Wir radeln im März 2017 zu zweit durch den bergigen Norden Thailands, nahe der Grenze zu Laos und Myanmar, und fahren dabei den Mae-Hong-Son-Loop von Chiang Mai über Pai, Mae Hong Son und Mae Sariang bis nach Hot wieder nach Chiang Mai.
Je weiter wir uns von Pai entfernen, desto weniger Touristen begegnen uns noch, und Unterkünfte werden rar: meist einfache Gästehäuser oder Hütten am Straßenrand. Bei einer Gastgeberin in den Bergen werden wir spontan in eine Geburtstagsfeier hineingezogen, helfen beim Kochen und Spülen und bleiben eine weitere Nacht – einer der schönsten Momente der Reise. Unterwegs begleiten uns buddhistische Geisterhäuser vor fast jedem Haus, kuriose Verkehrsschilder und sengende Hitze um die 40 Grad.
In Chiang Mai besuchen wir einen Kochkurs, dessen Original-Rezepte sich als kleiner Workshop durch den ganzen Bericht ziehen: von Mango Sticky Rice über verschiedene Currys bis zu Satay-Spießen mit Erdnusssauce.
Reisezeitraum
März 2017 (laut Autor mit möglichen Ausläufern in Februar/April)
Länder
Thailand
Gruppe
2 Personen
Reiseart
selbst organisierte Fahrradreise ohne Guide
Fahrzeug
eigene Fahrräder
Unterkunftsart
einfache Gästehäuser und Hütten unterwegs
Route
Chiang Mai – Mae Rim – Mae Taeng – Mok Fa Waterfall – Pai – Mae Hong Son – Mae Sariang – Hot – Chiang Mai (Mae-Hong-Son-Loop)
Fahrstrecke
keine Gesamtkilometer im Bericht
Flug/Anreise
Flug nach Chiang Mai, wegen der Fahrräder von Hamburg über London und Hongkong nach Chiang Mai
Besonderheit
Kochkurs in Chiang Mai, Bericht kombiniert mit sechs Original-Kochrezepten (u.a. Mango Sticky Rice, Masaman-, Rotes und Penang-Curry, Satay-Spieße, Black Sticky Rice Pudding)
Gebiete
Nordthailand · Mae Hong Son Loop
Orte
Chiang Mai · Pai · Mae Hong Son · Mae Sariang · Hot (Thailand) · Mae Taeng · Mok Fa Wasserfall
Reiseart
Fahrradreise · Radreise zu zweit · Kochkurs Chiang Mai
Bedingungen
Extreme Hitze bis 40 Grad · Steile Bergpässe · Geringe Unterkunftsdichte · Abnehmender Tourismus nach Pai · Sprachbarriere ohne Englischkenntnisse · Kaum Campingmöglichkeiten unterwegs
Teil 116. Apr. 2021
Hallo zusammen,
ich hatte im Reisebericht durch Surinam ja einen weiteren Bericht über Thailands Norden angekündigt. Zum Mitmachen gibt es dann auch Kochrezepte, nachdem wir in Chiang Mai einen Kochkurs besucht haben und diverse Rezepte ausprobiert und mitgebracht haben. Das ist übrigens ziemlich empfehlenswert, fanden wir beide. Die Reise fand vor vier Jahren statt und ich war unterwegs mit Melli (Melanie), mit der ich acht Jahre zuvor schon mal durch Tanzania geradelt war.
Ich werde euch dann die Originalrezepte liefern und bei der Menge der Chilis müsst ihr evtl. Anpassungen vornehmen. Das habe ich auch getan und mehr davon genommen. Bei der Hälfte der Gerichte haben die Kochlehrer anschließend beim Verkosten gemeint, dass es ihnen zu scharf sei. 😉 Ich fands lecker … Die meisten werden aber lieber etwas weniger Chili nehmen oder zumindest nicht mehr als im Rezept steht. Idealerweise hat man zum Kochen einen Wok mit Gasbrenner, aber man kann das auch in der Pfanne und/oder im Topf machen.
Der Start des Berichts verzögert sich jedoch etwas, da ich seit einigen Tagen keine Fotos mehr einfügen kann. Das Problem habe ich schon lokalisiert, aber eine Lösung habe ich noch nicht. Sobald ich es gelöst habe, geht es los.
Gruß Wolfgang
Teil 217. Apr. 2021
Hallo zusammen,
Möglicherweise habe ich mein Problem mit den Fotos gelöst. Ich versuche es einfach mal.
ich entführe euch heute wieder auf einen anderen Kontinent und in ein Land, welches als Reiseland nicht unbekannt ist. Wir bewegen uns diesmal durch Thailand, aber nicht durch den touristischen Süden, sondern durch den bergigen Norden in der Grenzregion zu Laos und Myanmar.
Der folgende Reisebericht ist quasi auch ein Workshop, denn diesmal gibt es Passagen zum Mitmachen. Es sind Kochrezepte enthalten, die ich aus Thailand mitgebracht und teilweise vor Ort gelernt und ausprobiert habe.
Die Reise fand größtenteils im März 2017 statt. Sie kann jedoch Spuren von Februar und April enthalten …
Nachdem meine Tour durch Südafrika und Eswatini/Swaziland ja bereits unglaubliche sechs Wochen zurücklag, begann ich Ende Februar erneut, meinem Passbild ähnlich zu sehen. Das hieß, es wurde Zeit, wieder in Urlaub zu fahren und diesmal ging es nach Thailand, in Worten "THAILAND" - in Bildern auch …
Thailand ist im Grunde ganz genauso wie Afrika, nur halt vollkommen anders. "Same same, but different", wie man in Thailand so zu sagen pflegt.
Unterwegs war ich diesmal wieder mit Melli (Melanie), mit der ich 2009 bereits schon mal durch Tanzania geradelt war. Es war damals ihre erste Radtour und ihre erste Reise außerhalb Europas. Bei ihrer zweiten Radtour außerhalb Europas wollte sie gerne auf einen anderen Kontinent. Ich schlug ihr den Norden Thailands vor mit der Option, auch nach Laos zu reisen. Völlig ahnungslos flogen wir nach Chiang Mai in den Norden Thailands, ließen uns vor Ort davon überraschen, ob im Land Rechts- oder Linksverkehr herrschen würde. Sie kam seinerzeit in Tanzania gut mit Linksverkehr zurecht und ich kann ohnehin problemlos wechseln und habe auch in Deutschland jeweils ein Auto mit Rechts- und Linkslenkung. Umgekehrt komme ich auch prima im Linksverkehr zurecht. Vollkommen egal, auf welcher Seite man fährt. Es müssen sich halt nur alle einig sein. Wir streiften ein wenig durch die Stadt.
Gleich an den ersten beiden Tagen wurde klar, dass Thailand ein friedliches Land (sofern man sich an die Regeln hält) mit freundlichen Menschen ist. Freundlich waren auch die Moskitos, die uns gleich am ersten Abend freudig begrüßten. Während Melli ein bisschen Zeit benötigte, um richtig "anzukommen", zog ich los und erkundete Chiang Mai etwas genauer. Ein Schild in Richtung Night Bazaar machte mich neugierig und am Abend zogen wir los, um den Nachtmarkt zu besuchen.
Es gab zahlreiche Stände mit interessanten Gerichten und wir machten u.a. unsere erste Erfahrung mit leckerem Sticky Rice mit Mango und Kokosmilch. Wie sich später bei einem Kochkurs rausstellen sollte, ist Black Sticky Rice Pudding eigentlich aber noch leckerererer. Da ich das auch mal gekocht habe, gibt es das Rezept später auch noch.
Hier mal gleich das erste Rezept für ein Essen, das sich für alle Gelegenheiten eignet. Man kann es zum Frühstück oder am Abend essen, mittags als Hauptgericht oder als Nachtisch und natürlich jederzeit mal zwischendurch. Da es süß ist, schmeckt es auch Kindern und man kann es auch unkompliziert auf Reisen in einem einzelnen Topf zubereiten. Melli und ich haben es auch auf einer späteren Tour unterwegs im Topf auf dem Gaskocher zubereitet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Thai-Gerichten ist es auch in keinster Weise scharf. Es funktioniert auch super einfach. Und einfach und lecker ist immer etwas für meines Vaters Sohn.
Mango Sticky Rice (kao neow mamuang)
Man benötigt Sticky Rice aus dem Asia-Laden oder Klebreis. Normaler Reis ist ungeeignet. Das wird nichts.
Der Reis (1 Tasse) wird über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht und am nächsten Tag gegart. Auf eine Tasse Reis kommen dabei auch eine halbe Tasse Kokosnussmilch, ein halber Teelöffel Salz und vier Esslöffel Zucker. Den Zucker kann man allerdings auch komplett weglassen. Es wird durch die Kokosmilch immer noch süß. Das muss jeder für sich selbst ausprobieren, wie es am besten schmeckt.
