in diesem Forum sind wir schon länger angemeldet, waren oft stille „Mitfahrer“ und haben für unsere Reisen ins südliche Afrika (Botswana 2014, 2016 und 2018, Südafrika 2017 und Namibia 2019) viele wertvolle Hinweise erhalten. Jetzt wollen wir davon ein bisschen etwas zurückgeben und fangen mit einem Reisebericht über Zimbabwe an, da hier deutlich weniger Informationen im Vergleich zu Namibia, Botswana und Südafrika vorhanden sind. Und zugleich möchten wir zugegebenermaßen Werbung für dieses wundervolle Land machen, welches uns sehr ans Herzen gewachsen ist. Wir, das sind Harald und Silke aus der Nähe von München. Seit Ende 2023 sind wir in Rente und haben deshalb endlich mehr Zeit zu reisen. 2018 haben wir uns einen Iveco Daily 4x4 gekauft, den wir in den Jahren 2019 bis 2021 selbst auf- und ausgebaut (ausgenommen der Leerkabine) und dann dieses Jahr im April nach Südafrika verschifft haben. Dort sind wir Anfang Mai gestartet und dann langsam die Ostküste Richtung Zimbabwe hochgefahren. Hier durften wir wunderschöne 7 Wochen erleben. Zuerst ein kurzes Fazit und allgemeine Informationen über Zimbabwe, dann folgt der Reisebericht: Wir haben einen überaus positiven Eindruck von diesem Land. Auffallend sind sofort die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, egal ob arm oder reich, schwarz oder weiß. Man kommt mit jedem leicht ins Gespräch, die Leute sind sehr interessiert, immer freundlich, immer nett. Interessant ist auch, dass sich jeder Beamte, Ranger, Polizist ... immer zuerst mit Namen vorstellt, die Leute sind sehr höflich. Leider ist in Zimbabwe der Wohlstand sehr ungleichmäßig verteilt, es gibt viel Armut, die meisten Menschen leben unter einfachsten Bedingungen. Oft sahen wir, dass die Frauen das Wasser noch von zentralen Punkten holten und nach Hause trugen. Durchschnittseinkommen: 150 US-Dollar pro Monat. Monatseinkommen einer Reinigungskraft: 50 US-Dollar. Trotzdem ist alles hier teuer, teurer als in Deutschland. Wie die Leute das Stemmen, ist uns ein Rätsel. Apropos Geld: Wir hatten US-Dollar dabei, und das war gut so. Aber die Akzeptanz von Kreditkarten war deutlich höher als erwartet: geschätzt 50 % aller Supermärkte, 80 % aller Lodges und Nationalparks und vielleicht 40 % der Tankstellen akzeptierten VISA oder MASTER. Probleme gibt es aber gelegentlich mit schwachen Mobilfunkverbindungen oder Stromausfällen, dann geht nichts mehr. In Tankstellen mit Kreditkartenakzeptanz wird man deshalb meistens vorm Tankvorgang gefragt, ob man zur Not auch in bar bezahlen könnte, sonst bekommt man keinen Sprit. Bezüglich Kriminalität, wir haben uns in Zimbabwe immer sicher gefühlt. Es gab viele Polizeikontrollen (im besiedelten Land im Schnitt 5 pro Tag), aber die meisten haben uns durchgewunken. Wenn wir hin und wieder anhalten mussten, war immer alles ok und freundlich. Gelegentlich wurden wir von Polizisten gefragt, was wir ihnen aus Deutschland mitgebracht hatten, und unsere Antwort „Gute Laune“ oder „unsere Liebe zu Afrika“ wurde immer akzeptiert. Manchmal gaben wir etwas Trinkwasser ab (wir haben einen 150 Liter Tank). Manchmal wollten die Polizisten auch unser Fahrzeug inspizieren, aber das war ausnahmslos der persönlichen Neugierde geschuldet, wie so ein „rollendes Heim“ von innen aussieht. Und dann wurden fasziniert alle Kollegen hinzugeholt, um sich unsere Wasserhähne – aus denen auch Wasser kommt – anzusehen. Auffallend sind auch die vielen Schulen - und Schüler, auch in den abgelegensten Ecken. Und so gut wie jeder spricht Englisch, man merkt Englisch ist die offizielle Amtssprache. Es scheint so, dass jeder Erwachsene ein Handy hat. Das Mobilfunknetzt ist einigermaßen flächendeckend ausgebaut, aber die Datenübertragungsgeschwindigkeit ist (trotz 3G oder 4G) oft sehr langsam, und am Abend hat man oft gar kein Netz mehr. Vermutlich zu viele Nutzer. WLan, wenn vorhanden, ebenfalls sehr schwach. Die Straßen sind oft abenteuerlich, von den Pisten ganz zu schweigen. Ein robustes Auto, am besten mit viel Bodenfreiheit, ist ein Muss. Essen gehen in Zimbabwe heißt Fleisch essen, nur sehr selten werden fleischlose Alternativen angeboten, dafür sind die Portionen eher klein, vor allem, wenn man den Preis berücksichtigt. Wir hatten nach dem Essen öfters noch Hunger. Beim Frühstück wird man in der Regel satt, deshalb haben wir mittags schon mal ein Frühstück bestellt (mit Eier nach Wahl, Avocado, Grilltomate, Bohnen, Speck, evtl. Würstl und Toast). Campsites: wir haben immer auf Campsites übernachtet, auch um mit den Zimbabwern in Kontakt zu kommen. Die meisten Campsites haben einen Ward, der sich rührend um die Gäste kümmert, neben der Reinigung der Ablutions auch Lagerfeuer macht, den Donkey-Ofen anheizt, Asche entsorgt usw.. Die Campsites haben mit der App iOverlander gefunden, persönliche Empfehlungen von Zimbabwern haben die Auswahl erleichtert. Die meisten sanitären Anlagen (auch in Restaurants) sind – sagen wir mal positiv „so lala“. Manchmal waren wir schon froh, dass wir unser eigenes Badezimmer dabeihatten. Die Nationalparks sind mittlerweile gut erschlossen, die Camps nicht eingezäunt, wie in Botswana. Die Tiere sind meistens relaxt, wenn auch noch nicht so sehr an Menschen gewöhnt wie im Kruger NP oder in Botswana. Nur im Gonarezhou waren die Elefanten teilweise angespannt. In jedem Fall ziehen wir ein uneingeschränkt positives Fazit. Die Freundlichkeit und Zuvorkommenheit der Zimbabwer macht alle eventuellen Nachteile bei weitem wett. Sehr empfehlenswert.
