GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201612. Apr. 2024 ·
Vumba
Mit neuem Kühlschrank geht’s für uns weiter nach Vumba. Erster geplanter Zwischenstop, Tony’s coffee shop. Ein typisches Beispiel dafür, wie konträr Simbabwe doch vielerorts ist. Staunend betreten wir den wunderschönen Garten mit unzähligen blühenden Blumen, Springbrunnen, und manikürtem Rasen; auch die Hauskatze ist da. Als der Tisch unter dem Schattenbaum frei wird, werfen wir einen Blick in die Karte, und entscheiden uns für chocolate-nut-tart (Chris), und Vienna-coffee-cake (ich), zwei hausgemachte Limonaden, und Kaffee. Und wir staunen noch mehr als serviert wird. Auf edlem Porzellan ruhen unsere Torten, an ihren Seiten geschlagenes Obers, dekoriert mit Blüten. Kurz denke ich, wie passend wäre doch hier ein langes, hochgeschlossenes Sommerkleid, Spitzenhandschuhe, und üppig drapierter Hut. Egal, es schmeckt auch in Shorts und T-Shirt umwerfend gut! Tony trägt als unterhaltsamer Gastgeber sein Übriges zum Wohlfühlen hier bei. Unserer Meinung nach ein must-do in dieser Gegend; geöffnet Mi-So 10-17:00
Frisch gestärkt erreichen wir unser eigentliches Ziel, den Vumba Botanical Garden, wo wir campen wollen. Da es auch hier nachts empfindlich kalt werden kann, und weil wir nun bereits ausreichend Erfahrung mit ZIMParks campsites haben, verhandeln wir am gate wieder aus, zuerst schauen, dann bezahlen. Die campsite liegt nett mit tollem Ausblick, aber, ihr könnt es euch bereits denken, wieder gibt es im Sanitärhäuschen kein Wasser, alles ist heruntergekommen und es stinkt nach (?).
Plan B: Ein Angestellter zeigt uns als Alternative eines der cottages. Das zweite wäre noch, under maintenance, aber dieses hier ist super. Knarrend öffnet sich die Tür. Mein erster Blick gilt der Deckenkonstruktion, die teilweise bedrohnlich herunterhängt. Es ist stockdunkel und riecht total muffig. Der Angestellte öffnet die schweren Vorhänge, das hätte er besser nicht getan! Schon wieder ein in Plastikfolie verpacktes Bett, diesmal zur Gänze, die restliche Einrichtung bunt zusammengewürfelt, defekt, bestimmt mindestens aus den 70ern, und im Bad, richtig, Plastikkübeln mit Wasser gefüllt. Wir drehen auf dem Absatz um, bedanken uns,und fahren wieder. Fotos habe ich keine gemacht… Den botanischen Garten selbst, wollen wir uns morgen ansehen.
Plan C: iOverlander empfiehlt die Madrugada Lodge; sehen wir uns an, beschließen wir. T4A kennt diese Unterkunft nicht, und mit iOverlander landen wir bei Seldomseen, und werden dann aufgefordert die Straße zu verlassen, es wären noch 200 Meter zu Fuß… Eine Angestellte erklärt uns, dass hier schon einige gestrandet wären, und die Madrugada Lodge sei nur von der anderen Bergseite mit dem Auto erreichbar. Dort angekommen, stehen wir vor zwei schönen, großen, und ein paar kleineren Häusern in einem gepflegten Garten. Es ist niemand daheim. Wir rufen Roger, den Besitzer, an, der verspricht in 30 Minuten da zu sein. Wir machen es uns einstweilen mit Savana auf der Terrasse eines der Häuser gemütlich; wie sich später herausstellt, ist es Rogers eigenes Haus… Roger war früher für die Finanzen einer großen Firma in Harare zuständig, und hat in seiner Freizeit ein Haus nach dem anderen hier selbst, mit nur wenigen Helfern, gebaut. Irgendwann wollte er nicht mehr in der Großstadt leben, und betreibt hier nun eine Lodge, ausschließlich für Selbstversorger. Auf dem Rasen vor Rogers Haus darf man auch campen. (U$ 10) Er zeigt uns das zweite große Haus, das schräg hinter seinem steht. Es besteht aus einem Erdgeschoß, und zwei weiteren Stockwerken. In jedem Geschoß gibt es mehrere Schlafzimmer, insges. 5, und Bäder, sowie eine Terrasse, im untersten auch eine Küche, einen Wohnbereich, und einen offenen Kamin. Roger möchte pro Person und Nacht nur U$ 30, obwohl wir das gesamte Haus nutzen dürfen, und empfiehlt dringend, ja nicht den Sonnenaufgang zu versäumen!
Um 5:30 klingelt der Wecker. Ich mache im Erdgeschoß Kaffee, trage alles auf die Terrasse im 1. Stock, und wecke Chris gerade noch rechtzeitig, denn was wir jetzt zu sehen bekommen, ist atemberaubend schön! Alles ist in orangefarbiges Licht getaucht, in den Tälern liegen kleine Nebelseen, und man sieht über den Chicamba Stausee bis weit nach Mosambik hinein.
wir hatten in Lima auch mal ein Zimmer mit Bett mit Plastiküberzug. Ohne Fenster, auch alles recht muffig, der betonierte "Whirlpool" abschreckend. Die Empfehlung war aus einem deutschen Reiseführer gewesen, der wohl nicht so gut recherchiert war. Der Taxifahrer am nächsten Tag hat sich kaputtgelacht, wir waren in einem Stundenhotel gelandet gewesen 😄
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201614. Apr. 2024 ·
Vumba, Teil 2
Nun ist es Zeit für etwas Bewegung. Roger verrät uns den Weg zum Chinamata Wasserfall, und auch, dass es 200 Stufen hinunterzuklettern gilt. Will man auch zurück, macht das gesamt 400 Stufen; gerade richtig für etwas Morgensport. Und nein, hier bezahlt man keine Eintrittsgebühr.
Danach meldet sich der Hunger bei uns, und wir beschließen dagegen etwas im Leopard Rock Hotel zu unternehmen. Die angesehene und wohlhabende Familie Seymour-Smiths, baute sich hier 1946 auf einem Granitfelsen, The Leopard Rock, ein kleines Schlösschen, The Vumba Castle. Nach dem 2. Weltkrieg beschlossen Leslie Seymour-Smiths und seine Frau Ann, hier auch ein Hotel zu bauen, was durch den Materialmangel zu jener Zeit, kein einfaches Unterfangen war. Zwei Jahre später stand das Leopard Rock Hotel. Selbst Königin Elizabeth II, war hier 1953 zu Besuch. Das Schlösschen, wie auch das Hotel, hatten seither unterschiedliche und wechselnde Eigentümer. 1993 wurde das Hotel in rosa gestrichen. Seit 2012 gehören Schlösschen und Hotel wieder zusammen. Die dzt Besitzer, Cambria Africa, eine Investorengruppe der Samir Shasha vorsteht.
Wir erklimmen die Stufen zur Hotelterrasse, als uns beißender Geruch entgegenschlägt. Man hat den Terrassenboden neu gestrichen, der jetzt in der heißen Sonne vor sich hindampft, stinkt, und die Schuhe daran kleben lässt. Wir sind die einzigen Gäste, und wählen einen Tisch unter einem Sonnenschirm. Das Tischtuch offenbart, fleckig und verschlissen, dieser Ort hat schon bessere Zeiten erlebt. Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben haben, gesellt sich zum Lackgeruch, einer aus der Küche, der die Note, altes Frittieröl, trägt. Entsprechend unterdurchschnittlich, ist dann Chris Burger und mein Salat mit Hühnerstreifen. Beim Bezahlen frage ich die Kellnerin wann dieses Hotel erbaut wurde. Around 80 something, … ah ja … da machen wir uns doch lieber selbst auf Entdeckungstour. All die Prominenz die hier schon zu Gast war, ist auf unzähligen Fotos, die in den Gängen aufgehängt sind, abgebildet. Aus der neueren Zeit, sind ausschließlich lokale Größen zu sehen. Es gibt eine, im damals typischen Stil eingerichtete Bar, mehrere Kaminzimmer, einen Speisesaal, und eine hohe Empfangshalle, mit Blick auf einen riesigen, alten Feigenbaum. Von dort führt eine Treppe nach unten, wo es stockdunkel ist. Der Schein unserer Handytaschenlampen offenbart einen sehr großen Raum, an dessen Ende alte Casinoeinrichtung aufeinandergestampelt gelagert ist. Guten Tag, kann ich ihnen helfen?, fragt ein gut trainierter, großer Mann im Anzug, der plötzlich hinter uns steht. Er erzählt, dass das hier früher das Casino war, es aber bereits lange geschlossen sei, und einige weitere Details über das Hotel. Wir haben genug gesehen, bedanken uns bei dem Unbekannten, der offenbar froh ist, uns neugierige Touristen wieder los zu sein.
