CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201703. Mai 2024 · #1
Ob es verrückt ist oder genial, wird sich zeigen: Morgen geht es los als digital Nomad nach Khaudum! Wir wollen gut 3 Wochen in Khaudum und Nyae Nya verbringen, um in Ruhe an wissenschaftlichen Anträgen und Publikationen zu schreiben.
Auf die Idee kam ich January 2022. Damals gingen Artikel über junge digital Nomads rum, die auf Weltreise sind und dort vom Computer aus arbeiten. Und als Wissenschaftler arbeitet man ja ständig am Computer, muss dauern schreiben. Hat aber oft keine Ruhe sondern unproduktive Meetings und administrativen Scheißkram. Ich war damals in der Kalahari und danach 2 Tage in Mokala, einem meiner Lieblingsnationalparks in Südafrika: Endlich nach der überfüllten Kalahari kaum Touristen, sondern Ruhe. Also nahm ich meinen Laptop raus, verlängerte den Aufenthalt um 3 Tage, und schrieb einen wichtigen Artikel fertig (der inzwischen auch gut publiziert ist: https://doi.org/10.1098/rspb.2022.1589
Allerdings hat Mokala im Campingsite keinen Empfang fürs Internet, und selbts an der Rezeption war der Empfang schlecht.
Da kam mir in Erinnerung, wie ich im Januar 2020 erschrack, als ich am Wasserloch Burkea plötzlich Handyempfang hatte. Als ich dann in Khaudum Camp ankam, sah ich dort den neuen riesigen Handymasten stehen!
Mehr Ruhe als Khaudum geht nicht, und wenn man da direkt unter dem Masten campen kann, ist auch der Empfang fürs Internet via Handy gut genug, vor allem, wenn man bereits vorher das meiste recherchiert hat. Oktober 2022 war ich wieder da, der Empfang recht gut, die Ruhe sehr gut.
Also wurde der Entschluß gefasst, dass wir nach der Möglichkeit suchen, einen Monat lang einen writing retreat nach Khaudum zu machen, ich und meine Partnerin Lindelani Makuya. Sie zum Paper schreiben, ich für Anträge. September / Oktober haben wir keine Zeit (sind dann in Australien für ne Konferenz plus 3 Wochen Tasmanien), Januar-März ist zu heiß. Vom Klima her war der Mai der beste Kompromiss, und Zeit haben wir dann auch. Morgen fliege ich los, von Frankfurt nach Kapstatd, dann Sonntag mit meinem dort geparkten Land Cruiser nach Goegap bei Springbok, Montag nach Windhoek, Dienstag nach Nyae Nyae. Da ich für mich selber eine Reisetagebuch schreibe, stelle ich das mal hier rein, in der Hoffnung, dass es ein paar interessiert, es aber niemand nach macht, damit es weiterhin so schön ruhig und einsam im wilden Khaudum bleibt.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201703. Mai 2024 · #2
Insgesamt wird es das siebte Mal sein, dass ich nach Khaudum gehe. Zum ersten Mal war ich dort im Juli 2005, also vor fast 20 Jahren, auf einer Botswanareise. Damals ging es von Springbok in die Central Kalahari, Chobe, Moremi, Caprivi und dann durch Khaudum durch und weiter Richtung Süden, zurück nach Sprinbgok. Das wilde Khaudum mit seinen großen Elefantenherden und seiner Einsamkeit hatte es mir sofort angetan, auch wenn der feine Staub durch alle Ritzen des Defenders kam. Meine damalige Partnerin hasste den Staub und Khaudum. Trotzdem setzte ich durch, das wir immer wieder kamen, wenn auch nur kurz. Das zweite Mal war im Winter 2007. Damals hatten wir die beste Hyänensichtung in Khaudum. Wie schon zwei Jahre zuvor, war der Campingplatz vollkommen heruntergekommen. Dafür aber umsonst und ohne irgendjemand anderes im Camp außer den Rangern!
Im August 2010 ging es zum dritten Mal nach Khaudum, auf dem Weg von Hwange in Zimbabwe zurück nach Springbok. Im verfallenen Camp besuchten uns die Hyänen. Mein beiden Kinder, nur 2 und 5 Jahre alt, waren dabei und genossen die Wildnis. Dann gab es eine lange Pause bis 2018, wieder ein Zimbabwetrip im Juli, ich und meine zwei inzwischen ältere Kinder. Der alte Defender war einem modernen Hilux gewichen, das Camp Khaudum inzwischen neu aufgebaut und wunderschön, aber nun natürlich nicht mehr umsonst. 2020 dann im Januar, zum ersten Mal in der Regenzeit, und das einzige Mal alleine. Nun konnte ich mehrere Tage hier verbringen, insgesamt 5 Nächte. War ich Khaudum als trockene Staubwüste gewohnt, schockte mich das Quietschgrün der Regenzeit regelrecht. Elefanten, die ansonsten in großen Herden an den Wasserlöchern zu finden sind, gab es fast keine. Aber es war eine super Zeit, um Vögel zu sehen, und es gab eine riesige Biodiversität an Insekten.
