Reisebericht

(Meist) im Zelt durch Saudi Arabien!

von KTM · begonnen 27. Dez. 2024 · 26 Teile

Teil 127. Dez. 2024
Liebe Fomis,

weil Ihr in diesen Tagen vielleicht Ruhe zum Lesen habt und weil vor allem wir ruhigere Tage zum Tippen unseres Reisetagebuchs haben, wollen wir Euch teilhaben lassen an unserer diesjährigen Reise nach Saudi Arabien (24. Okt. – 17. Nov. 2024).

Nach vielen Camping-Reisen in verschiedene Länder von Afrika waren wir gleich nach der Corona Pandemie auf einer sehr ausführlichen Selbstfahrer Camping-Rundreise im Oman. Das hat unseren Fokus auf Saudi Arabien gebracht. Es gab für uns zwei Beweggründe, nach Saudi zu reisen:
Erstens weil der Tourismus in Saudi Arabien erst langsam in die Gänge kommt und wir das Land noch möglichst vom Tourismus, wie er den Saudis vorschwebt, unberührt erleben wollten, und zweitens haben uns die Wüsten-, Gebirgs- und Felslandschaften Saudi Arabiens interessiert. Nachdem man überall im Land wild campieren darf, war es ein Traum von uns, diese Landschaften hautnah auf diese Weise zu erleben, und dieser Traum ging zum Glück auch voll auf.

Der komplexen politischen und gesellschaftlichen Situation Saudi Arabiens sind wir gewahr. Nichts davon machen wir hier zum Thema, sondern wollen Euch einfach nur an Auszügen unseres persönlichen Reisetagebuchs teilhaben lassen. Wir haben bewusst versucht, uns wertfrei auf dieses Land einzulassen und anzunehmen, was da kommt.

Um Enttäuschungen vorzubeugen, ein Hinweis: Im Gegensatz zu vielen anderen Fomis, die wir bewundern und teilweise beneiden, sind wir absolut keine Fotografen und machen relativ wenige, dafür schlechte Schnappschüsse und Erinnerungsbilder mit unseren alten Handys. Insbesondere ein Hauptinteresse unserer Reise, nämlich die immens schönen und überwältigend riesigen Landschaften des Landes, lassen sich nicht annähernd durch diese Fotos wiedergeben. Trotzdem werden wir zur Illustration einige einfügen.

Meine Frau und ich freuen uns, wenn uns einige von Euch nach Saudi Arabien begleiten mögen, und wünschen Euch viel Freude beim Mitlesen und -reisen!

Liebe Grüße,
Dietmar
Teil 227. Dez. 2024
24. Oktober:

Was für ein Stress!!! Vor all unseren Abreisen war viel los und viel zu tun, aber so extrem wie dieses Mal war es noch nie. Beruflich, privat, gesundheitlich, enorme Hektik, viele Aktivitäten, auch viele schöne Erlebnisse wollen verarbeitet werden, verschiedene Themen, keine Zeit – es ist extrem dicht.

Trotzdem arbeiten wir beide bis zur Abreise, ich kümmere mich noch um den Garten, rufe zwischendurch alle lieben Leute an, mit denen ich vor der Abreise noch sprechen möchte. Unangekündigt kommt heute noch jemand, um den Stromzähler zu tauschen. Auch egal, das Haus ist eh gerade leergeräumt, weil wir unserem vertrauenswürdigen Maler die Schlüssel gegeben haben, damit er während unserer Abwesenheit das Haus ausmalt.

Heute wird noch der Flügel in weiche Bettdecken gepackt, letzte Bilder, Vasen, Körbe und anderes Zeug auf den Dachboden verfrachtet, wir versorgen verderbliche Lebensmittel, gehen ganz schnell noch duschen und düsen wirklich in letzter Minute zum S-Bahnhof. Dietmar bringt das Auto zurück nach Hause, eilt zu Fuß zum Bahnhof und schon geht’s los!

Ja, das war wirklich ein enormer Stress! Wir brauchen ca. 9 Stunden bis zum Flughafen in Istanbul, um ein wenig runterzukommen und um zu realisieren, dass wir auf Reisen sind. Beim Warten auf unserem Weiterflug beobachten wir die ersten, ankommenden Großfamilien aus Saudi Arabien, außerdem sind wir erstaunt über Männergruppen, die in weiße Frottee-Tücher gehüllt sind. Wir vermuten zuerst, es wären Ausflügler eines Sauna-Vereins 😊, erst später auf der Reise werden wir lernen, dass es sich hierbei um das offizielle Pilgergewand der Mekka-Pilger handelt.

Und vorbereitet sind wir auch nicht auf diese Reise – NULL!!! Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet. Außer dem Bradt-Guide gibt es keinen Reiseführer, über ein kleines Reisebüro haben wir vor Monaten die Turkish-Flüge organisiert, es ist selbigem seit Monaten aber nicht gelungen, den gewünschten Geländewagen für uns zu organisieren oder wenigstens zu reservieren.
Auch Dietmar versuchte dieses vergeblich, die arabischen und europäischen Buchungsplattformen sind einfach nicht kompatibel, deutsche Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Seit Wochen und Monaten liegt uns diese offene Autofrage im Magen, umso größer unser Erstaunen, als wir gestern völlig überraschend von Richard, dem Freund eines Freundes, der in Katar lebt, eine mail erhalten:
Darin abgebildet ein 4x4 Pickup. Der angeblich am 25. 10. am Flughafen in Riad auf uns wartet. Wir möchten uns doch an Herrn Sultan halten... Mehr wissen wir nicht, schöpfen aber Mut und Hoffnung, dass uns der Sultan von Arabien mit einem Geländewagen erwartet. 😊

Nur leider zum Packen hatten wir nun wirklich keine Zeit mehr. Wir werfen panisch alles, was irgendwie passen könnte, in den Koffer, völlig undurchdacht und eigentlich total irre. Schon im Flug nach Istanbul fällt mir ein, dass ich meine aktuellen Linsen vergessen habe, und zwar das Nackenstützkissen, nicht aber den Bezug dafür mitgenommen habe. Mit meiner in Berlin-Neukölln erstandenen schwarzen Abaya und dem genialen Duschzelt, das als Sperrgepäck aufgegeben werden muss, fühle ich mich eh top ausgestattet. Die Reiseapotheke ist so dünn wie nie zuvor, wir hatten einfach keine Zeit, uns zu kümmern, außerdem steht gefühlt jedes Medikament unter Drogenverdacht. Nein, so möchte ich wirklich nie mehr in eine Reise starten!

Nun sitzen wir um 1 Uhr nachts in der letzten Reihe des Turkish Flugs von Istanbul nach Riad und sind wirklich gespannt, was uns erwartet. Im Flieger sitzen mehr Männer als Frauen, die arabischen Frauen alle in meist schwarzen Abayas und Kopftüchern in verschieden strenger Ausprägung. Kinder scheinen verwöhnt und reich zu sein...
Vor dem Abflug wird allgemein, offiziell und über Lautsprecher gebetet, Allah möge unsere Reise beschützen.

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Kaum je waren wir auf eine Reise so schlecht vorbereitet und Zeit für die Vorfreude blieb eigentlich auch nicht. Wir lassen uns einfach überraschen – auf nach Saudi Arabien!
Teil 328. Dez. 2024
25. Oktober

Nach der mittelmäßig schmeckenden Pasta und noch bevor die Tabletts wieder abgeholt werden, bin ich eingeschlafen und büsel nun in unangenehmen Sitzhaltungen bis kurz vor Riad.

Als die Pilotin von Turkish durch eine Gewitterwolke düst, werde ich kurz wach, sehe unten die absurde Straßenbeleuchtung, die sich wie bedrohlich leuchtende Tentakel durch das nachtfinstere Land ziehen, weit entfernt von dazugehörigen Orten, und schlafe dann weiter bis zur Landung in Riad. Bei dieser haben Dietmar und ich einen guten Blick auf diese riesige Stadt, gerade ist Morgendämmerung.

Unser Gepäck kommt spät, das Duschzelt erst gar nicht, später dürfen wir es vom Schalter für Extra- oder Sperrgepäck abholen. Dass Dietmars Koffer von der deutschen Polizei geöffnet und kontrolliert wurde, entdecken wir erst spät am Abend, als uns drei hineingelegte Infozettel über diese Überprüfung informieren. Zelt, Schlafsack und Technik-Equipment, Ferngläser, Batterien und Nachtkamera haben vermutlich verdächtig gewirkt. Es gab aber nichts zu beanstanden.

Obwohl Dietmar und ich also lange mit dem Gepäck brauchen und obwohl wir danach sehr lange und weit durch ein riesiges Parkhaus zu unserer Autovermietung „Key Car“ wandern, ist Herr Sultan um 7 Uhr früh noch nicht vor Ort. Ja, wir müssen ihn über WhatsApp erst einmal aufwecken, weil die beiden Kollegen vor Ort zwar hilfsbereit sind, aber rein gar nichts von uns und unserem Auto wissen. Erst nach einem recht langen Telefonat von Herrn Sultan mit seinen Gehilfen kommt Bewegung in die Sache.

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Es dauert bestimmt mehr als eine Stunde, aber am Ende bekommen wir unseren Pickup 4x4, sogar zum sensationell günstigen Preis von 6324 saudischen Rial als Monatsmiete + 1000 für die Versicherung. Wir wissen nicht, wie es zugegangen ist, aber Richard in Katar sei Dank! Unser Fahrzeug ist eine alte, klapprige, sehr dreckige und staubige Karre ohne alles, aber mit 4x4 und Pickup-Fläche! Es gibt keine Zentralverriegelung, keine Extras wie z.B. einen Spiegel über dem Beifahrersitz, aber dafür lassen sich die Fenster durch Kurbeln öffnen. Wir wollen uns nicht beklagen, es hat auf magische Weise funktioniert – es gibt ein Auto und wir freuen uns!

Unheimlich motiviert gehen wir zum Flughafen zurück, kaufen eine Sim-Card für 4 Wochen und Dietmar holt Bargeld vom ATM. Jetzt kann es losgehen!

Erst noch etwas vorsichtig steuert Dietmar unseren klapprigen Isuzu in Richtung Riad. Der Himmel wirkt vom vielen Staub fast nebelig, es ist angenehm warm. Obwohl ich neugierig bin und alles Neue anschauen möchte, werde ich auf dieser kurzen Fahrt unendlich müde. Ich falle immer wieder in einen Sekundenschlaf und kann mich bald gar nicht mehr wach halten.

Flott erreichen wir unser Hotel. So früh am Morgen ist unser Zimmer natürlich noch nicht bezugsbereit. Wir laden aber unser Gepäck aus, in der Lobby gibt es neben elektrischen Massagestühlen auch einen riesigen Screen, auf dem eine Webcam ununterbrochen die Kaaba von Mekka und die dazugehörigen Pilger zeigt – dieses „Mekka TV“ werden wir auf unserer Reise immer wieder sehen. Als wir gleich darauf zum Auto zurückkehren, falle ich dort für ca. 2 Stunden in einen tiefen Schlaf. Dietmar tut es mir gleich und so beginnen wir unsere Reise durch Saudi Arabien mit einem äußerst wichtigen Schönheitsschlaf auf dem Hotelparkplatz!

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Etwas erfrischt, inzwischen ist es noch ein wenig wärmer geworden, fahren wir das kurze Stück zum LuLu Hypermarket (seit der Omanreise genannt „Hyper-LuLu“ 🙂 ). Wie schon im Oman sind wir auch hier und heute vom Warenangebot überwältigt. Wir nehmen die dort herrschende Einkaufsstimmung in uns auf, machen viele Fotos von den üppig gefüllten Regalen und versuchen, nicht zu viel zu kaufen. Ich gewöhne mich an meine Abaya und wir beobachten die Einheimischen. Es tut uns so gut, heute einmal keine Eile und keinen Stress zu haben. So wirkt das Shoppen auf uns recht erholsam.

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Mittags kaufen wir uns ein ziemlich scharfes Chicken Biryani, das wir an den netten Tischen vor der Mall verzehren. Die ebenfalls gekaufte und recht modern verpackte Kokosnuss schaffen wir leider nicht zu öffnen. Dietmar tauscht sie um, der Öffnungsmechanismus funktioniert wieder nicht, Dietmar wird sie später im Hotel aufstechen. Trinken können wir sie aber auch dann leider nicht, weil sie innen faulig ist.

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Nach unserer kleinen Mittagspause kaufen wir noch einige Dinge, die wir zuvor vergessen haben. Nein, wir haben diesmal keine durchdachten Einkaufslisten...

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Zurück im Hotel ist nun auch unser recht großes Zimmer bezugsfertig. Viele und schwere Möbel stehen drinnen, es tut ein wenig amerikanisch. In den Details wirkt es etwas – naja: abgewohnt wäre zuviel gesagt. Manche Gewerke wie Fliesenleger hatten wohl bei der Errichtung schon eine etwas rustikale Herangehensweise. "Arabisch" halt, vermutlich. Zur Grundausstattung gehört ein Gebetsteppich, der Koran und eine Markierung, die die Gebetsrichtung gen Mekka anzeigt.

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Das Bett zieht uns magisch an, sind wir doch hundemüde. Wir freuen uns auf eine Tasse Kaffee, es stellt sich aber heraus, dass wir leider Filterkaffee statt des löslichen gekauft haben. Davon dann aber gleich zwei große Packungen. Dietmar fährt liebenswürdigerweise zurück zum Hyper-Lulu, mit der Frau vom customer-Service ist er ja schon von der zurückgegebenen Kokosnuss bekannt. Er kann zumindest die noch verschlossene Dose umtauschen und wir kommen nun doch noch zu einem Nachmittags-Kaffee.

Wenn wir jetzt der Anziehungskraft des Bettes nachgeben, schlafen wir hier am Nachmittag weg, und so überwinden wir unsere Müdigkeit und brechen noch einmal auf. Camping Equipment wollen wir kaufen. Dietmar trotzt dem argen und aggressiven Autoverkehr Riads und bringt uns unfallfrei zu einem wohl recht berühmten Campingausstatter „Rimaya“. Dort sind wir aber auf allen Ebenen enttäuscht. Das Geschäft wirkt staubig, klein, teuer und schlecht sortiert. Und so gurkt Dietmar fröhlich und mutig 16 km weiter zum riesengroßen „Al Sanidi“. Das ist eine andere Nummer! Das Shoppen macht hier Freude und das Geschäft ist beeindruckend. Wir finden eine passende Matratze für das Zelt, die auch als Sitzunterlage herhalten muss, und einen kleinen Gaskocher mit Kartuschen. Für mehr fehlt uns heute einfach die Energie.

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Wir suchen uns auf der verkehrstechnisch abenteuerlichen und anstrengenden Rückfahrt noch etwas zum Essen. Zum Glück entdeckt Dietmar ein sehr, sehr freundliches und leckeres türkisches Restaurant. Während wir uns die gemischte Vorspeisenplatte schmecken lassen, beobachten wir die anderen Gäste und besprechen die Unterschiede zum Oman, an den uns heute so vieles erinnert. Und doch auch wieder nicht, weil es sehr anders ist hier, zumindest nach den ersten Eindrücken.

Dietmar und ich sind beide froh, dass wir unser „Hosta“ Hotel gut erreichen und freuen uns nach der Dusche einfach nur mehr aufs Schlafen!

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Teil 429. Dez. 2024
26. Oktober:

Und wie wir schlafen: 11 Stunden praktisch wie betäubt! Beim Einschlafen hat Dietmar richtig Schüttelfrost, Kopfweh und eine laufende Nase vor Erschöpfung. Heute in der Früh ist er zum Glück wieder ganz gesund und ich bin rundum weich und wie neu geboren! Wir genießen es, keinen Zeitdruck zu haben und schlendern erst um 10.30 Uhr gemütlich aus dem Hosta-Hotel.

Wir machen uns nun in Ruhe auf die Suche nach unserer restlichen Camping-Ausstattung. Auf diese Weise lernen wir Riad kennen und nehmen ein wenig am Alltag der Leute hier teil, treffen freundliche und hilfsbereite Menschen und tun uns sehr schwer mit dem fürchterlich aggressiven Autoverkehr – wie froh bin ich, dass ich hier nicht fahren muss! Dietmar hat trotz dichten Verkehrs die Ruhe weg. Er wechselt virtuos von der U-Turn Spur über 6 Spuren hinweg auf die nächste Ausfahrt zu, wildes Gehupe und Aufblenden prallen an ihm ab, machen ihn eher noch ruhiger. Wie können so freundliche, sanfte und ruhige Menschen im Auto eine so gigantische Aggression verbreiten? Später auf der Reise lernen wir, dass sie wirklich nicht besser Autofahren können und ihr Fahrverhalten von uns fälschlicherweise als aggressiv interpretiert wird.

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Die Stadt selbst scheint eine riesige Ansammlung an Shoppingmalls zu sein. Derer verbrauchen wir heute zahlreiche und staunen z.B. über noch größere Campingausstatter („Al Sanidi 2“) als gestern. In großen Geschirr-Läden erhalten wir Einblick in die Tisch-, Ess- und Küchenkultur und deren Moden der Saudis und erleben über den Tag so dies und das.

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Ein unglaublich hilfsbereiter Inder macht es sich z.B. zu seiner persönlichen Aufgabe, eine passende Abdeckplane für unseren Isuzu-Pickup zu finden und hilft Dietmar dann auch noch sehr, sehr nett mit der passenden Befestigung.

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Als wir anderswo einen für uns unpassenden, aber zuvor gekauften Topf nach einigen Stunden wieder zurückgeben wollen, ist das überhaupt kein Problem. Anstandslos erhalten wir unser Geld wieder!
Die Suche nach Dieselkanistern gestaltet sich schwierig, selbst auf Tankstellen kann man sie nicht kaufen. Hilfsbereite Mitarbeiter einer Werkstatt bringen uns aber einen großen, blauen, sehr geeigneten Kanister. Wir dürfen ihn für drei Wochen unentgeltlich ausleihen, und jetzt möchten wir bitte dringend verschwinden, der Chef kommt jeden Moment.

Auf einer anderen Tankstelle dürfen wir für einen US-Dollar einen leeren, großen Trinkwasserkanister von einer Spenderstation als Brauchwasserkanister mitnehmen. Dietmar befüllt ihn an der Wasserleitung, an der die Männer ihre Hand-, Fuß- und Gesichtswaschungen vor der Moschee durchführen. Nebenbei wird auch noch ein schwaches, krankes Kätzchen von den Männern mit Wasser versorgt und liebevoll betreut.

Zu Mittag freuen wir uns, dass wir ein richtig arabisches Restaurant finden. Für die Männer gibt es einen eigenen Speiseraum, wo sie genüsslich auf dem Boden herumlungern können. Da die Speisekarte leider nur auf arabisch ist, bestellen wir einfach Chicken und Reis und beantworten jede weitere Frage mit „Ja“. Wir bekommen ein köstliches Mahl bestehend aus einer Art Grießsuppe, einen Gurken-Tomatensalat und einen köstlichen Rosinenreis mit einem halben Hendl. Dazu verlockende Zucchini, Kürbis und einen kleinen Paprika. Als ich in diesen beherzt hinein beiße, verätze ich mir fast Mund- und Rachenbereich, weil er so scharf ist! Dietmar probiert ganz vorsichtig nur stecknadelgroß davon. Das reicht ihm an Schärfe für heute.
Nach diesem super Essen bedienen wir uns noch am bereit gestellten süßen Tee und Kaffee mit Kardamom.

