habt Ihr Lust, mich auf meine Reise nach Tansania im Sommer 2019 in Form eines Reiseberichtes zu begleiten?
Ich habe diese Reise alleine unternommen und hatte mich daher für eine Gruppenreise entschieden (nähere Erklärungen dazu folgen im Prolog). Das Vorprogramm auf der Hatari Lodge habe ich beim gleichen Veranstalter als individuellen Baustein hinzu gebucht.
Da ich mich für einen Veranstalter entschieden hatte, der sich gleichzeitig für soziale Projekte engagiert, habe ich nicht nur bekannte National Parks besucht, sondern ebenso auch ein paar dieser unterstützenden Projekte (Kindergarten, Schule, ein Dorf mit angeschlossener Kaffeeplantage; dazu wird es keine Links oder Ähnliches geben).
Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten bei unseren Individualtouren mit meinem Mann, habe ich kaum Notizen gemacht, hoffe jedoch, dass ich auch aus meiner Erinnerung heraus noch ein wenig Text geschrieben bekomme.
Da ich mich hinsichtlich der Kameraausrüstung nicht abschleppen wollte, habe ich mich für ein einfacheres Travelzoom entschieden, was rückblickend gesehen, nicht die allerbeste Idee war, um nicht zu sagen, eine ziemliche Schnappsidee. Zusätzlich hatte ich sicherheitshalber noch eine kleinere Kompaktknipse als Back-up dabei.
Freue mich sehr, wenn Ihr mich begleiten mögt, auch wenn es sich bei dieser Reise nicht unbedingt um die sonst hier zumeist üblichen, wesentlich individuelleren Touren handelt. Eine Gruppenreise ist zwar für mich keine Premiere, aber man kann sagen, diese Art des Reisens stellt schon eher die große Ausnahme bei mir dar.
Dies war meine Reiseroute:
2 Nächte Arusha National Park, Hatari Lodge (Vorprogramm) 2 Nächte Arusha, Ngare Sero Mountain Lodge 1 Nacht Karatu, Highview Coffee Lodge 1 Nacht Ngorongoro Conservation Area, Ngorongoro Safari Lodge 2 Nächte zentrale Serengeti, Serengeti Safari Lodge 2 Nächte Nordserengeti, Mara Kati Kati Tented Camp 1 Nacht Lake Natron, Lake Natron Camp 3 Nächte Enduimet Wildlife Management Area, Shu’mata Camp
Erinnert sich noch jemand an den Film Congo und die Anfangsszenen?:
Teil 216. Juni 2022
Prolog
Während ich hier sitze und diesen Prolog niederschreibe, grübele ich, wann genau das Land Tansania in mein Bewusstsein rückte. Ich denke, das muss gewesen sein, als ich in jungen Jahren das erste Mal den Film Hatari! gesehen habe … nein, es war, als ich vom Tausch zweier Inseln und eines Landstriches hörte … oder war es doch eher, als ich mit Kinderaugen in den Fernseher schaute und einen älteren Herrn mit Schimpanse im Arm sah. Ich könnte noch länger darüber grübeln, komme aber zu keinem richtigen Ergebnis. Ich weiß lediglich, Freddy hat nicht dazu beigetragen. Dass er in diesem Land geboren wurde, präziser formuliert auf der Insel Sansibar, habe ich erst geraume Zeit später erfahren …
Aber egal, zurück zum Prolog: Das Reisejahr 2019 stand zur Planung an und mein Mann würde in diesem Jahr zu meinem großen Bedauern nicht verreisen können. Würde ich verreisen wollen, würde ich eine Reise alleine machen (müssen).
Also überlegte ich, was ich mir gerne noch einmal anschauen möchte und wohin er ohnehin nicht mitreisen könnte. Es kamen ein paar Ziele in Frage, aber schnell setzte sich in meinem Kopf fest, dass ich große Lust auf „Tiere gucken“ hatte. Mit einem Lächeln dachte ich an über die Filmwand laufende Babyelefanten auf der Suche nach Mama Temba, eine Männerfreundschaft, der eine Blutspende zugrunde lag - und an Hardy Krüger und sein Werk „Eine Farm in Afrika“ (das ich vor längerer Zeit gelesen hatte) … somit war klar, die Entscheidung stand: mein Reiseziel lautet Tansania.
Tansania als Reiseziel ist per se kein günstiges Reiseland, wenn man wie ich nicht campen möchte und zudem gewisse Ansprüche an die Unterbringung hat. Eine Privatreise würde mir definitiv zu teuer werden und somit kam für mich als Alleinreisende nur eine Gruppenreise in Frage, auch wenn ich - wo immer irgendwie sinnvoll möglich - dies gerne zielgerichtet umgehe.
So startete ich die Suche nach einer passenden Route, denn wie üblich hatte ich ziemlich genaue Vorstellungen von meiner Reise. Ich wusste, was ich unbedingt auf der Reise sehen wollte und als „Muss“ gesetzt war: die Migration mit der Chance auf ein Crossing und der Lake Natron mit dem Ol Doinyo Lengai, gerne auch die Hatari Lodge, wobei Letztere kein Ausschlusskriterium sein sollte. Genauso wusste ich aber auch, was ich keinesfalls auf der Reise sehen wollte: Sansibar.
Darüber hinaus war ein gewisser Komfort besonders hinsichtlich der Unterkünfte sowie ein garantierter Fensterplatz im Safarifahrzeug Voraussetzung. Als Reisedauer stellte ich mir ca. 2 Wochen vor.
Mit diesen von mir selbst definierten Eckpunkten begann ich meine Suche. Schnell stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach war, eine Reise zu finden, die die Migration (mit der Chance auf ein Crossing) und Lake Natron verband. Irgendwann wurde ich dann doch fündig, sogar die Hatari Lodge konnte ich als individuelles Vor- oder Nachprogramm beim gleichen Veranstalter hinzu buchen.
Der Veranstalter, der die Reise anbot, die alle meine Kriterien erfüllte, engagiert sich im größeren Stil für soziale Projekte und arbeitet entsprechende Programmpunkte außerhalb der Tierschutzgebiete in seine Routen ein, so auch in der von mir favorisierten. Eigentlich zuvor von mir nicht eingeplant, fand ich diesen Aspekt sogar sehr schnell sehr interessant, versprach ich mir doch, so das Land noch aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen; zudem würde ich überdies mit meiner Vergnügungsreise mit einem Teil meines eingesetzten Geldes etwas Gutes tun.
Die Reiseroute und die Unterkünfte schaute ich mir - wo möglich - detailliert an und als eine in der Regel passionierte Individualreisende kam es natürlich, wie es kommen musste. Es gab ein paar kleinere Punkte, die mir nicht ganz so gut gefielen, aber ich musste realistisch sein, wollte ich eine Tour, die genau meine Ansprüche erfüllte, müsste ich mir diese selbst zusammenstellen zu einem ungleich wesentlich höheren Preis; so war ich dann im Ergebnis sehr zufrieden mit meiner Wahl und das war die Hauptsache.
Auf nach Tansania und in der Hoffnung auf viele schöne, neue Erlebnisse, aber bitte ohne Hatari!
Teil 316. Juni 2022
Kleine Vorwarnung, der nächste Tag hat noch nicht viele Bilder, einfach aus dem gleichen Grund wie immer: Ich habe nie (oder nur ganz selten) an den Anreisetagen fotografiert. Ich muss mir einfach angewöhnen, das Flugzeugessen zu fotografieren 🙂 , vergesse ich immer ... fällt mir meist ein, wenn ich den Teller bereits zur Hälfte leer gefuttert habe. Eine Foodbloggerin werde ich nicht mehr. Also weiter geht's mit Tag 1 und Tag 2:
Tag 1 – Frankfurt – Doha Eine ziemlich komfortable Anreise, da gibt es nichts zu meckern
Es ist heiß, sehr heiß und ich bin noch nicht einmal losgeflogen. Über Deutschland liegt eine Hitzewelle, das Thermometer steuert langsam, aber unaufhaltsam die 40 Grad Celsius Marke an. Fast könnte man meinen, ich entfliehe der Hitze und reise in eine gemäßigtere Klimazone.
Im Radio hören wir, dass der Frankfurter Flughafen heute eine rekordverdächtige Anzahl von Passagieren erwartet und ich bin eine davon. Wir müssen tatsächlich eine Weile nach einem Parkplatz suchen, die Buchten sind oft sehr klein und längst nicht alle sind sich scheinbar bewusst, dass die Streifen auf dem Boden die Begrenzung für das eigene Fahrzeug darstellen sollen.
Entgegen meiner Befürchtung geht der Check-in zügig vonstatten, und es ist Zeit, mich für die nächsten zwei Wochen von meinem Mann zu verabschieden. Das ist der Moment, den ich am meisten hasse, aber ich wollte es ja nicht anders. Mein Fernweh und die Neugierde, neue Entdeckungen auf unserem Planeten zu machen, war einfach zu groß.
Die Wartezeit auf den Abflug Richtung Doha verbringe ich in der Lounge. Ich fliege mit Qatar Airways und bin schon sehr gespannt auf die so hoch gelobte Business Class dieser Airline. Im Rundreiseprogramm war die KLM vorgesehen, die uns einige Monate zuvor zu unserer vollen Zufriedenheit nach Ecuador gebracht hatte. Zu meiner großen Überraschung war der Aufpreis für Business Class zu den passenden Reisetagen im Vergleich zur Qatar viel zu hoch und in Premium Economy konnte nur auf einer Flugstrecke ein Platz bestätigt werden. Mit dem Veranstalter telefonierte ich mehrmals im Vorfeld, um für mich einen passenden Flug zu finden, was dann letztendlich auch geklappt hat. Ich denke, es hat sich bereits hier gezeigt, dass ich etwas anders ticke in Bezug auf die Reiseplanung als die meisten ihrer anderen Kunden.
Als ich die A380 betrete und auf meinem Einzelsitzplatz am Fenster Platz nehmen möchte, kommt schon die Flugbegleiterin auf mich zu, begrüßt mich sehr freundlich und nimmt mir mein Gepäck so schnell aus den Händen, dass ich fast schon Mühe habe, mir noch das Nötigste für den Flug herauszunehmen. Etwas später erhalte ich bereits die Menükarte und kann meine Bestellung aufgeben, wobei dieses Prozedere in der Business Class nicht ungewöhnlich ist und kaum erwähnenswert wäre, wäre da nicht der Aspekt, dass es für mich das erste Mal ist, dass ich die Uhrzeit frei wählen kann, wann ich essen möchte. Schnell komme ich zu dem Urteil, dass dies die beste Business Class ist, mit der ich bisher geflogen bin, und dabei ist die A380, in der ich gerade sitze und mich auf die für einige Jahre vorübergehende Wahlheimat von Hardy Krüger freue, noch nicht einmal mit der Q-Suite ausgestattet.
Wir landen einige Zeit nach Mitternacht in Doha, Nachtflugverbot scheint es hier nicht zu geben. Der Flughafen in Doha überfordert mich fast schon ein bisschen, die Lounge ist riesig. Hier werde ich mehrere Stunden bis zum Weiterflug überbrücken müssen. In der Quiet Area bekomme ich zu dieser Zeit keinen Schlafplatz mehr, finde dann aber einen Bereich, in dem es ausgesprochen ruhig ist und in dem Liegen stehen. Tatsächlich kann ich eine freie ergattern, dort werde ich die nächsten Stunden verbringen. Immer wieder schlafe ich ein, irgendwann muss ich mal auf Toilette, aber das zögere ich so lange hinaus wie nur irgend möglich, denn während der Nacht würde mein bequemer Rückzugsort sicherlich ganz schnell einen anderen Nutzer (oder auf Neudeutsch: User) finden.
Teil 416. Juni 2022
Tag 2 – Doha – Kilimanjaro Airport – Hatari Lodge Ankunft auf einer Farm, über die ich Jahre zuvor in einem Roman las
Die lange Aufenthaltszeit kam mir jetzt gar nicht so schlimm vor, wie im Vorfeld von mir befürchtet. Kurz vor neun Uhr morgens hebt die Maschine ab und sechs Stunden später landen wir am Kilimanjaro Airport.
Ich habe für zwei Nächte ein individuelles Vorprogramm auf der Hatari Lodge gebucht. Darin enthalten sind alle Transfers. Prima, jetzt kann es gleich weiter gehen, denke ich bei mir, als ich die Einreise hinter mich gebracht und mein Gepäck in Händen halte.
Bedauerlicherweise ist aber niemand da, um mich abzuholen. Aber selbst ist die Frau, ich erinnere mich, dass ich im Vorbeigehen ein Schild mit dem Agenturnamen gesehen habe, mit dem mein Veranstalter vor Ort zusammenarbeitet. Nur gut, dass ich mir auch bei einer organisierten Reise diese Details im Vorfeld genau anschaue bzw. recherchiere, ich kann einfach nicht raus aus meiner Individualreise-Haut.
Auf dem Schild stand zwar definitiv nicht mein Name, aber egal, da gehe ich jetzt hin. Schnell habe ich die Dame gefunden und ich erkläre ihr, dass ich zwar nicht zu den Passagieren gehöre, die von ihr abgeholt werden sollen, ich aber mehr oder weniger für die nächsten zwei Wochen in Form eines Gastes zu dieser Agentur gehöre und nun hier leider mein Transfer zur Hatari Lodge nicht da wäre. Sie bittet mich zu warten und will sich sofort darum kümmern. Ich solle derweil beim Ausgang warten. Das mache ich und kaum hat sich die Tür des Flughafengebäudes hinter mir geschlossen, sprechen mich schon von allen Seiten geschäftstüchtige Fahrer an und wollen mir ihre Dienste anbieten. Ich lehne dankend, aber bestimmt ab, stelle mich an die Seite und rufe erst einmal meinen Mann an. Absolut entspannt erzähle ich ihm von einem sehr guten Flug und dass ich nun auf meinen Transfer warte. Dieser erscheint dann auch wenige Zeit später, entschuldigt sich und wir beide fahren in einem Safarifahrzeug los.