Und dann schließlich Ende September 2022 mit meiner neuen Partnerin Lindelani. Lindelani war genauso wie ich sofort in die dortige Wildnis, Ruhe, und Abgelegenheit verliebt. Es war klar, dass wir wieder kommen, wenn möglich für länger. Wir glauben, Khaudum ist ein guter Ort, um nun für mehrere Wochen zur Ruhe zu kommen und gleichzeitig geistig produktiv aber auch kreativ zu werden. Das ist zumindest der Plan!
Wir werden uns wohl in den nächsten Tagen begegnen. Wir sind ab übermorgen, leider nur für drei Tage im Khaudum.
Herzliche Grüße aus dem neuen Nambwa Camp Chrigu
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CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201706. Mai 2024 · #4
Oh, da werden wir uns wohl knapp verpassen. Wir kommen erst Donnerstag nach Khaudum, da wir vorher noch 2 Nächte in Nyae Nyae sind.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201706. Mai 2024 · #5
Samstag 4. Juni bis Montag 6. Mai Samstag Nachmittag ging es also los. Von Kehl sind es zum Glück nur 2 Stunden mit dem Zug nach Frankfurt zum Flughafen. Der direkte Flug mit Lufthansa war angenehm. Normaler Weise ist mir das zu teuer, zumal man nur einen Koffer mitnehmen darf, aber ich hatte einen günstigen Flug gefunden. Um 22:00 eingestiegen, um 22:30 eingeschlafen, wie immer um 5:00 aufgewacht, aber dann noch eine Stunde weiter geschlafen. 9:45 landeten wir pünktlich in Kapstadt. Es gab keinen anderen Flug und somit ging Passkontrolle und Gepäck sehr schnell, und um 10:20 war ich draußen, schneller als erwartet. Also 20 Minuten warten, dann war Eli von African Overlander mit meinem Land Cruiser da und es ging nach Norden, Richtung Springbok. Auf halbem Weg in Klawer kurz angehalten, um die Beine zu vertreten. Auch noch die Lithium Batterie überprüft, die 100% voll ist. Dann noch die Motorhaube auf, ob auch die Batterie fest sitzt und das Kühlerwasser voll ist. Alles in Ordnung, auch sonst da nichts bemerkt. Weiter durch die Knersvlakte. Es wurde heißer. Also die Klimaanlage an. Aber es kam nur warme Luft. Nicht gut. Es ist zwar Herbst, aber immer noch sehr heiß. Angehalten und die Kühlerhaube nochmals auf: Der Keilriemen der Klimaanlage ist nicht mehr da, ein Kielriemen der Kühlung in Fetzen. Langsam weiterfahren. Was jetzt? Jetzt kommt Bitterfontein. Ich sehe die Caltex Garage, fahr raus, frage, ob mir hier jemand beim Keilriemenwechsel helfen kann, denn ich habe natürlich (da ich früher einen Defender hatte) Ersatz dabei. Zum Glück hat die Garage eine kleine Werkstatt, der Chef ist da und hilft gerade einem anderen Cruiser, dann er und sein Gehilfe mir. Nach gut einer Stunde sind alle Keilriemen gewechselt und es geht weiter nach Springbok. Um 18:15 komme ich an der Succulent Karoo Research Station im Goegap Nature Reserve an. Lindelani erwartet mich bereits und nach 2 Monaten liegen wir uns wieder in den Armen. Das meiste an Ausrüstung liegt bereits draußen bereit. Ich packe noch mein Gepäck um, dann wird der Cruiser beladen. 19:30 sind wir fertig. Dann sage ich noch allen vier Studenten hallo und gebe jedem eine Tafel Schokolade von meiner Heimat: Ritter Sport in Waldenbuch, gleich neben Filderstadt, wo ich ursprünglich herkomme. Da der Flug nicht anstrengend war, ist es kein Problem für mich, am Montag um 5:00 aufzustehen. 5:30 geht es los, 7:00 sind wir an der Grenze nach Namibia. Da der Intercape Bus nach Windhoek kurz vor uns ankam, ist die Schlange lang, und wir brauchen eine Stunde. An der Tankstelle dauert es wieder lang, bis die 180l Diesel in den beiden Tanks sind. Dann noch die Simkarten vom Februar rein, und bis die funktionieren und aufgeladen sind, dauert es wieder. Diesmal nehme wir Aweh Data 30, 25GB Daten für einen Monat. 8:30 geht es weiter. 13:30 in Mariental. Zuerst zu Toyota, um neue Keilriemen zu kaufen, dann zum Spar. Die Auswahl an Fleisch dort ist gering, und alles aufgetaut. Also zum Metzger Ry & Kry, und in Zukunft werde ich für Fleisch immer hierhin und nicht zum Spar gehen. Unser Engel wird geladen mit: 2 Hähnchen, 2x Hähnchenteile, 12 Lamb Cops, 4 Schweinerücken, 8 x Steaks (verschiedene Sorten), Springbok und Gemsbok. Alles bereits gefroren. Passt alles gerade so in den Campinggefrierer rein plus ein Brot und Kühlelemente. 14:30 weiter. Bei Rehoboth dann noch getankt und bei Agri Mark einen 25l Dieselkanister gekauft. 18:30 beim Campingplatz Monteiro vor Windhoek. Morgen geht es weiter, die nächsten 2 Nächte werden unter einem riesigen Boabab in Nyae Nyae sein!