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Im Auto warten süße Feigen auf uns. Zu spät realisiere ich, dass sie voller kleiner weißer Würmer sind. Ich spucke sofort aus, aber eine kleine Portion landet doch im Magen. Diesen kulinarischen Alptraum müssen wir wiedergutmachen, und so bringt uns Dietmar noch zwei köstliche Pudding- bzw. Panna Cotta Desserts aus unserem Restaurant.

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Gegen Abend wollen wir uns noch den berühmten Flaschenöffner-Tower und das umliegende Viertel näher anschauen. Wir sehen den Wolkenkratzer im guten Abendlicht, haben einen Eindruck von den umliegenden Luxushotels, den Schmuckmalls und besichtigen eine Abaya-Mall. Die vielen Stoffläden und Abaya-Boutiquen sind alle sehr gut besucht, es gibt aber auch schöne Abendkleider und sogar Dessous-Geschäfte.

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Irgendwann wird das Autofahren hier einfach zu beschwerlich und anstrengend, und so fährt Dietmar sehr defensiv und vorsichtig zurück zum Hotel. Auf dem Weg speisen wir noch einmal beim türkischen Restaurant von gestern Abend, wieder schmeckt es super, und die Belegschaft freut sich, dass wir wieder hier sind.

Gut dass wir so ein großes Hotelzimmer und sogar eine eigene Wohnküche haben, denn so können wir all unsere Habe gut ausbreiten, das neue Geschirr waschen und alles gut und schön für unsere Wüstenfahrten sortieren. Außer der Abdeckplane fürs Auto haben wir heute noch zwei typisch orientalische Bodensitze gekauft, sowie einen sehr hübschen Teekessel, einen äußerst hübsch verzierten Topf, Feuerzeuge, zwei Storage-Kisten, einen Kissenbezug für mein Nackenstützkissen, Besteck, Schüsseln und Plastikteller.
Bevor es in die Wüste geht, sollen auch die Haare noch einmal gründlich gewaschen werden, leider gibt es heute nur kaltes Duschwasser. Na da hätten wir draußen in der Natur auch nicht mehr gefroren.

Es dauert, bis alles für morgen bereit ist und Dietmar unseren Pickup beladen hat. Aber schließlich sind wir fertig! Zufrieden mit unserem Riad-Tag fallen wir in die Betten. Wo werden wir morgen schlafen?

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Teil 530. Dez. 2024
27. Oktober:

Dietmar hat den Wecker auf 6.40 Uhr gestellt, damit wir uns langsam auf Outdoor-Zeiten umstellen. Weil Dietmar gestern noch alles so schön gepackt hat, kommen wir heute auch zügig los. Heraus aus dieser merkwürdigen Stadt, meist zehnspurig, ist klar! Und dann auch entlang der neuen Prestige-Megabaustelle „Mukaab“ („Würfel“). Gigantisch und unvorstellbar soll das werden, nie dagewesen! Saudi Arabien im Selbstfindungsprozess.

Außerhalb der Stadt finden wir eine Tankstelle, die auch Diesel verkauft, innerhalb der City ist das eher selten. Aber hier draußen tanken derart viele LKW und Betonmischer, Baustellenfahrzeuge und Großtransporter, dass sich so eine Dieselstation lohnt. Der Diesel kostet kaum ein Viertel im Vergleich zu Deutschland, die Atmosphäre hat etwas Rohes, Wildes hier draußen. Alles wirkt schwarz, dunkel und schmierig, es gibt nur Männer, aber aus aller Herren Ländern. Keiner spricht Englisch, alle sind Ausländer. Das angegliederte Restaurant dieses Truckstop ist ein richtig grindiges Loch, wie alles hier.
Auf der Weiterfahrt wird der Verkehr langsam weniger, aber immer noch unberechenbar. Wir fahren durch schon geplante Vorstädte, man sieht hier viele Rohbauten riesiger Einfamilienhäuser. Dazwischen werden große Institutionen errichtet, eine Militärakademie z.B. ist schon fertig.

Kurz fahren wir durch karge Wüstenlandschaften, dann kommt aber auch schon der nächste Ort Huraymila. Wir durchfahren ihn auf der Suche nach einem Mittagessen, das wir uns mitnehmen können. Ich sehe in dieser ganzen kleinen Stadt keine einzige Frau. In der kleinen schmuddeligen Imbissbude, in der wir landen, natürlich erst recht nicht.

10-12 Männer warten auf Falafelschiffchen, gegrillte Sandwiches, Pommes mit Putenschnitzel und anderes Food to go. Wir lassen uns von einem sehr freundlichen Saudi-Gast beraten. Er zeigt uns die Zutaten, die hinterm Tresen zur Verfügung stehen. Und weil alle hier willig sind, bekommen wir am Ende genau das, was wir wollen, obwohl wir alle keine gemeinsame Sprache haben. Wir lassen uns unser leckeres Mittagessen einpacken.

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Gleich hinter dem Ort finden wir die unscheinbare, unbeschilderte Abzweigung zum „Edge of the World“. Wie gut, dass wir die „Pistenkuh“-App haben (https://pistenkuh.de/shop/gps-offroad-tourenbuch-saudi-arabien-oman/) und nun nur der Route folgen müssen. Es wird nämlich schnell klar, dass es viele Abzweigungen gibt und dass die Strecke viel anspruchsvoller zu fahren ist, als wir das erwartet haben. Niemals kämen wir hier mit einem gewöhnlichen PKW durch. Dietmar fährt im Allrad, bald sogar mit low. Wir treffen kein einziges Auto auf der Strecke, dabei soll diese Sehenswürdigkeit doch so viel besucht sein. Und ca. 3 km vor der berühmten Abbruchkante, zu der wir wollen, kommen wir gar nicht mehr weiter.

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Eine mögliche Detour ist uns auch zu gefährlich, wir müssten über Geröll sehr steil einen Hang hinunterrutschen. Also suchen wir eine deutlich längere Umleitung, verfahren uns zwei-, dreimal und schwitzen ob der Schwierigkeiten, die fahrtechnisch zu bewältigen sind. Wahnsinn eigentlich.

Irgendwann sind wir da. Den letzten halben Kilometer müssen wir zu Fuß gehen, weil ein irrer Saudi kürzlich mit dem Auto die Abbruchkante hinabgestürzt ist. Die Polizei ist vor Ort und überwacht und kontrolliert, dass man nicht mit dem Auto weiterfährt.

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Die teilweise steile Wanderung in der Abaya und vor allem in der Nachmittagshitze fällt mir überraschend schwer. Gemeinsam mit uns hat ein netter, gesprächiger Saudi Edge of the World erreicht. Er ist IT-ler für Erdölchemie, arbeitet für Chevron, spricht entsprechend gut Englisch und unterhält sich lange mit Dietmar. Er kommt aus Dammam und hat heute Morgen seine Frau nach Riad gebracht, damit sie ihre Schwester im Krankenhaus besuchen kann. Er selbst wollte nicht in Riad warten und ist darum mal kurz die zwei Stunden hier heraus in die Natur gefahren. Jetzt holt er seine Frau in Riad ab, und nach einem Mittagessen (um 4 Uhr nachmittags??) fahren sie wieder zurück nach Dammam. Sind ja nur 400 Kilometer. Die Saudis scheinen in anderen Streckendimensionen zu denken als wir.

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Von diesem freundlichen Mann erfahren wir auch, dass es hierher auch eine deutlich bequemere und einfachere Zufahrt gibt (auch ohne 4x4 möglich), und er bespricht für uns mit der hier stationierten Polizei unser Campingvorhaben für heute Nacht. Niemand hat etwas dagegen, wir dürfen nur nicht zu nahe an die Abbruchkante heran, uns aber in dem unendlich riesigen Gebiet ansonsten hinstellen, wo immer wir möchten.

Die Landschaft ist sehr eindrucksvoll und auf der Rückfahrt finden wir etwas abseits der viel unbeschwerlicheren Hauptpiste einen geeigneten Platz für die Nacht. Ursprünglich haben wir überlegt, heute noch viel weiter zu fahren, aber das wäre zu stressig geworden. Wir haben heute für alles länger gebraucht als gedacht, und für unsere erste saudische Zeltnacht sind wir ja auch noch nicht so routiniert. Alles braucht seine Zeit. Das neue Zelt soll aufgebaut werden, das neue Duschzelt wird fröhlich erprobt (etwas instabil, aber ein toller Schutz vor dem Wind). Am Gaskocher gibt es das erste Instant-Süppchen der Reise und zuallererst halte ich ein Nickerchen auf unserer saudischen Teppich-Matratze.

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Der Abend vergeht mit Routenplanung und Tagebuch schreiben. Wir testen die landestypischen Sitzgelegenheiten und ärgern uns über die Zuhause vergessenen guten Stirnlampen. Tja, es war halt echt stressig vor der Abreise. Meine neue UV-Taschenlampe entdeckt heute keinen Skorpion, das macht nichts. Nach Einbruch der Dunkelheit sehen wir in der Ferne das Licht einer großen Stadt – kann man Riad so weit sehen? Ansonsten sind wir hier weit und breit alleine. Leider windet es ziemlich, wir hoffen, gut schlafen zu können, als wir diesen Tag schon um 20.15 Uhr beenden.

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Teil 631. Dez. 2024
28. Oktober:

Heute stehen wir schon bei Sonnenaufgang um 5.40 Uhr nach einem verhältnismäßig guten Schlaf auf. Der Platz war ruhig, aber in der Früh tut uns halt alles weh, weil wir auf dem felsigen und steinigen Boden doch sehr hart liegen.

Wir lassen den Tag gemütlich angehen, der gute Kaffee aus der Herzerl-Tasse erquickt mich. Es ist unglaublich windstill und es hat angenehme Temperaturen. Als alles verstaut und gepackt ist, brechen wir auf. Zuerst die restliche Hauptzufahrtsstrasse von „Edge of the World“ hinaus bis nach Sadus und dann wieder ein Stück zurück nach Huraymila. Dort fahren wir heute geradeaus 150 km weiter bis Ushaiqir mit seinem berühmten Museumsdorf. Die Strecke bis dorthin ist eher langweilig und eintönig, sehr stark befahren und etwas reizlos. Die Landschaft ist wüstenartig, teilweise reichen die roten Dünen sogar bis an die Orte und Straßen heran. Das ganze Land wirkt aber industriell oder landwirtschaftlich genutzt: Kamelfarmen, in den Oasen Monokulturen, Rinderfarmen, riesige Bauvorhaben, Steinbrüche, Ölindustrie, hässliche Tankstellen und opulente Kreisverkehre an den Ortsein- und -ausfahrten.

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Eine typische Kreisverkehrsgestaltung


Es sind unheimlich viele Betonmischer und andere Baufahrzeuge unterwegs und ich nutze diese Autofahrt, um wenigstens eines unserer drei Handys am Zigarettenanzünder zu laden. Leider gelingt es mir nicht, genauso wenig funktioniert es am USB des Autoradios. Außer dem Motor funktioniert an diesem Auto wirklich rein gar nichts. Dass es keine Zentralverriegelung, keine Mittelkonsole, keine verstellbare Lüftung, nur kleinste Seitenfächer, keine Getränkehalter, keinen Kurz-Blinker und auch sonst nichts gibt, ist mühsam, damit können wir uns aber irgendwie arrangieren. Dass wir aber keine Lademöglichkeit für die Handys haben, ist echt ein Problem. Wie sollen wir denn künftig z.B. fotografieren? Und die Overlander oder andere Apps verwenden? Vom Navi ganz zu schweigen.

Wir versuchen an einer Tankstelle, mit Werkstatthilfe eine Lösung zu finden, lassen das aber bald wieder sein, da hier keiner ein Wort Englisch spricht und man in erster Linie nur LKW-Reifen wechselt. Die Lösung für den Rest der Reise wird also so aussehen, dass wir künftig überall, wo wir hinkommen, unsere Handys – wenn auch nur kurz – laden lassen. Das üben wir gleich einmal in diesem Museumsdorf – kein Problem! Man hilft uns gerne, sogar auf Englisch. Man versichert uns, den ganzen Tag und selbstverständlich auch nach unserer Dorfbesichtigung noch hier zu sein.

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Dietmar und ich besichtigen also gemütlich dieses in großen Teilen renovierte historische Dorf. Es besticht vor allem durch seine Größe von ca. 400 Häusern und 25 Moscheen. Wir finden die Renovierung allerdings eher lieblos und schleißig (zu deutsch: unsorgfältig) gemacht, recht brachial, oft auch gar nicht und bestimmt nicht denkmalschutzgerecht. Obwohl das Dorf ziemlich berühmt ist, merkt man, wie sehr der Tourismus und auch das Bewusstsein für Historisches hier noch in den Kinderschuhen steckt.
Während unseres Spaziergangs durch die Anlage erinnern wir uns oft an viel, viel besser aufbereitete Sehenswürdigkeiten und Bauwerke im Oman.

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Gleichzeitig mit uns ist auch eine Gruppe Europäer hier. Ich unterhalte mich nett mit einer Touristin aus Radolfszell, vielleicht sehen wir uns ja in Al Ula wieder? Die geführte Gruppe ist mit 14 Personen acht Tage in Saudi Arabien unterwegs.

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Als wir nach eineinhalb Stunden Besichtigung schließlich weiterreisen möchten und Dietmar noch Brauchwasser getankt hat, möchten wir nun unsere Handys wieder einsammeln. Leider ist jetzt an der Office aber kein Mensch mehr da und das kleine Museum geschlossen. Gebetszeit! Da müssen wir eben solange warten.

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Für uns heißt das, dass wir unsere Reise künftig nicht nur nach Handy-Lademöglichkeiten, sondern auch nach den Gebetszeiten organisieren müssen – na toll. Während wir also warten, lernen wir, wie Araber ihre eigenen Sehenswürdigkeiten besichtigen: Ein SUV prescht mit überhöhter Geschwindigkeit auf den kleinen Dorfplatz, alle halten ihre Handys aus dem Fenster, er wendet mit quietschenden Reifen und schon war man da und hat alles gesehen.

Als wir unsere Handys endlich wieder zurück haben, fahren wir weiter nach Buraida. Wir umfahren das Stadtzentrum und hoffen, entlang der Umfahrung etwas zu essen zu finden. Aufs Geratewohl nimmt Dietmar die Ausfahrt „Cattle City“ und wir wählen das erstbeste Restaurant. Ein etwas großer Begriff für die Kaschemme, bei deren Betreten ich mich am liebsten in Luft auflösen möchte. Denn der Laden ist gut gefüllt mit ca. 20 Männern, die mich alle anglotzen, als wäre ich gerade vom Himmel gefallen, und das obwohl ich meine Abaya trage! Manche Männer fangen auch zu kudern (zu deutsch: kichern) an oder winken mir in einer Art zu, als wäre es peinlich, dass ich hier bin. Ich fühle mich äußerst unwohl in diesem ansonsten sehr landestypischen Restaurant. Frauen gehen hier wohl nie herein.

Zum Glück ist der Inhaber, ein Afghane aus Masar-e Sharif, recht nett, macht kein Getue ob meines Geschlechts und lässt uns bereitwillig unsere Handys laden. Schließlich weist er uns eine Kabine zu, denn zu den Männern im öffentlichen Bereich kann man mich unmöglich platzieren – Tisch und Stühle gibt es hier sowieso nicht – und serviert uns eine köstliche, typische Reisplatte mit Hendl, Sauce und etwas Salat. Wir sind es nicht gewohnt, am Boden sitzend zu essen, lassen uns die Mahlzeit aber gut schmecken.

Jetzt haben wir wieder Energie, die Handys etwas mehr Saft und trotzdem schaffen wir es heute nicht mehr bis Hail. Wir bemerken erst jetzt, wie riesig dieses Land eigentlich ist (6 x so groß wie Deutschland). Wir müssen uns rechtzeitig einen Platz für die Nacht suchen, denn die Sonne geht schon kurz nach 17 Uhr unter. Wir versuchen unser Glück in irgendeinem Ort entlang der Autobahn.

Leider gestaltet sich die Schlafplatzsuche schwieriger als erwartet und bleibt auch nicht unbemerkt. Irgendjemand fährt plötzlich hinter uns her, er möchte uns helfen, versteht aber nicht, was wir wollen. Beschreibt uns aber dafür äußerst nett den Weg zurück zur Autobahn!

Und so bleiben wir schließlich etwas unkonventionell auf dem Kinderspielplatz am Rande einer Neubausiedlung. Es windet sehr stark, der ganze große Platz wird von grellem Flutlicht bestrahlt, vor der Toilette liegen Glassplitter, in der Toilette sind Motten und Ameisen. Dafür bietet dieser Platz einen grünen Rasen, der eine weiche Schlafstätte verspricht.

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Wir tun das ganz Arge und bestimmt äußerst Verbotene: Wir duschen uns in der öffentlichen Toilette gegenseitig ab! Immer auf der Hut, dass keiner kommt. Es ist aber ohnehin kein Mensch hier.

Am Abend tönt lange und von allen Seiten der Ruf des Muezzin. Na, ich bin gespannt, wie gut wir hier schlafen werden. Am Klo gibt es allerdings auch Steckdosen und so haben wenigstens unsere Handys eine gute Nacht.

Noch ist dieser Abend nicht zu Ende: Gerade als wir uns um 21 Uhr aufs Ohr legen wollen und uns darüber freuen, dass wir heute tatsächlich auf weichem, saftigem, grünem Rasen ruhen werden (etwas worüber wir mit unserem verspannten Rücken den ganzen Tag gescherzt und was in dieser harten, trockenen, felsigen Wüstenlandschaft niemals für möglich gehalten haben), erhalten wir Besuch von einem schicken Landcruiser. Ein Mann steigt aus und entschuldigt sich per Google Translate, dass er sich jetzt erst so spät um uns kümmert. Bis jetzt hatte er zu tun. Gerne dürften wir hier auf dem Spielplatz übernachten, aber wir sollten doch besser mit ihm mitkommen. In einem Kilometer Entfernung wäre ein Platz, wo wir ungestört und ohne Menschen übernachten könnten. Unser jetziger Platz wäre zwar sicher, aber nachts kämen hier wilde Hunde...

Dietmar lehnt sein Angebot freundlich ab. Mit mir spricht der Mann nicht eine Silbe, er tut so, als wäre ich gar nicht existent. Das kenne ich schon aus dem Oman, wo ich auch ab und zu das Gefühl hatte, ich wäre nur ein Haustier. Es hat nichts mit Frauenverachtung zu tun, sondern ist im Gegenteil die übliche Respektbezeugung. Für uns halt ungewohnt.

Der Mann will noch wissen, wohin wir morgen reisen wollen, und nach einigen ausgetauschten Freundlichkeiten verschwindet er wieder. Als er weg ist, bedaure ich etwas, dass Dietmar sein Angebot nicht angenommen hat. Die Geschichte mit den wilden Hunden und wir mit unserem Bodenzelt beunruhigt mich etwas. Wir reden noch eine Weile über den freundlichen Besucher und wollen uns nun endlich schlafen legen, als plötzlich ein anderer Geländewagen auftaucht.

Unser Besucher ist zurück, diesmal in der Familienkutsche. Die natürlich voll verschleierte Frau und den ca. 11 Jahren alten Sohn hat er auch mitgebracht. Der Sohn überreicht Dietmar eine schöne Outdoor-Tasche, darin zwei große Kannen mit Kaffee und Tee, Pappbecher und in einer sehr schönen Kristallschale köstliche Datteln. In einem kurzen Versuch bietet uns der Mann noch an, uns in ein Hotel zu bringen. Die Tasche sollen wir morgen einfach stehen lassen. Dann verschwindet die Familie wieder in die Nacht.