Auf der Hatari Lodge angekommen werde ich sehr freundlich von der südafrikanischen Managerin begrüßt und merke, wie sehr ich mich freue, hier zu stehen. Ein kleiner Kindheitstraum geht gerade in Erfüllung.
Nachdem ich mich ein wenig im Zimmer ausgebreitet habe, ist es schon Zeit für das Abendessen. Den Weg vom Zimmer zum Restaurant darf ich in der Dunkelheit nicht alleine zurücklegen und kaum habe ich meine Tür geöffnet, steht schon ein Maasai an meiner Seite, um mich im Fall der Fälle zu beschützen. Besonders regelmäßige Besucher, so höre ich, sollen Büffel sein und wer sich mit der Tierwelt Afrikas beschäftigt hat, weiß, dass Büffel nach den Hippos auf Rang zwei der Liste der Tierarten stehen, die für ein tödliches Aufeinandertreffen von Mensch und Tier verantwortlich zeichnen.
Das Abendessen ist ganz hervorragend. Alle sitzen heute gemeinsam an einem größeren Tisch. Neben einer amerikanischen Familie sind heute keine weiteren Gäste anwesend. Ich finde es ausgesprochen nett, dass ich nicht irgendwo alleine in einer Ecke platziert werde.
Die Managerin sitzt neben mir und wir führen eine sehr interessante Unterhaltung. Bei dieser Gelegenheit mache ich die Bekanntschaft einer jungen deutschen Volontärin, die mir voller Begeisterung vom derzeitigen Projekt erzählt, dem Beehive-Fence. Bienenvölker werden rund um die Felder angesiedelt, damit werden Elefanten, die allergrößten Respekt vor diesen kleinen summenden, fleißigen Insekten haben, von der lebenswichtigen Ernte ferngehalten. Zusätzlich können die Bewohner den Honig nutzen, also eine absolute Win-Win-Situation. Ich bin fast genauso begeistert, als ich davon erfahre.
Nachdem ich wieder wohlbehalten den Bungalow mit meinem Zimmer in Begleitung eines Maasais erreicht habe, falle ich todmüde ins Bett. Ich bin angekommen!
Teil 517. Juni 2022
Tag 3 – Arusha National Park Büffelbegegnung
Die Hatari Lodge liegt direkt vor den Toren des Arusha National Parks. Mein gestriger Transfer führte bereits durch den Park und ich sah einige Büffel und Giraffen. Die Landschaft hier ist so ganz anders als die, die ich von meinen bisherigen Reisen in eher aride Gegenden im südlichen Afrika kenne.
Im Arusha National Park liegt der zweithöchste Berg Tansanias, der Mount Meru (4.565 Meter). Sein Gipfel soll vor sehr vielen Jahren, genau genommen vor ca. einer Viertelmillion Jahren, die 5.000er Marke überschritten haben, bevor er sich selbst durch eine Eruption dezimierte. Zuletzt ist der Mount Meru im Jahr 1879 ausgebrochen, wobei es sich um eine kleinere Eruption gehandelt haben soll. Anfang des vergangenen Jahrhunderts befand sich in dieser Gegend die Farm der Familie Trappe. Im Jahr 1960 wurde der Ngurdoto National Park gegründet. Bernhard Grzimek soll einen wesentlichen Beitrag dazu beigetragen haben. Das Gebiet wurde dann im Jahr 1967 erweitert - u. a. umfasst der Park seit dieser Zeit auch die Momella Seen. Im Zuge dessen wurde der Name geändert auf seinen heutigen, Arusha National Park.
Und genau in diesen Park soll es heute für mich gehen. Noch bin ich frei, denn den Arusha National Park werde ich auf einem Privatprogramm kennenlernen. Mit einem Safarifahrzeug fährt mich der Guide mit dem klangvollen Namen „Goodluck“ in den Park. Am Momella Gate werde ich einem bewaffneten Wildhüter für die nächsten zwei Stunden übergeben. Wir beide werden eine Fußsafari machen.
Der Park, wie auch die Hatari Lodge, liegen etwas höher, so ist es hier kühler und es kommt vor, dass sich die Sonne nicht zeigt. Ein netter Nebeneffekt dieser Gegend ist, dass sie als malariafrei gelten soll. Ich hoffe, es ist so, denn ich habe meine Malariaprophylaxe auf den Tag genau geplant. Es sind sehr angenehme Temperaturen, es ist längst nicht so heiß wie in Deutschland bei meiner Abreise. Ich trage heute sogar eine Vliesjacke.
Der Mount Meru liegt in den Wolken, ich sehe ihn nicht, als ich mit dem Wildhüter, mit dem Gewehr über seiner Schulter hängend, losziehe. Ich hoffe, dieses Teil muss nicht zum Einsatz gebracht werden. Der Ranger zeigt mir Schädel von Wildtieren, die am Wegesrand drapiert wurden, weist mich auf verschiedene Pflanzen hin und siehe da, ganz nah lässt sich ein Warzenschwein blicken. Diese Tiere finde ich witzig, allerdings sollte man ihnen auch nicht per Pedes zu nah kommen.
Wir laufen über eine freie, übersichtliche Fläche und dann mal wieder schmalere Pfade durch Busch- und Baumland. Ich frage mich, wie viele Tieraugen aus diesem Dickicht wohl gerade auf mich blicken und sich fragen, was diese beiden durchziehenden Gestalten hierher verschlagen hat. Aber vielleicht ist es den Tieren auch ziemlich egal.
Weniger egal ist mir dann aber unsere nächste Begegnung. Vor Büffeln habe ich allergrößten Respekt und wie ich einmal las, sollte man vor einzelnen Büffeln noch mehr Respekt haben als vor einer größeren Gruppe. Während wir uns gerade auf einer weitläufigeren Ebene befinden, tritt eine Büffelmutter mit ihrem Teenagerkalb aus dem Dickicht heraus, zum Glück in einiger Entfernung, aber nichtsdestotrotz doch noch viel zu nah. Beide stoppen, die Mutter blickt zu uns, sie fressen erst einmal. Immer wieder schaut die Mutter zu uns auf. Dann ein weiteres Mal schaut die Mutter hoch, geht jedoch ein paar Schritte auf uns zu. Das Ganze sieht nicht freundlich aus. Mir wird sehr mulmig, ich möchte am liebsten den Rückzug antreten, doch der Wildhüter lässt mich nicht. Er merkt, dass mir nicht ganz wohl ist und sagt mir, ich solle ganz nah bei ihm bleiben und ich müsse nicht „scared“ sein, es wäre alles in Ordnung.
Gleichzeitig sehe ich, wie er Büffelmutter und Kind ganz fest im Blick hat - und ist es zu meinem Entsetzen oder zu meiner Erleichterung? Er nimmt das Gewehr von seiner Schulter und während er noch seine nächsten Worte ausspricht, weiß ich, es ist Entsetzen … Er flüstert mir leise zu, wenn sich der Büffel für einen Angriff entscheiden sollte, müsse er sehen, ob er überhaupt Zeit hätte, um einen Warnschuss abzugeben oder ob er direkt auf das Tier schießen müsse. Aber egal, was immer nun passieren würde, ich dürfe keinesfalls wegrennen, sondern müsse mich auf den Boden legen. An seinem Verhalten merke ich, die Situation ist bedrohlich, trotz allem strahlt er Ruhe und Souveränität aus. Mir ist gerade ganz anders. Theoretisch weiß ich, dass man im Busch nicht wegrennen soll, denn nur Futter rennt, aber ob ich das jetzt hier in diesem Moment ganz praktisch umsetzen würde?
Zum großen, großen Glück entscheidet sich Büffelmutter gegen einen Angriff, vielleicht hat sie Mitleid mit mir, wie ich dort wie ein Häufchen Elend stehe. Sie zieht mit ihrem fast ausgewachsenen Kalb vorüber, und ich habe so gar keine Lust mehr auf die Fortsetzung der Fußsafari.
Der weitere Weg führt uns noch zu einem Wasserfall und ich bin heilfroh, als wir wieder unbeschadet unseren Ausgangspunkt erreichen. Ich habe mir fest vorgenommen, den Rest des Tages das Fahrzeug nicht mehr zu verlassen.
So langsam nähert sich mein Puls wieder Normalniveau, während wir im Fahrzeug durch bewaldetes Gebiet fahren. Wir stoppen am Fig Tree Arch. Dieser Würge-Feigenbaum ist so gewachsen, dass man mit einem Auto unter ihm hindurch fahren kann und damit ist natürlich klar, dass er es zu einem Touristenstopp gebracht hat.
Nach einem Picknick mit sehr leckerem, aus der Hatari Lodge mitgebrachtem Essen am oberen Momella See - ich habe derweil meinen Vorsatz, nicht mehr aus dem Auto steigen zu wollen, schon wieder verworfen -, fahren wir entlang der Seenlandschaft der sieben Momellaseen. Die Seen sind alkalisch und ziehen vor allem im Winter der nördlichen Hemisphäre viele Zugvögel an. Heute sehe ich vor allem Flamingos. Zum einen die weiß gefiederten Zwergflamingos, die den matschigen Ufersaum nach Fressbarem durchschnäbeln und zum anderen die größeren Rosaflamingos (Great Flamingo), die ihre Nahrungsaufnahme im tieferen Wasser bevorzugen.
Eine spielende Pavianfamilie sorgt dafür, dass wir unsere Rückfahrt kurz unterbrechen. Zurück in der Lodge lässt sich am späten Nachmittag sogar noch der Mount Meru blicken.
Auf der Plattform der Hatari Lodge findet der Sundowner statt, und ich lerne eine 6-köpfige Reisegruppe des gleichen Veranstalters kennen, als ich kurz aushelfe, um etwas zu übersetzen.
Die Managerin hat heute Abend andere Termine, fühlt sich aber scheinbar für mein Wohlergehen verantwortlich und hat ohne, dass ich es wusste, diese Reisegruppe und ihren Guide gefragt, ob ich mich zum Abendessen zu ihnen setzen dürfe, damit ich nicht alleine meine Mahlzeit einnehmen muss. Sehr gerne dürfte ich das. Ich finde diese Geste von allen ausgesprochen nett, genauso nett entpuppen sich die Teilnehmer dieser Gruppe und wir haben einen schönen Abend.
Teil 618. Juni 2022
Vielen Dank an alle Danke-Button-Drücker und Kommentar-Verfasser. Es geht weiter mit zwei Reisetagen.
Tag 4 – Hatari Lodge – Ngare Sero Mountain Lodge Von einer Filmlocation zur nächsten und die Feststellung, dass ich vergessen wurde
Ich bin in Afrika und ich friere. Es ist heute Morgen so kalt, dass ich zum Frühstück den Platz wähle, der am nächsten zum offenen Kaminfeuer liegt.
Irgendwie hat die ganze Atmosphäre etwas Surreales. Ich sitze neben einem wärmenden Feuer und trinke meinen Tee. Mein Blick nach draußen offenbart eine Welt aus Grüntönen, über der ein Schleier liegt, kein Nebel, kein Dunst, alles wirkt auf mich, als schaue ich durch einen Filter. Es liegt etwas Märchenhaftes, etwas Surreales über der Hatari Lodge, es ist zauberhaft.
Eigentlich hätte ich heute Morgen auf dem Gelände der Farm noch einen Spaziergang in Begleitung machen sollen. Da ich mir aber vor einiger Zeit am Fuß eine Verletzung zugezogen hatte und diese seit gestern ein wenig zwickt, entscheide ich mich gegen diese Tour. Ich stöbere durch die Bücherregale, es ist unglaublich interessant, wie muss es wohl gewesen sein, als Hardy Krüger hier lebte, als er seine Fleischfabrik betrieb, Gäste aus aller Welt auf der naheliegenden Momella Lodge wohnten und möglicherweise auch der eine oder andere Hollywoodstar die Familie Krüger hier besuchte.
Bei einem regelmäßigen Blick nach draußen stelle ich fest, dass sich auf der Momella Lichtung eine Gruppe Büffel eingefunden hat. Ein Zebra erspähe ich auch.
Auf der Lodge und auch im Arusha National Park ist es schön, jedoch eher unspektakulär, aber mir gefällt es hier so gut. Ich kann es nicht in Worten beschreiben, was dieses Wohlgefühl bei mir auslöst, aber es ist da. Möglicherweise ist es das gleiche Gefühl, was Hardy Krüger diesen Platz auswählen ließ? Ich werde ihn nicht fragen können und es niemals erfahren.
Zum Mittagessen bin ich der einzige Gast, bekomme aber ein sehr schmackhaftes Essen serviert - und dann lerne ich Marlies kennen. Sie und ihr Mann Jörg haben im Jahr 2004 die ehemaligen Wohngebäude von Hardy Krüger erworben und die Hatari Lodge aufgebaut. Marlies stammt aus Namibia. Wir unterhalten uns sehr lange, es ist ein sehr eindrückliches Gespräch, wir sprechen über den Tourismus in Tansania und sie erzählt mir von verschiedenen Projekten und wie sie damit versuchen, insbesondere die Situation der Frauen in der Gegend zu verbessern.
Dann ist leider die Zeit gekommen, die Hatari Lodge zu verlassen. Ich werde von einem Guide zu meiner nächsten Unterkunft in Arusha gefahren, wo ich auf die Teilnehmer der Gruppenreise und den Guide treffen werde. Die Fahrt zu Ngare Sero Mountain Lodge, die ein wenig außerhalb von Arusha liegt, dauert knapp 90 Minuten.