Hallo aus Ritter-Sport-City 😉 , und danke für die Förderung unseres wichtigsten Wirtschaftszweigs 😄 . Den Campingplatz Monteiro gibt es also noch. Ich bin gespannt, was du darüber berichtest.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201708. Mai 2024 · #7
Dienstag 7. Mai Gerade sitze ich unter einem riesigen Boabab in Nyae Nyae und mache eine Pause vom Proposal Schreiben, um den letzten Tag zusammenzufassen. Wir sind um 5:00 aufgestanden. Frühsport mit der App „Home Workout“, Kaffee gekocht, dann um 6:00 los. Im Dunkeln fahren wir am leuchtenden Windhoek vorbei, Richtung Norden. Bei Okahandja geht um 7:15 die Sonne auf. Um 9:00 in Otjiwarango kaufen wir beim gut bestückten Spar noch ein paar Kleinigkeiten. In Grootfontein nochmals tanken. Dabei sehen wir, dass der linke Hinterreifen stark abgefahren ist. Ist beschließe, ihn noch drauf zu lassen und dann aber vor der Rückfahrt in gut 3 Wochen zu wechseln. Jetzt liegen ja nur noch wenige Kilometer Teerstraße vor uns, dann 200 km Gravel nach Tsumkwe, und dann gut 3 Wochen vor allem langsames Fahren in weichem Sand. Das sollte der Reifen doch noch schaffen.
Nun, sollte er nicht. Gut 10km vor Tsumkwe ist er geplatzt. Also wechseln, hab ja schon viele Reifen gewechselt. Aber die Radmuttern sind derart festgezogen, dass sie sich nicht lösen wollen. Wurden wohl mit der Maschine in Springbok gut festgemacht. Warum diese Idioten immer wieder auf die Idee kommen, das bei einem 4x4 machen zu dürfen? Wobei „Idee“ wohl mit „kein bisschen mitgedacht“ zu übersetzen ist. Auch auf den Radspanner stehen und langsam hüpfen bringt nicht viel. Wobei: Der Spanner beginnt sich zu verbiegen! Bald hält ein Bakkie an und die zwei Arbeiter helfen uns. Einer hält den Spanner, einer hüpft langsam hoch und runter. Der Spanner verbiegt sich mehr, doch langsam löst sich eine Radmutter nach der anderen. Langsam! Nach 30 Minuten sind dann aber doch alle lose, die Arbeiter fahren weiter, und ich wechsle den Reifen. Morgen muss ich unbedingt alle Radmuttern kontrollieren, ob ich die alleine lösen kann!
Dann kommt Tsunkwe, wir fahren durch, und nach 15km oder so rechts ins Nyae Nyae Conservancy rein. Erstmal anhalten und den Reifendruck runter. Um 15:45 sind wir bei dem uns wohlbekannten Buschmanndorf, zu dem der Campingplatz Djokhoe gehört. Wir melden uns an und wir haben ein paar gebrauchte Kleidungsstücke von der Station dabei, die wir gegen Handarbeit eintauschen. Wir legen alles neben den Land Cruiser und jeder darf sich nehmen, was sie will, wenn wir eine Kleinigkeit dafür bekommen. Was wir bekommen, ist uns egal, aber wir wollen nicht, dass es einfach eine milde Gabe an die armen Buschmänner ist, sondern ein Tausch im gegenseitigen Respekt. Und die Menschen sind an den Kleidungsstücken sehr interessiert. Lindelani verteilt derweil Smarties an die Kinder. Es sind sehr viele Leute zum Land Rover gekommen, aber die Menschen sind sehr nett und höflich, niemals aufdringlich. Es ist eine angenehme Atmosphäre.
Dann fahren wir weiter zum schönen Campingplatz unter einem riesigen Boabab. Wir bauen das Camp auf und fangen an zu arbeiten. Lindelani an zwei Abschnitten für einen populärwissenschaftlichen Artikel über „The Evolution of Solitary Living“ in The Conservation. Ich an einem populärwissenschaftlichen Artikel über Buschkarooratten für Eliomys, dem Mitteilungsblatt der Bundesarbeitsgruppe für Kleinsäuger. Beides leichte Arbeiten für einen guten Anfang. Um 18:00 kamen dann die Buschmänner vorbei und brachten Feuerholz und wir zahlten für das Camping, sehr bescheidene 70 Dollar pro Person und Nacht. Und dafür diese unglaubliche Ruhe unter diesem bombastischen Baum! Die Sonne (und damit unsere Solarenergie; dazu später mal mehr) war inzwischen weg, wir packten die Computer ein, machten Feuer, und braaiten 4 herrliche Lamb Chops, bevor es um 20:00 ins Zelt ging.
Radmuttern: Hatten wir auch schon. Was geholfen hat: die Hubstange vom Hi-lift kann man abmachen, und über das Radkreuz schieben. Dann hat man einen großen Hebel, und kann besser drücken, und auch "sanfter" als auf das Radkreuz zu springen.
Wie macht Ihr das eigentlich mit den Laptops und dem Lichteinfall tagsüber, so wie sie bei Euch auf den Tischen stehen? Ich hab da immer Riesenprobleme. Bin schon mit ner Decke über dem Kopf dagesessen.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201708. Mai 2024 · #9
pollux schrieb:Radmuttern: Hatten wir auch schon. Was geholfen hat: die Hubstange vom Hi-lift kann man abmachen, und über das Radkreuz schieben. Dann hat man einen großen Hebel, und kann besser drücken, und auch "sanfter" als auf das Radkreuz zu springen.