Zimbabwe 2024 Unsere Reiseroute im Überblick: Beitbridge – Bulawayo - Matobo Hills – Naletale Ruins – Great Zimbabwe - Gonarezhou NP - Save Valley Conservancy – Mutare – Honda Valley – Nyamapanda – Harare – Mana Pools – Kariba See – Hwange NP – Pandamatenga
16.06.2024 Heute sind wir von Südafrika nach Zimbabwe übergewechselt, über den Grenzübergang Beitbridge, der einen zweifelhaften Ruf bezüglich Bürokratismus besitzt. Wir haben es in 2 1/4 Stunden geschafft, und waren auch richtig happy darüber. Vielleicht ging es so (relativ) schnell, weil Sonntag war. Für alle, die mit dem eigenen Fahrzeug einreisen wollen: wir hatten ein TIP (Temporary Import Permission) und das Carnet. Carnet alleine wollten sie an der Grenze nicht machen (obwohl es wohl möglich sein sollte), und TIP alleine wäre wesentlich teurer. In Kombination mit dem Carnet kostet das TIP und die Fahrzeugeinfuhr nichts. Auch bei der Verlängerung nach 30 Tagen (VISA und TIP) fielen keine weiteren Kosten an. So spart man ca. 100 Dollar. Endlich im Land gings dann weiter auf der eintönigen "Autobahn": stellenweise nur Schotter, stellenweise so schmal, dass zwei LKWs nicht aneinander vorbeifahren können - einer muss von der Straße, viele tiefe Schlaglöcher - aber dafür Mautpflichtig. Auf den Schotterpassagen wird die Sicht manchmal dürftig, wir haben hier nur ein gemächliches Tempo vorgelegt.
Es geht in Richtung Norden zu den Matobo Hills, wo wir morgen ankommen wollen. Am Nachmittag beziehen wir die nette Campsite „Gwanda Urban“, mit direktem Zugang zur Bar. Der Barzugang nutzt nur nichts, wir sind die einzigen Gäste, die Bar ist geschlossen.
Teil 231. Dez. 2024
17.06.2024 Worldview Campsite
Heute gehts weiter zum Matobo Nationalpark. Unterwegs kaufen wir noch ein (in der zweitgrößten Stadt Zimbabwes, Bulawayo), es gibt ein gutes Angebot, aber wesentlich teurer als in Südafrika, viele Artikel auch teurer als in Deutschland. Mittags gibt’s einen Snack in Brooks Cafe and Deli, sehr empfehlenswert, mit WLan (einmal Avocado-Toast mit pochiertem Ei und einmal Pfeffersteak-Kuchen mit Pommes). Danach holen wir noch eine SIM-Karte (14 Dollar für 10 GB). Anschließend lassen wir - absolut problemlos dank unseres Adapters - gleich nebenan noch die Gasflasche der Außenküche auffüllen und fahren dann weiter zur World-View Campsite. Die ist wunderschön, nicht nur die Aussicht, auch die Campsite selbst ist top. Die Besitzer, Kerry und Andre, kommen jeden Abend vorbei und fragen, ob alles ok ist. Wir verlängern spontan um 2 weitere Nächte.
Teil 331. Dez. 2024
18.06.2024 Frühstück mit Giraffen
Heute Morgen sitzen wir beim Frühstücken in unserem Truck (draußen hat es nur 12 Grad), da läuft plötzlich ganz gemütlich eine Giraffe an unserem Panoramafenster vorbei. Später folgen noch ein paar Gnus. Da schmeckt es gleich nochmal besser.
Ansonsten gibt es heute einen Update Tag mit den üblichen Beschäftigungen (Waschen, Fotos sichern, Wartung, Brot backen, ….). Am Nachmittag machen wir eine Wanderung, tolle Felsen und Bäume im schönen Abendlicht.
Irgendwann in der Nacht scheppert es plötzlich heftig, jemand macht sich an den Mülltonnen zu schaffen. Ich denke sofort an einen Honigdachs, stürze aus dem Auto und laufe zu den Mülltonnen. Dort sehe ich mich im Schein der Taschenlampe einem Buschschwein gegenüber. Nach einigen Momenten gegenseitigen intensiven Anstarrens, ziehen wir uns beide langsam zurück.
Teil 431. Dez. 2024
19.06.2024 Matobo NP Am Morgen gehts wieder früh raus, in den "Whovi Game Park", der Teil des Matopo NP, in dem die Wildtiere sind. Es ist noch ein Stück zu fahren, wir sind im 7 Uhr am Gate, aber niemand ist da. Das Büro in dem man die Tickets kaufen kann öffnet erst zwischen halb acht und acht, auch wenn auf einem Schild steht "Gate Times 6 am to 6 pm". Na ja, dann haben wir wenigstens Zeit zum Frühstück, auch ohne Wasserloch. Dafür gibt’s Klippschliefer direkt am Gate. Im Park selbst gehts offroadig zur Sache, es hatte wohl im April heftige Regenschauer und die Pisten sehen entsprechend aus (es gibt nicht so viele Besucher, gestern ein Auto und heute wir). Das Ganze flankiert mit viel "Gartenarbeit", trotzdem hat unser Truck ein paar neue Busch-Tattoos bekommen.
Der Lohn der Mühe sind ein paar Hippos an einem Wasserloch und zwei Gruppen von Breitmaulnashörnern, aber letztere laufen leider gleich weg. Das hatten wir auch in den vergangenen Jahren schon öfters: je einsamer die Gegend, desto scheuer die Wildtiere - sie sind nicht an Touristen gewöhnt. Leider sind die Viewpoints und Hides alle ziemlich verfallen. Seit Corona ist der Tourismus ziemlich eingebrochen, die Infrastruktur muss erst wieder hergestellt werden.
Mittags wechseln wir in die "Central und Northern Wilderness Area", die erinnert ein wenig an den Mapunguwe NP in Südafrika, traumhaft schöne Landschaft aber leider wenig Tiere. Hier befindet sich auch das Grab von Cecil Rhodes, eine schillernde Persönlichkeit die Rhodesien gegründet hatte, das heutige Zimbabwe. Er hat sich definitiv ein sehr schönes Plätzchen für seine letzte Ruhe ausgesucht.
Weiter gehts zur Nswatugi Cave, in der sehr schön erhaltene Felsmalereien zu sehen sind, welche auf 6000 bis 10000 Jahre zurück in die Steinzeit datiert werden. Nicht umsonst ist der Park UNESCO Weltkulturerbe.
