Reisebericht

Ganz spontan durch Surinam (Reisebericht)

von BikeAfrica · begonnen 19. März 2021 · 19 Teile

Über diesen Reisebericht

Wir sind zu zweit mit dem Fahrrad unterwegs, nachdem sich der ursprüngliche Plan für eine Reise durch Ostafrika kurzfristig zerschlägt – die Regenzeit dort passt nun nicht mehr, und ich schlage meinem Reisepartner spontan Surinam vor. Fünf Minuten später steht das Ziel fest, tags darauf sind die Flüge gebucht. Ohne Reiseführer, ohne passende Landkarte und ohne festen Plan radeln wir von Paramaribo aus ins Landesinnere, über aufgeweichte, regennasse Pisten durch den Regenwald. Übernachtet wird improvisiert: kaum im eigenen Zelt, dafür in geliehenen Hängematten am Strand, auf dem Gelände eines Nonnenklosters oder in einem Haus, das uns ein Supermarktbesitzer kurzfristig räumen lässt. Ein Höhepunkt ist die nächtliche Bootsfahrt ins Kalina-Dorf Galibi am Grenzfluss zu Französisch-Guayana, wo wir riesige Meeresschildkröten bei der Eiablage beobachten. Im Nationalpark Brownsberg finden wir einen seltenen Pfeilgiftfrosch; ein geplanter Abstecher zum extrem seltenen, azurblauen Dendrobates azureus im Süden des Landes scheitert an Logistik und Zeit – Charterflug, Permit und mehrtägiger Fußmarsch hätten den Rückflug gefährdet. Stattdessen fliegen wir mit einem Propellerflugzeug in ein abgelegenes Regenwaldcamp bei den Voltzberg-Felsen, wo nachts Vogelspinnen aus Palmen klettern und wir mit einem ortskundigen Guide wandern. Wer Surinam kaum kennt, bekommt hier einen ungewöhnlichen, unkonventionell bereisten Einblick in ein touristisch kaum erschlossenes Regenwaldland.

Länder
Surinam (kurzer Grenzübertritt nach Französisch-Guayana zur Schildkrötenbeobachtung)
Gruppe
2 Personen (Autor und ein Freund)
Reiseart
Fahrrad-Selbstfahrer, dazu ein kurzer geführter Regenwald-Abstecher per Charterflug
Fahrzeug
eigene Fahrräder mit Gepäck, dazu Boote und ein Propellerflugzeug für den Camp-Abstecher
Veranstalter
lokaler Reiseveranstalter nur für den Abstecher zum Regenwaldcamp bei den Voltzberg-Felsen (Name im Bericht nicht genannt)
Unterkunftsart
grösstenteils improvisiert – Hängematten, ein Nonnenkloster, ein kurzfristig geräumtes Haus; kaum im eigenen Zelt, dazu ein festes Regenwaldcamp mit Betten
Route
Paramaribo – Küstenregion/Albina – Galibi am Grenzfluss zu Französisch-Guayana – Nationalpark Brownsberg – Voltzberg/Raleighvallen (per Flug) – zurück nach Paramaribo
Fahrstrecke
keine Gesamtkilometer im Bericht
Flug/Anreise
Linienflug ab München/Frankfurt mit Treffpunkt und Zwischenstopp in Amsterdam
Besonderheit
Ersatzziel für eine geplante, dann wegen Regenzeit verschobene Ostafrika-Reise; Reiseland ohne verfügbare deutsch- oder englischsprachige Reiseliteratur zum Zeitpunkt der Reise
Gebiete
Nationalpark Brownsberg · Voltzberg · Raleighvallen · Amazonasgebiet
Orte
Paramaribo · Albina · Galibi
Unterkünfte
Nonnenkloster-Übernachtung · Regenwaldcamp Voltzberg
Reiseart
Fahrrad-Selbstfahrer · Spontanreise · Charterflug Regenwaldcamp · Hängematten-Übernachtung
Bedingungen
Regenzeit im Regenwald · Aufgeweichte Pisten · Fehlendes Kartenmaterial · Streunende Straßenhunde · Malariagebiet · Fehlende Reiseliteratur · Permit Sipaliwini
Natur
Meeresschildkröten Galibi · Pfeilgiftfrosch Ameerega trivittata · Baumvogelspinne · Jaguar-Spuren · Kaiman · Zitteraal · Skolopender · Glanzspitznatter

Automatisch aus dem Bericht erstellt. Massgeblich ist der Bericht selbst.

Teil 119. März 2021
Nachdem das Thema „Corona“ hier einige spürbar nervt, kommt hier mal ein kurzer Reisebericht über ein eher unübliches Reiseland.
Der Bericht stammt aus dem Archiv vergangener Zeiten, als noch kaum jemand wusste, wo dieses Land liegt, dessen Hauptstadt Paramaribo heißt und Cowboys noch auf Dinosauriern ritten. Touristisch hat das Land keine große Bedeutung – außer bei den Niederländern. Niederländisch ist bis heute auch die einzige Amtssprache in der ehemaligen Kolonie.

Wer zum ersten Mal "Sranantongo" liest, versucht zunächst meist instinktiv, die Buchstaben gedanklich in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Das ist jedoch unnötig, denn Sranantongo ist die Umgangssprache Surinams und die sinnvolle Reihenfolge von Buchstaben besitzt in dieser Sprache nur eine untergeordnete Bedeutung. Deshalb versteht man ja auch nix. Die Sprache ist eine Mischung aus Niederländisch, Portugiesisch, Englisch und diverser afrikanischer Sprachen, die zur Sklavenzeit den Weg nach Südamerika fanden und sich dort vermischt und verändert haben.

Ursprünglich sollte die Reise nach Ostafrika gehen, aber mein Reisepartner Thomas musste aus beruflichen Gründen seinen Urlaub verschieben und der neue Zeitraum fiel nun in die dortige Regenzeit. Als er mir das am Telefon erzählte, schlug ich als neues Ziel Surinam vor.
Thomas hatte vor meinem Vorschlag noch nie von Surinam gehört, weil er früher im Erdkundeunterricht angeblich immer zum Kreide holen geschickt wurde.
Seine Reaktion: „Surinam? Nie gehört. Wo liegt das denn, was gibt’s denn da?“.

Ich erzählte ihm in zahlreichen Sekunden ausschweifend (fast) alles, was ich von dem Land wusste. Thomas wollte schon immer mal in den Regenwald und war spontan begeistert von der Idee und ich war spontan begeistert von seiner spontanen Begeisterung. Nach einer kurzen Prüfung der Sicherheitslage auf der Website des Auswärtigen Amtes stand das Reiseziel nach nur fünf Minuten fest. Am nächsten Tag buchte ich die Flüge, einmal von München und einmal von Frankfurt. Andy, der Besitzer des Reisebüros in Trier, über das ich immer meine Flüge samt Fahrradtransport klären lasse, sagte damals am Telefon: "Ich habe das Reisebüro jetzt seit 25 Jahren. Dort wollte noch nie jemand hin." Das klang schon mal spannend.


Fortsetzung folgt …


Gruß
Wolfgang
Teil 220. März 2021
Thomas brachte in den folgenden Tagen die Idee ins Spiel, mit Schlauchkajaks zu reisen, die er hätte kostenlos besorgen können. Wir verwarfen die Idee zügig wieder, weil in den Flüssen des Amazonasgebiets auch zahlreiche Kaimane vorkommen, die dann unnötig mit Piranhas in Streit geraten, wenn sie versehentlich in ein Schlauchkajak beißen. Wir entschieden uns daher wieder für das Fahrrad als Verkehrsmittel. Das war allerdings auch nicht ideal, wie sich später herausstellte.