Mit vier Esslöffeln Kokosmilch, etwas Salz und etwas Zucker kann man noch eine gesonderte Soße/Topping machen.
Dazu gibt es eine große reife Mango, die geschält und in Schnitze geteilt wird. Reis und Mangoschnitze auf den Teller und Soße drüber. Obendrauf passt noch ein Teelöffel Mungobohnen oder geröstete Sesamsamen, wenn man mag. Das Gericht lässt sich auch prima kalt essen und passt gut zu warmen Wetter.
1 Tasse Reis und eine Mango reichen etwa für zwei Personen oder einen Picco. 😉 Und für BikeAfrica reichts auch. Zumindest mal für zwischendurch …
Gruß Wolfgang
Teil 318. Apr. 2021
Am nächsten Morgen ging es dann los und wir beschließen, zunächst den Mae Hong Son Loop, einen Rundkurs von etwa 650 Kilometern nordwestlich von Chiang Mai unter die Pedale zu nehmen. Mangels Stadtplan lasse ich mir die Strecke aus der Stadt in Richtung Mae Rim beschreiben und wenn man den Weg findet, kann man nicht mehr viel falsch machen. Mit der Entscheidung für diese Strecke hat man den größten Fehler dann nämlich bereits längst hinter sich. Die Strecke wird spätestens ab dem zweiten Tag extrem bergig. Mit etwas mehr Glück oder weniger Orientierungssinn hätten wir den Weg vielleicht besser nicht gefunden. 😉
Nachdem wir auf der Hauptstraße Mae Rim passiert haben, geht es kurz vor Mae Taeng links ab. Es folgt eine erste kleine Steigung, aber dann geht es weitgehend eben über eine weniger befahrene Straße. Spätestens alle halbe Stunde überholen uns Touristen mit geliehenen Mopeds. Dafür, dass der Norden Thailands nicht so touristisch sein soll, fällt mir gerade kein Land ein, das ich in den letzten 20 Jahren bereist habe und in dem ich mehr Touristen traf als hier. Trotzdem alles noch im Rahmen und recht verschlafen. So wirken z.B. Tankstellen häufig noch wie aus einer anderen Zeit ...
Malen nach Zahlen, Tanken nach Farben, die Welt wird aber auch wirklich immer komischer ...
Gegen Nachmittag halten wir Ausschau nach einer Unterkunft, aber irgendwie ist das Angebot äußerst überschaubar. Wir finden keine. Da alle anderen Touristen motorisiert unterwegs sind und einen anderen Aktionsradius haben als wir, werden in dieser Region Unterkünfte wohl nicht so zahlreich benötigt. Gegen 16 Uhr erreichen wir einen Wegweiser zum 2 km entfernten Mok Fa Waterfall. Melli ist langsam am Ende. Zu allem Überfluss hat sie sich noch ein Sixpack von 1,5-Liter-Flaschen Wasser auf den Gepäckträger geschnallt, obwohl ich meinte, das sei unnötig. Nun ja ... jeder ist seines eigenen Glückes Metzger.
Auf dem Schild (es gibt zuvor noch eines mit erkennbaren Symbolen) sind die Symbole für Camping, Restaurant und Übernachtungsmöglichkeit verzeichnet und wir biegen ab. Der Weg wird steiler. Zeitweise hebt beim Fahren mein Vorderrad ab. Das habe ich auf Asphaltstraßen noch nie erlebt und kenne es nur von Trampelpfaden aus dem Wald. Schließlich müssen wir ein kleines Stückchen schieben. Für mich bleibt es das letzte Stück schieben auf der Tour, aber Melli wird noch viele Kilometer zu Fuß zurücklegen müssen. Irgendwo in der Pampa steht etwas sinnbefreit ein einsamer Stuhl herum.
Obwohl ziemlich fertig und platt wie eine Flunder, kaspert Melli schon gleich wieder rum.
Auf der Strecke überholen uns einige Autos und motorisierte Zweiräder, von denen uns die meisten kurz später wieder entgegen kommen. Das kann ja im Grunde schon nicht viel Gutes bedeuten und so ist es dann auch. Wir kommen zum Mok Fa Waterfall und hier fließt ein etwa 1,5 Meter breiter Bach gemächlich durch die Gegend. Den dazugehörigen "Wasserfall" sehen wir erst gar nicht und ich gehe davon aus, dass der ein oder andere Gartenteich mit Überlauf bei Regen einen größeren "Wasserfall" hervorbringt. Etwa ein halbes Dutzend Thais in Militärklamotten sind auf dem Gelände anwesend, aber Englischkenntnisse sind fast nicht vorhanden. Es gibt eine feste Unterkunft, die aber sehr teuer ist (1.200 Baht) und die Möglichkeit, ein Zelt zu mieten. Hier kommt dann zum Übernachtungspreis noch die Miete für Zelt, Isomatte und Schlafsäcke (bestimmt gerade frisch gewaschen 😉 ) hinzu und so ist das auch nicht mehr so günstig wie es zunächst klingt. Da wir nur 30 kg Freigepäck hatten und jeweils 20 davon für die verpackten Fahrräder und die Packtaschen draufgingen, reichte es für Campingkram natürlich nicht mehr. Das war auch nicht schlimm, denn letztlich fanden wir außer dieser Campingmöglichkeit auf der gesamten weiteren Reise nur noch einen Campingplatz. Und was das Essen angeht, steht hier eine ältere Frau in einem kleinen Holzverschlag und hat genau einen Topf vor sich stehen, in dem sich möglicherweise etwas zum Essen befindet. Was das sein könnte, bringen wir aufgrund fehlender Englischkenntnisse nicht in Erfahrung. Wir fahren weiter ...
Als es später mit zunehmender Dämmerung überraschenderweise immer dunkler wird, passieren wir zufällig ein kleines einsames Lokal am Straßenrand, vor dem folgendes Schild steht. Melli hat es vor lauter Anstrengung und Erschöpfung schon gar nicht mehr wahrgenommen.
An der Stelle muss ich aber mal eine herausragende Eigenschaft von ihr erwähnen. In Situationen, in denen andere Leute oft zu meckern und nörgeln anfangen, bekommt sie manchmal einen Lachkrampf. So schnell ist sie nicht am Ende und so wurde bereits auf einer Testtour vor Tanzania der Name "Kampfsau" geboren (damals ist sie auf gerader Strecke mit einem Lachkrampf beinahe in eine Hecke gebröselt).
Glücklicherweise gibt es auch zwei Hütten zum Übernachten. Weil wir so erschöpft aussehen und keine Gäste dort sind, bekommen wir die teurere Hütte (1.900 Baht) zum Preis der billigeren (900 Baht ~ 25 Euro). Dennoch bleibt diese Unterkunft die teuerste auf der Reise. Allerdings relativiert sich das wieder, da hier das Frühstück mit im Preis enthalten ist und wirklich keine Wünsche übrig lässt.
Die Inhaberin Matsaya kocht uns zum Abendessen noch etwas. Melli wählt Gemüse mit Reis und ich ein Green Curry. Fotos und Rezept dazu kommen im nächsten Teil.
Gruß Wolfgang
Teil 421. Apr. 2021
Wir haben beschlossen, noch eine weitere Nacht zu bleiben und nach dem Frühstück gehe ich duschen.
Derweil fragt Matsaya Melli, ob wir für den Tag schon etwas vorhaben. So kommt es, dass wir schließlich bei der Geburtstagsfeier helfen. Das beschert uns einen Einblick in den Alltag und so etwas gefällt uns beiden.
Melli schnippselt Bananenblätter, um darauf später in Form gedrückten Reis zu servieren.
Ich schneide derweil Fisch und Gemüse klein, damit Matsaya mit dem Kochen hinterher kommt.
Das "Geburtstagskind" in der Bildmitte bietet uns gastfreundlich Essen und Wein an.
Die thailändische Antwort auf Indiana Jones, Bob Dylan und Che Guevara greift zur Gitarre und spielt gekonnt einige bekannte Lieder. Bei seinen Versuchen, sich mit mir zu unterhalten, kann ich ihn kaum verstehen (ihm geht es vermutlich ähnlich), aber wenn er singt, ist sein Englisch super. Das riesige Bild im Hintergrund hat Matsayas Freund gemalt. Bei diesem Foto ist das Gesicht ausnahmsweise nicht unkenntlich gemacht, weil ich es persönlich so toll finde und das Foto auch mit Einverständnis erfolgte (die anderen Fotos natürlich auch).
Als sich die Geburtstagsgesellschaft auflöst, setzen sich Matsaya,
ihr Freund (Name vergessen)
und der gemeinsame Bekannte (Name auch vergessen) mit uns zusammen und trinken den restlichen Rotwein und Sangria. Es ist noch ordentlich was übrig.