Mit dem Highlift Jack hatten wir auch versucht, das Radkreuz zu drehen, ging aber nicht. Aber den Hebel zu nehmen und das Radkreuz dort reinzuschieben, um einen besseren Hebel zu haben, klingt vernünftig. Beim Spanner für den Hilux kann man ja den Hebel verlängern.
pollux schrieb: Wie macht Ihr das eigentlich mit den Laptops und dem Lichteinfall tagsüber, so wie sie bei Euch auf den Tischen stehen? Ich hab da immer Riesenprobleme. Bin schon mit ner Decke über dem Kopf dagesessen.
Wir haben keine Probleme. Liegt vielleicht am besseren Bildschirm des Laptops von der Arbeit als von zu Hause. Oder einfach weil es jetzt Spätherbst ist und die Sonne weniger intensiv. Wir haben auch noch externe Laptopbildschirme dabei, bei denen es noch besser geht.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201709. Mai 2024 · #10
Mittwoch 8. Mai 6:00 aufgestanden, Frühsport, Kaffee. Um 6:45 angefangen zu arbeiten. Sonnenaufgang um 7:00. Wir haben den ganzen Morgen und Vormittage gearbeitet, ich an einem Proposal: Abstract neu geschrieben, eine Abbildung gemacht, Einleitung. Lindelani an einem Paper, Struktur der Einleitung, 2 Absätze. Zudem löste sie ein coding Problem in R, wodurch ihre statistische Datenanalyse zum temporalen Overlapp der Habitatnutzung bei Buschkarooratten nun fast fertig ist. Ein paar Pausen zum Lesen. Zum Frühstück gab es Nutellabrote. Um 11:45 fuhren wir dann den Boabab Trail und zu den Salzpfannen. Einige Kudus und ein Gnu gab es zu sehen. An der ersten Salzpfanne auch einen schönen Elefantenbullen, der nicht weit weg von der Rinderherde an einem Wasserloch trank. Obwohl die Regenzeit gerade vorbei ist, ist es sehr trocken. In den Pfannen gibt es gar kein Wasser, und somit auch keine Wasservögel. 2022 hatten wir Anfang Oktober viele Flamingos gesehen und es gab sogar zwei Flußpferde. Was aus denen wohl geworden ist? Um 15:00 zurück im Camp, wieder die Laptops auf. Ich arbeite 1 Stunde am Budget des Proposals, dann eine Stunde am Artikel für die Bundesarbeitsgruppe für Kleinsäuger BAG. Gegen 17:45 hören wir auf, machen Feuer. Das Wasser in der Solardusche wurde sehr warm, wobei wir es dann in den Duscheimer umfüllten, den es hier im Camp gibt. Gegrillt werden zwei herrliche Tbone Steaks. Dann noch in Ruhe lesen bis 21:00. Ich lese das Buch „Dreaming of Lions“ von Elisabteh Marshall Thomas, die als junge Frau mit ihren Eltern in Nyae Nyae war, um die Buschmänner zu studieren.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201709. Mai 2024 · #11
Die Stromversorgung Zur Stromversorgung haben wir zwei Solarpanels, jedes 220W. Das liefert also mehr als genug Strom für zwei Laptops und den Engel Campinggefrierer, selbst wenn wir nicht fahren, und obwohl die Tage nun kurz sind. Zumindest hoffen wir das! Eines ist auf dem Zelt montiert. D.h. wir müssen das Zelt offen haben und das Auto 1x am Tag umparken. Somit steht das Auto auch immer in der Sonne, was jetzt im Winter aber kein Problem ist. Das zweite Panel ist lose und hängt während der Fahrt hinten im Auto mit dem Tisch unter dem Dach. Es wird bei der Batterie eingesteckt und kann dann in die Sonne gestellt werden. Ich habe zwei Kabel, 5 Meter und 10 Meter, die aber auch zusammengesteckt werden können. Auf anderen Touren im Sommer, wenn wir mehr fahren und dadurch die Batterie laden und in den Pausen lesen anstatt zu arbeiten, parken wir das Auto im Schatten und nur dieses Panel versorgt die Batterie. Gespeist wird damit eine 108Ah Lithiumbatterie hinten im Auto. Der Engel ist daneben und wird direkt von der Batterie versorgt. Hinter der Rückbank ist ein 500W Inverter installiert, der mit der Lithiumbatterie verbunden ist und mehrere Steckdosen speist. In diese haben wir eine 25 Meter Kabeltrommel gesteckt, die uns den Strom für die Laptops liefert. Das System sollte stark genug sein für unser Unternehmen, trotzdem checke ich regelmäßig die Batterie mit dem Voltmeter. Und wir versuchen, nicht an den Laptops zu arbeiten, wenn es keinen Solarstrom gibt, also nur zwischen 7:00 und 18:00. (Wobei ich heute um 6:30 angefangen habe).