Dietmar und ich sind gerührt ob dieser Gastfreundschaft, probieren einige Datteln und sparen uns den köstlichen und sehr heißen Kaffee fürs Frühstück auf. Trotz des sehr hellen Flutlichts, das unser Zelt erleuchtet, gelingt es uns gleich einzuschlafen.
Teil 701. Jan. 2025
29. Oktober:

Ich schlafe entspannt, tief und fest, bis mich um 1.15 Uhr lautes, extrem wildes und sehr nahes Hundegebell weckt. Ich wecke Dietmar und flüchte sofort ins Auto. Die wilden Hunde sind also wirklich gekommen, es müssen einige sein und große, und so manche beängstigende Silhouette sehen wir im Flutlicht über den Platz streunen. Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich kehre ganz sicher heute Nacht nicht mehr in dieses Bodenzelt zurück!

Dietmar scheint keine Angst zu haben und bleibt im Zelt, während ich für den Rest dieser Nacht gut, warm und gemütlich im Auto schlafe, bis um 5.20 Uhr der Wecker läutet. Wir staunen darüber, dass gestern um 5.40 Uhr alles total hell war und heute 20 Minuten früher finsterste Nacht herrscht. Macht nichts, wir haben ja Flutlicht!

Und wir haben feinsten, noch immer sehr heißen Kaffee mit Kardamom. Die Hunde sind auch ein Stück weiter gezogen und es beginnt ein äußerst vergnüglicher Morgen. Langsam beginnen wir unser Tagewerk. Während wir gemütlich unseren Kaffee genießen, wundern wir uns über ein plötzliches, unbekanntes Rauschen,vermuten kurz Vögel im benachbarten Baum, als Dietmar schreit: „Die Bewässerung!“ Und schon sprudelt es los: Auf dem gesamten Platz wachsen Düsen aus dem Boden und in Sekundenschnelle steht das gesamte Areal unter Wasser. Dietmar reißt in letzter Sekunde unser Zelt vom Rasen, bevor es rundum abgeduscht ist. Die Szene wirkt wie in einer sehr lustigen Komödie ganz nach meinem Geschmack und ich kann für die nächste halbe Stunde gar nicht mehr aufhören zu lachen. Zuerst finden wir hier das einzige gemütliche Stück weichen, grünen Rasens zwischen dem Persischen Golf und dem Roten Meer; rund um uns Wüste, Steine, Sand und Trockenheit, und wir gelernte Mitteleuropäer verschwenden natürlich nicht einen einzigen Gedanken daran, wie so ein Fleckchen Grün eigentlich gedeihen könnte.

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Diese für uns so lustige Szene erheitert uns den ganzen restlichen Tag und bringt uns mit Schwung und Fröhlichkeit nach Hail. Die schöne Tasche mit der Kristalldose und den Spezereien hängen wir vor den Hunden geschützt an einen Baum, zusammen mit einem netten Brief und einigen Süßigkeiten für unsere Gastgeber. Wir nehmen also Abschied vom so gastfreundlichen Ort Tiraqu, zu dessen Ambiente eine gut genährte und gepflegte Katze, die uns heute Nacht Gesellschaft geleistet hat, beiträgt.

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Auf der Weiterfahrt wird die Landschaft nach und nach schöner und abwechslungsreicher, und hinter Hail erhebt sich schon imposant das Gebirge der Mawqaq Mountains, in das wir heute noch hineinfahren wollen. Obwohl wir die Stadt bei freundlichstem Sonnenschein erreichen, muss es kurz vor unserer Ankunft gerade heftig geschüttet haben. So sehr, dass wir mitten im Stadtzentrum ein River-Crossing machen müssen, weil alles überflutet ist.

Zuerst wird getankt, dann stocken wir bei Panda unsere Vorräte auf und entscheiden uns bei Mac Donalds für ein frühes Mittagessen. Es ist bei weitem nicht das beste Essen unserer bisherigen Reise, aber der Besuch selbst ein Erlebnis und äußerst interessant. Es gibt z.B. getrennte Eingänge: eine Glastür für „Singles“ (euphemistisch für „Männer“), und eine Milchglastür, durch die man nicht sehen kann, dann für „Family“ (d.h. „Frauen“ bzw. Gruppen, die eine Frau beinhalten). Klar bleibt uns nur die zweite Option.

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Von der Bestellung bis zur Toilette ist nun alles räumlich strikt getrennt. Wir bekommen den Männerbereich gar nie zu sehen. Der Gastraum sieht dann natürlich so aus, wie er bei Mac Donalds auf der ganzen Welt aussieht, aber jeder Esstisch kann mit Vorhängen zu einer fest geschlossenen Kabine umgewandelt werden. Die dort speisenden Frauen machen davon auch alle Gebrauch. Wenn der Kellner mit den Speisen kommt, klopft er an, bevor der Vorhang geöffnet wird, damit alle Frauen sich wieder hinter ihrem Niqab verstecken können. Für mich interessant, aber äußerst befremdlich.

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Was hier aber total gängig und normal ist, ist unsere ewige Frage nach dem Handy chargen. Mein vorsintflutliches Samsung Telefon wird stets nur milde belächelt, auch weil man zum Laden noch einen steinzeitlichen Stecker verwenden muss. Dietmars Dienst-Iphone kann man da schon viel praktischer direkt auf dem Esstisch auf eine Induktionsladefläche legen. Macht jeder.

Gestärkt geht es nun hinaus ins Gebirge, dessen wunderbare Schönheit uns sofort umfängt. Die herrliche Landschaft mit den interessanten Felsformationen gefällt nicht nur uns. Auch die Saudis zieht es heute hierher. Einerseits um an den vielen kleinen Wasserstellen, die der heutige Regen gebracht hat, zu picknicken (und um anschließend den Müll in die Landschaft zu werfen), und andererseits um wie wild geworden durch Gebirgsbäche zu rasen, um auszutesten, was so ein Auto im Gelände alles kann. Ich hege schon länger meine Zweifel, dass die vorgeschlagene Tour aus Pistenkuh – einmal quer durch das Gebirgstal – für uns geeignet sei, aber heute mit dem vielen Wasser und den zahlreichen Flussquerungen ist schon nach wenigen Kilometern klar, dass wir das sicher nicht machen werden.

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Die Saudis aber haben größten Spaß daran, ihre Fahrzeuge zu schrotten und in den Flüssen zu versenken. Unsere zaghaft vorgebrachten Empfehlungen zu möglichst sicheren Wasserdurchfahrten, wie wir sie in Afrika gelernt haben, werden schnöde abgewiesen. Diese überdrehten Reichen haben ihre größte Freude daran, wenn mitten im Fluss motortechnisch nichts mehr geht. Abschleppen versucht man höchstens mit einer Wäscheleine, angeschoben wird auch nicht, da könnte man sich schmutzig machen. Frauen steigen nie aus dem Auto aus, dann könnte man sie sehen und gegenseitige Hilfe ist eher selten. Soll doch jeder sehen, wie er weiterkommt - „etwas übersättigt“ das Ganze! Unseres ist das nicht. Wir lernen aber später, dass es „River Bashing“ genannt wird.

Wir machen kehrt und haben dadurch heute noch Zeit für das traumhaft schöne Tal von Tuwarim. Bei der Einfahrt finden sich noch ein paar Ruinen früherer Völker, der Talschluss selbst begeistert uns sehr. Schon bald suchen wir den für uns romantischsten Platz für die Nacht.

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Ein kurzes Stück gehen wir auch zu Fuß, bis Dietmar später das Auto nachholt. Bei diesem kurzen Spaziergang fallen wir natürlich sofort als Ausländer auf, woraufhin jedes zweite Auto anhält, uns freundlichst willkommen heißt, Mitfahrgelegenheiten anbietet und mal dieses, mal jenes Geschenk aus dem Wagen reicht (Wasserflaschen, Nüsse, ...). Ich bin richtig froh, als Dietmar mich später mit dem Auto wieder einsammelt, beinahe hätte man mich hier adoptiert!

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Auch wenn wir im Wagen sitzen, fallen wir auf, und die arabische Gastfreundschaft macht vor uns im Auto nicht halt. Als wir an einer Stelle wenden müssen, werden uns von zwei jungen Männern kleine, gekühlte Wasserflaschen hereingereicht. Wir sollten doch unbedingt aussteigen und uns zu ihnen gesellen. Wir werden sofort auf die schönen Teppiche gebeten und man reicht uns Kaffee und Datteln. Wie gut, dass einer der beiden freundlichen Männer etwas Englisch kann, so entspinnt sich eine nette Unterhaltung. Die beiden sind aus Riad, einer arbeitet im Labor eines Krankenhauses, der andere in der Immobranche. Auf seine Frau, die Hebamme ist, ist er äußerst stolz, er besitzt ein Pferd und wir werden für Expats gehalten. Eine dreiwöchige Reise nach Saudi Arabien um des Landes wegen kommt in ihrer Gedankenwelt nicht vor. Wir haben das auch bei verschiedenen Smalltalks in den vergangenen Tagen immer wieder erfahren.

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Die beiden Männer lassen sich gerne fotografieren. Sie kochen übrigens gerade einen Kamelfleisch-Eintopf, wir möchten doch unbedingt zum Essen bleiben! Nein? Aber doch wenigstens probieren und den Koch loben! Es schmeckt wirklich sehr, sehr gut, aber wir wollen weiter zu unserem Platz für die Nacht.

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Die zwei Burschen fahren heute noch hinaus aus diesem schönen Tal. Niemals könne man hier drinnen übernachten, schließlich sei das Gelände unübersichtlich und es gäbe Wölfe. Aaahh!!?? Wenn das genau so wahr wird wie die gestrige Ankündigung der wilden Hunde... - na dann gute Nacht!

Ansonsten ist unser Platz für diese Nacht traumhaft – genauso habe ich mir Zelten in Saudi Arabien immer vorgestellt!
Teil 802. Jan. 2025
Guten Morgen, liebe Elke,

es ist uns eine Freude, dass wir auch Dich zu einem bisher noch nicht so vertrauten Land inspirieren dürfen! 🙂

In Deinem und so manchem anderen Kommentar hören wir die Überlegung "Oman oder Saudi Arabien" heraus. Und so schreiben wir für Euch hier unsere Gedankensammlung zum Thema, wie sich aus unserer persönlichen Sicht die Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern als Reisende dargestellt haben.

Wir haben es folgendermaßen erlebt:
Oman ist das kompaktere Reiseland, alleine schon von den geographischen Dimensionen, aber auch der Dichte an Sehenswürdigkeiten. Er ist auch architektonisch und kulturell dichter.
Der Oman bedient die Klischees aus 1001 Nacht viel mehr, Saudi Arabien ist da etwas spröder.
Die Küste Omans, die Wahiba Wüste, die Rub al Khali und die Berge und Wadis sind total sehenswert; die Fels- und Wüstenlandschaften Saudis aber auch immens imposant und aus unserer Sicht genauso sehenswert.
Der Oman bietet mehr touristische Themen, an denen man sich abarbeiten kann, z.B. Viehmärkte, den Weihrauch, prächtige Moscheen, super renovierte Burgen oder die Duftkultur.
Wir fanden den Oman viel feiner und gewachsener, hier macht sich die 50-jährige Regentschaft und gelungene Modernisierung des feinsinnigen Sultan Kabus bemerkbar.
Saudi Arabien ist bestimmt das modernere Land. Es ist auch wesentlich mehr im Umbruch begriffen als Oman.
Wir haben beide Länder als äußerst gastfreundlich empfunden, je nach Region äußert sich das in verschiedenen Gepflogenheiten. Die Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Traditionen und dem modernen Erscheinungsbild ist in Saudi Arabien deutlich größer (was auch an der unterschiedlichen religiösen Ausrichtung der beiden Länder liegen mag).
Die von der Bevölkerung gepflogene Kleiderordnung war in Saudi Arabien deutlich konservativer. Meine Frau hat im Oman nie eine Abaya getragen, aus Respekt allerdings weite Kleidung, die Arme und Beine bedeckt hat.
Bezüglich Selbstfahrer-Reisen: Campieren ist in beiden Ländern ähnlich einfach, der Oman bietet mittlerweise equipped Dachzelt-Mietautos an, und der Autoverkehr ist in Saudi Arabien stressiger.
Die Englisch-Kenntnisse im Oman waren auch überraschend schlecht, insbesondere in abgelegenen ländlichen Gebieten Richtung Jemen (Dhofar), aber in Saudi Arabien ist Englisch außerhalb der großen Städte und Touristenzentren praktisch nicht vorhanden.

Weil wir den Eindruck hatten, dass es manche von Euch interessiert, haben wir gestern für Euch dieses Interview aus dem Netz gefischt. Was die Journalistin sagt, deckt sich genau mit unseren Erfahrungen.
https://www.welt.de/reise/Fern/article253830138/Saudi-Arabien-Urlaub-Das-muessen-Touristen-und-speziell-Frauen-beachten.html


Damit beenden wir unseren kleinen Exkurs und kehren zurück zu unserem persönlichen Reisetagebuch. 😄 😁

Liebe Grüße,
Dietmar
Teil 902. Jan. 2025
30. Oktober:

Vieles hier erinnert an Afrika: Teilweise sieht es aus wie im Erongo, der Platz liegt still und idyllisch, der schöne Sternenhimmel (sogar eine Sternschnuppe fällt für uns vom Himmel 😁 ), der abendliche Gesang der Zikaden, und im Schein der Taschenlampe leuchten uns die Augen eines kleinen Tierchens, vermutlich eine Art Marder, entgegen.

Und doch ist es ganz anders: Am Himmel sind viel mehr Flugzeuge, die abendliche Stille wird vom weit entfernten Muezzin-Ruf unterbrochen und wechselt sich mit dem Geschrei von nahen Eseln ab (klanglich ist das für uns kaum zu unterscheiden 🙂 ). Und wir essen Börek statt Gegrilltem.

Obwohl es sternenklar ist, bilden wir uns ein, ab und zu Blitze wahrzunehmen, und siehe da: Wir bilden es uns doch nicht ein, denn um 1 Uhr nachts werden wir von starkem Wind geweckt, der an den Zeltwänden ruckelt, und es blitzt jetzt oft und regelmäßig. Ein Gewitter in der Nachbarschaft sorgt für dieses Wetterleuchten, und wir überlegen eine Weile, ob wir vorsichtshalber lieber ins Auto ziehen sollten. Dietmar bereitet vorsorglich alles für einen möglichen schnellen Umzug vor, wir bleiben aber im Zelt und schlafen dort auch noch tief und fest, bis um 5.20 Uhr dann der Wecker läutet.

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Wieder sind wir vom harten Untergrund etwas gerädert, freuen uns aber auf diesen neuen Tag. Wir genießen die Fahrt hinaus aus dem Tal im Morgenlicht, staunen erneut über die imposanten Felsformationen und einige Kilometer lang darüber, wie sich die Landschaft langsam in Wüste verwandelt. Wir sind nun am Rande der Nefud-Wüste angelangt und wollen nicht einfach die geteerte Fernstraße in Richtung Al Ula nehmen. Es gibt einen Umweg durch die Dünen. Die Straße ist erst noch geteert, später geht es auf einer geschobenen Piste durch die Wüstenlandschaft.

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30.000 km² ist sie groß, die Nefud und hoffentlich nicht überall so vermüllt wie hier am südlichen Rand. Die schönen Sicheldünen tragen alle Narben vom Dune bashing und Quadbike fahren. Immer wieder sehen wir Behausungen und Umzäunungen von Beduinen, ab und zu auch Kamele. Obwohl auf unserer Karte nicht eingezeichnet, finden wir eine Verbindungsstrecke zur Teerstraße und später auf die Fernstraße 70.

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eine Moschee

Unsere Saudi Arabien Reise gefällt uns bis jetzt jedenfalls recht gut. Wir haben übrigens nicht erwartet, in Saudi Arabien entlang der Straßen so viele derart heruntergekommene, scheinbar verlassene Straßendörfer, brach liegende Tankstellen, Bauruinen, geplatzte Immobilienträume und leerstehende und verfallene Gewerbehütten – ähnlich zu vielen Straßensituationen in Afrika (nur eben ohne Leben) – zu sehen. Von der extremen Vermüllung und den ungepflegten Moscheen fangen wir gar nicht erst an.

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In einer dieser trostlosen Aneinanderreihungen von traurig wirkenden Buden finden wir in einem Fernfahrerlokal ein recht frühes Mittagessen. Weder sind wir schon besonders hungrig, noch hatten wir ursprünglich vor, überhaupt so oft essen zu gehen, aber unsere fehlende Lademöglichkeit für die Handys (das Navi können wir leider auch vergessen) zwingt uns dazu.

Diese Notwendigkeit beschert uns im Gegenzug landestypisches, recht schmackhaftes Essen und interessante Begegnungen mit der Bevölkerung. Also leider nur mit den Männern. Auch heute werde ich hier als Frau angestarrt wie eine Außerirdische. Dass ich meine Abaya trage, hilft hier auch kaum. Zwar wird nur mit Dietmar gesprochen, aber man ist äußerst gastfreundlich zu uns. Erst wird der junge Mann geholt, der zwei, drei Brocken Englisch kann, dann dürfen wir in der Küche in alle Töpfe hineinschauen, um uns etwas auszusuchen. So bekomme ich heute endlich einmal ein Gemüsegericht und Dietmar Leber, die er doch so gerne isst.

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Man ist erfreut, als wir uns entschließen, das Essen nicht einpacken zu lassen, sondern gleich vor Ort zu speisen. Wie so oft auf dieser Reise gibt es auch hier eine dünne Plastikfolie als Tischtuch, die nach jedem Gast entfernt wird und mitsamt etwaiger Speisereste, Servietten etc. im Müll landet, und wir wehren uns mit Erfolg, in einer der Kabinen verschwinden zu müssen. Da hier normalerweise nur mit den Fingern gegessen wird, holen wir der Einfachheit halber unser Besteck aus dem Auto. Der Wirt schenkt uns noch zwei Wasserflaschen, wir bekommen Salat und frisches Fladenbrot gereicht, und alle sind äußerst freundlich und um uns bemüht.

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Zwei Inder kehren nach ihrem Essen extra noch einmal ins Lokal zurück, um uns um ein gemeinsames Foto mit ihnen zu bitten. 🙂

So ein opulentes Mittagessen kostet für uns beide ca. 5 Euro und ist immer eine leckere und lustige Angelegenheit. Gestärkt und mit etwas mehr Handysaft setzen wir die Reise fort. Das Wetter wird immer windiger und teilweise weht es ganze Sandschwaden über die ganze Fahrbahn, die die Sicht trüben.

Nicht nur deshalb verpassen wir die Abzweigung zum Mahajah Arch – kein Schild, keine Abfahrt, nichts. Irgendwann finden wir die gesuchte Piste und sind gleich beeindruckt von den landschaftlichen Reizen dieser Tour (Nr. SH1 aus Pistenkuh). Wir halten für ein Foto, doch als Dietmar wieder weiterfährt, nehme ich ein Geräusch wahr, das ich sofort als Patschen (zu deutsch: Platten) erkenne. Und so ist es leider auch.

