Die Fotos sind gesichtet, der Jetlag ist endlich ausgestanden.
Zeit also, einen ausnahmsweise afrikafernen Reisebericht zu beginnen, auch da einige hier ihr Interesse an unseren Erfahrungen in Costa Rica bekundet haben und wir wertvolle Informationen in der Planungsphase der Reise hier im Forum erhalten konnten. Und anders als es der Titel vielleicht vermuten lässt, geht es hier keineswegs um libidinöse Eskapaden. Wenn nun jemand enttäuscht sein sollte, tut mir das leid. 😉
Los geht’s.
Wenn die Sonne langsam über den Horizont steigt und sich das Meeresrauschen mit dem Gebrüll der Mantelbrüllaffen mischt, das dem eines Löwen Konkurrenz machen kann, dann erwachst du mit einem Lächeln.
Wenn du früh am Morgen durch das schummrige Licht des Regenwalds auf matschigen Pfaden wandelst – alles, was dich umgibt, ist in unterschiedlichen Tönen grün und braun gefärbt und plötzlich kreuzt der strahlend blaue Morphofalter flatternd deinen Weg, dann ist das visuelle Poesie.
Wenn dich die Sonne backt, der warme Regen dich bis auf die Knochen und darüber hinaus durchnässt, ungezählte Moskitos deine Gliedmaßen perforieren, dann bist du mit allen Sinnen ganz nah (zu nah?) an der Natur.
Gleich zu Anfang sei es verraten: Die Reise hat uns maßlos begeistert und war sicherlich eine der intensivsten und schönsten, die wir bisher unternommen haben – und das zu schreiben, fällt mir als Afrika-Nerd nicht ganz leicht. 😎
Lange stand Costa Rica bereits auf unserer Bucket-List – gewartet haben wir aber, bis unsere Mädchen alt genug waren, um auf eigenen Beinen und mit Freude die Naturlandschaften Costa Ricas zu erkunden. Das war rückblickend eine sehr gute Entscheidung, denn Bootslandungen in der harschen Brandung des Pazifiks und allerlei giftiges Getier vor und in unseren Zimmern erforderten schon einiges an Kraft und Vernunftsbegabung. Davon abgesehen ist Costa Rica eines der kinderfreundlichsten Länder, die wir bisher bereisen konnten.
Dreieinhalb Wochen waren wir im Juli und August – also inmitten der Costa Ricanischen Regenzeit – unterwegs. Die Jahreszeit hat ihrem Namen täglich Ehre gemacht. Ein wirkliches Problem für die Reise war das aber zum Glück nicht – auch weil wir uns im Vorfeld ganz gut ausgerüstet hatten. Ohne Regenponchos und Drybags für die Kameras würde ich das Land zu dieser Jahreszeit nicht bereisen wollen.
Gebucht haben wir das meiste bereits im Vorfeld über eine lokale Agentur, über die ich im Netz gestolpert bin und die auf allen Ebenen ganz vorbildlich gearbeitet hat. Geflogen sind wir direkt von Frankfurt nach San José und würden das auf jeden Fall immer wieder so machen, um Umstiege in den USA inklusive Einreiseprozedur zu vermeiden.
Als Ersttäter*innen wollten wir eine möglichst große Bandbreite des Landes und seiner Fauna und Flora erleben und so sind folgende Stationen auf der Reise von uns besucht worden: - 2 Nächte San José zum Akklimatisieren und für ein kleines Kulturprogramm in Goldmuseum und Nationaltheater - 2 Nächte im Tortuguero Nationalpark mit Kanalfahrten und nächtlicher Beobachtung der Eiablage der Grünen Meeresschildkröte - 4 Nächte an der Karibikküste in Cahuita mit Nationalparkbesuchen, Kakao-Workshop und Nachtwanderungen - 3 Nächte in der wunderbaren Laguna del Lagarto Lodge zur Vogelbeobachtung (Danke liebe Betti für diesen Impuls!) - 3 Nächte am Fuß des Vulkans Arenal mit Wanderungen, Wasserfall und Bootstour - 2 Nächte im Nebelwald von Monteverde mit Eindrücken von Kaffeefarmen und Baumwipfelpfaden - 2 Nächte in Uvita mit Zwischenstopp im Manuel Antonio Nationalpark und den schönsten Stränden, die wir jemals betreten haben - 3 Nächte in der Nähe von Drake Bay mit Ausflügen zum Schnorcheln und in den Corcovado Nationalpark, an den ich einen Teil meines Herzens verloren habe - 2 Nächte in San Gerardo de Dota – wiederum im kühlen Nebelwald und dieses Mal mit Quetzalgarantie
Mit diesen Zielen ist eine für uns sehr abwechslungsreiche Tour gelungen, die den Bedürfnissen von Eltern und Kindern insgesamt sehr gut entsprochen hat. Für uns als Afrikareisende und Wildlifefotografierende geht es natürlich immer auch um Wildtier-Sichtungen. Und diese haben unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir haben mit vielen verschiedenen Vogelarten, allerlei Affen und hoffentlich einem Faultier (unsere Familienwunschsichtung im Vorfeld der Reise) gerechnet und uns darauf gefreut. Dass wir aber darüber hinaus so viele unterschiedliche Vertreter der mittelamerikanischen Säugetier-, Amphibien-, Reptilien-, Insekten- und Spinnenwelt entdecken konnten, hat uns überrascht und total begeistert. Und da diese Begegnungen in Costa Rica allesamt ohne den Schutz eines Autos und immer wieder aus nächster Nähe stattfinden, waren sie zumeist immens intensiv.
Seid nun also herzlich eingeladen, mit uns noch einmal durch Costa Rica zu touren und eine Natur- und Tierwelt fernab des südlichen Afrikas zu erleben.
Pura Vida!
Sascha
Teil 217. Aug. 2022
1. Kapitel: San José
San José ist keine besonders schöne Stadt.
Das sehen wir noch nicht, als wir am frühen Abend bei einsetzender Dunkelheit in Costa Rica landen. Sehr freundlich gestaltet sich der Empfang: Bei der Passkontrolle werden wir von Mitarbeitern aus der Schlange gewunken, da man hier Familien mit Kindern Vorzug gewährt. Nach dem langen Tagflug sind wir dafür dankbar. Auch die Beamtin an der Einreisekontrolle ist äußerst freundlich. Man fühlt sich willkommen. Nach der Einreise werden wir direkt von einem Chauffeur erwartet – wir sind es überhaupt nicht gewohnt, dass ein Pappschild unseren Namen trägt. Aber nach der anstrengenden Anreise ist dieser Service wunderbar und wir sind froh, jetzt keinen Mietwagen mehr übernehmen zu müssen. Wir verstauen unser Gepäck im nicht weit entfernt geparkten Kleinbus und werden über dunkle Straßen und durch einsetzenden Regen zu unserem Hotel gefahren, das in recht ruhiger Lage einen guten Fußmarsch entfernt vom Zentrum San Josés entfernt liegt.
Wir können das Hotel Auténtico, in dem wir zwei Nächte verbracht haben, unbedingt weiterempfehlen. Bereits am Empfang werden wir überaus herzlich begrüßt. Schnell können wir unser geräumiges Zimmer beziehen, das aus einem Wohn- und einem Schlafbereich besteht, die durch eine Wand voneinander getrennt sind. Alles hier ist recht frisch renoviert und in gutem Zustand. Es gibt einen kleinen Pool und ein gutes Restaurant.
Um die Ecke liegt ein recht großer Supermarkt, dem wir einen kleinen Besuch abstatten, um uns mit Proviant einzudecken. Und dann geht es auch schon ins Bett. Von der langen Reise sind wir ziemlich fertig.
Am kommenden Morgen sind wir früh wach und genießen das gute Hotelfrühstück. Das Wetter zeigt sich von seiner milden und sonnigen Seite und so lassen wir den Tag nicht zu alt werden, bevor wir ins Zentrum San Josés spazieren. Schnell wird klar: Besonders schön ist der Weg nicht. Viel befahrene und breite Straßen, gesichtslose Flachbauten – nothing to write home about. 😛
Nach einer Weile erreichen wir das verkehrsberuhigte Zentrum der Stadt. Die Straßen sind von vielerlei Läden gesäumt – so früh am Tag verstecken diese sich jedoch mehrheitlich noch hinter verschlossenen Rolltoren.
Unser Ziel ist die Plaza de la Cultura, an der das Nationaltheater und das Goldmuseum liegen. Diese beiden Orte haben wir uns im Vorfeld für unser San José Besichtigungsprogramm ausgesucht.
Als wir ankommen, sind die Kultureinrichtungen noch geschlossen und so genießen die Kinder den großen Platz und tollen herum. Außerdem kehren wir bei Pop’s ein. Dies ist eine Eiscafé-Kette, die in Costa Rica weit verbreitet ist. Hier bekommt man sagenhaft gutes Eis und tolle Shakes und Smoothies. Unser Fahrer hatte uns den Laden gestern Abend empfohlen und wir können diese Empfehlung unbedingt weitergeben.
Als dann das Goldmuseum schließlich seine Pforten öffnet, sind wir unter den ersten Gästen. Der Gebäudekomplex befindet sich unter der Plaza. Über einige Treppen steigt man quasi in einen großen Tresorraum hinab, denn hier werden die mitunter wichtigsten Kulturschätze des Landes aufbewahrt und ausgestellt.
Reist man durch Costa Rica, bekommt man auf den ersten Blick wenig von vergangenen Kulturen mit und so ist dieses Museum ein guter Ort, um sich zu informieren und wirklich beeindruckende Schätze der präkolumbianischen Ära anzusehen. Zahlreiche Tierfiguren und Schmuckscheiben aus purem Gold, die mit großer Kunstfertigkeit gestaltet sind, machen den rund einstündigen Rundgang zu einer sehr lohnenswerten Sache.
Nach dem Museumsbesuch beginnt sogleich unsere Führung durch das nicht weit entfernt liegende Nationaltheater – ein Gebäude, das durch seinen europäischen Charme aus seiner Umgebung deutlich heraussticht.
Ende des vorletzten Jahrhunderts wurde es von den Kaffee-Baronen Costa Ricas finanziert, um eine repräsentative Stätte für kulturelle Veranstaltungen in der Hauptstadt zu haben, die mit dem vorherrschenden Provinzialismus bricht. Man sagt, dass der Auslöser des Baus die Absage einer italienischen Operndiva war, die sich weigerte, in San José aufzutreten, da es dort keine adäquate Bühne gäbe. Ein solcher Schlag ins Gesicht der aufstrebenden Oberschicht sollte sich wohl nicht wiederholen. Und so entstand der Prachtbau beinahe ausschließlich aus europäischen Zutaten und unter europäischer Federführung. Nur ein (damals sehr umstrittenes) Kunstwerk eines Costa Ricaners findet sich im Eingangsbereich: Die Statue – Die Helden des Elends – sollte nach Ansicht vieler keinen Platz inmitten dieses Kulturprunks haben.
Die Führung durch das Gebäude ist tatsächlich außergewöhnlich. Abwechselnd führen uns zwei Schauspieler durch Zuschauerbereich und Bühnenraum, die immer wieder in unterschiedliche Rollen und Kostüme schlüpfen, um als Architekt, Regisseur und Staatspräsident durch die Historie des Hauses zu leiten. Das ist erfrischend lebendig und hebt sich von ähnlichen Führungen im deutschsprachigen Raum ab. Wir übersetzen den Kindern für sie interessante Punkte und so haben wir alle vier eine gute Zeit im Nationaltheater.
Auf dem Rückweg ins Hotel schauen wir noch in der Markthalle der Stadt vorbei. Enge Wege werden von bunten Läden und Sodas – einfachen Restaurants – flankiert.
Bald darauf öffnen sich erstmals die Schleusen des Himmels in vollem Umfang. Ein beeindruckender Platzregen flutet die Straßen. Schnell suchen wir Zuflucht unter dem Vordach einer Kirche und warten, bis die Flut etwas nachlässt. Dann werden Ponchos und Regenjacken angezogen und es geht durch den anhaltenden Regen zurück zum Hotel.
Dort ist für die Kinder Pool-Zeit angesagt. Es ist schließlich warm genug, dass man auch bei strömendem Regen Spaß im Schwimmbecken haben kann. Auch ein erster Vogel – ein Rufous-collared Sparrow – findet heute noch seinen Weg auf unsere Speicherkarte. Das ist schön an einem neuen Reiseland: Man freut sich auch über Allerweltsvögel.
Als sich das Licht des Tages gegen 18 Uhr verabschiedet (die Sonne hat das schon eine ganze Zeit früher getan…), essen wir im Restaurant lecker zu Abend und fallen bald darauf müde in die Betten. Früh am nächsten Morgen – ich glaube, es war gegen sechs Uhr – werden wir von einem Reisebus abgeholt, der uns gen Tortuguero bringen soll.
Rückblickend sind wir froh, zwei Nächte in San José eingebaut zu haben, auch wenn die Stadt sicherlich nicht zu den Orten auf der Welt gehört, die man gesehen haben muss. Denn der Aufenthalt hat unseren Reisebeginn wohltuend entschleunigt: In der ursprünglichen Planung wären wir direkt nach der ersten Nacht nach Tortuguero weitergereist. Das wäre sehr stressig gewesen. Und außerdem setzt der Aufenthalt einen schönen Kontrapunkt zu dem ansonsten doch SEHR naturlastigen Rest der Reise. So haben wir wenigsten einige flüchtige Eindrücke von Kultur und Geschichte des Landes sammeln können.
Im nächsten Kapitel geht es mit Pauschalurlaubsanwandlungen, schönen Dschungellandschaften und vielfältigem Getier weiter.
Teil 319. Aug. 2022
2. Kapitel: Auf nach Tortuguero!
Früh klingelt unser Wecker, denn bereits kurz nach sechs Uhr werden wir für unsere Weiterreise nach Tortuguero abgeholt. Ziemlich pünktlich steht dann auch ein großer Reisebus vor der Hoteltür und unser Guide für die kommenden Tage – Mario – stellt sich uns vor. Etwas müde steigen wir in den noch leeren Reisebus, der uns die nächste gute Stunde durch die Straßen San Josés schaukeln wird, um noch weitere Tortuguero-Besuchende aufzusammeln. Immer wieder halten wir also eine gefühlte Ewigkeit vor diversen Hotels und an wenig malerischen Straßenecken. Eine solche Art zu reisen sind wir nicht mehr gewohnt und so fremdeln wir etwas mit der Fremdbestimmung dieses Pauschalarrangements, das jedoch den bei weitem einfachsten Weg darstellt, um in den Tortuguero Nationalpark zu gelangen und dessen Buchung deshalb für uns der attraktivste Weg war. In der Theorie wussten wir also (auch durch Reiseberichte hier im Forum) bereits im Vorfeld, was uns heute erwarten wird. 😗
Das Prozedere zieht sich in die Länge. Immer mehr Menschen steigen nach und nach zu und so ist der Bus am Ende seines Zickzackkurses durch die Hauptstadt gut gefüllt. Ich werde unruhig, da ich zu Beginn der Reise noch dem Reiseführer-Mantra Glauben schenke, dass es zur Regenzeit in Costa Rica morgens sonnig und trocken sei und ab der Mittagszeit heftiger Regen fallen würde. Unsere Erfahrungen der kommenden Wochen werden jedoch kaum geeignet sein, diesen Grundsatz zu stützen…
Irgendwann verlassen wir die Stadt und das Central Valley, indem wir den Braulio Carillo Nationalpark auf einer gut ausgebauten Straße durchfahren. Die Blicke aus den Busfenstern sind für uns Costa Rica-Neulinge spektakulär: Regenbewaldete Berghänge, überall dichtestes Grün – unterbrochen nur von Flüssen in ihrem natürlichen Bett. Im Vorbeifahren flüchtige Blicke auf Tukan, Brüllaffen und Faultier. Wie gern wären wir hier schon ausgestiegen – aber der Wagen, der rollt.