BOBoHoCat22 Beiträge · seit 202209. Mai 2024 · #12
Moin Carsten, Ich habe dir eine PM geschrieben
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201709. Mai 2024 · #13
Also eins kann ich schon mal sagen: Die Elefanten sind zurück, Khaudum ist wie immer in der Trockenzeit voll von den Dickhäutern! Als ich 2020 Anfang Februar hier war, sah ich in 5 Tagen nur 2 Elefanten, weil die dann in den Caprivi und Angola ziehen. Wann genau die zurück kommen, weiss ich nicht. aber jetzt sind alle da.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201710. Mai 2024 · #14
Donnerstag 9. Mai 5:30 aufgestanden, Frühsport, Kaffee. Um 6:15 angefangen zu arbeiten, für zweieinhalb Stunden. Lindelani hat ihren Code gekrackt und kann nun die letzten Analysen für ihr nächstes Paper machen. Ich habe die erste Version vom Workpacke 1 meines Proposals geschrieben. Dann um 8:45 das Camp abgebaut und nach Tsumkwe: Tanken, Eis bei der Lodge kaufen, Brot im Ort, und dann war ich noch beim lokalen Reifen Guy, der mit starkem Spanner plus Eisenrohr für starken Hebel die Radmuttern gelöst hat, die ich dann selber mit meinem Spanner wieder festgezogen habe. Gegen 11:00 waren wir dann am Gate von Khaudum. Heute waren wir die ersten und die letzten Tage kam manchmal niemand, manchmal eine Gruppe von 1 bis 3 Autos. In Tsumkwe hatte ich ein Auto des Save the Rhino Trusts gesehen, die ja eigentlich in Damaraland aktiv sind. Am Gate von Khaudum bestätigte man mir meine Vermutung: Letztes Jahr wurden einige Spitzmaulnashörner aus Etosha in Khaudum ausgesetzt. Bei dem Dickicht hier wird man die aber ziemlich sicher nicht zu Gesicht bekommen. Um 11:30 waren wir dann beim Wasserloch Tsoanafontein. Solarpanel raus, Tisch auf der Plattform ausgeklappt, die Laptops auch, und vom Auto aus das Verlängerungskabel hochgerollt. So konnten wir 1 ½ Stunden weiterarbeiten. Am Wasserloch war eine kleine Elefantenherde, und während unserer Arbeit kamen zwei weitere Herden hinzu. Es ist immer schön zu sehen, wie die ankommenden Tiere erst ihre Rüssel heben, um zu riechen, wer schon da ist, und vor allem die Jungen irgendwann anfangen, zu rennen, weil sie das Wasser riechen. Nach dem Trinken an der Quelle gingen sie dann zum Bad. Außer Elefanten waren noch Warzenschweine da und ein paar Kudus. Kurz vor 13:00 brachen wir dann auf: Soncana mit über 50 Elefanten, Omuramba mit Elefanten, Dussi mit 85 Elefanten, Tari Kora mit 105 Elefanten plus einer großen Elefantenherde die noch dazu kam, Leeupan mit Elefanten, Doringstraat mit Roans, dann um 16:30 in Khaudum Camp. Auf dem Weg haben wir wenige Roan gesehen, eine Herde Gnus, sehr viele Kudus, und eine Herde Giraffen. In der Ebene von Khaudum einschließlich des dortigen Wasserloches gab es neben Elefanten viele Warzenschweine, ein paar Kudus und Roans, sowie zwei Gnuherden. Wir sind die einzigen Touristen in Khaudum Camp und konnten – wie immer – das Camp 2 nehmen. Eigentlich ist es für größere Gruppen bestimmt, aber ich nehme immer dieses Camp, weil es eine Betonplattform hat mit langer Beistellbar und Schatten. Auf und unter diese Bar kamen alle unsere Sachen wie Proviant, Getränke, Taschen, Yogamatten und Matratzen (für den Mittagsschlaf). Auf der Betonplattform bauten wir unsere drei Tische auf: Für jeden einen zum Arbeiten und ein Beistelltisch. Von hier haben wir eine herrliche Aussicht auf das Tal vor uns mit seiner Grasebene, den darin zum / vom Wasserloch entlangziehenden Elefanten und anderen Tieren. Der Mann am Office konnte gar nicht glauben, dass wir 6 Tage bleiben. Ich sah im Buch zur Registrierung, dass die meisten 1 oder 2 Nächte bleiben, ein paar 3. Ich musste mehr als ein Jahr zurückblättern, um jemanden zu finden, der 4 Nächte geblieben war. So sind wir sicher eine Art Rekordhalter für ein paar Jahre. Zumal unser zweiter Aufenthalt hier (nach Versorgungsfahrt nach Tsumkwe in einer Woche) noch länger werden soll.
freshy3'883 Beiträge · seit 201110. Mai 2024 · #15
Homeoffice mit Blick auf Wasserloch mit ElefANTEN - sachma kriegst du dafür wirklich Geld 🤪 . Ich wusste schon immer, dass ich den falschen Beruf hatte!
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201711. Mai 2024 · #16
freshy schrieb:Homeoffice mit Blick auf Wasserloch mit ElefANTEN - sachma kriegst du dafür wirklich Geld 🤪 . Ich wusste schon immer, dass ich den falschen Beruf hatte!