Auch eine der Katzen bekommt einen Kronkorken voll Rotwein. Wir haben schon am Vorabend erfahren, dass sie gerne etwas Bier oder Rotwein trinkt. 😉
Die Stimmung wird immer fröhlicher. (Name auch vergessen) greift zur Gitarre und spielt einige Lieder. Er ist Musiker und schenkt uns beiden am nächsten Morgen noch jeweils eine seiner CDs.
Zum Mitsingen gibt es natürlich Texte. 😉
Die Stimmung wird übrigens noch fröhlicher ...
... und da sich das weiter steigert, werden die späteren Fotos zensiert. Hier könnten jetzt also noch weitere Fotos stehen. Tun sie aber nicht. 😉
Am nächsten Morgen helfen wir noch, die Unmengen an Geschirr, Gläsern und Töpfen zu spülen und aufzuräumen. Die heiße Schlacht am kalten Buffet hat eben ihre Spuren hinterlassen. Matsaya kocht derweil schon wieder und als wir mit dem Aufräumen fertig sind, gibt es ein gemeinsames thailändisches Frühstück. Auch das ist scharf. Melli bekommt eine mildere Variante. Leider habe ich an der Stelle vergessen, nach einem Rezept zu fragen, aber eine Sache ist noch erwähnenswert. Matsayas Freund und ich sitzen mit freiem Oberkörper beim Frühstück, weil es schon wieder affenheiß ist. Ich habe schon wieder fleißig geschwitzt, bevor das scharfe Essen überhaupt auf den Tisch kommt. Zum Nachwürzen steht noch ein großes Glas Chiliflocken auf dem Tisch, welches Matsaya und ihr Freund aber nicht anrühren. Ich habe noch einen halben Löffel davon übers Essen gegeben. Der gemeinsame Bekannte hat ein langärmliges und offenbar warmes Sweatshirt an und haut sich noch löffelweise (3-4 Esslöffel) Chiliflocken übers Essen und schwitzt kein bisschen. Manche Leute würden da aus den Ohren qualmen und pfeifend wie bei einem Teekessel die Schädeldecke abheben.
Das übrig gebliebene Essen vom Vortag wurde von den Geburtstagsgästen teilweise mitgenommen oder -falls haltbar- in den Kühlschrank verfrachtet. Auch die übrigen Reste, obgleich z.T. scharf wie Sau, sind nicht für die Katz. Das bekommen die Hunde zum Frühstück und machen sich begeistert darüber her. Sie essen von Kindesbeinen an die oft scharf gewürzten Essensreste und sind es gewöhnt.
Gegen Mittag fahren wir los. Obwohl wir kaum mehr als einen Tag zusammen verbracht haben, fällt uns allen der Abschied schwer. Mit Matsaya und ihrem Freund machen wir aber für das Ende der Reise noch ein Treffen in Chiang Mai aus und das klappt später auch.
Man kann solche Momente nicht einplanen. Das passiert einfach spontan und dann muss man im richtigen Moment spontan reagieren können (und auch wollen).
Matsayas Unterkunft liegt am Beginn einer langen und steilen Steigung und Steigungen werden für uns die nächsten Tage der Regelfall werden. Die Lkw auf der Strecke haben heftig zu kämpfen. Der Motor eines der Fahrzeuge klingt wie ein Schiffsdiesel und ich weiß, wie die klingen und wie laut die sind. Wir haben einen mit mehreren Tausend PS als Notstromaggregat. Dieser Lkw-Motor klingt, als haut es ihn jeden Moment in Fetzen.
Gruß Wolfgang
Teil 522. Apr. 2021
... da wir erst am Mittag starten, können wir die Strecke nach Pai nicht an einem Tag schaffen und übernachten in einem winzigen Dorf, in dem es glücklicherweise eine Unterkunft gibt. Gegenüber befindet sich ein kleines Lokal, in dem wir Reis mit Gemüse und Spiegelei essen und zusammen mit jeweils einer Cola insgesamt nicht mal zwei Euro bezahlen. Am nächsten Tag geht es weiter nach Pai, was eine touristische kleine Stadt ist. Hier und in der Umgebung gibt es bedeutende Tempel, eine Schlucht, heiße Quellen und die Möglichkeit, auf Elefanten zu reiten. Das machen wir natürlich nicht, weil wir die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden, nicht unterstützen wollen.
Der Weg dorthin ist zeitweise sehr bergig und Melli muss einige Passagen schieben. Ihr erster Gang entspricht meinem zweiten. Wenn sie an die Grenzen stößt, kann ich nochmal schalten. Das erspart mir die vielen Kilometer Fußweg, die sie im Laufe der Bergetappen zurücklegen muss.
An den obersten Stellen der Passstraßen und an besonders unfallträchtigen Stellen stehen oft Geisterhäuser. Sie stehen ebenfalls vor fast jedem Haus und werden meist schon errichtet, bevor mit dem Bau eines Hauses begonnen wird. Nach dortigem Glauben wohnen praktisch überall Geister (gute und böse). Damit böse Geister nicht in ein neu gebautes Haus einziehen, bietet man ihnen vorher eine Behausung in Form eines Geisterhauses an. Diese variieren in der Größe zwischen 30 cm und mehreren Metern, sind reich geschmückt oder schlicht, aus Holz, Beton oder Wellblech. Im Laufe der Tour entstehen zahlreiche Fotos.
Die Geister werden mit Essen, Getränken und Räucherstäbchen versorgt. Gelegentlich betet auch mal jemand davor.
Unterwegs am Straßenrand sehen wir einen Stand mit Haushaltswaren und schauen uns kurz um.
Ich kaufe einen traditionellen Kegelhut, dem ich einige hundert Kilometer seine Heimat Thailand zeige. Später wird er aus Chiang Mai per Post nach Hause geschickt und ich bin gespannt, in welchem Zustand er daheim ankommen wird. Nun ... er wird gar nicht ankommen. Schade, denn in diesem Paket waren noch ein paar andere Dinge ... Das Foto aus dem ersten Teil des Berichts ("Lost in Chiang Mai") ist erst später und mit diesem Hut entstanden. Ich habe später noch einen weiteren Hut dieser Art erstanden und im Flugzeug mitgenommen, aber der verschollene war der in meinen Augen schönere.
Unterwegs sehen wir einige erstaunliche Verkehrsschilder und ich beginne, neben den Geisterhäusern auch noch Schilder zu fotografieren. Sachen gibts, die gibts gar nicht. Echte Schildbürger, die Thailänder ...
Vorsicht vor tieffliegenden Hexen ...
Bitte übergeben Sie sich nur an den dafür vorgesehenen Plätzen ...
Wenns brennt, dann rennt ... Achtung Waldbrandgefahr.
Das Kochen von Eiern ist hier verboten ...
... und "Temperater of the water" stammt wohl vom Master of Desaster.
Die Befestigung des Schildes ist originell ...
Gruß Wolfgang
Teil 626. Apr. 2021
... hinter Pai nimmt die Zahl der Touristen deutlich ab. Die meisten kehren wohl wieder um in Richtung Chiang Mai. Die Strecke bleibt bergig und es ist wieder affenheiß. In einem kleinen Laden am Straßenrand kaufen wir 'ne Cola und ein Bier sowie ein paar Kekse und ich überlege, wer da wohl die ganze Zeit mein T-Shirt so ekelhaft vollgeschwitzt hat, ohne dass ich es bemerkt habe. Die etwas ältere Besitzerin des Ladens spricht kein Wort Englisch und schenkt uns noch sechs Bananen, die wir direkt vor Ort vertilgen.
Melli muss wieder lange Passagen schieben und hat sozusagen einen Wandertag, weil ihr Fahrrad eine schlechtere Übersetzung hat als meines. Schieben ist bei diesen Straßenverhältnissen und Temperaturen um 40 Grad aber auch wirklich keine Schande.
Die Landschaft bietet aufgrund der hügeligen Topografie immer wieder nette Ansichten und am späten Nachmittag erreichen wir ein größeres Dorf, in dem wir übernachten.
Den Namen des Ortes habe ich vergessen, aber zum Glück das Ortsschild fotografiert. So wissen jetzt alle, wo wir waren.
Wir suchen uns ein kleines Lokal und begegnen einem der häufigen Knoblauchtransporte in dieser Gegend, die von einem lieblichen Geruch umgeben werden.
Wir kehren ein, studieren aufmerksam die Speisekarte ...