Das visuelle Erleben wird untermalt von sehr ausführlichen zweisprachigen Erklärungen Marios. Auf Spanisch und Englisch werden die Businsassen mit durchaus interessanten Fakten über Costa Rica und seine Natur versorgt – aber eben leider in gefühlter Dauerschleife. Dieser Informationsservice aus Lautsprecherboxen ist uns eher fremd und wir wundern uns gerade nicht, dass wir seit 2005 keine Großgruppenreise mehr unternommen haben. 😛
Das Fremdeln mit der Gesamtsituation wird durch die Mittagsrast in Guapiles im ersten Moment nicht gerade gelindert. Auch hier wussten wir schon in groben Zügen, was auf uns zukommen wird. Der Bus hält an einem kleinen Restaurant am Wegesrand, das nur dafür da zu sein scheint, Transfergruppen auf dem Weg von und nach Tortuguero zu versorgen. Alle sind hier durchaus nett, trotzdem fühlt es sich nach Massenabfertigung an und auch die Qualität des Essens ist eher durchschnittlich. Aber dann entwickelt dieser Stopp doch noch seinen Reiz. Und das hat zwei Gründe. Erstens ist nahe des Restaurants ein kleiner Pfad durch den Regenwald angelegt, der nur wenige hundert Meter lang ist und zu einem malerischen Fluss führt. Das Eintauchen in diese für uns neue Welt mit ihren fantastischen Pflanzen und intensiven Geräuschen ist ein tolles Erlebnis. Schnell vergessen wir das „Hummeldumm-Arrangement“ und genießen die kleine Entdeckungstour.
Den zweiten Grund der Stimmungsaufhellung liefern uns zwei Sodatenaras, die ich zuerst recht weit entfernt in einem hohen Baum entdecken kann. Gleich so früh auf der Reise hatten wir uns nicht erträumt, diese seltenen Vögel zu Gesicht zu bekommen. Und als sie dann auch noch in einen viel näheren Baum wechseln, sind wir mit der Mittagspause sehr zufrieden. Als Zugabe zeigt sich uns noch ein Broad-winged Hawk. Also alles gut.
Bald geht es dann weiter im Reisebus. Durch flache Weidelandschaft fahrend, nähern wir uns dem Flusshafen von Pavona. Und noch immer scheint die Sonne!
Der Ausstieg hier grenzt an einen Schock. Die schwüle Hitze, die uns beim Verlassen des klimatisierten Busses empfängt, ist schier unerträglich. Zu allem Überfluss wird sie noch durch die Abgase der hier zahlreich eintrudelnden Busse und Individualfahrzeuge gewürzt. Mein erster Gedanke ist, dass ich das hier wohl nicht schaffen werde… Wir raffen unser umfangreiches Gepäck zusammen (zwei große Trolleys, zwei Erwachsenenrucksäcke, zwei Kinderrucksäcke, eine Provianttasche, zwei große Objektivköcher) und bahnen uns den Weg runter zum Fluss. Rutschig und matschig ist es hier und die Aktion erfordert Kraft, Geschick und etwas Glück…
Nach kurzer Irritation entdecken wir Mario auf einem der Boote. Meine Güte – was ist das hier für ein Gewusel! Wir verstauen das Gepäck auf einem Transportboot und besteigen selbst ein anderes und schon bald beginnt unsere erste Fahrt über die Kanäle des Nationalparks.
Ganz schnell sind der Stress des Flusshafens und die Länge der Anreise vergessen. Die Landschaft, die uns empfängt, ist einfach wunderschön. Das Wasser des Kanals ist ruhig, gesäumt wird er von Grün und unterschiedlichsten Formen und Schattierungen. Um solche Eindrücke zu erleben, sind wir nach Costa Rica gereist.
Als sich dann auch noch erste Tiersichtungen einstellen, sind wir sehr glücklich. 🙂
Wir können unseren ersten (recht kleinen) Brillenkaiman entdecken, wie er in typischer Weise unbeweglich an einem kleinen Stamm ruht.
Auch ein erstes (und auch recht kleines) Spitzkrokodil lässt sich ebenfalls klassisch-unbewegt beobachten.
Ein Ringed-Kingfisher zeigt sich im besten Gegenlicht – Fotos haben es hier nicht in die Auswahl geschafft.
Und dann folgt unser Highlight: Ein Dreifinger-Faultier in der dichten Ufervegetation. Und dazu noch ein aktives! Für uns ist das ein Traum – die Kinder sind begeistert, das Attribut „süß“ mit ganz vielen „ü“ wird immer wieder ausgerufen.
Es ist gar nicht so leicht, von dem stets in Bewegung bleibenden Boot dieses zugegebenermaßen nicht allzu schnelle Tier zu fotografieren – das muss noch geübt werden. Davon unbenommen verabschieden wir uns mit einem breiten Lächeln von dieser Begegnung. Familienwunschsichtung: Check! 🙂
Ein grüner Leguan ist unser letzter Stopp auf der Anreise. Was sind diese großen Echsen, die in den kommenden Tagen zur Grundausstattung gehören werden, doch beeindruckend.
Zufrieden erreichen wir schließlich die Laguna Lodge, in der wir die kommenden zwei Nächte verbringen werden.
Dem Rest des Tages (inklusive der Erkundung der Lodge, einem Ausflug ins Tortuguero Village und einer nächtlichen Meeresschildkrötenbeobachtung) ist das nächste Kapitel gewidmet.
Teil 421. Aug. 2022
Die Laguna Lodge ist ein kleines Paradies.
Nach dem Ankommen werden wir mit leckeren Säften als Willkommensdrink begrüßt und in der Lobby über inkludierte (alle Mahlzeiten, Dorfausflug, eine Kanalfahrt) und fakultative Aktivitäten (weitere Kanalfahrten, Wanderung zu einem Aussichtspunkt, Beobachtung der Meeresschildkröteneiablage) informiert. Ich höre nur mit halbem Ohr zu, denn an den Wänden des Raums rasten zahlreiche Fledermäuse, die meine Aufmerksamkeit weit mehr binden können als unser Guide Mario.
Nach kurzer Familienabsprache beschließen wir, bereits heute Abend eine Meeresschildkröten-Tour zu buchen. Wir wollen nicht alles auf eine Karte setzen und uns die Möglichkeit offen halten – sollten wir heute keine Schildkröte zu Gesicht bekommen – am nächsten Tag eine weitere Tour zu buchen. Außerdem buchen wir eine zweite Kanalfahrt zum Sonnenaufgang. In unserem Paket ist nur eine Ausfahrt inkludiert und die findet erst nach dem Frühstück statt. Wir wollen unsere Zeit hier aber so gut wie möglich nutzen.
Bis zum obligatorischen Ausflug ins Tortuguero Village am frühen Nachmittag haben wir noch Zeit und so beziehen wir unser kleines und einfaches Viererzimmer (vier Betten, ein Regal, eine (geteilte) Veranda mit Schaukelstuhl, ein kleines Bad – that’s it). Mit ihren über hundert Zimmern ist die Laguna Lodge die mit Abstand größte Unterkunft, die wir auf dieser Reise besuchen werden. Doch die Größe der Anlage sollte nicht abschrecken, denn die als kurze Reihenhausriegel angelegten Zimmer sind über ein sehr weitläufiges Gartenareal angeordnet, so dass sich die Gästemenge sehr gut verteilt und wir nie das Gefühl hatten, dass es hier richtig voll war. Und überhaupt: Der sattgrüne Garten ist ein Paradies für Tiere unterschiedlicher Art. In einem hohen Baum nisten Montezuma Oropendolas, ihr charakteristischer Balzgesang wird unsere Tage in Tortuguero prägen. An vielen Orten lassen sich außerdem gut getarnte Grüne Leguane ausmachen.
Im großen Restaurant, das direkt am Kanal liegt, essen wir lecker zu Mittag (auch kann man hier die eigenen Wasserflaschen immer kostenlos auffüllen) und gehen dann auf Entdeckungstour über das Lodgegelände und an den angrenzenden Strand. Die Kinder entdecken Hängematten und Pool und sind begeistert. Meiner Frau und mir begegnen ein erster Stirnlappenbasilisk, mit der Green-breasted Mango unsere erste Kolobri-Art und ein imposantes Brüllaffenmännchen – unsere einzige Bodensichtung dieser Spezies. Wir sind alle sehr zufrieden. Es scheint eine gute Idee gewesen zu sein, hierher zu kommen.
Gegen 14 Uhr besteigen wir ein kleines Boot der Lodge und setzen zum nahen Tortuguero-Village über. Alles hier findet in der Kleingruppe statt und so bekommen wir in einer Menschentraube stehend ein paar Informationen über das Dorf. Bald löst sich die Ansammlung aber auf und man kann das Dorf außerhalb der Gruppenformation ansehen. Wir machen als erstes Halt an einer Schule: wie jede Schule im Land bläulich gestrichen und am frühen Nachmittag bereits menschenleer. Mit professionellem Interesse werden die Klassenräume gemustert – vor allem wird unsere Aufmerksamkeit aber von einem Käfer gigantischen Ausmaßes gefesselt.
Der weitere Gang über die „Hauptstraße“ des Dorfes fällt unter die Kategorie „kann man machen“.
Der Weg ist gesäumt von kleinen Läden, Bars und Unterkünften. Das Fischerdorf hat unverkennbar eine alternative Geldeinnahmequelle gefunden. Wir finden es völlig okay, dass auch die Lodgegäste hierher gefahren werden, damit die lokale Community auch von diesen profitieren kann und so essen wir an Straßenständen und kaufen ein wenig im Supermarkt ein. So richtig Sehenswertes begegnet uns auf dem Ausflug aber nicht. Immerhin können wir hoch in den Bäumen unsere ersten Klammeraffen entdecken – wenn auch nur sehr suboptimal fotografieren.
Außerdem zeigen sich während des Dorfrundgangs bereits Keel-billed Toucan und Chestnut-mandibled Toucan in akzeptabler Fotodistanz. Auch ein Social Flycatcher lässt sich ablichten. Das sind für uns die eigentlichen Höhepunkte des Ausflugs.
Zurück in der Lodge spazieren wir am wilden Karibikstrand, der so gar nicht dem Klischeebild in unserem Köpfen entsprechen will.
Und bald wird es dann auch bereits dunkel. Nach dem guten Abendessen im Restaurant treffen wir uns an der Lobby mit unserem Guide für die heutige Meeresschildkröten-Tour. Von der Nationalparkverwaltung bekommt jede Kleingruppe einen Strandabschnitt zugeordnet, an dem sie ihr Glück versuchen kann. Zu Beginn gibt es ein ausführliches Briefing über Verhaltensregeln. Es wird hier sehr ernst genommen, dass die Tiere möglichst wenig gestört werden. So ist es z.B. absolut verboten, Mobiltelefon, Taschenlampe oder Kamera mit auf die Tour zu nehmen. Jede unkontrollierte Lichtquelle soll vermieden werden.
Wir besteigen ein Boot und fahren in absoluter Dunkelheit über den Hauptkanal zu unserem Strandabschnitt. Kurz nach dem Aussteigen heißt es dann erstmal abwarten. Ein Ranger ist am Strand unterwegs und prüft, ob Schildkröten an dieser Stelle heute an Land kommen. Wir warten und warten in absoluter Finsternis. Anfangs weiß unser Guide noch dies und das zu erzählen, aber irgendwann ist jeder Gesprächsstoff aufgebraucht und wir lassen uns erschöpft auf dem Boden nieder. Die Kinder sind beinahe eingeschlafen (oder waren sie es tatsächlich bereits?), als es irgendwann heißt, dass am Strand neben der Laguna Lodge – unserer Lodge! – Schildkröten gesichtet wurden und wir nun die Erlaubnis hätten, diesen Abschnitt aufzusuchen. Also wieder rein ins Boot und in Windeseile durch die Schwärze der Nacht zurück zur Lodge. Das wird immerhin die Heimreise am Ende der Tour für uns verkürzen.
Und tatsächlich: Circa fünfzig Meter Luftlinie hinter unserem Zimmer (!) können wir nun eine Grüne Meeresschildkröte bei ihrer Eiablage beobachten. Meine Güte – ist das Tier riesig! Das Prozedere der Beobachtung läuft extrem ritualisiert und diszipliniert ab. Als wir ankommen, ist die Schildkröte gerade dabei, ihre Eier in eine zuvor gegrabene Sandkuhle zu legen. Bis auf ca. einen Meter dürfen wir uns leise dem Ort des Geschehens nähern – immer unter dem wachsamen Augen der Ranger. Unser Guide strahlt mit einem matten Rotlicht den hinteren Teil der Meeresschildkröte an – ihren Kopf werden wir nie wirklich zu sehen bekommen. Störungsprävention hat hier glücklicherweise eine hohe Priorität. Mit angehaltenem Atem stehen wir da und sind von dem, was wir sehen, total fasziniert. Nach etwa zwei Minuten müssen wir den Ort verlassen und uns „hinten anstellen“: Eine neue Kleingruppe darf nun zusehen. Wir sind dankbar für jeden Augenblick, den wir miterleben durften. Wir stellen uns nun immer wieder an und können den Prozess der Eiablage auf diese Weise begleiten. Nachdem sämtliche Eier ihren Weg in die Grube gefunden haben, beginnt das Muttertier das Loch zu schließen und in einem weiteren Schritt durch wilde Schläge der Flossen und dadurch aufgewirbelten Sand zu tarnen. Das macht die Grüne Meeresschildkröte mit enormem Engagement: Man sollte auf seine Augen achten – der Sand fliegt mit enormer Kraft hoch durch die Luft. Dass irgendwann der unvermeidliche Regen einsetzt, stört uns gar nicht: Ponchos, Wärme und Faszination sei Dank! Während wir anstehen, entdecken wir noch eine weitere Schildköte, die sich gerade auf dem Weg zurück ins Meer befindet – die Ausmaße dieser Tiere sind wirklich beeindruckend!
In unseren Köpfen haben wir ganz viele Bilder abgespeichert, als wir todmüde zu unserem Zimmer zurückkehren. Ein extrem intensiver Tag liegt hinter uns. Dass wir heute Morgen noch in San José erwacht sind, können wir uns gar nicht richtig vorstellen.
Nach einigen Stunden der Erholung (gut, dass es Ventilatoren gibt...) geht es dann im Morgengrauen auf die Kanäle. Wir sind gespannt.
Teil 522. Aug. 2022
Kapitel 3: Tortuguero-Safari
Kurz vor Sonnenaufgang müssen wir raus aus den Federn – das ist vor allem für die jüngere Hälfte der Familie eine echte Überwindung, nachdem der Tag gestern doch recht lang geworden ist. Aber es hilft nichts: In aller Herrgottsfrühe legt unser Boot zur ersten Kanal-Safari ab und wir sind gespannt, was uns im noch jungen Licht des Tages vor die Linse kommen wird. Das Wetter präsentiert sich glücklicherweise von seiner trockenen Seite und immer wieder zeigt die Sonne ihr Gesicht. Das ist in Tortuguero – unabhängig von Regen- oder Trockenzeit – keine Selbstverständlichkeit und daher sind wir froh. Gleich neben dem Bootsanleger entdeckt unser Skipper einen Stirnlappenbasiliken im dichten Ufergrün. Regungslos und perfekt getarnt wäre er unseren ungeübten Augen sicherlich entgangen.
Und dies ist tatsächlich bei den meisten der heute folgenden Sichtungen der Fall: Ohne erfahrene Guides hätten wir wenig gesehen. Wir müssen nicht lange fahren, bis wir auf einen Anhinga treffen, die mittel- und südamerikanische Version des afrikanischen Schlangenhalsvogels. Etwas kleiner als dieser, aber insgesamt ein vertrauter Anblick.
Weitere Sichtungen folgen in kurzen Zeitabständen: Ein kleiner Green Heron macht den Anfang.
Dann können wir einen weiteren Stirnlappenbasilisken entdecken – auch dieses Mal gut getarnt.
Ein Dreifinger-Faultier zeigt sich uns als Fellkugel – kein vorzeigbares Foto. Ein Ringed Kingfisher hat seinen Ansitz wenig fotogen auf Stromleitungen gewählt.
Und natürlich lässt auch ein Grüner Leguan nicht lange auf sich warten.
Am Eingang zum Nationalpark machen wir fest und müssen eine Weile warten, bis unser Guide den Eintritt geregelt hat. Und kurz darauf folgt auch schon unser erstes Tageshighlight: Direkt am Ufer und gar nicht mal sehr weit über unseren Köpfen bahnt sich pitschnass und äußerst zottelig unser erstes Zweifinger-Faultier seinen frühmorgendlichen Weg. Dass dieses Exemplar ziemlich ungewöhnlich gefärbt ist, merken wir erst im Nachhinein, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen Vergleich haben. Wie Bolle freuen wir uns über diese Sichtung: Solche Erlebnisse hatten wir uns erhofft. Sie nun Realität werden zu sehen, ist eine ganz großes Geschenk.
Weiter geht es über eher breite Kanäle – die wirklich kleinen Wasserwege sind nur mit Kajaks zu befahren und das war uns in der aktuellen Familienkonstellation etwas zu abenteuerlich.