Kein bisschen neidisch 😕 freshy
Nun, ich arbeite ja, und das effektiver und produktiver, als wenn ich am Institut sitzen würde. Und auch die Fahrten werden benutzt, z.B. um Experimente zu entwerfen oder die Struktur einer Publikation zu besprechen.
Wobei ich nur den Flug erstattet bekomme und die restlichen Kosten selbts tragen muss. Da es eine Dienstreise ist, kann ich die aber von der Steuer abziehen.
Sehe gerade zwei Gnuherden unten in der Ebene, Elefanten am Wasserloch, die Frankoline rennen am Camp herum. Das ist natürlich ein Privileg, unter solchen Umständen arbeiten zu dürfen. Aber man muss sich diese Feiheit auch nehmen und wissen, wie man sie organisiert und dann beweisen, dass es produktiv ist.
Trotzdem würde ich niemanden raten, in die Wisenschaft zu gehen, denn der Weg ist zu stressig und lange ohne Sicherheit. Mitte 40 bekommt man vielleicht eine feste Stelle, oder nie was Richtiges. Und meist hört der Stress dann nicht auf.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201711. Mai 2024 · #17
Freitag 10. Mai Nachts raschelte und krachte es laut im Gebüsch um uns herum: Die Elefanten waren ganz nahe auf Nahrungssuche. Wir sahen sie aber nicht, auch wenn sie sicher weniger als 30 Meter entfernt waren. Nach dem Morgensport und Morgenkaffe, als dann langsam die Sonne aufging, sahen wir sie aber direkt neben dem Camp, eine kleine Herde wie sie Futter suchte. Die Tiere waren etwas scheu und entfernten sich schnellen Schrittes, als wir uns ihnen etwas näherten für bessere Fotos (immer den Ablution Block zwischen ihnen uns uns).
Donnerstagnachmittag hatten wir bereits das Camp aufgebaut, d.h. unser Gepäck und Proviant auf dem Podest bei der Bar untergebracht. Wobei Bar vielleicht der falsche Begriff ist: Ein langer Beistelltisch trifft es besser. Unser drei Tische standen auch schon, einer für jeden für uns und unser eigener kleiner Beistelltisch für Essen und Küche. Die Tische folgten nun den Tag lang dem Schatten, wobei in der ersten Tageshälfte fast keiner da war. Also spannten wir ein mitgebrachtes Shade Cloth, und hatten nun permanent Schatten und musste die Tische nur noch wenig während des Tages verstellen. Wir arbeiteten konzentriert an unseren Computern von 7:00 bis 9:00, bei herrlicher Aussicht auf die Ebene und das etwas weiter entfernte Wasserloch, wo immer was los war. Elefanten waren eigentlich ständig da, und kleine Herden von ihnen zogen dorthin und wieder weg. Zwei Gnuherden scheinen hier zu wohnen, eine rechts und eine links vom Wasserloch. Ab und zu sieht man recht große Gruppen Kudus und auch einige Roans. Und natürlich sind immer irgendwo irgendwelche Warenschweine. Das Vogelleben am Camp ist hingegen wenig beeindruckend.
Um 9:00 machten wir dann einen Game Drive als Pause. Klar, früh morgens wäre das sinnvoller. Aber unser Sinn hier ist das wissenschaftliche Schreiben, da müssen die Game Drives dann eingebaut werden, wenn sie passen. Und nach zwei Stunden konzentrierten Schreibens braucht es eine Pause. Und auf den Fahrten besprechen wir, was wir in den 2 Stunden davor geschrieben haben, und kommen dann meist mit neuen Ideen und einem bereits im Kopf fertig gestellten zusätzlichen Paragraphen zurück. Wir fuhren vom Camp links den Omuramba entlang, dann rechts hoch zum nächsten, diesen ein Stück weiter nach Norden, dann zurück, und über die Hügel zurück zum Camp. Es gab nichts Besonderes zu sehen aber viel zu Reden. Darunter das wir dummer- und unverständlicher Weise beide (!) Grills in Springbok gelassen hatten, die normaler Weise im Auto sind. Beim Camp angekommen füllten wir zuerst unseren Wassertank im Auto auf und bekamen Gott sei Dank auch einen Grillstand. Dann wieder 1 ½ Stunden konzentriert schreiben. Zum Mittagessen gab es einfach Nutellabrote. Mittags schrieben wir an anderen Projekten, einfacheren, für die man nicht so viel denken und nicht so kreativ sein muss. Dann machten wir noch eine zweite Sportpause, man sitzt hier ja nur rum, im Camp oder im Auto: Plank Challenge 15 Minuten, die ganz schön lange sind! Um 17:00 dann nochmals ein Game Drive, diesmal nach rechts die Flussebene entlang. Natürlich überall Elefanten, und dann der Höhepunkt des Tages: Eine Familie Hornraben (ground hornbill), die hier laut Roberst gar nicht vorkommen sollen! Sundowner dann am Wasserloch, wie immer natürlich mit Elefanten.