Verbinde ich die Hatari Lodge mit einem von mir geliebten Hollywood-Klassiker der 60ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, muss ich jetzt 30 Jahre in die Zukunft in meiner Filmhistorie gehen. Dunkel erinnere ich mich an den Hollywoodfilm Congo aus den 90ziger Jahren, erkenne aber sofort das Farmhaus wieder, das in den Anfangsszenen des Films auf Leinwand gebannt wurde. Dieser Film wird es zwar ganz sicherlich nicht in meine persönlichen Filmhighlights schaffen, nichtsdestotrotz finde ich die ganze Situation witzig, da ich quasi ungeplant von einem Drehort zu einem anderen wechsle.
Das Farmhaus, das heutige Hauptgebäude der Lodge, wurde 1904 von dem deutschen Herrn Leue erbaut. Seit 1974 beherbergt es eine Lodge und ist eines der ältesten familiengeführten Unterkünfte in Arusha.
Die Zimmer befinden sich zumeist in einem separat gelegenen Gebäudetrakt. Mein Zimmer hat eine Terrasse mit einer gemütlich angelegten Sitzbank, auf dessen Polster ich es mir im Laufe des Nachmittages noch gemütlich machen werde. Innen verfügt es über einen Vorraum mit einem Sofa und Schreibtisch, das Bett ist gemütlich mit einem tadellosen Moskitonetz, das Bad ausreichend groß und als Zugabe gibt es noch einen begehbaren Kleiderschrank.
Die Außenanlage ist sehr weitläufig, wunderschön und außerordentlich gepflegt. Es gibt einen Cricketbereich, einen Fischteich, auf dem man Boot fahren kann und einen wunderschönen, ziemlich langen Pool, der von drei Seiten von eindrucksvollen Pflanzen umgeben ist. Es ist sehr schön hier.
Gemäß Reiseprogramm treffe ich heute Abend mit der Reiseleitung und den Mitreisenden zusammen, um sich im Anschluss beim gemeinsamen Abendessen kennenzulernen. So weit, so gut. Hatte ich erwartet, dass man mir jetzt weitere Infos zukommen lässt, wann ich wo zu sein hätte, werde ich sogleich auf den Boden der Tatsachen geholt, als man mir beim Check-in sagt, dass man keine derartigen Informationen für mich hätte. Man sei bisher noch nicht einmal darüber informiert gewesen, dass ich zu dieser Reisegruppe gehöre. Na prima, der Start ist schon mal vielversprechend.
Ich hatte mich schon gewundert, wie das Abendessen heute möglich sein solle, weiß ich doch, dass die KLM erst sehr spät landet und genau das bestätigt mir der sehr nette Herr beim Check-in. Ich nenne ihn jetzt einmal Mr. Ray.
Mein Problem ist, dass ich auch nicht weiß, wann ich mich morgen früh wo einzufinden habe. Mr. Ray versucht, die Agentur telefonisch zu erreichen, das gelingt ihm nicht, auch nicht mehr im Laufe des Nachmittags. Ich frage ihn, wann die Gäste mit Ankunft KLM in der Regel einchecken und erfahre, dass es meist so gegen Mitternacht sei, vorausgesetzt die Maschine ist pünktlich. Ich habe definitiv keine Lust, so lange wach zu bleiben, um meine Instruktionen, die eigentlich hätten vorliegen müssen, entgegen zu nehmen. Da Mr. Ray auch noch zu später Stunde Dienst haben wird, bitte ich ihn, dass der Guide mir doch einen Zettel unter der Zimmertür durchschieben möge, auf der Zeit und Ort für den morgigen Treffpunkt vermerkt ist.
Den Rest des Nachmittags verbringe ich auf dem weitläufigen Gelände und meiner Terrasse. Das hervorragende Abendessen lasse ich mir im Außenbereich des Restaurants schmecken.
Teil 718. Juni 2022
Tag 5 – Ngare Sero Mountain Lodge (Dorfbesuch und eine Kaffeeplantage) Meet & Greet
Irgendwann nach Mitternacht werde ich wach und gehe zur Tür. Tatsächlich liegt auf dem Boden eine Notiz. Mr. Rax, dieser zuverlässige und freundliche Herr, hat sie geschrieben. Jetzt weiß ich, um wieviel Uhr ich morgen früh auf meine Reisegruppe treffen werde.
Ich ärgere mich schon ein wenig. Das hätte alles vom Veranstalter organisiert sein müssen. Nun, ich konnte mir selbst helfen, frage mich aber, was machen Gäste, die es nicht gewöhnt sind, solche Dinge in einem fremden Land zu organisieren und noch viel mehr, was machen Gäste, die kein oder nur wenig Englisch können?
Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt mache ich mich auf zum Frühstück. Vor dem Gebäude steht bereits eine Gruppe, die mir sehr verdächtig nach meiner aussieht. Ich gehe hin, frage nach, es ist meine Gruppe und stelle mich vor.
Unsere Reisegruppe besteht aus 4 Paaren, allesamt mehr oder weniger älter als ich sowie ein Vater mit Sohn, der die Reise als Abiturgeschenk erhalten hat. Während der Reise werden wir auf zwei Safarifahrzeuge aufgeteilt, der Guide wechselt tageweise das Fahrzeug. Von diesem Guide ist allerdings weit und breit nichts zu sehen.
Wir gehen zum Frühstück. Der Guide trifft ein, alle anderen Teilnehmer hat er bereits gestern Abend nach ihrer Ankunft am Flughafen in Arusha kennengelernt, das scheint ihm zu genügen. Er sagt guten Morgen und geht hinaus zu seinen Fahrern.
Ich schaue mir das Schauspiel kurz an, folge ihm, stelle mich vor und sage ihm, dass ich die Teilnehmerin bin, die ein Vorprogramm hatte und nun zur Gruppe dazu stößt. Die Begrüßung fällt recht knapp aus, sodass ich mich schon frage, wo hätte ich meine Gruppe getroffen, hätte sich Mr. Ray nicht so sehr gekümmert. Auf den Hinweis, dass ich keinerlei Informationen über Treffpunkt und Uhrzeit erhalten hatte und mich selbst kümmern musste, ernte ich ein Schulterzucken und die Worte „es hat doch alles geklappt“.
Nun gut, das war das erste Kennenlernen, wir werden sehen, was die nächsten Tage bringen werden.
Unser Guide trägt den Namen Moses - so wie Moses, der das rote Meer teilte und ein ganzes Volk durch die Wüste führte, kurzum diesen Namen verbinde ich mit einer Person, die den Überblick hat und weiß, wo der Weg entlang führt.
Das heutige Programm ist nicht sonderlich stressig, ich nehme an, dies wurde vom Veranstalter so ausgearbeitet, damit sich die Teilnehmer noch ein wenig von der anstrengenden Anreise erholen können.
Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir zu den Fahrzeugen, ich werde mir den Wagen mit zwei Paaren teilen und wir werden tageweise die Sitzreihen rotieren, sodass die Fairness hinsichtlich der Plätze garantiert ist.
Wir fahren zu einem nahe gelegenen Ort, wo wir Einblick in das Dorfleben erhalten. Das Dorfoberhaupt begrüßt uns und wir werden von einem Bewohner durch den kleinen Ort geführt.
Zwischendurch setzt immer mal wieder Regen ein und die Wege werden zunehmend schlammiger und rutschiger. Etwas länger verweilen wir in einem offenen Gebäude, das als eine Art Gebäude für Rechtsprechung dient, uns wird der Prozess erklärt, hier werden Zwistigkeiten verhandelt und - hoffentlich - beigelegt.
Gerne würde ich mehr Fotos machen, aber eine innere Stimme veranlasst mich, mich zurück zu halten, sodass es nur wenige Motive ohne Einwohner auf meine Speicherkarte schaffen. Ich habe schon einige Reisen gemacht und immer wieder, wenn ich solche Lebensbedingungen sehe, erfasst mich große Demut. Was habe ich doch für ein Glück, in Deutschland geboren worden zu sein.
Wir besuchen eine Schule für die besonders kleinen Erdenbürger, soweit ich verstanden habe, wird diese von unserem Veranstalter unterstützt. Die Kleinen schauen uns neugierig aus ihren Kinderaugen an, während die Lehrerin ihnen kurz erklärt, wer wir sind. Ich fotografiere in den Raum hinein, ein einzelnes Kind möchte ich nicht ablichten. Dann zeige ich den Kleinen das Motiv auf dem Display und plötzlich bin ich umzingelt. Ich mache noch ein paar Fotos, die Kinder sind hocherfreut und ich bin sehr traurig. Ich bin traurig, weil ich gerade eine Sofortbildkamera oder einen kleinen Fotodrucker vermisse. Wie gerne hätte ich diesen Kindern eine Freude mit diesen Fotos bereitet. Werde ich noch einmal eine Reise mit solchen Programmpunkten machen, werde ich mich besser ausstatten.
Während die Gruppe sich draußen umschaut und teilweise auch dem Treiben in der Klasse zuschaut, versuche ich mich loszureißen, da der vorgegebene Zeitplan ruft. Als ich den Raum verlasse, treffe ich auf eine ältere Frau, die, so merke ich sofort, in dieser Schule arbeiten muss. Wir kommen ins Gespräch, sie erzählt mir, dass sie aus Kalifornien stammt und die meiste Zeit des Jahres in diesem Ort lebt, um die Menschen zu unterstützen. So gerne würde ich mich noch länger mit ihr unterhalten, aber die Gruppe ist schon beinahe aus meinem Blickfeld verschwunden und ich sollte nicht gleich am ersten Tag als vermisst gemeldet werden.
Ich bin tief beeindruckt - sowohl von der Begegnung mit den Kindern als auch mit dieser Frau.
Im gleichen Ort, vorbei an Bananenfeldern, steuern wir die Fair Trade Kahawa-Kaffeeplantage an, wo man uns zeigt, wie hier der Kaffee hergestellt wird.
In einem Gebäudetrakt, der zur Kaffeeplantage gehört, ist das Mittagessen der Gruppe eingeplant. Es gibt verschiedenste Speisen und große Teller bestückt mit zumeist bereits geschältem Obst. Das Wasser wird mit Eiswürfeln in Karaffen auf den Tisch gestellt.
Ich bestelle mir eine Cola, esse Reis und Hähnchen, vom Obst nehme ich mir eine Banane, all das schmeckt gut, aber für mich gilt als oberste Prämisse „cook it, peel it or forget it“. Soweit ich beobachten kann, bin nur ich in der Gruppe so wählerisch.
Zum Abschied erhält jeder noch ein Päckchen Kaffee in einem sehr schönen Täschchen.
Am frühen Nachmittag sind wir wieder zurück auf der Ngare Sero Mountain Lodge. Wir haben Freizeit und werden erst wieder zum Abendessen zusammentreffen.
Teil 821. Juni 2022
Tag 6 - Arusha - Karatu Ein eher unspektakulärer Reisetag und der Guide stellt die Reiseroute vor
Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es heute Morgen in unserer Gruppe die ersten Klagen über Magenprobleme.
Sind Magenprobleme zuhause schon nicht erstrebenswert, sind sie auf einer Reise mindestens unangenehm. Auf einer Gruppenreise, die einem vorgegebenem Zeitplan folgt und bei der man nicht einfach eben individuelle Umstellungen vornehmen kann, sind sie zudem mehr als hinderlich. Kommt dann noch die Kombination Gruppenreise und Safari zum Tragen, kann dies für den Betroffenen durchaus zu Situationen führen, die man sicherlich nicht selbst als direkt Betroffener erleben möchte. Während einer Safari ist es nun einmal nicht möglich, jederzeit das Fahrzeug zu verlassen.
Ich habe mir vorgenommen, weiterhin meine Finger von ungekochtem/nicht gegartem und geschältem Essen zu lassen. Eiswürfel sind ohnehin ein No-Go für mich. Ob ich damit verschont bleibe, weiß ich nicht, aber ich tue mein Möglichstes mit diesen einfachen Vorsichtsmaßnahmen, um unvermeidliche Situationen zu vermeiden.
Im Programmheft für den heutigen Start in den Tag lese ich unter der Überschrift “Am Fuße des Mount Meru“: Nach einem gemütlichen Frühstück geht es auf Erkundungstour. Exotische Flora, so weit das Auge reicht und als Hintergrundmusik zahlreiche zwitschernde Vögel. Wenn sich dann auch noch der Mount Meru zeigt, dann ist der Hintergrund perfekt. Aber auch ohne wird es Sie verzaubern.
Ich frage mich, wo wir die exotische Flora und die zahlreichen zwitschernde Vögel mit dem sich möglicherweise im Hintergrund zeigenden Mount Meru erleben werden. Gleich nach dem Frühstück erhalte ich die Antwort: auf dem Gelände der Lodge. Okay, irgendwie hatte ich anderes erwartet, aber zugegebenermaßen lässt die Beschreibung großen Interpretationsraum und es steht nichts Falsches im Programmheft.
Wir laufen über das sehr weitläufige Gelände und passieren einen Bereich, auf dem Backsteine gebrannt werden. Der Pfad führt an dem zur Lodge gehörenden See vorbei, den Mount Meru sehe ich nicht, zwitschernde Vögel sind genauso viel und genauso wenig gegenwärtig wie die Tage zuvor. Im dunklen Dickicht der Bäume tummeln sich Colobusaffen und Blaumeerkatzen, ich bekomme jedoch davon keine wirklich vernünftigen Fotos zustande. Wenigstens gelingt mir noch ein schönes Bild eines Schmetterlings, an einer Spinne in beachtlicher Größe muss ich vorbei gelaufen sein, sehe diese dann aber später auf dem Handybildschirm eines Mitreisenden.
Das Essen in dieser Lodge finde ich hervorragend, so auch wieder das heutige Mittagessen, das wir an einem überdachten Platz mit wunderschönem Seeblick einnehmen.