Für den mittäglichen Kaffeegenuss entscheiden wir uns gegen den Ort der unangenehmen Gerüche, und für den Hivu tea garden, an dem wir schon vorbeigefahren sind. Eine sehr freundliche junge Frau erklärt, dass sie zwei Kaffeesorten anzubieten habe; Leopard Forest, und eine Mischung, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Beide werden auf einer Plantage am gegenüberliegenden Berghang angebaut. Wir setzen uns an einen der Tische im Garten mit tollem Fernblick. Da wir uns nicht entscheiden können, nehmen wir beide Sorten, welche die junge Frau jeweils in einem plunger serviert. Die Blüten, die auch auf dem Tablett liegen, seien für die Freundschaft, strahlt sie. Welch Wohltat gegen die aufgesetzte und unangebrachte Schnöseligkeit des Leopard Rock Hotels! Der Kaffee schmeckt großartig und wir nehmen noch eine Packung für daheim mit.
Am gate des Vumba Botanical Garden bezahlen wir die ZIMParks-übliche Eintrittsgebühr von U$ 10 pP, und U$ 5 fürs Auto. Ab dem Parkplatz geht es zu Fuß weiter. Das Herzstück der Anlage bildet ein Teich, den auch schon lange niemand mehr gepflegt hat. Der ehemalige, hier ansässige tea garden, eine jetzt verwahrloste Baracke. Viele Büsche und Blumen von Unkraut überwuchert. Wir setzen uns auf eine Steinbank und philosophieren, wie schön es hier früher einmal gewesen sein muss, als dieser Ort noch mit Sorgfalt behandelt wurde, und gut besucht war. Wie fast überall in Simbabwe, sind wir auch hier die einzigen Besucher.
Bei Roger verbringen wir noch eine weitere Nacht, genießen noch einmal den Sonenaufgang von der Terrasse im ersten Stock, bevor wir zu unserem nächsten Ziel nach Chimanimani aufbrechen.
Gruß Gina
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201615. Apr. 2024 ·
Chimanimani
Den ersten Teil unserer heutigen Strecke nach Chimanimani legen wir wieder abseits der Hauptverbindung zurück. Es sind viele Kinder zu Fuß zur Schule unterwegs; sie tragen je nach Alter und Schule unterschiedliche Uniformen. Was uns besonders auffällt, alle winken uns freundlich, sind begeistert hier Weiße zu sehen; kein einziges Kind bettelt oder verlangt nach sweeties.
Nach einer Weile erreichen wir eine umzäunte Ansiedlung. Ansich nichts besonderes, stünden die Rundhütten hier nicht alle in Reih und Glied. Unsere Neugierde ist geweckt, und wir halten am Einfahrtstor über dem zu lesen ist, New Jerusalem. Daneben eine Tafel mit den Verhaltensvorschriften, will man die Siedlung betreten. Alle Frauen hier tragen weiße, bodenlange Gewänder, ähnlich wie Nonnen, die Männer kakifarbige Shorts und Kurzarmhemden. Treffen Personen aufeinander, knien sie zur Begrüßung nieder; das tun sie auch, bevor sie eine der Hütten betreten. Komisch, was ist das hier? Wir steigen aus, und lesen die Vorschriftstafel, als einer der älteren Männer, der unser Interesse bemerkt hat, zu uns kommt, und fragt wie er helfen kann. Der Mann spricht kaum verständliches Englisch, und so schnappen wir nur einzelne Worte auf: Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch fänden hier Hilfe, man bete zu Jehova, aus ganz Simbabwe kämen Menschen hierher, die bisher an traditionelle Medizin geglaubt hätten, würden hier, in und mit Jehova ihr Heil finden. Ok gut, aber eher nichts für uns … wir danken dem Mann, und verabschieden uns. Später finden wir heraus, es handelt sich um eine Kirchen- und Heilergemeinschaft, ursprünglich 1954 von der Wunderheilerin Mai Chaza gegründet. https://en.wikipedia.org/wiki/Guta_raJehovah
Die Buchung der Farmhouse campsite in Chimanimani, stand bis zuletzt auf wackeligen Beinen. Hier hat man gegen Ende des Vorjahres ein Paar abends völlig überraschend überfallen, verletzt und ausgeraubt. Seither stand ich mit Tempe der Besitzerin der Farm, in regem Austausch über die Entwicklung die dieser Fall genommen hat. Die Polizei konnte zwischenzeitlich Täter festnehmen,die eine örtliche Tankstelle überfallen hatten, und man mutmaßt, dass es sich um die gleichen Täter handelt, die auch das Paar auf der Farm ausgeraubt haben, obwohl diese die Tat nie gestanden haben. Tempe hat einen Zaun um die campsite errichten lassen, der meiner Meinung nach niemanden abschrecken kann, und einen Nachtwächter beschäftigt, der über die campenden Gäste wachen soll. Nun gut, hier sind wir.
Da Tempe zur Zeit Urlaub in Mosambik macht, werden wir von Mildred, der Perle des Hauses, freundlich empfangen und zur campsite geleitet. Außerhalb des campsite- Zaunes ist Farmland, das sich Pferde, Schafe, Enten, Katzen, und Kühe teilen. Es gibt ein großes Dach unter dem sich zwei Räume befinden: ein Bad mit Dusche, Waschbecken, und separatem WC, sowie ein Abstellraum. Eine große Sitzecke samt Tisch aus Holz, und eine Spüle haben auch ihren Platz unter dem Dach. Es gibt Licht, und Steckdosen passend für europäische, südafrikanische, und simbabwische Stecker. Davor ein gemauerter Grill, eine Feuerstelle, und eine große Rasenfläche zum Abstellen der Camper. Alles ist sauber und gepflegt. Preis U$ 10 pP/T
Am Nachmittag wollen wir zum Bridal Veil Fall; der Wasserfall trägt seinen Namen wegen der optischen Ähnlichkeit zu einem wellenförmig fallenden Brautschleier. Davor müssen wir aber noch die Eintrittsgebühr für den Besuch im ZIMParks Büro in Chimanimani bezahlen. Ein heruntergekommenes Büro mit vergilbten Landkarten an der Wand, und einem jungen, freundlichen Mann, der sein computerloses Dasein hier beklagt.
Da Zyklon Idai auch hier großen Schaden angerichtet hat, musste die gesamte Zufahrtsstraße repariert werden, um sie wieder passierbar zu machen; hier wurde ganze Arbeit geleistet. Wir setzen uns auf eine Steinbank, gönnen uns Savana aus dem Kühlschrank, und bewundern das Wasser wie es von einem Felsvorsprung über den nächsten fällt, bis es unten im Becken anlangt.
Ein paar Schritte entfernt liegt die ZIMParks campsite malerisch am Bach den der Wasserfall speist. Die meisten der überdachten Lapas sind nach dem Zyklon noch nicht repariert, aber man könnte hier campen … wenn man keine wasserlosen sanitären Einrichtungen benötigt …
Um 18:30 stellt sich Kudo, der Nachtwächter, vor, der uns versichert, sehr gut auf uns aufzupassen. Dann dreht Kudo unermüdlich seine größeren und kleineren Runden um die campsite. Um 21:30 sehen wir den Schein seiner Taschenlampe zum letzten Mal. Entweder ist er selbst eingeschlafen, oder er hatte heute nur drei Stunden Dienst. 😗
Gruß Gina Fortsetzung Chimanimani folgt
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201616. Apr. 2024 ·
Chimanimani Teil 2
Pünktlich, wie vereinbart, stampft um 8:30 ein gut gelaunter Collen über die Kuhweide zu unserer campsite. Collen habe ich im Netz, auf der Suche nach einem lokalen Bergführer aufgespürt, und er war mir auf Anhieb sympatisch. Mit seinem Wollhauberl, in das, make love, eingehäkelt ist, seiner drahtigen Statur im ärmellosen Shirt, erinnert er optisch eher an einen Rasta, als an einen Bergführer. Wir besprechen kurz, dass wohl der Muohwa Wasserfall, und eine Felszeichnung in dessen Nähe, für uns eine geeignete, nicht zu lange Wanderung sei, gelegen im Chimanimani Nationalpark, Gebiet, The Corner.