Zurück im Camp Feuer gemacht, denn heute wurde ein ganzes Huhn gegrillt, was natürlich ewig dauert. Während individueller Pausen tagsüber lesen wir drei Bücher: Eines zum Spaß (bei mir wie gesagt „Dreaming of Lions“), eines über wissenschaftliches Schreiben und das dritte über wissenschaftliches Time- und Projektmanagement. Von diesen beiden letzten Büchern besprechen wir jeden Abend jeweils in Kapitel, um uns fortzubilden. Während wir nicht weit entfernt die Hyänen heulen hören besprochen wir somit Deep Work und die SUCCES Formel für wissenschaftliche Artikel (Simples Unexpected Concrete Credible and Story) während das Hähnchen langsam vor sich hin brutzelte.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201711. Mai 2024 · #18
Internet, Klima und Vegetation Wir kamen ja nach Khaudum Camp, weil es hier unter dem Mobilfunkmasten guten Handyempfang gib. Und indem wir das Handy zum Hotspot machen, können wir dann auch am Computer ins Internet gehen. Wie mein Bericht hier im Namibiaforum zeigt, geht das auch ganz gut. Es ist aber nur 3G hier. Ausreichend für schnelle Internetrecherchen, z.B. Fachbegriffe oder wissenschaftliche Artikel nachschlagen, aber für WhatsApp Anrufe etc ist es nicht so geeignet. Überrascht war ich dieses Jahr in Nyae Nyae. 2022 hatten wir beim Djokhoe Campsite fast gar keinen Empfang. Dieses Jahr aber sehr guten, besser als in Khaudum Camp, da 4G. Da muss wohl in Tsumkwe in den letzten 2 Jahren der Handymast erneuert und verbessert worden sein. Es ist ja jetzt Spätherbst und sollte langsam kühler werden. Die ersten beiden Tage waren aber noch recht heiß, doch zum Glück nicht zu heiß zum Arbeiten. Nachts war es im Zelt angenehm warm, selbst bei offenem Fenster. Inzwischen ist es angenehmer geworden, tagsüber um die 30°C. Nachts wird es doch schon recht kühl bei 10°C und man muss sich fest einwickeln. Bald werden wir das Zelt wohl ganz zumachen müssen. Aber alles in allem ist das Wetter angenehm zum arbeiten. Bin mal gespannt, ob wir in den nächsten 2 Wochen noch eine Kälteperiode bekommen. Sonst hab ich ja meine ganzen langen Klamotten umsonst eingepackt. Es ist Anfang der Trockenzeit und wirklich schon sehr trocken. Es hat diese Regenzeit wohl nur halb so viel geregnet, wie im langjährigen Mittel. Abseits der großen Wasserlöcher gibt es fast kein Wasser. Die Straßen verstauben bereits. Das Gras steht zwar hoch, ist aber schon vertrocknet. Ich hatte erwartet, Khaudum wäre noch grün, aber das Braun dominiert schon. Aber wenn wir es mit den Bildern von Oktober 2022 vergleichen sehen wir schon, dass es im Vergleich dazu viel grüner ist und die Pflanzendecke in der Ebene viel dichter.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201712. Mai 2024 · #19
Samstag 11. Mai Es kommt der Alltag: 6:00 aufstehen, Frühsport, Kaffee. 7:00-9:00 Schreiben 9:00-10:30 Game Drive. Diesmal viele Giraffen gesehen. So weit im Norden sah ich die noch nie, sondern fast immer nur in dem Omuramba von Dussi nach Tari Kora. Dann sahen wir noch ein paar Elands als Highlight. 10:30-13:00 Schreiben 13:00 Mittagspause: Rest vom Hühnchen und Pap mit Chacalaka von gestern. 13:30-15:00 Schreiben 15:00 Mittagssport 15:30-17:00 ein bisschen Schreiben, aber vor allem Lesen. Elefanten besuchen das Camp. 17:00-18:15 Game Drive mit Sundowner am Wasserloch. Hier treffen wir Oliver, der andere Tourist, der 2 Tage in Khaudum Camp ist. Auch aus Deutschland, hat sich letztes Jahr in Kapstadt einen alten Land Cruiser für 50 000 Rand gekauft und dann alles neu gemacht, so dass er am Ende 1 Millionen Rand gekostet hat, und fährt damit jetzt jedes Jahr 1-2 Monate durch Afrika. Als wir zurück im Camp sind 19:00 Abendessen: Spätzle mit Rahmsoße und Springbok Geschnetzeltem. 19:30 Besprechung von 2 Buchkapiteln, Lesen. 21:00 Ins Zelt.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201713. Mai 2024 · #20
Sonntag 12. Mai Heute war offiziell Ruhetag, d.h. kein Schreiben geplant. Aber auch nicht verboten! Aber da das Schreiben keine Vorfahrt hatte, hatten es die Game Drives! Um 6:30 also losgefahren, um am nahe gelegenen Wasserloch den Sonnenaufgang zu genießen. Vom Camp aus war der Sonnenaufgang herrlich schön in den verschiedensten Oranges. Aber am Wasserloch waren es nur schwache Farben, auch waren keine Tiere da. Ich erkundete das Becken, wo frisches Wasser rauskommen soll und immer die Elefanten stehen: Leer! Wird wohl irgendwie mit Solar betrieben (hier unten sind keine Panels zu sehen), weshalb morgens niemand da ist, aber dann während des ganzen Tages die Tiere kommen. Frustriert stieg ich wieder in den Cruiser ein: Und dafür hatte ich im Camp Stress gemacht, dass wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang da sind? Hoffentlich würden wir wenigstens auf der holprigen Straße Richtung Süden nach Leeupan etwas sehen, aber wer weiß das schon. Es sollte nicht so kommen. Denn als wir 100 Meter vom Wasserloch weg waren, sah ich plötzlich charakteristische Silhouetten im Gras: Löwen! Im frühen Morgengrauen fanden wir ein kleines Rudel von sechs Löwen, ein Männchen und fünf kleine Weibchen und Juvenile, an einem Gnuriss!
