Ich muss leider gleich zu Beginn zugeben, dass die Idee für diese Reise nicht von mir stammte, sondern von Joachim. Mit Joachim haben wir im Laufe der Jahre viel zusammen unternommen, waren gemeinsam klettern und in Afrika. Joachim war auch bei der Sahara-Durchquerung mit dabei, hat aber deutlich länger durchgehalten als ich. Er hat sich erst 3 Tage vor Ankunft in Dakar das Bein gebrochen. 😎
Im Frühjahr 2000 waren wir somit beide fleißig bei der Reha und überlegten was wir machen wollen, wenn wir wieder fit sind. Da Joachim seit seinem Studium begeisterter Wildwasserpaddler war und wusste, dass auch Kathrin und ich gern mit dem Kanu unterwegs sind, schlug er als Kontrast zur Wüste mal ein wenig Wassersport vor. Er hätte da von einem sehr interessanten Fluss gehört, dem South Nahanni River. Wir waren der Idee gegenüber aufgeschlossen und Joachim versuchte an weitere Informationen zu gelangen. Das war zu Beginn des Internet-Zeitalters längst nicht so einfach wie heutzutage.
Ein paar Wochen später hatte er genug Informationen zusammen.
- 600km vom Quellsee bis zur Mündung in den Liard River. - Wildwasser bis Schwierigkeitsgrad III+. - Keine Versorgungsmöglichkeiten. - Kontakt zur Außenwelt nur an 2 Rangerstationen. - Spektakuläre Landschaften und Tierwelt.
Das hörte sich doch sehr vielversprechend an. Die Befahrung des South Nahanni Rivers sollte unsere nächste große Reise werden. Wir begannen mit der konkreten Planung.
Teil 223. Nov. 2020
Planung & Vorbereitung
Als erstes mussten wir herausbekommen, wo wir vor Ort Boote ausleihen können und wie wir zum Startpunkt der Tour, den Moose Ponds kommen. Die Lösung für beides fanden wir in Fort Simpson, wo es mehrere Bootsverleiher und Air Charter Companys gab. Wie so häufig steckt der Teufel aber im Detail, denn es stellte sich heraus, dass der Startpunkt unserer Tour, die Moose Ponds nur mit den kleinen 4-Sitzern oder den großen zweimotorigen Flugzeugen zu erreichen ist. Da der Preis für eine Twin Otter ein Vielfaches betrug, war klar, dass wir zeitversetzt anreisen müssen. Joachim und Wolfgang hatten mehr Urlaub als wir und würden deshalb einen Tag vor uns anreisen.
Damit waren wir auch schon beim nächsten Thema. Wie lange wollen/können wir unterwegs sein? Letztendlich kamen wir auf 22 Tage auf Tour, zuzüglich jeweils 2 Tage für An- und Abreise. Start würde Mitte Juli 2001 sein.
Damit war das planerisch das Wichtigste erledigt. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was uns erwartet, machten wir aber noch im Spätsommer 2000 eine Probetour in Nordschweden.
Über den Winter ruhte die Planung aber je näher die Expedition kam, umso mehr mussten wir uns mit den Details beschäftigen. Am anspruchsvollsten war dabei die Planung der Ausrüstung und Verpflegung. Aufgrund des maximalen Startgewichts und der Reichweite des Flugzeugs standen uns pro Person gerade einmal 20kg für Gepäck zur Verfügung. Wir reduzierten unsere Ausrüstung daraufhin schon auf das Nötigste, trotzdem blieben pro Person gerade einmal etwas über 10kg für Proviant übrig. Da wir dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzten, organisierten die beiden Bootsbesatzungen die Verpflegung jeweils für sich allein, wären wir uns bei der restlichen Ausrüstung natürlich abstimmten, damit wir nichts doppelt dabei hatten.
Kathrin und ich stellten für uns einen strengen Verpflegungsplan auf. Oberste Maxime war soviel Kalorien wie möglich. Pro Tag würde es für jeden von uns geben:
Damit war unser Gewichtslimit eigentlich erreicht. Durch umverpacken in vakuumverschweißte Plastikbeutel schaffte ich es aber 2kg Verpackungsgewicht einzusparen, welche ich in einen Liter Olivenöl sowie Kartoffelpüreepulver und Pemikan investierte. Aus den beiden letztgenannten Zutaten kann man eine Art extrem kalorienhaltiges Lapskaus zubereiten, und war als Notfallration geplant.
Darüber hinaus packten wir noch einen kleinen Beutel mit 5kg zusätzlichen Leckereien, wie Thunfisch, Speck, Wurst, Käse, Milch- und Puddingpulver. Wir hofften, dass man es mit dem Gewicht nicht so ganz genau nehmen würde und wenn doch würden wir einfach diesen Beutel in Fort Simpson zurücklassen.
Die notwendige Ausrüstung bekamen wir also mit. Die Fotoausrüstung war bislang noch nicht dabei. Der einzige Ausweg der mir blieb, war das Gewicht der Fotoausrüstung bei mir einzusparen, d.h. ich musste bis zum Abflug noch 3kg abnehmen.
Ab dem nächsten Kapitel gibt es dann auch Fotos. Allerdings wieder nur eingescannte Dias.
Teil 326. Nov. 2020
Anreise
Ab diesem Kapitel geht es mit den Fotos los. Damit auch Kathrin & ich hin und wieder auftauchen, werde ich in dem Bericht auch Fotos zeigen, die Joachim gemacht hat.