Wenige Wochen später trafen wir uns in Amsterdam und flogen von dort gemeinsam wie im Vorjahr, als wir uns auf dem Flughafen Schiphol erstmals trafen und im Anschluss gemeinsam durch Malawi radelten.

Wir hatten beim Entschluss zur Reise keine Landkarte (bis zum Beginn der Reise hatten wir immerhin eine), keinen Reiseführer (es gab schlichtweg keinen auf Deutsch oder Englisch) und keine Ahnung, aber davon immerhin reichlich. Wir wussten bei der Ankunft in Surinam nicht, ob es Links- oder Rechtsverkehr gibt oder wie die Währung heißt, wie der Wechselkurs aussieht oder das Preisniveau ist. All das interessierte uns vorher einfach gar nicht. Das einzige, was wir hatten, war ein gewisser Entdeckergeist, um dieses für uns unbekannte Gegend kennenzulernen. Und wir wussten, dass wir beide über eine vergleichbare Kondition, einen kompatiblen Humor und eine Gelassenheit verfügten, die uns einfach immer zu einer Lösung führen würde, egal welches Problem da auch kommen würde. Manche Probleme lösen sich ja fast von selbst, wenn man sich einfach erst mal einen Moment in den Schatten setzt, anstatt sofort in Panik zu verfallen.
Die einzige Vorbereitung (neben Impfungen und Malariaprophylaxe) war eine von Thomas gebuchte Unterkunft für die erste Nacht. Wir fanden ein Taxi, das uns und die Kartons mit den Fahrrädern (letztere mit etwas Seil ziemlich abenteuerlich aufs Dach gebunden) zur Unterkunft brachte. Dort wusste man von unserer Buchung nichts und sie war auch ausgebucht. Das ging ja schon mal gut los.

Für diejenigen, die im Erdkundeunterricht auch immer zum Kreide holen geschickt wurden:
Surinam liegt nördlich von Brasilien (Portugiesisch), östlich von British Guayana (Englisch) und westlich von Französisch Guayana (Französisch). Dieses gehört als französisches Gebiet heute tatsächlich zur EU, obwohl es in Südamerika liegt. Damit liegt auch das größte zusammenhängende Waldgebiet der EU in der Amazonas-Region Südamerikas und so gibt es in der EU nicht nur vierrädrige Jaguare, sondern auch vierbeinige. Im Norden grenzen Surinam und die beiden Guayanas an den Atlantik.

Surinam ist ein klassischer Vielvölkerstaat. Neben den indigenen Völkern leben heute vor allem die Nachfahren der afrikanischen Sklaven, der damals ausgewanderten Niederländer sowie viele Chinesen, Indonesier und Inder in Surinam. Christliche Kirchen, muslimische Moscheen und Hindutempel sieht man überall im Land. Und wer sich schon immer gefragt hat, warum die Fußballnationalmannschaft der Niederlande seit jeher relativ viele dunkelhäutige Spieler aufweist ... diese haben ihre Wurzeln in der ehemaligen Kolonie Surinam.

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Surinam hatte zum Zeitpunkt der Reise prozentual zur Landesfläche den größten Regenwaldbestand mit damals 97%. Durch Abholzungen hat sich das inzwischen leider geändert. Das Klima war entsprechend heiß mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit, aber darüber muss man sich im Regenwald ja nicht wundern. Was uns jedoch wunderte, war die Tatsache, dass selbst die Bäume an den Straßen in der Hauptstadt Paramaribo so aussahen, als stünden sie mitten im Regenwald. Keine drei Meter weiter rauscht der Verkehr vorbei.

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Fortsetzung folgt …


Gruß
Wolfgang
Teil 321. März 2021
So, weiter geht’s. Diesmal mehr Fotos und weniger Text.

Die Uferpromenade Paramaribos besteht aus sehenswerten Holzhäusern. Zumindest die meisten sind aus Holz.

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Einige wurden damals gerade komplett restauriert.

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Die komplette sog. Waterfront steht in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

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Der auf der anderen Straßenseite liegende kleine Hafen und besonders die Boote sahen jedoch ein wenig bemitleidenswert aus.

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Irgendwo in der Stadt sahen wir einen Pkw, der gerade über Pisten in die Stadt kam und wir ahnten, was uns bald erwarten würde. Unsere Fahrräder würden unterwegs defintiv an Gewicht zunehmen.

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Fortsetzung folgt …


Gruß
Wolfgang
Teil 421. März 2021
Es regnete häufig und rückblickend hätten wir wohl auch in der Regenzeit durch Ostafrika radeln können. Einmal hatten wir Glück wie hier und kamen bei gerade einsetzendem Regen an einer kleinen Dorfkneipe vorbei und konnten unter einem Vordach Unterschlupf finden. Wenn man aber erst einmal ein paar Minuten im Regen war, kann man sich solche Unterstände sparen, denn dann ist man sowieso schon durchnässt. Dann kann man auch gleich weiterfahren.

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Die Pisten waren oft aufgeweicht und Fahrräder und Gepäck mit Schlamm bedeckt. Am Tag dieser Fotos enthielt irgendwann nur noch die untere Flasche Wasser, aber ich hatte aus unerklärlichen Gründen plötzlich gar keinen Durst mehr. Die Laufflächen der Reifen waren schon wieder vergleichsweise sauber, weil die letzten 20 km über Asphalt gingen.

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Ich meinte am Abend bzgl. des Dauerregens über den gesamten Tag:
„Wir hatten noch Glück. Das meiste ging vorbei“.
Thomas antwortete:
„Es hätte schlimmer kommen können. Es hätte auch Scheiße regnen können“.
Der Spruch war der trockenste Moment des gesamten Tages.
Auch wenn die Bedingungen zeitweise widrig waren und diverse Pannen unsere Reise behinderten, so ging uns doch der Humor und die gute Laune nie verloren.
Ich hatte alleine in der ersten Woche gleich zwei aufgeschlitzte Reifen und Schläuche und eine gebrochene Schraube am Gepäckträger, aber das passiert halt nun mal. Alles, was vorhanden ist, geht irgendwann mal kaputt.

Da unsere Landkarte offenbar von einem Praktikanten erstellt wurde, landeten wir am Abend quasi in einer Sackgasse. Am nächsten Tag ging es noch weiter bis zum nächsten Dorf und dann war die Piste zu Ende. Auf unserer Karte sah das anders aus. Das habe ich aber auch in Afrika schon mehrmals erlebt, dass auf einer Karte Pisten verzeichnet waren, die es gar nicht gab. Einmal handelte es sich sogar um eine angebliche Asphaltstraße, wo es nicht einmal einen Trampelpfad gab. Da wurde wohl eine Straße geplant und bereits in die Landkarten eingezeichnet, dann aber letztlich nie gebaut.

Anderthalb Tage hatten wir dadurch verloren bzw. sind sinnlos umhergegurkt. Da wir aber ohnehin keinen so wirklichen Plan hatten, war es auch nicht wirklich schlimm.
Unsere Route führte dann nach Umkehr alternativ über eine Brücke, die ähnlich konstruiert war wie manche Brücken in Alaska/Canada. Ich kenne Leute, die sie mit dem Rad oder zu Fuß nicht überqueren könnten, weil man direkt nach unten durchsehen kann.

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Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 523. März 2021
„Berlijn, Berlijn, wir fahren nach Berlijn“ – für Fußballfans ein bekannter Schlachtruf in Pokalspielen. Auch wir fuhren nach Berlijn, obwohl wir gar kein Halbfinale gewonnen hatten.