Die nächste Phase der Ausfahrt ist fest in Vogelhand: Ein Fasciated tiger heron ist unsere nächste Sichtung.
Gefolgt von juvenilen Northern Jacanas und einem Green Kingfisher.
Ein Brillenkaiman schleicht sich in den Vogelreigen, um direkt von einem Green Ibis abgelöst zu werden.
Und dann entdecken wir meine neuen Lieblingsreiher, die uns etwas an den Schuhschnabel Afrikas erinnern: Boat-billed Heron, zu Deutsch: Kahnschnabel.
Auf der Rückfahrt zur Lodge begegnen wir erneut unserem Zweifinger-Faultier. Es hat sich an exponierter Stelle in einen Baum gehängt, um vielleicht endlich mal trocken zu werden. Das zufriedene Lächeln beim Sonnenbad ist unbezahlbar.
Zurück in der Laguna Lodge machen wir nur eine kurze Frühstückspause, um dann wieder das Boot zu besteigen.
Die zweite Ausfahrt führt uns über andere Kanäle und verläuft sichtungstechnisch etwas ruhiger. Wir können gut getarnt einen Yellow-crowned Night-Heron entdecken und außerdem einige Golden Orb Spiders ablichten – was vom Boot aus gar nicht so einfach ist, aber wir wissen ja noch nicht, wie oft wir die Tiere noch zu Fuß vor unserer Nase haben werden.
Ein weiterer Helmbasilisk – unsere Lieblingsechse Costa Ricas: Dieser Kamm, diese Farbe, der starre Blick – einfach sehr schön anzusehen.
Auf dieser zweiten Ausfahrt befahren wir kleinere und sehr malerische Kanäle. Über unseren Köpfen schließt sich das Regenwalddach, alles ist in grünes Zwielicht getaucht. Das Wasser des Kanals steht beinahe still und wird zum Spiegel. Dazu das gar nicht so ferne Kreischen der Weißschulterkapuziner. Eine wunderbare Stimmung.
Kurz setzt Regen ein und hört so plötzlich, wie er begonnen hat, auch wieder auf. Und dann entdecken wir ein Brüllaffen-Gruppe. In der dichten Ufervegetation wird geturnt und geschmaust. Fast immer sind die Affen in Bewegung, häufig sind sie halb durch große Blätter verborgen. Für den Fotografen ist es da nicht immer ganz einfach, scharfe und unverstellte Fotos zu machen.
Nach einiger Zeit lösen wir uns von dem Treiben der Brüllaffen und entdecken einige Zeit später ein Dreifinger-Faultier. Dieses ist zwar wach, aber durch das dichte Laub, in dem es sich bewegt, nur schwer zu beobachten. Immerhin gelingt ein Erinnerungsportrait durch eines der seltenen Vegetationslöcher - eine Herausforderung bei dem sich ständig bewegenden Boot...
Bald darauf finden wir erneut Brüllaffen – und dieses Mal sehen wir sie nicht nur, sondern können aus kurzer Distanz erfahren, warum niemand auf die Idee kam, die Tiere „Flüsteraffen“ zu nennen.
Das Finale der Tour wird von einem Klammeraffen übernommen, der über unseren Köpfen herumturnt und sein spätes Frühstück einnimmt. Bei dieser Sichtung kann ich die Erfahrung, ein dunkles Motiv gegen den hellen Himmel fotografieren zu müssen, richtig schön auskosten… Costa Rica stellt in dieser Hinsicht großzügig Übungsanlässe zur Verfügung…
Recht schnell geht es dann mit dem Boot zurück zur Lodge – wir haben einen weiten Weg vor uns und entsprechend schnell wird gefahren. Auf der Rückfahrt geht es dann nur noch um Strecke und nicht mehr um Sichtungen – das finden wir etwas schade.
Trotzdem sind wir mit dem Morgen des heutigen Tages sehr zufrieden. Tortuguero weiß zu begeistern. Den weiteren Tag werden wir ganz profan auf dem Lodgegelände verbringen – das tut aber dem Wildlife-Erlebnis überraschenderweise gar keinen Abbruch. Von unserer "Walking-Safari" im Garten und am Strand handelt das nächste Kapitel.
Teil 625. Aug. 2022
Fortsetzung
Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Gelände der Laguna Lodge. Die meiste Zeit über wird die Sonne scheinen – immer wieder unterbrochen von kurzen und durchaus heftigen Schauern, denen wir auf den Schaukelstühlen der Veranda lauschen. Ein kleiner Pavillon unweit unseres Zimmers lädt mit seinen Hängematten zum Ausspannen ein. Unsere Mädchen genießen das in vollen Zügen und ziehen sich schon bald mit ihren Büchern dorthin zurück. Auch der schöne Pool, an dessen Bar man ganz wunderbare frische Saftkreationen bekommen kann, begeistert den Nachwuchs an diesem Tag sehr. Immer wieder streifen wir auch durch den großen Garten der Lodge und immer wieder gibt es Neues dabei zu entdecken.
Endlich findet unser schon häufig mitgeschlepptes Makroobjektiv seine Anwendung. Meine Frau ist begeistert von den eleganten Golden Orb-Spiders und anderem Kleinvieh.
Als sie dann noch eine prächtige Gottesanbeterin beim Verzehr einer Zikade beobachten kann, ist sie sehr zufrieden.
Ich streife mit dem Teleobjektiv umher und freue mich über die ansässige Vogelwelt. Zwar sitzen die Montezuma-Oropendolas sehr weit oben in den Bäumen, so dass nur Beweisfotos entstehen. Aber Great Kiskadee und Variable Seedeater sind zum Glück etwas kooperativer.
Besonders freue ich mich aber über einige Soldatenaras, die lautstark in einem der Lodgebäume ihrer Nahrungssuche nachgehen. Diese Nahbegegnung ist etwas Wunderbares für mich.
Auch beeindruckende Grüne Leguane, unseren ersten Streifenbasilisken und eine große blaue Krabbe können wir während unserer Spaziergänge entdecken.
Der Strand ist den ganzen Tag über mehr oder weniger menschenleer und gefällt durch seine wilde Schönheit.
Dort treffen wir auf einen Sicherheitsmann der Lodge, der gerade einer anderen Familie einige Tiere zeigt, die er im Laufe des Tages bei seinen Rundgängen entdeckt hat. Hier schließen wir uns gerne an und sehen auf diese Weise sehr gut getarnten Grünen Leguannachwuchs, den wir allein niemals entdeckt hätten.
Außerdem macht er uns am Strand auf einen mittelamerikanischen Baumstachler aufmerksam, der im dichten Laub eines Baumes den Tag verdöst. Dieses nachtaktive Tier zu sehen mit seinem Stachelkopf und der überdimensioniert wirkenden Nase, ist großartig. Seit ich ein Bestimmungsbuch über Costa Ricas Fauna gelesen habe, hatte ich insgeheim einige (mehr oder weniger realistische) Sichtungswünsche – dies war einer von ihnen. 🙂
Nicht weit entfernt ruht in einem niedrigen Palmbaum eine Zweifinger-Faultier-Mama mit ihrem Nachwuchs. Hier sind wir quasi auf Armeslänge von dem Tier entfernt, das sich zuerst nur als Fellkugel präsentiert. Mit etwas Geduld bekommt man aber mehr von den Tieren zu sehen: Irgendwann lagert sich die Mutter um und zeigt uns ihr Gesicht.
Als sich dann noch das Köpfchen des Faultierbabys aus dem dichten Bauchfell der Mutter reckt, sind wir happy.
Immer wieder kommen wir im Laufe des Tages zurück zum nahen Faultierbaum und genießen den Anblick von der müden Mutter und ihrem Kind.
Mit diesem Bild des Friedens soll das heutige Kapitel enden. Pura Vida.
Morgen verlassen wir den Tortuguero Nationalpark leider auch schon wieder. Es wird ein Fahrtag anstehen: Zuerst mit dem Boot, dann mit dem Bus zur Mietwagenübernahme und schließlich mit dem Auto bis in den Süden nach Cahuita: Da heißt es früh ins Bett.
Teil 728. Aug. 2022
Kapitel 4: Von Booten, Bussen und Mietautos
Mit dem Aufgang der Sonne beginnt für uns ein neuer Tag in Costa Rica. Noch ist es ein wenig Zeit, bis unser Aufenthalt in der Laguna Lodge am heutigen Morgen enden wird und so streife ich bereits vor dem Frühstück ein bisschen über das Gelände. Hin und wieder konnte ich am Vortag schon Kolibris bei ihrer Nahrungsaufnahme beobachten. Wenn plötzlich und unerwartet ein solcher Vogel direkt vor der eigenen Nase in der Luft zum Stehen kommt, ist das ein ganz toller Moment. Allein mit scharfen Fotos wollte es gestern nicht wirklich klappen. 😵
Heute Morgen ist das zum Glück schon etwas anders: Auch hier wird viel Verwackeltes auf die Speicherkarte gebannt und die Kolibri-Dichte im Garten ist auch nicht wirklich hoch, was das Üben erschwert – aber immerhin gelingen ein paar Kolibri-Aufnahmen, mit denen ich für den Anfang zufrieden bin.
Auch kann ich einen kleinen Common Tody-Flycatcher entdecken. Es gelingt kein wirklich überzeugendes Foto, das beste findet trotzdem seinen Weg in den Bericht, denn es ist das einzige Mal, dass ich diese Vogelart in Costa Rica bewusst wahrnehme.
Beim gemeinsamen Frühstück haben wir einen wunderbaren Blick auf den Hauptkanal. Schönes Wetter und Landschaftsfotos vertragen sich doch ganz gut.
Wir spazieren etwas später noch einmal gemeinsam zum Strand, den wir bisher noch nicht bei so schönem Wetter sehen konnten. Vorbei geht es an einem fotogenen männlichen Streifenbasilisken.
Gestern hatten uns Faultier und Baumstachler hier so sehr in ihren Bann gezogen, dass wir auf die Umgebung kaum geachtet haben. Heute früh sehen wir uns den Strand aber im Hinblick auf die Spuren der Meeresschildkröten genauer an. Und wir werden schnell fündig. An einigen Stellen sieht man die zugescharrten Nester, von denen gut sichtbare Spuren zurück ins Meer führen. Auch „unser“ Nest ist natürlich dabei.
Dann heißt es leider Koffer zusammenraffen und zum Bootssteg gehen, wo unsere Transferboote bereits auf uns warten. Unsere Zeit im Tortuguero Nationalpark geht ihrem Ende entgegen.
Kaum haben wir abgelegt, präsentiert der Park unser Abschiedsgeschenk. Direkt vor unseren Nasen ziehen einige große Tümmler durch das ruhige Wasser des Kanals. Die Kinder sind verzückt und ein paar Erinnerungsfotos gelingen trotz des Wackelboots dann auch.
Ein letztes Mal lassen wir die dichte Ufervegetation an uns vorbeiziehen. Irgendwann kommen wir dabei an einem enorm großen Spitzkrokodil vorbei, das nach den Sichtungen der Kaimane an den Vortagen wirklich gigantisch auf uns wirkt.
Und dann setzt der Regen ein. Nach kurzer Zeit schüttet es wie aus Eimern. Und da der Fahrtwind das Wasser auch unter das Dach des Bootes drückt, werden alsbald Planen an den Seiten heruntergelassen, die theoretisch Plastiksichtfenster haben. Diese sind aber leider völlig blind und so ist der Abschied von Tortugueros Kanallandschaft plötzlicher als gedacht. 😣 Die letzten Kilometer fahren wir in einem bootsförmigen Treibhaus zurück zum Flusshafen. Hier hat der Regen bereits ganze Arbeit geleistet: Die Anlegestelle gleicht einer Ebene aus Matsch. Der Anstieg zum Parkplatz gerät einigen Mitfahrenden zur ungewollten Rutschpartie. Merke: Trage keine blütenweißen Sneaker und Hosen, wenn du zur Regenzeit durch Costa Rica reist. 😉 Wir erreichen unbeschadet unseren Bus, der bereits auf dem Parkplatz wartet.
Der Rest des Tages ist dann vor allem eines: Anstrengend.
Wir werden mit dem Bus zu dem gleichen Restaurant gefahren, an dem wir auf der Hinreise bereits Halt gemacht haben. Hier gibt es ein Mittagessen, das nicht der Rede wert ist und auf das ich gar keine recht Lust habe, weil ich das gefahren-werden ohne Blick aus der Windschutzscheibe immer schlechter vertrage. 🤢 Danach folgt ein kurzer Transfer zur Guarumo Lodge, die recht schön am Rio Costa Rica liegt. Hier übernehmen wir unseren Mietwagen. Alles ist top organisiert: Mitarbeiter der Firma Adobe sitzen an mehreren Tischen, auf denen jeweils die Namen ihrer Kunden vermerkt sind. So ist gleich klar, an welchem Tisch wir versorgt werden. Trotzdem zieht sich das Prozedere, bis wir endlich drankommen, ziemlich in die Länge. Und dazu ist es hier unter dem Wellblechdach wahnsinnig heiß und schwül. Zum Glück finden wir einen Balkon mit Blick auf dem Fluss, auf dem ein kleines Lüftchen weht. Dort treffen wir auf den Besitzer der Lodge, der unsere Kameras sieht und sich als begeisterter Fotograf zu erkennen gibt. Er zeigt uns fantastische Bilder, die er im nahen Wald aufgenommen hat und bietet an, uns bei einer potenziellen weiteren Reise gern zu seinen Fotospots zu führen. Das klingt im Angesicht seines Portfolios nur allzu verlockend. Irgendwann sind wir die nächsten am Mietwagen-Tisch und die Übernahme erfolgt dann recht zügig. Wir erhalten eine kurze Einweisung in unser Trio – ein Smartphone, das uns als lokales Telefon, als Navi und als mobiler Hotspot dienen wird. Es war eine der besten Ideen unseres Reiselebens, dass wir dieses Gerät gebucht haben. Denn in Costa Rica sind Straßenwegweiser noch immer absolute Mangelware. Keine Ahnung, ob wir ohne das Navi jemals an unseren Zielen angekommen oder überhaupt noch verheiratet wären. 😈
Ein ziemlich neuer Hyundai Creta wartet an der Einfahrt der Lodge auf uns. Dieser SUV wird uns in den nächsten Wochen sicher durch Costa Rica fahren. Der erhöhte Straßenabstand stellt sich im Angesicht von Schlaglöchern und Wasserlachen als sinnvoll heraus. Allradantrieb vermissen wir trotz Regenzeit aber in keinem Moment der Reise. Nachdem wir das Gepäck verstaut haben – wie soll das nur gehen, wenn die Kinder jemals mehr Gepäck benötigen? 😏 – geht es los in Richtung südliche Karibik.
Auf großer Straße mit potenziell mehreren Fahrspuren geht es gen Osten. Die Straße ist leider eine einzige Baustelle und so kommen wir nur langsam voran. Durchgehend ist die Gegenfahrbahn gesperrt und so wird aus dem eigentlichen Highway ein gefühlter Byway. Dazu kommen langsame Bananen-Trucks in großer Zahl. Überholen wird zum Abenteuer und ist (eigentlich) sowieso meist verboten. Das ist alles ziemlich anstrengend und wird erst besser, als wir Limón umfahren haben.
Die Straße, die sich von dort an gen Süden an der Küste entlang zieht, ist viel kleiner und weniger befahren. Hier kommen wir entspannt mit Tempo 60 voran.
Trotzdem ist es bereits dunkel, als wir Cahuita schließlich erreichen. Unser Navi lotst uns von der Hauptstraße weg durch eine unbeleuchtete und enge Nebenstraße. Kann das hier richtig sein? Bald trifft der Weg jedoch auf eine weitere unbefestigte Straße, die direkt am Strand entlang und uns bald zu unserer Unterkunft führt, die nur durch die Straße getrennt, an der Playa Negra und damit etwas außerhalb Cahuitas gelegen ist: Das Playa Negra Guesthouse. Wir haben im Netz viel Gutes über diese kleine Unterkunft gelesen und sind sehr gespannt – die nächsten Tage werden zeigen, dass das Guesthouse in ganz vielen Belangen ein absoluter Traum ist. 🙂
Total herzlich werden wir – erschöpft von der langen Fahrt – von Marise, der Besitzerin des Gästehauses, empfangen. Sie zeigt uns auf dem Weg durch den Garten zu unserem Häuschen bereits Stellen, an denen man regelmäßig Pfeilgiftfrösche sehen kann und erzählt von den hier zahlreich ansässigen Faultieren, während eines von ihnen bereits als ein sich langsam bewegender Schatten durch das nahe Gehölz klettert. Das Häuschen selbst bietet alles, was wir benötigen: Zwei Zimmer, Küche, Bad und eine große Veranda mit Gartenblick als Wohnzimmer. Zum Fotografieren sind wir heute zu müde. Außerdem ist es dunkel. In einem Restaurant in der direkten Nachbarschaft – es mag die Atlantida Lodge gewesen sein, aber ich bin mir nicht sicher – essen wir schnell und ziemlich lecker zu Abend und genießen auch hier die frischen Säfte. Dann fallen wir todmüde in die Betten. In Cahuita ist es wahnsinnig schwül – auch nachts. Gut, dass es hier Ventilatoren gibt.