Mit gut gefülltem Magen, zumindest ist das bei mir der Fall, starten wir in unseren zwei Fahrzeugen Richtung Karatu. Die Straßenszenen, die sich mir beim Blick aus dem Fenster bieten, sind so ganz neu für mich, so etwas habe ich auch bisher nicht im südlichen Afrika gesehen. Der ganze Hausstand wird direkt an der Straße angeboten, sogar Särge kann man neben der Fahrbahn erstehen. Der Verkehr hat es in sich, hier möchte ich definitiv nicht selbst fahren und stelle fest, dass ich allergrößten Respekt vor den Touristen habe, die sich in dieses Abenteuer stürzen.
Nach gut 3,5 Stunden Fahrt, währenddessen ich bei Gesprächen die beiden anderen Paare im Fahrzeug noch etwas näher kennenlerne, erreichen wir Karatu.
Die nächste Nacht verbringen wir in der Highview Coffee Lodge, die über 8 Zimmer in Doppelbungalows verfügt und inmitten einer Kaffeeplantage liegt. Insgesamt eine schöne Anlage mit gepflegten Zimmern. Wir werden von 4 tanzenden und Sprünge vorführenden Maasai begrüßt. Sicherlich nett gemeint, aber dieses Tourispektakel ist so ganz und gar nicht meins und ich bin heilfroh, als die kurze Vorführung endet.
Nachdem ich das Zimmer bezogen habe, laufe ich noch ein wenig auf der Anlage umher, mache ein paar Bilder und schon ist Zeit zum Abendessen, das in einem separaten Zelt serviert wird. Ich bin hellauf begeistert, von dem aus kleinen Perlen gefertigten Chamäleon, das als Deko seinen Platz auf dem Tisch gefunden hat.
Nach dem Essen stellt uns Moses die Route unserer Reise vor, die ich aus dem Effeff aufsagen könnte. Er kommt mit der Vorstellung nur bis zur zentralen Serengeti, also genau genommen bis zum übernächsten Übernachtungsort, wo er 3 Nächte in Folge ankündigt, bis ich ihn das erste Mal unterbreche. Nein, wir werden dort nur zwei Nächte bleiben, um im Anschluss in die nördliche Serengeti zu fahren. Ich kann einfach nicht schweigen, denn ist doch die nördliche Serengeti für mich einer der beiden Hauptgründe für diese Reise. Ich habe Bedenken, dass der Reiseplan ohne mein Wissen umgeworfen wurde. Okay, wir einigen uns nach kurzem Hin und Her auf meine Aussage, also auf 2 Nächte. Geht doch.
Leider muss ich ihn dann bei einem der nächsten Unterkunftstopps schon wieder korrigieren. Will er uns doch in das Halisi Natron Camp verorten. Wenige Tage vor Abreise erhielt ich einen Anruf vom Veranstalter, der mir mitteilte, dass sie eine Umbuchung haben vornehmen müssen von dem ursprünglich gebuchten Halisi Natron Camp in das Lake Natron Camp. Ich erhalte diesmal Zustimmung der anderen Teilnehmer, denn auch diese können sich an den Anruf mit einer Umbuchungsmitteilung, wenn auch nicht an den Namen des Camps, erinnern.
Moses erwähnt dann eine andere Lodge, in der Lake Natron vorkommt, aber nicht das Lake Natron Camp. Ich beharre mehrmals darauf, aber ich habe den Eindruck, er hört nicht zu oder will nicht zuhören, wieso sollte ein Gast das auch besser wissen als der Guide …. Welche Folgen dies später noch mit sich bringen wird, ahne ich in diesem Moment noch nicht. Was ich jedoch ahne, soviel Widerspruch eines Gastes ist unser Guide sicherlich in der Regel nicht gewöhnt.
Wieder einmal konnte ich nicht so recht aus meiner Haut heraus, die, die schon die eine oder andere individuelle Reise selbst geplant hat.
Mein Auftritt hat nun zur Folge, dass ich die nächsten Tage von Mitreisenden des Öfteren nach dem Tagesziel gefragt werde und auch schon einmal um Bestätigung des von Moses angekündigten Plans.
So geht ein recht unspektakulärer Reisetag zu Ende.
Teil 924. Juni 2022
Tag 7 - Karatu - Ngorongoro Conservation Area Eine gute Tat, ein Kindergartenbesuch und ein berühmtes Grab
Die Magenprobleme haben mittlerweile ihren Einflussbereich signifikant ausgeweitet. Wenn ich es richtig sehe, ist die Zahl derer, die noch nichts haben - mich zum Glück eingeschlossen - deutlich kleiner als die Zahl derer, die sich mit dem Übel herumschlagen, sogar das Wort Fieber kommt mir zu Ohren. Auch in dem Fahrzeug, in dem ich sitze, geht es zwei Personen ziemlich schlecht und wenn ich es richtig mitbekommen habe, ist mindestens eine weitere auch betroffen, wie stark, weiß ich allerdings nicht.
Das hält uns aber nicht davon ab, mit einer guten Tat in den Tag zu starten. Die Gruppe pflanzt einen Kaffeestrauch, besser gesagt, die Gruppe schaut überwiegend zu, während wir den frisch gebackenen Abiturienten die Arbeit verrichten lassen. Schön, wenn sich das Jungvolk nützlich macht und das auch scheinbar noch mit großer Freude. Jede Gruppe des Veranstalters, die auf der Highview Coffee Lodge übernachtet, kommt in den Genuss dieser Pflanzaktion und darf dem Strauch nach getaner Arbeit einen Namen geben. Schnell einigen wir uns darauf, dass der Strauch den Namen des jüngsten Reiseteilnehmers tragen soll, schließlich hat dieser auch die meiste Arbeit verrichtet.
Eine ältere Maasai Frau hat derweil auf einem kleinen Tisch ihr Portfolio aufgebaut und ich erspähe die Chamäleons, die bei mir am Abend zuvor helle Begeisterung ausgelöst haben. Leider hat sie nur zwei davon im Angebot, ich erstehe beide. Meine Freude ist groß.
Dann fahren auch schon unsere Transportmittel vor: sechs blaue Tuk-Tuks. Als einzige Einzelreisende teile ich mein Vehikel mit Moses. Unser Ziel ist der Amani-Kindergarten, der von unserem Veranstalter unterstützt wird. Wir fahren durch Wohngebiete, die mir wieder deutlich vor Augen führen, in welchem Luxus wir leben. Während der etwa 20-minütigen Fahrt sehe ich keine weiteren Touristen, mir scheint, als bewegen wir uns gerade weit abseits der üblichen Touristenpfade. Moses ist in Plauderlaune, erzählt mir von seiner Familie und stellt mir die Frage nach meinem Familienstand, die ich wahrheitsgemäß beantworte. Die darauf folgende Frage macht mich allerdings sprachlos. Moses fragt mich, ob mein Mann mir tatsächlich erlaubt hätte, die Reise alleine zu machen. Zum Glück haben wir unser Ziel erreicht und ich kann aussteigen.
Im Amani Kindergarten wird den Kleinen Geborgenheit gegeben und frühkindlicher Unterricht in Lesen und Schreiben erteilt. Die Kleinen schauen uns neugierig aus ihren Augen an, einige von ihnen tragen eine Mütze, wir sehr wünsche ich ihnen eine gute Zukunft. Wir erfahren, dass viele der Kinder bei ihren Großeltern leben, weil sich die Eltern nicht um sie kümmern (können). Speziell diese - in diesem ohnehin schon armen Land - noch mehr benachteiligten Kinder werden hier unterstützt, indem man ihnen eine gute Basis für Bildung ermöglicht. Mir fällt auf, dass die Kleinen ausgesprochen liebevoll und freundlich miteinander umgehen.
Wie beim Schulbesuch vor wenigen Tagen freuen sich die Kinder, möchten, dass ich sie fotografiere und ihnen anschließend die Fotos auf dem Bildschirm zeige. Wieder fühle ich diese Traurigkeit, dass ich keine Bilder für die Kleinen hier lassen kann. Diese wollen mich gar nicht mehr gehen lassen. Ich stehe noch mitten im Pulk, meine Mitreisenden und auch Moses haben schon längst den Raum verlassen. Als ich vor die Tür trete, ist niemand mehr da. Zum Glück kann ich mich noch an den Weg erinnern und so laufe ich ein ganzes Stück ganz allein zwischen den Hütten zurück zu dem Platz, wo wir zuvor ausgestiegen sind. Dort stehen Moses und meine Mitreisenden. Ich sage Moses, dass ich das nicht gerade nett fand, mich alleine zurück zu lassen und gebe ihm zu verstehen, dass meine Erwartung war, dass er auf mich wartet oder mir zumindest Bescheid gibt, dass wir jetzt zurück gehen müssen. Wie schon zuvor, höre ich kein Wort der Einsicht, sondern nur eine Erwiderung wie „ich hätte ja den Weg zurück gefunden“.
Unsere Fahrer sind mittlerweile auch eingetroffen und wir fahren Richtung Ngorongoro Conservation Area. Auf einer Picknick Area verspeisen wir unser mitgeführtes Lunchpaket, die Rohkost lasse ich wieder unberührt, ich möchte mich ungern in die Reihen derer einreihen, die sich bereits mit teilweise heftigen Magenproblemen herumschlagen.
Wir halten an einem Viewpoint, von dem sich ein spektakulärer Blick in den tierreichen Ngorongoro Crater eröffnet. Ich habe gelesen, dass die Sicht oft durch Nebel beeinträchtigt ist, so auch bei uns. Während ich nach unten schaue und versuche Tiere zu erspähen, merke ich, wie sehr ich mich auf unseren morgigen Besuch im Krater freue.
Nicht weit entfernt vom Viewpoint halten wir kurz am Grab von Michael Grzimek und Prof. Bernhard Grzimek. Aufgrund der Gefahr durch Wildtiere ist das Aussteigen hier leider verboten. Michael Grzimek wurde keine 25 Jahre alt. Er stürzte nach einem Zusammenstoß mit einem Geier mit seiner Dornier im Zebralook über der Serengeti ab und wurde am Rande des Ngorongoro Kraters beigesetzt. Sein Vater Bernhard starb im Jahr 1987 in Frankfurt, er fand seine letzte Ruhestätte neben seinem Sohn in Tansania.
Vorbei an Maasai Dörfern und einer kleinen Zebrapopulation am Wegesrand fahren wir zu unserer nächsten Unterkunft, der Ngorongoro Safari Lodge. Diese Lodge, wie auch die Highview Coffee Lodge, gehört zur örtlichen Agentur, mit der unser Veranstalter zusammenarbeitet. Zuerst finde ich die Bauweise ein wenig merkwürdig, die Zimmer befinden sich in halbmondförmigen Kuppelzelten mehrere Meter über dem Boden. Als ich dann jedoch die Treppe zu meinem Zelt emporsteige, eröffnet sich eine schöne Terrasse mit angenehmen Mobiliar und dahinter verbirgt sich ein sehr sauberes, gemütliches Zimmer. Auch in dieser Unterkunft gefällt es mir sehr gut.
Zum Abendessen treffe ich auf die Teilnehmer der netten Gruppe aus der Hatarilodge. Wir unterhalten uns noch länger. Die Gruppe war für 2 Nächte in der Serengeti und sie erzählen mir von tollen Sichtungen, wie z. B. mehreren Geparden. Vollauf begeistert bin ich von der Aufnahme eines halbwüchsigen Leoparden, den sie ganz nah am Auto am Morgen ihrer Abreise von der Hatari Lodge im Arusha National Park gesehen haben. Was für Glückspilze und was für eine tolle Aufnahme, die sie mir zeigen!
Ich erzähle unserer Gruppe und Moses von den Sichtungen. Auf Nachfragen erfahre ich, dass sich Moses nicht mit dem Guide, obwohl beide für die gleiche Firma arbeiten, über die Sichtungen und deren Ort ausgetauscht hat. Daher bitte ich ihn, dass er dies doch bitte nachholen möge. Ich habe den Eindruck, dass meine Bitte auf keine große Gegenliebe trifft.
Nun bin ich gespannt, was uns morgen im Krater vor die Linse läuft! Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Tage im Krater und in der Serengeti.
Teil 1002. Juli 2022
Kleiner Hinweis vorweg: Den Bericht habe ich auf meiner Seite bis zum jetzt folgenden Reisetag online gestellt, wer mag, kann dort noch mehr Bilder anschauen. Zu meiner Seite geht es über die Weltkugel unter meinem Avatar.
Tag 8 – Ngorongoro Conservation Area – zentrale Serengeti Tiere, wohin das Auge schaut
Der Ngorongoro Krater - wer hat noch nicht von ihm gehört? Szenen aus Hatari wurden im Krater gedreht und heute werde ich dieses von Prof. Bernhard Grzimek – so habe ich einmal gelesen - als achtes Weltwunder bezeichnete Gebiet mit eigenen Augen sehen. Meine Vorfreude ist riesig.
Die Caldera hat einen Durchmesser zwischen 16 und 20 km, zeitweise beherbergt sie mehr als 25.000 Wildtiere. Nach wie vor treiben die Maasai ihre Viehherden in den Krater zu den Wasserlöchern und um die Grasflächen zum Weiden zu nutzen. Der Kraterrand liegt auf mehr als 2.000 Metern, um den Calderaboden zu erreichen, muss man 600 Meter tiefer fahren. Bekannt ist der Ngorongoro Krater auch für seine hohe Dichte an Löwen.
Wir starten um 06:30 Uhr. Unsere Lodge liegt nicht direkt am Krater, sodass noch eine Anfahrt von etwa 45 Minuten vor uns liegt. Nachdem die Registrierung abgeschlossen ist, rumpeln wir die Piste in die Caldera hinab, wir sind nicht allein unterwegs. Von oben kann man sehr gut den Lake Magadi, der zu den Sodaseen zählt, erkennen.
Kaum unten angekommen, sehen wir tatsächlich schon die ersten Löwen. Ich bin ein wenig schockiert über die vielen Safarifahrzeuge, die sich hier versammelt haben, solche Massen habe ich im südlichen Afrika bisher noch nicht erlebt. Na ja, meine letzte Reise dorthin liegt bereits ein paar Jahre zurück und sicherlich hat auch dort der Tourismus zugenommen.