Will man im Chimanimani NP wandern ist es verpflichtend, auch einen bewaffneten Ranger zu buchen, der die Wanderung begleitet. Also ruft Collen die Rangerstation The Corner an,und kündigt unser Kommen an. Collen hinterfragt noch, ob wir ausreichend Trinkwasser und einen Regenschutz dabei haben, bevor wir uns im Auto auf den Weg nach Norden machen.
Während der Fahrt erzählt Collen ein wenig über sich selbst. Er ist verheiratet, hat drei Kinder, die durch sein Einkommen alle zur Schule gehen können. Zudem ist er bekennender Regierungsgegner, da es seinen Grundsätzen widerspricht, nur parteitreue Menschen zu unterstützen, und die anderen in Armut und Hunger auf der Strecke zu lassen.
Wir biegen von der Teerstraße nach Osten, auf eine von Idai stark beschädigte Schotterstraße ab, die sich die Berghänge hinaufwindet. Nach einer Weile soll Chris anhalten, und wir steigen aus. Schaut euch dieses Land an, meint Collen mit einer ausladenden Handbewegung ins weite Tal unter uns. Früher waren das alles fruchtbare Felder und die Leute hatten Arbeit und etwas zu essen. Dann haben sie die Arbeitgeber enteignet und aus unserem Land vertrieben. Einigen wenigen Regierungstreuen haben sie erlaubt sich hier anzusiedeln, und was ist aus all den Ländereien geworden? Ein paar winzige Maisfelder legen sie rund um ihre Hütten an, mehr gibt’s nicht mehr. Und seht ihr das da drüben? Collen deutet auf eine Bergbauanlage. Hier werden illegal Diamanten abgebaut, mitten im Gebiet des Nationalparks. Es gibt keine Genehmigung dafür, trotzdem kommt fast täglich ein weißer Hubschrauber, der auf dem Gelände landet, die Diamanten abholt, und wieder wegfliegt. Nun wollen sie denen sogar noch mehr Land für ihren Raubbau geben,und die Leute die sich hier ansiedeln durften, wieder vertreiben; sie haben ihnen bereits ein Ultimatum für die Räumung ihrer Hütten gestellt. Der Schutz des Nationalparks, also der Schutz der Natur, ist der Regierung vollkommen gleichgültig, wenn es die Möglichkeit gibt, durch Schürfrechtsvergabe schnell an viel Geld zu kommen. Keine, der von Collen und seinen Kollegen eingebrachten Beschwerden, und keine Petition wurde jemals beantwortet.
An einer Weggabelung treffen wir auf unseren bewaffneten Ranger, den Collen angefordert hat. Nun, optisch eher jener Typ der nicht nein sagt, wenn man eine Extraportion vor ihn auf den Tisch stellt, als das, was man sich üblicherweise unter einem Ranger vorstellt. Na hoffentlich müssen wir vor nichts davonlaufen! Wir halten am Rande einer offenen Fläche, in deren Mitte sich ein ebenerdiges Gebäude befindet. Das wäre die ZIMParks campsite Chimanimani, und das Gebäude da, die sanitären Einrichtungen, die aber noch renoviert werden müssen, erklärt der Ranger, und fragt, ob wir sie sehen möchten. Danke, heute nicht, wir würden lieber gleich mit der Wanderung beginnen … 😗
Eine Weile gehen wir duch Büsche und hohes Gras, bis wir zu einer weitläufigen Felsformation kommen, die es nun hinuterzuklettern gilt. Insgeheim freue ich mich ein wenig, dass der Ranger dafür noch ein wenig länger braucht als ich. Schließlich hören wir bereits das Raschen des Wasserfalls. Noch ein paar weitere Felsen zu überklettern, und schon stehen wir vor dem wunderschönen Muohwa Fall. Wir setzen uns auf die Steine, und teilen unsere mitgebrachte Jause mit Collen und dem Ranger. Warum muss ich einen bewaffneten Ranger engagieren, wenn ich hier wandere, möchte ich von unserem Begleiter wissen, gibt es hier Tiere die uns gefährlich werden könnten? Nein, es wäre nicht wegen der Tiere, antwortet er, vielmehr sind es die illegalen Goldschürfer, die hier ihr Unwesen treiben, und werden sie aufgespürt, äußerst aggressiv reagieren würden. Hauptsächlich kämen sie aus Mosambik, welches bereits an der anderen Seite des Wasserfallbeckens liegt, aber auch aus Simbabwe selbst. Ob er gerne als Ranger für ZIMParks arbeite, möchte ich weiter wissen. Ja, er sei froh einen Job zu haben, und er würde auch sein Gehalt regelmäßig bekommen, obwohl dessen Höhe kaum zum Überleben reichen würde.
Nachdem wir uns gestärkt, und dem Wasserfall entsprechend lange unsere Bewunderung geschenkt haben, gehen wir weiter entlang seines Ablaufes. In der Ferne ist die von Bergen umgebene Mussapa Schlucht zu sehen, die bereits auf dem Staatsgebiet Mosambiks liegt.
Nun erreichen wir eine offene Graslandschaft, in der sich vereinzelt große Felsen befinden. An einem dieser Felsen ist eine Zeichnung zu erkennen, und wir alle raten, denn keiner weiß es, um welches Tier es sich hierbei handeln könnte. Wir sind uns einig, dass wir hier eine Antilopenart sehen, was aber das Gebilde davor darstellen soll, da gehen die Meinungen auseinander: zwei Fische?, eine Echse?, etwas Unbekanntes das es heute nicht mehr gibt?
Zurück beim Auto kramt der Ranger einen Quittungsblock aus seinem Rucksack. Macht U$ 10 pP an Eintrittsgebühr für den Nationalpark, und zusätzlich U$ 10 für seine begleitenden Dienste. Neben einem zusätzlichen kleinen Trinkgeld, fische ich noch zwei Feldgurken aus dem Auto, und gebe eine dem Ranger, und eine an Collen. Beide Gesichter strahlen… über eine Feldgurke …
Auf dem Rückweg, Collen knabbert glücklich an seiner Gurke, taucht plötzlich ein liegengebliebens Auto auf dem Schotterweg vor uns auf. Wir halten an, und fragen die Männer ob wir helfen können. Sie hätten vergessen die Radmuttern am linken Vorderrad anzuziehen, und so hätte sich das Rad während des Fahrens einfach gelöst, und sei nun beschädigt. Zu allem Übel lässt sich auch ihr Wagenheber nicht hoch genug ausfahren, um das Rad abziehen zu können. Collen erkennt in einem der Männer seinen ehemaligen Lehrer, und punktet mit der Idee einen großen Stein unterzulegen, Chris ergänzt mit Feuerholz und Reifenflickset; sie werden dafür fast wie Helden gefeiert.
Collen erzählt beim Weiterfahren, dass er auch einmal einen Kleinwagen besessen hat, der aber den Schotterstraßen hier erlegen ist. Sammeltaxis sind für die Menschen kaum leistbar, da die Unternehmer die durch die schlechten Straßen verursachten Schäden, und die deshalb notwendigen ständigen Reparaturen, in die verlangten Preise miteinrechnen. So kostet eine Fahrt im Sammeltaxi von Chikukwa nach Chimanimani, das sind 20 km, pro Person U$ 8.
Zurück in Chimanimani, bedanken wir uns bei Collen für die Einblicke die er uns durch seine Erzählungen ermöglicht hat, und verabschieden ihn mit einer herzlichen Umarmung.
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201616. Apr. 2024 ·
Hi Logi,
mir ist aufgefallen, würde man das helle und das dunkle Teil übereinanderlegen, passt die kleine Ausbuchtung links des dunklen Teiles, exakt in die kleine Ausnehmung des hellen Teiles. Falle..., hm, Buschmänner haben doch hauptsächlich mit Pfeil und Bogen Jagd auf größere Tiere wie Antilopen gemacht. Fallen, aus Zweigen und Schnüren wurden eher für Kleintiere verwendet; oder liege ich da falsch?
