Tag 12 – Colomé
Erholung von der Puna
Heute steht keine Autofahrt an. Es ist schön, einmal nicht durchgeschaukelt zu werden. Mein Guide hat ebenfalls frei und ich werde ihn zur Mittagszeit nur einmal kurz sehen.
Nicht ganz so früh wie die letzten Tage gehe ich zum Frühstück, ich habe länger geschlafen. Keine Planungen drängen mich heute. Wie steht es so schön in meinem Übersichtsplan, den ich von der Agentur erhalten habe, „Colomé at leisure“ und genau dieses „Leisure“ habe ich mir in extensiver Form für heute vorgenommen.
Nachdem ich ausgiebig gefrühstückt habe, laufe ich zuerst durch den wundervollen Bereich, in dem sich das „Hotel“ mit seinen gerade einmal 9 Zimmern befindet. Colomé gehörte bis zur Jahrtausendwende der Familie Dávalos, die heute noch das Weingut Tacuil betreibt und das wir zu Beginn meiner Reise besucht haben, gerade einmal 20 Kilometer entfernt von hier. Fünf Generationen war Colomé im Besitz der Familie Dávalos. Im Jahr 2001 erwarb die Schweizer Hess Gruppe dann Colomé. Gegründet wurde Colomé im Jahr 1831 und ist eines der ältesten und bis vor nicht allzu langer Zeit gemeinsam mit Tacuil das Weingut mit den höchstgelegenen Weinanbaugebieten. Die Architektur gefällt mir einfach zu gut, wie überhaupt das gesamte Areal. Obwohl ich nur sehr wenig Alkohol trinke, genieße ich immer wieder die Kulturlandschaften von Weingütern. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe auf mich aus, es ist so erholsam, einfach Balsam für die Seele. Hier in dieser Höhe kommt noch das besondere Licht hinzu, das ich so mag.
Anschließend streife ich sehr lange über kleine Wege, die durch die Weinfelder führen. Hier könnte ich es durchaus noch einen Tag länger aushalten.



Ich versuche mein Glück mit Fotos an einem kleinen Insekt. Kakteen blühen zu dieser Jahreszeit.
Es ist so wunderschön und zudem recht warm. Ich besuche den Bereich, wo die Weinverkostungen stattfinden und blicke auf das James Turrell Museum, in dem ich am frühen Abend noch einen Termin haben werde.
Zwischen 2 und 3 Stunden streife ich über das Gelände, bevor ich mich in mein Zimmer und die Terrasse mit sagenhaftem Ausblick zurückziehe. Ich schreibe in mein Reisetagebuch, lese und entspanne; oder wie würde es der Reiseplan noch einmal ausdrücken? „Colomé at leisure“, das kann ich wahrlich gut.
Gegen 18:00 Uhr findet mein „Colomé at leisure“ ein Ende, denn ich habe mich für die Weinverkostung und den Besuch im James Turrell Museum angemeldet. 8 weitere Gäste, allesamt Argentinier, nehmen an der Tour teil. Extra für mich wird mir eine sehr nette Angestellte zur Seite gestellt, die für mich ins Englische übersetzen soll, wenn ich etwas nicht verstehe. Das finde ich einen prima Service, gerade nach einer Weinprobe könnte die Konzentration schon ein wenig nachlassen. Drei Weine kosten wir, einen weißen und zwei rote. Obwohl ich wahrlich kein großer Weinkenner bin, muss ich sagen, alle recht köstlich, auch wenn einmal mehr der Torrontés mein Favorit ist. Eigentlich alles wie immer.
Colomé liegt nun wahrlich nicht gerade zentral, bis Salta fährt man 5 bis 6 Stunden, davon etwa die Hälfte auf teilweise sehr enger Piste, man könnte auch sagen, Colomé liegt im Zentrum von Nirgendwo und wer vermutet an diesem Ort ein Museum? Noch dazu ein solch modernes Museum, wie das von James Turrell, einem der bekanntesten zeitgenössischen Lichtkünstler. Im Jahr 2009 eröffnete das Museum. Gezeigt werden ausschließlich Lichtinstallationen von James Turrell. Fotografieren im Inneren ist nicht erlaubt. Ich hatte mich schon sehr auf dieses Museum gefreut, seit Jahren liebäugelte ich immer wieder mit einem Besuch und als ich vor einiger Zeit auf Arte eine Dokumentation über das Museum sah, stand für mich fest, komme ich noch einmal in diese Gegend, ist der Besuch von Colomé gesetzt. Nun bin ich also hier und stapfe in Stoffüberziehern für die Schuhe in freudiger Erwartung den Lichtinstallationen entgegen. Wir erhalten jeder einen Audioguide, meiner spricht sogar Deutsch.