... und bestellen irgendwas. Kurz später essen wir dann irgendwas. Manchmal weiß man hinterher nicht so genau, was man da eigentlich gegessen hat und manchmal stellt man sich auch die schlaue Frage, ob man es überhaupt so genau wissen möchte. In diesem Fall kann die Bedienung Englisch, aber das ist halt nicht immer so. Dann muss man halt irgendwas bestellen, was in Thai-Schrift schön aussieht und man deshalb vermutet, dass es lecker schmecken könnte. An Garküchen kann man auch normalerweise in die Töpfe schauen. In Lokalen, in denen jedes Gericht auf Bestellung einzeln frisch zubereitet wird, ist das natürlich witzlos. Da würde man ja in einen leeren Wok schauen. In diesem Fall wissen wir aber tatsächlich, was wir da bestellen und essen.
Dann gehen wir wenige Hundert Meter zurück zur Unterkunft, sind -kaum dort- schon wieder hungrig, kehren zurück und essen nochmal was. Die haben in Thailand aber oft auch nur Seniorenteller mit Kinderportionen oder Vorspeisen.
Da der Teil des Berichts mit Essen endet, gibt es hier das Rezept für Masaman Curry mit Huhn (masaman gai) und die zugehörige Chilipaste (namprik gaeng masaman) Das Gericht stammt angeblich zur Hälfte aus Indien und aus Thailand. Es ist nicht so scharf wie grünes oder rotes Curry.
Zuerst mal die Herstellung der benötigten Paste nach dem Rezept der Kochschule. Im Internet finden sich natürlich zahlreiche verschiedene.
Zutaten:
1/4 Teelöffel schwarze Pfefferkörner 1/4 Teelöffel Kreuzkümmelsamen 1/2 Teelöffel Koriandersamen 1/4 Teelöffel Nelken 1/2 Teelöffel Zimt 1/4 Teelöffel Kardamom 1/2 Teelöffel Salz 3-5 große rote getrocknete Thai-Chilis, jeweils halbiert, Samen entfernt und 10 Minuten in Wasser eingeweicht 1/2 Teelöffel Ginza (Galgant) oder Ingwer (jeweils Haut entfernt) klein gehackt 1/2 Esslöffel Zitronengras, klein geschnitten 1/2 Esslöffel Knoblauch, klein gehackt 1/2 Esslöffel Schalotten, klein gehackt 1/4 Esslöffel Korianderwurzel, gehackt 1 Teelöffel Shrimppaste oder Fischsauce. Bei der vegetarischen Variante ohne Shrimppaste stattdessen noch 1/4 Teelöffel Salz hinzugeben
Zubereitung:
- Pfefferkörner, Kreuzkümmelsamen, Koriandersamen, Nelken, Zimt und Kardamom ohne Öl auf kleiner Flamme erhitzen. Sobald der Geruch der Gewürze spürbar wird, wird der Brenner unter dem Wok ausgestellt oder die Pfanne vom Herd genommen.
- alles mit dem Salz in einen Mörser geben und zerreiben. - Ginza, Zitronengras und Korianderwurzeln dazu und weiter zerreiben. - Knoblauch, Schalotten, Chilis und Shrimppaste hinzu und weiter zerreiben.
Weiter gehts mit dem Curry. Wir benötigen:
1 Teelöffel Soyabohnenöl 1 gehäuften Teelöffel der zuvor gemachten Currypaste 200 Gramm Hühnerbrust, klein geschnitten - vegetarisch: stattdessen Tofu verwenden 1-2 Kartoffeln, in etwa 1 cm große Würfel schneiden 1 braune Zwiebel, in Scheiben geschnitten 1/2 Tasse Kokosnusscreme 1 Teelöffel Salz 1-2 Esslöffel Kokosnusszucker 3 Esslöffel geröstete Erdnüsse 2 Tassen Kokosnussmilch 2-3 Esslöffel Tamarind-Paste oder Limonensaft
Zubereitung:
Soyabohnenöl in den Wok (Pfanne) und Hitze auf gering. Currypaste hinzu, bis es duftet. Huhn, Kartoffeln und Zwiebeln hinzu für eine Minute. Kokosnusscreme und Salz hinzu für eine weitere Minute. Kokosnussmilch, Kokosnusszucker, Erdnüsse und Shrimp-Paste hinzu und Hitze auf "Mittel" stellen- Rühren, bis alles kocht und dann Hitze wieder auf "Niedrig" stellen. Für 10 min köcheln lassen. Tamarind-Paste (oder Limonensaft) hinzugeben. etwa 10-15 min weiter köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.
Das Ergebnis lässt sich zu Reis oder Chapati-Brot essen.
Guten Appetit wünscht Wolfgang
Teil 727. Apr. 2021
... direkt nach der Übernachtung im letzten Ort geht es wie immer gleich mal einige Kilometer bergauf und dann hinunter in ein kleines Tal. Das sieht nett aus, ist aber -wie gesagt- nur klein. Ich vermute, dass man dort Reis anbaut und ob die kleine "Hütte" ein Unterstand oder ein Geisterhaus ist, weiß ich nicht. Ich denke aber, es ist ein Unterstand für die Arbeiter für die Mittagspause (falls es dort so etwas gibt). Es ist noch ziemlich diesig am Morgen.
Dann gehts ausnahmsweise wieder etliche Kilometer hoch und zwischendurch nutzen wir den Schatten irgendwelcher Marktstände, die nur an bestimmten Tagen verwendet werden.
Einer der Gipfel beinhaltet einen sehenswerten Aussichtspunkt. "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Warum Sie nichts sehen, sehen Sie gleich."
Es ist ein Aussichtspunkt in ein Tal, in dem üblicherweise immer Nebel ist. Das ist schon irgendwie abgefahren. Man sitzt hier bei Affenhitze in der Sonne auf einem Berg und schaut in ein Tal, das man nicht sieht. Autofahrer halten kurz an und fahren gleich weiter. Gibt ja schließlich auch nichts zu sehen. Nach einer Stunde Arbeit mit dem Fahrrad macht man aber gerne eine Pause und genießt auch den nicht vorhandenen Ausblick bei einem Kaffee.
Nach dem Aussichtspunkt geht es wieder bergab, aber anschließend warten erneut viele Kilometer Steigung auf uns. Die Kehre auf dem Foto kann ich nur hochfahren, weil ich "schummle" und die falsche Straßenseite benutze. Das Stück auf der Kurveninnenseite wäre wohl zu steil gewesen. Melli muss natürlich wieder schieben und diesmal ist es stellenweise so steil, dass sie es kaum schafft, will sich aber auch nicht helfen lassen.
Als wir Mae Hong Son erreichen, suchen wir die erstbeste Unterkunft und beschließen, einen Pausentag einzulegen. Auf dem Weg zum Zimmer der Unterkunft entdecken wir Fußspuren von Mellis Verwandten ... 😉
In der Tourismuswerbung hätten Profis die Unterkunft mit "in zentraler verkehrsgünstiger Lage" beschrieben. Etwa 200 Meter weiter (würde ich aus der Erinnerung sagen) liegt nämlich ein kleiner Flughafen und wenn hier ein Flugzeug zur Landung ansetzt, dann wird es ziemlich laut, zumal die Dinger in sehr geringer Höhe direkt über die Unterkunft fliegen. So viele Flugzeuge landen hier zum Glück aber nicht und ansonsten liegt die Unterkunft in einer ruhigen Seitenstraße, aber dennoch nah zum Stadtzentrum. Das ermöglicht es uns, zu Fuß loszuziehen.
Gruß Wolfgang
Teil 801. Mai 2021
Diesmal etwas für einen schreibfaulen Moment. Überall im Land trifft man immer wieder auf Sonnenschirme. Hier mal eine farbenfrohe Auswahl …
Gruß Wolfgang
Teil 902. Mai 2021
Auch in Mae Hong Son gibt es noch Touristen, aber es sind schon sehr deutlich weniger als in Pai. Wir gehen am Abend essen und auf dem Rückweg ist Melli müde und ich noch hungrig. Ich suche unterwegs noch ein Lokal auf, in dem sich nur Asiaten befinden. Die Speisekarte ist natürlich auch wieder nicht lesbar und manchmal fühle ich mich wie ein Analphabet. Damit es einfacher ist, sind einige Gerichte abgebildet. Damit es aber nicht zu einfach ist, weiß man nicht, welches Bild zu welchem Text gehört und ob es sich um Huhn, Schwein(?), Rind, Wasserbüffel oder Fisch handelt, sieht man auf den Fotos ja auch nicht. Glücklicherweise spricht wenigstens eine der Bedienungen ein bisschen Englisch und so kann ich ungefähr erklären, was ich möchte. Ungefähr so etwas bekomme ich dann auch.
Es gibt einen Außenbereich zur Hauptstraße hin und ich setze mich an einen Tisch so nah wie möglich zur Straße, lege die Kamera mit geschwenktem Monitor auf den Tisch, so dass ich bei interessanten Szenen schnell und unauffällig kurze Filmsequenzen aufnehmen kann, ohne die Kamera in die Hand zu nehmen.