Bei unserem Bushmanwalk damals wurden auch Fallen für Strauße gebaut. Jedenfalls angeblich, ob das tatsächlich funktioniert hätte, können wir natürlich nicht beurteilen. 😉
Bei unserem letzten Besuch, im Januar, bei den Buschmännern von Omandumba, mussten wir leicht grinsen. Man entschuldigte sich vielmals, dass man uns die Seilherstellung leider nicht zeige könne, da der Farmer die benötigten Pflanzen nicht vorbeigebracht habe. 🤪
Das erinnert mich an ein hier beschriebenes Projekt, bei dem zahlende Volontäre Elefantenschutzmäuerchen um Brunnen gebaut und die Einheimischen wohlwollend zugeschaut haben....
Yanjep
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201617. Apr. 2024 ·
Masvingo, Erlebnis Visa- und TIP-Verlängerung
Gleich nach dem ersten Kaffee verlassen wir die Farmhouse campsite in Chimanimani, und machen uns auf nach Masvingo, wo wir heute Vormittag unsere Visa und das TIP verlängern wollen. Etwas unrund macht uns das schon, weil unser derzeitiges Visum doch noch über eine Woche Gültigkeit hat.
Über die Birchenough Bridge geht es weiter auf die perfekt geteerte A9 Richtung Masvingo. Die Brücke wurde von Alfred Beit in Auftrag gegeben, der im ehemaligen Rhodesien, als Größe im Gold- und Diamantenhandel, enormes Interesse am Bau von Straßen und Brücken hatte. Beit’s Unternehmen wurde damals von Sir John Henry Birchenough geleitet, nach welchem die Brücke bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1935 benannt wurde.
Die Einwanderungsbehörde in Masvingo ist schnell gefunden, und bald sitzen wir einer rundlichen, sehr netten Frau gegenüber, die uns darüber aufklärt, dass wir einfach zu früh dran sind, weil unsere Visa noch bis 12. März gültig wären. Ich erzähle ihr, dass wir von hier noch ins Save Valley, und danach in den Gonarezhou Nationalpark möchten, und ich nicht glaube, dass ihre Behörde an diesen Orten Büros unterhalten würde. Nein, nicht im Park, aber in Chiredzi, also quasi vor dem Park, wäre eine solche Vertretung, erwidert sie. Ich setze einen mitleidheischenden Blick auf, sie ein strahlendes Lächeln, und verkündet, dass sie eine Ausnahme machen werde, und uns die Verlängerung hier und jetzt erteilen werde. Ich strahle zurück, als sie die Stempel in unsere Pässe drückt. Geschafft! In Erwartung der jetzt fälligen Gebühren, krame die Geldbörse aus meinem Rucksack, als die Beamtin meint, dass diese Verlängerung auch noch kostenlos sei. Was will man mehr? Jetzt steht noch die Verlängerung des TIP bei ZIMRA an, wohin sie uns den Weg beschreibt.
Unsere Freude ist groß, als wir in der quirligen Straße tatsächlich einen freien Parkplatz finden. Das macht einen Dollar fürs Parken, höre ich eine Stimme hinter mir. Da steht sie, die Wächterin über die scheinbar kostenpflichtigen Parkplätze hier, und zückt ihren Parkscheinblock. Wohl der hübscheste Parkschein den ich je gesehen habe! Welchen Anteil dieses Dollars wohl der bronze glänzende Siegel verschlingt?
Durch den Innenhof eines hässlichen, dunkelgrauen, hohen Gebäudes, gelangen wir zum Eingang von ZIMRA. Am Empfang sitzt ein Mitarbeiter an einem Tisch auf dem sich ein Stapel Besuchereintragsbücher befindet. Der Raum ist in bläuliches Neonlicht getaucht, und hinter dem Mann stehen mannshoch aufgetürmte Wasserflaschen. Wir bringen unser Anliegen vor, worauf der Mann zielstrebig eines der Bücher aus dem Stapel zieht, und unsere Personalien notiert. Dann sollen wir auf den Aufzug warten, der uns in den 3. Stock bringt. Wir warten also, und warten, und irgendwann ist er dann doch da, der Lift. Oben angelangt, werden wir in das Zimmer mit der Nummer 804 weitergeschickt. Die Tür steht offen, ich klopfe trotzdem, worauf ein Mann von seinem Schreibtisch aufschaut, und wortlos auf den Sessel ihm gegenüber deutet. Das Büro im Charme der 60er, künstlich beleuchtet, hauptsächlich in Grautönen die sich nahtlos ins Grau des Sakkos des Mannes fügen, der sich seitlich von einem auf Orkanstufe eingestellten Ventilator anblasen lässt. Ihm entkommt kein Lächeln; würde mir nicht anders ergehen, denke ich beim Blick aus dem Fenster hinter ihm, der den dunkelgrauen Innenhof zeigt. Nachdem wir gesagt haben, dass wir unser TIP verlängern wollen, und alle Warums, und Wiesos beantwortet haben, kommt Leben in ihn, und er beginnt auf seiner Tastatur zu tippen. Kein Problem, meint er, und schiebt einen Zettel über den Tisch, denn bezahlen können wir hier nicht, das müssen wir bei der CBZ Bank, unter Angabe aller auf dem Zettel stehenden Details erledigen. Ach ja, und er ist dann bis 14:00 bei Tisch, danach sollen wir mit der Einzahlungsbestätigung wieder hierher, zum Empfang in den 3. Stock kommen. Klingt aufwendig, aber was solls!
Zuerst landen wir gleich einmal in der falschen Bank; ist auch tückisch, sie unterscheiden sich durch nur einen einzigen Buchstaben im Namen; zum Glück ist die richtige gleich nebenan. Eine schier endlose Menschenschlange erwartet uns beim Betreten der richtigen Bank, und auch ein Wachmann, der meinen fragenden Blick bemerkt. Er händigt uns einen Zettel aus, auf dem wir drei Mal untereinander exakt alle Details ausfüllen sollen. Wie, drei Mal ein und dasselbe? Ja, genau so sei es richtig. Den Sinn zu hinterfragen verkneife ich mir. Mit vorschriftsmäßig ausgefülltem A4-Blatt, sollen wir uns nun in die Warteschlange einreihen. Echt jetzt? Mich plagt der Hunger und Durst, und ich habe grad so gar keine Lust aufs Warten. Es geht nur äußerst schleppend voran, als ein Mann im schicken Anzug die Bank betritt, und hinter dem Counter verschwindet, nach ein paar Minuten wieder auftaucht, und uns zu sich winkt. Prüfend betrachtet er das ausgefüllte Blatt, und schleust uns dann als nächste zur Kassadame, wo wir endlich die U$ 40 für die TIP Verlängerung einzahlen können. Gut gelaunt der Menschenschlange entkommen zu sein, und stolz die Einzahlungshürde genommen zu haben, verlassen wir die Bank. Draußen raunt Chris von der Seite: und das war jetzt wegen unserer Hautfarbe, oder was? Wir waren tatsächlich die einzigen Weißen in dieser Bank. Ich versuche Chris Frage an Gewicht zu nehmen indem ich auf uns, als ahnungslose, hilfsbedürftige Touristen hinweise, aber der Grund warum man uns mit Vorzug behandelt hat, ist tatsächlich fragwürdig.
Nachdem Herr ZIMRA ja jetzt bei Tisch ist, machen auch wir uns auf die Suche nach einem Lokal, und werden mit dem Blue Bird Café fündig. Hier kann man sehr nett unter Dach im Freien sitzen, und wirklich sehr gut essen. Wir bestellen Burger mit blue cheese und Avos, Chris ergänzt seinen mit einem Tortenstück samt Eiscreme. Die Auswahl ist groß, und das meiste selbstgemacht. Das Lokal ist in der Robertson Street Nr 48 zu finden, und hat täglich außer Sonntag, von 8:30-16:00, und Samstag bis 14:00 geöffnet.