Teil 531. Dez. 2024
20.06.2024 Bulawayo, Southern Cross Estates
Heute geht es wieder zurück nach Bulawayo, doch zuerst laufen wir zum Balance Rock rauf, (ist auf dem Gelände vom Farmhouse), wo wir wieder mal eine tolle Aussicht haben. Man hat echt Angst die Felskugel anzufassen, nicht dass sie runterfällt.... .
Wir fragen Andre vom Farmhouse, wo dieser krasse Preisunterschied zwischen Südafrika und Zimbabwe herkommt. Ein anderer Anwesender (er leitet das Waisenhaus vom Ort) erklärt uns, dass zuerst mal alles importiert wird, das heißt da kommen schon mal 30 % drauf. Und dann scheint Zimbabwe ein schlimmeres Bürokratiemonster als Deutschland zu sein, und alles kostet. Er erzählt, für den Grillplatz im Garten muss man eine Abgabe zahlen. Oder dass es eine Firma in Bulawayo gibt, die Stühle herstellt. Kauft man die in Zimbabwe, kostet ein Stuhl 52 Dollar. Den gleichen Stuhl aus der gleichen Firma gibts in Südafrika für 11,50 Dollar!
Wir kaufen in Bulawayo Lebensmittel ein und tanken nochmal.
Harald verträgt die Malariaprophylaxe (Malarone) nicht so gut, er bekommt davon Bauchbeschwerden (eine Mischung aus Hunger und Sodbrennen, aber auch direkt nach dem Essen, es ist also kein Hunger). Deshalb war er heute in der Apotheke und hat sich hier eine lokale Malariaprophylaxe für die nächsten 16 Wochen ! für 2 Dollar ! gekauft.
Dann fahren zum Übernachten in die Southern Cross Estates Campsite. Das verkürzt den morgigen langen Fahrtag, und wir haben so Zeit zum Brotbacken (hier haben wir Strom am Platz). Die Damen vom Platz sind so nett und waschen unsere Bettwäsche über Nacht, sogar kostenfrei 🙂. Dafür statten wir am Abend dem Restaurant einen Besuch ab und essen gut.
Am Abend fragen wir dann eine befreundete Apothekerin in Deutschland nach dem Wirkstoff des neuen Malariamedikamentes, und die Antwort ist eindeutig: nicht einnehmen, ganz üble Nebenwirkungen, in Europa auch nicht zugelassen. Also bleibts bei Malarone. Die DTG schreibt darüber, Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Übelkeit sollten nach ein paar Tagen besser werden. Harald beschließt, dass gilt auch für seine Beschwerden. Im worst case wird er deutlich zunehmen – wegen dem andauernden Hungergefühl. (Anmerkung nach dem Ende der Reise: das Sodbrennen war nach 2 Wochen weg, der „Malarone-Hunger“ ist geblieben, es gab keine Gewichtszunahme).
Teil 602. Jan. 2025
21.06.2024 Naletale Ruinen
In der Früh müssen wir noch warten bis unsere Bettwäsche (fast) fertig getrocknet ist, dann geht's los zu den Naletale Ruinen. Bei der Gelegenheit können wir uns gleich schon an die typischen kleineren Landstraßen von Zimbabwe gewöhnen, und an den Umstand, dass es keinerlei Beschilderung gibt.
Diesmal zahlt es sich aus, dass wir die einzigen Touristen sind. Dzingayi, der Parkwächter, der hier auf Touristen wartet und die Eintrittsgelder in Empfang nimmt, geht mit uns zum Monument hinauf und erklärt alles sehr gut, wir bekommen eine Privatführung. Wir reden und reden, am Anfang über das Monument, später über die Familie und zum Schluss über Politik. Und natürlich über den FC Bayern, er ist glühender Fan und verfolgt alle Spiele der Bundesliga. Wir lernen, dass die Schule in Zimbabwe 11 Jahre dauert, danach kann man noch 4-6 Jahre aufs College oder die Universität gehen. Man geht mit 60 in Rente oder mit 55 Jahren in Vorruhestand - aber nur wenn man es sich leisten kann. Dzingayi ist sehr gebildet, kennt sich gut aus in Kräuterkunde und erklärt uns, für welches Leiden man welche Pflanzen zur Behandlung nehmen kann. Er hat eine fundierte (unserer Meinung nach zutreffende) Meinung über die Deutschen, die Amerikaner und die Chinesen und auch zum Ukraine-Krieg. Es war ein schöner, kurzweiliger Nachmittag. Dzingayi erlaubt uns am Parkplatz zu übernachten (wir sind sowieso die einzigen Besucher).
22.06.2024 Great Zimbabwe
Heute haben wir einen langen anstrengenden Fahrtag nach Great Zimbabwe. Die Straßen sind leider nicht immer gut, viele Schlaglöcher, eine lange Umleitung. Hier werden die Straßenarbeiten immer auf sehr langen Strecken ausgeführt, so muss der Verkehr oft viele Kilometer auf eine extra angelegten Behelfspiste ausweichen. Wir steigen an der Campsite vom Great Zimbabwe Hotel ab, die haben relativ gutes Wlan und wir können uns den neuen Zimbabwe-Reiseführer runterladen. Am Abend sitzen wir noch lange mit Ramona und Lukas zusammen, Overlander aus der Schweiz, welche über die Westroute auf Achse hierhergekommen sind, und tauschen uns aus.
Teil 702. Jan. 2025
23.06.2024 "Dzimba Dza Mabwe"
bedeutet "Häuser aus Stein" und ist der Ursprung des Namen Zimbabwes, in den das frühere Rhodesien nach der Revolution umbenannt wurde. Heute Vormittag hat es geregnet (mehr getröpfelt, viel zu wenig für das ausgetrocknete Land), wir haben die Zeit für Video-Calls mit der Familie genutzt. Am frühen Nachmittag ziehen wir zu Fuß los, es ist nur ein knapper Kilometer zum Eintrittsgate von Great Zimbabwe. Great Zimbabwe ist das bedeutendste Monument des südl. Afrikas, steht an zweiter Stelle von Gesamt-Afrika (nach den ägyptischen Pyramiden) und ist Weltkulturerbe. Das Volk der Kalanga herrschte hier von ca. 1100 bis 1450 n.C. in 8 Generationen über ein Reich, dass vom heutigen Botswana bis nach Mosambik reichte. Man trieb damals nachgewiesenermaßen schon Handel mit China (Porzellan) und Arabien (Schmuck), welche gegen Tierfelle, Elfenbein und Metalle getauscht wurden. Es wurde Eisen, Kupfer, Zinn und Gold gewonnen und geschmolzen, von letzterem 24 Tonnen pro Jahr. Wir nehmen uns einen Führer, der zwar nicht so mitteilsam wie Dzingayi ist, aber den kulturellen Part hat er richtig gut drauf. Während wir durch enge Gassen und über steile Treppen wandern, lernen und erfahren wir wieder viel.
