CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201712. Aug. 2021 · #21
Es fängt an zu blühen Die erste Woche war recht warm, und ab Donnerstag blühte es wirklich überall. Rote, gelbe und orange Blumenfelder waren zu sehen, und gemischte Gebiete mit allen möglichen Arten. Seit 2014 die beste Wildblumensaison! Zum erste Mal überhaupt gibt es hier auch zahlreiche Wildlilien (Ornithogalum), für die unsere Gegend eigentlich nicht bekannt ist. Die dominanten Wildblumenarten (sorry, ich kenne nur die lateinischen Namen) sind aber von den Asteraceen, vor allem Senecio elegans, Senecio cardaminifolius, Pentzia grandilora, Ursinus, und Osterspermum. Weitere Arten werden aber folgen, so gibt es erste Arctotis zu sehen, von denen später ganze Felder Teile des Reserves Orange färben werden.
Nachtfahrt am Samstag 7. August Am Samstag machten wir dann eine Nachtfahrt (als Wissenschaftler darf man das in Goegap, als Tourist müsste man Maxie fragen, die wahrscheinlich nein sagen würde). Es war Neumond, noch relativ warm, sollte aber bald kälter werden, so dass es ein guter Tag dafür war. Da ich erwartete, dass es nachts dann doch kalt wird, und somit die Nahrung für Erdferkel und Erdwolf, beide recht häufig im Reservat und Termitenfressen, dann nicht mehr da ist, erwartetet ich, dass die nachtaktiven Tiere recht früh aufstehen würden. Also fuhren wir bereits um 19:00 los, als es bereits ganz dunkel war. Wir fuhren wieder auf die 4x4 Route, den Klippass hoch nach Ja-leegte, aber nicht den steilen Witsandpass, sondern die Ja-leegte Runde und zurück via Klippas, gut 2 Stunden. Wir sahen natürlich viele Bergzebras, aber auch Schakale, Kapphasen und die interessanten Felsenkaninchen mit ihren roten Hintern und dunklen Schwanzknuffel. Immer eine gute Gelegenheit, die Studenten zu testen, ob sie den Unterschied zwischen Kaninchen und Hasen kenne. Kannten sie aber nicht: Hasen sind Nestflüchter (Junge sehen aus wie kleine Erwachsene), Kaninchen Nesthocker (Junge sind rote Würmer). Auch einige Kappuhus gab es zu sehen, sowie auf der Straße Wüstenrennäuse (Gerbillusrus paeba). Bei Ja-leegte hielt ich an, machte das Auto aus, und wir stiegen aus. Hier in der Ebene, ohne Lichtverschmutzung, bestaunten wie die Milchstraße, das Southern Cross. Venus und Jupiter waren so hell, dass wir sie vom Auto aus als ferne Scheinwerfer missinterpretiert hatten. Der Sternenhimmel war einfach unglaublich. Nachdem wir den Klippas heruntergefahren waren, dann noch das Highlight: Ein Erdferkel, vielleicht 20 Meter vom Auto entfernt, sehr gut zu sehen in unseren Scheinwerfern. Aufgeregt rannte es weg. Normaler Weise sind sie immer schnell in einem Erdloch verschwunden, aber hier schien keines zu sein. Das Tier rannte dann sogar einen kleinen Hügel (Kopjie) hinauf, was ich bei einem Erdferkel noch nie gesehen haben. Für Lindelani und Emily war es das erste Erdferkel, das sie je gesehen haben. (Erdwolf haben wir offiziell keinen gesehen, wobei Tammy einen „Schakal“ gespottet hat, recht weit war und trotzdem schnell vom Auto wegrannte. Eigentlich typisches Erdwolfverhalten, während ein Schakal stehen bleibt, schaut und evtl. sogar näher kommt. Ich habe diesen „Schakal“ gar nicht gesehen, kann also nicht entscheiden, ob es nicht doch ein Erdwolf war).