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Unser rechtes Hinterrad hat gar keine Luft mehr und darum sind die nächsten drei Stunden geprägt von Auto ausräumen, Werkzeug suchen, Reservereifen von der Bodenplatte lösen, Autoreifen wechseln, schließlich 20 Kilometer zur nächsten Werkstatt zurückfahren, Autovermietung informieren, Reifen reparieren und wieder wechseln lassen... - das ganze bei großer Nachmittagshitze, vor allem aber bei extremem Wind, der schon eher ein kleiner Sandsturm ist. Wir und das Auto sind sandgestrahlt, Sand haben wir sogar in den Zähnen.

Glücklicherweise kommen auch zwei Autos mit hilfsbereiten, plattenerfahrenen Beduinen vorbei. Der eine reist mit seinem hübschen, wollig braunen Schaf, der andere mit Frau und Kindern. Aus dem Auto aussteigen darf nur der kleine Sohn. Mit mir spricht natürlich niemand, Geld für ihre Hilfe wird vehement abgelehnt, die Zuckerl sowohl für Kinder als auch Erwachsene aber gerne genommen.

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Unsere Autovermietung steckt kundentechnisch noch in der Steinzeit, wir werden über die Hotline mit jemandem verbunden, der nur arabisch spricht. Irgendwann gelingt es Dietmar, unseren Mechaniker mit Ahmed von „Key Car“ zu verbinden. Wir wissen natürlich nicht, was die beiden am Telefon besprochen haben, auch die arabische Rechnung können wir nicht lesen. Wir bezahlen umgerechnet 7,50 Euro, haben dafür einen geflickten, gut montierten Reifen und ein aufgepumptes, gut befestigtes Reserverad, sowie ein in der Werkstatt geladenes Handy. 🙂

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Das war natürlich alles etwas mühsam und ungeplant, ich bin aber heilfroh, dass wir keinen Unfall hatten. So, jetzt aber hinaus in die Wüste und hinein in die Pistenkuh-Tour! Die Landschaft ist überwältigend schön, die Strecke teilweise recht anspruchsvoll und so suchen wir uns auch heute frühzeitig einen Platz für die Nacht. Das Gelände ist teils tiefsandig, teils felsig und recht uneben. Wir finden aber ein erreichbares, sehr idyllisches Plätzchen mit Blick in die Weite.

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Bei unserer Ankunft windet es so stark, dass wir zuerst eine Nacht im Auto einplanen. Mit dem fast kitschig schönen Sonnenuntergang legt sich aber der Wind und Dietmar baut unser Zelt auf. Heute auf weichsandigem Untergrund und hoffentlich nicht zu nah bei den vielen Ameisenstraßen, die wir hier sehen.

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Die Dusche tut uns gut, der ruhige Abend auch. Ein traumhafter Sternenhimmel und sehr viele Motten. Es gibt heute keine singenden Zikaden und essenstechnisch begnügen wir uns mit den inzwischen zähen, labbrigen Brotfladen von heute Mittag.

Ein Weilchen genießen wir noch die Stille und den zauberhaften Sternenhimmel. Wir beobachten Flugzeuge und Satelliten und so manches Licht, das wir uns nicht erklären können, und schlafen um 21.00 Uhr dann tief, fest und entspannt in dieser außergewöhnlich windstillen Nacht, bis um 5.30 Uhr der Wecker läutet.
Teil 1003. Jan. 2025
31. Oktober:

Weltspartag! Es ist wirklich das Erste, was ich heute denke, und ich hätte große Lust, Papa einen Gruß zukommen zu lassen.

Ein herrlicher Morgen, wir sind gut ausgeschlafen, einige Vögel bezwitschern unser Lager, rund um uns nur Stille, Weite und herrliche Szenerie! Wir packen gemütlich zusammen und Dietmar kocht extra etwas Wasser für meine längst überfällige Haarwäsche auf. Ich entscheide mich heute mal gegen die Abaya, so selbstreinigend sie auf magische Weise auch sein mag, und werde sehen, wie ich in Zivil durch den Tag komme.

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Der Tag entwickelt sich wunderschön: Mit viel Ruhe, vor allem aber viel Umsicht und Geschicklichkeit bewältigt Dietmar die oft anspruchsvolle offroad-Strecke. Bei bestem Morgenlicht zeigt sich uns eine bizarre, eindrucksvolle und immer wieder anders geformte Wüsten- und Steinlandschaft. Dietmar und ich freuen uns so sehr darüber, dass wir erleben dürfen, wie schön die Welt ist!

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Bevor wir zu den berühmten Mahajah Felsen kommen, möchten wir einen kleinen Abstecher zu einer auffälligen Felsengruppe in Hanglage machen. Da es dort recht tiefsandig ist, lassen wir das Auto vorsichtshalber stehen und begeben uns auf eine kleine Morgenwanderung zu dem Aussichtspunkt. Dabei trocknen meine Haare im Wind und etwas Bewegung tut auch gut.

Nach diesem Abstecher erreichen wir schon nach wenigen Minuten schließlich den Mahajah Felsen. Die mächtige Gesteinsformation hat etwas imposant Kathedralenhaftes. Wir sind beeindruckt davon, was die Natur und das Wetter bzw. die Winde samt Sand in Jahrmillionen geformt und hervorgebracht haben. Einfach großartig! Schade, dass hier alles so extrem vermüllt ist und die Felsen so viele Aufschriften und Einritzungen der saudischen Touristen tragen.

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Wir testen auch die auffallende Akustik und ich habe meine Freude am Pianissimo-Singen. Auch als wir die Felsgruppe schon eine Weile verlassen haben, bietet sie uns aus der Ferne ein prächtiges Fotomotiv.

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Aber nicht nur sie: Wir wissen gar nicht, welche Felsen und Gebirgszüge uns am besten gefallen. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht heraus und wissen schon jetzt, dass unsere Fotos niemals die hier gesehenen Naturschönheiten adäquat wiedergeben können.

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So schlängeln wir uns beeindruckt und beglückt durch diesen Teil der Nefud-Wüste. Für Dietmar ist diese Strecke aber überraschend herausfordernd. Tiefsandige Passagen wechseln sich ständig mit Geröll oder steinigem Untergrund ab und nicht selten muss Dietmar auf dem nackten, glatten Felsen fahren. Gerade an diesen Stellen ist oft nicht ersichtlich, wo der Weg eigentlich weiterführt, zumal er sich x-fach verzweigt und niemals eine Hauptspur auszumachen ist. GPS oder die App können wir aus bekannten Stromspargründen nur im Notfall mitlaufen lassen, und diese Notfälle treten immer häufiger ein.

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Ab und zu verenden wir irgendwo im Nirgendwo, müssen umkehren oder uns selbst eine Route suchen. Das kann je nach Bodenbeschaffenheit auch gefährlich werden. Auf dieser Tour, für die wir ca. 10 Stunden Fahrzeit (gestern und heute) brauchen, begegnet uns kein einziges anderes Auto. Wir treffen lediglich ab und zu auf Kamele und zweimal auf einsame Nomadenhirten mit ihren Schafherden.

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Als wir heute in der Früh starten, entdecken wir in unserer gestern frisch gezogenen Sandspur frische Pfotenabdrücke. Wir vermuten z.B. einen Fuchs. Einige Stunden später haben wir nun das Riesenglück, einen solchen tatsächlich zu sehen! Leider ist er scheu und verschwindet gleich in einer Felsengruppe, noch bevor wir ihn fotografieren könnten, aber er sieht gesund und hübsch aus, mit seinem buschigen Schwanz! Welch ein Sichtungsglück!

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Auch unsere Mittagsrast mit Suppe, Bananen und Kaffee, sowie Kamelbesuch gestaltet sich recht erquicklich, kurz danach läuft es dann nicht mehr ganz so rund: An einer recht tiefsandigen Stelle bleiben wir stecken. Auch mein rückwärtiger Anschiebeversuch scheitert. Jetzt heißt es für Dietmar buddeln, mit den Händen natürlich, klar. Schaufeln oder gar Sandbleche haben wir natürlich nicht. Wir bestellt liegen aber ganz in der Nähe flache, geeignete Steine in der Landschaft, Dietmar legt sie unter die Reifen und zusammen mit meinem Anschieben sind wir bald wieder mobil. Schade um das frische Hemd, das Dietmar sich heute gegönnt hat.

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Es ist aber nicht der erste „Verlust“ auf dieser Reise, Dietmars Lesebrille z.B. hat schon seit einigen Tagen nur mehr einen Bügel und bringt mich regelmäßig zum Lachen. Außerdem hat Dietmar einen komplett nagelneuen Expander auseinandergerissen, ich wusste gar nicht, dass mein Mann solche Kräfte hat. Ja, und Dietmars Fernglas hat sich auch verabschiedet. Nach 15 Jahren und vielen, vielen Reisen ist der Gucker einfach in zwei Hälften zerbrochen...

Nach unserem kleinen ungeplanten Halt im Sand können wir zwar wieder fahren, die letzten 20 km bis zur Teerstraße plagen uns aber gewaltig und verlangen viel Aufmerksamkeit, Kreativität, Ausdauer und Optimismus. Irgendwann ist es geschafft und wir haben „nur noch“ 150 km bis Al Ula.

Nach einigen gleichförmigen, langweiligen Kilometern verändert sich die Landschaft wieder und wird zauberhaft schön. Leider steigt aber auch der „Reisedruck“: Wo sollen wir heute schlafen? Sollen wir überhaupt bis Al Ula fahren oder besser nach Hegra? Und wo können wir irgendwie unsere so leeren Geräte aufladen?

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Als wir an einem Gate zu einem großen umzäunten Gebiet vorbeikommen, erscheint uns dies die Lösung all unserer Probleme. Wir bitten um Einlass in ein riesiges Landschaftsgelände (wir vermuten ein Reservat für wiederangesiedelte ausgerottete Antilopen), um für eine Nacht zu bleiben. Aber leider nimmt man uns nicht auf.

Wir fahren also weiter Richtung Al Ula, aber alles wird irgendwie verkrampfter: Uns läuft die Zeit davon, es wird bald finster (dunkel), wir wissen nicht so recht, wohin mit uns und vor allem nicht, wo wir chargen sollen. Wir haben Ideen und verwerfen sie, Dietmars Stimmung wird immer schlechter.

Schließlich entscheiden wir, ca. 30 km wieder zurück zu fahren zu besagtem vorigen Gate, um dort zumindest unsere Telefone für eine Nacht abzugeben. Dann hätten wir wenigstens dieses Problem gelöst. Auf diesem Weg zurück hat mein Handy nur mehr 13% Saft, ich will aber heute Papa (ein ehemaliger Bankmitarbeiter) unbedingt zum Weltspartag schreiben. Und so nützen wir den letzten Strom meines Telefons, um genau das zu tun.

Während wir am Straßenrand halten, um ihm zu schreiben, zieht erst ein gewaltiger Sandsturm und später ein heftiges Gewitter inklusive Hagel auf. Dietmars Stimmung ist am Tiefpunkt, als die Officer am Gate auch unseren Handys für diese Nacht keine Herberge geben. Ich versuche vieles, um Dietmar aufzumuntern, es will mir gar nicht recht gelingen. Der Hagel und die schlechte Sicht beim Fahren machen alles noch unangenehmer (die Einheimischen machen übrigens Fotos von diesem Wetterphänomen und nach unserer Rückkehr aus Saudi Arabien werden wir erfahren, dass man sogar in Europa über Schnee in Saudi Arabiens Wüste berichtet hat – wir haben uns zu diesem Zeitpunkt in den Ausläufern dieses Wetterphänomens befunden).

Als Dietmar mich hinter einen großen Felsen kutschiert, weil die Blase dringend, aber bitte versteckt entleert werden will, werden wir schon von der Polizei beobachtet. Langsam fallen wir auf und trauen uns jetzt nicht mehr, die allgegenwärtigen Camping-Verbote, die in dieser Gegend herrschen, zu ignorieren. Obwohl es inzwischen stockdunkel ist, fahren wir weiter nach Hegra. Ich schlage vor, ein Hotel zu suchen, Dietmar will das nur als allerletzte Option.

Auf dem Weg nach Hegra kommen wir zu allem Übel auch noch an einem Autounfall vorbei... Wir sind beide müde und bedrückt und möchten einfach nur irgendwo ankommen. Und schließlich tun wir das auch: Das Touri-Office von Hegra schließt zwar gerade, als wir ankommen, aber man erlaubt uns, für diese Nacht einfach auf dem Parkplatz zu bleiben. Das Gewitter ist vorbei und unsere Reise für heute zu Ende.

Die sehr gepflegte, neue, warme Toilette, in der wir uns mit dem arabischen Kloschlauch duschen können, fühlt sich für mich nach Wellness-Resort an. Der romantisch beleuchtete Felsen und die Gehwege erzeugen Lodge-feeling. Ich bin glücklich und sehr zufrieden mit diesem Platz für die Nacht und jetzt konzentriere ich mich darauf, Dietmar wieder aufzumuntern. Ach, und auf dem super Klo können wir auch alle unsere Akkus aufladen – alles bestens!

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Zum Abendessen reichen uns ein paar salzige Kekse und Dietmar lässt sich sein Halwa schmecken. Inzwischen ist es komplett windstill geworden, sodass wir problemlos in unserem Zelt neben dem Auto schlafen können. Zur Sicherheit platziert Dietmar noch zwei große Wasserkanister davor, damit nachts nicht versehentlich ein Fahrzeug über unsere Köpfe rollt. Dann schlafen wir wunderbar tief, fest und gemütlich!

Diese Wonne findet um 1 Uhr nachts ein jähes Ende, als zwei Männer wie wild auf die Motorhaube unseres Autos klopfen und mit grellen Taschenlampen unser Zelt bestrahlen. Dietmar springt mutig und verschlafen hinaus und erfährt von irgendeinem wichtigen Vorzeigebeamten, dass wir hier unmöglich schlafen könnten, dass wir sofort hier weg müssten und dass es „verrückt“ gewesen sei (Zitat!), dass uns am Abend diese Erlaubnis erteilt worden sei. Die Männer lassen nicht mit sich reden und so macht Dietmar sich daran, unsere Behausung wieder abzubauen und ins Auto zu packen. Wir beide sind sauer auf diesen Beamten, der sich nur wichtig macht. Weit und breit ist niemand, wen soll unser Zelt hier stören?

Während wir müde und verschlafen und ziemlich genervt alles zusammenpacken, kommt noch ein anderer Security-Typ in seinem SUV und gibt uns mit Google Translate zu verstehen, dass diese Aktion nicht sein Wille war. Na wenigstens hat einer ein schlechtes Gewissen! Ich bin total tramhappert (zu deutsch: schlaftrunken), mir fällt aber immerhin ein, diese Schlafunterbrechung für den Handywechsel am Klo zum Laden zu nutzen. Hat also auch was Gutes...

Wir beschließen, den Rest der Nacht einfach 70 m weiter hinten auf dem Parkplatz zu verbringen und zwar im Auto. Die verbleibenden Stunden schlafen wir dort bestens, den Wecker ignorieren wir souverän und hängen noch eine weitere Stunde dran. Darin tun wir gut, denn statt wie angekündigt um 6 Uhr trudeln die netten, aber gelangweilt und dümmlich wirkenden Damen der Ticketoffice erst um 8 Uhr ein!
Teil 1104. Jan. 2025
1. November:

Dietmar gelingt es, für uns eine Tour um 12.30 Uhr zu buchen, dabei haben wir richtig Glück, denn es sind die letzten freien Plätze für den ganzen Tag. Die Zeit bis dahin wollen wir für andere touristische Highlights der Region nutzen. Gleich am Morgen fahren wir zum berühmten Elefant-Rock. Der riesige Elefant ist gut erkennbar und weithin sichtbar. Der Eintritt, um hinter die Umzäunung zu gelangen, wäre frei, wie uns der freundliche indische Officer erklärt, aber die Site ist erst ab 16 Uhr zugänglich, dafür aber bis Mitternacht geöffnet.

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Wir schleichen also von allen Seiten außerhalb des Geländes herum und machen fleißig Fotos. Warum wir nicht einfach hineingehen können und warum erst ab 16 Uhr, verstehen wir natürlich nicht, es steckt bestimmt ein ganz ausgeklügeltes Tourismus-Konzept dahinter. Uns ist es aber auch egal, wir haben gesehen, was wir wollten und ja, der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen in Saudi Arabien und gibt sich besonders in und um Al Ula eher verkrampft.

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Dietmar und ich fahren also weiter und freuen uns darauf, das bekannte Konferenzzentrum und Konzerthalle Maraja mit der verspiegelten Fassade in der Wüste anzuschauen. Die Fahrt dorthin durch eine grüne, bewohnte Oase mit den unvorstellbar großen, glatten und massiven Felsblöcken im Hintergrund ist sehr eindrucksvoll. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht heraus, so eine Landschaft haben wir noch nie zuvor gesehen.

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Gespannt biegen wir auf das Maraja-Gelände ab, wir erhalten aber ohne Reservierung keinen Einlass und diese Reservierung bekommen wir nur bei „mytable“ in Al Ula. Kein Problem, wollen wir doch sowieso in die Altstadt von Al Ula, ein bisschen umständlich wird es dem geneigten Touristen aber schon gemacht.

Tja, Al Ula: Was auch immer wir uns von der bekannten und beworbenen Altstadt erwartet haben, das sicher nicht! Es handelt sich unserer Meinung nach nämlich um ein künstliches Arabien-Disney mit vielen Klischees aus Tausendundeiner Nacht. Überteuerte Klischees, wohlgemerkt.
Hippe, seelenlose und natürlich überteuerte, meist leere Restaurants, ein totes Viertel mit Souvenirläden, Souvenirs, die nichts damit zu tun haben, was uns auf unserer bisherigen Reise und auch später im restlichen Saudi Arabien begegnet wäre: Tonwaren, Kleidung, Parfums, Bilder, Teppiche, oft auch chinesischer Plastikkitsch. Die alte Burg und die Ruinen der alten Stadt sind wegen Renovierungs- bzw. Errichtungsarbeiten gerade geschlossen. Das wäre aber bestimmt interessant gewesen und fügt sich von außen extrem gut in die umliegende Landschaft ein. Es gibt auch ein schickes, neues Galeriezentrum (bildende Kunst), das uns interessieren würde: geschlossen...

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Dietmar und ich kommen aus dem Staunen gar nicht heraus, nicht etwa, weil es uns gefällt, sondern weil alles so seelenlos leer ist. Ein bisschen so, wie sich Saudis vorstellen, was Amis gerne sehen möchten. In der Touristeninfo – die gibt es immerhin auch – lädt Dietmar die mytable App herunter. Um endlich an eine Maraja-Reservierung zu kommen, muss man aber in einem der Banyan Restaurants mit einer Mindestkonsumation von 40-60 Dollar pro Person(!) buchen. Uns ist das zu teuer, die meisten Termine sind ohnehin ausgebucht – wir verzichten.

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In Al Ula will Saudi Arabien der Welt zeigen, wie Tourismus geht; wir beide sind sicher nicht die Zielgruppe. Es gibt aber auch Positives: Schließlich hat man sich ein Verkehrskonzept überlegt. Damit man die 200 m vom Parkplatz nicht etwa zu Fuß gehen muss, gibt es modernste, ferngesteuerte E-Busse. Die Fahrt dauert 3.30 Minuten in eine Richtung. Sollte man seinen Bus gerade einmal verpasst haben, helfen Autotaxis aus, alles unentgeltlich.

