Wasserlöcher im Kgalagadi Transfrontier Park

14 Antworten · 1'188 Aufrufe · gestartet 23. Juli 2024 von solitaire
Antworten
Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201123. Juli 2024 · #1
Hallo liebe Formis,
kann mir jemand sagen (ich habe bei meinen Recherchen keine Hinweise gefunden), mit welchen Geräten die Wasserlöcher am Auob und Nossob gegraben wurden und wie tief sie durchschnittlich sind?

Danke schon mal und liebe Grüße
Solitaire
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
1'129 Beiträge · seit 202223. Juli 2024 · #2
Guten Abend solitaire
Die Bohrlöcher werden gebohrt bzw. nicht gegraben.
Wenn du „bore hole drilling“ odgl. gxxxxst werden dir solche Brunnenbohrer angezeigt.
Das Wasser der Bohrlöcher (Brunnen) wird über Rohrleitungen zu den (nach touristischem Beobachtungswert angelegten), "Wasserlöcher" genannten künstlichen Tränken, gebracht.
Das durch Niederschläge gespeiste, mehr oder weniger verwendbare, Grundwasser (Stampriet Aquifer) liegt über dem salzigen Wasser das alten Meeres. Das Salzwasser wird durch jahrzehntelange Übernutzung des "Süßwassers" durch Tourismus immer höher nach oben gebracht und macht Letzteres für Mensch (und irgendwann auch Tier) unbrauchbar.
In dieser Studie
https://www.sanparks.org/wp-content/uploads/scientific-services/ssnm/ssnm2015/groundwater-quality-in-the-kgalagadi-transfrontier-park.pdf
zur Zunahme der Salinität und Wasserqualität der Brunnen im KTP siehst du die Orte und Anzahl der Bohrlöcher und das Aufsteigen des Salzwassers an einigen im pdf dargestellten Brunnen Bohrlöchern. Die Werte der beprobten Bohrlöcher stammen aus ca. 50 bis 100 Meter Tiefe. Der Indikator für Salinität ist die elektrische Leitfähigkeit (EC im ppt), eine Zunahme zeigt mehr Salz an.
zuletzt bearbeitet 24. Juli 2024
607 Beiträge · seit 201023. Juli 2024 · #3
wie sie gebohrt wurden muss man recherchieren, welche Technik Anfang des 20.Jahrhunderts verwendet wurde.
Viele Bohrlöcher im Kgalagadi wurden während des 1 Weltkrieges angelegt. Daher stammen auch noch einige Namen(z.b. Marie se gat). So weit mir bekannt war es die Armee aus Südafrika die dort waren um die Deutsche Armee zu beobachten bzw. zu verhindern, dass sie Deutschen dort vorrücken können.
Grüße Wolfgang
1'129 Beiträge · seit 202223. Juli 2024 · #4
Hippie schrieb:wie sie gebohrt wurden muss man recherchieren, welche Technik Anfang des 20.Jahrhunderts verwendet wurde.
Viele Bohrlöcher im Kgalagadi wurden während des 1 Weltkrieges angelegt. Daher stammen auch noch einige Namen(z.b. Marie se gat). So weit mir bekannt war es die Armee aus Südafrika die dort waren um die Deutsche Armee zu beobachten bzw. zu verhindern, dass sie Deutschen dort vorrücken können.
Grüße Wolfgang
Hier gibt es einiges über die (Vor)Geschichte, Wasser und Bohrlöcher des KTP
https://www.researchgate.net/publication/47296183_The_Kalahari_Gemsbok_National_Park_1931-1981
PS: Der Großteil der heute viel zahlreicheren Bohrlöcher im KTP wird wohl mit modernem Gerät gebohrt worden sein, nehme ich mal an
zuletzt bearbeitet 23. Juli 2024
Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201123. Juli 2024 · #5
Danke Tacitus, den ersten Link kenne ich. Den zweiten werde ich mir durchlesen, er setzt aber zeitlich erst später an (siehe nächste Zeile).
Danke Wolfgang, deine Antwort bezieht sich auf meine eigentliche Frage. Das habe ich nicht klar ausgedrückt. Ich suche nach der Technik zur Zeit des ersten Weltkrieges. Ich finde zwar Infos, dass sie gegraben wurden, aber nicht wie. Mich interessiert, wie sie das bewerkstelligt haben. Keine Ahnung, ob sie damals schon Bohrer hatten
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
16,9k Beiträge · seit 201223. Juli 2024 · #6
Hippie schrieb:wie sie gebohrt wurden muss man recherchieren, welche Technik Anfang des 20.Jahrhunderts verwendet wurde.
Viele Bohrlöcher im Kgalagadi wurden während des 1 Weltkrieges angelegt. Daher stammen auch noch einige Namen(z.b. Marie se gat). So weit mir bekannt war es die Armee aus Südafrika die dort waren um die Deutsche Armee zu beobachten bzw. zu verhindern, dass sie Deutschen dort vorrücken können.
Hallo Wolfgang,

