. Hier ein Blick von einer der Brücken Svolværs auf einige Rorbuer inmitten der typisch schönen Landschaft.
Wir werden heute Abend mit einem Kleinbus unterwegs sein. Der Vorteil einer geführten Tour ist, dass unser Guide mit den Anwohnern eine Vereinbarung hat und auch Privatwege befahren darf und von denen gibt es abseits der Hauptrouten auf den Lofoten einige.
Insgesamt sind wir bis halb vier Uhr am Morgen unterwegs und sehen dabei weit über zwanzig verschiedene Elche mal näher und mal weiter entfernt. Oft ist es uns möglich, vorsichtig die Seitentür des Wagens zu öffnen und langsam auszusteigen. Wenn die Elche das Gefühl haben, dass man ihnen nichts Böses will, gehen sie trotz unserer Anwesenheit entspannt weiter ihrem Tagesgeschäft nach. Von Fluchtdistanz keine Spur. Wir bewegen uns stets langsam und vorsichtig, vermeiden plötzliche Bewegungen oder geräuschvolles Auftreten. Und so gibt es an diesem Abend und dieser hellen Nacht so manche Gelegenheit den riesigen Tieren Auge in Auge auf Nahdistanz gegenüberzustehen. Das ist ein fantastisches Erlebnis.
Zuerst aber sehen wir Elche eher im Dickicht oder in Distanz. Ich mache hier schon viele Fotos, von denen es aber keines in die letztendliche Auswahl schaffen wird. Der erste vorzeigbare Elch ist ein junger Bulle, der nah am Wegesrand steht und sich ausgiebig betrachten lässt.
Etwas später fliegt uns eine Sumpfohreule über den Weg, die gerade Futter für ihren Nachwuchs heranschafft.
Höhepunkte sind für mich die Sichtung von Zwillings-Kälbern. Seelenruhig äsen die zwei in einem morastigen Gebiet, während die Mutter weniger fotogen im Dickicht bleibt.
Toll ist auch die die Nahbegegnung mit einer Elchkuh, die sich malerisch im für den Norden so typischen Lila des schmalblättrigen Weidenröschens aufhält.
Irgendwann zu vorgerückter Stunde freut sich Odd-Petter uns den größten Elchbullen der Region zeigen zu können, der gerade mit einem Kumpel durch die Gegend zieht.
Der Guide antizipiert den Weg, den die beiden Bullen durch den Wald einschlagen und so kommt es auch hier etwas später zu einer für mich sehr beeindruckenden Nahbegegnung ohne Auto-Hide.
Ganz verzückt sind Touris und Local, als die beiden Elche im Licht der Sommernacht durch einen Fluss waten. Hier klicken die Auslöser besonders begeistert.
Kurz sehen wir noch einen Rotfuchs, der Beute zu seinem Bau schafft. Den eigentlichen Höhepunkt des frühen Morgens bietet dann aber das Licht, das die Landschaft mal wieder in eine einmalige Atmosphäre taucht.
Odd-Petter ist unermüdlich und möchte uns noch unbedingt Fuchswelpen zeigen. Aber irgendwann gegen drei Uhr sind alle Gäste einfach platt und wir fahren nach Svolvær zurück. Mit letzter Kraft steuere ich unser Auto gen Kalle und falle – von den ungläubigen Blicken meiner Frau begleitet – nach dieser vielstündigen Tour völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf.
Teil 1706. März 2025
Noch immer 8. Station: Östliche Lofoten
Heute bricht unser letzter voller Tag auf den Lofoten an. Das Wetter ist mal wieder ohne Beanstandung. Schön, dass sich Norwegen für uns dieses Jahr recht konsequent von seiner sommerlichen Seite zeigt.
Den größten Teil des Tages werden wir heute getrennt verbringen. Meine Familie nutzt die Zeit für die reichhaltigen Aktivitäten in Kalle: Es wird Boot gefahren, Badminton gespielt, geradelt…
Da ich mal wieder nicht aus meiner Haut konnte und wegen der kleinen Brennweite auf unserer Trollfjord-Tour mit den Flugaufnahmen der Seeadler gehadert habe, absentiere ich mich stundenweise und fahre allein erneut auf den Raftsund hinaus – dieses Mal an Bord eines klassischen Ausflugsboots, das durchaus gut besetzt ist. Die Temperaturen lassen mal wieder ein entspanntes Sitzen an Bord zu und so kann ich die schöne Landschaft nochmal in vollen Zügen genießen.