Teil 804. Jan. 2025
24.09.2024 Nahe Chiredzi Unser nächstes Ziel ist der Gonarezhou Nationalpark, ganz im Südosten des Landes. Da es als Tagestour relativ weit ist, und wir zwischendrin auch noch Einkaufen, Tanken usw. müssen, beschließen wir kurz vorm Park zu übernachten. Das ist auch gut so, es regnet in der Früh, wir haben wieder ewig lange Baustellen, und die Lehmpisten sind jetzt teilweise extrem rutschig. Letztendlich wie bei uns (Süddeutschland) bei Glatteis. Und genau wie bei uns bleiben dann an den Steigungen die LKW's hängen, stehen quer und nichts geht mehr. Aber anders als bei uns glauben die meisten Fahrer das nicht, und am Schluss gibt es auf dieser Seife ein wildes Drängeln, wer als nächster fahren darf.
Wir halten uns zurück, wir haben Zeit. Gegen Mittag hört es auf zu regnen, am Straßenrand bieten Händler Alltagswaren an.
In der Nähe von Chiredzi finden wir dann einen Übernachtungsplatz im Hippo Valley Country Club. Silke hat einen Flashback. Obwohl sie dafür viel zu jung ist, kommt sie sich vor, wie bei "Dirty Dancing"...😅😅. Die dazugehörige Campsite ist zur Zeit zwar wegen Umbau geschlossen, aber wir dürfen vor einer "Villa" (ein Schlafzimmer 20 qm plus Bad) parken und das Bad benutzen.
Licht geht zwar nicht (wir haben ja Stirnlampen), aber dafür läuft das Wasser von 16 bis 9 Uhr, in der Dusche allerdings nur das brühend heiße, kein kaltes Wasser zum Zumischen. Die Wäsche lassen wir waschen, und bei den aufgerufenen Preisen springen wir sogar über unseren Schatten und fördern Schwarzarbeit.
Apropos schwarz: Leider müssen wir uns bereits um 16:30 in unseren Truck zurückziehen, es regnet wieder .... diesmal Ruß! Diese Gegend ist ein großes Anbaugebiet für Zuckerrohr, und wenn die Felder (von Hand mit der Sichel) abgeerntet sind, werden die übriggebliebenen Stoppeln noch abgebrannt. Karen, die Managerin des Country Clubs ist nebenbei noch Schlangenfängerin: sie erzählt uns, vor 2 Tagen hat sie 35 Minuten mit einer 2,1 m langen schwarzen Mamba gekämpft, die von den nahen Zuckerrohrfeldern aufs Clubgelände gekommen ist. Selbstredend wurde die Mamba an einem sicheren Platz wieder unversehrt ausgesetzt. Wenn wir Glück haben, kommt sie nochmal und steht Modell für ein Foto? Am Abend wollen wir in den Club zum Essen gehen, die nächsten Tage werden wir keinerlei Versorgungsmöglichkeiten (Restaurants, Geschäfte, Tankstellen, ....) mehr haben. Leider haben wir uns zu früh gefreut. Seit dem späten Nachmittag ist der Strom ausgefallen, die Küche bleibt kalt.
Teil 904. Jan. 2025
25.06.2024 Gonarezhou NP - Chipinda Pools
In der Früh holen wir unsere Wäsche ab (wie erwartet noch nass) und kommen mit den Frauen, die uns die Wäsche gemacht haben, ins Gespräch. Sie verdienen 50 Dollar pro Monat! Zum Vergleich: Supermarktpreise auf Niveau Deutschland oder leicht darüber, Benzin/Diesel ca. 1,65 Dollar / Liter, Schulgeld für die Kinder. Wir fragen sie, wie das geht, sie zucken die Schultern und meinen, es muss gehen. Man hat mehrere Jobs. Als wir kurz nach acht fahren, gibt es schon wieder keinen Strom. Danach kaufen wir in Chiredzi ein, unsere Vorräte müssen für 5 Tage reichen. Noch schnell zum Auftanken und dann geht es weiter zum Gonarezhou Nationalpark. Am Gate buchen wir die Campsites für unseren geplanten Aufenthalt. Als Walk-In-Customers erhalten wir reduzierte Preise und zahlen 355 Dollar für vier Nächte (drei Nächte im Chipinda Camp und eine Nacht im Mutamagwenzi Camp). Wer jetzt meint, das ist teuer, muss berücksichtigen, was alles eingeschlossen ist 😉 : fließend kaltes Wasser am Platz, der Ablution Block (immer für 2 Campsites) ist nur 100 m entfernt, dort gibts sogar begrenzt solargeheiztes Wasser. Und das Highlight: kein störender Zaun, der die Tierwelt von uns fernhält. Wer hat in seinem Viele-Sterne-Hotel schon den Sound von Hippos die ganze Nacht? Oder das Brüllen (und gelegentlichen Besuch) von Löwen? Hyänen sollen sogar regelmäßig auf ein Schwätzchen vorbeikommen. Nur die Uferböschung ist zu steil für die Krokodile, die werden uns wohl nicht besuchen. Die letzte Nacht im Mutamagwenzi Camp ist etwas teurer, weil es ein Exklusiv-Camp ist: die ganze Campsite hat nur einen einzigen Stellplatz, den haben jetzt wir. Dafür gibt’s kein Wasser.
Am späten Nachmittag machen wir noch eine Pirsch zum Chivalilla View Point. Wenig Tiere, aber eine schöne Aussicht auf den fast trockenen Fluss Runde und auf die rauchenden Schlote der Zuckerindustrie im nahen Chiredzi. Und unterwegs finden wir sogar einen Punkt mit Mobilfunk. Am Abend kochen wir unser karges Buschmahl und lauschen den Stimmen der Wildnis, Hippos, Elefanten und Impalas.
