Reisebericht

Kenia 2021: Die Entdeckung der Langsamkeit

von Beatnick · begonnen 19. Dez. 2021 · 29 Teile

Teil 119. Dez. 2021
Ihr Lieben,

im September waren wir zum zweiten Mal in Kenia, diesmal in Samburu/Buffalo Springs und in der Masai Mara. Während Samburu im Norden Neuland (und ein ausgesprochener Wunsch) war, hatten wir die Mara bereits drei Jahre zuvor bereist - und waren mit sehr ambivalenten Gefühlen zurückgekehrt. Schockierende Touristenmassen auf der einen Seite, aber auch ein einzigartiger Tierreichtum auf der anderen.

Reisebericht Masai Mara 2018

Ich hatte damals schon den Rat einiger Forumsmitglieder beherzigt 😘 und angekündigt, dass wir noch einmal zu einer mutmaßlich etwas ruhigeren Reisezeit als mitten im August zurückkehren würden, der die Hochzeit der Crossings und damit leider eben auch der Besucher ist. Dieses Versprechen nicht zuletzt an uns selbst lösten wir nun also ein.

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Wir haben die Tour erst wenige Wochen vor der Abreise und damit ungewöhnlich kurzfristig gebucht, allzu häufig hatten wir Reisen zuvor wegen Corona verschieben oder gar stornieren müssen. Bei unseren Überlegungen zum Reiseziel wurde ziemlich schnell klar, dass wir beide völlig ausgehungert waren nach Safari und daher vor allem eins wollten: Tiere, Tiere und nochmals Tiere.

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Dass wir das in der Mara bekommen würden, war klar. Auch etwas Neues sollte dabei sein, und unsere Wahl fiel auf Samburu, wo vor allem ich wegen seiner besonderen Landschaft und Tiere schon immer einmal hinwollte. Unsere Reiseagentur riet etwas verhalten ab, weil die drei dicht beieinanderliegenden Schutzgebiete Samburu, Buffalo Springs und Shaba in der dort heftigen Trockenzeit auch von den Viehherden der Einheimischen genutzt werden. Wir wollten dennoch hin, nach bewährtem ostafrikanischen Muster mit eigenem Driver-Guide.

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Wir wollten uns zudem komplett auf die beiden Ziele Samburu und Mara konzentrieren. Vom Job und vom Corona-Dauerthema vollkommen ausgelaugt, wünschten wir uns vor allem eins: Ruhe. Dass das auch auf Safari geht, wo die Nacht per se um 5 Uhr endet, will einigen unserer Freunde nicht in den Kopf. Vermutlich stoßen wir hier auf verständigere Seelen 😉.

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Wenn auch ohne Langschläferei, wollten wir uns vollständig und vorbehaltlos einlassen auf die jeweiligen Umstände und Gegenden, innerlich ankommen und nicht allzuviel hin- und herpacken oder umziehen. Auf neudeutsch: entschleunigen. Der Lake Naivasha schaffte es zudem als notwendige Unterbrechung der lange Strecke Samburu - Masai Mara ins Programm, das am Ende so aussah:

12.9.21 - 13.9. Four Points By Sheraton Hotel, Nairobi
13.9. - 18.9. Ashnil Samburu Camp
18.9. - 19.9. Naivasha Sopa Lodge
19.9. - 27.9. Malaika Bush Camp

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So kurz vor Weihnachten ist vielleicht nicht die allerbeste Zeit, um einen Reisebericht zu beginnen, denn die Tage sind ausgefüllt mit Familienbesuchen und die Gedanken der meisten wohl eher nicht im Forum. Für mich ist die Gelegenheit allerdings günstig, denn wir haben Urlaub, den wir leider nicht wie geplant in Südafrika verbringen werden, und damit Zeit. Ich nutze sie sehr gern, um noch einmal in Erinnerungen abzutauchen, am liebsten gemeinsam mit euch - wenn ihr mögt. Über virtuelle Begleitung würde ich mich sehr freuen!

Liebe Grüße und einen schönen vierten Advent,
Betti

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Teil 220. Dez. 2021
"Oh my Goooood" - Es geht los!

Bislang hat schon allein die Vorfreude auf unsere Reisen immer eine gewaltige Rolle für mich gespielt. Rechtzeitig die Siebensachen packen und sortieren, von Medikamenten bis hin zum Schlüpperzählen, all das befeuert bereits meine Sehnsüchte und Hoffnungen, was da wohl kommen möge.

Diesmal glaube ich erst wirklich an diese Reise, da sind wir am Hamburger Flughafen schon auf dem Weg zum Gate. Noch nie waren wir gefühlt so unvorbereitet und mich beschleicht wiederholt das Gefühl, etwas Wesentliches vergessen zu haben. Was glücklicherweise nicht der Fall ist.

Im Zentrum der Vorbereitungen steht ja neuerdings ohnehin nicht mehr die Frage, ob ausreichend Repellent an Bord ist oder auch eine Taschenlampe, sondern die nach dem Timing des Corona-Tests - und dessen Ergebnis. Das lautet zweimal negativ, und so steigen wir am 12. September guter Dinge und dauerhaft maskiert erst in den Flieger nach Frankfurt und dann nach Nairobi.

Löwen in der Mara
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Wegweiser in Buffalo Springs
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Der Flug bleibt ohne weiteren Befund, was gut ist, auf dem Rückweg werden wir ganz andere Erfahrungen machen. Am Abend landen wir erschöpft, aber glücklich, werden am Flughafen abgeholt und zu unserem Hotel gebracht, das anders als beim letzten Mal direkt um die Ecke liegt. Eine Wohltat nach dem langen und ermüdenden Sitzen. Auch das Zimmer gefällt uns richtig gut, wir schlafen wie die Babys und sind am nächsten Morgen erstaunlich fit und voller Tatendrang.

Es ist noch früh, als wir unseren Driver-Guide auf dem Parkplatz vor dem Hotel treffen. Ein wichtiger Moment, hängt von dieser Personalie doch ein Großteil des Safarie-Erfolgs und Wohlbefindens ab. Wir haben schon beinahe die gesamte Klaviatur der Erfahrungen durch, beim letzten Mal waren wir mittelmäßig zufrieden und hatten das auch so bei der Agentur hinterlegt.

Wir hatten mehrere Varianten dieser Reise gedanklich durchgespielt. Die Strecken fliegen und jeweils einen Guide vor Ort nehmen oder doch lieber ein Driver-Guide, der uns von A bis Z begleitet? Wir entschieden uns für Letzteres, wohl wissend, dass dies ein gewisses Risiko birgt. Läuft es mit dem Guide nicht ideal, können 14 Tage verflixt lang werden. Passt es jedoch, können die Erlebnisse perfekt aufeinander aufbauen und eine Safari unvergesslich werden lassen. Diese Erfahrung hatten wir unter anderem Jahre zuvor in Tansania gemacht, damals mit dem überragenden Abraham.

Reisebericht Tansania 2016: Die Geburt der Gnus

Livingstone, der eigentlich vorne anders heißt, aber nicht zuletzt der Einfachheit halber so genannt werden will, ist uns sehr sympathisch und bleibt es auch, als wir auf dem langen Weg nach Samburu die erste Gelegenheit haben, uns ausgiebig zu beschnuppern. Er ist freundlich, offen, selbstbewusst und seit vielen Jahren im Job. Dass dies keinerlei Abnutzungserscheinungen mit sich gebracht hat, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ist aber ein großes Glück. Zu seinen Eigenarten zählt, dass er ziemlich häufig "My Goodness" sagt; wahlweise "Oh my God". Je nachdem, wie beeindruckt er von etwas ist, zieht er das "o" lang, und ein "Oh my Gooooood" aus seinem Mund reicht später vollkommen aus, um all unsere Antennen blitzartig auszufahren.

Picknick mit Livingstone in Buffalo Springs
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Hinter Nairobi lichtet sich der Verkehr und nimmt zusehends ab, je weiter wir nach Norden kommen. Die Fahrt ist mit über sechs Stunden lang, aber auf makellosen Straßen nicht unangenehm. Ohnehin sind wir viel zu glücklich darüber, nun auch tatsächlich hier zu sein, um ein Haar in der Suppe zu finden. Wir umrunden den gewaltigen Mount Kenya, der seinen schneebedeckten Gipfel zeigt, seine grünen Hänge wechseln zusehends über in eine staubige, ausgedörrte gelb-rote Landschaft.

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Diese wüstenartige Gegend hat immer mit Wassermangel zu kämpfen, in dieser Jahreszeit und in diesem Jahr aber besonders. Seit Februar hat es nicht mehr geregnet, mit katastrophalen Folgen für die Einheimischen und ihr Vieh. Vor allem weiter nördlich sind die Probleme immens.

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Die Wildtiere im Buffalo Springs Reservat, das wir gegen Mittag erreichen, stehen allerdings noch gut im Saft.

Netzgiraffen in Buffalo Springs
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Was vor allem an den vielen Quellen und Wasserlöchern liegt, die dem Nationalreservat seinen Namen geben, sowie am Ewaso Ngiro River, der immer Wasser führt und manchmal sogar zuviel. Wie im vergangenen Winter, als sich Kenia vor Regen kaum retten konnte, der Fluss zum reißenden Strom wurde und unter anderem die Brücke zerstörte, die Buffalo Springs und Samburu sehr praktisch miteinander verbunden hatte. Auch das Ashnil Camp, idyllisch an seinem Ufer gelegen, wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, einige der zeltartigen Unterkünfte sind noch nicht wieder aufgebaut und werden es wohl auch nicht mehr.

Elefanten gegenüber von unserem Zelt...
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...und wer da sonst noch so lebt.
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Aus reiner Besuchersicht ist die Lage des Camps eine Wucht, der Style etwas überholt, unser Zelt großzügig und ausreichend in Schuss. Alles in allem können wir es hier gut aushalten. Den Pool hätte ich schon aus ökologischen Gründen nicht gebraucht, ebenso wie den Zaun um die Anlage herum, den ich zuerst schlichtweg nicht schön finde und später sogar unerträglich. Dazu in einem anderen Kapitel mehr. Ein Traum ist allerdings der Garten mit Palmen, alten hohen Bäumen, in denen die Affen toben, und einer Vielzahl von Vögeln.

Unser Camp vom anderen Ufer aus, ganz rechts eins der noch immer vom Wasser zerstörten Zelte
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Um 16 Uhr brennt die Sonne nicht mehr ganz so gnadenlos vom Himmel und Livingstone startet einen ersten Gamedrive. Schon auf dem Weg hierher hat er uns erklärt, dass er Dinge häufig anders angeht als seine Kollegen, und damit en passant um Vertrauen geworben. Noch wissen wir nicht genau, was er damit meint. Nun aber fragt er uns, was wir uns wünschen, was wir erwarten. Wir überlegen kurz. "Nothing is more boring than sleeping cats", antworte ich. Damit ist alles gesagt. Es dreht sich nicht alles um Katzen, und schon gar nicht um jeden Preis. Der Handlungsspielraum, der sich für ihn dadurch ergibt, gefällt ihm sichtlich.

Familie Kappengeier,...
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...wie immer akkurat gekleidet mit richterlicher Perücke.
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Wir bleiben in Buffalo Springs und fahren am Fluss entlang, der diesen Teil des Reservats von Samburu auf der gegenüberliegenden, nördlichen Seite trennt. Eine wunderschöne Landschaft mit roter Erde, gelbem Savannengras, Doumpalmen und vielen Tieren. Es ist herrlich! Begeistert stehe ich im schaukelnden Auto, gucke oben aus dem Dach und ich lasse mir die heiße Luft genüsslich um die Nase wehen.