Teil 829. Aug. 2022
Kapitel 5: Cahuita zum Ersten: Playa Negra und südlicher Nationalpark
Ich werde vor den anderen wach und schleiche mich aus dem Haus, um ein wenig im Garten herumzustromern, an dessen Ende unsere Casita liegt. Das Playa Negra Guest House ist eine kleine Unterkunft. Im schönen Garten verteilt liegen drei Häuschen, die jeweils einem unterschiedlichen Farbmuster folgen. Unser blaues Domizil bietet dabei Platz für fünf bis sechs Menschen (vier Betten und eine Ausziehcouch verteilt auf zwei Schlafzimmer). Im Haupthaus, in dem auch das Besitzerpaar lebt, gibt es einige weitere Gästezimmer. Im Playa Negra Guesthouse ist es also niemals rummelig. Der Garten bietet außerdem einen kleinen Pool (sogar Wasserspielzeug ist in großem Umfang vorhanden) und einen Grillplatz. Es handelt sich um eine Selbstversorger-Unterkunft. Da jedoch Restaurants in direkter Umgebung sind und Cahuita ein paar Supermärkte bietet, ist das kein Problem. Die Küche unseres blauen Häuschens ist sehr gut ausgestattet und auf der Terrasse kann man wunderbar gemeinsam speisen.
Auf meinem ersten Streifzug lässt sich das Faultier des gestrigen Abends leider nirgends mehr entdecken. Dafür kommt jedoch bald ein Aguti vorbei, das ich lange beim Frühstück beobachten kann.
An einem kleinen Bachlauf auf dem Grundstück leben außerdem Krabben jeglicher Größe. Und auch spannende Käfer lassen sich entdecken.
Bald werden auch die anderen Familienmitglieder wach und wir beschließen, es nach dem anstrengenden gestrigen Tag etwas ruhiger angehen zu wollen. Meine Frau spaziert in die Stadt, um Frühstück zu besorgen – der Weg bis zum nächsten geöffneten Laden zieht sich leider ziemlich… 😵 Die Kinder und ich genießen die Zeit in Häuschen und Garten. Irgendwann treffen wir auf Pierre, den Besitzer des Guesthouses. Er ist ein absoluter Naturliebhaber und begeistert von all dem, was ihn hier umgibt. Gerne zeigt er uns die zahlreichen Leguane, die hoch oben in den Ästen der Gartenbäume ruhen. Auch erzählt er uns, dass zwischen unserem Haus und dem Meer rund sieben (!) Faultiere leben würden – die Strecke bemisst sich auf vielleicht auf 200 Meter! 🤩
Zuerst entdecken wir aber unseren ersten Goldbaumsteiger und sind begeistert von dem kleinen bunten Frosch, dessen Giftsekret, das er durch den Genuss giftiger Ameisen entwickelt, tunlichst nicht in unsere Blutbahn oder auf unsere Schleimhäute gelangen sollte.
Ein Gang mit Pierre an den Strand, der direkt vor der Haustür liegt, zeigt uns zwei Zweifinger-Faultiere. Eines ganz oben im Wipfel in klassischer Fellkugelhaltung, das andere auch ruhend – aber dabei viel niedriger (auf etwa zweieinhalb Metern Höhe) und sein Gesicht zeigend.
Das Meer ist hier relativ ruhig und man kann schwimmen. Das heben wir uns aber für später auf.
Auf dem Rückweg zum Haus treffen wir erneut auf ein Aguti – dieses Mal in besserem Licht.
Wir essen ein spätes Frühstück und entdecken dabei unseren ersten Halsbandarassari – es ist einfach schön, was man hier alles direkt von der eigenen Terrasse aus beobachten kann.
Danach ist Pool-Zeit. Die Kinder lieben es! Und auch wir finden die Abkühlung schön.
Zum Abduschen geht es dann ins Bad – aber halt! Wir sind nicht allein. Neben der Toilette sitzt ein kleiner Pfeilgiftfrosch. Gut, dass die Kerlchen diese auffällige Warnfarbe haben. Nachdem wir das Makroobjektiv bemüht haben, setzen wir den Frosch mit Hilfe einer Suppenkelle vorsichtig an die frische Luft und lernen, dass es gut ist, unsere Räumlichkeiten vor Benutzen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das wird sich im weiteren Reiseverlauf noch bestätigen…
Wir verbringen den weiteren Vormittag damit, den Garten zu genießen. Immer wieder lassen sich dabei Tiere blicken – hier Anolis und da ein juveniler Common Black Hawk (Krabbenbussard).
Es ist schon erstaunlich, was man hier alles im Garten entdecken kann. Zuhause haben wir Amseln, Meisen und mal ein Eichhörnchen... 😉
Den heutigen Nachmittag wollen wir im südlichen Teil des Cahuita-Nationalparks verbringen. Dafür müssen wir ins Auto steigen und einige Kilometer gen Süden nach Puerto Vargas fahren. Über diesen Ausflug werde ich dann im nächsten Teil berichten.
Teil 931. Aug. 2022
Fortsetzung
Am frühen Nachmittag fahren wir gen Puerto Vargas. Hier befindet sich der Eingang zum südlichen Teil des Cahuita Nationalparks, der ein Stück Küstenregenwald und vor allem das vor der Küste gelegene Korallenriff schützt.
Ein Häuschen mit Schlagbaum markiert das Tor zum Schutzgebiet. Hier müssen wir aussteigen und unseren Eintritt bezahlen. Dieser beträgt für die Erwachsenen rund sechs Dollar pro Person. Die Kinder zahlen weniger. Damit ist der Cahuita Nationalpark ein echtes Schnäppchen im (teilweise erstaunlichen) touristischen Preisgefüge des Landes. Von Norden aus wird der Eintritt übrigens über eine Spende abgewickelt, deren Höhe man selbst festlegt.
Nach Erledigung der Formalitäten fahren wir auf einen großen Parkplatz, der bis auf wenige Fahrzeuge leer ist. Hier sind auch Waschräume und Duschen zu finden – der Strand und das Meer sind wichtige Attraktionen und von den Einheimischen wird der Park als Ort zum Sonnen und Schwimmen gern genutzt.
Wir sind heute aber vor allem wegen des Küstenregenwalds hier. Es gibt einen einzigen Trail, der vom Gate durch den Wald zum Strand führt. Folgt man dem Strand, kann man den Park bis zum Dorf Cahuita durchwandern. Das werden wir heute aber nicht schaffen: Es ist schon Nachmittag und der Nationalpark wird um 16 Uhr schließen. Wir nehmen uns vor, bis zum Strand und wieder zurückzugehen – das ist in den knapp drei Stunden, die uns zur Verfügung stehen, gut zu schaffen.
Der Trail hat die Gestalt eines gut gepflegten Holzstegs, der durch überaus dichten Wald führt. Kaum Licht dringt bis zum Boden, alles wächst auf allem: unendliche Schattierungen von Grün und Braun. Der Untergrund ist meist von Wasser bedeckt. Wir sind beeindruckt von dieser Szenerie. Dass wir hier ganz allein sind, verstärkt die Intensität des Naturerlebnisses zusätzlich. Nun kann unsere erste Regenwaldwanderung beginnen. 🙂
Es ist feucht und trotz des Schattens überaus warm. Überall um uns herum surrt es. Bleibt man länger stehen, wird man zu Mückennahrung. (Überhaupt sind unsere Arme und Beine während der Cahuita-Tage bald übersäht von Moskitostichen – pro Extremität locker im zweistelligen Bereich… 😵 Viele der Biester hier sind so klein, dass man ihren Anflug gar nicht hört…)
Der Boardwalk bietet uns einen niedrigschwelligen Einstieg in die neue Umgebung, denn man muss nicht zu sehr darauf achten, wohin man tritt. Wohl aber sollte man schauen, wohin man greift, denn an den flankierenden Geländern sitzen gern einmal regungslos große Spinnen… 😗
Unsere Augen sind in dieser Umgebung ungeübt im Aufspüren von Tieren. Und überhaupt bietet dieser Lebensraum mannigfaltige Tarnung. Über wenige Meter hinaus kann man wegen der Dichte der Vegetation kaum in die Umgebung blicken. Man bewegt sich wie durch einen grünen Tunnel. Im Vorfeld haben wir gelesen, dass es sich in Costa Rica lohnt, mit einem Guide durch den Regenwald zu gehen, wenn man Tiere entdecken möchte. Und was soll ich sagen – das stimmt. 😛
Trotzdem können wir im dichten Unterwuchs einen Chestnut-backed Antbird ausmachen – das Foto von dieser Begegnung ist aber nur ein einziges Rauschen und damit nur als private Erinnerung brauchbar… 😉
Ein Schmetterling am Wegesrand ist da ein etwas dankbareres Motiv – wenn er sich auch standhaft weigert, seine Flügel aufzuspannen.
Im Flug können wir zwar den wundervollen Blue Morpho beobachten. An Fotos ist hier aber nicht zu denken.
Und dann entdecken wir nach einiger Zeit direkt auf dem Boardwalk (das bekommen wir sogar ohne Guide hin… 😉 ) einige Weißschulterkapuziner: Unsere erste Sichtung dieser in CR weitverbreiteten Affenart. Und dazu noch eine Mutter mit Baby!
Gespannt nähern wir uns den Tieren und entdecken dabei weitere Kapuziner links und rechts des Weges in den niedrigen Bäumen. Wir sind ein wenig unsicher, wie sehr die Affen durch etwaige Fütterungen „verzogen“ sind. Vor allem unsere Große ist nach unschönen Erfahrungen mit Pavian und Grünmeerkatze in den letzten Jahren ziemlich skeptisch und möchte eigentlich nicht so gern auf dem schmalen Steg an den Affen vorbeigehen. Diese interessieren sich aber zum Glück kaum für uns und gehen unbekümmert ihrer Nahrungssuche nach. Wir ernten zwar ein paar neugierige (und auch einige schlecht gelaunt wirkende) Blicke. Darüber hinaus suchen die Affen aber keinen Kontakt und lassen sich in ihrem Verhalten durch unsere Anwesenheit nicht wirklich stören. Das entspannt die Lage sehr und ermöglicht uns schöne Beobachtungen.
Inmitten der emsigen Kapuziner stillen außerdem zwei Brüllaffen ihren Appetit. Es ist interessant zu sehen, mit welcher Ruhe sie im Gegensatz zu ihren quirligen Verwandten unterwegs sind.
Der weitere Spaziergang führt durch anhaltend dichte Vegetation. Wir geben uns Mühe, aber viel entdecken wir nicht. Ganz bleibt der Erfolg aber dann doch nicht aus: Immerhin verrät sich ein Stirnlappenbasilisk durch seine rasche Bewegung. Ganz nah am Geländer ist er unterwegs und hätte er stillgehalten, wir hätten ihn niemals entdeckt.
Etwas später finden wir noch einen Streifenbasilisken und das ohne sein Zutun.
Und dann sind wir am wilden Strand angelangt. Hier befinden sich eine Rangerstation und einige Waschräume. Es sind nur ein paar Einheimische und ganz wenige Touristen unterwegs, die hier mit ihren Familien baden. Wir genießen die Blicke über den weitgehend menschenleeren Meeressaum und gehen bis zu den Knien in die Brandung. Bald müssen wir aber kehrtmachen, denn der Nachmittag ist durch unser langsames Schritttempo und die Beobachtungen auf dem Weg bereits fortgeschritten.
Eine gute Stunde bleibt uns für den Rückweg und da uns nichts mehr begegnen mag, sind wir sogar mit etwas Puffer zurück an unserem Auto.
Nach kurzer Fahrt sind wir zurück im Guesthouse. Dort versuche ich mich weitgehend erfolglos an der Blattschneideameisen-Fotografie… 😣
Ein wenig besser lassen sich zwei streitende Anolis ablichten. Hier gibt es einfach immer etwas zu entdecken.
Die letzte Stunde im Licht des Tages verbringen wir dann an der Playa Negra. Die Kinder genießen das Wasser sehr und haben großen Spaß beim Kampf gegen die Wellen. Bald spricht uns ein Einheimischer an – er hat sich unsere Kamera bemerkt – und fragt, ob wir Interesse an einer geführten Nachtwanderung hätten. Er erzählt, dass er als Guide im Nationalpark arbeitet und zählt auf, was man des nachts so alles sehen könnte: Greifschwanz-Lanzenotter, Rotaugenlaubfrosch… Das weckt natürlich unser Interesse und wir lassen uns seine Handynummer geben. (Nachdem wir bei Marise nachgefragt haben, ob sie den Mann kenne und empfehlen könne und diese dies bejaht, buchen wir für den nächsten Abend eine Tour für die ganze Familie.) Bald geht die Sonne unter und wir genießen die Blicke übers Meer.
Wir spazieren ein wenig entlang der typischen Strandbars – da Nebensaison ist, ist hier wirklich nicht viel los… Wenn jemand auf mehr Reggae-Trubel und Nachtleben aus ist, sollte er wahrscheinlich zu einer anderen Jahreszeit herkommen.
Heute kochen wir selbst (Nudeln – was sonst… 😛 ) und essen auf unserer schönen Terrasse. Bald setzt Regen ein und begleitet uns mit seinem andauernden und immer stärker werdenden Prasseln in die Nacht… Wir drücken die Daumen, dass der Regen bis zum Morgen aufgehört haben wird, denn wir wollen in der Frühe den Nordteil des Nationalparks erkunden.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden - im nächsten Kapitel nämlich.
Teil 1005. Sept. 2022
Kapitel 6: Cahuita-Safari bei Tag und in der Nacht
Als wir heute aufwachen, trommelt der Regen in einer Intensität auf unser Dach, die ihresgleichen sucht. Ein Blick von der Terrasse in den Garten zeigt uns nasse Tristesse: Fifty Shades of Grey. 😵 In Strömen fällt das Wasser vom Himmel, die Sonne hat keine Chance mehr als Zwielicht durch die dichten Wolkenmassen zu senden. Okay – so beginnt der Tag also entschleunigt.
Während die Kinder noch schlafen, können wir aber bereits die erste Tierbeobachtung des Tages von unserer Terrasse aus machen: Ein Zweifinger-Faultier hangelt sich als triefend nasser Schattenriss durch die Äste der nahen Bäume. Einmal mehr sind wir begeistert von dem Anblick.
Mit dem Frühstück lassen wir uns heute Zeit. Und nach zwei Stunden ist es dann auch vorbei mit dem Regen und die Sonne setzt sich zaghaft durch. 🙂
Sobald die Natur-Dusche abgestellt ist, spazieren wir durch den klitschnassen Garten. Eigentlich wollten wir am Strand nach weiteren Faultieren sehen, aber wir kommen gar nicht so weit. Denn bald entdecken wir ein weiteres Zweifinger-Faultier im Riesenbambus des Gartens. Auch dieser Vertreter ist bis auf die Knochen durchnässt, was das Tier jedoch nicht davon abhält, alsbald knapp über unseren Köpfen durch die Vegetation zu kraxeln. Es macht einfach immer wieder Freude, Faultiere in Bewegung zu sehen.
Am späten Morgen machen wir uns schließlich auf dem Weg zum Cahuita Nationalpark, der am südlichen Ende des Dorfes beginnt. Wegen unseres ganzen Geraffels und der herrschenden Schwüle fahren wir die wenigen Kilometer mit dem Auto und können bequem auf den Parkflächen in der Nähe des Eingangs den Wagen abstellen. Hier ist heute wenig los.
Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass der Park immer wieder überflutet wird und der einzige Wanderweg, der parallel zum Strand entlangführt, dann unpassierbar ist. Dies ist heute trotz der ergiebigen Regenfälle zum Glück nicht der Fall.
Am Gate entrichten wir unsere Eingangsspende und buchen einen Guide, der uns in den folgenden zwei bis drei Stunden durch den Park führen wird – und das wird sich als gut angelegtes Geld herausstellen, denn ohne die Kenntnis und das scharfe Auge unseres Führers hätten wir nur einen Bruchteil dessen gesehen, was wir auf dem Spaziergang erleben konnten. Auch sein Spektiv ist für alle, die kein Teleobjektiv oder eigenes Fernglas dabei haben, von großem Wert.