auch wenn viele der Namen afrikaans klingen, sind etliche davon jedoch schottischen Ursprungs. Sie wurden von den schottischen Siedlern, die nach den Highland Clearances ihr Land verließen (verlassen mussten), benannt und dürften somit noch älter sein.

LG
Logi
1'129 Beiträge · seit 202224. Juli 2024 · #7
Betr. Brunnen GRABEN und Bohrlöcher BOHREN
Solitaires Frage hatte ich falsch verstanden bzw. nicht auf Historisches bezogen. Die oben verlinkte Parkgeschichte beinhaltet eigentlich auch die Antwort zur Frage nach der Technik, weil korrekterweise zwischen Brunnen (wells) und Bohrlöchern (boreholes) unterschieden wird. Damit ist auch die Technik beschrieben, denn Brunnen wurden gegraben (dug wells), damals sicher von Hand mit einfachem Grabwerkzeug. Anfang des 20 Jhdts. gab es sicher schon mechanische Bohrausrüstung.

Betr. die schottischen Namen
Die schottischen/gälischen Namen im heutigen KTP (Kieliekrankie, Auchterlonie u.a.), wurden vom schottischen Landvermesser Jackson vergeben, der im Auftrag der Regierung Farmenparcellen am Auob und Nossob auslegte. Dass es dort auch schottische Siedler gegeben hat ist mir neu.
zuletzt bearbeitet 24. Juli 2024
16,9k Beiträge · seit 201225. Juli 2024 · #8
Märchen und Legenden nennt man Märchen und Legenden, weil es - man könnte es erahnen - Märchen und Legenden sind. Meist werden sie auch nicht wahrer, wenn Einer vom Anderen abschreibt.

Und so verhält es sich auch mit der Legende um den angeblich aus Schottland stammenden Roger Jackson, der zu Ehren seiner alten Heimat Schottland, den Wasserlöchern schottisch-gälische Namen gegeben haben soll. Sie ist .. richtig ... eine Legende.

Denn besagter Roger Jackson stammt gar nicht aus Schottland, sondern aus Knysna klick und sprach auch überhaupt kein Schottisch-Gälisch.
Nachdem sich Anfang der 2010er Jahre Angehörige Jacksons zu Wort meldeten und richtig stellten, dass er in Knysna geboren wurde, bekam die Legende einen Twist: man dichtete sie kurzerhand um.

Nun war es seine Frau, Eileen Frances May Jackson (Mädchenname Brock), die angeblich aus Schottland stammen sollte und jetzt wurden die Namensgebungen plötzlich ihr zugeschrieben klick . Der Haken an der Sache: auch sie stammt nicht aus Schottland (was sich schon anhand des Mädchennamens vermuten lässt) klick.

