Ayubowan! Es herrschen außergewöhnliche Zeiten. Umstände, die uns zwingen, zuhause zu bleiben und die Daumen zu drücken, dass der Spuk, der die Welt in Atem hält und ihr gleichsam denselben nimmt, hoffentlich bald vorbei ist. Wir können im April nicht in die Kalahari reisen. Das macht uns traurig. Der notwendige Verzicht und der damit verbundene Schmerz verblassen jedoch im Angesicht der gegenwärtigen Lage immer mehr. Was wir derzeit haben, ist Zeit – mit den Kindern zu spielen, zu lesen, über digitale Kanäle den Arbeitsalltag im Keim aufrechtzuerhalten. Und sich zu erinnern an Tage, die unbeschwerter waren.
Um letzterem Struktur und Ausdruck zu verleihen, habe ich lange überlegt, ob ich einen Reisebericht über unsere 2018er Reise nach Sri Lanka schreiben sollte, um ihn hier im Forum zu veröffentlichen. Er würde sich in eine Reihe von Berichten stellen, die in den letzten Monaten häufiger hier zu finden waren und euch einladen, eine weitere Facette unseres Planenten zu erkunden, die in weiten Teilen ganz anders ist als unser so geliebtes südliches Afrika – die jedoch in Bezug auf die Tierwelt immer wieder für uns recht überraschende Ähnlichkeiten aufweist.
Die Badgers auf Abwegen…
Ich nehme euch also mit auf eine kleine Reise durch die Zeit – zurück in den August des Jahres 2018. Und auf eine Insel, deren Abwechslungsreichtum uns absolut fasziniert hat. Auf engstem Raum – Sri Lanka ist ähnlich groß wie Bayern – finden sich hier die unterschiedlichsten Landschaften – malerische Strände, dichtes Buschland, von wilden Wasserfällen durchzogene Gebirgslandschaften – und eine wahnsinnig reichhaltige Fauna, beherrscht von wildlebenden asiatischen Elefanten, seltenen Lippenbären und dem König des Dschungels: panthera pardus kotiya – dem Sri-Lanka-Leoparden. Die Insel ist darüber hinaus ein kultureller Schmelztigel: Jahrtausendealte Königsstädte künden von einstiger Pracht. Hinduismus und Buddhismus prägen das heutige Leben. Aber auch das Christentum und der Islam werden auf der Insel gelebt. Auf den Betrachter wirkt diese Mischung – dieses leben und leben lassen – harmonisch und so wird es auch von vielen Einheimischen kommuniziert. Man ist bemüht, die Narben des jahrelangen Bürgerkriegs heilen zu lassen oder zu kaschieren – auch wenn wir Vorurteile zwischen den einzelnen Ethnien durchaus bemerkt haben. Nicht zuletzt die Terroranschläge, die Ostern 2019 stattgefunden haben, führen die Fragilität dieser friedvollen Koexistenz vor Augen.
Ich lade euch also herzlich ein, uns noch einmal nach Sri Lanka zu begleiten. Es war die erste (und bisher einzige) Reise, die wir als Familie mit zwei kleinen Mädchen gemeinsam mit einem Guide und einem Fahrer verbracht haben, was zu einigen „Situationen“ geführt hat. Aber das Allein-Fahren in Sri Lanka scheint sich tatsächlich eher nicht zu empfehlen und das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschien uns gerade mit den Kindern für einen Zeitraum von drei Wochen als zu strapaziös – denn wir wollten ja möglichst viel von der Insel sehen. Und so ist eine große Rundtour entstanden, die ich gemeinsam mit einem Kölner Spezialreisebüro im Vorfeld ausgearbeitet habe.
Hier ein Blick auf das, was ihr in den folgenden Tagen und Wochen hier im Detail und mehr oder weniger reich bebildert nachlesen könnt.
1) Galle: Ankommen und Stadtrundgang 2) Safaris im Yala Nationalpark 3) Safaris im Udawalawe Nationalpark 4) Erkunden des Berglandes um Nuwara Eliya 5) Kandy: Ein Tempel für Buddhas Eckzahn und ein königlicher botanischer Garten 6) Die Felsentempel von Dambulla Der Königsfelsen von Sigeriya Die alte Königsstadt Polonnaruwa Safari im Kaudulla Nationalpark 7) Die alte Königsstadt Anuradhapura Safaris im Wilpattu Nationalpark 8) Entspannen und Schnorcheln Strand von Nilaveli 9) Zurück in Kandy: Die Esala Perahera 10) Abschied in Negombo
Auf der Landkarte sieht die Reise dann so aus:
Ich freue mich, wenn der Bericht auf euer Interesse stößt und euch für einige Minuten aus dem coronageprägten Alltag entführen kann.
Herzliche Grüße und bleibt gesund! Sascha
Teil 225. März 2020
Kapitel 1: Eine lange Anreise
Am 1.8.18 ist es soweit: Wir steigen beladen mit diversen Gepäckstücken in den Zug gen Flughafen Frankfurt und verbringen dort angekommen traditionell viel Zeit auf dem großen Raketenspielplatz des Foodcourts. Die Kinder toben sich hier immer ausgiebig aus, was eine gute Voraussetzung für einen angenehmen Flug am heutigen Abend sein wird. Um 22.20 Uhr – also lange nach Kinderschlafenszeit – hebt unser Emirates Airbus 380-800 in Richtung Dubai ab. Ein veritabler Flugzeuggigant ist das.
Es ist unser erster Flug mit dieser Airline und mit diesem Muster und so sind wir von dem Komfort der Holzklasse durchaus angetan. Das Entertainmentprogramm ist vorzüglich (und hält die Kinder trotz vorgerückter Stunde noch länger wach und gut gelaunt), das Essen ist auch wirklich gut (es gibt sogar Kinderbesteck – diese Details machen einen Unterschied… 😉 ) und der Service ist überaus aufmerksam. Kleine Aufmerksamkeiten halten die Kinder außerdem bei Laune: Die Crew fertigt Erinnerungsfotos mit Sofortbildkameras an und verteilt an den Nachwuchs niedliche Kuscheldecken als Geschenke. Irgendwann wird dann sogar etwas geschlafen. So vergeht der erste Flug gefühlt schnell.
In Dubai haben wir nur wenig Zeit zum Umsteigen und so wird der Transfer etwas stressig. Er ist aber so gut organisiert, dass wir (und unser Gepäck) den Anschlussflug noch erwischen. Als wir dann etwas außer Atem und mit erhöhtem Stresspegel in der Maschine sitzen, verzögert sich der Start unseres Weiterflugs… Na toll. 😣 Für einen längeren Tagflug (den wir mit den Kindern eigentlich lieber vermeiden) verläuft aber auch diese zweite Teilstrecke ganz angenehm.
Eine Stunde später als geplant erreichen wir den Flughafen von Colombo. Müde schleppen wir uns durch die Einreiseformalitäten, die zum Glück problemlos und schnell erledigt sind. Der angrenzende Duty Free Bereich überrascht damit, dass vor allem eine sehr große Anzahl von Waschmaschinen im Angebot sind. Aber auch klassischere Ware lässt sich finden, so z.B. 300 Gramm Milka für 10 Dollar. Ein echtes Schnäppchen, auf das wir verzichten… 😛 Willkommen in Sri Lanka
In der Ankunftshalle werden wir bereits von unserem Guide erwartet. Vor uns steht ein kleiner Mann mittleren Alters, dessen kahles Haupt von einer Baseballkappe bedeckt ist. Er lächelt uns freundlich an und stellt sich vor. (Wir haben bei der Organisation der Reise darauf geachtet, dass wir mit einem deutschsprachigen Guide unterwegs sein werden, damit die Kinder direkt etwas von seinen Erklärungen verstehen können und wir nicht ständig dolmetschen müssen.) Nachdem wir Geld getauscht haben, verlassen wir gemeinsam das Flughafengebäude und die Schwüle der Monsunzeit empfängt uns gemeinsam mit unserem Fahrer für die nächsten Wochen: Der junge Mann heißt uns neben seinem Toyota-Bus willkommen. Wir sind überrascht, dass Guide und Fahrer zwei unterschiedliche Personen sind – wir dachten, dass wir (wie bereits einmal in Kenia und Uganda) mit einem Driverguide unterwegs sein werden. Aber hier kommen nun zwei Männer auf eine vierköpfige Familie. Ein guter Betreuungsschlüssel… 😉 Unser Gepäck wird im Kofferraum verstaut und stolz werden uns die organisierten Kindersitze präsentiert. Leider ist im Vorfeld niemandem aufgefallen, dass die Sitze des Busses über keine Dreipunktgurte verfügen und damit die Sitze nicht zu befestigen sind. Solche Situationen sind in der müden und abgekämpften Verfassung nach Langstreckenflügen niemals angenehm – aber nach unseren Kindersitz-Afrika-Erfahrungen haben wir Gelassenheit und Erfindungsreichtum gelernt. Nach einigen Momenten der Ratlosigkeit werden die Sitze kurzum mit unseren Kofferbändern an den Rücklehnen fixiert. Das hält erstaunlich gut. 😎
Und los geht die Fahrt gen Süden. Wir müssen heute noch bis Galle im Südwesten der Insel fahren. Der Flughafen ist durch eine gut ausgebaute Straße mit dem Süden verbunden. Trotzdem dauern die rund 150 Kilometer eine ganze Zeit. Wir fahren durch viele Kokos- und Kautschukplantagen. Alles ist schön grün. Der Himmel trotz Monsunzeit freundlich blau. Unser Guide erzählt während der Fahrt Fakten über Land und Leute. Trotz Müdigkeit hören wir all dem interessiert zu – hätten es aber noch weit mehr gewertschätzt, wenn wir zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst hätten, dass dieser Vortrag mitunter der ausführlichste Sprechakt unseres Guides auf der gesamten Tour sein sollte… 😣
Unser gebuchtes Hotel in Galle hat wegen Renovierung kurzfristig geschlossen und so wurden wir einige Wochen vor Reiseantritt umgebucht und upgegradet. Wir werden die kommenden zwei Nächte im Amari Hotel verbringen. Es handelt sich um ein großes und sehr edles Fünf-Sterne-Haus, das sich direkt an der Küste befindet. Es gehört – trotz seiner Größe – sicherlich zu den besten Hotels, in denen wir bisher genächtigt haben.
Die Luftfeuchtigkeit ist hier schon sehr gewöhnungsbedürftig. Der Ozean ist jahreszeitengemäß überaus rau – an ein Schwimmen im Meer ist nicht zu denken. Als wir die Eincheckprozedur hinter uns gebracht haben und dabei sehr freundlich betreut werden, verabschieden wir uns für heute von unserem Duo und sprechen kurz den morgigen Tag durch, der die Erkundung von Galle als zentralen Programmpunkt haben wird.
Die Abendstunden verbringen wir damit das Hotel zu erkunden und den Blick von unserem Balkon zu genießen.
Wir schlendern am Strand entlang und beobachten dort viele Einsiedlerkrebse in unterschiedlichsten Größen, die sich jedoch einer scharfen Ablichtung verweigern. Dann genießen wir ein Buffet, das wirklich seinesgleichen sucht. Es gibt eine enorme Auswahl an Speisen, die alle von exzellenter Qualität sind: Großartige Currygerichte, frisches Sushi verlockende Süßspeisen. Wir sind sehr begeistert. Begleitet wird das Abendessen von einem Auftritt traditioneller Kandy-Tänzer. Vor den Maskenmännern der Tanzgruppe haben die Kinder durchaus Respekt… Natürlich ist das touristisch, aber trotzdem schön.