Als Auftakt führt uns unser Guide – Joe heißt er – zu einem kleinen Flusslauf, an dessen Ufer zahlreiche Helmbasilisken zu entdecken sind. Teilweise sitzen sie direkt vor unserer Nase und trotzdem brauchen wir eine Weile, um die gut getarnten Tiere zu erspähen. Auch ein Kahnschnabel lässt sich hier sehen – ist aber für ein vorzeigbares Foto zu sehr im Blattwerk versteckt.
Nur wenige Schritte weiter zeigt uns Joe eine Greifschwanz-Lanzenotter, die unbeweglich auf einem großen Blatt nicht weit vom Weg entfernt ruht. Allein wären wir wahrscheinlich achtlos an der kleinen Giftschlange vorbeigelaufen. Eine weitere Artgenossin liegt etwas weiter entfernt auf einem Blatt. Ein Foto gelingt hier nicht wirklich.
Es folgt die Begegnung mit einem Red-tailed squirrel und einer extrem stinkenden Frucht, die Joe uns feixend unter die Nase hält.
Schön ist, dass man sich hier auch für die kleinen Regenwaldbewohner Zeit nimmt.
Und dann ist einmal mehr Faultier-Zeit angesagt. Wieder können wir ein aktives Zweifinger-Faultier aus nächster Nähe bei der Nahrungssuche beobachten. Dieses Mal zur Abwechslung ein trockenes Exemplar. 🙂
Auf dem weiteren Weg lassen sich Kapuziner sehen, denen unsere Anwesenheit nicht so ganz zu passen scheint. Brüllaffen sehen wir auch - aber sie sind wenig foto-kooperativ. Macht nichts!
Später zeigt uns Joe Wespennester und an Baumstämmen rastende Fledermäuse, die wir selbst nie entdeckt hätten.
Wir entdecken außerdem Ameisen und Termiten, die in Costa Rica wegen der Feuchtigkeit in den Bäumen leben.
Eine weitere Greifschwanz-Lanzenotter – diese in extrem gelber Warnfarbe – liegt etwas unkooperativ in einer Baumstammmulde.
Wenig später zeigt uns Joe einige große Einsiedlerkrebse, die versteckt in Hohlräumen der Bäume leben.
Und dann entdeckt unsere Kleine eine Bewegung im dichten Bewuchs: Ein Waschbär. Genauer gesagt sind es zwei, die emsig durch das Dickicht wuseln und sich dabei nicht für uns interessieren. Ein kurzer Blick und sie sind weg.
Bald darauf zeigt uns Joe die nächste Giftschlage, die perfekt getarnt im Laub unter einem Regenunterstand ruht – eine Stülpnasen-Lanzenotter. Hier muss man wirklich aufpassen, wohin man abseits des Weges tritt und/oder greift.
Wiederum nur wenige Minuten später folgt die nächste Schlangensichtung. Dieses Mal handelt sich es sich um eine wunderschöne Boa Constrictor, die etwa einen Meter über unseren Köpfen im Geäst ruht.
Natürlich lassen sich auch im Cahuita Nationalpark die Netze von Seidenspinnen finden. Auf diesem Foto kann man den ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus dieser Spinnenart sehen. Das Männchen hat nur einen Bruchteil der Größe des Weibchens.
Bald finden wir erneut Fledermäuse.
Schließlich kommen wir an den Strand. Die Landschaft ist hier einfach schön und so genießen wir die Blicke über Sand, Meer und Dschungel. Hier verabschiedet sich Joe von uns. Wenn man noch weiterwandern möchte, ist an dieser Stelle die Mündung eines Bachlaufs zu durchqueren. Wir beschließen aber sowieso umzukehren, schließlich ist es ziemlich warm und wir sind von unseren Sichtungen gut gesättigt.
Auf dem Rückweg begegnen wir einem weiteren Waschbär, der aber dieses Mal direkt auf uns zuhält. Er ist einäugig und in keinem guten Zustand. Zum Glück wird er das einzige Tier auf der gesamten Reise sein, das klar auf unser Essen aus ist und daher unsere Nähe sucht.
Erschöpft und gut gelaunt verlassen wir den Nationalpark und finden am Parkplatz zum Abschluss noch einen Rabengeier, der recht fotogen in der Sonne sitzt.
Zufrieden mit der Ausbeute unserer ersten geführten Regenwald-Safari und begeistert von der Vielfalt der Tierwelt stocken wir in einem nahen Supermarkt unsere Vorräte auf und fahren dann zurück zum Guesthouse, um dort den Nachmittag zu verbringen und uns zu erholen, denn nach Einbruch der Dunkelheit wird unsere erste Nachtsafari in Costa Rica beginnen. Wir sind gespannt und etwas aufgeregt... 🙂
Teil 1107. Sept. 2022
Fortsetzung
Als wir von unserer Tour in den Nationalpark zurückkehren, begrüßt uns ein Krabbenbussard im Garten. Er macht seinem Namen alle Ehre und verspeist gerade ein großes Krebstier.
Den weiteren Nachmittag verbringen wir im Guesthouse und an der Playa Negra. Auch jetzt können wir wieder ein Faultier im Garten entdecken. Dieses Mal handelt es sich um eine Mutter mit Jungtier.
Und auch der Krabbenbussard hat seinen schon etwas größeren Nachwuchs mitgebracht.
Das Wetter ist heute Nachmittag schön trocken und sonnig. Die Stimmung am Strand hat damit etwas mehr klassisches Karibik-Feeling. Hier lässt es sich aushalten, bis der Tag sich seinem Ende entgegenneigt.
Nach einem einfachen Abendessen fahren wir zum Treffpunkt am Eingang des Nationalparks. Hier haben wir uns mit Christian, unserem Guide für heute Abend, verabredet.
Den eigentlichen Nationalpark darf man nach Ende der Öffnungszeiten nicht betreten und so gehen wir durch einige kleine Dorfstraßen bis zu einem kleinen Weg, der aus dem Ort heraus und am Saum des Waldes entlangführt. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt dieser Weg zu leben… Überall auf dem Boden krabbelt es und unsere Stirnlampen ziehen diverse Nachtfalter, die dann gerne mal gegen unsere Köpfe fliegen, magisch an. Für die Kinder ist das teilweise grenzwertig: Der Gruselfaktor ist zu hoch. Immer wieder tragen wir unsere Töchter daher auf dem Arm und reden ihnen gut zu… 😵
Ständig sehen wir irgendwelche Frösche, Grillen, Käfer und kleinen Spinnen im Kegel unserer Taschenlampen. Geschöpfe der Nacht – ans Licht gebracht.
Bald folgt ein erstes Highlight. Wir entdecken eine nachtaktive Blunt-headed tree snake (Riemennatter). Das Tier ist nur schwach giftig und so kann unser Makro zum Einsatz kommen. Die riesigen Augen, die den Kopf der ca. 80 cm langen Schlange dominieren, faszinieren uns total.
Bald darauf findet unser Guide eine Vogelspinne auf dem Weg. Ich bin überrascht, wie gleichmütig wir alle diese Sichtung hinnehmen, denn Spinnen sind durchaus an der Grenze unserer Komfortzone. 🙄 Aber hier überwiegt die Neugier.
Eine weitere große Spinne (Bananenspinne?) können wir beim Verzehr einer Zikade beobachten.
Alsbald folgt die Begegnung mit einer weiteren Vogelspinne. Diese ist sogar noch etwas größer als die Erste. Trotzdem kommt das Makro zum Einsatz.
Auch im Kleinformat gibt es hier Spinnen.
Weiter geht’s durch die Dunkelheit, bis Christian eine Greifschwanz-Lanzenotter entdeckt. Hier halten wir lieber Abstand. 😗
Und dann folgt für uns der eigentliche Höhepunkt: Wir können eines der Reiseprospekt-Tiere Costa Ricas entdecken, den Rotaugenlaubfrosch. Gleich am Wegesrand sitzen zwei dieser possierlichen Tiere im Geäst eines Busches. Aus nächster Nähe können wir die Frösche betrachten. Christian, der selbst fotografiert, weiß dabei mit seiner Lampe umzugehen.
Zum Abschluss der Tour folgt noch ein ornithologischer Höhepunkt: Hoch auf einem kahlen Baum entdecken wir einen Great Potoo (Riesentagschläfer). Von der Existenz dieser seltsamen Vögel (optisch eine Mischung aus Nightjar und Eule) habe ich erst durch die vorbereitende Lektüre eines Bestimmungsbuchs erfahren. Seitdem wünschte ich mir, einen zu entdecken. Groß ist also die Freude. 🙂
Zum Abschied bastelt Christian aus Palmenblättern für jede unserer Töchter einen kleinen Fisch. Das hebt die Stimmung und lässt die Nachtwanderung für die Kinder rückblickend in erstaunlich gutem Licht erscheinen. 😛 Bevor wir ins Auto steigen, sehen wir noch drei Waschbären, die die Gärten im Dorf unsicher machen.
Müde kommen wir im Guesthouse an. Auf dem Weg ins Bett haben wir die letzte Sichtung des Tages und lernen einen weiteren Gartenbewohner kennen: Einen riesigen südamerikanischen Ochsenfrosch.
Jetzt ist es aber auch gut mit den Geschöpfen der Nacht und es geht ins Bett. Licht aus. 😉
Teil 1210. Sept. 2022
Kapitel 7: Cahuita – Kakao und Kinkajous
Und wieder beginnt ein neuer Tag in Cahuita. Es ist heute früh trocken und so fahre ich, während die anderen noch schlafen, zum Nationalpark. Es ist kurz vor sieben Uhr und niemand ist hier. Ich wundere mich etwas, bis ich sehe, dass der Parkeingang erst um acht Uhr öffnen wird. Also habe ich jetzt noch eine Stunde Zeit… 😗
Ich beschließe die Zeit zu nutzen und den Weg entlang zu spazieren, den wir gestern während der Nachtwanderung gegangen sind. Vielleicht ist der Potoo ja noch da? (Spoiler: Nein, ist er nicht. 😈 ) In den Morgenstunden ist es heute noch sehr diesig. Von den Krabbeltieren der vergangenen Nacht ist nichts mehr zu entdecken. Die Tagschicht hat bereits übernommen. Auf meinem Spaziergang komme ich zuerst an einem Green Heron vorbei, der sich an meiner Anwesenheit gar nicht stören will.
Außerdem stoße ich auf Basilisken – ich werde immer besser im Entdecken der gut getarnten Tiere.
Und schließlich kommt es zu einer Begegnung mit einer Weißschulterkapuzinerfamilie. Die Tiere sind ganz nah, halten aber nie still – so ist es schwierig, passable Fotos zu machen.
Als schließlich der Nationalpark öffnet, bin ich der erste auf dem Wanderweg. Heute gehe ich ohne Guide. Die beste Sichtung gelingt mir gleich am Anfang der kleinen Wanderung. Ein White-whiskered Puffbird (Weißzügel-Faulvogel – welch schöner deutscher Name! 😛 ) sitzt im dichten Unterholz und verrät sich durch eine kleine Bewegung.
Bald darauf begegne ich einer Gruppe Brüllaffen. Wie meistens hoch in den Bäumen und nicht so leicht zu fotografieren.
Die Stülpnasen-Lanzenotter ist noch an Ort und Stelle.
Kurz vor der Flussquerung entdecke ich einen Ringed-Kingfisher – typischerweise mit recht hoher Fluchtdistanz.
Ein Rotschwanzhörnchen arbeitet an einer Kokosnuss und lässt mich näher herankommen. Im Vergleich mit den walnussfressenden Eichhörnchen auf unserer Terrasse hat es deutlich mehr zu tun. 😉
Auf dem Rückweg finde ich dann doch noch die Boa vom Vortag wieder. Dieses Mal kann man sogar den Kopf erahnen.
Besonders freue ich mich aber über die Eyelash-Pitviper, die noch am gleichen Baumstamm wie gestern sitzt, aber heute wesentlich fotogener platziert ist.
Zurück im Guesthouse frühstücken wir gemeinsam und verbringen einen ruhigen Vormittag. Für den heutigen Nachmittag haben wir einen Kakao-Workshop gebucht. Etwas Sorgen machen wir uns darüber, ob die Veranstaltung allzu Hummeldumm-Tourismus sein wird. 😕 Aber zum Glück weit gefehlt! 🙂 Wir spazieren vom Guesthouse zu Brigittes Ranch, die in der Nachbarschaft liegt. Hier wird die Tour stattfinden. Brigitte, eine vor Jahrzehnten nach Cahuita ausgewanderte Schweizerin, holt uns mit ihrem Wagen ab und fährt uns in ihr nahe gelegenes Dschungel-Garten-Areal. Wir vier sind die einzigen Gäste und werden also einen Familienworkshop bekommen. Das ist richtig klasse! 🙂
Wir sehen uns zuerst die Kakaopflanzen und Früchte in unterschiedlichen Reifegraden an. Da Brigitte natürlich Deutsch spricht, ist die Veranstaltung auch für die Kinder barrierefrei.
Dann beginnt der Verarbeitungsprozess, bei dem wir alle Schritte praktisch begleiten können. Zuerst entfernen wir die Bohnen. Das sie umgebende Fruchtfleisch ist überraschend süß im Geschmack.
Die Bohnen werden dann von Brigittes Mitarbeiter über dem offenen Feuer geröstet. Auch nach der Röstung können wir wieder kosten. Bittersüß und lecker.
Und dann zerstampfen die Kinder die gerösteten Bohnen mit Hilfe großer Steine. Mit einem Blatt wird dann durch wildes Wedeln Wind erzeugt: Die leichten Schalenüberreste wehen davon, übrig bleibt das Innenleben der Kakaobohne. (Von diesen Prozessen gibt es leider keine Fotos fürs Forum, da stets die Kinder prominent zu sehen wären.) Aber hier ist das fertige Zwischenprodukt: Grob gemahlene Kakaobohnen.
Diese schütten wir nun nach und nach in eine Presse, die das Öl herausquetschen wird und eine cremige Masse entstehen lässt. Lange wird von uns allen gekurbelt – ganz schön anstrengend ist das bei der schwülen Hitze.
Über dem Feuer wurden unterdessen einige Bananen gegrillt, die wir nun mit der Kakaomasse bestreichen können. Sehr schmackhaft. 🙂 Außerdem kochen die Kinder in einem großen Topf Milch auf – daraus entsteht leckerer Kakao.
Der gesamte Prozess wird sehr informativ und liebevoll von Brigitte begleitet. Die Kinder finden die Aktion klasse – ein schöner Kontrapunkt zu Wanderungen und Tierbeobachtung. Und auch für uns Erwachsene ist das eine lehrreiche und kurzweilige Angelegenheit, die wir weiterempfehlen können. Dass dann auch noch ein Hundewelpe die ganze Zeit über dabei ist, macht den Nachmittag für die Kinder perfekt – auch wenn das Tierkind in seinem Übermut mal gern an den Rocksäumen der Kinder gnaulen will.
Während des Workshops erfahre ich, dass Brigitte nach Einbruch der Dunkelheit Wanderungen durch ihren Privatdschungel anbietet. Nach der Erfahrung gestern haben die Kinder darauf keine Lust – ich möchte mir das aber nicht entgehen lassen und buche einen Platz auf der Tour.
Über diese werde ich im folgenden Teilkapitel berichten.
Teil 1312. Sept. 2022
Fortsetzung
Nach Einbruch der Dunkelheit kehre ich an den Ort des Kakao-Workshops zurück. Es ist stockfinster und ich bin allein. Während ich auf Brigitte und andere Teilnehmer der Nachtwanderung warte, streife ich mit Stirnlampe und zwei Kameras ausgerüstet (Makro und Tele) ein wenig herum. Plötzlich entdecke ich zwei leuchtende kleine Punkte in der Schwärze. 🙄 Vorsichtig nähere ich mich und finde einen großen Click Beetle (Schnellkäfer). Im Schein des Stirnlichts ist der Käfer recht unscheinbar. In der Dunkelheit jedoch leuchten die biolumineszierenden Punkte grell und ziemlich unheimlich…
Bald kommt Brigittes Wagen die Einfahrt zum Garten herauf, gefolgt von einem weiteren Auto, das die Familie enthält, mit der ich den Nachtspaziergang gemeinsam erleben werde. Brigitte verteilt Taschenlampen und schon geht der Streifzug durch Garten und Dschungel los.