Der 7-Tage-Einkauf bei PicknPay geht sich auch noch aus, bevor wir zurückkehren ins Grau von ZIMRA. Ins Buch eintragen, auf den Lift warten, kennen wir ja schon. Am Empfang im 3.Stock werden wir zur Kassierin weitergeschickt, die ihren Schreibtisch hinter Gitter hat. Warum wir die Gebühr fürs TIP trotzdem nicht hier bezahlen konnten, bleibt ein Rätsel. Ihre Aufgabe ist es jedenfalls, unsere Einzahlung im ZIMRA Computersystem zu finden; Beleg schön und gut, aber… Da, sie hat sie! Nun dürfen wir weiter zum bekannten Zimmer 804. Der Mann ringt sich sogar ein klitzekleines Lächeln ab als wir sein Büro betreten; Essen soll ja über so manches hinwegtrösten. Nach genauem Studium des Einzahlungsbeleges, lässt er unser verlängertes TIP aus dem Drucker laufen, knallt seinen Stempel darauf, und wünscht eine gute Weiterreise. Geschafft!, nur noch einmal auf den Lift warten!
Jetzt wollen wir nur mehr auf schnellstem Weg die 33 km nach Romelda schaffen, uns in die Campingsesseln fallen lassen, und ein Savana öffnen. Aber, da, vor uns auf dem letzten Kilometer vor unserer Unterkunft, steht ein Auto mit Reifenpanne. Chris bremst, ich rufe nein, doch zu spät, wir halten an. Help needed?, lächelt Chris zum Fenster hinaus. Hoch erfreut wird die Frage von den drei Jungs und einem Mädchen bejaht. Chris, bereits routiniert, zückt Reifenflicksetkasten, und Kompressor, und beginnt sein Werk vor den offenen Mündern der vier. Einer nach dem anderen, zum Schluss das Mädchen, kommt an unser Auto und bedankt sich höflichst auch bei mir, für Anhalten, fürs Helfen, einfach für alles. Als das Werk erfolgreich vollendet ist und Chris wieder im Auto sitzt, schlage ich vor, in Simbabwe ein mobiles und kostenloses Reifenreparaturunternehmen zu gründen… 😗 Nein, Spaß beiseite, es gibt keine größere Freude als jene die man anderen macht!
Und endlich, endlich können wir das ersehnte Savana auf der neuen camspite von Romelda öffen; der Sonnenuntergang hat auf uns gewartet.
Gruß Gina
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201618. Apr. 2024 ·
einmal um den Lake Mutirikwi und Romelda campsite
Die Romelda campsite wurde ja im letzten Jahr, von der Lodgezufahrt auf eine kleine Halbinsel verlegt. Man campt auf grünem Rasen unter ein paar Bäumchen. Eine Abgrenzung zum nächsten Camper gibt es nicht, auch keine optische, und somit quasi keine Privatsphäre. Es ist auch schwierig hier sein Fahrzeug so zu parken, dass es möglichst nach keiner Seite hängt, da die Halbinsel von ihrer Mitte aus, in alle Richtungen abschüssig ist. Grillstellen und Wasserhähne sind recht wahllos über den Platz verteilt, der zum Wasser hin, eingezäunt ist.Es gibt ein Sanitärhäuschen mit 3 Duschen, drei WCs, und einem Bereich mit Spüle, Abstellflächen, und Mülleimer. Trinkwasser steht dort in einem großen Kanister bereit. Alles sehr sauber und ordentlich. Nervig sind die hohen Solarleuchten mit Bewegungsmelder, die leider so montiert sind, dass sie sich auch einschalten, wenn die Äste der Bäume sich im Wind bewegen. Fast brüskierend ist jedoch die Regel, dass Camper nur dann im Lodgerestaurant willkommen sind, wenn keine Lodgegäste anwesend sind. Sabbern, schlürfen, oder stinken wir Camper??? 🤨
Heute drehen wir eine Runde um den See. Zuerst geht es von Romelda in südliche Richtung über die Staumauer des Lake Mutirikwi. Hier wird emsig an einer neuen Wasserkraftanlage gearbeitet, die Masvingo mit zusätzlichen 5 MW Strom versorgen soll.
Nach der Staumauer gibt es eine kleine Kapelle und einen Aussichtspunkt; beides auf unserer to-do-Liste. Als wir in die Schotterstraße abbiegen, hält uns ein Mann auf, der wissen möchte wo wir hinfahren wollen. Als wir unsere Ziele nennen, meint er, das mache pro Person U$ 10, und U$ 5 fürs Auto. Danke nein, das kennen wir schon, Aussicht und Kapellen gibts auch anderswo.
Der Hunger meldet sich, und wir entscheiden uns für ein spätes Frühstück im Clevers Lakeview Resort, vormals Norma Jeane’s. Wir nehmen auf der Terrasse Platz, und sind enttäuscht, dass es von hier nun keine Aussicht mehr auf den See gibt, weil man offenbar die Priorität der Pflege des Gartens, auf den Bau eines Konferenzzentrums verlagert hat. Ebenso enttäuschend ist das Frühstück selbst. Zu Rührei mit Speck, lieblos auf den Teller geklatscht, gibts Toast erst auf Nachfrage. Der Orangensaft dazu, dürfte aus der landestypischen Mazoe-Sirupflasche stammen. Chris entdeckt im Herren-WC ein Kuriosum aus dem 2. Weltkrieg. Heute sicher Chauvinismus in Reinform, wurde dieses Plakat 1941 von Harold Forster entworfen, und ursprünglich von der britischen Armee dazu benutzt, auf humoristische Art und Weise vor Klatsch und Tratsch über die Kriegsfortschritte zu warnen, da feindliche Spione immer und überall mithören könnten.
Nächster Programmpunkt am heutigen Tag, Great Zimbabwe. Am gate bezahlen wir U$ 15 pP für internationale Besucher, und U$ 6 für einen guide. Der junge, wenig gesprächige Mann entpuppt sich eher als Klotz am Bein, als als hilfreiche Informationsquelle über dieses beeindruckende Monument. Zuerst gehts ins Museum der Anlage, wo unter anderem auch einige der bekannten, hier gefundenen Steinvögel ausgestellt sind, die auch auf der Nationalflagge Simbabwes abgebildet sind. Das gesamte Monument entstand, so wird angenommen, im 11 Jh, und umfasst ein Gebiet von 722 ha. Es wurde von Monarchen als Palast genutzt, und gilt als heiliger Ort. Sämtliche Bauwerke hier, sind ausschließlich aus Steinen, und ohne Mörtel zusammengefügt. Die große Mauer ist an ihrer Basis 5 Meter dick, und hat eine Höhe von bis zu 11 Metern.
Etwas östlich von Masvingo, in der Nähe einer Militärbasis, gibt es eine kleine Kapelle, die wir uns jetzt ansehen wollen. Wir biegen also von der A9 nach Norden, und dann nochmal nach links ab, stehen vor dem Einfahrtstor der Militärbasis, und sehen keine Kapelle. Unter streng prüfendem Blick, kommt der Wachesoldat auf unser Auto zu. Als er uns als harmlose Touristen erkennt, die nur vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen, muss er lachen, und deutet rechts hinter sich. Tatsächlich führt hier, keine 10 Meter entfernt, eine kleine, schmale Zufahrtsstraße zur Kapelle des Hl. Franziskus von Assisi, die deutlich sichtbar ist. Die Kapelle wurde in den Jahren 1942-46 von italienischen Insassen des Internierungslagers Masvingo, damals Fort Victoria, erbaut, und dient dem Gedenken an im Lager Verstorbene.
Unser ursprünglicher Plan war es, 2 Nächte bei Romelda, und im Anschluss 2 Nächte auf der campsite Mutirikwi von ZIMParks zu verbringen. Also wollen wir uns zum Abschluss des heutigen Tages, diese campsite noch ansehen; vielleicht verlängern wir ja doch bei Romelda… 😗 Die nette Frau am gate ruft ihre Vorgesetzte, um die Erlaubnis für, heute nur schauen – wenns gefällt kommen wir morgen wieder und bleiben für 2 Nächte, einzuholen. Und ja, uns gefällts. Klar sind auch hier die sanitären Einrichtungen renovierungsbedürftig, aber sie sind sauber, zweckmäßig, und es gibt Wasser. Aber das Beste an dieser campsite ist wohl ihre Lage direkt am See, mit traumhaftem Ausblick nach Westen. Zurück bei Romelda sind wir froh über diese Entscheidung, denn hier gehts heute rund. Zwei Familien mit kleinen Kindern sind angekommen, ihre Freunde folgen kurze Zeit später, und ein nettes deutsches Paar in ihrem Campingbus ergänzt die heutigen Campinggästerunde.