Müde fallen wir in unsere gemütlichen Betten und freuen uns auf den kommenden Tag. Herzlich willkommen in Sri Lanka.
Teil 327. März 2020
2. Kapitel: Galle – Zeugnis holländischer Herrschaft
Nach einer erholsamen Nacht werden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt. Ein Blick vom Balkon unseres Zimmers weckt Vorfreude auf den anbrechenden Tag.
Gesättigt von einem rundum wunderbaren Frühstück erkunden wir ein wenig die Hotelanlage und nutzen den Pool. Trotz der Größe der Unterkunft ist es hier überhaupt nicht überfüllt und so sind wir am Strand quasi allein unterwegs.
Am späten Morgen fahren wir dann mit unserem Betreuer-Duo in den historischen Kern Galles. Es geht durch die quirlige 90.000er Metropole, die stark von dem Tsunami 2004 betroffen war. Am Rand des Stadtviertels Fort steigen wir aus dem Wagen. Hier fühlt man sich tatsächlich teilweise ins 17. Jahrhundert versetzt, so gut sind hier die Bauten aus der Zeit der holländischen Besatzer erhalten. Zuerst führen uns unsere Schritte einmal mehr zum Strand, der in der Nähe des Leuchtturms auf der Point-Utrecht-Bastion liegt. Auch hier finden sich wieder viele gut getarnte Einsiedlerkrebse.
Ganz in der Nähe befindet sich die Meera-Moschee, die wegen ihres Baustils kaum als solche zu erkennen ist.
Dann spazieren wir gemeinsam über die Stadtmauer und genießen den Blick. Links von uns liegt das Meer, rechts von uns die jahrhundertealten weißen Bauwerke, die jedoch nicht museal wirken – hier herrscht reges Alltagsleben. Cricketspieler bevölkern die Wiesen. Auf den Stromleitungen sitzen hübsche Kingfisher, leider ist das große Teleobjektiv im Hotel geblieben – bei den Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit reist man lieber mit leichtem Gepäck.
Von einem Turm des Forts springen junge Männer gegen Geld ins tosende Meer, an den Straßenrändern sitzen vereinzelte Schlangenbeschwörer. Exotisch ist es hier.
Der Spaziergang über die Befestigungsanlagen eröffnet uns immer wieder schöne Blicke und erstreckt sich über etwa vier Kilometer. Er verbindet verschiedene Bastionen miteinander, die damals zur Verteidigung der Festung dienten.
Viele Erklärungen erhalten wir im Laufe des Spaziergangs leider nicht. Mein persönliches Highlight bleibt in diesem Zusammenhang der Hinweis unseres Guides mit Blick in den Himmel: „Guck mal: Ein Flugzeug!“ Unvergessen. 😄 Um unseren Nachwuchs wird sich aber sehr liebevoll gekümmert – bereitwillig lässt sich unsere kleine auf den noch fremden Armen durch den Tag tragen.
Nach dem Spaziergang über die Wälle soll es wieder zurück ins Auto gehen. Wir würden aber doch noch gern das historische Viertel „von innen“ sehen – immerhin ist es ein UNESCO-Weltkulturerbe. Nach einer kleinen Intervention wird uns das zum Glück ermöglicht und wir fahren zum New Gate, um von dort die Gassen des Viertels zu erkunden, die im typisch holländischen Stil errichtet sind. Daran, dass wir Entscheidungen absprechen (und ggf. aushandeln) müssen, werden wir uns erst noch gewöhnen müssen... 😵 Wir besichtigen die Groote Kerk und werden spontan in einen Montessori-Kindergarten eingeladen. Stolz zeigen die Erzieherinnen das Spielmaterial – da auf den diesbezüglichen Fotos überall prominent die Kinder abgebildet sind, bleibt es hier der reinen Beschreibung.
Nachdem wir das historische Viertel erkundet haben, statten wir dem Basarviertel Pettah einen kurzen Besuch ab. Ein längerer Spaziergang ist unter den klimatischen Bedingungen der Mittagszeit jedoch weniger attraktiv – zumal unsere Kleine auf meinem Arm eingeschlafen ist.
Bevor es ins Hotel zurückgeht, werden wir noch zu einem Holzschnitzergeschäft gefahren. Diese „Butterfahrteinlagen“, die man von geführten Gruppenreisen kennt, hatten wir uns eigentlich nicht gewünscht und so auch im Vorfeld der Agentur kommuniziert. 😈 Wir beschließen aber erstmal gute Miene zu machen – zumal wir ja aus Afrika immer ganz gern Schnitzereien mit nach Hause nehmen. Und so finden wir in diesem Geschäft einen recht interessanten Einblick in die Werkstatt und ein schönes Angebot verschiedener Holzkunstwerke: einige Elefanten und traditionelle Holzmasken wechseln dann tatsächlich auch den Besitzer. Und auch die Kinder haben ihren Spaß.
In der Nähe befindet sich ein kleiner Hindutempel, den wir von außen bewundern – diese Gebäude kennen wir bisher nur von Mauritius und auch dort haben sie uns schon mit ihrer figürlichen Überladenheit ziemlich fasziniert.
Den Nachmittag genießen wir im Außenbereich des Hotels. Es wird geschwommen, spaziert, gefaulenzt. Der Sonnenuntergang über dem indischen Ozean ist malerisch, das Abendessen wieder grandios. Insgesamt ein schöner erster Urlaubstag.
Morgen geht’s dann Richtung Yala Nationalpark – eine lange Fahrt liegt vor uns.
Teil 430. März 2020
3. Kapitel: Eine erste Pirschfahrt im Yala Nationalpark
Den heutigen Tag beginnen wir mit einem letzten Spaziergang am Meer. Wieder ist schönes Wetter.
Bald geht es dann gen Süden. In der Nähe von Kogalla machen wir bald einen ersten Halt bei einigen Brandungsanglern, für die die Region bekannt ist. Überall sieht man Fotos und Wandzeichnungen dieser Fischer, die auf dünnen Holzpfählen in der Meeresbrandung hocken. Die Männer, die wir auf den Pfählen antreffen, warten jedoch nicht wirklich auf Fische. Ihre Einnahmequelle sind Touristen, die – genau wie wir – hier anhalten, um einige Erinnerungsfotos zu machen. Auch unsere Große darf einen der Pfähle erklettern und mit Angel posieren. Für authentische Fischer-Fotos sind wir aber wahrscheinlich einige Jahre zu spät dran… Recht absurd wird die Situation, als ein Reisebus anhält und der schmale Strandabschnitt bald mit einer großen Zahl Touristen besetzt ist – Zeit für uns, die Weiterfahrt anzutreten.
An der Südküste geht es entlang nach Osten. Die Region rund um die Küstenstadt Matara, die wir durchqueren müssen, ist dicht besiedelt, sodass die Straßen oft sehr voll sind und wir nur sehr langsam vorankommen. Teilweise stecken wir für einige Zeit im Stau fest. Insgesamt dauert die Fahrt bis zu unserem Zielort Tissamaharama über vier Stunden – für ca. 170 Kilometer auf geteerter und gut gepflegter Straße. In Tissa machen wir einen kurzen Stopp und beziehen unser Hotel für die kommenden zwei Nächte, das direkt an einem großen Stausee (Wewa) liegt. Das Oakray Lake View Resort ist ein kleines und recht einfaches Hotel mit sehr nettem Personal.
Um 15 Uhr beginnt unsere erste Fahrt in den ca. 20 Kilometer von Tissamaharama entfernten Yala Nationalpark. Man muss in Tissa einen Fahrer samt Jeep mieten, da individuelle Fahrten im Park nicht erlaubt sind – es wird sich herausstellen, dass die Qualität der Gamedrives maßgeblich vom Engagement dieser Guides abhängen… 😵 Die Anfahrt zieht sich im offenen Jeep durchaus in die Länge, Bodenwellen in der Straße machen alles nicht unbedingt besser…
Am Nationalparkeingang geht dann alles sehr schnell. Zu dieser Tageszeit sind kaum andere Jeeps hier – das wird morgen früh ganz anders aussehen – und auch im Park begegnen uns nur recht wenige andere Autos. Die Landschaft des befahrbaren Teils des Parks gefällt uns auf Anhieb: Trockenwald direkt am Ozean, durchbrochen von malerischen Lagunen, Seen und fotogenen Felsen.
Eine Rast machen wir an der Küste direkt an einem Denkmal für die Tsunami Katastrophe 2004. Vordem gab es hier einige Häuser, deren Grundmauern man noch sehen kann. 47 Menschen ließen an dieser Stelle ihr Leben.
Im schönen Licht des Nachmittags haben wir in den drei Stunden der Ausfahrt einige Sichtungen, die uns als Sri-Lanka-Neulinge sehr freuen. Leider bremst unser Jeepfahrer oft recht ruppig, sodass wir die Kinder immer wieder festhalten müssen und nicht ganz entspannt genießen können.
Wir beobachten viele Pfauen, einige tief im Busch verborgene Axishirsche (die Springböcke bzw. Impalas der Sri Lankischen Nationalparks…), einige Wildschweine, Wasserbüffel, Languren und unsere ersten asiatischen Elefanten in freier Wildbahn, über die wir uns sehr freuen. Trotz, dass wir ihre afrikanischen Verwandten ja recht genau kennen, ist diese Begegnung für uns etwas Besonderes und sorgt für Gänsehaut.
Neben den Pfauen treffen wir auf Vögel, die nahe Verwandte auf dem afrikanischen Kontinent haben: Buntstörche, einen Sunda-Marabu und Braunlieste.
Auch ein erstes Sumpfkrokodil können wir entdecken.
Kurz vor dem Gate begegnen uns leider bei schlechtem Licht noch weitere Elefanten und ein Sambarhirsch.
Das Abendessen im Hotel ist gut – sehr reichlich und lecker. Die Kellner sind ungemein freundlich. Am Ende des Tages haben wir noch eine Diskussion. Unser Guide will morgen erst um 5.30 Uhr los, wir aber schon um 5 Uhr, um nicht ganz hinten in der Jeepschlange vor den Toren des Yala Nationalparks zu stehen – denn in den Morgenstunden soll hier sehr viel mehr los sein… Am Ende wird unserem Wunsch entsprochen – ein Widerwille ist aber durchaus spürbar. Trotzdem freuen wir uns über einen weiteren Tag im Yala Nationalpark.
Teil 509. Apr. 2020
4. Kapitel: Ein Tag im Yala Nationalpark
Kurz nach fünf geht es los in Richtung Nationalpark-Gate. Die Fahrt im offenen Jeep erfolgt in der Dunkelheit des noch nicht wirklich angebrochenen Tages. Es ist recht kalt und rumpelig.
Als wir das Gate erreichen, sind wir nicht allein… Zahlreiche Jeeps stehen schon hier und warten auf die Öffnung. Das ist kein wirklich schöner Anblick. Der Yala NP hat ein Hauptgate zum vor allem besuchten Sektor 1, durch das alle Fahrzeuge am frühen Morgen einfahren – dadurch kommt es hier zu einem Auflauf, wie wir ihn in Afrika noch nicht erleben mussten, auch wenn es am Sedudu Gate im Chobe NP zur Gateöffnung auch voll ist… 300 Fahrzeuge dürfen zur Morgenpirsch in den Park einfahren – bei rund 100 km Piste im Park wird man da kaum je über weite Strecken allein sein. 😵
Während unser Guide die meiste Zeit der Fahrt verschläft, ist der Fahrer so versiert, dass er jede Menge Tiere aufspürt. Irgendwann verteilt sich die Jeepmasse dann mehr als erwartet, sodass es ein rundum schöner Vormittag wird.