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Die Autos, denen wir an diesem Nachmittag begegnen, können wir an einer Hand abzählen. Die Flut und vor allem Corona haben Spuren hinterlassen, nur wenige Camps sind überhaupt geöffnet und wenige Touristen kommen. Gut für uns, in vielerlei Hinsicht schlecht für die Region, ich werde noch näher darauf eingehen.

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Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt, die für Samburu typischen Tiere zu finden. Doch sie fallen uns vor die Füße. Livingstone freut sich besonders über die Vielzahl der gefährdeten Grevyzebras, die größer sind als ihre Artgenossen und mit ihrer Testbild-Optik wunderschön.

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Eselsohr
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Bläulich gefärbte, prächtige Somalistrauße,

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... und bläulich-bizarre Geierperlhühner.

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Ein echtes Highlight sind die Gerenuks, die sich sogar auf die Hinterbeine stellen, um an das weiter oben wachsende Grün heranzureichen. Die muskelbepackten Hinterbeine wollen so gar nicht zu dem kleinen Kopf passen, der auf einem langen, schlanken Giraffenhals sitzt.

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Zur guten Nacht gibt's brüllende Hitze im Zelt, Löwengebrüll vom gegenüberliegenden Flussufer und gackernde Hyänen. Afrika, was bist du schön!
Teil 321. Dez. 2021
14. September: Über Stock und Stein in Buffalo Springs

Gegen Fünf klingelt der Wecker. Puh! Die Nacht war extrem heiß. Besonders, als gegen 22.30 Uhr der Strom ausgeschaltet und damit der Ventilator arbeitslos wurde. Zu allem Überfluss schwirrten zwei Moskitos um meinen Kopf herum, das nervtötende "Dzzzzzzzzzzz" am Ohr konnte ich noch nie vertragen. In meiner Not wusste ich mir nicht anders zu helfen, als vollständig im Backofen unter dem Bettlaken zu verschwinden. Ich war also noch nie so richtig gut, aber bestimmt schon mal viel besser drauf beim frühen Aufstehen.

Thomas erlegt im Schein des nunmehr wieder aktivierten elektrischen Lichts den einen Plagegeist, ich den anderen. Bei diesen beiden Vertretern ihrer Gattung bleibt es auch in den nächsten Tagen, doch weil ich das noch nicht weiß, trauere ich einem für meinen Geschmack fehlenden Moskitonetz über dem Bett missmutig hinterher.

Katzenwäsche, Klamotten an und raus aus dem Haus. Auf unserem Weg quer durch den Garten steigt das Stimmungsbarometer beträchtlich. Ein lauer Morgen, das erste Licht des Tages und die lang vermissten Geräusche der Natur zeigen Wirkung: Es kann losgehen!

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Schnell noch ein Kaffee für Thomas und ein Tee für mich, dann klettern wir in den Wagen, wo Livingstone schon alles für den Tag vorbereitet hat.

Als erstes Auto fahren wir raus. So wird es während der gesamten Reise sein. Morgenstund hat Gold im Mund, Livingstone hat es wohl erfunden. Vor allem aber - das wird uns zusehends klar - will er die Dinge selbst entdecken. Nicht im Sog anderer sein. Er zieht mich mit und muss das auch, bin ich doch eher eine Eule. Anders als die Büffel, denen wir auf Anhieb begegnen - sehr zur Begeisterung unseres Guides.

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Vor nicht allzu langer Zeit hat es eine Seuche gegeben im Park, die den Bestand ziemlich hat schrumpfen lassen. Nun scheint es wieder bergauf zu gehen.

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Auch die Netzgiraffen sind früh dran - und bildhübsch mit ihrem gleichmäßigen Fellmuster und den kräftigen Farben.

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Beim Fluss hat eine Löwin ihr Frühstück gerade beendet. Wir hatten sie schon am Vorabend entdeckt, was nicht allzu schwierig war, weil sich die wenigen Gäste des Reserves allesamt in ihrer Nähe eingefunden hatten und starrten. Wenn auch ohne befriedigendes Ergebnis: Sie hatte sich mit einem Riss ins Unterholz zurückgezogen und es lugte gerade einmal eine Pfote heraus.

Es riecht hier nicht gerade nach Rosen, sondern intensiv nach Gammelfleisch. Doch weil sie sich so schön herausputzt und wir mit ihr alleine sind, bleiben wir anders als am Vortag ein wenig stehen.

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Trotz der Dürre sehen wir viele Antilopenkinder. Wahrscheinlich, weil sich der Zeitpunkt nähert, an dem es regnet - oder zumindest regnen sollte. Sie purzeln über Nacht heraus und stehen dann morgens mit staksigen Beinen und großen Augen unverhofft da.

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Auch diese beiden sind noch so klein, dass sie bei drohender Gefahr nicht fliehen, sondern sich geduckt hinter Zweigen oder im Gras verstecken. So ganz geheuer sind wir ihnen nicht. Sie tauchen lieber ab - und bleiben allein, denn die erwachsenen Tieren ziehen davon, um die Aufmerksamkeit auf sich und von den Kleinen abzulenken.

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Auf Gerenuks hatte ich mich besonders gefreut und sie enttäuschen mich nicht. Sie sind wahre Artisten, wie sie da balancierend auf den Hinterbeinen stehen und sogar gehen. Dazu die spitzen Gesichter und die riesigen Ohren - zum Knutschen.

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Nun fahren wir weg vom Fluss und hügelaufwärts. Die Löwin reckt sich zufrieden und wird wohl bald zum Verdauungsschläfchen übergehen.

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Livingstone kennt sich gut aus im Revier, war aber (wegen Corona) monatelang nicht hier. Wir rumpeln über Stock und Stein, nur schemenhaft sind Pfade erkennbar; manchmal auch gar nicht mehr.

Oryx, anders als in Namibia in Kenia eine Seltenheit
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Wir fühlen uns wie auf einer Expedition, also ziemlich gut. Einige Wege sind so zugewachsen oder sogar kollabiert und in der Versenkung verschwunden, dass wir umdrehen und eine neue Fährte finden müssen. "The road disappeared", konstatiert Livingstone: "My goodness."

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Same same but different
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Unter einem schütteren Busch überschlagen sich die Ereignisse. Ein Habicht flattert aufgeregt umher, etwas Langes flitzt zur Seite, eine Schlange! Der Vogel aber greift sich nicht das Reptil, sondern einen Frankolin - und fliegt davon.

Zurück bleiben verdatterte Touristen und eine sichtlich bis ins Mark erschütterte Schlange. Sie hockt jedenfalls noch minutenlang reglos in einem Loch und streckt gerade einmal den Kopf heraus. Ich brauche ewig, bis ich sie trotz geduldiger Beschreibungen von Livingstone und Thomas entdecke. Ihre Tarnung ist perfekt.

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Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Doch es ist noch früh und wir rumpeln weiter bergauf.

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Schließlich frühstücken wir auf einem Plateau. Gefühlt auf einem anderen Planeten. Was für ein Ort! Weit und breit kein Mensch, nur Vögel und Elefanten, die in unserem Rücken auf leisen Sohlen zum Fluss hinunterlaufen. Ich hätte sie fast nicht bemerkt. Der weite Blick, es ist ein Traum. Und die Weihnachtskugeln hat auch schon jemand aufgehängt...

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Teil 422. Dez. 2021
Immer noch 14. September: Ein Suppenkasper in Samburu

Nach dem Frühstück verlassen wir den herrlichen Aussichtspunkt. Rollen hügelabwärts, alles retour. Die Luft flirrt vor Hitze.

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Was einige Netzgiraffen nicht davon abhält, sich unentwegt zu zanken. Wahrscheinlich ist es nur Training. Jungs, die sich beweisen müssen. Man kennt das. Doch wenn die Hörner aufeinandertreffen, oder - fast noch schlimmer - ein Luftloch schlagen, stockt mir der Atem.

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Es sieht gefährlich aus, wie die langen Hälse mit viel Schwung ins Leere pendeln. Immer im Kreis. Als könnten sie abbrechen.

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In einem weiten Bogen landen wir wieder am Fluss. Ein ausgesprochener Lieblingsplatz. Hier ist immer was los.

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Die Krokodile verziehen sich ins Wasser. Die heiße Luft steht, am liebsten möchte ich hinterher. Obwohl - vielleicht lieber doch nicht...

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Mittags sind wir zurück im Camp. Machen uns frisch, gehen zum Lunch. Und geraten in eine blöde Zwickmühle. Das Personal ist herzlich, will uns jeden Wunsch von den Augen ablesen. Allein, das Essen schmeckt uns nicht besonders, und ist dazu noch viel zu viel.

Ich habe fast genau so viel Mühe, mir auch nur die Hälfte der Portionen einzuverleiben, wie damit, die andere Hälfte zurückgehen zu lassen. Es fühlt sich alles falsch an, denn der Teller ist dann noch immer voll, und der Blick unseres hingebungsvollen Kellners aufrichtig betrübt. Er ist ein harter Brocken. Zwei Tage lang wird hart verhandelt ("You must eat!" "No, I can't, it's just too much!"), und auch von Livingstone ist kein Verständnis zu erwarten. Ist er doch der festen Überzeugung, die Reise wäre nur dann ein nennenswerter Erfolg, wenn wir beide mindestens zwei Kilo zulegen. "Oh my goodness", denke ich, von all der Zuwendung ganz erschlagen.

Nach und nach werden die Portionen kleiner. Gibt es ein Einsehen. Und schließlich den Durchbruch. Die Frage nach einem speziellen Wunsch (weil wir einige Tage länger da sind als der Normalbesucher, beginnen sich die Speisen auf der täglichen Karte langsam zu wiederholen) beantworten wir mit der Bitte nach landestypischem Essen. Erstaunen. Und Begeisterung. Erst recht, als ich meinen Teller am nächsten Abend ratzeputz leerfege. Maisbrei und Spinat statt Burger und Pommes treiben mir den Suppenkasper aus.

Davon abgesehen liebe ich die Mittagspausen im Camp. Es ist ruhig und friedlich unter den hohen, schattigen Bäumen und die Vögel leisten uns Gesellschaft.

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Um 16 Uhr geht's weiter, wieder am Fluss entlang, diesmal in die andere Richtung. Mehr Weite und weniger Bäume, aber wieder eine tolle Landschaft.

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White-throated bee-eater, für uns etwas Neues
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In diese Richtung liegt das Elephant Bedroom Camp jenseits des Flusses. Es kommt ohne Zaun aus und wirkt hochattraktiv. Es ist ganz sicher die bessere Variante im Vergleich zum Ashnil Camp, allerdings auch die kostspieligere.

Die weiten Ebenen sind zerklüftet, alte Wege zerstört und Monate zuvor in den Fluten versunken. Livingstone findet immer eine Möglichkeit, beweist viel Geduld und Geschick, und führt uns in ein Sumpfgebiet.

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Eine kleine, grüne Oase inmitten der Hitze und Trockenheit, wir sind perplex, dass es hier so etwas gibt.

Blinder Passagier
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Gerenuks...

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...und Grevys verabschieden uns in die Nacht. Erst die zweite an diesem schönen Fleckchen Erde. Wir haben noch viel Zeit, und das fühlt sich richtig gut an.