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Wir fahren eine Strecke mit diesen futuristischen Bussen und zurück im Autotaxi gemeinsam mit zwei Saudis, die so tun als wären wir nicht da. Bei dem leisen Versuch, die kurze Strecke bis zur Altstadt zu Fuß zu gehen, werden wir übrigens sofort zurückgepfiffen: viel zu heiß, viel zu weit, viel zu anstrengend...

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Heute muss ein schnelles Mittagessen reichen. In der Imbissbude im modernen Al Ula nehmen wir uns drei mit Leber bzw. Gemüsen und Ei mit Käse gefüllte heiße Teigtaschen mit und essen sie auf dem Parkplatz, während wir auf unsere 2-stündige Hegra Tour warten.

Was wir auf dieser Tour dann zu sehen bekommen, ist kulturell, geschichtlich und landschaftlich höchst interessant. Mir persönlich sind zwei Stunden für diesen Reisehöhepunkt zu wenig und die Informationen unserer Reiseleiterin zu dünn, zu oberflächlich und auch zu wenig. Michelle spult ihre auswendig gelernten Sätze nur herunter, viel zu schnell, viel zu desinteressiert und reagiert sogar genervt auf Nachfragen aus der Gruppe.

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An vier Stellen des Geländes werden wir alle aus dem Bus gelassen. Beim letzten Halt kommen wir mit einem Deutschen ins Gespräch, der für ein Architektenbüro aus Neapel Ausstellungsdesign für Saudis liefert. Er ist also aus beruflichen Gründen hier. Wie er die Zusammenarbeit mit den Saudis erlebt und wie er das Land sieht, ist äußerst interessant für uns und bestätigt unsere Eindrücke. Ein Volk, das sich erst finden muss, oder wie ich es immer ausdrücke, ein Land in der „Pubertät“ mit viel „ICH“. Auch mit viel Wollen, aber teils oberflächlich und recht uneigenständig.

Für den Schmuck der Nabatäer-Gräber wurden auch vor über 2000 Jahren schon die kulturellen Zeichen der Griechen, Römer und Ägypter „zusammengestohlen“, statt selbst etwas zu schaffen. Ein Muster, das sich heutzutage zu wiederholen scheint. Das eigene wird völlig ignoriert oder vernichtet, stattdessen wird alles aus USA, China, Korea und teilweise Europa kopiert bzw. zusammengekauft.

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Auch unserer Michelle-Guide ist das Handy näher als das Thema, zu dem sie erzählen soll. Von dem freundlichen deutschen Busgefährten erfahren wir auch, dass es sehr hochfliegende Pläne zum touristischen Ausbau von Hegra und Al Ula gibt. Na bravo. Uns ist das hier jetzt schon alles zu touristisch und aufgeblasen. Und mit 25 Euro pro Person empfinde ich auch die Bustour für das, was geboten wird, überzogen. So sehr ich mich auf Al Ula gefreut habe und so wunderschön die Landschaft und natürlich die Gräber auch sind, so sehr bin ich froh, bald wieder ins „normale“ Saudi Arabien zu entkommen.
Übrigens wäre meine Abaya in Al Ula vollkommen lächerlich gewesen. Männliche und weibliche Touristen sind hier so freizügig gekleidet wie in USA und Europa.

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Wir fahren also weg aus Al Ula, hinaus aus dieser prächtigen Felsenlandschaft, hinein in neue, wieder anders eindrucksvolle Gesteinsgebilde. Rund 40 km außerhalb zweigen wir ab, um einen recht bekannten großen, wirklich sehenswerten Bogenfelsen zu besuchen.

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Wir haben noch Zeit und so reisen wir weiter bis zum Abzweig einer weiteren Pistenkuh-Route. Gleich neben der Teerstraße beginnen die großartigen, skulpturalen Felsnadeln. Es werden immer mehr, aber für mich bleibt gar keine Zeit und Ruhe, diese faszinierende Szenerie aufzunehmen, schließlich geht es jetzt um die heutige Lagerplatz Suche. Und die ist heute eine unnötig ernste Angelegenheit. Ich fühle mich bei jeder Abzweigung unter Druck gesetzt, spontan und intuitiv den romantischsten, schönsten, windstillsten, erhöhten aber ebenen Campingplatz für die Nacht zu finden. Dietmar will helfen und nimmt einfach den nächstbesten bzw. halt irgendeinen.

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Schon nach kurzer Zeit auf diesem Platz stellt sich aber heraus, dass das paarpsychologische Karma für uns dort nicht stimmt 🙂 , und so fahren wir lieber noch ein Stückchen weiter. Wir haben jetzt einen wunderschönen Platz im Windschatten einer Felswand gefunden, trotzdem pfeift ein sehr starker Wind. Wir verzichten heute auf unsere Duschkabine und wagen eine outdoor-Dusche und hoffen dabei sehr, dass Allah nicht vom Himmel fällt, wenn er uns so nackig sieht.

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Wegen des extrem starken Windes entscheiden wir uns heute für eine Nacht im Auto und gegen das Zelt. Es ist so stürmisch, dass wir sogar auch im Auto essen müssen. Dann nützen wir diesen widrigen Abend für die weitere Reiseplanung. Ab und zu erwägen wir, doch im Zelt zu schlafen, das viele Wetterleuchten und Geblitze rundherum lässt uns aber dann lieber im Auto bleiben. Ich schlafe schlecht in meinem Autositz und vermisse die Bewegungsfreiheit des Zelts. Nachts regnet es einmal kurz – ist das normal? Oder ist das doch der Klimawandel?

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Teil 1205. Jan. 2025
2. November

Am frühen Morgen haben sich die Gewitter verzogen und es gibt ein wunderbares Morgenrot. Leider braut sich nun aber zwischen Dietmar und mir ein Gewitter zusammen. Wir sind beide jeweils auf unsere Art reisegestreßt und kommen nach einem unnötigen Morgenzwist zu dem Schluß, dass eine Pause in Form eines Ruhetags her muss. Wir durchstreifen ab 7 Uhr früh dieses schöne Felsnadel-Gelände und lassen uns dann schon um 9.15 Uhr auf einem gemütlichen Sandplatz mit herrlicher Rundum-Sicht nieder. Das Zelt schützt angenehm vor der Sonne und bei einem zweiten Frühstückskaffee kommen wir zu einer versöhnlichen Ruhe.

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Der Vormittag verläuft himmlisch entspannt mit Tagebuch schreiben, ruhen, in die Landschaft schauen, Route planen und genießen. Unser Zelt spendet angenehmen Schatten und wir sind froh um unsere schöne saudische Teppich-Matratze mitsamt den praktischen, landestypischen und bequemen Sitzmatten.

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Mittags haben wir heute ausreichend Zeit zum Kochen. Wir schlagen uns mit einem großen Topf Arrabiata-Nudeln mit viel Knofi unsere Bäuche voll, zum Kaffee gibt’s Zimtkekse und eine Orange. Nach dem üppigen Mahl bin ich so müde und möchte nur noch schlafen. Ich versuche es tapfer und immer wieder schlafe ich ein, aber der sehr starke Wind reißt und zerrt unentwegt an den Zeltwänden. Dies will leider den ganzen Nachmittag nicht enden, im Gegenteil: Der Wind wird eher stärker, er treibt dunkle, schwere Gewitterwolken vor sich her, kurz regnet es sogar einmal. Bei freundlichstem Sonnenschein übrigens.

Über diese windigen Stunden wird das ewige Wehen und Sausen für uns recht anstrengend. Wir freuen uns trotzdem über diesen „freien“ Tag und informieren uns im Bradt-Guide über einige Reisethemen zu Saudi Arabien.

An ein romantisches Lagerfeuer ist bei diesem stürmischen Wind heute zwar auch nicht zu denken, wir hoffen aber immer noch, dass sich der Wind am Abend legt. Dietmar parkt unser Auto direkt neben dem Zelt, dennoch prasseln ganze Sandwolken gegen die Zeltwände. Gegen Abend beobachten wir eine Herde Kamele auf dem Weg zu ihren Nomaden – sehr idyllisch!

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Als es dunkel genug ist, wagen wir eine Dusche ohne Sichtschutz. Ausgerechnet als ich nackt beim Auto stehe und mich der erste Wasserschwall trifft, tauchen in dieser einsamen Gegend Autoscheinwerfer auf. Gerade noch rechtzeitig werfe ich mich ins Zelt und die Abaya über mich. Das Auto kommt dann tatsächlich geradewegs auf uns zu, es ist ein Nomade auf der letzten Kontrollfahrt vor der Nacht. Schließlich fährt er einfach weiter und ich kann endlich duschen. Bei dem starken Wind ist das übrigens recht unangenehm. Wir haben aber Glück: Während wir Ölsardinen mit salzigen Keksen essen, wird es langsam ruhiger, und als wir uns heute schon um 20 Uhr aufs Ohr legen, ist es bei wunderschönem Sternenhimmel praktisch windstill. So friedlich und ruhig bleibt es die ganze Nacht, in der ich herrlich fest, lange und ungestört schlafe.

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Teil 1306. Jan. 2025
3. November:

Nach erquicklichen Träumen starten wir bei schönstem Morgenlicht fröhlich in den Tag. Wir genießen die Szenerie der bizarren Felsmonolithen und stellen auch bei der Ausfahrt aus dem Nature Reserve fest, dass heute mit anderem Licht alles wieder anders aussieht. Vorbei an einer Hirtensiedlung verlassen wir nun endgültig diesen Abschnitt der Reise und fahren auf der Teerstraße weiter in Richtung Tabuk.

Unterwegs finden wir eine interessante Autowerkstatt mit erstaunlich freigeistigen Sprühkunstwerken an den Wänden (etwas, was wir sonst im ganzen Land nicht zu sehen bekommen). Ein junger Mann saugt uns den ärgsten Dreck, Staub und Sand von den Sitzen und vom Boden des Autos. Chef und Gehilfe sind dann beide entsetzt darüber, dass wir dafür bezahlen möchten. Auch der Kaffee, den wir stattdessen anbieten, wird abgelehnt.

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Auf der Weiterfahrt fährt Dietmar plötzlich relativ spontan von der Autobahn ab, als er in nicht allzu weiter Entfernung ein Kamelrennen entdeckt. Dort müssen wir hin, das müssen wir sehen! Geschätzt 60 bis 100 Kamele rennen die bestimmt 10 Kilometer lange, recht modern wirkende Rennbahnanlage entlang. Das allein wäre für uns schon exotisch und interessant genug, wirklich skurril wirkt aber für uns die mehrspurige Fahrbahn beiderseits der eigentlichen Rennstrecke, auf der nun bestimmt 80 weiße SUVs mit rund 80 km/h hinter ihrem jeweiligen Rennkamel hinterherfahren, um es zu betreuen, anzufeuern, anzutreiben und vor allem, um ganz nah dran zu sein. Ehe wir uns bewusst dafür entscheiden, sind auch wir mitten in diesem Pulk, von allen Seiten donnern aufgeregte, wild gewordene Kamelbesitzer an uns vorbei. Richtig schlimm wird es, als die ersten, also die von den schnellsten Rennkamelen, wieder wenden. Da kommt eine weiße Geisterfahrer-Verkehrslawine auf uns zu! Wir verlassen dringend diesen Rennkamel-Highway und ziehen uns eilig ins Schotterbett zurück. Alles sehr schräg und skurril, aber auch halt landestypisch!

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Auf unserer Fahrt Richtung Tabuk kommen wir immer wieder an ehemaligen Bahnstationen vorbei. Diese Eisenbahnlinie wurde vor ca. 120 Jahren zwischen Damaskus und Medina/Mekka gebaut, im ersten Weltkrieg aber schon aufgegeben. Diese hübschen, teilweise erhaltenen Bahnhöfe scheinen gut renoviert, sie sind aber umzäunt und abgeschlossen, meist ohne Zufahrtsweg und immer ohne Info. Diese könnte man sich, wie fast überall im Land, über einen Barcode herunterladen. Wir müssen Strom sparen.

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Apropos: Bei der Einfahrt nach Tabuk gibt es ein riesiges, neues Einkaufszentrum mit ausschließlich westlichen Marken (Geox, H&M, Sketchers, …) und einem großen LuLu Hypermarket. Bevor wir dort einkaufen, geben wir unsere Telefone im großen „Bookstore“ ab. Schon oft haben wir dieses Label im Land gesehen, zu kaufen gibt es dort aber kein einziges Buch (außer dem Koran gibt es nämlich praktisch keine Bücher im Land), sondern ausschließlich Elektronik-Zeug.

Wir versuchen, einen Solarcharger zu erstehen, um stromunabhängiger zu werden, aber leider ohne Erfolg. Während unsere Telefone also geladen werden (letztlich leider nur meines, bei Dietmar funktioniert es nicht), kaufen wir uns ein herrlich schmeckendes, üppiges Mittagsmahl bestehend aus arabisch gewürztem Fisch, Reis, Gemüse(!) und scharfen Erdäpfeln, und einem köstlichen Kokospudding als Nachspeise. Heute ist schließlich Sonntag (oder?) und wir kaufen auch gleich noch eine reichhaltige „arabische Jause“ (Labneh, Hummus, Taboulé, Oliven, Gurkendip, …) mit französischem(!) Baguette für den Abend.

Bevor wir diese in unserem Zelt gemütlich genießen werden, vergehen noch einige recht intensive Stunden. Unser Mittagsmahl verzehren wir übrigens im Schatten einiger Bäume eines immens großen, komplett neu angelegten Parks mit Spielplätzen, Spazierwegen, Joggingrouten, Klos, Bewässerungsanlagen, Turngeräten, … Obwohl ganz neu, wirkt die Anlage jetzt schon verwahrlost, vor allem aber ist sie menschenleer. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie selbstverständlich von mehreren sechsspurigen Straßen umgeben, nur mit Auto und keinesfalls zu Fuß erreichbar ist – keine Chance.

Unser Nachmittag beginnt mit einem Museumsbesuch. Dietmar kutschiert uns zur historischen Bahnstation von Tabuk. Dort gibt es auch ein kleines Museum mit einer historischen Lokomotive, historischen Ausstellungsstücken und bunten Schautafeln, sogar auf Englisch. Und reichlich Steckdosen für unsere Handys gibt es auch! Ein freundlicher Saudi begrüßt uns, zeigt uns alles und ermuntert uns sichtlich stolz, alles genau anzuschauen. Wir sind auch wirklich interessiert und genießen diese Abwechslung.

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Dann fahren wir wieder hinaus in die Wüste. „Kathedralen im Sand“, so heißt die Pistenkuh-Tour aus unserem offroad Buch. Schwierigkeitsgrad 2 und genau das Verbindungsstück, das wir brauchen. Schon bei der Anfahrt verstehen wir, warum diese Strecke so heißt: unglaublich massive Felsblöcke ragen aus den hohen, roten Sanddünen auf. Wirklich großartig anzuschauen! Wir freuen uns auf die 74 km Route, auf der wir unterwegs übernachten wollen.

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Dieser schöne Plan hat nur einen Haken: Die Sanddünen sind sehr hoch und an allen Stellen extrem tiefsandig. Trotzdem nimmt Dietmar die erste große Düne mit Schwung, Mut und Bravour. Er zögert kurz vor der zweiten und schon stecken wir tief im Sand fest. Dietmar buddelt uns frei und ich schiebe in meiner Abaya kräftig nach rückwärts unten an. Mit vereinten Kräften schaffen wir es und Dietmar fährt rund 50 m bevor er wieder steckt – also alles von vorne. Das kostet Zeit und Energie. Steine zum Unterlegen gibt es in dieser Gegend keine, also reduziert Dietmar weiter den Reifendruck, natürlich ohne entsprechendes Werkzeug, sondern mit einer zweckentfremdeten Funktion seines Taschenmessers. Nachdem Dietmar auch dieses Mal mit bloßen Händen tapfer den Wagen freigeschaufelt hat – er liegt dabei fast unter dem Auto, und er sandet sich rundherum ein, die Sonne brennt unerbittlich und wir wissen nicht, ob wir Erfolg haben – starten wir einen neuen Versuch.

Dass wir diese Tour unmöglich fahren können, steht schon fest, seit Dietmar von einem zwischendurch zu Fuß erklommenen Hügel aus gesehen hat, dass die Fahrt in dieser Weise weiter gehen soll. Dietmars Plan ist es, die Düne wenigstens rückwärts hinunter zu gelangen, an Umdrehen ist nicht zu denken. Dietmar startet also wieder, ich schiebe aus Leibeskräften an. Das Auto fährt, aber leider nur eine Wagenlänge lang. Und erneut heißt es schaufeln. Dietmar ist erschöpft und ich bin auch keine richtige Schaufelhilfe, und wir erwägen, einen benachbarten Beduinen um Hilfe zu bitten.

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Vorher starten wir einen letzten Versuch alleine: Dietmar buddelt und hat den genialen Einfall, in Ermangelung von Sandblechen oder Steinen, die Scheite unseres Lagerfeuer-Holzes, das wir auf dieser Reise eh scheint's nie brauchen werden, zu verwenden. Und siehe da: Das Holz verschwindet zwar komplett im Sand und ich muss in meiner Abaya mehrere Hundert Meter die Düne hinunter und hinterher nachkommen, aber es hat funktioniert und wir können wieder fahren. Zurück auf Teer ist unser Reifendruck zwar zu schwach, aber darum kümmern wir uns morgen.

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Für heute heißt es, einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Wir sind beide erleichtert, dass wir nicht mehr feststecken, aber auch erschöpft von der Aufregung und der Anstrengung. Nach einigen Kilometern haben wir den richtigen Riecher und finden einen herrlich schönen und einsamen Platz mit weiter, grandioser Aussicht in Stille und Ungestörtheit. Unsere Zeltdusche verwenden wir trotzdem – sicher ist sicher – und Dietmar duscht eh gerne ohne Wind.

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Im herrlich kitschigen Abendrot entdeckt Dietmar den zartesten Neumond, den wir je gesehen haben, und bald lassen wir uns gemütlich in unserem Zelt nieder, um wie die Saudis am Boden sitzend unsere Jause zu genießen. Anschließend schlafen wir recht gut, Dietmar die ganze Nacht, ich nur bis um 2.45 Uhr. Danach friere ich und habe Probleme mit dem harten Boden. In so kalten Nächten kommt mein Schlafsack an seine Grenzen, zum Glück haben wir zusätzliche Fleecedecken mit.

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Teil 1407. Jan. 2025
4. November:

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Morgendlicher Ausblick aus unserem Zelt


In der Früh schäle ich mich ziemlich gerädert aus dem total nassen, weil vom Tau beschlagenen Zelt. Mein Kopfweh von gestern ist zwar verflogen, aber ich friere bis Mittag und habe ziemlich starke Kreuzschmerzen, die leider den ganzen Tag anhalten. Erst als wir zuhause in Deutschland unsere Fotos der Wildkamera anschauen können, werden wir feststellen, dass in dieser Nacht ein Tier an unserem Zelt vorbeispaziert ist, das wir weder als Hauskatze oder Haushund identifizieren können, auch nicht als Fuchs oder Marder – was mag es wohl gewesen sein?

