subsonicThemenstarter38 Beiträge · seit 202327. Nov. 2024 · #1
Servus zusammen.
Nur noch ein paar sehr wenige Tage, dann geht es wieder nach Namibia (dieses Mal auch mit Botswana und Simbabwe). Letztes Mal (Norden/Mitte Namibias) war trotz Dezember/Januar jeder Flusslauf trocken. Aber dieses Jahr geht's u.a. ins Okavango-Delta, und aktuell regnet es doch hin und wieder dort.
Meine Frage also an die Profis/Erfahrenen: Wie durchquert man einen Flusslauf auf die Profi-Art? Meine Idee war es eigentlich, vorher mit Schwimmschuhen durch den Fluss zu laufen, um überhaupt zu sehen, wie tief der ist. Doch ich las davon, dringend Süßwasserflüsse dort zu meiden, wegen Bilharziose (Wikipedia) - das will niemand! Also, wie macht man es richtig? 🙂 Bin über jede Antwort dankbar!
vom 5.12.-26.12.24 in NAM/BW/ZW
subsonicThemenstarter38 Beiträge · seit 202327. Nov. 2024 · #2
PS: Wir haben einen Hilux 2.8 mit Schnorchel als Lufteinlass, also das Wägelchen könnte das wohl
Du wirst hier eine grosse Bandbreite erlesen können, wenn sich hier eine grössere Gruppe Mitleser engagiert.
Ich habe mich auf der Transafrika auf meinen Umbau verlassen (Schnorchel, höherlegung Entlüftungsarten), und auf meinen Riecher. Als ich dann den Wasserpegel auf den unteren 15cm der Frontscheibe ablesen konnte, ging auch bei mir die Pumpe...
Fährst Du langsam, hast Du das Wasser im Fahrzeug, fährst Du schnell und da ist etwas am Boden im schlammigen Wasser, dann ist dein Fahrzeug hinüber. Das ist bei einem stehenden Gewässer wie es in den NPs in Botswana häufiger anzutreffen ist, je nach Jahreszeit.
Durch einen Fluss mit guter Geschwindigkeit zu fahren, der 1m Tiefe hat, ist vergleichsweise noch gefährlicher, anzutreffen in Island, Südamerika.
Hier scheidet sich der Spreu zwischen den Reisenden und den Offroad-Affinen Reisenden, die bereit sind im schlimmsten Fall ihre Reise vorzeitiger zu beenden.
Man kann den Abenteurer bewundern, oder über sein genommenes Risiko den Kopf schütteln.
Im Internet finden sich unzählige Beispiele, wo das Risiko dann eben auch "genommen" wurde, mit ungutem Ausgang....
Natürlich: Man könnte den Trail schon vorher zu Fuss abgehen, aber in der Realität stampft da keiner gerne durch den Schlamm oder eine kalte Furt, dies wiederspricht dann eben auch dem gesuchten Abenteuer dieser Fahrzeugklasse.
Auf einem 30`000km Trip wie einer Transafrika/Seidensteasseist aber auch noch deftiger, solche Risiken in Kauf zu nehmen.
Das eigene Fahrzeug lässt sich ja auch entspannt in heimischen gefilden im Schlamm versenken:
trippin
120'000 Reisekilometer (u.a. Transafrika (west), Island, Südamerika).
subsonicThemenstarter38 Beiträge · seit 202327. Nov. 2024 · #4
Danke dir! Ich rede aber natürlich nicht von 1m Tiefe - da bin ich raus! 🙂 Dann muss eine Umfahrung her. Ich meinte vor allem - wie checkt man den Flusslauf ab? Darf/sollte man (wg. o.g. Grund) da reinlaufen und gucken wie tief es ist? Oder wie macht das ein "Profi"? 🙂
Fischerhosen lassen keine Tierchen durch. Damit kannst Du dann getrost testen, wo die Spur passt und wie tief es wird. Und da tut es auch das billigste Modell, Hauptsache dicht. Natürlich werden jetzt einige beim Lesen die Augenbrauen hochziehen, Fischerhosen sind halt nicht cool. Aber die sollen erst mal eine bessere Lösung präsentieren. LG, HeiVi
Ich bin vermutlich kein Profil, aber ich bin schon oft durch Wasserwege, Flüsse, längere Wasserpassagen gelaufen. Nie mit Schwimmschuhen, ich weiß nicht einmal, was das ist. Auch Anglerhosen habe ich nicht. Meiner Erfahrung nach ist die Wassertiefe das Eine, der Untergrund das Andere. Dieses Jahr bin ich in Gonarezhou viermal durch den Fluss "gelaufen". Beim ersten Mal waren die ersten 30 Meter okay, dann war ich von jetzt auf gleich bis zur Brust im Wasser. Solche tiefe Löcher machen mir Sorge, brauche ich für mich nicht. Wir nutzen ein Holz oder einen langen Stock und "prüfen" die Tiefe, allerdings nur, wenn das Wasser klar ist. Aber wie gesagt, der Untergrund erscheint mir wichtiger als die Tiefe.