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Teil 526. Dez. 2021
15. September: Elefantentag

Wir bleiben erneut in Buffalo Springs. Livingstone möchte diesen Part des Schutzgebiets quasi zu Ende bringen, bevor wir uns in den nächsten Tagen Samburu auf der anderen Seite des Flusses vornehmen.

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Die Nacht war wieder sehr heiß, aber dennoch viel besser als die vorangegangene, weil mich kein Moskito quälte. So kurz erst hier, sind wir schon wieder voll im Afrika-Rhythmus: früh schlafen, früh aufstehen, und trotzdem - oder vielleicht auch gerade deshalb - in Hochstimmung. Die Safari-Routine ist schnell wieder da und eigentümlich vertraut, auch wenn die Szenerie auf beinahe jeder Reise wechselt.

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Ein Kaffee, ein Tee, auch das wie gehabt, dann fahren wir wie am Vorabend in Richtung des Sumpfgebiets, wo im selben Busch dasselbe hübsche Bee-eater-Pärchen hockt. So weit, so gewohnt, doch dann biegen wir hügelaufwärts ab und betreten Neuland.

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Szenenwechsel. Eine ausgedörrte Savanne inmitten lang erloschener Vulkane, dazwischen Akazien und immer wieder Tiere. Eine urzeitliche Landschaft, wunderschön und der Inbegriff von Afrika, wie ich es mir als Kind der TV-Generation Grzimek und Sielmann vorgestellt habe.

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Nur zu Beginn treffen wir auf wenige Autos, einige Löwen sollen am Vortag im Dickicht gesichtet worden sein. An diesem Morgen haben sie sich noch nicht gezeigt, doch Livingstone entdeckt schließlich die gut verborgenen Katzen, von denen aber so gut wie nichts zu sehen ist. Zügig fahren wir weiter.

Nun begegnet uns niemand mehr. Zumindest kein Mensch. Auch nicht an den Buffalo Springs, die die Einheimischen manchmal zum Baden nutzen.

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Von Weitem beobachten wir einen einzelnen Elefantenbullen. Er steuert direkt auf uns zu und pflückt währenddessen zielgerichtet sämtliche Vogelnester aus den Bäumen, an die er heranreicht. Ich hoffe inständig, dass sämtliche Bewohner längst ausgeflogen sind. 😣

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Stundenlang rumpeln wir über steinige Pfade, dann landen wir wieder am Fluss. Auf beiden Seiten haben sich Elefanten versammelt, sie ignorieren uns und wir können sie in aller Ruhe bei ihren täglichen Geschäften beobachten.

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Besonders begehrt ist ein Schlammloch. Friedlich warten die grauen Riesen, bis sie an der Reihe sind,...

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...und wechseln ihre Farben mit der Morgentoilette vom tristen mausgrau zum trendigen rot-braun.

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Auch diese Giraffe ist ein Fashion-Victim. Sie hat das klassische Netzmuster mit modischen Sprenklern aufgepeppt.

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Direkt am Fluss, im Schatten der Doumpalmen, frühstücken wir. Beobachten dabei weiter die Elefanten, die uns in allen Richtungen umgeben. Wieder so ein perfekter Afrika-Moment. Ein Fest für alle Sinne - und die Seele.

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Teil 626. Dez. 2021
Fortsetzung 15. September

Zurück im Camp, haben die Paviane kurzerhand das Regiment übernommen. Ganze Scharen sitzen in den Bäumen und im Gras. Scheinbar friedlich. Doch als wir - aus vermeintlich sicherer Distanz - Mutter und Kind direkt vor unserem Zelt fotografieren wollen, geht der Boss zum Angriff über. Stürmt auf mich zu, bleckt die Zähne und bremst erst kurz vor mir.

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Nur eine Warnung. Aber die hat gesessen. Als Jugendliche hat mich ein Kampfhund ziemlich übel gebissen. Der Blick war ähnlich und ist unvergessen. Mit schlotternden Knien schließe ich die Tür auf und muss mich vor Schreck erst einmal setzen. Fortan halten wir nicht nur Abstand, sondern gehen auch zügig und ohne viel Aufhebens an den Dauerbewohnern vorbei. Auf diese Weise kommen wir gut miteinander aus.

Während des Mittagessens holt uns ein Camp-Mitarbeiter vom Tisch weg und an den Zaun. Am Fluss haben sich Elefanten versammelt und bieten eine tolle Show.

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Fast eine Stunde dauert das Spektakel. Kaum haben sie sich im Wasser so richtig ausgetobt, versuchen die Kleinen, den Großen auf Schritt und Tritt alles nachzumachen. Es ist zu drollig.

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Nicht immer klappt das mit dem Staubbad und dem Schubbern am Baum so routiniert wie bei den Erwachsenen. Die Balance ist alles andere als perfekt und der Rüssel führt auch irgendwie ein Eigenleben.

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Als auch der letzte Nachzügler endlich aufgeschlossen hat, setzen sich die Elefanten gemächlich in Bewegung - und stoppen jäh. Zwei junge Samburu treiben eine große Herde Kühe in Richtung Fluss. Kühe und Elefanten, von Natur aus nicht gerade beste Freunde, verharren und starren sich gegenseitig an. Dann ziehen die einen in einem weiten Boden in die eine, die anderen in die andere Richtung. Eine Szene, die sehr zwiespältige Gefühle bei uns hinterlässt.

Der Nachmittag bringt einmal mehr schöne Sichtungen...

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...darunter die nunmehr schon üblichen Verdächtigen wie Grevys und Grant-Gazellen, über die ich mich aber nach wie vor sehr freuen kann.

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Auch einige Wolken ziehen auf, das Licht wird schlechter.

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Doch die Hoffnungen auf den lang ersehnten Regen erfüllen sich nicht. "Maybe tomorrow", sagen sie im Camp, wie eigentlich jeden Tag. Doch kein Regen kommt, leider auch nicht in den Wochen darauf, wir haben noch mehrfach nachgefragt und müssen oft daran denken.
Teil 728. Dez. 2021
16. September, vormittags: Samburu, Teil I

Am Morgen haben sich die Wolken verzogen, ohne dass auch nur ein einziges Tröpfchen herausgefallen wäre. Es ist ein Jammer. In der Nacht hat es dennoch wieder Antilopennachwuchs gegeben, die Ebene direkt an der Zufahrt zum Camp scheint eine beliebte Krippe zu sein.

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Für mich erfüllt sich an diesem Tag ein großer Wunsch, denn wir fahren nach Samburu. Noch bis zum vergangenen Winter hätte das gerade einmal fünf Minuten gedauert, doch weil die Flut die nahe Brücke zerstört hat, müssen wir erst aus dem einen Gate heraus, dann auf der Hauptstraße den Fluss überqueren und schließlich auf der anderen Seite wieder durchs Gate nach Samburu hinein.

Die Strecke ist nicht nur ein erster Gamedrive,...

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...sondern führt auch ein kleines Stückchen an den Dörfern der Samburu mit ihren flachen. kastenförmigen Hütten vorbei.

Nach gut einer halben Stunde erreichen wir das Gate zum Samburu Nationalreservat, dessen Wand ein Foto von Elsa ziert. Das ungewöhnliche Leben und Schicksal von Joy und George Adamson, die diese Löwin aufgezogen und schließlich ausgewildert haben, begegnet uns auf dieser Reise immer wieder. Das benachbarte Shaba-Nationalreservat, wo Joy Adamson am Ende lebte und leider auch gewaltsam zu Tode kam, werden wir allerdings nicht besuchen. Wir würden dort gerade in dieser Jahreszeit kaum etwas anderes als Kühe und Ziegen sehen, erläutert Livingstone, und das sind traurige Nachrichten. Weniger für mich, als vielmehr für die wilden Tiere.

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Livingstones erklärtes Lieblingstier ist der Leopard. Schon in den vergangenen Tagen hat er intensiv danach Ausschau gehalten. Sie sollen in dieser Gegend ziemlich kooperativ sein, weil sie einst angefüttert wurden. Diese Tatsache haben die Katzen aber möglicherweise längst verdrängt und das ist auch gut so. Jedenfalls haben wir bislang bis auf den Rest einen Kills in einem Baum keine Spur von ihnen gefunden.

Ein Leopard geht natürlich immer, aber wir versichern Livingstone, auch ohne happy zu sein - zumal wir auf die Mara bauen. Ich ahne allerdings, dass es die Guides besonders reizt, einen Leoparden zu finden, der unberechenbar und damit eine besondere Herausforderung ist. Livingstone bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

Samburu unterscheidet sich landschaftlich nicht vom benachbarten Buffalo Springs. Die Perspektive wechselt jedoch, und das ist schön. Die Berge, auf die wir bislang geschaut haben, sind zudem näher gerückt und die dichten, immergrünen Büsche zahlreicher.

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In solch ein Dickicht soll nun just ein Leopard verschwunden sein. Berichtet zumindest der Guide des Elephant Bedroom Camps, der mit seinen Gästen intensiv Ausschau hält. Vor allem deshalb, weil sich Gerenuks dem womöglich brandgefährlichen Gebüsch Schritt für Schritt nähern. Die beiden Kleinsten ducken sich ins vermeintlich sichere Gras, und die Spannung steigt.

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Doch dem Männchen ist sichtlich nicht wohl bei der Sache. Langsam, aber sicher zieht die Familie geschlossen ab.

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Ich finde es ja ganz gut, dass die Baby-Antilopen ungeschoren bleiben. Anders als Livingstone, der fortan nicht mehr von "Leoparden" spricht, sondern von "this spotted cat". Wenn sonst nichts hilft, hilft vielleicht Aberglaube.

Noch einmal davongekommen. 🙂

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Wir fahren ein Stück in die Berge hinein und dann in einem weiten Bogen durch eine einsame Landschaft. Fast einsam zumindest, denn die Gegend ist fest in der Hand der allzeit emsigen Geierperlhühner.

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Sie sind überall - und richten zum Glück keine Schäden an. Sonst wären sie längst zur Plage geworden.

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Überhaupt sind es vor allem Vögel, die wir an diesem Morgen entdecken.

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Wie diesen Rosy-patched bush Shrike. Zu Deutsch: rosiger Buschwurm.

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Komischer Name für so einen hübschen Vogel. Und Akrobatik kann er auch.

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Eine sandige Piste führt am Flussufer entlang. Die Lichtung, die Livingstone für unser Picknick auserkoren hat, ist leider schon besetzt. Die Paviane, gewohnt selbstbewusst, machen keinerlei Anstalten, ihre Pole Position zu räumen. Wir knicken ein. Treten den Rückzug beziehungsweise die Weiterfahrt an. Nicht erst seit meinem mittäglichen Erlebnis am Vortag weiß ich, dass es so besser ist...

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Schließlich frühstücken wir ein Stück weiter flussaufwärts im Schatten der Palmen, aus denen ein vertrautes Krächzen klingt.

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Die farbenprächtigen Rotbauchpapageien sind allerdings neu für uns und ich freue mich sehr über diese Sichtung.

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Zurück in der offenen Savanne, verteilen Mitarbeiter vom Grevy's Zebra Trust Heu auf den abgegrasten Flächen, um die gefährdeten Tiere in der Dürre zu unterstützen.

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Schon am späten Vormittag steht die heiße Luft. Diesen beiden geht es offensichtlich...

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... trotzdem schweinegut.