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Wir verabschieden uns von diesem wunderbaren Schlafplatz und zuckeln vorsichtig nach Tabuk zurück, immer auf der Suche nach einer Werkstatt, die auch geöffnet hat und die vor allem auf unserer Straßenseite steht. Das ist durch das komische saudische U-Turn-System schwieriger als gedacht und bringt uns letztlich wieder zurück ins Stadtzentrum. Schließlich finden wir einen freundlichen jungen (asiatischen) Mechaniker, der unsere Reifen wieder auf zwei Bar bringt – Geld will er keines dafür. Vielleicht freut er sich über den Kaffee, den wir zuviel gekauft haben? Wir wissen es nicht. Trinkgeld und kleine Geschenke im Service kennt man hier wohl gar nicht.

Jetzt können wir wieder beruhigt fahren, Dietmar muss aber höllisch auf die kamikaze-artigen Aktionen der anderen Verkehrsteilnehmer achtgeben. Da braucht es oft wirklich tausend Schutzengel.

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Wenn wir schon die ST3-Tour aus der Pistenkuh-App nicht zur Gänze fahren konnten, so möchten wir doch von der anderen Seite kommend an deren anderes Ende fahren, um den eindrucksvollen Al Shaq Canyon zu sehen. Dieser Abstecher lohnt sich sehr, wieder eine überwältigende Landschaft! Wir machen direkt an der Abbruchkante Rast und halten ein frühes Mittags-Picknick.

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Die Strecke zurück zur Teerstraße ist nicht besonders weit, aber sehr steinig, felsig und für Dietmar schwierig zu fahren. Na hoffentlich ist da am Auto nichts kaputt gegangen.

Nun fahren wir rund 230 km ins Wadi Disah, und zwar mit dem festen Vorsatz, offroad-mäßig nichts zu riskieren. Und daran halten wir uns auch: Das Tal ist atemberaubend schön, also besonders die umgebenden, steil aufragenden Felswände, aber nach der dritten tiefen Wasserquerung haben wir keine Lust mehr auf Auto versenken und kehren um.

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Auf unserer Fahrt heute kommen wir immer wieder durch trostlose, völlig heruntergekommene Orte. Oft haben sie unheimlich tolle, von Palmen und Kunstrasen gesäumte Einfahrten, Straßenlaternen wie am Champs Elysee, aber menschenleer und verlassen. Investitionsruinen, Geschäftsideen, vermüllte, leerstehende Gewerbeeinheiten, kaum Wohnhäuser und praktisch keine Menschen, höchstens Autos. Die Tankstellen sind auch in verschiedenen, desaströsen Zuständen, die zahlreichen Moscheen ungepflegt und nicht gewartet.

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Kreisverkehr

Als wir heute unterwegs einmal anhalten, werden wir von einem Schafhirten angesprochen. Er kommt näher und will etwas. Diese Situation kennen wir hundertfach aus Afrika, aber hier läuft es so anders! Der junge fesche Mann wahrt Distanz und will nicht, Hauptsache irgendetwas, sondern konkret Wasser. Wie in Afrika wollen wir ihm einen Kanister schenken, aber nein, er hat eine leere Wasserflasche dabei und bittet darum, sie aufgefüllt zu bekommen. Sonst will er nichts, wirklich sehr anders als in Afrika!

An derselben Stelle radelt übrigens plötzlich ein schwerbeladener Franzose vorbei. Er hält nicht an, aber vermutlich durchquert er Saudi Arabien oder ist er etwa sogar in Frankreich gestartet?

Durch die gebirgige Landschaft gestaltet sich die heutige Zeltplatz-Suche gar nicht einfach. Das Gelände ist entweder abschüssig oder so von Geröll und spitzen Steinen übersät, dass wir nicht einmal ein paar Quadratmeter Liegefläche finden. Im schönsten Abendlicht präsentiert sich uns eine grandiose Landschaft, die uns entfernt an manche Nationalparks in den USA erinnert. Die beleuchteten Berge sind herrlich anzusehen und wunderschön, und schließlich finden wir auch ein Plätzchen nicht weit (und trotzdem uneingesehen) von der Teerstraße. Es liegt ganz nett, ist aber ziemlich vermüllt. Es scheint wieder eine sehr kalte Nacht zu werden und nicht allzu weit weg bellen Hunde. Na, da entscheide ich mich heute lieber für eine Nacht im Auto. Mein Kreuz wird sich vielleicht auch über eine weichere Unterlage freuen.

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Teil 1509. Jan. 2025
5. November:

Es war vielleicht nicht der allerromantischste Platz unserer bisherigen Saudi Arabien Reise, aber doch geschützt, mit schöner Aussicht und nicht allzu weit von der Teerstraße. Und es war eine kluge Entscheidung, gleich im Auto zu übernachten, denn man merkt immer noch die Nähe zum Gebirge. Es wird so kalt, dass wir selbst mit Extra-Decken und Schlafsack im Auto frieren.

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Heute starten wir schon vor Sonnenaufgang um 6.45 Uhr mit bester Reiselaune und herrlicher Stimmung. Wir sind neugierig, was uns der Tag Schönes bringen wird. Und er tut es reichlich:
Zuerst führt unsere Route weiter über abwechslungsreiche Gebirgspässe mit immer wechselnden, immer anders schönen Landschaften. Teils rot, dann schwarz, die Berge oft spitz, dann massiv. Einzelne Felsen wie Skulpturen, Gebirgszüge, so weit das Auge reicht. Oft spröde, dann mit Sanddünen durchzogen. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht heraus, wissen gar nicht, wo zuerst hinschauen und haben irgendwann das Gefühl, dass unsere Augen (zu) voll sind.

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Irgendwann nähern wir uns wieder Al Ula, die Landschaft wirkt angenehm vertraut, aber nicht minder schön als vor einigen Tagen.

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Unser Ziel ist heute der Harrat-Viewpoint. Letzte Woche hat die Zeit nicht gereicht, heute passt es uns gut ins Programm. Die Paßstraße auf den Berg ist gratis, aber angeblich erst ab 10 Uhr geöffnet. Als wir die merkwürdig direkt gerade hinauf gebaute Straße bewältigt haben, stellt sich aber heraus, dass oben alles „under construction“ ist. Vor der Baustelle ist ein junger Saudi platziert, um nur genau das mitzuteilen. Man sagt, der Tourismus in Saudi stecke noch in den Kinderschuhen, aus unserer Sicht eher in Babysöckchen.

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Dietmar und ich unterhalten uns auf dem Berg mehr über dieses Thema und die damit verbundenen skurrilen Absurditäten, die wir erleben, beobachten und sehen, als über die Aussicht, die wir hier oben genießen. Links und rechts der Baustelle dürfen wir ins weite Tal blicken. Ja, großartig, aber wir sind ehrlich gesagt schon etwas übersättigt. Wir lachen und staunen eher über die enorme Vermüllung hier oben und auch sonst; über aus dem Westen kopierte, aber sinnlose Einrichtungen wie z.B. kilometerlange, zweispurige Radwege durch die Wüste, die im Nirgendwo enden; über sehr schöne, aber leider unerreichbare Picknickplätze; über viel zu enge und zu steil gebaute Serpentinen; …

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Wir staunen auch über neun(!) Angestellte im Visitor Center am überdimensionierten „Winterpark“-Parkplatz (was für ein Name!), die augenscheinlich alle nichts zu tun haben. Aber so ist es hier eben, und wir dürfen in der edel designten Lobby unsere Handys laden. Bei Kaffee und Datteln sitzen wir auf feinen Lounge-Möbeln und suchen uns über Booking ein Hotel in Dschidda. Auch bezüglich Riad überlegen wir, sind uns aber noch nicht sicher über den Zeitraum usw.

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Die Handys haben getankt, jetzt haben auch wir Hunger und machen uns auf Restaurantsuche in der neuen Stadt Al Ula. Wie immer wählen wir auch heute ein ganz einfaches Lokal, wieder werden wir sehr nett empfangen. Wieder bin ich die einzige Frau, wieder schmeckt das Essen ausgezeichnet! Es gibt Kapsah mit Fisch oder Rind, wir wählen Fisch und es ist für mich das bisher beste Essen der Reise. Man kredenzt uns eine riesige Menge Reis mit herrlicher, gelber Knofisauce, dazu etwas Erdäpfel und ganz, ganz wenig Hendl-Deko, es gibt Zitronen, Gurken und Pfefferoni als „Salat“ sowie eine exzellente Fischsauce mit uns unbekanntem Gemüse und köstlichem Fisch!

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Die jungen Männer im Restaurant unterhalten sich sehr nett mit uns. Sie helfen uns beim Übersetzen, sie kümmern sich um unsere Handyladung. Einer bietet uns an, sein Rindergericht und ein gebratenes Ei von seinem Teller zu probieren. Als er merkt, dass es uns schmeckt, bestellt er es einfach noch einmal für uns. Unglaublich, man stelle sich das in Europa vor! Jemand bringt uns ungefragt zwei Wasserflaschen. Ein junger Schmied aus Bangladesch war zuletzt in South Africa stationiert, bis es ihm dort zu kriminell wurde... Was für ein Mittagessen, es macht uns den ganzen Nachmittag über glücklich!

Gleich neben unserem Restaurant befindet sich ein schicker Kaffee- und Süßigkeitenladen. Wir werden dort auf einen kleinen Kaffee und Dattelkekse eingeladen, ohne dass wir das Gefühl haben, wir sollten doch bitte auch etwas kaufen.

Bei der Ausfahrt aus Al Ula finden wir dann noch die Krönung unseres fürstlichen Mahls: Wir lassen uns in einem Juice-Shop, die wir schon im Oman sehr zu schätzen gelernt haben, zwei gemischte Säfte pressen. Vom Granatapfel bis zur Schokolade ist da alles drin und die Drinks haben vermutlich doppelt soviel Kalorien wie unser Mittagessen.

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Derartig gestärkt (auch unser Auto bekommt noch Diesel) fahren wir noch rund 250 km hinaus bis zur Abzweigung unserer geplanten Wüstentour. Diese „Einsteigertour“ hat ca. 160 km, wir sind gespannt, was uns erwartet. Recht früh und unkompliziert finden wir heute einen herrlich idyllischen Platz für die Nacht, etwas geschützt und mit traumhaft schönem Blick.

Wir verrichten nun schon eingespielt unsere Abendaufgaben, die Nacht verspricht warm zu werden, hoffentlich legt sich der Wind, und das Wetterleuchten zieht weiter. Wir hören in der Ferne zwei komische Geräusche, das eine ist vermutlich ein Fuchs, das andere bleibt ein Rätsel. Wir freuen uns sehr über diesen tollen Urlaubstag und hoffen auf eine ruhige Nacht.

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abendlicher Ausblick aus unserem Zelt
Teil 1609. Jan. 2025
6. November:

Heute Nacht haben wir es angenehm warm, aber teilweise leider auch recht windig. Schon 20 Minuten vor dem Wecker bin ich wach und beschwingt, und fröhlich absolvieren wir noch im Dunkeln unsere Morgenroutine. Pünktlich um 6 Uhr starten wir noch im Morgengrauen: Die Landschaft ist pittoresk und erinnert mit den sandigen Tälern zwischen den Bergen an Szenerien in Afrika.

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Nach ca. 30-minütiger Fahrt erreichen wir einen großen Beduinenlagerplatz. Die Menschen schlafen scheinbar noch, auch die Kamele und Schafe sind noch eingepfercht, aber die drei Hunde betreiben Morgensport, indem sie versuchen, unserem Auto hinterher zu schwatteln. Nach weiteren ca. 30 Minuten Fahrt wird das Gelände felsig, steinig und schroff und ich überlege mir, ob ich das nun für die nächsten acht Stunden weiter so haben möchte. Die Strecke scheint für uns zwar bewältigbar, wir entscheiden aber, dass es nicht dafür steht und uns keinen Mehrwert bringt und kehren daher um.

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Im Beduinenlager ist Betrieb eingekehrt, unter einer schönen Akazie frühstücken Kamele, unter einer anderen Dietmar. Etwas später sind wir zurück auf der Teerstraße und gondeln gemütlich in Richtung Medina.

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Ich unterhalte Dietmar mit Infos aus dem Bradt-Guide, und wir staunen auch heute über schöne Landschaften, absurde Ortseinfahrten und trostlose, leerstehende Baracken neben der Straße. Je weiter wir uns auf Medina zu bewegen, desto größer, opulenter und häufiger werden die Moscheen.

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Mein Bild von Medina als hässliche Stadt bestätigt sich bei der Einfahrt. Ich bewundere Dietmar, wie er uns bei extremem, grausam gefährlichem Verkehr zuerst über den dritten, dann über den zweiten Ring bis zum Bahnhof Hejaz Medina Railway Station kutschiert. Weiter dürfen wir als Nicht-Moslems nicht, zumindest glauben wir das zu diesem Zeitpunkt noch.

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Bahnhof Hejaz Medina Railway


Wir möchten uns zuerst ein Mittagessen suchen und dann das Museum im Bahnhof besichtigen. Auf Empfehlung des Bradt-Guide trage ich heute wieder Abaya und zusätzlich noch ein dunkles Kopftuch. Ich fühle mich passend gekleidet für den Anlass, bei 35 Grad ist es aber nicht gerade ein Spaß.

Dietmar und ich möchten auf unserer Mittagessen-Suche nur um einen Block spazieren, aber einige Passanten – alle Moslems – laden uns ein, mit ihnen durch eine Unterführung in den inneren Bezirk zu kommen. Wir gehen mit, bleiben dann aber nur recht kurz, denn dieser Teil ist, so meinen wir, den Moslems vorbehalten. Wir wollen das respektieren und sehen für uns auch keinen Sinn darin, länger zu bleiben.
Zurück in der Heimat werden wir erfahren, dass es nicht-Moslems nun schon offiziell erlaubt ist, sich im inneren Bezirk aufzuhalten. Hätten wir es damals schon gewußt, wären wir natürlich länger geblieben. Die Propheten-Moschee bleibt nach wie vor nur Moslems zugänglich.

Was uns hier und gleich danach beim Essen aber extrem interessiert, ist der Spirit der Pilger, der hier herrscht. Wir empfinden den Duft der großen weiten Welt, in diesem Falle halt der muslimischen. Wir beobachten Leute und Pilger aus aller Herren Länder, auffallend viele alte Menschen sind dabei und oftmals besonders schön gewandet. Je nach Herkunft oft in den buntesten und prächtigsten Gewändern, das betrifft alle: Frauen, Männer und Kinder.

Es gibt hier unzählige Hotels, die Stadt wirkt sehr reich, viele Restaurants und im Vergleich zu dem bisher in Saudi Arabien Gesehenen wirkt vieles auch recht touristisch. Man wird z.B. von Restaurantbetreibern aktiv aufgefordert, ausgerechnet ihr Lokal zu besuchen, es gibt bebilderte(!) Speisekarten, die Speisen sind einheitlicher und liebloser als sonst zubereitet, und es gibt allerlei religiöse und weniger religiöse Souvenirs für die Pilger …

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Wir essen Chicken Biryani und vier Chicken Samosas. Das Wasser bringt man ungefragt und wir bezahlen fünf Euro für alles zusammen. Die Qualität des Essens von heute kann man nicht annähernd mit der gestrigen vergleichen, aber wir genießen es sehr, von unserem Tisch aus das Treiben zu beobachten. Wir versuchen, den Vibe von Medina aufzunehmen und sind glücklich, dass uns das hier gelingt.

Wir spazieren noch ein wenig umher und sehen all die Menschen mit ihrer verschiedenen Herkunft. Auch viele Frauen sind dabei und im Vergleich zu den saudischen wirken alle lockerer, lebendiger und emanzipierter.

Schließlich gelangen wir wieder zum Museumsbahnhof, doch der hat jetzt leider geschlossen. Entweder Gebetszeit oder was auch immer, und natürlich keinerlei Info, wann wieder geöffnet sein wird. Tourismus in den Kinderschuhen halt.

Wir fahren weiter: Bei Panda in einer nahen Shoppingmall kaufen wir Trinkwasser-Kanister und Datteln. Auch hier öffnen und schließen die einzelnen Läden nach für uns undurchsichtigem Muster. Es gibt aber eh nicht besonders viele Kunden, am meisten Betrieb herrscht in der schrecklichen Pling-Pling-Spielhöhle für Kinder: Lauter laute, bunte Automaten, wie wir sie schon aus dem Oman kennen.

Dietmar schafft es, uns wieder heil aus Medina hinaus zu bringen. Ich schaue vor Angst besser gar nicht auf die Straße. Etwas außerhalb der Stadt gönnen wir uns heute einen Nachmittagskaffee aus unserer Bordbar. Dann fahren wir weiter bis ans Rote Meer. Nachdem wir die Gebirge hinter uns gelassen haben, fahren wir plötzlich durch eine Landschaft aus riesigen, hellen Sanddünen und kurz darauf endet auch dieses Naturschauspiel abrupt.

Vor uns liegt eine unwahrscheinlich riesige, flache Ebene und ganz weit in der Ferne sehen wir zum ersten Mal das Meer. Eine Weile fahren wir auf der Autobahn auf Mastorah zu und zweigen rund 20 km vorher aufs Geratewohl irgendwo ab, in der Annahme und mit der Absicht, wir könnten ja kurz schauen, ob es am Meer einen geeigneten Schlafplatz für uns gäbe.

Da haben wir uns aber ganz schön getäuscht: Unsere Augen suggerieren uns, das Meer wäre ganz nah, aber je näher wir heranfahren, desto weiter rückt es wieder in die Ferne. Mit wachsendem Unwohlsein fahren wir auf dünner Piste immer weiter. Rundum sehen wir nichts als eine endlose, sandfarbene Weite. Kein Gebäude, kein Mensch, kein Auto, keine Vegetation – weit und breit in alle Himmelsrichtungen wirklich nichts außer einer unendlich weit wirkenden, weißen Fläche! Irgendwann meinen wir doch, in der Ferne einige Büsche auszumachen und fahren dorthin. Diese Büsche sind dann aber nicht wie erhofft am Strand, sondern gehören zu einer riesigen Lagune. Wir wollen an der Lagune vorbei ans Meer, welches wir immer noch nicht sehen können und laut GPS, das wir uns kurz gönnen (Strom sparen!), immer noch 10 km vom Meer entfernt ist.

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Beim Umfahren der Lagune bemerken wir, dass der Boden unter der harten Salzkruste weich ist und nachgibt. Relativ zügig und leicht panisch versuchen wir, unser Auto in sicheres Terrain zu bringen, wissen wir doch aus Makgadikgadi, wie gefährlich so etwas sein kann. Wir suchen und finden schließlich einen festen Weg ans Meer, das wir gerade erreichen, als die Sonne romantisch im türkisblauen Wasser versinkt. Rundherum nur Leere, Weite, einige Büsche, das Meer vor uns, eine unermesslich große und flache Ebene hinter uns und Tonnen von Plastikmüll im sehr seichten Uferbereich.

Es fühlt sich unwirklich skurril an, in dieser für uns so fremden Landschaft. Noch fremdeln wir mit allem hier, auch mit der Atmosphäre, beschließen aber, für die Nacht zu bleiben, weil wir hier ungestört sind und es ohnehin gleich finster wird. Wir untersuchen also gründlich den Boden, finden einen verhältnismäßig weichen Liegeplatz nahe der Hauptpiste, an dem unser Auto über Nacht nicht versinkt und bauen bei heißem, sehr starkem Wind das Zelt auf.