Die Organisation der Anreise war schon eine logistische Herausforderung. Um von Hannover zu den Moose Ponds zu kommen bedurfte es insgesamt 6 Flüge:
Über Buchungssysteme in Deutschland konnten wir lediglich die Flüge bis Edmonton buchen. Für die Inlandsflüge bis Fort Simpson mussten wir erst einmal herausfinden, welche Airlines diese Regionalverbindungen bedienen und haben dann direkt bei First Air gebucht. Für die letzte Etappe hatten wir dann privat eine kleine Cessna gechartert. Da die Cessna nur 2 Passagiere aufnehmen konnte, reisten wir um einen Tag zeitversetzt an. Joachim und Wolfgang starteten bereits einen Tag vor uns. Somit mussten 12 Flüge reibungslos aufeinander abgestimmt funktionieren, damit wir uns am wie geplant am Startpunkt unserer Tour treffen konnten.
Insgesamt waren wir 2 Tage unterwegs. Am ersten Tag flogen wir mit Air Canada bis Edmonton, wo wir in der Nähe des Flughafens in einen Hotel übernachteten. Etwas nervig war, dass wir in Calgary unser Gepäck in Empfang nehmen mussten, da dies der offizielle Einreiseort nach Kanada war. Nach dem Zoll konnten wir es gleich wieder aufgeben, um es nach einer Stunde Flug in Edmonton erneut in Empfang zu nehmen.
Am nächsten Tag ging es mit einer uralten 737 weiter nach Yellowknife. In Yellowknife stellen wir dann fest, dass wir damit noch in recht modernem Equipment unterwegs waren. Es gibt andere Airlines im Norden Kanadas, die noch immer DC-3 im Einsatz haben. Selbst heutzutage noch: Buffalo Airways
Die Maschinen wurden immer kleiner. Für den Flug nach Fort Simpson sitzen wir in einer zweimotorigen Propellermaschine. Die Stewardess trägt hier auch kein schickes Kostüm, sondern einen Mechanikeroverall und ist nicht nur für das Wohl der Passagiere, sondern auch für die Gepäckverladung zuständig.
Gegen den Flughafen von Fort Simpson ist Maun ein internationaler Großflughafen.
Am Flughafen werden wir schon von unserem Bootverleiher erwartet. Die Ausrüstung hat er schon dabei und so geht es gleich zum Mackenzie River, wo die gecharterte Cessna bereits auf uns wartet.
Der Pilot ist gerade am auftanken. Die Tanks werden bis auf den letzten Liter gefüllt, denn unser Ziel liegt am äußersten Rand der Reichweite.
Unser Gepäck ist schnell verstaut. Das Kanu wird einfach auf einen Schwimmer gebunden. Unser kleines zusätzliches Fresspaket wird zum Glück nicht beanstandet.
Um 18:00Uhr wird der Motor gestartet. Da flussaufwärts gleich eine Biegung kommt, versucht der Pilot erst einmal mit der Strömung zu starten. Da wir aber das maximale Startgewicht erreicht, wenn nicht gar überschritten haben, schlägt dieser Versuch fehl. Wir erreichen nicht genug Geschwindigkeit, damit die Schwimmer ins gleiten kommen und dass wiederum ist die Voraussetzung um die Startgeschwindigkeit zu erreichen. Erst gegen die Strömung und mit kräftigem Aufschaukeln kommen wir ins gleiten. Beim Start gewinnen wir dann so langsam an Höhe, dass ich das Gefühl habe, wir steigen gar nicht aktiv, sondern einzig die Erdkrümmung sorgt dafür, dass sich die Entfernung zum Boden erhöht, während wir geradeaus fliegen.
Die nächsten 3,5h fliegen wir über grandiose unberührte Natur. Auf dem letzten Teil des Fluges bekommen wir schon einen Eindruck von den nächsten Tagen, denn es geht entlang des Oberlaufs des South Nahanni River. Kathrin bekommt von alldem nichts mit. Die letzten beiden Tage fordern Tribut und Sie schafft es einfach nicht die Augen offen zu halten; verschläft den gesamten Flug.
Sanft setzt die Cessna auf den Moose Ponds auf und der Pilot legt direkt bei den Zelten von Joachim und Wolfgang an. Schnell ist das Gepäck entladen und dann macht sich der Pilot auch schon auf den Rückflug. Zum Abschied fragt er uns noch, ob es uns hier gefällt. Als wir dies bejahen, mein er nur, dass wäre gut für uns, denn mitnehmen könne er uns sowieso nicht. Der Flieger hätte nur im komplett leeren Zustand ausreichend Reichweite für den Rückflug.
In der Tat ist es hier ausgesprochen schön. Wir befinden uns knapp oberhalb der Baumgrenze, hier wachsen nur noch Büsche und Sträucher. Am gegenüber liegenden Seeufer überragt der Mount Wilson eindrucksvoll die Moose Ponds
Freudig begrüßen wir Joachim und Wolfgang. Wir können noch gar nicht fassen, dass letztendlich alle 12 Flüge reibungslos funktioniert haben. Aus heutiger Sicht bin ich erst recht erstaunt darüber, oder waren die Flugverbindungen vor 20 Jahren noch zuverlässiger.
Joachim und Wolfgang haben einen sehr schönen Platz direkt am Ufer gefunden. Schnell steht auch unser Zelt. Für diese Tour haben wir extra in ein Hilleberg „Saivo“ investiert. Wie sich im Laufe der Tour noch zeigen wird, war diese Investition Gold wert.
Danach beginnen wir mit der allabendlichen Routine, die uns für die kommenden 3 Wochen begleiten wird. Als erstes gibt es eine warme Mahlzeit in Form eines gefriergetrockneten Fertiggerichts und danach wird das Brot für das Frühstück am nächsten morgen gebacken.