Es ist beeindruckend, wie viele Tiere sich hier im Krater tummeln. Zwei männliche Löwen und eine Löwenlady haben scheinbar in der Früh erfolgreich einen Büffel erlegt. Wir bleiben eine Weile stehen und schauen dem Schauspiel zu, wie sich einer der beiden männlichen Löwen den Bauch vollschlägt.
Der Hippopool macht seinem Namen alle Ehre, zusätzlich ist er noch mit Pelikanen garniert. An den Ngoitokitok Springs legen wir einen Biobreak ein. Hier gibt es Toiletten und man darf aus dem Auto steigen. Auch im angrenzenden See tummeln sich grunzende Hippos. Ich finde es faszinierend, wie grün es im Krater ist und durch die sich ständig wechselnden Wolkenstimmungen ändert sich nahezu minütlich die Szenerie.
Nach mehreren Stunden Aufenthalt im so tierreichen und wunderschönen Krater verlassen wir diesen gegen Mittag, denn wir haben noch eine längere Fahrtstrecke vor uns. Unser heutiges Ziel ist die zentrale Serengeti.
Wir passieren das Serengeti Tor, natürlich nicht, ohne für das obligatorische Foto kurz zu halten.
Die nächsten beiden Nächte werden wir in der Serengeti Safari Lodge wohnen. Die Lodge ist etwas größer und sehr weitläufig. Wie fast schön üblich, ist die Anlage nicht durch Zäune gesichert und man darf sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine bewegen. So werde ich morgens und abends immer in Begleitung eines Maasais von meiner Unterkunft zum Hauptgebäude und vice versa unterwegs sein. Kurz frage ich mich, wieviel Schutz der Speer, den der Maasai mit sich führt, bei einem Löwenrudel bieten würde, verwerfe aber schnell den Gedanken wieder. Ich glaube, es ist besser, nicht weiter darüber nachzudenken.
Ich wohne in einem Zeltbungalow. Das Zelt ist riesig und wunderschön eingerichtet. Das Bad ist ebenfalls sehr groß und neben einer Badewanne mit View verfügt es über eine Dusche und eine separate Toilette. Zusätzlich gibt es noch eine Outdoor-Dusche und einen großen möblierten Balkon. Hier gibt es definitiv keinen Grund zur Klage.
Teil 1106. Juli 2022
Tag 9 – zentrale Serengeti Löwen satt
Der Morgen beginnt früh, so wie es bei einer Safari sein sollte. Ich rufe einen Maasai, der mich zum Frühstück abholt. Um 06:30 Uhr sitzen wir in unseren Fahrzeugen, allerdings nicht alle. Drei Mitreisende aus meinem Fahrzeug fallen heute krankheitsbedingt aus, einigen anderen geht es ebenfalls nicht gut, aber zumindest so gut, dass sie sich die Pirschfahrt nicht entgehen lassen. Ein Paar aus dem zweiten Fahrzeug wechselt zu uns, sodass nun in jedem 4 Touristen sitzen. Moses fährt routinemäßig heute bei uns mit, nachdem er gestern im anderen Wagen saß.
Die Sonne geht langsam auf und die Kopjes erstrahlen im frühen Morgenlicht. Die ersten Tiere lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Faszinierend finde ich die vielen Marabus, die sich im Dach eines Baumes versammelt haben. Möglicherweise, denke ich bei mir, um hier die vergangene Nacht zu verbringen. Ich weiß es nicht.
Hatten wir gestern bereits schon viele Löwen im Ngorongoro Krater gesehen, sollte es sich hier mit den Löwensichtungen am heutigen Morgen fortsetzen. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da lassen sich schon eine Löwenlady und ein junges Männchen unweit der Piste blicken.
Wir fahren weiter und schon liegt wieder ein Löwenrudel unter einem Baum. Die kleineren Mitglieder des Rudels scheinen ein ausgiebiges Frühstück zu sich genommen zu haben. Ihre Bäuche sind dermaßen prall gefüllt, dass ich lachen muss.
Moses gibt als Ziel einen Felsen aus. Während seiner letzten Besuche wäre dort immer ein Leopard zu sehen gewesen. Als wir am besagten Felsen ankommen, stehen an dessen Fuß bereits schon reichlich andere Safarifahrzeuge. Dann erspähen wir ihn, einen Leoparden. Er liegt in nicht unwesentlicher Entfernung auf einem kleinen Felsvorsprung. Der Leopard tut uns sogar den Gefallen und erhebt sich.
Ich wäre gerne noch geblieben, aber Moses will weiterfahren. Er erwähnt, wir hätten enormes Glück, einen Leoparden zu sehen, weil diese Tiere in der Regel sehr große Wanderer wären und weite Strecken zurück legen. Ich kann leider nicht umhin zu erwidern, dass ich sicherlich keine Fachfrau bin, aber meines Wissens nach Leoparden eher zur Standorttreue neigen. Das wäre möglicherweise auch ein Grund, warum der Leopard bereits bei seinen letzten Besuchen hier anzutreffen gewesen sei.
Die Kenntnisse unseres Guides zur Route haben mich bisher nicht überzeugen können, heute stelle ich aber das erste Mal fest, dass mich seine Kenntnisse in Sachen Tierwelt noch weniger beeindrucken können. Wir halten fast nur für große Sichtungen, kleinere Tiere werden oftmals links liegen gelassen. Ansonsten, das ist das, was ich mitbekomme, werden die Tiere kommentiert mit, das ist ein Zebra, da liegt ein Löwenrudel und dies ist eine Antilope. All das sehe ich selbst. Ich wünschte, ich würde zumindest erfahren, um was für eine Antilope es sich handelt oder etwas zu ihrem Lebensstil und Verhalten hören. Zum Glück habe ich mir durch unsere Selbstfahrertouren im südlichen Afrika ein wenig Wissen über die Tierwelt angeeignet. Hoffte ich jedoch, ich könnte mein Wissen auf dieser Reise ausbauen, verabschiede ich mich spätestens jetzt von dem Gedanken.
Fahrer und Guide schauen kaum nach links und rechts (zumindest nehme ich es nicht wahr), sondern unterhalten sich angeregt in Swahili, von dem ich nichts verstehe. Jedoch habe ich nicht den Eindruck, dass sie über die Tierwelt der Serengeti sprechen. Wir sehen einiges an Tieren, das finde ich gut, aber ich es empfinde es so, als handele es sich allesamt um Sichtungen, die eben mal am Rande mitgenommen werden, keine Sichtung, nach der aktiv gesucht wird, zudem würde ich gerne mehr Hintergrundinfos erhalten. Dieses Wissen, will ich es erwerben, werde ich mir wohl selbst aneignen müssen.
Ich glaube, meine Mitreisenden sind zufrieden, nur ich bin wohl zu anspruchsvoll, aber auch die einzige in der Gruppe, die bereits schon als Selbstfahrer in Afrika (und möglicherweise auch auf anderen Kontinenten) unterwegs war. Als wir dann direkt neben der Piste unter einem Baum zwei männliche Löwen liegen sehen und ich als einzigen Kommentar von Moses vernehme: „Da liegen zwei Löwen, das sind Brüder“, um sich dann wieder einem intensiven Gespräch in Swahili mit dem Fahrer zu widmen, merke ich, wie es in mir brodelt.
Zum Mittagessen und einer daran anschließenden Pause fahren wir zurück zur Lodge, bekommen aber zuvor noch Besuch von mehreren Tsetse Fliegen im Wagen. Plötzlich ist meine Fliegenklatsche heiß begehrt und die Nachfrage nach ihr wird auch in den Folgetagen nicht abebben. Ich höre sogar, dass Mitreisende dieses Utensil fortan auch als festen Bestandteil ihres Reisegepäcks einplanen wollen.
Vor dem Mittagessen gehe ich zu meinem Bungalow, öffne die verschlossene Tür zum Balkon und setze mich dort für einige Minuten hin, um in Stille den Blick in die Savanne zu genießen. Als ich die Tür wieder verschließen will, lässt sie sich nicht mehr abschließen. Zurück im Restaurant, wo wir uns fürs Mittagessen treffen, bitte ich Moses, er möge doch bitte in der Lodge Bescheid geben, dass jemand nach der Tür schaut, während wir essen. Ich weiß gar nicht, warum mich seine darauf erwiderte Antwort überhaupt noch aufregt, möglicherweise weil ich nicht damit gerechnet habe. Meine Ohren vernehmen in etwa den folgenden Wortlaut: „Warum ich überhaupt eine abschließbare Tür brauche?“. Ich antworte etwas, wie „dass es für ihn eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass er sich darum kümmert und ich schließlich als Frau alleine nachts in diesem Bungalow wäre“. Ich gehe zur Rezeption und bitte darum, dass jemand nach der Tür schaut.
Eigentlich wollte ich vor der nachmittäglichen Ausfahrt noch eine kleine Ruhepause einlegen, aber als ich in meinen Zeltbungalow komme, sind vier Männer mit dem kleinen Schloss meiner Tür beschäftigt. Bis zur Rückkehr von der Pirschfahrt am Abend ist das Problem behoben und ich nehme mir vor, die Tür bis zu meiner Abreise nicht mehr zu öffnen.
Der Nachmittags-Drive führt uns zum Hippopool. Der Parkplatz ist voll und nicht weit davon entfernt grast ein Hippo. Immer das Hippo im Auge gehe ich zum Viewpoint, die Hippos drängen sich im Tümpel und die Geruchsnoten, die mir entgegenströmen, setze ich ganz sicher nicht mit Oleander und Jasmin gleich.
Teil 1207. Juli 2022
Tag 10 – zentrale Serengeti – nördliche Serengeti Eine Gruppenreise bedeutet auch Kompromisse eingehen
Mittlerweile fühlen sich immer mehr Teilnehmer in der Gruppe krank, einige klagen nicht nur über Durchfall, sondern auch über zusätzliches Fieber, neu hinzugekommen ist jetzt bei zwei Teilnehmern noch eine Erkältung. Ich glaube, neben mir ist bisher nur eine weitere Person verschont geblieben. Ich halte mich nach wie vor an die goldene Regel „cook it, peel it or forget it“ und achte zusätzlich darauf, dass ich mich im offenen Safarifahrzeug entsprechend gegen Zugluft schütze. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass ich weiterhin fit bleibe.
Bereits bei der Buchung wusste ich, dass mir der Programmpunkt am heutigen Morgen so gar nicht zusagt. Aber da es keine von mir zusammengestellte Reise ist, die ich buchte, nahm ich diesen Kompromiss in Kauf. Eine Fußsafari steht für den Morgen auf der Agenda. Bevor wir losfahren, frage ich einen Maasai, ob ich seine Schuhe fotografieren dürfe. Er erlaubt es mir und so drücke ich schnell auf den Auslöser.
Dann fahren wir mehr als eine Stunde zu dem Bereich, an dem Fußsafaris mit einem Ranger erlaubt sind, ohne auch nur irgendeine nennenswerte Sichtung zu verzeichnen. Ich verspreche mir so rein gar nichts von dieser Pirsch per Pedes, viel lieber würde ich doch eine Pirschfahrt machen und entscheide mich dafür, im Wagen zu warten und nicht in dieser Hitze auf Fußsafari zu gehen. Als die anderen Teilnehmer nach etwa einer Stunde wieder zurückkommen, höre ich, dass ich tatsächlich nichts verpasst hätte. Irgendwie hatte ich es geahnt und bedauere es umso mehr, dass wir die Zeit nicht für eine weitere Pirschfahrt genutzt haben. Zumal auch noch die Hin- und Rückfahrt zu diesem Platz zeitlich hinzu gerechnet werden muss. Mehr als drei Stunden, in denen wir mit dem Wagen auf Entdeckung hätten gehen können.
Unser heutiges Ziel ist die nördliche Serengeti. Das Mara Kati Kati Tented Camp liegt in der Nähe des Mara Rivers, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Über staubige Pisten fahren wir mehrere Stunden dahin. Die Sichtungen halten sich währenddessen in Grenzen, wir sehen unsere ersten Elefanten. Es handelt sich um eine sehr kleine Gruppe. Überhaupt wundert es mich, wie wenige Elefanten wir hier sehen. Ein Löwenrudel liegt schläfrig im Schatten des einzigen Bäumleins, das weit und breit aus der Ebene herausragt und am Pistenrand stehen ein paar Zebras mit einem Fohlen, das noch eine etwas andere Färbung aufweist als die Erwachsenen in der Gruppe.
Das von der Lodge mitgebrachte Lunchpaket essen wir unterwegs. Leider ist auf den Broten Mayonnaise verarbeitet und die Lunchpakete lagen schon mehrere Stunden im Wagen. Im Gegensatz zu anderen verzichte ich auf den Verzehr und esse nur die Hähnchenkeule und das Küchlein, was sich noch im Paket befindet.
Spät am Nachmittag kommen wir im Mara Kati Kati Tented Camp an. Die Zelte sind ansprechend eingerichtet, aber keineswegs luxuriös. Alles ist sehr sauber. Eine warme Dusche muss man sich bestellen. Leider gibt es kein Moskitonetz, obwohl wir uns in einem Malariagebiet befinden. Zum Glück habe ich vorgebaut und unser mobiles Moskitonetz für die Reise eingepackt. Das baue ich nun auf. Es gefällt mir auch in dieser Unterkunft sehr gut, besonders angetan bin ich von dieser Safaristimmung, die über allem liegt. Es würde mich keineswegs wundern, wenn ich aus dem Zelt heraustreten würde und mein Blick auf Robert Redford fiele, der Meryl Streep die Haare wäscht.
Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, ist das recht große Loch in der Zeltplane, das sich am Abflussrohr der Toilette befindet, groß genug und in bester Lage, damit eine Schlange hereinkriechen könnte. Nun gut, ich halte die Toilettenplane immer fest verschlossen und werde zuerst ganz vorsichtig hineinschauen, wenn ich diesen Ort aufsuche.
Teil 1309. Juli 2022
Tag 11 – nördliche Serengeti Wenn sich ein großer Wunsch erfüllt und in Enttäuschung endet
Ich freue mich so sehr auf die beiden nächsten Reisetage, denn die beiden Hauptgründe für diese Reise rücken minütlich näher: die Chance auf ein Crossing und - für mich als Vulkanfan - der Ol Doinyo Lengai am Lake Natron.
Aber wie heißt es so schön? Überlege Dir genau, was Du Dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen.
Während des gestrigen Abendessens hatte ich schon mehrmals erwähnt, dass morgen der Tag der Tage auf dieser Reise für mich kommen sollte. Unser Rotationsprinzip im Wagen beschert mir heute die erste Reihe, es könnte nicht besser laufen, davon bin ich überzeugt. Für mich kann es nach dem Frühstück gar nicht schnell genug los gehen. Wir fahren durch die nördliche Serengeti, fahren über befestigte Betonpisten in Flussbetten. Im Wasser tummeln sich Hippos. Wir fahren hin und her, am Pistenrand haben sich zahlreiche Geier eingefunden. Ich frage schon ungeduldig wie ein kleines Kind, wann wir denn am Fluss sein werden.
Dann halten wir, weil wir eine grüne Schlange im Baum sehen. Moses verkündet mit (auf mich wirkender) voller Stolz mitschwingender Stimme, das sei eine grüne Mamba. Ich finde die Sichtung toll, bin aber ein wenig skeptisch, ob es wirklich eine grüne Mamba ist. Da ich aber nicht genau weiß, um welche Schlange es sich handelt, halte ich mich zurück. Später werde ich in einem Forum nachfragen und erfahren, dass es nicht ganz klar zuzuordnen ist, um welche Schlange es sich handelt, möglicherweise um eine Boomslang oder eine grüne Baumschlange, möglicherweise aber auch um eine andere Art. Es kommt auch der Hinweis, dass es keine grüne Mamba wäre, da sie in dieser Gegend nicht vorkommt. So genau wird es wohl nicht zu klären sein.
Mittlerweile nerve ich wahrscheinlich schon alle im Fahrzeug, ich möchte wissen, wann wir zum Fluss fahren.
Irgendwann stehen wir tatsächlich vor dem Fluss, ich schätze mal, 200 Meter entfernt. Links und rechts von uns steht bereits schon eine Vielzahl von Wagen und es kommen immer mehr weitere Fahrzeuge hinzu. Einerseits bin ich ein wenig beruhigt, dass wir den richtigen Platz gefunden haben, andererseits bin ich doch überrascht über die vielen Fahrzeugen. Warum, weiß ich eigentlich selbst nicht so genau, denn ich hatte damit gerechnet, aber vielleicht ist es doch etwas anderes, wenn man dann selbst mittendrin ist. Neben uns steht ein Wagen mit spanischsprechenden Touristen, diese sitzen teilweise auf dem Dach, trinken – was auch immer – und grölen. Das nervt mich so sehr, dass ich auf Spanisch rüber rufe, sie möchten doch bitte leise sein, nicht gerade zur Begeisterung der anderen in unserem Fahrzeug.
Wir warten und warten, hinter uns hat sich eine riesige Herde Gnus versammelt, auf der anderen Seite des Flusses wimmelt es regelrecht von Herden. Soweit ich erkennen kann, zumeist Gnus und Zebras. Ich frage, ob man nicht zum Ufer fahren darf und erfahre, dass die Fahrzeuge erst dann losfahren dürfen, sobald ein Teil der Herde bereits im Wasser ist. Das war mir so nicht bekannt, aber ist eine sinnvolle Regelung, wie ich finde.
Ich glaube, Gnus sind von Natur aus nicht mit besonders großer Intelligenz bedacht worden. Das folgende Schauspiel, das sich immer und immer wieder abspielt, wirkt auf mich wie eine Bestätigung. Die Herde setzt sich in Bewegung und läuft zumeist auf einer Linie los, erst langsam, dann immer schneller und stoppt am Wasser. Es wirkt auf mich, als seien sie panisch und rennen wieder zurück. Das Ganze wird begleitet von einem einzigen und unglaublichen lauten Gnu-Muhen. Ich finde es unglaublich faszinierend, diesem Verhalten der Herde zuzuschauen.
Weniger faszinierend finde ich, dass sich die Gnus ihren Weg vorbei an den vielen Safarifahrzeugen bahnen müssen und diese ohnehin schon reichlich gestresst scheinen in Anbetracht ihrer bevorstehenden Wasserdurchquerung, in der es um Leben und Tod geht. Aber wer kann ihnen den Stress verdenken?
Zur Krönung des Ganzen fahren immer mal wieder Fahrzeuge nah am Ufer entlang, obwohl es verboten ist und mehr als einmal hat sich die Herde bereits in Gang gesetzt und zum Crossing angesetzt, muss dann wieder abdrehen. Die Rangerfahrzeuge haben gut zu tun, um die Unverbesserlichen aus der No-Drive-Area zu schicken.
Ich kann es so langsam kaum begreifen, welches Verhalten sich hier abspielt und habe großes Mitleid mit den Tieren.
Dann setzt wieder eine Phase des Stillstandes ein und wir warten und warten. Mal wieder frage ich Moses, wie denn heute die Chancen auf ein Crossing stehen. Er sagt, dass die Tiere auch schon mehrmals am Tag das Crossing machen und von einem Ufer zum anderen wechseln.
Ich kann das nicht so recht glauben und erkläre kurz im Wagen, warum die Tiere hier die Flüsse überqueren, erzähle von der noch einzigen, in diesem Umfang übrig gebliebenen, natürlichen Migration auf unserem Planeten, die jedes Jahr weiter südlich in der Serengeti beginnt und bis hoch in die kenianische Massai Mara führt, um dann später im Jahr wieder zurück zu führen nach Tansania in die südlichen Gebiete der Serengeti, ein natürlicher Kreislauf, an dem weit mehr als 1 Million Tiere teilnehmen, zumeist Gnus und Zebras, aber auch einige Antilopenarten.
Wie ich im Nachhinein - dank Betti - erfahren habe, ist es so, dass die Tiere mehrfach die Seiten wechseln können, da hatte Moses Recht.
In weiter Entfernung, sodass ich kein vernünftiges Foto machen kann, sehen wir in einer Flussbiegung ein Gnu, das im matschigen Ufersaum feststeckt. Es kommt nicht mehr heraus und ein Krokodil nähert sich bereits. Irgendwann hat es das Gnu erreicht und schnappt zu. Das Gnu wehrt sich mit allen Kräften. Ich weiß nicht, wie es dem Gnu gelingt, aber es kann sich befreien und überquert schwer verletzt den Fluss und erreicht das andere Ufer. So verletzt wird es wohl keine große Überlebenschance haben.
Wir warten und warten, hin und wieder setzt sich die Gnuherde in Bewegung, um dann kurz vor dem Ziel wieder umzukehren.
Zur Mittagszeit will Moses zurück ins Camp fahren, ich bin nicht so begeistert, ich würde heute auch auf Lunch verzichten, bin aber insgeheim froh, dass meine Mitreisenden bisher auch genug Geduld aufgebracht haben und des Wartens nicht allzu überdrüssig wurden. So fahren wir also zurück ins Camp, das keine 15 Minuten entfernt liegt. Ich hoffe, dass wir später bei Rückkehr kein Crossing verpasst haben und dass wir vor allem noch ein freies Plätzchen für unser Fahrzeug finden.
Nach dem Lunch drängele ich, dass wir bitte gleich wieder los fahren. Ich bin so ungeduldig. Wir finden dann tatsächlich einen Platz für den Wagen und die Gnus haben sich noch nicht zum anderen Ufer gewagt.
Aber dann, wir warten dieses Mal gar nicht so lange, fasst sich ein kleiner Teil der Herde ein Herz und startet das Crossing. Recht schnell kommt das Kommando und alle Autos fahren los. Das, was nun folgt, habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Es setzt ein regelrechtes Wettrennen ein durch ein unübersichtliches Gelände, voller Löcher. Es grenzt an ein unglaubliches Wunder, dass es zu keinem Unfall und keinen Verletzten kommt. Zum Glück fährt unser Fahrer mit großem Bedacht, wir sind daher längst nicht bei den ersten, die unten am Ufer ankommen, aber in diesem Moment bin ich für seine umsichtige Fahrweise sehr dankbar und werde mich dafür später nach dem Crossing bei ihm bedanken. Denn ein Unfall, noch dazu in dieser abgelegenen Gegend, ist auch dieses Erlebnis keinesfalls wert.
Unten angekommen sehe ich dann ein Crossing, wenn auch klein und keinesfalls so spektakulär wie in den Dokumentationen, die über den heimischen Bildschirm flirrten, aber immerhin ein Crossing. Allerdings kann ich mich nicht mehr sonderlich begeistern. Ich bin schockiert von den Massen an Touristen, zwischen deren Fahrzeugen sich die Tiere einen Weg bahnen müssen, ich bin schockiert von dem Verhalten einiger Touristen, die den Gnus den Weg abschneiden, in dem sie nah am Ufer entlangfahren, wo sie nicht dürfen, ich bin schockiert von den Touristen, die das Ganze als Happening feiern, ich bin schockiert von dem unglaublich gefährlichen, rücksichtslosen Wettrennen der Fahrzeuge um den besten Platz und das Schlimme, ich als Touristin bin heute ein Teil dessen gewesen.
Wir machen noch eine kleinere Pirschfahrt.
Während der Rückfahrt ins Camp bin ich sehr nachdenklich geworden und auch sehr enttäuscht. Ich denke an die Weisheit: Überlege Dir genau, was Du Dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen.
Der Tag endet mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.
Teil 1410. Juli 2022
Tag 12 – nördliche Serengeti – Lake Natron Der aktive Vulkan ruht und die Touristin steht kurz vor der Eruption
Direkt vor unserem Camp sehe ich am Morgen einen Heißluftballon aufsteigen, und im Essenszelt hat es sich weit oben eine Fledermaus gemütlich gemacht. Somit haben gleich in der Früh ein paar Aufnahmen mehr auf der Speicherkarte ihren Platz gefunden.
Wie ich im Vorfeld recherchiert hatte, liegt heute eine längere Fahrt vor uns. Nicht wegen der Entfernung, sondern wegen der Pistenverhältnisse. Diese sollen nicht die allerbesten sein. Im Programmheft ist die reine Fahrtdauer heute mit ca. 6 bis 7 Stunden angegeben.
Wir verlassen die Serengeti über das Klein’s Gate. Die Strecke bis zum Gate beschert uns außer einigen Elefanten und Zebras keine erwähnenswerten Sichtungen.
Am Gate halten wir und nutzen die dortigen Toiletten. Auf dem Gelände liegen und hängen mehrere Tierschädel herum, auf vielen sitzen Eidechsen und wärmen sich in der Sonne. Das ist genau das Richtige für mich und ich begebe mich auf Fotopirsch. Ich mag Geckos, Agamen und Eidechsen sehr.
Die Strecke bis zum Lake Natron zieht sich. Über viele Kilometer hinweg ist sie in einem erbärmlichen Zustand und wir werden stundenlang durchgerüttelt, aber irgendwann haben wir es geschafft und fahren auf recht guter Schotterpiste dahin. Der Ol Doinyo Lengai mit seiner nahezu perfekten Kegelform lässt sich am Horizont blicken. Wie hoch der Vulkan genau ist, entzieht sich meiner Kenntnis, meine Recherchen führten zu Angaben zwischen 2.878 Metern und 2.960 Metern, also fast so hoch wie unsere Zugspitze. Das Besondere an diesem Schichtvulkan ist, dass er weltweit der einzige aktive Vertreter seiner Art ist, der bei einem Ausbruch Karbonitlava ausstößt. Dieses Masse erhärtet sich sehr schnell und verfärbt sich in einen gräulichen Ton. Für die Maasai ist der Vulkan heilig, möglicherweise auch daher sein Name, der „der Berg Gottes“ bedeutet.
Zu Füßen des Vulkans liegt der Lake Natron. Es handelt sich um einen Sodasee, der gerne – je nach Jahreszeit mal mehr, mal weniger – von einer Vielzahl Vögeln besucht wird. Aufgrund der saisonalen Niederschläge ist der See jahreszeitlich gut gefüllt, um dann wieder nahezu auszutrocknen. Besonders gut gefällt mir, dass diese Gegend bisher nur sehr wenige Touristen anzieht. Im Programmheft lese ich dazu für heute: „Wenn alles klappt, schaffen Sie es noch zum Sonnenuntergang mit Blick auf den See – ein Traum!“ Auf diesen Traum freue ich mich, wir liegen recht gut in der Zeit. Allerdings habe ich nicht mit dem gerechnet, was noch kommt.
Bereits bei der Routenvorstellung hatte ich darauf hingewiesen, dass vom Veranstalter eine Änderung der Unterkunft vorgenommen wurde. Im ursprünglichen Routenverlauf war das Halisi Natron Camp vorgesehen, umgebucht wurden wir auf das Lake Natron Camp. Das hatte ich vor wenigen Tagen während Moses Routenvorstellung mehrmals deutlich erwähnt, auch die Mitreisenden hatten dies bestätigt.
So weit, so gut. Wir fahren bei der Unterkunft vor. Ein Schild, auf dem der Name der Unterkunft vermerkt ist, kann ich nicht finden, ich weiß aber, dass es nicht das Halisi Natron Camp ist, denn in dem Camp, vor dem wir gerade stehen, sind die Bungalows in fester Bauweise errichtet. Wir steigen aus und an der Körpersprache der Angestellten stelle ich fest, man ist überrascht, uns zu sehen. Ich bin überrascht über die Anlage, es gefällt mir so gar nicht und ich bin mir nicht sicher, ob ich hier bleiben möchte. Außerdem wimmelt es hier von Stechmücken.