Gerade als wir damit fertig sind, nähert sich ein Auto. Wo kommt das eigentlich her?? Ein äußerst freundlicher Saudi, der sogar etwas Englisch kann, heißt uns sehr herzlich willkommen. Er arbeitet für die Ölfirma Aramco, wohnt im benachbarten, aber dennoch sehr weit entfernten Ort und wenn wir etwas bräuchten, könnten wir uns jederzeit an ihn wenden. 🙂 Er freut sich sichtlich darüber, dass uns Saudi Arabien und das Rote Meer gefallen und hat eine lebendige, angebundene Taube auf dem mit Teppichen ausgelegten Armaturenbrett sitzen, die während unseres Gesprächs nervös wirkt und dabei die hübschen Teppiche vollkackt. Auf unsere Frage, ob dieser Schlafplatz denn sicher sei, versichert er uns: „Auf jeden Fall, hier gibt es bestimmt keine Schlangen!“ Andere Gefahren (die Flut z.B.) scheinen ihm gar nicht in den Sinn zu kommen. Prima!

Von ihm erfahren wir auch, dass die Grenzschutzpolizei auf jeden Fall zu uns kommen wird und uns dann möglicherweise auf die andere Seite der großen Piste schicken wird. Wir wussten schon von diesen Patrouillen und dass man 100 Meter Abstand zur Küste halten muss. Wir haben natürlich darauf geachtet und sind jetzt schon wesentlich weiter von der Küste weg. Wir bedanken uns für seinen Hinweis und entscheiden uns vorsichtshalber jetzt, wo wir noch etwas Tageslicht haben, unseren Lagerplatz auf eine geeignete Stelle auf der anderen Seite der Piste zu verlegen. Wir wollen bei einer möglichen Polizeikontrolle auf der „sicheren Seite“ sein!

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Wir wissen nach Einbruch der Dunkelheit nicht so recht. wann wir am besten duschen sollen, um nicht von der Polizei gestört zu werden. In der ewigen Weite ist kein einziges Auto zu sehen, doch prompt, als ich nackt in der Dusche stehe, nähert sich ein Wagen. Ich werfe mir schleunigst die Abaya über, das Auto bremst kurz ab, fährt nach freundlichem Gruß aber weiter. Nach der dann ungestörten Dusche kommt wirklich die Grenzschutz-Polizei: Unsere Pässe und Visa werden gar nicht kontrolliert, aber der Fahrer kann etwas Englisch und übersetzt: Unser Platz für die Nacht sei ok, alles in Ordnung.

Einige Zeit später besuchen uns dann die, die uns vorher so freundlich gegrüßt haben, noch einmal. Sie seien die Security, wir hätten einen guten Platz für die Nacht gefunden, versichert man uns. Woher wir kommen? Austria, Australia, Germany, Europe – ja genau, alles eins und sehr nah bei Amerika, wie immer auf dieser Reise... Sie schenken uns aber die bestimmt zwanzigste Wasserflasche auf dieser Tour und freuen sich über die von uns angebotenen Datteln.

Derartig nun von allen Seiten bewacht und abgesichert schlafen wir schon um 21 Uhr tief und fest und sehr beruhigt trotz der großen Hitze ein. Mitten im tiefsten Schlummer werden wir dann zweieinhalb Stunden später unsanft durch grelle Scheinwerfer und lauten Motorenlärm aus dem Schlaf gerissen. Wir sind völlig erschrocken und wissen erst gar nicht, was los ist. Dietmar, der fast nackt schläft, muss sich erst ankleiden, dann geht er hinaus zur Polizei.

Inzwischen war bei dieser nämlich Schichtwechsel und den beiden jungen Officern sind wir ein Dorn im Auge. Wegen der „Safety“ könnten wir hier unter keinen Umständen bleiben. Auch der Boden sei hier nicht gut genug zum Campen… Was für ein ausgemachter Blödsinn und was für eine Zumutung, uns jetzt mitten in der Nacht bei immer noch großer Hitze alles abbauen und anderswo (ja, wo eigentlich?) wieder aufbauen zu lassen!

Dietmar versucht via Google Translate zu verhandeln, aber keine Chance – die beiden sind stur, und aus reiner Willkür wollen sie, dass wir jetzt sofort umsiedeln. Dass ihre Kollegen am Abend mit dem Platz einverstanden waren, wird einfach ignoriert.

Dietmar lässt sich von dem einen Wichtikus zeigen, wo denn nun ein geeigneter Schlafplatz wäre. Dafür wandern die beiden mit einer Taschenlampe unvorstellbar weit in die stockdunkle Nacht und Weite hinein und verschwinden dabei komplett aus meinem Blickfeld. Währenddessen bleibe ich versteckt und nur mit meinem kurzen Nachthemd bekleidet im Zelt zurück, immer im Scheinwerferlicht des Polizeiautos und unter Beobachtung des zweiten Typs, der noch im Auto sitzt. Den Motor der laut knarrenden Karre haben die beiden natürlich nicht abgestellt und tun dies auch nicht, während wir nach Dietmars Rückkehr unsere Sachen packen und verschwinden müssen.

Eigentlich haben wir erwartet, dass sich die Polizei verdrückt, während wir alles abbauen, aber nein, sie bleibt total provokant und wartend stehen. Obwohl es bestimmt immer noch mindestens 25 Grad hat, muss Dietmar mir zuallererst meine Abaya aus dem Auto holen. Als ich dann mit meinem mittlerweile stinkenden schwarzen Fetzen aus dem Zelt krabble, weicht das Polizeiauto doch ein paar Meter zurück. Hilfe, eine Frau! Diskretion! Und der ganze Blabla…

Wir sind total angefressen und beeilen uns nicht gerade mit dem Zelt ausräumen und abbauen. Als wir endlich dann doch irgendwann fertig sind, fahren wir etwas provokant hinter den beiden jungen Machthabern her, bis sie uns eine Stelle zeigen, die zum Schlafen angeblich in Ordnung wäre. Ab und zu will man uns durch Blinken anzeigen, dass wir hier oder da bleiben könnten. Das ignorieren wir. Die beiden Feiglinge sollen sich ruhig von uns verabschieden und nicht einfach so aus dem Staub machen können. Irgendwann springen sie aus dem Auto und erklären uns, dass genau hier der ideale Platz für die Nacht wäre.

Diese völlig idiotische, nächtliche kreuz und quer-Fahrt bringt uns weit von der Küste weg, irgendwo hinein in diese unendliche Weite. Wir haben dabei natürlich komplett die Orientierung verloren. Weil wir Entenschnattern hören, vermuten wir wieder die Lagune in unserer Nähe… Es ist stockdunkel und es gibt nicht einen einzigen Anhaltspunkt für uns. Keine Ahnung, darum müssen wir uns morgen früh kümmern.

Jetzt müssen wir erst wieder einmal alles aufbauen und versuchen zu schlafen. Das ist gar nicht so einfach, weil wir total aufgebracht, verschreckt und auch verschwitzt sind. Dort wo wir sind, ist der Boden zum Schlafen zu hart und wir müssen ihn erst einmal von vielen spitzen Steinen und scharfen Muscheln befreien. Während wir arbeiten, patrouilliert die Polizei immer noch in unserer Gegend, gerne auch mit den Scheinwerfern gegen uns. Sie kommt zum Glück aber nicht mehr direkt an unseren Platz.

Irgendwann beruhigen wir uns etwas und können auch wieder einschlafen. Wir sind aber in der Früh noch immer verärgert ob dieser komplett sinnlosen Willkür!
Teil 1710. Jan. 2025
7. November:

In der Früh werden wir immer noch mit etwas Abstand von der Polizei observiert. Die beiden Ungustln rattern ständig mit ihrer lauten Karre über die weite Ebene und stören den Gesang der letzten Lagunenvögel, die noch nicht am vielen Plastikmüll erstickt sind. Bevor die beiden Polizisten auf die Idee kommen, uns noch einmal ihre Aufwartung zu machen, verdrücken wir uns besser von hier.

Landschaftlich war es bestimmt der schönste und geeignetste Platz und auch der interessanteste zwischen Yanbu und Dschidda, aber er wird uns in zwiespältiger Erinnerung bleiben. Von hier wieder weg zu finden, ist übrigens gar nicht so einfach: Alles sieht gleich aus, in jede Richtung; alles, das Meer, die Teerstraße, … ist sehr weit weg. Überall führen Spuren irgendwo hin und immer wieder lauern Sümpfe und Lagunen, die man oft auf sehr feuchtem Boden umschiffen muss. Wir sauen uns das Auto kräftig mit Schlamm ein und sind erleichtert, dass wir nach etwa zweistündiger, rumpeliger Fahrt doch irgendwann die Teerstraße erreichen.

Diese bringt uns durch hässliche Industrie und verbaute Landschaft nach Dschidda. Unterwegs sehen wir tausende LKW, Ölfabriken, den ersten und einzigen Zug unserer Reise mit gigantischen, futuristischen Bahnhöfen im Nirgendwo. Wir bestaunen die erste und einzige Solaranlage unserer Reise, wir sehen riesige Umspannwerke und wundern uns schon gar nicht mehr über zwölfspurige Autobahnen und andere überdimensionierte Grässlichkeiten.

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Das wird alles nicht unbedingt besser, als wir am Vormittag dann Dschidda erreichen. Die Stadt ist ein Verkehrsmoloch, dem man sich als Ausländer nur todesmutig und betend fügen kann. War Riad diesbezüglich schon furchtbar, aber jetzt sehne ich mich direkt dorthin zurück. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie schlecht, aggressiv, unhöflich, regellos und gefährlich hier gefahren wird.

Dietmar fährt so defensiv wie nur möglich und bringt uns irgendwann zum Al Tayebat Museum. Im Bradt Guide steht, man müsse es gesehen haben, um es zu glauben, und das stimmt. In mehr als 300(!!) Räume hat man Zeugs gesteckt, von dem irgendwer einmal dachte, man könne es irgendwann irgendjemandem zeigen. Völlig irre, enorm und absurd!


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Wir schlendern von Raum zu Raum, wissen nicht, welcher der schrecklichste ist, und besichtigen nur das Museum als solches, nicht seine Inhalte. Auf einer Sitzbank schläft Dietmar zwischendurch vor autofahrerischer Erschöpfung und musealem Overkill kurz ein – wen wunderts? Das Museumspersonal, das muss man aber zugestehen, ist freundlichst und tut alles, um uns abzuholen. Eine junge Frau führt uns herum und erzählt und erklärt dies und das, um uns den Einstieg in dieses Mega-Sammelsurium zu erleichtern. Auf ein versteinertes Krokodils-Gebiss ist man wohl besonders stolz, und die Frau hebt es als besonders sehenswert aus Millionen anderen Ausstellungsstücken hervor. Auf meine verwunderte Frage, wo in Saudi Arabien es denn einst Krokodile gegeben hätte, erklärt sie: Nein, dieses besondere Stück wurde extra aus Brasilien angekauft, um es hier zu zeigen! 🙂
Der gereichte Kaffee und die Süßigkeiten helfen uns, hier drinnen durchzuhalten.

Auch ein anderer äußerst sympathischer Museumswärter nimmt sich um uns an. Er kann Austria von Australia unterscheiden und zeigt uns einen ausgestellten Maria Theresien-Taler, der hier einstens als Währung diente.

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Um 12 Uhr schließt das Museum dann. Mit unserer Eintrittskarte dürften wir aber gerne heute Abend oder an einem anderen Tag wieder hereinkommen. Zeitgleich mit uns sind gerade auch eine italienische Reisegruppe und eine Frau aus Bonn mit privatem Guide da. Die alte Dame ist in Saudi Arabien, um ihren Sohn zu besuchen, der für den Flughafen arbeitet.

Als wir zu unserem Auto zurückkehren, hat es dort drinnen bestimmt 60 Grad, außerhalb 37. Auf der Fahrt zu unserem Hotel wollen wir kurz beim Hyper LuLu auf ein warmes Mittagessen vorbeifahren. Liegt alles recht nah und auf unserem Weg, ist aber unendlich schwierig, abenteuerlich und gefährlich zu erreichen. Abgesehen von den wild gewordenen saudischen Autofahrern und dem extrem starken Verkehr kann nie im voraus wissen, wo man z.B. links abbiegen könnte und wo es U-Turns gäbe. Jedes Einfädeln auf eine falsche Spur führt zu vielen weiteren, kilometerlangen Umwegen. Wir haben uns so sehr auf Dschidda gefreut, aber diese Verkehrshölle erschwert einem fast manche Unternehmung.

Zuallererst retten wir uns jetzt einmal in unser Hotel. „Luxury Mirage Hotel“ klingt für uns nach all den Zeltnächten wie eine Verheißung und hält tatsächlich, was es verspricht. Mit Lage und Preis/Leistung hätten wir es nicht besser treffen können. Sauber, praktisch, mit großer, funktionierender Dusche! Wir bekommen sogar ein Upgrade auf ein Kingsize-Bed Zimmer!

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Wir lassen uns das Essen schmecken und ich wasche ausführlich meine Haare, gerade noch rechtzeitig, bevor sie von alleine abbrechen. Es gibt endlich genug Strom für alle Handys und ein richtiges Bett für uns – herrlich!!!

Total sauber und erfrischt brechen wir gegen Abend dann auf, um die UNESCO-Erbe Altstadt „Balat“ zu besuchen. Wie so oft auf dieser Reise ist die Realität meist anders, als wir es uns vorgestellt haben. Tourismus und Kinderschuhe und so. Überhaupt: Je länger diese Reise dauert, desto stärker spüren wir, WIE fremd uns dieses Land und diese Kultur eigentlich sind und immer bleiben werden. Und auch wie konservativ und anders das Leben hier funktioniert.

In der touristischen Altstadt werden wir mit einem Parkplatz im amerikanischen Stil empfangen. Auf den Parkplatz-Begrenzungen gibt es üppige Blumen und Pflanzen und man muss für Saudi Arabien unvorstellbare 1.20 Euro Parkgebühr pro Stunde bezahlen. Das Klo wird erst gebaut und die Unterführung zur Altstadt leider auch.

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Und so irren wir erst ein wenig herum und trauen uns alleine nicht, den großen Kreisverkehr vor der Altstadt zu überqueren, bis uns ein saudisches Pärchen den Weg weist. Die jungen Leute gehen mit uns einfach schnurstracks über den 5-spurigen Kreisverkehr, wo alle mit 90km/h einher preschen. Ich habe Todesangst und drüben angekommen keine Ahnung, wie ich am Ende des Abends jemals wieder zum Auto kommen soll.

In der Altstadt dann sind viel weniger (westliche) Touristen als erwartet, dafür viel mehr Saudis und echtes Markttreiben in den Souks. Es wird noch viel renoviert und gebaut, und das muss man wegen der großen Hitze natürlich nachts machen. Es gibt auch viele (zu viele) streunende Katzen und für diese eigene, große, moderne Futterstationen, sowas haben wir nie zuvor irgendwo gesehen. Katzen werden immer gut behandelt und geschätzt, Hunde hingegen gelten als unrein und werden meistens nur als Hirtenhunde gehalten. Aber auch das ändert sich gerade und es gibt ganz selten schon Hunde als Lifestyle Accessoire.

In den Souks werden Stoffe, Schmuck, Gewürze, Datteln und Düfte verkauft, auch Plastikklumpert-Spielzeug für die Kinder. Heute Abend sehen wir für uns zum ersten Mal sogar einen E-Dreiradler.

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Die Verkäufer sind freundlich, aber unaufdringlich. Viele alte Häuser sind schon renoviert, von den historisch und architektonisch bedeutenden ist aber kaum eines zugänglich. Das hier könnte wirklich ein ernstzunehmender Touristenhöhepunkt nach westlichem Muster werden.

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Uns wurde die Marke „Nouk“ empfohlen: In diesem angesagten modernen Café gibt es alles vom Kamel, und Dietmar kauft sich Kamelmilch mit Kardamom. Ich suche mir bei einem anderen hippen Streetfood ein warmes Kichererbsengericht mit Sesam und Gurken aus. Eine sehr nette junge Frau bittet uns, an einer Umfrage teilzunehmen zum Thema „Wie können wir im Tourismus noch besser werden?“ Wir helfen gerne. Die Atmosphäre ist sehr schön hier und die Temperaturen jetzt am Abend schön langsam recht angenehm.

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Trotzdem wollen wir dann zurück zu unserem Hotel, doch wie über die Straße kommen? Wir stehen am Straßenrand und ich traue mich einfach nicht, mich in den starken, fließenden Verkehr hinein zu werfen. Schon gar nicht nachts mit meiner schwarzen Abaya. Wir bitten einen Uniformierten – ist es ein Polizist oder ein Security-Mann? – um Hilfe. Er ist überaus hilfsbereit und freundlich, außerdem mutig und zwei Meter groß, obendrein recht breit, und er rettet uns, indem er einfach den Verkehr für uns anhält. Er führt mich über die Straße wie einst Moses die Israeliten aus dem roten Meer! Ich bin gerettet und diesem Mann unendlich dankbar, der freundliche Herr spricht sogar ein klein wenig Englisch.

So, bis ins Auto hätten wir es nun geschafft, jetzt noch die letzte Etappe für heute zurück zum Hotel. Irgendwie haben wir Glück und finden ohne größere Dramen und vor allem heil zum Hotel zurück. Wir sind etwas überrascht darüber, denn die Hinfahrt hat sich viel schwieriger und mühsamer und mit mehr Staus gestaltet.

Ein anstrengender, aber wunderschöner und interessanter Tag geht zu Ende, wir sinken in weiche(!!!), saubere, weiße Betten – was für ein Genuss!!!
Teil 1811. Jan. 2025
8. November:

Endlich einmal gut ausgeschlafen! Heute ist Freitag, das heißt am Vormittag hat alles geschlossen und ein extrem heißer Tag ist es obendrein. Wir tun also gut daran, uns in der Klimaanlage unseres angenehmen Hotelzimmers zu erholen. Wir planen den restlichen Teil unserer Reise und versuchen, in Riad eine Unterkunft zu buchen. Es ist echt praktisch, dass wir hier WLAN haben und genug Strom für die Handys.

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Kreisverkehr

Nach einem gemütlichen Vormittag starten wir dann erfrischt zu neuen Besichtigungen. Eigentlich habe ich richtig Sorge vor jeder neuen Autofahrt, aber zu unserer großen Freude und Erleichterung ist heute am Freitag kaum etwas los auf Dschiddas Straßen, und so können wir relativ entspannt einige der berühmten Kreisverkehre (für die vor einigen Jahren ein eigener Kunstwettbewerb ausgeschrieben war) besichtigen.

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Kreisverkehr

Wir fahren langsam zum Yachtclub neben der Formel 1-Strecke, auf die die Saudis so stolz sind, parken in der Nähe das Auto und spazieren dann in der größten Hitze zur berühmten „Floating Al-Rahmah-Mosque“. Nach der blumigen Beschreibung und mit unseren Erfahrungen aus Muscat haben wir hier etwas ganz anderes erwartet. Die Moschee ist hübsch, ja, und sie ist über dem Wasser gebaut, ja, aber viel kleiner und weniger spektakulär als in unserer Vorstellung. Dass sie dann samt Toiletten (!) auch noch geschlossen ist, passt ins Bild. Tourismus und Kinderschuhe und so…Wäre dies doch eine der wenigen Moscheen im Land, in die wir als Nicht-Moslems hinein dürften.

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Gleich neben dieser berühmten Moschee hat im Mai ein Premium Hotel der Marriot-Kette eröffnet. Man freut sich dort über unseren Besuch, hofiert uns wie Staatsgäste, zeigt uns alles voller Stolz, und ich habe das bestimmt schönste Klo dieser Reise.