Joachim und Wolfgang berichten von Ihrem vergeblichen Versuch den Mount Wilson zu besteigen. Sie sind schlicht und einfach am dichten Bewuchs der Hänge gescheitert. Durch das Gebüsch war einfach kein durchkommen.
Problematisch ist bei diesem ersten Camp, dass wir mangels Bäumen kein bärensicheres Foodcache errichten können. Es wäre der absolute Worst Case, wenn uns ein Bär die Nahrungsmittel auffrisst. Deshalb verteilen wir die Lebensmittelsäcke in verschiedenen Depots im dichten Gebüsch um zumindest einen Totalverlust zu verhindern.
Als wir in die Schlafsäcke kriechen ist es gegen 2:00Uhr morgens. Stirnlampen haben wir trotzdem nichtbenötigt, da es so hoch im Norden zu dieser Jahreszeit nicht richtig dunkel wird.
Teil 430. Nov. 2020
Lockeres Einpaddeln am ersten Tag
Der Tag beginnt mit klarem Himmel und Sonnenschein. Während wir frühstücken steigt dichter Nebel vom See auf, der sich aber nach kurzer Zeit schon wieder verflüchtigt hat. Das war ein ganz zauberhafter Anblick.
Für heute haben wir nur eine kurze Etappe vor uns und lassen uns dem entsprechend Zeit. Während wir die Stille des Morgens genießen, sind wir uns auch sehr deutlich bewusst, wie weit entfernt von jeglicher Zivilisation wir uns befinden. Die nächste Möglichkeit Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen ist der Nationalpark-Ranger am Rabbitkettle Lake, welchen wir aber erst in rund einer Woche erreichen werden.
Wichtigste Maxime ist deshalb bei dieser Tour jedes unnötige Risiko zu vermeiden. Für Leichtsinn ist hier kein Platz. Für den Fall der Fälle ist aber natürlich vorgesorgt. Von einem gut befreundeten Arzt habe ich das stärkste Schmerzmittel und das stärkste Breitbandantibiotikum mitbekommen, welche in Deutschland zugelassen sind. Nach seinen Angaben steht man damit selbst einen offenen Knochenbruch oder einen Blinddarmdurchbruch für eine Woche durch. Beides Vorstellungen, die ich mir gar nicht näher ausmalen will.
Wir packen ein und beladen die Boote. Heute wird der Fluss keine großen Anforderungen an uns stellen, so dass wir uns keine großen Gedanken um die Beladung machen müssen und uns auch nicht umziehen müssen.
Als wir in See stechen, deuten nur noch ein paar Fußspuren darauf hin, dass wir hier übernachtet haben.
Wir starten auf dem nordwestlichen See der Moose Ponds und müssen diesen ganz überqueren, um den Ausfluss zu erreichen. Hier entspringt der South Nahanni River. Entgegen unserer Erwartung verbindet der South Nahanni aber nicht die einzelnen Seen der Moose Ponds sondern fließt an diesen vorbei.
Bald stoßen wir auf ein erstes Hindernis. Bieber haben mit einem soliden Damm den Fluss aufgestaut und wir müssen die Boote drum herum tragen. Eigentlich hatten wir nur eine einzige Portage auf dieser Tour eingeplant. 😉 Von den Erbauern des Damms ist leider nichts zu sehen.
Danach schlängelt sich der Bach gemütlich durch eine weite Wiesenlandschaft. Den gesamten Tag dominiert noch der Mount Wilson den Ausblick. Von den Anforderungen erinnert der South Nahanni hier an einem norddeutschen Heidefluss. Die Strömung ist zügig und die größte Herausforderung ist, mit den langen Booten durch die engen Kurven zu kommen.
Durch die vielen kleinen Zuflüsse aus den anderen Seen ist der South Nahanni beim Verlassen der Moose Ponds bereits doppelt so breit, wie an seinem Ursprung. Wir haben jetzt ein weites Tal erreicht und der Fluss weist erste kleine Schwalle auf. Alles noch ganz easy, wie auf einem deutschen Mittelgebirgsfluss.
Am ersten größeren Nebenfluss, der von Norden in den South Nahanni mündet, beenden wir die heutige Etappe. Zum einen müssen wir ab hier ganz anders ausgerüstet weiterpaddeln und zum anderen bietet die Kiesbank an der Mündung perfekte Bedingungen für ein Camp.
Da man beim paddeln die ganze Zeit sitzt, kommen die Beine immer etwas zu kurz. Am gegenüber liegendem Ufer erhebt sich ein kleiner Hügel und nachdem das Camp eingerichtet ist, mache ich mich auf den Weg dort hinauf. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf unser Camp und den weiteren Verlauf des South Nahanni.
Der Magen knurrt, und so bleibe ich nicht lange. Joachim und Wolfgang sind bereits am Kochen und ich geselle mich auch schnell dazu. Aufgrund unseres limitierten Gepäcks kochen und backen wir auf der Tour ausschließlich auf offenem Holzfeuer.
Es hat bislang sehr angenehme Temperaturen, die ich so weit im Norden und in dieser Höhe niemals erwartet hätte. Bis zum schlafen gehen kann man im T-Shirt am Lagerfeuer sitzen.
Mit ein paar Schmetterlingen im Bauch schlafe ich ein, denn morgen wird es schon deutlich anspruchsvoller auf dem Fluss.