Zuerst finden wir eine recht große Kröte, die sich am Schein des Lichts merklich stört und schnell im Unterholz verschwindet.
Wenig später zeigt sich ein Rotaugenlaubfrosch! Dieser sitzt etwas höher im Geäst und lässt sich nicht ganz so schön ablichten wie sein Artgenosse am Vorabend. Nett anzusehen ist er trotzdem.
Auf Brigittes Grundstück tobt das Leben: In schneller Folge entdecken wir einige Vertreter der vielgestaltigen Nachtfauna – von weiteren Froscharten bis hin zu Stabinsekten und Anolis.
Wir können den winzigen Tink-Frog entdecken, der wegen seiner metallischen Klick-Geräusche seinen Namen erhalten hat und viel leichter zu hören als zu sehen ist. Sein Sound gehört untrennbar zu Dschungelnächten in CR dazu.
Ein wandelndes Blatt weiß durch seine perfekte Tarnung zu faszinieren.
Auch eine Blunt-headed tree snake finden wir im Dickicht. Brigitte meint, dass man diese Tiere bei ihr eher selten zu Gesicht bekommt.
Spinnen gibt es natürlich auch in jeder Größenordnung hier zu sehen. Vom Spinnenkindergarten...
über farbenprächtige Golden Orb Spiders...
hin zu enorm großen Bananenspinnen...
und gut versteckt lebenden Vogelspinnen.
Immer wieder setzt Regen ein – das ist für das Fotografieren ziemlich lästig. Hinzu kommt, dass ich hier niemanden habe, der mit ruhiger Hand und gutem Licht die Szenerie ausleuchtet. Und zwei Kameras und Drybags sind einfach zu viel Ballast für mich. Schwierige Bedingungen also. 😵
Bereits ganz zu Beginn des Spaziergangs konnten wir hoch in den Bäumen ein Tier ausmachen. Jetzt zeigt es sich noch einmal sehr viel deutlicher: Ein Wickelbär (Kinkajou) turnt mit seinem Greifschwanz durch das Geäst und beobachtet uns recht interessiert. 🙂 Hier hätte ich mir definitiv eine bessere Lampe gewünscht…
Als wir durch den dicht bewaldeten Bereich des Grundstücks wandern, wird der Regen immer stärker und ich mache nur noch wenige Fotos. Hier ist es matschig und unübersichtlich. Ich muss aufpassen, dass ich nicht ausrutsche oder über das verschlungene Wurzelwerk stolpere. Die Stimmung im triefend nassen Regenwald ist bei Nacht ziemlich unheimlich. Für einen Ochsenfrosch wird die Fotopause kurz unterbrochen.
Auch einen Schmetterling kann ich noch fotografieren. Unter einem großen Blatt sitzend, löst er das Rätsel, wie solche Tiere diese ständigen Extremregengüsse überleben können.
Irgendwann endet die Tour und ich steige zufrieden und ziemlich nass ins Auto und mache mich auf den Weg zurück zum Guesthouse. Auch diesen Ausflug kann ich jedem, der in Cahuita ein paar Nächte verbringen will, empfehlen.
Bald hört der Regen auf – meine Familie hat sich bereits zur Ruhe gelegt – und ich beschließe, noch etwas draußen zu bleiben, denn am Pool sitzt ein Fotograf, der mir erzählt, dass er von der Besitzerin des Guesthouses erfahren habe, dass man hier des Nachts häufig ein Gürteltier sehen kann.
Von der Mitteilung angefixt, beziehe ich also Position vor unserem Häuschen und warte. Und tatsächlich: Es dauert gar nicht lange und ein Gürteltier erscheint tatsächlich in meinem Blickfeld. 🤩 Es nimmt mich zuerst überhaupt nicht wahr und hält schnellen Schrittes genau auf mich zu – trotzdem gelingen keine Fotos: Zu große Brennweite auf der Kamera gepaart mit der Herausforderung selbst für das nötige Licht sorgen zu müssen. Kurz darauf kommt es fast zu einer Kollision. Das Tier erschrickt merklich, als es mich endlich bemerkt und rennt im Gürteltier-Galopp auf Nimmerwiedersehen davon. Auch ohne Fotos war das eine ganz tolle Begegnung. 🙂
Ich gehe zurück zu dem anderen Fotografen und berichte von meiner Sichtung. Gemeinsam versuchen wir, das Gürteltier wiederzufinden – vergeblich. Dafür können wir nach einer Weile Geräusche in den Bäumen wahrnehmen. Ein Blick nach oben verrät: Hier sind gerade drei Wickelbären unterwegs! Zum Glück hat mein Begleiter ein wirklich gutes Spotlight dabei und kann die Kinkajous damit in gleichmäßig warmes Licht tauchen. Mit den hier entstandenen Bildern bin ich wesentlich glücklicher als mit denen aus Brigittes Garten.
Wir unterhalten uns noch ein wenig. Auch er war schon oft im südlichen und östlichen Afrika unterwegs und fotografiert leidenschaftlich gern Wildlife. Eine nette Begegnung.
Ziemlich müde schlüpfe ich bald ins Bett.
Am nächsten Tag haben wir eine der längsten Strecken dieser Reise zu bewältigen. Wir werden Cahuita verlassen und uns auf den Weg zur Laguna del Lagarto Lodge machen, die weit ab ganz im Norden Costa Ricas liegt – 245 Kilometer müssen wir zurücklegen. Das ist für Costa Rica ziemlich viel…
Teil 1415. Sept. 2022
Kapitel 8: Von Vögeln und Kaimanen
Früh klettern wir aus den Betten, denn wir haben heute eine lange Strecke vor uns. Die Laguna del Lagarto Lodge in der Nähe des Rio San Carlos an der Grenze zu Nicaragua und weitab von allem anderen ist unser Ziel.
Lautes Trommeln auf dem Dach lässt uns schon erahnen, was der Blick aus dem Haus sogleich bestätigt: Am frühen Morgen des heutigen Tages regnet es einmal mehr in Strömen. Alles ist grau in grau und nass. Wir packen unsere Koffer und haben dann das zweifelhafte Vergnügen, das Gepäck durch den strömenden Regen quer durch den Garten bis zu unserem Auto zu transportieren. Mit großen Regenschirmen hantierend wird das zum ersten Geschicklichkeitstest des Tages. 😛
Das Wetter macht uns den Abschied von unserer wunderbaren Casita etwas leichter und bald sind wir „on the road“. Die erste Teilstrecke bis Limón ist wie auf der Hinfahrt entspannt zu fahren – kaum Verkehr und gute Straßen. Dann lotst uns unser Navi jedoch quer durch die recht große Stadt, was sich als durchaus stressig herausstellt, denn gewagte Überholmanöver und Vorfahrtsunklarheiten scheinen hier an der Tagesordnung zu sein. Hier sind Beifahrerin und Fahrer in ihrer Aufmerksamkeit gefordert. 😵 Gen Nord-Westen geht es weiter auf dem uns bereits bekannten Baustellen-Highway. Wie auf der Fahrt nach Cahuita macht das auch heute wenig Freude. Als wir endlich von dieser großen Dauerbaustelle abbiegen dürfen, wird das Fahren wieder schöner. Zuerst geht es auf gutem Teer weiter durch Plantagenlandschaften. Nach der Ortschaft Pital wird die Straße irgendwann zu einer Dirtroad, die aber ganz gut in Schuss ist. Wir durchqueren das Dorf Boca Tapada. Und dann kommt eigentlich nichts mehr… Hier macht das Fahren Spaß. Einzig die immer wieder auftauchenden Schlaglöcher sind nicht zu unterschätzen. Bis zum Rand mit Wasser gefüllt, kann man nicht erkennen, wie tief sie tatsächlich sind. Hier heißt es am besten mit Bedacht umfahren oder sich langsam hindurchtasten, wenn auf ganzer Straßenbreite Potholes vorhanden sind. Das dauert natürlich seine Zeit: Zuerst sind wir überrascht, dass unser Navi für die letzten rund 20 Kilometer eine Stunde veranschlagt und belächeln die Prognose. Aber schnell lernen wir: Waze hat in Costa Rica immer recht! 😉
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich die Laguna de Lagarto Lodge – viel abgelegener kann eine Unterkunft nicht sein. Auf einer Anhöhe über der namensgebenden Lagune erhebt sich das Haupthaus.
Wir werden herzlich willkommen geheißen. Carlos, der Manager der Lodge, ist ein sehr freundlicher Mann, der uns das Gelände und unser Zimmer zeigt, das auf der Veranda nahe dem Restaurantbereich liegt. Hier gibt es Hängematten und große Sessel. Und der Blick reicht hinunter auf die Lagune und auf die verschiedenen Futterplätze für die heimische Vogelwelt.
Die Einfachheit unserer Zimmer überrascht uns dann etwas: In den zwei Räumen gibt es zwar beinahe alles Nötige: Betten, Nachttisch, Ventilator. Nur einen Schrank vermissen wir bei drei Nächten Aufenthalt dann doch. So müssen wir aus unseren Koffern leben, die, an der Wand stehend, bald ein Refugium für unzählige winzige Ameisen werden sollten… 😣 Das vorhandene Inventar ist schon etwas abgewohnt und unter den Betten müsste auch einmal jemand auf Staubmaus-Jagd gehen… Aber man ist ja nicht an diesem Ort, um im Zimmer abzuhängen – dafür wäre die Zeit am gefühlten Ende der Welt auch wahrlich zu schade.
Und so schauen wir uns die Umgebung an. Die Bananen, die zum Anlocken der Vögel dienen, sind zu dieser Tageszeit bereits fast aufgefuttert. Trotzdem findet sich einiges an Federvieh ein. Wir können beispielsweise Frau und Herrn Great Curassow (Tuberkelhokko - einer meiner deutschen Lieblingsnamen 😉 ) beobachten.
Besonders freuen wir uns aber über Fischertukane. Einen von ihnen können wir bei der Insektenjagd beobachten.
Bald neigt sich der Tag seinem Ende entgegen. Das Abendessen wird am Tisch serviert – es ist wirklich schmackhaft. Dabei wird deutlich, dass außer uns kaum jemand zu Gast ist. Nur zwei weitere Pärchen sind anwesend. Das ist der Reiz der Nebensaison. 🙂 Wir werden von Henri angesprochen – seines Zeichens Nachtwächter und Faktotum der Lodge. Er spricht überraschend gutes Deutsch und rührt intensiv (!) die Werbetrommel für seine Kaiman-Tour. Er meint, dass es heute Abend trocken bleiben würde und morgen bestimmt regne, wir also unbedingt gleich nach dem Essen gemeinsam mit ihm zu seinen Schützlingen gehen sollten. Mit acht Dollar pro Erwachsenen ist die Tour für CR-Verhältnisse ein echtes Schnäppchen und so sagen wir zu – auch wenn derartige Aktivitäten eigentlich nicht ganz unser Ding sind. Aber es ist auch schwierig, auf Henris Werben mit einem Nein zu reagieren… 😗
Nach dem Essen geht es also runter zur Lagune. Mit uns kommt noch eines der beiden Gästepärchen. Und Pustekuchen: Kaum gehen wir los, schon beginnt es zu regnen… So viel zu Henri als Wetterfrosch. 😛 Henri – ausgestattet mit einem langen Stab und einem Beutel mit Fleisch – ruft alsbald in die Dunkelheit: „Aggressivo! Mama Hässlich! Amigo! Eva!“ Ja – er hat jedem seiner Schützlinge einen Namen gegeben, auf den die Tiere kurioserweise tatsächlich reagieren. Henri kennt die Kaimane von klein auf und ist mit jedem von ihnen per du. Eine absolut schräge Situation.
Der Ruf verklingt und kurz darauf schält sich Aggressivo aus der nassen Dunkelheit – ein Riese im Vergleich zu den Kaimanen, die wir bisher gesehen haben.
Henri spricht auf das Tier ein – es gehorcht aufs Wort und ändert wie befohlen seine Position.
Nun werden wir eingeladen, den großen Kaiman zu berühren. Wir zögern. Henri redet uns gut zu. Unsere Kleine traut sich schließlich als erste. Die Tapfere.
Und dann passiert es: Hinter uns in der Schwärze der Nacht – gar nicht weit entfernt – kracht es. 🙄 Alles erschrickt fürchterlich – Aggressivo gerät in Bewegung, ich schnappe instinktiv unsere Kleine und gehe auf Abstand zu dem großen Kaiman, meine Frau nimmt unsere panische Große auf den Arm. Hektische Taschenlampenstrahlen verraten es: Ein weiterer großer Kaiman ist gerade nicht weit hinter uns die Böschung hinabgedonnert und gegen einen Baum gekracht. 🤩 Das ist zu viel für unsere Große – sie will unbedingt wieder zur Lodge zurück. Henri beteuert, dass so etwas in zwanzig Jahren noch nicht passiert sei – die Kaimane kämen sonst wohl nicht von hinten bzw. von schräg oben… 😈 Wir vier finden die Situation überhaupt nicht komisch. Das andere Gästepaar nimmt es weitaus lockerer. Meine Frau schleppt unsere Große also zurück zur Lodge. Unsere kleine Tochter möchte erstaunlicherweise gern noch weitere Kaimane sehen…Damit sie, die ja Aggressivo am nächsten war, die Sache besser verarbeiten kann, bleiben wir zwei also bei Henri und den anderen. Wir gehen weiter den Weg hinab und treffen bald auf einige erst kürzlich geschlüpfte Kaimane. Der jugendliche Kaiman Amigo wird von unserer Kleinen entdeckt.
Und schließlich zeigt sich auch Mama Hässlich – meine unangefochtene Namensfavoritin. Immer leuchten wir umsichtig nach hinten, denn anfangs werden wir von dem noch hungrigen „Böschungs-Kaiman“ verfolgt. Eine solche Echse im Schutz der Dunkelheit hinter sich zu wissen, ist kein sehr angenehmes Gefühl. 😵
Schnell ist die Tour vorbei – sie hat inklusive des Störfalls etwa eine halbe Stunde gedauert – und wir sind zurück in der Lodge. Unserer Großen wurde dort ein großer Lolli geschenkt, der seine Wirkung nicht verfehlt hat. Sie kann schon wieder lachen. 🙂
Würden wir diese Tour noch einmal machen? Ich denke nicht. Dies ist nicht die Art von Wildtierbeobachtung, die wir mögen. Es ist zwar durchaus interessant zu sehen, wie sehr die Kaimane an „ihren“ Menschen gewöhnt sind, aber das ist uns (auch ganz unabhängig von dem blöden und sicher nicht ungefährlichen Zwischenfall) zu viel Zirkus.
Und so gehen wir mit etwas gemischten Gefühlen in unsere Betten. Auf den Schreck schlafen die Damen heute zu dritt und ich bleibe allein im zweiten Zimmer.
Der nächste Tag stellt die gefiederten Gäste der Laguna del Lagarto Lodge in den Mittelpunkt. Außerdem werden wir eine Bootsfahrt auf dem Rio San Carlos unternehmen.
Teil 1519. Sept. 2022
9. Kapitel: Birds, Birds, Birds
Wie jeder Tag auf der Laguna de Lagarto Lodge, so beginnt auch dieser mit Vogelbeobachtung. Jedenfalls fast. Denn kaum aus dem Zimmer getreten, sehen wir einen Kaiman unten durch die Lagune ziehen. Auf diese Distanz gefällt uns das Tier weit besser… 😛
Bereits kurz nach Sonnenaufgang werden die Futterstellen der Lodge mit Bananen versehen. In unserem Fall werden nur zwei Standorte, die sich direkt an der Restaurantterrasse befinden, bestückt. Die zahleichen übrigen Möglichkeiten, die sich entlang der Häuserreihe an der Böschung zur Lagune befinden, bleiben leer. Es sind einfach zu wenig Gäste anwesend. Und auch die Aufteilung in Amateur- und Profitribüne wird bei unserem Aufenthalt wohl aus dem gleichen Grund nicht beachtet. Heute und am nächsten Morgen werden nur wir und ein fotobegeistertes Paar aus Belgien, mit dem wir uns gut verstehen, die Terrasse bevölkern. Die Futterstellen selbst sind schön und naturnah angelegt. Es werden ausschließlich Bananen angeboten. Zuckerwasserspender für Kolibris gibt es nicht. Und da man hier bequem überdacht sitzt und steht, machen einem die Wetterkapriolen des heutigen Morgens überhaupt nichts aus.