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Teil 828. Dez. 2021
16. September, nachmittags: Relaxen mit Löwen

Mittags sind wir wie immer zurück im Camp. Bislang waren nur wenige Gäste da, nun gibt es einige Neuankömmlinge, darunter eine kleine amerikanische Gruppe. Zudem einige lebhafte Spanierinnen, die T-Shirts tragen mit der Aufschrift "The happy 50's" und von denen Livingstone meint, sie wären schon regelmäßig hergekommen, da waren sie noch die "happy 40's", sowie zwei ältere Herrschaften, von denen der eine vor vielen Jahren von Deutschland nach Kenia ausgewandert ist. Er redet gern und viel und erzählt allen und jedem, wie Afrika geht. Auch dem jungen schwarzafrikanischen Paar, das die beiden offenbar fährt.

Er fragt, wohin wir noch in Kenia reisen. "In die Mara", antworte ich, und er ist begeistert, kommt er doch gerade daher. Dann, mit schlecht gespielter Trauermiene: "Sie wissen aber schon, dass die Tiere dort jetzt alle weg sind. Wir haben die letzten gerade noch gesehen."

Ah, das beliebte Glück-gepachtet-Spiel. Wer hat mehr davon? I love it... 🤨 Natürlich meint er die Crossings, das ist mir klar. Aber ich mach' bewusst auf blond. "Waaaas, nicht ein einziges Vögelchen mehr für uns geblieben?", frage ich und tue mit ebenfalls schlecht gespielter Trauermiene baff erstaunt. Er fühlt sich wahrscheinlich veräppelt, und das soll er auch.

Am gegenüberliegenden Ufer, wo noch am Vortag Elefanten spielten, tummeln sich an diesem Mittag Kühe. Schon als wir vormittags durch Samburu fuhren, haben wir sie in einer riesigen Staubwolke hügelabwärts ziehen sehen. Wieder bin ich hin- und hergerissen, was genau ich davon halten soll. Wir versuchen, die gefühlten Fremdkörper zu ignorieren und gehen stattdessen auf Vogelpirsch im Garten, wo die Amerikanerinnen den viel zu stark gechlorten Pool für sich entdeckt und kurzerhand beschlagnahmt haben.

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Um 16 Uhr klettern wir wieder ins Auto. Allesamt gewohnt motiviert, aber auch ein wenig träge. Livingstone fragt, ob wir in eine bestimmte Richtung wollen. Ich schlage die Route am Fluss vor, die mir besonders gut gefällt und sozusagen ums Eck liegt. Mehr im Spaß signalisiere ich, nunmehr bereit für Katzen zu sein.

Vielleicht sollte ich den Beruf wechseln. Irgendwas mit Glaskugeln, Kaffeesatz oder Handleserei. Denn tatsächlich kommen wir nicht weit. Im sandigen Flussbett tummeln sich zwei Löwen. Nur wenige Kilometer vom Camp entfernt an einem meiner längst erkorenen Lieblings-Aussichtsplätze.

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Linkerhand entdecken wir drei weitere Exemplare, eine kleine Familie. Eine tolle Überraschung, die wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass sich der Himmel bewölkt hat und die Temperaturen erträglich sind. Das hat unserem Glück wohl auf die Sprünge geholfen.

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Die Entscheidung ist schnell getroffen. Wir bleiben. Den ganzen Nachmittag. No matter what. Im schlimmsten Fall gibt's schlafende Löwen. Aber irgendwas ist ja eigentlich immer (woher kenne ich das nur...?!?).

Elefanten waten auf dem Weg nach Samburu durch den seichten Fluss,...

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...und wo Wasser ist, sind auch Vögel nicht weit.

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Den Löwenmann kann ich zunächst nicht zuordnen, weil ich die Mähne fehlt. Was an der heißen Gegend liegt, nicht an seiner Jugend.

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Der kleine Löwe scheint ein Einzelkind zu sein, was sicher schade für ihn ist. Es muss hart sein für ein Löwenrudel, in dieser kargen Umgebung zu überleben.

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Autos kommen und gehen, meist wird die Stille jedoch nur vom Niesen eines Krokodils in den Tümpeln vor uns unterbrochen (kein Scherz).

Mutter und Kind, bislang relativ weit entfernt, stehen schließlich auf, kommen näher und nun sind wir hellwach. Beide trinken ausgiebig und nicht weit von unserem Auto entfernt.

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Ein toller Moment. Der Kleine ist ganz schön mager und ich hoffe, dass er ein gutes Leben haben wird.

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Schließlich kommt Bewegung in das kleine Rudel,...

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...und es bricht am Fluss entlang in die Nacht auf. Und genau das tun wir nach erfüllten Stunden an ein- und derselben Stelle nun auch.

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Teil 930. Dez. 2021
17. September, vormittags: Samburu, Teil II

Nach vier Nächten im Camp gehören wir schon fast zum Inventar. Wie sehr, werden wir am Abend erfahren.

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Und täglich grüßt das ... Erdhörnchen. Allerdings nicht mehr lange, denn am nächsten Tag reißen wir unsere Zelte hier ab.

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An unserem letzten vollen Tag in dieser schönen Gegend fahren wir morgens noch einmal nach Samburu.

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Schon von Weitem sehen wir Elefanten von den Hügeln hinab zum Fluss ziehen. Weit und breit das einzige Auto, bringt uns Livingstone mit geübtem Blick in Position.

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Lange müssen wir nicht warten. Auf leisen Sohlen und dabei erstaunlich schnell zieht die Gruppe direkt an uns vorbei.

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Ein Mini-Eli, noch ganz rosa hinter den Ohren, hat keine Scheu und vor allem keine besondere Lust, in Reih und Glied zu marschieren.

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Immer wieder setzt er zum Überholen an. Meistens wird er zur Ordnung gerufen,...

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...aber nicht immer gelingt das.

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Der Tag ist noch jung, das Licht gnädig. Stille und Stimmung sind perfekt, als die Elefanten den Fluss durchqueren - wohl einer der schönsten Momente dieser Reise.

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Auch die Meerkatzen genießen das pralle Leben und veranstalten ein herrliches Affentheater.

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Auf die Vogelwelt ist am Fluss ohnehin Verlass.

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Der flauschige Pygmy Falcon...

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... ist für uns ebenso eine Neusichtung...

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...wie der Usambiro Barbet...,

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...den wir fast mit seinem nahen Verwandten verwechselt hätten.

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Wieder frühstücken wir am Steilufer mit Blick hinunter zu den Elefanten, die sich mittlerweile aus verschiedenen Himmelsrichtungen versammelt haben.

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In den hohen alten Bäumen, die Flussufer und Savanne voneinander trennen, bewacht ein junger Kampfadler eifersüchtig einen Frankolin, den er frisch erbeutet hat.

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Mein Blick fällt hinüber nach Buffalo Springs, und ich greife vorsorglich zum Fernglas. Doch ich täusche mich nicht: Hinter einer Umzäunung, die uns schon in den vergangenen Tagen aufgefallen ist, rennt ein Waterbuck hin und her. Aber wie nur ist er dort hineingelangt? Und wie kommt er bloß wieder heraus? Die Antwort bekommen wir am Nachmittag, und sie wird uns nicht gefallen.
Teil 1001. Jan. 2022
17. September, nachmittags: Das Problem-Kapitel

Unser letzter Nachmittagdrive in Buffalo Springs beginnt fatal. Wir rollen gemütlich am Fluss entlang und halten an, weil Waterbucks die Piste queren wollen. So weit, so normal. Doch dann nimmt das Drama seinen Lauf. Rennen die Tiere mit voller Wucht in den Drahtzaun links neben uns. Prallen ab, verheddern sich, rappeln sich wieder auf und rasen erneut blindlings hinein in den für sie unsichtbaren Feind.

Im neige nicht zur Hysterie. Doch nun bin ich hysterisch. Kann Schreie nicht unterdrücken, will den Zaun niederzureißen. Darf das natürlich nicht. Sitze ohnmächtig im Auto und muss mit ansehen, was kaum zu ertragen ist. Die Tiere gucken verständnislos, rennen immer wieder an. Sie werden sich die Beine brechen. Denke ich, und dass das nicht passiert - zumindest nicht jetzt - ist pures Glück. Auch Livingstone ist fassungslos, hat so etwas noch nie erlebt.

Einige wurschteln sich wie durch ein Wunder zwischen den Drähten hindurch. Natürlich wollen sie dorthin, das wertvolle Gras steht auf dem abgeschotteten Terrain viel höher. Am Morgen hatte ich vom anderen Ufer aus beobachtet, wie eine der Antilopen innerhalb der Umzäunung auf und ab lief. Und mich gewundert, wie das geht. Nun also die Erklärung. Sie ist schrecklich.

Den neuen Zaun, den auch Livingstone noch nicht kannte, hatten wir bereits am ersten Tag entdeckt. Unser Guide hat sich erkundigt und klärt uns nun auf: Ausgerechnet das Ashnil Camp - also unsere Unterkunft - baut hier nach mehreren Überflutungen unten am Fluss in exponierter Lage neu; ohne allerdings das alte Gelände aufzugeben. Die künftigen Gäste werden fraglos einen herausragenden Blick haben. Allen anderen wird die Aussicht verschandelt.

Million Dollar View, leider nun rechts mit Zaun. Und künftig dann auch mit Gebäuden, das erste ist schon in Arbeit.
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Der Zaun verkleinert zudem das ohnehin übersichtliche Reservat weiter und verstellt die gewohnten Lauf- und Fluchtwege der Antilopen. Ich möchte solch umzäunte Camps künftig meiden, wann immer es geht. Das nehme ich mir fest vor.

Wir reden viel an diesem Nachmittag, sind alle mitgenommen. Das friedliche Miteinander der Paviane beruhigt die Nerven.

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Einer der Affen klettert behände die turmhohen Palmen hinauf, lässt Früchte für den Rest der Familie regnen...

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...und macht es sich dann selbst in luftiger Höhe bequem.

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Ein breiter, quer liegender Baumstamm ist die perfekte Spielwiese für die wilden Teenager. Hier ist die Welt noch in Ordnung,...

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...und wir verbringen viel Zeit bei ihnen.

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Livingstone rumpelt am Fluss entlang, immer weiter, über Wege, die kaum noch zu erkennen sind. Hier war sehr lange kein Auto mehr.

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Landschaftlich ist es wieder eine schöne Tour. Doch die Tiere machen sich insgesamt eher rar.

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Zumindest die, die man erwarten würde. Denn in der Uferböschung entdecken wir keine Elefanten oder Zebras, sondern Kamele. Der dazugehörige Somali mag nur widerwillig glauben, dass wir einen Reiher fotografieren. Er will Geld. Ich Raum für wilde Tiere. Nur mühsam halte ich mein großes Mundwerk im Zaum.

Dann auch noch Ziegen kurz vor dem Camp. Sie müssten am Abend längst weg sein, bleiben aber bestimmt über Nacht. "This is too much", findet auch Livingstone.

Beweisbild, buchstäblich. Dies ist eindeutig kein Kamel, sondern ein Reiher in schlechtem Licht...
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Grob geschildert ist die Lage wohl so: Samburu und Buffalo Springs sind keine Nationalparks, sondern - ebenso wie die Masai Mara - Nationalreservate, die nach bestimmten Regeln von den Einheimischen genutzt werden können. So darf das Vieh zwar am Fluss getränkt werden, aber nur über bestimmte Korridore dorthin gelangen (s. Karte von Robin) und muss auch zeitnah wieder aus dem geschützten Gebiet heraus. Die Realität sieht leider anders aus. Wegen der Dürre, wegen Corona, wegen des eingeschränkten Tourismus.