Teil 1007. Jan. 2025
26.06.2024 Ausflug zu den Chilojo Cliffs Heute Nacht um 2 Uhr werden wir wach. Büsche knacksen und krachen, aber wir sehen nichts. Aber es kann ohnehin nur ein Elefant sein, der sich sein Nachtmahl von den Büschen reißt, sonst bewegen sich ja auch die großen Tiere ziemlich lautlos. In der Früh prüfen wir die Spurenlage: ja, es war ein Elefant der sich durchs Camp gefressen hat, er ist direkt am unserem Truck vorbei geschlichen zu den Büschen im Hintergrund. Dann brechen wir auf zu einem Viewpoint an den Chilojo Klippen. Unterwegs gibt’s viel Tiere zu sehen (Elefanten, Paviane, Wasserböcke, Impalas, Buschhörnchen, Schakale, Kudus, Nyalas, Warzenschweine, Zebras, Gnus, Rappenantilopen, Büffel, Hornraben, Hammerköpfe, Geier, Buschhörnchen, Rot- und Gelbschnabeltokos, Mangusten, Helmperlhühner, Weißstirnspint, Krokodile, …), besonders freuen wir uns über Rappenantilopen an der Furt durch den Fluss Runde oder ein paar schöne Vögel.
Hammerkopf
Hier sind wir nicht ganz sicher, ist das ein Seneglkibitz?
Rotschnabeltoko
Kurz vorm Ziel sehen wir einen Elefantenkadaver, der gerade von den Geiern hart umkämpft wird.
Die Aussicht vom Viewpoint ist atemberaubend, der lange 5 Stunden Drive (für 55 km, nur Hinweg) hat sich gelohnt.
Beim Zurückfahren sehen wir mehrere Elefantenherden, das Vorbeifahren ist nicht immer einfach. Sie zeigen uns zum Teil Drohgebärden. Die Tiere sind wesentlich angespannter als z.B. im Kruger NP oder in Botswana, verständlich wenn man die Vergangenheit vom Gonarezhou NP kennt. Heute ein Vorbild Nationalpark, war er lange Zeit ein Eldorado für Wilderer. Und Elefanten haben nicht nur ein langes Gedächtnis, sie geben ihr Wissen auch an die nächste Generation weiter. Am Abend wird Boerewurst gegrillt und wieder bekommen wir Besuch von einem Elefanten. Um 8 Uhr ziehen wir uns in unser Domizil zurück, einen ggf. nervösen oder nachtragenden Elefanten im Dunkeln wollen wir vermeiden.
Teil 1107. Jan. 2025
27.06.2024 „Löwentag“ Auch heute früh wird als erstes die Spurenlage geprüft. Und tatsächlich, in der Nacht hatten wir außer dem Elefanten noch weiteren Besuch. Wir finden weitere Spuren, nur ca. 1,5 m von unserem Fahrzeug entfernt. Es sieht aus wie Löwenspuren, aber so groß? (Unser Spurenbestimmungsbuch sagt Löwenspuren sind 12-13 cm groß, die hier sind 14-15 cm). Wir haben Glück, ein Parkranger kommt vorbei. Und er bestätigt unsere Annahme. Wir hatten heute Nacht Besuch von einem Löwen, wie es aussieht ein riesiges Männchen. Und wir haben es verschlafen .... 😴. Müssen wir wohl die nächste Nacht aufbleiben und auf der Lauer liegen. Gestern war ein langer Tag, deshalb lassen wir es heute ruhig angehen und bleiben am Vormittag im Camp. Putzen, waschen, Fotos sichern und andere Tätigkeiten stehen an. Mittags fängt es leicht zum Regnen an, und wir fahren zum nahegelegenen Massasanya Damm, dort wollen wir Mittagessen und hoffen, dass sich Tiere zeigen. Gestern wurde hier ein Leopard gesichtet. Schon bei der Anfahrt sehen wir viele Geier kreisen. Und tatsächlich, ca. 5 km vom Camp entfernt wieder ein toter Elefant. Und direkt davor eine Löwin, die ihn bewacht. Ein Löwe kommt selten allein, also suchen wir die Gegend ab und werden tatsächlich fündig. Eine weiter Löwin und ein junges Männchen auf der anderen Wegseite. Am Anfang noch etwas versteckt, aber jeder bringt sich mal in Fotoposition. Wir essen in Löwengesellschaft, und bleiben ca. 3 Stunden. Zweimal kommt kurz ein Auto vorbei, aber die fahren schnell wieder, so genießen wir die Löwenbeobachtung ziemlich exklusiv (und dürfen wir heute Nacht doch wieder schlafen). Rings herum werden die Geier immer mehr, irgendwann zählen wir 48 Stück. Aber sie trauen sich nicht an den Elefanten, solange die Löwen da sind.
Am Abend kochen wir draußen, aber dann fängt es wieder leicht zu regnen an und wir ziehen uns in unseren Truck zurück.
Teil 1208. Jan. 2025
28.06.2024 Mutamagwenzi Campsite Heute früh finden wir keine Spuren, also kein nächtlicher Besuch. Wir brechen kurz nach Sonnenaufgang nochmal zum Massasany Damm auf, um dort zu frühstücken. Die Löwen sind weg, jetzt fressen die Geier am Elefantenkadaver.
Dann gehts weiter, wieder zu den Chilojo Cliffs, diesmal der untere Viewpoint. Wieder eine traumhaft schöne Landschaft, nur die Tiere machen sich etwas rar. Kurz danach queren wir wieder den Fluss Runde, diesmal ist es eine sandige Furt, aber kein Problem. Weiter gehts südlich der Runde zu unserem Wilderness Camp. Leider immer mehr in den Mopane Wald, der einem die Sicht versperrt. Plötzlich eine extrem steile und ruppige Abfahrt durch ein ausgetrocknetes Bachbett, und drüben geht’s extrem steil wieder hoch. Das Ganze garniert mit fußballgroßen Steinen auf der Abfahrt, und viel Sand drüben rauf. Wir glauben zwar, dass wir das mit Untersetzung und gesperrten Differentialen schaffen würden, aber eine extreme Schinderei fürs Material wäre es sicher. So beschließen wir uns einen anderen Weg zu suchen, und folgen einem Track, der in die richtige Himmelsrichtung geht. Alles nicht ganz einfach, das Navi zeigt keinen Weg, und auch unsere 4 verschiedenen Landkarten nur weiße Flecken. Zum Glück gibts den Fluss und Himmelsrichtungen. Nach einiger Zeit treffen wir wieder auf unsere Originalroute (unter Umgehung der beschriebenen Schlucht) und sehen, von dieser Seite ist der Weg mit Steinen gesperrt. Also die richtige Entscheidung getroffen.