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Wir waren mit Zelten unterwegs, rechneten aber nicht mit derart dichtem Pflanzenbewuchs bis zum Pistenrand. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir unsere Zelte gerade dreimal in vier Wochen nutzen können – einmal unter einem Marktstand in einem Dorf, einmal auf dem Gelände eines Nonnenklosters und einmal an einem Flussufer.

Unser „Plan“, gegen Abend spontan irgendwo zu zelten, ging daneben (unsere „akribische Vorbereitung“ zahlte sich halt aus). Wir mussten also möglichst immer eine Ortschaft erreichen und leider lagen diese oft ziemlich weit voneinander entfernt. Erreichte man am Mittag oder Nachmittag eine, lag die nächste meist so weit entfernt, dass ein Erreichen dieser bis zur Dunkelheit oft zweifelhaft oder unmöglich war. Die Etappen fielen daher kürzer aus als ursprünglich gedacht.

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Zweimal konnten wir auch in geliehenen Hängematten am Strand übernachten. Klasse Sache in Mückengebieten mit Malaria und anderen spannenden Krankheiten. Wie das passierte, warum wir unsere Zelte in dem Moment nicht hatten und andere Geschichten von Übernachtungen folgen noch in den nächsten Beiträgen.

Mit der Verpflegung war es irgendwie einfacher. Es gab „Supermärkte“, die natürlich meist nur sehr klein waren wie früher unsere Tante-Emma-Läden und es gab häufig auch so kleine Restaurants mit meist asiatischem Essen. Wasser konnten wir auch kaufen und hatten auch einen Expeditions-Wasserfilter dabei. Bei einer ganztägigen Wanderung im Regenwald hatten wir den Filter nicht dabei und unser mitgenommenes Wasser reichte nicht. Dort mussten wir das Wasser dann halt aus einem Bach trinken und unsere Flaschen auffüllen. Ich vermute aber nur, dass es ein Bach war, da man nicht erkennen konnte, dass sich das Wasser in irgendeine Richtung bewegte. Bei der Wahl zwischen heute verdursten oder morgen erkranken fällt die Entscheidung aber nicht schwer.
Das ist eine Entscheidung, die die Bevölkerung in armen Teilen der Welt täglich treffen muss. Für uns war es nur eine einmalige Sache …


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 624. März 2021
Den Letzten beißen die Hunde

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Schon am ersten Abend in der Hauptstadt fielen uns die zahlreichen verwilderten Straßenhunde auf. Die Hunde waren sehr ängstlich und wechselten häufig die Straßenseite, um einem aus dem Weg zu gehen (was wir für eine gute Eigenschaft hielten). Dabei mussten sie jedoch aufpassen, denn kein Autofahrer bremst in Surinam wegen eines Hundes. Im Gegenteil hatte man manchmal das Gefühl, dass Autofahrer absichtlich Hunde anfahren. Viele Hunde humpelten hier mit einem gebrochenen Bein umher und wir mussten auch einmal miterleben, wie ein Hund einfach ungebremst umgefahren wurde. Ein lautes Aufjaulen und kurz später war der Hund nur noch auf drei Beinen unterwegs. Der Hund stellte sich mit seinem deformierten Bein dann bei einem kurzen Wolkenbruch neben uns unter ein Vordach. Wir konnten ihm jedoch nicht helfen.

In den Dörfern entlang der Straßen und Pisten sah die Sache anders aus. Hier wurden die Hunde als Wachhunde gehalten, liefen aber frei umher. Das war ja auch für alle anderen kein Problem, denn die anderen Einheimischen kannten sie und die restlichen Leute fuhren mit dem Auto vorbei – bis auf zwei Radler. Auf dem Fahrrad wurden wir jedoch täglich mehrfach von ihnen attackiert und es schien nur eine Frage der Zeit, bis einer von uns gebissen werden würde. Ging es etwas bergab oder war der Abstand groß genug, versuchten wir, sie mit einem Zwischenspurt abzuhängen, was so etwa in der Hälfte der Fälle auch gelang. Ansonsten blieb nur noch Stehenbleiben und die Hunde -oftmals gleich mehrere an der Zahl- so laut wie möglich anzuschreien. Erschrocken wichen sie dann ein paar Meter zurück, waren uns aber sofort wieder auf den Fersen, sobald wir wieder starteten. Also wieder stoppen und anbrüllen. Und wieder starten, stoppen und anbrüllen …
An einigen Tagen nahm das etwas überhand und war echt nervig. So ist das halt manchmal. Lässt sich nicht ändern und muss man halt hinnehmen …


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 724. März 2021
Brasilianischer Karneval

Vom folgenden Ereignis gibt es diesmal keine Fotos.
Wir fanden in der kleinen Grenzstadt Albina eine Unterkunft und anschließend eine Kneipe. Dort sollte am Abend ein brasilianischer Karneval stattfinden und innen sah schon langsam alles nach Disco aus. Wir blieben im Außenbereich, wo ein angenehmer Wind wehte und die Lautstärke erträglich war. Wir bestellten eine kalte Hopfenschaumsuppe im Glas und während wir da saßen, kam der örtliche Polizeichef mit zwei Begleitern vorbei, setzte sich zu uns an den Tisch und der Abend nahm eine ungewollte Wendung. Aus der Kneipe kam sofort eine Flasche Whisky im Karton und eine sehr hübsche Brasilianerin wurde mit an den Tisch gesetzt. Hier war im ersten Moment zu erkennen, dass irgendwelche Korruption im Spiel war. Der Whisky musste nicht bezahlt werden und die Brasilianerin war offenbar Prostituierte, sprach kein Wort Englisch und man sah ihr an, dass sie vom Ausgang des Abends nicht begeistert sein würde.
Der Polizeichef sprach Englisch und ließ auch sofort Gläser für uns bringen und legte eine beachtliche Schlagzahl an den Tag. Ich habe relativ bald zu Thomas gesagt, dass ich mal eine Runde aussetzen müsse. Dann hat der Polizeichef nur sich und Thomas eingegossen und bei der nächsten Runde hat Thomas pausiert und abwechselnd so weiter. Manche Runde hat der Polizeichef auch eifrig alleine absolviert, weil wir beide ausgesetzt haben. Es blieb nicht bei der einen und auch nicht bei einer zweiten Flasche Whisky und am Ende war der Polizeichef nicht mehr annähernd dazu in der Lage, alleine zu laufen und wurde von seinen beiden Begleitern gestützt, die nichts getrunken hatten. Der Prostituierten war die Erleichterung deutlich anzusehen, dass ihr diese Nacht erspart blieb, als der Polizeichef mit seinen Begleitern verschwand. Thomas und ich waren auch bereits ziemlich über den Berg, aber zum Glück hatten wir uns rechtzeitig abgewechselt und der Abend verschaffte uns einen Einblick über verschiedene Dinge im Land.
Als der Polizeichef schwankend die Örtlichkeit verließ, sah die Brasilianerin zum ersten Mal fröhlich aus …


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 826. März 2021
Am nächsten Morgen folgte eine Meisterleistung selektiven Nachdenkens, was aber dem langen Vorabend und der kurzen Nacht geschuldet war. Ohne Hirn ist man halt fast wie blöd.