Im September waren in Samburu und Buffalo Springs gerade einmal drei Camps in Betrieb. Der Rest pleite, von der Flut oder während der Corona-Zwangspause durch Vandalismus zerstört und oft mit ungewisser Zukunft. Weniger Touristen bedeuten allerdings weniger Abgaben an die Einheimischen, die monetär beteiligt sind. Das Interesse am Tourismus und Regeltreue schwinden daher in dem Maße, wie die Anzahl von Vieh im Reservat wächst. Was wiederum weniger Touristen bedeutet. Ein verhängnisvoller Teufelskreis.

Mittlerweile, so berichten uns Livingstone und Camp-Mitarbeiter, ist praktisch jede Ordnung außer Kraft gesetzt, weil sich auch kaum mehr jemand für die Belange der Wildtiere einsetzt. Die Vieherden der Ranger weiden ebenso innerhalb des Nationalreservats wie die der Politiker und Reichen, die sich sogar wertvolle Kamele leisten können. Die Lösung? Vor allem Regen. In Zeiten des Klimawandels leider ebenfalls zunehmend ein Problem.

All das geht uns durch den Kopf und diskutieren wir, als wir an unserem letzten Abend im Ashnil Samburu Camp beim Essen sitzen. Nur vage registrieren wir Gesangsproben in der benachbarten Küche. Und sind starr vor Schreck, als die Küchentür aufschwingt und die versammelte Belegschaft "Jambo Bwana" schmettert. Wir sind nicht gerade große Fans folkloristischer Einlagen und versuchen sie zu meiden. Anders als die Spanierinnen, die ganz aus dem Häuschen sind. Wahrscheinlich, so denke ich mir, wird aus einer der "Happy 50's" eine "Happy 60's".

Falsch gedacht. Denn die Polonaise zieht an allen anderen vorbei und hält direkt an unserem Tisch, den nun eine Torte ziert. "Thank you Bettina", steht dick in Sahne darauf. Hä???? Wir schauen uns verdattert an. Dann eine Rede: "Diese beiden haben keinen Hochzeitstag oder Geburtstag. Aber sie waren fünf Tage unsere Gäste und sind uns sehr ans Herz gewachsen. Wir sind stolz und dankbar. Bitte kehrt eines Tages zurück. Wir brauchen euch!" Mannomann. Ich bin zu Tränen gerührt. Thomas wischt sich die Augen. Das sehe ich genau.

Nun kommt auch noch der Manager, wir sehen ihn zum ersten Mal. Erfahren viel über die Sorgen, Probleme und Pläne, er fragt nach unseren Eindrücken und möglichen Verbesserungen. Ich überlege kurz. Schildere ihm die Szenen am Zaun, die Nöte der Tiere und auch unsere. Unseren Schock. Natürlich ist nicht unbedingt wahrscheinlich, dass es etwas ändert. Aber einen Versuch ist es wert.
Teil 1103. Jan. 2022
18./19. September: Zwischenstopp am Lake Naivasha

Am Morgen der Abreise in Buffalo Springs frohlockt der innere Schweinehund: Wir stehen eine Stunde später auf und frühstücken im Camp. So ein Lotterleben tut auch mal gut. Bleibt aber auf dieser Reise eine einmalige Angelegenheit. Nach fünf Nächten am selben Ort sind wir absolut bereit für Neues und freuen uns auf einen Tapetenwechsel.

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Auf den Ebenen vor dem Camp herrscht gähnende Leere. Die Ziegen vom Vorabend sind verschwunden, doch Zebras und Oryxe noch nicht zurückgekehrt. No time to say good bye. Livingstone fährt auf direkten Weg hinaus aus dem Nationalreservat, die Fahrt zum Lake Naivasha dauert über sechs Stunden.

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Die A2 führt vorbei am Lewa Wildlife Conservancy, einer ehemaligen Farm, die sich dem Schutz von Spitz- und Breitmaulnashörnen verschrieben hat. Sogar von der Straße aus erspähen wir mühelos mehrere Tiere durch den hohen Schutzzaun, der in diesem Fall auch sicher nötig ist. Es bleiben unsere einzigen Nashörner auf dieser Reise. 😎

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Wir sind kaum 150 Kilometer gefahren, da tröpfelt es beim Mount Kenya. Regen. Das Glück so nah und doch so fern. Was würden die Menschen in Samburu dafür geben!

Auch über dem Aberdare Nationalpark hängen die Wolken tief. Wir picknicken im üppigen Garten der traditionsreichen Thomson Falls Lodge. Gerade noch rechtzeitig, dann beginnt es zu schütten. Auf den Straßen steht das Wasser. Auch in der Mara habe es in der Nacht zuvor sintflutartige Regenfälle gegeben, berichtet Livingstone. Er hofft, dass das Wasser bis zum nächsten Tag etwas abgetrocknet ist. Mit der gefürchteten Black Cotton Soil hatten wir schon einige Jahre zuvor Bekanntschaft gemacht. Eine äußerst rutschige Angelegenheit.

Am Lake Naivasha geht es hektisch zu. Viele Menschen, viel Verkehr, viele Treibhäuser im Zentrum der kenianischen Blumenindustrie. Die Sopa Lodge mit ihrem gigantischen Garten direkt am See ist eine Oase der Ruhe; allerdings - wie wohl alle Lodges dieser Kette - ziemlich groß und stilistisch in die Jahre gekommen. Die nicht weit entfernte Elsamere Lodge, wo George und Joy Adamson einst lebten, wäre wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen. Wir hatten sie leider zu spät auf dem Zettel.

Immerhin, auf dem Gelände der Sopa Lodge tummelt sich Wild, fast zum Anfassen nah.

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Zebras, Waterbucks, manchmal Colobus Affen. Und Schreiseeadler überall. Was für ein Szenenwechsel nach den vergangenen Tagen voller Staub!

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Leider spielt das Wetter nicht mit. Fällt unser Spaziergang am See ins Wasser und entsprechend kurz aus. Wir lesen und entspannen in unserem riesigen Zimmer, während der Regen gegen die Scheiben prasselt.

Am Morgen dampft der See. Doch wenigstens kein Regen mehr.

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Wir brechen früh auf, mit Sack und Pack, die Mara wartet, und vorher noch eine Bootstour. Wir fahren zu einem Campingplatz, wechseln von einem wackeligen Steg in ein ebensolches Boot und schippern los. Eine Stunde dauert die Tour. Viel zu kurz, um die vielen Vögel in Ruhe zu beobachten.

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Ihre Anzahl und Vielfalt ist beeindruckend. Auch die im Wasser versunkenen Baumstümpfe,...

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...die Wälder aus filigranen Gelbrinden-Akazien, das satte Grün und die vielen Schreiseeadler gefallen uns gut. Wir locken sie mit Fisch an, nicht ganz so unser Ding, aber fester Teil des Programms, und die prachtvollen Vögel lassen sich nicht lange bitten.

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Aber alles in allem sind wir enttäuscht. Einst muss der Lake Naivasha ein Paradies gewesen sein.

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Doch die omnipräsenten Treibhäuser, das viele Plastik, halbverfallene Gebäude, im Wasser ihrem Schicksal überlassen, und Müll (zer)stören das Idyll. (Möglicherweise waren wir aber auch schlichtweg am falschen Ort, der See ist ja riesig.)

Fischer am See, im Hintergrund viele Vögel und leider auch viel Müll.
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Die Zeit ist ruckzuck um, und wir müssen weiter. Nächster Halt: Masai Mara. Wir sind riesig gespannt, was uns diesmal dort erwartet.

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Teil 1205. Jan. 2022
19. September: Zurück in der Masai Mara

Der letzte und längste Abschnitt der Reise beginnt - und lässt sich gut an. Je näher wir der Masai Mara kommen, desto sonniger wird es. Die Fahrt verläuft ohne Hindernisse, anders als 2018, als die große Verbindungsstraße mit Nairobi noch im Bau war. Diesmal rauschen wir auf perfektem Asphalt durch. Auch, weil Sonntag ist und vergleichsweise wenig Verkehr.

Nach rund vier Stunden passieren wir das Gate. Die hügelige Graslandschaft ist üppig grün, es hat schon ordentlich geregnet, und überall wachsen Blumen.

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Die Sonne strahlt vom makellos blauen Himmel. Das ist eine besondere Erwähnung wert, denn in der Mara ist Regen zu jeder Jahreszeit möglich. Beim letzten Mal hatten wir in dieser Hinsicht Pech, war der Himmel oft grau und der Beleuchter schlecht aufgelegt.

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Sonne an Tag eins und - Sonnenbrandgefahr! 😎
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Wir vespern unter einem einzelnen Akazienbaum und genießen es, wieder hier zu sein. Hoffen aber auch, dass sich die negativen Erfahrungen nicht oder wenigstens nicht so extrem wiederholen.

Als wir weiterfahren, machen sich die Tiere zunächst rar. Livingstone wechselt die Route.

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Und dann präsentiert sich die Mara von ihrer besten Seite. Giraffen, Zebras, Antilopen, große Herden überall. Begeistert schaukeln wir durch die Landschaft und schauen oben aus dem mittlerweile geöffneten Dach.

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Die Gnus hatten die Mara zwischendurch in Richtung Serengeti verlassen, sind aber in großer Zahl zurückgekehrt. Ihr friedliches Grunzen klingt wie Musik in meinen Ohren und so richtig nach Afrika.

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Wir lieben Tierkinder (wer nicht?), 2018 waren sie allerdings etwas zu kurz gekommen. Diesmal sind wir schon am ersten Nachmittag umringt von neuem Leben.

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Manchmal hängt sogar die Nabelschnur noch dran. Wie bei diesem winzigen Elefanten. "Oh my Goooood", sagt Livingstone, und kramt seine etwas eingestaubte Kamera hervor.

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Die Kleine klettert tapfer die Uferböschung hinauf, doch der letzte Erdwall hat ein Stockwerk zuviel.

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Kaum lugt sie über die glitschige Kante, rutscht sie schon wieder nach unten ab.

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Schließlich greift Mama beherzt ein, ein paar Schubser mit dem Rüssel, dann ist es vollbracht.

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Beim rutschigen Abstieg schirmen die anderen Elefanten den Zwerg so geschickt ab, dass nur noch die Rüsselspitze zu sehen ist. (Bildmitte unten) Das Sozialverhalten dieser Giganten beeindruckt mich immer wieder.

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Kaum sind alle Hürden genommen,...

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...marschiert der kleine Elefant an Mamas Seite mutig voran. Immer im Eilschritt, weil die anderen so viel längere Beine haben.

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Ein großer Schwarm Reiher erobert sein Terrain zurück und besetzt die Bäume am Fluss. Es ist herrlich friedlich. Noch ist uns kein einziges Auto begegnet.

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Eigentlich will Livingstone direkt zum Malaika Camp fahren. Doch wir entscheiden uns gemeinsam dagegen. Zu schön sind Stimmung und Licht, und so wird es ein ausgiebiger erster Gamedrive in der Mara.

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Erst mit Einbruch der Dämmerung kommen wir an. Das kleine Camp liegt idyllisch direkt am Mara River. In den 1990er-Jahren, so berichtet Livingstone, habe es ein Abkommen gegeben, diese Gegend unberührt zu lassen, in der viele Herden ihren Nachwuchs aufziehen. Mittlerweile existieren jedoch mehrere Unterkünfte in direkter Nachbarschaft.