Sonntag 8. August: Goegap Mountain Sonntagvormittag checkte ich den Hilux, aber aller schien ok zu sein. Nachmittage fuhr ich dann in die Goegap Mountains, diesmal ohne Studenten. Es ging wieder auf die 4x4 Route, dann aber nicht rechts zum Klippas sondern nach links, und nach einiger Zeit in die Berge hoch. Auch hier macht es Spaß, mit einem 4x4 zu fahren. Ich würde dann die Abbiegung rechts zur Blue Mine, eine der ersten Kupferminen Namaqualands, empfehlen, für richtiges 4x4 Feeling: Der Anstieg hat eine schwierige Stelle, die Straße ist dann sehr eng, und schließlich geht es auf einem glatten Felsen den Berg hinunter. Heute fuhr ich aber weiter gerade aus, auf eine Hochebene, von der aus man eine Aussicht auf das Städtchen Concordia hat. Weiter ging es bergab, mit schönen Aussichten, zum Wasserloch Slangwater und zurück zur Station. Es gab schöne Aussichten zu genießen, aber es blühte noch nicht viel, auch wenn man hier und da die ersten gelb blühenden Büsche sehen konnte. Es hatte so viel geregnet, dass oben im Flusslauf einige Tümpel waren. Darin gab es Kaulquappen, eine Seltenheit in dieser Halbwüste. Es waren Kaulquappen der hier vorkommenden Krötenart Bufo gariepensis. Am Wasserloch SLangwater, das sehr voll aber auch sehr trübe war, konnte ich aber keine der kleinen Grünfrösche Rana fuscilgula endecken; vielleicht war es zu kalt gewesen. Für die Tour brauchte ich kann 3 Studen. Wenn man die ganze 4x4 Route fährt (die ich auf 2 Sonntage aufgeteilt hatte), sollte man gut 6 Stunden einplanen. Da das Licht zum Fotografieren aber Nachmittags immer am besten ist, und ich ja eh da bin, fahre ich meist nur immer die Hälfte.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201712. Aug. 2021 · #22
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201712. Aug. 2021 · #23
Town Day: Am Mittwoch den 11. August zum Einkaufen nach Springbok Auch wenn ich geimpft bin, möchte ich das Risiko verringern. Mittwoch morgens ging ich nach Springbok, war um 8:00 beim Spar einkaufen, auch für den Trip in die Kalahari. Der Spar war noch leer, manche Regale aber leider auch. Frisches Brot war noch keines da (bekommt man ja aber an jeder Tankstelle), und auch keine Leberwurst. Aber sonst bekam ich eigentlich alles. Dann bin ich 8:45 doch zu AutoMac gefahren. Ich machte mir große Sorgen, wie sich herausstellte zu Recht: Der Chef war da, erzählte mir aber, er wäre vor 2 Wochen positiv auf Corona getestet worden. Dabei hatte ich ihn vor 10 Tagen getroffen, als er noch auf sein Ergebnis gewartet hatte. Er hatte also trotz begründeten Verdacht weiter gearbeitet, bis das Ergebnis letzten Montag kam (Freitag war er getestet worden), ging dann für 4 Tage in Quarantäne nach Hause, und war Samstag wieder in der Werkstatt, da er sich wieder besser fühlte. Zwar waren am Wochenende keine Angestellten da, aber natürlich ab Montag. Damit hat er seine Angestellten (die inzwischen alle negativ getestet waren), gefährdet. Man kann es ihm einfach nicht erklären, es kommen die Argumente „ich fühle mich doch schon besser, … ich muss doch Geld verdienen.“ Ich erkläre dann immer, warum man trotzdem zu Hause bleiben muss (um andere zu schützen) und dass das auch finanziell besser ist, als wenn viele krank ausfallen oder gar sterben. Aber das sollte doch allen klar sein? Aber hier in Südafrika gilt halt: Ich muss arbeiten, und Geld verdienen. Es sei denn, man arbeitet für den Staat und wird so oder so bezahlt. Viele Ämter und öffentliche Stellen arbeiten kaum noch. Die Leute sitzen zu Hause und haben gar keine Lust mehr, zur Arbeit zurück zu kommen. Eine Freundin von uns, die auf dem Amt in Kapstadt arbeitet, war in den letzten 1,5 Jahren fast nie im Büro und hat gar nicht gearbeitet. Auch beim Permit Office in Kimberley geht seit 2020 nichts mehr. Dafür sehe ich die Leute dann auf Facebook, wo ich mit dem Chef der Permit Section befreundet bin, am Strand, beim Cricket, oder beim Braai mit Freunden. Auch die Arbeiter von Goegap kann Maxie nur schwer zum Arbeiten motivieren. Der Chef von Automac sieht noch immer sehr schwach aus. Er meinte, am Samstag hätte er an einer Kanne geschnüffelt, um herauszufinden, ob es Diesel oder Benzin sei, er können aber nichts riechen. Er ist fast 70, sein jüngster Sohn, der noch im Ort lebt, um die 30. Auch der Sohn wurde positiv getestet und ist für 2 Wochen in Quarantäne. Früher darf er nicht zurück zur Arbeit (Mine in Kathu). Aber wenn man sein eigener Chef ist, dann hält einen halt niemand zurück. Schlimm getroffen hat es die Ehefrau. Ihr ging es letzte Woche sehr schlecht, dann Freitag besser. Samstag ist sie dann aber zusammengebrochen und ins schlecht ausgerüstete Krankenhaus von Springbok bekommen, wie sie Sauerstoff bekommt. Besuchen darf sie ihr Ehemann nicht, nur per Handy mit ihr reden. Ich hoffe wirklich, dass es ihr bald sehr viel besser geht, und dass im Umfeld nicht noch viel mehr Corona Fälle auftreten, auch wenn dieser Wunsch unwahrscheinlich ist. Dann bekam ich noch einen neuen Ersatzreifen (der alte, obwohl er neu war, hatte komischer Weise während Corona ein nicht reparierbares Loch an der Seite bekommen), und war beim Getränkemarkt. Dann um 12:00 zurück zur Station, bereits das Auto für die Kalahari packen, dann meine (nun leereren) Zimmer sauber machen. Und danach noch viel Energie in das Aufräumen unseres Abstellholzhauses investiert, ein altes Wendy Haus, das fast schon umfällt. Vieles weggeschmissen, das Wichtigste in ein besseres, schönes Wendy Haus transportiert und nur alte Käfige im kaputten gelassen.