Was die Adler angeht, hat das große Boot den Nachteil, dass man nicht sehr nah an die Sitzplätze der Vögel herankommt – aber das macht nichts, denn es geht mir heute ja in erster Linie um Flugaufnahmen. Und für diese sind die montierten 500 mm und die Höhe des Schiffs ziemlich gut geeignet.
Ein juveniler Adler lässt sich im Sinkflug festhalten.
Ein adulter Adler fliegt auf Augenhöhe vorbei. Das Foto mag ich sehr gern.
Weiter geht es zum Trollfjord. Heute sind mehr Wolken am Himmel und dadurch ist das Gegenlicht nicht so krass. Aber auch beim zweiten Besuch stelle ich fest, dass der Fjord zwar schön ist, mich in seinem „Sommerkleid“ aber nicht ganz vom Hocker reißt.
Diese Rolle übernehmen auf der Rückfahrt einmal mehr die Seeadler. Ich kann einen juvenilen Vogel bei einem Jagdversuch beobachten.
Erst fliegt er vorbei.
Über mir wechselt er plötzlich die Richtung.
Und dann geht es flott nach unten: Das ist vielleicht mein Seeadler-Lieblingsfoto.
Am Ende der Tour bin ich zufrieden. Fotos dieser Art hatte ich mir erhofft. 🙂
Am Nachmittag fahren meine Frau und ich nach Henningsvær, einem der bekanntesten Fischerdörfer auf den Lofoten. Die Kinder mögen nicht mitkommen – zu verlockend ist die Freizeit in Kalle. Wie ist es doch schön, dass der Nachwuchs jetzt schon so groß und vernünftig ist, dass jeder auch mal eigene Wege gehen kann.
Bereits die Anfahrt ist toll.
Der Spaziergang durch Henningsvær selbst gefällt uns gut. Wir mögen die bunten Holzhäuser, die kleinen Straßen und das malerische Hafenbecken. Im warmen Licht des vorangeschrittenen Nachmittags sieht das alles sehr schön aus. Trotzdem entstehen kaum Fotos – Straßenfotografie ist offensichtlich noch nicht unser Interessenschwerpunkt.
Natürlich besuchen wir auch den spektakulär auf einer vorgelagerten Insel liegenden Fußballplatz, den man aus unzähligen Luftaufnahmen kennt. Die außergewöhnliche Lage ist vom Boden aus aber nur zu erahnen – man benötigt hier unbedingt eine Drohne für schöne Aufnahmen. Und mit denen stehe ich auf Kriegsfuß…
Der Abend wird nochmal gemütlich in unserer Trollstua verbracht und Wehmut schleicht sich ein. Kalle war für uns ein echtes Familienparadies. Und das Wildlife der östlichen Lofoten einfach grandios!
Am nächsten Tag geht es dann stracks nach Süden.
Teil 1811. März 2025
9. und 10. Station: Fauske, Grong und wenig zu berichten
Die kommenden zwei Tage lassen sich am besten im Schnelldurchlauf erzählen. Viele Fotos gibt es nicht. Man wird gleich verstehen, wieso das so ist. 😗
Den Beginn markiert ein trauriger Abschied von Kalle und den Lofoten bei grau bedecktem Wetter. An einem solchen Morgen sieht man, dass wir in der vergangenen Woche echt Wetterglück hatten… Unser Weg führt uns zuerst 113 Kilometer durch potentiell schöne Landschaft, die sich aber hinter tiefhängenden Wolken verbirgt, nach Lødingen. Auch hier ist alles grau und ungemütlich. Das macht die Trennung von den Lofoten etwas leichter. Mit der Fähre geht es nach Bognes. Leckere Hotdogs verkürzen uns die Fahrt bei trüben Ausblicken.
Ab Bognes warten weitere 188 Kilometer Autofahrt nach Fauske. Zwischendurch ein zweiter Stopp am Polarkreis. Draußen ist es noch immer feucht, drinnen im Informationszentrum locken vielerlei Dinge, die die Welt nicht braucht. Wir bleiben nicht lange.