Eland-Kindergarten in der Nähe des Malaika Camps
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Keine Zäune, immerhin 🙂 . Und auch sonst ist das Camp für Safariwütige wie uns wunderbar geeignet. Perfekte, zentrale Lage, schlichte, aber funktional eingerichtete Zelte, gute Hausmannskost, sehr nette Menschen. Das Mara Bush Camp, das wir 2018 gebucht hatten, spielt in mancherlei Hinsicht in einer höheren Liga. Allerdings auch preislich.

Einzig mit der Feuerstelle, oft geselliger Treffpunkt in den Camps, werden wir sprichwörtlich nicht warm. Die wenigen Sitze sind aus alten Autoreifen gezimmert (was gefallen kann, aber nicht muss) und abends zudem von der Belegschaft belegt.

Ansonsten fühlen wir uns pudelwohl inmitten der Zebras, die tagsüber über die Anlage streifen, und der schnaufenden Flusspferde, die es nachts vom Mara River zum saftigen Gras im Camp zieht. Schmatzend und malmend stehen sie dann neben unserem Zelt, während ich mich mit meiner allabendlichen Wärmflasche glücklich ins Bett kuschele, nur durch einen dünne Stoffwand von den Hippos und den Geräuschen der Savanne getrennt.
Teil 1323. Jan. 2022
Jambo ihr Lieben,

gerade zurück mit neuen Erfahrungen und Impressionen vom schönen Kenia...

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...geht es hier aber erstmal mit der Mara weiter. Videos sind nun echt nicht unsere Kernkompetenz, aber dieses gibt vielleicht dennoch einen Eindruck, was wir unter anderem im September erlebt haben. Leicht zu erraten sicher auch, welche kleinen Familie unser Herz ganz besonders erobert hat...

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Liebe Grüße und einen schönen Restsonntag,
Betti
Teil 1425. Jan. 2022
20. September: Katzenmorgen in der Mara

Als wir an unserem ersten Morgen im Malaika Camp noch im Dunkeln durch den Reißverschluss unseres Zeltes schlüpfen, werden wir schon erwartet. Der Masai, der in der Nacht mit seinem eindrucksvollen Speer Wache gehalten hat, begleitet uns zum Hauptzelt, dem morgendlichen Treffpunkt mitsamt der zu früher Stunde vor allem für Thomas existenziell wichtigen Kaffeestation.

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Dem nächtlichen Eindringling, der sich hier zu schaffen gemacht hat, konnte der freundliche Krieger aber offenbar nicht Einhalt gebieten. Jedenfalls hat eins der Hippos, die nachts den Mara River verlassen und sich hörbar das satte Grün im Camp einverleiben, den Teppichläufer als gemütliches Terrain für sein Verdauungsschläfchen erkoren und wie zum Beweis seine Hinterlassenschaften auf dem Boden verteilt. Erst kurz vor unserem Erscheinen hat der schwergewichtige Einbrecher den Tatort geräumt und liegt nun sicher wieder zufrieden, satt und ordentlich ausgeschlafen faulenzend im Fluss. Die Heißgetränke kommen daher an diesem Tag leicht verspätet, aber immer noch rechtzeitig genug, dass wir einen wunderbaren Sonnenaufgang direkt an der Zufahrt zum Camp erleben.

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Mal abgesehen von schmatzenden (und rülpsenden 😖) Flusspferden hatten sich beim nächtlichen Buschkonzert Hyänen hervorgetan, und einige Vertreter finden wir nicht allzu weit von unserer Herberge entfernt bei einem zweifelhaften Frühstück, das mir zunächst einmal jeden Appetit verdirbt. Der Kadaver ist schon im Gammelmodus und hinterlässt ein leicht flaues Gefühl in meinem noch leeren Magen.

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Auch ein Löwenrudel war nicht untätig und hat in der Nacht ein Zebra gerissen.

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Viel ist schon nicht mehr dran an den Knochen, das Rudel ist nicht gerade klein und alle Bäuche sind kugelrund.

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Manch einer will dennoch nicht von dem fast schon geplünderten Schatz lassen.

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Wir rollen weiter durch eine Landschaft, in der ich mich auch beim zweiten Besuch kaum zurechtfinde. Muss ich aber ja auch nicht, denn zum Glück kennt Livingstone jeden Stein und bleibt mit uns an allen Tagen fast ausschließlich in dem Gebiet, das für die mir so verhassten Minibusse unerreichbar ist.

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Livingstone nutzt kaum einmal den Funk, verlässt sich ausschließlich auf die Aussagen ihm vertrauter Guides und hat ohnehin den Ehrgeiz, die Tiere selbst zu finden. Zu sehen gibt es eigentlich immer was, und wir genießen es, durch die offene Landschaft zu cruisen. Nie wissend, was möglicherweise hinter dem nächsten Busch oder dem nächsten Baum auf uns wartet.

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Natürlich geben sich auch in der Mara Löwen und Leoparden nicht die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Doch sie ist fraglos ein Katzen-Eldorado - und wird diesem Ruf auch an unserem ersten vollen Tag wieder gerecht.

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Den Löwen vom frühen Morgen folgt eine Geparden-Familie. Eine Mutter mit drei Teenager-Kids.

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Die Youngster sind eine wilde Bande, toben herum und strotzen vor Energie.

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Zum ersten Mal auf dieser Reise kommen einige Autos zusammen, doch sie verteilen sich gut, behindern sich nicht gegenseitig und vor allem nicht die Tiere. Das haben wir leider schon anders erlebt und werden das auch wieder.

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Rund eine halbe Stunde verbringen wir mit der Familie, bis sie sich schließlich unter einen Baum legt.

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Überhaupt verziehen sich die Katzen nun in den Schatten. Es wird ein heißer Tag, das Wasser von den Regenfällen zwei Tage zuvor trocknet zusehends ab.

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Einige Mulden und Tümpel haben sich aber so weit und andauernd mit Wasser gefüllt, dass kleine Feuchtbiotope entstehen. Die ersten Siedler haben sich bereits eingefunden.

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Bei uns ist Frühstückszeit, und wir suchen uns einen schönen Baum, unter dem wir picknicken können. Allerdings nicht diesen,...

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...denn der ist schon besetzt von einem Bateleur, dem für mich schönsten aller Adler. Da wollen wir lieber nicht stören.

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Teil 1528. Jan. 2022
20. September: Aus Fünf mach Vier

In der Masai Mara leben die Popstars unter den wilden Tieren. Viele haben es zu Ruhm und Ehren gebracht, sind Protagonisten bekannter Dokus und haben dabei Namen erhalten, die ich mir in aller Regel nicht merken kann oder will. Die Gepardin Malaika bildet in dieser Hinsicht eine Ausnahme, ist sie nicht zuletzt die Namensgeberin unseres Camps und zudem eine VIP unter den Berühmtheiten. Daran komme sogar ich nicht vorbei.

Einen ähnlichen Sonderstatus wie die mittlerweile verstorbene Katze besitzen fünf ihrer Artgenossen, die jahrelang unter Sammelbegriffen wie "Fast Five" oder "Fünf Musketiere" firmierten. Formerly known as "Fab Five" ist aus dem Quintett vor einiger Zeit ein Quartett geworden, ein Tier hatte die Boy-Band verlassen und lebte bis vor kurzem als Solist abseits des ganz großen Rampenlichts. Mittlerweile ist es leider gestorben beziehungsweise offenbar von anderen Katzen getötet worden.

Der Gepard auf dem Foto ist einer der "Fab Four", nicht der Solist
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Warum die Erfolgsgruppe zerbrach, ist ungeklärt. Vielleicht war eine Frau im Spiel, ein Klassiker, man weiß es nicht. Ruhm und Reputation des nunmehr dezimierten Katzen-Clans, den wir 2018 noch in voller Mannstärke angetroffen haben, hat die Trennung allerdings keinen Abbruch getan. Und auch nicht der erfolgreichen Jagdstrategie nach dem Motto "Einer für alle und alle für einen". Wie anders wäre es zu erklären, dass die Brüder, die nur teilweise tatsächlich welche sind, an diesem Morgen gleich zwei Gnus zur Strecke gebracht haben.

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Erst tapern die Cheetahs zwischen den beiden Rissen hin und her, fressen mal hier, mal dort und haben alle Mühe, sich die Geier vom Hals zu halten, die fette Beute wittern und wie lästige Groupies gleich scharenweise einfliegen.

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Schließlich geben sie den ersten Kadaver auf, lassen den Dingen ihren Lauf. "Oh my Gooood", sagt Livingstone beim Anblick des ebenso chaotischen wie lautstarken Flügelwirrwarrs, das sich nun vor uns auftürmt.

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Die Vögel gehen sich rücksichtslos an, manchmal fliegen sogar Blutspritzer und nach dem Öffnen bestimmter Körperteile auch Dinge, über die ich so kurz nach dem beschaulichen Busch-Frühstück lieber nicht nachdenken möchte.

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Es ist fast schwierig zu entscheiden, was spannender ist: Die Katzen an dem einen Kill oder die überspannten Aasfresser am anderen.

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Die Entscheidung wird uns abgenommen. In beeindruckendem Tempo zerhäckseln die Geier die Überbleibsel und ziehen dann wenige Meter weiter zum nächsten Tatort.

Dort wiederholt sich das Spiel. Die Katzen, mittlerweile kugelrund, zieren sich erst, ihre Beute herauszurücken. Doch schließlich ziehen sie sich zurück - und die Geier schlagen gnadenlos zu.

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Längst ist es heißer Mittag, und die Geparde suchen Schatten. Der nächstbeste findet sich unter den Autos, die glücklicherweise nicht ansatzweise so zahlreich sind wie im August 2018, als wir mehr als 70 (!) Jeeps im Umfeld der tierischen Stars zählten. Doch kaum nähern sich die Cheetahs, springen die Motoren an, und sie kehren träge um.

Die Guides dürfen nicht zulassen, dass sich Tiere unter das Auto legen, erklärt uns Livingstone, und die Katzen tun mir leid, wie sie da so vollgefuttert und hechelnd in der gleißenden Sonne sitzen, den verlockenden Schatten direkt vor der blutverschmierten Nase. Aber es ist sicher besser so, und schließlich verzieht sich das Quartett ins Gebüsch. Augen zu, Ende der Show.

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Auch wir brauchen dringend eine Pause, wir verbringen sie wie fast immer im Camp.

Karte (vielen Dank an Robin!) von der Masai Mara, beim Kreuz das Malaika Camp.
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Wir sind spät dran, doch hier bekommt man sein Essen, wie es gerade passt, das ist extrem praktisch, auf Safari sowieso. Das Mittagessen gibt es in einem separaten, schlichten Zelt direkt am Fluss, hinter uns ziehen Zebras durch und vor uns baden die Hippos im Mara River. Eine friedliche, relaxte Stimmung.

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Um 16 Uhr geht es weiter, doch wir kommen nicht wirklich weit.

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Noch in Campnähe sehen wir eine Bewegung im Gras - Servale! Eine Mutter mit zwei Jungtieren, so eine Situation hatten wir noch nicht und wir freuen uns sehr darüber.

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Lange beobachten wir das kleine Familienidyll, bis sich die Mama zur Jagd verabschiedet und der Nachwuchs in einem Erdloch verschwindet.