Wir ließen zwar unsere Fahrräder und den Großteil unseres Gepäcks in der Unterkunft und sagten Bescheid, dass wir erst in 1-2 Tagen zurückkämen. Leider ließen wir auch Zelt bzw. Moskitonetz zurück und nahmen außer Kameras fast gar nichts mit. Wir fanden ein motorisiertes Fischerboot, welches uns nach mehrstündiger Fahrt in Galibi ablieferte. Auf dieser Fahrt erwarb ich nebenbei auch äußerst preisgünstig einen qualitativ hochwertigen Sonnenbrand.

Galibi ist Stammesgebiet der Kalina-Indianer und in der „Nähe“ gibt es eine Region, in der die riesigen Meeresschildkröten zur Eiablage an Land kommen. Allerdings wussten wir nicht, dass noch eine längere Bootsfahrt durch die Nacht nötig war, um zu den Meeresschildkröten zu gelangen (dazu im nächsten Teil, auch wenn wir es noch am gleichen Abend unternehmen konnten). Wir konnten uns glücklicherweise Hängematten ausleihen, schliefen damit aber unter freiem Himmel und waren am nächsten Morgen grandios zerstochen. In Malariagebieten ist so etwas natürlich erst recht keine Freude. Weil wir am nächsten Tag kein Boot auftreiben konnten, das uns zurückbrachte, mussten wir eine weitere Nacht dort verbringen. Diesmal hatten die Moskitos des Vortages offenbar alle noch ihre Kumpels eingeladen und ein Fest gefeiert. Zwei der Festteilnehmer gefiel die Veranstaltung nur mittelmäßig.

Galibi besteht zumeist aus eher einfachen Häusern und Hütten, was wohl auch damit zusammenhängt, dass man das Dorf nicht auf dem Landweg erreichen kann und somit der Transport von Baumaterial nur mit kleinen Booten erfolgt oder einfach mit Material erfolgt, welches man selbst herstellen kann.

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Im Dorf liefen Affen frei herum und andere Tiere, die mir unbekannt waren und keinerlei Scheu hatten. Ich vermute, es waren Katta-Nasenbären. Auch ein zahmer Ara saß in einem Baum, versteckte sich aber hinter Ästen. Er gehörte einem der Indianer und hatte wundersamerweise kein Interesse daran, auszubüchsen. Er kam spätestens am Abend immer zurück. Leider sind die Fotos ziemlich schlecht geworden, aber da vermutlich kaum jemand aus dem Forum mal Nasenbären in Freiheit gesehen hat, stelle ich trotzdem mal eines rein. Sie erinnerten mich vom Verhalten und ihrer Neugier irgendwie an Waschbären. Auch der geringelte Schwanz erinnerte daran …

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Thomas war amüsiert, als einer der Affen ihn erkletterte und interessiert seine Fototasche untersuchte. Nach einigen Minuten hatte er etwas gefunden, was ihn interessierte, Sekunden später saß er damit oben auf einem Baum. Er hatte eine Plastikdose mit einem belichteten Film gemopst. Während Thomas unten fluchte, untersuchte der Affe interessiert das Objekt. Als er die Dose irgendwann öffnen konnte, fiel die Filmpatrone herunter. Nochmal Glück gehabt …

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Der Pflanzenbewuchs ums Dorf herum sah auch ziemlich interessant aus.

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Da die Flüsse jede Menge Sediment aus dem Amazonasgebiet ausschwemmen, ist das Wasser extrem trüb und schmutzig.

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Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 927. März 2021
Die Fahrt zu den Schildkröten begann erst in der Dunkelheit in Richtung Mündung des Flusses ins Meer. Die Flut strömte in Richtung Fluss und die Wellen schlugen über dem Boot zusammen. Vorne im Boot saß ein Indio mit Scheinwerfer, um andere Boote, treibende Baumstämme und anderen Unsinn zu erkennen, mit dem man nicht zusammenstoßen möchte.

Aus der Erinnerung dauerte die Fahrt etwa eine Stunde. Wir waren danach so nass, als wären wir geschwommen und das ist nicht übertrieben. Und dabei hatte ich mir schon einen Müllsack als Regenschutz übergezogen, aber das war komplett sinnlos. Durch die Öffnung, die ich mir für den Kopf gemacht hatte, lief das Wasser in Massen durch.
Das war allerdings nicht die letzte Bootsfahrt dieser Reise, bei der dies passierte.

Die riesigen Schildkröten kommen nachts zur Eiablage an Land und verbuddeln etwa 150 Eier im Sand. Dabei bestimmt die Durchschnittstemperatur des Sandes das Geschlecht der sich entwickelnden Schildkröten, so dass üblicherweise alle Tiere eines Geleges das gleiche Geschlecht haben. Sie schlüpfen auch praktisch gleichzeitig und wissen instinktiv, in welcher Richtung das Wasser liegt. Dort eilen sie gleichzeitig hin, damit wenigstens einige es erreichen. Viele von ihnen werden bereits in ihren ersten Lebensminuten von Vögeln gefressen.
Die Schildkröten verfallen bei der Eiablage in Trance. Die begleitenden Ranger achten darauf, dass die Tiere nicht mit Blitzlicht fotografiert werden und leuchten sie von hinten mit einer Taschenlampe an, um sie nicht zu stören. Das fanden wir vorbildlich im Gegensatz zu Französisch-Guayana, wo das niemanden interessierte und die Tiere wild angeblitzt wurden.
Das folgende Foto stammt von Martha, einer Niederländerin, die wir zufällig kennenlernten, die mir das Foto später zuschickte und auch erlaubte, es im WWW zu veröffentlichen.

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Wenige Tage später besuchten wir die andere Seite des Grenzflusses und hier konnte Hinz und Kunz ohne jede Regelungen zu den Schildkröten und so haben sich die Leute auch verhalten.

Hier sind ein paar Spuren der Schildkröten und einige Überreste der Eier von geschlüpften Tieren. Diese Fotos stammen aus Französisch-Guayana. In Surinam fährt man am gleichen Abend ja wieder zurück.

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Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1027. März 2021
Unterkunft nach indischer Art

In einer anderen Kleinstadt kamen wir am Nachmittag an und wussten, dass wir die nächste Siedlung nicht mehr bei Tageslicht erreichen könnten. Die Pflanzen wuchern in Surinam auch bis zum Straßenrand (wir sind zeitlich gerade wieder ein paar Tage in der Vergangenheit, weil ich den Bericht aus dem Gedächtnis schreibe und mir das verspätet einfiel), dass man selbst für ein Zelt oder eine Hängematte keinen Platz findet, ohne erst einmal kräftig Pflanzen zu beseitigen. Wild campen unterwegs ist also nur äußerst selten eine Option.
Wir fanden keine Unterkunft und fragten bei einem indischen Supermarkt. Der Besitzer sagte uns, es gäbe keine Unterkunft, aber wenn wir in zwei Stunden wiederkämen, hätte er etwas für uns. Wenn Inder etwas versprechen, klappt das nach meiner Erfahrung normalerweise auch. Die ich kennengelernt habe, waren zwar geschäftstüchtig, aber immer fair und ehrlich.

Der indische Supermarkt bot auch Fußbodenbeläge an.