Die Vielzahl der gefiederten Morgengäste weiß zu begeistern. Da die Futterstellen auf naher Distanz zur Plattform positioniert sind, muss ich – je nach Größe des Fotomotivs – wegen unserer Tele-Festbrennweite fast in den Küchenbereich des Restaurants gehen, um eine Aufnahme inklusive Schwanzfedern realisieren zu können… 😛 Die Erwachsenen von uns könnten hier Stunden verbringen, die Kinder verkürzen sich die Zeit indes mit Spielen und Hängematten-Chillen. Zur passionierten und ausdauernden Birderin muss man schließlich erst heranwachsen… 😉 An diesem Morgen schaffen es die folgenden Vögel auf unsere Speicherkarten:
Blue-gray Tanager (Blautangare)
Green-breasted Mango (Grünbrust Mangokolibri)
Black-cheaked Woodpecker (Schläfenfleckspecht)
Olive-backed Euphonia (Olivrückenorganist)
Chestnut-mandibled Toucan (Swainson-Tukan)
Passerini’s Tanager (Passerinitangare)
Red-legged Honeycreeper (f) (Türkisnaschvogel)
Palm Tanager (Palmen-Tangare)
Keel-billed Toucan (Fischer-Tukan)
Brown-hooded Parrot (Grauwangenpapagei)
Collared Aracari (Halsbandarassari)
Plain-colored Tanager (Schlicht-Tangare)
Great Curassow (Tuberkelhokko)
Man kann sich gar nicht sattsehen. 😁
Nach dem guten und reichhaltigen Frühstück – es gibt wie immer frisches Obst und verschiedene Eierspeisen – beginnt unser morgendlicher Ausflug zum Rio San Carlos, dem ich ein weiteres Teilkapitel widmen werde.
Teil 1621. Sept. 2022
Fortsetzung
Zu unserem Bootsausflug müssen wir mit unserem eigenen Auto zu einer Anlegestelle am Ufer des Rio San Carlos fahren, die in der Nähe der Manqueque Lodge zu finden ist. Dort wartet bereits ein kleines Motorboot auf uns und bei bestem Wetter - Sonnenschein mit lockerer Bewölkung – können wir die Flussfahrt beginnen. Auf dem Rio San Carlos herrscht wenig Verkehr. Zu Beginn kommt uns noch ein leeres Touristenboot auf dem breiten Fluss entgegen, aber dann sind wir die ganze Fahrt über allein.
Unser Guide erklärt dies und jenes über die Landwirtschaft und die Bäume am Ufer des Flusses. Von Vögeln hat er leider überhaupt keine Ahnung – was uns wegen des Profils der Laguna del Lagarto Lodge doch etwas überrascht… 😗 Hier muss der Kapitän des Boots dann immer wieder einhelfen. Die Fahrt verläuft sehr ruhig und damit auch wenig spektakulär. Weder die Landschaft, die die Ufer des Rio San Carlos säumt, reißt uns zu Begeisterungsstürmen hin, noch die sich uns zeigende Tierwelt. Wir sehen immer wieder Grüne Leguane in den Bäumen oder auf den Uferwiesen. Die Fotos schaffen es aber allesamt nicht in die Endauswahl… Die „Leguanschwemme“ in Tortuguero hat hier die Ansprüche zu hoch werden lassen.
Wir freuen uns aber immer wieder über Brüllaffen – so auch heute, wo sich die Tiere einmal im Sonnenlicht zeigen, aber durch das dichte Geäst auch bei bestem Wetter nicht einfach zu fotografieren sind. Auch sehen wir im dichten Schilf einige Kahnschnäbel, die Vegetation erlaubt hier aber nur Beweisfotos, die nicht der Rede wert sind.
Einige Krokodile säumen dösend unseren Weg.
Schließlich erreichen wir das verschlafene Dörfchen Boca San Carlos, das nahe der Grenze zu Nicaragua liegt. Wir verlassen das Boot und spazieren über die Dorfstraße. Viel Leben herrscht hier nicht. Auf dem Weg zu einer kleinen Bar kommen wir an einer Telefonzelle vorbei, die uns als Kuriosum aus einer vergangenen Epoche menschlicher Kultur erläutert wird. In solchen Momenten fühlt man sich alt. 😉 Dann begegnen uns doch in Form einer kleinen Schülergruppe einige Menschen. Die Schule selbst ist aber einmal mehr verwaist – und dabei ist es noch gar nicht spät am Tag. Das ist für uns immer wieder rätselhaft.
Betti schrieb unlängst in ihrem CR-Bericht, dass Boca San Carlos in den letzten Jahren seinen Charme weitgehend eingebüßt habe. Wir können dies bestätigen. Lohnenswert ist der Spaziergang nicht gerade. Nett ist es dann aber doch in der kleinen Bar, in der wir eine Rast machen. Hier gibt es frittierte Brotfruchtscheiben, frische Saftkreationen und leckere Kokosnüsse. Auch werden Vögel angefüttert, sodass es immer etwas zu sehen gibt. Eine schöne Pause. Auf der Rückfahrt können wir einen Little Blue Heron (Blaureiher) und einige Mangrovenschwalben entdecken. Über ersteren freuen wir uns sehr – wieder ein Neuzugang auf unserer Sichtungsliste.
Insgesamt muss man ehrlich sagen, dass sich der Ausflug nicht wirklich gelohnt hat. Sicher: Es ist immer schön, über einen Fluss zu schippern und einige Vögel haben wir auch entdecken können. Aber anscheinend sind wir durch die Bootstouren im Tortuguero NP (und auch durch unsere Erfahrungen auf Okavango, Kwando, Chobe, Kazinga Channel und Co) zu verwöhnt, um die Fahrt auf dem Rio San Carlos wirklich wertschätzen zu können. Und so hat die Ausfahrt – auch durch den nur halbwegs kenntnisreichen Guide – das Prädikat „nett“ verdient. Überrascht hat uns, dass unsere belgischen Lodge-Genossen, die mit auf dem Boot waren, die Sichtungsausbeute für CR-Verhältnisse als außergewöhnlich gut wahrgenommen haben. Das macht uns nochmal deutlich, wie viel Glück wir wohl bisher in Punkto Fauna gehabt haben…
Den weiteren Tag verbringen wir auf der Lodge. Warum sollte man auch weit gehen? Schließlich gibt sich vor unserer Zimmertür ein Streifenbasilisk die Ehre.
Nach einem Mittagssnack führt uns Lodgemanager Carlos hinunter zur Lagune, um uns den Kingfisher-Hide zu zeigen, an dem wir auch nach langem Warten und trotz abgezirkelter und in die Lagune eingelassener Becken mit kleinen Fischen keinen Kingfisher sehen werden… Abgesehen davon ist der Spaziergang aber sehr schön und auch fotografisch lohnend. Auf dem kleinen nassen Trampelpfad, der die Lagune am lodgezugewandten Ufer säumt, sehen wir eine große Flussschildkröte und eine beeindruckende Raupe – kleine Tiere wissen in Costa Rica wirklich zu überraschen.
Außerdem zeigen sich junge Stirnlappenbasilisken.
Einen Anhinga können wir bei Mittagessen beobachten.
Am Kingfisher-Hide finden wir wie gesagt leider keine der Namensgeber, aber es sind auch hier junge Basilisken zu entdecken. Hier einsteht eine meiner Lieblingsaufnahmen der grünen Echsen.
In weiter Entfernung am gegenüberliegenden Ufer können wir in den Wipfeln der Bäume einige Soldatenaras erahnen. Auch ein paar Klammeraffen zeigen sich in grenzwertiger Fotodistanz, aber wie Spiderman beeindruckend durch die Wipfel schwingend.
Viel näher kommt uns eine Tuberkelhokko-Familie. Das Küken ist zuckersüß und die Frau Mama ist eine ziemlich seltene Farbvariante dieses großen Hühnervogels. Eine schöne Begegnung.
Wir versuchen uns noch ein wenig an Blattschneideameisenfotografie. Noch immer nicht sehr erfolgreich...
Und bald darauf geht der Tag seinem Ende entgegen.
Das Abendessen ist wie am Vortag gut und auch heute Abend sind keine neuen Gäste eingetroffen. So ist hier am Ende der Welt wieder alles sehr ruhig und entspannt.
Am nächsten Tag haben wir einen Höhepunkt der Reise arrangiert: Wir werden am Vormittag die farbenprächtigen Königsgeier aus nächster Nähe beobachten können. Am Nachmittag wird dann eine geführte Dschungelwanderung auf dem Programm stehen, die sich zu einem echten Abenteuer auswachsen wird…
Teil 1723. Sept. 2022
10. Kapitel: Königsgeier-Audienz am Morgen, Dschungelfieber am Nachmittag
Ein neuer Tag beginnt in der Laguna del Lagarto Lodge. Heute ist es am frühen Morgen beinahe wolkenlos und so macht das Beobachten der Vögel an den Futterplätzen wieder viel Freude. 🙂 Es lassen sich viele der Arten sehen, die bereits gestern ihr Stelldichein gegeben haben. Dazu kommen Red-lored Parrot ,Golden-hooded Tanager und Montezuma Oropendola.
Ich mache einen Spaziergang zum Kingfisher-Hide und sehe wieder keinen der schönen Vögel. Damit sich der Besuch aber trotzdem in der Erinnerung festsetzt, gleite ich am Zugang des Verstecks aus und lande rücklings im Matsch. 🙁 Schnell reiße ich die Kamera in die Höhe. Aber leider hilft das nur bedingt: Zwar bleibt das Objektiv sauber, jedoch ist eine Seite des Kameragehäuses nun von einer dicken Matschschicht umgeben. Knöpfe kann man nicht mehr erkennen… Ich fluche in mich hinein und beeile mich, in unser Zimmer zurückzukommen. Unterdessen hoffe ich inständig, dass die Kamera diesen Zwischenfall überlebt hat… 🤢 Mit Wattestäbchen und -pads kann ich den gröbsten Dreck entfernen. Mit der Spitze einer Fingernagelschere lege ich nach und nach die Knöpfe der Kamera frei. Reinigungsalkohol hilft dabei. Und so erstrahlt das Gehäuse zwar nicht in neuem Glanz, aber sieht am Ende der Aktion wieder okay aus. Und das beste: Alles funktioniert noch wie zuvor, Feuchtigkeit und Erde haben nichts zerstören können. Puh…
Jetzt bleibe ich lieber gemeinsam mit den anderen auf der Aussichtsplattform. Wir frühstücken und sehen dabei dem farbenfrohen Federvieh zu, das ebenfalls mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt ist. Irgendwann kommt zu unserer Freude ein Coati vorbei. Unser erster Nasenbär überhaupt! 😁 Auch dieses Tier ist sehr an den Bananen interessiert und stöbert im Garten herum. Wir machen uns auf, ihn ein wenig dabei zu begleiten und erfreuen uns sehr an dem quirligen Gesellen, der nur stillhält, wenn er gerade eine Banane verspeist.
Wir sind noch gar nicht richtig mit der Beobachtung fertig, da heißt es auch schon: „Kingvultures are down!“ Für den heutigen Morgen haben wir nämlich gemeinsam mit den zwei Belgiern das Königsgeier-Versteck gebucht. Vor einigen Stunden wurden daher dort bereits zwei Schweineköpfe drapiert, die die Geier anlocken sollen. Dies ist nun gelungen und so mache ich mich zuerst allein mit den Belgiern und später noch einmal in Begleitung meiner Frau auf den nicht einmal zehnminütigen Fußmarsch zum Hide. Dieser besteht aus einer kleinen Hütte mit einigen Plastikstühlen. Eine große Öffnung über die gesamte Breite der Behausung erlaubt den Blick auf eine Wiese, auf der sich bereits zahlreiche Rabengeier und glücklicherweise auch einige Königsgeier eingefunden haben. Eine wirkliche Tarnung oder eine trennende Scheibe gibt es nicht und so sind wir erstaunt, dass die Vögel uns trotz unserer offensichtlichen Anwesenheit in ihrer Nähe tolerieren bzw. ignorieren.
Die Tiere bei ihrer Mahlzeit zu beobachten, ist faszinierend. Es ist ein enormes Gewusel aus Geierleibern. Die Königsgeier machen den zahlenmäßig weit überlegenen Rabengeiern deutlich, wer in der Hackordnung am oberen Ende steht.
Sehr viele Fotos machen wir in den nächsten zwei Stunden und je nachdem, wie nah die Geier uns dabei kommen, ist die montierte Brennweite von 500mm beinahe zu groß. Durch den Sonnenschein am heutigen Morgen ist das Licht sehr angenehm. So kommen die farbenfrohen Köpfe der Königsgeier gut zur Geltung.
Insgesamt sehen wir ungezählte Rabengeier und rund acht adulte und juvenile Königsgeier, die sich nach und nach am gedeckten Tisch einfinden und sich dann in die nahen Bäume zurückziehen.
Die Zeit mit den Geiern gehört sicherlich zu den eindrücklichsten Momenten unserer Tour und so vergeht die Zeit wie im Fluge. Die nicht ganz günstige Hide-Miete hat sich hier auf jeden Fall gelohnt. Gegen Mittag setzt schließlich leichter Regen ein und wir beschließen, dass wir genug gesehen haben.
Auf dem Rückweg zur Lodge können wir als Zugabe einen Squirrel Cuckoo entdecken. Wieder ein Neuzugang auf unserer Sichtungsliste.
Abgesehen von dem Schreck wegen der Kamera-Matsch-Panade war das für uns eine perfekte erste Tageshälfte. Die zweite Hälfte des Tages soll nach einem Mittagssnack (wir beschränken uns hier auf Teller mit frischem Obst, denn es ist wieder schier unerträglich schwül-heiß) mit einer geführten Dschungelwanderung gefüllt werden. Und die wird anders als gedacht werden… 😵
Teil 1826. Sept. 2022
Fortsetzung
Schauer prägen den heutigen Mittag. Wir vertrödeln die Zeit auf der Aussichtsterrasse und genießen große Obstteller – ein warmes Mittagessen erscheint bei den herrschenden Witterungsverhältnissen nicht wirklich attraktiv. Ein vorbeikommender Coati sorgt dabei für willkommene Abwechslung.
Pünktlich zu unserer Nachmittagsaktivität klart das Wetter glücklicherweise auf und so brechen wir frohen Mutes gemeinsam mit den zwei Belgiern zu unserer geführten Wanderung durch den Regenwald auf. Das Gelände der Lodge beherbergt ein großes Stück privaten Waldes, das durchzogen ist von einfachen und engen Pfaden. Hier kann man Stunden verbringen. Und sollten wir noch einmal zur Laguna del Lagarto Lodge zurückkehren, würden wir die Trails auch gern stärker nutzen.
Sobald man den dichten Wald betritt, umfängt einen grünes Zwielicht. Die Pfade sind von den regelmäßigen Regenfällen der letzten Zeit aufgeweicht und schlammig. Da ist es gut, dass man sich in der Lodge Gummistiefel ausleihen kann (auch in Kindergrößen!). Immer wieder sinken wir mindestens Knöcheltief in den Schlick ein und verursachen beim Rausziehen der Stiefel laut schmatzende Geräusche.
Die Vegetation ist hier wahnsinnig dicht. Nur wenige Meter kann man nach links und rechts ins Dickicht blicken, dann schließt sich der immergrüne Vorhang gänzlich. Sollten hier Tiere in der Nähe sein, würden wir sie wohl kaum sehen. Daher ist es von großem Vorteil, einen Guide dabei zu haben. Heute Nachmittag führt uns Michael, der ansonsten den Service im Restaurant übernimmt. Der junge Mann ist sehr kenntnisreich und weiß, wohin er schauen muss, um kleines Regenwaldleben zu entdecken. Und so sehen wir bald unseren ersten Strawberry Poison-dart Frog (Erdbeerfröschchen). Dieser prächtige Geselle ist wirklich winzig. Michael nimmt ihn vorsichtig auf die bloße Hand. Hautkontakt scheint unbedenklich zu sein – das Gift sollte jedoch nicht in die Blutbahn gelangen.
Auf dem weiteren Weg durch den Dschungel werden wir von Donnergrollen begleitet. Es hört sich noch weit entfernt an und so gehen wir frohen Mutes weiter – denn bei Gewitter, so hatte es uns Lodgemanager Carlos erzählt, sollte man besser nicht im Wald unterwegs sein. 😵
Die nächste Sichtung unserer Wanderung führt uns den Endgegner vor Augen. Michael präsentiert uns eine Bullet Ant (Vierundzwanzig-Stunden-Ameise), deren Giftstich der schmerzhafteste des Insektenreichs sein soll. Nach dem Stich-Schmerzindex des US-Insektenforschers Justin O. Schmidt, der die Stärke von Schmerzen auf einer Skala von 1,0 bis 4,0+ beschreibt, steht das Insekt bei 4,0+. Die Schmerzen werden oft beschrieben, als würde man bei lebendigem Leib verbrennen. Sie lassen nach etwa 24 Stunden nach – daher der deutsche Name der Ameise. Vorsichtig nähern wir uns mit dem Makro…
Bald können wir ein weiteres Erdbeerfröschchen entdecken. Michael schleppt bereits seit einiger Zeit einen dicken Ast mit sich herum, der einige hübsche Pilze beheimatet. Nun löst sich dieses Rätsel: Sein Plan war es, uns einen Blue-Jeans-Frog in einem dieser Pilze zu präsentieren. Das ist sicher hübsch anzusehen, uns aber eine Künstlichkeits-Umdrehung zu viel.