Nachdem wir auf der Hauptpiste hinter dem Gate bereits einige Axishirsche und einen Wollhalsstorch beobachten können, folgt bereits das erste Highlight der Ausfahrt, noch bevor die Sonne so richtig aufgegangen ist.
Direkt neben der Fahrspur äst ein Lippenbär (eines von wohl etwa 15 Exemplaren in Sektor 1!) im fahlen Morgenlicht einige Meter eine Böschung hinab – die Fotobedingungen sind also nicht ideal und der Staub tut sein Übriges. Das Tier sieht ziemlich abgekämpft aus – einige vernarbte Kampfwunden bedecken Kopf und Rücken. Da der Bär neben dem Hauptzugangsweg zum Park unterwegs ist, sind natürlich viele Jeeps anwesend. Das schränkt die Intensität der Beobachtung schon etwas ein, da wir nicht lange verweilen können – aber ich bin trotzdem sehr froh: Einen der seltenen Lippenbären zu entdecken hatte ich mir im Vorfeld der Reise so sehr gewünscht.
Die weitere Fahrt führt durch die schöne Landschaft des Nationalparks und in regelmäßigen Abständen haben wir schöne Sichtungen – als Erstbesucher freuen wir uns über jedes für die Region gewöhnliche Tier. Immer wieder folgen wir auch Hinweisen auf irgendwo gesichtete Leoparden – bleiben dabei aber stets erfolglos. Wir sehen Wasserbüffel in großer Zahl.
Ein Schwarznackenhase und eine indische Rotmanguste lassen sich sehen.
Wir freuen uns über Rotlappenkiebitze und Smaragdspinte. Auch beobachten wir eine große Zahl nistender Buntstörche. Die ansässige Avifauna lässt uns oft an Afrika denken.
Von Webervögeln sehen wir nur die Nester.
Immer wieder kreuzen Wildschweine den Weg.
Ein weiterer Höhepunkt der Pirschfahrt ist eine badende Elefantenfamilie, die wir lange beobachten können.
Nachdem ein Rabe für ein Foto posiert hat, treffen wir gegen Ende der Ausfahrt tatsächlich noch auf einen Sri Lanka-Leoparden, der durch den dichten Busch streift, sich aber leider alsbald auf einen dichtbelaubten Baum zurückzieht und damit nicht mehr zu erkennen ist. Auch diese Sichtung teilen wir mit einigen Jeeps, die Fahrer verhalten sich aber allesamt rücksichtsvoll, sodass man die Beobachtung genießen kann.
Die Rückfahrt führt uns vorbei an weiteren Wasserbüffeln, die der Hitze des Tages mit Hilfe eines Schlammbades entgehen.
Schließlich entdecken wir einen Changeable hawk-eagle kurz vor dem Gate.
Zufrieden mit der Ausbeute des Vormittags geht es zurück ins Hotel und beschließen, für den Nachmittag noch eine weitere Fahrt zu organisieren.
Teil 611. Apr. 2020
Fortsetzung
Nach einer Mittagspause im Hotel organisieren wir über die Rezeption einen weiteren Gamedrive für den Nachmittag des Tages – über unseren Guide gebucht, wäre das Ganze sehr viel teurer geworden. Die Buchung gelingt problemlos und bald holt uns ein neuer Fahrer mit seinem Jeep vor dem Hotel ab. 🙂
Bald durchqueren wir erneut das Nationalparktor und erleben das Schutzgebiet sehr viel ruhiger als am Vormittag. Jedoch sind auch die Sichtungen deutlich spärlicher.
Der Schönheit der Landschaft tut das aber keinen Abbruch.
Wieder zeigen sich Wasserbüffel und Axishirsche – dieses Mal aber erstmals männliche Exemplare mit prächtigem Geweih und dazu noch unverbuscht. Darüber freuen wir uns.
Auch Schwarznackenhase und Rotmanguste lassen sich erneut blicken.
Als Neuzugang auf der Vogelliste beobachten wir einen Brahminenweih hoch am Himmel.
Recht nahe kommen wir dagegen heute Nachmittag an Sumpfkrokodile und Pelikane heran.
Ein riesiger Elefantenbulle frisst im Gehölz nahe der Straße – nicht sehr fotogen, aber beeindruckend zu beobachten.
Eine Rast legen wir erneut an der Küste in der Nähe des Tsunamidenkmals ein. Nach der rumpeligen Fahrt am Strand zu spazieren ist eine schöne Abwechslung. Und das Licht des Spätnachmittags lässt die ohnehin schöne Landschaft erstrahlen.
Auf dem Rückweg erfolgt dann der Höhepunkt der Ausfahrt. Eine große Rotte Wildschweine lässt sich lange beobachten – mit dabei ist eine quirlige Schar Frischlinge, die im Zaum zu halten den Bachen viel abverlangt. Besonders schön ist zu beobachten, wie die Kleinen eifrig ihren Hunger stillen. Da sind auch unsere Kinder ganz begeistert.
Dann heißt es Abschied nehmen von Yala. Der Park hat uns landschaftlich sehr gut gefallen und auch die Sichtungen waren zu unserer Zufriedenheit. Einzig die Menge an Besuchern – zu der natürlich auch wir beitragen – schmälert das Erlebnis etwas. Im Hotel werden wir von unserem Guide erwartet – er ist nicht davon begeistert, dass wir ohne sein Zutun einen Ausflug organisiert haben. In der Lobby kommt es zum Disput, in dessen Rahmen wir unsere jeweiligen Positionen klar darlegen und am Ende auf einen Neuanfang hoffen. Insgesamt ist diese Rechtfertigungsnotwendigkeit jedoch eine für uns sehr ungewohnte Sache… Nach ruhiger Nacht geht es dann morgen bereits in Richtung des nächsten Nationalparks: Udawalewe – bekannt für seine Elefantenpopulation.
Teil 713. Apr. 2020
5. Kapitel: Im und um den Udawalawe Nationalpark
Den heutigen Morgen gehen wir ruhig an, frühstücken gemütlich im Hotel und genießen den Blick auf den Stausee bei herrlichem Wetter.
Um 10 Uhr brechen wir dann in Richtung Udawalawe Nationalpark auf. Eine rund zweistündige Fahrt führt uns durch eine schöne Landschaft, die geprägt ist von vielen erntereifen Reisfeldern (so steht es jedenfalls im Reisetagebuch – Fotos gibt es keine davon... 😉 ).
Gegen 12 Uhr treffen wir in unserer Unterkunft ein: Kalu’s Hideaway, einem kleinen Hotel in der Nähe des Nationalparks, dessen kleine Häuschen sich in einer schönen Gartenanlage verteilen. Das Hotel liegt direkt an einem kleinen Fluss. Alles sehr malerisch.
Wir werden sehr freundlich mit Willkommensdrinks und einer Kopfmassage empfangen. Gerade zweiteres ist etwas gewöhnungsbedürftig, da wir ansonsten eher weniger wellnessaffin sind, dann aber doch entspannend und wohltuend. 😛
Den weiteren Tag vertrödeln wir auf dem Gelände des Hotels. Es gibt einen Pool und sogar einen kleinen Spielplatz. Nachdem die Kinder in den letzten Tagen viel im Auto saßen, genießen sie diese Auszeit sehr. Während der Nachwuchs spielt, birden die Erwachsenen ausgiebig. Dazu bietet vor allem das nahe Flussufer gute Gelegenheiten.
Den Abend verbringen wir bei guten Currys im kleinen offenen Restaurant des Hotels.
Nach einer erholsamen Nacht geht es schon vor fünf Uhr am Morgen des nächsten Tages los. Eine Safari im nahen Udawalawe Nationalpark steht auf dem Programm.
Auch am Gate dieses Parks stehen zur Öffnung viele Jeeps herum, die auf die Einfahrt warten. Wir gesellen uns dazu und wollen uns noch immer nicht an diese Aufläufe gewöhnen… 😵 Nach der Einfahrt verliert sich die Automasse aber zum Glück erstaunlich schnell, sodass wir oft allein unterwegs sein werden. Der Park grenzt an einen großen Stausee und besteht abseits des Ufers aus sehr dichtem Buschwerk, das die Tiersichtungen erheblich erschwert. Die Morgenstunden scheinen in diesem Nationalpark nicht die beste Zeit zu sein, um Elefanten zu entdecken, die hier im Zentrum des Interesses stehen. Zu dieser Tageszeit fressen die Tiere im dichten Trockenwald. Sie kommen gewöhnlich wohl erst am Nachmittag auf die offenen Grasflächen am Seeufer, um zu trinken. Daher verlaufen die drei Stunden der Morgensafari auch eher ruhig. Wir nehmen das ganz entspannt, da wir im Yala ja bereits recht viele Dickhäuter beobachten konnten und genießen die Fahrt im offenen Geländewagen und sehr nettem Fahrer. Natürlich bleibt das beharrliche Starren in den Busch nicht ganz unbelohnt. Wir entdecken vor allem Vögel: Graureiher, Braunlieste, Bienenfresser…
Auch die beiden verbreiteten Affenarten Sri Lankas können wir zum ersten Mal zufriedenstellend ablichten. Hoch in den Bäumen turnen Hutmakaken, auf dem Boden treffen wir Hanuman-Languren an.
Der Changeable Hawk Eagle lässt sich auch erneut blicken – wir freuen uns über den schönen Greifvogel, der auf der Insel anscheinend häufiger vorkommt.
Irgendwann lassen sich dann doch noch zwei riesige Elefantenbullen bei ihrem Spaziergang durch den Busch beobachten. Zwar tritt nur einer von beiden auf eine kleine Lichtung, aber hey – im Elefantenpark Nr.1 Sri Lankas haben wir Elefanten gesehen!
Mein persönliches Highlight dieses Morgens ist aber ein anderes. Wir können im dichten Busch Bewegungen ausmachen und was sich da bewegt, freut mich sehr: Es handelt sich um vier Goldschakale – eine neue Art auf unserer Säugetierliste.
Ein Muttertier mit drei fast ausgewachsenen Jungtieren ist unterwegs. Wir fragen uns, wo das zweite Elterntier ist. Unsere Kleine antwortet darauf fachmännisch: „Der ist bei der Schakalarbeit.“ 🙂
Auf dem Rückweg geht es am Seeufer vorbei – kein Elefant weit und breit. Dafür zeigen sich wiederum viele schöne Vögel: Reiher, Schwarzkopfibis, Löffler – auch hier fühlt man sich durchaus an Afrika erinnert.
Den Abschiedsgruß entrichtet wiederum ein Changeable Hawk Eagle.
Wir freuen uns darauf, nach einer Mittagspause in den Park zurückzukehren.
Teil 815. Apr. 2020
Fortsetzung Udawalawe
Nach einer gemütlichen Rast und kleinen Spaziergängen am Flussufer inklusive einiger kleiner Entdeckungen – der Garten des Hotels ist voller Leben – brechen wir um 14 Uhr zu einer zweiten Runde in den Udawalawe Nationalpark auf.
Die erste Sichtung des Nachmittags ist ein fotogener Greif, den ich noch nicht näher bestimmen konnte.
Den größten Teil der Ausfahrt werden wir am Ufer des Stausees verbringen, denn tatsächlich treten am Nachmittag etliche Elefanten aus dem dichten Busch, um am See zu trinken. Und so beobachten wir immer wieder verschiedene Familienverbände und einzelne Tiere. Die Elefanten lassen sich aus nächster Nähe beobachten und nicht von ihrem Tagewerk ablenken. Alles ist ganz friedlich. Interessant zu beobachten ist, wie geschickt die Elefanten mit Rüsseln und Füßen den sandigen Boden durcharbeiten, um frische Grastriebe zu entdecken. In einer der Familien, die wir am Ufer beobachten, findet sich ein junger Elefantenbulle mit ziemlich ausgeprägten Stoßzähnen – durchaus eine Rarität auf der Insel.