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Wir haben derweil nach einer Verpflegungsmöglichkeit gesucht und ein chinesisches Lokal gefunden. Leider sprach der Besitzer nur Chinesisch und Sranantongo und kam von selbst nicht auf den Grund, weshalb wir wohl ein Restaurant aufgesucht haben könnten. Zufällig kam ein Einheimischer, der Englisch und Sranantongo sprach und so bestellten wir mit Hilfe eines Dolmetschers.
Der indische Supermarktbesitzer hatte derweil das Haus auf der anderen Straßenseite räumen lassen, in dem offenbar seine Angestellten wohnten. Es gab vier Schlafzimmer mit jeweils frisch bezogenen Doppelbetten, acht Sitzgelegenheiten im Wohnzimmer und eine kleine Terrasse vor dem Haus, auf der wir den Abend verbrachten und das Treiben auf der Straße beobachteten. Ein bisschen Kinderspielzeug im Wohnzimmer, ein bisschen Kühlschrankinhalt und ein paar Zahnbürsten lagen noch rum, was erkennen ließ, dass das ganze Haus offenbar komplett auf die Schnelle geräumt worden war. Ok, es hatte eine Stunde länger gedauert als versprochen. 😉

Unsere Unterkunft für die Nacht.

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Einmal ging Thomas in die Küche und fand eine riesige Kakerlake (und wir haben in Malawi schon Tausende gesehen und welche, die so lang wie eine Kreditkarte waren). Er kam zu mir raus und meinte, ich solle mal mitkommen und mir das Viech ansehen. Als wir eine Minute später wieder in der Küche waren, war die Kakerlake weg und an fast der gleichen Stelle saß eine Maus. Die Tierwelt in Surinam ist halt immer für eine Überraschung gut.

Neben dem Haus war noch eine Lagerhalle mit Stellplatz für einen Lkw. Vermutlich haben die Angestellten alle spontan dort übernachtet. Der Übernachtungspreis für uns war zudem sehr günstig. Uns hätte es auch gereicht, auf dem Fußboden im Wohnzimmer zu schlafen, während die Angestellten weiterhin dort gewohnt hätten. Was für ein irrwitziger Aufwand für eine einzige Nacht.

Zu allem Überfluss hatte ich am nächsten Morgen noch meine Stirnlampe dort vergessen. Als wir Tage später auf dem Rückweg in dem Supermarkt vorbeikamen und ich danach fragte, griff der Besitzer mit einem Lächeln unter die Theke und überreichte sie mir. Einer seiner Angestellten hatte sie gefunden und nicht selbst eingesteckt.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1127. März 2021
Übernachtung im Nonnenkloster

Eines Abends suchten wir eine Unterkunft in einer Kleinstadt und fanden auch einige, die aber allesamt geschlossen waren. Wir fragten einige Leute, die uns aber immer zu den geschlossenen Unterkünften schickten, die wir bereits kannten. Wir fanden einen Park am Stadtrand, hielten es aber nicht für eine gute Idee, in Südamerika in einem Stadtpark zu übernachten. An einer Feuerwache war Betrieb und wir hofften auf eine Berufsfeuerwehr, deren Wache nachts besetzt war und wo wir hätten nächtigen können. Leider war es nur eine Übung einer freiwilligen Feuerwehr und die Leute bereiteten sich schon auf den Heimweg vor.
Als wir ein Kloster fanden, versuchten wir es dort. Wir wussten nicht, dass es ein reines Nonnenkloster ist und die Nonnen waren natürlich sehr misstrauisch. Nach der Fürsprache einer zufällig vorbei kommenden Passantin gestatteten sie uns jedoch, auf dem Gelände unsere Zelte aufzubauen. Am nächsten Morgen hatten sie ihre Ängste überwunden. Wir durften die Dusche benutzen und wurden mit Frühstück versorgt.

Die Liste der Orte, an denen ich noch nicht übernachtete, wurde damit wieder ein Stück kürzer. Eine Feuerwache fehlt aber tatsächlich auch noch …
Ansonsten war ja von Dorfkneipe, Schule, Dorfladen, Geheimdienst, Polizei, Krankenhaus (nicht als Patient), Lkw-Führerhaus, Entwicklungshelfer und Friedhof über Dorfchef bis zum Stammeskönig ja schon vieles dabei.
Aber es gibt immer wieder etwas Neues. Das ist ja der spannende Teil am Reisen.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1227. März 2021
Eine Nacht am Fluss

Wir fanden eine Unterkunft an einem Fluss, die jedoch durch eine Reisegruppe vollständig belegt war. Wir durften jedoch unsere Zelte auf dem Gelände aufbauen. Irgendwie hatte meine Nase das Gefühl, das mein Körper wieder mal mit Wasser in Kontakt kommen sollte. Ich hängte mein T-Shirt über einen Ast, ging die paar Meter im letzten Tageslicht zum Fluss, legte den Rest der Klamotten ab und stieg ins Wasser. Kaimane, Piranhas und Zitteraale ignorierte ich mal und hoffte, sie würden umgekehrt meinem vorbildlichen Beispiel folgen. Anschließend zog ich mich wieder an und zog auch das T-Shirt wieder über. Irgendwas rutschte über meinen Arm und ich dachte an eine Schlange. Ich rief Thomas zu, er solle mal schnell in meine Richtung leuchten. Es war ein Skolopender (Hundertfüßer) von etwa 20-25 cm Größe. Jetzt schaute ich mein T-Shirt doch noch mal genauer an, ob nicht noch der große Bruder von ihm ebenfalls Gefallen an meinem T-Shirt gefunden hatte. Thomas konnte ein Foto des Skolopenders auf meinem Zelt machen und wir erfuhren später, dass diese Art häufig recht aggressiv ist, der Biss sehr schmerzhaft und zu Fieber und Lähmungen führt. Nicht selten endet so etwas im Krankenhaus. Es soll auch schon Todesfälle gegeben haben.
Mein T-Shirt hing nur wenige Minuten dort und schon hatte sich ein gefährliches Tier zur Anprobe entschlossen, obwohl es ihm auf den ersten Blick schon mehrere Nummern zu groß war.
Leider habe ich seinerzeit offenbar das Original des Fotos stark verkleinert, um es auf meine damalige Homepage einzustellen. Ich hänge das Foto trotzdem mal rein, damit man einen Eindruck von dem Tier bekommt. Man erkennt zumindest, dass man damit nicht im gleichen T-Shirt stecken möchte.

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Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1328. März 2021
Pfeilgiftfrösche …

… kamen zu ihrem Namen, weil Indianer aus drei Arten Gift für ihre Pfeile herstellen. Dabei gehört der Phyllobates terribilis zu den giftigsten Tieren der Welt. Es reicht, einen Pfeil über die Haut eines Frosches zu ziehen und er behält etwa ein Jahr seine tödliche Wirkung. Das Hautgift dieses nur etwa 4 cm großen Frosches reicht aus, um 10 erwachsene Menschen umzubringen. Im blödesten Fall reicht es aus, einen solchen Frosch zu berühren, denn das Gift dringt offenbar auch über die Hautporen in den Körper ein. Dieser Frosch lebt in Kolumbien, aber auch in Surinam leben einige der 170 Arten Pfeilgiftfrösche. Bis auf drei Arten sind sie für Menschen jedoch ungefährlich.

Ich interessierte mich seinerzeit bereits seit mehreren Jahren für diese Tiere und wir fanden im Nationalpark Brownsberg den Epipedobates trivittatus (heute Ameerega trivittata).
Dieser gehört zu den größten Pfeilgiftfröschen. Weibchen können 5 cm Größe erreichen. Männchen werden etwa 4 cm groß, was auch der Größe unseres entdeckten Exemplars entsprach.

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Ich hätte gerne noch den Dendrobates azureus, den azurblauen Pfeilgiftfrosch entdeckt. Dieser ist meiner Meinung nach der schönste aller Frösche überhaupt (bitte mal nach Fotos googlen, da ich keine geklauten einstellen möchte), aber leider auch akut vom Aussterben bedroht. Er lebt nur auf einem Gebiet weniger Hektar Fläche im Süden Surinams.
Am Ende der Reise versuchten wir, mit Hilfe des WWF (World Wildlife Fund) in diese Region zu gelangen. Eine Mitarbeiterin des WWF aus Paramaribo kümmerte sich tatsächlich darum.