Die Dichte an Löwen ist in Khaudum sehr gering, es gibt wenige Rudel (2-5, je nach Quelle), dafür ist der Busch umso dichter, und Löwensichtungen sind daher eine Rarität. Auch waren die Löwen im Vergleich zu ihren zahlreichen Artgenossen in der Kalahari oder Etosha recht schreckhaft und liefen erstmal davon. Vom Männchen haben wir nicht viel gesehen, aber die Weibchen kamen wieder zurück und ließen sich dann doch in Ruhe fotografieren. Wir blieben gut eine halbe Stunde, aber das Männchen kam nicht zurück. Vielleicht später? Also fuhren wir die 5 Minuten zurück ins Camp, um zu Frühstücken. Auch gaben wir dem anderen Touristen – Oliver - Bescheid, der gerade am Frühstücken war, dann aber bald losfuhr, um sich die Löwen nicht entgehen zu lassen. Eine halbe Stunde später waren wir wieder zurück bei den Löwen, aber dort hatte sich nichts getan und das Männchen war nicht wieder aufgetaucht. Also machten wir uns auf die eigentlich für heute geplante Tour runter in den Süden nach Leeupan. Als erstes kamen wir aber bei Dooringstraat an. Viel los war an diesem Wasserloch nicht, aber es gab einen großen Schwarm Rüppellppageien, die sich auch gut fotografieren liesen. Dann rechts abgebogen und 30 Minuten später beim Wasserloch Tsau, wo Roans schön dastanden. Nochmals Kaffee gekocht, und nochmals 30 Minuten später waren wir bei Leeupan, meinem Lieblingswasserloch in Khaudum.
Hier packte uns der Eifer und wir packten Tisch und Laptops aus, um in Ruhe etwas zu arbeiten. Tatsächlich bekam ich hier in den zwei Stunden meine Hauptarbeit fertig, die ich für Montag und Dienstagmorgen geplant hatte. Dabei sahen wir manch interessantes am Wasserloch, z.B. einen Fischadler und einen Schikrasperber. Da man oben auf der Plattform alles in der prallen Sonne war, hatten wir den Tisch unten neben der Plattform aufgebaut, in deren Schatten. Plötzlich meinte Lindelani, ich solle mich leise umdrehen: 30 Meter entfernt stand ein Elefantenbulle, der uns anschaute. Er war auf dem Weg zum Wasserloch und der Elefantenpfad führte keine 20 Meter von uns entfernt vorbei. Er war etwas unschlüssig, wanderte dann aber schnurstracks an uns vorbei. 10 Minuten später kamen noch ein paar Elefanten, dann eine ganze Herde, die ebenfalls erst vorsichtig stehen blieb, bevor sie an uns vorbeilief. Wir blieben ruhig sitzen und filmten, waren aber nicht ganz ruhig sondern sprachen miteinander. Einerseits wollten wir die Tiere nicht durch hektische Bewegungen aufschrecken, andrerseits sollten sie wissen, dass wir da sind und man ruhig an uns vorbeilaufen kann. Dass die Treppe zur Plattform direkt hinter uns war, gab uns etwas Sicherheit. Tatsächlich standen der Tisch und unsere Stühle so, dass sie – aus Sicht der Elefanten – wohl eine Einheit mit der Plattform bildeten.
Auf jeden Fall hatte ich heute wohl das beste Büro der Welt!!!
Gegen 12:00 packten wir zusammen und fuhren zurück. Die Löwen sahen wir nicht mehr. 13:00 am Camp. Ich kletterte unter den Cruiser, hier unten sah alles gut aus, aber ich entfernte große Mengen sehr trockenen feinen Grases, dass sich überall festgesetzt hatte. Dann Wäsche waschen, wofür es im Camp ein passendes Waschbecken gib, in dem die Wäsche schon seit letzter Nacht eingeweicht war. Nun kam noch die dazu, mit der ich unter dem Cruiser lag. 14:30 Mittagessen, die restliche Soße mit Spätzle. Dann lesen. Eine große Gruppe Meerkatzen streift durchs unbesetzte Nachbarcamp, war aber (zum Glück) sehr scheu. Auch einen Kudu sehen wir neben dem Camp. 16:00 fuhren wir zum Wasserloch und lasen dort. Viel Aufregendes gab es nicht zu sehen, aber zwei Starrbrust-Pelomedusen (marsh terrapins), also Wasserschildkröten, kamen vom über 100 Meter von uns entfernten Wasserloch auf uns zugekrabbelt, warum auch immer. Zudem sahen wir auf einer Roan mehrere Rotschnabelmadenhacker, die laut Roberts hier nicht vorkommen sollten, die wir aber bereits 2022 hier gesehen hatten.
Der Rest des Abends verlief ohne Besonderheiten, es gab Schweinhals und Hähnchen mit Pap und Chakalaka.