Aber auch abseits der zahlreichen Dickhäuter hält die Fahrt einige schöne Sichtungen für uns bereit. Die Reptilienabteilung wird durch einige weitere Sumpfkrokodile und einen stattlichen Waran ergänzt.
Säugetiere sind vor allem durch Büffelherden und Axishirsche vertreten.
Die heimlichen Stars sind jedoch die Vögel. Drei Kingfisher-Arten können wir ablichten. Darunter der Braunliest und der allseits bekannte Graufischer.
Besonders freuen wir uns aber über einen Eisvogel (Common Kingfisher) mit Beute, die er vor unseren Augen tötet und verspeist.
Auch eine Hinduracke lässt sich sehen und kann ihre Verwandtschaft zum beliebten afrikanischen Pendant nicht verhehlen.
Natürlich bleibt auch eine weitere Sichtung des Changeable Hawk Eagles nicht aus.
Um 18 Uhr sind wir zurück im Hotel und verbringen einen ruhigen Abend zu fünft: Ein kleiner Frosch leistet uns vieren Gesellschaft im Zimmer.
Morgen geht es dann hoch ins zentrale Bergland der Insel. Wir sind gespannt.
Teil 918. Apr. 2020
6. Kapitel: Das Hochland in grau
Über die kommenden zwei Tage gibt es gar nicht so viel zu berichten. Außer vielleicht, dass der August nicht die beste Reisezeit zur Erkundung des Hochlands von Sri Lanka ist… 😵
Nach einem gemütlichen Frühstück und weiteren Spaziergängen im Garten des Hotels und am Fluss starten wir bei herrlichstem Sonnenschein gen Nuwara Eliya.
Die Fahrt dorthin dauert rund vier Stunden und führt uns vorbei an wunderschönen Wasserfällen, beispielsweise denen von Ella. Dort machen wir kurze Rast und beobachten neben dem rauschenden Wasser auch noch einige Hutmakaken mit Nachwuchs. Noch herrscht gute Stimmung…
Immer höher schrauben wir uns über Serpentinenstraßen, dabei erfolgt so manch halsbrecherisches Überholmanöver auf enger und schlecht einsehbarer Fahrbahn… Bald ist meiner Frau und mir schlecht – die Kinder stecken die kurvenreiche Fahrt zum Glück weit besser weg.
Um Viertel nach zwei kommen wir in Nuwara Eliya, der größten Stadt des Hochlandes, an. Die Stadt ist bekannt als traditionelle Sommerfrische aus kolonialer Zeit. Zu dieser Jahreszeit mag dieser Charakter aber so gar nicht aufscheinen, die Stadt liegt unter tiefhängenden Regenwolken. Es ist sehr windig und nass-kalt. 😐
Wir beziehen unser Hotel mit dem klangvollen Namen „Summer Breeze“ – das erscheint als der so ziemlich absurdeste Name im Angesicht der herrschenden Wetterlage. 😉 Das Hotel ist über offene Gänge strukturiert, es peitscht der Regen bis vor die Zimmertüren. In den Zimmern ist es zwar ganz hübsch englisch eingerichtet – aber es ist sehr kalt. Da an ein Herausgehen bei diesem Wetter nicht zu denken ist, verbringen wir tatsächlich den Rest des Tages in Decken eingewickelt im Zimmer und spielen Gesellschaftsspiele. Das Abendessen ist qualitativ gut – das Restaurant des Hotels aber auch sehr offen gebaut – so dass die kalte „Summer Breeze“ uns auch dort beinahe ungebremst verwöhnt… 😣
Auch am nächsten Morgen bleibt uns der Regen erhalten – zum Glück in abgeschwächter Form und ohne den treibenden Wind. Das Frühstück nehmen wir in dicken Fleecepullis ein.
Am Vormittag machen wir einen kleinen Rundgang durch Nuwara Eliya. Der britische Einfluss zeigt sich an vielen Ecken, so zum Beispiel am kolonialen Postamt. Wir spazieren in Regencapes und Regenhosen. So richtig kann die Stadt ihren Charme nicht entfalten, trotz dass das Wetter so typisch britisch ist.
Als der Regen dann ein Einsehen hat und endlich für einen längeren Zeitraum aufhört, besuchen wir den schönen Victoria-Park und die Kinder toben sich dort auf dem klitschnassen Spielplatz aus.
Am frühen Nachmittag besuchen wir eine Teefabrik und fahren wieder über viele Serpentinen inmitten von Teefeldern. Die Berge sind regenwolkenverhangen – eine ganz eigene Stimmung.
Die Besichtigung der Teefabrik ist für uns alle interessant, da wir im Vorhinein wenig Ahnung von der Herstellung von Schwarztee hatten und man hier einen authentischen Einblick bekommt. Natürlich kann man auch hier am Ende der Führung einkaufen und einkehren – das erscheint uns an dieser Stelle aber durchaus organisch.
Um 15 Uhr sind wir zurück im Hotel und brechen kurze Zeit später zu einem erneuten Gang in die Stadt, dieses Mal ohne unseren Guide – vom Hotelbalkon konnten wir nämlich ein Wunder erleben: Der Regen hört auf und die Sonne lässt sich tatsächlich zögerlich sehen. Und wir sehen erstmals die Berglandschaft ein wenig unverhangener.
In Nuwara Eliya wird für den Nachwuchs Ponyreiten angeboten – diese Möglichkeit nehmen unsere Kinder nur zu gern in Anspruch. So erleben sie die Innenstadt mit ihren Kolonialgebäuden – vor allem dem viktorianischen Grand Hotel und dem Hill Club - entspannt vom Pferderücken, während die Eltern den Spaziergang zu den laut Baedeker sehenswerten Gebäuden genießen können – unser Guide schwieg sich da abermals aus... Mit dem Tuktuk geht es schließlich zurück ins Hotel – damit sind heute zwei Kinderwünsche erfüllt worden.
😉
Leider streikt die Bahn in Sri Lanka seit einigen Tagen und so fällt unsere für den morgigen Tag organisierte Zugfahrt durch das Hochland nach Kandy aus. 🙁 Die Trasse ist berühmt für ihre schönen Aussichten und wir sind entsprechend geknickt – wir bezweifeln jedoch, dass wir bei der herrschenden Wetterlage allzu viel gesehen hätten… Mit diesem Gedanken trösten wir uns etwas und sind auch ganz froh, dass wir auf einen Ausflug in die Horton Plains – einen schönen Nationalpark im Hochland mit guten Wandermöglichkeiten – verzichtet haben. Zu dieser Jahreszeit scheint das alles keine so gute Idee zu sein…
Am nächsten Tag wird es also mit dem Auto nach Kandy gehen – den Serpentinen sehen wir mit Grausen entgegen... 🤢
Teil 1023. Apr. 2020
7. Kapitel: Auf dem Weg nach Kandy
Heute verlassen wir das verregnete Hochland wieder und setzen unseren Weg nach Kandy fort – der Stadt mit dem berühmten Zahntempel, der – so sagt man – Heimstatt eines der Eckzähne Buddhas ist. Das Hochland verabschiedet uns wie es uns begrüßt hat. Es ist kalt und regnerisch. Das ist uns ein kleiner Trost im Angesicht der streikbedingt ausgefallenen Panoramazugfahrt. Und so fahren wir mit unserem Kleinbus die Serpentinen herab gen Norden – für den Magen ist das einmal mehr eine Belastungsprobe. 🤢 Da unser einziger Programmpunkt für den heutigen Tag – die Zugfahrt – ja leider ausfallen muss, haben wir uns mit Hilfe unseres treuen Reiseführers in Buchform schlau gemacht und schlagen vor, dass wir stattdessen einen sehenswerten Hindutempel besuchen, der sich nur wenige Kilometer abseits des Weges befindet. Unser Team ist einverstanden. Der vier Kilometer-Schlenker wird uns von der Agentur als zusätzlicher Programmpunkt jedoch mit 50 Dollar berechnet. Nunja… 😣 Aber das ist es uns dann doch wert. Nachdem wir einmal kräftig geschluckt haben, genießen wir die Besichtigung des Embeke Devale sehr. Der Tempel liegt abseits des Haupttouristenstroms und ist vor allem von Einheimischen bevölkert. Es gießt in Strömen, als wir uns dem Tempel nähern – hier jedoch in Form eines warmen tropischen Regens. Barfuß laufen wir über regenasse und doch warme Steinplatten und erreichen das Sakralgebäude, das vom Schall zweier Trommeln in eine ekstatisch-meditative Atmosphäre getaucht wird.
Die Vorhalle des Allerheiligsten ist berühmt wegen ihrer kunstvollen Holzschnitzerarbeiten, die die Stützpfähle zieren. Wir machen einen Rundgang und genießen die Kunstwerke – vor allem aber die wirklich wunderbare Atmosphäre des Ortes. Kaum Reisende sind anwesend – überhaupt sind nur wenige Menschen da – dazu das rhythmische Pulsieren der Trommeln, der warme Regen… Toll.
Nach dem Abstecher geht es weiter gen Kandy und dort angekommen sind wir ziemlich erschöpft. Als wir rundheraus ablehnen, jetzt ein Seidengeschäft besuchen zu wollen, zeigt man sich etwas irritiert, fährt uns aber zu unserer Unterkunft außerhalb des Zentrums in einem Wohngebiet. Wir haben uns bei der Planung der Reise in Kandy für ein Homestay entschieden, also eine Übernachtung in so etwas wie einer Pension in einem Privathaus, ohne jedoch zu wissen, dass das mit den Kindern wegen der unvermeidlichen Nähe und Enge nicht so richtig kompatibel zu sein scheint. Die Gastgeber sind nett – weisen uns aber schnell darauf hin, was für die Kinder hier alles verboten sein wird. Außerdem ist das Zimmer für uns vier wahnsinnig klein, hat nur drei Betten und Wände, die nicht bis zur Decke hinaufführen. Eines der Betten ist zudem von zahlreichen Ameisen bevölkert. Wir überlegen hin und her, was wir jetzt tun sollen – zwei Nächte können wir uns hier eigentlich nicht so recht vorstellen. Schließlich nehmen wir uns ein Herz und organisieren um – auch wenn so etwas immer mit einem schlechten Gewissen verknüpft ist. Es ist möglich, dass wir ein Zimmer im Hotel Suisse – einem altehrwürdigen Kolonialgebäude – im Zentrum Kandys beziehen und so verabschieden wir uns von unseren potenziellen Gastgebern und flüchten uns in die Anonymität einer großen Unterkunft. Für uns ist das gerade der richtige Schritt.
Das Hotel Suisse gefällt uns dann mit seinem alten und etwas in die Jahre gekommenen Kolonialcharme wirklich gut. Und das Beste ist: Es liegt direkt am See im Zentrum Kandys und wir können von hier noch ganz individuell und niedrigschwellig Spaziergänge in die Stadt machen – auch wenn unser Guide mal wieder sagt, dass es hier außer dem Zahntempel doch nichts zu sehen gäbe und er die Stadt auch nicht möge. 😉 Wir machen erstmal Pause im Zimmer und erholen uns von den physischen und vor allem psychischen Strapazen. Dabei können wir unseren Balkon nicht nutzen – er ist schon von einer Hutmakaken-Gang in Beschlag genommen.
Mit neuer Energie spazieren wir vier dann am Ufer des Sees entlang in Richtung Stadtzentrum und genießen dabei die Blicke auf den schönen Zahntempel, den wir morgen besuchen werden.