Wir müssten ein Flugzeug chartern und brauchten ein Permit für ein Indianergebiet, einen Führer, einen Dolmetscher und jeweils einen Träger, weil wir ohne diesen und entsprechende Übung in dem Gelände nicht vorankommen würden. Vom Flugfeld im Regenwald wäre es dann ein kompletter Tagesmarsch in ein Indianerdorf, am nächsten Tag ein weiterer Marsch zu den Fröschen und zurück ins Dorf und dann wieder ein Tagesmarsch zum Flugfeld. Sie arrangierte die Möglichkeiten, aber wir wären erst einen Tag nach dem Abflug nach Amsterdam zurückgekommen. Daher gibt es hier kein Foto vom Dendrobates azureus (der auch schon anders hieß und aktuell wieder anders heißt).


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1428. März 2021
Mitten im Regenwald

Da der Abstecher nach Sipaliwini zu den azurblauen Pfeilgiftfröschen nicht klappte, flogen wir in eine andere abgelegene Region in den Regenwald. Dies war dann jedoch kurzfristig über einen Reiseveranstalter vor Ort organisiert. Ein kleiner Abstecher in die touristische „Normalität“.
Zwei Stunden ging es mit einem Propellerflugzeug in Richtung Süden und wir landeten auf einem Grasfeld.

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Von dort ging es etwa 200 Meter zu Fuß zum Camp. Hier standen Betten mit extrem löchrigen Moskitonetzen unter einem Wellblechdach. Über das Flugfeld streifte gelegentlich ein Jaguar und unter dem Wellblechdach befand sich alle 30-40 cm eine Vogelspinne, die durch die teilweise 15-20 cm großen Löcher in den Moskitonetzen mühelos zu nächtlichen Besuchern hätten werden können. Das ist nicht für jedermann ein angenehmer Gedanke. Aber auch Vogelspinnen sind ja nicht ganz blöd. Sie warten lieber passiv auf Nahrung, als sich von panischen Touristen totschlagen zu lassen. Es gab also quasi einen Nichtangriffspakt. Alle Seiten blieben friedlich.

Wir kamen mit einigen Niederländern, zwei Italienern und einem Forscher unbekannter Nationalität (vermutlich aus Surinam – wir haben nicht gefragt) dort an. Der Forscher wurde von zwei Indios mit dem Boot ein Stück flussaufwärts in ein anderes Camp auf der anderen Flussseite gebracht, wo er die nächsten Wochen völlig alleine zubringen würde. Wir durften die drei auf der Überfahrt begleiten. Der Forscher erzählte, dass er hier an vielen Stellen Fotofallen aufbaue, um ggf. neue Tierarten zu entdecken oder solche, die zwar bekannt sind, aber in dieser Region bislang nie gesehen wurden.

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Gleich am ersten Abend schnappten Thomas und ich unsere Taschenlampen und zogen los, um zu sehen, was es zu entdecken gab. In der Nähe des Flugfeldes standen einige Palmen. Auf jeder Palme wohnte eine Avicularia (Baumvogelspinne). Jeden Abend bei Einbruch der Nacht kletterten sie hinunter und warteten in 1,5-2 Meter Höhe auf Beute. Sie hatten einen Durchmesser von etwa 12-15 cm, doch eines der Exemplare war nahezu doppelt so groß und fast so lang wie ein DinA4-Blatt (eine bodenbewohnende Theraposa blondi erreicht sogar bis zu 32 cm Länge, aber Baumvogelspinnen sind üblicherweise deutlich kleiner).
Für mich sah sie optisch aus wie eine Avicularia metallica, aber es passt von der Größe einfach nicht. Die gesichtete Spinne war mehr als doppelt so groß wie die offiziell angegebene Größe dieser Art. Allerdings habe ich in der Literatur überhaupt noch keine Angaben zu einer Baumvogelspinne dieser Größe gefunden. Auf den anderen Bäumen wohnte diese Baumvogelspinnen natürlich auch. Sie waren nur schwerer zu erkennen, weil die Stämme der Bäume dunkler waren als die der Palmen. Hier mal unser Prachtexemplar:

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Wir waren an drei Abenden immer zur gleichen Zeit dort und sahen sie hinunter kommen. Dieses eine extreme Exemplar hätte eine vollwertige Mahlzeit ergeben. Für fünf Personen, weil vier davon der Hunger vergangen wäre. Und die fünfte Person wird derzeit noch gesucht.

Auch ziemlich große Kröten waren in der Nacht unterwegs. Die fressen alles, was ins Maul passt. Auch Artgenossen …

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Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1530. März 2021
Am nächsten Tag brachen wir zu einer Wanderung zum Voltzberg auf. Morgens lag noch Nebel über dem Fluss direkt am Camp und es war angenehm kühl. Das änderte sich jedoch sehr bald.

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Direkt am Camp führte auch eine Ameisenstraße vorbei. Ob es sich um Blattschneiderameisen handelte, weiß ich nicht, aber immerhin schleppten alle eifrig Teile von Blättern - zumindest in eine Richtung. In beide Richtungen wäre es ja Quatsch gewesen.

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Wir wanderten in zwei Gruppen. Die größere wanderte direkt zum Berg, das italienische Pärchen, Thomas und ich nahmen mit einem zweiten Guide einen Umweg, um eine seltene orange Papageienart zu sehen. Gesehen haben wir sie tatsächlich auch, aber im dunklen Regenwald wurden die Fotos so schlecht, dass sie nicht zu gebrauchen sind.
Bereits bei der ersten kurzen Pause musste ich mein T-Shirt auswringen (ich schwitze sehr schnell). Es war vom Schweiß bereits so nass, als hätte ich es gerade aus dem Wasser gezogen. Thomas meinte, er hätte so etwas noch nie gesehen, als das Wasser zu Boden plätscherte.

Wir holten die zweite Gruppe bereits am Voltzberg ein, dem eigentlichen Ziel und Mittelpunkt der Wanderung. Wir stiegen von links auf den Berg, machten eine längere Pause und genossen die Aussicht. Hier trocknete ich mein T-Shirt zum zweiten Mal, indem ich es auf den heißen Fels legte.

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Ich hatte bei der Reise zwei Paar Schuhe mit, ein Paar Fahrradschuhe, die ich aber wegen der Hitze nie trug und ein Paar Sandalen. Bei der Wanderung im Regenwald trug ich die Radschuhe zum ersten Mal. Hier waren sie jedoch völlig ungeeignet, aber eben noch immer besser als Sandalen (ich meine auch, offene Schuhe wären nicht erlaubt gewesen). Die harten Sohlen sorgten dafür, dass ich ganz schlecht Halt fand und dauernd rutschte. Das war besonders an den Stellen blöd, an denen wir über Steine oder Baumstämme die Bäche unterwegs überqueren mussten. Auch hatten sich fast alle Teilnehmer beim Wasserbedarf verschätzt. So kam es dann dazu, dass der Großteil der Teilnehmer auf dem Rückweg an einem Bach die Flaschen auffüllte.

Unterwegs sahen wir einige Tiere, aber das war ziemlich überschaubar.