Heute bleibt es hartnäckig regnerisch-grau und in dieser Stimmung empfängt uns am Nachmittag die kleine Stadt Fauske. Hier wohnen wir im Scandic, einem typischen Stadthotel ohne viel Identität. Als der Regen aufhört, spazieren wir ein wenig in der Stadt herum – nothing to write home about. Fauske ist Norwegens Marmorstadt. Leider interessieren wir uns nicht besonders für Marmor. 🤪 Schließlich gucken wir Olympiaübertragungen und so vergeht die Zeit. Zum Abendessen gibt es selbst belegtes Polarbröd. Alles Andere wäre eine echte Investition. Da schmecken die Stullen gleich doppelt so gut. Das Scandic hat bequeme Betten und wir eine entsprechend gute Nacht.
Am nächsten Morgen ist es trocken. Weiterhin dominiert aber das Grau. Nach einem guten Frühstück – das ist in allen Scandic Hotels, die wir kennen, immer überzeugend gewesen – brechen wir auf gen Grong. Die Strecke ist eine unserer längsten mit 450 Kilometern und gut sechs Stunden Fahrzeit. Vor allem führt die Straße durch Wald, Wald und (Trommelwirbel!) noch mehr Wald. Wie immer ist das entspannt zu fahren, aber eben nicht sehr anregend. Kurz sehen wir eine Elchkuh mit Kalb auf einem Feld stehen – das war es dann auch an Höhepunkten. Grong haben wir als Zwischenstopp gewählt, weil wir die langen Transfertage in den Süden möglichst sinnvoll aufteilen wollten und sich gar nicht mal so viele Übernachtungsmöglichkeiten an der Strecke finden lassen. Außerdem gibt es dort das „Grong Hotel“. 🤩
Wir fanden den Namen ulkig und erwarteten augenzwinkernd Großes. Leider unterscheidet sich das Etablissement trotz enorm stolzer Zimmerpreise eklatant von echten Grand-Hotels. Unser Zimmer hat den Charme einer Jugendherberge. Das Bad eher den eines in die Jahre gekommenen Krankenhauses. Naja – für eine Nacht wird’s reichen… Passend zum Ambiente essen wir in den nahen Tankstelle zu Abend – hier gibt es stilecht bezahlbares Fastfood. 😛 Schön ist aber, dass man als Hotelgast das kommunale Fitness-Center nutzen darf und so haben wir am Ende des langen Fahrtages doch noch etwas Familienspaß.
Am nächsten Tag geht es bei weiterhin bedecktem Himmel gen Dovrefjell. 377 Kilometer müssen wir hinter uns bringen. Das entspricht einer reinen Fahrzeit von gut fünf Stunden.
Etwas südlich von Grong machen wir aber bereits Station und sehen uns das wirklich interessante Museum der südlichen Samen an. Viel zu wenig wissen wir über diese ethnische Minderheit in Norwegen und die Ausstellung gewährt aufschlussreiche Einblicke in Geschichte und Gegenwart der Samen. Ein nettes Café rundet den empfehlenswerten Besuch mit Zimtschnecken ab.
Je weiter südlich wir kommen, desto mehr verabschieden sich die Wolken. Und so erreichen wir am späten Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein die Dovrefjell Lodge (vormals Furuhaugli Fjellhytter), unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Hier haben wir eine Familienhütte gemietet: Zwei Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein Bad – rustikal und doch zum Wohlfühlen.
Und auch ein erster - wenn auch wenig kooperativer - Elch zeigt sich bereits gegenüber der Einfahrt zu unserer Unterkunft.
Während unseres ersten Besuchs im Dovrefjell im Vorjahr haben wir uns trotz wechselhaften Wetters in die Gegend verliebt und so war klar, dass der Nationalpark auch auf unserer zweiten Norwegentour seinen festen Platz haben wird. Nach der langen Fahrt sind wir einfach froh, wieder hier zu sein. 🙂
Wir (manche zugegebenermaßen mehr als andere 😉 ) freuen uns auf Wanderungen im Gebirge (hoffentlich mit Moschusochsenbegegnungen) und auf das Feuchtgebiet Fokstumyra, das quasi vor unserer Hüttentür liegt (hoffentlich mit Elchbegegnungen). Die Wetteraussichten für die kommenden Tage sind fantastisch: Von morgens bis abends Sonnenschein.