Nachdem wir uns und vor allem den Kindern ganz prosaisch eine Pizza genehmigt haben, besuchen wir nach Sonnenuntergang den Hindutempel Kataragama. Ein leicht alkoholisierter alter Mann bietet sich uns als Führer durch die Tempelanlage an und erweist sich als kundiger Begleiter. Wir genießen die Stimmung im Hindutempel und werden als einzige anwesende Touristen von den anwesenden Gläubigen sehr freundlich empfangen.
Schließlich begrüßt uns der Abt des Klosters und ein englischsprechender Mönch übersetzt unser Gespräch. Nach einer Segnung und einer etwas forschen Bitte um eine Spende verlassen wir den Tempel und heuern uns ein Tuktuk für den Rückweg ins Hotel an – das finden die Kinder ganz wunderbar. Und tatsächlich: Zu viert mit Rucksäcken und Fotogeraffel auf der Rückbank eines solchen Gefährts zu sitzen, ist schon ein spezielles Erlebnis. 😉
Wir genießen zum Ausklang des Tages ein wirklich wunderbares Dinner-Buffet in feinem Ambiente. Schön ist einfach auch, dass wir hier – trotz der vielen Menschen um uns herum – mal ganz unter uns sind.
Wir verbringen eine wirklich gute Nacht im Hotel und freuen uns auf den kommenden Tag: Der Zahntempel und die berühmten botanischen Gärten stehen auf dem Plan.
Teil 1125. Apr. 2020
8. Kapitel: Der Zahntempel von Kandy
Um 5.30 Uhr werden wir unsanft geweckt: Affenalarm auf dem Balkon… Zu dunkel und zu früh für Fotos… 😉
Zum Glück können wir nochmal einschlafen und sind gut ausgeruht, als es für uns nach einem wunderbaren Frühstück um kurz nach neun zur Besichtigung des „Zahntempels“ Sri Dalada Maligawa geht – dem Ort, an dem der linke Eckzahn Siddharta Gautamas aufbewahrt werden soll.
Nach Buddhas Einäscherung erhielt der Legende nach Khema, eine der Nonnen in seiner Anhängerschaft, den Zahn. Diese gab ihn wiederum an Brahmadatte, den König von Dantapuri, weiter. Wegen seiner regenmachenden Fähigkeiten gab es vielerlei Konflikte zwischen den indischen Herrschern. Nach etwa acht Jahrhunderten soll er in den Besitz von Guhaseeva, der von 303 bis 331 König von Kalinga war, gelangt sein. Benachbarte Herrscher bedrohten Guhaseeva. Sie waren Anhänger von Shiva und wollten den Zahn zerstören. Deshalb gab der König den Zahn weiter an Prinz Dantha, seinen Schwiegersohn. Dantha und die Tochter von Guseeva, Prinzessin Hemamala, flohen nach Sri Lanka. Beide reisten dabei incognito als Pilger, um nicht aufzufallen. Hemamala versteckte den Zahn in ihrer Haarspange. In Sri Lanka wurden die beiden freundlich empfangen.
Von da an wurde der Zahn vom dortigen König beschützt. Der Zahn wurde in der Hauptstadt von Sri Lanka aufbewahrt. Anfangs war dies Anuradhapura, später dann Polonnaruwa, dann Dambadeniya und schließlich ab 1592 Kandy.
Gemeinsam mit vielen Gläubigen (und recht wenigen westlichen Touristen) teilen wir uns den Tempelbezirk – große Familienverbände beladen mit blütenreichen Opfergaben strömen in großer Zahl über die Wege des Tempels hin zum Schrein des heiligen Zahns. Es herrscht eine lebendige und doch sehr friedliche Stimmung. Immer wieder werden wir angesprochen, um gemeinsam für Familienfotos zu posieren.
Unser Guide ist heute in Höchstform – hier im Zahntempel gibt es eine Menge zu erklären und hier weiß er – als überzeugter Buddhist – vieles zu berichten. Der Baedeker darf heute also mal im Rucksack bleiben. 🤩
Über kunstvoll gestaltete Mondsteine betritt man das Heiligtum.
Wir bestaunen die kunstvollen Verzierungen des Tempelgebäudes und vielmehr noch das Miterleben des gelebten Glaubens.
Drei Mal am Tag wird der Schrein des Zahns, in dem dieser unter sieben goldenen Dagobas verborgen ist, geöffnet. Vor dem Schrein herrscht ein großer Menschenauflauf, in einem abgesperrten Carré sitzen junge Mütter mit ihren Neugeborenen bei der Andacht – sie können dem Zahn ganz entspannt nahe sein. Um sie herum schlängelt sich eine nicht enden wollende Prozession an den Türen des Allerheiligsten vorbei. Flankierende Tische sind überladen mit den farbenprächtigen Opfergaben der Pilger.
Im Tempel sind an einigen Stellen Darstellungen der Esala Perahera zu sehen – jener Prozession, die alljährlich für mehrere Tage durch Kandy zieht und den Eckzahn mit sich führt. Wir freuen uns darauf, am Ende der Reise dieses Fest miterleben zu dürfen.
Nach einer Mittagspause (mit kurzer Besichtigung einer Edelsteinmanufaktur, die durch Einblicke in die harte Minenarbeit gar nicht so uninteressant ist – auch wenn wir am Erwerb von Steinen kein Interesse haben… 😈 ) geht es am Nachmittag in den königlichen botanischen Garten von Peradeniya – um dem faunafixierten Reisenden einmal mehr die Schönheit der Flora vor Augen zu führen. Der versierte Safaritourist aber freut sich weit mehr auf die Kolonie von Indischen Riesenflughunden, die im Park ansässig ist… 🙂
Wird fortgesetzt.
Teil 1226. Apr. 2020
Den Nachmittag verbringen wir im botanischen Garten von Peradeniya. Hier ist jede Menge los – viele Einheimische sind mit ihren Familien unterwegs. Es wird gepicknickt und flandiert. Dazwischen immer wieder ganze Schulklassen, die unsere Mädchen faszinierend finden und auf Tuchfühlung gehen.
Wir genießen den Spaziergang zwischen Orchideenhaus, Baumriesen und anderen eindrucksvollen Pflanzen aus aller Welt sehr. Der Park gehört sicher zu den wirklich besuchenswerten botanischen Gärten der Welt.
Ganz besonders freue ich mich über die Indischen Riesenflughunde, die es hier in großer Zahl gibt. Hoch in den Wipfeln der Bäume ruhen sie. Manchmal fliegt ein Tier von Baum zu Baum. Für wirklich gute Fotos sind die Tiere jedoch leider zu weit entfernt und das Fotografieren gegen den Himmel ist ja auch immer so eine Sache… Trotzdem bleiben wir lange und bekommen fast eine Nackenstarre.
Direkt nach dem botanischen Garten besuchen wir eine Show mit Kandy-Tänzen, die ursprünglich Choreographien für religiöse Anlässe darstellen und durch virtuose Geschicklichkeit der Tänzer und treibendes Trommelspiel beeindrucken. Es gibt in Kandy einige Veranstalter, die – vor allem für Touristen – solche Darbietungen organisieren. Die Aufführungsräume sind wohl – wie auch in unserem Fall – meistens ohne jede Atmosphäre (Fakir-Anteile der Show finden ganz unzeremoniell auf dem Parkplatz statt…) und trotzdem ist die Show für uns vier ein sehr lohnenswerter Programmpunkt.
Das war ein wirklich voller Tag: Zahntempel, botanischer Garten und Tanzshow. Müde fallen wir ins Bett. Morgen geht es dann zu den Höhlentempeln von Dambulla – einem echten Höhepunkt der Reise.
Teil 1329. Apr. 2020
9. Kapitel: Die Höhlentempel von Dambulla
Heute verlassen wir Kandy und setzen unseren Reise nach Norden fort. Unser Weg führt uns an die Südspitze des sogenannten kulturellen Dreiecks, in dem sich die bedeutendsten Kulturstätten der Insel befinden. Die nächsten Tage werden wir damit verbringen, diese wirklich sehenswerten Orte nach und nach abzuklappern.
Bevor es aber hochkulturell wird, legen wir noch einen unvermeidlichen Stopp in einem ayurvedischen Gewürz- und Kräutergarten, von denen es in der Gegend eine Vielzahl gibt, ein – ein weiterer Kaffeefahrt-Programmpunkt, auf den wir uns zähneknirschend einlassen. 😣
Wir werden von einem lokalen Führer begrüßt und begleitet, der uns als Botanik-Amateuren recht interessante Dinge über Pfeffer, Vanille und Co zu erzählen hat. Etwas übergriffig wird man gedrängt, sich (hoffentlich) hautpflegende Produkte ins Gesicht schmieren zu lassen. Und dann wird uns noch eine kostenlose Nackenmassage angeboten. Originalzitat des lokalen deutschsprachigen Guides: „Massage kostenlos.“ Es wird massiert. Dann: „So, musst du jetzt Geld geben!“ 😛 Als letztes geht es in den Shop, in dem man hochpreisige Arzneien und Pflegeprodukte erwerben kann (oder soll?). Wir verzichten einmal mehr auf einen unfreiwillig anberaumten Einkauf. Zuletzt essen wir in diesem Garten ein frühes Mittagessen in atemberaubender Atmosphäre… Zum Glück gefällt es den Kindern hier – es gibt schließlich Seilschaukeln – was will man mehr…
Glücklicherweise wird dies unser letzter Shoppingstopp der Reise gewesen sein. Man neigt ja dazu, Dinge, die nicht so toll waren auf einer Reise zu verdrängen oder im Rückspiegel zu relativieren. Aber beim Schreiben merke ich, dass ich doch wieder ein wenig sauer werde bei dem Gedanken, wie entmündigend hier mit uns teilweise umgegangen worden ist. 😣
Richten wir den Blick aber auf etwas Positiveres: Der Rest des Tages ist nämlich wirklich ganz toll. Wir erreichen Dambulla am frühen Nachmittag und steigen sogleich zu den über dem Ort gelegenen Höhlentempeln hinauf.
Ursprünglich wurden die ersten Höhlentempel von Vattagamini Abhaya errichtet. Vattagamini verlor gegen 100 vor Christus seinen Thron an Thamilische Invasoren und musste sich fortan vor diesen verstecken. Hierzu dienten ihm die Höhlen von Dambulla für mehr als 14 Jahre als Versteck. Nach dieser Zeit kehrte er zurück und konnte seinen Thron wiedererobern und die Invasoren aus Sri Lanka verjagen. Als Dank an die Götter ließ er daraufhin aus den Höhlen Tempel errichten. Diese wurden jedoch im Laufe der Zeit von weiteren Herrschern von Sri Lanka restauriert und erweitert. Vom Plateau hat man eine schöne Aussicht auf das Umland.
Man zieht – wie bei allen buddhistischen Heiligtümern der Insel – am Eingang die Schuhe aus und erkundet die Anlage barfuß – die Gehsteine auf dem Plateau vor den Tempelhöhlen sind heute wegen leichter Bewölkung zum Glück nicht allzu heiß… (Die folgenden Tage werden uns da noch andere Erfahrungen bescheren…)
Fünf mehr oder weniger große Höhlen kann man besichtigen. Insgesamt 153 Buddha-Statuen aus unterschiedlichen Stilepochen warten darin auf den Besucher. Auch finden sich einige wenige Statuen von den Königen, die den Tempelaufbau gefördert haben. Die größte Statue ist ein liegender Buddha in der ersten Höhle (Devaraja Viharaya) – ganze 14 Meter misst die Statue und dominiert damit den engen Höhlenraum.