Unsere Große wird derweil immer stiller und blasser. Ein Blick in ihre Augen und eine „Stirn an Stirn-Kontrolle“ zeigen uns: Hier entwickelt jemand Fieber mitten im Regenwald. Da wir auf einem Rundweg unterwegs sind, ergibt es keinen Sinn mehr umzukehren. Tapfer bestätigt sie uns, weitergehen zu können. 😣
Dann kommt das Donnergrollen immer näher und plötzlich öffnen sich die himmlischen Schleusen. Ein Sturzregen prasselt mit unbändiger Gewalt herab und verwandelt die ohnehin matschigen Wege in kleine Bachläufe. Zum Glück haben wir Regenzeug und auch unsere Drybags für die Kameras dabei, denn nach kurzer Zeit stehen wir da wie geduscht. 🙄 Und es hört nicht auf. Unablässig fallen Fluten vom Himmel herab, durch die wir uns den Weg bahnen – immer das fiebernde Kind im Blick. Durch den Regen sieht man kaum mehr etwas, die Ohren sind von lautem Rauschen gefüllt. Und so stapfen wir mit gesenkten Köpfen voran. Bald ist die Nässe so präsent, dass sie fast schon wieder egal ist. Ein Erlebnis für alle Sinne entfaltet sich. Wir müssen größere Steigungen überwinden – zum Glück haben wir allesamt Wanderstöcke dabei, denn hier wird der Wanderpfad zum schnell fließenden braunen Bach. Es ist verwunderlich, dass wir hier ohne Stürze durchkommen. Als dann etwas Langes und Dickes über meine Stiefel streift, schreie ich unvermittelt auf. 🤩 So sehr habe ich mich lange nicht erschreckt! Eine große Schlange bahnt sich in Wahnsinnstempo ihren Weg über den Pfad und klettert geschickt die ihn säumende Vegetation hinauf. Michael identifiziert das Tier als Bird-eating Snake. Meiner Frau gelingt trotz der anhaltenden Regendusche und des herrschenden Schummerlichts tatsächlich ein Fotobeweis.
Michael zeigt uns auf dem weiteren Weg noch schnell einen Ort, der ein guter Platz für die Beobachtung des red-capped Manakin sei. Bei dem herrschenden Regen tut das natürlich nichts zur Sache. Wir versuchen uns trotzdem, die Stelle für später zu merken. Bald sind wir dann aus dem Wald heraus und zurück in unseren Zimmern. Nun widmen wir uns erstmal der Pflege unserer Großen. Sie wird sich erstmal ausruhen müssen – zum Glück reisen wir stets mit gut gefüllter Reiseapotheke, einen Arzt wollen wir hier nicht benötigen müssen... 😵
Viel passiert nicht mehr am heutigen Tag. Der Regen hält bis nach Einbruch der Dunkelheit an und so vergehen noch ein paar ruhige Stunden bis zum Abendessen, die wir im Zimmer und in den Hängematten verbringen. Das Essen ist wieder gut. Ab heute sind wir auch nicht mehr fast allein, denn am Nachmittag haben sich einige Birder-Pärchen eingefunden, die nun die Restaurant-Terrasse mit uns bevölkern. Plötzlich aber regt sich etwas im Schatten. Nur wenig entfernt von unseren Tischen hat sich eine Black-and-white Owl (Bindenhalskauz) im Schutz der Dunkelheit im anhaltenden Regen niedergelassen. Wir sind begeistert über diese letzte Sichtung des Tages. Und auch unsere Große kann sich schon wieder etwas freuen. Eulen zu sehen, ist immer etwas ganz Besonderes für uns. Und auch die Belegschaft ist sehr angetan. Diesen Vogel sehen sie seit Monaten wieder zum ersten Mal in der Nähe der Lodge.
Mit diesen Eindrücken geht es ins Bett und wir hoffen dabei, dass das Fieber bald vergangen sein wird.
Teil 1928. Sept. 2022
Kapitel 11: Abschied mit Aras
Unser letzter Morgen auf der Laguna del Lagarto Lodge bricht an. Der Tagesbeginn ist der immer gleiche. Bei Sonnenaufgang machen Teile von uns sich zur Vogelbeobachtung auf, unsere Große bleibt heute länger liegen und ruht sich aus. Neben einem House Wren (Hauszaunkönig) und einem Crested Guan (Rostbauchguan) als Neuzugang lassen sich ähnliche Vögel wie an den Vortagen sehen.
Vor allem die Halsbandarassaris können uns heute begeistern.
Einmal mehr zeigt sich ein Nasenbär auf dem Hang der zur Lagune hinunterführt. Nur mit Flipflops beschuht, versuche ich mich ihm zu nähern. Der Coati klettert in einen Baum und blickt mich neugierig an.
Plötzlich rächt es sich, dass ich kein festes Schuhwerk trage: Flipflops sind auf schlammigem und schrägem Untergrund keine gute Wahl. Ich gleite aus und lande einmal mehr auf dem Hinterteil – und auch die Kamera ist wieder paniert… 😣 Ob der Coati mir eine lange Nase gemacht hat? Ich kann mich nicht mehr erinnern.
Also erneut säubern – hier habe ich ja bereits Übung. Für unsere Ausrüstung ist der Urlaub ein echter Härtetest. 😈
Das Frühstück wird heute in Buffetform angeboten, weil mehr Gäste anwesend sind. Die Qualität im Vergleich zu den Vortagen ist leider mies – alles ist entweder lauwarm, vertrocknet oder verkocht – und so sind wir schnell mit der ersten Mahlzeit des Tages durch. 😵
Zum Glück ist es nach dem Dauerregen des gestrigen Nachmittags und Abends heute wieder weitgehend trocken. Und so breche ich nach dem Frühstück zu einem kleinen Ausflug in den Regenwald auf. Mein Ziel ist der gestern von Michael beschriebene Beobachtungsort für den Red-capped Manakin (Gelbhosenpipra). Dieser Vogel ist berühmt für seine expressiven Balztänze, die an Michael Jacksons Moonwalk erinnern sollen. Eine ganze Zeit halte ich mich auf der kleinen Lichtung auf, die etwa 500 Meter von der Lodge entfernt gleich neben dem Trail liegt. Wenn man allein mitten im Wald steht, schärfen sich die Sinne. Plötzlich erschallt ein wiederholtes hustendes Grunzen – gar nicht weit entfernt. Das macht mich doch etwas nervös... Der Verursacher zeigt sich mir nicht – vielleicht auch besser so. Noch näher sind mir zahlreiche und nervende Moskitos. 😵 Wie aus dem Nichts erscheint plötzlich ein Red-capped Manakin und setzt sich auf seinen Präsentationszweig. 🙂 Und schon beginnt er mit seinem wirklich beeindruckenden Balztanz, der fotografisch so gar nicht festzuhalten ist – die Bewegungen des Vogels sind zu schnell, die Lichtverhältnisse zu schlecht. Und außerdem vermag ein Einzelbild das ganze Spektakel auch kaum wiederzugeben. Hier ist trotzdem eines:
Zufrieden kehre ich zur Lodge zurück – begleitet von einer großen Bremse, die sich nicht abschütteln lässt und der mein Repellent total egal zu sein scheint, sticht sie doch am liebsten in kurzen Abständen durch den Stoff meines T-Shirts. Erst meine Frau kann mich von dem lästigen Begleiter endgültig befreien. 😈
Der heutige Morgen hat noch mehr zu bieten, was uns den Abschied von der Lodge schwerer macht. Bald lassen sich zwei Scharlacharas im Garten nieder und stillen lautstark ihren Hunger. Wir sind begeistert von den prächtigen Vögeln und können ihnen erstaunlich nah kommen, ohne dass sie sich von uns stören lassen.
Als dann Carlos uns zuruft, dass sich in einem Baum neben dem Restaurant zwei Soldatenaras niedergelassen haben, ist der Morgen so ziemlich perfekt.
Zuerst sind sie noch ziemlich weit oben, wenig später gesellen sie sich aber zu ihren roten Verwandten, was nicht lange gut geht. Die Scharlacharas haben keine Lust auf ihre grüne Nahrungskonkurrenz. Und so gelingen von den Soldatenaras nur wenige Nahaufnahmen.
Als sich beide Arten auf den Weg zurück in den Wald machen, gelingt meiner Frau ein schöner Schnappschuss mit dem Makroobjektiv: Grün und Rot auf einem Foto im Fluge vereint.
Noch einmal werden wir auf ein Tier hingewiesen, dass wir ansonsten nie als solches erkannt hätten: Neben dem Restaurant sitzt eine Stabschrecke von etwa 30 cm Länge in einem kleinen Baum. Die Tarnung ist hier wirklich perfekt. Daher ist das Foto auch wenig spektakulär – ein Ast unter Ästen. Das Tier aber ist absolut faszinierend.
Und dann heißt es Abschied nehmen von der schönen Vogel-Lodge am Ende der Welt. Unsere Koffer und Kleidung haben wir wieder mit einigem Aufwand weitgehend ameisenfrei machen können und nun verladen wir sie bei einsetzendem Regen in den Kofferraum. 88 Kilometer müssen wir heute bis zum Fuße des Vulkans Arenal zurücklegen. Von der Strecke bleibt wenig in Erinnerung. Zuerst geht es über die Schlaglochdirtroad gen Süden und schließlich auf den Corredor Noratlántico gen Westen.
Am frühen Nachmittag checken wir bereits im Miradas Arenal Hotel & Hot Springs ein. Der Empfang ist etwas kühl, die gepflegte kleine Anlage, die etwas außerhalb des trubeligen Touristenorts La Fortuna liegt und sich wohltuend von den an Las Vegas erinnernden Portalen so manches Hotelkomplexes abhebt, weiß mit ihren knapp über 10 kleinen Häuschen, einem kleinen Pool und einer angrenzenden heißen Quelle aber zu gefallen. Der Vulkan selbst ist heute schüchtern und verbirgt sich hinter dichtem Grau. Ob wir ihn überhaupt zu sehen bekommen werden? Laut Reiseführer sieht wohl durchschnittlich nur jeder zweite Besucher den ganzen Vulkankegel. Und da ist die Trockenzeit mit eingerechnet… Wir wetten: Kinder und Vater sind skeptisch, Mutter ist Optimistin. Die Zukunft wird zeigen, wer hier Recht behalten soll. Erstmal entspannen wir in Garten und Häuschen. Unsere Große möchte auch noch etwas gepflegt werden.
Zum Ende des Tages genießen wir die (wirklich sehr!) heißen Quellen, die im Hotel – typisch für La Fortuna – in einen Pool geleitet werden und essen auf der schönen Terrasse des Hotelrestaurants wirklich sehr schmackhaft zu Abend. Theoretisch hätte man von hier einen Premium-Vulkanblick, aber zu der dichten Bewölkung hat sich nun auch die Dunkelheit dazugesellt. Gut gesättigt schlüpfen wir schließlich in die großen Betten unseren Familien-Häuschens. Hier ist alles sehr sauber und gepflegt. Es gibt sogar eine Klimaanlage. Eine schöne Abwechslung zum rustikalen Charme der Laguna del Lagarto Lodge. Zivilisation - du hast uns wieder! 😛
Im nächsten Kapitel geht es weiter mit unseren Erlebnissen rund um den Vulkan Arenal. Der Tag wird unter dem Motto „Eigentlich hätten wir…, aber dann…“ stehen. 😎
Teil 2016. Okt. 2022
Kapitel 12: Vertikale Wasser
Der heutige Tag ist schnell erzählt. Eigentlich hätten wir heute eine Wanderung im Arenal Nationalpark nebst Bootsfahrt mit Panoramablick auf den Vulkan erleben wollen. Allein das Wetter ist anderer Ansicht. 😈 Bereits vor Anbruch des Tages gießt es in Strömen und das ändert sich auch nicht, als es in verhaltenen Grautönen dämmert. Bei diesem Wetter wollen wir nicht wandern, zumal der eigentliche Anlass der Wanderung heute wohl kaum in Erscheinung treten wird. Nicht mal die Wurzel des Vulkans ist zu sehen. Gibt es hier überhaupt Berge? 🙄 Meine Frau telefoniert also flugs mit dem Touroperator, der uns heute eigentlich abholen sollte. Und zu unserer Freude ist es überhaupt kein Problem, den Ausflug um einen Tag zu verschieben. Puh – Glück gehabt. Jetzt muss morgen nur noch das Wetter besser mitspielen… Denn für eine weitere Verschiebung fehlt uns dann doch die Zeit.
Den Morgen und den Vormittag verbringen wir also größtenteils in unserem kleinen Häuschen. Mal treten wir auf die Terrasse – das ist dann aber auch schon das Aktivitätshighlight. 😉
Gegen Mittag hört der Regen endlich auf – von freier Sicht auf den Vulkankegel kann aber trotzdem keine Rede sein. Der Berg verbirgt sich hartnäckig hinter dichtem Grau. Dafür kommt Leben in den Garten unserer Herberge. Auf kleinen Streifzügen entdecken wir Morelet’s Seedeater, Crested Guan und Bunthörnchen.
Da wir nicht den ganzen Tag untätig verstreichen lassen wollen, machen wir uns am Nachmittag – denn es bleibt trocken! – auf zum Wasserfall von La Fortuna, der malerisch aus etwa 70 Meter Höhe in einen kleinen Pool hinabstürzt. Dank unseres Navis erreichen wir den Wasserfall problemlos. Vor Ort zeigt sich, dass La Fortuna eines der Touristenzentren Costa Ricas ist. Wir finden einen großen Parkplatz nebst Besucherzentrum vor – 18 US-Dollar soll der Besuch des Wasserfalls pro Erwachsenen kosten. 🤩 Da man wohl nur einmal im Leben hier ist, zahlt man den Betrag und bekommt dafür ein Armbändchen, dass uns als legitime Wasserfallbesucher kennzeichnet. Zuerst führt uns der Weg vorbei an einem Restaurant zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir in der Ferne bereits den Wasserfall bestaunen dürfen.
Und nun heißt es absteigen: Stufe für Stufe windet sich eine gut ausgebaute und gesicherte Treppe über 500 Stufen hinab zum Tal, in das das Wasser hinabstürzt. Eine solche Infrastruktur kennen wir sonst eher aus den USA. In den Nachmittagsstunden ist auf dem Weg nach unten recht wenig los – die meisten sind wohl eher am Vormittag hier unterwegs – wenn vielleicht auch nicht an dem heutigen… Der Abstieg geht leicht, aber für den Aufstieg schwant uns Übles… Unten angekommen, weiß die Szenerie tatsächlich zu begeistern. Der Fall ist der Prototyp eines tropischen Wasserfalls – wie im Bilderbuch.
In dem Becken, in das die Wassermassen stürzen, herrschen starke Strömungen. Uns wurde hier vom Baden abgeraten – einige Mutige tun es trotzdem. Wir nicht - für die Kinder wäre das vielleicht zu gefährlich. Etwas weiter flussabwärts wird es seichter. Und hier lädt der Fluss tatsächlich zum Baden im kristallklaren Wasser ein. Die Kinder genießen das sehr, haben aber Respekt vor den Fischen, die in der Strömung stehen. Alles in allem haben wir hier eine gute Zeit. Und die Landschaft ist mit ihrer satt grünen und überbordenden Vegetation einmal mehr einfach schön.
Und dann beginnt der Weg zurück. In der typischen Schwüle eines tropischen Nachmittags wollen die 500 Stufen bezwungen werden. Und im Gepäck haben wir jetzt nasse Handtücher… Mit einigen Pausen – es gibt immer wieder Sitzgelegenheiten – schaffen wir das ohne Kreislaufzusammenbruch. 😎
Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Heiße Quellen und das gute Restaurant des Hotels genießen. So dürften mehr Tage im Jahr ausklingen. Morgen geht’s dann in den Arenal Nationalpark – hoffen wir also gemeinsam auf gutes Wetter… 😗