Am nächsten Tag streifen wir teilweise gemeinsam durch die Stadt und als Melli später beschließt, sich in die Sonne zu legen (40 Grad im Schatten sind ja auch 'n bisschen frisch), bin ich weiterhin zu Fuß unterwegs. Ein paar Eindrücke von unterwegs, gemeinsam und alleine.
In vielen Ortschaften und kleinen Städten gibt es einen kleinen Park mit Fitnessgeräten, die kostenlos zu benutzen sind. Mancherorts wird davon rege Gebrauch gemacht, aber wenn wir tagsüber in der großen Hitze vorbeikommen, sind die Plätze natürlich verwaist. Gegen Abend ist dort oft häufig Betrieb.
Radfahrer sollen die Straße mit den Autofahrern teilen. Dann machen wir das halt mal so. Wir sind ja schließlich nicht egoistisch, obwohl wir davon ausgingen, die Straßen wären nur für Radfahrer ...
Eine Besonderheit fällt im Straßenverkehr auf. An Kreuzungen lässt man entgegenkommenden Rechtsabbiegern die Vorfahrt. Ob das Vorschrift ist oder sich einfach so eingebürgert hat, weil es am Ende in Summe für alle schneller geht, da der Gegenverkehr nicht evtl. eine komplette Grünphase wegen eines Abbiegers warten muss, wissen wir nicht. Da muss man als Radfahrer aufpassen, dass man nicht einen Lkw umfährt, der sich darauf verlässt, Vorfahrt zu haben. Insgesamt empfinden wir den Straßenverkehr jedoch als ziemlich problemlos, so lange man keine plötzlichen Fahrmanöver unternimmt und plötzlich bremst oder zur Seite ausschwenkt. An den Kreuzungen finden sich oft große Mengen Fahrräder und Mopeds ein. Wenn man einfach seine gerade Linie fährt und das Tempo anpasst, klappt das. Will man selbst überholen, ist ein Rückspiegel sinnvoll. Autofahrer empfanden wir im Normalfall auch als rücksichtsvoll, nur Kurvenschneiden ist auf den kurvigen Bergstrecken häufig. Da muss man bergab sehr aufpassen.
Hier ist irgendwas verboten und weil es wichtig ist und damit man es erkennt, hat man extra ein Schild aufgestellt. Leider kann man nichts darauf erkennen. Vermutlich ist doch nicht so wichtig ...
Eines der in Städten überall verfügbaren Tuk Tuks. Die Dinger sind wohl zu 98% als Taxi unterwegs und werden gerne für Stadtrundfahrten verwendet.
Die üblichen Taxis sind Toyota, Nissan und Mitsubishi mit einem Aufbau, der sie als Sammeltaxi verwenden lässt. Für uns mit den Fahrrädern im Gepäck war das natürlich prima, um vom Flughafen nach Chiang Mai und später wieder zurück zu fahren. Sie sind normalerweise gelb oder rot je nach Stadt.
Auch das alltägliche Straßenbild ist interessant. Wie überall im Land ist die Verkabelung völlig chaotisch. Auch werden Kabel offenbar niemals auf passende Länge gekürzt, sondern der Rest verbleibt aufgerollt an Ort und Stelle. Das ist selbst bei größeren Überlandleitungen so.
Auch Straßenschilder und Ampeln sind überdacht. Vielleicht wohnen auch hier irgendwelche Geister, aber wahrscheinlich ist das eher aus optischen Gründen so ...
An manchen öffentlichen Plätzen ist das Trinken von Alkohol oder/und Rauchen streng verboten und zieht drastische Strafen nach sich. Ein halbes Jahr Gefängnis kann einem dabei blühen. Vermutlich gibts anschließend noch Ärger, weil man dadurch die erlaubte Aufenthaltsdauer von 30 Tagen im Land überzogen hat. Das wird dann wohl mit Gefängnis bestraft ... Die Geldstrafe von max.10.000 Baht entspricht etwa 270 Euro.
In Mae Hong Son gibt es auch eine größere Tempelanlage in der Stadt und eine weitere oben auf einem Berg.
Die Gebäude sind aufwändig verziert, aber wie man im unteren Teil des Bildes sieht ...
... sind die Mönche nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Fernsehgeräte gibts offenbar auch dort ...
Eine der kleinen Nebenstraßen der Stadt ist schön geschmückt. Im Hintergrund sieht man zwei Mönche auf dem Weg zum Tempel.
In einer Feuerwache ist ein alter Toyota als Ausstellungsstück vorhanden. Vor der Fahrzeughalle ist noch ein älteres Dreirad aufgebockt. Überhaupt gibt es interessante Fahrzeuge in Thailand ...
Gruß Wolfgang
Teil 1002. Mai 2021
... nach einer Zwischenübernachtung in einem kleinen Dorf, in dem wir uns fast nur durch Zeichensprache verständigen können, finden wir eine eigentlich ganz nette Unterkunft mit kleinen bunten Häuschen. Offenbar hat man sie vorher nochmal ausgefegt. Der Betreiber oder Verwalter wird von Einheimischen informiert und kommt nach einer halben Stunde mit dem Moped vorbei. Auch er spricht fast kein Wort Englisch. Wir machen ihm irgendwie klar, dass wir nur eine Nacht bleiben wollen. Den Preis kann er uns immerhin auf Englisch nennen. Wir sind die einzigen Gäste in der Anlage.
Und nachts, wenn alles schläft, ist meistens keiner wach, wie vor vielen Jahren schon Mike Krüger in einem seiner Werke erwähnte. Aber am sehr frühen Morgen beginnt sehr emsiger Betrieb. Eine Ameisenstraße verläuft genau über mein Bett und damit auch über meinen nackten Rücken, aber unter der Bettdecke entlang. Grundsätzlich mag ich ja fast alle Tiere, aber Tierliebe kann auch Grenzen haben. Bald brennt und juckt mein Rücken. Und jeder, der schon mal auf einer Straße lag, weiß, dass man besser verschwindet, wenn Verkehr einsetzt. Ich stehe ausnahmsweise mal vor Melli auf und das nicht zu knapp und gehe in der Dämmerung ein bisschen spazieren.
Für diesen Tag haben wir uns nur eine sehr kurze Etappe vorgenommen, weil wir die Kleinstadt Mae Sariang genauer anschauen wollen. Wir erreichen sie bereits vor 11 Uhr. Sie ist Schauplatz eines einmaligen Ereignisses. Wir gehen innerhalb von 36 Stunden gleich fünfmal ins selbe Lokal zum Essen. 😉
Da wir ohne Frühstück starten, suchen wir in Mae Sariang gleich mal etwas zum Auffüllen der Löcher in unserer Magenregion. Wir finden ein einfaches Restaurant und kehren ein. Die Besitzerin spricht kein Wort Englisch, aber die Speisekarte ist immerhin zweisprachig. Viele Touristen kommen wohl nicht vorbei, aber sie ist für alle Fälle gerüstet. So können wir lesen, was wir gerne essen möchten und dann darauf zeigen. Die Besitzerin liest dann die daneben stehende Thai-Schrift und weiß, was gemeint ist. Sie blättert schnell noch zwei Seiten weiter und zeigt auf etwas, was mit "Rice" übersetzt wird. Wir nicken und bekommen bald unser gewünschtes Essen. Ich freue mich, dass ich nach der schweißtreibenden Strecke ein bisschen im Schatten sitzen kann, habe aber ein Red Curry bestellt, welches hier ordentlich Dampf hat und mich noch mehr zum Schwitzen bringt als das Radfahren. Die meisten Europäer würden es nach einem ersten Löffel wohl nicht mehr anrühren, aber es sind ja auch keine Europäer dort. Das Red Curry ist ein eher scharfes Gericht und es ist so zubereitet, dass es für die Thais scharf ist. Mir läuft die Nase und ich bin nassgeschwitzt vom Essen, aber es ist sehr lecker. Eigentlich gilt das grüne Curry meist als die schärfere Variante, aber wann immer ich einen Vergleich hatte, empfand ich das rote als schärfer. Skurril finde ich den alten Taucherhelm als Deko hier in der thailändischen Bergregion.
Wir suchen uns eine Unterkunft, von denen es entlang des Flusses einige gibt. Hier gibt es auch ein paar für Touristen ausgerichtete Restaurants, aber wir kommen am Abend wieder zurück in das Lokal, dass wir anfangs aufgesucht haben. Die Besitzerin ist darüber offenbar erstaunt und freut sich, dass wir ihrem Lokal den Vorzug geben.
Als wir am nächsten Spätvormittag erneut kommen, werden die Portionen langsam größer. Am Nachmittag bekommen wir zum Essen noch ein paar Bananen geschenkt und am Abend sind wir wieder dort.
Hier die Besitzerin des Lokals beim Kleinschnipseln diverser Kräuter ...