Im ersten Raum wird durch die Lichtinstallation eine grüne Pyramide projiziert. Weiter geht es durch einen Gang, den ich unglaublich beindruckend finde. Ich gehe durch verschiedene Bereiche des Gangs, nur unterteilt durch unterschiedlich farbiges Licht. Dann müssen wir einige Stufen erklimmen und stehen in der Lichtinstallation Spread. Alles um mich herum ist Blau. Der Raum wirkt unendlich, keine Konturen, nichts gibt es hier, an dem ich mich orientieren könnte, ich könnte mich hier verlieren, inmitten einer Welt, bestehend aus einer einzigen Farbe, aus Blau. Diese Installation ist unglaublich und ich fühle mich wie mittendrin in einem Hollywood Science-Fiction-Film. Bisher macht mich das Museum sprachlos, im positiven Sinn.
Als nächstes betreten wir den schwarzen Raum. Hier ist es stockfinster und man soll sich eine Weile aufhalten, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und man etwas sieht. Dieser Raum spricht mich nun gar nicht an, die Begeisterung bricht sich auch nicht ihren Bann, als einige aus der Gruppe ihr Handylicht anschalten. Das Ganze ist eher kontraproduktiv.
Am Ende der Tour kommt das Highlight. Zumindest habe ich es mir so seit der Dokumentation vorgestellt. Im Dach ist ein Fenster mit Sicht in den Himmel eingebaut. Man kann auf dem Boden liegen und während der Dämmerung und des Sonnenuntergangs hinausschauen, gleichzeitig erhellt sich alles in den verschiedensten Farben. Auf dem Boden liegen Decken und Kissen. Wie alle anderen lege ich mich hin und schaue nach oben. Der Boden ist knochenhart und eiskalt. Obwohl ich noch eine Decke zum Zudecken erhalte, kriecht die Eiseskälte vom Boden immer mehr in meinen Körper. Ich schaue nach draußen. Insgesamt soll die ganze Vorstellung 40 Minuten dauern. Das Einzige, was ich feststelle, ist, dass ich auf dem harten Boden friere. Irgendwie springt bei mir kein Funke über. Das Ganze strahlt auf mich etwas Esoterisches und Mediatives aus. Nach etwa 10 Minuten, mittlerweile ist mir so kalt, dass ich schon Bedenken habe, mir eine Blasenentzündung zu holen, entscheide ich, aufzustehen und zu gehen. Dieser Raum macht mich auch sprachlos, nur diesmal nicht im positiven Sinn.
Ich lege meinen Audioguide im Vorraum ab und will gerade vor die Tür treten, als der Guide des Museums und meine Übersetzerin hinzukommen. Ich entschuldige mich, dass ich gehe, sage aber gleichzeitig, dass ich mit dieser letzten Lichtinstallation so rein gar nichts anfangen kann. Hin und wieder käme das vor, wird mir gesagt. Nun gut, wohl eher selten, aber ich bin nicht die Einzige.
So verlasse ich gemeinsam mit meiner sehr netten Begleitung, die darauf besteht, mit mir gemeinsam im Dunkeln durch die Weinfelder zurück zum Hotel zu gehen, das Museum, das mich mit sehr gemischten Gefühlen verabschiedet. Einerseits fand ich einige Lichtinstallationen genial, wie den vielfarbigen Gang und den unglaublichen kontur- und endlosen blauen Raum, andererseits erschließen sich mir nicht die Lichtinstallationen des schwarzen Raumes und des letzten, wo man in den Himmel schaut. Aber so ist es wohl mit (moderner) Kunst.
Das Abendessen ist wieder vorzüglich. Gerade als ich eigentlich schon gehen will, spricht mich das Paar vom Nebentisch auf Englisch an. Es stellt sich heraus, dass es ein deutsches Paar ist. Sie laden mich an ihren Tisch ein und wir unterhalten uns noch eine ganze Weile äußerst angeregt. Das war wirklich eine sehr nette Begegnung.
Erholung von der Puna
Heute steht keine Autofahrt an. Es ist schön, einmal nicht durchgeschaukelt zu werden. Mein Guide hat ebenfalls frei und ich werde ihn zur Mittagszeit nur einmal kurz sehen.
Nicht ganz so früh wie die letzten Tage gehe ich zum Frühstück, ich habe länger geschlafen. Keine Planungen drängen mich heute. Wie steht es so schön in meinem Übersichtsplan, den ich von der Agentur erhalten habe, „Colomé at leisure“ und genau dieses „Leisure“ habe ich mir in extensiver Form für heute vorgenommen.
Nachdem ich ausgiebig gefrühstückt habe, laufe ich zuerst durch den wundervollen Bereich, in dem sich das „Hotel“ mit seinen gerade einmal 9 Zimmern befindet. Colomé gehörte bis zur Jahrtausendwende der Familie Dávalos, die heute noch das Weingut Tacuil betreibt und das wir zu Beginn meiner Reise besucht haben, gerade einmal 20 Kilometer entfernt von hier. Fünf Generationen war Colomé im Besitz der Familie Dávalos. Im Jahr 2001 erwarb die Schweizer Hess Gruppe dann Colomé. Gegründet wurde Colomé im Jahr 1831 und ist eines der ältesten und bis vor nicht allzu langer Zeit gemeinsam mit Tacuil das Weingut mit den höchstgelegenen Weinanbaugebieten. Die Architektur gefällt mir einfach zu gut, wie überhaupt das gesamte Areal. Obwohl ich nur sehr wenig Alkohol trinke, genieße ich immer wieder die Kulturlandschaften von Weingütern. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe auf mich aus, es ist so erholsam, einfach Balsam für die Seele. Hier in dieser Höhe kommt noch das besondere Licht hinzu, das ich so mag.