Die Angestellten jedoch sind ausgesprochen freundlich, laden geschwind das Gepäck aus den Fahrzeugen und ich höre, wie Moses mit dem Personal der Unterkunft spricht, leider nicht auf Englisch. Schnell stellt sich aber heraus, es liegt keine Reservierung vor und ob noch genug Kapazitäten vorhanden sind, muss ebenfalls geprüft werden. Ich bin mir sicher, dass wir hier falsch sind, das ist nicht das Lake Natron Camp.
Ich sage Moses, dass ich überzeugt bin, dass wir hier nicht richtig sind. Wir sind lt. Veranstalter auf das Lake Natron Camp gebucht und dies hier ist nicht das Lake Natron Camp und auch nicht das ursprünglich vorgesehene Camp. Währenddessen höre ich von einem mitreisenden Paar, dass sie auch im Auto schlafen würden, wenn hier alles ausgebucht wäre. Ich bin kurz davor zu explodieren und sage sehr bestimmt, dass ich ganz sicher nicht im Auto schlafen werde und ebenso wenig hier, es ist doch eindeutig, dass wir hier falsch sind und wir zum Lake Natron Camp müssen. Die Stimmung ist gereizt.
Ich gehe schnell auf die Toilette, der Besuch auf diesen Örtlichkeiten bestärkt mich darin, hier werde ich die Nacht nicht verbringen, egal wie freundlich das Personal ist.
Als ich zurückkomme, sind der Guide und die Fahrer mitsamt fahrbarem Untersatz verschwunden. Ich frage eine Mitreisende, wohin sie denn verschwunden wären. Sie weiß es auch nicht und ärgert sich sehr über unseren Guide. Ihr Ärger gilt seinem unangekündigten Verschwinden und dass er uns einfach hier zurücklässt, ohne uns zu informieren, wohin er fährt und warum. Nach einer ganzen Weile kommen die Herren zurück, irgendwie erfahre ich, sie waren auf der Suche nach einem Netz, um zu telefonieren. Siehe da, sie haben wohl erfahren, dass wir hier falsch sind und zum Lake Natron Camp müssen. Oha!
Das Gepäck wird wieder in die Autos geladen. Ich bin stinksauer und gebe das unserem Guide deutlich zu verstehen, eine Mitreisende nicht minder in diesem Augenblick und wir steigen in unser Fahrzeug. Moses sitzt heute im anderen Wagen. Langsam verschwindet die Sonne, mit dem im Programmheft angekündigten traumhaften Blick auf den See wird es heute nichts mehr, zwischen ein und zwei Stunden hat uns das Intermezzo gekostet und das nach dieser anstrengenden, stundenlangen Fahrt auf Rüttelpiste, schade um meine Urlaubs- und Lebenszeit. Aber wer nun denkt, wir fahren ohne Stopp zum Camp, der irrt. Unterwegs hält der zweite Wagen, wir daneben. Irgendetwas wird noch gesucht, ich weiß nicht genau was, ich höre nur etwas von Adresse oder Bestätigung. Es ist zum Verzweifeln.
Irgendwann schaffen wir es aber tatsächlich und stehen vor dem Lake Natron Camp. Es wird bereits dunkel. Sehr erleichtert vernehme ich, dass man eine Buchung für uns vorliegen hat.
Während des Abendessens darauf von mir angesprochen, höre ich von Moses kein Wort der Entschuldigung, sondern nur eine schlichte, kurze Erklärung, dass man doch jetzt hier richtig sei und alles wäre gut. Mir scheint, ich bin nun die Einzige in der Gruppe, die das Intermezzo alles andere als gut findet und besonders ärgerlich empfinde ich gerade die Reaktion unseres Guides. Nun gut, ich beschließe, mich jetzt nicht weiter aufzuregen, da es mir nichts bringt.
Stattdessen erfreue ich mich daran, hier zu sein. Das Lake Natron Camp gefällt mir unglaublich gut. Die Zelte sind wunderschön, nicht luxuriös, aber mich bezaubert die Atmosphäre in diesem Camp. Für mich bisher das Highlight aller Unterkünfte auf dieser Reise. Schade, dass wir nur eine Nacht hier bleiben werden. (Die Bilder vom Camp wurden am folgenden Tag aufgenommen.)
Teil 1516. Juli 2022
Tag 13 – Lake Natron – Enduimet Wildlife Area Traumhafter Lake Natron und (erneut) auf der Suche nach dem richtigen Weg
Sehr früh am Morgen laufen wir in Begleitung eines Maasais zum Ufer des Lake Natron. Am See haben sich vor allem Flamingos eingefunden. Ich finde die Szenerie an diesem Ort grandios. Die Farben, die Tiere und im Hintergrund der Ol Doinyo Lengai. Es ist für mich einfach perfekt. Wie gerne würde ich hier noch eine oder sogar zwei Nächte länger verweilen. Die Bergwelt im Hinterland soll ebenfalls sehr interessant sein und in dieser wunderbaren Lodge könnte ich es ohnehin noch länger aushalten. Ein Bach fließt an den einzelnen Unterkünften vorbei – hier gefällt es mir zu gut. Leider müssen wir diesen Ort aber schon bald wieder verlassen.
Diesmal hat es mir die Handytasche angetan, die der Maasai trägt, der uns zum See begleitet hat. Auch ihn frage ich, ob ich ein Foto davon machen dürfe. Ich darf und ich drücke geschwind auf den Auslöser.
Nachdem wir wieder zurück in der Lodge sind, unterhalte ich mich eine Weile mit der schottischen Managerin, zum Glück hält sich ihr Akzent in Grenzen. Sie schwärmt mir von den Schluchten und Wasserfällen vor, die man gut von hier aus erkunden könne und ich verspüre Wehmut, gerne würde ich noch länger an diesem Ort bleiben, aber wir müssen weiter.
Die reine Fahrtstrecke heute ist mit 4 Stunden angegeben. Unser Ziel ist das Shu’mata Camp in der Enduimet Wildlife Area, wo wir die letzten 3 Nächte der Reise verbringen werden. Wir sollten eigentlich früh genug im Camp ankommen. Ich freue mich darauf nach der vielen Fahrerei der letzten beiden Tage, noch ein wenig im Nachmittagslicht auf meiner Terrasse des Zeltbungalows den Blick in die Savanne schweifen zu lassen. Mit Glück würde sich vielleicht auch der Kilimanjaro blicken lassen.
Die Stimmung hat sich mittlerweile wieder gebessert. Ich schaue aus dem Fenster, wir fahren an Maasai Ansiedlungen vorbei und halten in einem gottverlassenen Ort, weil es Probleme mit einem Reifen gibt. An der Seite sitzen Maasai Frauen und verkaufen Lebensmittel. Ich glaube, in diesen Ort kommen äußerst selten Touristen.
Für mich überraschend kommt ein älterer Maasai mit Gehstock auf mich zu und sagt etwas zu mir. Ich verstehe kein Wort und bitte Moses, er möchte doch kurz übersetzen. Es stellt sich heraus, dass der Maasai fragt, ob ich nicht seine Frau werden möchte, eine Frau mit weißer Haut hätte er noch gerne neben seinen anderen Frauen. Ich muss kurz schlucken und bitte Moses, ihm zu sagen, dass ich mich zwar geehrt fühle, er aber an mir sicherlich keine Freude hätte, ich bereits verheiratet wäre und ich sein Angebot ablehnen müsse. Moses und der Maasai wechseln noch einige Worte, währenddessen mich dieser nicht aus den Augen lässt. Irgendwann sieht er aber wohl ein, dass sein Angebot nicht auf Gegenliebe stößt und zieht von dannen.
Ich frage, ob man hier eines dieser wunderbaren Maasaiarmbänder, gefertigt aus kleinen Perlen, kaufen kann. Irgendwo her wird eine Frau gerufen, die einige Armbänder ausbreitet, eigentlich ist keines dabei, das mir richtig gut gefällt, aber ich kaufe eines für kleines Geld, gebe dieses der Frau und traue meinen Augen nicht, als sie weggeht, ein Mann auf sie zukommt und ihr das gerade verdiente Geld wieder abnimmt.
Nachdem das Problem mit dem Reifen behoben ist, setzen wir unsere Fahrt fort. Wir fahren sogar kurzzeitig für einige Kilometer auf Asphalt, um dann wieder im gefühlten Nirgendwo auf eine Piste abzubiegen. Zuerst finde ich alles normal, nach einiger Zeit merke ich jedoch, wie im Fahrerraum diskutiert wird. Es dauert nicht lange, da kommt mir die Gegend bekannt vor, durch die wir fahren. Hier waren wir vor einigen Minuten bereits schon einmal. Nach mehrmaligem hartnäckigen Nachfragen stellt sich heraus, dass die Fahrer und Moses den Weg nicht kennen, sie streiten sich, wo es lang geht. So irren wir schon wieder umher. Ich denke an den Namensvetter unseres Guides, ich denke daran, wie Moses das rote Meer teilte und ein ganzes Volk durch die Wüste führte. Das war definitiv ein anderer Moses.
Ich bin zugleich fassungslos und sauer und sage es wieder einmal deutlich. Ich kann nicht verstehen, dass die Fahrer und der Guide nicht wissen, wie wir zum Camp kommen. So wie ich es sehe, bin ich aber die Einzige in der Gruppe, die die Leistung kritisch sieht und es kommt sogar zu einem kurzen Wortwechsel zwischen mir und einer Mitreisenden, die Verständnis für unseren Guide aufbringt. Ich kann es nicht fassen. Bin ich tatsächlich die einzige in der Gruppe, die von einem Guide erwartet, dass er den Weg kennt und zur richtigen Lodge findet? Habe ich etwa zu hohe Ansprüche an die Leistung unseres Guides? Ich komme aber zu dem Ergebnis, nein, ganz sicher habe ich nicht zu hohe Ansprüche, sondern erwarte nur das Selbstverständliche. Ich schätze, dieses kopflose Umherirren hat uns weitere 2 Stunden gekostet und wir erreichen das Shu’mata Camp mit reichlich Verspätung. Ich bin bedient.
Teil 1616. Juli 2022
Tag 14 – Enduimet Wildlife Area Und noch eine Filmlocation
Das Shu’mata Camp gehört den gleichen Eigentümern, die auch die Hatari Lodge ihr Eigen nennen. Marlies hatte mir schon ein wenig über dieses Camp in unserem Gespräch berichtet.
Die Reise hatte ich schon längst gebucht, da bin ich im Zuge meiner Vorbereitungen darauf gestoßen, dass Dreharbeiten einer Folge des Traumschiffes hier stattfanden. Als Teenager liebte ich diese Serie, ich konnte noch nicht reisen, Fernreisen waren für mich unerreichbar, aber das Fernweh war schon seit Kindertagen da und so war ich immer fasziniert von den Ländern, die in dieser Serie gezeigt wurden. Die Geschichten, die erzählt wurden, haben mich damals schon nicht sonderlich interessiert, aber die Aufnahmen ferner Länder nährten zusätzlich mein Fernweh. Heute ist meine Faszination für die Sendung allerdings gänzlich verschwunden und ich gehöre nicht mehr zu den Zuschauern. Viel zu oft saß ich vor einer Folge und ärgerte mich, nicht wegen der menschlichen Geschichten, sondern wegen der oftmals in meinen Augen viel zu großen Logiklöchern, mit denen ein Land gezeigt wurde. Nun aber hatte ich mir doch tatsächlich zur Vorbereitung die Folge von Tansania angeschaut, oder besser gesagt, ich habe es versucht, ziemlich oft hatte ich dann doch die Fernbedienung in der Hand und stoppte nur bei einigen Szenen, wenn zum Beispiel Hardy Krüger jun. in seiner Filmrolle in seinem Domizil gezeigt wurde. Es handelte sich hier um das Shu’mata Camp. Auch wenn Hardy Krüger jun. sein „Wohnhaus“ im Gemeinschaftszelt hatte und nicht in einem der Zeltbungalows, so hatte ich schon einmal eine Vorstellung, wie es hier aussehen möge. Nun gut, so würde ich nun auf dieser Reise die dritte Filmlocation kennenlernen, wenn auch zwei davon absolut ungeplant und unbeabsichtigt sind.
Das Shu’mata Camp liegt mit einer spektakulären Aussicht auf einem kleinen Berg, der den Namen Nessuandet trägt. In der einen Richtung schaut man auf den Kilimanjaro, in der anderen Richtung auf den Mount Meru. Möglicherweise könnte diese Szenerie für die Namensgebung verantwortlich sein, denn übersetzt man Shu’mata landet man beim deutschen Adjektiv himmlisch. Das Gemeinschaftszelt ist wunderschön eingerichtet. Es wird sich die nächsten Tage herausstellen, dass ich das Essen hier grandios finden werde. Die einzelnen Zeltbungalows, von denen es insgesamt nur sieben gibt, liegen in ausreichendem Abstand zueinander entfernt. Der vordere Bereich ist ein Zelt und im hinteren Bereich befindet sich das offene, gemauerte Bad, das mit allerlei schönen afrikanischen Elementen dekoriert ist. Von meiner Terrasse habe ich direkten Blick auf den gewaltigen Kilimanjaro, wenn er sich denn zeigt. Was mir besonders gefällt, ist, dass das Camp nicht – wie sein Name möglicherweise vermuten ließe - in himmlischen Regionen unterwegs ist, sondern auch Wildschutzprojekte unterstützt und so hoffe ich, mit meiner Reise auch ein klein wenig dazu beizutragen.
Unsere Fahrer haben sich bereits gestern verabschiedet und für die nächsten beiden Tage werden die Angestellten und die Fahrzeuge des himmlischen Camps für unseren Transport sorgen.