LG
Logi
1'129 Beiträge · seit 202225. Juli 2024 · #9
sehr interessant und Danke Logi, habe etwas dazugelernt.
Folglich sollten Sanparks und ein paar andere WWWs das mit Herrn Jackson mal korrigieren.
Dem hier
Logi schrieb:Märchen und Legenden nennt man Märchen und Legenden, weil es - man könnte es erahnen - Märchen und Legenden sind. Meist werden sie auch nicht wahrer, wenn Einer vom Anderen abschreibt.
kann ich in der eigentlichen Sache trotzdem nicht folgen oder ich missverstehe etwas, weil obig am eigentlichen Punkt vorbeigeht. Begründung:

Rodger “Malkop” Duke Jackson war also kein Schotte (in jüngster Generation) sondern aus Knysna. Das schließt allerdings schottische Wurzeln auch nicht aus. Z. B. kamen die ersten Holzfäller im Knysna Forest aus England und Schottland, aber man wird heute Einzelbiographien nicht lückenlos nachvollziehen können.

Unbestritten erscheint jedenfalls, dass Jackson tatsächlich Landvermessungen am Auob und Nossob durchgeführt hat, dass dort Plätze nach schottischen Namen und Orten benannt wurden sowieso nicht. Auch wenn die Zuschreibung der Namensgebungen an Jackson falsch ist und die Muse(n) unbekannt sind, sind die Namen selber real und noch da, also keineswegs Märchen und Legenden.
Wenn es also nicht der Jackson war, sagt der Hausverstand trotzdem, dass Namensgeber Bindung und Bezug an Schottland hatten, denn der Name eines uralten Clans (Auchterlonie) passiert nicht einfach irgendwie, genauso wenig wie der eines in der Geschichte Schottlands bedeutenden Ortes wie Killiecrankie.
Hier
https://www.roxannereid.co.za/blog/kgalagadis-auchterlonie-museum
gibt es in der anschließenden Diskussion einige Meinungen/Vermutungen zur Genese der schottischen Namen, auch mit Beteiligung von „echten“ Auchterlonies. Dort werden auch „schottische Wurzeln“ von Frau Jackson erwähnt. Wenn man z. B. von deinem GENI-Link für Frau Jackson (wo ihre Herkunft gar nicht erwähnt wird) weiterklickt zum Herrn Gemahl, ist jedenfalls von schottischen Herkunft seiner Frau die Rede (n. b. nicht alle Schotten heißen Mac).
https://www.geni.com/people/Roger-Jackson/6000000004960372069
"Roger Duke was a Surveyor who spent several years surveying in the jungles of Malaysia and Indonesia and later the Northern Cape and Kalahari areas of South Africa. There are many references to him as a Scotsman who was so fond of his homeland that he named many of the water holes in Kalahari region after favorite places in Scotland. This is a bit strange for a second generation South African so it is more likely that his wife, Eileen, was responsible for naming of these places. She, it is believed, was a first geneartion Scot. ...."

Wer hat also Schottland in die Kalahari gebracht? Irgendjemand mit Schottlandbezug wird es schon gewesen sein, aber man weiß es nicht (mehr) genau. Für den Normalverbraucher ist das letztlich wurscht. Denn der eigentlich interessante Punkt (von dem ich vor Jahren in einem Bulpin Buch erfahren habe?) ist doch, dass diese komischen Ortsnamen keinen weiß- oder schwarz- südafrikanischen Ursprung haben sondern einen schottischen. Die afrikanische (Namens)Geschichte bleibt spannend 😎
zuletzt bearbeitet 26. Juli 2024
16,9k Beiträge · seit 201225. Juli 2024 · #10
tacitus schrieb: (n. b. nicht alle Schotten heißen Mac).
Nööö, manche heißen auch Trump. 😎
Der mütterlicherseits ein MacDonalds ist.

LG
Logi
1'129 Beiträge · seit 202225. Juli 2024 · #11
Deine Argumentationsabsicht und -linie verstehe ich jetzt immer weniger.

Ich mag jetzt hier oder da einen falschen Informationsstand haben. Das erkenne ich gerne an und für zweckdienliche Hinweise bin ich ja auch dankbar, denn ich lerne gerne dazu. Also bitte nur her mit deinen Kenntnissen zum tatsächlichen Ursprung der Namen und der Namensgeber.