Teil 503. Dez. 2020
Rock Gardens, Teil 1 – erstes Wildwasser
Für den gestrigen Tag hatte es ausgereicht einfach das Gepäck ins Boot zu schmeißen und los zu paddeln. Heute kamen wir erst relativ spät los, denn so konnten wir nicht weiterfahren. Wir mussten uns und die Boote wildwassertauglich herrichten.
An den Booten wurde vorne und hinten je eine 20m Wurfleine befestigt. Das Besondere an diesen Seilen ist, dass sie Schwimmen. Benötigt werden Sie in erster Linie zum Bergen und Retten. Alle Gepäckstücke wurden mit Reepschnur fest am Boot vertäut, damit sie im Fall einer Kenterung im Boot bleiben und nicht verloren gehen.
Abschließend montierten wir die Persenning am Boot. Diese verschließt bis auf die beiden Sitzluken das eigentlich offene Kanu, so dass es bei größeren Wellen nicht vollläuft. Die Persenning besteht aus zweit Teilen, die mittel Riemen und Klettverschluss miteinander verbunden werden. Bei der Montage erleben wir eine sehr unangenehme Überraschung. Anscheinend ist es nicht genormt, auf welcher Seite sich der Klett und auf welcher Seite sich der Stoff befindet. Wir hatten zwar ein Vorder- und ein Hinterteil, aber beide mit Stoff und kein Klett, so dass wir sie lediglich mit den Riemen zusammenzurren konnten, die Überlappung aber nicht wasserdicht verschließen konnten. Damit hatten wir eine weitere Öffnung, durch die Wasser ins Boot kommen konnte. Mal sehen, was dieser Umstand für die Tour bedeuten wird. Der Schöpfbecher kommt auf jeden Fall in unser Boot.
Wir selbst quetschten uns in unsere Neopren-Anzüge und auch die Neoprenschuhe kamen zum Einsatz. Das Wasser des South Nahanni ist eiskalt – ca. 4°C. Für die schwierigsten Passagen legten wir Helme und Rettungswesten griffbereit.
Wir hatten unser Camp an dieser Stelle gewählt, da hier die Rock Gardens beginnen; 90km fast durchgehendes Wildwasser bis hin zum Schwierigkeitsgrad III+. Zum Glück steigern sich die Anforderungen und die schwersten Passagen kommen erst an den beiden folgenden Tagen.
Zu Beginn war die Strömung noch sehr gemächlich. Es gab nur wenige leichte Stromschnellen und die größte Herausforderung war, zwischen den vielen Felsen im Wasser, eine mit den großen Booten fahrbare Passage zu finden. Immer wieder musste ich aufstehen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen.
Hier hatten wir auch die erste besondere tierische Begegnung. Am Ufer tauchte ein einzelnes Karibu auf und lief über eine Kiesbank. Tierfotografie ist aus einem schwankendem treibenden Boot eine ganz andere Herausforderung als aus einem Auto. Man kann z.B. längst nicht so nah heranzoomen, wie man eigentlich möchte, da das Bild sonst unter Garantie verwackelt ist.
Zur Mittagspause teilten sich Kathrin und ich wie immer eine 200g Tafel Aldi-Schokolade. Lediglich die Sorten wechselten.
Das Wetter zeigte sich an diesem Tag sehr wechselhaft. Mal schien die Sonne und kurze Zeit später war es wieder stark bewölkt. Regen fiel zum Glück nicht.
Ab hier sollten auch die Stromschnellen langsam heftiger werden und so fuhren wir für den Rest des Tages mit Helm und Rettungsweste.
In einer der Stromschnellen übersahen wir dann leider einen unter der Wasseroberfläche liegenden Stein und saßen in Bootsmitte auf. Sie Strömung drehte uns quer und drückte das Wasser über den Bootsrand, so dass es an der nicht dichten Verbindung unserer Persenning ins Boot lief. Wir konnten uns zwar noch von dem Fels befreien, waren dann aber aufgrund des vielen Wassers im Boot vollkommen manövrierunfähig und kenterten. Zum Glück war das Wasser nicht ganz hüfttief und so war ich mit einer Wurfleine schnell am Ufer, wo ich die Leine festbinden konnte und so ein abtreiben des Bootes verhindern konnte. Kathrin war auch schon am Ufer. Wir hatten vereinbart, dass Sie sich im Fall einer Kenterung lediglich um Ihr Paddel kümmert und ansonsten zusieht, so schnell wie möglich aus dem Wasser zu kommen. Die größte Anstrengung war, dass schwere vollgelaufene Boot ans Ufer zu ziehen. Als das geschafft war, musste das Boot nur kurz umgedreht werden und schon konnte es weitergehen. Das Gepäck war gut verzurrt; alles noch an Ort und Stelle.
Wir beendeten die Fahrt bevor die wirklich anspruchsvollen Passagen losgingen. Zum einen hatten wir einen sehr schönen Übernachtungsplatz auf einer Kiesbank gefunden und zum anderen wollten wir uns lieber ausgeruht am nächsten Tag der Herausforderung stellen.
Nach dem Abendessen war wie immer Brot backen angesagt. Das gelang uns immer sehr gut. Wir hatten uns für diese Tour für Topfbrot aus Hefeteig entschieden. Ist ganz leicht zu machen. 250g Mehl mit Hefe, Salz, 40ml Olivenöl und Wasser zu einem zähen festen Teig verarbeiten und dann 40min. gehen lassen. Dafür stellte ich den Topf in die Nähe des Feuers und drehte ihn alle 10min. um 90°. Dann bei nur mäßiger Hitze sanft für 30min. backen. Erst 20min. von der einen Seite, dann noch 10min. von der anderen Seite.
Wie Ihr seht, gab es am nächsten Morgen Kräuterbrot.