Besonders beeindruckend ist, dass die Wände und Decken der Höhlen über und über mit Szenen aus Buddhas Leben und Wirken bemalt sind. Dadurch und durch die spärliche Beleuchtung entsteht eine magische Atmosphäre, die ich so bisher an kaum einem anderen Ort auf der Welt erlebt habe. Vor allem die zweite und größte Höhle (Temple oft he great kings) ist für mich ein enorm mystischer Ort, der bleibende Erinnerungen hinterlassen hat. Wir haben das Glück, dass außer uns nicht viele andere Besucher anwesend sind und so können wir den Tempel und die dort herrschende Stimmung in aller Ruhe auf uns wirken lassen. Ein echter Höhepunkt der Sri Lanka-Reise.
Auch die anderen Höhlen sind beeindruckend.
Der Abstieg führt uns vorbei an einigen neugierigen Hutmakaken.
Den modernen Teil des Tempelbezirks am Fuße des Berges mit dem von weitem sichtbaren kolossalen goldenen Buddha sehen wir nur flüchtig an – wir werden auf dem Rückweg nach Kandy hier noch einen ausführlicheren Stopp einlegen. Dann gibt es auch Fotos.
Am späten Nachmittag erreichen wir unsere neue Unterkunft – die Fresco Water Villa in der Nähe des Sigiriya-Felsens, den wir morgen besuchen wollen.
Das Hotel ist recht klein, die Zimmer sind völlig in Ordnung und die Kinder genießen den Pool, um den sich die zweistöckigen Häuser gruppieren. Das angebotene Abendessen ist aber leider das mit Abstand schlechteste der Reise – hier wird sehr stark für den chinesischen Gaumen gekocht und wenig Wert auf Curry, Roti und Co gelegt, stellt China doch die mit Abstand meisten Gäste der Anlage. Da geht es beim Abendessen in Buffetform auch durchaus laut zu…
Teil 1402. Mai 2020
10. Kapitel: Der Löwenfelsen
Der heutige Tag ist der Besichtigung einer der archäologischen Hauptattraktionen der Insel gewidment – dem Löwenfelsen Sigirya. Der Ort ist nur wenige Kilometer von unserer Unterkunft entfernt und so lassen wir es – dem Rat unseres Guides folgend – heute etwas ruhiger angehen. Das ist rückblickend keine so gute Entscheidung gewesen, da das Besucheraufkommen am Sigiriya Rock das mit Abstand größte ist, das wir während der Reise erlebt haben.
Der Fels beherbergt die Überreste einer alten Festung, um ihn herum sind Grundmauern von Lustgartenanlagen zu besichtigen. 473 n. Chr. wurde König Dhatusena von Anuradhapura von seinem Sohn Kassapa umgebracht, der von einer seiner Nebenfrauen geboren war und sich so die Thronfolge sicherte. Kassapa I. ließ aus Angst vor seinem Halbbruder Moggallana, der der rechtmäßige Thronfolger war, die Festung errichten. 491 kehrte Moggallana mit einer Armee aus dem südindischen Exil zurück und besiegte Kassapa, woraufhin er König wurde und Anuradhapura wieder zur Hauptstadt machte.
Am Parkplatz studieren wir erstmal die Verhaltensregeln, die auf dem Gelände zu beachten sind. Ein solch ausuferndes Schild haben wir noch an keinem anderen Ort gesehen. 🤩
Durch die Lustgärten nähern wir uns dem Felsen. Leider liegt dieser am Vormittag im Gegenlicht, so dass es gar nicht so einfach ist, schöne Bilder zu machen.
Am Fuße des Felsens angekommen trennen uns noch etwa 1800 Stufen von der Palastanlage auf dem Gipfel. Die Kinder werden diese Strapaze vorbildlich meistern – und das bei steigenden Temperaturen. Nur ist man dabei alles andere als allein auf der Treppe – eigentlich ist der Aufstieg über weite Teile ein langes Schlangestehen und man hat immer wieder ausreichend Zeit, die Aussicht oder die Gesellschaft der auch hier anwesenden Hutmakaken zu genießen.
Über eine Wendeltreppe erreicht man eine an der steilen Felswand befindliche Galerie kunstvoller Fresken – die Wolkenmädchen von Sigiriya. Da hier für Touristen ein streng überwachtes Fotoverbot besteht – einer Dame vor uns wurde angedroht, dass ihre Kamera vom Fels geworfen wird, wenn sie die verbotenen Fotos nicht sofort lösche – zeige ich hier ausnahmsweise zur Illustration eine Wikipedia-Aufnahme.
Nach einigen weiterem Steigen kommen wir auf etwa halber Höhe des Felsens auf einem Plateau an. Hier kann man ein wenig rasten und das Löwentor bestaunen, dass den Eingang zum Festungsaufstieg markiert. Zwei gigantische Pranken sind davon noch übrig – zur Blütezeit Sigeriyas bestand das Tor aus einem vollständigen Löwenkopf, man betrat durch das Maul den Aufgang. Aber auch die Überreste sind beeindruckend.
Wir genießen den Ausblick auf die unter uns liegenden Gärten und beobachten auch hier wieder Hutmakaken. Auch beeindruckend ist die steile Treppe, die weiter nach oben führt – und auch ihr Füllungsgrad.
Das letzte Stück des Weges tragen wir unsere Kleine, die Große marschiert tapfer weiter. Es bieten sich schwindelerregende Blicke nach unten auf das Löwentor.
Und so erreichen wir bald den Gipfel und besichtigen dort die Überreste des Palastes von Kassapa I. Zum Glück verliert sich hier die auf den Treppen eng kanalisierte Menschenmasse recht gut und man kann ganz stressfrei die Anlage erkunden und den Blick über das Umland schweifen lassen.
Der Besuch ist unserer Meinung nach den doch recht üppigen Eintrittspreis von 35 Dollar pro Person wert. Der Abstieg läuft dann ganz entspannt und im Rückblick zeigt sich der Felsen dann auch noch einmal im schönen Sonnenlicht.
Den Rest des Tages erholen wir uns im Hotel – leider wird das Essen nicht besser. Morgen geht es nach Polonnaruwa, einer der ehemaligen Hauptstädte des Inselreichs. Für uns das archäologische Highlight der Reise.
Teil 1504. Mai 2020
11. Kapitel: Polonnaruwa – für uns ein archäologischer Höhepunkt der Insel
Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Besichtigung einer der ehemaligen Hauptstädte Sri Lankas. Polonnaruwa war von 1055 bis 1235 das wichtigste Zentrum der Insel. Unter König Parakrama Baku I. erlebte die Stadt eine Blütezeit und daher ist es nur folgerichtig, dass wir unseren Spaziergang durch die Ruinenfelder an einer ihn darstellenden Felsenstatue beginnen.
Danach besuchen wir das nahe gelegene Kloster Potgul Vihara, das einen guten ersten Eindruck von der Architektur Polonnaruwas vermitteln kann.
Immer wieder steigen wir zwischendurch in unseren Kleinbus – zu groß ist das Gebiet der Stadt, um es komplett zu Fuß zu erkunden. Die nächsten Stunden werden anstrengend werden – aber auch sehr lohnenswert.
Ein Höhepunkt der Besichtigung ist der Palast des Königs Parakrama Bahu I. Ursprünglich soll der Palast mehr als tausend prächtige Räume enthalten haben. Davon ist kaum noch etwas zu erahnen – trotzdem beeindrucken die hoch aufragenden Ruinen. Leider hat unser Guide einmal mehr wenig zu erzählen und weist nur lapidar auf vorhandene Informationstafeln hin: „Hier – musst du lesen.“ 😣
Im Anschluss sehen wir uns die Ratshalle, die etwas weiter östlich des Palastes liegt, an, deren prächtige Relieffriese uns sehr gut gefallen.
In der Nähe lohnt außerdem das königliche Bad einen Abstecher, das durch ausgefeilte unterirdische Wasserleitungen gespeist wurde.
Der nächste Stopp führt uns zum sogenannten Quadrangle, das eigentlich Dalada Maluwa heißt und einen abgeschlossenen Tempelbezirk innerhalb Polonnaruwas bildet – hier heißt es jetzt regelmäßig: Schuhe ausziehen – auch wenn Sand und Steine noch so heiß sein sollten… 🙄 Im Quadrangle findet sich das wohl älteste Gebäude der Stadt, das am Ende des 11. Jahrhunderts errichtet wurde. Zwar ist es noch fast vollständig erhalten, doch weiß man recht wenig über seine ursprüngliche Funktion. Möglicherweise wurde es als buddhistisches Statuenhaus errichtet.
Ganz in der Nähe findet sich der beeindruckende Watadage – ein gut erhaltener Rundtempel und das wohl eleganteste Gebäude, das man auf dem Ruinenfeld besichtigen kann.
Weitere Sakralbauten des Quadrangle schließen das Hatadage ein, wo in der Hauptstadtzeit Polonnaruwas die Zahnreliquie aufbewahrt wurde und den Satmahal Prasada, einen pyramidenförmigen Bau, den man eher in Thailand oder Myanmar vermuten würde.
Auch findet sich hier Gal Pota, das steinerne Buch – ein acht Meter langer Monolith, auf dem im Rahmen einer umfangreichen Inschrift von den Taten eines der Könige Polonnaruwas berichtet wird.
Je näher die Mittagszeit rückt, desto heißer wird der sandige Boden – es ist schon mit einem gewissen Preis verbunden, die alten Ruinen zu durchschreiten… Und so machen wir erstmal eine Rast im Schatten der Bäume und genießen den erfrischenden Saft von Kokosnüssen, die hier ganz wunderbar schmecken.
Weiter geht es dann außerhalb des Quadrangles. Wir sehen uns die größte vollende Dagoba Polonnaruwas an: Rankot Vihara.
Schließlich erreichen wir den Höhepunkt eines jeden Besuchs von Polonnaruwa: Gal Vihara – den schwarzen Fels. Hier kann man vier monumentale Buddha-Statuen bestaunen – eine eindrucksvoller als die andere. Besonders die stehende Statue mit den über die Brust verschränkten Armen ist dabei spannend, fällt sie doch aus der gewöhnlichen Ikonographie des Buddhismus heraus. Vielleicht handelt es sich hier um die Darstellung eines der Lieblingsschüler Buddhas? Oder um den Möch, der den Buddhismus nach Sri Lanka brachte? Man ist unterschiedlicher Meinung. Aber auch die drei übrigen Statuen sind kunstvoll gestaltet und ihr friedlicher Ausdruck weiß zu berühren. Ein ganz toller Ort, dessen Gesamteindruck aber leider von einem etwas lieblosen Blechdach eingetrübt wird.
Damit ist die Besichtigung am frühen Nachmittag beendet - wir sind erschöpft und sehr zufrieden. In einem nahen Dorf machen wir eine Mittagsrast und genießen schöne Blicke auf das Grün uns umgebender Reisfelder. In der kleinen Gaststätte speist man von einem Lotusblatt und kann ganz viele typische Spezialitäten kosten. Auch lerne ich hier zum ersten Mal das Ginger-Beer IGB zu schätzen – mein Savanna Dry Sri Lankas. Wunderbar.
Den Rest des Tages verbringen wir entspannt im Hotel. Die Kinder schwimmen, der Vater stellt Echsen nach.
Nach all der Kultur der letzten Tage wird der kommende Tag eine Rückwendung zu den Naturschönheiten der Insel bringen: Wir werden das „Gathering“ im Kaudulla Nationalpark erleben – die weltweit größte Zusammenkunft asiatischer Elefanten.