Oder meinst du jetzt echt, dass diese Namen keinen schottischen Ursprung haben, also nur „Märchen und Legende“ sind? oder meinst du die Namensgeber, schottische Siedler ja aber welche und welche Quellen?

und PS 20:10 sorry an solitaire für dieses Themenhijacking. Daher over and out
zuletzt bearbeitet 26. Juli 2024
1'129 Beiträge · seit 202227. Juli 2024 · #13
solitaire schrieb:....Ich suche nach der Technik zur Zeit des ersten Weltkrieges. Ich finde zwar Infos, dass sie gegraben wurden, aber nicht wie. Mich interessiert, wie sie das bewerkstelligt haben.....
Guten Tag solitaire
Ich war jetzt selber neugierig über Darstellungen des Brunnengrabens von Hand.
Mit den einschlägigen Suchwörtern wie (water) well digging, hand-dug water wells und Africa udgl. wird man schon fündig, z.B.

https://www.youtube.com/watch?v=2fsUTkXspXQ
der erste Teil hier ist afrikanisch-händisch, der zweite balkanesisch-mechanisch.
https://www.youtube.com/watch?v=RII0R2x4yTY
Das Brunnengraben ist uralte Kulturtechnik und wird vor 100 bis xxxx Jahren auch nicht anders gewesen sein. In meiner Kindheit waren am Land noch viele Haus- und Dorfbrunnen in Gebrauch.

Die Herausforderungen (und auch Gefahren) waren in der Kalahari wegen großer Tiefe und Mangel an Bauholz für Sicherungen und Schalungen sicher groß. Auskleiden konnte man wahrscheinlich auch nicht, das Loch musste einfach von selber „stehen“.

12:30 Und noch ein PS betr. Graben von Brunnen und Bohren von Bohrlöchern, weil Sprachgebrauch eben immer zeit- und ortsabhängig sind. Im Wortgebrauch des Eingangs verlinkten Artikels ist ein „well“ ein gegrabener Brunnen. Andererseits werden im amerikanischen Englisch auch gebohrte Brunnen „wells" genannt. Z. B. sind die Förderbohrlöcher für Erdöl und Erdgas oil und gas WELLS
zuletzt bearbeitet 27. Juli 2024
Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201127. Juli 2024 · #14
Vielen Dank für die vielen Infos. Auch zu den schottischen Namen.

Danke tacitus für die interessanten Videos. Ich kenne die gegrabenen Brunnen in meiner Region auch, der Boden ist hier allerdings lehmig und daher kompakter als Sand. Sand wird wahrscheinlich eine große Herausforderung gewesen sein.

Liebe Grüße
Solitaire.
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
1'129 Beiträge · seit 202228. Juli 2024 · #15
Hallo solitaire, weil wir schon dabei sind und ich wegen der Hitze auch schon am Sand bin 😉

Ich vermute mal, dass die tiefen Brunnen im KTP nur im „Calcrete“ oder Ähnlichem mit Festigkeit und Standvermögen möglich waren. Durch Sand könnte man keinen Brunnenschacht ohne Schalungen graben. Außerdem wird man dort auch kein Wasser finden, dieses kann nur darunter in tauglichen Gesteins- und Schotterschichten liegen.
Aber eigentlich ist das Problem nicht der Sand selber, sondern dass er in der Kalahari trocken ist. Ich habe das schon als kleiner Bub beim Sandburgenbau herausgefunden, dass das nur mit feuchtem Sand geht 😄 . Später wollte ich das veröffentlichen, habe aber dann erfahren, dass das sowieso schon alle wissen. 😉

Dass man in feuchten Sand tiefe Löcher und große Hallen, ohne Stützelemente!!, graben kann, kann man sich z. B. in Retz im Weinviertel anschauen, das zwar buchstäblich "auf Sand gebaut“ ist, aber trotzdem schon seit vielen Jahrhunderten (be)steht. In die ca. 30 m mächtige Sandschicht eines alten Meeres wurden zig Kilometer von Treppen, Gängen und Kellerhallen in mehreren Etagen angelegt, die keine Schalungen, Stützgewölbe udgl. benötigen. Es hält durch die hohe Luftfeuchtigkeit von 87 %, die über ein ausgeklügeltes natürliches Belüftungssystem konstant gehalten wird.
Grüße
zuletzt bearbeitet 28. Juli 2024