P.S. Die Studenten haben auf meinen Rat und Warnung gehört: Anstatt ins Restaurant zu gehen haben sie sich auf einen Parkplatz gestellt und mehr als 2 Stunden lang im Auto am Computer gearbeitet: An der Station gibt es ja kein Internet und keinen Handyempfang.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201713. Aug. 2021 · #24
Noch mehr Corona Geschichten
Am Abend erzählte ich den Studenten von AutMac und was mir Maxie über die südafrikanischen Touristen erzählt hatte. Darauf meine Tammy, bei der Gästfarm ihrer Eltern wäre vor kurzem was ganz ähnliches passiert. Ein südafrikanischer Tourist hatte ein Cottage für 3 Tage gebucht. Am zweiten Tag meinte er, er sei übrigens Corona positiv getestet. Aber da er nichts spürt, trotzdem in Urlaub gegangen. Dass Leute, bei denen jeder Tage Verdienstausfall Hunger bedeutet, sich bei Symptomen nicht testen lassen wollen oder zur Arbeit gehen, wenn sie positiv sind, ist für die Pandemie schlimm. Aber dass sich selbst Leute der gehobenen Mittelschicht, die sich freie Tage mit Urlaub leisten können, sich derart gewissenlos und egoistisch verhalten, ist moralisch noch eine ganz andere Dimension. Für europäische Touristen, die jetzt nach Südafrika fahren, sind also vor allem auch südafrikanische Touristen eine Gefahr. Das hätte ich vor meinem Trip hier runter nicht für möglich gehalten, ja, daran hätte ich nie gedacht. Anderes Beispiel: Maxie erzählte von einem Tourunternehmer aus Kapstadt der anrief, ob er das Goegap Nature Reserve mit einem Bus mit 30 südafrikanischen Touristen besuchen kann. Maxie fragte, ob die geimpft sind, was er verneinte. Sie erzählte ihm von einem Reisebus an der Grenzte nach Namibia (Violsdrift), wo sich 25 Leute im Bus infizier haben, mehrere sind gestorben. Ob er es nicht moralisch falsch hielte, seinen Gästen dieses Risiko auszusetzen. Er meinte, das sei ihm inzwischen scheißegal, er müsse halt Geld verdienen. Auf die Idee, eine Tour nur für Geimpfte zu machen (von denen es in SA inzwischen genug Senioren gibt, welche die Namaquablüte sehen wollen), kam er gar nicht. Maxie hat ihm verboten, nach Goegap zu kommen!
Ja CarstenS, ziemlich sicher dieses Ereignis. Dieses zeigt auch, was das Testen selber und der Umgang mit den Ergebnissen vielerorts wert ist, wenn es niemand ernst nimmt und NICHT gewissenhaft durchführt wird (Satzleiche 18:40 korrigiert). Ist leider so, und bei uns auch nicht anders aber dort durch die härteren Lebensumstände eben mit noch schlimmeren Konsequenzen. Und jeder dieser „Coronatramps“, aus Nachlässigkeit oder materieller Not, zieht eine Spur von Ansteckungen durch das Land, die Reisenden noch dazu mit erheblicher „Fernwirkung“. Grüße, Werner Und sorry für das OT
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201713. Aug. 2021 · #28
Freitag 13. August in die Kahalahri Früh los ging es am Freitag! Bin bereits um 4:30 wach gewesen; da ich hier jeden Tag spätestens um 21:00 das Licht aus mache (und um 6:30 aufstehe), bin ich halt auch sehr ausgeschlafen. Kaffee kochen, die letzten Sachen in den Hilux, und um 5:00 los. Gegen 9:00 in Upington. Dort habe ich noch meine Starterbatterie testen lassen, da mein Dua-Battery-Controller ein mögliches Problem angezeigt hat. Laut Werkstatt ist aber alles in Ordnung. Also nach Tankstelle, frisches Brot und Feuerholz kaufen weiter zum Park, wo ich kurz vor 12:00 ankam. Als erstes Health Screening und Formulare dazu ausfüllen. Dann einchcken, was etwas dauert, da ich mehrere Reservierungen habe. Ich wusste erste Mitte Juli, dass ich fliegen darf, und habe dann wenn was frei geworden ist Camp nach Camp gebucht, in der Reihenfolge: Twee Rivieren, Mata Mata, Gharagab, Twee Rivieren, Mata Mata, Nossob, Bitterpan, Nossob. Für den ersten Tag hatte ich nur einen Campingplatz ohne Strom buchen können. Da ich früh da war, konnte ich mir den schönsten der stromlosen Plätze unter eine großen Akazie mit Abstand zu den anderen Plätzen aussuchen. Es war recht frisch und windig. Sandwiches machen, Castle trinken, Vögel, Erdhörnchen und Fuchsmangusten beobachten und fotografieren. Als ich abends zurück kam, war außer mir niemand bei den stromlosen Camps. Unten (mein Camp ist etwas erhöht) viel Licht und Lärm, hier relative Ruhe und Dunkel, so dass man die Sterne bewundern kann. Sollte in Zukunft immer dieses Camp nehmen! Um 15.00 in den Park. War sicher schon mehr als 10x hier, ist einfach der nächste große Park von Springbok aus. Früher, in den 2000er Jahren, war es mein Lieblingspark: Abgelegen, wenig Besucher, man war im Busch. Dann wurden mehr und