Teil 1606. Mai 2020
12. Kapitel: The Gathering
Heute steht der Kaudulla Nationalpark auf unserem Programm. Eigentlich hatten wir geplant, den Minneriya Nationalpark zu besuchen, um dort das „Gathering“ zu erleben. Aber gerade halten sich die Elefanten weiter nördlich an einem anderen See auf, der auf dem Gebiet des Kaudulla Nationalparks liegt. Also planen wir um und fahren ein wenig weiter gen Norden.
Aber was ist überhaupt dieses „Gathering“? Zur Trockenzeit in unseren Sommermonaten versammelt sich eine große Zahl asiatischer Elefanten an den noch übrigen Wasserstellen der Region – und das sind die großen Wewas im Minneriya oder Kaudulla Nationalpark. Oftmals kann man mehr als zweihundert Dickhäuter auf den Wiesen, die an die Seen grenzen, beobachten. Wir sind also total gespannt auf diese weltweit größte Versammlung asiatischer Elefanten. 🙂
Leider spielt das Wetter heute nicht so mit. Es ist bedeckt und nieselt immer wieder. Dabei weht ein wirklich kräftiger Wind. 🙁
Als wir den Kaudulla Nationalpark erreichen, treffen wir auch dort auf recht viele Jeeps – man mag sich nicht so recht daran gewöhnen.
Den Park selbst erleben wir als überaus verbuscht. Links und rechts der Wege kann man kaum auf Beobachtungen hoffen, da die Vegetation überaus dicht ist. Gleich hinter dem Gate können wir ein Sumpfkrokodil erspähen – und das war es dann auch schon.
Bei den ausbleibenden Sichtungen hilft es auch nicht, dass der Fahrer überhaupt nicht mit uns kommuniziert – es macht den Eindruck als erledige er recht ungeschminkt sein Pflichtprogramm. Als wir die Uferregion des großen Sees erreichen, ändert sich das Landschaftsbild. Wir befahren eine offene Grasebene, die von mehr oder weniger trockenen Kanälen und kleinen Seen durchbrochen ist. Hier lassen sich viele Buntstörche beobachten.
Und bald treffen wir dann auch auf die Elefanten. 🙂 Zuerst beobachten wir eine große Herde aus der Ferne. Ein tiefer Wassergraben trennt uns von der Ansammlung der Dickhäuter. Lange stehen wir hier und sind von den vielen Tieren sehr begeistert.
Nur sind sie eben recht weit entfernt. Dafür stehen wir allein hier und wundern uns, wo die anderen Jeeps sich aufhalten. Irgendwann fragen wir den Fahrer, ob es noch andere Beobachtungspunkte gibt und etwas widerwillig fährt er uns durch ein regelmäßiges Auf- und Ab der Gräben. Ohne ein gutes Allradfahrzeug wäre hier kein Durchkommen – und auch so erscheint es nicht unanspruchsvoll. Ich wäre sicher steckengeblieben… 😵
Dafür entdecken wir aber bald weitere Jeeps, die auf die Anwesenheit einer weiteren Herde hindeuten. Dieser Herde sind wir dieses Mal viel näher. So weit das Auge reicht ziehen Elefanten in kleinen Familienverbänden am Ufer umher. Wir zählen rund 150 Tiere. Dazwischen immer wieder niedliche Jungtiere. In der folgenden Stunde genießen wir einfach die Anwesenheit der Tiere und ihr friedliches Miteinander – und blenden dabei erfolgreich die anderen Jeeps aus, die sich den Spot mit uns teilen. Alle Autos stehen mit ausgeschaltetem Motor herum, keiner hat fährt hin oder her – das hilft sehr dabei, sich auf die Elefanten zu konzentrieren. Auch wenn wir schon viele Elefanten in Sri Lanka gesehen haben und auf sehr vertrautem Fuß mit ihren afrikanischen Verwandten stehen – das „Gathering“ ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die Masse der Tiere ist einfach beeindruckend.
Auf der Rückfahrt – die uns auch außerhalb des Nationalparks bei einbrechender Dunkelheit an weiteren Elefanten vorbeiführt – wird unsere Große zunehmend schlapp – am Abend hat sie leichtes Fieber.
Wir legen uns früh zur Ruhe, nehmen das Abendessen getrennt voneinander ein, damit immer einer im Zimmer bleiben kann, und hoffen, dass der Schlaf rasche Besserung bringt. 😵
Heute werden wir von Elefanten träumen.
Teil 1711. Mai 2020
13. Kapitel: Anuradhapura und Umgebung
Als wir aufwachen, ist unsere Große leider immer noch ein wenig schlapp. Das Fieber ist zum Glück gesunken, sodass wir alle reisefähig sind.
Heute führt uns unser Weg in die erste Hauptstadt des Inselreichs: Anuradhapura. Zuvor jedoch machen wir einen kleinen Schlenker und statten dem beeindruckenden Tempelareal Thanthirimale Raja Maha einen Besuch ab, das etwa 30 Kilometer von Anuradhapura entfernt ist. Die Anlage steht nicht auf dem Ausflugsplan der Standardtouren und so suchen wir hier weitere Touristen vergeblich. Lediglich einige Einheimische besuchen mit uns gemeinsam das weitläufige Areal. Auch für unseren Guide ist es das erste Mal, dass er diesen Ort besichtigt. Der Tempel fügt sich in eine schöne Felsenlandschaft und beherbergt neben einem erst 1981 erbauten Haupttempel eine schöne Dagoba und einen Bodhi-Baum. Gemäß der buddhistischen Überlieferung erlebte Siddhartha Gautama unter einer solchen Pappelfeige sitzend das „Erwachen“ und wurde damit zum Buddha.
Als eigentliche Highlights des Tempels befinden sich hier außerdem zwei Felsenstatuen Buddhas, die den Vergleich mit denen von Gal Vihara kaum zu scheuen brauchen. Wir sind sehr glücklich, dass wir diesen kleinen Umweg eingeplant haben. Ein echter Geheimtipp.
Gegen Mittag erreichen wir Anuradhapura und genehmigen uns dort ein einfaches Mittagessen in einem der typischen Straßenimbisse – Dhal-Curry und Co schmecken hier überall lecker.
Unserer Großen setzt dieser Besichtigungstag dann doch zu. Und so tragen wir sie oft durch die schönen Tempelanlagen Anuradhapuras und machen immer wieder längere Pausen. Unsere erste Station am Nachmittag ist das Felsenkloster Isurumuniya, das durch seine Lage beeindruckt und schöne Blicke auf Anuradhapuras andere Sehenswürdigkeiten eröffnet. Außerdem befinden sich hier einige sehr sehenswerte Reliefs. Unser Guide sorgt dafür, dass unsere Große einen priesterlichen Segen und Heilwasser erhält, das sie trinken und auf die Stirn streichen soll. Und warum auch immer: Bald geht es ihr etwas besser.
Besonders freue ich mich auf dem Areal des Klosters über eine kleine Grotte, in der eine Flughundkolonie den Tag verschläft. Es macht Spaß, die Masse der Tiere aus nächster Nähe zu beobachten.
Dann geht es zum uralten Bodhi-Baum Sri Mahabodhi, der ein wichtiges Pilgerziel der hiesigen Buddhisten ist. Es ist überliefert, dass dieser Baum aus einem Zweig des angeblichen Nachfahren des Baumes gewachsen ist, unter dem Buddha sein Erwachen erlebt hat. Dieser Zweig kam bereits im dritten Jahrhundert vor Christus auf die Insel – ein beeindruckend alter Baum also.
Im Anschluss besuchen und umrunden wir einige der großen Dagobas der Stadt – Ruwanweli und Thuparama und sehen den aus dem vierten Jahrhundert stammenden Samadhi-Buddha an, der jedoch unsere Aufmerksamkeit mit absolut hinreißenden Hundewelpen teilen muss. 😛
In der Nähe ist das Klosterbad Kuttam Pokuma einen Besuch wert.
Einen der schönsten Mondsteine der Insel – jene Schwelle, die den Sakralraum von dem Profanen abgrenzt – kann man am Queen’s Pavillon bewundern.
Den berühmten Bronzepalast finden wir aber leider erst nach Sonnenuntergang – wir müssen ihn erst eine ganze Weile suchen – unser Guide kennt sich hier nicht so gut aus und auch Erklärungen beschränken sich erneut auf Hinweise auf selbst zu lesende Informationstafeln… 😗
Total erschöpft erreichen wir das Rajarata Hotel am Stadtrand und fühlen uns hier sehr wohl. Zimmer und Essen sind hier prima. Bald schlafen wir ein.
Morgen steht unsere letzte Safari in Sri Lanka an: Wir werden den Wilpattu Nationalpark besuchen, der etwa 40 Kilometer von Anuradhapura entfernt ist. Wir sind gespannt – und zwar völlig zu Recht! 😗
Teil 1813. Mai 2020
14. Kapitel: Im Dschungel von Wilpattu
In der Nacht liegen meine Frau und ich lange wach. Wir diskutieren, wie am frühen Morgen handeln wollen, da unserer Große ja heute am Vortag noch kränklich war. Schweren Herzens beschließen wir, dass ich allein vor Sonnenaufgang in Richtung Wilpattu aufbrechen werde und der Rest der Familie – je nach Gesundheitszustand – den Nachmittagsgamedrive mitmacht. Das heißt zwar, dass wir am Mittag zweimal hin und her fahren müssen – und wie wir wissen, kommt man auf der Insel nicht wirklich schnell voran – aber das erscheint uns im Blick auf die aktuelle Situation die beste Lösung zu sein, um nicht alle auf die Morgensafari verzichten zu müssen. Ich sage an dieser Stelle nochmal ausdrücklich Danke, dass ich fahren durfte. 😘
Um 5 Uhr fahre ich also allein mit meinem Betreuerteam in Richtung Schutzgebiet.
Der Wilpattu Nationalpark ist mit 1317 Quadratkilometern der größte seiner Art auf der Insel. Von 1988 an war er wegen der Bürgerkriegswirren geschlossen und wurde erst 2003 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Auch 16 Jahre später ist noch kaum Infrastruktur entstanden. Es gibt ein einfaches Hauptgate mit Rangerstation und daneben einfache Sanitäranlagen. Im Gegensatz zu den anderen von uns besuchten Parks, ist man hier in den frühen Morgenstunden beinahe allein – vielleicht eine Handvoll weiterer Jeeps fährt mit uns um sechs Uhr früh zur Toresöffnung in den Park. Das gefällt mir schonmal sehr. Hier wird es zu keinen Konvoifahrten kommen. 🙂
Der Park trägt seinen Namen wegen der Vielzahl von Seen, die auf seinem Gebiet zu finden sind, den Willus. Diese bilden Lichtungen in dem ansonsten von dichtem Dschungel geprägten Gebiet. Im Vorfeld habe ich über Wilpattu gemischte Berichte gelesen – einerseits hat der Park einen guten Ruf in Bezug auf Beobachtungsmöglichkeiten von Leopard und vor allem Lippenbär. Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit von Sichtungen durch die Dichte der Vegetation schon sehr eingeschränkt. So habe ich viele Reiseberichte gelesen, die davon erzählen, in diesem Park nicht sehr viel gesehen zu haben. 😵
Tatsächlich kann man jenseits der Lichtungen oftmals nur wenige Meter abseits der engen Straßen in den Wald sehen, dann wird der Pflanzenbewuchs zu dicht und das Sonnenlicht dringt nur spärlich bis zum Boden. Bezeichnenderweise macht ein Schild am Eingang des Parks darauf aufmerksam, dass die hier lebenden Leoparden zwar die Besucher sehen würden, dass dies aber noch lange nicht heißen müsse, dass auch die Besucher die Leoparden erblicken werden… 😗
Damit man sich die Landschaft und deren Bewuchs etwas besser vorstellen kann, schicke ich zwei Fotos von typischen Wegen durch den Wald Willpattus voraus. Mir hat der Wald sehr gut gefallen und auch unabhängig von Tiersichtungen hat die Fahrt durch die urwüchsige Natur Spaß gemacht.