Was will man mehr? (Nun ja: Schöne Sichtungen natürlich…)
Dazu hier bald mehr.
Teil 1914. März 2025
11. Station: Dovrefjell (Teil 1)
Nachdem wir uns in der Hütte häuslich eingerichtet haben, nutzen drei von uns die Stunden des späten Nachmittags und frühen Abends für einen Abstecher ins nahe gelegene Fokstumyra.
Das Moor liegt direkt gegenüber unserer Unterkunft. Für einen Zugang müssen wir jedoch ein paar Kilometer nach Süden fahren. Dort findet sich ein Parkplatz, von dem aus ein Pfad ins Feuchtgebiet führt. Dieser ist vor allem als gut gepflegter Holzweg angelegt, der rund zwei Kilometer tief ins Moor hineinreicht.
An seinem Ende kann man entweder umkehren oder aber einen Rundweg versuchen, der sich jedoch schnell im Morast verliert. Ich habe das im Vorjahr mit unserer jüngeren Tochter ausprobiert und es war durchaus abenteuerlich, dem kaum existenten Pfad zu folgen und mehr als einmal sind wir auf dem glitschigen Untergrund geschlittert. Aber wir haben es damals durchgezogen. Dazu haben wir heute jedoch keine Lust und so bleiben wir auf dem Boardwalk.
Wir lieben dieses Naturschutzgebiet. Im schönen Licht des Abends entfaltet es seinen ganzen Zauber. Unsere Tochter bestimmt mittels App die am Wegesrand zu findenden Pflanzen und ist zufrieden. Die Erwachsenen lauschen den Vogelstimmen, deren Verursacher durch den dichten Bodenbewuchs aber nur schwer auszumachen sind. Immerhin lässt sich eine weibliche Kornweihe aus der Nähe beobachten, die unsere Anwesenheit aber gar nicht so lustig findet, denn in etwas weiterer Entfernung können wir zwei Jungvögel ausmachen. Und so kreist der Altvogel immer wieder laut rufend über uns, bis wir uns endlich zu seiner Befriedigung weit genug entfernt haben.
Elche werden wir heute Abend nur im tiefen Gestrüpp entdecken. Der eigentliche Star ist die Landschaft mit ihren weiten Feuchtebenen und kleinen Seen. Alles leuchtet golden und man ist geneigt, tief zu seufzen im Angesicht dieser Schönheit.
Wir sind froh, in direkter Nachbarschaft dieses Kleinods zu wohnen und werden in den nächsten Tagen regelmäßig wiederkommen.
Am nächsten Tag soll es aber vor allem in die Höhen des Dovrefjell Nationalparks gehen. Auch hier lockt schönste Landschaft. Und als Bonus die Möglichkeit, auf Moschusochsen in freier Wildbahn zu treffen. 🙂
Teil 2017. März 2025
11. Station: Dovrefjell (Teil 2)
Der heutige Tag wird einer der schönsten der Reise werden. Für mich beginnt er früh, denn kurz vor Sonnenaufgang werde ich wach und beschließe zur E6 hinunter zu spazieren, um dort ein wenig ins Fokstumyra zu spähen. Dabei ist der frühmorgendliche Soloausflug vor allem mit Blick auf die Vogelwelt schön. Im Licht des jungen Tages zwitschert es in vielen Gebüschen. Einige Vögelchen lassen sich zum Glück dabei auch passabel ablichten.
Rohrammern
Erlenzeisig
Bergfink
Aber auch elchtechnisch lohnt das frühe Aufstehen. Eine Kuh äst unweit der Straße und lässt sich dabei von meiner Anwesenheit überhaupt nicht stören.
Bei meiner Rückkehr werden nach und nach auch die anderen Familienmitglieder wach und gemeinsam machen wir uns fertig für den Hauptprogrammpunkt dieses Tages: Eine Wanderung im Dovrefjell. Dazu fahren wir ein wenig gen Norden, bis wir am Weiler Kongsvoll ankommen. Hier gibt es einen Parkplatz an der E6, auf dem wir unser Auto abstellen. Westlich der Straße geht ein Wanderpfad durch einen Birkenwald hinauf in die Berge. Ziemlich steil ist er und bei Sonnenschein und schnell steigenden Temperaturen ist der Aufstieg eine durchaus schweißtreibende Angelegenheit. Tritt man schließlich aus dem Birkenwäldchen heraus, hat man damit auch die Baumgrenze erreicht. Vor dem noch japsenden Wanderer entfaltet sich eine karge Tundralandschaft.