Gruß Gina
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201619. Apr. 2024 ·
Lake Kyle/Mutirikwi Recreational Park
1960 hat man die Staumauer im Fluss Mutirikwi errichtet, wodurch der heute 90 km2 großen See entstanden ist, hauptsächlich, um die umliegenden Zuckerrohrplantagen mit Wasser zu versorgen. In den frühen 80er Jahren, drohte der Damm wegen einer enormen Dürreperiode auszutrocknen, hat sich aber in den 90ern wieder erholt, und ist seither stabil.
Nachdem wir ja von Romelda nur nach next door, in Zahlen 35 km fahren müssen, stehen wir bereits am frühen Vormittag am gate des Kyle Recreation Park, wo sich die Angestellte von gestern tierisch freut, dass wir Wort gehalten, und tatsächlich wiedergekommen sind. Wir bezahlen U$ 10 pP/N fürs Campen, und U$ 3 fürs Auto. Da das an den See anschließende Gebiet ein recht großes ist, frage ich nach einem Plan, der die befahrbaren Wege zeigt. Nun, sie hätte nur einen einzigen, den kann ich aber gerne abfotografieren.
Nach einer Runde in den Norden, bei der wir oft wenden müssen, weil die Wege selbst im 4x4 nicht zu befahren sind (ausgewaschen, zugewachsen), sehen wir uns den caravan park an, den die Natur bereits zurückerorbert hat. Das Camp selbst, besteht aus einigen mehr oder weniger gut erhaltenen Cottages, und einem Kiosk an dem man Getränke kaufen kann. An der Einfahrt zum Camp steht ein verlassenes Haus mit der Aufschrift, Tourist Office. Dem gegenüber eine Einzäunung, davor ein Schild auf dem, Crocodile Pool, zu lesen ist. Meine Vorahnung bestätigt sich; ein paar elend aussehende Krokodile fristen hier in einer betonierten Anlage vor einem seichten, trüben Becken ihr Dasein. Könnten wir denn nicht…?, nein können wir nicht, entgegnet Chris. In solchen Augenblicken steigt mein Verständnis für Aktivisten die Tierkäfigtüren unerlaubt öffnen, ins Unermessliche! Wir fahren weiter zur campsite, wo wir, wieder einmal als einzige Gäste, die Wahl haben welchen der Plätze wir nehmen. Auf dem Gelände gibt es zwei überdachte Lapas, mehrere gemauerte Griller und Wasseranschlüsse, ein Sanitärhäuschen für Frauen, und eins für Männer. Wir entscheiden uns für den Platz mit der Lapa gleich rechts, die auch einen freien Blick auf eine Bucht des Sees bietet. Ein paar Zebras flüchten aufgeregt. Hier gefällt es uns eindeutig besser, als am umzäunten, manikürten Rasen von Romelda.
Als die Sonne sich zum Untergehen neigt, gehen wir die, zum Wasser flach abfallende Felsformation ein Stück hinuter, setzen uns auf die Steine, und öffnen unsere mitgebrachten Savanas. Nur das aufgeregte Geschnatter der einfliegenden Wasservögel die auf der Sandbank vor uns landen um hier zu übernachten, begleitet die Sonne bis sie hinter dem Bergrücken verschwunden ist.
Mit dem Morgenkaffee in der Hand, beobachten wir aus unserer Lapa die Seidenreiher, die ihren toten Schlafbaum im seichten Wasser der Bucht verlassen, und langsam über den See ziehen. Wie schön es hier ist! Dann brechen wir wieder auf, um die Gegend hier weiter zu erkunden. Bei einer Abzweigung des Rhino drive, geht es zum scout camp; was das wohl ist? Ziemlich verwundert starren uns zwei Männer an, als wir in ihrem scout camp eintreffen. Eine kleine Baracke, ein Jojo, und eine Feuerstelle mit Grillrost auf dem noch die Reste ihrer Frühstücksfische liegen, mehr gibts hier nicht. Ihr Job ist es, für jeweils mehrere Wochen hier aufzupassen, dass niemand wildert, bevor sie von Kollegen abgelöst werden, erklärt uns einer der Männer, der sich offensichtlich über die willkommene Abwechslung sehr freut. Der Zweite wirkt eher teilnahmslos, und nagt mit rot unterlaufenen Augen bedächtig und schweigend an einem Fisch. Naja, der ist wohl grad in einer anderen Welt… 😎
Am Mutirikwi Picknickplatz ist wieder offensichtlich wie wenig an Instandhaltung hier von ZIMParks getan wird. In der überdachten Lapa hat wohl jemand ein Fest samt Lagerfeuer gefeiert, was unschwer an den vielen leeren umherliegenden Bierdosen, und den Resten einer Feuerstelle erkennbar ist. Dem Clo nebenan fehlt ein Teil des Daches, und die Tierwelt hat Einzug gehalten. Wir bleiben trotzdem, kochen Kaffee, und bewundern die Aussicht über den See. Wie schade, dass man all diese schönen Gebiete in Simbabwe so verkommen läasst!
Rhino-poo-Plätze haben wir auf der Fahrt schon in ausreichender Anzahl entdeckt, was noch fehlt sind die Verursacher. Der Park ist Heimat von drei der big 5: Nashorn, Büffel, und Leopard. Und endlich, nach dem x-ten kleinen Weg, die allesamt Richtung Ufer führen, entdecken wir durchs Fernglas in der nächsten Bucht ein grasendes Breitmaulnashorn. Zufrieden mit der Ausbeute unserer heutigen Entdeckungen, fahren wir zurück zur campsite um dort einen ruhigen Nachmittag zu verbringen. Doch was ist das? Ein mit Matratzen vollbeladener Pick-up, gefolgt von einem vollbesetzen Minibus hält in einiger Entfernung zu unserer Lapa. Aus dem Geländewagen steigt ein Mann und eine Frau, aus dem Minibus eine Gruppe Jugendlicher, und ebenfalls eine Frau. Nach eingehender Betrachtung des Geländes werden beide Fahrzeuge entladen, und mehrere Kuppelzelte aufgebaut. Es scheint vorbei zu sein, mit der Idylle, doch alle lauschen den Anweisungen des Mannes und verhalten sich wirklich vorbildlich. Etwas später geht die Frau aus dem Minibus vorbei, und Chris kommt mit ihr ins Gespräch. Es handelt sich um eine Studentengruppe deren Lehrerin sie ist. Die anderen beiden Erwachsenen sind Initiatoren, die sich dafür einsetzen, dass simbabwischen Kindern und Jugendlichen, die Naturschönheiten ihres Landes nahegebracht werden, und haben deshalb einen Campingclub gegründet, dessen erste Ausfahrt sie eben hierher, an den Lake Mutirikwi gebracht hat. Welch tolle Idee! Zum heutigen Sonnenuntergang bekommen wir von der Gruppe unbemerkt, aber trotzdem mit ihr als Hauptdarsteller, noch eine Art Schattentheater als Draufgabe geboten.
Gruß Gina
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201620. Apr. 2024 ·
Save Valley, Gwezi campsite
Nach Kaffee und rusks geht es für uns wieder über die A9 Richtung Osten. Irgendwo auf der Strecke an einer Straßenkreuzung, finden wir einen kleinen Markt; wir wollen noch Tomaten kaufen. Ich krame einen Dollar aus der Geldbörse, und werde bei einer jungen Frau fündig, deren lecker aussehende Tomaten von anderen Käufern so gar nicht beachtet werden. Und dann passiert etwas Witziges: Natürlich habe ich dort als Weiße, die aus einem nagelneuen 4x4 hüpft, und über die Straße rennt um ein paar Tomaten zu besorgen, Aufsehen erregt. Plötzlich drängen andere Kundinnen näher, um mitzubekommen was ich denn möchte; und plötzlich wollen sie alle die Tomaten meiner vorher verwaisten Verkäuferin. Aufgrund der Menge die sie mir für meinen Dollar gibt, hege ich den Verdacht, dass sie meinen unbewussten Werbeauftritt, mit entsprechend mehr Tomaten honoriert hat.