Nicht weit vom Gate entfernt – es ist noch recht dunkel – taucht neben der Straße plötzlich ein Muntjak auf. Leider ist die Vegetation hier dicht und das Licht spärlich und so entstehen keine guten Fotos. Trotzdem freue ich mich über diesen Neuzugang auf meiner Säugetierliste.
Wenig später kommt es zu einer weiteren Sichtung, über die ich mich sehr freue: Das endemische Ceylonhuhn lässt sich endlich von mir ablichten. Ohne den Nationalvogel Sri Lankas zu sehen, wäre ich tatsächlich ungern abgereist.
Die weitere Fahrt lässt uns Pfaue entdecken und führt einmal mehr an einigen Axishirschen vorbei.
Die Schlangenweihe scheint ein sehr typischer Raubvogel der Region zu sein – einige Male kann ich einen Vertreter dieser Art auf bodennahen Ästen auf Beute lauern sehen.
Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen, als es auf einer kleinen Lichtung zu einem ersten Höhepunkt der Ausfahrt kommt: In einiger Entfernung sitzt tatsächlich ein Leopard, der sich von uns bei der Morgentoilette beobachten lässt. 🤩 Das Licht ist nicht optimal und das Tier sitzt auch nicht gerade neben der Straße – aber immerhin: Leopard im Wilpattu: Check! Ich freue mich. 🙂
Nachdem wir unseren Weg fortgesetzt haben, kommt es bald zu einer weiteren schönen Sichtung: Einige Sambarhirschkühe sind nah des Weges unterwegs. Das Licht wird langsam besser und so freue ich mich über diese Sichtung sehr – im Yala sahen wir schließlich nur einen Sambar in der Düsternis der Abenddämmerung.
Weiter geht es mit viel Vegetation und einigen Axishirschen. Eine Schlangenweihe ist wieder auf der Lauer. Und im Dickicht liegt ein Sambarbulle. Toll.
An den Willus, an denen wir vorbeikommen, ist dagegen wenig los. Immerhin einige trinkende Grünflügeltauben können wir beobachten.
Dann geht es durch über einen engen Waldweg durch dichtesten Bewuchs. Mitten auf der Straße steht hier ein weiterer Jeep. Ohne diesen wären wir wahrscheinlich einfach weitergefahren und hätten die zwei Leoparden, die sich im Dickicht verborgen halten, nicht erspäht. 🤪 Man muss sich schon einige Mühe geben, um die Tiere links und rechts des Weges durch den grünen Vorhang Wilpattus zu erkennen. Fotos mit Autofokus sind hier wegen der vielen Bläter und des schummrigen Lichtes unmöglich. Und so mühe ich mich mit manuellem Fokus und fiesen Verbiegungen auf der Ladefläche unseres Pickups ab, um einen einigermaßen vegetationsfreien Blickwinkel zu erreichen. So entstehen immerhin einige – wenn auch nicht ganz scharfe – Erinnerungen an die zwei schönen Katzen.
Die Fahrt geht weiter. Einige Hutmakaken verkürzen uns die Zeit und auf einer großen Lichtung treffen wir auf einen kapitalen Axishirsch.
An einem großen Willu machen wir eine Picknickpause – erst hier sammeln sich wieder die wenigen Jeeps, die im Park unterwegs sind.
Auf der Rückfahrt ist an verschiedenen Willus jetzt mehr los: Eine Wildschweinrotte lässt sich beim Trinken in einiger Entfernung beobachten. Viel näher sind Axishirsche und ein hübsch posierender Waran.
Noch einmal fahren wir zurück zu den zwei Leoparden. Es ist nur noch einer von beiden zu sehen – dieser hat sich aber umgelagert und lässt sich nun auf einem Termitenhügel dösend gut beobachten und ablichten. Wenn man denn bereit ist, sich bäuchlings auf die Ladefläche zu legen… 🤪
Auf der Weiterfahrt beobachten wir einige graue Languren.
Und dann folgt das unverhoffte Highlight der Ausfahrt: An einem Willu nahe dem Gate trinkt ganz ruhig und friedlich ein Lippenbär! 🤩 Ich traue meinen Augen nicht und dann explodiert die Freude. Lange können wir das Tier beim Trinken beobachten. Schließlich spaziert der Bär in aller Ruhe auf uns zu und wir können ihn ein Stück auf seinem Streifzug begleiten, bis er schließlich im Dickicht des Waldes verschwindet. Solch eine Begegnung hatte ich mir im Vorfeld der Reise so sehr gewünscht – und jetzt hat es tatsächlich geklappt. Ich bin selig.
Am „Bären-Willu“ sehen wir schließlich noch einen Bindenwaran.
Und dann ist die Fahrt vorbei – und ich bin hochgradig zufrieden. 🙂 Wir fahren zurück nach Anuradhapura und verbringen die Mittagszeit gemeinsam als Famlie im Hotel. Ich zeige meiner Familie die Fotos und wir freuen uns darauf, den Nachmittag gemeinsam im Wilpattu Nationalpark verbringen zu können – unserer Großen geht es nach einigen Anlaufschwierigkeiten am Morgen wieder gut. 🙂
Teil 1917. Mai 2020
Fortsetzung Wilpattu Nationalpark
Um 15 Uhr sind wir mit der ganzen Familie wieder im Park und genießen gemeinsam die schöne Landschaft, die den Wilpattu Nationalpark prägt.
Zu Beginn der Fahrt zeigt sich im Vergleich zum heutigen Morgen wenig Wild – schade für meine drei Mädels. Aber je später der Nachmittag wird, desto vielfältiger werden die Begegnungen im Wald und vor allem an den Willus. Die ersten Sichtungen entstammen vor allem der Vogelwelt.
Ein Wollhalsstorch.
Halsbandsittiche, die wir ansonsten vor allem als Dauergäste unseres heimischen Vogelhauses kennen.
Und dann ein beeindruckender Graukopfseeadler, über den wir uns sehr freuen.
Auch Languren lassen sich wieder sehen und ein recht kleines Sumpfkrokodil ruht am Ufer eines der vielen Seen.
Auf einer Lichtung sehen wir eine kleine Büffelherde – im Wilpattu die erste Sichtung dieser Tierart.
Und dann schließlich – ich bin sehr erleichtert – können wir wiederum im recht dichten Bewuchs einen stattlichen Leoparden ausmachen. Auch hier muss man sich etwas verrenken, wenn man den müden Kuder beobachten will. Aber es ist trotzdem eine schöne Begegnung – und so haben wir alle vier im Wilpattu einen Leoparden sehen können. 🙂
Weiter geht es mit Axishirschen, Grünflügeltauben und Pfauen.
Langsam geht die Sonne unter, ein Schwarznackenhase quert flink die Fahrbahn und zum Abschied zeigt sich schließlich kurz vor Verlassen des Parks ein durstiger Elefantenbulle an einem der großen Willus.
Somit haben wir alle großen (tagaktiven) Säuger gesehen, die den Park bewohnen. Die Elefantensichtung setzt einen schönen Schlusspunkt an einen ganz wunderbaren Safaritag und an das Ende unserer Safaris in Sri Lanka. 🙂
Nach 19 Uhr kommen wir im Hotel in Anuradhapura an. Wir genießen ein gutes Abendessen, lesen den Kindern vor, packen ein wenig zusammen und fallen bald erschöpft ins Bett. Was für ein rundum schöner Tag!
Teil 2025. Mai 2020
15. Kapitel: Baden und Entspannen an der Ostküste
Die folgenden drei Tage sind recht schnell erzählt und aus unterschiedlichen Gründen auch nur spärlich bebildert.
Nach dem Frühstück brechen wir in Richtung Ostküste auf. In Nilaveli, das nördlich der Stadt Trincomalee liegt, werden wir die folgenden drei Tage verbringen. Der Transfer ist die letzte Fahrt mit unserem liebgewonnenen Bus – am Ziel, dem schönen Nilaveli Beach Hotel – verabschieden wir uns herzlich von Fahrer und Guide. Die Kinder überreichen Selbstgemaltes, wir zwei Umschläge – Trinkgeld ist in Sri Lanka ein hohes Gut.
Die Fahrten gen Flughafen mit Zwischenstopp in Kandy werden von einem anderen Team betreut werden – wir sind überrascht, als wir dies am Vortag erfahren. Transparenz ist doch eine feine Sache… 😗
Den angebrochenen Tag verbringen wir zumeist im Schatten der zahlreichen Bäume im Garten des Hotels, der direkt an den breiten Sandstrand angrenzt.
Wegen der brennenden Sonne kann man diesen aber kaum betreten. Westliche Touristen sieht man selten – wenn überhaupt jemand am Strand ist, dann sind es Einheimische oder Kühe – hier an der Ostküste dominiert der Hinduismus.
Den Platz teilt man sich vor allem mit recht zahlreichen Languren, die sich hier augenscheinlich zuhause fühlen. Wir genießen die Zeit bei Michshakes und Kokosnüssen – es ist auch einmal schön, einfach die Seele baumeln zu lassen.
Das Abendessen ist gut und wird bei Fackelschein unter freiem Himmel eingenommen.
Auch das Frühstück am Folgetag weiß mit seinem Abwechslungsreichtum zu überzeugen – von diversen Currys bis zu frisch zubereiteten Pancakes gibt es so gut wie alles, was das Herz begehrt.
Am zweiten vollen Tag an der Küste mieten wir uns ein Boot und Schnorchelausrüstung und steuern die nicht weit entfernte Pidgeon Island an, die Teil eines Meeresschutzgebiets ist.
Nach kurzer Fahrt erreichen wir die kleine Insel und sind erstmal von den Besuchermengen irritiert, die nur wenig reguliert werden. Durch die vielen Menschen und den Tsunami 2004 sind die vor der Insel gelagerten Korallen ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Leider verhalten sich hier lange nicht alle Anwesenden umsichtig… 😕
Schwimmt man etwa 20 Meter hinaus, so eröffnet sich dem Schnorchelnden jedoch eine weitgehend intakte Korallenlandschaft, die von einer Vielzahl buntester Fische bewohnt wird – für uns ein Blick in eine völlig neue Welt, die wir leider ausstattungsbedingt nicht dokumentieren können. Abwechselnd unternehmen wir einige Schnorchelgänge – die Kinder vergnügen sich derweil auf Seilschaukeln. Dabei beobachten wir unterschiedliche Doktorfische, Papageienfische, Seenadeln, Clownfische und Vieles mehr, für das wir keine Namen haben. Teilweise gleiten wir durch riesige Fischschwärme. Und ich habe das Glück zwei Mal auf einen Schwarzspitzen-Riffhai zu stoßen. Es ist schon etwas unheimlich, diesem etwa 1,8 Meter langen Raubfisch - der sich so gar nicht für mich interessiert - so nahe zu sein. Die hier vorkommenden Meeresschildkröten zeigen sich uns aber leider nicht. Gegen 15 Uhr geht es zurück ans Festland – leider vergesse ich meine Schuhe auf der Insel. Die Rückholaktion zu organisieren, wird mich den weiteren Nachmittag beschäftigen… 😗
Die drei Tage am Meer haben uns gutgetan – die Kinder genießen die freie Zeit in vollen Zügen. Sie lieben den Pool, die Hängematten, die Freiheit.
Im nächsten Kapitel geht es dann über Dambulla zurück nach Kandy, wo uns ein weiteres Highlight der Reise erwartet: Die Esala Perahera – eine spektakuläre Prozession zu Ehren Buddhas Eckzahns.