mehr Camps aufgebaut, die Zufarhrtstrasse geteert, und nun ist der Park (im Vergleich zu früher) überlaufen. Deshalb war ich in den 2010er Jahren fast nie mehr hier. Jetzt wieder regelmäßig (August 2019, Januar 2020, heute), weil ich nicht mehr so viel Zeit für Urlaub in SA habe. Um 15.00 losgefahren, auf der Nossobroute bis zum ersten Picknickplatz. Die üblichen Verdächtigen gesehen: Gnus, Springbok, Gemsbok, Strauße, ein Steinböckchen, Sekretär, zahlreiche Singhabichte. Alle sehr fotogen nahe der Straße oder auf der Straße. Auch 5 Löwen gab es, aber weit weg unter einem Baum im dichten Gras. Wenn man schon so häufig Löwen direkt am Auto hatte ohne andere Touristen um sich herum, dann reiht man sich nicht bei den 6 anderen Autos am Straßenrand ein. Aber es gab dann doch zwei Höhepunkte: Erstens mehrere Striemengrasmäuse neben der Straße. Die habe ich ja 20 Jahre in Goegap erforscht und auch früher schon im Kgalagadi gesehen, wo sie ebenfalls sehr sozial schienen. Die letzten Jahre aber nicht mehr. Doch dieses Jahr hatte der Sommer den besten Regen seit Jahrzehnten, es war richtig bunt vor lauter Wildblumen. Mein Kollege Tim Clutton-Brock, der das Meerkat Projekt gegründet hat (anfangs im Park, dann wurden sie rausgeschmissen und nun seit über 20 Jahren in Van Zylsrus) hat bei unseren Zoom Meetings immer ein schon fast kitschig buntes Foto mit den Wildblumen der Kalahari als Hintergrund. Selbst konnte er aber wegen Corona zu der Zeit nicht ins Feld gehen. Und dank des Regens scheint sich auch die Striemengrasmauspopulation wieder erholt zu haben! Jetzt ist es aber wieder sehr trocken, auch wenn das hohe dichte braune Gras (im Prinzip Heu) noch vom nassen Sommer Zeugnis ablegt. In diesem sah ich, als zweiten Höhepunkt, eine Familie von 5 Löffelhunden nach Nahrung suchen. Mein Diplomvater Jürg Lamprecht hatte diese vor vielen Jahrzehnten in der Serengeti erforscht. Zurück im Camp machte ich die Routine, die ich jetzt jeden Abend machen werde: Als erstes das vorbereitete Lagerfeuer anmachen, Roof-Top Tent aufbauen, Duschen gegen, Grillen, Abwaschen, Gaskocher mit Kanne für den Morgenkaffe bereitstellen, dann Schreiben und Lesen. Spätestens um 21:00 Uhr geht es dann ins Zelt!
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201713. Aug. 2021 · #29
Handybilder vom 1. Tag
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201714. Aug. 2021 · #30
Samstag 14. August nach Mata-Mata: Karakal Kampf und 5 Geparden! (Die guten Bilder werden später auf der Facebookgruppe „Mammals of the World“ erscheinen) Bereits um 6:00 aufgewacht, also in aller Ruhe Kaffee gemacht und das Camp abgebaut. Als Mittel gegen das Fluchen und für die Ruhe erwiesen sich zwei dünne Arbeitshandschuhe, die ich im Auto vorne habe: So waren meine Finger beim Einpacken des Roof-Top-Tents nicht eiskalt, denn es hatte nur 4 Grad! (Im Zelt war es nachts aber angenehm gewesen). Bereits um 6:45 am Gate, wo man den Gate-Pass ab 7:00 abholen kann. Trotzdem war ich nur Dritter, was bedeutete, dass ich über 20km im Staub der anderen fahren musste! Ich hasse das! Ein in der Morgensonne herrlich daherspazierendes Sekreträrpaar gab mir Grund, anzuhalten, und mehr Distanz aufzubauen. Dann auf die untere Dünenstraße, um vom Nossob zum Aub Fluß rüberzukommen. Nur noch ein Auto war vor mir und anfangs nicht zu sehen. Dann sah ich es doch, fixierte es angespannt, wie es vor mir eine Düne hochfuhr. Doch da an der Düne sah ich auch was vor einem Busch in der Sonne hocken, was die Fahrerin vor mir übersehen hatte. In Sekundenbruchteilen rechnete mein Gehirn: Kein Schakal, zu groß für Kappfuchs, keine Ohren eines Löffelhundes, Karakal?, der Wunsch ist der Vater dieses Gedankens? Denn einen Karakal wollte ich unbedingt sehen, hatte ich in 21 Jahren südliches Afrika bisher doch nur eine bescheidene Sichtung (vor 14 Jahren in Kaudom). Zum Camcorder greifend halte ich an. Die Ohren, keine Frage, ein Karakal, doch erst als ich es auch auf dem Bildschirm des Camcorders sehe, glaube ich es. Das Tier ist etwa 20 Meter von er Straße entfernt, gut zu sehen, doch steht dann auf. Habe ich es schon verjagt? Der Karakal läuft wenige Meter weiter, versteckt sich neben einen Busch. Ein Schakal läuft vorbei, er riecht die Roikat, das kann man sehen, er sucht danach. Und trotzdem läuft er nur 2-3 Meter von ihr entfernt an ihr vorbei! Warum nur? Der Karakal ist nun nicht mehr so gut zu sehen, bleibt aber am Ort. Nur wenige Meter, und er würde hinter einer Düne verschwinden. Schließlich steht er auf, läuft schön durch die Sonne, kommt sogar