Dann treffen wir auf eine große Elefantenherde, die uns schon aus ca. 100 m Entfernung deutlich signalisiert, dass hier jetzt kein Durchkommen ist. Und das auf der einzigen schmalen Piste weit und breit. Während wir noch überlegen, was wir jetzt machen sollen, werden die Tiere immer aufgeregter. Wir deeskalieren, der Rückwärtsgang wird bemüht. Eigentlich eine gute Zeit zum Mittagessen 😗 . Wir fahren ein paar hundert Meter rückwärts, parken "fluchtbereit", und essen zur Sicherheit in der Fahrerkabine. Nach einer guten halben Stunde machen wir einen neuen Anlauf, genaue Blicke nach links und rechts, die Luft ist rein, kein Elefant mehr zu sehen. Weiter gehts durch den Mopanewald, bis wir unser Camp erreichen. Kurz vorher treffen wir noch drei Zimbabwer, wir erkundigen uns, ob der von uns angedachte Weg weiter zum Mahenye Gate der Richtige ist, sie bestätigen uns das. Im Camp werden 40 l Diesel nachgefüllt, dann lassen wir den Tag ausklingen. Plötzlich, lautes, aufgeregtes Trompeten, dann das Krachen von brechenden Zweigen. Ziemlich aufgeregte Elefanten, es hört sich ganz nah an, aber wir sehen sie nicht. Obwohl wir gerade ein Lagerfeuer angezündet haben, fühlen wir uns nicht besonders wohl. Wir sehnen uns schon nach den entspannten Elefanten von Botswana. Darauf trinken wir einen Amarula.
Teil 1308. Jan. 2025
29.06.2024 Gayiseni Camp Was für ein traumhaft schöner Tag. Nach dem wir aufgebrochen sind, öffnet sich die Landschaft, kein Mopanedickicht mehr, dafür ein lichter Wald von Baobabs. Die letzte Durchfurtung des Flusses Runde hat mehr Wasser (ca. 50 cm), und ist deutlich tiefsandiger, ist aber kein Problem für uns. Wir sehen viele Tiere, einfach nur unglaublich schön.
Unterwegs machen wir noch einen Abstecher zur Tembwahata Pan, da gibt es Picknick Plätze (Plumpsklo, Betontische und -bänke). Was für ein Bild. Hunderte von Tieren, Hippos, Vögel, Krokodile, Antilopen ... auf der Pan. Wir können uns nicht sattsehen und wollen gar nicht weiterfahren.
5 km weiter, am Exit Gate verhandeln wir mit den Rangern und hängen noch einen Tag dran. Dann fahren wir zurück zu Tembwahata Pan, doch auf unserem Picknickplatz steht bereits ein Auto. Es sind Pam, Dave und ihr Sohn Sebastian, die Zimbabwer, die wir gestern Abend nach dem Weg fragten. Wir sind willkommen und stellen uns dazu. Zunächst bestimmen wir ca. 2 Stunden lang Vögel, die auf der Pan nach Nahrung suchen. Plötzlich kommen wieder Elefanten, eine Gruppe von 14 Tieren, einschließlich 2 Kleine. Sie beäugen uns, aber entscheiden offensichtlich, dass wir keine Bedrohung darstellen. Dann kommen 2 weitere Gruppen Elefanten, am Schluss zählen wir mehr als 45 Tiere. Darunter 2 große Bullen, die langsam immer näher zu uns kommen (30-40 Meter) und uns unentwegt beobachten. Aber schlussendlich erhalten wir auch von ihnen die Erlaubnis, zu bleiben. Was für ein magischer Moment. Und wir haben unseren Frieden mit den Gonarezhou Elefanten wieder geschlossen.
Nach 16 Uhr brechen wir von der Pan auf und suchen unser Camp, wieder ein Wilderness Camp (Gayiseni Camp). Für die 11 km brauchen wir genau eine Stunde - mit viel Gartenarbeit. Jetzt wissen wir auch, was der Ranger mit „the camp is under renovation“ gemeint hat: die Zufahrt ist zugewachsen (auch für normal große Geländewagen) und die Pit Toilette verfallen. Durch den extra Tag mit wenig Fahren und im Schatten geparkt, wird der Strom knapp, müssen wir halt kalt duschen, aber was solls, hier ist es einfach zu schön, wir mussten bleiben.
Teil 1408. Jan. 2025
30.06.2024 Birchenough Bridge - Mapari Rest Resort In der Früh haben wir wie immer die Spurenlage geprüft, es sieht so aus, als ob ein Nilpferd heute Nacht über unser Camp marschiert ist.
Dann fahren wir zum Gate. Hier dürfen wir uns in das WLAN-Office-Netzwerk der Ranger einloggen, und können unsere Tochter anrufen, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Danach unsere (vorläufig) letzte Flussdurchquerung, diesmal durch die Save. Tiefsandig, aber kein Problem und wenig Wasser (ca. 40 cm). Danach gehts zuerst 30 km auf der Piste und dann nochmal 160 km gute Teerstraße zur Birchenough Bridge, kurz dahinter liegt das Mapari Rest Resort, unsere Bleibe für diese Nacht.
Teil 1509. Jan. 2025
01.07.2024 Save Valley Conservancy - Humani Campsite Gestern Abend haben wir noch die Weiterfahrt recherchiert, und sind dabei über das Save Valley Conservancy gestolpert, angeblich noch ein Geheimtipp in Zimbabwe. Es soll dort auch ein sehr schönes Camp (Humani Campsite) geben. Wir kontaktieren den Besitzer, ob es einen freien Platz gibt. Heute früh erhalten wir die Bestätigung und machen uns auf den Weg. 60 km der Zufahrt sind z.T. extremes Wellblech, aber bei Tempo 60 rollen halbwegs gut darüber. Die letzten 20 km schaukeln wir im langsamen Pirschmodus weiter, und sehen unter anderem Zebras, Giraffen, Büffel und Wasserböcke. Kurz vor dem Camp kommt wieder eine Furt (ein Nebenarm der Save), leider mit relativ dunklem Wasser, es ist nicht möglich den Grund zu erkennen. Umfahrung gibt es keine. Dafür ein paar große Krokodile, welche sich sicher über eine Bergeaktion freuen würden🦎 🍽️.