Kurz zur Vorgeschichte der Gwezi campsite Buchung: Das Save Valley war ein Fixpunkt meiner Zimbabwe Reiseplanung; vermutlich auch deshalb, weil darüber sehr wenige Infos existieren, und ich solche Plätze dann besonders interessant finde. Meine Wahl fiel auf die Gwezi campsite innerhalb der Mokore concession. Im Verlauf der Emailkonversation mit Mokore Safaris, wurde ich mit Nachdruck darüber aufgeklärt, dass es obligatorisch sei, einen scout zur campsite dazuzubuchen, der uns vor wilden Tieren beschützen soll, aber auch unser Selbstfahren begleiten muss, damit wir ja nicht über die Grenzen der Mokore concession hinaus, in eine andere concession fahren. Das zu tun, klang wie eine mittelschwere Straftat. Gut, wenns sein muss… Kosten: camping pP/N U$ 30, scout pT U$ 10, conservation fee pP/Aufenthalt U$ 20, Gebühr fürs Auto pT U$ 10
Wir biegen von der A9 nach Süden ab, und stehen vor dem Schranken der Save conservation, und einem bewaffneten Mann in Uniform. Buchungsbestätigung, Reisepässe, Kennzeichen, Telefonnummer, wohin, möchte er alles sehen und wissen, um dann in seinem Wächterhäuschen zu verschwinden. Ok, wir dürfen einfahren; er hat uns angemeldet, und wir sollten ab hier, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, in spätestens 1,5 Std bei Mokore sein. Nicht anhalten, nicht aussteigen. So sympatisch etwa stelle ich mir die Einfahrt in die area 51 in den USA vor…
Entlang einer fast schnurgeraden Sand-/Schotterstraße fahren wir durch öden Mopanewald; hin und wieder ist Eli-poo am Rand zu sehen. Mehr aus stillem Protest, halten wir einmal zur Eledigung von Nr 1 an. Im Mokore camp angekommen, sehen wir einige einzeln stehende Chalets im Schatten hoher Bäume, dann erscheint ein junger Mann, der uns erwartet hat. Er ruft zwei Angestellte, und meint dann, dass er vor uns zur campsite vorfahren, und wir ihm fogen sollen. Entlang des Mokore airstrips stehen wir ein paar Minuten später auf der Gwezi campsite. Die Arbeiter machen Feuer im donkey, während uns der junge Mann einen in Folie eingeschweißten Plan der concession überreicht, und ein paar Straßen zeigt, die unbefahrbar wären. Wie jetzt, wir dürfen selber fahren? Kein scout der uns beschützt und in die Mokore Schranken weist? Nein, passt so … na uns solls recht sein! Und weg sind sie.
Wir sehen uns um. Ein sehr großer Platz mit hohen Schattenbäumen und einer Geländestufe. Oben ein Sanitärhäuschen mit riesigem Bad in dem Dusche, Waschtisch, und Stellflächen zu finden sind, unten ein gemauerter Grill, und separat eine gemauerte Spüle. Strom und Licht gibt es nicht. Die Aussicht auf den Turgwe Fluss ist mäßig; auf etwa 10 Metern Breite öffnet sich das Ufergebüsch.
Die Nacht war ereignislos. Auch die Wildkamera zeigt keine Besucher. Es beginnt zu nieseln. Wir starten unsere Erkundungstour durch die Mokore concession Richtung Westen. Außer ein paar Impalas, Kudus, und Baboons können wir nichts entdecken. Am äußersten westlichen Rand der concession, wird zur Zeit eine Lodge renoviert. Ein Arbeiter verfolgt uns auf Schritt und Tritt, als wir auf das Deck vor der Lodge gehen, um uns die Flusspferde unten im Turgwe anzusehen. Mein Gefühl mich hier nicht sehr wohl zu fühlen verstärkt sich, als das Nieseln in echten Regen übergeht. Es ist grau in grau und kalt. Auch die Vegetation hier ist ziemlich öde; es gibt Mopane, Mopane, und mehr Mopane. Auf der Suche nach etwas Abwechslung, fahren wir in den Ostteil der concession, auf der anderen Seite der Zufahrtsstraße um das alte Clubhaus zu finden. Nun, davon sind noch Reste der Grundmauern zu erkennen, dafür finden wir eine verlassene Ansammlung von unterschiedlichen Häuschen, und Teile von Maschinen. Alles deutet darauf hin, dass früher hier Gold aus dem Boden geholt wurde.
Es schüttet, und die Temperatur sinkt. Cottage wäre doch nett heute, anstatt campen im Regen bei Kälte, versuche ich Chris zu überzeugen. Gut, versuchen wir, meint er, und wir machen uns auf den Weg zurück zur Lodge. Ein Angestellter bedauert, dass der Chef nicht da ist, und er uns nicht weiterhelfen kann, der Chef aber um 17:00 wiederkommt. Gut, wir fahren bis dahin den river drive ab, vielleicht gibts dort ja etwas zu sehen, im strömenden Regen… Eine Weile geht das gut, dann wird der Weg immer enger. Rechts eine steile Böschung zum Mokore Fluss hinunter, links dichter Busch ohne Ausweichmöglichkeit, unter den Reifen vom Regen glitschige Steine. Vor uns plötzlich eine Steigung, die ich nicht einmal zu Fuß gehen würde. Durch die Regenwand ist vage erkennbar, dass sie in eine ausgewaschene Linkskurve, eine Art Hohlweg mündet, die eindeutig zu schmal für unser Auto ist. Chris will da rauf, ich streike. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Chris samt dem Auto den steilen Hang im Rückwärtsüberschlag hinunter, in die trüben Wasser des Mokore stürzen. Da hier das Wenden mit nur zwei Außenspiegeln schier unmöglich ist, bringe ich das Opfer fürs Nicht-Hinauffahren, steige aus, bin binnen Sekunden klitschnass, und weise Chris eine gefühlte Ewigkeit, immer ein paar Zentimeter vor, dann wieder zurück, bis das Auto endlich wieder in jener Richtung steht, aus der wir gekommen sind. Heute ist irgendwie nicht mein Tag.
Zurück in der Lodge erfahren wir, dass der Chef immer noch nicht zurück ist. Der Angestellte versucht ihn mehrmals, aber ohne Erfolg, übers Funkgerät zu erreichen. Wir geben auf, und fahren zur campsite, da es bereits dämmert. Wieder einmal ist Plan B gefragt. Wir stellen die Campingsesseln ins große Badezimmer, und essen dort belegte Brote zum Abendessen; nicht sehr komfortabel, aber zumindest trocken!
Der nächste Morgen beginnt, wie der vorherige Abend geendet hat, mit Nieselregen. Danke, uns reichts, wir reisen einen Tag früher als geplant ab, und hoffen, dass Gonarezhou ein Herz für Früheranreisende hat. So waten wir also durch den Matsch, um unseren Campingtisch zu verstauen, den Müllsack aus dem Baum zu bergen, und trinken den morgendlichen Pflichtkaffee unter der geöffneten Kühlschrankklappe um nicht noch mehr nass zu werden. In der Lodge nimmt der Angestellte eher wortlos zur Kenntnis, dass wir abreisen.
Wir fahren einige Kilometer, die einzige Verbindungsstraße durchs Save Valley Richtung Süden; die Sonne kommt heraus, und meine Welt ist wieder hergestellt, als ich meinen Augen nicht traue: Was ist das??? Ein Fluss, erwidert Chris trocken. Aber wieso ist denn hier keine Brücke, schau, da steht doch causeway auf dem Navi. (Heute weiß ich, dass causeway einfach die mögliche Querung eines Flusses beschreibt, nicht aber, dass es sich dabei zwangsläufig um eine Brücke handeln muss) Und jetzt? - Na wir fahren durch. - Nein! Du kannst doch nicht einfach durch einen Fluss fahren, wenn du keine Ahnung hast, wie tief der ist!- Das geht schon.- Nein das geht nicht! Keinesfalls geht das!- Na hast du eine bessere Idee?- Ja, hab ich, schau, da gibts offenbar eine Ausweichmöglichkeit, sind zwar ein paar Kilometer mehr, aber besser als da durch! Chris zeigt sich einsichtig, als ich die Alternative aus T4A zoome. Wir betreten, eigentlich befahren, soeben verbotenes Gebiet, die Humani concession. Uns fällt auf wie wunderschön es hier ist. Der Weg führt parallel zum Fluss, die Vegetation vollkommen anders als in der Mokore concession. Große, alte Bäume, blühende Blumen, und zwei Elefantenbullen die friedlich Grasbüscheln in ihren Mäulern verschwinden lassen. Und dann, ja dann verschwindet auch unser Weg ... im Nichts. So sehr wir auch suchen, da gehts nicht weiter. Also retour zum Fluss. Und dann?, frage ich. Na dann wate ich meinentwegen zuerst durch, meint Chris. Na wunderbar, ist er gestern nicht mit dem Auto in den Mokore gestürzt, werden ihn heute im Turgwe die Krokodile fressen, denke ich.