Moderat geht es weiter hinauf. Immer wieder scannen wir dabei die Umgebung, um Moschusochsen zu entdecken. In der Entfernung sind die Tiere leicht mit den regelmäßig herumliegenden Felsbrocken zu verwechseln. Nach einiger Zeit erspähen wir tatsächlich eine Herde, die erreichbar zu sein scheint. Nur ein kleiner Bachlauf will dabei überquert werden, aber das stellt kein größeres Problem dar. Und so geht es querfeldein in Richtung Moschusochsen. Gerade die Möglichkeit dieses Wanderns abseits von gekennzeichneten Wegen macht einen großen Reiz der norwegischen Natur aus. Ungleich intensiver ist das Naturerlebnis, wenn man seinen Weg zwischen Steinen und Morastflächen selbst finden muss. Mehr als einmal kehren wir um und müssen einen Alternativweg finden. Außerdem unterschätzt man leicht die Distanz, die zwischen dem Erstentdecken der Tiere als Fernglas-Pünktchen und dem Erreichen des Ziels besteht und so dauert es eine ganze Weile, bis wir in die Nähe der Herde kommen.
Aber dann ist es irgendwann doch so weit: Wir stehen in guter Sichtweite einer Moschusochsenherde gegenüber. Sie besteht aus zwei Kühen, einem Kalb, einem jüngeren und einem schon älteren Bullen. Vor allem über die letztgenannten freue ich mich sehr, denn im Vorjahr konnten wir auf einer geführten Tour nur Kühe mit Kälbern entdecken. Die Tiere grasen friedlich am Rand eines kleinen Plateaus. Aber man soll sich nicht täuschen – wenn sich Moschusochsen bedroht fühlen, nehmen sie nicht Reißaus. Vor allem die Bullen können schnell zum Angriff übergehen und dabei in drei Sekunden auf 60 km/h beschleunigen. Das möchte man nicht erleben. 🙄 Daher bleiben meine Frau und die Kinder in guter Fernglasdistanz stehen. Für überzeugende Fotos ist dies jedoch zu weit entfernt. Und so mache ich langsam und vorsichtig eine Kreisbewegung auf die Moschusochsen zu, immer genau beobachtend, ob die Tiere ein Zeichen der Beunruhigung sehen lassen. Sie bleiben zum Glück entspannt und so kann ich mich bald auf einem Felsbrocken niederlassen und diese besonderen Tiere aus guter Teleobjektiv-Entfernung beobachten. Eine Begegnung mit diesen eiszeitlichen Fellbergen gehört für mich zu den wirklich beeindruckenden Erlebnissen in Norwegens Natur.
Auf dem Rückweg hören wir am Bachlauf den Ruf einer Wasseramsel – dem Nationalvogel Norwegens. Hier lohnt also ein genauerer Blick. Und tatsächlich: Ein Altvogel ist auf Fütterungsmission unterwegs. Der Nachwuchs wartet ungeduldig auf einem Felsen inmitten des rauschenden Wassers. Eine juvenile Wasseramsel ist eine Erstsichtung für uns. Das löst Freude aus.
Der Rückweg ist entspannt. Es geht erst sanft und später steiler bergab und so lassen wir die Blicke entspannt über die schöne Landschaft schweifen.
Nach einer langen Regenerationspause statten wir am späten Nachmittag einmal mehr dem Fokstumyra einen Besuch ab. Immer wieder sehen wir dabei juvenile Blaukehlchen über den Weg huschen. Endlich lässt sich eines auch fotografisch festhalten.
Außerdem zeigen sich einige Elche, die jedoch in größerer Entfernung im Dickicht stehen. Immerhin von einer Kuh mit Kalb gelingt ein Erinnerungsfoto.
Nach diesem vollen Wandertag sind wir ganz schön erledigt, kochen gemeinsam in der Hütte und verbringen den Abend in aller Ruhe lesend.
Ein wunderbarer Tag in grandioser Natur geht zu Ende. Morgen soll ein weiterer folgen.