Nichts ist unmöglich - Nissan ... 😉 Dieser sagenhafte LKW fährt hin und wieder am Lokal vorbei und einmal kann ich ihn endlich fotografieren. Ohne Stoßstange, Scheinwerfer und Blinker, völlig verdellt, das Trittbrett halb abgerissen und der obere Teil der Tür nach außen verbogen sieht er aus wie vom Schrottplatz. Nummernschilder hat er auch keine und die Hinterachse steht auf einer Seite seitlich weiter raus als auf der anderen. Die Rückspiegel scheinen immerhin vergleichsweise neu zu sein. Verkehrssicherheit wird hier halt ernstgenommen ...
Auch diese praktischen Gefährte sieht man öfter - vorne Motorrad und hinten Transporter ... Man kennt sie aber auch in einigen afrikanischen Ländern wie z.B. Tanzania und Rwanda.
Auf den Märkten gibt es immer mal wieder spannende Früchte und Gemüsesorten zu sehen. Die pinke Drachenfrucht findet man inzwischen auch hierzulande in gut sortierten Supermärkten, aber die Gac-Frucht war mir gänzlich unbekannt. Sie wird auch als Baby-Jackfrucht bezeichnet und gehört zu den Kürbisgewächsen. Wir kaufen jeweils ein Flasche des Saftes und finden den beide recht lecker.
Die Durianfrucht wird auch Stinkfrucht genannt. Wird sie aufgeschnitten, entströmt ihr ein starker Geruch, der oft als unangenehm empfunden wird. Die Mitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln ist häufig untersagt und der Verzehr in Hotelzimmern häufig bei Strafe verboten. Manche Hotels verlangen bei Verstoß die Zahlung der Zimmermiete für eine weitere Woche, da andere Gäste das Zimmer anschließend längere Zeit nicht mehr beziehen wollen. Ich kaufe irgendwo neugierig einen Durian-Milchshake und setze mich in den Schatten, während Melli einen Laden durchstöbert, der mich nicht interessiert. Durian ist ganz genauso wie Chibuku (das Hirse-"Bier" aus Ostafrika), nur ganz anders. Same same, but different halt eben. Beim ersten Schluck überlegt man noch kurz, ob man es gleich wieder ausspucken soll, aber man gewöhnt sich (evtl.) dran. Ich fand es gar nicht schlecht. Für die Neugierigen: Durian bekommt man gelegentlich in gut sortierten Asia-Läden entweder ganz, getrocknet oder in Konserven. Die Früchte sind allerdings so groß wie eine Wassermelone. Gac-Früchte habe ich dort noch nie gesehen.
In Mae Sariang finden sich auch zwei ungewöhnliche Geisterhäuser. Das eine ist von einem Schirm beschattet, damit es den Geistern nicht zu heiß wird und sie werden auch mit Getränken versorgt. Das andere Geisterhaus beherbergt offenbar recht anspruchslose Geister.
Während Melli ein wenig döst, streife ich durch die Stadt und treffe seltsame Gestalten.
Müde (oder seekrank vom vielen Schaukeln) geht Melli früh zu Bett und ich wandle auf Erich Kästners Spuren: "Toren besuchen in fremden Ländern die Museen. Weise gehen in die Tavernen."
So entdecke ich noch ein interessantes Lokal, welches eher einem Trödelladen oder Flohmarkt gleicht. Fotos davon im nächsten Teil …
Bis dahin aber noch ein Rezept der Kochschule vom Red Curry. Ich habe es dort auch gekocht und noch großzügig um weitere Chilis ergänzt (hier ist aber das offizielle Rezept). Der thailändische Kochlehrer, der anschließend mein Essen probiert hat, stöhnte, dass es ihm zu scharf sei. Meist ist es ja eher anders herum. Ich war wohl sehr nah dran an einer authentischen Schärfe, nur halt von der anderen Seite. 😉
Rote Curry Paste (namprik gaeng ped)
1/2 Teelöffel Kreuzkümmelsamen 1/2 Teelöffel Koriandersamen Beides ohne Öl bei mittlerer Hitze kurz anrösten, damit die Aromen besser rauskommen.
1 Esslöffel Zitronengraswurzeln (den untersten Zentimeter abschneiden). ! Esslöffel Galangal (Thai-Ingwer) klein geschnitten 1 Esslöffel Kaffir-Limetten-Rinde (Abrieb) 1 Esslöffel Korianderwurzeln klein gehackt 1 Esslöffel klein gehackte Schalotten 1 Esslöffel klein gehackten Knoblauch 1/2 Teelöffel weiße Pfefferkörner 10 große rote getrocknete Thai-Chilis 1/2 Teelöffel Salz 1/2 Teelöffel Shrimps-Paste
Kreuzkümmelsamen, Koriandersamen, Pfefferkörner und Salz in einen Mörser geben und klein mahlen. Nach und nach restliche Zutaten hinzugeben und weiter mörsern, bis es die passende Konsistenz hat.
Rezept Rotes Curry mit Huhn (gaeng ped gai)
Wir nehmen eine halbe Tasse dicke Kokosnusscreme, einen halben bis einen Esslöffel der zuvor hergestellen Currypaste (oder eben fertige), 200 Gramm klein geschnittene Hühnerbrust und zwei Tassen Kokosnussmilch.
Wir benötigen weiterhin zwei bis drei Thai-Eggplants (oder Auberginen), zuvor zwei Minuten in kalten Salzwasser eingelegt. Nimmt man übliche Auberginen, reichen auch zwei. Dazu: Zwei Limettenblätter, klein geschnitten. 1/2 Esslöffel Kokosblütenzucker. Ein Esslöffel Fischsauce (nam pia) oder Soyasauce. Eine große rote Thai-Chili 20 Blätter Thai-Basilikum.
Der Wok (oder Pfanne) wird mit kleiner Hitze angestellt und die Kokosnusscreme mit der Currypaste erhitzt. und vermischt. Das in Würfel geschnittene Huhn wird hinzugegeben und die Hitze des Woks ca. 10 min. auf mittlere Temperatur gestellt und fleißig gerührt, bis das Huhn langsam Farbe bekommt.
Kokosmilch, Kokosblütenzucker, Fischsauce hinzugeben und ca. 5 min. weiter rühren, bis es kocht und aufschäumt. Wok auf kleine Hitze zurückdrehen und 10 min. simmern lassen.
Thai-Basilikum, Limettenblätter und Chili hinzugeben und rühren, bis der Geruch stärker wird. Dann ist es fertig. Parallel dazu hat man Reis gekocht, der dazu serviert wird.
Gruß Wolfgang
Teil 1107. Mai 2021
... Melli ist auch zuhause der Typ, der mit den Hühnern zu Bett geht und mit ihnen aufsteht Das liegt möglicherweise daran, dass sie selbst irgendwie ein verrücktes Huhn ist. Auch hat sie mal wochenlang mit einer Gruppe Emus bei Wind und Wetter zusammen im Freien übernachtet, aber das ist wieder eine andere Geschichte. 😉 Ich Faulpelz hingegen stehe oft so spät auf, dass ich abends nicht ins Bett gehen kann, weil ich noch drinliege.
Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Ich will ja morgens auch los und was vom Tag haben. Ich bin allerdings morgens in wenigen Minuten startklar, während Melli da manchmal deutlich länger braucht, so dass es passt, dass sie meist früher aufsteht. Mir macht es auch nichts aus, das Frühstück auszulassen und dafür nicht zu Mittag zu essen. Melli muss -wie fast alle Menschen- spätestens zwei Stunden nach dem Start mal etwas essen.
Bei mir sind alle Sachen immer am gleichen Platz verstaut. Was ich abends nicht mehr brauche, verschwindet direkt in den Packtaschen und was ich morgens brauche, liegt parat. Melli stopft immer alles morgens wahllos irgendwohin und leert dann abends ihre Taschen komplett aus, damit sie überhaupt was findet. Braucht sie unterwegs mal was, findet sie es natürlich auch nicht ("hast du zufällig mal Sonnencreme griffbereit?" - "ja, aber nicht zufällig."), weil sich alles jedesmal anderswo befindet. In Thailand war das überschaubar, weil wir mit jeweils nur zwei Packtaschen unterwegs waren, aber in Tanzania waren es vier und das Chaos entsprechend wesentlich größer. Selbst zusammengehörende Dinge wie Zahnbürste, Zahnpasta und Duschgel konnten da auf drei Packtaschen verteilt sein. Im Alltag ist sie eigentlich ziemlich organisiert, aber auf Reisen bricht das totale Chaos durch. Bei mir ist es eher umgekehrt.
Und wenn man bei plötzlichem Wolkenbruch erst einmal in allen vier Taschen kramen muss und die Regenjacke dann in der vierten ganz unten zu fassen bekommt, braucht man sie eigentlich auch schon nicht mehr. Bei mir liegt die ganz oben und ich weiß genau, in welcher Tasche. So hat halt jeder seine eigene Strategie und muss selbst damit zurecht kommen. Überhaupt sind wir sehr verschieden, aber beide anspruchslos und wenn es drauf ankommt, können wir uns aufeinander verlassen.