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Kreisverkehr

Jetzt wollen wir erst einmal etwas zum Essen suchen. An einem Freitag von der Autobahn aus ist das gar nicht so einfach. Nach vielen Fastfood-Ketten, auf die wir keinen Appetit haben, entdecken wir dann einen hinter einer Baustelle versteckten Laden. Er hat geöffnet, aber es sind keine Gäste da. Während ich im Auto warte, weil der Wagen ziemlich illegal geparkt ist, erkundigt sich Dietmar, was es denn zu essen gibt. Wegen der fehlenden gemeinsamen Sprache darf er einfach von Falafel, Hummus und Gurkenjoghurt probieren. Als Dietmar dann allerdings wieder verschwindet, glauben die Inhaber, es schmecke ihm nicht und sind ganz enttäuscht. Umso größer dann die Wiedersehensfreude bei seiner Rückkehr, und er hat sogar noch die Frau mitgebracht! Auch die darf sich zuerst durch das komplette Buffet kosten, sodass sie schon fast satt ist, als sie sich an den Tisch setzt!

Wir bestellen eine gemischte Platte für zwei, bekommen eine für sechs und noch zwei Suppen dazu, und noch zwei Wasser… Wir verputzen, soviel wir nur können und lassen uns dieses – wie wir dann erfahren – ägyptische Essen für insgesamt 12 Euro sehr gut schmecken. Die Schalen und Teller, die wir zuerst verdrücken, werden übrigens unaufgefordert und auf Kosten des Hauses neu befüllt. Wir können bei weitem nicht alles aufessen und lassen uns den Rest einpacken.

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Unsere vollen Bäuche und die Hitze machen uns müde und wir verbringen den restlichen Nachmittag an der langen, berühmten Corniche. Wir bummeln dort und da, wir staunen über dies und das und wundern uns über so manches: Über wunderbar einladende Badestellen mit allen dazugehörigen Einrichtungen z.B., besonders aber über die davor aufgestellten, riesengroßen roten Tafeln, die das Schwimmen aus Sicherheitsgründen (!?) verbieten.

Wir sehen wie überall im Land auch hier viele betende Menschen. Wer nicht seinen eigenen Gebetsteppich dabei hat, geht zu einer dieser großen, ausrollbaren Teppichstationen und betet dort zusammen mit anderen.

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Überhaupt erfreut uns das Beobachten der vielen interessanten Menschen am meisten. Immer wieder fahren wir einige Kilometer entlang dieser 30 km langen Corniche, bis wir an einen sehr beliebten Strandabschnitt vor dem Crowne Plaza kommen. Dort tun wir es den anderen gleich: Nachdem wir unser Auto wie alle anderen im Parkverbot abgestellt haben, sitzen wir, Kekse und Pommes naschend, auf unseren Zelt-Bodensitzen und bestaunen den Sonnenuntergang. Der kommt angeblich gleichzeitig mit der rund 200m hohen Fontäne, die aus einem beleuchteten, überdimensionierten Weihrauchgefäß spritzen soll. Ab und zu kommt dieses berühmte Wahrzeichen der Stadt auch erst um 20 Uhr. Leider scheint ausgerechnet heute so ein Tag zu sein und so warten wir drei lange Stunden lang. Schließlich wollen wir diese berühmte Sehenswürdigkeit der Stadt erleben.

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Die Rast im Rasen, die etwas kühlere Temperatur und das Beobachten der vielen Familien tun uns gut. Eine Gruppe von fünf jungen Männern lagert in unserer Nähe. Die Burschen wollen ziemlich cool abhängen und haben dafür jeder eine Wasserflasche und gemeinsam eine große Fanta-Flasche. Als sie wieder aufbrechen, schenken sie uns einfach zwei von ihren Wasserflaschen. Zum x-ten Mal auf unserer Reise bekommen wir wieder etwas geschenkt, einfach nur, weil wir Fremde sind.

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Kurz nach 20 Uhr tut sich immer noch nichts in Sachen Fontäne und wir erfahren, dass das heute wohl nichts mehr wird. Vielleicht morgen, inschallah! Das ärgert nicht nur uns, sondern auch ein junges Expat-Pärchen aus England. Wir kommen ein wenig ins Gespräch und erfahren, dass die beiden als Lehrer und Krankenschwester für drei Jahre hier in Dschidda arbeiten. Was die beiden zu erzählen haben, ist äußerst interessant für uns, zumal die Frau im königlichen Krankenhaus tätig ist.

Nach einer Weile verabschieden wir uns wieder, jetzt sind wir müde und wollen ins Bett. Nach der wie üblich schwierigen aber zum Glück unfallfreien Fahrt zum Hotel geht ein schöner Tag zu Ende!

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Teil 1912. Jan. 2025
9. November:

Wieder schlafen wir wunderbar gut und fest in unseren weichen, weißen Hotelbetten. Nur leider etwas kurz, da der Abend gestern für uns unerwartet lang geworden ist. Wir packen unsere Siebensachen zusammen und verlassen dieses erquickliche Luxury Mirage Hotel.

Bevor wir nun auch Dschidda verlassen werden, müssen wir noch dringend in eine Mall, um für Dietmar eine Hose und auch einen Pyjama zu kaufen. Seine Sachen stehen schon vor Dreck und die Wetterbedingungen auf der Reise sind anders als erwartet. Die bisherigen Zeltnächte z.B. waren im Schnitt viel kälter als wir dachten. Bei der Kleidung werden wir auch recht schnell und sehr günstig fündig. An die enormen Dimensionen dieser Hyper-Mega-XXL-Superior Malls haben wir uns fast schon gewöhnt.

Auf 14-spurigen Autobahnen geht es dann hinaus aus der Stadt. Nur langsam dünnt der Verkehr aus, richtig ruhig haben wir es dann auf der Autobahn, die in weitem Bogen Mekka umfährt. Diese „Christian Bypass“, die wir verpflichtet sind zu nehmen, umfährt die heilige Stadt der Moslems so weiträumig, dass wir von Mekka nichts sehen, ja nicht einmal ahnen können, dass dort eine Stadt liegt.

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Die Landschaft wird nach und nach gebirgiger und führt irgendwann über eine hohe Paßstraße hinauf auf ca. 2000 Meter. Auch hier sind wir mit unseren Erwartungen wieder falsch:
Die Paßstraße ist riesig, vierspurig mit Pannenstreifen, brachial in die Felswände gestemmt. Trotz herrlichster Aussicht gibt es auf der gesamten langen, spektakulären Fahrt keinen einzigen Viewpoint! Das lange schon zu sehende Gebäude am Sattel, in dem wir ein Aussichtsgasthaus vermuten und zu dem sogar eine Gondelbahn führt, entpuppt sich letztlich als Krankenhaus. Die dazugehörige Stadt lebt vom Frischluft- und Regentourismus und bietet ansonsten vor allem brachliegende, zuckerlrosa Vergnügungsparks.

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Auf dem Weg ins Gebirge treffen wir ab und zu auf Paviane am Straßenrand. Die rotarschigen Affen sind nicht hübsch anzusehen, aber lustig zu beobachten.

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Wir wundern uns wie jeden Tag auch heute über die vielen Bau- und Geschäftsruinen, über den extremen Leerstand, der hier herrscht und über die mangelnde Unterhaltung von praktisch allen Gebäuden.

Um die Mittagszeit erreichen wir Taif. Leider schließt gerade bei unserer Ankunft der Souk für die nächsten vier Stunden. Trotzdem bietet uns diese Mittagsrast ein ganz besonderes Reiseerlebnis. Bei indischen Samosas und Eierfladen mit Ketchup beobachten wir Heerscharen von Pilgern aus allen Teilen der muslimischen Welt. Sie sind ins Land gekommen, um nach Mekka zu pilgern, buchen dann aber Busausflüge in die Rosenstadt Taif, in die Berge, wo die Luft und das Wetter viel angenehmer sind als im ganzjährig heißen Mekka. Wir sehen Chinesen, Afrikaner, Indonesier, Jemeniten, Pakistani und viele, viele mehr. Viele Menschen sind alt, vielleicht haben sie ein Leben lang auf diese Reise gespart?

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Manche Pilgergruppen sind mit „Mannschaftskleidung“ ausgestattet, um als Gruppe erkennbar zu sein. Wir sehen hier alle Formen von Schleiern, Abayas, Burkas, Kopftüchern, männlichen Kleidern, gestickten und verzierten Kappen und zehn verschiedene Arten, die Kopftücher zu binden. Ich trage heute das lange, geblümte Sommerkleid mit einer weiten blauen Bluse darüber und erhalte für dieses Outfit so manches Kompliment.

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Dietmar und ich sind die einzigen westlichen, nicht-muslimischen Menschen und fallen natürlich extrem auf. Niemand aber stört sich an uns, im Gegenteil: Als Exoten werden wir ziemlich hofiert. Der indische Koch schenkt uns ständig Chicken- und Käse-Samosas, alle unterhalten sich sehr nett mit uns, eine pakistanische Familie bittet um Fotos zusammen mit uns, niemand wirkt so verkrampft wie die Saudis selbst.

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Dietmar und ich durchstreifen auch eine Weile den Souk, der derzeit halt recht nachmittäglich ruhig ist. Es gibt das übliche: Datteln, Stoffe, Kleidung, Lederwaren, Düfte, Shops für die „Arafat-Tücher“, Lesepulte für den Koran, Schmuck, kleine Cafés, streunende Katzen und vieles mehr.

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Bestimmt herrscht hier abends eine sehr lebendige Atmosphäre, aber das ganz besondere für uns hier sind die Pilger. Eine äußerst freundliche und interessante Mittagspause!

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Nun fahren wir weitere 240 km auf diesem hochgelegenen Gebirgsplateau. Viele Villen und Wohnhäuser stehen auf einzelne Hügel verteilt, aber auch hier sehen wir mehr Bauruinen und brachliegende Geschäftszeilen als lebendiges Straßen- oder Stadtleben. Im gesamten Land sind im öffentlichen Raum kaum Menschen zu sehen. Sie sind alle hinter Mauern, hinter Vorhängen oder eben im verdunkelten Auto. Frauen trifft man sowieso nur in Shoppingmalls, Souks oder beim Picknicken mit Familie und Kindern.

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Rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichen wir den angesteuerten Nationalpark. Der Name aus dem Bradt Guide stimmt nicht mehr und wieder haben wir etwas anderes erwartet: Etwas Großes mit Landschaft und Natur zum Beispiel. Stattdessen finden wir ein recht kleines Gelände vor, das im amerikanischen Stil mit Straßen, Rasen, Kinderspielplätzen und überdachten Picknickplätzen gestaltet wurde. Es sind auch einige Gäste da, ebenso wie Katzen, Hunde, abgeschlossene Klos und reichlich Müll.

Etwas abseits im Gelände finden wir dennoch einen geschützten Platz für die Nacht. Wir haben sogar Flutlicht und einen Blick auf die Stadt Bahah. Mit heißen Suppen und viel Kleidung bereiten wir uns auf eine vermutlich sehr kalte Nacht vor.

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Teil 2013. Jan. 2025
10. November:

Obwohl wir heute Nacht einen recht versteckt liegenden Platz haben, kommt um Mitternacht plötzlich ein Auto mit vier saudischen Männern. Sie breiten rund 20 m vor uns einen Teppich auf dem Asphalt der dort abgesperrten Straße aus und schlafen ohne Zelt darauf in ihren Schlafsäcken.

Etwas nah sind sie für mein Gefühl, aber nett und sie lassen uns in Ruhe. Außerdem bin ich müde und schlafe bald wieder weiter, bis Dietmar mich um 5 Uhr weckt. Die Nacht war kalt und windig und wir frieren auch während unserer Morgenroutine.

Schon um 6.30 Uhr fahren wir in das morgendlich, kalte Al-Bahah, diese „Perle“ der Gebirgsstädte. Bei der erstbesten Tankstelle wollen wir Diesel tanken, aber offenbar gibt es ein Problem. Wegen der Sprachbarriere erfahren wir nicht mehr und fahren einfach ein paar Hundert Meter weiter zur nächsten Tankstelle. Auch dort erhalten wir keinen Diesel, weil unser Chip beim Tankeinlass kaputt sei! Wir wussten gar nicht, dass wir so etwas haben, auch nicht, was das eigentlich ist und schon gar nicht, wie man es eventuell ruiniert oder repariert. Der Tankwart empfiehlt, die Autovermietung anzurufen, das aber möchten wir wirklich nur zur allergrößten Not tun. Die haben eine dermaßen schlechte Service-Hotline und dann noch auf Arabisch – nein, lieber nicht.

Angeblich können wir mit unserem verbleibenden Diesel noch ca. 250 km fahren, und so fahren wir wie geplant zuerst einmal die wunderbare Gebirgsstraße hinunter nach Thee al Ain. Die ca. 20 km lange Paßstraße bietet im Morgenlicht tolle und spektakuläre Ausblicke ins Tal und auf die massiven Berge.

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Noch schlafen die meisten Saudis und so haben wir es verhältnismäßig ruhig auf dieser schönen Fahrt. Etwas versteckt im Tal mit einer üppigen, vorgelagerten Oase liegt nun dieses berühmte historische Dorf sehr homogen auf einem Hügel und fügt sich pittoresk in die umliegende Landschaft. Eine Seltenheit in diesem Land!

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Der Charme dieser Sehenswürdigkeit umfängt mich sofort, und ich freue mich, dass wir unsere Reiseroute bis hierher ausgedehnt haben und auch darüber, dass wir jetzt hier sind. Im kleinen Ort wird gerade das zweite Visitor Center gebaut, vermutlich in der Hoffnung, für diese Sehenswürdigkeit den Unesco-Welterbe Titel zu bekommen.

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Bei unserem Besuch ist alles noch recht locker. Es sind ganz wenige, einheimische Touristen hier und man bezahlt keinen Eintritt. Dietmar und ich machen einen ausgedehnten Spaziergang durch die halbwegs gut renovierte Anlage und erfreuen uns an verschiedenen Aus- und Einblicken in die alten Häuser und Befestigungen. Wir besuchen auch die kleine Moschee und die romantische Quelle zur Oase.

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Nachdem wir alles ausführlich erkundet haben, versucht Dietmar mit unserem viel zu kleinen Trichter aus dem Kanister zu tanken. Wir wollen aber nicht den schönen neuen Parkplatz des Visitor Centers beschmutzen und verschieben die Aktion lieber auf eine Tankstelle. Zunächst müssen wir wieder die imposante Paßstraße nach Bahah zurück. Viele enge Kurve, Tunnels, doppelte Sperrlinien, zahlreiche Warnschilder, 50 Überholverbotsschilder, … bewirken rein gar nichts bei den Saudis. Sie starten und absolvieren die waghalsigsten Überholmanöver und fahren wie die Irren. Man kann gar nicht drastisch genug beschreiben, wie schrecklich hier gefahren wird. Dietmar und ich haben Glück und Geschick und gondeln gemütlich im Schutz eines Klein-LKWs die schöne Strecke hinauf.

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Oben führt unser erster Weg zu einer Tankstelle (die gar keinen Diesel verkauft). Ein netter Inder organisiert einen alten, großen Trichter und entleert den ersten Reserve-Dieselkanister in unser Auto. Theoretisch könnten wir nun mit dieser Methode bis nach Riad ans Ende unserer Reise kommen. Wir versuchen unser Glück aber bei der nächsten Diesel-Tankstelle noch einmal und siehe da, der junge, nette Bangladeschi tankt uns problemlos voll. Hurra, das Thema ist fürs erste gelöst!

Nun fahren wir die Strecke über die Hochebene zurück nach Taif. Sie gefällt uns heute fast besser als gestern, was auch am schönen Sonnenlicht liegen dürfte.

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Zurück in Taif wählen wir heute ein relativ großes, belebtes Restaurant, in dem außer mir wieder keine einzige Frau speist. Das Angebot hier ist riesig, die Portionen auch. Was wir gewählt haben, kommt zusammen mit Wasser, Salat, Suppe und Brot, wir schlagen uns also wieder einmal die Bäuche voll. Besonders Dietmar schmeckt es ausgezeichnet, für mich dürfte es auch stärker gewürzt sein.
Zum Schluss gönnen wir uns noch zwei frisch gepresste Säfte, dann fahren wir zum Souk-Eingang von gestern zurück, um bei „unserem“ Inder Chicken-Samosas für das Abendessen zu kaufen. Alle Mitarbeiter samt Chef erkennen uns sofort wieder, die Freude über unseren erneuten Besuch ist riesig und wir werden mit Wasser, extra Samosas und Süßigkeiten beschenkt. Fotos werden gemacht, und am liebsten würden sie mit uns essen gehen.

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Seit dem Mittagessen haben unsere Handys wieder Saft und so können wir endlich ein Hotel für die letzten Tage der Reise in Riad buchen. Wir erfreuen uns auch heute wieder an den bunten Pilgergruppen aus der ganzen Welt, werden oft angelächelt, ab und zu auch angesprochen. Ein Mann aus Sri Lanka bräuchte z.B. einen klappbaren Rollstuhl für seinen behinderten Sohn. Ein junger Saudi aus Mekka mag sich nur im Auto oder Flugzeug fortbewegen, erzählt er uns. Er ist begeistert, dass Dschidda jetzt eine Formel 1-Strecke hat und er hätte persönlich nichts dagegen, wenn wir als Nicht-Moslems in seine Heimatstadt Mekka kämen. Ganz kann er sowieso nicht verstehen, warum wir keine Moslems sind. Er ist zum Honig kaufen nach Taif gekommen, ein weiterer Bewegungsradius von mehr als 100 km außerhalb seiner Heimatstadt würde ihn überfordern, sagt er.

Gerne würden wir noch länger in Taif bleiben, aber es ist schon 15 Uhr und wir wollen noch ein gutes Stück fahren. Auf unserem Weg außerhalb der Stadt passieren wir den Souk Oqaz. Angeblich einer der berühmtesten und bedeutendsten in der gesamten islamischen Welt – da müssen wir hin! Die 20 km Umweg nehmen wir gerne in Kauf.

Wie so oft auf dieser Reise auch hier: Unsere Erwartungshaltung und die Realität divergieren stark! Eine achtspurige, leere Autobahn führt zu einem gigantischen leeren Parkplatz, ein verwahrlostes, brachliegendes, Vergnügungspark-ähnliches Veranstaltungsgelände steht dort, wo vor hunderten von Jahren einmal ein Souk war. Uns bleibt vor Staunen der Mund offen und es ist trotzdem irgendwie gut, dass wir hier waren!

Jetzt aber fahren wir auf abseitigen „Nebenstraßen“ in Richtung Wahbah Krater. Unterwegs gibt es auf einer riesigen, wüstig verbuschten Ebene zwei kleine Seen, die auf der Karte mit einem Stern gekennzeichnet sind. Dort möchten wir übernachten, aber auch hier: Das Gelände ist großräumig umzäunt, abgeschlossen und von im Schatten liegenden Polizisten bewacht. Schade! Eine Infotafel informiert über diesen besonderen Platz auf dem Hadsch nach Mekka und die Drohnenbilder aus dem Internet zeigen, wie schön es dort ist.

Wir müssen uns also einen Nächtigungsplatz in der Nähe suchen. Wegen des nahen Wassers gibt es hier viele Stechmücken, ich bin müde und reisemüde und möchte eine erholsame, ungestörte Zeltnacht erleben.

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Lagerplatz für die Nacht
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