Am Ende ist es die einfachste Furt von allen, die wir bisher gemacht haben, vielleicht 20 - 30 cm tief und ein fester, aufgeschütteter Grund. Von diesem "Unterwasserdamm" sollte man aber nicht abweichen, daneben ist es deutlich tiefer. Auch dieses Camp liegt mitten in der Wildnis, direkt am Fluss. Von der Campsite aus sehen wir Impalas und an die 100 Paviane, auf einer Insel liegen Büffel. Welch eine Begrüßung! Später kommen auch noch Wasserböcke. Die beiden Männer, die uns von der Anmeldung zur Campsite (4 km) den Weg gezeigt haben, bereiten unsere Busch-Dusche vor: Wasser wird aus dem Fluss in einen großen Behälter gepumpt, dort können wir es in einen Eimer ablassen, der Eimer wird dann zu einer Feuerstelle gebracht, und in ein aufgeschnittenes Fass geschüttet. Feuerholz liegt bereit. Wenn das Wasser warm ist, wird es wieder in den Eimer geschüttet, und von da in den Eimer mit dem eingelötetem Brause-Auslass umgefüllt. Fertig ist die Busch-Dusche. Nur leider, das Wasser kommt aus dem Fluss mit dem wahren Feind: nicht Krokodile, sondern Bilharziose. Wir verzichten und werden am Abend unsere eigene Dusche nutzen.
Den restlichen Tag relaxen und arbeiten wir (putzen, neue Toilette "ansetzen", usw.) im Camp. Am Abend gibts Schweinesteak mit Kartoffel und Süßkartoffeln zubereitet überm Lagerfeuer.
Teil 1609. Jan. 2025
02.07.2024 Save Valley Conservancy - Humani Campsite Heute gehen wir es ruhig an, wir haben 2 Nächte gebucht. Nach dem Mittagessen brechen wir zu einer Pirschfahrt auf, aber vorher fahren wir nochmal zum Farmhaus - wir müssen noch zahlen. Das Save Valley Conservancy ist ein interessantes Projekt: Die meisten Farmen in dieser Gegend haben sich zusammengetan, alle inneren Zäune abgerissen und außen einen stabilen Elektrozaun gezogen. Und dann Wildtiere, welche hier bereits ausgerottet waren, wieder angesiedelt, z.B. Spitzmaulnashörner. So entstand mit 4000 Quadratkilometer das größte private Wildschutzgebiet der Welt, welches mittlerweile wohl mehr Einnahmen bringt, als die traditionelle Tierhaltung (Rinder). Leider müssen sie hier aber auch gegen Wilderei kämpfen. Mark, der die Farm betreibt, pflanzt auch noch Orangen an (gut geschützt vor den Elefanten). Er bringt jährlich 1000 Tonnen zur großen Saftpresse in Birchenough. Morgen wissen wir, wie sie schmecken, wir haben einige bekommen.
Auf der Pirsch haben wir vor allem Giraffen gesehen (neben Impalas und Pavianen), die fühlen sich hier wohl richtig wohl.
Teil 1709. Jan. 2025
03.07.2024 Mutare - Hillside Golfclub Heute hat es uns mit ein paar unangenehmen Problemen erwischt, aber der Reihe nach. Zuerst fahren wir von unserem Wilderness Camp wieder zurück zur Teerstraße. Die Wellblechpiste ist immer noch nicht besser, aber bei Tempo 60 km/h einigermaßen zu befahren (dachten wir). Schon unterwegs stellen wir fest, dass Laden über die Lichtmaschine ausgefallen ist. Ist etwas unangenehm, da die Sonne so flach steht (hier ist "Januar"), so dass das Laden der Batterie über Solar allein nicht möglich ist. Da müssen wir am Nachmittag mal auf Fehlersuche gehen, vielleicht ist es nur ein loses Kabel, wäre kein Wunder bei den Straßen. Dann finden wir eine schöne Tankstelle (wir wollen mit unserem High-Tech-Euro 6 nicht bei jeder Buschtankstelle tanken). Beim Tanken fällt Harald auf, dass ein Dieselkanister außen feucht ist, aber am Verschluss ist alles dicht. Komisch. Weiter gehts nach Mutare, eine richtige afrikanische Bilderbuch-Kleinstadt, zum Einkaufen. Hier bekommen wir sogar lactosefreie Milch! Dann fahren wir zum örtlichen Golfclub, wir haben gehört, hier kann man campen. Und tatsächlich dürfen wir hierbleiben, bekommen Strom und Wasser und dürfen die Umkleidekabinen (mit Duschen!) der Golfer mitbenutzen. Als wir auf unserer Wiese den Kofferraum aufmachen, sehen wir die Bescherung: war es der Luftdruckunterschied oder die Wellblechpiste, wir wissen es nicht, aber unser 5 l Kanister AdBlue aus Südafrika ist halbleer, und das AdBlue schwimmt im Kofferraum. Schöne Sauerei. Jetzt ist Großreinemachen angesagt. Um das korrosive AdBlue Zeugs loszuwerden, kippen wir zum Abschluss noch 2 Eimer Wasser zur Spülung nach. Dann wird wieder alles eingebaut. Als wir fertig sind, nehmen wir uns noch den Reservekanister vor, und tatsächlich, er ist an einer Stelle angescheuert, etwas Diesel tritt aus. Ein Blechkanister! Also den noch schnell in den Tank gekippt, irgendwie haben wir da einen Riecher gehabt und bei der Tankstelle nicht ganz voll gemacht (falls der Diesel nicht der Beste ist, besser nicht zu viel tanken), die 20 l passen gerade noch rein. Bis das alles erledigt ist, ist es finster. Wir duschen (Silke wieder mal kalt, immer erwischt es sie - Harald hat heißes Wasser) und gehen ins Golfclub Restaurant, heute haben wir keine Lust mehr zu kochen.
04.07.2024 Vumba Mountains - Hivu Baumschule Zum Glück ist über Nacht unser Kofferraum gut ausgetrocknet. Bevor wir fahren, gibt uns Kevin (der Platzwart) noch ein paar Tipps über Straßenzustände und schöne Übernachtungsplätze. Nächstes Ziel, nur gute 30 km entfernt, sind die Vumba Mountains (auch Nebelberge). Durch den häufigen Niederschlag und vielem Nebel wachsen hier auch Bäume und Pflanzen, die es sehr feucht mögen, daher hat sich hier ein kleines Stück Regenwald erhalten können. Unterwegs kehren wir in Tony's Coffee Shop ein, er macht wohl die besten Kuchen im weiten Umkreis (sind wirklich superlecker). Auf seiner Speisekarte (nur Coffeeshop) stehen ca. 10 Kaffeevarianten, 40 Teevarianten und 10 verschiedene Kuchen. Und keine Gäste außer uns, das erklärt vielleicht die Preise (1 Stück Kuchen 14 Dollar, Kaffee oder Tee zwischen 7 und 20 Dollar). Tony hat jedenfalls einen wunderschönen Garten, in dem wir auch Spazieren gehen dürfen, und viel zu erzählen (seine Großeltern, seine Jugend, sein Architekturstudium in der Schweiz, seine Katzen ...).