näher. Näher kommt nun auch wieder der Schakal, und nun ist er nicht alleine, sondern hat Verstärkung mitgebracht. Die zwei Schakale umzingeln den Karakal, es kommt zum Kampf. Ein Geschrei und Gekreische. Der Karakal springt auf den Rücken eines des Schakals, beisst sich fest, dann rennt er über die Dünen davon, die Schakale hinterher! Eigentlich sollte – muß ich – das alles auf Video haben, denn ich hielt ständig drauf. Habe aber Angst, nachzuschauen, und zu sehen, dass ich in der Aufregung nur unscharfen Kalaharihuntergrund habe. Die Bilder meiner Nikon Coolpix P 1000 sind schon nicht so gut, wie erhofft. Ich fahre weiter, da kommt noch ein dritter Schakal die Straße langgelaufen, aufgeregt die Witterung aufnehmend. Ich hoffe mal, der Karakal ist noch davongekommen! Im Aub Flusslauf gab es erstmals nicht viel zu sehen, aber dann beim Batulama Wasserloch 5 Geparde mit einem Kill (ob Steinböckchen oder Springbok konnte ich nicht erkennen). Drei Subadulte saßen an der Seite, ein adultes Tier und ein weiteres, das ich nicht sicher erkennen konnte aber als subadult einschätzte. Als sich die drei Subadulten dem Kill näherte, gab es Stress und Streit. Warum die drei nicht, das vierte aber doch mitessen durfte, weiß ich nicht. Dann weiter beim Montrose Wasserloch ein Löwenweibchen im Flußbett, gefolgt von einem einzelnen, noch sehr kleinen Jungen. Der Rest des Wurfes hat es wohl nicht durch die ersten Wochen gemacht. Es war wirklich ein sehr kleines Junges, so das ich vermute, dass das Weibchen vom Rudel getrennt unterwegs war und dieses nun evtl. sucht. Ansonsten gab es später natürlich die für den Aub bekannten Giraffen zu sehen und viele Gnus, Gemsböcke und Springböcke. Und natürlich viele Greifvögel, in (fast) jedem Baum ein Singhabicht. Ein Raubadler war direkt neben der Straße und ließ sich gut fotografieren. Ein Gleitaar war auf fotogen auf einem Baum neben der Straße. Um 11:30 in Mata Mata angekommen, für eine lange Mittagsruhe. Aber eigentlich habe ich für heute schon genug gesehen!
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201716. Aug. 2021 · #31
Um 16:00 Uhr dann auf eine entspannte Nachmittagsfahrt. Habe insgesamt 5 Gruppen von Löffelhunden gesehen! Dies scheint das Jahr dieser Tierart zu sein, denn bei meinen vorherigen Besuchen waren die immer recht selten. Im August 2020 sahen wir hingegen viele Honigdachse, dieses Jahr bisher keinen einzigen, was auch am hohen Gras liegen kann: Der Honigdachs schaut immer nach unten, der Löffelhund über das Gras, um zu sehen was los ist. Der starke Regen im letzten Sommer hat wahrscheinlich erst der Insektenwelt und dadurch dann auch der Löffelhundpopulation gut getan. Und da es zur Zeit noch kühl ist, sind sie häufig tagsüber unterwegs, da es nachts keine Insekten gibt. In Goegap sehen wir selten Löffelhunde. Wenn doch, dann scheinen die aus dem Buschmannland einzuwandern, das wir die Kalahari Sommerregen hat, Sandboden, und Gräser. Dieser Jahr wurde nach langer Zeit mal wieder ein Löffelhund in Goegap gesichtet.
Cornamassnahmen und Situation im Park Bei Ankunft muss man ein Formular ausfüllen, dass man keinen Husten hat, nicht krank ist etc. Jeden Tag wird beim Einchecken (eigentlich) die Temperatur von einem gemessen und ins Permit geschrieben. Das ist auch wichtig, denn beim Ausfüllen des Formulars kann man ja bescheißen, zumal bei Gruppen, wenn nur einer alle anmeldet (und die Hustenden im Auto warten). Sowohl im Camp von Twee Rvieren als auch Mata Mata habe ich mehr Leute husten hören, als die ganzen letzten 1,5 Jahre zusammen. Einer meiner Nachbarn hatte einen derart penetranten, lauten, trockenen Husten, das es kaum auszuhalten war. 23x in 5 Minuten habe ich gezählt. Das war eine große Burenfamilie. Als die Mutter dazu kam, hat sie auch rumgehustet, aber nicht so laut. Überall stehen Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände bereit. Masken müssen überall getragen werden, wo man andere Leute trifft, und Abstand soll gehalten werden. Das klappt hier genauso schlecht wie in Springbok. Warum kann jemand, der tausende Rand für den Urlaub ausgibt, nicht 10 Rand für ne richtige Maske ausgeben? Statt dessen wird ein Schaal oder Stoffetzen vors Gesicht gezogen. Als ich im Shop von Mata Mata am zahlen war, drängelte sich ein Buro ohne Maske vor, um sein Zeug abzustellen. Die Kassiererin ermahnte ihn dann immerhin, so dass er ein Stofftuch vorzog und sich auf den Abstandspunkt, die es hier überall auf dem Boden gibt, stellte. Dabei tat er so, als hätte er dies das erste Mal in seinem Leben gesehen!