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Nach der Wanderung war selbst meine Hose so nass, als käme sie gerade ungeschleudert aus der Waschmaschine, roch aber leider nicht so gut.
Am Abend hatten aber alle Teilnehmer der Wanderung ihre Klamotten auf dem Geländer auf dem Weg zur Toilette zum Trocknen abgelegt. Der Weg zur Toilette war ein olfaktorisches Erlebnis der Sonderklasse. Es war immerhin im Preis inbegriffen.

Der Guide unterwegs war ein absoluter Knaller. Er konnte die Geräusche diverser Vogel- und Affenarten so nachahmen, dass sie auf seine Rufe wieder antworteten. Es schien so, als könne er sich mit ihnen richtig unterhalten. Das war schon richtig beeindruckend. Als Indio war er im Wald geboren und aufgewachsen. Das war sein Zuhause und das merkte man auch in anderen Momenten.

Kurz vor dem Camp konnten wir noch in einem kleinen Bach mit Tümpel und Wasserfall ein Bad nehmen.

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Am letzten Abend im Regenwald spielten die Raleigh-Boys (die Region dort heißt Raleighvallen). Alle Mitglieder des Teams, ob Koch, Guide oder was auch immer gehörten zur Band (ich habe mit Absicht keine Fotos eingestellt, auf denen sie von vorne zu sehen sind). Die Musikinstrumente waren oft sehr einfach und selbstgebaut. Einer der Musiker konnte sein Instrument während des Auftritts stimmen. Ich vermute, dass die leere Flasche am besten klingt, zumindest arbeitete er auf dieses Ziel hin.

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Es gab am Abend kostenlose Getränke in Form von Fruchtsaft, der mit 90prozentigem Rum gemischt war. Da das ganze in einem großen Bottich gemischt wurde, war Fruchtsaft ohne Rum nicht erhältlich. Man hat den Rum fatalerweise nicht in dem Maße wahrgenommen, was einem der jungen Niederländer schnell zum Verhängnis wurde. Nach bereits einer gefühlten halben Stunde hielt er zu Ehren von Villeroy&Boch eine längere Andacht vor dem weißen Porzellanaltar ab und verschwand dann ins Bett.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1630. März 2021
Als wir das Camp wieder verließen, hatten wir längst gelernt, auch tagsüber Vogelspinnen aufzuspüren. Ich vermute bei den folgenden Exemplaren handelte es sich um Jungtiere der gleichen Art, die in ausgewachsenem Zustand dann die Palmen besiedeln. Zumindest hatten sie die gleichen roten Füße und der Pelzmantel sah auch so ähnlich aus.
Sie umspinnen die jungen Blätter von Ananaspflanzen, so dass sich eine Röhre bildet, in der sie sich tagsüber verstecken. Wird es dunkel, kommen sie nach draußen und setzen sich außen auf die Blätter wie es ihre größeren Verwandten an den Palmen auch tun.

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Auf dem Rückweg nach Paramaribo fuhren wir mit einem Motorboot – sechs Stunden – durch strömenden Regen. Das Boot war zwar überdacht, aber Thomas und ich saßen ganz vorne. Das Dach war von der Länge her nach vorne etwas knapp bemessen, der Regen peitschte uns entgegen und die Fahrtgeschwindigkeit sorgte dafür, dass wir die gesamte Zeit im strömenden Regen saßen. Ich hatte gleich zu Beginn mein T-Shirt ausgezogen und im Boot eine Reihe weiter nach hinten gereicht, damit die es dort hinter meiner Rückenlehne regengeschützt ablegen. Nach sechs Stunden Fahrt erreichten wir ein kleines Indianerdorf und die erste Piste (und erste Pinkelpause als Hinweis für Menschen mit schwacher Blase). Von dort ging es mit einem kleinen Bus weiter. Thomas behielt sein T-Shirt im Boot an, was zur Folge hatte, dass er nun auch noch die gesamte Busfahrt über fror.
Die lange Rückfahrt machte uns erst richtig klar, wie weit wir abseits der Zivilisation waren.
Thomas und ich waren durchgefroren, obwohl es eigentlich sehr warm war. Sechs Stunden bewegungslos durchnässt bei Fahrtwind im Regen sitzen ist aber kein riesiges Vergnügen.

Auf Radreisen lernt man aber, dass Reisen nicht immer nur Vergnügen ist und nimmt das halt hin. Man kann es ja sowieso nicht ändern.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1701. Apr. 2021
Noch ein bisschen Flora und Fauna – ein Beitrag voller Vermutungen

Im Amazonasgebiet gibt es unheimlich viele Pflanzen- und Tierarten. Viele der Pflanzen haben als Zimmerpflanzen (z.B. Philodendren, Monstera, Dieffenbachien, Bromelien) Einzug in unsere Wohnzimmer gehalten. Um im Regenwald zu überleben, müssen sie robust sein und deshalb schaffen es viele auch in unseren weniger luftfeuchten Räumen zu überleben. Andere Pflanzen wie Syngonium (Purpurtute) benötigen aber hohe Luftfeuchtigkeit und sind schwerer zuhause zu halten.

Auf folgendem Foto wuchern mehrere Pflanzen ineinander. Die vor dem Baumstamm befindliche könnte eine junge Monstera deliciosa sein, während ich bei der zweiten eher eine Monstera obliqua vermute. Bei beiden kann ich natürlich daneben liegen.

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Und hier vermute ich eine Xanthosoma, deren Knollen unter dem Namen „Tannia“ als Lebensmittel bekannt sind. Die Blätter werden bis zu einem halben Meter lang. Ich denke, auch die würden sich wie Spinat zubereiten lassen, aber ich würde lieber warten, bis es jemand tut, der sich etwas sicherer damit auskennt als ich.

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Manche Pflanzen haben erstaunliche Eigenschaften entwickelt, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Auch ich würde mir daraus keinen Salat machen.

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Die folgende Pflanze erinnerte mich an einen Nestfarn (Asplenium nidus), aber die gibt es in Südamerika gar nicht. Die Blütenstände links und unten erinnern wiederum eher an ein Aronstabgewächs.

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Hier irgendeine schöne Blüte, zu der ich gar keine Vermutung habe und ein Baum, von deren Ästen an langen Schnüren Samenschoten hängen. Da in der Nähe des Äquators die Zentrifugalkraft aufgrund der Erdumdrehung bekanntlich besonders stark ist, hängen sie immer schräg. 😉
Das kann man sich ungefähr so vorstellen wie bei einem Kettenkarussell. Da hängt auch immer alles schräg dran, so lange es sich dreht.

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Die Tierwelt ist ebenso vielfältig wie erstaunlich. Tiere wie der (auf einem schlechten Foto) gezeigte Nasenbär oder der (nicht gezeigte und nicht gesichtete) Tapir (wir haben nur Spuren gesehen, die der Guide im Regenwald fand) erscheinen seltsam, aber die Natur hat sich wohl etwas dabei gedacht. Es gibt 3 cm lange Ameisen, deren Biss schmerzhaft ist und die zudem giftig sind, die bereits gezeigten Skolopender, Pfeilgiftfrösche, Vogelspinnen in rauen Mengen und vielen Arten, riesige Frösche und Kröten und Zitteraale, die Stromstöße von bis zu 500 Volt erzeugen können. Sie tun dies zur Orientierung in dem trüben Wasser. Falls man also davon hingerafft wird, sollte man im letzten Moment keine nachtragenden Gedanken haben. Die Tiere meinen es ja gar nicht böse. Und mit den Jaguaren gibt es sogar Katzen, die im Wasser Jagd auf Kaimane machen. Und natürlich sind auch viele bunte Schmetterlinge unterwegs. Dieser hier dürfte ein Morphofalter, vermutlich ein Morpho achilles sein, aber darunter gibt es noch einmal verschiedene, die sich teilweise sehr ähnlich sehen. Leider blieb er immer nur wenige Sekunden sitzen, so dass ich nicht nahe genug heran kam.