Mir ist unterwegs auch wichtig, die "Kneipenszene" der jeweiligen Länder und Regionen kennenzulernen und ich bin sozusagen auch sehr wissensdurstig. Wie schmeckt Bananenbier, Palmwein oder Chibuku? Auch missachte ich die bekannte Essensregel für die Tropen "peel it, boil/cook it or forget it" nach besten Kräften. Manchmal geht es in abgelegenen Regionen auch nicht anders. Das kann durchaus auch mal zu einem unvorhergesehenen nächtlichen Download führen. Mit der Zeit gewöhnt sich die Darmflora aber dran.
Downloading (Foto in Chiang Mai aufgenommen).
Sehr gerne gehe ich in irgendwelche Kaschemmen am Straßenrand wie kleine fensterlose Hütten aus Holz, Wellblech oder Lehm (z.B. Ovamboland, Kaokoveld, Damaraland, Katutura), aber natürlich auch mal in solche Lokale mit interessanten Dekos wie Joe's Beerhouse oder die "Rockerkneipe" Riders Rest aus einem der letzten Rätsel. An diesem Abend breche ich auf ins Ching Ching Café, das wir beim Tagesspaziergang gesehen hatten. Tagsüber war es geschlossen und jetzt, als es geöffnet ist, hat Melli keine Lust mehr. Ich gehe also alleine hin. Das Ching Ching Café in Mae Sariang würde ich von der Aufmachung her spontan als Touristenkneipe bezeichnen. Seltsamerweise waren dennoch nur Einheimische und zwei offenbar ausgewanderte Europäer dort. Das Lokal liegt direkt an der Uferstraße, aber halt ziemlich am Ende. Die wenigen Touristen kehren irgendwo vorher ein.
Möglicherweise war der Laden früher ein Friseursalon oder die Einrichtung eines solchen wurde aufgekauft. Statt Barhocker stehen alte Friseurstühle an der Bar und auch im Lokal steht noch einer anstelle eines Stuhls. Die Tische bestehen teilweise aus den Untergestellen alter Nähmaschinen.
In einer Ecke stehen noch alte Trockenhauben aus einem Friseursalon.
Eine von ihnen wurde zur Stehlampe umgebaut und bei Einbruch der Dämmerung eingeschaltet.
Die Nahaufnahme ist der "Startschuss" zu einer weiteren Fotoserie "Lampen" neben den Serien zu Geisterhäusern, Verkehrsschildern und Sonnenschirmen. 😉
Auch ansonsten ist die Kneipe interessant dekoriert. Die Überreste einer alten Schreibmaschine, alte Nähmaschinen, Kinder-Tretautos und eine alte Musikbox stehen herum.
Das Waschbecken vor der Toilette ist ein alter Mörteleimer.
Hier die recht junge und sympathische Besitzerin der Kneipe. Und gut aussehen tut sie auch nicht so schlecht ...
Der alte Kühlschrank ist Dekoration, aber gleichzeitig sogar noch in Betrieb. Rechts daneben ist die Tür zu ihrer Wohnung. Und da man in Thailand in Privaträumen und Unterkünften (z.T. sogar in Geschäften) die Schuhe auszieht, steht ihr Schuhregal vor ihrem Privatbereich mitten in der Kneipe.
Irgendwie ist das Lokal ziemlich urig. Mir gefällt so etwas. Für Leute mit einer Stauballergie ist es evtl. nicht der richtige Platz. 😉
Gruß Wolfgang
Teil 1208. Mai 2021
... nach Mae Sariang wird der Tourismus nochmals deutlich weniger. Während man auf der Strecke bis Pai alle Viertelstunde mal Touristen auf Mopeds sieht, begegnet man hier nur noch 1-2 am Tag.
Die Distanz bis Hot ist um die 100 km und aufgrund der Berge und der Hitze scheint es uns zu viel für einen Tag. Letztlich hätten wir es fahren können, weil die letzten 40 km nur bergab oder eben verlaufen, aber das wissen wir dank unserer Vorbereitung ja vorher nicht. Wir stranden daher in einem kleinen Dorf und finden eine Unterkunft, da wir an einer kleinen Kaffee-Bude vor einer Tankstelle nachfragen. Die Besitzerin der Kaffee-Bude telefoniert mit der Besitzerin der Unterkunft und diese organisiert eine Schlüsselübergabe, da sie derzeit nicht persönlich vor Ort ist. Schlüsselübergabe und Bezahlung funktionieren nonverbal. Wie viel es kosten soll, haben wir zuvor von der jungen Frau an der Kaffee-Bude erfahren. Es gibt immer eine Lösung, genau wie in Afrika. Same same, but different.
Bei den Etappen, die tendenziell bergab gehen, muss übrigens immer Melli auf mich warten. So gleicht sich das mit den Bergetappen wieder aus. Ihr Fahrrad hat Scheibenbremsen, die das Gefälle locker wegstecken. Mein Fahrrad hat alte Cantilever-Bremsen und ich muss abwechselnd beide und manchmal auch zeitgleich beide bis zum Anschlag ziehen. Auf manchen Passagen sind die Felgen nach wenigen Hundert Metern so heiß, dass die Bremsgummis wegschmelzen würden und ich eine Weile anhalten muss. Die Felgen sind dann so heiß, dass man sie minutenlang nicht mehr anfassen kann. So warte ich bergauf und Melli bergab. Letztlich gleicht sich das zeitlich ungefähr aus.
Auf dem Weg zur Unterkunft finden wir ein kleines "Restaurant" und essen eine Kleinigkeit. Die Besitzer sprechen kaum Englisch, aber irgendwie klappt die Verständigung trotzdem. Zumindest reicht es, um etwas Essbares zu bekommen. Leider sind ein paar Bruchstücke von Hühnerknochen im Essen. Da muss ich immer kämpfen, dass ich nicht alles im Rückwärtsgang wieder ans Tageslicht befördere, wenn ich solche Sachen im Mund habe. Ist halt manchmal so bei den Garküchen.
Später kommen noch zwei Radler aus dem benachbaren Myanmar. Sie sind unterwegs mit einer zwölfköpfigen Gruppe, die mit zwei Begleitfahrzeugen unterwegs sind. Jeder von ihnen fährt das eigene Tempo und sie treffen sich erst am Abend wieder.
Da die Temperatur erneut langsam unter 40 Grad im Schatten zu sinken droht, legt sich Melli vorschtshalber mal in die Sonne und ich suche mir lieber einen schattigen Platz in Form einer Dorfkneipe. Obwohl das Dorf sehr klein ist und nur eine Unterkunft und eine Garküche aufweist, gibt es auch eine Art Kombination von Dorfkneipe und Dorfladen.
Der Eingang zu dieser ist komplett offen und lässt sich auch nicht verschließen. Das ganze Haus steht mangels Wänden einfach immer rund um die Uhr offen. Die Kühlschränke sind abgeschlossen, damit keiner ein Bier oder 'nen Liter Milch klaut, aber der Fernseher steht einfach so rum. Es gibt allerdings noch einen Hund, der dann nachts vielleicht nicht ganz so verschlafen ist wie tagsüber.
Direkt nebenan befindet sich der Privatbereich der Familie. Vater und Sohn schauen gespannt Thaiboxen. Hierbei sind Schläge wie beim Boxen, aber auch Tritte mit den Füßen und Stöße mit den Knien erlaubt.
Auf dem Kühlschrank befindet sich das Foto eines Knirpses mit Boxhandschuhen, die ihm fast bis zum Ellbogen reichen. Ich frage, wer das ist und kurz darauf kommt der Sohnemann, stellt sich in Kampfpose und zeigt mir stolz noch kurz ein Video von sich bei einem Wettkampf auf dem Smartphone des Vaters. Auf dem Schulhof wird er bestimmt nicht angegriffen. 😉 Wer mal so groß werden will wie Wladimir Klitschko (2,01 m), muss halt schon klein anfangen.
Ein Stückchen hinter der Kneipe sind einige Leute bei der Feldarbeit zu sehen. Auch hier stehen Geisterhäuser, damit die Geister nicht die Ernte verderben.
Am nächsten Tag geht es gleich mal wieder 10 km bergauf, aber dann so 15-18 km bergab und nochmal 20 km entlang eines schönen Flusses bis nach Hot. Wir nehmen uns die Zeit und kraxeln an einigen Stellen mal ans Ufer runter.