Sonntag 15. August nach Gharagab Wieder um 6:00 aufgewacht. Bereits um 6:30 war ich oben am Office, diesmal erster. Und so konnte ich das saubere Klo an der Tankstelle benutzen, wo sonst niemand war, und musste nicht den Ablution Block mit hustenden Buren teilen. Nach gut 10 Minuten Fahrt das erste Highlight des Tages: 3 Löwen laufen das Flussbett entlang, ein Männchen, ein Weibchen, und das dritte wohl ein junges Männchen. Dieser und das Weibchen hatten ein von Blut rotes Maul; hatten heute Nacht wohl Glück gehabt. Nach dem zweiten Loop (Veertlande Boorgat) dann das zweite Highlight: 3 Geparden, sehr schön in der Morgensonne. Hätten gerne einen der Springböcke gerissen, doch diese haben die Geparden bemerkt, also keine Chance. Über die lange Dune Road rüber ins Nossob Tal. Nach Nossob, dort für das Wilderness Camp Gharagab einecheckt. Vier Stunden später war ich da. Das war eine ganz schöne Fahrerei heute, von 7:00 bis 16:00, mit nur zwei kurzen Pausen: Frühstück bei Dikbaardskolk und Sandwich zum Mittag bei Lijersdraai. Das Wilderness Camp Gharagab ist über eine gute Piste zu erreichen, die aber nur 4x4 fahren dürfen. Es liegt oberhalb eines Wasserlochs, das man gut von seinem Chalet aus sehen kann. Es gibt nur 4 Units, also maximal 8 Gäste! Pro Unit schlafen zwei Personen. Es ist sehr schön, mit einem Deck und Braaiplatz zum Wasserloch hin. Die Chalets sind gut ausgestattet mit Solarstrom für Licht und einen Kühlschrank. Als ich vor 14 Jahren das erste Mal hier war, gab es noch Gaskühlschränke. Damals waren wir mit meinem damals zweijährigen Sohn hier, der im Waschbecken badete. Da später aber Kinder in den Wilderness Camps verboten wurden, war ich seitdem nicht mehr hier. Unser Sohn war damals ganz ruhig gewesen, was man von den betrunkenen, braaienden Nachbarn nicht sagen konnten, die bis Mitternacht gefeiert hatten. Ganz toll ist natürlich, dass es hier sehr viele Striemengrasmäuse gibt! Ich lockte ein paar mit Brotkrümeln an, es kamen sieben. Sechs von denen vertrugen sich sehr gut, schienen zur selben Gruppe zu gehören. Eine siebte wurde aber aggressiv vertrieben. Das stärkt meine Vermutung, dass die Art hier auch in territorialen Gruppen lebt. Nachmittags sah ich dann doch noch meinen ersten Honigdachs, wie er zum Wasserloch kam. Als es richtig dunkel wurde, fing eine Wildkatze am Wasserloch Insekten, die vom Schweinwerfer angelockten Insekten. Später wurde sie von 6 (!) Eulen abgelöst, die hier die Insekten einsammelten. Am morgen gegen 6:00 kam nochmals eine Wildkatze, danach stritten sich noch drei Schakale am Wasserloch. Heute war übrigens der erste wirklich warme Tag, und ich konnte in Shorts und kurzes Hemd wechseln. Soll aber nur 2-3 Tage so bleiben, dann wird es wieder kälter.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201716. Aug. 2021 · #32
Stichwort: Striemengrasmäuse Ich könnte auch bis zum Schluss warten, aber nachdem ich endlich jemand kompetenten fragen kann, welche Mäuschen ich da gesehen habe, kann ich es nicht mehr erwarten, also: Was habe ich in Killikrankie gesehen? Es gab eine „Kolonie“ mit unheimlicher Aktivität, rein, raus, links, rechts, ein hektisches Gewusel, (für mich) unmöglich ein gutes Foto zu machen. Folgendes Mäuschen hat beim Fressen etwas stillgehalten, aber ein Foto vom Rücken (ob mit Streifen) habe ich nicht. Wenige Meter weiter hat diese Kapkobra im Abfluss für das graue Wasser aus dem Waschbecken gehaust, für gute Ernährung war also gesorgt Deinen Bericht finde ich sehr informativ, danke dafür und Grüße, Werner
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201716. Aug. 2021 · #34
Ja Werner, das ist ein junges Striemengrasmausmännchen.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201717. Aug. 2021 · #35
Montag 16. August von Gharagab nach Twee Rivieren Wie immer um 7:00 Uhr los. Die Landschaft war schön. Nun war die 4x4 Rote auch etwas anspruchsvoller und ich brauchte eine Stunde für die 29km bis zur Hauptstraße. Außer schöner Landschaft gab es im Norden von Nossob nicht viel zu sehen. Immerhin ein paar Pferdeantilopen (red hartebeest; bin mir nicht sicher, wie die auf Deutsch heißen), waren gut im Licht zu fotografieren. Bei Kwang dann immerhin ein Löwenpärchen, und das direkt neben der Straße. Trotzdem lagen die so im Gras, das gute Fotos schwierig waren. 10:00 Uhr in Nossob, gleich weiter. Bei Marie se draai dann 5 Löwen, aber weit weg und im hohen Gras, so dass ich gar nicht angehalten haben. Immer weiter Richtung Twee Rivieren, ohne Höhepunkt. Natürlich überall Sträuße, Gemsböcke, Springböcke und Gnus. Am Leeuwdrill dann eine große Gnuherde direkt am Wasserloch und d.h. direkt am Auto, und auch vom Licht hat es hier zum Fotografieren gepasst. 14:00 nach langer Fahrt in Twee Rivieren. Nur ein kleiner hässlicher Platz ist noch frei, der wenigstens Schatten hat. Auf der abendlichen Fahrt von 1,5 Stunden gab es nicht viel zu sehen.