Zurück am Ausgangspunkt passiert das von mir herbeigesehnte Wunder; andere würden vermutlich Zufall dazu sagen. Ein Pick-up mit am Dach montierter Sitzbank, auf der eine Frau und neben ihr ein fröhlich quietschendes Kleinkind sitzt, mit Campinganhänger (!) hat soeben den Fluss schadlos durchquert. Ich halte den Wagen an, und frage nach Risiken im Fluss; Chris verdreht die Augen. All good, you can go!, antwortet der Fahrer freundlich. Das, na sag ich ja, von Chris muss jetzt einfach sein… 😗
In Chiredzi kaufen wir für die nächsten 8 Tage bei PnP ein. Dann gehts das kurze Stück retour zum nördlichen Einfahrtstor von Gonarezhou.
Gruß Gina
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201621. Apr. 2024 ·
Gonarezhou NP
Wir passieren das nördliche Einfahrttor zum Gonarezhou Nationalpark, unter Kennern auch Bravo 2 genannt. 😎 Dann geht es noch ein paar Kilometer weiter bis zur Rezeption Chipinda Pools; dort ist der eigentliche Check-in. Dem netten Mann am Empfang, lege ich unsere ursprüngliche Buchung vor: Chipinda Pools, Bhenji Plattform, Chinguli, Malugwe Plattform, Gorwe Plattform, Nyavasikana, Rossi Pools, und frage ihn, ob Chipinda bereits heute verfügbar wäre, da wir einen Tag zu früh hier sind. Er wirft einen prüfenden Blick in seinen Computer, und gibt grünes Licht für eine weitere Nacht. Wir zeigen uns schwer beeindruckt, von soviel funktionierender Echtzeit-Technik bei ZIMParks. Er winkt augenzwinkernd ab und meint, das wäre nur durch die Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt möglich. Dachten wir uns bereits … Wir erstehen noch einen Faltplan des Parks (etwas veraltet, wie sich noch herausstellen wird), um U$ 5, um weitere U$ 5 ein Bündel Feuerholz, und bezahlen für unseren Gesamtaufenthalt von 8 Nächten: U$ 711 fürs Campen, U$ 320 conservation fee, U$ 40 fürs Auto Dass wir allerdings auch Plätze in unserer Buchung haben, die geschlossen oder nicht existent sind, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Ein Schild an der Wand lässt meinen Adrenalinpegel schlagartig steigen: ich lese hier das Wort, causeways, für meinen Geschmack etwas zu oft, im Vergleich zum Wort, bridge!...
Ein paar Kilometer weiter zweigen wir zur Chipinda Pools campsite ab, und sind auf Anhieb begeistert! Jede der campsites liegt direkt am Fluss Runde mit toller Aussicht auf diesen, hat eine kleine überdachte Lapa, eine gemauerte Grillstelle, einen Feuerplatz, und einen Wasseranschluss. Die Sanitärhäuschen sind sauber, haben Wasser, und Solarbeleuchtung für die Nacht.
Vor den campsites im Fluss wohnen mehrere geräuschvolle Flusspferdfamilien, am anderen Ufer grasen Wasserböcke und Elefanten. Als die Sonne blutrot im Westen versinkt grillen wir, und ein paar Hyänen schleichen durch die umliegenden Büsche. Nachts um 00:30 reißt uns eine, die unmittelbar neben dem Auto heult, aus dem Schlaf.
Gestern bin ich über Deinen Bericht gestolpert und nun lese ich auch mit. Bin aber noch nicht über Seite 3 hinausgekommen... Simbabwe im Februar.März...hmmm...ich dachte da ist dann Regenzeit? Es scheint aber dass es eher trocken und nach der Regenzeit war, oder täuscht das?
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201622. Apr. 2024 ·
HI picco,
ja, da liegst du leider vollkommen richtig mit erschreckend wenig Regen, weshalb Simbabwe auch dbzgl den Notstand ausgerufen hat. u.a. auch hier nachzulesen > https://www.veritaszim.net/node/6934 Freut mich, dass du mitliest!
Gruß Gina
GinaChrisThemenstarter4'984 Beiträge · seit 201622. Apr. 2024 ·
Gonarezhou Teil 2
Neuer Tag, neue Ziele; los gehts Richtung Süden. Auf dem ersten Streckenabschnitt führt die Straße bergauf, und bietet ganz oben einen tollen Ausblick auf den Runde. Auch die Lundi Brücke, besser das was noch von ihr übrig ist, nachdem sie im Februar 2020 von Zyklon Eline weggespült wurde, ist in der Ferne zu erkennen.
Der Eintrag in T4A, steep rocks and scratch/damage to vehicles, scheint veraltet, die Zufahrt zum Aussichtspunkt über die Chivilila Falls, ist im 4x4 problemlos möglich.
Kurz vor der Abzweigung zu den Chilojo Picknickplätzen treffen wir auf dieses hübsche Paar.
Wir wählen einen Picknickspot unter einem Schattenbaum, und sind fasziniert von den Chilojo Klippen, die auf der anderen Seite des Runde emporragen. Welch ein Anblick! Dass nicht gerade die Sonne untergeht, und auch keine Eliherde das Flussbett durchquert, finde ich für mein Foto zwar bedauerlich, erhebe aber als Nicht-Insta-Girl auch keinen Anspruch darauf; ich finde es auch so wunderschön hier! Die Tisch-Bank-Kombi aus Stein erscheint uns ideal für ein spätes Frühstück mit Sensationsausblick.
Auf der Rückfahrt entdeckt Chris die Abzweigung zum Fishan’s causeway. Fahren wir?, trifft mich wie ein Pfeil. Warum?, frage ich ihn; na einfach zum Spaß, antwortet er. Ich überlege kurz, ob da etwas das er nicht gut vertragen hat, in seinem Frühstück war. Mein Plan B, dass ich mich einstweilen einfach entspannt ans Ufer des Runde setze und ihm zusehe, erscheint mir nicht ganz ausgegoren, also stimme ich schlussendlich zähneknischend zu. Am Fluss angekommen, drückt mir Chris sein Telefon in die Hand: Film das bitte. Tolle Idee, unseren Untergang für die Nachwelt festzuhalten, denke ich. Auf der anderen Seite, auf der Infotafel am Eingang, war Fishan’s eindeutig unter den machbaren Flussquerungen gelistet, und die Markierungssteine im Wasser sind auch gut zu sehen, also durch.
Anmerkung zum Video: kurz vorm Erreichen des anderen Ufers sind wir nicht plötzlich untergegangen, sondern mein nervöser Daumen hat irrtümlich den Stop-Knopf getroffen. Macht die ein Theater wegen dem Pfützchen, werden jetzt sicher einige denken, aber ich stehe dazu, für mich persönlich hätte man Wasserdurchfahrten nicht erfinden müssen… Um meine Reputation zumindest ein wenig wieder herzustellen: ich bin auch wieder mit zurück gefahren! 😛
zwischendurch einfach noch einmal VIELEN DANK für Deinen tollen und ausführlichen Bericht. Es macht mir viel Spaß hier mitzulesen und mich über das was uns erwartet zu informieren.
Zwar werden wir im Juni Simbabwe auf unserem Weg nach DAR nur "streifen" aber der Matobo und den Hwange NP liegen beide auf der Strecke....
Hierzu auch meine heutige Frage: Ist es ( aufgrund Eurer aktuellen Erfahrungen ) sinnvoll oder gar notwendig, die Campsites in diesen beiden Parks vorab zu reservieren ?