Den Vormittag verbringen wir mit einer Fußsafari am Nessuandet, wo uns ein Maasai einiges zeigt. Insgesamt finde ich jedoch auch diese Fußsafari nicht sonderlich spektakulär.
Der Nachmittag ist frei und ich genieße diesen in Ruhe auf meiner Terrasse mit Blick über die Savanne und zum Kilimanjaro. Zwischendurch gehe ich ins Gemeinschaftszelt und unterhalte mich ein wenig mit einem Angestellten.
Teil 1716. Juli 2022
Tag 15 – Enduimet Wildlife Area Safari in einem noch wenig touristisch frequentierten Gebiet
Früh am Morgen brechen wir mit den Fahrzeugen auf. Es steht eine Safari in der Enduiment Wildlife Area an. Dieses Gebiet steht erst seit 2010 unter Schutz und zählt zum Ökosystem Amboseli. Wir sehen einige Elefanten, Giraffen und Esel. Esel, die wahrscheinlich den hier lebenden Maasai gehören, denn in diesem Gebiet befinden sich mehrere Maasai Siedlungen, die dieses auch in Sachen Naturschutz verwalten.
Über eine Sichtung freue ich mich allerdings ganz besonders, wir sehen die seltenen und in nicht mehr allzu vielen Gebieten vorkommenden Gerenuks, eine Antilopenart mit besonders langem Hals.
Wir halten für eine Fußsafari. Ein bewaffneter Ranger begleitet uns, die Landschaft ist sehr interessant, sandiger Untergrund und karge Flächen erinnern mich zuweilen an Baines Baobab, nur dass die Baobabs fehlen. Am Horizont zieht ein Maasai mit Eseln vorbei und weit und breit sind keine weiteren Touristen außer uns. In dieser Gegend machen wir ein kleines Picknick. Da schmeckt mir ein hartgekochtes Ei plötzlich wie ein Haute-Cuisine-Menü.
Zurück im Camp bringe ich meine Fliegenklatsche zum Einsatz. Das Bad im Shu’mata Camp ist offen und nachdem ich die Toilette benutzt habe, sehe ich im Strudel des Wassers etwas Ungewöhnliches. Irgendetwas will sich nicht herunterspülen lassen und zappelt. Ich realisiere, es ist ein Gecko. Schnell hole ich die Fliegenklatsche und unterstütze damit erst einmal das kleine Kerlchen in seinem Überlebenskampf. Der Kleine muss sich scheinbar unter dem Beckenrand verkrochen haben, was ihm beinahe zum Verhängnis wurde. Nachdem der Strudel nachgelassen hat, versuchen wir beide, dass er mit Unterstützung der Fliegenklatsche nach oben gelangt, das ist gar nicht so einfach, es ist selbst für den Gecko mit seinen Saugnapffüßchen schwer. Irgendwann gelingt es uns aber und er ist gerettet. Ich setze ihn auf den Boden, wo er erst einmal kurz verweilt und durchatmet. Dann verschwindet er ganz schnell. Ich hoffe, er wird sich nicht wieder für die Toilettenschüssel als Ruheoase entscheiden. Ohnehin frage ich mich, wie er dort hingekommen ist, da ich den Deckel immer verschlossen gehalten habe. Alleine für diese Aktion hat es gelohnt, die Fliegenklatsche mitzunehmen.
Der Nachmittag ist wieder frei und ich lasse meine Seele ein weiteres Mal mit einem Out-of-Africa-Feeling auf meiner Terrasse baumeln, bevor wir dann zu einem Sundowner aufbrechen. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang und dem – meinst kläglichen – Versuch des Speerwerfens, nachdem die Maasai uns dies in Perfektion vorgeführt haben, starten wir zu einer Nachtsafari, die allerdings nicht sonderlich ergiebig ist.
Das späte und zugleich letzte Abendessen auf dieser Reise schmeckt wieder vorzüglich – möglicherweise ist auch der himmlische Name des Camps auf diesen Gaumengenuss zurückzuführen.
Teil 1816. Juli 2022
Tag 16 – Enduimet Wildlife Area - Heimreise Gut, dass ich sehr hartnäckig sein kann
Nach dem gestrigen Abendessen gab es noch eine kleinere Diskussion. Nur ein Paar wird noch auf der Hatari Lodge seine Reise verlängern. Alle anderen werden heute zurückfliegen, ebenso wie ich. Jedoch habe ich einen anderen Rückflug als der Rest der Heimreisenden und mein Flug wird einige Stunden früher ab Arusha starten.
Da ich aufgrund der Vorkommnisse während der Reise nicht blauäugig auf die Logistik vertrauen möchte, habe ich Moses gebeten, mir zu sagen, um wieviel Uhr ich denn abgeholt werden würde und darum, dass er meinen Transfer bitte noch einmal bestätigen lassen möge. Da ich als Antwort nur erhielt, ja er kümmert sich darum, habe ich noch einmal nachgehakt, dass ich diese Info gerne schon konkreter hätte. Als sich dann die Mitreisende einmischte und sagte, Moses würde sich schon darum kümmern, wenn er das sagt, wurde ich doch etwas ungehalten, zum einen, weil es sich um meinen Transfer handelt und nicht um ihren und zum anderen, dass seine Performance hinsichtlich der Logistik mich nicht gerade überzeugt hatte und ich keine Lust hätte, mein Flugzeug zu verpassen, weil mein Transfer nicht rechtzeitig käme.
Nach dem Brunch fährt mein Transfer pünktlich vor, ich bin beruhigt. Nach etwa knapp 2 Stunden Fahrzeit erreichen wir den Flughafen. Das Einchecken und die Sicherheitskontrolle kann ich recht schnell hinter mich bringen. Der Flug nach Doha ist wieder pünktlich und sehr komfortabel. Diesmal habe ich jedoch nicht so viel Zeit zum Umsteigen, sodass ich nur kurz in die Lounge gehe, um Zähne zu putzen und etwas zu trinken, bevor ich schon wieder Richtung Gate gehe. Auf dem Flug nach Frankfurt empfängt mich die Q-Suite. Wow! Eine kleine Kabine mit Schiebetür ganz für mich alleine. Während ich auf Toilette gehe, wird mein Sitz in ein Bett inkl. einer weichen Auflage verwandelt, es gibt ein extra Kissen und ich könnte in den bereitgelegten Schlafanzug schlüpfen. Welch ein Komfort.
Die Maschine landet am Folgetag pünktlich in Frankfurt, wo mich mein Mann abholt.
Teil 1916. Juli 2022
Fazit
Wie formuliere ich am besten das Fazit, zu einer Reise, mit deren Bericht ich wahrscheinlich viele Klischees bediene. Natürlich könnte ich schreiben, alles war toll, alles super, seht her, was ich alles gesehen habe, aber das ist nicht mein Anspruch. Schreibe ich einen Reisebericht, in dem ich alles in Rosarot darstelle, dann habe ich es auch während der Reise so erlebt. Natürlich ist alles immer nur subjektiv, einfach aus meiner Sicht und Empfindung heraus betrachtet.
Nun, ich komme zu dem Schluss, dass ich einfach damit beginne, was mir gut gefallen hat.
Gut gefallen haben mir die äußerst komfortablen Flüge mit Qatar Airways. Die Q-Suite hat die ohnehin tollen Business Class Flüge mit dieser Airline zuvor noch einmal getoppt. Die Unterkünfte auf der Reise waren ausnahmslos klasse, besonders gut gefallen hat es mir im Lake Natron Camp sowie in der Hatari Lodge, obwohl beide wahrscheinlich nicht die luxuriösesten aller Unterkünfte auf der Reise waren, aber das Drumherum hat einfach noch einmal ein klein wenig mehr für mich gepasst. Allerdings waren im Vorfeld entsprechende Unterkünfte auch ein Auswahlkriterium der Reise.
Auch wenn ich diese nicht explizit eingeplant hatte, geschweige denn selbst bei einer Individualtour in Betracht gezogen hätte, die Besuche im Dorf und im Kindergarten sowie die daraus resultierenden Begegnungen haben mich zutiefst berührt, so gerne hätte ich dafür noch mehr Zeit gehabt. Diese Programmpunkte möchte ich keinesfalls missen und kann ich nur jedem ans Herz legen abseits einer jeden Safari. Überhaupt finde ich es sehr gut, dass sich der Veranstalter entsprechend engagiert und ich somit mit einem Teil meines Geldes – so hoffe ich zumindest – etwas Gutes tun konnte.
Die Tierwelt und der Lake Natron waren darüber hinaus meine persönlichen Highlights, auch wenn ich für beides ebenfalls gerne mehr Zeit gehabt hätte.
Somit wären wir bereits schon bei den Dingen, die ich persönlich verbessern würde und die mich gestört haben.
Im Nachhinein muss ich sagen, würde ich diese Route planen, würde ich zu Anfang einen Tag einsparen, um diesen in der Serengeti zu nutzen sowie einen Tag am Ende im Shu’mata Camp - so schön es dort auch ist -, um diese eingesparte Zeit am Lake Natron zu nutzen. Zwei Nächte wären am Lake Natron meiner Meinung nach wesentlich sinnvoller.
Aber ich denke, gerade eine Nacht länger in der Serengeti könnte möglicherweise den Reisepreis nach oben treiben. Ggf. könnte das auch für die Verlängerung am Lake Natron gelten, auch wenn sicherlich das Camp dort günstiger sein wird als das Shu’mata Camp, dafür würden die Dienste der Fahrer und die Autos länger benötigt. Aber das ist nur eine Annahme, ich mache keine Kalkulation für die Reise. In meinen Augen könnte man sich definitiv die Fußsafari in der Serengeti sparen und diese stattdessen für eine weitere Pirschfahrt nutzen. Wie ich das Crossing erlebt habe, das ein großer Traum von mir war, habe ich ausführlich im Bericht beschrieben.
Von den Mitreisenden in der Gruppe war mir keine einzige Person unsympathisch, ob das umgekehrt der Fall war, kann ich natürlich nicht beurteilen. Trotzdem gab es hier und da kleinere Unstimmigkeiten. Wenn ich jedoch daran zurückdenke, war ausnahmslos der Auslöser für die Unstimmigkeiten einzig und allein die unterschiedliche Auffassung zu der Performance unseres Guides.
Mir scheint, dass meine Ansprüche an einen Guide höher sind. Dabei bin ich der Meinung, dass ich nur das Selbstverständliche erwartet habe: Einem Gast eine Information zukommen zu lassen, wo man sich zum Start der Reise mit der Gruppe trifft und diese Organisation nicht dem Gast und dem Angestellten einer Lodge zu überlassen. Den Gast am ersten Tag ordentlich zu begrüßen und nicht, dass dieser hinter dem Guide herlaufen muss, um sich vorzustellen. Den (weiblichen) Gast nicht mutterseelenallein im Kindergarten zurückzulässt, dass dieser seinen Weg selbst zurück finden muss. Das richtige Camp anzufahren, erst recht, wenn zuvor mehr als einmal der entscheidende Hinweis auf den korrekten Namen des Camps vom Gast kommt; spätestens dann erwarte ich, dass man sich entsprechend vorbereitet. Gleiches gilt, dass man die Strecke kennt und nicht ziellos auf der Suche nach dem Weg in der Gegend herumfährt und somit mehrere Stunden der kostenbaren Urlaubszeit sinnlos vergeudet. Schön wäre auch gewesen, mehr über die Tierwelt zu erfahren und sich nicht stattdessen ausgiebig mit dem Fahrer in Swahili zu unterhalten.
Besonders geärgert hat mich, dass bei mir keinerlei Einsicht angekommen ist, wenn wieder solche – in meinen Augen – gravierende Fehler passiert sind. Ich erwarte hier wirklich nur einfachste Basics, die ein Guide beherrschen sollte.
Ich habe schon mehrere Reisen in Länder geplant, in denen ich noch nie zuvor war und in denen wir dann alleine als Selbstfahrer unterwegs waren. Eine gründliche Vorbereitung gehört dazu.
Es gab bereits - wenn auch nicht viele - Gruppenreisen, die ich unternommen habe und während derer ich/wir ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht haben. Im Pantanal hätte es keinesfalls besser laufen können und in Israel hätte ich ohne solch einen guten Reiseleiter nie so tief in das Land eintauchen können. Allerdings kann man auch bei einer Privatreise mit Guide Pech haben.
Würde ich noch einmal eine Gruppenreise machen? Ich denke ja und zwar dann, wenn es sich um ein Reiseland handelt, in dem ich mir nicht zutraue, individuell unterwegs zu sein und/oder wenn ich wieder alleine unterwegs sein werde (muss) und mir eine Privattour einfach zu teuer wird. Aber zurzeit ist keine weitere Gruppenreise geplant und ich freue mich erst einmal auf weitere gemeinsame Reisen mit meinem Mann – alleine und nicht in der Gruppe!
So, das war der Bericht zu meiner Gruppenreise in Tansania. Ich hoffe, er hat unterhalten. Es hat mich ein wenig überrascht, aber als ich diesen Bericht hier geschrieben habe, habe ich mich zeitweise doch wieder zurück versetzt gefühlt und wollte ihn jetzt gerne schnellstmöglich beenden.
Ich werde daher als nächstes einen Reisebericht angehen, der mir sicherlich schon während des Schreibens gute Laune beschert. Wahrscheinlich wird es nach Argentinien oder nach Argentinien und Chile gehen, das werde ich kurzfristig entscheiden und diesen Bericht dann auch voraussichtlich nur auf meiner Seite einstellen. Aber das habe ich noch nicht final entschieden.
Auf alle Fälle vielen lieben Dank an alle stillen Mitleser, Danke-Button-Drücker und – vor allem – vielen lieben Dank für die Kommentare zwischendurch. Das ist für mich das Salz in der Suppe, wenn ich einen Bericht schreibe.