Anschließend streife ich sehr lange über kleine Wege, die durch die Weinfelder führen. Hier könnte ich es durchaus noch einen Tag länger aushalten.







Zwischen 2 und 3 Stunden streife ich über das Gelände, bevor ich mich in mein Zimmer und die Terrasse mit sagenhaftem Ausblick zurückziehe. Ich schreibe in mein Reisetagebuch, lese und entspanne; oder wie würde es der Reiseplan noch einmal ausdrücken? „Colomé at leisure“, das kann ich wahrlich gut.



Im ersten Raum wird durch die Lichtinstallation eine grüne Pyramide projiziert. Weiter geht es durch einen Gang, den ich unglaublich beindruckend finde. Ich gehe durch verschiedene Bereiche des Gangs, nur unterteilt durch unterschiedlich farbiges Licht. Dann müssen wir einige Stufen erklimmen und stehen in der Lichtinstallation Spread. Alles um mich herum ist Blau. Der Raum wirkt unendlich, keine Konturen, nichts gibt es hier, an dem ich mich orientieren könnte, ich könnte mich hier verlieren, inmitten einer Welt, bestehend aus einer einzigen Farbe, aus Blau. Diese Installation ist unglaublich und ich fühle mich wie mittendrin in einem Hollywood Science-Fiction-Film. Bisher macht mich das Museum sprachlos, im positiven Sinn.
Als nächstes betreten wir den schwarzen Raum. Hier ist es stockfinster und man soll sich eine Weile aufhalten, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und man etwas sieht. Dieser Raum spricht mich nun gar nicht an, die Begeisterung bricht sich auch nicht ihren Bann, als einige aus der Gruppe ihr Handylicht anschalten. Das Ganze ist eher kontraproduktiv.
Am Ende der Tour kommt das Highlight. Zumindest habe ich es mir so seit der Dokumentation vorgestellt. Im Dach ist ein Fenster mit Sicht in den Himmel eingebaut. Man kann auf dem Boden liegen und während der Dämmerung und des Sonnenuntergangs hinausschauen, gleichzeitig erhellt sich alles in den verschiedensten Farben. Auf dem Boden liegen Decken und Kissen. Wie alle anderen lege ich mich hin und schaue nach oben. Der Boden ist knochenhart und eiskalt. Obwohl ich noch eine Decke zum Zudecken erhalte, kriecht die Eiseskälte vom Boden immer mehr in meinen Körper. Ich schaue nach draußen. Insgesamt soll die ganze Vorstellung 40 Minuten dauern. Das Einzige, was ich feststelle, ist, dass ich auf dem harten Boden friere. Irgendwie springt bei mir kein Funke über. Das Ganze strahlt auf mich etwas Esoterisches und Mediatives aus. Nach etwa 10 Minuten, mittlerweile ist mir so kalt, dass ich schon Bedenken habe, mir eine Blasenentzündung zu holen, entscheide ich, aufzustehen und zu gehen. Dieser Raum macht mich auch sprachlos, nur diesmal nicht im positiven Sinn.
Ich lege meinen Audioguide im Vorraum ab und will gerade vor die Tür treten, als der Guide des Museums und meine Übersetzerin hinzukommen. Ich entschuldige mich, dass ich gehe, sage aber gleichzeitig, dass ich mit dieser letzten Lichtinstallation so rein gar nichts anfangen kann. Hin und wieder käme das vor, wird mir gesagt. Nun gut, wohl eher selten, aber ich bin nicht die Einzige.
So verlasse ich gemeinsam mit meiner sehr netten Begleitung, die darauf besteht, mit mir gemeinsam im Dunkeln durch die Weinfelder zurück zum Hotel zu gehen, das Museum, das mich mit sehr gemischten Gefühlen verabschiedet. Einerseits fand ich einige Lichtinstallationen genial, wie den vielfarbigen Gang und den unglaublichen kontur- und endlosen blauen Raum, andererseits erschließen sich mir nicht die Lichtinstallationen des schwarzen Raumes und des letzten, wo man in den Himmel schaut. Aber so ist es wohl mit (moderner) Kunst.
Das Abendessen ist wieder vorzüglich. Gerade als ich eigentlich schon gehen will, spricht mich das Paar vom Nebentisch auf Englisch an. Es stellt sich heraus, dass es ein deutsches Paar ist. Sie laden mich an ihren Tisch ein und wir unterhalten uns noch eine ganze Weile äußerst angeregt. Das war wirklich eine sehr nette Begegnung.