Insgesamt beanspruchte das Campleben einiges an Zeit. Nach der Ankunft am Übernachtungsplatz waren wir immer noch für min. 4h voll beschäftigt. Wie gut, dass die Tage so lang waren.
An diesem Abend konnten wir erstmals ein bärensicheres Foodcache installieren.
Gute Nacht
Teil 608. Dez. 2020
Rock Gardens, Teil 2 – jetzt geht’s rund
Heute sind wir den ganzen Tag über durchgehend in anspruchsvollem Wildwasser unterwegs. Es gibt keine Verschnaufpausen in Form ruhiger Flussabschnitte, in denen man sich auch mal ein paar Minuten treiben lassen kann. Nur vor extrem schweren oder unübersichtlichen Passagen landen wir an, um die sicherste Strecke zu erkunden. Das kostet aber immer viel Zeit und so fahren wir meist auf Sicht, um voranzukommen.
Mit Walzen, hohen Wellen und tiefen Löchern kommen die großen Kanus gut zurecht. Die Schwierigkeit besteht aus den vielen Felsen im Wasser. Am tückischsten sind die knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Felsen. Die Dickschiffe sind nicht gerade sehr wendig und so ist der ständige Slalom zwischen den Felsen hindurch nur möglich, wenn beide Paddler perfekt harmonieren. Dabei kommen die Steuerkommandos immer von der hinteren Person. Kathrin und ich paddeln schon seit Jahren zusammen und so sind dafür nicht mehr viele Worte nötig: „Ziehen“, „Vollgas“, „Bogen“, „zurück“ und „Abstoßen“, kombiniert mit rechts oder links. Viel mehr bedarf es nicht, um gut durchzukommen.
Einmal erwischt es uns aber doch. Ein unter der Wasseroberfläche liegender Fels trifft uns rechts in Bootsmitte. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerade links aufgekantet hatte, werden wir augenblicklich ausgehebelt und nehmen ein unfreiwilliges Bad. Glücklicherweise ist auch an dieser Stelle das Wasser so flach, dass ich noch stehen kann, und so sind wir nach kurzer Zeit schon wieder startbereit.
Unsere 3 Verpflegungspausen haben wir heute nicht zeitlich über den Tag verteilt, sondern die Anlandungen zum Erkunden der schwersten Abschnitte dafür genutzt.
Als sich erste Anzeichen von Erschöpfung bemerkbar machen, beenden wir die Fahrt am ersten ruhigen Flussabschnitt des Tages. Jetzt nichts mehr riskieren.
Die lichten Hänge über unserem Lager erstrahlen in den Farben der Heideblüte. In der Sonne ein herrlicher Anblick.
Leider schien die Sonne den ganzen Tag nur sehr selten. Auch am Abend sieht es nach Regen aus und so bauen wir vorsichtshalber erstmals das Tarp auf.
Teil 717. Dez. 2020
Rock Gardens, letzter Teil – kurz aber heftig
Wir hatten die Rock Gardens schon fast bewältigt. Für heute standen nur noch wenige Kilometer Wildwasser auf dem Programm, bevor es dann für einige Zeit deutlich geruhsamer werden sollte. Diese wenigen Kilometer hatten es aber in sich. Mit Hollywood Rapid und The Sequel standen die anspruchsvollsten Passagen der Rock Gardens an. Die Namen waren Programm, denn beim besichtigen dieser beiden direkt aufeinander folgenden Stromschnellen fanden wir gute Fotopositionen, um den Ritt durch die Wellen zu dokumentieren. Zur Sicherheit hatten die Fotografen auch die Wurfsäcke dabei, um im Falle einer Havarie bei der Bergung behilflich zu sein. Es ging aber alles gut.
Nach Passagen mit solch großen Wellen mussten wir dann trotz Persenning immer erst einmal das übernommene Wasser aus den Kanus schöpfen. Wir aufgrund der fehlerhaften Persenning deutlich mehr als das andere Boot.
Kurz darauf kam ein großer Zufluss von Norden und damit wurde es schlagartig ruhiger. Keine einzige Stromschnelle mehr. Insgesamt hatte man den Eindruck plötzlich auf einem ganz anderen Fluss unterwegs zu sein. Der South Nahanni war ab hier auch viel breiter und tiefer.
Nach rund 6h paddeln machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Camp.
Unsere erste Wahl haben wir schnell wieder verworfen, nachdem wir frische Bärenspuren gefunden hatten. Der „Schuhgröße“ nach vermuteten wir einen Grizzly. Vor Grizzlys hatten wir gehörigen Respekt, denn während man in Afrika im Zelt sicher vor Raubkatzen ist, verhält sich das bei Bären ganz anders. Bären sind keine visuellen Jäger, sondern gehen der Nase nach. Wenn es aus dem Zelt lecker riecht, versuchen sie an den Inhalt zu kommen.
Also hängten wir noch eine Extraschicht an den Paddeltag und fuhren noch eine halbe Stunde weiter.
Es gibt an den Ufern des South Nahanni zum Glück jede Menge Campmöglichkeiten. So war das kein Problem.
Auch heute war es den ganzen Tag über bedeckt, aber wenigstens trocken.
Teil 821. Dez. 2020
Moore‘s Hotspring
Der Tag begann kühl und bedeckt. Frühstück und Abbau des Camps konnten wir aber im trockenen über die Bühne bringen.
Da wir für heute einen durchgehend ruhigen Fluss erwarteten, tauschen wir nach 3 Tagen die Neoprenanzüge wieder gegen normale Outdoorbekleidung.