Im Regenwald gibt es einen botanischen Garten, der sogar zum Nationalpark ernannt wurde. Wir verbringen hier einige Zeit und genießen die Ruhe und die Atmosphäre. Hier sehen wir auch die seltene Samangoaffen und Schirrantilopen.
Dann checken wir in der Hivu Baumschule (1752 m) ein. Es ist eine Baumschule mit Shop, in dem lokale Produkte verkauft werden (Kaffee, Tee, Honig, Nüsse, Marmelade ...). Man darf hier campen und bekommt sogar etwas zu Essen. Duschen geht nicht, aber sie bieten uns in einem der Angestelltenhäuschen eine Badewanne an.
Harald nimmt sich jetzt mal den Ladebooster vor, aber alle Kabel und Schalter sind ok, Spannung liegt auch überall (wo es sein soll) an, es sieht wirklich so aus, als ob der Ladebooster selbst hinüber wäre. Das bedeutet, es wird jetzt Zeit, dass die Sonne steiler steht, und bis dahin sind Schattenparkplätze leider nicht mehr möglich. Am Abend lassen wir uns von Esther (einer Angestellten, die auch auf dem Gelände wohnt) bekochen, einen leckeren Spiegelei-Burger mit Pommes.
Teil 1810. Jan. 2025
05.07.2024 Honde Valley - Camp am NRE Kraftwerk In der Früh werden die nächtlichen Überlegungen zum Ladebooster verifiziert, der Fehler lässt sich weiter eingrenzen, es ist wohl der "D+ Simulator". Der wird jetzt "überlistet" (reine Spannungssteuerung), und als Lohn der Bemühungen können wir jetzt auch wieder über die Lichtmaschine laden. Brauchen wir ja nicht oft, aber wenn es mal bewölkt ist oder regnet, wird's eng. Danach fahren wir zurück nach Mutare ins Immigration Office und verlängern dort unsere Visa. Weiter gehts zum ZIMRA Office zum TIP (Temporäre Einfuhr fürs Auto) verlängern. Das wäre zwar auch in Harare möglich gewesen, aber dort soll es deutlich bürokratischer zugehen. Und uns reichen die 30 Tage ab heute, wir wollen dann ja auch noch nach Botswana und Namibia. Und falls es uns wirklich noch in Zimbabwe hält, wir dürften auch noch ein zweites Mal um 30 Tage verlängern. Jetzt brechen wir auf ins Honde-Valley. Eine sehr fruchtbare Gegend in der Bananen, Avocados und Tee angebaut werden.
Unser Ziel für heute ist ein Wasserkraftwerk hoch in den Bergen. Mit bis zu 5 Turbinen werden hier die umliegenden Dörfer mit Strom versorgt. Wegen des Wassermangels im Fluss Pungwe läuft zurzeit jedoch nur eine Turbine. Direkt am Kraftwerk wurde eine Campsite mit 3 Stellplätzen eingerichtet, die ist unser nächstes Ziel. Zuerst zahlen wir im Tal im Büro des Kraftwerkbetreibers die Campsite, dann geht es ca. 20 km über eine steile Piste hoch in die Berge, bis wir endlich an einem wunderschönen Camp ankommen. Blessing, der Camp-Ward, heizt uns den Donkey-Ofen und die Grillstelle an. Am Abend gibts dann Halumi mit Süßkartoffeln.
Teil 1910. Jan. 2025
06.07.2024 Nyamoro Dairy Farm Am nächsten Morgen tanken wir nochmal Wasser nach, dann zeigt uns Blessing eine Fußgänger-Hängebrücke über den Pungwe, nahe am Kraftwerk. Er ist wirklich sehr aufmerksam und hat sich ein Trinkgeld redlich verdient.
Bei der Rückfahrt auf der extrem steilen Piste zurück ins Honde-Valley merken wir erst, wie steil die Strecke wirklich ist. Um die Bremsen nicht zu überhitzen, fahren wir zeitweise im ersten Gang mit Untersetzung. Wieder im Honde-Valley angekommen fahren wir bis zu dessen Ende (es ist eine Sackgasse). Die Bananenplantagen werden abgelöst durch große Felder Tee, welche in einem herrlich frischen und für unsere Augen ungewohnten Hellgrün in der Sonne leuchten.
Es geht weiter zurück, wir müssen uns wieder nach einem Übernachtungsplatz umsehen. Nach dem Campen auf einer Wildfarm, einem Golfclub, einer Baumschule und einem Kraftwerk landen wir heute auf einem Milchbauernhof. Wir stehen im Garten von Debbie (die Hausherrin), die aber leider zurzeit in Harare beim Großeinkauf ist. Trotzdem erhalten wir den Schlüssel zu einem Gästehaus mit Toilette und Badewanne. Da der Stellplatz nichts kostet (eine Spende ist natürlich willkommen), werden wir in der angeschlossenen Tee-Stube die Sandwiches austesten, das Chicken Sandwich von heute Abend war schon mal richtig gut.
Teil 2011. Jan. 2025
07.07.2024 Nyamoro Dairy Farm - Update Tag
Heute Früh hat es draußen Frost. Man merkt, unser Camp liegt auf 1834 m. Gut, wer da eine Standheizung hat.
Extra für uns lässt Angie den Donkey Ofen anheizen, um 10:30 läuft unser Waschfass dann zu Hochtouren auf (normale Wäsche, Handtücher, Bettwäsche ....), das heißt, es ist mal wieder ein Update Tag dran (mit fleißig Wäschewaschen).
Nach dem Mittagessen (wieder Chicken Sandwich, alles andere ist aus) geht es etwas relaxter weiter, Solarpanels reinigen, ein paar Schrauben nachziehen, Wasser auffüllen für die lange morgige Etappe in den äußersten Nordosten von Zimbabwe. (Und die Standheizung für den Start morgen um 05:30 programmieren). Dann telefonieren wir noch mit Debbie. Auch wenn wir sie nicht persönlich getroffen haben, möchte sie es nicht nehmen lassen, uns noch ein paar Tipps für die morgige Strecke zu geben.