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Mit Sonnenuntergang...

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...machen wir uns auf den kurzen Rückweg zum Camp, ganz erfüllt von diesem schönen Tag. Schon jetzt freuen wir uns auf den nächsten.

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Teil 1602. Feb. 2022
21. September: Die Wasserschlacht

In der Masai Mara leben die Löwen wie Gott in Frankreich. Auch in der Trockenzeit gibt es immer wieder Regen, somit genügend Gras und in der Folge auch viele Huftiere. Vor allem während der Migration leben die Großkatzen im Überfluss, und man sieht es ihnen an. Bringen sie doch deutlich mehr Pfunde auf die Waage als zum Beispiel ihre Artgenossen im kargen Samburu oder Tsavo. Die Bäuche prall, die Hüften rund - aber das muss ja nichts Schlechtes sein 😎 .

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Wer so im Luxus schwelgt, sprüht auch vor Energie, und an diesem Morgen werden wir nicht nur Zeuge überbordender Lebensfreude, sondern auch überrascht. Hatte ich doch bisher angenommen, dass Katzen nasse Füße meiden wie der Teufel das Weihwasser. Doch zum ersten (aber nicht letzten) Mal auf dieser Reise erleben wir das genaue Gegenteil.

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Livingstone orientiert sich an diesem Tag in Richtung Mara Bush Camp, wo am Vortag beim Talek-Fluss einige Löwen gesehen worden waren.

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Noch immer steht das Wasser von den starken Regenfällen einige Tage zuvor in den Senken der Piste, und an solch einer XXL-Lache ist nun Stopp. Nicht weil sie so tief, sondern weil sie der Hangout der Löwen ist.

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Soweit zu diesem Zeitpunkt ersichtlich, umfasst das Rudel zwei Löwinnen, einige Teenager unterschiedlichen Alters und einen mit buschiger Mähne versehenen Clanchef.

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Was uns dieses Ensemble so kurz nach Sonnenaufgang an Bandbreite seines Repertoires bietet, ist die mit beste Löwenaction, die wir in zwölf Jahren Safari erleben durften.

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Immer auf die Kleinen, lautet das Motto, wie so oft im Leben. Doch der Nachwuchs weiß sich zu wehren - und trainiert dabei schon fleißig für den Ernst des Lebens.

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Die temporäre Wasserstelle übt eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Katzen aus. Das haben wir nicht erwartet.

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Immer wieder rühren sie mit ihren Pfoten darin herum, beobachten mit gespitzten Ohren die Wasserkräusel und balgen sich.

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Als die anderen den beliebten Spielplatz endlich räumen, nutzt der Mähnenlöwe die Gunst der Stunde für einen ausgiebigen Drink an der Bar.

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Jenseits des Teilzeit-Tümpels geht die wilde Hatz weiter.

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So sehen wohl glückliche Löwen aus.

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Der Löwenmann bleibt auf Abstand, und das aus gutem Grund. Kaum nähert er sich der wilden Bande und will mitmischen, jagt ihn eine seiner Gattinnen kompromisslos davon. Viel hat er nicht zu melden...

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Sie ist offenbar die Mutter der jüngeren Tiere, doch er nicht der leibliche Vater. Die Teenies sind zwar eigentlich aus dem Alter heraus, wo vom Stiefvater Gefahr droht, doch man weiß ja nie. Sie geht lieber auf Nummer sicher und er trollt sich - wenn auch widerwillig.

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Nach über einer Stunde werden die Löwen träger. Kommen zur Ruhe. Anders als Livingstone. Der ruft etwas nach hinten und startet abrupt, ich bekomme es nicht mit und schieße quer durchs Auto, rette mich noch gerade auf den Sitz. "My Goodness", sagt Livingstone mit Blick in den Rückspiegel, sieht mich unversehrt, fährt rund 300 Meter und hält wieder an. Sein Handy klingelt, die Kollegen, mittlerweile zur Löwen-Sichtung dazugestoßen, sind verwirrt. Warum verlässt er diesen schönen Spot? Weil er einfach alles sieht. Unser Timing ist perfekt und jeden blauen Flecken wert.

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Teil II folgt.
Teil 1707. Feb. 2022
21. September, Teil II: Löwenkinder und Klunkerfrösche

Livingstone hatte uns schon erzählt, dass dieses Rudel noch jüngeren Nachwuchs hat als die Teenager, die gerade so schön im Wasser herumtollten. Die Chancen aber schlecht stehen, die kleinen Löwen, die erst ein paar Wochen alt sind, tatsächlich auch zu sehen. Meist bleiben sie im Busch verborgen.

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Nun hat uns die Natur unter die Arme gegriffen. Einige Büffel haben sich dem Versteck genähert und die Mutter mitsamt ihren Babys aufgescheucht. Livingstone hat die Situation aus der Ferne erfasst und prompt reagiert. Als die Kleinen aus den Sträuchern stolpern, hat er uns schon in Position gebracht.

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Die Löwenmutter peilt die Lage, blickt zur Verwandtschaft (der Löwenmähne ist der Vater des süßen Quartetts) in die eine und zu den Büffeln in die andere Richtung. Sie scheint noch etwas unentschlossen.

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Den Kleinen ist das wurscht. Sie verlassen sich ganz auf die Mama, gähnen einer nach dem anderen herzhaft und nehmen uns neugierig unter die Lupe.

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Dann stehen die Zeichen auf Aufbruch.

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Die Familie zieht direkt an uns vorbei...

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...und macht sich auf die Suche nach einem neuen Versteck.

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Schließlich beenden wir diesen intensiven Löwenmorgen und suchen uns einen Picknick-Baum. Es gibt fraglos viele wunderbare Momente auf Safari, aber diese zählen zu den besten: ein Busch-Frühstück inmitten der Natur nach einem erfüllten Morgen. Nie schmecken Pfannkuchen besser als mit Endorphinen als Beilage.

Danach fahren wir am Talek entlang. Eine Tour, die wir schon bei unserem ersten Besuch in der Mara sehr mochten. Kaum andere Autos, eine friedliche Stimmung und zu sehen gibt es auch immer was.

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Am Vormittag versammeln sich am Fluss die Zebras, deren Fluchtinstinkte oft stärker sind als die Gier nach Wasser.

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Die Gnus wählen beim Mini-Crossing eine andere Strategie als ihre gestreiften Nachbarn.

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Sie ergreifen instinktiv die Flucht nach vorn - und übertreiben dabei maßlos.

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Mit unverhältnismäßig großen Sprüngen setzen sie auf die andere Seite über, als müssten sie die reißenden Fluten des Mara River überwinden und nicht nur ein kümmerliches Rinnsal. "Wilderbeest", sagt Livingstone und schüttelt nachdrücklich den Kopf: "My Goodness."

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Die Mittagspause im Camp ist wie immer entspannt, doch das Wetter ändert sich. Der Himmel zieht sich zu, es riecht nach Gewitter.

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Am Nachmittag fahren wir nach Süden, über der Serengeti gießt es wie aus Kübeln, weit sind wir nicht mehr vom Nachbarland und dem Regen entfernt.

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Richtig viele Tiere sehen wir nicht, sie haben wohl Reißaus genommen, aber die Gewitterstimmung taucht die Landschaft in ein besonderes Licht.

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Augurbussard, eine Erstsichtung für uns, im letzten Fitzel Licht
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Nun ist es tintenschwarz. Und wir sind da. Hier, erklärt Livingstone, sei das Revier einer Leopardin. Aha. Noch immer haben wir keine "Spotted Cat" gefunden. Das bleibt auch diesmal so. Vielleicht nicht schlecht, denke ich insgeheim. Bei diesem Licht, das gar keins ist.

Immerhin, wir verbuchen einen außergewöhnlichen Fund: Mehr als ein Dutzend Marsh Owls sitzt mitten auf dem Weg statt im hohen Gras, wohl auch das Werk von Büffeln, die uns an diesem Tag in die Karten spielen. So viele am selben Fleck hat auch Livingstone noch nicht gesehen, und als wir langsam an ihren vorbeirollen, schauen wir erstaunt aus der Wäsche. Die Eulen genauso wie wir.

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Gerade noch schaffen wir es bis ins Camp, dann öffnet der Himmel seine Schleusen. In dieser Nacht sind es nicht die Hyänen, die mich in den Schlaf singen, sondern die "Klunkerfrösche". Von mir so genannt, weil sie klingen wie ein gigantisches Windspiel, bei dem Hunderte Stäbe aneinanderschlagen. Ein außergewöhnlicher Sound, und so laut, dass er den Regen übertönt, der aufs Zeltdach prasselt. Während Thomas noch die Fotos des Tages sichert, schlüpfe ich bibbernd unter die Bettdecke und kuschle mich an die Wärmflasche, die wie jeden Abend auf mich wartet. So lässt es sich aushalten am Ende eines langen, erfüllten Tages.
Teil 1813. Feb. 2022
22. September, Teil I: The Spotted Cat

Livingstone hatte am Abend trotz des regnerischen Wetters auf eine frühe Abfahrt am Morgen gedrängt. Noch früher als sonst also, denn der etwas weitere Weg führt uns wieder in die Gegend, wo wir tags zuvor schon gewesen und aus der wir - in den Augen unseres Guides - mehr oder minder unverrichteter Dinge wieder zurückgekehrt waren.

Es ist kühl und klamm, als uns der der mittlerweile schon vertraute Massai noch im Finsteren an unserem Zelt einsammelt. Noch immer ist der dunkle Himmel wolkenverhangen, doch die gefürchtete Black Cotton Soil bleibt uns (noch) erspart. Rund ums Malaika Camp ist es etwas rutschig, doch das legt sich schon nach wenigen Kilometern, weil der nächtliche Regen wie anscheinend häufig in der Mara sehr lokal geblieben war.

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Wieder geht es in Richtung tansanischer Grenze im Süden, wo wir unsere Suche nach der "Spotted Cat" an der Stelle fortsetzen, wo wir am Vortag aufgehört hatten. Dass wir weiterhin keinen Leoparden gesehen haben, wurmt Livingstone. Im der ersten Morgendämmerung nehme ich das Fernglas zu Hilfe und schaue mir die noch müden Augen aus dem Kopf, um ihn bei seiner Mission nach Kräften zu unterstützen, glaube aber nicht wirklich an einen Erfolg. Diese gleichförmigen Landschaft wirkt irgendwie leer auf mich. Was natürlich nicht stimmt.

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Innerlich habe ich die Sache schon abgehakt. Livingstone natürlich nicht. Hat er doch nicht nur mehr Ahnung als ich Hamburger Stadtpflanze, sondern auch ein Motto, das er wiederholt zitiert: "Niemals aufgeben." Schon gar nicht im Bush.

"Oh my Goooooood", sagt er schließlich fast schon beiläufig, aber mit extra langem "o". "I can see the leopard."

Was?! Wo?! Ich folge der Richtung seines Zeigefingers, mit Fernglas, ohne Fernglas - nichts. Ich realisiere die Katze erst, da stehen wir schon beim Baum, unter dem sie liegt. Es ist noch früh und weit und breit kein anderes Auto zu sehen. Wir genießen die Morgenstimmung und dieses seltene Privileg in der Mara.

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Livingstone schaut sich um. Die Leopardin hat einen Sohn, nicht mehr sehr jung, aber auch noch nicht selbstständig. Weit kann er nicht sein. Schon nach wenigen Minuten taucht das Jungtier hinter einem Hügel auf und gesellt sich zur Mutter. Da sind wir doppelt platt.