Die Stadt Hot ist irgendwie hässlich und wir finden auch keine Unterkunft. Es ist noch relativ früh am Tag und recht eben und so fahren wir weiter. In einer Stadt, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe, suchen wir eine Unterkunft. Kurz zuvor gibt es noch eine größere Fläche mit jeder Menge Geisterhäusern. Es sind sehr aufwändig geschmückte darunter und auch offenbar recht alte. Einige von ihnen sind auch so groß, dass erwachsene Menschen dort übernachten könnten. Das größte von ihnen (nicht auf dem Foto) dürfte von der Größe her aus der Erinnerung vier bis fünf Erwachsenen einen Schlafplatz bieten.
Beim Spaziergang durch die Stadt ist irgendwann plötzlich Musik zu hören. Nachdem der König im Oktober 2016 verstarb und eine einjährige Staatstrauer angeordnet wurde, gibt es immer wieder irgendwelche Trauerfeiern. In Baan Tawei 15 km außerhalb Chiang Mais scheint das möglicherweise sogar täglich zu passieren. Dieser wundersame Zeitgenosse hier kreuzt in seltsamer Verkleidung mit seinem geschmückten Motorrad und einem Foto des Königs durch die Stadt. Die Einäscherung und Beisetzung ist erst für den Oktober 2017 geplant. Etwas über ein Jahr nach seinem Tod soll eine fünftägige Trauerfeier stattfinden. Bis dahin gurkt der Kollege mit seinem Motorrad vermutlich ständig durch die Stadt.
Wir haben langsam Hunger. Für euch gibt es heute Penang Curry und für mich ein Bier mit Eiswürfeln (hatte ich auch noch nie).
Chilipaste (namprik penang)
5 große getrocknete rote Chilis 1 frische rote Chili 5 kleingehackte Schalotten 1/2 Teelöffel Salz 5 weiße Pfefferkörner 1 Esslöffel Galangal (Thai-Ingwer) 1 Teelöffel Abrieb von der Schale der Kaffir Limette 1 Teelöffel gehackte Korianderwurzeln 1 Teelöffel Shrimppaste 1/4 Teelöffel Kreuzkümmelsamen 1/2 Teelöffel Koriandersamen
Zunächst die getrockneten Chili in den Mörser geben und klein stampfen, dann den Rest hinzu geben und mörsern.
Penang Curry mit Wasserbüffel (penang neua)
Sollte dem örtlichen Metzger Wasserbüffel zufällig gerade ausgegangen sein (das kommt öfter vor als man denkt), kann man auch Rindfleisch nehmen.
2 Esslöffel Sojabohnenöl 1/2 - 1 Esslöffel der obigen Currypaste 250 Gramm Wasserbüffel/Rind, in ca. 2 cm breite Streifen geschnitten 1 Tasse dicke Kokosnusscreme 1 Teelöffel Kokosblütenzucker 1 rote Thai-Chili, in kleine Scheiben geschnitten 1 Esslöffel Fischsauce 2 Kaffir-Limettenblätter, in Streifen geschnitten 10 Blätter Thai-Basilikum
Sojabohnenöl bei mittlerer Hitze etwa 30 Sekunden erhitzen und die Currypaste hinzugeben. Etwa eine Minute weiter erhitzen, bis der Geruch der Chilis stark hervor kommt. Das Fleisch hinzu geben und rühren, bis die Farbe sich ändert. Kokoscreme hinzugeben und weiter rühren, bis es kocht. Kokosblütenzucker und Chili hinzugeben und zwei Minuten weiter rühren. Fischsauce und Limettenblätter hinzugebenn und 30 sec. weiter rühren. Gas ausschalten oder Pfanne vom Herde nehmen und Basilikumblätter einrühren.
Gemeinsam mit Reis servieren.
Gruß Wolfgang
Teil 1309. Mai 2021
Irgendwo unterwegs radeln wir an Reisfeldern entlang oder an etwas, das wir für Reisfelder halten.
Wir kommen an ein einsam stehendes Gebäude, welches sich als kleines Lokal entpuppt. Wir kehren zu einem kleinen Frühstück ein. Statt Servietten steht eine Rolle Klopapier auf dem Tisch. 😉
Die Gebäude sind auf traditionelle Weise erstellt. Die Wege bestehen aus geflochtenem Bambus. Das schwankt beim Laufen ein wenig, ist aber insgesamt sehr stabil. Bambus gilt als ungefähr so stabil wie Stahl.
Als wir weiterfahren, bekommt Melli vom Besitzer des Lokals noch eine kleine traditionelle Pfeife geschenkt ...
Gruß Wolfgang
Teil 1410. Mai 2021
Die Innenstadt von Chiang Mai ist ziemlich touristisch. Es gibt mehrere Straßen mit Touristenkneipen und die sind auch gut besucht. Neben dem Nachtbazar, der jeden Abend geöffnet hat, gibt es auch einmal die Woche (so meine ich), einen weiteren Nachtmarkt in der Innenstadt. Hier laufen lustige Vögel rum.
Nachdem wir an einem Nachmittag eine nette Kneipe für einen kurzen Boxenstopp nutzen, gehe ich am nächsten Abend noch mal dorthin. Melli ist müde und untersucht derweil ihre Augenlider auf innere Verletzungen. Im Außenbereich gibt es 2-3 Tische, und direkt davor hat ein Franzose seinen Grill aufgestellt. Es ist ein Bekannter des Kneipenbesitzers. Er grillt Hähnchenspieße, die er an vorbeikommende Passanten verschenkt. Ich bekomme auch immer wieder mal einen, so dass ich im Laufe des Abends satt bin, ohne etwas bestellen zu müssen. Er befeuchtet die Spieße zwischenzeitlich auch immer mit Wasser, so dass sie nicht austrocknen. Ich habe noch nie so lecker gegrilltes Huhn gegessen. Und so günstig auch nicht.
Und ich werde das Gefühl nicht los, dass der Grill womöglich einstmals einfach ein Blumentopf war, aber bei einer Sache bin ich mir sicher. Da steht ein absoluter Profi am Grill ...
Passend zu dem Franzosen mit seinem Grill gibt es ein Rezept für Satay-Spieße. Das sind Fleischspieße mit Erdnusssauce. Man kann es auch mit Rindfleisch oder Schwein machen, aber Huhn ist die typische Variante.
Jetzt gibt es Erdnusssauce auch fertig im Supermarkt zu kaufen, aber das habe ich einmal gemacht und kann nur davon abraten. Das hat gar garstig geschmeckt. Wer sich die Arbeit mit dem Originalrezept nicht antun will, für den habe ich eine schnelle Variante, die ich einfach mal ausprobiert und für ausreichend gut befunden habe. Es war allemal besser als die gekaufte Fertigsauce. Man benötigt einfach Erdnusscreme ("Erdnussbutter" ohne Stückchen) und Sahne. Wem das zu mächtig ist, kann einen Teil oder die gesamte Sahne durch Milch ersetzen. Das ganze kippt man in gewünschter Menge und Konsistenz in einen kleinen Topf und erhitzt den langsam unter Rühren. Die gewünschte Konsistenz lässt sich durch Hinzufügen einer der Zutaten nachjustieren. Das geht einfach und schnell und schmeckt recht passabel. Im Original geht es aber wie folgt:
Die Zutaten vermischen und das Fleisch mindestens eine Stunde darin einlegen, gerne auch den gesamten Tag. Wenn Spieße aus Holz verwendet werden, die Spieße zuvor in Wasser legen, damit sie sich auf dem Grill nicht entzünden. Dann ab auf den Grill ...
Alles verrühren und zusammen etwa 5 min. kochen und fertig.
Gruß Wolfgang
Teil 1510. Mai 2021
Nachdem die Trockenhaube der Startschuss zu Fotos von Lampen war, folgen hier und im nächsten Beitrag einige Lampen.
Gruß Wolfgang
Teil 1610. Mai 2021
Teil 1710. Mai 2021
Mit dem Rezept des Black Sticky Rice Pudding (kaew neow dum biag) folgt nun der letzte Beitrag des mit Kochrezepten kombinierten Reiseberichts.
1 Tasse schwarzer Klebreis / Black Sticky Rice 3 Tassen Wasser 3-5 Esslöffel Zucker 1/2 Tasse Kokosnussmilch 1/2 Teelöffel Salz
Topping Sauce: 1/2 Teelöffel Salz 1 Teelöffel Zucker 1/4 Tasse Kokosnusscreme 1 Esslöffel Maismehl, in vier Esslöffeln Wasser aufgelöst
Sticky Rice über Nacht in Wasser einweichen, dann für 20-30 min. kochen, bis etwa 90% des Wassers vom Reis aufgeommen wurden. Dabei gelegentlich umrühren. Gas auf mittlere Hitzestellen Kokosnussmilch, Salz und Zucker hinzugeben und rühren, bis der Zucker aufgelöst ist.
Topping Sauce: Alles zusammen erhitzen und dabei umrühren.
Black Sticky Rice Pudding kann kalt oder warm gegessen werden und wird als Dessert verwendet.