Ich gehöre zum Team "Umfahren". Im Moremi habe ich es vorgezogen, beide Nummernschilder an den Busch zu verlieren und nicht den direkten Weg durch lange Wasserdurchfahrten zu nehmen. Das Auto im Wasser zu versenken, ist häufig ein Totalschaden, Sand ist da großzügiger. 😛
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
subsonicThemenstarter38 Beiträge · seit 202328. Nov. 2024 · #7
Sanne schrieb:Ich bin vermutlich kein Profil, aber ich bin schon oft durch Wasserwege, Flüsse, längere Wasserpassagen gelaufen. Nie mit Schwimmschuhen, ich weiß nicht einmal, was das ist. Auch Anglerhosen habe ich nicht.
Ist das mit diesen miesen Parasiten (die da) in Süßwasserläufen denn nur ein Mythos? Las ich auf der Seite des auswärtigen Amts für Botswana. Oder gilt das nur für "echte" Flüsse, also solche, die immer Wasser führen?
Schistosomiasis (Bilharziose) In fast allen Süßwassergewässern Botswanas ist die Bilharziose endemisch (z.B. Limpopo und Molopo River, entlang des Okavango und des Chobeflusses). Das Baden, Tauchen und jeder andere Wassersport in Seen und Flüssen (auch im Sambesi) sollte daher unbedingt vermieden werden
Grundsätzlich solltest Du Dich von der Idee dass ein vorhandener Schnorchel eine tiefe Wasserdurchfahrt ermöglicht verabschieden! Denn Schnorchel sind in den meisten Fällen dazu da sandfreiere Luft von oben zu holen statt die sandige Luft von Höhe Kühlergrill! Und genau darum sind viele Schnorchel gar nicht wasserdicht. Auch gehts nicht nur um die Ansaugluft, auch die Achs-, Getriebe- und Motorentlüftungen müssen hochgeführt werden, sonst dringt da das Wasser ein. Zu Wasserdurchfahrten im Speziellen kann ich nicht viel beitragen, tiefer als 20-30cm wars bei mir ausserhalb der 4x4-Schulung noch nie. Aber ich persönlich würde mich nicht getrauen durch den Fluss zu waten, nur schon wegen allfälliger Krokodile. Denn auch wenn die nicht direkt die Innereien angreifen wie die genannten Tierchen so sind sie, wenn die mal zugeschnappt haben, doch etwas lästig.
Deiner Fragestellung nach zu urteilen, hast du keine Erfahrung mit Wasserfurten. Ich auch nicht wirklich. Demnach würde ich einer grundsätzlichen Empfehlung folgen, die mir mal ein Südafrikaner gegeben hat: "don't make your tyres wet!". Das ist ein Grundsatz, von dem man sich aber immer mal wieder verabschieden muß. Ich habe das dann immer so gehandhabt. Erstmal schauen, ob sich nicht einer/eine vor mir durchtraut. Dann beurteilen, ob ich mir das auch zutraue und dann möglichst in genau gleicher Spur durchfahren oder eben nicht. Zu allererst Karte checken, ob Umfahrungen möglich wären. Auch die Spuren vor der Furt interpretieren, führen die eventuell außen herum. Das wäre immer besser, als das Risiko, als Tourist das Mietauto zu versenken. Wasserlauf vorher genau beobachten. Vor dem Aussteigen!. Schlangen sind oft in der Nähe von Wasserläufen an den Uferböschungen. Krokodile im Wasser. Großkatzen eventuell in der Nähe. Wenn keiner vor dir fährt weil niemand da ist: vorsichtig mit Schuhen durchwaten, dabei möglichst einer Linie Einfahrtspur zu Ausfahrtspur folgen, zurück 1.5m versetzt zu hinwärts. Und dann selbst beurteilen wie schlammig der Untergrund ist und wie tief und Entscheidung treffen.
TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202228. Nov. 2024 · #11
Danke Markus, der ist immer noch gut und zeigt schön auf, dass die "Wattfähigkeit" nicht nur von der Verwundbarkeit des Motors, sondern auch von der Traktion und die wiederum vom Auftrieb abhängt. Nicht umsonst wurde für diese Demo ein Auto mit offener Pritsche genommen.
TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202228. Nov. 2024 · #12
Hallo subsonic,
@ Bilharziose und "Ist das mit diesen miesen Parasiten (die da) in Süßwasserläufen denn nur ein Mythos?"
Ein Mythos ist Bilharziose per se sicher nicht, aber für deine Tour mE nicht relevant.
Vor der Einführung von Ablutions in Moremi waren Fluss oder Lagune das Badehaus und garantiert frei von Bilharziose. Aber man hat über die Jahrzehnte seither gehört, dass sich die Bilharziose nach Westen bis in das Delta und Ränder ausgebreitet hat oder haben soll. Sogar in Europa soll sie schon eingeschleppt worden sein.
Wenn sie also wirklich im Moremi angekommen wäre, interessieren mich belastbare Infos.
Bis dorthin halte ich das als generelle Warnung für diese Gegend für übertrieben. Einheimische und auch Touristen haben im und um das Delta ständig Wasserkontakt an den Ufern. Eine Bilharzioseerkrankung nach einer Mokorotour wäre hier sicher zum großen Thema geworden.
Wasser in den Flutebenen und nur saisonalen Wasserläufen wären so oder so mE unbedenklich, weil die Schnecken die monatelange Trockenzeit wohl nicht überleben würden. Oder doch?
Ich fand ja HeiVi's Tip it der Wathose zunächst am besten, die sind ja jetzt mit Blackweek usw. auch wirklich günstig zu erwerben, nehmen wenig Platz weg und können auch nach dem Urlaub, wenn mann es denn schafft, wieder genutzt werden. Aber dann musste ich bei Recherchen diesen Hinweis finden 😈 😵
steinbeisser
NANamdu152 Beiträge · seit 201728. Nov. 2024 · #14
Als Angler bestätige ich den Hinweis der DLRG bezüglich Wathose. Anders sieht es bei Hüftstiefeln aus. Diese sind ca. 60 cm lang, günstiger als Wathosen, wiegen weniger und können bei Gefahr relativ schneller ausgezogen werden. Bei mehr als 50 cm Wassersäule würde ich nicht durchs Wasser fahren wollen. Bei dem Klimawandel kommen Hüftstiefel auch in Deutschland schneller als man denkt, in Gebrauch.
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200628. Nov. 2024 · #15
subsonic schrieb:Doch ich las davon, dringend Süßwasserflüsse dort zu meiden, wegen Bilharziose (Wikipedia) - das will niemand!
Ich war in Gambia, Kamerun, Uganda und Malawi auch in Flüssen und Seen baden. Ich habe dann anschließend beim Reisemediziner einen Test machen lassen. Im Falle eines Falles kann man das ja medikamentös behandeln.
Mehr Sorgen würde ich mir über Krokodile machen. Das lässt sich medikamentös weniger gut behandeln.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
subsonicThemenstarter38 Beiträge · seit 202328. Nov. 2024 · #16
Vielen Dank für die tollen Antworten.
Fazit für mich: Badeschuhe - und max. kniehohes Wasser (ca. 50cm). Optimalerweise Reifenspuren folgen oder wenn möglich warten - ansonsten Umweg.