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Am Horizont tauchen Hyänen auf. Keine Gefahr für einen ausgewachsenen Leoparden, aber für das Junge. Die Leopardin faucht unwillig, aber da hilft nur der Rückzug.

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Wir fahren einen riesigen Bogen und die beiden Tiere laufen direkt auf uns zu. In zügigem Tempo und begleitet von zwei zeternden Kronenkiebitzen, die wohl ein Gelege in der Nähe haben. "O my God", sagt Livingstone. "This Plover will get an Heartattack."

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Schließlich tauchen die Leoparden in den Büschen eines Grabens ab, und wir sind glücklich über diese Sichtung, bei der wir lange und in Ruhe beobachten konnten.

Nur 200 Meter weiter kreuzt eine Cheetah unseren Weg.

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Sie scheint hungrig zu sein, ist aber längst aufgeflogen.

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Da ist nun nichts zu machen.

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Andere hatten mehr Glück.

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Hyänen haben einen Riss gemacht, wecken damit aber Begehrlichkeiten.

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Die Jäger haben allergrößte Mühe, ihre Beute gegen die ungebetenen Gäste zu verteidigen.

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Schließlich sind die Hyänen kugelrund und die Schlacht um die Reste beginnt.

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Appetitlich geht anders. Wir haben noch nicht gefrühstückt und dabei bleibt es auch erst einmal...

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Ich schlage vor, noch einmal zu den Leoparden zurückzukehren, doch Livingstone winkt ab. Die Katzen haben sich zurückgezogen, berichtet einer seiner Kollegen, der am Ort ist und längst nicht allein. Die Sichtung hat sich herumgesprochen. Eine ganze Reihe Autos hat sich eingefunden, und wir sind uns einig: Besser als am frühen Morgen wird es nicht. Der Tag ist noch jung - und schon gelungen. Der Rest ist Zugabe.

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Wie diese badenden Zebras...

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...und ein weiteres Kiebitz-Pärchen, das sogar einen Adler das Fürchten lehrt. Der Greif kann gar nicht so schnell starten, wie sich die tapferen Angreifer auf ihn stürzen und so ergreift er verzweifelt am Boden die Flucht.

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P.S: Die gezeigte Leopardin hatte Livingstone ganz besonders ins Herz geschlossen, sie war offenbar eine gute Mutter und hat einer Vielzahl von Nachkömmlingen nicht nur das Leben geschenkt, sondern auch gesichert. Sie sei in die Jahre gekommen, sagte er im September mit leisem Bedauern, und tatsächlich starb das schöne Tier rund zwei Monate später. Der Sohn war zu dem Zeitpunkt knapp ein Jahr alt (wenn ich mich richtig erinnere) und in der Lage, sich selbst zu ernähren, weil Leoparden offenbar nicht sehr wählerisch sind und sich auch eine ganze Weile von "Kleinkram" wie Mäusen, Eidechsen, sogar Grashüpfern etc. über Wasser halten können. Bei unserer Rückkehr nach Kenia im Januar haben wir nach ihm gefragt, und er war wohlauf. Livingstone hatte ihn noch kurz zuvor in der Mara gesehen.

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Teil 1916. Feb. 2022
22. September, Teil II: Mehr Spotted Cats - aber anders

Zum landschaftlich Spektakulärsten, was die Masai Mara zu bieten hat, zählt der Mara River. Wenn sein Ufer nicht gerade im Übermaß von Autos bevölkert ist, weil sich ein mögliches Crossing anbahnt, sind Setting und Stimmung entlang des Stroms grandios. Und wo Wasser ist, ist ohnehin Leben - wenn auch zuweilen ein ziemlich bequemes.

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Ziemlich beste Freunde
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Aber eben auch manchmal das Gegenteil davon, die Hochzeit der Crossings hat deutliche Spuren hinterlassen. Nicht alle Tieren kommen beim gewagten Versuch der Flussüberquerung ungeschoren davon, und an einer Kehre haben sich etliche verendete Gnus angestaut. Die gestopften Krokodile, in der Mara aufgrund des Nahrungs-Überangebots im XXL-Format, interessiert das nicht die Bohne.

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Anders als die nimmersatten Geier, die von Kadaver zu Kadaver fliegen und am liebsten alles für sich hätten.

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Sie kriegen auch im Überfluss den nackten Hals nicht voll und bekämpfen sich so heftig, dass sie nicht nur Federn lassen, sondern sogar Fetzen von Fleisch.

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So viele Geier auf einem Haufen haben wir noch nie gesehen. Was kein Wunder ist, denn sie leben im Schlaraffenland. Ein Großteil der Gnus hat sich vorerst in Richtung Serengeti verabschiedet, doch das Ende der Crossings ist noch nicht erreicht - und somit kein Engpass in Sicht.

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Eine Schlange begegnet uns (Grass Snake?)...

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...und schon fast zurück im Camp stoppen wir an einem einzelnen Baum, der uns seit Tagen fasziniert. Er ist für Mara-Verhältnisse außerordentlich groß und belaubt und damit ein Hotspot für Vögel aller Art.

Mit der Kamera sind sie zwischen all den Zweigen kaum zu erwischen, doch dann endlich: ein Amethystglanzstar, eine Erstsichtung für uns.

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Der schöne Vogel hat sichtlich Mühe, sein Mittagessen zu vertilgen, das wir nicht näher definieren können. Aber wir freuen uns sehr über diese Sichtung.

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Viel kann an diesem Tag eigentlich nicht mehr kommen. Denken wir. Doch falsch gedacht. Das Beste kommt zum Schluss. Zwei Autos stehen nah der Stelle, wo wir zwei Tage zuvor die Servale beobachtet hatten. Sie werden wohl umgezogen sein, meint Livingstone, und wir riskieren einen näheren Blick. Positionieren uns hinter einem der beiden Autos, denn nur aus einem bestimmten Winkel können wir in den hohlen Baumstamm vor uns hineinspähen. Darin, erläutern unsere Vorderleute, seien zwei kleine Servale.

Mein Adrenalinspiegel steigt, doch viel ist nicht zu sehen. Nur manchmal eine schattenhafte Bewegung im Baum. Das Paar vor uns ist seit Stunden hier und wartet darauf, dass sich die Kätzchen zeigen. Das sind ernüchternde Aussichten, denn das Licht ist an diesem Nachmittag dürftig und wird mit der Dämmerung nicht besser.

Vielleicht, wenn die Mutter von der Jagd heimkehrt? Ich wende mich an Livingstone. Doch der hat seine eigene Theorie. "I think this guy is too close", sagt er und zeigt das Auto vor uns, dessen Crew schließlich die Geduld verliert. Sie fahren. Und sind kaum weg, da stecken die Servale die Köpfchen aus dem Versteck.

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Jetzt zeigt sich: Es sind nicht die Katzen, die wir zwei Tage zuvor beobachtet haben. Diese sind noch viel kleiner - und einfach zum Klauen süß.

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Livingstone ruft den anderen Guide per Funk zurück, und der macht auf dem Absatz kehrt. Fährt allerdings nicht in die vermeintliche Lücke vor uns, die er hinterlassen hat. Nicht aus Rücksicht auf uns, sondern weil ihm wohl dämmert, was das Problem gewesen war.

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Er parkt nun seinerseits hinter uns, sehr zum Ärger seiner Gäste, die trotz langer Optiken mit ihrem Schicksal hadern. Was ich aber nur am Rande mitbekomme. Ich bin viel zu abgelenkt - und auch zu begeistert, um irgendein Haar in der Suppe zu finden an diesem abermals ereignisreichen Tag.

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Teil 2021. Feb. 2022
23. September, Teil I: Jagdfieber

Nach dem unentschlossenen Wetter am Vortag beginnt der Morgen vielversprechend. Der liebe Gott backt Plätzchen, hätte meine Ruhrpott-Oma zu diesem Spektakel am Firmament gesagt. Vielleicht muss er noch üben, denn sie verkokeln wohl gerade. Der Himmel brennt.

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Das Licht, die Farben, ich bin schlagartig putzmunter. Die Stimmung ist leicht, der Tag unverbraucht. Und immer die Frage, was er wohl bringen wird...

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Auch ein Topi läuft zur Höchstform auf und wirft sich in die Brust. Was für ein Angeber! Denke ich und denkt wohl auch die bewusste Dame, denn sie zeigt dem Verehrer die kalte Schulter, der wie ein Dressurpferd um sie herumtänzelt.

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Die kleinen Sevale in der Nachbarschaft sind in ihrem Baumstamm versteckt, aber nicht allein zu Haus. Noch ist die Mutter nicht ganz wach.

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Doch die Pflicht ruft. Beim Laufen sehen wir, dass sie einen verkürzten Schwanz hat. Ob das schon immer so war oder sie ein Stück verloren hat, kann Livingstone nicht sagen.

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Es raschelt überall im vielen Gras, das sich über die Weiten der Mara erstreckt. Die Ohren der Katze drehen sich unentwegt und reagieren auf das kleinste Geräusch. Dennoch bleibt die Jagd wohl ein mühsames Geschäft.

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Wir schauen gebannt und entdecken nur per Zufall einen weiteren Jäger auf der anderen Seite des Autos.

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Anders als der Serval klaubt der Ground hornbill einen Fang nach dem anderen aus dem hohen Gras.

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Dann setzt die Katze zum Sprung an. Taucht ab und dann wieder hoch - mit einer Ratte im Maul.

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Da wird nicht lang gefackelt. Ratzfatz ist das Nagetier verputzt.

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Schließlich verlassen wir die Servalmutter, die wohl den ganzen Tag weiterjagen wird. Für ihre Jungen braucht sie eine Menge Milch. Die letzten Wolken haben sich verzogen, es ist ein heißer Tag. Die Zebras zieht es früh ans Wasser.

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Ein Kollege funkt Livingstone an. Selten genug, dass er dem Beachtung schenkt. Diesmal schon. Ob wir einen Leoparden sehen wollen? "It's a bit of a drive." Na klar wollen wir das! Die 20 Minuten Fahrerei sind nicht der Rede wert, doch als wir eintreffen, sind schon eine Menge Autos da. Wir überlegen kurz, bleiben aber, quasi als letzte Amtshandlung vor der Mittagspause.

Mit etwas Mühe und fahrerischem Geschick ergattern wir einen Platz. Der Leopard liegt nicht weit von uns entfernt auf einer Anhöhe inmitten eines tiefen Grabens und starrt mal mehr, mal weniger interessiert in Richtung einer kleinen Gruppe von Gnus, die sich allerdings auf unserer Seite der Senke zusehends von ihm entfernt. Auf diese Distanz hat er keine Chance.

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Doch der Leopard ist gerissen und denkt voraus. Plötzlich machen die gewohnt wankelmütigen Gnus kehrt und galoppieren auf den Graben zu - nun schlägt seine Stunde. Der Leopard sprintet schnurstracks los und wirft sich ohne zu zögern und mit seinem ganzen Gewicht in die Kluft, direkt einer der Antilopen an die Kehle.

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Beide purzeln den Hang hinunter und verschwinden aus unserem Blickfeld. Als wir in einem weiten Bogen auf die andere Seite gelangen, ist die Messe schon gelesen.

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Wir schnell das alles ging! Ich bin ganz verdattert - und auch beeindruckt vom dem Leo: Was für ein Brocken, und dann dieser Blick...

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