Die Landschaft am Fluss war schön, aber unspektakulär.
Nach einigen Kilometern erreichten wir die Einmündung des Little Nahanni Rivers in den South Nahanni River.
Hin uns wieder gab es kleinere Schauer, dafür wurden aber auch die Wolkenlücken größer. Insgesamt hatten wir heute bestes Aprilwetter.
So wie auf diesem Foto gab es überall am Ufer riesige Treibholzansammlungen. Es mangelte uns somit nie an ausreichend bestem Feuerholz.
Am Nachmittag erreichten wir Moore’s Cabin. Diese Hütte hatten sich Joanne & John Moore 1978 zu Ihrer Hochzeit gebaut und dann ein Jahr Honeymoon dort verbracht. Seitdem steht die Hütte leer und verfällt zusehens.
In der Nähe sollte sich auch eine heiße Quelle befinden. Dort wollten wir unser nächstes Camp errichten. Nach unseren Informationen sollte sich Moore’s Hotspring in einem Seitenarm des South Nahanni befinden und so paddelten wir in alle Seitenarme die befahrbar waren. Die Quelle fanden wir nicht, wohl aber ein richtiges Biberparadies.
Unglaublich, wie die fleißigen Nager die Landschaft in diesem Areal umgestaltet hatten. Die Tiere selbst bekamen wir hier aber nicht zu Gesicht. Insgesamt haben wir auf dieser Tour mehrfach Biber gesehen, ein Foto war aber nie möglich, da die Tiere sofort abtauchten, wenn man sie entdeckt hatte.
Wir hatten die Hoffnung auf ein warmes Bad schon aufgegeben, als wir am Ufer Dampfschwaden entdeckten. Zu guter Letzt hatten wir Moore’s Hotspring doch noch gefunden. Nicht in einem Seitenarm, sondern auf einer Sandbank direkt am Ufer. Der Verlauf des Flusses ändert sich anscheinend von Jahr zu Jahr.
Endlich nach einer Woche unterwegs, die erste Möglichkeit zur Körperpflege. Zumindest bei mir, denn während sich Kathrin auch von Wassertemperaturen um 5°C nicht von Ihrem täglichen Bad abhalten lies, hatte es bei mir, als bekennendem Warmduscher, bislang maximal zu einer oberflächlichen Katzenwäsche gereicht.
Am Abend hatten wir dann großes Glück mit dem Wetter. Während es bei uns trocken blieb, ging in den Bergen am gegenüber liegendem Ufer ein kräftiger Schauer nieder. Die tief stehende Sonne sorgte für einen spektakulären Regenbogen.
Teil 928. Dez. 2020
Broken Skull River
Über Nacht hatte sich das Wetter deutlich verschlechtert. Es war kalt und regnerisch. Viel zu sehen gab es nicht. Die umliegenden Berge blieben die meiste Zeit in den Wolken verborgen.
Pause im Regen.
Bei derart trübem Wetter wurde uns erstmals bewusst, dass wir seit einer guten Woche auf Diät waren. Solange man beschäftigt und abgelenkt ist, kommt man damit noch recht gut zurecht. Wenn man aber den ganzen Tag nur stumpf vor sich hin paddelt, drehen sich alle Gedanken nur noch ums Essen.
Wir hatten für heute 6h paddeln geplant. Alle 1,5h eine Verpflegungspause. Einige Zeit nach dem Start ein Blick auf die Uhr. Kann doch gar nicht sein - noch nicht einmal 30min. unterwegs. Einige Zeit später – verdammt immer noch fast eine Stunde. Die Zeit vergeht heute nur in Zeitlupe. Dann ist die erste Teiletappe endlich geschafft und man hofft so schnell wie möglich einen Platz zum anlanden zu finden, was aber nicht immer möglich ist.
Der kleine Fruchtriegel ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dem entsprechend zieht sich die zweite Teiletappe noch mehr. Dafür machen die 100g Schokolade in der zweiten Pause schon recht satt, vor allem aber glücklich. Die nächst Teiletappe läuft besser, aber zum Ende hin macht sich der Hunger schon wieder bemerkbar. Die letzte Teiletappe zieht sich dann wieder. Diese Teiletappe dauert dann auch meist etwas länger, denn einen guten Platz für das Camp zu finden ist schwieriger, als bei einen Pausenplatz.
Einzige Abwechslung am heutigen Tag sind die Ellbow Rapids, bei denen der South Nahanni einen 90°-Knick in Richtung Südosten macht. Vom Paddeln her keine große Herausforderung, aber wenigsten ein bisschen Action.
Unser Camp schlagen wir heute auf der großen Kiesbank an der Einmündung des Broken Skull River auf. Viele geografische Namen der Region sind ganz schön gruselig und man will den Ursprung gar nicht so genau wissen.
Gegenden knurrenden Magen und zur Belohnung für den heutigen Tag gab es zusätzlich zum regulären Abendessen die erste unserer Zusatzrationen (Pemikan mit Kartoffelpüree). Das erste Mal auf der Tour kroch ich gut gesättigt in den Schlafsack.
Teil 1004. Jan. 2021
Brintnell Creek
Heute schien zum Frühstück endlich mal wieder die Sonne. Da steigt die Laune und es wird einem nicht nur warm ums Herz.
Leider hielt das gute Wetter nicht an. Kaum waren wir wieder auf dem Fluss, zog es zu und fing wieder zu regnen an. Vom Prinzip das gleiche Spiel wie gestern. Wieder das zählen der Minuten bis zur nächsten Pause. Das Paddeln hatte auch etwas sehr Stupides. Wenn man es positiver ausdrücken will, könnte man auch sagen, etwas sehr Meditatives. In dem Moment fühlte es sich aber nicht positiv an.