SISilvy298 Beiträge · seit 200717. Aug. 2021 · #36
Hallo Carsten, danke, dass du so ausführlich über das Namaqualand schreibst. Wir wären heute nach Kapstadt geflogen und dann weiter ins Namaqualand gefahren, wo wir nur einen 3-tägigen Aufenthalt gehabt hätten auf der Reise nach Namibia. Nun haben wir alles aufs nächste Jahr verschoben, hoffentlich mit Wildblumenblüte.
Herzliche Grüße Silvy
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201717. Aug. 2021 · #37
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201717. Aug. 2021 · #38
Dienstag 17. August zurück nach Mata-Mata Morgens um 6:30 schon am Gate, aber wieder nur Zweiter. Na ja, 7:00 Uhr dann lost, auf direktem Weg nach Mata-Mata. Eine Erdmännchengruppe sonnte sich direkt am Straßenrand. Ein Paar Sekretäre lief aufgeregt mit den Flügeln schlagend vor mir auf der Straße, unentschlossen, ob sie abheben sollen oder nicht. Ein Kampfadler saß herrlich im Baum. So war es eine angenehme Fahrt von weniger als 4 Stunden. Vor 11:00 traf ich im Camp ein, froh, nach den beiden Tagen mit so langen Fahrten endlich mal einen ganzen Mittag und Nachmittag zum Schreiben und Lesen zu haben! Wobei es vielleicht ein Fehler ist, Internetzugang und Computer im Urlaub dabei zu haben: In Goegap sind die Toiletten verstopft, was nicht einfach zu reparieren ist. Da alle drei betroffen sind, muß die Verstopfung viel weiter unten im Hauptrohr liegen, schwer zu erreichen. Für meine Doktorandin in Straßburg muß ich die Registrierung bestätigen. Und das Journal of Mammalogy will unser Paper über die Sozialsysteme der Elefantenspitzmäuse nur akzeptieren, wenn wir vergleichende Studie rausnehmen, die für uns aber sehr wichtig ist. Na ja, genaugenommen alles Kleinigkeiten! So also den lange Nachmittag in Ruhe im Camp verbracht. Um 16:15 dann nochmals losgefahren, für eine ruhige Tour. Nichts Spektakuläres gesehen. Aber viele Fotos von Sekretären gemacht, erst ein Pärchen neben der Straße, dann auf dem Heimweg vermutlich dasselbe Pärchen auf ihrem Horst in der Abendsonne. Die Abendsonne machte auch den Schakal am Wasserloch besonders fotogen, und da ist sicher was Gutes dabei.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201720. Aug. 2021 · #39
Mittwoch 18. August: Nach Nossob Nachdem ich zwei Tage wenig aufregendes gesehen hatte, erwartete ich heute irgendwie mehr. Ich war als erstes aus dem Tor von Mata-Mata draußen, aber auf der Route zeigte sich nichts. Auch die drei Loops waren ohne Höhepunkt. Also die 55km über die Dune Road, wo ich schon herrliche Sichtungen von Löwen und Leoparden gehabt hatte. Aber nicht heute! Dann links runter zum Wasserloch Kameelsleep, wo die letzten beiden Jahre immer braune Hyänen waren. Aber heute nur Gemsböcke! Also umdrehen, spätes Frühstück am Picknickplatz, weiter die 60km nach Nossob. Schließlich kurz vor Nossob beim Loop Marie se dreei: Drei Löwen im Gras, weit entfernt, aber sehr gut zu erkennen. Gut genug, dass es als ein Höhepunkt aufgenommen werden kann, aber nicht gut genug, um die Kamera zu zücken. Dann kurz danach ein wirklicher Höhepubkt: Ein juveniler Gleitaar (black shouldered kite) sitz auf einem Baum neben der Straße und verspeist eine Striemengrasmaus. Er sitzt herrlich im Licht, so dass mir hervorragende Aufnahmen gelingen. So etwas habe ich noch nie gesehen, bzw. nur auf den Fotos anderer, die ich für meine Vorträge benutze. Nun habe ich selber welche, und zwar zahlreiche. Um 11:30 im Camp. Nur noch ein Platz mit Schatten frei, aber dafür der große Platz in der Mitte unter der riesigen Akazie. Eigentlich bin ich immer lieber etwas am Rande für mich alleine, als so einsehbar für alle in der Mitte. Hat aber auch Vorteile: Um 13:00 kommt ein Nachbar und sagt mir, nur 1km vom Camp entfernt wäre eine Leopard neben der Straße im Gras gesehen worden. Nun hab ich es nicht so mit im Gras versteckten Leoparden und zehn Autos darum, packe aber trotzdem ein und nehme das Buch mit. Kann ja da lesen oder bin in 5 Minuten wieder im Camp, falls es schrecklich sein sollte. Es ist echt nur 1km und es stehen nur zwei Autos da. Vergeblich versuche ich den Leoparden im Gras zu finden, als man mach darauf aufmerksam macht, dass er nicht versteckt im Gras hockt, sondern auf dem breiten Ast einer Akzie liegt. Da sieht man ihn herrlich, ein großes Tier. Von nichts verdeckt, aber der Kopf leider im Schatten und uns abgewendet. Nach 10 Minuten steht er aber auf, schaut zu uns, reckt sich, und klettert langsam die Akazie herunter. Mein an einem Fensterstativ befestigter Camcorder filmt alles, während ich mit der Coolpix Bilder mache. Diese 30 minütige Exkursion aus dem Camp raus hat sich wirklich vollkommen rentiert! Im Camp gehe ich meine Bilder und Videos durch und lese. Um 16.00 Uhr dann los gen Norden, in der Hoffnung, bei Cubitje Quap Gaukler (Bataleurs) filmen zu können. Und einer ist tatsächlich da und lässt sich in aller Ruhe filmen und fotografieren, wie er Wasser trinkt. Weiter bis Bedinkt und zurück. Es gibt wieder viele Löffelhunde zu sehen und zu fotografieren. Pause am Wasserloch Kwa, ich hole mein Buch zum lesen raus. Es stehen noch zwei Autos da und man macht mich darauf aufmerksam, dass in der Ebene hinter einem Baum zwei Löwen schlafen. Die mach erst mal nicht, stehen aber nach 10 Minuten auf und paaren sich, gut filmbar in der offenen Ebene. Löwen kopulieren ja 50-100 mal am Tag, und so warte ich. 20 Minuten später paaren sie sich wieder, diesmal habe ich die Coolpix zum Fotografieren zur Hand. Dann zurück ins Camp. Der Tag hatte langweilig gestartet, dann aber doch ganz und gar meine Erwartungen erfüllt, dass mal wieder etwas Besonderes zu sehen sein sollte.