Bzgl. Krokodilen, ich spreche ja nicht vom Sambesi oder Kunene 🙂 ...sondern von Flussläufen, die 11 1/2 Monate im Jahr furztrocken sind. Dort sollten Krokodile wohl eher nicht zu finden sein. Ich denke auch, wie hier gesagt wurde, dass diese Parasiten eher dort zu finden sind, wo erstens ganzjährig Wasser fließt, und zweitens viele Tiere drin plantschen. Auch glaube ich nicht, dass man bei ein paar Spritzern oder kurze Zeit im Wasser gleich von denen attackiert wird 😕
Solche Flüsse meine ich nicht (Bild von 30.12.24 in Epupa):
...sondern solche... nur in aktiveren Regenzeit als 2023/24 (Foto vom 02.01.24 nahe der Fingerklippe):
vom 5.12.-26.12.24 in NAM/BW/ZW
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200628. Nov. 2024 · #17
subsonic schrieb: Solche Flüsse meine ich nicht (Bild von 30.12.24 in Epupa):
Den Kunene an den Epupa Falls hatte ich in meiner Auflistung glatt vergessen. Da gibt es im oberen Teil der Fälle auch ein oder zwei kleine natürliche Pools. Dort habe ich auch stundenlang drin gesessen.
Als Lebensraum für die als Zwischenwirte dienenden Schnecken gelten eher stehende oder langsam fließende Gewässer mit Uferbewuchs (z.B. Schilfgras). Da habe ich mir am Kunene relativ wenig Sorgen gemacht in Bereich der Fälle. Da geht es oberhalb bzgl. Strömung ja schon bisschen ab. Natürlich besteht trotzdem ein Restrisiko.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202228. Nov. 2024 · #18
Weil das ein paar Mal so angeklungen ist. Bilharziose ist keine Unpässlichkeit, sondern eine schwere und belastende Krankheit, mit für arme Leute u. U. dauerhaften Schädigungen und Beeinträchtigungen. In RSA sind Millionen betroffen.
Der hier unlängst gefeierte Douglas Hamilton hat sich in seiner ersten Station Bilharzia eingefangen, war sehr schwer erkrankt und musste für Monate nach England zur Behandlung. Heute gibt es bessere Behandlungen … für die, die getestet wurden und behandelt werden können und das ist eine „Systemfrage“.
Im Norden und Osten von RSA ist mW die Verbreitung ungleich häufiger als in BW. Die geographische Verbreitung ist aber nur ein (kleiner) Teil der Geschichte, der größere sind die Lebensbedingungen. In manchen ländlichen Bereichen in RSA sind bis zu 90 % der Kinder infiziert und das sagt bereits alles über Infektionsrisiko und –weg.
Bessergestellte aller Hautfarben, Weiße insbesondere, sind davon kaum bis nicht betroffen. Sie kriegen Wasser aus der Leitung, waschen sich und Wäsche nicht im Damm oder Fluss und plantschen im Pool und nicht im Flachwasser oder Tümpel. Sie machen Wassersport, fischen, picknicken, campen, Wohnen an zigzig Stauseen und Flüssen usw. ohne sich anzustecken….. weil diese Plätze so gestaltet sind und wurden, dass die Ansteckungswahrscheinlichkeit gering ist. Fazit: Bilharzia ist eine „Armeleutekrankheit“
VAVagabundo72 Beiträge · seit 201528. Nov. 2024 · #19
Mich wundert schon ein wenig, daß niemand eine Flußquerung so richtig beschreiben kann. Okay... dazu anbei zwei Links...
Zuerst... Immer mit Kopf und Geist rangehen. Die Watttiefe des Fahrzeugs kennen. Durchfahrtslinie prüfen ( nicht immer ist gerade die richtige ). Alle möglichen Helferlein die ich habe einschalten... Allrad, Untersetzung usw. Abwarten ob nicht jemand kommt der an dieser Furt bereits Erfahrung hat. Für Krokodile immer eine Dose Heringe dabei haben ( Achtung: Späßle ). Langsam reinfahren, keine Bugwelle erzeugen. Schauen ob große Steine oder Hindernisse ( Hippos, Späßle ) zu sehen oder fühlbar sind. Bei Unklarheit "Stop" umdrehen und andere Lösung finden. Sich niemals mit Gewalt verleiten lassen. Viel Spaß, nach der ersten Furt wird das Adrenalin weniger...