Der South Nahanni bietet in diesem Abschnitt keinerlei Herausforderungen. Weder gibt es Stromschnellen, noch sind enge Biegungen zu befahren. So sitzt man mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze im Boot, den Blick nur wenige Meter vor den Bug gerichtet. Das Paddel taucht mit der Gleichmäßigkeit eines Metronoms ins Wasser und alle viertel Stunde wird die Seite gewechselt.
Die Berge in der Umgehung wurden höher. Zum Teil waren Sie sogar leicht vergletschert.
Relativ frühzeitig erreichten wir die die Einmündung des Brintnell Creeks in den South Nahanni, wo wir unser nächstes Camp geplant hatten. Im Gegensatz zu unseren bisherigen Camps zelteten wir hier im dichten Wald, weshalb es bei dem schlechten Wetter sehr dunkel war.
Ein Vorteil hier im Wald war, dass wir nicht groß suchen mussten, um eine passende Stelle für unser Foodcache zu finden. Für ein bärensicheres Foodcache benötigt man zwei Bäume in ca. 5m Abstand, die jeweils in min. 5m Höhe eine stabile Astgabel haben. Über die Astgabeln wird jeweils eine Wurfleine geworfen. Die beiden Wurfleinen werden miteinander verbunden und an dieser Stelle werden auch die Packsäcke mit den Lebensmitteln, den Kosmetika und der beim Kochen getragenen Kleidung befestigt. Dann wird auf beiden Seiten kräftig gezogen, so dass die Packsäcke genau zwischen den Bäumen und in mindestens 4m Höhe hängen.
Damit Ihr nicht aus Langeweile von Bord geht, möchte ich darauf hinweisen, dass der Fluss auch wieder abwechslungsreicher, die Landschaft spektakulärer und das Wetter besser wird. Auch ein paar Tiere gibt es noch zu sehen.
Teil 1107. Jan. 2021
Glacier Lake
Nachdem wir die letzten 10 Tage überwiegend sitzend verbracht hatten, freuten wir uns auf die heute anstehende Wanderung zum Glacier Lake. Dafür hatten wir den gesamten Tag eingeplant.
Zunächst gingen wir ca. 1km flussaufwärts entlang des South Nahanni um dann Richtung Westen in den nordischen Urwald abzubiegen. Hier gibt es nichts, was einem Weg auch nur ähnelt. Der Boden ist meist von einer dicken Moosschicht bedeckt, die Bäume stehen dicht bei dicht. Überall liegen Hindernisse in Form umgestürzter Bäume. Der Blick ist meist durch die Bäume versperrt. Um die Richtung zu halten ist ein Kompass unerlässlich. Erst recht bei bedecktem Himmel, wie heute, wo auch die Sonne zur Orientierung fehlt.
Da es in der Gegend auch reichlich Bären geben soll, machten wir ordentlich Lärm, um die Tiere nicht zu überraschen und ihnen die Möglichkeit zu geben, uns rechtzeitig aus dem Weg zu gehen.
Nach mehreren Stunden stießen wir auf den Brintnell Creek und folgten ihm die letzten paar hundert Meter bis zum Glacier Lake.
Den Glacier Lake hatten wir uns aus einem ganz bestimmten Grund ausgesucht. Oberhalb des Sees liegt der Cirque of Unclimbables. Dieser war schon mehrfach das Ziel extremer Kletterexpeditionen und da wir auch alle Kletterer sind, wollten wir diese berühmten Berge zumindest einmal aus der Ferne mit eigenen Augen sehen.
Schade, dass das Wetter nicht mitspielte. Bei blauem Himmel muss der Blick über den See zum Cirque noch beeindruckender sein. Wenigsten blieb es den ganzen Tag über trocken.
Für den Rückweg wählen wir grob die gleiche Strecke, wie für den Hinweg. Hin und wieder fanden wir Beeren, mit denen wir unseren kargen Speiseplan etwas erweitern konnten.
Am späten Nachmittag waren wir zurück bei den Zelten. Insgesamt sind wir fast 20km in weglosem Gelände unterwegs gewesen und haben dafür rund 8h benötigt.
Teil 1214. Jan. 2021
Rabbitkettle
Über Nacht hatten wir wieder einen Wetterumschwung. Diesmal zum Besseren. Der Tag begrüßte uns mit strahlend blauem Himmel.
Bis zu unserem heutigen Ziel sind wir nur eine Stunde auf dem Fluss unterwegs.
Am unweit des South Nahanni gelegenen Rabbitkettle Lake liegt eine Rangerstation. Hier müssen sich alle Personen melden, die über den Fluss den hier beginnenden South Nahanni National Park betreten.
Da sich der South Nahanni kurz vorher in mehrere Arme aufteilt, ist es wichtig, den richtigen zu erwischen. Ansonsten müsste man 2km gegen die Strömung zurück paddeln. Wir erwischen den richtigen Arm und dort ist der Ausstieg nicht zu verfehlen. Es gibt sogar ein großes Empfangskomitee für uns. Ein paar hundert Meter vor der Anlegestelle sehen wir kurz einen Grizzly, der aber verschwunden ist, bevor ich die Kamera einsatzbereit habe. Direkt am Ausstieg begrüßt uns eine Elchkuh mit Kalb.
Bis zur Rangerstation sind es nur ein paar hundert Meter. Wir sind die ersten Menschen, die der Ranger seit Beginn seiner Schicht vor über einen Monat sieht. Er liebt die Einsamkeit, aber man merkt auch, dass er froh ist, sich mal wieder unterhalten zu können. Die Formalitäten für die Einreise in den National Park sind schnell erledigt. Eintritt wird nicht erhoben.