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Und es gibt auch reichlich Schlangen in Surinam. Uns sind bis zu sechs Stück am Tag begegnet, die sich aber jeweils (bis auf eine) schnell verkrümelt haben. Wir haben auch nicht danach gesucht, sondern sie einfach zufällig entdeckt.
Nur diese eine konnte ich fotografieren und unser Schlangenspezialist Monokelkobra/Marco hier im Forum hat sie im Vorfeld des Berichts als Green Vine Snake (Oxybelis fulgidus) identifiziert, auf Deutsch Glanzspitznatter. Sie ist angeblich (laut Wikipedia) nur schwach giftig, was wir zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht wussten. Thomas hat sie mit einem weit verzweigten (das bot ein wenig mehr Schutz) längeren Ast von der Straße in den Straßengraben befördert, damit sie nicht überfahren wird. Sie reagierte dabei ein wenig ungehalten, da sie offensichtlich Suicidgedanken hatte und lieber auf der Straße liegenbleiben und sich überfahren lassen wollte.

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Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1801. Apr. 2021
Es folgt nun in einem Beitrag ohne Fotos ein spannendes Thema – Tropenkrankheiten.

Da ich häufig in Regionen ohne vernünftige ärztliche Versorgung bzw. unter einfachen hygienischen Bedingungen unterwegs war und bin, habe ich mich darüber ausführlich informiert und tue dies laufend. Dadurch lässt sich evtl. die ein oder andere Sache vermeiden oder die Situation im Falle von Problemen besser einschätzen. Hat die Behandlung noch Zeit bis in die nächste Stadt oder gar bis Deutschland, muss man dringend ins nächste Buschhospital oder zum Schamanen oder setzt man sich einfach nur in den Schatten und genießt noch die letzten 15 Minuten?

Viele Tropenkrankheiten werden über Insekten verbreitet und das geschieht häufig über Viren (z.B. bei Dengue oder Gelbfieber). Wesentlich mehr üble Tropenkrankenheiten werden vermutlich jedoch durch Parasiten ausgelöst. Dazu gehören z.B. Onchozerkose (Flussblindheit – hier zerfressen Fadenwürmer die Netzhaut), Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) oder Leishmaniose, wozu auch die bekannte Elephantiasis gehört. Zu den durch Parasiten verursachten Krankheiten gehört aber auch die bekannte Malaria, die durch verschiedene Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen wird, von denen übrigens auch einige Arten in Deutschland verbreitet sind.

Während die Parasiten bei Malaria (in dem Fall Plasmodien) fürs bloße Auge unsichtbar bleiben, werden sie bei Würmern und Maden deutlich sichtbar und erreichen z.T. beachtliche Größen. Im Falle von z.B. Fuchsbandwurm muss man dazu nicht einmal in die Tropen.
Eine unappetitliche Art Tropenkrankheit sind z.B. die von Mangofliegen verursachten Tumbu Fly Boils. Die Mangofliegen (o.ä. wie Dasselfliegen) legen Eier auf zum Trocknen ausgelegte Kleidungsstücke. Zieht man diese an, bohren sich die geschlüpften Larven durch die Haut und ernähren sich dort vom Körper des Menschen. Tagsüber ist alles so weit ok, aber wenn sich der betroffene Mensch zum Schlafen legt, werden die Maden hungrig und beginnen zu fressen.

Einer der Niederländer war am Rücken von einigen dieser (oder ähnlicher) Maden befallen und stöhnte die erste Nacht vor Schmerzen. Am nächsten Tag entfernten die Indios die Maden und ich konnte zuschauen, wie man das im Regenwald so macht. Die Öffnung, durch die sich die Maden ursprünglich reingefressen haben, dienen ihnen in der Folge zum Luftholen. Sie sind auch in der Regel entzündet und es bilden sich kleine Beulen.
Diese Öffnungen wurden ein paar Stunden mit feuchtem Tabak bedeckt und abgeklebt. Um atmen zu können, kamen die Maden nun näher an die Oberfläche. Dort wurden sie dann wie Pickel ausgedrückt. Sobald die Maden zum Vorschein kamen, wurden sie vorsichtig mit etwas Toilettenpapier herausgezogen, damit sie nicht auseinander rissen. Sie waren etwa 1 cm lang. Die Indios meinten, man müsse mit der Behandlung warten, bis sie eine gewisse Größe haben, weil es sonst nicht funktioniert.

Ich fand dies sehr spannend, aber sowohl der Befall als auch die Behandlung war offensichtlich sehr schmerzhaft. Die Indios gratulierten ihm anschließend noch, dass er es so gut ertragen hatte. Interessant war, dass man die ganze Stelle vorher mit Rum desinfizierte. Den hätte man schließlich auch trinken können. Deshalb mag man im Regenwald keine Mangofliegen und ähnliche. Die gleiche Sache kann man sich übrigens auch in Afrika einfangen und auch nicht nur im Regenwald.

Der Niederländer kam anschließend in Paramaribo stationär in eine Klinik wegen der Entzündungen.
Unschöne Sache, das ganze.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Teil 1902. Apr. 2021
Am letzten Abend in Paramaribo gingen wir noch einmal in das anfangs erwähnte chinesische Restaurant, von dem wir wirklich begeistert waren, auch wenn das Ambiente –wie soll ich sagen- noch in Nuancen kleine Verbesserungsmöglichkeiten böte. Aber besser so mit tollem Essen als ein tolles Ambiente mit Furz und Feuerstein und das Essen taugt nichts.

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Wir trafen uns dann mit einer der Niederländerinnen an der Waterfront (von ihr erfuhren wir auch vom Krankenhausaufenthalt ihres Kumpels), wo es mehrere Kioske und Sitzgelegenheiten gab und nahmen noch die ein oder andere Hopfenkaltschale zu uns.

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Am nächsten Morgen verpackten wir die Räder mit den Kartons, die wir in der Unterkunft für die Dauer der Reise deponieren konnten. Hier hatten sich auch schon wieder Tiere eingenistet – Prachtexemplare von Kakerlaken, die aber schnell das Weite suchten. Nur legen Kakerlaken ja auch gerne mal Eier in Wellpappe …
Wieder zuhause wurde der Karton gleich am Flughafen entsorgt und das restliche Gepäck stand erst einmal zwei Wochen in der frostigen Garage, um evtl. weitere Exemplare loszuwerden. Kakerlaken sind zwar sehr anpassungsfähig, aber die tropischen Varianten überstehen den Frost angeblich wohl nicht.

Wer allerdings Haustiere mag, aber nicht viel Zeit hat, sich darum zu kümmern, sollte darüber nachdenken, ein weibliches Tier dieser Gattung nach Hause zu schmuggeln. Kakerlaken als Haustiere sind genügsam, vermehren sich prächtig und suchen sich sogar ihr Futter selbst. Einfacher geht’s gar nicht. Selbst während der Zeit des Urlaubs muss man niemanden finden, der sie füttert. Kein Vergleich zu Hunden oder Katzen oder gar Pfeilgiftfröschen …
„Kannst Du bitte mal alle drei Tage meine Kakerlaken füttern?“ ist ein Satz, den sicherlich noch niemals jemand auf der ganzen Welt gehört hat.

Wir sind nun am Ende dieses Berichts. Es folgt demnächst nur noch ein kurzes Fazit.

Gruß
Wolfgang
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