CarstenSThemenstarter388 Beiträge · seit 201720. Aug. 2021 · #40
Donnerstag 19. August: Nach Bitterpan Morgens als erster raus aus dem Gate Richtung Süden. Der Leopard war nicht auf seinen Baum und der sonst so belohnende Loop Marie se draai hat heute Morgen auch nichts zu bieten. Als weiter, immer weiter, aber nichts. Langsam frage ich mich, ob es wirklich Sinn macht, immer so früh loszufahren. Dann um 8:00 rein zum Wasserloch Celeka. Dort ist aller voller Löwen! Zwei große Weibchen mit zwi unterschiedlich großen Würfen: 4 ganz kleine und 4 schon etwas größere Löwenjunge. Die spielen miteinander, mit der Mutter, saufen, oder posen einfach für die Fotos. Herrliche Momente. Weiter bis Kameelsleep. Aber auch heute will sich mein Lieblingstier der Kalaari, die Braune Hyäne nicht zeigen. Auf dem Rückweg nach Nossob rennt dann noch die Löwenbande bei Celeka über die Straße. Um 10:45 breche ich dann von Nossob auf der 4x4 Route zum Wildernesscamp Bitterpan auf. Für die 45km brauche ich 1,5 Stunden. Die Piste geht schön durch die Sanddünen und ist nicht schwierig zu fahren. Bitterpan ist sehr schön, eine einfache Holzlodge mit 4 Units an einer Salzpfanne. Vom Zimmer aus gibt es eine Verndah mit Sicht auf die Pan, darunter ein privater Braaiplatz. Leider knallt die Sonne voll auf die Veranda, so dass man dort nicht sitzen und arbeiten kann. Jede Unit hat ein eigenes Badezimmer, dass aber nicht direkt ans Schlafzimmer anschließt. Man muss dafür aus dem Zimmer auf den Gang raus. Es gibt eine Küche für alle. Bitterpan ist also weniger privat und dafür mehr sozial als Gharagab. Man kommt hier automatisch mit anderen ins Gespräch, hat weniger seine Ruhe. Na ja, der Nachmittag war dann ganz lustig. Habe mich mit meinen beiden Nachbarn unterhalten, beide Ende 50, englisch sprechende reiche Südafrikaner aus Kapstadt, die schon mehrmals da waren und einen der teuren neuen Land Rover Defender fahren. Die beiden hatten gesunde Ansichten bezüglich der Wildnis und der Politik Südafrikas: Ramaphosa räumt langsam aber kontinuierlich auf und kann keine großen Würde machen, so lange so viele im ANC korrupt sind und Macht haben. Man muss diese Leute langsam entfernen um im ANC eine Mehrheit der echten Demokraten zu bekommen. Ansonsten machten natürliche viele Geschichten aus der Wildnis die Runde. Ich erzählte, wie mir einmal in der Central Kalahari ein Löwe von außen den Kopf abgeschleckt hatte, vom Schweiß angelockt (die Zeltplane war noch dazwischen), und wie ich die Löwen dann dank lauter und unmißverständlicher schwäbischer Schimpftiraden verjagt hatte. Sie erzählten, wie sie mal im Krüger auf einer Wandersafari in mitten einer Büffelerde Kaffee gekocht haben. Und noch so manch andere Geschichten. Später kamen noch zwei junge befreundete Ehepaare aus München, ein deutsches und ein südafrikanisches. Während wird Wildläufer gegen 21:00 ins Bett gingen, feierten diese fast bist Mitternacht. Als ich am nächsten Morgen um 6:00 aufstand, standen überall leere Bier-, Wein- und andere Flaschen herum. Die Küche war ein Schlachtfeld mit dreckigem Geschirr, Essensresten etc. Zum Glück mache ich mein Frühstück immer an einem Picknickplatz, denn hier war es nun zu ekelhaft.