Der Rabittkettle Lake ist ein See wie auch der kanadischen Tourismuswerbung. In der Ferne kann man den Cirque of Unclimbables sehen.
Was uns in der Gegend aber am meisten interessiert, sind die Rabbitkettle Hotsprings. Warme Tuffquellen. Da die Quellen sehr empfindlich sind, dürfen sie nur in Begleitung des Rangers besucht werden. Das ist aber kein Problem, wir können sofort aufbrechen.
Die einfache Strecke vom See zu den Hotsprings sind ca. 2km. Diesmal gibt es sogar einen richtigen ausgetretenen Wanderweg. Den Rabbitkettle River überqueren wir mit einer Seilfähre.
Die Rabittkettle Hotsprings haben sich im Laufe der Zeit ca. 40m hoch aufgebaut und überragen die umgebenden Bäume deutlich. Es ist in Begleitung des Rangers erlaubt, bis auf die Spitze zu klettern. Um die empfindlichen Sinterstrukturen nicht zu zerstören, müssen die Schuhe allerdings unten bleiben. Das Betreten der Quelle ist nur barfuß erlaubt. Ich laufe sowieso viel barfuß umher, so dass das für mich überhaupt kein Problem ist. Kathrin hat dagegen sehr empfindliche Fußsohlen und leidet ordentlich. Trotzdem lässt sie es sich nicht nehmen, auch mit nach oben zu gehen.
Die Aussicht von oben ist überwältigend.
Wir unterhalten uns wie gesagt sehr viel mit dem Ranger. Auf dem Rückweg berichten wir von den Problemen mit den nicht zusammenpassenden Hälften unserer Persenning. Dazu meint der Ranger, dass er uns wahrscheinlich helfen kann. Er will sich per Funk bei unserem Bootsverleiher melden. Sollte in den nächsten 4 Tagen ein Flugzeug zu den Virginia Falls fliegen, soll er dem eine passende Persenning mitgeben. Wenn das klappen sollte, wäre es eine große Erleichterung. Bis zu den Virginia Falls ist der Fluss ruhig und wir brauchen die Persenning nicht. Danach geht es allerdings wieder ordentlich zur Sache.
Auf der hier im South Nahanni liegenden Insel gibt es nicht nur eine sehr schöne Campmöglichkeit, sondern sogar den Luxus eines Plumpsklos und eines festen Foodcaches in Form eines hohen Podestes, welches nur mittels Leiter betreten werden kann.
Hier auf der Insel fanden wir auch den einzigen Pilz der gesammten Tour, welchen wir gerecht zwischen uns aufteilten. Insgeheim hatten wir gehofft, wie in Schweden, unseren Speiseplan mit Beeren und Pilzen aufpeppen zu können. Beeren haben wir nur hin und wieder gefunden, bei den Pilzen sah es wie gesagt noch dürftiger aus.
Was auch zum Campleben dazu gehörte, war das tägliche Wasser filtern. Eigentlich sollte man annehmen, dass man das Wasser hier in der Wildnis unbedenklich direkt aus dem Fluss trinken kann. Chemisch gesehen, spricht auch nichts dagegen, aber leider ist die Giardia Amöbe in der Region weit verbreitet. Aus diesem Grund hatten wir einen Keramikfilter dabei, welcher die Amöben zuverlässig herausfiltert. Blöd ist lediglich, dass der Filter sich aufgrund der starken Schwebstoffbelastung alle paar Liter zusetzt und gereinigt werden muss. Das ist auch der Grund, weshalb wir unser Camp möglichst an der Mündung kleinerer Nebenflüsse aufschlagen. Die haben meist wesentlich weniger Schwebstoffe. Der Filterdienst wechselt gerecht von Tag zu Tag.
Den Rest des Tages waren wir wie immer mit kochen und backen beschäftigt und genossen das gute Wetter.
Teil 1321. Jan. 2021
Hell Roaring Creek
Über Nacht hat es leider wieder zugezogen. Es ist wieder bedeckt und es fällt auch der eine oder andere Schauer.
Der Tag auf dem Fluss ist unspektakulär. Heute geht es mal wieder nur darum, Strecke zu machen.
Unsere 3. Pause machen wir an der Einmündung des Hell Roaring Creek in den South Nahanni. Wieder ein Bach dessen Name die Fantasie anregt. Als wir feststellen, dass es hier jede Menge wilder Erdbeeren gibt disponieren wir um und entscheiden uns den Tag hier zu beenden und unser Camp zu errichten.
Das Wetter ist nicht nur schlechter geworden, es hat auch deutlich abgekühlt. Die Schauer des Tages sind auf den umliegenden Berggipfeln als Schnee niedergegangen.
Das hat aber nicht nur Nachteile, denn die Temperaturen haben auch Auswirkungen auf die Mückenplage. Heute ist mal wieder ein Abend, an dem wir weitgehend ohne Mückennetze auskommen.
Als Nachtisch gibt es an diesem Tag natürlich selbst gepflückte Erdbeeren.
Die Erdbeeren sind aber nicht der einzige Vorteil dieses Camps. Am Flussufer finden wir einen sehr schrägstehenden Baum, wodurch wir heute sehr einfach unser Foodcache errichten können. Wir müssen lediglich eine Schlinge mit Karabiner oben im Baum festmachen und können dann direkt die Vorräte hochziehen. Das ist wesentlich einfacher als die übliche Variante mit zwei Bäumen.